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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Di.03.06.03, 12:45 Irak am sechsundsiebzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Streit um irakische Waffen +++
Weißes Haus setzte offenbar Powell vor Irak-Krieg unter Druck +++
Saddam tarnte angeblich Waffenprogramm +++
Letzter Blix-Bericht: Keine Beweise für Iraks Waffenprogramm +++
Irakische Soldaten protestieren wiederholt gegen Auflösung der Streitkräfte +++
Di.03.06.03 - Der amerikanische Kongress will klären, ob die Regierung Bush die
Gefahr durch irakische Massenvernichtungswaffen übertrieben hat. Zwei Ausschüsse
des Senats wollen wahrscheinlich noch in diesem Monat gemeinsame Anhörungen
durchführen, teilte der republikanische Senator John Warner nach Medienberichten
vom Montag mit. Warner sagte zur Begründung, dass die Glaubwürdigkeit besonders
von Präsident George W. Bush, Außenminister Colin Powell, Verteidigungsminister
Donald Rumsfeld und CIA-Direktor George Tenet in Zweifel gezogen werde.
Die USA und Großbritannien stehen fast zwei Monate nach dem Irak- Krieg im Kreuzfeuer
internationaler Kritik. Ihnen wird vorgeworfen, sie hätten die Gefährdung durch diese
Waffen dramatisiert, um einen Grund für den Irak-Krieg zu haben. In einem ins Internet
gestellten Memorandum beschuldigten auch frühere US-Geheimdienstexperten die
Regierung, noch nie seien Geheimdienstinformationen auf solch systematische Art
verdreht worden, um die Zustimmung des Kongresses für einen Krieg zu gewinnen.
CIA-Direktor Tenet hat dies bestritten und die "Integrität" der Informationssammlung
verteidigt.
Das Weiße Haus und das US-Verteidigungsministerium haben einem
Pressebericht zufolge im Vorfeld des Irak-Kriegs erheblichen Druck auf
Außenminister Colin Powell ausgeübt, der die Argumentation der Regierung
mit Skepsis betrachtet haben soll. Der erste Entwurf für Powells Rede vor dem
UN-Sicherheitsrat am 5. Februar, in der er angebliche Beweise für die Existenz
irakischer Massenvernichtungswaffen präsentierte, sei vom Büro des Vizepräsidenten
Dick Cheney und vom Nationalen Sicherheitsrat ausgearbeitet worden, berichtete das
US-Magazin "US News and World Report" in seiner am Freitag erscheinenden Ausgabe.
Der russische Vizeaußenminister Juri Fedotow forderte die USA am Montag in Moskau
auf, den Vereinten Nationen bereits am Donnerstag einen Bericht über die Waffenprogramme
des Iraks vorzulegen. "Diese Frage kann sich nicht ewig hinziehen", sagte er nach Angaben
der Agentur Interfax. Am Donnerstag steht laut Fedotow auch der Quartalsbericht der
UN-Waffeninspekteure zur Beratung im Rat an.
Washington und London erklären sich davon überzeugt, die Existenz irakischer
Massenvernichtungswaffen nachweisen zu können.
Iraks Ex- Machthaber Saddam Hussein soll nach Angaben eines
irakischen Wissenschaftlers in den letzten Jahren chemische und biologische Waffen
in Industrieanlagen getarnt haben. In solchen Einrichtungen hätten sie jederzeit produziert
werden können, berichtet der Forscher. Die Aussagen des Irakers vom 7. Mai wurden der
"Washington Post" von der US-Regierung zur Verfügung gestellt, wie das Blatt am Montag
berichtete. Zwei im Nordirak gefundenen Lastwagen, die nach Angaben Washingtons als
mobile Labors zur Herstellung von biologischen Kampfstoffen ausgestattet waren, seien
Beweis für diese Strategie.
Die UN-Inspektoren in Irak hatten nach Angaben
ihres Chefs Hans Blix keine Beweise, dass Saddam Hussein im Besitz
von Massenvernichtungswaffen war. Es habe aber zahlreiche Hinweise
auf chemische und biologische Waffen gegeben, schrieb Blix in seinem
am Montag vorgestellten Abschlussbericht für den Weltsicherheitsrat.
