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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ So.15.06.03, 12:45 Irak am achtundachzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Waffenamnestie im Irak abgelaufen. US-Razzia in Falludschah +++
Geistlicher: 82 Menschen bei Gefechten im Nordwesten Iraks getötet.
Die meisten Opfer seien irakische Kämpfer gewesen +++
US-Truppen sollen auch irakische Zivilpersonen getötet haben +++
Irakischer Oppositionsführer Tschalabi fordert von USA mehr Machtbeteiligung für Iraker +++
Kurden-Parteien künden Einheitsregierung für Nordirak an +++
10.000 Objekte aus irakischem Nationalmuseum fehlen +++
So.15.06.03 - Rund 1.300 US-Soldaten haben am frühen Sonntagmorgen in der irakischen Stadt
Falludschah nach mutmaßlichen Milizführern und Waffen gefahndet. Die mit Nachtsichtgeräten ausgerüsten
Männer der 3. Infanteriedivision fanden in der 60 Kilometer westlich von Bagdad gelegenen Stadt zeitigte nur
eine Festnahme: Ein Mann wurde verhaftet, weil er nach dem Ausgehverbot mit einem Sturmgewehr im Auto
unterwegs war. Die Soldaten wurden erwartet: In Lautsprecherdurchsagen von Moscheen hieß es, die Amerikaner
würden wahrscheinlich nach Mitternacht kommen. Als die US-Trupps anrückten, gingen Sirenen los und Hausbewohner
schalteten die Außenbeleuchtung an, um andere zu warnen.
Die Razzia in der als Hochburg von Anhängern Saddam Hussein geltenden Stadt im so genannten sunnitischen Dreieck
erfolgte nach dem Ablauf eines Ultimatums der US-Zivilverwaltung, illegale Waffen abzugeben. Verwaltungschef Paul
Bremer teilte mit, jeder, der ab Sonntag mit nicht erlaubten Waffen angetroffen werde, riskiere bis zu einem Jahr Gefängnis.
Iraker dürfen kleine Waffen, auch Sturmgewehre, in ihren Häusern und Geschäftsräumen aufbewahren. In der Öffentlichkeit
dürfen nach einer nach Mitternacht veröffentlichten Verfügung der US-Besatzungsbehörde keine Waffen mehr getragen werden.
Bei Gefechten mit der US-Armee im Nordwesten Iraks sind nach Angaben eines irakischen Geistlichen 82 Menschen
getötet worden. Die Gefechte hätten sich in einem Ausbildungslager in Sahl nahe der Grenze zu Syrien abgespielt, sagte der
Imam Gharbi Abdelasis aus dem benachbarten Rawa am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Die meisten Opfer seien irakische
Kämpfer gewesen. Nach Berichten von Dorfbewohnern begannen die Kämpfe am Mittwochmorgen in dem Camp, wo sich auch
ein Waffenlager befand. Sie hätten 13 Stunden ohne Pause angedauert.
Bei den heftigen Gefechten der vergangenen Tage sollen US-Truppen in Irak auch Zivilpersonen getötet haben.
Es handele sich um fünf Mitglieder derselben Familie, berichteten Dorfbewohner am Samstag. Militärsprecher bezweifelten dies,
widersprüchliche Informationen gab es auch über die Gesamtzahl der Opfer.
Eine amerikanische Panzerpatrouille war am Freitag bei Balad nördlich von Bagdad überfallen worden. Dabei wurden nach
ursprünglichen Angaben des US-Oberkommandos Mitte 27 Angreifer getötet. Diese Zahl wurde später allerdings von Offizieren
vor Ort in Frage gestellt, die von fünf bis sieben Toten sprachen. Am Freitag wurden auch US-Truppen in der nordirakischen Stadt
Mossul zwei Mal mit Granaten beschossen.
Der Bauer Dschaafar Obeid sagte der Nachrichtenagentur AP, der amerikanische Gegenangriff nach dem Überfall bei Balad habe
fünf Zivilpersonen das Leben gekostet, darunter ein 70-jähriger Mann und seine drei Söhne. Diese hätten versucht, auf ihrem
Weizenfeld ein von US-Geschossen verursachtes Feuer zu löschen, als sie tödlich getroffen worden seien. Die Stellung der
US-Truppen in Irak könne von Vorfällen dieser Art nur Schaden nehmen, warnte Obeid.
