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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ So.01.06.03, 12:45 Irak am vierundsiebzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Weiter Wirbel um Äußerungen von Wolfowitz zu den Gründen des Irak-Kriegs +++
Alliierte zweifelten angeblich selbst an Irak-Beweisen +++
US-Truppen nehmen 15 Mitglieder der Baath-Partei fest +++
Staatschefs bekräftigen in Petersburg Versöhnung nach Irak-Krieg +++
US-Sicherheitsberaterin Rice erhebt erneut schwere Vorwürfe gegen Frankreich +++
S0.01.06.03 - Die Äußerungen des stellvertretenden US-Verteidigungsministers
Paul Wolfowitz zu den Gründen des Irak-Kriegs sorgen weiter für Wirbel.
Wolfowitz selbst relativierte seine Aussage. Bei einer Sicherheitstagung in
Singapur erklärte er am Samstag, die Massenvernichtungswaffen seien immer
nur einer von vielen Gründen gewesen.
Wolfowitz wich Fragen von Reportern aus, was er mit seiner Äußerung gemeint
habe, die USA hätten sich aus bürokratischen Erwägungen für die Massenvernichtungswaffen
als Kriegsgrund entschieden. So war er in einem am Freitag veröffentlichten Interview des
Magazins "Vanity Fair" zitiert worden. Der Vizeminister erklärte lediglich, neben den Waffen
seien der Terrorismus und die Unterdrückung der Iraker Gründe für den Feldzug gegen den
irakischen Staatschef Saddam Hussein gewesen. Ein ganz wichtiges Ergebnis für die USA
sei die Möglichkeit eines Truppenabzugs aus Saudi-Arabien.
Die Äußerungen hatten in Europa Fragen ausgelöst, ob die USA und Großbritannien die
Öffentlichkeit über die wahren Kriegsgründe getäuscht hätten. Deutsche Politiker reagierten
mit Bestürzung. Der SPD-Fraktionsvize Gernot Erler sagte, alles deute darauf hin, dass die USA
die Vereinten Nationen instrumentalisiert hätten. Die französische Verteidigungsministerin
Michele Alliot-Marie erklärte, die Tatsache, dass bislang keine Massenvernichtungswaffen
gefunden worden seien, bestätige, dass der Krieg nicht nötig gewesen sei.
Die britische Zeitung «Guardian» berichtete am Samstag,
US-Außenminister Colin Powell und sein britischer Amtskollege Jack Straw hätten Anfang
Februar selbst starke Zweifel am Beweismaterial geäußert.
Das britische Außenministerium in London bezeichnete den Bericht als "schlicht unwahr".
Powell bekräftigte vor Journalisten auf dem Flug nach Krakau, die USA hätten "solide"
Informationen gehabt. CIA-Direktor George Tenet wies in einer Stellungnahme den Verdacht
zurück, politische Gründe hätten die "Integrität" der Geheimdienst-Analysen beeinträchtigt.
Der britische Premierminister Tony Blair nannte die Vorwürfe "absolut absurd". US-Verteidigungsminister
Donald Rumsfeld erklärte, der Krieg sei nicht unter einem falschen Vorwand geführt worden.
Blair sagte während eines Besuches in Warschau, er habe keine Zweifel an den seinerzeit vorgelegten
Beweisen für die Existenz solcher Waffen im Irak gehabt. Zugleich bat er um Geduld. Die Suche nach
diesen Waffen gehe weiter. Blair reagierte damit auf Presseberichte, nach denen seine Regierung ein im
September veröffentlichtes Dossier über die Gefährlichkeit Saddam Husseins gegen den Willen der
Geheimdienste dramatisiert habe, um Unterstützung für einen harten Irak-Kurs zu erhalten.
Rumsfeld sagte in einem Rundfunkinterview: "Ich kann Ihnen versichern, dass dieser Krieg nicht
unter irgend einem falschen Vorwand geführt wurde." Das Material, das von Blair in England und
von US-Außenminister Powell in den Vereinten Nationen präsentiert worden sei, habe auf Erkenntnissen
der Geheimdienste beruht. "Wir glaubten damals und wir glauben heute, dass die Iraker chemische und
biologische Waffen und ein Programm hatten, um Atomwaffen zu entwickeln, aber keine Atomwaffen besaßen."