Trotz ihrer Erkenntnisse hätten die USA und Großbritannien die
UN-Experten daran gehindert, nach dem Krieg nach Irak zurückzukehren
um bei der Suche nach den Waffen zu helfen.
Blix sagte, den Inspektoren habe die Zeit gefehlt, späte Hinweise der
irakischen Regierung zu überprüfen. So hätten zahlreiche Iraker, die
bei der Zerstörung von Milzbrandsporen nach dem ersten Golfkrieg 1991
beteiligt gewesen sein sollen, nicht mehr befragt werden können.
Blix, der am 30. Juni als Chef der UN-Abrüstungskommission (UNMOVIC)
ausscheidet, sagte, seine Leute seien bereit, ihre Arbeit in Irak wieder
aufzunehmen. Sein Bericht wird voraussichtlich am Donnerstag im
Weltsicherheitsrat erörtert.
In Bagdad demonstrierten am Montag rund 1500 Offiziere der irakischen Armee gegen die
Auflösung ihrer Einheiten durch die amerikanische Zivilverwaltung. Die Demonstranten, die
meisten von ihnen im fortgeschrittenen Alter, forderten außerdem die Auszahlung ihrer Gehälter
für die Monate April und Mai.
Die US-Armee fasste unterdessen in der nordirakischen Stadt Kirkuk nach Angaben des
amerikanischen Zentralkommandos in Katar einen ehemaligen Leibwächter von Saddam
Husseins Sohn Udai. Bei der gleichen Razzia seien am Sonntag außerdem sechs andere
mutmaßliche Angehörige des alten Regimes festgenommen worden. (Quelle: dpa)
G-8-Staaten fordern «vollständig souveränen» Irak
Di.03.06.03 - Die G-8-Staaten haben sich für einen "vollständig souveränen, stabilen und
demokratischen" Irak ausgesprochen. Nach dem Krieg müssten der Frieden
gesichert und das Land wiederaufgebaut werden, hieß es in der Schlusserklärung
des Gipfels von Evian, die der Nachrichtenagentur AFP vorab vorlag. Eine
Friedensregelung im Nahen Osten müsse auch Syrien und Libanon umfassen.
Bei einer Demonstration gegen den G-8-Gipfel am Genfer See war es in der Nacht
erneut zu Ausschreitungen gekommen.
Die Staats- und Regierungschefs der G-8-Gruppe kamen in Evian zur Abschluss-Sitzung
ihres jährlichen Gipfeltreffens zusammengekommen. In Abwesenheit von US-Präsident
George W. Bush sollten die übrigen Verantwortlichen der sieben wichtigsten Industriestaaten
und Russlands die Schlusserklärung des dreitägigen Gipfels verabschieden. Am Mittag soll
Gastgeber Jacques Chirac die Ergebnisse vorstellen. Dabei wollen die G8 angesichts der
Wirtschaftskrise ihr Vertrauen in die Konjunktur bekräftigen, Afrika weitere Hilfe zusagen,
zusätzliche Maßnahmen gegen Terror und die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen
beschließen.
Polizisten aus Deutschland und der Schweiz räumten eine Brücke im schweizerischen Genf,
die rund 500 Gipfelgegner zuvor über Stunden hinweg blockiert hatten, wie ein Sprecher der
Genfer Polizei kurz nach Mitternacht mitteilte. Die Einsatzkräfte setzten Wasserwerfer ein. Genf
liegt rund 40 Kilometer vom französischen Tagungsort Evian entfernt am südlichen Ende des
Genfer Sees. (Quelle: afp)
G-8 erwartet Konjunkturbelebung im zweiten Halbjahr
Di.03.06.03 - Die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden
Industrienationen und Russlands (G-8) haben sich optimistisch über die
Aussichten für eine Belebung der Wirtschaft in der zweiten Hälfte dieses
Jahres geäußert. Sie unterstrichen die Notwendigkeit von Strukturreformen
und sprachen über die Schwäche des US-Dollars, wobei sie nach Angaben
der deutschen Regierung aber Interventionen an den Devisenmärkten ablehnten.
