|
a1-k0305260
Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Mo.26.05.03, 12:45 Irak am achtundsechzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Britischer Zivilverwalter fordert mehr Soldaten für Irak +++
US-Streitkräfte lösen pro-amerikanische Miliz im Irak auf.
Mo.26.05.03 - Zur Wiederherstellung von Sicherheit und Ordnung in Irak müssen die
Besatzungsmächte nach britischer Einschätzung mehr Truppen einsetzen. Die USA und
Großbritannien müssten mehr Polizisten und Soldaten schicken, damit in Irak wieder eine
Zivilgesellschaft entstehen könne, sagte Alex Renton von der Hilfsorganisation Oxfam am
Sonntag dem britischen Fernsehsender BBC. Generalmajor Tim Cross, britischer Chef der
internationalen Sektion des Zivilverwaltung in Irak, bezeichnete diese Einschätzung als
zutreffend.
Die Wahl eines neuen Stadtrats für Kirkuk endete am Samstag mit Protesten. 39 Wahlmänner aus jeder der
ethnischen Gruppen in der Stadt bestimmten sechs Ratsmitglieder; sechs unabhängige Kandidaten wurden von 144
Delegierten gewählt. Araber und Türken fühlten sich bei der Auswahl der Delegierten übergangen und protestierten.
Der verantwortliche US-Kommandeur Generalmajor Ray Odierno versprach, sich der Probleme anzunehmen. Am
Dienstag soll der Stadtrat einen Bürgermeister wählen. Kirkuk ist nach Mossul die zweite nordirakische Stadt, die
eine Übergangsverwaltung erhält.
Die US-Streitkräfte im Irak haben die pro-amerikanische Miliz
Freie Irakische Streitkräfte (FIF) entwaffnet und aufgelöst.
Ein Sprecher des irakischen Oppositionspolitikers Ahmed Chalabi, sagte am
Sonntag, man habe ursprünglich gehofft, dass die FIF unter US-Führung eine
erweiterte Rolle im Irak übernehmen könne. "Stattdessen wurde sie (die Miliz)
aufgelöst und entwaffnet." Die FIF-Miliz verfügte über weniger als 700 Mann und nur
leichte Waffen.
Um für mehr Sicherheit zu Sorgen, haben die US-Streitkräfte eine Frist bis zum 14.
Juni gesetzt, in der alle Waffen abgegeben werden sollen. Diejenigen, bei denen
danach noch Waffen gefunden werden, sollen sich vor Gericht verantworten müssen.
Von der Entwaffnung ausgenommen sind die kurdischen Peschmerga-Kämpfer, die
in ihrem Stammland im Nord-Irak Waffen mit sich führen dürfen. Sie hatten an der
Seite von US-Einheiten gekämpft.
«Militarismus und Patriarchalismus hängen eng zusammen,
und zu ihnen gesellt sich meistens nationaler Chauvinismus -
oft mit verheerenden Folgen»
«Am Anfang war die Wut. Die Wut darüber, dass nach dem 11.
September 2001 Männer erneut Krieg als Lösung aller Probleme
propagierten. In allen TV-Talkshows traten nur noch männliche
"Sicherheits"-Experten auf. Diese "Zensur" empörte die
Feministinnen des Christlichen Friedensdienstes (cfd [http://www.cfd-ch.org]) in Zürich
derart, dass sie beschlossen, eine internationale
Frauenfriedenskonferenz zu organisieren.
Am vergangenen Wochenende hat sie stattgefunden. Die Rote
Fabrik in Zürich erlebte drei Tage intensiver Diskussion von rund
300 Frauen und einigen wenigen Männern. Die Referentinnen
kamen aus Westeuropa, Exjugoslawien, den USA, dem Nahen
Osten und Angola. Ihrem vielschichtigen Titel machte die
Veranstaltung alle Ehre: "womanoeuvres" beinhaltet viele Worte
zugleich: man-oeuvres, Manöver, Taten der Männer, Werke der
Frauen...»
Mehr unter:
USA wollen angeblich auf Volksaufstand im Iran hinarbeiten
Mo.26.05.03 - Die US-Regierung erwägt offenbar eine Kursänderung ihrer
Politik gegenüber Iran. Ziel ist nach Informationen der "Washington Post", einen
Volksaufstand gegen das dortige Regime zu erreichen. Grund dafür seien Hinweise
darauf, dass in Iran untergeschlüpfte Terroristen hinter den Selbstmordanschlägen
vom 12. Mai in Saudi-Arabien stecken könnten, berichtete die Zeitung unter
Berufung auf US-Regierungsbeamte. Präsident George W. Bush werde am Dienstag
über die mögliche neue Strategie beraten.
Laut "Washington Post" hat die US-Regierung inzwischen ihre Kontakte zum Iran
wegen der angeblichen Unterstützung der moslemischen Extremistengruppe El Kaida
abgebrochen. Irans Außenminister Kamal Charrasi versicherte allerdings am
Sonntag, dass der Iran El Kaida schon seit langem bekämpft habe.
Unter Berufung auf Regierungskreise berichtete die Zeitung am Sonntag, der
US-Regierung lägen Geheimdienstinformationen vor, wonach El-Kaida-Mitglieder im
Iran bei der Planung der Selbstmordanschläge von Riad am 12. Mai beteiligt waren.
Offenbar sei die US-Regierung daher nun bereit, eine "aggressivere Politik zur
Destabilisierung der iranischen Regierung" zu verfolgen. Eine Regierungssprecherin
in Washington wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.
