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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Mo.19.05.03, 12:45 Irak am einundsechzigsten Tag nach Kriegsbeginn
US-Militär räumt unerwartete Probleme in Irak ein +++
USA geben politische Kontrolle im Irak vorerst nicht aus der Hand +++
USA bieten früherem polnischen Vize-Regierungschef Posten in Irak an +++
G-8-Staaten: Kein Schuldenerlass für Irak +++
UNICEF warnt erneut vor humanitärer Krise in Irak +++
Irakischer Atomexperte besorgt über Gefahr durch gestohlenes Uran +++
Mo.19.05.03 - Die US-Streitkräfte haben am Wochenende eingeräumt, bei der
Wiederherstellung der Sicherheit in Irak auf unerwartete Probleme gestoßen zu
sein. Sechs Wochen nach der Eroberung Bagdads ziehen noch immer Plünderer
und Kriminelle durch die Straßen der Fünf-Millionen-Einwohner-Stadt.
Zur Sicherheitslage in Bagdad sagte Generalmajor William Webster am Samstag, mit der
gerade erfolgten Aufstockung der Truppen von 16.000 auf 25.000 Soldaten sollte sich
das Bild bald ändern. Zudem habe die Militärpolizei, unterstützt von irakischen
Polizisten, die Zahl der Nachtstreifen verdoppelt. Webster sagte, die US-Streitkräfte seien
von dem Tempo überrascht worden, mit dem sich der irakische Militär- und Polizeiapparat aufgelöst
habe. "Wir haben nicht erwartet, dass ganze Einheiten ihre Ausrüstung einfach
liegen lassen und in Zivilkleidung wechseln", sagte der Generalmajor. "Wir haben
nicht erwartet, dass die Polizisten einfach nach Hause gehen."
In Bagdad kam es am Sonntag wieder zu chaotischen Szenen, als die Behörden mit der Auszahlung einer Art
Not-Rente begannen. Da die Akten der Rentenbehörde bei den Plünderungen verschwanden, will sie in den
kommenden 30 Tagen ein Überbrückungsgeld in Höhe von 40 Dollar an 350.000 irakische Rentner verteilen. Obwohl
die Auszahlung nach einer festgelegten Reihenfolge erfolgen soll, löste die Ankündigung einen Ansturm aus. Rund
5.000 Rentner versuchten, in den Sitz der Behörde einzudringen. In den kommenden Wochen sollen täglich 14.000
Rentner ihr Geld erhalten.
Bremer verständigte sich mit führenden irakischen Politikern auf die wichtigsten anstehenden Aufgaben:
Wiederherstellung der Sicherheit, Aufbau der Demokratie und Ausmerzen der Reste der Baath-Partei Saddam
Husseins. Zur Wiederherstellung von Sicherheit und Ordnung will Bremer nach Angaben des
US-Verteidigungsministeriums den ehemaligen New Yorker Polizeichef Bernard Kerik ins Land holen. Kerik führte die
New Yorker Polizei durch die Zeit nach den Terroranschlägen vom 11. September.
Die US-Regierung will die politische Kontrolle im Irak vorerst nicht aus der Hand geben.
Sie habe die für Juni angekündigte Ernennung einer irakischen Übergangsregierung auf
unbestimmte Zeit verschoben, erklärten irakische Politiker gestern.
Die arabische Zeitung Al-Sharq Al-Awsat berichtete unter Berufung
auf Vertreter irakischer Parteien, der neue US-Zivilverwalter Paul
Bremer habe bei einem Treffen am Freitag mitgeteilt, wegen der
großen Differenzen zwischen den verschiedenen irakischen
Gruppierungen habe Washington entschieden, vorerst keine
irakische Übergangsregierung einzurichten. Geschaffen werden
solle nur eine irakische Übergangsverwaltung, die den
Besatzungsmächten beim Wiederaufbau zur Seite stehen solle.
Der frühere polnische Vize-Regierungschef Marek Belka soll möglicherweise
eine internationale Beratergruppe für US-Zivilverwalter Paul Bremer in Irak leiten. Es
gebe eine offizielle Anfrage der USA, sagte Belka am Sonntag der polnischen
Nachrichtenagentur PAP zufolge. Er bestätigte demnach auch Berichte, wonach er
in Kürze nach Irak reisen wird. "Ich soll mit Bremer sprechen, mich über den Inhalt
seines Angebots informieren, über die Kompetenzen (der Beratergruppe) und über
die Stellung der Gruppe innerhalb der Zivilverwaltung", sagte Belka. Erst dann werde
er entscheiden, ob er diese Aufgabe übernehmen werde. Der Büroleiter für nationale
Sicherheit beim polnischen Präsidenten, Marek Siwiec, bestätigte ebenfalls das
Angebot der USA. Es sei aber noch nicht klar, welche Aufgaben dieser Posten
umfasse.
Die USA haben auf dem G-8-Finanzministertreffen in der
Normandie keine Zustimmung zum von ihnen favorisierten Schuldenerlass für Irak
erhalten. Stattdessen verständigten sich die reichsten Industrieländer und Russland
auf eine Aussetzung der irakischen Rückzahlungen bis 2005.
