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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Mi.28.05.03, 12:45 Irak am siebzigsten Tag nach Kriegsbeginn
USA heben Wirtschaftssanktionen gegen Irak auf +++
Washington will islamische Staatsform im Irak nicht zulassen +++
Hoher Rat für die islamische Revolution im Irak: US-Befehl zur Entwaffnung seiner Miliz scharf kritisiert +++
Zwei US-Soldaten bei Angriff in irakischer Stadt Falludschah getötet +++
IKRK fordert Veränderungen in Irak und Guantanamo +++
Russland und China fordern zentrale Rolle der UNO in Irak. +++
USA streben stärkere Rolle für Nato im Irak an +++
Mi.28.05.03 - Die USA haben ihre Sanktionen gegen Irak nahezu vollständig aufgehoben. Damit sei der
Wirtschaftsaustausch zwischen den USA und Irak fast keinen Beschränkungen mehr unterworfen,
erklärte US-Finanzminister John Snow.
"Zum ersten Mal seit zwanzig Jahren wird Irak frei handeln", sagte Snow. Dies
werde die Lebensbedingungen der Iraker verbessern. Unter anderem könne Irak sein
Öl frei exportieren, um seine humanitären Bedürfnisse zu finanzieren. Verboten
bleibe weiterhin der bilaterale Handel mit Waffen und illegal erworbenen
Kunstschätzen. Auch der US-Bann auf Wirtschaftsbeziehungen mit Funktionären
der einst in Irak regierenden Baath-Partei bleibe bestehen.
Auf starken Druck Washingtons hatte der Welt-Sicherheitsrat am vergangenen Donnerstag das
UN-Handelsembargo aufgehoben. Mit der Resolution 1483 wurde unter anderem auch festgelegt,
dass alle Öleinkünfte Iraks in einem von den USA und Großbritannien weitgehend kontrollierten
Entwicklungsfonds überwiesen werden.
Die USA werden es nach den Worten von Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld nicht zulassen, dass die Nachbarstaaten des Irak dort eine Islamische Republik
nach iranischem Muster errichten.
In einem Artikel für das "Wall Street Journal Europe" schrieb Rumsfeld am Dienstag, eine
Einmischung derjenigen, die von außen das Ziel verfolgten, den Irak
nach dem Bild des Iran zu formen, werde nicht hingenommen. Eine der
Organisationen, die sich um eine einflussreiche Rolle im Nachkriegsirak bemühen,
ist der Hohe Rat der Islamischen Revolution im Irak (Sciri). Dessen Führer waren
aus dem Exil im Iran in den Irak zurückgekehrt.
Am Dienstag sollte im US-Präsidialamt über die künftige Iran-Politik beraten
werden. Medienberichten zufolge gibt es im US-Verteidigungsministerium
Überlegungen, die geistliche Führung des Iran durch einen Volksaufstand zu
stürzen. Die USA haben seit Ende des Irak-Krieges den Ton gegen den Iran
merklich verschärft. US-Präsident George W. Bush hat den Iran gemeinsam mit
dem Irak unter Präsident Saddam Hussein und Nordkorea zu einer "Achse des
Bösen" gerechnet, die nach Massenvernichtungswaffen strebe und internationalen
Terroristen Unterschlupf gewähre.
Der Hohe Rat für die islamische Revolution im Irak (SCIRI) hat
den Befehl der US-Verwaltung zur Entwaffnung seiner Miliz scharf kritisiert. "Dies Entscheidung
zur Auflösung der Truppe widerspricht dem, worauf sich die Parteien und nationalen Kräfte bei ihrer
Konferenz im vergangenen Februar in Salaheddin geeinigt hatten", sagte SCIRI-Sprecher. Die Anordnung
der Amerikaner sei ungerecht. Schließlich hätten die Badr-Brigaden Jahre lang gegen das Regime von
Saddam Hussein gekämpft. Die US-Zivilverwaltung im Irak hatte vor einigen Tagen die Entwaffnung aller
Zivilisten und Milizen angeordnet, mit Ausnahme der kurdischen Kämpfer (Peschmerga). Wer nach dem
15. Juni noch eine Waffe besitze, werde festgenommen, falls er von der US-Verwaltung dafür keinen
Waffenschein beantragt habe. Diese Lizenz soll aber nur für den Schutz von Privathäusern und
Geschäften und in Einzelfällen für Leibwächter vergeben werden.
In der irakischen Stadt Falludscha sind nach US-Militärangaben am Dienstag bei einem Angriff zwei
Soldaten getötet und neun verletzt worden.
"Feindliche Kräfte" hätten am Morgen einen Militärkonvoi offenbar von
einer Moschee aus beschossen, teilte das US-Central-Command mit.
Anwohner in der westlich von Bagdad gelegenen Stadt sagten
dagegen, die Moscheen stünden weit entfernt vom Ort des
Geschehens und könnten nicht für den Angriff genutzt worden sein.
Allein in den vergangenen 24 Stunden starben damit vier
US-Soldaten, obwohl US-Präsident George W. Bush Anfang Mai die
Kampfhandlungen im Irak für beendet erklärt hatte.
Das Central Command erklärte, der Konvoi sei mit Granaten und Handfeuerwaffen
beschossen worden. Die US-Soldaten hätten zurückgeschossen und zwei Angreifer
getötet. Sechs weitere seien festgenommen worden. "Ein religiöses Gelände wie
eine Moschee oder eine Kirche als Deckung für militärische Ziele zu nutzen, ist ein
Verstoß gegen das Kriegsrecht", so das Central Command.
Augenzeugen sagten dem arabischen Fernsehsender El
Dschasira, die Angreifer hätten einen Hubschrauber kurz vor
dessen Landung abgeschossen. Dabei sei die Besatzung getötet
worden. Der Sender zeigte Bilder von US-Soldaten, die einen
schwarzen zerstörten Hubschrauber auf einen Tieflader luden.
Das Central Command teilte dagegen mit, bei dem Feuergefecht habe ein gepanzertes US-Fahrzeug beim
Manövrieren einen am Boden stehenden Militärhubschrauber gerammt.
Erst am Montag waren US-Truppen 180 Kilometer nordwestlich von Bagdad mit Granaten beschossen worden. Dabei
kam ein Soldat ums Leben. Ein weiterer starb nach US-Militärangaben bei einem Anschlag auf einen US-Militärkonvoi
nahe Bagdad.