Die Iran-Politik ist der Zeitung zufolge auch Thema eines Treffens im
US-Präsidialamt am Dienstag. Vor allem Vertreter des Verteidigungsministeriums
forderten öffentliche und geheime Aktionen, die letztlich zum Sturz der Regierung
durch einen Volksaufstand führen könnten, zitiert die Zeitung die Regierungskreise
weiter. US-Präsident George W. Bush hatte im vergangenen Jahr Iran als ein Land
in der "Achse des Bösen" bezeichnet.
Außenminister Charrasi erklärte vor Journalisten in Teheran, die iranische
Regierung habe bereits viele El-Kaida-Mitglieder verhaftet und abgeschoben. El
Kaida sei eine gefährliche Organisation, mit der man entsprechend verfahren
werde. Auch habe der Iran El Kaida schon viel länger bekämpft als die USA dies
täten.
Am 12. Mai waren bei Selbstmordanschlägen in Riad 34 Menschen getötet
worden, darunter acht US-Bürger. Hinter diesen Anschlägen wird El Kaida
vermutet. Die USA machen El Kaida und ihren Anführer, den Moslem-Extremisten
Osama bin Laden, auch für die Anschläge in den USA am 11. September 2001
verantwortlich.
Die USA und Iran haben seit 1979 keine diplomatischen Beziehungen mehr.
Allerdings hat es im Zusammenhang mit dem Aufbau einer Nachkriegsordnung im
Irak Kontakte zwischen den beiden Ländern gegeben, die nach dem Anschlag von
Riad aber der Zeitung zufolge abgebrochen wurden. Vor allem die Führung der
irakischen Schiiten steht dem Iran sehr nahe und war während der Präsidentschaft
von Saddam Hussein vom Iran unterstützt worden. Erst vor wenigen Wochen war
Ajatollah Mohammad Baker el Hakim, Chef der größten schiitischen Oppositionsgruppe
im Irak, nach 23 Jahren im iranischen Exil in seine Heimat zurückgekehrt.
(Quellen: dpa, rtr)
Israels Regierung stimmt Nahost-Friedensplan zu
Mo.26.05.03 - Das israelische Kabinett unter Führung von Ministerpräsident Ariel
Scharon hat am Sonntag mit knapper Mehrheit den internationalen
Nahost-Friedensplan angenommen.
Zwölf Kabinettsmitglieder votierten für die Annahme des
auch "Road Map" genannten Plans, wie ein
Regierungssprecher nach der rund sechsstündigen,
kontrovers geführten Sitzung mitteilte. Sieben Minister stimmten dagegen, vier
enthielten sich. Die USA und die Palästinenser-Regierung begrüßten die Annahme
des Plans, der bis zum Jahr 2005 zur Bildung eines Palästinenser-Staates führen
soll. Bundesaußenminister Joschka Fischer bezeichnete die Billigung als wichtigen
Schritt, hin zu zwei friedlich miteinander lebenden Staaten.
In einer getrennten Abstimmung lehnte das Kabinett mit 16 zu eins Stimmen ein
Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge ab, eine von den Palästinensern
mehrfach erhobene Forderung. Der Friedensplan, der vom so genannten
Nahost-Quartett aus den USA, Russland, der EU und der UNO ausgearbeitet
wurde, geht auf ein besonderes Rückkehrrecht nicht ein. Stattdessen ruft er zu einer
"fairen und realistischen Lösung des Flüchtlingsproblems" auf.
"Ein palästinensischer Staat ist nicht mein Lebenstraum", sagte
Scharon laut einem Regierungssprecher dem Kabinett. "Aber wir
müssen eine Lösung für die kommenden Generationen finden."
Israelische Medien berichteten, Scharon habe einige Minister
gewarnt, eine Ablehnung des Plans könne zu einer Krise in den
Beziehungen zu den USA führen, dem wichtigsten Verbündeten
Israels.
Scharon hatte bereits am Freitag seine Bereitschaft erklärt, den
Friedensplan anzunehmen. Damit hatte er den Weg für ein
Treffen mit US-Präsident George W. Bush und dem palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas
freigemacht.
Ein Sprecher des US-Präsidialamtes sagte, die USA wollten mit allen betroffenen Parteien auf dem Weg zum Frieden
zusammenarbeiten. "Das ist ein bedeutender Schritt vorwärts", sagte er zu der israelischen Kabinettsentscheidung.
"Das Wichtigste ist jetzt, dass Israel (den Plan) vollständig umsetzt", sagte der palästinensische Minister Jasser
Abed Rabbo. "Israel muss die Kollektivstrafe (für Palästinenser) aufheben und die Ausdehnung der Siedlungen
beenden." Die palästinensische Regierung unter Ministerpräsident Abbas hatte den Friedensplan bereits
angenommen. Außenminister Nabil Schaath sagte, mit der Zustimmung Israels könnten am Montag Gespräche
zwischen Abbas und Scharon folgen.
Fischer erklärte in Berlin, die Billigung des Friedensplanes durch die israelische Regierung sei ein wichtiger Schritt hin
zu dem Ziel, dass Israel und Palästina als zwei Staaten friedlich und sicher miteinander leben können. "Es kommt
jetzt entscheidend auf die konsequente Umsetzung des Plans durch beide Parteien an", mahnte er. Die
Bundesregierung werde gemeinsam mit ihren EU-Partnern und im Rahmen des Quartetts jede Unterstützung
gewähren. Auch Großbritannien und Frankreich begrüßten die Entscheidung der israelischen Regierung. Russland
äußerte die Hoffnung, dass israelische Bedenken eine rasche Umsetzung des Plans nicht behinderten.
