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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Fr.30.05.03, 12:45 Irak am zweiundsiebzigsten Tag nach Kriegsbeginn:
Stellvertretender US-Verteidigungsminister Wolfowitz:
Iraks Waffen nicht Hauptkriegsgrund +++
Blair besucht britische Truppen in Irak.
Täuschungsvorwurf gegen Blair:
Gefährlichkeit Saddams sei von Downing Street absichtlich dramatisiert worden +++
US-Verteidigungsminister Rumsfeld beschuldigt Iran der Einmischung in Irak +++
Fr.30.05.03 - Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz hat
eingeräumt, dass die Frage irakischer Massenvernichtungswaffen in
erster Linie aus politischen Gründen für einen Krieg in Irak genutzt
wurde. Die Massenvernichtungswaffen seien niemals der wichtigste
Kriegsgrund für die USA gewesen, sagte Wolfowitz dem britischen
Magazin "Vanity Fair".
Rumsfeld bestritt, dass die Frage irakischer Massenvernichtungswaffen
lediglich ein Vorwand für den Krieg gewesen sei. Er sei nach wie vor
überzeugt, dass die Regierung von Saddam Hussein über biologische
und chemische Waffen verfügt habe. Bis zum Fund dieser Waffen werde
es noch eine Weile dauern. Außerdem seien bereits zwei mobile Labors zur
Herstellung von Chemie- und Biowaffen entdeckt worden.
Wolfowitz sagte "Vanity Fair", "aus bürokratischen Gründen" habe sich
die US-Regierung auf das Thema Massenvernichtungswaffen konzentriert,
weil es "der eine Grund war, dem jeder zustimmen konnte". "Fast unbeachtet,
aber riesig" sei dagegen der Kriegsgrund gewesen, dass mit dem Irak-Krieg
die Präsenz von US-Truppen im benachbarten Saudi-Arabien überflüssig
geworden sei. Allein die Beseitigung dieser "Belastung" von Saudi-Arabien
werde zu einem friedlicheren Nahen Osten führen, fügte der Vizeminister hinzu.
Als erster westlicher Regierungschef nach
dem Sturz von Saddam Hussein hat der britische Ministerpräsident
Tony Blair den Irak besucht. Am Donnerstag dankte er in der
südirakischen Stadt Basra britischen Truppen für ihren Einsatz im Krieg.
Gleichzeitig sah sich Blair in London mit Vorwürfen konfrontiert, Downing
Street habe vor Kriegsbeginn einen Bericht absichtlich dramatisiert, um
die Gefahr durch mögliche Massenvernichtungswaffen Saddams gefährlicher
erscheinen zu lassen. Die Regierung wies die Vorwürfe zurück.
Vor 400 Soldaten, die sich vor einem jetzt als Hauptquartiert genutzten
ehemaligen Palast eingefunden hatten, sagte Blair in Basra: "Sie haben die
Schlacht mit großem Mut ausgefochten und gewonnen. Sie haben ihrem Land
Ehre gemacht." Auch sei ihr Einsatz für den Aufbau des Landes nach dem Krieg
vorbildlich, sagte Blair weiter. Derzeit sind noch etwa 20 000 britische Soldaten
im Irak stationiert, die den Süden des Landes kontrollieren.
Blair traf neben den Soldaten auch irakische Schulkinder und den Zivilverwalter
für den Irak, Paul Bremer. Dieser unterrichtete Blair über wirtschaftliche und noch
bestehende Sicherheitsprobleme. Später flog Blair mit dem Hubschrauber weiter
in die Hafenstadt Um Kasr, um auch dort Angehörige der britischen Streitkräfte
zu treffen, und dann zurück nach Kuwait. Von dort aus wird er in den kommenden
Tagen nach Polen, St. Petersburg und zum G-8-Treffen nach Evian in Frankreich reisen.
In London berichtete die BBC, ein im vergangenen September veröffentlichtes
Dossier über die Gefährlichkeit Saddams sei von Downing Street absichtlich
dramatisiert worden sei. Gegen den Willen der Geheimdienste habe es geheißen,
einige der irakischen Massenvernichtungswaffen könnten innerhalb von nur 45
Minuten einsatzbereit sein. Dabei habe es dafür nur eine einzige eher unzuverlässige
Quelle gegeben. Am Amtssitz Blairs wurden die Vorwürfe zurückgewiesen. Aus dem
britischen Unterhaus wurde Rufe nach einer parlamentarischen Untersuchung laut.
Auf dem Flug nach Kuwait, wo er der Regierung für die Unterstützung im Irak-Krieg
dankte, hatte Blair seine Überzeugung bekräftigt, dass der Irak unter Saddam Hussein
über Massenvernichtungswaffen verfügte. Er habe "absolut keinen Zweifel an der
Existenz von Massenvernichtungswaffen" im Irak, sagte Blair nach Angaben der BBC.
Zuvor hatte US-Verteidigungungsminister Donald Rumsfeld erstmals die Möglichkeit
eingeräumt, dass im Irak keine Massenvernichtungswaffen gefunden werden. Nachdem
sich Rumsfeld in der Vergangenheit wiederholt davon überzeugt gezeigt hatte, dass
derartige Funde nur eine Frage der Zeit seien, deutete er jetzt die Möglichkeit an, dass
die Waffen vor dem Krieg vom irakischen Regime zerstört worden sein könnten.
Unterdessen erschossen Unbekannte am Donnerstag im Irak auf einer Landstraße einen
amerikanischen Soldaten. Über den genauen Ort des Angriffs machte das US-Zentralkommando
zunächst keine Angaben. Wenige Stunden später griffen Unbekannte nach Angaben des
arabischen Fernsehsenders El Dschasira eine Polizeistation im Westen von Bagdad an.
Dabei sei ein irakischer Polizist verletzt worden.
US-Generalleutnant David McKiernan kündigte vor der Presse in Bagdad an, die Alliierten
würden gegen die Angreifer, die sich auf die Region westlich von Bagdad konzentrierten,
mit "der nötigen Kampfkraft" vorgehen. Nach Ansicht der US-Armee stünden Anhänger
des Regimes von Saddam Hussein hinter den Angriffen. Sie hätten offenbar einen "lokalen
Zusammenhalt" und eine Kommandostruktur.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld
beschuldigte Iran, Revolutionsgardisten in Irak einzuschleusen und
mittels Rundfunksendungen zum Widerstand gegen die Besatzungsmächte
USA und Großbritannien aufzuwiegeln.
Auf die Frage, ob die USA einen Krieg gegen Iran vorbereiten, sagte Rumsfeld
im US-Rundfunk: "Meines Wissens nicht". Die Entscheidung hänge vom
"Verhalten der Leute ab". Der US-Verteidigungsminister warf der iranischen
Regierung erneut vor, Mitglieder des El-Kaida-Netzwerks von Osama bin Laden
auf seinem Territorium operieren zu lassen und an einem Atomwaffenprogramm
zu arbeiten.
Die russische Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" hatte unter Berufung auf Diplomaten
berichtet, ein Krieg der USA gegen Iran sei bereits beschlossene Sache. Rumsfeld,
Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice und Außenminister Colin Powell wollten am
Donnerstag bei ihrem Treffen im Weißen Haus nur noch über den Termin sprechen.
Der Militäreinsatz solle von Irak und Stützpunkten in Georgien und Aserbaidschan
aus geführt werden. (Quellen: dpa, afp)
«Blick ins Archiv»
Großbritannien:
Sa.08.02.03 - Die britische Regierung hat am Freitag
zugegeben, dass ein angebliches Geheimdienst-Dossier zum Irak zum
großen Teil aus der Arbeit eines Studenten abgeschrieben worden
ist. Es sei ein Fehler gewesen, die Quelle nicht anzugeben, sagte ein
Sprecher von Premier Tony Blair. Er bestritt aber, dass die
Regierung die Öffentlichkeit belogen habe. Was in dem Dossier
gesagt werde, entspreche den Tatsachen.
Das Dossier war von US-Außenminister Colin Powell bei seinem
Vortrag vor dem UN-Sicherheitsrat besonders gewürdigt worden.
Mit dem Papier wollte die Londoner Regierung die Bevölkerung von
der Notwendigkeit eines entschiedenen Vorgehens gegen den Irak
überzeugen. Britische Medien konnten nachweisen, dass mindestens
10 der 19 Seiten aus frei verfügbaren wissenschaftlichen Arbeiten
übernommen wurden. Das Material ist bis zu zwölf Jahre alt und teils
völlig überholt. Mehr unter
Möglicher Kiegsgrund: Versorgungssicherheit mit Öl.