Auch in Falludscha hatte es wiederholt Auseinandersetzungen gegeben. Am Mittwoch vergangener Woche hatten
US-Soldaten zwei Iraker getötet, die mit Panzerabwehrraketen auf ein gepanzertes US-Militärfahrzeug geschossen
hatten.
Jakob Kellenberger, der Präsident des Internationalen Komitees vom
Roten Kreuz (IKRK), hat sich in den USA für die Rechte der in Guantanamo
gefangen gehaltenen Taliban-Kämpfer und für die Stärkung von Recht und Ordnung
in Irak eingesetzt. Wie das IKRK am Mittwoch in Genf mitteilte, war Kellenberger
am Dienstag in Washington mit US-Aussenminister Colin Powell und der Nationalen
Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice zusammengetroffen. Das IKRK gilt als Hüter
der Genfer Konvention.
Russland und China fordern eine zentrale Rolle der Vereinten Nationen beim
Wiederaufbau Iraks. Im Rahmen der UNO könne die Irak-Krise wieder "auf den Weg
einer politischen Lösung" gebracht werden, hieß es in einer gemeinsamen
Erklärung des russischen Präsidenten Wladimir Putin und seines chinesischen
Kollegen Hu Jintao am Dienstag. Die Wiederherstellung der inneren Sicherheit in
Irak sei eine der drängendsten Aufgaben. Auch die humanitäre Lage in Irak müsse
dringend verbessert werden, betonten die beiden Staatschefs bei Hus Besuch im
Moskauer Kreml. Als ständige Mitglieder im UN-Sicherheitsrat hatten Russland und
China den Irak-Krieg abgelehnt.
Die USA könnten die Nato nach Angaben ihres Botschafters bei der Allianz bereits in
einem halben Jahr um eine über logistische Unterstützung hinausgehende Rolle im Irak bitten.
Der amerikanische Nato-Botschafter Nicholas Burns sagte am Dienstagabend in Brüssel, die
geplante Unterstützung der Nato für die von Polen geplante Schutztruppe in einem
Teil des Landes sei nur ein erster Schritt. "In den nächsten fünf bis sechs Monaten könnten
wir die Nato bitten, eine größere Rolle zu übernehmen", sagte Burns bei einer
Vortragsveranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Mit der Grundsatzentscheidung für eine
Unterstützung der von Polen geführten Truppe und der bereits zuvor beschlossenen Übernahme
der Führung der Internationalen Schutztruppe in Afghanistan habe die Nato deutlich gemacht, dass
sie im Kampf gegen Terrorismus an vorderster Front stehe.
Die Nato prüft derzeit mit Polen, wie sie eine Schutztruppe im Irak unterstützen
könnte. Entscheidungen dazu könnten noch in dieser Woche vorbereitet werden.
Dabei soll es Diplomaten zufolge derzeit nur um logistische und planerische Unterstützung bei der
Versorgung und Zusammenstellung der Truppe gehen. In Bündniskreisen wurde die polnische Anfrage
mit der Unterstützung des Bündnisses für die von Deutschland und den Niederlanden geplante
Isaf-Truppe in Afghanistan verglichen. Dort hatte die Nato auch zunächst nur logistische
Hilfe geleistet, ohne selbst im Land präsent zu sein. Mittlerweile plant das Bündnis, im August die Führung
von Isaf zu übernehmen. Deutschland hat eine stärkere Nato-Rolle im Irak Diplomaten zufolge stets von
einem Mandat der Vereinten Nationen (UNO) abhängig gemacht.
Burns rief das Bündnis zur Geschlossenheit auf und kritisierte Deutschland, Belgien und Frankreich erneut dafür, im
Februar Nato-Schutz für die Türkei vor Beginn des Irak-Kriegs verzögert zu haben. Dies habe deutlichen Schaden
verursacht, sagte er. Die Nato sei als transatlantische Brücke unverzichtbar. Zugleich kritisierte er Pläne für eine von
der Nato unabhängige Verteidigungspolitik der Europäischen Union. Die USA seien gegen unnötige Doppelstrukturen,
bekräftigte er.
(Quellen: rtr, afp, ap)
«Besatzungsmächte behalten Heft in der Hand - Bildung einer Interimsregierung ist zurückgestellt. Irakische
Politiker sehen sich ihrer Einflussmöglichkeiten beraubt»
«Der letzte Woche gefasste UN-Beschluss zur
Aufhebung des mehr als zwölfjährigen Embargos hat im Irak
widersprüchliche Reaktionen hervorgerufen. Während der irakische
Dinar einen deutlichen Kursgewinn verzeichnen konnte, haben
Politiker teils harsche Kritik an der Resolution geübt. Sie
bemängeln vor allem, dass die Regierungsgewalt bis auf weiteres in
den Händen der angloamerikanischen Allianz liegt und nicht, wie
ursprünglich geplant, schon bald an eine irakische
Interimsregierung übertragen wird...» (tageszeitung vom 28.05.03)
Mehr unter:
«Halliburton Corp. - Der stellvertretende Verteidigungsminister klopfte im November heimlich bei einer Tochtergesellschaft von
Halliburton an, um die irakische Ölindustrie in Gang zu bringen»
«Monate bevor das Militär der USA Bomben und Raketen auf den Irak niederprasseln ließ, arbeitete das
Verteidigungsministerium mit Vize-Präsident Cheneys alter Firma, Halliburton Corp., an einem Geschäft, das der zweitgrößten
Gesellschaft der Welt für Dienstleistungen im Ölgeschäft die vollständige Kontrolle über Iraks Ölfelder gab, wie man aus
Interviews mit Halliburtons Vorstandsvorsitzendem erfahren konnte.
Zusätzlich beweisen vertrauliche Unterlagen, die der Öffentlichkeit in den vergangenen Monaten zugänglich gemacht wurden,
dass es beim Krieg mehr um die Kontrolle der zweitgrößten Ölreserven der Welt ging als um den Sturz des irakischen
Präsidenten Saddam Hussein...» (ZNet 23.05.2003)
Mehr unter:
«Alles vernetzt, alles prima? »
Ein Kriegsberichterstatter hat im Irak die neue digitale Kriegsführung der US-Armee
aus der Nähe betrachtet. Mehr unter:
Rumsfeld warnt Iran vor Einmischung im Irak
Mi.28.05.03 - US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat Iran vor dem Versuch gewarnt,
sich in die Regierungsbildung im Irak nach dem Sturz Saddam Husseins einzumischen.
