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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Di.20.05.03, 12:45 Irak am zweiundsechzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Größte antiamerikanische Demonstration seit Ende der Kampfhandlungen in Irak +++
Ex-Generäle halten Saddam noch immer für gefährlich +++
USA erwarten Zustimmung zu nachgebesserter Resolution.
UN-Beauftragtem für Irak soll mehr Autorität zugestanden werden.
Kontrolle über irakisches Öl verbleibt jedoch bei den Siegermächten USA und Großbritannien +++
Di.20.05.03 - Bis zu 10.000 Schiiten haben am Montag in Bagdad friedlich gegen eine von den USA
bestimmte Übergangsregierung demonstriert. Es war die größte antiamerikanische Protestaktion seit
Ende der Kampfhandlungen inIrak.
US-Truppen beobachteten die Kundgebung vor einer sunnitischen Moschee im
Stadtteil Asimijah, griffen aber nicht ein. Einer der Organisatoren des Protests
sagte, die Moschee sei als Versammlungsort gewählt worden, um Einigkeit
zwischen Schiiten und Sunniten zu demonstrieren. Die Menge skandierte Parolen
wie "Keine Schiiten und keine Sunniten, einfach islamische Einheit", einige
Demonstranten führten Transparente mit der Aufschrift "Nein zur ausländischen
Verwaltung" und Porträts des verstorbenen iranischen Ayatollah Ruhollah Chomeini
mit sich.
Das US-Zentralkommando erklärte unterdessen, alliierte Truppen hätten den Schwager
es gestürzten Staatschefs Saddam Hussein gefangen genommen. Luai Chairallaha sei
bereits am Freitag in Haft genommen worden.
Chairallaha ist der Bruder von Saddam Husseins Ehefrau. Er galt als Vertrauter von
Saddam Husseins Sohn Odai und gehörte dem Sicherheitsapparat des gestürzten
Regimes an, wie das Zentralkommando erklärte. Er stand nicht auf der Liste der 55
meistgesuchten Iraker. Einzelheiten zu seiner Festnahme gaben die US-Truppen nicht
bekannt.
Der gestürzte irakische Präsident Saddam Hussein befehligt
nach Einschätzung irakischer Ex-Generäle noch immer eine Gruppe von Anhängern
und plant seine Rückkehr an die Macht.
Saddam verstecke sich möglicherweise zusammen mit seinen Söhnen Kusai und
Udai, sagten am Montag die Generäle, die sich jahrelang im Exil aufgehalten hatten
und nun mit den USA bei der Überprüfung des öffentlichen Dienstes und des
Sicherheitsapparates zusammenarbeiten. Generalmajor Taufik el Jassiri sagte
Reuters, Saddam habe in den vergangenen Tagen den Namen der Baath-Partei in "Auda"
geändert, was Wiederkehr bedeute.
"Saddam hat seine Autorität als Generalsekretär der (Baath-)Partei benutzt. Er
versteckt sich mit einer kleinen Gruppe, zu der möglicherweise auch seine beiden Söhne
gehören", sagte Jassiri, der 1991 eine Rebellion gegen Saddam unterstützt hatte.
"Saddam hat sich auf alle Eventualitäten vorbereitet, auch auf den totalen Zusammenbruch
seines Regimes", sagte Jassiri. "Er überlässt nichts dem Zufall und verfügt über genügend
Kommunikationsmittel." Saddam weise mit verschiedenen Mitteln seine Gefolgsleute an,
Chaos im Land zu verbreiten.
Generalmajor Saad Obeidi sagte, Saddams Erfolg werde davon abhängen, wie die von den USA eingesetzte
Verwaltung in Irak arbeite. "Zeit war immer das Rückgrat von Saddams Strategie. ... Die Plünderungen und das
Chaos, die wir heute sehen, kommt ihm zugute", sagte Obeidi.
In der nordirakischen Ölstadt Kirkuk wurden bei Zusammenstößen zwischen Kurden und Arabern nach
Polizeiangaben am Wochenende mehr als zehn Menschen getötet. Die Unsicherheit und die Plünderungen
beeinträchtigen nach Angaben von Öl-Vertretern die Förderung und damit die für die wirtschaftliche Erholung des
Landes wichtigen Ölexporte.
Die USA haben den Entwurf einer Resolution, die zur
Aufhebung der Sanktionen gegen den Irak führen soll, erneut nachgebessert und
erwarten bei der Abstimmung nun Zustimmung im UNO-Sicherheitsrat.
Der Resolutionstext, der nach Angaben von UNO-Botschafter John Negroponte bis
Ende der Woche im Sicherheitsrat zur Abstimmung gestellt werden soll, enthält
nach Einschätzung von diplomatischen Beobachtern nun einige Konzessionen an
die Kritiker, die unter anderem eine stärkere Rolle der UNO in der Wiederaufbauphase im Irak
nach dem Krieg verlangt hatten. Die Kontrolle über das irakische Öl wird jedoch weiterhin bei den
Siegermächten USA und Großbritannien bleiben.
Im einzelnen ist vorgesehen, dass das von der UNO ins Leben gerufene Programm "Öl für Lebensmittel", das für
zwei Drittel der irakischen Bevölkerung für den Lebensunterhalt wichtig ist, in sechs statt zuvor vier Monaten
auslaufen soll. Damit wollen die Urheber des Resolutionsentwurfs der Sorge begegnen, die Folgen der Beendigung
des Programms könnten zu schweren Lebensmittel-Engpässen im Irak führen.
Die von der UNO wegen des irakischen Überfalls auf das Ölland Kuwait 1990 verhängten Sanktionen sollen, bis auf die
Waffenimportrestriktionen, fallen. Die Erlöse aus dem Ölexport sollen zum Wiederaufbau des Iraks dienen, allerdings
sollen dem Entwurf zufolge die Besatzungsmächte allein über Preise und Exportmengen sowie darüber entscheiden
können, an welche Konzerne das irakische Öl verkauft wird. Dies soll gelten, bis eine frei gewählte und international
anerkannte irakische Regierung die politische und wirtschaftliche Verantwortung im Nachkriegsirak übernimmt.