Bundesfinanzminister Hans Eichel betonte nach dem G-8-Treffen in Deauville, ein
Schuldenerlass für Irak stehe nicht zur Debatte. Sein US-Kollege John Snow sagte,
es habe "allgemeine Zustimmung darin bestanden, dass wir von Irak bis mindestens
Ende 2004 keine Schuldenabzahlungen erwarten können". Die Finanzminister
hätten vereinbart, bei der Ermittlung des genauen irakischen Schuldenstands
zusammen zu arbeiten. Internationaler Währungsfonds (IWF) und Weltbank wurden
gebeten, die irakischen Schulden bei Ländern zu beziffern, die nicht zu den 19 Mitgliedern
des Pariser Clubs gehören. Allein dem Pariser Club soll Irak mindestens 26 Milliarden Dollar schulden,
einen großen Teil davon Deutschland, Frankreich und Russland.
Bei den G-8-Beratungen ging es vor allem um die Weltwirtschaftslage nach dem Irak-Krieg, den Höhenflug des Euros und die
Gefährdung durch Terrorismus. Die Minister bereiteten auch den G-8-Gipfel der Staats- und Regierungschefs in zwei
Wochen in Evian vor. Der G-8 gehören neben Frankreich die USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Kanada,
Italien und Russland an.
Jüngste Wirtschaftsdaten haben die Besorgnis ausgelöst, dass sich Deutschland am Rand einer Rezession und
Japan bereits in einer Deflationsspirale befinden könnte. Der hohe Euro-Kurs verteuert zudem europäische Güter und
Dienstleistungen. Mer wies auch auf die Auswirkung von Terroranschlägen auf die Konjunktur hin und forderte ein
nochmals verstärktes internationales Vorgehen gegen Geldwäsche und Geldbeschaffung terroristischer Gruppen.
Das Weltkinderhilfswerk UNICEF hat am Sonntag vor einer großen humanitären Krise in Irak
gewarnt. Das Land benötige sehr schnell weitere Hilfsmaßnahmen, sagte UNICEF-Direktorin Carol Bellamy
im Anschluss an eine viertägige Irak-Reise. Ihre Organisation versuche die schlechte sanitäre Lage zu
verbessern und beteilige sich an der Räumung von tödlicher Artilleriemunition. Zudem dringe UNICEF darauf,
dass wieder mehr Kinder die Schulen besuchen.
Vor dem Krieg starb eines von acht Kindern, bevor es fünf Jahre alt wurde, ein
Viertel der Kinder war unterernährt und besuchte keine Schule, wie Bellamy sagte.
UNICEF hat für die kommenden sechs Monate Hilfszusagen über 70 Millionen
Dollar für die wichtigsten Arbeiten erhalten. Gebeten hatte die Organisation die
internationale Gemeinschaft um 165 Millionen Dollar. Mit dem Geld sollen irakische
Kinder mit Essen und Trinkwasser versorgt und medizinisch betreut werden.
Der irakische Atomexperte Abbas Blasim glaubt, dass von dem
gestohlenen Uran aus der irakischen Atomanlage El Tuweitha eine große Gefahr
ausgeht. Nach dem Einmarsch der Amerikaner in Bagdad hatten Dutzende von
Plünderern Fässer mit Uran und anderen gefährlichen Stoffen vom Gelände des
zerstörten Atomreaktors entwendet. In den ersten Tagen nach dem Sturz des
Regimes konnten Plünderer nach Angaben von Augenzeugen fast ungehindert ein
und aus gehen.
Der Irak-Krieg hat nach Ansicht von IAEA-Chef Mohamed
ElBaradei die Notwendigkeit einer Stärkung des internationalen Rechts unter
Beweis gestellt. Die Haltung der Vereinigten Staaten gegenüber seinen
Inspekteuren habe ihn sehr frustriert, sagte der Generaldirektor der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) am Sonntag am Rande eines Vortrags an der Tufts
University im US-Staat Massachusetts. Er forderte neuen Zugang für
UN-Rüstungskontrolleure, um die Frage etwaiger irakischer Atomwaffen endgültig zu
klären.
"Der Krieg in Irak ist ein Weckruf, um uns alle daran zu erinnern, dass wir
zusammenarbeiten und eine bessere Gesellschaft aufbauen müssen", sagte ElBaradei.
"Ich glaube nicht, dass unsere Probleme gelöst werden, wenn wir bei Konflikten jedes Mal
gleich einen Krieg anzetteln." Der IAEA-Chef hatte im Zuge der Inspektionen vor dem
Golfkrieg stets betont, dass es keine Hinweise auf ein irakisches Atomwaffenprogramm gebe.
Für einen endgültigen Beweis müssten jedoch weitere Rüstungskontrollen erfolgen.
ElBaradei ist schon wegen des Irak-Kriegs in starken Konflikt mit den USA geraten. Nun wird er von Washington
bedrängt, Iran der Verletzung des Atomwaffensperrvertrags zu bezichtigen. Zu seinem diesbezüglichen Bericht, der im
kommenden Monat erwartet wird, äußerte sich der IAEA-Generaldirektor am Sonntag nicht. Er kritisierte jedoch
Nordkorea, das die IAEA-Inspekteure Ende letzten Jahres des Landes verwiesen hatte.
(Quellen: afp, ap, dpa)
«Die UNO wird zum Feigenblatt»
«Der Entwurf einer neuen Irak-Resolution der USA spricht den
Prinzipien des Völkerrechts Hohn. Doch die klare Ablehnung
durch Frankreich, Deutschland und Russland bleibt aus.» (taz vom 19.05.03)
Mehr unter:
Dokumentation: US-Vorschläge für die Irak-Resolution
«Warnung vor Wettrüsten im Weltraum»
Büro für Technologiefolgenabschätzung beim Bundestag (TAB): Die militärische Nutzung
des Weltraums eröffnet in der Wahrnehmung der US-Militärs und -Politiker zahlreiche attraktive Optionen zur
Gewinnung und Sicherung der weltweiten Informationshoheit, zur Prävention, Abschreckung und Kriegführung.