"Iran sollte wissen, dass wir Bemühungen, den Irak nach dem Vorbild Irans neu zu schaffen,
energisch entgegentreten werden", sagte Rumsfeld am Dienstag vor dem Rat für Auswärtige Politik
in New York.
Rumsfelds scharfe Warnung folgte &Äuml;ußerungen von US-Außenminister Colin
Powell, nach denen Washington seine Kontakte mit Iran ungeachtet der jüngsten
Vorwürfe gegen Teheran nicht abbrechen wolle. "Wir haben Kontakte, und wir
werden sie aufrechterhalten", sagte Powell am Dienstag. Er betonte, dass die USA
die Unterstützung von Terroristen missbilligten und auch die atomaren Bemühungen
Irans seit Jahren ablehnten. Dennoch wollten sie weiter mit Teheran in Verbindung
bleiben.
Die US-Regierung hatte Iran kürzlich beschuldigt, El-Kaida- Terroristen Unterschlupf
zu gewähren. Außerdem warf das Weiße Haus der Regierung in Teheran vor,
verstärkt an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Die iranische Regierung
hatte diese Vorwürfe zurückgewiesen. Iran habe das Terrornetzwerk El Kaida von
Anfang an ernsthaft bekämpft. Mitglieder El Kaidas seien festgenommen worden.
Der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, nannte diese Maßnahmen
"ungenügend".
Die "Washington Post" hatte berichtet, die US-Regierung habe Gespräche mit
Teheran ausgesetzt und erwäge eine Kursänderung ihrer Politik mit dem Ziel, einen
Volksaufstand gegen das Regime in Iran zu erreichen. Grund dafür seien
zunehmende Hinweise darauf, dass in Iran untergeschlüpfte El-Kaida-Terroristen
hinter den Selbstmordanschlägen vom 12. Mai in Saudi-Arabien stecken könnten.
Ein Beamter des US-Außenministeriums sagte am Dienstag, dass es keine Neubestimmung der Iran-Politik gebe.
Nach den Worten von Rumsfeld wird jedoch erörtert, einen Dialog mit dem als gemäßigt geltenden iranischen
Präsidenten Mohammed Chatami anzustreben und die Reformbewegung zu fördern.
(Quelle: dpa)
Russland beunruhigt über iranisches Atomprogramm
Mi.28.05.03 - Ein Vertreter der russischen Regierung hat sich beunruhigt über das
iranische Atomprogramm geäußert. Der stellvertretende Außenminister Georgi
Mamedow brachte am Dienstag in einem Treffen mit dem iranischen Botschafter
Gholam Resa Schafei seine Besorgnis über "die Existenz ernster, ungelöster
Fragen im Zusammenhang mit Irans Atomforschung" zum Ausdruck, wie das
Außenministerium erklärte.
Mamedow forderte Iran auf, Sicherheiten vorzulegen, dass das iranische
Atomprogramm nicht zur Entwicklung von Atomwaffen genutzt werde. Er betonte,
dass es für Iran von Bedeutung sei, "so bald wie möglich" ein zusätzliches
Abkommen mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zu unterzeichnen,
das eine genauere Kontrolle der Atomanlagen zur Folge hätte. Die USA werfen Iran
vor, ein geheimes Programm zur Anreicherung von Uran zu betreiben.
(Quelle: ap)
US-Regierung blockiert angeblich Bericht über 11. September
Mi.28.05.03 - Die US-Regierung blockiert dem US-Nachrichtenmagzin "Newsweek" zufolge
die Veröffentlichung eines Untersuchungsberichts des US-Kongresses über Fehler
von Polizei und Geheimdiensten vor den Anschlägen vom 11. September. Der Streit
entzündet sich laut Newsweek an zwei als sensibel eingestuften Kapiteln: Darin
werde auf die täglichen Mitteilungen der US-Geheimdienste an US-Präsident
George W. Bush und auf Verbindungen Saudi-Arabiens zum Terrornetzwerk El
Kaida Bezug genommen. Der Bericht des US-Kongresses beinhalte Details über
Geheimdienst-Briefings der Regierung vor den Anschlägen. Laut "Newsweek" wurde
Bush in einem Dossier vom 6. August 2001 vor möglichen Flugzeugentführungen
durch Terroristen gewarnt. Der demokratische Senator Bob Graham warf der
ermittelnden Regierungskommission unter CIA-Chef George Tenet vor, das Weiße
Haus decken zu wollen. Ein Regierungsmitarbeiter wies die Vorwürfe zurück.
(Quelle: afp)
Bush unterzeichnet Aids-Initiative
Mi.28.05.03 - US-Präsident George W. Bush hat
am Dienstag in Washington ein Milliarden-Programm zur
Bekämpfung von Aids vornehmlich in Afrika und der
Karibik unterzeichnet. Kurz vor dem Treffen der sieben
größten Industrieländer und Russlands vom 1. bis 3. Juni
in der französischen Stadt Evian setzte Bush damit ein
Zeichen für die Mitglieder der G 8. "Ende der Woche reise
ich nach Europa, und ich werde unsere Partner und
Freunde herausfordern, unserem Beispiel zu folgen und eine ähnliche Zusage zu
geben."
Das US-Programm sieht über einen Zeitraum von fünf Jahren 15 Milliarden Dollar
(12,6 Mrd Euro) vor. Seine Initiatoren hoffen, sieben Millionen neue Erkrankungen
verhindern, das Leben von zwei Millionen Kranken verlängern und für zehn
Millionen Kranke sorgen zu können.
Bush sagte, es sei die moralische Pflicht der USA, bei der Bekämpfung von Aids
zu helfen. Die Krankheit, der schon mehr als 20 Millionen Menschen zum Opfer
gefallen sind, sei die größte medizinische Herausforderung der Gegenwart. "Wir
sind das Land des Marshall-Plans, der Berliner Luftbrücke und des Friedenskorps,
und nun sind wir das Land des Plans gegen den Aids-Notstand", sagte Bush.