Oberstleutnant Greg Julian erklärte, er könne Berichte über zivile Opfer vorerst nicht bestätigen. Er betonte jedoch, dass Personen
in ziviler Kleidung, die Waffen mit sich führten, nicht mehr als Zivilisten betrachtet würden. Die US-Truppen stellten sich auf neue
Angriffe ein. Dabei zeichnete sich die Strategie ab, bewaffnete Anhänger des gestürzten Regimes aus ihrem Versteck zu locken, um
sie dann aus Panzern und Kampfhubschraubern unter Feuer zu nehmen.
Der irakische Oppositionsführer Ahmed Tschalabi hat die USA aufgefordert, Einheimische stärker an der Verwaltung Iraks
zu beteiligen. Er sei ein Fehler, den Irakern nicht umgehend Zuständigkeiten zu übertragen oder ihnen die Wahl von Mitgliedern
eines Gremiums zur Beratung der Besatzungsbehörden zu verweigern, sagte der Vorsitzende des Irakischen Nationalkongresses
(INC) der Zeitung "Washington Post" (Samstagsausgabe). Nach Einschätzung von Tschalabi werden die Angriffe gegen die
US-Truppen in Irak zunehmen, falls nicht unverzüglich ein entsprechender "politischer Prozess" eingeleitet werde. Dazu gehöre
auch, ein irakisches Sicherheitskorps mit 25.000 Mitgliedern aufzustellen. Die irakischen Rekruten könnten von US-Soldaten
ausgebildet werden und dem US-Zentralkommando (Centcom) unterstehen.
Die rivalisierenden kurdischen Parteien in Irak haben die Bildung einer gemeinsamen Regierung
für den Norden des Landes angekündigt. Schon zum Monatsende werde eine neugegründete Kommission genaue
Pläne für die Einheitsverwaltung vorstellen, teilten Sprecher der beiden wichtigsten kurdischen Gruppierungen am
Samstag mit. Sitz der Verwaltung werde die Stadt Erbil sein, wo auch das Parlament der Kurden in Nordirak tagt.
Der Norden ist weitgehend unabhängig vom arabischen Rest Iraks, seit Amerikaner und Briten nach dem Golfkrieg
1991 zum Schutz der Kurden eine Flugverbotszone über diesem Landesteil einrichteten. Im bewaffneten Kampf
zwischen der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) und der Demokratischen Partei Kurdistans (KDP) zerfiel die
Region jedoch in zwei Herrschaftsgebiete. Trotz eines von den USA vermittelten Friedensabkommens aus dem Jahr
1998 gab es erst im vergangenen Jahr erste Anzeichen einer Zusammenarbeit: Im Oktober tagte erstmals seit Mitte der
90er Jahre wieder das kurdische Parlament. Um ihre neue Einigkeit unter Beweis zu stellen, wollen die beiden Gruppen
Ende Juni einen einzigen Vertreter zur US-Zivilverwaltung schicken, um die Pläne für eine gemeinsame Regierung zu
präsentieren.
Aus den Depots des irakischen Nationalmuseums in Bagdad sind nach einer ersten Bilanz irakischer Experten mehr als 10.000
Objekte gestohlen worden. Dies berichtete Museumsdirektorin Nawala el Mutawalli laut einem Bericht des "Spiegel" bei einer
Konferenz in Wien. Verschwunden blieben nach den Plünderungen außerdem "47 großteilige Meisterwerke", darunter der 5100
Jahre alte Warka-Kopf sowie die älteste große Kupferstatue der Welt, die um 2250 vor Christus in Akkad hergestellt wurde.
Die Stücke der Schausammlung scheinen dem Bericht zufolge dagegen gerettet. Sie waren vor Kriegsbeginn in 127 Kisten verpackt
und in ein geheimes Außendepot gebracht worden.
Laut "Spiegel" sind derzeit überall in Irak Raubgräber aktiv. An mindestens zehn Ruinenstätten seien die Absperrzäune niedergerissen.
"In Isin rücken täglich bis zu 300 Leute an und plündern unter Einsatz von Schaufelbaggern", sagte Michael Müller-Karpe vom
Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz dem Blatt. Die Lage sei katastrophal.