"Rund um den Tisch herrschte mehr Optimismus", sagte der britische
Premierminister Tony Blair am Montag am Rande des G8-Gipfeltreffens
im französischen Evian. Der Beauftragte von Bundeskanzler Gerhard Schröder
für den Gipfel, Alfred Tacke, erklärte: "Für mich war überraschend die
Übereinstimmung in der Erwartung einer positiven Entwicklung im zweiten
Halbjahr." Die US-Regierung habe bestätigt, dass sie weiterhin an der Politik
eines starken Dollars festhalte, Interventionen am Devisenmarkt gegen die
Dollarschwäche aber ablehne. Schröder habe die Gefahr einer Deflation, vor
der der Internationale Währungsfonds (IWF) gewarnt hatte, "ausgeschlossen".
Von europäischen Teilnehmern sei nach Angaben aus die Erwartung einer
Leitzinssenkung in der Euro-Zone bekräftigt worden.
Noch ist nach Angaben aus G8-Kreisen offen, ob in der Schlusserklärung des
Gipfeltreffens das Thema Währungsentwicklung und -politik überhaupt
angesprochen wird. US-Präsident George W. Bush hatte auf dem Gipfel
noch einmal über seinen Sprecher Ari Fleischer erklären lassen, seine
Regierung strebe einen starken Dollar an. Letztlich entscheide aber der
Markt über den Dollarkurs, und daher sei es entscheidend, eine Politik zu
betreiben, die die US-Wirtschaft wieder zu mehr Wachstum führe. Vor
dem Gipfel hatte es noch von verschiedenen Teilnehmerregierungen
geheißen, das Thema Währungen werde auf dem Treffen nicht zur
Sprache kommen. Der schwache Dollar erschwert die Exporte von
Japan und den EU-Ländern, hilft aber der US-Exportwirtschaft.
Nicht nur Blair und Tacke, auch andere Gipfelteilnehmer sprachen von
einer steigenden Zuversicht, dass es bald zu einem wirtschaftlichen
Aufschwung weltweit kommen könnte. Nach dem Ende des Irak-Krieges
und der damit verbundenen Unsicherheiten, angesichts rückläufiger
Ölpreise, niedriger Inflationsraten und geringer Zinsen seien die
Bedingungen dafür gut.
Blair führte die angestrebten Renten- und Sozialreformen in Deutschland
und Frankreich an, die die Bedingungen für die Wirtschaft verbessern
sollten. Die Umsetzung dieser Vorhaben könnten die Aussichten weiter
verbessern. Tacke sagte, die G8-Partner hätten Schröder mit Blick auf die
große Parteitagsmehrheit für seine Sozialreformen gratuliert und beurteilten
die Reformpolitik der Bundesregierung positiv. Allerdings sagte ein G8-Delegierter,
es bestehe Unsicherheit, wer von den großen Industrieländern die Rolle der
Wachstumslokomotive für die Weltwirtschaft übernehmen und den Aufschwung
anstoßen könne.
Einige europäische G8-Mitglieder hätten zudem die Erwartung geäußert, dass die
Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen bald senkt. Marktteilnehmer rechnen
am Donnerstag damit.
Einig war sich der Gipfel nach Tackes Worten, dass die laufende Verhandlungsrunde
über einen freieren Welthandel zum Erfolg geführt werden müsse. In einer Erklärung
bekannte sich der Gipfel zur Notwendigkeit, hier voranzukommen, um Wachstum und
Stabilität weltweit zu schaffen. Eine Lösung zu strittigen Fragen wie zum Abbau von
Agrarsubventionen und zum Marktzugang der armen Länder zu Medikamenten gegen
Aids und andere Erkrankungen solle in naher Zukunft gefunden werden. Auch wollen
die G8 den Kampf gegen den internationalen Terrorismus intensivieren und über eine
Anti-Terror-Aktionsgruppe andere Länder bei diesem Kampf beraten und unterstützen.
In einer weiteren Erklärung bekundeten die G8 den Willen, für eine bessere
Unternehmensführung, mehr Transparenz im Geschäftsleben und mehr Marktdisziplin
zu sorgen. Nur so könne das Vertrauen in die Wirtschaft verbessert werden. Auch die
soziale Verantwortung der Unternehmen und der Kampf gegen Korruption wurde von
den G8 betont.
Der G8-Gipfel geht am Dienstag zu Ende.
