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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Di.24.06.03, 12:45 Irak am siebenundneunzigsten Tag nach Kriegsbeginn
US-Truppen in Irak angegriffen +++
Jeden Tag ein toter US-Soldat +++
UNO: Plünderungen im Irak steigern Bedarf an humanitärer Hilfe +++
Stundenlange Stromausfälle in irakischer Hauptstadt Bagdad +++
Saddams Paläste werden versteigert +++
USA kündigen Aufbau eines neuen irakischen Heeres an +++
Di.24.06.03 - In der irakischen Stadt Falludscha sind erneut US-Truppen angegriffen worden.
Unbekannte feuerten in der Nacht Granaten auf amerikanische Soldaten, die ein
Kraftwerk in der Stadt rund 50 Kilometer westlich von Bagdad bewachten, berichtete
ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP. Nach der Attacke suchte die US-Armee die
Gegend nach den Angreifern ab. Dabei wurde ein Iraker durch das Feuer eines
US-Panzers getötet.
In dem vor allem von schiitischen Moslems bewohnten Falludscha kommt es immer
wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Irakern und US-Soldaten.
Im April hatten US-Soldaten Augenzeugen zufolge auf friedliche Demonstranten
geschossen und dabei 16 Iraker getötet. Am Wochenende waren bei einem Angriff auf
einen Konvoi der US-Armee mindestens sechs US-Soldaten verletzt worden.
Die nunmehr fast täglichen Hiobsbotschaften über blutige Guerilla-Attacken
gegen US-Soldaten im Irak bereiten der Washingtoner Regierung zunehmend politische Sorgen.
US-Präsident George W. Bush selbst machte dies - ungewollt - in seiner jüngsten wöchentlichen
Rundfunkansprache deutlich, die sich mit ihrer Gegenüberstellung von Fortschritten und Risiken
im Irak eher wie eine Verteidigungsrede anhörte als wie eine Erfolgsbilanz.
Bush sei offensichtlich bemüht zu verdeutlichen, dass sich der Einsatz trotz Verlusten weiter lohne,
sagen Polit-Analytiker. Und nach ihrer Einschätzung tut der Präsident gut daran. Wenn es den USA
nicht bald gelinge, Sicherheit im Irak herzustellen und den Guerilla- Kämpfern Einhalten zu gebieten,
warnen die Experten, dann könne das politisch zu einer größeren Belastung für Bush werden als die
bisher vergebliche Suche nach irakischen Massenvernichtungswaffen.
Letzteres, so sagt ein Politforscher der Denkfabrik Brookings- Institut, sei zwar problematisch, aber
habe in der Öffentlichkeit bisher keinen Aufschrei ausgelöst. Wenn aber immer wieder ein Sarg mit
einem toten Amerikaner aus dem Irak in den USA eintreffe, "dann trifft das ins Herz der eigenen
Bevölkerung". Zweifel am Sinn und Nutzen der Befreiungsaktion könnten gefördert werden, zumal
zunehmend klar sei, dass sich die USA auf eine langfristige Präsenz im Irak einrichten müssten.
Auch in der Berichterstattung der US-Medien spiegelt sich inzwischen diese Einschätzung wider.
Immer häufiger werden amerikanische Soldaten im Irak zitiert, die sich frustriert und auch zornig über
ihre Situation äußern. Man sei nicht gut genug auf die Rolle als "Friedenssoldat" und "Ordnungshüter"
vorbereitet worden, heißt es, und immer wieder wird die Frage gestellt, warum der Präsident nicht mehr
Truppen zur Unterstützung entsende.
Führende Demokraten mit Präsidentschaftsambitionen sind auf diesen Karren gesprungen, aber auch
manche von Bushs republikanischen Parteifreunden äußern politisches Unbehagen. So der prominente
Senator Chuck Hagel, der einräumte, dass die feindlichen Kräfte im Irak anscheinend weitaus umfassender
und aktiver seien als angenommen. "Und ich glaube, wir haben nicht genügend Leute drüben", zitierte
ihn die "Washington Post".