Großbritannien und die USA werden nach Aussage des britischen Premierministers
Tony Blair Beweise für irakische Massenvernichtungswaffen offen legen und in naher
Zukunft veröffentlichen. Blair sagte am Samstag in einem in St. Petersburg aufgenommenen
Fernsehinterview des britischen Senders Sky Television, er habe bereits eine Menge an Informationen
gesehen, die Kritiker nicht hätten.
Blair sagte weiter: "In den kommenden Wochen und Monaten werden wir die Beweise
zusammenstellen und dann werde wir sie den Menschen zeigen." Blair sagte weiter:
"Ich habe überhaupt keinen Zweifel, dass der Beweis für irakische Massenvernichtungswaffen da sein wird."
Die britische Menschenrechtsbeauftragte Ann Clwyd rief die Besatzungstruppen in Irak bei einem
Besuch in Bagdad dazu auf, umgehend Beweise für Menschenrechtsverletzungen unter Saddam
Hussein zu sichern. Die Massengräber müssten erhalten werden, um eine Dokumentation der
Gräueltaten für spätere Gerichtsverfahren zu ermöglichen. Seit Kriegsende sind im ganzen Land
zahlreiche Massengräber gefunden worden.
Amerikanische Truppen nahmen unterdessen 15 weitere Mitglieder der inzwischen verbotenen
Baath-Partei fest. Die Männer hätten sich in der Polizeischule von Bagdad aufgehalten, sagte der
ehemalige New Yorker Polizeichef Bernard Kerik, der das irakische Innenministerium berät. Ihnen
werde Beteiligung an illegalen Aktivitäten vorgeworfen.
Der irakische Botschafter in Deutschland, Muadschad Hussain, wurde vom irakischen Komitee
für den Wiederaufbau des Außenministeriums nach Bagdad zurückgerufen. Dies wurde laut einer
"Spiegel"-Meldung mit notwendigen Konsultationen begründet. Ob der Botschafter, der sich von
Saddam Hussein distanziert hat, nach Deutschland zurückkehrt, war zunächst unklar.
Versöhnung nach dem Krieg im Irak: Das ist das Signal des
Treffens von mehr als 40 Staats- und Regierungschefs im russischen St. Petersburg.
Die Kriegsgegner Deutschland, Russland und Frankreich betonten bei den Feiern zum
300. Jubiläum der Metropole den Willen zur Kooperation mit den USA.
US-Präsident George W. Bush rief die Europäer während seines Besuchs in Krakau dazu auf, ihre
Differenzen über den Irak-Krieg zu begraben und sich im Kampf gegen den Terrorismus zu vereinen.
Die Feinde der Freiheit hätten schon immer auf eine Spaltung der Allianz gesetzt.
Unmittelbar vor einem Treffen von US-Präsident George W. Bush
mit seinem französischen Kollegen Jacques Chirac hat US-Sicherheitsberaterin
Condoleezza Rice erneut schwere Vorwürfe gegen Frankreich erhoben.
"Die amerikanische Macht wurde (von Frankreich) als gefährlicher erachtet als
(der frühere irakische Präsident) Saddam Hussein, um es ganz offen zu sagen",
sagte Rice in einem am Samstag veröffentlichten Interview der französischen
Zeitung "Le Monde". "Dies ist eine Sache, die wir einfach nicht verstehen."
Frankreich zählte genau wie Deutschland und Russland zu den Gegnern des von
den USA geführten Krieges. Die ablehnende Haltung hatte die transatlantischen
Beziehungen erheblich belastet.
Rice erklärte, Frankreich habe den Irak-Krieg nicht nur kritisiert, sondern auch
versucht, die USA in ihrer Machtausübung einzuschränken. Die Amerikaner
hätten nicht verstanden, "warum die Befreiung des Irak nicht als gerechte Sache"
betrachtet worden sei. Die Art und Weise, die die französische Regierung diese
Frage beurteilt habe, habe in den USA für Bestürzung gesorgt.