In einem Leitartikel der New York Times argumentierte der
renommierte Kolumnist Thomas L. Friedman, daß ein Krieg auch
dann gerechtfertigt ist, wenn dadurch ein 'böser und
größenwahnsinniger Diktator' davon abhalten werde, die
Kontrolle über das Öl zu bekommen. Der Ex-Berater der
früheren US-Außenministerin Madeleine Albright schrieb weiter,
daß es im bevorstehenden Krieg gegen Irak zumindest
'teilweise um Öl geht, denn es ist unmöglich, das Verhalten
der Bush-Regierung anders zu erklären'. Daran findet
Friedman jedoch nichts auszusetzen. Denn wenn die
Vereinigten Staaten Krieg führen, um die "Interessen der
Welt', namentlich 'den Zugang zu Öl und anderen
Energiequellen', zu sichern, dann ist das 'moralisch
gerechtfertigt'. Daher gesteht Friedman, er habe 'kein
Problem mit einem Krieg für Öl'. (Quelle: junge Welt)
Ein weiterer Beitrag zum Thema Krieg für Öl unter:
Iraks US-Zivilverwalter besorgt über «iranische Aktivitäten»
Fr.30.05.03 - Der US-Zivilverwalter im Irak, Paul Bremer, sieht
nach eigenen Angaben eine "Besorgnis erregende" Zunahme
iranischer Aktivitäten im Irak. Sollte dem nicht Einhalt geboten werden,
könnte es ernsthafte Probleme geben, sagte Bremer in einem
Interview mit dem US-Sender ABC, das in Washington vor seiner
Ausstrahlung am Donnerstag bereits in Auszügen veröffentlicht wurde.
Erst am Dienstag hatte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärt,
die USA würden die Bildung einer islamischen Republik
nach iranischem Vorbild im Irak nicht zulassen.
"Wir haben eine ziemlich stetige Zunahme der iranischen Aktivitäten
hier gesehen, was beunruhigend ist", erklärte Bremer. Dabei
gehe der Iran nach demselben Muster wie im Libanon mit der Hisbollah
vor. "Das heißt, sie schicken effektiv Guerilleros, versuchen sie
ins Land zu bringen und soziale Dienste aufzubauen und entscheiden,
dass diese sozialen Dienste ihr Rezept für den Erfolg sind", erklärte
Bremer weiter. "Und dann fangen sie an, sich selbst zu bewaffnen und
Sie stehen vor einem ernsthaften Problem, wenn Sie es so weit
kommen lassen."
Bremer sagte weiter, er sei beunruhigt wegen hartgesottener Anhänger
der Baath Partei des früheren irakischen Präsidenten Saddam
Hussein, die sich nun zu reorganisieren versuchten. Die Kritik an
den USA, die Nachkriegszeit nicht adäquat vorbereitet zu haben, wies
Bremer zurück. Die Planungen seien "extensiv" gewesen, aber mit dem so
raschen Sturz Saddams habe man nicht gerechnet. Er räumte
ein, dass die Iraker sich darüber wunderten, dass die USA einen "Krieg
binnen weniger Wochen gewinnen konnten, aber immer noch
nicht den Strom wieder anstellen konnten". (Quelle: rtr)
Kaum konkrete Ergebnisse bei Treffen zwischen Scharon und Abbas
Fr.30.05.03 - Das zweite Treffen zwischen dem israelischen
Ministerpräsidenten Ariel Scharon und seinem palästinensischen Kollegen
Mahmud Abbas hat am späten Donnerstagabend nur wenige konkrete
Ergebnisse gebracht. Während Israel den Palästinensern begrenzte
Erleichterungen für die Bevölkerung in den seit über einem Jahr wieder
besetzten Gebieten zusagte, blieben die Meinungsverschiedenheiten über
die Bekämpfung radikaler Palästinensergruppen wenige Tage vor dem
Gipfeltreffen mit US- Präsident George W. Bush in Akaba (Jordanien)
unvermindert bestehen.
Aus dem Büro von Scharon verlautete lediglich, das Gespräch habe in
einer "guten Atmosphäre" stattgefunden. Eine gemeinsame Erklärung
der beiden Ministerpräsidenten zur angestrebten Umsetzung des internationalen
Nahost-Friedensplans, die von palästinensischer Seite zuvor angekündigt
worden war, wurde nicht veröffentlicht. Beide Seiten vereinbarten aber eine
verstärkte Zusammenarbeit auf der Ebene von Experten. Auch die
Nach dem dreistündigen Treffen, das von Experten beider Seiten vorbereitet
wurde, hieß es in einer israelischen Erklärung, Scharon habe darauf bestanden,
"dass sein palästinensischer Kollege energische und praktische Schritte gegen
die Gewalt unternimmt". Dazu gehörten die "Zerstörung der Terrororganisationen,
die Verhaftung von Terroristen und die Konfiszierung illegaler Waffen". Abbas
hatte erst am Morgen erklärt, dass er auf eine freiwillige aber vollständige
Waffenruhe durch die Extremisten der Hamas und des Islamischen Dschihad
schon ab der kommenden Woche hinarbeite. Er werde jedoch "keinen Bürgerkrieg"
gegen diese Gruppen führen. Israel macht die Umsetzung des Friedensplans der USA,
der EU, Russlands und der Vereinten Nationen weiter ultimativ von der Zerstörung der
radikalen Palästinensergruppen abhängig.
Als Zugeständnis an die Palästinenser "versprachen" die Israelis, zu überprüfen,
welche der mehr als 4000 Palästinenser aus israelischen Gefängnissen freigelassen
werden könnten. Der palästinensische Informationsminister Nabil Amer sagte, die
Frage der inhaftierten Palästinenser habe einen großen Teil des Gesprächs eingenommen.
Israel habe zugesagt das ranghohe Mitglied der Demokratischen Front zur Befreiung
Palästinas (DFLP), Taisir Chaled, aus der Haft zu entlassen.
Beide Seiten vereinbarten, dass die palästinensische Polizei schrittweise die Kontrolle über
die von der Armee umschlossenen Städte übernehmen würden. Zunächst soll damit im Norden
des Gazastreifens begonnen werden. Scharon machte jedoch klar, dass die Armee "nicht zögern
werde, Operationen in diesem Gebieten auszuführen, wenn das Leben von Israelis in Gefahr ist".
Ob sich Scharon bereit erklärte, die Liquidierungen mutmaßlicher palästinensischer Extremisten
zu stoppen, wurde nicht bekannt.
Wenig Bedeutung hat die israelische Ankündigung, die Armee werde sich aus den Zentren der
Städte zurückziehen, da die Truppen von dort bereits vor Monaten abgezogen wurden. An den
Gesprächen nach auf palästinensischer Seite auch der neue Sicherheitsminister Mohammed
Dachlan sowie Außenminister Nabil Schaath teil.
Ersten Berichten zufolge erklärte sich Scharon zu sehr begrenzten Erleichterungen für die
palästinensische Bevölkerung bereit, die praktisch seit zweieinhalb Jahren in den belagerten
Städten im Westjordanland eingeschlossen ist. So sollen auf Antrag die Reisebeschränkungen
für Geschäftsleute aufgehoben werden. Die Zahl der Palästinenser, die in Israel zur Arbeit gehen
dürfen, wird zunächst auf 25 000 festgesetzt. 8000 von ihnen sollen Genehmigungen erhalten, in
Israel zu übernachten. Vor Beginn des 32 Monate alten Konflikts waren bis zu 160 000 Palästinenser
in Israel beschäftigt. Scharon sagte den Palästinensern außerdem zu, die Überweisung der von Israel
seit Beginn des Konflikts zurückgehaltenen Steuerzahlungen um 50 Millionen Schekel auf monatlich
150 Millionen (etwa 30 Millionen Euro) zu erhöhen.
Scharon hatte vor dem Treffen mit den Palästinensern auf einer Feierstunde zum 36. Jahrestag der
"Wiedervereinigung Jerusalems" öffentlich bekräftigt, dass Jerusalem auf ewig die unteilbare Hauptstadt
Israels bleiben werde. Die Palästinenser fordern den arabischen Ostteil der Stadt als Hauptstadt des vom
Nahost- Friedensplan innerhalb von drei Jahren versprochenen Palästinenserstaats.
(Quelle: dpa)
Soldaten in Peru schießen auf demonstrierende Studenten.
Fr.30.05.03 - In Peru haben Soldaten auf demonstrierende Studenten
geschossen und dabei einen Menschen getötet. Verteidigungsminister
Aurelio Loret de Mola sagte, die Truppen hätten das Feuer eröffnet, nachdem
eine neunköpfige Patrouille in der Nähe der Stadt Puno von etwa 2.000 Studenten
umringt worden sei. Bei den Zusammenstößen am Donnerstag seien 36 Demonstranten
und 13 Soldaten verletzt worden, ein Student sei an seinen Schusswunden gestorben.
Die Studenten unterstützten mit ihrer Protestaktion streikende Lehrer, die vor
zweieinhalb Wochen in den Ausstand getreten waren. Auch Bauern, Beschäftigte
im staatlichen Gesundheitswesen und Justizmitarbeiter sind in Peru in den Streik
getreten. Die Regierung verhängte am Dienstag den Ausnahmezustand. Dieser
ermächtigt Polizei und Streitkräfte, gewaltsam Straßenblockaden aufzulösen, die
öffentliche Ordnung wiederherzustellen, Streikende festzunehmen und Häuser
ohne richterliche Anordnung zu durchsuchen.