Nach Berechnungen des Blattes sind - unter Einschluss der Granatenattacke vom Sonntag - 56
US-Soldaten im Irak durch Guerilla- Anschläge, in Militäraktionen oder durch Unfälle ums Leben gekommen,
seit Bush am 1. Mai das "Ende der größeren Kampfhandlungen" im Irak erklärte. Das entspricht mehr als einem
Drittel der 139 amerikanischen Kriegstoten. "Wir verlieren praktisch jeden Tag im Irak einen unserer Mitbürger",
beklagt der demokratische Kongressabgeordnete Martin T. Meehan, der fordert, dass mehr Truppen aus
verschiedenen Teilen der Welt entsendet werden. Sein Kollege Neil Abercrombie fühlt sich nach eigenen
Worten inzwischen an die Zeit erinnert, als ihm erste Zweifel über den Vietnam-Krieg kamen.
Meinungsforscher sind zur Zeit damit beschäftigt, sich ein Bild davon zu verschaffen, wann die Opferbereitschaft
der US-Bevölkerung in Sachen Irak an ihre Grenzen stößt. Bisher seien negative Auswirkungen auf Bushs Ansehen
noch "gedämpft", zitiert die "Washington Post" den Experten John Mueller von der Staatsuniversität Ohio. Aber
das werde sich sehr wahrscheinlich ändern, wenn die Zahl der Opfer weiter steige.
Vor dem Krieg hatte eine Mehrheit der Amerikaner bei Umfragen gesagt, 1000 oder sogar mehr Tote in den
bevorstehenden Kämpfen seien "akzeptabel", wenn der Irak entwaffnet und Saddam Hussein gestürzt werde.
Pentagon-Chef Donald Rumsfeld leitete unter anderem daraus seine unlängst geäußerte Überzeugung ab, dass
seine Landsleute weiter "geduldig" und "opferbereit" sein würden: "Das ist schlicht der amerikanische Geist."
Im Irak haben Plünderungen nach UNO-Angaben den Bedarf an humanitärer
Hilfe erhöht. Die UNO rief die Regierungen auf, zusätzliche 260 Millionen Dollar an Hilfsgeldern
bereitzustellen.
Der Konflikt und seine Folgen machten humanitäre Hilfe dringend nötig, sagte die Vize-Generalsekretärin
der Vereinten Nationen (UNO), Louise Frechette, am Montag in New York. "Vor allem weit verbreitete
Plünderungen und die Zerstörung hunderter öffentlicher Einrichtungen haben den Bedarf an humanitärer
Hilfe und zwingenden humanitären Aktivitäten gesteigert." In New York berieten von Montag an auf einer
zweitägigen Konferenz die Geberländer über den Wiederaufbau des Irak.
Frechette sagte, die humanitäre Hilfe der UNO habe eine entscheidende Rolle im Irak gespielt, sie werde aber
schrittweise bis Ende des Jahres auslaufen, weil das Land damit begonnen habe, seinen eigenen Bedarf zu
decken. Zur gleichen Zeit werde die internationale Hilfe für den Wiederaufbau des Irak beständig steigen.
Das UNO-Büro für die Koordination humanitärer Angelegenheiten hatte die Geberländer im März zehn Tage
nach der US-geführten Invasion des Irak um 2,2 Milliarden Dollar für das Land gebeten. Die Pläne für die
Verwendung der Mittel müssen nun überarbeitet werden, weil zum Beispiel die erwarteten großen Flüchtlingsströme
ausblieben. Dafür waren die Ausgaben für Bildung und Minenräumung unterschätzt worden.
Die Besatzungsmächte im Irak, USA und Großbritannien, haben bereits einen Entwicklungsfonds eingerichtet, der aus
Mitteln aus dem Ölexport des Landes gespeist wird. Damit soll der Wiederaufbau des Irak finanziert werden.