Das Archäologische Museum in Bagdad verfügt über die weltweit wichtigste Sammlung von Antiquitäten aus der Zeit des alten
Mesopotamiens, als Sumerer, Babylonier und Assyrer hochentwickelte Staaten gründeten. Nach dem Einmarsch der US-geführten
Streitkräfte in der irakischen Hauptstadt waren zahlreiche wertvolle Kunstschätze geplündert worden, ohne dass die Soldaten der
Koalition dies verhinderten.
US-Justizminister John Ashcroft hatte Anfang Mai gesagt, die Plünderungen der irakischen Kunstschätze gingen auf das Konto
"organisierter Verbrecherbanden". Weder die US-Polizei noch Interpol würden ruhen, bis die gestohlenen Gegenstände in Museen
und Bibliotheken zurückkehrten. UN-Generalsekretär Kofi Annan hatte die Plünderung und Zerstörung der Kulturschätze als
"katastrophalen Verlust" bezeichnet.
(Quellen: ap, afp)
«Während des
Irak-Krieges fungierten die US-Medien als selbsternanntes, nahezu
gleichgeschaltetes Propagandainstrument der Regierung»
"In der Irak-Krise sind die Sender Megafone der Regierungsvertreter", kritisierte
das liberale Washingtoner FAIR-Institut (Fairness and Accuracy in Reporting) die
Medienberichterstattung in den USA. Eine Studie von FAIR belegt die Einseitigkeit der
US-Medien mit Zahlen:
«Blick ins Archiv»
US-Medien berichten live von der Front und haben wenig Platz für kritische Berichte
Hamas-Gründer zu Waffenruhe bereit
So.15.06.03 - Die radikal-islamische Hamas-Bewegung signalisiert die Bereitschaft zum Waffenstillstand.
Hamas-Gründer Scheich Ahmed Jassin erklärte, unter bestimmten Bedingungen würde man zeitweise auf Anschläge
gegen Israel verzichten. Als Voraussetzungen nannte er, dass Israel die gezielten Tötungen einstellt, Gefangene frei
lässt und Siedlungen abbaut. Die israelische Armee will indes aus dem Gazastreifen abziehen, falls der palästinensische
Sicherheitsminister Mohammed Dachlan dort die Kontrolle übernimmt.
(Quelle: )
Gefechte in Aceh zwingen 10.000 Menschen zur Flucht
So.15.06.03 - Die Gefechte zwischen Rebellen und Regierungstruppen in der indonesischen Provinz Aceh haben
mindestens 10.000 zur Flucht aus ihren Häusern gezwungen. Die amtliche Nachrichtenagentur Antara berichtete am
Samstag, die Menschen hätten in einem Lager auf einem Fußballfeld in der Nähe von Bireun im Norden Acehs Zuflucht
gesucht. Das Lager verfügt über Zelte, Toiletten, fließendes Wasser und medizinische Einrichtungen.
Im Norden Acehs kommt es fast täglich zu Kämpfen, seit die Regierung vor vier Wochen eine groß angelegte Militäroperation
zur Niederschlagung des Aufstands begann. Augenzeugen sagten, viele Menschen seien mit Militärtransportern in das Lager
gebracht worden. Außerdem hätten die Truppen auf mutmaßliche Stellungen der Rebellen nahe Bireun gefeuert. Wegen der
Gefechte sind Teile der Provinz ohne Strom, die Preise für Nahrungsmittel und Benzin sind stark gestiegen.
Die Rebellen kämpfen seit 27 Jahren für die Unabhängigkeit der Provinz. Etwa 12.000 Menschen wurden in den Kämpfen getötet.
(Quelle: )
Französische Soldaten in Kongo unter Beschuss
So.15.06.03 - Wenige Tage nach ihrem Eintreffen in Kongo sind die französischen Soldaten der EU-Friedensmission
erstmals unter direkten Beschuss geraten. Der Zwischenfall ereignete sich am Samstagmorgen während einer
Militärpatrouille etwa sechs Kilometer südlich der Provinzhauptstadt Bunia, wie der französische Oberst Gerard
Dubois mitteilte. Das Feuergefecht habe etwa 20 Minuten angehalten. Opfer auf französischer Seite habe es nicht
gegeben, von Toten oder Verletzten unter den Angreifern sei nichts bekannt.