(Quelle: dpa)
Mehr Information zum Thema Aids unter:
Nahost-Friedensplan: Abbas will Israels Einwände auf US-Anraten ignorieren
Mi.28.05.03 - Die Palästinensische Autonomiebehörde wird die von der israelischen
Regierung aufgestellten Bedingungen für die Umsetzung des internationalen
Friedensplans auf Anraten der USA ignorieren. Das betonte der palästinensische
Ministerpräsident Mahmud Abbas in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit
der israelischen Tageszeitung "Haaretz". Abbas sagte darin, Washington werde nicht
zulassen, dass Israel die in dem zusammen mit der EU, Russland und der UN
verfassten Plan vorgesehenen Schritte ignoriere.
Die Regierung in Jerusalem hatte am Sonntag zwar den so genannten Fahrplan mit
knappster Mehrheit angenommen, gleichzeitig jedoch einen 14 Punkte
umfassenden Forderungskatalog aufgestellt, der die Durchsetzung des Plans nach
Meinung diplomatischer Beobachter praktisch unmöglich machen würde. Abbas
sagte in dem ersten Interview mit einer israelischen Zeitung, die USA würden darauf
bestehen, dass Israel eine im Friedensplan vorgesehene Erklärung veröffentliche, in
der sich Israel zum Gewaltverzicht und einem Ende der Hetze gegen die
Autonomiebehörde verpflichtet. Die Palästinenser müssen gleichzeitig Israels
Existenzrecht als Staat öffentlich anerkennen.
Auf die Frage, ob er dem israelischen Regierungschef Ariel Scharon glaube, der am
Montag erstmals die Besatzung über 3,5 Millionen Palästinenser als "falsch"
bezeichnet hatte, sagte Abbas: "Ich werde Scharon nicht nach dem beurteilen, was
er sagt, oder was man über ihn sagt. Ich kenne ihn auswendig, und ich werde ihm
nur glauben, wenn er den Friedensplan umsetzt." (Quelle: dpa)
Abbas: Gewalt ist kurzfristig nicht vollständig eindämmbar
Mi.28.05.03 - Anti-israelische Gewalttaten radikaler Palästinenser können nach
Einschätzung des palästinensischen Regierungschefs Mahmud Abbas nicht über
Nacht vollständig eingedämmt werden. "Wir hoffen auf Israels Verständnis. Selbst
wenn hier und dort Gewalt noch passiert, sind wir damit nicht einverstanden", sagte
Abbas am Dienstag der Internet-Ausgabe der israelischen Tageszeitung "Haaretz".
Die Palästinenserregierung könne die Gewalt kurzfristig nicht "hundertprozentig"
eindämmen. Die palästinensischen Sicherheitsdienste seien im Westjordanland
komplett, im Gazastreifen zu "70 Prozent" zerstört. Falls Israel im Falle neuer
Anschläge zu der Politik massiver Vergeltung zurückkehre, werde dies dem Ziel der
Beendigung des Nahost-Konfliktes schaden. (Quelle: afp)
Araber und Juden aus Israel besuchen Auschwitz
Mi.28.05.03 - Eine Gruppe von rund 300 Arabern und Juden aus Israel
hat am Dienstag gemeinsam Auschwitz besucht. Ziel des insgesamt zweitägigen
Besuchs im Auschwitz-Museum war es nach Angaben der Organisatoren, Muslimen
deutlich zu machen, wie sehr die Juden unter dem Holocaust gelitten haben. Die
Reise ging auf eine Initiative des arabisch-stämmigen katholischen Priesters Emil
Schufani aus Nazareth zurück.
Der Gruppe gehörten arabische und jüdische Intellektuelle, Sportler und
Geschäftsleute an. Zu ihnen gesellten sich etwa 200 Juden und Araber aus
Frankreiche. Sie alle hörten bei dem Besuch auch die Berichte Überlebender des
früheren Vernichtungslagers der deutschen Nationalsozialisten. Allein in Auschwitz
starben während des Zweiten Weltkriegs mehr als eine Million Menschen. Der
Holocaust kostete insgesamt rund sechs Millionen Juden das Leben.
(Quelle: ap)
40.000 Demonstranten gegen Rentenreform in Israel
Mi.28.05.03 - Als Protest gegen die geplante Rentenreform in Israel sind am
Dienstag rund 40.000 Demonstranten durch Jerusalem gezogen und haben mit
einem Generalstreik gedroht. Zum Lärm von Hupen und Trommeln marschierten sie
vor das Finanzministerium in der Nähe der Knesset. Zu Zwischenfällen kam es nach
Polizeiangaben nicht. In der Rentenreform ist unter anderem eine Anhebung der
Altersgrenze von 65 auf 67 Jahre vorgesehen. Ferner sollen die Beiträge um zwei
Prozentpunkte angehoben, die Bezüge aber um zwei Prozent gekürzt werden.
Schließlich will die Regierung dem Gewerkschaftsbund Histadrut die Kontrolle über
die Pensionskassen seiner Mitglieder entziehen und auf dem Kapitalmarkt
investieren. Die Gewerkschaft, die ihre Streiks gegen das gesamte Sparpaket der
Regierung inzwischen eingestellt hat, hat im Rentenstreit mit neuen
Arbeitskampfmaßnahmen gedroht. (Quelle: ap)
Europäische Gewerkschaften für stärkere Verankerung sozialer Rechte
Mi.28.05.03 - Die europäischen Gewerkschaften haben sich für eine stärkere
Verankerung sozialer Rechte in der europäischen Verfassung ausgesprochen. In
einem Aktionsplan sprachen sich am Dienstag die Delegierten auf dem
europäischen Gewerkschaftskongress in Prag für einen Ausbau des europäischen
Sozialmodells aus. Der Präsident des Europäischen Konvents, Valéry Giscard
d'Estaing, lobte die europäischen Arbeitnehmervertreter als starkes Bindeglied zur
Zivilgesellschaft.
"Wir wollen den Mitgliedern ein Europa bieten, das zukunftsgerichtet ist",
unterstrich er. Giscard d'Estaing verwies zudem auf die Notwendigkeit einer
europäischen Außen- und Verteidigungspolitik. Nach einer aktuellen
Meinungsumfrage hätten sich 67 Prozent der Befragten für eine gemeinsame Außenpolitik
und 74 Prozent für eine koordinierte Verteidigungspolitik ausgesprochen. "Das
überstieg meine kühnsten Erwartungen", unterstrich er. Giscard d'Estaing unterstützte
zudem die Schaffung eines europäischen Außenministeriums und die Einsetzung einer
Agentur für Waffentechnik, um seiner Meinung nach bestehende Entwicklungsrückstände aufzuholen.