Mo.19.05.03 - Der Weltraum droht zum Schauplatz eines neuen und kaum zu
kontrollierenden Wettrüstens zu werden. Zu diesem Ergebnis kommt das Büro für
Technologiefolgenabschätzung beim Bundestag (TAB) in einer AP vorliegenden
Analyse für den Abrüstungs-Unterausschuss des Parlaments. Auslöser ist nach
Einschätzung der Wissenschaftler das amerikanische Streben nach militärischer
Überlegenheit im Weltraum. Entwickelt werden dafür Waffensysteme von
Killer-Satelliten über Laser-Kanonen bis zum "Transatmosphärischen Flugzeug" für
globale Blitz-Einsätze.
Der TAB-Bericht weist darauf hin, dass derzeit etwa 170 rein militärische Satelliten die
Erde umkreisen und für die Streitkräfte Funktionen wie Aufklärung, Frühwarnung,
Kommunikation und Steuerung erfüllen. Jetzt aber zeichne sich das Überschreiten einer
Schwelle bei der militärischen Nutzung des Weltraums ab: Demnächst könnten Waffensysteme
zur Einsatzreife weiterentwickelt werden, deren Stationierung auf der Erde oder im All eine
Spirale des Wettrüstens einleiten könnte.
In Strategien, Doktrinen und Planungen der militärisch
führenden Nationen werde die Nutzung des Weltraums für die Belange der Sicherheit zu einem zentralen Element,
heißt es in dem Bericht. Die USA seien der wichtigste Treiber dieser Entwicklung.
Eine von der Regierung eingesetzte «Space Commission» sei 2001 zu dem Schluss gekommen, dass gegenüber den
USA feindselig eingestellte Länder die Mittel besäßen oder sie sich beschafften, um US-Weltraumsysteme zu stören
oder zu zerstören. Die USA seien daher ein attraktives Ziel für ein «Space Pearl Harbour». Die militärische Nutzung
des Weltraums eröffne in der Wahrnehmung der US-Militärs und -Politiker zahlreiche attraktive Optionen zur
Gewinnung und Sicherung der weltweiten Informationshoheit, zur Prävention, Abschreckung und Kriegführung.
Im Blickpunkt stehen dem Bericht zufolge insbesondere solche Entwicklungen, die den Übergang von einer eher
passiven Nutzung des Alls zur Hochrüstung im Weltraum bedeuten: «Damit ist vor allem die Option der Stationierung
von Waffensystemen zum Einsatz in das, im und aus dem Weltraum angesprochen.» Diese Tendenz bereite Sorgen,
da das Weltraumrecht und die vorliegenden Rüstungskontrollvereinbarungen «nicht geeignet sind, eine weitere
Militarisierung des Weltraums zu bremsen».
Technologische Fähigkeiten zum Stören und Zerstören von Satelliten seien in den USA und Russland seit langem
vorhanden, heißt es in dem Bericht weiter. Die Technologien würden laufend weiter entwickelt. Auch China sei derzeit
bemüht, sich entsprechende Fähigkeiten anzueignen. Zudem seien alle Kernwaffenstaaten in der Lage, durch eine
hochatmosphärische Atomexplosion Satelliten zu schädigen. Die Zahl der dazu fähigen Staaten und Akteure könnte
sich durch Weiterverbreitung von Raketen- und Kernwaffentechnik in den nächsten Jahren noch erhöhen.
Als nächsten Schritt der Weltraum-Rüstung erwarten die TAB-Experten den Einsatz von aus Science-Fiction-Filmen
geläufigen «Killer-Satelliten» - maximal 100 Kilogramm schwere Mikrosatelliten oder fliegende Service-Roboter, die zur
Zerstörung anderer Satelliten eingesetzt werden können. Weiterentwickelt werden nach diesen Erkenntnissen derzeit
luftgestützte Laserwaffen gegen ballistische Raketen. Dies könnte ihre Eignung für den Einsatz gegen Weltraumziele
so weit verbessern, dass luftgestützte Laser eine wirksame Option würden.
Bald einsatzreif sind nach Einschätzung der Bundestagsexperten bodengestützte «Kill-Vehicles». Das sind mit
Raketen ins All beförderte massive Geschosse aus Schwermetall ohne Sprengkopf, die einen Satelliten selbstständig
ansteuern und ihn allein durch die Wucht des Aufpralls zertrümmern können.
Bereits heute einsetzbar seien bodengestützte Laserwaffen zur Störung der Funktion von Satelliten. Laser zur
Schädigung oder Zerstörung von Weltraumzielen seien mittelfristig zu erwartende Einsatzoptionen. Ebenfalls kurz- bis
mittelfristig einsetzbar seien bodengestützte Hochleistungs-Mikrowellenwaffen zum Stören von Satelliten.
Nicht vor 2020 rechnen die Wissenschaftler mit einem einsatzfähigen «transatmosphärischen Flugzeug», das ebenso
im Luftraum über der Erde wie im Weltall operieren kann. Zum Einsatzspektrum eines solchen Flugzeugs zählen sie
neben Transport und Reparatur von Satelliten auch deren Störung oder Zerstörung, weltweite Aufklärung sowie Einsatz
von Präzisionswaffen gegen Ziele auf der Erde. In den USA gebe es entsprechende Entwicklungsprogramme bereits
seit 40 Jahren. Auch in Europa, Japan und Indien werde an solchen Konzepten gearbeitet, dort allerdings - zunächst -
unter dem Aspekt einer zivilen Nutzung.