(Quelle: dpa)
«In Peru streiken Campesinos, Lehrer und Angestellte im
Gesundheitswesen seit Tagen gegen die Privatisierung des
Wassers und für bessere Löhne. Jetzt hat die Regierung von
Präsident Toledo den Notstand ausgerufen und den Konflikt
eskalieren lassen» (taz, 30.05.03)
Mehr unter:
G-8-Gipfel in Evian: Proteste der Globalisierungskritiker haben begonnen.
Fr.30.05.03 - Am Genfer See hat am Donnerstag der Aufmarsch
der G-8-Gegner begonnen. Mit mehreren Zügen trafen mindestens 4.000
Demonstranten in Genf und Lausanne ein. Die Situation blieb vorerst ruhig -
auch beim Lausanner Hafen, wo für den späteren Abend die erste große
Anti-G-8-Kundgebung angekündigt war. In Evian am gegenüberliegenden
Ufer des Sees beginnt am kommenden Sonntag der Gipfel der sieben größten
westlichen Wirtschaftsstaaten und Russlands.
Rund 200 Jugendliche kamen am frühen Nachmittag mit dem Zug aus Basel,
Zürich und Bern in Lausanne an. Die Demonstranten waren teilweise vermummt
und trugen Transparente mit der Aufschrift "Bush ist nicht nachhaltig" und
"G-8 versenken". Am Hafen begann die Polizei mit der Absperrung von
Sicherheitszonen für die Kundgebung. Zwei Zonen rund um die Hotels, wo ein
Teil der nach Evian eingeladenen Staat- und Regierungschefs logieren wird, wurden
abgeriegelt. Insgesamt waren 1.000 Polizisten aufgeboten.
Die Großdemonstration galt als Test für das Verhalten der Globalisierungsgegner
während des Gipfels. Zur neutralen Beobachtung der Proteste wollte auch eine
Delegation der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) präsent sein.
In Genf kam gegen Donnerstagmittag ein Sonderzug mit rund 1.000 G-8-Gegnern aus
Deutschland an. Sie wurden mit Bussen in ein Zeltlager nach Annemasse gebracht.
Die Stadtverwaltung hieß die Demonstranten mit rund 70.000 Flugblättern willkommen.
Genf sei eine Stadt des Friedens und der Toleranz, in der jeder seine demokratischen
Rechte ausüben könne, wurde darin betont. Als symbolische Geste wurde die große
Genfer Rhone-Brücke mit Friedensflaggen geschmückt.
Aus Bern machte sich am Donnerstagmorgen eine rund 200-köpfige Fahrradkarawane
auf den Weg nach Lausanne. Bereits am Mittwochnachmittag waren in Basel rund 250
Menschen einem Aufruf des Revolutionären Aufbaus gefolgt, um gegen den G-8-Gipfel
zu demonstrieren.
In Annemasse wurde am Donnerstag ein Gegen-Gipfel eröffnet. Zahlreiche
Nichtregierungsorganisationen wollen damit dem als illegitim empfunden G-8-Gipfel
eine alternative Stimme entgegensetzen. Bis zum Samstag werden an der Veranstaltung
Themen wie die soziale Verantwortung der Unternehmen oder die Folgen der Globalisierung
erörtert. (Quelle: ap) [mehr zum G-8-Gipfel in Evian...]
«Mobilisierung gegen den G-8-Gipfel in Evian»
Die G-8 wird vom 1. bis 3. Juni in Evian am Genfer See zusammenkommen.
Aus diesem Anlaß und vor dem Hintergrund des Krieges im Irak, der
angloamerikanischen Besetzung des Landes und der Fortsetzung der neoliberalen
Politik veranstalten Globalisierungs-Kritiker einen "G-8-Gegengipfel"
mit zahlreichen Debatten, Konferenzen und Protestaktionen.
Mehr unter:
Offizielle Homepage des G-8-Treffens 2003 in Evian:
Nachrichten, Berichte und Hintergrundinformationen
Annan ruft G-8-Staaten zu Armutsbekämpfung auf
Fr.30.05.03 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die G-8-Staaten aufgefordert,
auf ihrem Gipfel im französischen Evian konkrete Maßnahmen für die
Armutsbekämpfung zu beschließen. Der diesjährige G-8-Gipfel komme
zu einem besonders günstigen Zeitpunkt, schrieb Annan in einem in
New York veröffentlichten Brief an die sieben wichtigsten Industriestaaten
und Russland. Annan soll am Sonntag in Evian mit den Staats- und
Regierungschefs der G8 zusammentreffen.
Annan forderte die Industriestaaten zudem auf, ihre vergangenes Jahr
bei der Konferenz der Welthandelsorganisation (WTO) in Doha gegebenen
Versprechen einzuhalten, die Agrarsubventionen auf den Prüfstand zu stellen
und armen Ländern Zugang zu billigen Arzneimitteln zu geben. Zur Bekämpfung
der "mörderischen Triade" aus Nahrungsmangel, der Verbreitung von Aids und
schlechter Regierungsführung sei konkretes Handeln gefragt. (Quelle: afp)
Sozialforum in Österreich: «Eine andere Welt ist möglich»
Fr.30.05.03 - Unter diesem Motto begann am Donnerstag in
Hallein das erste "Austrian Social Forum" (ASF). Das Sozialforum versteht sich als nationale
Fortsetzung des Weltsozialforums von Porto Alegre beziehungsweise des Europäischen Forums von
Florenz. Wie dort wollen die Globalisierungskritiker auch in Hallein ihre Vorstellungen zu
Themenbereichen wie Arbeitswelt, Neoliberalismus, Demokratie und Friedenspolitik diskutieren und am
Aufbau eines österreichischen Netzwerkes arbeiten.
Aktionistischer Höhepunkt ist eine halbstündige
Blockade der Richtungsfahrbahn Süd der Tauernautobahn am heutigen Freitag. Neben der
Transitproblematik soll so auch auf die Funktion der Autobahnen als Transportmöglichkeit für
Kriegsmaterial hingewiesen werden. Klaus Werner, einer der Pressesprecher des ASF, schätzt, dass an
den vier Konferenztagen mindestens 1500 Menschen nach Hallein kommen. Ein konkretes Ergebnis
etwa in Form einer politischen Erklärung werde es nicht geben. Dazu seien die Vorstellungen, wie "eine
andere Welt" aussehen solle, "zu unterschiedlich". Einigend wirke hingegen, dass man sich "die
Zerstörung des sozialen Zusammenhalts nicht bieten lässt".
Dass die Tagung im Land Salzburg
stattfindet, hätte ursprünglich auch symbolischen Charakter haben können. Bis vergangenes Jahr tagte in
der Landeshauptstadt der Europagipfel des Weltwirtschaftsforums (WEF). Dass mit der Übersiedelung
des WEF nach Irland dieses Symbol wegfällt, stört Werner nicht besonders. "Das ist wie die Geschichte
vom Hasen und vom Igel." Auch in Dublin werde die globale soziale Bewegung auf das WEF warten.
(Quelle: info.partisan.net)
Austrian Social Forum:
Europas Gewerkschaften suchen Weg aus der Krise
Fr.30.05.03 - Wie geht es weiter mit den Gewerkschaften in einem vereinten Europa?
Diese Frage stand im Mittelpunkt des europäischen Gewerkschaftskongresses in
Prag. Von der tschechischen Hauptstadt sollte ein Signal des Aufbruchs ausgehen.
Vier Tage berieten mehr als 500 Gewerkschaftsvertreter über einen Ausbau des
europäischen Sozialmodells und eine bessere Koordinierung ihrer Arbeit. Am Ende
blieben weit gefasste Absichtserklärungen und mehr Fragen als Antworten.
Appelle richteten die Delegierten vor allem an die Europäische Kommission. So
fordern sie mehr Transparenz bei Unternehmensfusionen, mehr Mitspracherechte
der Beschäftigten und eine Deckelung von Einkommen der Top-Manager. Auch
die alte Forderung nach Vollbeschäftigung wurde wieder ins Rampenlicht gerückt.
Die Forderungen der Gewerkschafter blieben nicht ungehört. EU-Konventspräsident
Valéry Giscard d'Estaing betonte auf den Kongress die Wichtigkeit einer abgestimmten
Beschäftigungs- und Sozialpolitik und versprach, diese Forderung auch in die künftige
europäische Verfassung aufzunehmen. Anerkennende Worte auch von
EU-Kommissionspräsident Romano Prodi. Er lobte die wichtige Rolle der Gewerkschaften
in einem vereinten Europa und sah sie als unverzichtbaren Teil der Sozialpartner.
Doch die Zeiten sehen nicht gut aus. Die Gewerkschaften müssen sich ändern, wenn sie
attraktiver werden wollen. Darin waren sich auch die Delegierten in Prag einig. Alle
europäischen Länder sind von steigender Arbeitslosigkeit und einer anhaltender
Konjunkturkrise geschüttelt. Die Gewerkschaften kämpfen mit Mitgliederschwund
und können nur unzureichend junge Leute für die Arbeit der Bewegung begeistern.
