|
a1-k0305310
Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Sa.31.05.03, 12:45 Irak am dreiundsiebzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Weiter Wirbel um Gründe für Irak-Krieg.
Wolfowitz: «Gewaltiger» Grund für den Krieg war, den Rückzug der US-Truppen aus Saudi-Arabien zu ermöglichen +++
SPD-Fraktionsvize Erler: USA müssen Irak-Waffenfrage klären +++
USA kündigen Ausweitung der Waffensuche im Irak an +++
US-General: US-Geheimdienste täuschten sich über Chemieangriff +++
Sa.31.05.03 - Der Irak-Krieg ist nach Angaben des stellvertretenden
US-Verteidigungsministers Paul Wolfowitz aus "bürokratischen Gründen"
mit einer Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen begründet
worden. Das Magazin "Vanity Fair" zitierte ihn in einem am Freitag vorab
veröffentlichten Interview mit den Worten: "Dies war der eine Grund, dem
jeder zustimmen konnte."
Ein "gewaltiger" Grund für den Krieg war laut Wolfowitz, Washington den Rückzug
der US-Truppen aus Saudi-Arabien zu ermöglichen. Die Soldaten waren dort stationiert,
um das Königreich gegen Saddam Hussein zu schützen. Die US-Präsenz hatte jedoch
islamische Fundamentalisten erzürnt. Binnen zwei Wochen nach Kriegsende kündigte
das Pentagon denn auch den Abzug von 5.000 Soldaten aus Saudi-Arabien an. Dagegen
fehlt von den angeblichen biologischen und chemischen Massenvernichtungswaffen Iraks
auch mehr als sieben Wochen nach dem Fall Bagdads jede Spur.
Das Wolfowitz-Interview sorgte in Europa für Empörung. "Diejenigen, die in den Krieg
gezogen sind, haben nun ein gewaltiges Problem", sagte Jeppe Kofod, Sprecher für auswärtige
Angelegenheiten bei den dänischen Sozialdemokraten. Dänemark beteiligte sich am Krieg.
"Das war nicht der Grund, den unser Ministerpräsident vor dem Krieg genannt hat." Der frühere
dänische Außenminister Niels Helveg Peterson sagte der Nachrichtenagentur AP, er sei geschockt
über die Aussage von Wolfowitz. "Die Welt fragt sich nun: Was sollen wir glauben?".
Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Gernot Erler, erwartet von den
USA Aufklärung darüber, ob der Irak wie von den USA behauptet Massenvernichtungswaffen besessen hatte.
Erler sagte der "Berliner Zeitung" (Samstagsausgabe): "Es muss geklärt werden, wie es dazu kommen konnte,
dass der amerikanische Präsident vor dem Krieg erklärt hat, er sei hundertprozentig sicher, dass Irak über
Massenvernichtungswaffen verfüge, aber jetzt keine gefunden werden".
Präsident George W. Bush müsse Klarheit schaffen, sagte Erler nach dem auf der Internet-Seite der
Zeitung vorab veröffentlichten Bericht. Der CDU-Europaparlamentarier Elmar Brok sagte der Zeitung, es sei
Schaden für die Zukunft entstanden, weil in den Augen der Bevölkerung mit falschen Gefahrenanalysen
argumentiert worden sei. Eine rückwärtige Neubewertung des Irak-Konflikts sei aber nicht nötig
Der US-Geheimdienst hat sich nach den Worten des Chefs der US-Marineinfanteristen
im Irak, General James Conway, über den Einsatz chemischer Waffen durch den Irak getäuscht.
Mit der Einschätzung, dass chemische Waffen im Südirak gegen Invasoren zum Einsatz kommen
würden, "lagen (wir) einfach falsch", sagte Conway am Freitag. Auch er sei überzeugt gewesen,
dass vorrückende britische oder US-Truppen vor Erreichen der Hauptstadt Bagdad mit chemischen
oder biologischen Waffen angegriffen würden.
Solche Waffen seien in den Munitionslagern jedoch nicht gefunden worden.
"Es war damals für mich eine Überraschung. Es bleibt eine Überraschung, dass wir keine Waffen entdeckt
haben", sagte der US-General. "Glauben Sie mir, es liegt nicht daran, dass wir es nicht versuchen würden.
Wir sind zwischen der kuwaitischen Grenze und Bagdad durch nahezu jedes Munitionsdepot gegangen.
Aber sie (die Waffen) sind einfach nicht da." Noch allerdings sei es zu früh zu sagen, der Irak habe solche
Waffen auch vor Beginn des Kriegs vor zweieinhalb Monaten nicht besessen.
Der britische Premierminister Tony Blair hat nach eigenen Worten weiter keine Zweifel,
dass noch Beweise für die Existenz der Massenvernichtungswaffen gefunden werden. Er
steht in Großbritannien unter erheblichem Druck. Blair forderte bei einem Besuch in Polen am
Freitag noch "ein wenig Geduld". Das Waffenpotenzial Iraks sei keine Erfindung der Geheimdienste.
Der Sender BBC hatte am Donnerstag gemeldet, der Geheimdienst kritisiere einen im vergangenen
Jahr von Blairs Büro veröffentlichten Bericht. Die Behauptung, irakische Massenvernichtungswaffen
seien binnen 45 Minuten einsatzbereit, sei falsch und auf Anweisung von Blairs Büro eingefügt worden,
hieß es.