Ohne Chirac beim Namen zu nennen, wandte sich Rice gegen dessen Kritik an
einigen osteuropäischen EU-Beitrittsländern im Vorfeld des Irak-Krieges. Die
Länder hatten den US-Kurs im Irak-Konflikt unterstützt und waren daraufhin von
Chirac mit dem Ausspruch getadelt worden, sie "hätten eine großartige Gelegenheit
verpasst, den Mund zu halten". Rice sagte, sie verstehe nicht, "warum die osteuropäischen
Länder aufgefordert wurden, sich besser zu benehmen und warum ihnen gesagt wurde, ihre
transatlantische Verpflichtung könne ihre Position in Europa schwächen".
Chirac bezeichnete die französisch-amerikanischen Beziehungen am Freitag vor Journalisten
in St. Petersburg als gut.
(Quellen: rtr, dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Britisches Geimdienst-Dossier zum Irak teilweise Plagiat. Mehr unter:
Möglicher Kiegsgrund: Versorgungssicherheit mit Öl. Mehr unter:
Iran will dem Druck der USA widerstehen
So.01.06.03 - Die iranische Regierung hat amerikanische Vorwürfe über eine
Einmischung im benachbarten Irak energisch zurückgewiesen. Im Nachrichtenmagazin
"Der Spiegel" warf Außenminister Kamal Charrasi Washington blanke "Unkenntnis"
der Verhältnisse in Bagdad vor. Im Irak laufe es nicht so, wie sie es sich gewünscht hätten.
Die USA suchten jetzt nach Schuldigen. Charrasi bezeichnete die US-Soldaten im Irak als
Besatzer. Washingtons Anschuldigungen, sein Land beherberge führende El-Kaida-Mitglieder,
wies er empört zurück. (Quelle: dpa)
USA planen ständige US-Vermittler im Nahen Osten
So.01.06.03 - Die USA wollen im Nahen Osten eine ständige Diplomatenpräsenz
einrichten, um den Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern voranzubringen.
Das sagte US-Außenminister Colin Powell in der Nacht zum Samstag an Bord der Präsidentenmaschine
Airforce One auf dem Flug nach Krakau (Krakow).
"Wir werden in nächster Zukunft in der Region eine Koordinierungsgruppe einrichten, die ausschließlich
aus Amerikanern besteht", sagte Powell. Ihre Aufgabe sei es, Palästinensern und Israelis "rund um die Uhr"
als Vermittler zur Verfügung zu stehen und beim Wiederaufbau der Sicherheitsstrukturen zu helfen.
. Am kommenden Montag fliegt Bush erstmals zu Spitzengesprächen in den Nahen Osten.
Nach Angaben von Powell erwarten die USA bei dem geplanten Dreiergipfel zwischen Bush, dem
palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas und dem israelischen Ministerpräsidenten
Ariel Scharon vor allem eine Bekräftigung der Zustimmung zum so genannten Nahost-Fahrplan für eine
Friedenslösung. "Wenn die Palästinenser und die Israelis sich in Gegenwart des US-Präsidenten verpflichten,
die Schritte zu unternehmen, über die sie gesprochen haben, wäre das ein erfolgreiches Ergebnis", sagte Powell.
Für den Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat hatte Powell nur kritische Worte. "Arafat ist ein gescheiterter
Anführer. Seine jahrelange Führung hat die Palästinenser einem eigenen Staat keinen Schritt und keinen Tag
näher gebracht. Ich hoffe, die Menschen machen sich klar, dass die Zukunft in der neuen Führung liegt, nicht
in der alten."
(Quelle: dpa)
Indien hält Gipfel mit Pakistan für möglich
So.01.06.03 - Die indische Regierung hat im Konflikt mit Pakistan von
langsamen Fortschritten gesprochen und ein Gipfeltreffen in Aussicht
gestellt. "Es gibt eine sehr deutliche Bewegung hin zu einem Gipfel mit
der Lösung von Fragen, die uns trennen", sagte der indische
Verteidigungsminister George Fernandes am Sonntag auf dem Asiatischen
Sicherheitsforum in Singapur. "Die Situation auf dem indischen Subkontinent
hat sich grundlegend geändert."
Beide Staaten verfolgten eine Politik vertrauensbildender Maßnahmen, erläuterte
der Sekretär des Ministers, C.K. Mishra. Allerdings gebe es noch keine konkreten
Terminüberlegungen für ein indisch-pakistanisches Gipfeltreffen.