US-Präsident George W. Bush will bereits Anfang Juni in den
Nahen Osten reisen, um den Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern
voranzubringen, wie aus Regierungskreisen in Washington verlautete. Nach
derzeitigem Planungsstand wolle Bush im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich
am Roten Meer mit dem israelischen Regierungschef Ariel Scharon und dem
palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas zusammentreffen, hieß es.
Ein führendes Mitglied der radikalen Palästinenser-Organisation Hamas, die bereits viele Selbstmordanschläge in
Israel ausgeführt hat, erklärte, dieser Friedensplan sei eine Verschwörung, um "die palästinensische Sache und den
Widerstand zu liquidieren". Die Hamas lehnt die Existenz Israels und die um Ausgleich bemühte Politik Abbas' ab.
Der Friedensplan sieht eine Beilegung der Gewalttaten, eine Lockerung des militärischen Zugriffs der israelischen
Armee auf das Westjordanland und den Gaza-Streifen sowie die Beseitigung der seit März 2001 in
Palästinenser-Gebieten errichteten israelischen Siedlungen vor. (Quellen: afp, rtr)
Der «Fahrplan» zum Nahost-Frieden (Nahost-Friedensplan)
5000 Jemeniten protestieren gegen deutsche Bundesregierung
Mo.26.05.03 - Rund 5000 Menschen haben in der jemenitischen
Hauptstadt Sanaa für die Auslieferung eines in Deutschland
unter Terrorverdacht inhaftierten islamischen Geistlichen
demonstriert. Die jemenitische Regierung solle größeren
Druck auf die Bundesregierung ausüben, damit Scheich
Mohammed Ali Hassan el Mojad überstellt werde, forderte
der Vorsitzende der islamistischen El-Islah-Partei, Abdelmadschid Sendani.
Anderenfalls müssten die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland
abgebrochen werden.
Mojad und sein Helfer Mohsen Sajed waren wegen mutmaßlicher Kontakte zum
Terrornetz El Kaida am 10. Januar in einem Hotel in Frankfurt am Main
festgenommen worden. Neben Jemen verlangen auch die USA die Auslieferung der
beiden Verdächtigen. Anfang März erhob die US-Justiz offiziell Klage. Sie werfen
Mojad vor, 20 Millionen Dollar für El Kaida gesammelt und persönlich an den
islamischen Extremistenführer Osama bin Laden übergeben zu haben.
(Quelle: afp)
Rio-Gipfel: Armut ist Demokratiefeind
Mo.26.05.03 - Mit der Warnung vor einer Gefährdung der Demokratie durch
Verarmung weiter Teile der Bevölkerung ist am Samstag im peruanischen Cusco
das 17. Gipfeltreffen der "Rio-Gruppe" zu Ende gegangen. "Die Demokratie und die
wirtschaftliche und soziale Entwicklung bedingen und verstärken sich
wechselseitig", heißt es in der "Vereinbarung von Cusco", die die Staats- und
Regierungschefs 19 lateinamerikanischer Staaten sowie deren Vertreter zum
Abschluss des zweitägigen Treffens unterzeichneten.
"Solange es noch Armut in der Region gibt, ist die Demokratie gefährdet", betonte
Gastgeber Alejandro Toledo. Der peruanische Staatschef sprach sich für einen
Welthandel aus, der auch den Armen zugute kommen müsse. Die industrialisierten
Länder des Nordens müssten ihren Beitrag zur Überwindung der Armut und zur
Beilegung der Schuldenkrise leisten.
Die in der früheren Inka-Festung Sacsayhuamán unterzeichnete
"Vereinbarung von Cusco" befasst sich unter anderem mit einer
neuen internationalen "Finanzarchitektur" und spricht sich für
höhere staatliche Investitionen aus. Künftig sollten 20 Prozent
der Zinsen für die Bedienung der Schulden in den
Schuldnerländern für soziale Belange ausgegeben werden. Die
Zeit des "Neoliberalismus", in der ein Rückzug des Staates aus
der Wirtschaft gepredigt worden sei, sei Vergangenheit, hieß es.
(Quelle: dpa)
«Worldwatch Institut fordert mehr Einsatz für die Dritte Welt»
1960 verdienten die Bewohner der 20 reichsten Länder der Welt durchschnittlich 18 mal so viel wie
die Bürger der 20 ärmsten Staaten 1995 hatten die Reichen 37 mal mehr Geld als die Armen.
«Das Bild, zu dem Michael Renner greift, ist so eingängig wie physikalisch problematisch.
"Die Weltwirtschaft ist seit 1950 um das siebenfache gewachsen doch statt dass die
Flut allen Schiffen den gleichen Auftrieb gegeben hätte, sind die kleineren Boote in
Seenot geraten oder bereits gekentert", sagt der aus Deutschland stammende Direktor
der Studie Vital Signs 2003 des Washingtoner Worldwatch Instituts. Was heißt: Obwohl
die Weltgesellschaft produziert und konsumiert wie nie zuvor, kämpfen mehr als zwei Milliarden
Menschen um ihr Leben, weil sie umgerechnet nur einen oder zwei Dollar am Tag ausgeben können.