(Quelle: rtr)
Attac-'Tribunal' verurteilt IWF, Weltbank und G-8
Di.03.06.03 - Ein "Tribunal" von
Globalisierungskritikern hat am Samstag anlässlich
des G-8-Gipfels in Frankreich internationale
Organisationen wie den Internationalen
Währungsfonds (IWF) und die Weltbank "verurteilt".
Bei der von der globalisierungskritischen
Organisation Attac nachgestellten
Gerichtsverhandlung in Annemasse, 40 Kilometer
von Evian, wurde den Organisationen vorgeworfen,
durch ihre Politik Mitverantwortung an der Lage
armer Länder und ihrer Bevölkerungen zu tragen.
"Verteidiger", in weiße Masken gekleidete
Globalisierungskritiker, versuchten während des
Prozesses die Vorwürfe zu entkräften. Dabei hätten die
Anwälte Argumente aus offiziellen Dokumenten der
Organisationen vorgebracht, betonte die "Vorsitzende
Richterin" und Generalsekretärin von Attac Frankreich,
Michèle Dessenne. Offenbar aber wenig überzeugend.
Aus den Reihen der 300 Zuschauer hagelte es Buhrufe
und am Ende stand die Verurteilung: IWF und
Weltbank wurden zu einer größeren Transparenz ihrer
Politik verdonnert, die Welthandelsorganisation WTO
unter die Vormundschaft der Vereinten Nationen
gestellt und der Europäischen Union eine Totalrevision
ihrer Verträge auferlegt. Am härtesten traf es die G-8
aus den sieben wichtigsten Industriestaaten und
Russland. Für sie sahen die abstimmenden Teilnehmer
nur eine mögliche Sanktion: die sofortige Auflösung.
(Quelle: apa)
(Quelle: apa)
«Die Krise der Antiglobalisierungsbewegung»
«Wenige Monate nach ihrem Entstehen ist die Antiglobalisierungsbewegung bereits in der Krise. Sehr wenige
haben Lust es offen zu sagen. So groß und so zahlreich waren die Erwartungen, die uns alle bis vor zwei
Monaten animierten. Die Dinge müssen jedoch beim Namen genannt werden...»
Mehr unter:
«G-8-Gipfel in Evian: Die Programmierer der Neuen Weltordnung suchen den Fehler ihres Systems»
«...Wir, die Menschen, stehen nicht auf der Agenda des Krisengipfels. Wozu
auch? Die allermeisten von uns halten die Matrix für die Wirklichkeit. Wir
merken gar nicht, wie wir von den Maschinen ausgesaugt werden. Viele
schließen sich freiwillig stundenlang an Mobilphone und Laptops an, als
lägen sie auf der Intensivstation und könnten nur durch Gerätemedizin
überleben. Ihnen ist ihr virtueller Schatten wichtiger geworden als ihre
biologische Präsenz - sie verwechseln SMS mit zwischenmenschlicher
Kommunikation und den Chatroom mit einer gemütlichen Kneipe. Der
Orgasmus kommt von Lara Croft und kostet via Highspeed-ISDN nur 29
Cent pro Minute. Die Verkündigungen der großen Illusionsmaschine hören
wir gern: Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke.
"Not in Our Name" ist unser Motto. Soll heißen: Wir wollen nichts damit zu
tun haben.
Die Herren in Evian fürchten nicht uns, sondern die Selbstzerstörung ihres
Systems. ..» (Aus: Jürgen Elsässer - "Virus in der Matrix", "freitag" vom 30.05.03)
Mehr unter:
«Mobilisierung gegen den G-8-Gipfel in Evian»
Die G-8 wird vom 1. bis 3. Juni in Evian am Genfer See zusammenkommen.
Aus diesem Anlaß und vor dem Hintergrund des Krieges im Irak, der
angloamerikanischen Besetzung des Landes und der Fortsetzung der neoliberalen
Politik veranstalten Globalisierungs-Kritiker einen "G-8-Gegengipfel"
mit zahlreichen Debatten, Konferenzen und Protestaktionen.