Die Ölerträge blieben in diesem Jahr allerdings unbedeutend, sagte der UNO-Koordinator der Irak-Hilfe, Ramiro Lopez
da Silva. Irak fördere täglich weniger Öl als vor dem Krieg, sagte er. Grund dafür seien vor allem Plünderungen an den
Ölanlagen.
Die Energiekrise in der irakische Hauptstadt Bagdad hat sich weiter
verschärft. In mehreren zentralen Stadtteilen gab es von den Mittagsstunden bis zum Abend
keine Stromversorgung mehr. Der Grund war zunächst nicht klar. Aus der US-Zivilverwaltung
war in den vergangenen Tagen über Sabotageakte am Stromnetz geklagt worden. Der Strom ist
rationiert, weil es für das ganze Land nicht ausreichend Energie gibt.
Saddams Paläste kommen unter den Hammer: Die amerikanische
Zivilverwaltung im Irak soll die Versteigerung der 140 Villen und Paläste des
entmachteten Präsidenten planen. Das berichtete eine irakische Zeitung. Die Käufer
müssten sich allerdings verpflichten, die Paläste in öffentlich zugängliche Freizeitanlagen
umzuwandeln. Das irakische Justizministerium werde in Kürze eine entsprechende
Anordnung erlassen.
Die US-Zivilverwaltung in Irak will in der kommenden Woche mit der
Aufstellung eines neuen irakischen Heeres beginnen. Die Soldaten sollten die
Bewachung der Grenzen und anderer wichtiger Einrichtungen übernehmen und
bei der Räumung von Minen helfen, teilte die Behörde am Montag mit. Die
Auflösung der bisherigen irakischen Streitkräfte am 23. Mai hatte zu großem Unmut
unter den arbeitslosen Soldaten geführt, die seit Wochen regelmäßig für neue
Arbeitsplätze und Gehälter demonstrieren.
Mit der Rekrutierung für die neuen Truppenverbände kommen die USA diesen Forderungen
entgegen. Allerdings wird nur ein Bruchteil der ehemaligen Soldaten in dem neuen Heer Arbeit
finden. Im ersten Jahr sollen nur 12.000 Soldaten ausgebildet werden, wie der Sicherheitsberater
der Besatzungsbehörde, Walter Slocombe, erklärte. Bis 2006 sollten die neuen irakischen Streitkräfte
auf 40.000 Mann anwachsen - das ist ein Zehntel der früheren irakischen Heeres.
200.000 bis 250.000 weitere Ehemalige sollen Slocombe zufolge Unterhaltszahlungen von der
US-Zivilverwaltung erhalten. Anspruch darauf hätten alle Offiziere und langgedienten Soldaten,
ausgenommen hochrangige Funktionäre der Baath-Partei. Angehörige der obersten vier Ränge der
Parteihierarchie seien von den Zahlungen ausgeschlossen, die 50 bis 150 Dollar (40 bis 120 Euro)
monatlich betragen sollen. Dies sei etwas weniger als die Soldaten unter der früheren irakischen
Regierung bekommen hätte, sagte Slocombe.
Trotz des geplanten Aufbaus irakischer Streitkräfte werden die Besatzungstruppen nach Ansicht
führender US-Politiker noch bis zu fünf Jahre in Irak bleiben. Dies machte eine Delegation des Senats
bei ihrem Besuch in Bagdad deutlich. "Ich glaube nicht, dass dem amerikanischen Volk vollends
bewusst ist, wie lange wir hier eingebunden sein werden und wie hoch die Gesamtkosten sein werden",
sagte der republikanische Senator Chuck Hagel nach einem Treffen mit dem Chef der Zivilverwaltung,
Paul Bremer. "Ich rechne mit bis zu fünf Jahren", ergänzte Richard Lugar aus Indiana, der republikanische
Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses.