Ein Kommandeur der Volksgruppe der Hema erklärte, für den Überfall seien Kämpfer vom Stamm der Lendu verantwortlich.
Die Hema hätten gegen ihre "traditionellen Feinde" vorgehen wollen, doch die Franzosen hätten sie daran gehindert.
Kurze Zeit später seien die französischen Truppen dann selbst von den Lendu unter Feuer genommen worden.
Unterdessen lagen der UN-Mission in Kongo Berichte von mehreren Massengräbern in Bunia vor, wie Sprecher Manodje
Mounoubai erklärte. Kämpfer der Hema-Miliz UPC hätten die UN-Truppen jedoch daran gehindert, die betreffenden Orte
aufzusuchen und den Berichten nachzugehen.
Hema und Lendu liefern sich seit Monaten erbitterte Kämpfe in der nordostkongolesischen Provinz Ituri, wobei die Hema
Bunia kontrollieren. Im Auftrag der EU sollen rund 1.400 internationale Friedenssoldaten der Gewalt ein Ende bereiten.
(Quelle: ap)
«Kritik am UN-Einsatz im Kongo wird laut»
«Dass ausgerechnet die Franzosen, deren Rolle beim Völkermord im benachbarten Ruanda, dem 1994
schätzungsweise 800.000 Tutsis und gemäßigte Hutus zum Opfer fielen, nach wie vor umstritten ist, die Führung der
internationalen Eingreiftruppe übernommen haben, sorgt bei Beobachtern und Experten ebenso für Unbehagen wie die
räumliche und politische Selbstbeschränkung der "Operation Artemis"» (telepolis vom 15.06.03)
Mehr unter:
«Blick ins Archiv»
Der ignorierte Krieg im Kongo
Im Kongo fließt das Blut für Öl
Erneut Demonstration im Iran für mehr Demokratie.
So.15.06.03 - In der iranischen Hauptstadt Teheran haben am Sonntag erneut Tausende Iraner für demokratische
Reformen demonstriert. Aus Furcht vor Übergriffen radikal-islamischer Milizen blieben die Demonstranten allerdings in ihren Autos.
Es war die fünfte Nacht in Folge, in der es zu Protesten gegen den herrschenden islamischen Klerus kam. Die Polizei schottete
das Universitätsgelände ab, das Zentrum der jüngsten Proteste, um Studenten vor Angriffen der Milizionäre zu schützen. Am
Samstag war es zu den schwersten Gewaltausbrüchen seit Beginn der Proteste Anfang der Woche gekommen, als Milizionäre
Demonstranten mit Schlagstöcken, Ketten und Messern attackierten.
Ein Reuters-Korrespondent sah, wie mehr als hundert Milizionäre eine Gruppe von ein paar Dutzend Studenten attackierte, die
das geistliche Oberhaupt des Iran, Ajatollah Ali Chamenei mit der Parole "Tod Chamenei" bedachten. Die Angreifer waren mit
Schlagstöcken und Ketten bewaffnet. Einige trugen Kalaschnikow-Gewehre. Schüsse waren zu hören. Ein anderer
Reuters-Korrespondent sah wie ein Jugendlicher mit blutigem Gesicht in Handschellen abgeführt wurde. Ein Minibus stand in der
Nähe, der voller Festgenommener war.
Ein Fotograf berichtete, die Milizionäre hätten junge Leute aus Autos gezerrt und sie mit Fäusten und Stöcken traktiert. "Selbst junge
Mädchen wurden geschlagen." Er selbst habe mindestens zehn Verletzte gesehen, sagte der Fotograf.
Die reformorientierte Zeitung "Jas-e No" warnte, das harte Vorgehen gegen die Demonstranten könne zu Gegengewalt führen:
"Mit Prügel und unkontrolliertem Handeln bringen sie den Protestierenden die Lektion der Gewalt bei."
Neue Ausschreitungen meldete die studentische Nachrichtenagentur ISNA aus der südiranischen Stadt Schiras. Dort waren
nach den Protesten am Samstag 100 Menschen festgenommen worden. Ein Mensch war durch einen Messerstich ums Leben
gekommen.