(Quelle: ap)
USA vermuten El-Kaida-Drahtzieher von Riad-Anschlägen in Iran
Mo.19.05.03 - Die US-Regierung vermutet einen Drahtzieher der Anschläge auf ein von
Ausländern bewohntes Viertel in Riad am vergangenen Montag einem
Zeitungsbericht zufolge in Iran. Der Ägypter Saif el Adel sei inzwischen militärischer
Führer der El-Kaida-Organisation, nachdem sein Vorgänger Mohammed Atef Ende
2001 durch US-Bomben in Afghanistan getötet wurde, meldete die "Washington
Post" am Sonntag unter Berufung auf US-Regierungsbeamte und
Terrorismusexperten. Gemeinsam mit Adel würden sich auch ein Sohn von Osama
bin Laden, Saad bin Laden, und der El-Kaida-Trainingschef Abu Mohammed Masri
in Iran verstecken. (Quelle: afp)
Casablanca-Attentäter waren radikal-islamisch
Mo.19.05.03 - Einige der Selbstmordattentäter von Casablanca haben einer in Marokko verbotenen
radikal-islamistischen Gruppierung angehört. Sie soll Verbindungen zum Terrornetzwerk El Kaida von Osama
bin Laden haben. Wie Justizminister Mohammed Bouzoubaa am Sonntag in Rabat mitteilte, handelt es sich
um die im Untergrund operierende Gruppe "Assirat al Moustaqim" (Der rechte Weg). Einige ihrer Mitglieder
sollen sich angesichts von Razzien in Marokko im vergangenen Jahr ins Ausland
abgesetzt haben und nun für die Anschläge zurückgekehrt sein.
Unterdessen wächst nach den Selbstmordanschlägen in der marokkanischen
Hafenstadt vom Freitagabend mit 41 Toten und fast 100 Verletzten die Furcht vor
einer neuen Welle islamistischen Terrors. Das Attentat erfolgte nur vier Tage nach
den Terroranschlägen im saudi-arabischen Riad.
Die fünf Bomben in Casablanca trafen jüdische und westliche Einrichtungen. Die
meisten Todesopfer sind Marokkaner, aber auch drei Spanier, drei Franzosen, ein
Italiener und ein Jugoslawe kamen um. Auch 13 der 14 Selbstmordattentäter seien
tot, sagte Innenminister Mustafa Sahel am Sonntag. Die Anschläge trügen die
"Handschrift" El Kaidas, hieß es in Sicherheitskreisen. Hinweise auf deutsche
Opfer gibt es nicht.
Nach dem Blutbad wurden drei mutmaßliche Täter gefasst, unter ihnen ein schwer
verletzter Selbstmordattentäter. Zudem seien bei Razzien im ganzen Land bis zu 100 Islamisten festgenommen
worden, teilten Parteien und Menschenrechtsgruppen mit. Die Polizei sprach dagegen von rund 30 Festnahmen.
Marokko, ein enger Verbündeter der USA in der arabischen Welt, wurde mit den Anschlägen erstmals Ziel eines
solchen Angriffs. König Mohammed VI. habe nach Besichtigung der Tatorte ein hartes Durchgreifen gefordert, hieß es.
Nach den Worten von Innenminister Sahel wurden die äußerst präzise ausgeführten Anschläge von einer aus 14
Marokkanern bestehenden Terrorzelle verübt, die sich in fünf Kommandos aufgeteilt habe. Nach Überzeugung von
Sicherheitsexperten wurden sie aus dem Ausland gesteuert und finanziert. Es gebe deutliche Parallelen zu den
Anschlägen in Riad mit 34 Toten, die ebenfalls dem Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden zugeschrieben
wurden. Möglicherweise sei dies der Anfang einer neuen Terrorwelle.
US-Präsident George W. Bush verurteilte die Terroranschläge von Casablanca scharf. Die USA würden den
marokkanischen Behörden bei der Suche nach den Tätern helfen. Auch US-Regierungsbeamte verdächtigten El Kaida
als Urheber der Attentate.
(Quelle: dpa)
Annan ruft Israelis und Palästinenser zum Frieden auf
Mo.19.05.03 - Nach den jüngsten Selbstmordanschlägen im Nahen Osten hat
UN-Generalsekretär Kofi Annan Israelis und Palästinenser eindringlich ermahnt,
sich den Friedensprozess nicht von Extremisten entreißen zu lassen. In
ungewöhnlich eindeutigen Worten rief Annan am Sonntagabend beide Seiten zur
vollständigen Übernahme der so genannten Straßenkarte des Nahostquartetts auf,
dem die Vereinten Nationen neben den USA, der EU und Russland angehören.
Dieser Plan könne wie kein anderer die Sicherheit der Menschen im Nahen Osten
garantieren, hieß es in der in New York verbreiteten Erklärung Annans. Die jüngste
Anschlagsserie zur Störung des Friedensprozesses verurteilte er zutiefst. Bei drei
Selbstmordattacken sowie einer Schießerei waren am Samstag und Sonntag binnen
elf Stunden neun Israelis und fünf palästinensische Attentäter ums Leben
gekommen.