Unterdessen haben die USA eine massive Ausweitung der Suche nach Massenvernichtungswaffen im
Irak angekündigt. Zu diesem Zweck würde eine neu gegründete Irak- Prüfungsgruppe (Iraq Survey Group) mit
Hauptquartier in Bagdad ihre Arbeit aufnehmen, teilte das US-Verteidigungsministerium am Freitag mit. Zu der
Gruppe gehörten etwa 1300 bis 1400 Amerikaner, Briten und Australier. Geleitet werde sie von General-Major Keith
Dayton, einem Einsatzleiter beim US-Militärgeheimdienst DIA. "Das Ziel ist es, alle Stücke von etwas zusammenzufügen,
das ein sehr komplexes Puzzle zu sein scheint", sagte Dayton.
Die US-Streitkräfte räumten derweil die irrtümliche Freilassung eines im April festgenommenen ehemaligen
irakischen Funktionärs ein, der in Zusammenhang mit dem Massenmord an Schiiten nach dem Golfkrieg
von 1991 gesucht wird. Mohammed Dschawad an Neifus wurde am 18. Mai aus dem Internierungslager
Bucca bei Umm Kasr entlassen. Seine wahre Identität sei dem Militärgericht offenbar nicht bekannt
gewesen. Die US-Streitkräfte setzten für die Wiederergreifung von An Neifus eine Belohnung von 25.000
Dollar aus.
(Quellen: ap, rtr, dpa)
«Die Berichte über irakische Massenvernichtungswaffen
waren also doch nur ein Vorwand für einen Krieg gegen
Irak. Die Aussagen des Vizeverteidigungsministers der USA,
Wolfowitz, demontieren Außenminister Colin Powell, der im
Februar dem UN-Sicherheitsrat seine "Beweise" präsentiert
hatte» (taz, 31.05.03)
«Das Ziel war die Manipulation Die US-Öffentlichkeit scheint es nicht zu stören, dass
ausgerechnet George W. Bush, der Gralshüter von Anstand und Moral, sie womöglich belogen hat» Mehr unter:
«Die britischen Geheimdienste behaupten, die Regierung Blair habe
sie angehalten, die irakische Bedrohung zu übertreiben. Die
Regierung schiebt alle Schuld auf die Dienste»
«De-facto-Anerkennung des Angriffs»
«Kein Staat will bisher die Völkerrechtswidrigkeit des Irakkrieges
sowie die Zulässigkeit von Präventivkriegen vom Internationalen
Gerichtshof in Den Haag klären lassen» Mehr unter:
«Daimler, Bayer, Siemens und der Krieg»
«Der Konflikt zwischen USA und Teilen Europas
schwelte schon lange. Divergierende ökonomische
Interessen hatten ihn entfacht. Jetzt rudern die
Regierenden eifrig zurück. Das Irak-Geschäft lockt»
Mehr unter:
Bush dementiert Angriffspläne auf Iran und Syrien
Sa.31.05.03 - US-Präsident George W. Bush hat vor seiner Reise nach Europa
und in den Nahen Osten amerikanische Angriffspläne auf Iran oder Syrien dementiert.
"Nein, nein, nein, all diese Angaben sind reine Spekulation", sagte er in einem Interview,
das der staatliche russische Fernsehsender Rossija in Moskau am Freitagabend ausstrahlte.
Die Entscheidung zum Irak-Krieg sei erst nach langen und vergeblichen politischen Bemühungen
gefallen. "Ich habe alle diplomatischen Weg ausprobiert, um (mit der internationalen Gemeinschaft)
eine gemeinsame Lösung zu finden, was mit Saddam Hussein und seinen Massenvernichtungswaffen
geschehen soll", sagte er.
Bush wurde am Samstag in St. Petersburg zu den 300-Jahr-Feiern der Stadt und zu einem Treffen mit
Präsident Wladimir Putin erwartet. "Auch wenn es zwischen uns einige Meinungsverschiedenheiten
wegen des Iraks gegeben hat, sollen doch alle sehen, dass wir für das Ziel eines umfassenden Friedens
zusammenarbeiten", sagte der US-Präsident.
Bush will auch seinem französischen Kollegen Jacques Chirac dessen Opposition gegen den Irak-Krieg
nicht zum Vorwurf machen. "Nein, ich bin nicht zornig auf ihn, nur enttäuscht", sagte der US-Präsident
in einem am Freitag ausgestrahlten Interview mit dem französischen Fernsehsender France 3. Die USA
planten keine Sanktionen gegen Frankreich, sagte Bush, der am Montag am Rande des G-8-Gipfels in
Evian mit Chirac zu einem Gespräch zusammenkommt.
(Quelle: dpa)
Iran lädt Westen zum Bau von Atomkraftwerken ein
Sa.31.05.03 - Iran hat westliche Länder eingeladen, an der Seite Russlands
Atomkraftwerke auf seinem Gebiet zu bauen. Um Zugang zu modernsten
Atomtechnologien zu erhalten sei die iranische Regierung auch bereit,
Abkommen zur Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen beizutreten, erklärte
Außenminister Kamal Charrasi am Freitag in Teheran. Zuvor war aus der
russischen Regierung der Vorschlag verlautet, die USA könnten mit Russland
ein Atomkraftwerk in Iran bauen. Russland baut in der südiranischen Hafenstadt
Buschehr einen Leichtwasserreaktor, der nach amerikanischen Befürchtungen
Teheran den Bau einer Atombombe ermöglichen könnte. Das Thema steht dem
Vernehmen nach hoch auf der Tagesordnung des Gipfeltreffens von US-Präsident
George W. Bush und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin an diesem
Wochenende in St. Petersburg. Iran hat ein Energieprogramm, demzufolge bis 2020
etwa 6.000 Megawatt Strom aus Atomenergie gewonnen werden sollen. Das Kraftwerk
in Buschehr soll eine Kapazität von 1.000 Megawatt haben.