Die Polizei hat am Samstag das Vorgehen der Milizen verurteilt und nach eigenen Angaben einen ihrer Anführer und mehrere
seiner Gefolgsleute festgenommen. Die Demonstranten fordern von der geistlichen Führung Irans und von der Regierung
Reformen sowie mehr individuelle Freiheit. Im Iran kontrollieren seit der islamischen Revolution 1979 konservative Geistliche unter
anderem Justiz und Armee. Sie blockieren die Reformen, die Präsident Mohammad Chatami und eine Mehrheit im Parlament anstreben.
Die US-Regierung hatte die jüngsten Proteste im Iran begrüßt. Die USA haben erklärt, den Reformwillen des iranischen Volkes
unterstützen zu wollen. Der iranischen Regierung werfen sie vor, nach Atomwaffen zu streben und Terroristen zu unterstützen.
Der Iran wies dies zurück. Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, machte die USA für die Proteste verantwortlich.
(Quelle: rtr)
Kubaner gedenken Revolutionär 'Che' Guevara zum 75. Geburtstag
So.15.06.03 - In Kuba haben am Samstag Tausende von Menschen dem Revolutionär Ernesto "Che" Guevara
gedacht, der an diesem Tag 75 Jahre alt geworden wäre.
Etwa 100.000 Menschen kamen im kubanischen Santa Clara zusammen, wo sich die sterblichen Überreste des linksgerichteten
Guerillakämpfers befinden. Das staatliche Fernsehen brachte den ganzen Tag über Sondersendungen. Für den Abend war eine
große Veranstaltung geplant, an der auch die Staatsführung Kubas erwartet wurde.
Während der Revolution 1959 gegen die von den USA gestützte Diktatur von Fulgencio Batista war Che Guevara einer der
wichtigsten Befehlshaber des kubanischen Staatschefs Fidel Castro. Guevara wurde 1967 beim Versuch getötet, die Revolution
auch in Bolivien voranzutreiben. Weltweit gilt das Bild des bärtigen Mannes mit der Baskenmütze als Symbol für Protest.
Bei einer Reise nach Argentinien hatte Castro Che Guevara vor zwei Wochen als "außerordentlichen Menschen von großer
Intelligenz und Kultur" bezeichnet, der einen "enormen Sinn für Solidarität" habe. Oberschüler
in Kuba, die als "junge Pioniere" bezeichnet werden, begrüßen jeden Morgen die Nationalflagge mit dem Slogan "Pioniere für
Kommunisten, wir wollen wie Che sein".
(Quelle: rtr)
Große Mehrheit der Tschechen stimmt für EU-Beitritt
So.15.06.03 - Die Tschechen haben mit überwältigender Mehrheit für den Beitritt ihres Landes zur Europäischen Union
gestimmt. Bei der zweitägigen Volksabstimmung votierten 77,3 Prozent der Wähler für Europa, wie die
Behörden nach Auszählung aller Stimmen mitteilten. Die Beteiligung lag bei 55,2 Prozent. Die Mitte-Links-Regierung
in Prag reagierte erleichtert: Mit der Abstimmung habe sein Land "den Zweiten Weltkrieg und die Teilung Europas"
hinter sich gelassen, sagte Ministerpräsident Vladimir Spidla. EU-Kommissionspräsident Romano Prodi sprach von
einem "großen Tag für Europa".
Anders als in Polen, wo die Bevölkerung am vergangenen Wochenende den EU-Beitritt gebilligt hatte, war eine
Mindestbeteiligung bei der ersten Volksabstimmung in dem ehemals kommunistischen Staat nicht vorgeschrieben. Die
Regierung in Prag hatte auf eine hohe Beteiligung gehofft, um dem Beitritt des Landes zur EU im Mai 2004 eine möglichst
große Legitimität zu geben. Insgesamt waren am Freitag und Samstag rund acht Millionen Wahlberechtigte zur Stimmabgabe
aufgerufen.
Vor den Tschechen hatten bereits die Bewohner Polens, der Slowakei, Litauens, Ungarns, Sloweniens und Maltas für den Beitritt
gestimmt. In Polen hatten sich bei einer Wahlbeteiligung von knapp 60 Prozent eine Mehrheit von mehr als 77 Prozent für den
EU-Beitritt ausgesprochen. Im September finden die Volksentscheide in Estland und Lettland statt. Unter den insgesamt zehn
Ländern, die zum 1. Mai kommenden Jahres der EU beitreten sollen, ist nur in Zypern keine Volksabstimmung vorgesehen.