Solche Mordanschläge heizten den Teufelskreis der Gewalt
weiter an und zögen Racheakte, Furcht und Misstrauen nach
sich, die das größte Hindernis auf dem Weg zum Frieden seien.
Die palästinensische Führung müsse alles tun, um diesem Terrorismus Einhalt zu gebieten, forderte Annan. Israel
wiederum müsse in seiner Reaktion gemäß internationalen Konventionen Zurückhaltung üben. So seien die
israelischen Streitkräfte zum Schutz der Zivilpersonen in den besetzten palästinensischen Gebieten verpflichtet.
(Quelle: ap)
Der «Fahrplan» zum Nahost-Frieden (Nahost-Friedensplan)
Israel offenbar für weitere Gespräche mit Abbas
Mo.19.05.03 - Auch nach den jüngsten Selbstmordanschlägen ist Israel
nach Angaben aus Regierungskreisen zu weiteren Gesprächen mit dem neuen
palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas bereit.
Es sei zu früh, den Prozess mit Abbas abzubrechen, verlautete am Sonntag aus
den Kreisen. Abbas hatte sich am Samstagabend zum ersten Mal mit Israels
Ministerpräsident Ariel Scharon getroffen, ohne jedoch einen erkennbaren Fortschritt
für den Fortgang des Friedensprozesses zu erzielen. Wenige Stunden nach dem
Treffen hatte ein palästinensischer Selbstmordattentäter in Jerusalem sieben Menschen
getötet. Kurz danach sprengte sich ein weiterer Palästinenser ebenfalls in Jerusalem die Luft.
In einer ersten Reaktion auf die Anschläge verschärfte die israelische Armee am Abend
nach eigenen Angaben die Abriegelung des Westjordanlandes. US-Außenminister Colin
Powell forderte die Palästinenser zu sofortigem und entschlossenem Handeln auf, um die Gewalt
zu beenden. Abbas hat zugesagt, gegen die Gewalt militanter Gruppen vorgehen zu wollen.
Israel macht Palästinenser-Präsident Jassir Arafat für die Gewalttaten verantwortlich. In den israelischen
Regierungskreisen hieß es, künftig würden alle ausländischen Politiker, die sich mit Arafat treffen wollten im Rahmen
ihrer Nahost-Reise nicht mehr von israelischen Vertretern empfangen. (Quelle: rtr)
Palästinensischer Selbstmordanschlag auf israelische Soldaten
Mo.19.05.03 - Ein Rad fahrender Palästinenser hat sich am Montag in der Nähe eines
israelischen Jeeps in die Luft gesprengt. Drei Soldaten wurden leicht verletzt. Es
war der vierte Selbstmordanschlag der militanten Hamas-Organisation seit
Samstagabend. In einem Bekennerschreiben identifizierte die Hamas den Attentäter
vom Montag als einen 19-jährigen aus dem Flüchtlingslager Bureidsch namens
Schadi Nabahin. In drei Selbstmordanschlägen wurden am Wochenende neun
Israelis getötet und 23 verwundet. (Quelle: ap)
Kriegsrecht in indonesischer Provinz Aceh
Mo.19.05.03 - Wenige Stunden nach Verhängung des Kriegsrechts über der
indonesischen Provinz Aceh sind hunderte Fallschirmspringer der Armee in der
Unruheregion gelandet. Tausende weitere Soldaten wurden in Alarmbereitschaft
versetzt. Augenzeugen in der Stadt Lhokseumawe berichteten am Montag von einer
äußerst angespannten Lage. An strategischen Punkten seien gepanzerte
Fahrzeuge postiert worden, die meisten Geschäfte seien geschlossen.
Die Zentralregierung in Jakarta hatte in der Nacht zum Montag den Notstand für die
Provinz an der Nordspitze Sumatras erklärt und das Kriegsrecht verhängt, das dem
Militär weit reichende Vollmachten einräumt. Kurz zuvor waren Gespräche
zwischen der "Bewegung Freies Aceh» (GAM) und der Regierung in Tokio zur Rettung
eines im Dezember geschlossenen Friedensabkommens ergebnislos abgebrochen
worden.
Die GAM kämpft seit 1976 für einen eigenen islamischen Staat in der an Öl- und
Gasvorkommen reichen Provinz. Die indonesische Regierung lehnt eine Abspaltung hingegen
strikt ab und bot bislang allenfalls eine weit reichende Autonomie an. Dem
Konflikt fielen bisher über 11.000 Menschen zum Opfer, die meisten von ihnen Zivilisten.
(Quelle: dpa)
«Aceh ist eine der ältesten Konfliktregionen in Südostasien mit
einer langen Tradition des Widerstands gegen Kolonialisten,
Besatzer und despotische Politiker»
«Während der holländischen
Kolonialzeit von England zeitweilig als unabhängiger Staat
anerkannt, verlor Aceh diesen Sonderstatus 1871, als die
Engländer klein beigaben und mit dem Vertrag von Sumatra
Holland nun auch über Aceh freie Hand ließen. Der
holländisch-acehnesische Krieg (1873 bis 1903) war der
längste und blutigste während der niederländischen
Kolonialherrschaft. Selbst nachdem der Sultan von Aceh die
Waffen gestreckt hatte und der Guerillakrieg 1912 endete, sah
sich die holländische Militärregierung von Sabotageakten
bedroht. Die Mehrheit der Acehnesen revoltierte gegen die
Herrschaft der Europäer und begrüßte 1942 die japanische
Okkupation Sumatras, was den niederländischen Einfluß in
diesem Teil ihres Imperiums beendete.