Mehr unter:
Offizielle Homepage des G-8-Treffens 2003 in Evian:
Alternative Berichterstattung über den G-8-Gipfel:
G-8-Gipfel-Spezial des österreichischen "Standard":
G-8 Hintergrundinformationen, Berichte:
Streit um Siedlungen vor Nahost-Dreiergipfel in Akaba
Di.03.06.03 - Zwei Tage vor dem Nahost-Gipfel im jordanischen Akaba hat
sich zwischen Israelis und Palästinensern keine Einigung auf eine gemeinsame
Friedenserklärung abgezeichnet. Israel werde nur wenige von mehr als 100
Siedlungsvorposten aufgeben, hieß es am Montag aus Jerusalem. Die Palästinenser
wiederum haben nach wie vor Vorbehalte, Israel als jüdischen Staat anzuerkennen.
Mit dem Gipfeltreffen von US-Präsident Georg W. Bush, dem israelischen Ministerpräsidenten
Ariel Scharon sowie seinem palästinensischen Kollegen Mahmud Abbas soll am Mittwoch
der Fahrplan zum Frieden in der Region offiziell beginnen. Ein ranghoher Mitarbeiter der israelischen
Regierung sagte am Montag, jede Seite werde wegen der ungelösten Streitpunkte eine eigene
Erklärung abgeben. US-Außenminister Colin Powell zeigte sich dennoch zuversichtlich.
«Das Schreiben von Erklärungen dauert immer bis zur letzten Minute», sagte er in Rom. Das
bisher Erreichte sei «ermutigend».
Scharon hatte am Sonntag nach Angaben aus Kabinettskreisen in Aussicht gestellt, er werde
bei dem Gipfel der Räumung aller illegalen Außenposten in den palästinensischen Gebieten
zustimmen. Dazu sagte sein Berater Salam Schowal am Montag, Israel werde nur die Posten
abbauen, die für die Sicherheit des Landes nicht notwendig seien. Dies würde von den mehr
als hundert Posten offenbar nur zehn betreffen, berichtete die Zeitung «Haaretz» am Montag.
Am Wochenende hatte Israel die Abriegelung der palästinensischen Gebiete gelockert. Dadurch
konnten mehrere tausend Palästinenser erstmals seit zwei Wochen wieder in Israel arbeiten. Am
Montag kamen etwa 10.000 Bewohner des Gazastreifens und des Westjordanlands nach Israel,
wie der israelische Rundfunk berichtete.
Abbas bemühte sich am Montag weiter um eine Waffenstillstandserklärung militanter Organisationen
wie der Hamas. Der palästinensische Präsident Jassir Arafat sagte der in London erscheinenden
arabischen Zeitung «Al Hajat», eine Waffenstillstandserklärung könne in den nächsten Tagen
zu Stande kommen.
Bush will die arabischen Länder zu einer stärkeren Unterstützung von Abbas bewegen. Bei seinem
für Dienstag geplanten Treffen mit arabischen Staatschefs in Ägypten hoffe Bush auf konkrete
Zusagen zur Förderung des Nahost-Friedensprozesses, verlautete am Montag aus Kreisen der
US-Delegation beim G-8-Gipfel im französischen Evian.
Bush sagte: «Meine Absicht im Nahen Osten ist, alle verantwortlichen Parteien an ihre Verantwortung
für den Frieden zu erinnern». Der US-Präsident versprach in Evian ferner ein dauerhaftes Engagement
der USA im Friedensprozess: «Mein Land und ich werden so viel Zeit wie nötig aufwenden, um die
Vision von zwei friedlich nebeneinander existierenden Staaten zu verwirklichen.»
Am Sonntagabend wurde ein 17-jähriger Palästinenser im Gazastreifen von israelischen Soldaten
angeschossen und schwer verletzt, wie Augenzeugen berichteten. Die Schüsse seien gefallen,
als der 17-Jährige in Beit Hanun vor einem Panzer die Straße überquert habe, hieß es. In der Stadt
Gaza wurde ein Palästinenser erschossen, nachdem er das Feuer auf den Kontrollposten Kissufim
eröffnete, wie die israelische Armee mitteilte.
(Quelle: ap)
350 Zivilisten bei neuem Massaker in Kongo getötet
Di.03.06.03 - Bei einem neuen Massaker im Nordosten der Demokratischen Republik
Kongo sind am Wochenende offenbar fast 350 Menschen getötet worden.