Diese Armut sei die Ursache fast aller Konflikte in der Welt. Sie bedrohe auch die Stabilität der
reichen Länder, die deshalb schon aus Eigeninteresse mehr für die Armutsbekämpfung tun müssten.
Die Zahlen, die Renner vorlegt, sind deprimierend ein Armuts-Zeugnis für die Weltgemeinschaft.
1960 verdienten die Bewohner der 20 reichsten Länder der Welt durchschnittlich 18 mal so viel wie
die Bürger der 20 ärmsten Staaten 1995 hatten die Reichen 37 mal mehr Geld als die Armen. Vor
allem die Menschen in Südasien und in Afrika südlich der Sahara sind derzeit von jeder wirtschaftlichen
und sozialen Entwicklung ausgeschlossen. Jedes Jahr macht Aids 13 Millionen Kinder zu Waisen oder
Halbwaisen. 14,4 Millionen Menschen sterben an eigentlich heilbaren ansteckenden Krankheiten; 1,7
Millionen an verdrecktem Trinkwasser. Auch die meisten Umweltschäden und Klimaänderungen treffen
die Armen, heißt es in der Studie, die zusammen mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep)
entstand.
Das Worldwatch Institut steht mit dem Alarmruf nicht allein da. James Wolfensohn, Präsident der
Weltbank, rief am Donnerstag in Berlin die Industrienationen auf, trotz der Wirtschaftskrise die
Entwicklungshilfe fortzusetzen: "Wenn man das Armutsproblem nicht löst, gibt es auch keinen Frieden",
sagte er. Man könne die Armutsbekämpfung nicht vertagen, "bis man wieder drei Prozent Wachstum hat".
Es gibt genügend Beispiele, dass Armut und Hunger erfolgreich bekämpft werden können. In Thailand
litt noch vor zwanzig Jahren jedes zweite Kind unter fünf Jahren an Unterernährung inzwischen hat nur
noch jedes zehnte Kind zu wenig zu essen. Auch China hat die Zahl der Armen verringert. Der Duisburger
Politik-Professor Franz Nuscheler, einer der bekanntesten Dritte- Welt-Experten, weist darauf hin, dass sich
seit 1960 die Weltbevölkerung verdoppelt hat, die Zahl der Armen aber nicht. "Die Behauptung, dass alles
schlimmer geworden sei etwa durch die Globalisierung , ist nicht zu halten", sagt Nuscheler.
Das Problem ist vielmehr, dass die am wenigsten entwickelten Länder immer geringere Chancen haben, dem
Teufelskreis aus Armut, Krieg, Umweltzerstörung und Krankheit zu entkommen. Was Erbe des Kolonialismus
ist und Frucht einer ungerechten Weltwirtschaft aber genauso das Ergebnis von Korruption, Rechtlosigkeit
und Willkür in diesen Ländern. Es hilft also wenig, einfach Entwicklungshilfe auf Regierungskonten zu überweisen;
wichtiger ist es, Demokratisierungsprozesse zu unterstützen oder den Aufbau von Zivilgesellschaften.
Das Ziel der UN, bis 2015 der Hälfte derer, die heute in extremer Armut leben, ein menschenwürdiges Dasein zu
ermöglichen, liegt trotzdem in weiter Ferne...» (Süddeutsche Zeitung vom 24.05.03)
Oppositionelle Sozialisten legen in Spanien bei Wahlen zu
Mo.26.05.03 - Bei den als Stimmungstest für die Parlamentswahlen 2004
geltenden Kommunalwahlen in Spanien haben die oppositionellen Sozialisten den
größten Stimmenanteil verbuchen können. Die Wähler erteilten damit offenbar der
konservativen Volkspartei (PP) des Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar einen
Denkzettel wegen ihrer Unterstützung für den US-geführten Krieg gegen Irak.
Nach Auszählung fast aller Stimmen erhielten die Sozialisten bei den Wahlen am
Sonntag 34,76 Prozent der Stimmen, während die Volkspartei auf 33,85 kam. Die
Sozialisten gewannen damit erstmals seit 1991 bei einer Kommunalwahl mehr Stimmen
als die Volkspartei. Diese verteidigte jedoch ihre landesweite Führung von
Sitzen auf kommunaler Ebene und stellt auch weiter in der Hauptstadt Madrid den
Bürgermeister. Gewählt wurde in mehr als 8000 Gemeinden
und 13 der 17 autonomen Verwaltungsregionen des Landes.
(Quelle: rtr)
Hunderttausende Franzosen demonstrieren gegen Rentenreform
Mo.26.05.03 - In Paris haben am Sonntag mehrere Hunderttausend Menschen gegen
die Rentenreform-Pläne der französischen Regierung demonstriert.
Die Gewerkschaften hatten Busse und Sonderzüge organisiert, um die Demonstranten
aus dem ganzen Land in die Hauptstadt zu bringen. Das öffentliche Leben in der
Millionen-Metropole kam teilweise zum Erliegen. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten
sich 600.000 Menschen an den Demonstrationen. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf
300.000. "Rente vor dem Tod" stand auf einem Plakat, das Demonstranten mit sich
führten. Auch in Lyon und Marseille kam es zu Protestaktionen. Am Dienstag
wollen die Fluglotsen streiken, was bei der Air Francezu umfangreichen
Flugausfällen führen wird.