Nach Kritik verschiedener Ratsmitglieder an der in den ersten Entwürfen vorgesehenen Rolle der UNO wird in der
jüngsten Fassung nun klar gestellt, dass der künftige UNO-Botschafter unabhängig handeln kann und nicht den
Direktiven Washingtons oder Londons im Irak zu folgen hat.
Die von Frankreich und Russland verlangte Rückkehr der UNO-Inspektoren wird als Thema insoweit offen gehalten, als
der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sich der Frage zu einem späteren Zeitpunkt erneut annehmen darf. Nach
den nach wie vor gültigen Resolutionen der UNO haben die Inspektoren vor Aufhebung der Sanktionen festzustellen,
dass der Irak keine Massenvernichtungswaffen hat.
Der Irak hatte immer bestritten, über solche Waffen zu verfügen. Gleichwohl hatten die USA das Vorhandensein von
Massenvernichtungswaffen als Kriegsgrund angeführt.
In US-Regierungskreisen hieß es, besonders an Frankreichs Zustimmung sei den USA und den Ko-Sponsoren der
Resolution, Großbritannien und Spanien, gelegen. Bisher hat keines der mit Veto-Vollmacht ausgestatteten
Ratsmitglieder erklärt, vom Veto-Recht Gebrauch machen zu wollen. Mit dem Entwurf, so Botschafter Negroponte,
seien die USA den Kritikern so weit wie möglich entgegen gekommen. "Wir glauben, der Resolutionsentwurf verdient
starke Unterstützung des gesamten Rates, und die, so glaube ich, werden wir bekommen."
Bundesaußenminister Joschka Fischer äußerte sich optimistisch, dass sich der UN-Sicherheitsrat auf eine Position
zur Rolle der Vereinten Nationen im Nachkriegsirak einigt. "Mit gutem Willen aller Beteiligten ist ein echter,
belastbarer Kompromiss möglich", sagte Fischer nach einem Treffen der EU-Außenminister am Montag in Brüssel.
Der Resolutionsentwurf der USA, Großbritanniens und Spaniens gebe dazu eine "gute Grundlage". Die Diskussion
über eine zentrale Rolle der UN, wie sie die EU gefordert hat, sei allerdings noch offen. Dies gelte auch für die Frage,
wie die Suche nach Massenvernichtungswaffen in Irak fortgesetzt werde und ob die UN-Sanktionen gegen das Land
aufgehoben werden sollten.
(Quellen: ap, rtr, afp)
«Hinter dem Resolutions-Gerangel geht es nur noch ums Öl und andere Geschäftsinteressen »
«...Amerikas Hegemonialpolitik setzt sich nun im Nachkriegsprogramm für den Irak fort. Fast wie eine Neuauflage des Ringens um
die UN-Kriegsresolution erscheint dabei das Streben nach einer Friedensresolution für den Irak. Allein das Pathos und die
Plakate fehlen diesmal, wo es jetzt nicht länger um kostbares Blut, sondern nur noch um billig sprudelndes Öl geht. Amerika
bastelt also eifrig an der UN-Resolution, bessert hier und dort ein bisschen nach, hofiert ein wenig in diese und jene Richtung.
Denn diesmal soll es ein 15 : 0 Ergebnis im Sicherheitsrat geben. Der Sicherheitsrat als Postwar-Abnickverein - better late than
never.
Den Kritikern der Resolution stößt auf, dass Amerika den völkerrechtswidrigen Krieg ( Der Wille zum Krieg triumphiert über
das Recht nun mit Hilfe des Sicherheitsrats nachlegitimieren will. Auch die nachgebesserte Resolution räumt den USA und
Großbritannien weit reichende Rechte in der Verwaltung des Landes ein. Zentral dabei ist der Streit um die Aufhebung der
UN-Sanktionen. Frankreichs und Russlands Forderung nach einer Rückkehr der Waffeninspektoren vor Aufhebung der
Sanktionen wird von den USA strikt abgelehnt. Die USA wollen bekanntlich die Handelssanktionen sofort fallen lassen, um das
Öl möglichst schnell in die richtigen Hände fließen zu lassen. Auch der missvergnügte Kanzler hat nun immerhin erklärt, dass die
Sanktionen keinen Sinn mehr machen und so schnell wie möglich aufgehoben werden sollten. Das ist zwar nicht der ganz
korrekte Kotau, um Bushs Verärgerung zu besänftigen, aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung.
Die Arbeit der Waffeninspektoren - das ist allen klar - wäre in der Tat nur ein Spielzug der Macht bei der Frage, welche Rolle
der UNO zukommt. Die Vorstellungen, was nun jenseits der sinnlosen Suche nach Massenvernichtungswaffen eine vitale Rolle
der UNO beim irakischen Wiederaufbau sein könnte, gehen weiter auseinander. In dem überarbeiteten Resolutionsentwurf der
USA bleibt es dabei, dass die Mitglieder der Kriegskoalition die Entscheidungsgewalt über die Geschicke des Irak bis zur
Bildung einer irakischen Regierung nicht aus den Händen geben wollen. Und dieser Prozess kann sich in einem politisch,
ethnisch und religiös zerstrittenen Land noch erhebliche Zeit hinziehen. Vermutlich jedenfalls so lange bis die Weichen der
irakischen Demokratie so gestellt sind, dass Washington auch wirklich die Regierung bekommt, die es sich verdient hat.
Hinter dem Resolutions-Gerangel regieren die unverhohlenen Geschäftsinteressen. Insbesondere Russland als Nichtteilnehmer
an der Koalition der Willigen sieht die mit Saddam Hussein vereinbarten Öl-Deals in Gefahr und will zudem auch Schulden in
Höhe von zig Milliarden Dollar eintreiben. Eine Schuldentilgungsregelung ist nun in dem kosmetisch überarbeiteten
Resolutionsentwurf vorgesehen, wenngleich deren Konkretisierung noch diverse Unklarheiten birgt.