Seit der Unabhängigkeit von britischer Kolonialherrschaft im Jahr 1947 haben Indien
und Pakistan zwei Kriege um das zwischen beiden Staaten geteilte Kaschmir geführt.
Nach einem Überfall islamischer Separatisten auf das indische Parlament im Dezember 2001
standen die inzwischen über Atomwaffen verfügenden Staaten kurz vor einem dritten Krieg.
Hauptkonfliktpunkt sind die im indischen Teil von Kaschmir tätigen Rebellengruppen, die
einen eigenen Staat oder die Vereinigung mit Pakistan anstreben. Indien wirft Pakistan die
Unterstützung dieser Organisationen vor. (Quelle: ap)
Gewerkschaften in Peru wollen sich gegen Ausnahmezustand wehren
So.01.06.03 - Die peruanischen Gewerkschaften haben am Wochenende zu
weiteren Streiks und Demonstrationen gegen die Regierung und den von
ihr verhängten Ausnahmezustand aufgerufen. Der Präsident des
Gewerkschaftsdachverbands CGTP, Mario Huaman, kündigte für Dienstag
eine friedliche Großdemonstration in der Hauptstadt Lima an. In Arequipa,
750 Kilometer südöstlich gelegen, wurde für den gleichen Tag zu einem
Generalstreik aufgerufen.
Auch die Studenten wollen weiter auf die Straße gehen, nachdem bei
Zusammenstößen mit Soldaten in der Nähe der Stadt Puno, 860 Kilometer
südöstlich von Lima, ein Student erschossen worden war. Ministerpräsident
Luis Solari kündigte die Bildung einer Kommission zur Untersuchung des
Vorfalls an. Der am Dienstag ausgerufene Ausnahmezustand ermächtigt
Polizei und Streitkräfte, gewaltsam Straßenblockaden aufzulösen, die öffentliche
Ordnung wiederherzustellen, Streikende festzunehmen und Häuser ohne richterliche
Anordnung zu durchsuchen.
(Quelle: ap)
«In Peru streiken Campesinos, Lehrer und Angestellte im
Gesundheitswesen seit Tagen gegen die Privatisierung des
Wassers und für bessere Löhne. Jetzt hat die Regierung von
Präsident Toledo den Notstand ausgerufen und den Konflikt
eskalieren lassen» (taz, 30.05.03)
Mehr unter:
«Gipfel der Armen» im westafrikanischen Mali eröffnet
So.01.06.03 - Im westafrikanischen Mali ist der "Gipfel der Armen", eine Gegenveranstaltung
zum G-8-Treffen der Staats- und Regierungschefs der sieben größten Industrienationen
und Russlands, eröffnet worden. Es stehe den Führern der G-8-Staaten nicht zu, die
Zukunft armer Länder fremdzubestimmen, sagte die Präsidentin der malischen Sektion
der Initiative "Jubilé 2000", Barry Aminata Touré, bei der Eröffnungszeremonie in dem
Dorf Siby rund 50 Kilometer von der Hauptstadt Bamako entfernt.
Bei der Veranstaltung soll ein "Idealtyp für die Finanzierung der afrikanischen Entwicklung"
erarbeitet werden. Barry äußerte zugleich Kritik an der Neuen Partnerschaft für Afrikas Entwicklung
(NEPAD), die die G-8-Staaten unterstützen.
An dem bis Dienstag dauernden Treffen nehmen rund 400 Delegierte aus Westafrika, Europa und
Haiti teil, unter ihnen Bauern, Akademiker und Vertreter von Interessengruppen. Siby, wo im
12. Jahrhundert die erste westafrikanische Verfassung verabschiedet wurde, ist schon zum zweiten
Mal Gastgeber des "Gipfels der Armen". Erstmals trafen sich dort im vergangenen Jahr 200 Menschen
parallel zum G-8-Gipfel im kanadischen Kananaskis.
Im französischen Evian kommen am Sonntag die Staats- und Regierungschefs der G-8-Länder zu ihrem
jährlichen Gipfeltreffen zusammen. Im Mittelpunkt der knapp dreitägigen Zusammenkunft stehen der
Nahost-Konflikt, Irak sowie die schwache Weltkonjunktur.