Eine Aufgabe, der sich vorrangig der neue Generalsekretär des Europäischen
Gewerkschaftsbundes (EGB), John Monks, stellen will. Monks, Chef des britischen
Dachverbandes, gilt als Modernisierer, Reformer und ausgesprochen europafreundlich.
Auch in Großbritannien wird ein generelles Problem deutlich. Nicht nur, dass Gewerkschaften
im Zeitalter von New Economy immer noch eine Domäne der Industriearbeiter sind, auch die
Zersplitterung der Arbeitnehmervertretungen steht dem Einheitsgedanken entgegen.
Der Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes im EGB, Reiner Hofmann, sieht in der
Vielfalt vor allem eine Chance. "Der interkulturelle Lernprozess muss verstärkt werden",
betont er. Auch Gewerkschafter müssten die kulturelle Vielfalt und den unterschiedlichen
gesellschaftlichen Hintergrund stärker als bislang akzeptieren. "Europa muss mit einer
Stimme sprechen", meint Hofmann. Dabei geht es den Gewerkschaften nicht um Gleichmacherei,
ein Vorwurf, dem sie auch in Prag vehement entgegentraten.
Als neuer stellvertretender EGB-Generalsekretär will Hofmann sich vor allem um einen verstärkten
sozialen Dialog bemühen. "Die Unternehmen sind europäisch aufgestellt", sagte er. Auch die
Gewerkschaften müssten dieser Anforderung besser gerecht werden. Als Stichwörter nennt er
die europäischen Betriebsräte und eine abgestimmte Tarifpolitik über die Landesgrenzen hinweg.
Den Versuch einer gemeinsamen Tarifpolitik gibt es schon seit Beginn der 90er Jahre. Mit
"mäßigem Erfolg", wie Hofmann zugibt.
Der Europäische Gewerkschaftsbund wurde 1973 gegründet und vertritt mehr als 60 Millionen
Arbeitnehmer. Mitglieder sind 77 nationale Gewerkschaften aus 35 Ländern. Zu den jüngsten
Mitgliedern zählen die neu gegründeten Gewerkschaften des ehemaligen Ostblocks. (Quelle: ap)
Europäischer Gewerkschaftsbund:
Italienische Regierung will Verfahren gegen Berlusconi stoppen
Fr.30.05.03 - Die italienischen Regierungsparteien wollen den Gerichtsprozess
gegen Ministerpräsident Silvio Berlusconi unterbrechen. Sie brachten am
Donnerstag einen Gesetzentwurf ein, der eine Aussetzung des Korruptionsverfahrens
bis zum Ende der Amtszeit des Ministerpräsidenten vorsieht. Die Opposition protestierte
gegen das Vorhaben. Da die Abgeordneten der Regierungskoalition im Parlament die
Mehrheit haben, gilt eine Annahme des Gesetzes jedoch als sicher. Berlusconi ist der
Bestechung von Richtern in den 80er Jahren angeklagt.
Der Entwurf fordert strafrechtliche Immunität für den Ministerpräsidenten und die Inhaber
von vier weiteren Spitzenämtern: Den Präsidenten, die Vorsitzenden der beiden
Parlamentskammern und den Präsidenten des Verfassungsgerichts. Sie sollen während ihrer
Amtszeit vor strafrechtlicher Verfolgung geschützt werden. Berlusconis Amtszeit endet im Jahr 2006.
Bis 1993 waren italienische Politiker strafrechtlich immun, dieser Schutz wurde jedoch im Zuge
der Aufdeckung politischer Skandale während der Aktion "Mani pulite" (saubere Hände)
aufgehoben. Selbst innerhalb der Regierungsparteien war die Wiedereinführung der Immunität
zunächst umstritten, die Zustimmung wuchs jedoch mit Blick auf die anstehende Übernahme des
EU-Vorsitzes durch Italien am 1. Juli. (Quelle: ap)
Hunderttausende beim Ökumenischen Kirchentag
Fr.30.05.03 - Mit einem Appell, die Agenda 2010 gerechter zu
gestalten, hat am Donnerstag der Ökumenische Kirchentag
seine Arbeit aufgenommen. Mit der Großveranstaltung in
Berlin schreiben Katholiken und Protestanten ein neues
Kapitel ihrer Zusammenarbeit. Zu dem viertägigen Laientreffen
werden rund 200 000 Menschen aller christlichen Konfessionen
erwartet. In mehr als 3200 Veranstaltungen geht es vor allem um
eine Annäherung von Katholiken und Protestanten mehr als
500 Jahre nach der Reformation. Überschattet wurde das Treffen
schon im Vorfeld von der strikten Absage des Papstes an ein
gemeinsames Abendmahl. (Quelle: dpa)
Weltkirchenrat beklagt christlichen Fundamentalismus
Fr.30.05.03 - Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der
Kirchen in Genf, Konrad Raiser, hat "wachsende konservative
und fundamentalistische Tendenzen" bei Katholiken und Protestanten
beklagt. "Inzwischen scheint der Geist ökumenischer Erneuerung in den
Kirchen zu erlahmen", sagte Raiser am Donnerstag beim ersten Ökumenischen
Kirchentag in Berlin. Dagegen helfe auch kein "Druck von der Basis":
Gemeinsame Abendmahlsgottesdienste gegen den Willen der Kirchenleitung
bewirkten eher das Gegenteil.
Zunehmend wachse in den Kirchen die Sorge um das unverwechselbar
Eigene, sagte Raiser. "Es gibt inzwischen eine eigene ökumenische
Tradition, aber sie ist immer weniger zu vermitteln mit der maßgeblichen
Tradition der jeweiligen Kirche."
Als Ausweg schlug Raiser eine stärkere Besinnung auf die Taufe als
gemeinsame Grundlage aller Christen vor. Nicht das Abendmahl,
sondern die Taufe müsse im Mittelpunkt stehen: "Die Fixierung
ökumenischer Bemühungen auf die Gemeinschaft in der Feier der
Eucharistie hat eine Entmündigung der Laien zur Folge gehabt und
die Amtsproblematik und damit die institutionelle Identität der Kirchen
in den Mittelpunkt gerückt."
Im Ökumenischen Rat der Kirchen sind rund 330 Kirchen aus 120 Ländern
zusammengeschlossen. Sie repräsentieren etwa 500 Millionen Christen in
aller Welt. Die katholische Kirche ist nicht Mitglied, arbeitet aber in einigen
Gremien mit. (Quelle: dpa)
(Quelle: dpa)
Deutschland: Lafontaine prangert Wortbruch in der Politik an
Fr.30.05.03 - Der frühere SPD-Vorsitzende Oscar Lafontaine hat erneut
massive Vorwürfe gegen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) erhoben.
"Ich kann keine Politik machen, in der Wortbruch zur Regel wird", begründete
Lafontaine am Donnerstag auf dem Ökumenischen Kirchentag rückblickend
seinen Rücktritt als Finanzminister im März 1999. Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD) habe damals öffentlich erklärt, die Rente nicht anzutasten,
und gleichzeitig an Rentenkürzungen gearbeitet.
Als weitere Rücktrittgründe nannte er die unausgegorene Steuerreform und
Meinungsverschiedenheiten über den Kosovo-Krieg. "Man darf in Deutschland
nicht aus politischen Gründen zurücktreten. Das wird einem als unehrenhaft und
als Flucht ausgelegt", sagte Lafontaine unter Applaus der mit 4500 Besuchern
restlos gefüllten Halle. Das Problem der heutigen Politik sei der Umgang mit
Wahrheit und Wahrhaftigkeit. So sei es im Irak-Krieg - entgegen der politischen
Verlautbarungen - nicht um die Vernichtung der Massenvernichtungswaffen
sondern um Öl gegangen. (Quelle: dpa)
Deutsche laut Umfrage zu Gehaltsverzicht für Jobs bereit
Fr.30.05.03 - Eine Mehrheit der Deutschen ist laut einer Umfrage bereit,
für die Sicherheit von Arbeitsplätzen auf einen Teil des Lohns oder Gehalts
zu verzichten. 62 Prozent finden, dass Mitarbeiter auf einen Teil ihres Gehaltes
verzichten sollen, wenn dadurch Entlassungen vermieden werden könnten, wie
die Umfrage im Auftrag der "Financial Times Deutschland" (Freitagausgabe) ergab.
35 Prozent hätten dies abgelehnt. 52 Prozent meinten zudem, der Staat solle
Unternehmen in Schwierigkeiten helfen, 44 Prozent waren dagegen.
Rund jeder fünfte Erwerbstätige hält der Umfrage zufolge seinen Arbeitsplatz
für unsicher, in Ostdeutschland sind es 29 Prozent. Dennoch glaubt eine Mehrheit
von 61 Prozent der 1.000 Befragten, dass die Stimmung in Deutschland derzeit
schlechter sei als die Lage.