Doch diesmal könnte Amerika mehr Glück in der UNO haben. Denn in UNO-Kreisen gilt wohl, dass man den Leviathan nicht
noch mehr reizen will. Überflüssig, nach Gründen zu fragen, wo doch jeder weiß, dass auf die Koalition der Willigen noch viele
Aufgaben warten und amerikanische Freundschaft das politisch wertvollste Gut in Zeiten nachwachsender Schurken ist. »
(telepolis, 18.05.03)
Im Kampf gegen Terrorismus wollen die USA Ausländer «durchleuchten»
Di.20.05.03 - Ausländer, die mit einem Visum in die USA einreisen, werden
vom 1. Januar 2004 an "durchleuchtet". Sie werden fotografiert und müssen ihre
Fingerabdrücke abliefern. Darüber hinaus werden ihre Reisedokumente mit
Terroristen-Listen verglichen, hieß es vom zuständigen Heimatschutzministerium in
Washington. Betroffen sein werden jährlich rund 23 Millionen ausländische
Besucher. Reisende aus Ländern, bei denen der Visa-Zwang abgeschafft wurde,
müssen vom 26. Oktober 2004 Pässe mit biometrischen Merkmalen vorlegen.
(Quelle: dpa)
Welle von Selbstmordanschlägen in Israel - Bush will trotz Anschlägen an Nahost-Friedensplan festhalten.
Di.20.05.03 - Angesichts der Welle von Selbstmordanschlägen
palästinensischer Extremisten in Israel haben die Vereinten Nationen von der
Palästinenserführung ein härteres Durchgreifen verlangt. Dabei müsse energisch
gegen die Drahtzieher des Terrors vorgegangen werden, erklärte der
Sonderbotschafter von UN-Generalsekretär Kofi Annan für den Nahen Osten, Terje
Roed-Larsen, am Montag in New York. Zuvor waren in Afula im Norden Israels beim
fünften Selbstmordanschlag binnen zwei Tagen vier Menschen getötet und etwa 50
verletzt worden.
"Terroristen sollten nicht die Macht haben, einen (Friedens-) Prozess zur Geisel zu
nehmen, der dem Terrorismus endlich ein Ende bereiten, Israel Sicherheit geben und die
Palästinenser von ihrem Leid befreien könnte", sagte Roed-Larsen.
Bei dem jüngsten Anschlag hatte eine palästinensische Attentäterin am Eingang zu
einem Einkaufszentrum in Afula einen an ihrem Körper versteckten Sprengsatz gezündet
und mindestens drei Menschen mit in den Tod gerissen. Nach Angaben der israelischen Behörden hatte die
Attentäterin zunächst versucht, in das Einkaufszentrum einzudringen. Als sie vom Sicherheitspersonal aufgehalten
wurde, habe sie die Bombe zur Explosion gebracht. Die Stadt Afula liegt unweit der Grenze zum Westjordanland und
war bereits mehrfach Schauplatz palästinensischer Anschläge.
Zu der Tat bekannten sich die radikale Organisation Islamischer Dschihad und die Al-Aksa-Brigaden, die zu Arafats
Fatah-Bewegung gehören. Am Wochenende waren insgesamt neun Israelis bei palästinensischen
Selbstmordanschlägen ums Leben gekommen. Der schwerste Anschlag galt einem Bus in Jerusalem, sieben Israelis
starben. Am Montagmorgen sprengte sich ein Palästinenser auf einem Motorrad im Gazastreifen in die Luft. Drei
Soldaten einer Armeepatrouille wurden verletzt, der Attentäter kam ums Leben.
Vor dem Hintergrund der Anschlagsserie werden in Israel die Forderungen nach einer Ausweisung von Arafat immer
lauter. Verteidigungsminister Schaul Mofas sagte am Montag, falls Arafat den Friedensprozess weiter blockiere, habe
Israel keine Alternative, als den Palästinenserpräsidenten ins Exil zu schicken. Armeekreise haben Arafat in den
vergangenen Tagen unumwunden beschuldigt, "direkte Befehle" zur Verstärkung des Terrors gegen Israel gegeben zu
haben. Belege dafür wurden jedoch nicht vorgelegt.
Ministerpräsident Ariel Scharon und die Armeeführung lehnen die Ausweisung ab. Scharons Berater Raanan Gissin
warf dem PLO-Chef im US-Sender CNN vor, die Terroristen zu "inspirieren". Die "Flutwelle" palästinensischer
Anschläge sei eine "Kriegserklärung", sagte Gissin. (Quelle: dpa)
Die neue Anschlagsserie richtet sich offenbar gegen die diplomatischen Bemühungen des neuen, reformorientierten
palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas. Dieser hatte sich am Samstag zum ersten Mal mit Israels
Regierungschef Ariel Scharon getroffen, ohne darüber Einigung zu erzielen, wer bei der Umsetzung des neuen von den
USA, der Europäischen Union (EU), Russland und den Vereinten Nationen vorgelegten Friedensplans den ersten
Schritt tun müsse.
In einer Reaktion auf die jüngsten Anschläge sagte US-Präsident Bush: "Ich bin zuversichtlich, dass wir mit dem
Friedensprozess fortfahren können." "Wir sind noch immer auf dem Weg zum Frieden. Es wird eben ein holpriger
Weg, und ich werde von dem Weg nicht abweichen, bis wir die Vision erreicht haben", sagte Bush. Ziel des Plans ist
die Gründung eines unabhängigen Palästinenser-Staates und dessen friedliche Koexistenz neben Israel.
>Die in Brüssel tagenden EU-Außenminister appellierten an Israel und die Palästinenser, nicht den gewaltbereiten
Kräften zu erlauben, die Suche nach einer friedlichen Lösung behindern. "Von beiden Seiten sind dringend sichtbare
und klare Zeichen des guten Willens erforderlich, um dem Nahen Osten wieder Hoffnung und Stabilität zu bringen",
hieß es in einer Erklärung. Bundesaußenminister Joschka Fischer sagte mit Blick auf den jüngsten Anschlag, wie
seine EU-Kollegen empfinde er Trauer, Bestürzung und Wut darüber, "dass wieder unschuldige Menschen sterben
mussten, weil ein verbrecherischer Terrorismus den Friedensprozess torpedieren will". Besonders die USA müssten
klar machen, dass es keine wesentlichen Änderungen am Friedensfahrplan des Nahostquartetts geben könne.