Der Widerstand mehrerer Gewerkschaften gegen die Pläne der Regierung unter
Ministerpräsident Jean-Pierre Raffarin, die Lebensarbeitszeit zu verlängern und die
Dauer der Beitragszahlungen in die Rentenkassen zu erhöhen, hatte sich zuletzt
verstärkt. Drei Viertel der Bevölkerung rechnen einer Umfrage zufolge mittlerweile
mit länger andauernden Protestaktionen. Ein Sprecher der Gewerkschaft Force
Ouvriere sagte: "Die Bewegung, die Renten zu verteidigen, gewinnt an Kraft,
und wir werden nicht aufgeben." Die Air France teilte mit, wegen des Fluglotsenstreiks
würden am Dienstag rund 65 Prozent aller Kurz- und Mittelstreckenflüge ausfallen. Die
Flugaufsicht begrenze für alle Fluggesellschaften die Zahl der Flüge.
Zwar hatten zwei Gewerkschaften nach den Streiks im öffentlichen Dienst Anfang des Monats eine Einigung mit der
Regierung erzielt, nachdem Raffarin sich zu kleineren Änderungen bereit erklärt hatte. Der einflussreichen
kommunistischen Gewerkschaft CGT und anderen genügt das nicht. Diese fordern weiterhin eine Neuverhandlung der
Reformpläne mit der Regierung.
Arbeitsminister Francois Fillon bekräftigte die Haltung der Regierung: "Eine Anhebung der Dauer der Beitragszahlung
(für die Rente) kann nicht vermieden werden. Alle, die etwas anderes behaupten, lügen", schrieb Fillon in der
Sonntagszeitung "Journal du Dimanche". Es gebe keine "wirkliche Alternative".
(Quelle: rtr)
«Frankreich: Der Sozialstaat schrumpft, die Demonstrationszüge wachsen»
«Bisher größte Massenkundgebungen in Frankreich gegen die Rentenreformpläne der Regierung.
Eine neue soziale Bewegung erobert die Straße»
«Die Stimmung in dieser neuen sozialen Bewegung, der vor wenigen Wochen
noch niemand zugetraut hätte, dass sie so schnell so groß werden könnte, ist euphorisch.»
(Tageszeitung vom 26.05.03)
Mehr unter:
«Großbritannien: Eine "gerechtere Gesellschaft" hatte Tony Blair versprochen, als er 1997 im
Regierungssitz Downing Street einzog. Schatzkanzler Gordon Brown gelobte
"Hilfe für die Mittellosen" im Lande. Sechs Jahre später müssen sich die Führer
New Labours eingestehen, dass die Kluft zwischen Arm und Reich weiter gewachsen ist»
Allerorten wächst die Empörung über die soziale Ungleichheit auf der Insel. Während
die Mehrheit der Bevölkerung sich im Zeichen zunehmender wirtschaftlicher Probleme
einschränken muss, gelang es den Super-Reichen der Londoner City, sich weiter zu
bereichern. Firmenbosse kassierten fette Abfindungen, selbst wenn sie ihr Unternehmen
an die Wand gefahren haben. "Goldene Fallschirme" für weiche Landungen auf dem
privaten Altenteil verschafften sich etwa Sir Peter Bonfield, ehemals Generaldirektor von
British Telecom (BT), und sein Amtskollege von British Petroleum, Lord Browne. Bonfield
strich knapp drei Millionen Pfund dafür ein, dass er BT mit Milliarden-Schulden zurückließ,
und Browne kassierte 5 Millionen dafür, dass sich der BP-Aktienwert unter seiner Führung
um fast ein Viertel reduzierte. So hat die Londoner Zeitung Independent ausgerechnet, dass
die hundert bestbezahlten Firmenchefs der Hauptstadt sich auf durchschnittlich 1,7 Millionen
Pfund (knapp 2,4 Millionen Euro) Abfindung zurückziehen können. Das Fass zum Überlaufen
brachte in dieser Woche der Boss der größten Pharmazeutik-Firma Europas, als er eine Abfindung
von 22 Millionen Pfund verlangte. Mit einem barschen "No" wiesen Klein- und Großaktionäre das
"skandalöse Anliegen" Jean-Pierre Garniers von GlaxoSmithKlein zurück.
Als "historisches Votum" feierte die liberale Presse den Aufstand. Nun müsse auch die Regierung
endlich etwas gegen die "schamlose Bereicherung" der Reichsten im Lande tun, fanden aufgebrachte
Abgeordnete. Eine Anhebung des Spitzensteuersatzes von 40 auf 50 Prozent für Großverdiener mit
mehr als 100 000 Pfund (rund 140 000 Euro) Jahreseinkommen fordern die Liberaldemokraten - mit den
Einnahmen könnte die Regierung "endlich mehr zur Bekämpfung der Armut in Großbritannien unternehmen".
Die Labour-Linken verlangen gar die Festsetzung von "Höchsteinkommen" und gesetzliche Richtlinien für
die Bezahlung von Firmenchefs. Aber die Sozialisten in der Regierungspartei wissen, dass Blair seine sorgsam
betriebene Aussöhnung des Bürgertums mit der Labour Party durch drastische Maßnahmen nicht gefährden will.