(Quelle: afp)
G-8-Gipfel in Evian:
Militante Proteste begleiten Anreise von Gipfelteilnehmern
So.01.06.03 - Mehrere tausend Kapitalismusgegner haben am
Sonntag die Anreise der Teilnehmer zum G-8-Gipfel am Genfer See mit
militanten Protesten begleitet. Die Polizei ging mit Wasserwerfern und
Tränengas gegen rund 1.500 Demonstranten vor, die im französischen
Grenzort Annemasse die Autobahn blockierten und nach Evian durchzubrechen
versucht. Dort wollen die Staats- und Regierungschefs der G-8-Staaten über die
Lage der Weltwirtschaft und den Stand der internationalen Beziehungen beraten.
In Genf blockierten Demonstranten am Morgen mehrere Brücken, darunter auch
die zentrale Mont-Blanc-Brücke. Zuvor hatten in der Nacht rund 300 Jugendliche
gewaltsam gegen den Gipfel protestiert. Sie zogen in kleinen Gruppen durch die Genfer
Innenstadt, zerstörten Schaufenster, setzten Barrikaden in Brand und warfen
Molotow-Cocktails. Nach Angaben der Polizei entstand erheblicher Sachschaden.
In Lausanne stürmte eine Gruppe von Demonstranten am Sonntagmorgen eine Tankstelle
und verteilte geplünderte Zigaretten und Süßigkeiten an Passanten. Andere Gruppen
zerstörten Telefonzellen und rissen Straßenschilder ab. Die Polizei gab Warnschüsse mit
Gummigeschossen in die Luft ab und setzte Tränengas ein. Der überwiegende Teil von
etwa 1.000 Demonstranten in Lausanne demonstrierte friedlich. Ihr Zorn richtete sich nach
dem Irak-Krieg vor allem gegen US-Präsident George W. Bush und den britischen
Premierminister Tony Blair.
Die Kritiker der wirtschaftlichen Globalisierung haben in Genf und Annemasse zu
Großkundgebungen gegen den G-8-Gipfel in Evian aufgerufen. Dazu werden 30.000
bis 60.000 Teilnehmer erwartet.
Erheblicher Sachschaden entstand in der Nacht zum Sonntag in Genf. Dort zogen
Demonstranten gegen Mitternacht vom Alternativzentrum "L'usine" durch die
Altstadt und das Einkaufsviertel. Sie warfen Steine und Brandsätze gegen
Schaufensterscheiben und Eingangstüren. Mehrere Geschäfte, das Gebäude
des Genfer Stadtrats, die Kantonalbank und das Gebäude der Tageszeitung "Tribune
de Génève" wurden beschädigt. Holzbarrikaden, mit denen sich Banken vor Randalierern
schützen wollten, wurden in Brand gesetzt, ebenso ein Auto. Unter Polizeischutz bekämpfte
die Feuerwehr die Brandherde. "Sie operieren in kleinen Gruppen, was es schwer macht, sie
unter Kontrolle zu bringen", sagte ein Polizeisprecher.
Im französischen Annemasse haben sich am frühen Sonntagmorgen
Hunderte von Demonstranten auf den Weg nach Genf gemacht, von wo
aus zahlreiche Delegationen ins nahe gelegene Evian zum
Weltwirtschaftsgipfel reisen wollen. Die Demonstranten trugen
Transparente mit sich und skandierten Slogans wie "Sie sind
acht, wir sind Milliarden" oder "Widerstand gegen G-8".
Rund 25.000 französische und Schweizer
Polizisten sichern auf beiden Seiten des Genfer Sees den Gipfel.
Taucher suchten den See ab, an Dutzenden Kontrollpunkten wurden
Autos überprüft. Zum Schutz der Staats- und Regierungschefs
wurden Boden-Luft-Raketen in Stellung gebracht.
Die meisten Protestaktionen verliefen bislang eher heiter.
So tanzten rund 20 niederländische Aktivisten am Samstag nackt im Jet d'Eau, dem
140 Meter großen Springbrunnen von Genf, der das Wahrzeichen der
Stadt ist. Sie wollten damit gegen die nach ihrer Ansicht
stattfindende Plünderung der Ressourcen - darunter eben auch
Wasser - der armen Länder durch die reichen Länder protestieren.