(Quellen: dpa, ap, rtr, afp)
«US-Verwalter will in Irak 'freie Marktwirtschaft' einführen»
«Arabische Politiker und Unternehmer haben sich auf einem
Treffen mit dem US-Zivilverwalter Paul Bremer kritisch über die
Pläne Washingtons geäußert, im Irak die »freie
Marktwirtschaft« einzuführen, ohne über das Mandat einer
irakischen Regierung zu verfügen. Wie Bremer am Sonntag auf
dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in der jordanischen Stadt
Shuneh erklärte, geht es bei den geplanten Reformen um die
Einführung von Eigentums- und Kartellrechten, die Kürzung
von Subventionen, die Öffnung des Landes für Handel und
ausländische Investitionen sowie die Privatisierung staatlicher
Betriebe. Die Reformen seien notwendig, um aus dem Irak ein
"pulsierendes Wirtschaftszentrum" zu machen.
Nicht um jeden Preis, wandte der ehemalige irakische
Außenminister und Oppositionsführer Adnan Pachachi ein. Es
seien sicherlich einige verheerende Projekte unter Saddam
Hussein durchgeführt worden, so der Führer der
Unabhängigen Iraker für Demokratie (IID). Seiner Meinung
nach sollten jedoch Schlüsselbereiche wie Bildung und Öl in der
öffentlichen Hand bleiben. Eine Privatisierung staatlicher
Betriebe werde neue Arbeitsplätze schaffen und die Erholung
der Wirtschaft einleiten, meinte hingegen Bremer.»
Ein Zuhörer, der sich als Geschäftsmann vorstellte, sprach
Bremer die Legitimität ab: "Sie vertreten nicht den Irak, und es
gibt viele Iraker hier, die anders denken als Sie", erklärte er.
Der Irak brauche vor allem Sicherheit und keine
Privatisierungen.
Laut Bremer ist die Reform des Finanzsektors das wichtigste
Anliegen seiner "Regierung". Washington arbeite derzeit an
einem System, daß die Auswirkungen einer Privatisierung
durch die Erdöleinnahmen, die nach US-Angaben bis Ende des
Jahres auf 5,5 Milliarden Dollar ansteigen werden, abzufedern.
(Quelle: "junge Welt vom 24.06.03)
«Es wird immer deutlicher, dass die Besetzung des Irak eine langwierige Aufgabe sein wird »
«Eine schnelle Übergabe an eine Übergangsregierung ist nicht in Sicht. Gerade hat Paul
Bremer, der nach dem Scheitern von Jay Garner als neuer Chef der Zivilverwaltung offenbar mit dem Auftrag in den Irak
geschickt wurde, hart und entschlossen Ruhe und Ordnung herzustellen, das bislang noch akzeptierte Gremium aus
irakischen Oppositionsgruppen kalt zu stellen um dies durch einen von ihm bestellten "Politischen Rat" zu ersetzen. Damit aber
wird auch deutlich, dass die eher beiläufig geschehene Planung der US-Regierung für die Zeit nach dem Krieg ein Fiasko war.
Nicht nur wurde der einstige Hoffungsträger den Pentagon, Ahmed Tschalabi vom Irakischen Nationalkongress (INC) mitsamt
seiner Miliz, die von den Amerikanern noch in Ungarn ausgebildet wurde, entmachtet. Auch von den Schiiten unter dem
Ajatollah Mohammed Bakir al-Hakim zieht sich Bremer zurück und bestimmt lieber selbst seine irakischen "Berater". Das
aber könnte nur noch mehr Groll erzeugen. Der Ajatollah Ali Sistani fordert so auch, dass die Iraker sich schnell selbst
regieren sollen - und hat ein Treffen mit Bremer abgelehnt. ..» (telepolis vom 23.06.03)
Mehr unter:
«Die Begründung der US-Regierung für den Irak-Krieg basiert auf Fälschungen und Lügen»
Mehr unter:
Anti-Terror-Kampf der USA: US-Regierung benennt dritten 'feindlichen Kämpfer'
Di.24.06.03 - Die US-Regierung hat einen 37-jährigen Mann als
"feindlichen Kämpfer" identifiziert, der im Auftrag des Terrornetzwerks
El Kaida Anschläge in den USA vorbereitet haben soll. Die Einstufung
als feindlicher Kämpfer unterstellt den aus Katar stammenden Ali Saleh
Kahlah el Marri direkt dem Verteidigungsministerium und nimmt ihm Rechte,
die ihm in einem zivilen Verfahren zustehen. Unter der am Montag in Washington
bekannt gegebenen Entscheidung steht ihm kein Anwalt mehr zu; er kann auf
unbestimmte Zeit in Militärgewahrsam festgehalten und schließlich vor ein
Militärgericht gestellt werden, für das nicht alle Vorschriften des US-Strafrechts gelten.