Bei den Toten handele es sich überwiegend um Zivilisten, sagte der Sprecher
einer zur Bevölkerungsminderheit der Hema gehörenden Miliz. Sie seien von
Kämpfern der Lendu-Bevölkerungsmehrheit ermordet worden, sagte der
Sprecher der Partei der Einheit und der Wahrung der Integrität Kongos
(PUSIC). Die Bundesregierung will ihre Beteiligung an einer Mission in der
Demokratischen Republik Kongo nicht vor einer Entscheidung auf EU-Ebene
festlegen.
Das Massaker wurde in der Ortschaft Tchomia rund 50 Kilometer östlich der
Provinzhauptstadt Bunia nahe der Grenze zu Uganda verübt. Am Samstagmorgen
hätten die Milizen in einem Einkaufszentrum mehr als 250 Menschen getötet, sagte
der Sprecher. Im Krankenhaus seien 37 Menschen erwürgt und mit Macheten
niedergemetzelt worden. Eine unabhängige Bestätigung der Angaben liegt bislang
nicht vor.
Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Walter Lindner, erinnerte daran, dass die
Lage in dem zentralafrikanischen Land als Besorgnis erregend eingeschätzt werde.
Außenminister Joschka Fischer (Grüne) habe gesagt, dass die Staatengemeinschaft
nicht tatenlos zusehen dürfe. Allerdings sei es auch kompliziert, für Frieden zu sorgen.
Frankreich habe sich bereit erklärt, die Führungsrolle für eine Blauhelmmission zu
übernehmen. Deutschland stelle nach den Worten von Staatssekretärin Kerstin
Müller (Grüne) schon knapp 10.000 Soldaten weltweit. Dies müsse angesicht der
Kapazitäten berücksichtigt werden. Die Debatte in der EU dauere aber noch an.
(Quelle.afp)
Auch neuer EU-Verfassungsentwurf stößt auf Kritik EU-Kommission
Di.03.06.03 - Das Konventspräsidium hat am Montag einen neuen
überarbeiteten Entwurf für eine europäische Verfassung vorgelegt, der
allerdings erneut auf Kritik gestoßen ist. Der Sprecher der EU-Kommission,
Stefaan De Rynck, sagte in Brüssel zu Journalisten: "Der uns vorliegende
Text ist unzureichend." Dies sei kein Kompromiss.
Auch der überarbeitete Entwurf hält an dem Amt eines ständigen EU-Präsidenten
fest. Damit soll das derzeitige System der halbjährlich rotierenden Ratspräsidentschaft
abgelöst werden. Dies wird vor allem von der EU-Kommission und den kleineren
EU-Staaten abgelehnt, die eine Dominanz vor allem der zwei großen Mitgliedstaaten
Deutschland und Frankreich befürchten. Über den neuen Verfassungsentwurf soll am
Donnerstag und Freitag im 105-köpfigen Konvent beraten werden.
Der deutsche Außenminister Joschka Fischer hatte am vergangenen Freitag den
bisherigen Verfassungsentwurf des Konventspräsidiums in Teilen kritisiert und die
Einführung von Mehrheitsentscheidungen in der EU-Außen- und Sicherheitspolitik
gefordert. Dass in dem Entwurf an der Einstimmigkeit festgehalten werde, sei
enttäuschend und "ein großer Schritt zurück", sagte Fischer bei einer Sitzung
des Konvents in Brüssel. Dies werfe für die Handlungsfähigkeit der Union «mehr
als ein Fragezeichen auf».
Der Konvent soll dem EU-Gipfel am 20. Juni in Saloniki den Entwurf für eine
Verfassung vorlegen. Danach soll der Entwurf im Herbst von den Mitgliedstaaten
in einer Regierungskonferenz erörtert werden. Bis Jahresende soll die Verfassung
verabschiedet sein, damit die EU-Institutionen auf die Aufnahme von zehn neuen
Mitgliedern am 1. Mai 2004 vorbereitet sind.
(Quelle: ap)
Union will wesentliche Teile der Reformagenda mittragen
Di.03.06.03 - Die Union hat nach dem SPD-Sonderparteitag Unterstützung
für wesentliche Teile der Reform-Agenda von Bundeskanzler Gerhard Schröder
angekündigt. Vorbehalte äußerten die Spitzen von CDU und CSU aber bei den
Themen Gesundheitsreform und Kündigungsschutz.
Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel ließ am Montag erkennen, dass es gemeinsame
Positionen vor allem bei den geplanten Kürzungen im Rentensystem und bei
Arbeitslosengeld und -hilfe gibt. Kritik äußerten Merkel und CSU-Chef Edmund
Stoiber dagegen an dem Plan, das Krankengeld nur noch vom Arbeitnehmer
finanzieren zu lassen. Die Vorhaben der Regierung beim Kündigungsschutz
wiesen sie als unzureichend zurück. Die Reformen der Regierung sind in Teilen
vom Votum des unionsdominierten Bundesrates abhängig. Nach der großen
Zustimmung des SPD-Sonderparteitags zur Agenda 2010 gibt es unter den
Initiatoren des SPD-Mitgliederbegehrens Überlegungen, den Basis-Entscheid
einzustellen.
Merkel sagte nach einer CDU-Präsidiumssitzung in Berlin, die Reformagenda
beinhalte Trippelschritte in die richtige Richtung. Grundätzlich sei die Union bereit,
die von der Regierung geplante Kürzung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes
auf 18 Monate mitzutragen. Auch einer Zusammenlegung von Arbeitslosen- und
Sozialhilfe könne die Union zustimmen. Merkel unterstützte weiter die Pläne von
Bundessozialministerin Ulla Schmidt (SPD), mit einem neuen Berechnungsfaktor
den Anstieg der Rentenbezüge zu bremsen. Das Sozialministerium kündigte an,
dass bereits vom Jahr 2005 an ein so genannter Nachhaltigkeitsfaktor greifen soll,
der die Alterung der Bevölkerung bei der Berechnung der Rentenerhöhungen
berücksichtigt.
Beim Thema Gesundheitsreform zeigte sich Merkel moderater als der CSU-Sozialexperte
Horst Seehofer. Merkel schloss Verhandlungen über das Gesetzespaket von Ministerin
Schmidt schon im Bundestag nicht aus. Wenn Schmidt auf Forderungen der Union
eingehe, sei dies prinzipiell möglich, sagte sie. "Das ist keine Prinzipienfrage." Seehofer
hatte zuvor Verhandlungen schon im Bundestag abgelehnt. Merkel wies allerdings wie
Seehofer und Stoiber wesentliche Teile des Reformvorhabens zurück - etwa den Plan,
dass die Versicherten künftig das Krankengeld allein bezahlen sollen. "Wir halten die
generelle Ausgrenzung des Krankengeldes aus dem Leistungskatalog für falsch", sagte
Stoiber dem Deutschlandfunk. In CDU und CSU heißt es schon seit längerem, dass die
Gesundheitsreform das schwierigste Thema bei den Verhandlungen mit der Regierung sei -
auch, weil die Union Wählerunmut bei einer Zustimmung zu einschneidenden Kürzungen
fürchtet.
Merkel forderte Schröder auf, beim Thema Kündigungsschutz weiter zu gehen als bislang
geplant. Die Union verlangt, den Kündigungsschutz bei Betrieben mit weniger als 20
Mitarbeitern langfristig ganz abzuschaffen. Die Regierung will dagegen Kleinbetrieben
lediglich erlauben, mehr als bisher befristete Arbeitsverträge abschließen zu können.
Schröder hatte am Sonntag vom SPD-Sonderparteitag breite Rückendeckung für seinen
Reformkurs erhalten. Unter den Initiatoren des Mitgliederbegehrens gegen die Reformagenda
wird nun darüber nachgedacht, das Vorhaben aufzugeben. Die SPD-Bundestagsabgeordnete
Waltraud Wolff sagte Reuters: "Das Mitgliederbegehren hat keinen großen Sinn mehr." Die
Initiatoren wollten aber nicht von oben herab über den Fortbestand des Begehrens entscheiden,
sondern mit einer möglichst großen Zahl der Unterzeichner auf einer Konferenz am 15. Juni in
Frankfurt. Wie mehrere andere SPD-Abgeordnete legte sich Wolff weiterhin nicht auf ein
Abstimmungsverhalten im Bundestag fest. Dagegen kündigte der SPD-Abgeordnete Ottmar
Schreiner in der "Welt" (Dienstagausgabe) an, bestimmten Reformgesetzen nicht zustimmen
zu wollen. "Meine Glaubwürdigkeit wäre völlig hinüber, wenn ich mich nun von den Füßen
auf den Kopf stellen würde", sagte Schreiner. So werde er der Gesundheitsreform nicht
zustimmen, wenn damit das Ende der paritätischen Finanzierung des Krankengeldes verbunden
wäre. Schreiner ließ der Vorabmeldung der Zeitung zufolge offen, ob er dagegen stimmen oder
sich enthalten werde.