(Quellen: dpa, rtr)
Palästinenser-Sicherheitsdienste werden umgebaut
Di.20.05.03 - Im Bemühen um eine Reform der palästinensischen
Sicherheitskräfte und eine Eindämmung der Gewalt in
Nahost hat Ministerpräsident Mahmud Abbas mehrere
wichtige Ämter neu besetzt. General Abdelhaid
Abdelwahad sei zum stellvertretenden Innenminister und
Chef der Zivilverteidigung geworden, teilte das
Innenministerium mit. General Mahmud Asfur sei zum Chef der Palästinenserpolizei
und ebenfalls zum Vize-Innenminister ernannt worden. (Quelle: afp)
UN-Gesandter kritisiert israelische Reisebeschränkungen
Di.20.05.03 - Der Nahostgesandte der Vereinten Nationen, Terje Roed-Larsen, hat
Israel wegen der Reisebeschränkungen in Gaza scharf kritisiert. Wenn Israel die
Einschränkungen für die Reise nach Gaza und von dort hinaus nicht lockere, werde
die humanitäre Arbeit der UN dort unmöglich gemacht, sagte er am Montag vor dem
UN-Sicherheitsrat in New York.
Die israelische Verordnung vom 11. Mai besagt, dass nur Personen mit
Diplomatenpass nach Gaza einreisen oder von dort ausreisen dürfen. Der
stellvertretende israelische UN-Botschafter Arye Mekel hielt Roed-Larsen entgegen,
dass die humanitäre Lage in Gaza ein direktes Produkt palästinensischer
Terroranschläge sei. Israel habe diese Schritte zu seiner eigenen Sicherheit
unternehmen müssen. Gespräche über eine Lockerung der Reisebeschränkungen
seien frühestens am Mittwoch möglich. (Quelle: ap)
Radikale Palästinenser schließen Büros in Syrien
Di.20.05.03 - Auf Druck der Vereinigten Staaten haben mehrere radikale
Organisationen der Palästinenser ihre Büros in Syrien geschlossen. Sprecher der
zehn Gruppen, die einen Frieden mit Israel ablehnen, wollten sich am Montag nicht
äußern. Journalisten fanden die Büros der drei größten Organisationen geschlossen
vor: die der Hamas, des Islamischen Dschihads und der Volksfront für die Befreiung
Palästinas.
Der ehemalige Chef der Palästinensischen Nationalrats, Chaled el Fahum, sagte
der Nachrichtenagentur AP, die Gruppen hätten aus Sorge um Syrien ihre
Aktivitäten eingestellt. Die Entscheidung sei ein Ergebnis der amerikanischen Drohungen
gegen Syrien; eine Anweisung der Regierung in Damaskus zur Schließung der Büros habe
es nicht gegeben. Die Anführer der Gruppen wollten in Syrien bleiben, jedoch keine politische
Rolle spielen. Fahum erklärte, die Umstände würden darüber entscheiden, wie lange die
Büros geschlossen bleiben.
US-Außenminister Colin Powell hatte Anfang Mai den syrischen Präsidenten Baschar Assad getroffen. Powell
erklärte danach, Assad habe angedeutet, seine Regierung sei bereit, gegen einige palästinensische Gruppen in
Damaskus vorzugehen.
(Quelle: ap)
Rund 10.000 Menschen flüchten aus Liberia in die Elfenbeinküste
Di.20.05.03 - Schätzungsweise 10.000 Menschen sind nach Angaben der Vereinten
Nationen in den vergangenen zwei Tagen aus Liberia ins Nachbarland
Elfenbeinküste geflüchtet. Der Exodus begann, nachdem Rebellen die liberianische
Küstenstadt Harper am Wochenende unter ihre Kontrolle gebracht hatten, wie das
UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) am Montag in Abidjan mitteilte.
UNHCR-Sprecherin Astrid van Genderen Stort bezeichnete die Situation als
chaotisch.
Die Rebellen in Liberia kämpfen für den Sturz von Präsident Charles Taylor. Rund
300.000 Liberianer sind bereits in die Nachbarländer geflohen, unter anderem in die
Elfenbeinküste, wo ebenfalls ein Bürgerkrieg tobt. (Quelle: ap)
Annan bittet EU um Friedenseinsatz in Kongo
Di.20.05.03 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die Europäische Union um die
Entsendung einer Friedenstruppe in die Demokratische Republik Kongo gebeten.
Dies teilte der außenpolitische EU-Vertreter Javier Solana am Montag nach einem
Treffen der EU-Außen- und Verteidigungsminister in Brüssel mit. Solana äußerte
sich optimistisch, dass die EU der Bitte nachkommen könne. Über einen Zeitplan
sei allerdings noch nicht geredet worden.
Dies wäre ein weiterer Test für die Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU,
sagte Solana. Seit März führt die EU als ersten Einsatz überhaupt die Friedensmission
in Mazedonien. Die EU-Verteidigungsminister hatten zuvor erklärt, dass die schnelle
EU-Einsatztruppe von 60.000 Mann bis Jahresende voll einsatzfähig sein solle. Die
Truppe soll binnen 60 Tagen in Krisenregionen eingesetzt werden können und
hauptsächlich für friedenssichernde Missionen bereit stehen.
Nach einer Woche heftiger Kämpfe mit hunderten Toten im
Nordosten Kongos hatte der Weltsicherheitsrat Annan am vergangenen Freitag aufgefordert, eine internationalen
Friedenstruppe für die Region aufzustellen. Die Situation in dem zentralafrikanischen Land hat sich in den
vergangenen Wochen dramatisch verschlechtert.