El Marri ist seit Ende 2001 zunächst als Zeuge zur Tatsache in Haft. Dann wurde
ihm zur Last gelegt, die Bundespolizei FBI belogen und Kreditkartenbetrug begangen
zu haben. Er wurde als feindlicher Kämpfer eingestuft, nachdem die Staatsanwaltschaft
die strafrechtlichen Vorwürfe gegen ihn fallen ließen.
El Marri war am 10. September 2001 - einen Tag vor den Anschlägen in New York und
Washington - mit einem Studentenvisum in die USA gekommen. Wie eine Staatsanwältin
im Justizministerium, Alice Fisher, mitteilte, wurde el Marri von einem El-Kaida-Häftling
"positiv identifiziert". Aus Justizkreisen verlautete dazu, dass das am 1. März verhaftete ranghohe
El-Kaida-Mitglied Chalid Scheich Mohammed den USA viele Informationen über die Struktur des
Netzwerks in den USA gegeben habe.
El Marri ist der dritte als "feindlicher Kämpfer" eingestufte Fall im Kampf der USA gegen den
Terrorismus. Die beiden anderen sind der US-Bürger Yaser Esam Hamdi, der im Krieg in Afghanistan
verhaftet wurde, und der Amerikaner Jose Padilla, der an einer Verschwörung mit einer radioaktiven
"schmutzigen Bombe" beteiligt gewesen sein soll.
(Quelle: ap)
Iran will sich gegen möglichen Angriff verteidigen
Di.24.06.03 - Iran ist nach den Worten von Außenamtssprecher Hamid-Resa
Assefi bereit, sich gegen einen möglichen Angriff zu verteidigen. Assefi reagierte damit
auf Äußerungen von US-Staatssekretär John Bolton, der am Wochenende in einem
BBC-Interview militärische Schritte als "eine Option" im Umgang mit dem umstrittenen
iranischen Atomprogramm bezeichnet hatte.
"Iran ist bereit, sich gegen einen möglichen militärischen Angriff zu verteidigen", sagte
Assefi weiter. Die "Drohungen" aus Washington seien "abenteuerlich" und diplomatisch
"unannehmbar" und entstammten der amerikanischen "Feindseligkeit" gegenüber Iran.
Washington solle erst einmal seine Vorwürfe gegen den Irak beweisen.
Die Regierung in Teheran ist wegen des Atomprogramms zunehmend in die internationale
Kritik geraten. US-Präsident George W. Bush hatte in der vergangenen Woche die iranische
Regierung erstmals mit scharfen Worten vor der Entwicklung von Atomwaffen gewarnt. Die
Weltgemeinschaft müsse es gegenüber Teheran ganz klar machen, dass "wir den Bau einer
Atomwaffe in Iran nicht tolerieren". Teheran hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und
wiederholt die friedliche Ausrichtung seines Atomprogramms betont.
Vor dem Hintergrund des Streits hatte die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO)
Teheran vor kurzem zur "lückenlosen Zusammenarbeit mit der Atombehörde" aufgefordert.
Die IAEO forderte Iran gleichzeitig zur Unterzeichnung eines Zusatzprotokolls zum Atomwaffensperrvertrag
auf, das umfassende und unangemeldete Kontrollen der iranischen Atomanlagen erlauben würde.