(Quelle: ap)
Powell dämpft Erwartungen an Nahost-Gipfel
Sa.31.05.03 - US-Außenminister Colin Powell hat die hoch gesteckten
Erwartungen an den bevorstehenden Nahost-Gipfel gedämpft. Wenige
Tage vor dem Treffen von US-Präsident George W. Bush mit dem israelischen
Ministerpräsidenten Ariel Scharon und dessen palästinensischem Kollegen
Mahmud Abbas sagte Powell am Freitag auf dem Flug nach Polen: "Wir müssen
das in Gang bringen. Die Spannungen sind beträchtlich, das Misstrauen ist groß."
Als Vermittler zwischen den beiden Konfliktparteien will die US-Regierung laut
Powell eine "Koordinationsgruppe" einsetzen. Bush hatte sich zuvor zuversichtlich
über die Chance auf einen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern geäußert.
Der Dreiergipfel soll am Mittwoch in der jordanischen Stadt Akaba stattfinden. Zur
Vorbereitung des Treffens waren Scharon und Abbas am Donnerstagabend in
Jerusalem zu einem dreistündigen Spitzengespräch zusammengekommen.
(Quelle: ap)
18 Tote bei Kämpfen um Dorf in Somalia
Sa.31.05.03 - Bei schweren Gefechten zwischen Dorfbewohnern und
Milizen in Somalia sind mindestens 18 Menschen getötet worden. Mehr als
100 schwer bewaffnete Kämpfer des Kriegsfürsten Mohammed Dhereh aus
Mogadischu hätten am Donnerstag das Dorf Ragheh-Elleh 90 Kilometer
nordöstlich der Hauptstadt angegriffen, berichtete ein Stammesvertreter am
Freitag. Die Milizionäre seien mit zahlreichen Lastwagen mit schweren
Maschinengewehren auf den Ladeflächen gekommen. 17 der Toten seien
Dorfbewohner, die im Kreuzfeuer umgekommen seien. Zudem sei einer der
örtlichen Kämpfer erschossen worden.
Seit dem Sturz von Diktator Mohamed Siad Barre im Jahr 1991 hat Somalia
keine funktionierende Zentralregierung mehr. Die Macht der im August 2000
gewählten Übergangsregierung reicht kaum über Mogadischu hinaus. Derzeit
hält sich eine internationale Untersuchungskommission im Land auf, um ein
Waffenstillstandsabkommen zu kontrollieren, auf das sich die Kriegsfürsten und
Stammesführer im Oktober einigten. (Quelle: ap)
Bürgerkrieg im Kongo weitet sich auf Sambia aus
Sa.31.05.03 - In der sambischen Hauptstadt Lusaka erklärte die Regierung, Rebellen hätten sich nun auch im nördlichen
Grenzgebiet Sambias festgesetzt und sich dort Gefechte mit Regierungssoldaten geliefert. Sambia hat nach
Angaben von Innenminister Ronni Schikapwascha Truppen in die Konfliktregion geschickt. Die Rebellen aus Kongo
versuchten, den besetzten Landstrich als Stützpunkt und Rückzugsgebiet zu nutzen. Seine Regierung werde das
nicht tolerieren, betonte der Minister. Berichte, wonach bei Kämpfen mit den Rebellen nahe dem Grenzort Kaputa
sechs sambische Soldaten getötet worden seien, dementierte er jedoch. (Quelle: spiegel-online)
«Afrikas Ölrausch: Angetrieben von den USA, setzen zahlreiche Staaten des Kontinents auf das schwarze Gold»
Mehr unter:
«Kongo: Der Ausrottungskrieg der Kindersoldaten»
Mehr unter:
UNO-Sicherheitsrat stimmt für Kongo-Friedenstruppe
Sa.31.05.03 - Der UNO-Sicherheitsrat hat am Freitag der Entsendung einer unter französischer Führung
stehenden multinationalen Friedenstruppe in die Demokratische Republik Kongo zugestimmt, um die Bevölkerung
vor Übergriffen von Milizionären zu schützen.
Die Truppe, die nach Angaben des französischen UNO-Botschafters Jean-Marc de la Sabliere bis zu 1400 Mann
stark sein könnte, soll in der Stadt Bunia in der Region Ituri im Nordosten des Landes stationiert werden. Sie soll
dort bis zum Eintreffen von Verstärkung Mitte August bleiben, um die Zivilbevölkerung zu schützen und den
Flughafen zu sichern. In der Region war es in den vergangenen Wochen verstärkt zu Fällen von Vergewaltigungen,
Verstümmelungen und Kannibalismus gekommen. Milizen der verfeindeten Stämme der Lendu und der Hema
liefern sich Kämpfe um die Vorherrschaft in dem Gebiet. Allein in den vergangenen drei Wochen sind in und um
Bunia 300 Menschen bei solchen Gefechten ums Leben gekommen.