(Quelle: ap)
+++ Fr.30.05.03, 12:45:
Irak am zweiundsiebzigsten Tag nach Kriegsbeginn:
Stellvertretender US-Verteidigungsminister Wolfowitz:
Iraks Waffen nicht Hauptkriegsgrund +++
Blair besucht britische Truppen in Irak.
Täuschungsvorwurf gegen Blair:
Gefährlichkeit Saddams sei von Downing Street absichtlich dramatisiert worden +++
US-Verteidigungsminister Rumsfeld beschuldigt Iran der Einmischung in Irak +++
Fr.30.05.03 - Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz hat
eingeräumt, dass die Frage irakischer Massenvernichtungswaffen in
erster Linie aus politischen Gründen für einen Krieg in Irak genutzt
wurde. Die Massenvernichtungswaffen seien niemals der wichtigste
Kriegsgrund für die USA gewesen, sagte Wolfowitz dem britischen
Magazin "Vanity Fair".
Rumsfeld bestritt, dass die Frage irakischer Massenvernichtungswaffen
lediglich ein Vorwand für den Krieg gewesen sei. Er sei nach wie vor
überzeugt, dass die Regierung von Saddam Hussein über biologische
und chemische Waffen verfügt habe. Bis zum Fund dieser Waffen werde
es noch eine Weile dauern. Außerdem seien bereits zwei mobile Labors zur
Herstellung von Chemie- und Biowaffen entdeckt worden.
Wolfowitz sagte "Vanity Fair", "aus bürokratischen Gründen" habe sich
die US-Regierung auf das Thema Massenvernichtungswaffen konzentriert,
weil es "der eine Grund war, dem jeder zustimmen konnte". "Fast unbeachtet,
aber riesig" sei dagegen der Kriegsgrund gewesen, dass mit dem Irak-Krieg
die Präsenz von US-Truppen im benachbarten Saudi-Arabien überflüssig
geworden sei. Allein die Beseitigung dieser "Belastung" von Saudi-Arabien
werde zu einem friedlicheren Nahen Osten führen, fügte der Vizeminister hinzu.
Als erster westlicher Regierungschef nach
dem Sturz von Saddam Hussein hat der britische Ministerpräsident
Tony Blair den Irak besucht. Am Donnerstag dankte er in der
südirakischen Stadt Basra britischen Truppen für ihren Einsatz im Krieg.
Gleichzeitig sah sich Blair in London mit Vorwürfen konfrontiert, Downing
Street habe vor Kriegsbeginn einen Bericht absichtlich dramatisiert, um
die Gefahr durch mögliche Massenvernichtungswaffen Saddams gefährlicher
erscheinen zu lassen. Die Regierung wies die Vorwürfe zurück.
Vor 400 Soldaten, die sich vor einem jetzt als Hauptquartiert genutzten
ehemaligen Palast eingefunden hatten, sagte Blair in Basra: "Sie haben die
Schlacht mit großem Mut ausgefochten und gewonnen. Sie haben ihrem Land
Ehre gemacht." Auch sei ihr Einsatz für den Aufbau des Landes nach dem Krieg
vorbildlich, sagte Blair weiter. Derzeit sind noch etwa 20 000 britische Soldaten
im Irak stationiert, die den Süden des Landes kontrollieren.
Blair traf neben den Soldaten auch irakische Schulkinder und den Zivilverwalter
für den Irak, Paul Bremer. Dieser unterrichtete Blair über wirtschaftliche und noch
bestehende Sicherheitsprobleme. Später flog Blair mit dem Hubschrauber weiter
in die Hafenstadt Um Kasr, um auch dort Angehörige der britischen Streitkräfte
zu treffen, und dann zurück nach Kuwait. Von dort aus wird er in den kommenden
Tagen nach Polen, St. Petersburg und zum G-8-Treffen nach Evian in Frankreich reisen.
In London berichtete die BBC, ein im vergangenen September veröffentlichtes
Dossier über die Gefährlichkeit Saddams sei von Downing Street absichtlich
dramatisiert worden sei. Gegen den Willen der Geheimdienste habe es geheißen,
einige der irakischen Massenvernichtungswaffen könnten innerhalb von nur 45
Minuten einsatzbereit sein. Dabei habe es dafür nur eine einzige eher unzuverlässige
Quelle gegeben. Am Amtssitz Blairs wurden die Vorwürfe zurückgewiesen. Aus dem
britischen Unterhaus wurde Rufe nach einer parlamentarischen Untersuchung laut.
Auf dem Flug nach Kuwait, wo er der Regierung für die Unterstützung im Irak-Krieg
dankte, hatte Blair seine Überzeugung bekräftigt, dass der Irak unter Saddam Hussein
über Massenvernichtungswaffen verfügte. Er habe "absolut keinen Zweifel an der
Existenz von Massenvernichtungswaffen" im Irak, sagte Blair nach Angaben der BBC.
Zuvor hatte US-Verteidigungungsminister Donald Rumsfeld erstmals die Möglichkeit
eingeräumt, dass im Irak keine Massenvernichtungswaffen gefunden werden. Nachdem
sich Rumsfeld in der Vergangenheit wiederholt davon überzeugt gezeigt hatte, dass
derartige Funde nur eine Frage der Zeit seien, deutete er jetzt die Möglichkeit an, dass
die Waffen vor dem Krieg vom irakischen Regime zerstört worden sein könnten.
Unterdessen erschossen Unbekannte am Donnerstag im Irak auf einer Landstraße einen
amerikanischen Soldaten. Über den genauen Ort des Angriffs machte das US-Zentralkommando
zunächst keine Angaben. Wenige Stunden später griffen Unbekannte nach Angaben des
arabischen Fernsehsenders El Dschasira eine Polizeistation im Westen von Bagdad an.
Dabei sei ein irakischer Polizist verletzt worden.
US-Generalleutnant David McKiernan kündigte vor der Presse in Bagdad an, die Alliierten
würden gegen die Angreifer, die sich auf die Region westlich von Bagdad konzentrierten,
mit "der nötigen Kampfkraft" vorgehen. Nach Ansicht der US-Armee stünden Anhänger
des Regimes von Saddam Hussein hinter den Angriffen. Sie hätten offenbar einen "lokalen
Zusammenhalt" und eine Kommandostruktur.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld
beschuldigte Iran, Revolutionsgardisten in Irak einzuschleusen und
mittels Rundfunksendungen zum Widerstand gegen die Besatzungsmächte
USA und Großbritannien aufzuwiegeln.
Auf die Frage, ob die USA einen Krieg gegen Iran vorbereiten, sagte Rumsfeld
im US-Rundfunk: "Meines Wissens nicht". Die Entscheidung hänge vom
"Verhalten der Leute ab". Der US-Verteidigungsminister warf der iranischen
Regierung erneut vor, Mitglieder des El-Kaida-Netzwerks von Osama bin Laden
auf seinem Territorium operieren zu lassen und an einem Atomwaffenprogramm
zu arbeiten.
Die russische Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" hatte unter Berufung auf Diplomaten
berichtet, ein Krieg der USA gegen Iran sei bereits beschlossene Sache. Rumsfeld,
Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice und Außenminister Colin Powell wollten am
Donnerstag bei ihrem Treffen im Weißen Haus nur noch über den Termin sprechen.
Der Militäreinsatz solle von Irak und Stützpunkten in Georgien und Aserbaidschan
aus geführt werden. (Quellen: dpa, afp)
«Blick ins Archiv»
Großbritannien:
Sa.08.02.03 - Die britische Regierung hat am Freitag
zugegeben, dass ein angebliches Geheimdienst-Dossier zum Irak zum
großen Teil aus der Arbeit eines Studenten abgeschrieben worden
ist. Es sei ein Fehler gewesen, die Quelle nicht anzugeben, sagte ein
Sprecher von Premier Tony Blair. Er bestritt aber, dass die
Regierung die Öffentlichkeit belogen habe. Was in dem Dossier
gesagt werde, entspreche den Tatsachen.
Das Dossier war von US-Außenminister Colin Powell bei seinem
Vortrag vor dem UN-Sicherheitsrat besonders gewürdigt worden.
Mit dem Papier wollte die Londoner Regierung die Bevölkerung von
der Notwendigkeit eines entschiedenen Vorgehens gegen den Irak
überzeugen. Britische Medien konnten nachweisen, dass mindestens
10 der 19 Seiten aus frei verfügbaren wissenschaftlichen Arbeiten
übernommen wurden. Das Material ist bis zu zwölf Jahre alt und teils
völlig überholt. Mehr unter
Möglicher Kiegsgrund: Versorgungssicherheit mit Öl.