Infolge dieses Zögerns, etwas gegen die "Fat Cats" (fette Katzen) zu unternehmen, riskiere Blair freilich, die
soziale Kluft zu vertiefen, meinen seine Kritiker. Tatsächlich haben die armen Kirchenmäuse im Königreich
schon seit Jahren wenig zu lachen. Jüngsten Angaben des Nationalen Statistischen Amtes zufolge hat sich
die Kluft zwischen Arm und Reich seit Blairs Amtsübernahme keineswegs verringert. Im Gegenteil: Oben und
unten sind heute wieder so weit auseinander wie zum Ende der Amtszeit Margaret Thatchers. Die Armut im
Lande (gemessen am verfügbaren Durchschnittslohn) übertrifft gar die unter Thatcher um zehn Prozent. So
stößt das feierliche Versprechen Blairs, bis zum Jahr 2020 Britannien vom Stigma der Armut zu befreien,
allenthalben auf Zweifel. (Frankfurter Rundschau vom 22.05.03)
Das Jobwunder - Den Deutschen um Jahre voraus: Die 'Reform des Arbeitsmarktes' in Großbritannien (I):
DGB-Chef kündigt Pause bei Protesten gegen Sozialreformen an
Mo.26.05.03 - Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael
Sommer, hat einem Zeitungsbericht zufolge eine Pause bei den Protesten gegen
die von der Bundesregierung geplanten Sozialreformen angekündigt.
Die Gewerkschaften würden erst im Herbst über weitere Proteste entscheiden,
sagte Sommer nach einem vorab veröffentlichten Interview der "Hannoverschen
Allgemeinen Zeitung" (Montagausgabe). Man habe bereits "etwas erreicht", fügte er
dem Blatt zufolge mit Blick auf Änderungen der ursprünglichen Pläne von
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hinzu. Wenn er den Leitantrag für den
SPD-Sonderparteitag am 1. Juni mit Schröders Regierungserklärung vom 14.
März vergleiche, müsse er feststellen: "Die gröbsten Klötze sind weg."
Auf dem SPD-Sonderparteitag in Berlin soll über die Pläne mit
der Bezeichnung Agenda 2010 entschieden werden. Diese sehen
Einschnitte etwa beim Kranken- oder Arbeitslosengeld und beim
Kündigungsschutz vor. Trotz Kritik von SPD-Linken wird eine
Mehrheit für Schröders Vorhaben erwartet. Mit einem
bundesweiten Aktionstag hatten die Gewerkschaften am
Samstag gegen die Reformen der rot-grünen Bundesregierung
protestiert. Nach DGB-Angaben beteiligten sich an den Demonstrationen und Kundgebungen in 14 Städten rund
90.000 Menschen.
Sommer kündigte in dem Interview an, dass er sich im Juni mit Schröder treffen werde. "Dann sehen wir weiter." Die
Gewerkschaften seien "nicht mit der Kritik an der Agenda 2010 fertig", sagte er. Es sei nicht zu erkennen, dass die
Bundesregierung den Ernst der wirtschaftlichen Lage begriffen habe. "Sie muss durchstarten mit aktiver
Wirtschaftspolitik. Sonst droht das Land weiter in die Krise zu treiben."
(Quelle: rtr)
Hintergrund: Der Leitantrag zur Agenda 2010:
Beamtenprotest gegen Kürzungen in Baden-Württemberg
Mo.26.05.03 - In Baden-Württemberg haben am Wochenende 13.000 Beamte gegen die
Einschnitte beim Weihnachtsgeld und die Verlängerung der Wochenarbeitszeit demonstriert.
Am Rande des Landesparteitags der CDU am Samstag in Pforzheim forderten sie eine Rücknahme
der Beschlüsse der CDU/FDP-Landesregierung. Der Landeschef des Deutschen Gewerkschaftbunds,
Rainer Bliesener, sagte, das Maß an Zumutungen und Ungerechtigkeiten sei voll. Zu der
Demonstration hatte der DGB und der Beamtenbund Baden-Württemberg (BBW) aufgerufen.
Der öffentliche Dienst und seine Beschäftigen dürften nicht länger als die Prügelknaben
der Nation und als Melkkühe zum Ausgleich einer verfehlten Hauspolitik betrachtet werden.
"Eine Zitrone kann man auspressen, uns nicht", sagte Bliesener. BBW-Landeschef Horst Bäuerle
sagte, die Beamten hätten genug von den Sonderopfern, die ihnen ständig und immer
wieder abverlangt würden.
In Baden-Württemberg wurde die Wochenarbeitszeit um eine Stunde ab September verlängert. Bei Lehrern wurde die
Altersermäßigung gestrichen und zugleich eine Verlängerung des wöchentlichen Unterrichts für Gymnasial- und
Berufsschullehrer beschlossen. Ferner hatte die Stuttgarter Landesregierung eine Kürzung des Weihnachtsgeldes und
die Streichung des Urlaubsgelds beschlossen. Die Demonstranten forderten auf Plakaten eine Rücknahme der
Beschlüsse. Polizisten in Uniform machten mit Trillerpfeifen ihrem Unmut Luft.
Ministerpräsident Erwin Teufel verteidigte auf dem Landesparteitag die Sparbeschlüsse. Steigende Personalkosten
könnten nicht durch eine höhere Verschuldung ausgeglichen werden. Jeder einzelne Arbeitslose hätte eine größere
Veranlassung zu demonstrieren als ein Gewerkschaftsmitglied des öffentlichen Dienstes. Teufel verwies unter
anderem auf die Sicherheit der Arbeitsplätze der Staatsdiener und die Beihilfe zu den Krankheitskosten in Höhe von
50 bis 70 Prozent. Es sei ungemein schwer, Leistungskürzungen hinzunehmen, wenn es 50 Jahre lang in einer
Einbahnstraße immer nur nach oben gegangen sei. "Das ist aber kein Naturgesetz", sagte der CDU-Politiker.