Neben Frankreich, das nach den Angaben 800 bis 1000 Soldaten stellen will, prüfen Diplomaten zufolge
Schweden, Südafrika, äthiopien, Pakistan, Nepal und Nigeria eine Beteiligung an der Truppe. Wie nach
gesonderten Beratungen weiter verlautete, erwägen Großbritannien, Kanada, Belgien und Brasilien eine logistische
Unterstützung der Truppe.
Vor Ausbruch der jüngsten Kämpfe hatten sich ugandische Soldaten aus der Region zurückgezogen. Der
Generalsekretär der Vereinten Nationen (UNO), Kofi Annan, hatte vor zwei Wochen die Entsendung einer
Sondereinheit vorgeschlagen, um eine Wiederholung von Massakern wie in Bosnien und Ruanda in den
90er Jahren zu verhindern. Rund 700 UNO-Soldaten sind bereits in Bunia stationiert, die jedoch nur die
Einhaltung einer Waffenruhe überwachen sollen und kein Mandat für den Schutz der Bevölkerung haben.
In dem seit fünf Jahren im Kongo anhaltenden Bürgerkrieg sind 50.000 Menschen in Ituri getötet worden,
500.000 Menschen sind geflohen. (Quelle: rtr)
Fast 100 Tote seit Beginn der Militäroffensive in Aceh
Sa.31.05.03 - Knapp zwei Wochen nach Beginn der Großoffensive der
indonesischen Streitkräfte in der Unruheprovinz Aceh sind nach Armeeangaben
fast 100 Menschen den Kämpfen zum Opfer gefallen. Regierungstruppen hätten
bis zum Freitag 88 Rebellen der "Bewegung Freies Aceh" (GAM) getötet, hieß es
aus Militärkreisen. Zudem seien acht Soldaten und drei Polizisten ums Leben gekommen.
Die indonesische Regierung hatte am 19. Mai mit der Militäroffensive begonnen und
zugleich das Kriegsrecht über die Provinz an der Nordspitze der Insel Sumatra verhängt.
Zuvor waren Gespräche zwischen den Rebellen und der Regierung in Jakarta über die
Rettung eines im Dezember geschlossenen Friedensabkommens gescheitert. Etwa 30 000
Soldaten stehen schätzungsweise 5000 Kämpfern der GAM gegenüber. Weit mehr als 10 000
Einwohner der Provinz sind seit Beginn der Offensive geflohen.
Die "Bewegung Freies Aceh" kämpft seit 1976 für einen eigenständigen islamischen Staat in
der an Öl- und Gasvorkommen reichen Provinz. Dem Konflikt sind seither mehr als 11 000 Menschen
zum Opfer gefallen, zumeist Zivilisten. In den vergangenen Jahren waren mehrfach Friedensverhandlungen
gescheitert. (Quelle: dpa)
3000 Menschen protestieren in Genf gegen G-8-Gipfel
Sa.31.05.03 - Zwei Tage vor Beginn des G-8-Gipfels in Frankreich haben im schweizerischen
Genf bis zu 3000 Menschen gegen das Treffen protestiert. Vor der russischen
Vertretung in der Nähe des UN-Sitzes warfen Demonstranten Steine und riefen
"Putin, Mörder, lassen Sie die Tschetschenen frei!". Die Polizei schritt nicht ein.
Der Protest der Teilnehmer richtete sich vor allem gegen die Globalisierung.
"Keine Grenzen, keine Abschiebung" riefen die Demonstranten vor dem Sitz der
Welthandelsorganisation (WTO). Organisiert wurde der Protest in erster Linie
von der Organisation No Border und den Globalisierungskritikern von Attac.
Die Schweizer Nachrichtenagentur SDA meldete, einige Demonstranten hätten ein
Schloss am Eingang der WTO aufgebrochen und seien von einem Dutzend Polizisten
am Eindringen in das Gebäude gehindert worden. Genf liegt etwa 40 Kilometer vom
französischen Tagungsort Evian entfernt am Genfer See. (Quelle: afp)
«Aus ganz Europa reisen Globalisierungskritiker an diesem Wochenende in das französische Evian, um
gegen die G-8 zu protestieren, George Bush demonstriert geringes Interesse» (telepolis, 31.05.03
Mehr unter:
«Mobilisierung gegen den G-8-Gipfel in Evian»
Die G-8 wird vom 1. bis 3. Juni in Evian am Genfer See zusammenkommen.
Aus diesem Anlaß und vor dem Hintergrund des Krieges im Irak, der
angloamerikanischen Besetzung des Landes und der Fortsetzung der neoliberalen
Politik veranstalten Globalisierungs-Kritiker einen "G-8-Gegengipfel"
mit zahlreichen Debatten, Konferenzen und Protestaktionen.
Mehr unter:
Offizielle Homepage des G-8-Treffens 2003 in Evian:
«Blick ins Archiv»
G-8: Exklusiver Club der großen Industriestaaten
Drohnen und Boden-Luft-Raketen sollen G-8-Gipfel schützen
Mehrere hunderttausend Demonstranten bei G-8-Gipfel erwartet
G-8-Gipfel in Evian: Proteste der Globalisierungskritiker haben begonnen.