In einem Leitartikel der New York Times argumentierte der
renommierte Kolumnist Thomas L. Friedman, daß ein Krieg auch
dann gerechtfertigt ist, wenn dadurch ein 'böser und
größenwahnsinniger Diktator' davon abhalten werde, die
Kontrolle über das Öl zu bekommen. Der Ex-Berater der
früheren US-Außenministerin Madeleine Albright schrieb weiter,
daß es im bevorstehenden Krieg gegen Irak zumindest
'teilweise um Öl geht, denn es ist unmöglich, das Verhalten
der Bush-Regierung anders zu erklären'. Daran findet
Friedman jedoch nichts auszusetzen. Denn wenn die
Vereinigten Staaten Krieg führen, um die "Interessen der
Welt', namentlich 'den Zugang zu Öl und anderen
Energiequellen', zu sichern, dann ist das 'moralisch
gerechtfertigt'. Daher gesteht Friedman, er habe 'kein
Problem mit einem Krieg für Öl'. (Quelle: junge Welt)
Ein weiterer Beitrag zum Thema Krieg für Öl unter:
Iraks US-Zivilverwalter besorgt über «iranische Aktivitäten»
Fr.30.05.03 - Der US-Zivilverwalter im Irak, Paul Bremer, sieht
nach eigenen Angaben eine "Besorgnis erregende" Zunahme
iranischer Aktivitäten im Irak. Sollte dem nicht Einhalt geboten werden,
könnte es ernsthafte Probleme geben, sagte Bremer in einem
Interview mit dem US-Sender ABC, das in Washington vor seiner
Ausstrahlung am Donnerstag bereits in Auszügen veröffentlicht wurde.
Erst am Dienstag hatte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärt,
die USA würden die Bildung einer islamischen Republik
nach iranischem Vorbild im Irak nicht zulassen.
"Wir haben eine ziemlich stetige Zunahme der iranischen Aktivitäten
hier gesehen, was beunruhigend ist", erklärte Bremer. Dabei
gehe der Iran nach demselben Muster wie im Libanon mit der Hisbollah
vor. "Das heißt, sie schicken effektiv Guerilleros, versuchen sie
ins Land zu bringen und soziale Dienste aufzubauen und entscheiden,
dass diese sozialen Dienste ihr Rezept für den Erfolg sind", erklärte
Bremer weiter. "Und dann fangen sie an, sich selbst zu bewaffnen und
Sie stehen vor einem ernsthaften Problem, wenn Sie es so weit
kommen lassen."
Bremer sagte weiter, er sei beunruhigt wegen hartgesottener Anhänger
der Baath Partei des früheren irakischen Präsidenten Saddam
Hussein, die sich nun zu reorganisieren versuchten. Die Kritik an
den USA, die Nachkriegszeit nicht adäquat vorbereitet zu haben, wies
Bremer zurück. Die Planungen seien "extensiv" gewesen, aber mit dem so
raschen Sturz Saddams habe man nicht gerechnet. Er räumte
ein, dass die Iraker sich darüber wunderten, dass die USA einen "Krieg
binnen weniger Wochen gewinnen konnten, aber immer noch
nicht den Strom wieder anstellen konnten". (Quelle: rtr)
Kaum konkrete Ergebnisse bei Treffen zwischen Scharon und Abbas
Fr.30.05.03 - Das zweite Treffen zwischen dem israelischen
Ministerpräsidenten Ariel Scharon und seinem palästinensischen Kollegen
Mahmud Abbas hat am späten Donnerstagabend nur wenige konkrete
Ergebnisse gebracht. Während Israel den Palästinensern begrenzte
Erleichterungen für die Bevölkerung in den seit über einem Jahr wieder
besetzten Gebieten zusagte, blieben die Meinungsverschiedenheiten über
die Bekämpfung radikaler Palästinensergruppen wenige Tage vor dem
Gipfeltreffen mit US- Präsident George W. Bush in Akaba (Jordanien)
unvermindert bestehen.
Aus dem Büro von Scharon verlautete lediglich, das Gespräch habe in
einer "guten Atmosphäre" stattgefunden. Eine gemeinsame Erklärung
der beiden Ministerpräsidenten zur angestrebten Umsetzung des internationalen
Nahost-Friedensplans, die von palästinensischer Seite zuvor angekündigt
worden war, wurde nicht veröffentlicht. Beide Seiten vereinbarten aber eine
verstärkte Zusammenarbeit auf der Ebene von Experten. Auch die
Nach dem dreistündigen Treffen, das von Experten beider Seiten vorbereitet
wurde, hieß es in einer israelischen Erklärung, Scharon habe darauf bestanden,
"dass sein palästinensischer Kollege energische und praktische Schritte gegen
die Gewalt unternimmt". Dazu gehörten die "Zerstörung der Terrororganisationen,
die Verhaftung von Terroristen und die Konfiszierung illegaler Waffen". Abbas
hatte erst am Morgen erklärt, dass er auf eine freiwillige aber vollständige
Waffenruhe durch die Extremisten der Hamas und des Islamischen Dschihad
schon ab der kommenden Woche hinarbeite. Er werde jedoch "keinen Bürgerkrieg"
gegen diese Gruppen führen. Israel macht die Umsetzung des Friedensplans der USA,
der EU, Russlands und der Vereinten Nationen weiter ultimativ von der Zerstörung der
radikalen Palästinensergruppen abhängig.
Als Zugeständnis an die Palästinenser "versprachen" die Israelis, zu überprüfen,
welche der mehr als 4000 Palästinenser aus israelischen Gefängnissen freigelassen
werden könnten. Der palästinensische Informationsminister Nabil Amer sagte, die
Frage der inhaftierten Palästinenser habe einen großen Teil des Gesprächs eingenommen.
Israel habe zugesagt das ranghohe Mitglied der Demokratischen Front zur Befreiung
Palästinas (DFLP), Taisir Chaled, aus der Haft zu entlassen.
Beide Seiten vereinbarten, dass die palästinensische Polizei schrittweise die Kontrolle über
die von der Armee umschlossenen Städte übernehmen würden. Zunächst soll damit im Norden
des Gazastreifens begonnen werden. Scharon machte jedoch klar, dass die Armee "nicht zögern
werde, Operationen in diesem Gebieten auszuführen, wenn das Leben von Israelis in Gefahr ist".
Ob sich Scharon bereit erklärte, die Liquidierungen mutmaßlicher palästinensischer Extremisten
zu stoppen, wurde nicht bekannt.
Wenig Bedeutung hat die israelische Ankündigung, die Armee werde sich aus den Zentren der
Städte zurückziehen, da die Truppen von dort bereits vor Monaten abgezogen wurden. An den
Gesprächen nach auf palästinensischer Seite auch der neue Sicherheitsminister Mohammed
Dachlan sowie Außenminister Nabil Schaath teil.
Ersten Berichten zufolge erklärte sich Scharon zu sehr begrenzten Erleichterungen für die
palästinensische Bevölkerung bereit, die praktisch seit zweieinhalb Jahren in den belagerten
Städten im Westjordanland eingeschlossen ist. So sollen auf Antrag die Reisebeschränkungen
für Geschäftsleute aufgehoben werden. Die Zahl der Palästinenser, die in Israel zur Arbeit gehen
dürfen, wird zunächst auf 25 000 festgesetzt. 8000 von ihnen sollen Genehmigungen erhalten, in
Israel zu übernachten. Vor Beginn des 32 Monate alten Konflikts waren bis zu 160 000 Palästinenser
in Israel beschäftigt. Scharon sagte den Palästinensern außerdem zu, die Überweisung der von Israel
seit Beginn des Konflikts zurückgehaltenen Steuerzahlungen um 50 Millionen Schekel auf monatlich
150 Millionen (etwa 30 Millionen Euro) zu erhöhen.
Scharon hatte vor dem Treffen mit den Palästinensern auf einer Feierstunde zum 36. Jahrestag der
"Wiedervereinigung Jerusalems" öffentlich bekräftigt, dass Jerusalem auf ewig die unteilbare Hauptstadt
Israels bleiben werde. Die Palästinenser fordern den arabischen Ostteil der Stadt als Hauptstadt des vom
Nahost- Friedensplan innerhalb von drei Jahren versprochenen Palästinenserstaats.
(Quelle: dpa)
Soldaten in Peru schießen auf demonstrierende Studenten.
Fr.30.05.03 - In Peru haben Soldaten auf demonstrierende Studenten
geschossen und dabei einen Menschen getötet. Verteidigungsminister
Aurelio Loret de Mola sagte, die Truppen hätten das Feuer eröffnet, nachdem
eine neunköpfige Patrouille in der Nähe der Stadt Puno von etwa 2.000 Studenten
umringt worden sei. Bei den Zusammenstößen am Donnerstag seien 36 Demonstranten
und 13 Soldaten verletzt worden, ein Student sei an seinen Schusswunden gestorben.
Die Studenten unterstützten mit ihrer Protestaktion streikende Lehrer, die vor
zweieinhalb Wochen in den Ausstand getreten waren. Auch Bauern, Beschäftigte
im staatlichen Gesundheitswesen und Justizmitarbeiter sind in Peru in den Streik
getreten. Die Regierung verhängte am Dienstag den Ausnahmezustand. Dieser
ermächtigt Polizei und Streitkräfte, gewaltsam Straßenblockaden aufzulösen, die
öffentliche Ordnung wiederherzustellen, Streikende festzunehmen und Häuser
ohne richterliche Anordnung zu durchsuchen.