(Quelle: afp)
Deutschland: Grüne mit knapper Mehrheit für Agenda 2010
So.15.06.03 - Mit unerwartet knapper Mehrheit hat der Bundesparteitag der Grünen am Samstagabend in Cottbus
der Reformagenda 2010 von Bundeskanzler Gerhard Schröder im Grundsatz zugestimmt. Von den 686 gültigen
Delegiertenstimmen sprachen sich 360 für den die Agenda befürwortenden Leitantrag des Bundesvorstandes aus,
322 waren dagegen. In dem Leitantrag werden die Sozialkürzungen der Agenda gut geheißen.
Akzeptiert werden in dem Leitantrag des Bundesvorstands unter anderem die Zusammenlegung von Arbeitslosen-
und Sozialhilfe, eine verkürzte Bezugsdauer des Arbeitslosengelds, die Aufweichung des Kündigungsschutzes und
die Herausnahme des Krankengelds aus der gesetzlichen Krankenversicherung.
Allerdings sollte am
Sonntag noch über dutzende Änderungsanträge zum Leitantrag abgestimmt werden. Als besonders kritisch gelten hier Anträge,
mit denen die geplanten Änderungen bei Krankengeld und Arbeitslosenhilfe abgelehnt werden. Zudem gibt es die Forderung, den
Spitzensteuersatz nicht auf unter 45 Prozent zu senken. Als akzeptabel galt in der Parteiführung die Forderung, die
Bundestagsfraktion mit einer Initiative zur Wiedereinführung der Vermögensteuer zu beauftragen.
Parteilinke kritisierten die Agenda 2010 als sozial unausgewogen und forderten eine Initiative zur Wiedereinführung der
Vermögensteuer sowie zur Reform der Erbschaftsteuer. Die Parteispitze argumentiert damit, dass es keine Alternative zu
den Reformplänen gibt, wenn die sozialen Sicherungssysteme auf Dauer erhalten werden sollen. Aus neoliberaler Ecke der
Partei werden zusätzliche Einschnitte ins soziale Netz gefordert.
Bundesaußenminister Joschka Fischer rief die Delegierten auf: "Handelt als Regierungspartei!" Es gehe nun nicht darum,
Grundsatz-Debatten zu führen. Vielmehr müssten sich die Grünen mit dem konkreten Regierungshandeln beschäftigen.
Dazu müssten die Bedingungen anerkannt werden wie das Haushaltsdefizit, die geringeren Steuereinnahmen sowie auch
die Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat. Indirekt erteilte Fischer Forderungen nach einer Wiedereinführung der Vermögensteuer
eine Absage, die der Zustimmung der Länderkammer bedürfte. Grünen-Parteichef Reinhard Bütikofer sagte, man könne sich auch
nicht mit der Forderung nach einer Vermögensteuer um die nötige Reform der sozialen Sicherungssysteme drücken.
Bütikofer forderte: "Lasst uns einen radikalen Realismus fahren!" Er warnte, wenn wesentliche Elemente aus der Agenda gestrichen
würden, sei die rot-grüne Koalition nicht zu halten. Die nächste Bundestagswahl sei zudem nur zu gewinnen, "wenn wir auch in der
Sozial- und Wirtschaftspolitik modernisieren - mit klar erkennbarem grünen Anteil". Vom Parteitag müsse ein Signal ausgehen: "Das
Signal soll heißen: Bündnis 90/Die Grünen sind die Partei der Reformpolitik." Dass die rot-grüne Koalition im Bund derzeit nicht
optimal dastehe, liege daran, dass sie nach der Wahl im Herbst den Eindruck vermittelt habe, nicht reformwillig zu sein. Der
Grünen-Chef appellierte an die Veränderungsbereitschaft der Partei: "Die Frage heißt: Sind wir eine Linke, die was ändern will?
Oder sind wir strukturkonservativ?" Er sei überzeugt, dass die Agenda 2010 zu mehr Gerechtigkeit führe.