(Quelle: ap)
Ostdeutsche Stahlwerker votieren für Streik
Mo.26.05.03 - In der ostdeutschen Stahlindustrie wird Anfang Juni
für die 35-Stunden-Woche gestreikt. Bei der Urabstimmung der
IG Metall sprachen sich 83 Prozent für einen Arbeitskampf aus,
wie die Auszählung am Sonntag in Berlin ergab. Das sind
deutlich mehr als die erforderlichen 75 Prozent. Die Streiks
sollen ungeachtet neuer Verhandlungen voraussichtlich am 2.
Juni beginnen.
Der Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen,
Hasso Düvel, sprach von einem hervorragenden Ergebnis. Es
beweise die Entschlossenheit, mit der die Beschäftigten für die
schrittweise Ost-West-Angleichung der Arbeitszeit kämpfen wollten.
Seit Donnerstag waren rund 7.000 IG-Metall-Mitglieder in 17 Betrieben zur
Urabstimmung aufgerufen gewesen. Wie Düvel bekannt gab, beteiligten sich in den
sieben tarifgebundenen Stahlbetrieben 97,4 Prozent an der Abstimmung. Von 4.379
Stimmberechtigten votierten 3.637 mit Ja und 621 mit Nein. Das entspricht einer
Zustimmung von 83,06 Prozent. In zehn weiteren, kleineren Betrieben mit Haus- und
Anerkennungstarifverträgen sprachen sich bei einer Wahlbeteiligung von 96,7
Prozent 84,05 Prozent für Streik aus.
In der Metall- und Stahlbranche in Ostdeutschland wird noch 38 Stunden die Woche gearbeitet,
im Westen sind es 35 Stunden. Die Stimmung in den Betrieben sei ganz massiv für eine Angleichung,
sagte Düvel, der auch Verhandlungsführer der Gewerkschaft im Stahl-Tarifkonflikt ist. Im
Osten würden im Vergleich zu den Westbetrieben deutlich bessere Gewinne eingefahren; die
Lohnstückkosten lägen zehn Prozent niedriger. Dieser Vorteil bleibe auch bei einer
schrittweisen Arbeitszeitangleichung "noch ein paar Jährchen" erhalten.
Opel-Chef Carl-Peter Forster dagegen fürchtet um die Wettbewerbsfähigkeit der neuen Bundesländer und des
Opel-Werks in Eisenach, falls die IG Metall die 35-Stunden-Woche durchsetzt. Die höheren Kosten könnten durch
Produktivitätssteigerung kaum mehr kompensiert werden, sagte er der Münchner Branchenzeitung «Automobilwoche»
zufolge.
Bedenken gegen einen Arbeitskampf in der gegenwärtigen schlechten Wirtschaftslage hielt Düvel entgegen, ein Streik
sei "kein nationales Unglück". Im Vergleich zu anderen Industrieländern habe Deutschland immer noch mit Abstand
die wenigsten Streiktage.
Der Gewerkschafter warf den Arbeitgebern eine Blockadehaltung vor und gab ihnen die Schuld an dem Arbeitskampf.
Gleichzeitig äußerte er aber auch die Hoffnung, dass es aus dem Streik heraus zu einer Einigung komme. Für den 3.
Juni, den voraussichtlich zweiten Tag des Ausstandes, ist nach seinen Worten ein neues Gespräch anberaumt. Der
Streik werde deshalb aber nicht ausgesetzt, betonte Düvel. Ziel sei es, gleich zu Beginn deutlich zu machen, dass die
ostdeutsche Stahlindustrie "komplett streikfähig" sei.
Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen hatte die Gewerkschaftsführung vergangene Woche grünes Licht für einen
Streik gegeben und Urabstimmungen in der ostdeutschen Stahlindustrie eingeleitet. Vom (morgigen) Montag bis
Mittwoch stimmen auch die Gewerkschaftsmitglieder in 85 Betrieben der sächsischen Metallindustrie über einen
Arbeitskampf ab. Streikvorbereitungen in weiteren Tarifbezirken waren vorerst zurückgestellt worden.
Stichwort: 35-Stunden-Woche
Stichwort: Streikrecht
«Wie moderne Arbeit aussieht - Beschäftigte dürfen und
müssen immer mehr selbst entscheiden. Doch wenn der
Markt keinen Erfolg hergibt, kommt der Vorgesetzte zurück»
«Neulich beim Frisör fiel mir der Focus in die Hände. "Starre
Kündigungsfristen", die "Fessel Tarifvertrag" und hölzerne
Gewerkschaftsfunktionäre behindern den "Aufbruch in Deutschland"
und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Wie sich diese Arbeit
gestaltet, unter welchen Bedingungen die "Arbeitsplatzbesitzer" in
ihren Betrieben arbeiten, scheint nicht mehr zu interessieren.
"Humanisierung der Arbeit" ist zum Schlagwort aus den
Siebzigerjahren mutiert, das nur noch Historiker interessiert. Dabei
ist der Arbeitsalltag in immer mehr Betrieben von enormen
Belastungen bestimmt....»