(Quelle: dpa)
«In Peru streiken Campesinos, Lehrer und Angestellte im
Gesundheitswesen seit Tagen gegen die Privatisierung des
Wassers und für bessere Löhne. Jetzt hat die Regierung von
Präsident Toledo den Notstand ausgerufen und den Konflikt
eskalieren lassen» (taz, 30.05.03)
Mehr unter:
G-8-Gipfel in Evian: Proteste der Globalisierungskritiker haben begonnen.
Fr.30.05.03 - Am Genfer See hat am Donnerstag der Aufmarsch
der G-8-Gegner begonnen. Mit mehreren Zügen trafen mindestens 4.000
Demonstranten in Genf und Lausanne ein. Die Situation blieb vorerst ruhig -
auch beim Lausanner Hafen, wo für den späteren Abend die erste große
Anti-G-8-Kundgebung angekündigt war. In Evian am gegenüberliegenden
Ufer des Sees beginnt am kommenden Sonntag der Gipfel der sieben größten
westlichen Wirtschaftsstaaten und Russlands.
Rund 200 Jugendliche kamen am frühen Nachmittag mit dem Zug aus Basel,
Zürich und Bern in Lausanne an. Die Demonstranten waren teilweise vermummt
und trugen Transparente mit der Aufschrift "Bush ist nicht nachhaltig" und
"G-8 versenken". Am Hafen begann die Polizei mit der Absperrung von
Sicherheitszonen für die Kundgebung. Zwei Zonen rund um die Hotels, wo ein
Teil der nach Evian eingeladenen Staat- und Regierungschefs logieren wird, wurden
abgeriegelt. Insgesamt waren 1.000 Polizisten aufgeboten.
Die Großdemonstration galt als Test für das Verhalten der Globalisierungsgegner
während des Gipfels. Zur neutralen Beobachtung der Proteste wollte auch eine
Delegation der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) präsent sein.
In Genf kam gegen Donnerstagmittag ein Sonderzug mit rund 1.000 G-8-Gegnern aus
Deutschland an. Sie wurden mit Bussen in ein Zeltlager nach Annemasse gebracht.
Die Stadtverwaltung hieß die Demonstranten mit rund 70.000 Flugblättern willkommen.
Genf sei eine Stadt des Friedens und der Toleranz, in der jeder seine demokratischen
Rechte ausüben könne, wurde darin betont. Als symbolische Geste wurde die große
Genfer Rhone-Brücke mit Friedensflaggen geschmückt.
Aus Bern machte sich am Donnerstagmorgen eine rund 200-köpfige Fahrradkarawane
auf den Weg nach Lausanne. Bereits am Mittwochnachmittag waren in Basel rund 250
Menschen einem Aufruf des Revolutionären Aufbaus gefolgt, um gegen den G-8-Gipfel
zu demonstrieren.
In Annemasse wurde am Donnerstag ein Gegen-Gipfel eröffnet. Zahlreiche
Nichtregierungsorganisationen wollen damit dem als illegitim empfunden G-8-Gipfel
eine alternative Stimme entgegensetzen. Bis zum Samstag werden an der Veranstaltung
Themen wie die soziale Verantwortung der Unternehmen oder die Folgen der Globalisierung
erörtert. (Quelle: ap) [mehr zum G-8-Gipfel in Evian...]
«Mobilisierung gegen den G-8-Gipfel in Evian»
Die G-8 wird vom 1. bis 3. Juni in Evian am Genfer See zusammenkommen.
Aus diesem Anlaß und vor dem Hintergrund des Krieges im Irak, der
angloamerikanischen Besetzung des Landes und der Fortsetzung der neoliberalen
Politik veranstalten Globalisierungs-Kritiker einen "G-8-Gegengipfel"
mit zahlreichen Debatten, Konferenzen und Protestaktionen.
Mehr unter:
Offizielle Homepage des G-8-Treffens 2003 in Evian:
Nachrichten, Berichte und Hintergrundinformationen
Annan ruft G-8-Staaten zu Armutsbekämpfung auf
Fr.30.05.03 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die G-8-Staaten aufgefordert,
auf ihrem Gipfel im französischen Evian konkrete Maßnahmen für die
Armutsbekämpfung zu beschließen. Der diesjährige G-8-Gipfel komme
zu einem besonders günstigen Zeitpunkt, schrieb Annan in einem in
New York veröffentlichten Brief an die sieben wichtigsten Industriestaaten
und Russland. Annan soll am Sonntag in Evian mit den Staats- und
Regierungschefs der G8 zusammentreffen.
Annan forderte die Industriestaaten zudem auf, ihre vergangenes Jahr
bei der Konferenz der Welthandelsorganisation (WTO) in Doha gegebenen
Versprechen einzuhalten, die Agrarsubventionen auf den Prüfstand zu stellen
und armen Ländern Zugang zu billigen Arzneimitteln zu geben. Zur Bekämpfung
der "mörderischen Triade" aus Nahrungsmangel, der Verbreitung von Aids und
schlechter Regierungsführung sei konkretes Handeln gefragt. (Quelle: afp)
Sozialforum in Österreich: «Eine andere Welt ist möglich»
Fr.30.05.03 - Unter diesem Motto begann am Donnerstag in
Hallein das erste "Austrian Social Forum" (ASF). Das Sozialforum versteht sich als nationale
Fortsetzung des Weltsozialforums von Porto Alegre beziehungsweise des Europäischen Forums von
Florenz. Wie dort wollen die Globalisierungskritiker auch in Hallein ihre Vorstellungen zu
Themenbereichen wie Arbeitswelt, Neoliberalismus, Demokratie und Friedenspolitik diskutieren und am
Aufbau eines österreichischen Netzwerkes arbeiten.
Aktionistischer Höhepunkt ist eine halbstündige
Blockade der Richtungsfahrbahn Süd der Tauernautobahn am heutigen Freitag. Neben der
Transitproblematik soll so auch auf die Funktion der Autobahnen als Transportmöglichkeit für
Kriegsmaterial hingewiesen werden. Klaus Werner, einer der Pressesprecher des ASF, schätzt, dass an
den vier Konferenztagen mindestens 1500 Menschen nach Hallein kommen. Ein konkretes Ergebnis
etwa in Form einer politischen Erklärung werde es nicht geben. Dazu seien die Vorstellungen, wie "eine
andere Welt" aussehen solle, "zu unterschiedlich". Einigend wirke hingegen, dass man sich "die
Zerstörung des sozialen Zusammenhalts nicht bieten lässt".
Dass die Tagung im Land Salzburg
stattfindet, hätte ursprünglich auch symbolischen Charakter haben können. Bis vergangenes Jahr tagte in
der Landeshauptstadt der Europagipfel des Weltwirtschaftsforums (WEF). Dass mit der Übersiedelung
des WEF nach Irland dieses Symbol wegfällt, stört Werner nicht besonders. "Das ist wie die Geschichte
vom Hasen und vom Igel." Auch in Dublin werde die globale soziale Bewegung auf das WEF warten.
(Quelle: info.partisan.net)
Austrian Social Forum:
Europas Gewerkschaften suchen Weg aus der Krise
Fr.30.05.03 - Wie geht es weiter mit den Gewerkschaften in einem vereinten Europa?
Diese Frage stand im Mittelpunkt des europäischen Gewerkschaftskongresses in
Prag. Von der tschechischen Hauptstadt sollte ein Signal des Aufbruchs ausgehen.
Vier Tage berieten mehr als 500 Gewerkschaftsvertreter über einen Ausbau des
europäischen Sozialmodells und eine bessere Koordinierung ihrer Arbeit. Am Ende
blieben weit gefasste Absichtserklärungen und mehr Fragen als Antworten.
Appelle richteten die Delegierten vor allem an die Europäische Kommission. So
fordern sie mehr Transparenz bei Unternehmensfusionen, mehr Mitspracherechte
der Beschäftigten und eine Deckelung von Einkommen der Top-Manager. Auch
die alte Forderung nach Vollbeschäftigung wurde wieder ins Rampenlicht gerückt.
Die Forderungen der Gewerkschafter blieben nicht ungehört. EU-Konventspräsident
Valéry Giscard d'Estaing betonte auf den Kongress die Wichtigkeit einer abgestimmten
Beschäftigungs- und Sozialpolitik und versprach, diese Forderung auch in die künftige
europäische Verfassung aufzunehmen. Anerkennende Worte auch von
EU-Kommissionspräsident Romano Prodi. Er lobte die wichtige Rolle der Gewerkschaften
in einem vereinten Europa und sah sie als unverzichtbaren Teil der Sozialpartner.
Doch die Zeiten sehen nicht gut aus. Die Gewerkschaften müssen sich ändern, wenn sie
attraktiver werden wollen. Darin waren sich auch die Delegierten in Prag einig. Alle
europäischen Länder sind von steigender Arbeitslosigkeit und einer anhaltender
Konjunkturkrise geschüttelt. Die Gewerkschaften kämpfen mit Mitgliederschwund
und können nur unzureichend junge Leute für die Arbeit der Bewegung begeistern.