(Quelle: ap)
WHO warnt vor neuen SARS-ähnlichen Krankheiten
Di.20.05.03 - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine verbesserte
internationale Zusammenarbeit zur Abwehr neuer Infektionskrankheiten wie SARS
angemahnt.
Die allmählich unter Kontrolle gebrachte Lungenkrankheit zeige, was erreicht
werden könne, wenn die internationalen Gesundheitsbehörden
zusammenarbeiteten, erklärte die WHO am Montag bei ihrer Jahresversammlung in
Genf. Gleichzeitig warnte die Organisation vor einer neuen, längst überfälligen
weltweiten Grippewelle. Diese werde ähnliche gefährlich sein wie jene, denen im 20.
Jahrhundert Millionen Menschen zu Opfer gefallen seien.
"Es wird mehr Ausbrüche wie SARS geben. Die Grippe wird nahezu sicher ausbrechen, so
wie es drei Mal im vergangenen Jahrhundert geschehen ist. Genauso wird es Krankheiten
geben, die wir noch nicht kennen", sagte der WHO-Experte für ansteckende Krankheiten,
David Heymann. Bei dem zehn Tage dauernden Treffen in Genf wollen Vertreter von 192
WHO-Mitgliedsländern über neue Instrumentarien zur besseren Überwachung und Bekämpfung
von ausbrechenden Krankheiten beraten. (Quelle: rtr)
Protest gegen Rentenreform in Frankreich reißt nicht ab
Di.20.05.03 - Mit Streiks im öffentlichen Dienst und landesweiten Kundgebungen
haben die Gewerkschaften in Frankreich ihren Protest gegen die Rentenreform der
Regierung Raffarin fortgesetzt. Mehr als 150.000 Demonstranten, darunter viele
Lehrer, gingen am Montag in Paris, Marseille, Toulouse oder Nantes auf die Straße.
Für Sonntag ist eine weitere Großdemonstration in Paris geplant, am Mittwoch
nächster Woche will das Kabinett den Gesetzentwurf beschließen, der eine
Verlängerung der Lebensarbeitszeit vorsieht. Einige Gewerkschaften haben bereits
unbefristete Streiks bei der Staatsbahn SNCF für den Fall angekündigt, dass die
konservative Regierung den Plan nicht noch einmal grundlegend überarbeitet.
Diese Forderung wies der für den öffentlichen Dienst zuständige Minister, Jean-Paul
Delevoye, am Montag im "Le Figaro" noch einmal zurück. Premierminister Jean-Pierre
Raffarin war es trotz einer Massendemonstration in der letzten Woche gelungen, die
Gewerkschaftsfront aufzubrechen und die gemäßigten Verbände CFDT und CGC mit
kleineren Nachbesserungen für seine Rentenreform zu gewinnen. CFDT-Chef François
Chérèque wurde daraufhin von Teilen seiner Gewerkschaft heftig kritisiert.
Am Montag fuhren in Marseille keine Busse und Bahnen, in Paris lief der öffentliche
Nahverkehr dagegen weitgehend normal. Neben Lehrern beteiligten sich Polizisten,
Postbeschäftigte, Eisenbahner und Finanzbeamte an den Protestaktionen.
Die Lehrer machten mit ihrem zweiten Aktionstag binnen zwei Wochen auch gegen
die Regierungspläne mobil, knapp 10.000 Stellen bei Aufsichtspersonal und
Aushilfskräften zu streichen und im Rahmen der Dezentralisierung 100.000
Beschäftigte an den Schulen künftig den Gebietskörperschaften zu unterstellen.
In einigen Schulen wurden Prüfungen abgesagt. Erziehungsminister Luc Ferry warnte
die Lehrer davor, "Schüler als Geiseln zu nehmen". (Quelle: ap)
IWF: Deutschland treibt auf Deflation zu
Di.20.05.03 - Der Internationale
Währungsfonds (IWF) sieht die Gefahr, dass Deutschland bei
anhaltend schwachem oder weiter absinkendem
Wirtschaftswachstum auf eine Deflation zutreibt. Angesichts
steigender Arbeitslosigkeit und der Probleme im Bankenbereich
gebe es auch nur begrenzte Möglichkeiten zur Gegensteuerung.
Die Europäische Zentralbank (EZB) habe jedoch die Möglichkeit,
die Geldpolitik zu lockern. Die Bundesregierung sieht trotz der
Warnungen des IWF keine Deflationsgefahr. Vorraussetzung wäre
ein Rückgang der Preise. "Ich kann so was nicht erkennen", sagte
der Sprecher von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) gestern
in Berlin. Deflation bedeutet, dass die Preise auf breiter Linie
dauerhaft sinken, weil die Nachfrage nach Produkten zurückgeht.
(Quelle: taz [afp, rtr])
Nach Rücktrittsdrohung: SPD-Spitze stützt Schröders Kurs
Di.20.05.03 - Die SPD-Spitze hat nach einer neuen Rücktrittsdrohung von Bundeskanzler
Gerhard Schröder grünes Licht für seine Sozialreformen gegeben. Trotz einiger
Zugeständnisse konnte Schröder aber nicht alle Kritiker auf seine Seite ziehen. Der 45-köpfige
SPD-Parteivorstand billigte am Montag bei fünf Gegenstimmen und zwei Enthaltungen den
Leitantrag zur Agenda 2010 für den Sonderparteitag am 1. Juni in Berlin.
Eingefügt wurde im Leitantrag die Forderung nach einer Abgabe
von Betrieben, die nicht ausbilden sowie die Zusage für ein
weiteres Hilfsprogramm für Langzeitarbeitslose vor allem in den neuen Ländern. Die
Forderung der Parteilinken, durch höhere Steuern auf große Erbschaften auch die
Reichen an der Modernisierierung des Sozialstaates zu beteiligen, ist in einem
weiteren Antrag enthalten, der bei nur einer Enthaltung vom SPD-Vorstand gebilligt
wurde. Das Konzept soll in die neue SPD-Programmdebatte zum regulären
Parteitag im November einfließen.