(Quelle: rtr)
Altersbegrenzung für medizinische Leistung
Di.03.06.03 - Mit Empörung haben Ärzteverbände auf Vorschläge reagiert,
medizinische Leistungen für alte Menschen zu beschränken. Der Vorsitzende des Ärzteverbandes
Marburger Bund, Frank Ulrich Montgomery, sagte am Montag: "Die Forderung, älteren Menschen
aus Kostengründen keine teuren medizinischen Leistungen zu gewähren, ist an Menschenverachtung
kaum zu überbieten."
Der katholische Theologe Prof. Joachim Wiemeyer (Bochum) und der Sozialpolitik-Professor Friedrich
Breyer (Konstanz), hatten sich in der ARD-Sendung "Report Mainz" dafür ausgesprochen, die Leistungen
für ältere Menschen zu begrenzen. Mediziner wie der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe,
kritisierten in dem vorab verbreiteten Beitrag solche Ansichten als "völlig unvertretbar".
Wiemeyer sagte, es seien nun einmal nicht alle möglichen Maßnahmen für jeden finanzierbar. "Und dann
bin ich der Auffassung, dass wir vor allen Dingen für Jüngere medizinische Leistungen bereitstellen müssen,
aber nicht jede lebensverlängernde Maßnahme für sehr alte Leute noch durchführen müssen." Wiemeyer ist
Professor für Christliche Gesellschaftslehre an der Universität Bochum und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft
Deutscher Sozialethiker.
"Report" berichtet auch über den Vorschlag Breyers, der eine Grenze von 75 Jahren vorschlägt. In höherem
Alter solle nur noch die Linderung von Schmerzen finanziert werden, nicht aber Maßnahmen, die in erster Linie
dazu dienen, das Leben zu verlängern.
CSU-Gesundheitsexperte Horst Seehofer bezeichnete den Vorschlag in der
"Passauer Neuen Presse" als verrückt. Es dürfe in Deutschland niemals so
weit kommen, dass man wegen des Alters nicht mehr am medizinischen
Fortschritt teilhaben kann. Grünen-Menschenrechtsexpertin Christa Nickels
nannte den Vorschlag in der Münchner "Abendzeitung" "skandalös".
Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe verurteilte die Überlegungen scharf. "Die
Einführung von Altersgrenzen für medizinische Behandlung erinnert an
Euthanasie unter anderen Vorzeichen." Hoppe verwahrte sich gegen den
"Ökonomisierungswahn des Gesundheitswesens".
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung betonte, Breyers Vorschläge seien
"unethisch, widersprechen dem Geist der solidarischen Krankenversicherung
und dem Selbstverständnis der deutschen Ärzteschaft." Der Wissenschaftler
setze voraus, dass man zwischen wertem und unwertem Leben unterscheide.
SPD und Grüne dürften die Vorschläge keinesfalls aufgreifen.
Der Vorsitzende des Marburger Bunds, Frank-Ulrich Montgomery, erklärte,
die Vorschläge seien an Menschenverachtung kaum zu überbieten. "Wir
Ärztinnen und Ärzte werden nicht zulassen, dass Mitmenschen früher
sterben, nur weil sie älter sind."
Der Bayreuther Wissenschaftler Eckhard Nagel, Mitglied des Nationalen E
thikrats, sagte dem Berliner "Tagesspiegel", jede Altersgrenze wäre willkürlich.
"Es gibt kein Alter, ab dem das zu rechtfertigen wäre", sagte Nagel. Er bezweifelte,
dass mit einer Altersgrenze nennenswerte Einsparungen in der gesetzlichen
Krankenversicherung zu erzielen wären.
Der Präsident des Sozialverbands VdK, Walter Hirrlinger, meinte, bei dem
Vorschlag wollten Professoren Gott spielen. "Sollen jetzt alle über 75-Jährigen
zum Tode verurteilt werden?"
(Quellen: dpa, ap)
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