Vertreter der Parteilinken kritisierten die Agenda. Der Initiator des Sonderparteitages und Vorsitzende des Münsteraner Kreisverbandes,
Wilhelm Achelpöhler, sagte, die vorgesehenen Modernisierungs-Maßnahmen seien Rezepte von gestern. Sie gingen auf Kosten der
sozial Schwachen. Großen Applaus erhielt Barbara Steffens, die den Grünen im Bund vorwarf, das Wahlprogramm der Partei nicht in
ausreichendem Maße umzusetzen.
Bütikofer sagte, nach der Agenda 2010 müsse es weitere Schritte geben. "Wir brauchen eine Agenda Plus." Diese müsse mehr
Steuergerechtigkeit enthalten sowie das Thema Investitionen in Bildung, Wissenschaft und Forschung. Die Grünen plädierten
zudem dafür, in der Agenda 2010 den Umbau von Kranken- und Rentenversicherung in eine Bürgerversicherung festzuschreiben,
die alle Berufsgruppen und Einkunftsarten heranzöge.
Mit dem Votum des Grünen-Parteitags für die Agenda 2010 ist die nötige Mehrheit der rot-grünen Koalition im Bundestag noch
nicht gesichert: Die Kritiker der Reformpläne in beiden Parteien haben ihre Zustimmung vom Inhalt der Gesetzentwürfe abhängig
gemacht. Ein SPD-Sonderparteitag hatte die Agenda vor zwei Wochen mit einer geschätzten Mehrheit von 90 Prozent gebilligt.
(Quellen: ap, rtr)
«Der Leitantrag der Grünen-Spitze zum Sonderparteitag in Cottbus»
Bundesvorstand und Parteirat der Grünen haben den Leitantrag für den Sonderparteitag an diesem
Wochenende in Cottbus am 26. Mai einstimmig beschlossen. Trotz etlicher Änderungsanträge gehen Parteispitze
und Kritiker davon aus, dass das zwölfseitige Papier ohne größere Änderungen angenommen wird. dpa dokumentiert
die Kernpunkte, in deren Mittelpunkt die SPD-«Agenda 2010» steht:
REFORM DER SOZIALSYSTEME: Für die Zukunft verlangen die Grünen eine so genannte Bürgerversicherung. Die
finanzielle Kopplung der sozialen Sicherungssysteme an den Faktor Arbeit habe sich überlebt. Grundsätzlich sollen alle
Bevölkerungskreise mit allen Einkunftsarten an der Finanzierung beteiligt werden.
ARBEITSMARKT: Die Grünen befürworten die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zum Arbeitslosengeld II,
wollen allerdings das Kindergeld weiter nicht anrechnen und auch die Altersvorsorge nicht antasten. Die Bezugsdauer des
Arbeitslosengelds dürfe nur mit weit reichenden Übergangsregelungen gekürzt werden.
Neben dem ersten Arbeitsmarkt müsse es auch «einen ehrlichen, staatlich geförderten zweiten Arbeitsmarkt geben». Außerdem
bestehen die Grünen auf einer Ausbildungsplatzabgabe, sollten die Unternehmen nicht ihrer Ausbildungspflicht nachkommen.
Beim Kündigungsschutz sollen Arbeitnehmer wählen müssen zwischen einklagbarem Bestandsschutz und Sozialabfindung. Bei
der Sozialauswahl soll mehr auf die Altersausgewogenheit im Betrieb geachtet werden können.
RENTEN: Das tatsächliche Rentenalter soll dem gesetzlichen (65 Jahre) deutlich angenähert und die private Altersvorsorge durch
ein Altersvorsorgekonto besser gefördert werden. Es sei «notwendig, dass die Rentenformel den demographischen Veränderungen
Rechnung trägt.»
GESUNDHEIT: Die Grünen wollen die Bemessungsgrundlage der Krankenversicherung erweitern. Das Mutterschaftsgeld soll aus
Steuern aufgebracht werden. Die Umfinanzierung des Krankengeldes dürfe nicht der Einstieg in den Ausstieg aus der paritätischen
Finanzierung des Sozialsystems sein. Die Beseitigung des Vertragsmonopols der Kassenärztlichen Vereinigungen ist für die Partei
ebenso richtig wie mehr Wettbewerb zwischen Apotheken und beim Arzneimittelversand.