Vor den rund 500 Delegierten aus etwa 30 europäischen Ländern sprach sich der Konventspräsident zugleich für eine
Koordinierung der europäischen Wirtschafts-, Beschäftigungs- und Sozialpolitik aus. Er verwies darauf, dass bislang
nur die Forderung einer gemeinsamen Wirtschaftspolitik in den Verfassungsentwurf aufgenommen worden sei.
Der Konvent habe sich bemüht, eine einfache und transparente Gesetzgebung zu schaffen, sagte Giscard d'Estaing.
Europa müsse den gewachsenen Ansprüchen seiner Bürger genügen. Er verlangte auch einen verbesserten sozialen
Schutz für Wanderarbeiter und kündigte einen verstärkten Kampf gegen das organisierte Verbrechen an.
Bis Donnerstag wollen die Vertreter der europäischen Gewerkschaften über eine soziale Neuordnung in einem
vereinten Europa beraten. In dem Aktionsplan greifen die Gewerkschafter zudem eine Initiative für Vollbeschäftigung
auf. DGB-Chef Michael Sommer hob die Notwendigkeit des europäischen Sozialmodells hervor, das nicht mit dem
amerikanischen ersetzt werden dürfe.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte in einem Initiativantrag mehr öffentliche Investitionen zum Ausbau der
Infrastruktur. Die Finanzierung solle über Kredite erfolgen. Die daraus entstehende Schuldenlast dürfe nicht in die
laufenden Defizitberechnungen der Stabilitätsprogramme einfließen.
Der DGB propagierte außerdem eine koordinierte europäische Politik für Wachstum und Beschäftigung. Die
Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten und die europäische Zentralbank werden zu einem Kurswechsel in ihrer
Wirtschafts- und Finanzpolitik aufgefordert.
(Quelle: ap)
Mehrere hunderttausend Demonstranten bei G-8-Gipfel erwartet
Mi.28.05.03 - An den Protesten gegen den G-8-Gipfel im französischen Evian werden
nach Schätzung der Organisation attac am kommenden Wochenende mehrere
hunderttausend Globalisierungsgener teilnehmen. Aus Deutschland würden
voraussichtlich 4.000 bis 5.000 Demonstranten an den Genfer See reisen, sagte
attac-Sprecher Lukas Engelmann am Dienstag in Berlin. Am Donnerstag wird die
erste größere Demonstration in Lausanne stattfinden, zu Beginn der dreitägigen
G-8-Konferenz am Sonntag ist ein Protestmarsch zur Grenze zwischen der
Schweiz und Frankreich bei Genf geplant. Rund 24.000 Polizisten und Soldaten
werden in der Region im Einsatz sein, um den Gipfel zu schützen.
Die Proteste gegen den G-8-Gipfel haben inzwischen Tradition. Vor zwei Jahren war
es in Genua zu schweren Ausschreitungen gekommen. Dabei wurde ein Demonstrant
von der Polizei erschossen. Mit ähnlichen Krawallen rechne er in diesem Jahr nicht, sagte
Engelmann. Attac setze sich für "friedlichen zivilen Ungehorsam" ein.
Bei der zentralen Großdemonstrationen am Sonntag erwartet attac rund 100.000 Teilnehmer. Vom schweizerischen
Genf und vom französischen Annemasse wollen die Globalisierungsgener zur Grenze marschieren, und den
Zufahrtsweg zum Gipfel blockieren. Die Organisatoren erwarten Teilnehmer aus ganz Europa, vor allem aus
Frankreich, der Schweiz, Spanien und Italien. In Berlin wird am (morgigen) Mittwoch ein Sonderzug starten, der rund
1.000 Globalisierungsgegner aus 15 deutschen Orten nach Genf bringen soll.
Neben den Demonstrationen sind während der Gipfeltage mehrere "Gegengipfel" der Globalisierungsgegner in Genf,
Lausanne und Annemasse geplant. Zudem wird ein "Globales Dorf" mit Zeltlager am Genfer See errichtet.
Allein Frankreich setzt zum Schutz des Gipfels knapp 15.000 Soldaten und Polizisten ein. Die französischen
Streitkräfte haben am Genfer See Boden-Luft-Raketen vom Typ Crotale und Radarstationen installiert, unbemannte
Kleinflugzeuge überwachen die Region. 50 bis 70 Kampfhubschrauber und Jagdflugzeuge stehen zum Eingreifen
bereit. Auch Deutschland wird sich voraussichtlich mit 1.000 Polizisten und 15 Wasserwerfern an den
Sicherheitsmaßnahmen beteiligen.
Frankreich hat das Schengen-Abkommen vorübergehend außer Kraft gesetzt und will mit Grenzkontrollen potenzielle
Störer und Gewalttäter schon bei der Anreise stoppen. Vier Sicherheitskreise mit strengen Zugangsbeschränkungen
bis zu Auflagen für Verkehrsteilnehmer wurden um Evian gezogen. (Quelle: ap)
Ein weiterer Bericht zum Thema unter:
«Mobilisierung gegen den G-8-Gipfel in Evian»
Die G-8 wird vom 1. bis 3. Juni in Evian am Genfer See zusammenkommen.
Aus diesem Anlaß und vor dem Hintergrund des Krieges im Irak, der
angloamerikanischen Besetzung des Landes und der Fortsetzung der neoliberalen
Politik veranstalten Globalisierungs-Kritiker einen "G-8-Gegengipfel"
mit zahlreichen Debatten, Konferenzen und Protestaktionen.
Mehr unter:
Offizielle Homepage des G-8-Treffens 2003 in Evian:
«Blick ins Archiv»
G-8: Exklusiver Club der großen Industriestaaten
Drohnen und Boden-Luft-Raketen sollen G-8-Gipfel schützen
Genua: Verfahren gegen 93 G-8-Gipfel-Demonstranten eingestellt
«Demokratische Finsternis» G-8-Gipfel 2001 | Genua, Italien
Eingeständnisse nach G-8-Gipfel in Genua:
Do.09.01.03 - Eineinhalb Jahre nach den blutigen
Ausschreitungen beim G-8-Gipfel in Genua hat die
italienische Polizei jetzt schwere eigene Rechtsverstösse
eingeräumt. Wie italienische Zeitungen am Mittwoch
berichteten, gaben Polizeibeamte zu, nach einer Razzia in
einer Schule, in der Globalisierungskritiker übernachteten,
Beweise gefälscht zu haben. So seien von der Polizei zwei
Molotow-Cocktails in die Schule geschmuggelt worden, um
so die Demonstranten zu belasten, hiess es.