Die iranische Regierung verhandelt nach Assefis Angaben mit Frankreich über die Auslieferung der dort
verhafteten Mitglieder der Volksmudschahedin, was allerdings von der französischen Regierung
entschieden dementiert wurde. Assefi bestritt am Montag zugleich, dass es geheime Absprachen
mit Paris vor der Razzia gegen die iranische Oppositionsgruppe in der vergangenen Woche gegeben
habe. Frankreich habe in dieser Sache völlig unabhängig gehandelt. Der Außenamtssprecher wies auch
Spekulationen zurück, Iran werde als Gegenleistung für die Festnahme der Volksmudschahedin politische
Zugeständnisse in der Nahost-Politik machen.
Ein Sprecher des französischen Außenministeriums erklärte, weder seien Verhandlungen mit Teheran über
die Auslieferung der oppositionellen Volksmudschahedin im Gange, noch würden sie ins Auge gefasst.
Bereits am Samstag hatte die Pariser Staatsanwaltschaft betont, im Falle der Verhafteten sei keine Abschiebung
vorgesehen. Die französische Polizei hatte am Dienstag voriger Woche 165 Mitglieder der islamisch-marxistischen
Oppositionsgruppe festgenommen. Elf Exil-Iraner, darunter die Leiterin des Nationalen Widerstandsrates der
Volksmudschahedin Mariam Radschawi, kamen in Untersuchungshaft. Ihnen wird Mitgliedschaft in einer terroristischen
Vereinigung und Finanzierung terroristischer Handlungen vorgeworfen.
(Quelle: dpa)
Iran will Demonstrationen zum Jahrestag der Unruhen verbieten
Di.24.06.03 - Die iranische Regierung hat am Montag angekündigt, Demonstrationen
anlässlich des Jahrestages der Studentenunruhen am 9. Juli 1999 zu verbieten. In den vergangenen
beiden Wochen haben Iraner gegen die geistliche Führung in der Islamischen Republik protestiert,
die Demonstrationen ebbten aber ab.
"Das Innenministerium wird Versammlungen außerhalb der Universitäten nicht gestatten", sagte
Regierungssprecher Abdollah Ramasansadeh auf einer Pressekonferenz in Teheran. Das Verbot
gelte auch für Angehörige von Bürgerwehren, die zuletzt Demonstranten mit Knüppeln und Ketten
angegriffen hatten.
Ramasansadeh sagte, den Universitäten sei es freigestellt, ob sie auf ihrem Campus Veranstaltungen
anlässlich des Jahrestages gestatten wollten. "Jede Universität kann unabhängig entscheiden, und die
Regierung wird nicht eingreifen."
Der Regierungssprecher sagte, bei den Demonstrationen in diesem Monat in Teheran seien 470 Menschen
von Polizei und Geheimdienst festgenommen worden, weil sie gegen die öffentliche Ordnung verstoßen hätten.
Einige Studentenführer kündigten weiteren Widerstand an. "Selbst wenn sie uns ins Gefängnis werfen und
uns in Einzelhaft stecken, es wird andere geben, ... die das System mit gewaltsameren Mitteln angreifen", sagte
Saeed Rasawi Fakih am Sonntag Reuters. "Heute sitzen wir auf einem Pulverfass. Wer immer mit dem Feuer
spielen will, wird sich verbrennen."
Die Demonstranten hatten sowohl gegen den konservativen Klerus als auch gegen den gemäßigten Präsidenten
Mohamed Chatami protestiert. Chatami warfen sie mangelnden Reformwillen vor.
Vor vier Jahren hatten sich tagelange Unruhen entzündet, nachdem Sicherheitskräfte ein Studentenwohnheim der
Universität in Teheran gestürmt hatten. Dabei waren mindestens ein Student getötet und zwanzig verletzt worden.
(Quelle: rtr)
Israels Armee nimmt in Hebron rund 100 Palästinenser fest
Di.24.06.03 - Die israelische Armee hat in der Nacht zum Dienstag in
Hebron im Westjordanland rund 100 Palästinenser festgenommen. Der israelische
Rundfunk meldete, unter den Festgenommenen seien zahlreiche Mitglieder der
radikal-islamischen Hamas-Bewegung. Israel wirft einigen von ihnen vor, an
Anschlägen beteiligt gewesen zu sein.