Seine große Rolle im Unabhängigkeitskampf Indonesiens
(1945–1949) sah Aceh von der zentralistischen Politik Jakartas
unzureichend gewürdigt: 1953 wurde eine unabhängige
islamische Republik ausgerufen, die im Jahre 1961 erst
aufgelöst wurde, nachdem Jakarta dem Territorium einen
Sonderstatus zubilligte. Das änderte nichts daran, daß Jakarta
auch fortan die Politik in Aceh und über den Erlös seiner
Ressourcen bestimmte.»
«Indonesien ist ein zentralistisch regierter Inselstaat, dessen
Präsidenten sich seit dem Abgang Suhartos mit dem Erbe des
Ex-Diktators herumschlagen müssen»
«..Eine politische Krise folgt
der nächsten, die tiefgreifende Wirtschaftsmisere verursacht
soziale Unruhen. Noch Anfang 1998 zählte die Weltbank
Indonesien zur zweiten Generation der ökonomisch
erfolgreichen »Tigerstaaten«. Doch kein Land erlebte eine so
rasche Pauperisierung so großer Bevölkerungsschichten, wie
das seitdem in Indonesien der Fall ist. Über ein Fünftel der 210
Millionen Einwohner Indonesiens, so der Australier Dr. Kevin
O'Reilly, im Jakarta-Büro der Vereinten Nationen Leiter der
Sektion Feldforschung und Analyse, ist gegenwärtig von
Lebensmittelhilfen des UN-Ernährungsprogramms abhängig.
Über 150 Bombenanschläge in verschiedenen Landesteilen,
bewaffnete Konflikte sowie interethnische und interreligiöse
Spannungen erschütterten seit Mai 1998 das Vertrauen der
Menschen in die öffentliche Ordnung. Die Attentate auf Bali am
12. Oktober 2002 mit 202 Todesopfern erheischten nur
deshalb kurz mediale Aufmerksamkeit im Westen, weil das
Gros der Opfer Weiße waren...» (Quelle: "junge welt" vom 19.05.03)
Türkei hebt Reisebeschränkungen für griechische Zyprer auf
Mo.19.05.03 - Die Türkei öffnet sich für griechische Zyprer. Ab dem kommenden
Donnerstag dürfen die griechischen Zyprer ohne Visum in die Türkei einreisen, wie
der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Samstag ankündigte. Die
"Türen der Türkei" stünden ihnen damit zum ersten Mal seit 40 Jahren offen, fügte
er hinzu. Erdogan forderte zugleich Griechenland auf, dieser Geste des guten
Willens zu folgen und im Gegenzug den türkischen Zyprern keine
Reisebeschränkungen mehr aufzuerlegen.
Zypern ist seit einer türkischen Invasion im Jahre 1974 in einen griechischen Süden
und einen türkischen Norden geteilt. Im nördlichen Inselteil, der nur von der Türkei
als Staat anerkannt wird, sind heute rund 40.000 türkische Soldaten stationiert.
Vergangenen Monat hob der Norden das Einreiseverbot von griechischen Zyprern
auf und ermöglichte damit erstmals seit Jahrzehnten Besuche im jeweils anderen
Inselteil. (Quelle: ap)
Liberale und Sozialisten siegen bei Parlamenstwahl in Belgien
Mo.19.05.03 - In Belgien haben die Flämischen Liberalen von Ministerpräsident Guy
Verhofstadt und die mitregierenden Sozialisten mit deutlicher Mehrheit die
Parlamentswahlen am Sonntag gewonnen. Nach jüngsten Hochrechnungen des
Fernsehsenders VRT erhielten sie 96 der 150 Sitze im belgischen Abgeordnetenhaus.
Die beiden Parteien verfügen demnach sowohl in Flandern
als auch in Wallonien über die Mehrheit und können nun
auch ohne ihren grünen Koalitionspartner weitere vier Jahre regieren. Während die
Grünen herbe Verluste hinnehmen mussten, erreichte der rechtsradikale Vlaams
Blok das beste Ergebnis in seiner 25-jährigen Parteigeschichte.
Der Vlaams Blok konnte den Hochrechnungen zufolge sein
Ergebnis auf 17,9 Prozent der Stimmen steigern. Bei den
vorherigen Wahlen 1999 in Flandern erzielte die Partei 15,4
Prozent. Der Vlaams Blok trat im Wahlkampf für eine
Null-Toleranz-Politik bei der Verbrechensbekämpfung und einen
Einwanderungsstopp ein.
Die Parteien in Belgien sind entlang der Sprachengrenzen organisiert und müssen miteinander koalieren, um eine
Mehrheit zu erreichen. Eine Koalition muss zudem in beiden Teilen des Landes, dem niederländisch-sprachigen
Flandern und dem französisch-sprachigen Wallonien über eine Mehrheit verfügen. (Quelle: rtr)
Deutschland: SPD-Linke macht weiter Front gegen Agenda 2010
Mo.19.05.03 - Zwei Wochen vor dem SPD-Sonderparteitag macht der linke
Parteiflügel weiter Front gegen die Reformagenda 2010 von Bundeskanzler Gerhard
Schröder. Das Programm löse kein einziges der drängenden Probleme in den
Sozialversicherungen und am Arbeitsmarkt, sagte der Wortführer und
Bundestagsabgeordnete Ottmar Schreiner am Sonntag auf einem "Parteitag von
unten" in Frankfurt am Main. "Wir sind keine Betonköpfe, auch wir wollen
Reformen. Aber wir wollen keinen platten Sozialabbau zu Lasten der kleinen Leute",
rief er unter dem Beifall der gut 150 SPD-Mitglieder, die aus ganz Deutschland angereist
waren.