Schröder sagte, seine Reformen seien ein wichtiger Einschnitt in der Geschichte
der Partei. Die SPD habe die Zeichen der Zeit erkannt. Die Entscheidung für die "Agenda 2010"
sei ein "wirklicher Kraftakt gewesen." Der Kanzler: "Aber sie ist jetzt beschlossen." Der
Leitantrag sei im Vorstand nur in Details, nicht in der Substanz verändert worden. Es sei alles
präzisiert und umgesetzt worden, was er in seiner Regierungserklärung am 14. März gesagt habe.
Nach dpa-Informationen sagte Schröder in der Sitzung, wenn die Debatten um die Sozialreformen
in der SPD so weiter gingen, müsse ein anderer sein Amt übernehmen. Schröder bestätigte
vor Journalisten indirekt seine zweite Rücktrittsdrohung innerhalb von drei Wochen. Wer der
Bundesregierung die Arbeitsgrundlage entziehe - im Parlament oder auf dem Parteitag - müsse mit den
Konsequenzen leben. "Das versteht auch jeder". Er zeigte sich überzeugt, dass es auch bei der
Umsetzung der Reformen und der Abstimmung über die Gesetze eine eigene rot-grüne Mehrheit
im Bundestag geben werde.
Die Nein-Stimmen kamen von den Parteilinken Andrea Nahles, Sigrid Skarpelis-Sperk, Ulrich Maurer, Ottmar
Schreiner und DGB-Vize Ursula Engelen-Kefer. Es enthielten sich der saarländische SPD-Landeschef Heiko Maas
sowie der frühere Juso-Vorsitzende Benjamin Mikfeld.
Das weiterführende Perspektivpapier, in dem vor allem mehr Investitionen in Bildung und Forschung zur
Modernisierung der Gesellschaft gefordert werden, wurde im Vorstand von den SPD-Ministerpräsidenten scharf
kritisiert. Dies wurde von Fraktionschef Franz Müntefering und SPD-Generalsekretär Olaf Scholz zurückgewiesen.
Die bisherige Abkürzung "Iwan" (Innovation, Wachstum, Nachhaltigkeit und Arbeitsplätze) für diesen Antrag soll
jedoch fallen gelassen werden. Schröder nannte den Namen "nicht so glücklich". Die neue Bezeichnung solle "Wege
zu einem neuen Fortschritt" lauten. Weitere mittel- und langfristige Reformen würden auf dem regulären
Bundesparteitag im November behandelt. "Dies zeigt, dass hier niemand ruhig gestellt werden soll." Das Papier sei
auch kein "Placebo" zur Beruhigung der Parteilinken, sagte Schröder.
Die Opposition warf der SPD falsche Weichenstellung bei den Reformen vor. Bayerns Ministerpräsident Edmund
Stoiber (CSU) forderte, fünf Jahre lang auf Steuererhöhungen zu verzichten. Die Union werde Steuererhöhungen nach
Kräften verhindern. Nach Ansicht von CDU-Chefin Angela Merkel werde jeder internationale Investor davon abgehalten,
"in Deutschland auch nur einen Euro zu investieren". Seitens der Wirtschaft wurden besonders die SPD-Pläne für
eine Lehrstellenabgabe kritisiert, die wiederum die Gewerkschaften begrüßten. IG-Metall-Chef Klaus Zwickel sagte,
die soziale Unausgewogenheit der Pläne bleibe bestehen.
Die Sprecherin der SPD-Linken, Nahles, sieht die Reformdebatte in ihrer Partei nach den Ergänzungen jetzt auf einem
"guten Weg". Nahles sagte: "Wir sind weit gekommen, aber noch nicht am Ziel." Korrekturen wollten die Linken auf
dem SPD-Sonderparteitag vor allem bei der Begrenzung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes für die über
55-Jährigen. "Wenn man älteren Arbeitslosen das Geld wegnimmt, muss man ihnen zuvor auch ein Arbeitsangebot
gemacht haben." Probleme bereite weiterhin die vorgesehene Streichung des Arbeitgeberanteils beim Krankengeld.
Der Leitantrag enthält jetzt auch Zusagen zur deutlichen Verbesserung der Gemeindefinanzen sowie eine zweijährige
Übergangsfrist bei der geplanten Zusammenlegung der Sozial- und der Arbeitslosenhilfe. Die Sozialhilfe wird bisher
von den Kommunen bezahlt. Die Kosten für das neue Arbeitslosengeld II übernimmt künftig ganz der Bund.
(Quelle: dpa)
Weiter SPD-interner Widerstand gegen Agenda 2010
Di.20.05.03 - Auch nach der Abstimmung im SPD-Vorstand ist der
parteiinterne Widerstand gegen die Agenda 2010 ungebrochen. Der Parteilinke
Detlev von Larcher verlangte in der Chemnitzer "Freien Presse" (Dienstagausgabe)
weitere Änderungen. Für die SPD-Linke komme eine Kürzung des
Arbeitslosengeldes nur in Frage, wenn zuvor eine zumutbare Arbeit angeboten und
abgelehnt worden sei. Auch eine Privatisierung des Krankengeldes sei mit den
Linken nicht zu machen, wird von Larcher zitiert.
Die "Leipziger Volkszeitung" berichtete, auch die SPD-Bundestagsabgeordneten
Ottmar Schreiner und Sigrid Skarpelis-Sperk lehnten zentrale Punkte der Agenda
weiter ab. Zur Sicherung der Kanzlermehrheit könne sich Bundeskanzler Gerhard
Schröder nur vier Abweichler in den Reihen der rot-grünen Regierungskoalition leisten.
Skarpelis-Sperk sagte dem Blatt, die vorgesehenen Ergänzungen der Pläne seien
"noch kein wesentliches Zugeständnis". Ihre Zustimmung hänge "von der
konkreten Ausformulierung der entsprechenden Gesetze" ab, sagte die Abgeordnete.