(Quellen: ap, rtr)
Protestfeuer rund um den Genfer See
So.01.06.03 - Rund um den Genfer See haben die Gegner des G-8-Gipfels
am Samstagabend dutzende Protestfeuer entfacht. Die "Feux au Lac" standen
als Symbol für den Widerstand gegen den Gipfel und eine durch die G-8 dirigierte
Weltordnung. Vielerorts fanden gleichentags auch Picknicke, Konzerte und Feste statt.
Insgesamt brannten auf schweizerischem und französischem Boden rund um den
Genfer See an die 50 Feuer. Damit wollten die Organisatoren Evian, den diesjährigen
Austragungsort des G-8-Gipfels, einkreisen. Die "Feux aux Lac" richteten sich gegen
den Gipfel und die von der G-8 bestimmten Weltordnung. Darüber hinaus sollten sie
aber auch alle jene vereinen, die sich gegen die «unmenschliche Globalisierung der
heutigen Zeit» wenden, so die Organisatoren.
Für die Protestfeuer wurden vielerorts bis zu zehn Meter hohe Holzhaufen aufgebaut.
Die meisten Protestfeuer brannten im Waadtland, aber auch auf der anderen Seeseite in
Frankreich und in den Kantonen Genf und Wallis wurden die flammenden Zeichen gesetzt.
Neben den Feuern fanden am Samstag vielerorts auch Diskussionen, Feste, Konzerte und
Essen im Freien statt. Die Kundgebungen verliefen laut Angaben der Waadtländer
Polizei bis am späten Abend friedlich. (Quelle: ap)
«Aus ganz Europa reisen Globalisierungskritiker an diesem Wochenende in das französische Evian, um
gegen die G-8 zu protestieren, George Bush demonstriert geringes Interesse» (telepolis, 31.05.03
Mehr unter:
«Mobilisierung gegen den G-8-Gipfel in Evian»
Die G-8 wird vom 1. bis 3. Juni in Evian am Genfer See zusammenkommen.
Aus diesem Anlaß und vor dem Hintergrund des Krieges im Irak, der
angloamerikanischen Besetzung des Landes und der Fortsetzung der neoliberalen
Politik veranstalten Globalisierungs-Kritiker einen "G-8-Gegengipfel"
mit zahlreichen Debatten, Konferenzen und Protestaktionen.
Mehr unter:
Offizielle Homepage des G-8-Treffens 2003 in Evian:
«Blick ins Archiv»
G-8: Exklusiver Club der großen Industriestaaten
Drohnen und Boden-Luft-Raketen sollen G-8-Gipfel schützen
Mehrere hunderttausend Demonstranten bei G-8-Gipfel erwartet
G-8-Gipfel in Evian: Proteste der Globalisierungskritiker haben begonnen.
G-8-Gegner: «Bush ist nicht nachhaltig»
Fr.30.05.03 - Am Genfer See hat am Donnerstag der Aufmarsch
der G-8-Gegner begonnen. Mit mehreren Zügen trafen mindestens 4.000
Demonstranten in Genf und Lausanne ein. Die Situation blieb vorerst ruhig. Mehr unter:
3000 Menschen protestieren in Genf gegen G-8-Gipfel
Sa.31.05.03 - Zwei Tage vor Beginn des G-8-Gipfels in Frankreich haben im schweizerischen
Genf bis zu 3000 Menschen gegen das Treffen protestiert. Mehr unter:
Genua: Verfahren gegen 93 G-8-Gipfel-Demonstranten eingestellt
«Demokratische Finsternis» G-8-Gipfel 2001 | Genua, Italien
Polizeistaatlicher Auftritt der Staatsmacht anläßlich des Treffens der G-8 in Genua.
Massive Angriffe auf die Menschenwürde, auf Freiheit, auf körperliche Integrität.