Bei der Razzia waren etliche Demonstranten von
Sondereinheiten der Polizei verprügelt und zum Teil schwer
verletzt worden. Viele von ihnen wurden vorübergehend
festgenommen.
Die Razzia hatte in der Nacht auf den 22. Juli 2001
stattgefunden, wenige Stunden nachdem ein junger
Demonstrant von einer Polizeikugel tödlich getroffen
worden war. Wegen der Gewaltexzesse am Rande des
G-8-Gipfels war Italiens Polizei scharf kritisiert worden.
(Quelle: nzz/dpa) Mehr unter:
IWF hält weiter an deutscher Wachstumsprognose 2003 fest
Mi.28.05.03 - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hält weiter an seiner
Wachstumsprognose für Deutschland für dieses Jahr von einem halben Prozent
fest.
"Ich sehe derzeit noch keine Veranlassung, die IWF-Vorhersage von 0,5 Prozent
Wachstum für dieses Jahr zu ändern", sagte IWF-Chef Horst Köhler dem
"Handelsblatt" (Mittwochausgabe) einem Vorabbericht zufolge. "Ich bin vorsichtig
optimistisch über die Konjunkturentwicklung, wenn es dem Bundeskanzler gelingt,
sein in der Agenda 2010 dargelegtes Programm mit unwesentlichen Abstrichen
durchzusetzen." Es bereite dem IWF aber auch wegen der Auswirkungen auf ganz Europa
Sorge, dass die deutsche Wirtschaft seit drei Jahren praktisch stagniere und jetzt dem
Risiko einer Deflation näher sei als dem einer Inflation.
Köhler sagte zudem, er halte die Reformpläne der Bundesregierung für nicht
ausreichend, um die Probleme zu lösen. Aus seiner Sicht gingen
die Vorschläge der Agenda 2010 von Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD) nicht weit genug, "Ich glaube, dass die
Finanzierungsprobleme der Renten-, Kranken- und
Arbeitslosenversichrung noch nicht in ihrer vollen Tragweite berücksichtigt wurden." Zudem erwiesen sich die
zentralistischen Lohnabschlüsse immer mehr als Vernichter von Arbeitsplätzen.
Derzeit sei die Situation schwierig, weil sich eine konjunkturelle Schwäche mit tief greifenden strukturellen
Wachstumsproblemen überlagere. Er empfehle in dieser Situation, die automatischen Stabilisatoren zuzulassen,
auch wenn dies das Haushaltsdefizit auf über drei Prozent hebe. Zudem müssten gleichzeitig nachhaltige Reformen
des Arbeits-, Sozial- und Steuersystems auf den Weg gebracht werden, sagte Köhler. "Diese Reformen sollten die
strukturellen Haushaltsdefizite mittelfristig auf Null zurückfahren und danach Überschüsse für die langfristige
Sicherung der Altersversorgung in Deutschland aufbauen."
(Quelle: rtr)
Deutschland-Bericht der OECD wurde angeblich geschönt
Mi.28.05.03 - Der Deutschland-Bericht der OECD ist nach einem
Zeitungsbericht auf Druck der Bundesregierung entschärft worden.
Das "Handelsblatt" berichtet in seiner Mittwochausgabe, aus dem Bericht seien vor
seiner Veröffentlichung im Dezember 2002 zahlreiche kritische Passagen entfernt
worden. Dafür seien lobende Abschnitte über die deutsche Wirtschaftspolitik
aufgenommen worden. Weggefallen sei beispielsweise die ursprüngliche Forderung
der OECD nach gesetzlich garantierten Öffnungsklauseln für Tarifverträge, die den
Protest der Gewerkschaften hervorgerufen hätten. Die OECD habe zudem Passagen
über die Tragfähigkeit des gesetzlichen Rentensystems entschärfen müssen. Eine
Stellungnahme der Bundesregierung zu dem Bericht lag am Morgen nicht
vor.
Das "Handelsblatt" zitierte einen Beteiligten mit den Worten, der
Bericht sei "auf Druck von Deutschland in einem Maße weich
gespült worden, wie ich es in der Vergangenheit noch nicht erlebt
habe". In Kreisen der Mitgliedsländer der Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hieß
es, sie hätten die Eindruck, Deutschland versuche mit
unendlichen Detailänderungen "die wichtigsten Sachen zu unterdrücken".
Die Modifikationen seien weit üer die
redaktionellen &Äuml;nderungswünsche hinausgegangen.
Die Zeitung zitierte Berliner Regierungskreise, sie seien nicht an einer
Verschärfung der innenpolitischen Diskussion
über Arbeits- und Sozialreformen interessiert gewesen. (Quelle: rtr)
Neue Finanzprobleme bei Renten- und Krankenkassen
Mi.28.05.03 - Die gesetzlichen Krankenkassen haben im ersten Quartal erneut
Minus gemacht. Die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" schreibt, laut
Kassenkreisen summiere sich der Fehlbetrag bei AOK und Ersatzkassen auf rund
440 Millionen Euro. AOK und Ersatzkassen versichern knapp 75 Prozent aller
Kassenmitglieder. Finanzprobleme auch bei den Rentenversicherern: Im April seien
die Rücklagen unter die gesetzliche Grenze gefallen, schreibt die "Stuttgarter
Zeitung". Der Sprecher des Bundessozialministeriums, Klaus Vater, wollte die Angaben zur
Schwankungsreserve nicht kommentieren. Er räumte aber ein, die Lage der
Rentenversicherer sei angespannt.