Es wird erwartet, dass Hamas in Kürze eine Waffenruhe ausruft. Israel hat jedoch bereits
betont, dass es darüber hinaus eine Entwaffnung der Extremistengruppen fordert. Israel
fürchtet nach einer Waffenruhe eine Re-Organisation der radikalen Gruppe.
Nach einem weiteren Sicherheitstreffen des israelischen Generals Amos Gilad und des
palästinensischen Sicherheitschefs Mohammed Dachlan hieß es in israelischen Medien,
Israel werde innerhalb weniger Tage aus den wiederbesetzten Autonomiegebieten im
Gazastreifen abziehen. Dort sollte dann den Palästinensern die Sicherheitskontrolle
übergeben werden.
Der israelische Rundfunk meldete unterdessen am Dienstagmorgen, radikale Siedler
hätten nahe Izhar im Westjordanland einen weiteren Außenposten errichtet. Israel hatte
zuletzt ein gutes Dutzend dieser ohne Genehmigung gebauten Kleinsiedlungen geräumt.
Die Siedler hatten angekündigt, sie wollten für jeden geräumten Vorposten mehrere neue
errichten.
(Quelle: dpa)
Palästinenser rechnen mit Zusage der Hamas zum Waffenstillstand
Di.24.06.03 - Die palästinensische Autonomiebehörde rechnet mit der Zusage der
Hamas-Bewegung zu einer Waffenruhe mit Israel. Er erwarte eine positive Antwort,
sagte Außenminister Nabil Schaath am Montag. Die Zusage der Hamas gilt als eine
Voraussetzung für die Umsetzung des internationalen Friedensplans. Die Organisation
kündigte eine rasche Reaktion auf den ägyptischen Vorschlag an. Die Teilnehmer des
Weltwirtschaftsforums in Jordanien forderten beide Seiten zu größeren Anstrengungen
für den Frieden auf.
Aus palästinensischen Verhandlungskreisen verlautete, der Entwurf für ein
Waffenstillstandsabkommen sei dem Hamas-Führer in Damaskus zugegangen,
Chaled Maschal. Die Dauer der Waffenruhe sei darin nicht festgelegt, diese festzulegen
werde den ägyptischen Vermittlern überlassen. In dem Dokument hieß es nach Angaben
des Gewährsmannes, die bewaffneten Gruppen seien bereit, dem palästinensischen
Ministerpräsident Mahmud Abbas eine Chance zu geben, damit dieser ein Abkommen
mit Israel erziele.
Der Entwurf wurde den Angaben zufolge von Marwan Barghuti verfasst, einem inhaftierten
Anführer des palästinensischen Aufstands. Neben Schaath äußerten sich am Montag auch
der palästinensische Kabinettsminister Jassir Abed Rabbo und der Berater Sufian Abu Saideh
zuversichtlich. Sie sprachen von einer positiven Richtung. Hamas-Sprecher Ismail Abu Schanab
erklärte, die Bewegung werde möglicherweise noch am Montag auf die ägyptische Initiative reagieren.
Vertreter der Sicherheitskräfte beider Seiten verhandelten am Montag über den israelischen
Truppenrückzug aus dem Gazastreifen. Es besteht weiter Uneinigkeit über das Ausmaß des
Rückzugs, den Israel im Gegenzug für den Stopp der Terroranschläge anordnen soll.
Bei der vorzeitigen Explosion einer Bombe waren am Sonntagabend im Norden des Gazastreifens
vier Palästinenser getötet worden. Die Männer gehörten nach palästinensischen Angaben den
Al-Aksa-Brigaden an. Militante Palästinenser erklärten am Sonntagabend über Lautsprecher in
Beit Hanun, die vier Männer seien «in Erfüllung ihrer nationalen Pflicht» getötet worden. Wenige
Stunden später stießen am Montagmorgen israelische Panzer in die Ortschaft Karara in der Mitte
des Gazastreifens vor. Sie umstellten nach Informationen palästinensischer Sicherheitskräfte das
Haus eines Hamas-Aktivisten.