GEMEINDEFINANZEN: Den Kommunen wollen die Grünen bei der Revitalisierung der Gewerbesteuer und ihrer Weiterentwicklung
zu einer kommunalen Wirtschaftssteuer eine gewinnunabhängige Komponente garantieren. Außerdem sollen Bundesregierung und
Bundesrat bis Anfang 2004 die Gemeindefinanzreform umgesetzt haben.
STEUERN: Die Erbschaftsteuer soll reformiert werden, ein durchschnittliches Einfamilienhaus aber steuerfrei bleiben. Die
Wiedereinführung der Vermögensteuer möchten die Grünen den Ländern überlassen, da sie allein von ihr profitierten. Eine
Neuregelung der Besteuerung von Kapitaleinkünften sei dagegen überfällig.
«Blick ins Archiv»
Hintergrund: Der Leitantrag der SPD zur Agenda 2010:
Experten: Zahl der Armen wird wegen Agenda 2010 steigen
Hintergrund: Reform-Konzepte von Union und SPD
Gegenvorschläge des DGB zur Agenda 2010
Die Bundesregierung hat viele Probleme.
Die sog. Reformrede des Kanzlers
Streit in Union über Gesundheitsreform verschärft sich
So.15.06.03 - Der Streit in der Union über die Reform des Gesundheitswesens hat sich weiter verschärft.
Der CSU-Sozialexperte Horst Seehofer sagte dem "Spiegel", er lehne die von der CDU geforderte Privatsicherung von
Zahnbehandlungen ab. "Bei einer Privatsierungsorgie mache ich nicht mit." Dem Blatt zufolge will Seehofer aus Protest
gegen die CDU-Pläne nicht an der nächsten Sitzung der CDU-Kommission zur Reform der sozialen Sicherungssysteme
unter der Leitung des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog teilnehmen. In Unionskreisen hieß es, die
CDU-Vorsitzende Angela Merkel und ihr CSU-Kollege Edmund Stoiber wollten noch am Wochenende den Streit über den
Kurs in der Gesundheitspolitik beilegen.
CDU und CSU streiten schon länger darüber, wie tief die Einschnitte für die Versicherten im Zuge der geplanten
Gesundheitsreform gehen sollen. Die CSU lehnt - auch mit Blick auf die Landtagswahlen in Bayern im September -
eine komplette Privatisierung von Zahnbehandlungskosten ab. Außerdem ist umstritten, in welchem Umfang
versicherungsfremde Leistungen wie etwa das Mutterschaftsgeld über Steuern finanziert werden sollen. Die Union
steht unter Zeitdruck, weil am Mittwoch die erste Lesung des Gesundheitsreformgesetzes der Regierung im Bundestag
ansteht und bis dahin ein Entschließungsantrag von CDU und CSU fertig sein soll.
In den letzten Tagen hatten sich die Gesundheitsexperten der Union vergeblich darum bemüht, einen Konsens im
Reformstreit zu finden. "Jetzt können nur noch die Parteivorsitzenden die Sache auflösen", sagte Seehofer der
"Rheinischen Post". In CDU-Kreisen hieß es, Merkel sei zuversichtlich, mit Stoiber eine Einigung zu finden. An
mehreren Stellen in der CDU hatte es geheißen, als Kompromiss könnten nicht die kompletten Zahnbehandlungen
aus dem Leistungskatalog gestrichen werden, sondern lediglich der Zahnersatz.
Seehofer will gesetzliche Krankenkasse für alle
So.15.06.03 - Der CSU-Sozialexperte Seehofer hat zur Reform
des Gesundheitswesens eine gesetzliche
Krankenversicherung für alle vorgeschlagen. In eine
solche Kasse könnten dann unabhängig vom Einkommen
des Einzelnen alle Versicherten einen bestimmten
Beitrag einzahlen. Nach den Worten Seehofers kann es
nicht angehen, dass sich Besserverdienende,
Selbstständige, Beamte und auch Politiker der
Solidargemeinschaft entziehen. Die Unionsparteien
warnte er gleichzeitig davor, blind allen
Reformforderungen der Wirtschaft hinterher zu laufen.
Einige dieser Vorschläge belasten laut Seehofer die
sozial Schwachen und entlasten die
Besserverdienenden. Dies, so fügte er hinzu, dürfe nicht
Ziel der Politik von CDU und CSU sein.
(Quelle: br-radionachrichten)
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