(Quelle: dpa)
Finanzminister Eichel will vorrangig bei Renten sparen
Mi.28.05.03 - Bundesfinanzminister Hans Eichel will zur Haushaltssanierung
offenbar vorrangig bei den Renten sparen. Das habe Eichel sowohl im
SPD-Parteivorstand als auch im Parteirat angekündigt, schreibt die "Neue
Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf Teilnehmer. Der Bundeszuschuss müsse
"unbedingt reduziert" werden, erläuterte der Minister dem Blatt zufolge beiden
Gremien. Das würde automatisch zu Rentenkürzungen führen. Für 2003 ist ein
Bundeszuschuss zu den Renten von 53,9 Milliarden Euro eingeplant. (Quelle: dpa)
Eichel will bei Verteidigungsausgaben nicht kürzen
Mi.28.05.03 - Die Bundeswehr bleibt von den geplanten Sparmaßnahmen im neuen
Bundeshaushalt verschont. Nach dpa- Informationen kündigte Finanzminister Hans
Eichel vor der SPD- Bundestagsfraktion in Berlin an, dass die Festschreibung für
die Verteidigungsausgaben im Etat 2004 unverändert bei 24,4 Milliarden Euro liegen
wird. Diese Obergrenze soll bis zum Jahr 2006 gelten. Danach ist eine auch von
Bundeskanzler Gerhard Schröder in Aussicht gestellte Erhöhung des Wehretats
vorgesehen. (Quelle: dpa)
(Quelle: dpa)
DGB-Gewerkschaften im Agenda-Streit wieder einig
Mi.28.05.03 - Im Streit um die Reformpläne der Bundesregierung haben sich
die acht Einzelgewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) auf ein
gemeinsames Vorgehen verständigt. Dazu gehören nach DGB-Angaben auch
Gespräche mit allen Parteien über eine zukunftsweisende Reformdebatte.
Die Chefs von sechs DGB-Gewerkschaften einigten sich nach Angaben von
DGB-Sprecher Hilmar Höhn am Dienstag bei einem Treffen am Rande des
Europäischen Gewerkschaftstages in Prag auf eine gemeinsame Erklärung. Darin
heißt es, die Proteste der Gewerkschaften gegen die Agenda 2010 hätten Wirkung
gezeigt. Die bislang an den Reformvorhaben vorgenommenen &Äuml;nderungen reichten
aber nicht aus. Dem schlossen sich die Gewerkschaften Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG)
und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf Anfrage von Reuters
an.
Der Übereinkunft zufolge wollten die Gewerkschaften nach den
Sonderparteitagen von SPD und Grünen Gespräche mit allen
Parteien führen, um Einfluss auf das Gesetzgebungsverfahren
zu nehmen. Dabei gehen die Gewerkschaften offenbar davon
aus, dass für die zentralen Reformvorhaben im Herbst Vermittlungsverfahren mit der Opposition nötig werden. Deshalb
sind Gespräche auch mit der Union geplant. Angesichts von Massenarbeitslosigkeit, struktureller Probleme, der
demographischen Entwicklung und der dramatischen Situation der Staatsfinanzen müsse es jetzt darauf ankommen,
die gemeinsame Debatte von Parteien und Gewerkschaften über zukunftsweisende Reformen zu intensivern, heißt es.
Die Agenda von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) löse die Krise der Wirtschaft und am Arbeitsmarkt nicht.
Vielmehr würde bei deren Umsetzung die soziale Situation der Arbeitnehmer, Erwerbslosen und ihrer Familien
schlechter, heißt es in der Erklärung. Über deren Zustandekommen sagte DGB-Sprecher Höhn, alle seien aufeinander
zu gegangen. An dem Treffen hätten DGB-Chef Michael Sommer, Verdi-Chef Frank Bsirske, IG-Metall-Chef Klaus
Zwickel, der Chef der Chemiegewerkschaft IG BCE, Hubertus Schmoldt, IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel,
Transnet-Chef Norbert Hansen und der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft, Konrad Freiberg, teilgenommen.
NGG-Chef Franz Josef Möllenberg, der nach eigenen Angaben wegen einer Aufsichtsratssitzung nicht in Prag war,
sagte Reuters, er stimme der Erklärung zu. Ein GEW-Sprecher sagte: "Wir gehen den Weg mit."
Nachdem die Gewerkschaften Anfang Mai ein Treffen der SPD-Gewerkschaftschefs mit der SPD-Spitze abgesagt
hatten, hatte sich der Streit im Gewerkschaftlager über den Kurs verschärft. Zuletzt hatte IG-Metall-Chef Zwickel Kritik
von Schmoldt an der Gesprächsabsage in einem Reuters-Interview als "Nach-Gequake" bezeichnet. Während Verdi
und IG Metall einen Konfrontationskurs gegen die Reformpläne der Bundesregierung fuhren, wollten die drei kleineren
Gewerkschaften IG BCE, Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) und die Eisenbahner-Gewerkschaft Transnet mit
eigenen Vorschlägen auf die Bundesregierung zugehen.
Die IG Metall geht nach Worten ihres Sprechers Claus Eilrich davon aus, dass Schröder auf dem
SPD-Sonderparteitag eine deutliche Mehrheit für seine Agenda 2010 erhalten wird. "Damit ist die Auseinandersetzung
darüber aber nicht vorbei." Danach müsse man sehen, ob im Gesetzgebungsverfahren &Äuml;nderungen möglich seien oder
im Herbst weitere Protestaktionen dafür nötig seien.
DGB-Chef Sommer hatte am Montag gesagt, einige Härten der Agenda seien inzwischen abgeschwächt. Dabei
nannte er unter anderem geplante Übergangsfristen bei der Absenkung der Arbeitslosenhilfe auf Sozialhilfeniveau und
für die Kürzung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes. Trotz dieser Veränderung stimme die Richtung der Politik
der Bundesregierung insgesamt aber nicht, sagte Sommer. Sozialabbau bleibe Sozialabbau. (Quelle: rtr)
Kirchen stützen Schröders Reformkurs
Mi.28.05.03 - Die obersten Kirchenführer der Katholiken und Protestanten in
Deutschland haben sich hinter die Reformpolitik von Bundeskanzler Gerhard
Schröder gestellt. In einem gemeinsamen Interview mit der "Berliner Zeitung"
(Mittwochausgabe) sprachen sich sowohl der Vorsitzende der katholischen
Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, und der Ratsvorsitzende der
Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Manfred Kock, für einen Umbau des
Sozialstaats in Deutschland aus.