G-8-Gegner: «Bush ist nicht nachhaltig»
Fr.30.05.03 - Am Genfer See hat am Donnerstag der Aufmarsch
der G-8-Gegner begonnen. Mit mehreren Zügen trafen mindestens 4.000
Demonstranten in Genf und Lausanne ein. Die Situation blieb vorerst ruhig. Mehr unter:
Genua: Verfahren gegen 93 G-8-Gipfel-Demonstranten eingestellt
«Demokratische Finsternis» G-8-Gipfel 2001 | Genua, Italien
Polizeistaatlicher Auftritt der Staatsmacht anläßlich des Treffens der G-8 in Genua.
Massive Angriffe auf die Menschenwürde, auf Freiheit, auf körperliche Integrität.
Nachrichten, Berichte, Hintergrund-Informationen
Eingeständnisse nach G-8-Gipfel in Genua:
Do.09.01.03 - Eineinhalb Jahre nach den blutigen
Ausschreitungen beim G-8-Gipfel in Genua hat die
italienische Polizei jetzt schwere eigene Rechtsverstösse
eingeräumt. Wie italienische Zeitungen am Mittwoch
berichteten, gaben Polizeibeamte zu, nach einer Razzia in
einer Schule, in der Globalisierungskritiker übernachteten,
Beweise gefälscht zu haben. So seien von der Polizei zwei
Molotow-Cocktails in die Schule geschmuggelt worden, um
so die Demonstranten zu belasten, hiess es.
Bei der Razzia waren etliche Demonstranten von
Sondereinheiten der Polizei verprügelt und zum Teil schwer
verletzt worden. Viele von ihnen wurden vorübergehend
festgenommen.
Die Razzia hatte in der Nacht auf den 22. Juli 2001
stattgefunden, wenige Stunden nachdem ein junger
Demonstrant von einer Polizeikugel tödlich getroffen
worden war. Wegen der Gewaltexzesse am Rande des
G-8-Gipfels war Italiens Polizei scharf kritisiert worden.
(Quelle: nzz/dpa) Mehr unter:
Streit über EU-Machtverteilung verschärft sich
Sa.31.05.03 - Der Streit über die Machtverteilung in der Verfassung der Europäischen Union (EU) hat sich
kurz vor Ende des EU-Reformkonvent verschärft.
Bundesaußenminister Joschka Fischer warnte am Freitag im Konvent in Brüssel, falls es nicht zu einer
zukunftsfähigen Verfassung komme, würden sich kleinere Gruppen von Ländern notfalls auch außerhalb der EU zu
einer engeren Integration zusammentun. Zugleich verlangte er Mehrheitsentscheidungen in der Außenpolitik und
kritisierte die aktuellen Vorschläge dazu als enttäuschend. Neun Länder verlangten dagegen ein Festhalten an
zentralen Punkten des EU-Vertrags von Nizza
, der mit der Verfassung eigentlich überarbeitet werden sollte.
"Die institutionelle Einigung von Nizza ist nicht perfekt, ... aber sie spiegelt das Gleichgewicht zwischen den
verschiedenen Interessen wider", heißt es in einem Papier Großbritanniens, Österreichs, Spaniens, Irlands,
Dänemarks, Polens, Litauens, Zyperns und Schwedens.
Die Verfassung sollte an den Regeln des Nizza-Vertrages für die Sitzverteilung im Parlament, die Zusammensetzung
der Kommission und die Stimmenverteilung im Rat festhalten, was zu einer Vergrößerung der bereits als zu groß
geltenden Kommission auf bis zu 27 Kommissare führen könnte. Die auch zwischen diesen Ländern umstrittene
Frage des künftigen Vorsitzes bei Gipfeltreffen wurde ausgespart.
Österreichs Regierungsvertreter Hannes Farnleitner sagte, nach drei bis vier Jahren könne erneut über die
Institutionen diskutiert werden. Bei anderen Ländern stieß dieser Vorschlag auf entschiedene Ablehnung. "Das
wäre gegen Europa", sagte ein Regierungsvertreter, der nicht genannt werden wollte. Der Nizza-Vertrag gilt in
vielen Ländern und in der Kommission als ungeeignet, um die im kommenden Jahr auf 25 Staaten wachsende
Union zu führen.
Der Konvent, dem 105 Mitglieder aus Regierungen und Parlamenten aller EU- und Kandidatenländer angehören,
dürfe nicht nach Formelkompromissen suchen, sagte Fischer. "Ich sehe die große Gefahr, dass wir alles aufs Spiel
setzen, wenn wir vorgehen wie eine Regierungskonferenz." Der Verfassungsentwurf soll beim nächsten EU-Gipfel
am 20. Juni vorliegen und anschließend von einer Regierungskonferenz beraten werden.
Fischer sagte, insgesamt gebe es gute Chancen auf ein tragfähiges Ergebnis des Konvents. Der vom Konventspräsidium
vorgelegte Entwurf sei im Bereich der Außenpolitik allerdings ein Schritt zurück. Fischer, der Berichte über eigene
Ambitionen auf das neue Amt des EU-Außenministers bislang nicht kommentiert hat, verlangte, Mehrheitsentscheidungen
in der Außenpolitik zur Regel zu machen. Mit Rücksicht auf britische Bedenken hatte das Präsidium Mehrheitsentscheidungen
nur in bestimmten, eng umgrenzten Fällen vorgesehen.