(Quelle: ap)
«Auszüge aus dem SPD-Perspektivantrag»
Di.20.05.03 - Der SPD-Vorstand hat am Montag bei einer Enthaltung einen so
genannten Perspektivantrag unter dem Titel «Wege zu einem neuen Fortschritt»
verabschiedet. Das für künftiges Handeln beabsichtigte Papier von Generalsekretär
Olaf Scholz soll parallel zum Leitantrag zur Agenda 2010 auf dem Sonderparteitag
am 1. Juni verabschiedet werden. Der Antrag sieht die Einsetzung einer
Arbeitsgruppe vor, die unter anderem folgende Aufträge prüfen soll:
- Zur Finanzierung von Staatsaufgaben sollen sämtliche Einkünfte herangezogen
werden. Kapitalerträge würden bislang nicht vollständig besteuert.
- Die Erhöhung der Erbschaftsteuer für große Privatvermögen wird in Aussicht gestellt.
- Innovative und flexible Arbeitszeitgestaltung wie das Vier-Tage-Modell von VW soll
stärker genutzt werden.
- Die Möglichkeiten für Kinderbetreuung sollen weiter ausgebaut werden. Moderne Arbeitsorganisation, Teilzeitarbeit
und Fortbildungsprogramme sollen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern.
- Der Kampf gegen Steuerhinterziehung soll verstärkt werden. Bei direkten Steuern soll die Besteuerung von
Kapitalerträgen überprüft werden. Bei der Umsatzsteuer gebe es Schwachstellen, die die Steuerhinterziehung
begünstigten.
- Bei der Renten- und Pflegeversicherung soll geklärt werden, welche Leistungen über Steuern und welche über
Beiträge finanziert werden sollen. Die Gesundheitsreform soll Impulse zur Senkung der Lohnnebenkosten geben.
- Für Unternehmen sollen investitionsfreundliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. Die Voraussetzungen für
Investitionen sollen in einem umfassenden Sinne verbessert werden.
- «Unser Land braucht eine Investitionsoffensive auf breiter Front», heißt es in dem Papier. Das erfordere ein
Zusammenwirken von Staat und Wirtschaft im Sinne von Public-Privat-Partnership. Eine der wichtigsten Aufgaben sei,
Gründungshemmnisse für junge Unternehmen zu beseitigen.
- Für mehr Wachstum und Beschäftigung soll die ökologische Modernisierung weiterentwickelt werden.
- Als Grundlage für mehr Wettbewerbsfähigkeit sollen die Ausgaben für Bildung und Ausbildung gesteigert werden.
(Quelle: ap)
Lafontaine fordert breitere Finanzierung der Sozialsysteme
Di.20.05.03 - Nach Ansicht des früheren Bundesfinanzministers und
SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine sollten die sozialen Sicherungssysteme auch
über "leistungslose Einkommen" wie Vermietung, Verpachtung, Zinsen und
Aktieneinkünfte finanziert werden. Diese Einkünfte machten fast vierzig Prozent des
Volkseinkommens aus, sagte Lafontaine am Montagabend in Offenbach bei
Frankfurt am Main auf einer IG-Metall-Veranstaltung gegen Sozialabbau. Lafontaine
kritisierte die so genannte Riester-Rente und sagte, zur staatlich finanzierten
Altersumlage gebe es keine Alternative.
(Quelle: ap)
Bundesanstalt für Arbeit braucht laut Zeitung Finanzspritze
Di.20.05.03 - Die Bundesanstalt für Arbeit braucht einem Zeitungsbericht zufolge
immer mehr Geld vom Bund, um zahlungsfähig zu bleiben. Die "Hannoversche
Allgemeine Zeitung" (Dienstagausgabe) berichtet unter Berufung auf einen Bericht
des Haushaltsausschusses des Bundestages, das Finanzministerium habe einer
überplanmäßigen Zahlung von 3,5 Milliarden Euro zugestimmt. Damit dürfte der
Zuschuss für die Nürnberger Behörde bis Ende Oktober auf etwa 10,5 Milliarden
Euro steigen, berichtet das Blatt.
Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, Barbara
Hendricks (SPD), schrieb dem Bericht zufolge, wegen der unerwartet ungünstigen
Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt reichten die eingeplanten sieben Milliarden
Euro offensichtlich nicht aus. Bis Anfang Mai seien bereits 6,9 Milliarden Euro in Anspruch
genommen worden. "Für die Monate Juni bis Oktober ist mit einem weiteren Bedarf von bis zu
3,5 Milliarden Euro zu rechnen", zitiert die Zeitung aus dem Bericht. Wie hoch der gesamte
Bedarf am Jahresende sein werde, lasse sich noch nicht absehen. Im Bundeshaushalt für
2003 war ursprünglich überhaupt kein Zuschuss vorgesehen.
(Quelle: ap)
Prognose der Bundesanstalt für Arbeit: 4,4 Millionen Jobs fehlen
Di.20.05.03 - Angesichts des geringen
Wirtschaftswachstums gehen nun auch die Forscher der
Bundesanstalt für Arbeit (BA) von einem deutlich stärkeren Anstieg
der Arbeitslosenzahlen aus. Für dieses Jahr erwarten sie im
Durchschnitt 4,4 Millionen Erwerbslose, geht aus ihrer gestern
veröffentlichten korrigierten Prognose hervor. Mit einer schnellen
und kräftigen Belebung der Konjunktur sei nicht zu rechnen, zumal
die aktive Arbeitsmarktpolitik der BA den Arbeitsmarkt immer
weniger entlastet. Vor allem ABM- und Fortbildungsmaßnahmen
schrauben Arbeitsämter stark zurück.
Auch bei der Arbeitsmarktentwicklung für 2004 bleibt das Institut
skeptisch: Statt der prognostizierten durchschnittlichen
Arbeitslosigkeit von vier Millionen erwarten die Wissenschaftler nun
"unter günstigen Bedingungen" durchschnittlich rund 4,36 Millionen
Erwerbslose.