"Wir leben in einer sozialen Situation, in der die Fortschreibung des Bisherigen
nicht funktioniert", zitierte das Blatt den EKD-Ratsvorsitzenden Kock: "Deshalb
brauchen die politisch Handelnden Mut, da etwas zu ändern - parteiübergreifend."
Kardinal Lehmann warnte zwar vor einer Übernahme des nordamerikanischen
Sozialstaatsmodells. Insbesondere wegen der demographischen Entwicklung seien
aber Reformen zwingend. "Was der Kanzler angeht, ist im Grundsatz unbedingt
notwendig", sagte er nach Angaben der Zeitung. (Quelle: ap)
ver.di fordert radikale Schulreform
Mi.28.05.03 - Radikale Reformen des Schulsystems fordert die
Dienstleistungsgewerkschaft ver.di als Konsequenz der PISA- und IGLU-Studien.
Bundesvorstandsmitglied Dorothea Müller warf den Kultusministern am Dienstag in
Berlin vor, ihren Aufgaben nicht gerecht zu werden. Sie versuchten vieles zu
verändern, vermieden aber eine Strukturdebatte.
Sie plädierte für eine «Schule neuen Typs», die gemeinsames Lernen bis
einschließlich der zehnten Klasse ermögliche. Die IGLU-Studie habe gezeigt, dass
die Grundschulen im Vergleich erheblich besser abschnitten, weil die Kinder bei
dieser Art von Gesamtschule noch gemeinsam lernten und nicht "aussortiert" würden.
Darüber hinaus solle nicht das Pauken im Vordergrund stehen, sondern die
Vermittlung von Kenntnissen, die die Jungen und Mädchen in die Lage versetzten, sich
Wissen anzueignen.
Die Integration benachteiligter Schüler müsse verstärkt, die Schule durch stärkere
Einbeziehung etwa von Jugendhilfe und Eltern nach außen geöffnet und die "Abschottung"
zur nachfolgenden Berufsausbildung durchbrochen werden. Außerdem müssten
Unterrichtsorganisation und Lehrerausbildung geändert und die
"pädagogische Schwerarbeit" mit sozial benachteiligten Jugendlichen besser honoriert werden.
Die Vorstellungen von ver.di gehen über das Konzept der einst heftig umkämpften Gesamtschulen hinaus. Sowohl die
klassischen Gymnasien als auch die mehr als 30 Jahre alten Gesamtschulen haben sich nach Ansicht der
Gewerkschaft überlebt. «In der Gesamtschule wird auch nicht gelehrt, was wir für erforderlich halten» meinte Müller.
Notwendig sei ein ganz neuer Schultyp, der kooperatives Lernen fördere. Wie dies aussehen könne, müsse diskutiert
werden.
(Quelle: ap)
Stadt Solingen muss Täter-Adresse herausgeben
Mi.28.05.03 - Zehn Jahre nach dem rechtsextremistischen Brandanschlag von
Solingen muss die Stadt die Adresse eines der Täter herausgeben. Die
Bezirksregierung Düsseldorf gab am Dienstag dem entsprechenden Antrag eines
Rechtsanwalts statt. Der Jurist will einem der rechtskräftig verurteilten Täter eine
Zahlungsaufforderung über rund 130.000 Euro Schmerzensgeld zustellen, das
einem schwer verletzten Türken im Mai 2000 vom Landgericht Wuppertal
zugesprochen worden war. Der junge Mann hatte bei dem Anschlag vom 29. Mai
1993 schwerste Verletzungen erlitten.
Die Stadt Solingen hatte bislang die Herausgabe der Adresse mit der Begründung
verweigert, dass Gefahr für Leib und Leben des Täters bestehe. Dieser habe jedoch nicht
glaubhaft machen können, dass tatsächlich eine solche objektive Gefahr bestehe,
erklärte ein Sprecher der Behörde die Entscheidung.
Bei dem Brand des von Türken bewohnten Hauses waren fünf
Menschen, zwei Frauen und drei Mädchen, getötet und mehrere andere Bewohner
verletzt worden. Von den danach verurteilten vier jungen Deutschen sind zwei inzwischen wieder auf freiem Fuß. Nach
Angaben der Düsseldorfer Bezirksregierung erlaubt das Meldegesetz eine Herausgabe der Daten, wenn das Interesse
des Antragstellers das Interesse des Betroffenen überwiegt.
Unterdessen erklärte ein Sprecher des Zentrums für Türkeistudien am Dienstag in Essen, auch zehn Jahre nach dem
Anschlag seien Narben zurückgeblieben. Das damalige Verbrechen habe den Scheitelpunkt einer Welle
rechtsextremistischer Gewalt in der Bundesrepublik markiert. Die besondere Schwere solcher Gewalt ergebe sich aus
ihrer Signalwirkung.
"Nicht nur Leben und körperliche Unversehrtheit der unmittelbaren Opfer wurden angegriffen, sondern eine ganze
Bevölkerungsgruppe in ihrer unabänderlichen Identität als Zuwanderer", erklärte der Sprecher. Der Präses der
Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, mahnte in Düsseldorf, die Menschen sollten "mit Herz und
Hand zur Versöhnung und Verständigung beitragen". (Quelle: ap)
«Fünf Menschen türkischer Herkunft starben vor zehn Jahren nach dem Brandanschlag von Solingen»
«Die beiden Daten hätten näher nicht beieinander liegen
können: Am 26. Mai 1993 wird im Deutschen Bundestag mit
dem sogenannten Asylkompromiß ein Gesetz mit den Stimmen
von Abgeordneten aus CDU, SPD und FDP verabschiedet, mit
dem das Recht auf Asyl faktisch abgeschafft wurde. Drei Tage
später, in der Nacht des 29. Mai, starben in Solingen Gürsün
Ince (27), Hatice Genç (18), Gülüstan Öztürk (12), Hülya Genç
(9) und Saime Genç (4) nach einem Brandanschlag. Die beiden
Kinder und drei Frauen der türkischen Familie Genç hatten an
diesem Pfingstsamstag keine Chance, den Flammen zu
entkommen. Acht weitere Hausbewohner wurden zum Teil
schwer verletzt. Die Neonazis Markus Gartmann, Felix Köhnen,
Christian Buchholz und Christian Reher hatten zuvor in dem
von der Familie bewohnten Haus Feuer gelegt. ...» ("junge Welt" vom 28.05.03)
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