Der ehemalige Kommission-Präsident Jacques Santer sagte der Nachrichtenagentur Reuters, in der kommenden
Woche würden Deutschland und Frankreich Gespräche mit den anderen Gründungsmitgliedern Italien, Belgien, den
Niederlanden und Luxemburg führen. Ziel sei es, mit einem gemeinsamen Vorschlag die Differenzen zwischen den
Vorstellungen zu überbrücken.
Vor allem kleine Länder fürchten übergangen zu werden, wenn es einen starken Ratspräsidenten gibt.
Deutlicher als zuvor unterstützte Fischer Vorschläge der Benelux-Staaten für die Institutionen, der unter anderem
jedem Land stets zumindest einen stellvertretenden Kommissar sichern würde. In einer Regierungskonferenz nach
dem Konvent müssen alle EU-Staaten der Verfassung zustimmen und sie anschließend ratifizieren.
Viele Konventsmitglieder warnten, der Konvent dürfe nicht die Kompromisssuche zwischen den
EU-Regierungen vorwegnehmen. "Wir müssen im Konvent die Schere im Kopf vergessen, die davon ausgeht, dass
das eine oder andere Land nicht mitmacht", sagte der deutsche Christdemokrat Elmar Brok. Das irische Mitglied
im Konventspräsidium, John Bruton, forderte die großen Länder zum Nachgeben auf.
(Quelle: rtr)
Deutschland:
Clement räumt Mitschuld der Bundesregierung an Wirtschaftsmisere ein
Sa.31.05.03 - Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hat eine Mitschuld
der rot-grünen Bundesregierung an der Wirtschaftsmisere Deutschlands eingeräumt:
"Die Bundesregierung trägt Mitverantwortung", sagte Clement in einem Interview der
"Berliner Zeitung" (Samstagausgabe). Sie sei aber nicht allein verantwortlich, wie man
etwa am Zustand der deutschen Banken erkennen könne. Der SPD-Politiker erklärte weiter:
"Wir haben aber einen gehörigen Batzen Mitverantwortung, wie alle Regierungen,
die in den letzten 20 Jahren Verantwortung getragen haben." (Quelle: ap)
«Wachstum, Wachstum über alles - Neues Wirtschaftswachstum soll Deutschland wieder auf die Beine bringen, doch niemand macht sich
Gedanken, was das langfristig bedeutet und wie es funktionieren soll
»
Mehr unter:
Rentner sollen offenbar mehr für Krankenversicherung zahlen
Sa.31.05.03 - Die Bundesregierung plant offenbar doch, Rentner
stärker zu belasten. Nach Informationen der "Berliner Zeitung"
(Samstagausgabe) strebt Finanzminister Hans Eichel an, den
Anteil der Rentner am Krankenversicherungsbeitrag von 50 auf
75 Prozent zu erhöhen. Im Gespräch sei, dass die Rentenversicherung
künftig nur noch 25 Prozent der Beiträge anstatt 50 Prozent zahle. Damit
würde ein Betrag von etwa sieben Milliarden Euro eingespart, berichtet
die Zeitung weiter.
(Quelle: ap)
«Die heimliche Auszehrung der Rentenversicherung»
Sa.31.05.03 - Das Loch wird immer größer im Haushaltssäckel des
Finanzministers. Statt der im Etat eingestellten gut 65 Milliarden Euro werden
die Zuschüsse des Bundes an die Rentenversicherung in diesem Jahr voraussichtlich
auf 73 Milliarden Euro steigen, das sind 33 Milliarden Euro mehr als noch vor drei Jahren.
Kein Wunder, dass Hans Eichel Handlungsbedarf sieht und die Grünen fette Renten
abschmelzen wollen. Auf der Einsparliste stehen aber nicht in erster Linie die Altersbezüge,
sondern die systemfremden Zusatzaufwendungen, die den Rentenversicherern seit Jahrzehnten
aufgebürdet sind.
Das hohe rechnerische Defizit der Rentenversicherung ist anders als hie und da vermutet
noch nicht Folge einer irreversiblen Schieflage des Umlageverfahrens, die eine Kürzung
oder das Einfrieren der Renten zwingend zur Folge haben müsste. Noch immer kann die
gesetzliche Rentenversicherung die Zahlung der 17 Millionen Renten aus eigenen Einnahmen
bestreiten. Vielmehr finanziert der gewaltige und immer weiter anschwellende Bundeszuschuss
ausschließlich die so genannten versicherungsfremden Leistungen der Rentenkassen.
Dem Verband Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR) gefällt das nicht unbedingt. Er sähe
den Bundeszuschuss lieber als ein Instrument zur Absicherung der Rentenzahlungen in schlechten
Zeiten, wozu er ursprünglich auch geschaffen wurde: Sinkt die Summe der Einnahmen der
Rentenversicherung unter die der Ausgaben, muss der Bund aus Steuermitteln drauflegen.
Das Alimentationsprinzip gilt zum Entsetzen der Systempuristen seit vielen Jahren faktisch
auch für die Kuckuckseier der versicherungsfremden Leistungen, die keine Gegenfinanzierung
durch Beiträge aufweisen und den Rahmen der Rentenversicherung daher schlicht sprengen.