Nachrichten, Berichte, Hintergrund-Informationen
Eingeständnisse nach G-8-Gipfel in Genua:
Do.09.01.03 - Eineinhalb Jahre nach den blutigen
Ausschreitungen beim G-8-Gipfel in Genua hat die
italienische Polizei jetzt schwere eigene Rechtsverstösse
eingeräumt. Wie italienische Zeitungen am Mittwoch
berichteten, gaben Polizeibeamte zu, nach einer Razzia in
einer Schule, in der Globalisierungskritiker übernachteten,
Beweise gefälscht zu haben. So seien von der Polizei zwei
Molotow-Cocktails in die Schule geschmuggelt worden, um
so die Demonstranten zu belasten, hiess es.
Bei der Razzia waren etliche Demonstranten von
Sondereinheiten der Polizei verprügelt und zum Teil schwer
verletzt worden. Viele von ihnen wurden vorübergehend
festgenommen.
Die Razzia hatte in der Nacht auf den 22. Juli 2001
stattgefunden, wenige Stunden nachdem ein junger
Demonstrant von einer Polizeikugel tödlich getroffen
worden war. Wegen der Gewaltexzesse am Rande des
G-8-Gipfels war Italiens Polizei scharf kritisiert worden.
(Quelle: nzz/dpa) Mehr unter:
Für den Schuldenerlass armer Länder
So.01.06.03 - Gegen 300 Menschen haben am Samstag an der Universität in
Genf einem Forum zum Thema Schuldenerlass für arme Länder beigewohnt.
Die Veranstaltung war Teil des am Samstag zu Ende gegangenen Gegengipfels
zum G-8-Treffen. Das Komitee für den Schuldenerlass für Entwicklungsländer
(CADTM) übte dabei scharfe Kritik am Internationalen Währungsfonds (IWF)
und der Weltbank. Die Völker des Südens würden unter der enormen Schuldenlast
erdrückt. Das Komitee kündigte an, rechtliche Schritte ins Auge zu fassen, um gegen
diese Institutionen vorzugehen. Auch Vertreter von Nichtregierungsorganisationen
aus Asien, Lateinamerika und Afrika meldeten sich zu Wort und sprachen über den
in ihren Ländern geführten Kampf. Mit dem Gegengipfel wollten zahlreiche
Nichtregierungsorganisationen der als illegitim empfundenen G-8 eine alternative
Stimme entgegensetzen.
(Quelle: ap)
Petersburg-Gipfel will «Europa ohne Trennlinien»
So.01.06.03 - Die EU will nach ihrer Osterweiterung mit dem
zukünftigen Nachbarn Russland ein "Europa ohne Trennlinien" aufbauen.
Die EU forderte den Kreml auf, die internationale Gemeinschaft in die Lösung
des Tschetschenien-Konflikts einzubeziehen.
Russlands Präsident Wladimir Putin hat auf dem
EU-Russland-Gipfel seine Besorgnis über Auswirkungen der EU-Erweiterung auf
Russland bekräftigt.
"Die Erweiterung soll Russlands Beziehungen zu Europa stärken, nicht schwächen",
sagte Putin am Samstag in St. Petersburg. Die Gipfelteilnehmer kamen überein, ein
Ende des Visumzwangs für russische Bürger bei Reisen in die EU zu prüfen. In dem
seit Jahren schwelenden Tschetschenien-Konflikt gratulierte der britische
Premierminister Tony Blair Putin zu dessen Friedensplan. EU-Kommissionspräsident
Romano Prodi fasste die Atmosphäre so zusammen: "Ich habe Wladimir (Putin) gesagt,
dass wir jetzt wie Wodka und Kaviar sind."
Rahmen des EU-Russland-Gipfels war die 300-Jahr-Feier St. Petersburgs, zu der am
Samstag auch US-Präsident George W. Bush anreiste. Damit trafen in Putins Heimatstadt
Gegner und Befürworter des US-geführten Irak-Kriegs zusammen, der tiefe Gräben zwischen
den USA und einigen ihrer europäischen Verbündeten offen gelegt hatte. Bush hatte zuvor
gegenüber den Kriegsgegnern Frankreich und Russland versöhnliche Töne angeschlagen.
Vor seinem Abflug nach St. Petersburg hatte Bush im polnischen Krakau die Bedeutung
des transatlantischen Bündnisses bekräftigt. "Jetzt ist nicht die Zeit, in einer großartigen Allianz
Uneinigkeit zu schüren", sagte der US-Präsident.