(Quelle: dpa)
«Arbeiten in einer vernetzten Welt - Neue Technologien werden kaum zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen genutzt»
«Eine im Rahmen der internationalen Konferenz über Aus- und Verlagerungen von Arbeit in Wien präsentierte
Studie, geht der Frage nach, wie viel Fort- und/oder Rückschritt die informationstechnische Revolution der
Arbeitswelt bislang brachte. Fazit: Meistens orientiert sich die Techniknutzung primär an den Zielen der
Rationalisierung und Managementkontrolle. Dies führt nicht nur für viele Arbeitnehmer zu Verschlechterungen der
Arbeitsbedingungen sondern kann sich für die Unternehmen selbst als Bumerang erweisen.» (Quelle: telepolis vom 19.05.03)
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Lehrer laut Studie massiv belastet
Di.20.05.03 - Lehrer sind nach einer Studie der Universität
Freiburg "Schwerstarbeiter im Klassenzimmer". Mehr als ein Drittel
der Lehrkräfte (34 Prozent) seien ausgebrannt und wiesen deutliche
Zeichen eines Burn-out-Syndroms auf. Ein Fünftel der Pädagogen
(19 Prozent) sei durch Stress schwer gesundheitlich beeinträchtigt
und medizinisch behandlungsbedürftig, stellte Prof. Joachim Bauer
von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychosomatik fest.
Lehrerinnen seien stärker betroffen als Lehrer.
Bauer untersuchte
mehrere hundert Lehrer in Freiburg und Umgebung. Das Ergebnis
der repräsentativen Studie sei keine Überraschung, es decke sich
mit Untersuchungen des Potsdamer Psychologen Prof. Uwe
Schaarschmidt in anderen Bundesländern, stellte der Internist und
Psychotherapeut fest. Neu sei jedoch die durch die medizinische
Evaluierung zutage getretene alarmierende gesundheitliche
Schädigung der Lehrer. Bauer, der das seit zwei Jahren laufende
Projekt zur Lehrergesundheit leitet, kritisierte, dass Lehrer zu wenig
unterstützt würden. (Quelle: dpa)
Zahl der rechtsextremen Internetseiten hat sich verdreifacht
Di.20.05.03 - Rechtsextreme nutzen das Internet nach Erkenntnissen
der Bundesregierung in zunehmendem Maße für ihre
Aktivitäten. Die Zahl der von deutschen Rechtsextremen
betriebenen Websites hat sich in den vergangenen Jahren
verdreifacht, wie Bundesjugendministerin Renate Schmidt
(SPD) in Berlin anlässlich des Jahresberichts
"Rechtsextremismus im Internet" mitteilte. Die Zahl entsprechender Homepages
stieg von 330 in 1999 auf rund tausend im vergangenen Jahr. Schmidt sprach von
einer besorgniserregenden Entwicklung. Websites mit rechtsextremem Inhalt
würden attraktiver und professioneller gestaltet.
Die Urheber appellierten "mit emotional aufheizender Argumentation geschickt an
die Gefühle und Zukunftsängste von jungen Menschen", erklärte Schmidt.
Bedenklich sei außerdem, dass sich Rechtsextreme zunehmend über das Internet
koordinierten. Viele der rechtsextremen Websites griffen aktuelle Probleme auf wie
die Hochwasserkatastrophe im vergangenen Jahr, den Irak-Krieg oder die Reform
des Sozialstaates. Neu sei die Zunahme von Websites rechtsextremer
Gruppierungen mit regionalem Bezug, die das Internet zur Werbung für lokale
Aktivitäten nutzten. Damit sprächen die Urheber gezielt interessierte Jugendliche
an, um Nachwuchs zu rekrutieren.
(Quelle: afp)
ai kritisiert deutsche Waffenexporte
Di.20.05.03 - Entgegen ihren Beteuerungen liefern Deutschland und
andere G-8-Staaten laut amnesty international (ai) Waffen
an Länder mit bedenklicher Menschenrechtsbilanz.
Deutschland stehe weit vorne in der weltweiten "Rangliste"
der Waffenlieferanten. Zwischen 1997 und 2001 seien rund
zwei Drittel der Großwaffenexporte aus den USA,
Russland, Frankreich, Großbritannien und Deutschland
gekommen. Neben der Ausfuhr von Großwaffen genehmige die Bundesregierung
immer noch den Export von Kleinwaffen und Munition sowie von so genannten
nicht-tödlichen Waffen wie Tränengas.
Als "tödliche Hypothek der Vergangenheit" bezeichnet amnesty die
Kleinwaffenproduktion mit deutscher Lizenz in Ländern wie der Türkei, Pakistan,
Mexiko und Saudi-Arabien. Unverständlich bleibe, dass Ankara in jüngster Zeit
erneut Lizenzen für die Produktion von Gewehren sowie eine ganze Munitionsfabrik
erhalten habe. Auch für Nepal habe die Bundesregierung die Ausfuhr einer
Produktionsanlage für Munition genehmigt.
Dem Bericht zufolge wickeln G-8-Länder Waffenlieferungen weiterhin über Drittländer mit
schwächeren Kontrollmechanismen ab. Auch die Transparenz bei Exportgenehmigungen bleibe
mangelhaft, so dass eine angemessene öffentliche Kontrolle nicht gewährleistet sei. ai fordert die
Bundesregierung in dem Papier auf, sich auf EU-Ebene für rechtlich verbindliche
Regelungen von Rüstungstransfers stark zu machen.
"Wenn die G-8-Staaten eine Lehre aus dem Irak-Krieg ziehen sollten, ist es die,
dass wir der internationalen Staatengemeinschaft nicht erlauben dürfen, Waffen in
Regionen zu liefern, in denen regelmäßig Menschenrechte verletzt werden", betonte
Mathias John, Rüstungsexperte der deutschen ai-Sektion. So lange dies geschehe,
würden "Täter ermutigt" und könnten straflos agieren. Zu den G-8 zählen die sieben
wichtigsten Industriestaaten USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien,
Italien und Kanada (G-7) sowie Russland.
(Quelle: afp)
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