Konkret muss die Rentenkasse neben den normalen Altersbezügen die noch verbliebenen
Kriegsfolgelasten, Rentenleistungen für Vertriebene und Spätaussiedler und die rentenrechtliche
Absicherung der deutschen Einheit finanzieren. Schwerer noch wiegen die der Rentenversicherung
aufgeschulterten Aufgaben anderer Sozialleistungsbereiche, darunter der Familienlastenausgleich
bei Kindererziehungszeiten, die kindbezogenen Zuschläge zur Rente oder auch die Hinterbliebenenrenten.
Hinzu kommen mit hohen Milliardenbeträgen die Kosten der Frühverrentung wegen Arbeitslosigkeit oder
durch arbeitsmarktbedingte Erwerbsminderungsrenten. Schließlich zahlt die Rentenversicherung systemwidrig
auch die rententechnische Höherbewertung niedriger Arbeitsverdienste und die Anrechnung schulischer
Ausbildung im Versicherungsverlauf.
Mittlerweile fließt mit rapide steigender Tendenz ein gutes Drittel der Gesamtausgaben der Rentenversicherung
in Höhe von rund 220 Milliarden Euro in die so genannten versicherungsfremden Leistungen. Experten wissen,
warum: Im deutschen Wohlfahrtssystem ist es für die Politik seit jeher einfacher gewesen, einer bereits existierenden
und faktisch weisungsgebundenen Sozialkasse immer mehr Aufgaben aufzuhalsen, als einen steinigen, aber sauberen
Gesetzesweg mit klaren Verantwortlichkeiten und Finanzierungsquellen zu gehen.
Kenner der sozialpolitischen Szene erwarten nun bis zum Herbst ein heftiges Gerangel hinter den Berliner Kulissen,
wie denn das Defizit gemindert werden könne. Die Frage ist, ob unabhängig vom mittelfristigen Sanierungsbedarf
in der Rentenversicherung die Rentner schon im nächsten Jahr bluten müssen, oder ob es gelingt, soziale
Subventionen dort zu beschneiden, wo keinerlei Beiträge gezahlt werden oder seit längeren schon nicht mehr
ausreichen. Die Leidtragenden wären dann wohl vor allem Arbeitslose. (Quelle: ap)
«Die Altersarmut beginnt nicht erst im Rentenalter»
Mehr unter:
SPD-Linke will bei Parteitag drei änderungen an der Reformagenda erreichen
Sa.31.05.03 - Bei dem Sonderparteitag der SPD am Sonntag will die SPD-Linke nach Angaben ihrer
Wortführerin Andrea Nahles änderungen an der Reformagenda bei den Themen Arbeitslosengeld, Krankengeld
und Vermögenssteuer erreichen.
"Unsere änderungsforderungen werden sich auf drei Punkte beziehen: Arbeitslosengeld, Krankengeld,
Vermögenssteuer", sagte Nahles in einem Reuters-Interview am Freitag. Sie betonte, die Kritiker der "Agenda
2010" von Bundeskanzler und Parteichef Gerhard Schröder wollten beim Parteitag keine grundsätzliche
Konfrontation suchen, sondern in den drei Sachfragen konkrete änderungen fordern. Schleswig-Holsteins
Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) kündigte eine Bundesratsinitiative zur Erhöhung von Erbschaft- und
Mehrwertsteuer an, die nach der Sommerpause in der Länderkammer eingebracht werden solle.
Schröder stellt die Reformagenda am Sonntag in einem Leitantrag der Parteiführung zur Abstimmung. Die
geplanten sozialen Einschnitte sorgen seit ihrer Ankündigung im März für scharfe Kritik von Vertretern der
SPD-Linken, von denen einige ein Mitgliederbegehren dagegen angestrengt haben. Die SPD-Spitze rechnet nach
eigenen Angaben am Sonntag mit breiter Zustimmung der Delegierten für die Agenda, auch die SPD-Linke geht
von einer Mehrheit aus. Als Erfolgs-Marke für den Antrag hat SPD-Fraktionschef Franz Müntefering eine
Zustimmung von 70 bis 80 Prozent ausgegeben. Schröder hat mehrfach damit gedroht, zurückzutreten, falls die
SPD seinem Kurs nicht folgt. In Bankenkreisen hieß es, ein Erfolg Schröders auf dem Parteitag "würde den
Märkten gut tun, auch wenn es am Montag nicht zu Kursprüngen kommen wird".
In einem weiteren Antrag stellt die Parteispitze Beratungen über mehrere Forderungen der Kritiker bis zum
regulären Parteitag im November in Aussicht.
Nahles, Vorsitzende des "Forums Demokratische Linke 21", sagte, in welcher Form die änderungsforderungen
zu Kranken- und Arbeitslosengeld sowie der Vermögenssteuer beim Berliner Parteitag eingebracht würden, werde
erst kurz davor entschieden. Schröders Reformagenda sieht eine Kürzung der Bezugsdauer beim Arbeitslosengeld
und das Ende der paritätischen Finanzierung des Krankengelds vor. Die Kritiker lehnen dies ab und werfen dem
Kanzler vor, seine Agenda sei sozial unausgewogen. Daher fordern sie auch eine stärkere Belastung großer
Vermögen.