Bei dem EU-Russland-Gipfel, an dem auch die zehn Beitrittsländer teilnahmen, verständigten
sich die Staats- und Regierungschefs auf einen ständigen Partnerschaftsrat, um die gemeinsamen
Beziehungen aufzuwerten. Bundeskanzler Gerhard Schröder begrüßte die Aussicht auf mehr
Reisefreizügigkeit: "Es schafft eine Perspektive - noch nicht mehr, aber immerhin eine Perspektive -
für visafreien Reiseverkehr", sagte Schröder.
Thema des Abschlusskommuniques war auch die Lage in Tschetschenien. Die EU und Russland
hofften auf eine echte Aussöhnung und die "Wiederherstellung der Herrschaft des Rechts und
damit zum Schutz der Menschenrechte", hieß es. "Jede Art Gewalt, besonders terroristische Anschläge",
würden verurteilt. In der Kaukasus-Republik kämpfen moslemische Rebellen seit Jahren gegen die russische
Zentralregierung. Bei einem Referendum im März hatte sich die Mehrheit der Bevölkerung für Verfassungsänderungen
ausgesprochen, die Tschetschenien enger an Russland anbinden sollen. Blair bezeichnete die Volksabstimmung
in St. Petersburg als "sehr wichtigen Schritt nach vorn."
Ebenfalls ins Schlusskommunique aufgenommen wurde das Klimaschutzprotokoll von Kyoto, das von Russland
bislang nicht ratifiziert wurde. Schröder erklärte dazu: "Mein Eindruck ist, dass die Aufnahme dieses Bereichs in
das Papier auch zeigt, dass die russische Seite ernsthaft gewillt ist, für die Ratifizierung zu sorgen."
(Quellen: dpa, rtr)
«Dokumentation: Das Abschlusskommuniqué»
Sa.31.05.03 - Der EU-Russland-Gipfel in St. Petersburg hat sich in seinem
Abschlusskommuniqué zum Ausbau der Zusammenarbeit, zur angestrebten
Visafreiheit und zu Tschetschenien geäußert. dpa dokumentiert Auszüge:
«Wir, die Staats- und Regierungschefs der Russischen Föderation und der Europäischen
Union, hielten im Zusammenhang mit dem 300. Geburtstag von St. Petersburg ein sehr
konstruktives Treffen ab. Wir begrüßten die Teilnahme der Staats-und Regierungschefs
der EU- Beitrittsländer am heutigen Gipfeltreffen, die als künftige Mitglieder des
Partnerschaftsabkommen zwischen der EU und Russland eingeladen wurden. (...)
- Starke und leistungsfähige Gremien, die sich mit allen Bereichen der Zusammenarbeit
befassen, sind (...) von wesentlicher Bedeutung. Zu diesem Zweck beschlossen wir, den
bestehenden Kooperationsrat als "Ständigen Partnerschaftsrat" zu stärken. (...)
- Wir kamen überein, alle notwendigen Anstrengungen zu unternehmen, (...) dass das
Kyoto-Protokoll zu einem schlagkräftigen Instrument zur Lösung des Problems der
globalen Erwärmung wird. (...)
- Wir sind übereingekommen, intensive Gespräche über die Auswirkung der Erweiterung
auf die Beziehungen zwischen Russland, der EU und den Beitrittsländern zu führen. (...)
- Wir bekräftigten unsere gemeinsame Auffassung, (...) ein neues Europa ohne Trennlinien
aufzubauen und dadurch die Reisetätigkeit und Kontakte zwischen allen Europäern zu erleichtern.
- Die EU und Russland kamen überein, die Bedingungen für Reisen ohne Visazwang als
langfristige Perspektive zu prüfen. (...)
- Wir nehmen das vor kurzem in der Republik Tschetschenien der Russischen Föderation
durchgeführte Referendum zur Kenntnis. (...) Wir verurteilen jede Art von Gewalt, insbesondere
terroristische Gewalttaten, die die Aussichten auf eine politische Lösung gefährden könnten.
Wir waren uns darin einig, dass internationale Organisationen in enger Zusammenarbeit mit den
russischen Behörden einen erheblichen Beitrag leisten können. (...)»
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