Die Parteilinke Andrea Nahles, die auch im SPD-Vorstand sitzt, bestritt Vorwürfe, die
Kritik des linken Flügels an der Reformagenda gefährde die Regierungsfähigkeit der SPD.
Darüber würden im Herbst Sachfragen Aufschluss geben, etwa ob es gelinge, den
Haushalt zu konsolidieren und die Zahl der Arbeitslosen "von fünf auf vier Millionen zu
drücken".
Eindringlich forderte sie, zur Finanzierung der Arbeitslosen-, Renten- und
Krankenversicherung alle Einkommensarten heran zu ziehen, also auch Beamte
und Freiberufler. Nahles verlangte, die Erbschaftssteuer für Reiche zu erhöhen und
die Vermögensteuer wieder einzuführen. "Damit könnte man Bildungsausgaben
finanzieren." Schröders Plan, Arbeitslosen die Bezüge zu kürzen, nannte sie feige.
"Natürlich können wir das machen, aber nur, wenn jedem auch ein Arbeitsplatz
angeboten wird."
Schreiner sagte mit Blick auf die derzeit schlechten Umfragewerte der Partei, aus Sicht vieler Wähler seien SPD und
CDU in der Beschäftigungs-, Wachstums- und Sozialpolitik kaum noch zu unterscheiden."Es fehlt das
sozialdemokratische Profil", sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA).
Ausdrücklich kritisierte Schreiner, das Kanzler Schröder sein Reformvorhaben mit dem Fortbestand seiner Regierung
verknüpft hat. "Das macht die Sache nicht leichter, denn wir brauchen eine repressionsfreie Diskussion."
Er wies darauf hin, dass der AfA-Vorstand das Mitgliederbegehren gegen Schröders Reformkurs einstimmig
unterstützt. Dieses droht aber zu versanden: Nach Angaben der Initiatoren hatten Anfang Mai erst rund 5.000 der
notwendigen 67.000 Mitglieder unterschrieben.
Vizesprecher der Demokratischen Linken 21, Detlev von Larcher, forderte, die auf der ganzen Welt verteilten
Steueroasen für Superreiche auszutrocknen. Dort würden Milliarden an Steuern hinterzogen. "Solange das nicht
geschieht, ist das Einsparen bei den Schwächsten ethisch unmoralisch."
(Quelle: ap)
DGB erwartet lang anhaltende Reform-Proteste
Mo.19.05.03 - Bei der Umsetzung ihrer Reformagenda 2010 muss sich die
Bundesregierung auf lang anhaltende Gewerkschaftsproteste gefasst machen. "Ich
gehe davon aus, dass wir im September, Oktober oder November weitermachen
müssen", sagte DGB-Chef Michael Sommer am Sonntag in Potsdam bei einer
Zwischenbilanz zur ersten Aktionswoche des DGB. Tags zuvor hatten in Berlin rund
10.000 Gewerkschafter erneut gegen die Reformpolitik von Rot-Grün protestiert.
Sommer betonte, eine Spaltung des Gewerkschaftsbundes gebe es nicht.
Sommer sagte, es reiche nicht aus, wie bisher "nur an der ein oder anderen Stelle zu
Abmilderungen" an den geplanten Einschnitten bei Sozial- und Gesundheitsleistungen zu
kommen. Zum Ausscheren dreier Einzelgewerkschaften aus dem gemeinsamen
Gewerkschaftskurs sagte er, es gebe "unterschiedliche Ansichten in der Frage, wie
man vorgehen sollte", aber Einigkeit im Ziel.
Gleichwohl mahnte der Gewerkschaftschef, "man sollte schon
sehen, dass man nach außen gemeinsam vorgeht". Die IG BCE, die Eisenbahnergewerkschaft Transnet sowie die
Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten hatten am Freitag erklärt, im Gegensatz zur offiziellen DGB-Linie stärker
auf die Regierung zugehen zu wollen. Sommer kündigte für (den morgigen) Montag Gespräche über das weitere
Vorgehen an.
Mit dem bisherigen Verlauf der "Kommunikationskampagne" zeigte sich Sommer "sehr zufrieden". Man habe das
Gespräch mit den Bürgern gefunden, die verschiedenen Kundgebungen seien gut besucht gewesen. Zahlen lägen
dazu noch nicht vor. Er habe innerhalb der Bevölkerung ein tiefes Gefühl von sozialer Ungerechtigkeit angesichts der
aktuellen Politik festgestellt.
Auf der Kundgebung in Berlin hatte ver.di-Chef Frank Bsirske Kanzler Gerhard Schröder und seine Reform-Agenda
2010 heftig angegriffen und ihm Bruch von Wahlversprechen vorgeworfen. "Wir erleben einen Kanzler, der mittlerweile
in zentralen Fragen den Wirtschaftsliberalen näher zu stehen scheint als weiten Teilen der eigenen Partei". Auch
Teile der Grünen seien offenbar bei Positionen der FDP angekommen.