Eine Aufgabe, der sich vorrangig der neue Generalsekretär des Europäischen
Gewerkschaftsbundes (EGB), John Monks, stellen will. Monks, Chef des britischen
Dachverbandes, gilt als Modernisierer, Reformer und ausgesprochen europafreundlich.
Auch in Großbritannien wird ein generelles Problem deutlich. Nicht nur, dass Gewerkschaften
im Zeitalter von New Economy immer noch eine Domäne der Industriearbeiter sind, auch die
Zersplitterung der Arbeitnehmervertretungen steht dem Einheitsgedanken entgegen.
Der Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes im EGB, Reiner Hofmann, sieht in der
Vielfalt vor allem eine Chance. "Der interkulturelle Lernprozess muss verstärkt werden",
betont er. Auch Gewerkschafter müssten die kulturelle Vielfalt und den unterschiedlichen
gesellschaftlichen Hintergrund stärker als bislang akzeptieren. "Europa muss mit einer
Stimme sprechen", meint Hofmann. Dabei geht es den Gewerkschaften nicht um Gleichmacherei,
ein Vorwurf, dem sie auch in Prag vehement entgegentraten.
Als neuer stellvertretender EGB-Generalsekretär will Hofmann sich vor allem um einen verstärkten
sozialen Dialog bemühen. "Die Unternehmen sind europäisch aufgestellt", sagte er. Auch die
Gewerkschaften müssten dieser Anforderung besser gerecht werden. Als Stichwörter nennt er
die europäischen Betriebsräte und eine abgestimmte Tarifpolitik über die Landesgrenzen hinweg.
Den Versuch einer gemeinsamen Tarifpolitik gibt es schon seit Beginn der 90er Jahre. Mit
"mäßigem Erfolg", wie Hofmann zugibt.
Der Europäische Gewerkschaftsbund wurde 1973 gegründet und vertritt mehr als 60 Millionen
Arbeitnehmer. Mitglieder sind 77 nationale Gewerkschaften aus 35 Ländern. Zu den jüngsten
Mitgliedern zählen die neu gegründeten Gewerkschaften des ehemaligen Ostblocks. (Quelle: ap)
Europäischer Gewerkschaftsbund:
Italienische Regierung will Verfahren gegen Berlusconi stoppen
Fr.30.05.03 - Die italienischen Regierungsparteien wollen den Gerichtsprozess
gegen Ministerpräsident Silvio Berlusconi unterbrechen. Sie brachten am
Donnerstag einen Gesetzentwurf ein, der eine Aussetzung des Korruptionsverfahrens
bis zum Ende der Amtszeit des Ministerpräsidenten vorsieht. Die Opposition protestierte
gegen das Vorhaben. Da die Abgeordneten der Regierungskoalition im Parlament die
Mehrheit haben, gilt eine Annahme des Gesetzes jedoch als sicher. Berlusconi ist der
Bestechung von Richtern in den 80er Jahren angeklagt.
Der Entwurf fordert strafrechtliche Immunität für den Ministerpräsidenten und die Inhaber
von vier weiteren Spitzenämtern: Den Präsidenten, die Vorsitzenden der beiden
Parlamentskammern und den Präsidenten des Verfassungsgerichts. Sie sollen während ihrer
Amtszeit vor strafrechtlicher Verfolgung geschützt werden. Berlusconis Amtszeit endet im Jahr 2006.
Bis 1993 waren italienische Politiker strafrechtlich immun, dieser Schutz wurde jedoch im Zuge
der Aufdeckung politischer Skandale während der Aktion "Mani pulite" (saubere Hände)
aufgehoben. Selbst innerhalb der Regierungsparteien war die Wiedereinführung der Immunität
zunächst umstritten, die Zustimmung wuchs jedoch mit Blick auf die anstehende Übernahme des
EU-Vorsitzes durch Italien am 1. Juli. (Quelle: ap)
Hunderttausende beim Ökumenischen Kirchentag
Fr.30.05.03 - Mit einem Appell, die Agenda 2010 gerechter zu
gestalten, hat am Donnerstag der Ökumenische Kirchentag
seine Arbeit aufgenommen. Mit der Großveranstaltung in
Berlin schreiben Katholiken und Protestanten ein neues
Kapitel ihrer Zusammenarbeit. Zu dem viertägigen Laientreffen
werden rund 200 000 Menschen aller christlichen Konfessionen
erwartet. In mehr als 3200 Veranstaltungen geht es vor allem um
eine Annäherung von Katholiken und Protestanten mehr als
500 Jahre nach der Reformation. Überschattet wurde das Treffen
schon im Vorfeld von der strikten Absage des Papstes an ein
gemeinsames Abendmahl. (Quelle: dpa)
Weltkirchenrat beklagt christlichen Fundamentalismus
Fr.30.05.03 - Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der
Kirchen in Genf, Konrad Raiser, hat "wachsende konservative
und fundamentalistische Tendenzen" bei Katholiken und Protestanten
beklagt. "Inzwischen scheint der Geist ökumenischer Erneuerung in den
Kirchen zu erlahmen", sagte Raiser am Donnerstag beim ersten Ökumenischen
Kirchentag in Berlin. Dagegen helfe auch kein "Druck von der Basis":
Gemeinsame Abendmahlsgottesdienste gegen den Willen der Kirchenleitung
bewirkten eher das Gegenteil.
Zunehmend wachse in den Kirchen die Sorge um das unverwechselbar
Eigene, sagte Raiser. "Es gibt inzwischen eine eigene ökumenische
Tradition, aber sie ist immer weniger zu vermitteln mit der maßgeblichen
Tradition der jeweiligen Kirche."
Als Ausweg schlug Raiser eine stärkere Besinnung auf die Taufe als
gemeinsame Grundlage aller Christen vor. Nicht das Abendmahl,
sondern die Taufe müsse im Mittelpunkt stehen: "Die Fixierung
ökumenischer Bemühungen auf die Gemeinschaft in der Feier der
Eucharistie hat eine Entmündigung der Laien zur Folge gehabt und
die Amtsproblematik und damit die institutionelle Identität der Kirchen
in den Mittelpunkt gerückt."
Im Ökumenischen Rat der Kirchen sind rund 330 Kirchen aus 120 Ländern
zusammengeschlossen. Sie repräsentieren etwa 500 Millionen Christen in
aller Welt. Die katholische Kirche ist nicht Mitglied, arbeitet aber in einigen
Gremien mit. (Quelle: dpa)
(Quelle: dpa)
Deutschland: Lafontaine prangert Wortbruch in der Politik an
Fr.30.05.03 - Der frühere SPD-Vorsitzende Oscar Lafontaine hat erneut
massive Vorwürfe gegen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) erhoben.
"Ich kann keine Politik machen, in der Wortbruch zur Regel wird", begründete
Lafontaine am Donnerstag auf dem Ökumenischen Kirchentag rückblickend
seinen Rücktritt als Finanzminister im März 1999. Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD) habe damals öffentlich erklärt, die Rente nicht anzutasten,
und gleichzeitig an Rentenkürzungen gearbeitet.
Als weitere Rücktrittgründe nannte er die unausgegorene Steuerreform und
Meinungsverschiedenheiten über den Kosovo-Krieg. "Man darf in Deutschland
nicht aus politischen Gründen zurücktreten. Das wird einem als unehrenhaft und
als Flucht ausgelegt", sagte Lafontaine unter Applaus der mit 4500 Besuchern
restlos gefüllten Halle. Das Problem der heutigen Politik sei der Umgang mit
Wahrheit und Wahrhaftigkeit. So sei es im Irak-Krieg - entgegen der politischen
Verlautbarungen - nicht um die Vernichtung der Massenvernichtungswaffen
sondern um Öl gegangen. (Quelle: dpa)
Deutsche laut Umfrage zu Gehaltsverzicht für Jobs bereit
Fr.30.05.03 - Eine Mehrheit der Deutschen ist laut einer Umfrage bereit,
für die Sicherheit von Arbeitsplätzen auf einen Teil des Lohns oder Gehalts
zu verzichten. 62 Prozent finden, dass Mitarbeiter auf einen Teil ihres Gehaltes
verzichten sollen, wenn dadurch Entlassungen vermieden werden könnten, wie
die Umfrage im Auftrag der "Financial Times Deutschland" (Freitagausgabe) ergab.
35 Prozent hätten dies abgelehnt. 52 Prozent meinten zudem, der Staat solle
Unternehmen in Schwierigkeiten helfen, 44 Prozent waren dagegen.
Rund jeder fünfte Erwerbstätige hält der Umfrage zufolge seinen Arbeitsplatz
für unsicher, in Ostdeutschland sind es 29 Prozent. Dennoch glaubt eine Mehrheit
von 61 Prozent der 1.000 Befragten, dass die Stimmung in Deutschland derzeit
schlechter sei als die Lage.
(Quelle: ap)
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