Für den Parteitag liegen bereits zahlreiche änderungsanträge zum Leitantrag vor, über die beim Parteitag nach
Schröders Rede beraten und dann abgestimmt werden soll. Neben den von Nahles genannten Punkten geht es
dabei auch um weitere soziale Einschnitte, etwa die geplante Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe
und den Kündigungsschutz. Stimmberechtigt sind 480 Delegierte und die 44 Mitglieder des Parteivorstands. Der
ehemalige Parteichef Oskar Lafontaine, dem man in der SPD zutraut, die Stimmung auf dem Parteitag gegen
Schröder zu kippen, hat seine Teilnahme mit der Begründung abgesagt, dass ihm nicht ausreichend Rederecht
zugesichert worden sei.
Nahles betonte, es gehe den Kritikern nicht darum, Schröder und der SPD-Spitze eine Niederlage beizubringen
oder einen Konflikt zu inszenieren. "Wir wollen keine Konfrontation um der Konfrontation willen, sondern
änderungen in Sachfragen durchsetzen." Seit der Ankündigung der Reformen hätten die Kritiker durch ihre
Proteste schon änderungen in wichtigen Fragen durchgesetzt: Die änderungen gegenüber den ursprünglichen
Plänen etwa zur Arbeitslosenhilfe und der Finanzausstattung der Kommunen "wären noch vor einiger Zeit kaum
vorstellbar gewesen."
Unklar ist, ob die Reformpläne im Bundestag von der SPD geschlossen unterstützt werden. Die rot-grüne
Koalition hat dort nur eine knappe Mehrheit. Die Initiatoren des Mitgliederbegehrens haben es vom Ausgang des
Parteitags abhängig gemacht, ob sie an dem Basis-Entscheid festhalten. Einen Zwischenbericht zu dem
Mitgliederbegehren wollen sie zum Parteitag abgeben. Die SPD-Spitze hatte den Sonderparteitag angesetzt,
nachdem das Mitgliederbegehren in Gang gesetzt worden war.
(Quelle: rtr)
Forum-dl21:
Blick ins Archiv:
Hintergrund: Der Leitantrag zur Agenda 2010:
Hintergrund: Reform-Konzepte von Union und SPD
Gegenvorschläge des DGB zur Agenda 2010
Die sog. Reformrede des Kanzlers
Reformgegner in der SPD sammelten 20.000 Unterschriften
Sa.31.05.03 - Kurz vor dem SPD-Sonderparteitag zur Agenda 2010
haben die Initiatoren des Mitgliederbegehrens gegen die Reform
ein Drittel der erforderlichen Stimmen gesammelt. Der Juso-Landesvorsitzende
aus Bayern, Florian Pronold, gab am Freitag bekannt, dass bislang 20.800
SPD-Mitglieder das von Parteilinken initiierte Begehren unterschrieben haben.
Pronold appellierte nachdrücklich an die Parteispitze, die Kritik vieler SPD-Mitglieder
ernst zu nehmen und beim Parteitag am Sonntag einen Kompromiss
zu suchen.
Pronold, der auch Fraktionsmitglied ist, verwies darauf, dass die Unterstützung für
die inhaltlichen Forderungen der Reformgegner laut einer forsa-Umfrage höher sei,
als sich das in der Zahl der Unterschriften spiegele. Danach lehnten zwei Drittel der
Mitglieder die Privatisierung des Krankengeldes und die Verkürzung der Bezugsdauer
für das Arbeitslosengeld ab.
Der Juso-Landesvorsitzende warnte Bundeskanzler Gerhard Schröder im Berliner
"Tagesspiegel" vor einem Pyrrhus-Sieg auf dem Parteitag am Sonntag. Die Delegierten
seien angesichts der Zuspitzung zur Machtfrage nicht frei, ihre wahre Meinung über
die Agenda 2010 zum Ausdruck zu bringen. So wie der Parteitag inszeniert sei, gehe es
nicht um Inhalte, sondern um die Person Schröders. Auch die SPD-Abgeordnete und
Reform-Kritikerin Sigrid Skarpelis-Sperk sagte im "Tagesspiegel": "Personalisierungen in
Sachfragen sind nie richtig." Sie erwartete einen hitzigen und kontroversen Parteitag.
(Quelle: ap)
SPD-Mitgliederbegehren:
Umfrage: Agenda 2010 kein Mittel gegen Arbeitslosigkeit
Sa.31.05.03 - Drei von vier Bundesbürgern glauben einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest
dimap zufolge nicht, dass die von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) vorgelegte Agenda 2010 einen Beitrag
zur Senkung der Arbeitslosigkeit leisten wird.
Nach der im Auftrag der "Welt am Sonntag" unter 1050 Bürgern Ende Mai vorgenommenen Umfrage
antworteten 75 Prozent der Befragten, sie glaubten nicht, dass die Reform-Agenda zur Senkung der
Arbeitslosigkeit beitragen werde. Nur 21 Prozent glaubten daran, berichtete die Zeitung am Samstag vorab. Auch
unter den SPD-Anhängern äußerten sich dem Bericht zufolge 65 Prozent der Befragten negativ, während nur 29
Prozent damit rechnen, dass die Agenda 2010 einen Beitrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit leisten kann
(Quelle: rtr)
|
|
|
| home | home(no frame) |
B.O.A.-Künstlerkooperative
Gabelsbergerstr.17, D-80333 München, Telefon/Fax
: 089- 280621,
boa-kuenstlerkooperative@t-online.de