DGB-Vizechefin Ursula Engelen-Kefer kritisierte geplante Einschnitte im Sozial- und Gesundheitswesen als ungerecht
und wirtschaftspolitisch falsch. Deutschland stehe "vor einem Konflikt über die grundlegende Weichenstellung". Die
Gewerkschaften stünden dabei zusammen und ließen sich nicht gegeneinander aufhetzen oder spalten. Es gebe
sicherlich "unterschiedliche Wege, wie man ein Ziel verfolgt. Es gibt aber keine Unterschiede in der Zielsetzung".
Die Kundgebung hatte symbolisch um "5 vor 12" auf dem Potsdamer Platz begonnen. Danach setzte sich ein
Demonstrationszug Richtung Alexanderplatz in Bewegung, wo weitere Busladungen mit Demonstranten warteten.
Veranstalter ver.di hatte mit 15.000 Teilnehmern gerechnet.
Die Gewerkschaftsproteste werden am kommenden Samstag unter anderem in Hannover, Hamburg, Kaiserslautern, Leipzig,
Nürnberg und Pforzheim fortgesetzt. (Quelle: ap)
«Linke Ökonomen, Politiker und Gewerkschafter diskutierten über Auswege aus Massenarbeitslosigkeit»
Über Alternativen zum Umbau des Arbeitsmarktes à la Hartz
und Schröder haben am Wochenende Experten aus Politik und
Wirtschaft unter dem Dach der Rosa-Luxemburg-Stiftung in
Berlin diskutiert. Dem Hartz-Konzept, das erklärtermaßen
darauf abzielt, die Zahl der Erwerbslosen auf zwei Millionen zu
senken, fehle seine wichtigste Voraussetzung – das
Wirtschaftswachstum, darüber waren sich die Teilnehmer einig. (Quelle: jw)
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«Erste Frühlingsakademie von Attac in Regensburg lotete Alternativen zur neoliberalen Globalisierung aus»
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Merz: Sozialhilfe "grundlegend nach unten" korrigieren
Mo.19.05.03 - CDU-Fraktionsvize Friedrich Merz fordert im Rahmen der
Reformdebatte bei der Sozialhilfe "grundlegende Korrekturen nach unten".
"Die Leistungen sind - jedenfalls für die arbeitsfähigen Sozialhilfeempfänger
in Deutschland - schon heute eher zu hoch als zu niedrig", sagte Merz im
"Deutschlandfunk". Zudem müsse die auch von der Bundesregierung anvisierte
Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe auf die Abschaffung der
Arbeitslosenhilfe hinauslaufen, betonte Merz.
Hier gebe es "theoretisch" bereits seit vier Jahren eine Übereinstimmung zwischen
Union und SPD, doch sei die Zusammenarbeit in der Praxis schwierig, so Merz
weiter.
In der SPD werde immer noch diskutiert, ob Arbeitslosen- und Sozialhilfe nicht auf
einem höheren Niveau als dem der Sozialhilfe zusammengelegt werden müssten.
Sollten die Sozialdemokraten dies vorschlagen, "dann wird es keine
Übereinstimmung geben", betonte der Unionspolitiker. Für die notwendigen
Kurskorreturen sei sicher auch ein Herangehen an die "großen Brocken der
Subventionen" nötig. "Wir müssen aber auch bitte dafür sorgen, dass die völlig aus
dem Ruder gelaufenen Sozialbudgets in Deutschland wieder unter Kontrolle
kommen", sagte Merz.
(Quelle: afp)
«Chinesischer Internet-Dissident zu fünf Jahren Haft verurteilt»
Wegen freier Meinungsäußerung im Internet ist in China ein Mann zu
fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Auf seiner Website hatte
Huang Qi eine Liste von Regierungskritikern und in Polizeigewahrsam
Verschwundenen veröffentlicht. Mehr unter:
« In neuen Kommunikationswegen wie SMS, MMS und Internet
sehen Kriminalisten eine Fülle von Möglichkeiten für die Öffentlichkeitsfahndung»
Mo.19.05.03 - "Um die 90 Prozent
aller Erkenntnisse über Straftaten und Gefahrenlagen liegen beim Bürger. Unsere Zielrichtung muss sein,
dieses Wissen abzuschöpfen. Dafür müssen wir dem Bürger sagen, was wir wissen wollen", sagte Josef
Schön, Leiter des Referats Allgemeine Fahndungskoordination im Bundeskriminalamt (BKA), in einem
dpa-Gespräch. Gegenwärtig erprobe die Polizei in zehn Städten, nach Banküberfällen oder ähnlichen
Taten möglichst rasch Informationen über Täter und Fluchtfahrzeuge per SMS etwa an Taxi- und
Busfahrer weiterzugeben. "Eben an Leute, die sich den ganzen Tag im Straßenverkehr aufhalten", sagte
Schön. Künftig ließen sich auf diese Weise vielleicht sogar Fahndungsfotos übermitteln; der
Multimediaservice (MMS) erweitere diese Möglichkeiten noch. Zudem plant das BKA nach Angaben
Schöns, Bilder und andere aktuelle Fahndungsaufrufe auf häufig genutzten Internet-Seiten -- etwa von
Online-Diensten und Auktionshäusern -- zu platzieren. Auch werde überlegt, Polizeiinformationen auf die
Displays von Autoradios zu übermitteln. Mit der Bahn verhandele die Polizei über die Nutzung von
Bildschirmen und Laufschriften in ICE-Zügen. Das vor zwei Jahren eingerichtete Service-Center Fahndung
beim BKA suche ständig nach neuen Wegen. (Quelle: dpa)
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