Wie "moderne Arbeit" in den einzelnen Branchen aussieht,
beschreibt Marcus Schwarzbach in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung"(26.05.03):
Scherf fährt in Bremen für SPD Sieg ein
Mo.26.05.03 - In Bremen hat Henning Scherf für seine SPD einen Sieg
eingefahren. Der Spitzenkandidat brachte die Sozialdemokraten bei der
Bürgerschaftswahl nach vorläufigem Endergebnis auf 42,3 Prozent. Voraussichtlich
wird es eine Neuauflage der großen Koalition geben. Die CDU kam auf knapp 30
Prozent, die Grünen sicherten sich fast 13 Prozent der Stimmen. Durch eine
Besonderheit im Wahlrecht werden auch FDP und DVU jeweils einen Sitz im
Parlament erhalten. Beide Parteien kamen in Bremerhaven über die
Fünf-Prozent-Hürde. (Quelle: dpa)
«Stichwort: Bremen»
Bremens größte Probleme sind die hohe Verschuldung und die hohe
Arbeitslosigkeit. Der Schuldenstand betrug Ende 2002 gut 9,4 Milliarden Euro. Das
entsprach einer Pro-Kopf-Verschuldung von rund 14 100 Euro. Die Arbeitslosigkeit
lag im März 2003 bei 44 000 Erwerbslosen, eine Quote von 13,6 Prozent.
(Quelle: dpa)
«Stichwort: Große Koalition»
Regierungsbündnisse zwischen Union und Sozialdemokraten hat es in den meisten
Bundesländern schon gegeben. Derzeit regieren die beiden großen Parteien gemeinsam in
Bremen (seit 1995) und in Brandenburg (seit 1999). Berlin hat die größte Erfahrung mit großen
Koalitionen. Dort stellten SPD und CDU bereits von 1955 bis 1963 zusammen den Senat,
dann nach der Wiedervereinigung von 1991 bis zum Scheitern des Bündnisses 2001.
Auf Bundesebene kam es bisher erst zu einer einzigen großen Koalition von
CDU/CSU und SPD: von 1966 bis 1969 unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger
(CDU).
Die deutliche Parlamentsmehrheit von großen Koalitionen wird besonders bei
Wirtschaftskrisen gewählt, um Reformen anzupacken und Strukturkrisen zu lösen.
Kritiker von großen Koalitionen bemängeln, die Opposition sei zu schwach im
Parlament vertreten. (Quelle: dpa)
Beckstein dringt auf Verbot rechtsextremistischer Aufmärsche
Mo.26.05.03 - Der bayerische Innenminister Günther Beckstein dringt auf eine
rasche Änderung des Versammlungsrechts, um künftig rechtsextremistische
Aufmärsche generell zu verhindern. Der CSU-Politiker sagte nach Angaben seines
Ministeriums am Sonntag bei einer Podiumsdiskussion in Wunsiedel, der
Gesetzgeber entziehe sich seit Jahren seiner Verantwortung.
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) habe bislang "nur ein dürftiges
Eckpunktepapier zur Novellierung des Versammlungsrechts vorgelegt, das die in
Wunsiedel deutlich werdenden zentralen Probleme nicht
einmal ansatzweise löst". In Wunsiedel, wo der einstige Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß
begraben ist, finden alljährlich im August Gedenkveranstaltungen von Rechtsextremisten
zu seinem Todestag statt.
Beckstein erklärte, wenn die Rechtslage unverändert bleibe, sei ein "gerichtsfestes" Verbot
eines neuerlichen Aufmarschs kaum möglich. Er befürchte, dass sich auch dieses Mal wieder Tausende von
Rechtsextremisten in Wunsiedel versammeln würden, darunter eine zunehmende Anzahl aus dem Ausland, nachdem
die Teilnehmerzahl bereits von 800 im Jahr 2001 auf rund 2.500 im vergangenen Jahr gestiegen sei.
(Quelle: ap)
Anwalt der Opfer von Solingen erwägt Hilfegesuch an Rau
Mo.26.05.03 - Zehn Jahre nach dem rechtsextremistischen Brandanschlag von
Solingen will der Anwalt der Opfer laut «Focus» ein Hilfegesuch an Bundespräsident
Johannes Rau richten. Dem Magazin zufolge erwägt Rechtsanwalt Rainer Büssow
eine Bitte an die Bundesregierung, für die Ansprüche eines jungen Türken
einzustehen, der bei dem Brand am 29. Mai 1993 schwerste Verletzungen erlitt.
Das Blatt zitierte den Kölner Anwalt mit den Worten: «Ich werde mich in den
nächsten Tagen schriftlich an Bundespräsident Rau wenden.»
Bei dem Brand des von Türken bewohnten Hauses kamen fünf Menschen, zwei
Frauen und drei Mädchen, ums Leben, mehrere andere Bewohner wurden verletzt.
Von den danach verurteilten vier jungen Deutschen sind zwei inzwischen wieder
auf freiem Fuß.
Der Anwalt versucht dem Bericht zufolge, einem von ihnen eine Zahlungsaufforderung
über 250.000 Mark (knapp 130.000 Euro) Schmerzensgeld zuzustellen, das dem schwer
verletzten jungen Türken im Mai 2000 vom Landgericht Wuppertal zugesprochen wurde.
Die Stadt Solingen verweigert laut Medienberichten jedoch die Herausgabe der Adresse, weil sie
den Betreffenden als gefährdete Person ansieht. "Focus" zufolge will Brüssow die Stadt notfalls
verklagen, um die Herausgabe eines Melderegisterauszugs zu erzwingen. (Quelle: ap)
|
|
|
| home | home(no frame) |
B.O.A.-Künstlerkooperative
Gabelsbergerstr.17, D-80333 München, Telefon/Fax
: 089- 280621,
boa-kuenstlerkooperative@t-online.de