Zum Abschluss des Weltwirtschaftsforums am Montag in Schuneh forderte UN-Generalsekretär
Kofi Annan Israel und die Palästinenser auf, sich nicht von Gewaltakten ablenken zu lassen.
Gleichzeitig verlangte er eine größere Rolle für die Vereinten Nationen bei Entscheidungen von
globalem Interesse. US-Außenminister Colin Powell sagte, der internationalen Friedensplan müsse
unverändert umgesetzt werden. "Wir dürfen nicht zulassen, dass Einzelne uns daran hindern
voranzukommen", sagte Powell.
Gastgeber König Abdullah räumte ein, die während des Sondertreffens diskutierten Themen
gehörten zu den schwierigsten der Welt. Es gebe leider noch keine Antworten. Gemeinsam habe
man jedoch hoffentlich einen Prozess begonnen.
Das Weiße Haus kündigte unterdessen an, nach dem Außenminister werde auch Sicherheitsberaterin
Condoleezza Rice in den Nahen Osten reisen. Sie werde am Wochenende in der Region erwartet, wo
sie mit Vertretern beider Seiten über den Friedensplan sprechen werde.
(Quelle: ap)
Israels Regierung erwog offenbar Tötung Arafats
Di.24.06.03 - Israels Führung hat offenbar ernsthaft die Tötung von Palästinenserpräsident Jassir
Arafat erwogen. "Es gab in der Vergangenheit solche Diskussionen, aber nachdem
wir den Nutzen abgewogen haben, ließen wir die Idee fallen", sagte der israelische
Generalstabschef Mosche Jaalon laut einem Bericht der Zeitung "Haaretz".
Israels Präsident Mosche Katzav verteidigte das gezielte Töten von palästinensischen
Attentätern, EU-Außenkommissar Chris Patten übte scharfe Kritik daran.
Katzav sagte dem US-Nachrichtensender CNN: "Wenn die Geheimdienste Informationen
über die Vorbereitung eines terroristischen Angriffs haben, ist es unsere Pflicht, die Bürger
zu schützen." Der israelische Staatschef bezog sich auf die Tötung von Abdallah Kawasmeh,
dem Chef des bewaffneten Hamas-Flügels im Westjordanland.
EU-Außenkommissar Patten sprach indes in einem BBC-Interview von "Strafaktionen"
und nannte diese "kontraproduktiv". Israel müsse Acht geben, damit nicht die Bemühungen
des neuen palästinensischen Regierungschefs Mahmud Abbas um einen Waffenstillstand
mit der radikalen Hamas-Organisation zu erschweren, sagte Patten.
(Quelle: afp)
Kongo: Ultimatum zur Entwaffnung Bunias läuft aus
Di.24.06.03 - In der umkämpften kongolesischen Stadt Bunia läuft am Vormittag eine von
der EU-Eingreiftruppe gesetzte Frist zur Entwaffnung aus. Die unter französischer
Führung stehende Eingreiftruppe hatte allen bewaffneten Milizen ein Ultimatum von
72 Stunden gesetzt, ihre Waffen aus der Stadt zu entfernen. Alle nach Ablauf der
Frist in Bunia gefundenen Waffen sollen konfisziert werden.
Im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo liefern sich die verfeindeten
Volksgruppen Lendu und Hema brutale Kämpfe. Allein im vergangenen Monat
kamen in der Region hunderte Menschen ums Leben. Seit 1999 wurden in dem Gebiet
mehr als 50.000 Menschen getötet; eine halbe Million Bewohner sind auf der Flucht.
(Quelle: afp)
WHO startet weltweite Anti-Gewalt-Kampagne
Di.24.06.03 - Mit einer Kampagne zu Aufklärung und Prävention will die Weltgesundheitsorganisation
(WHO) gegen Gewalt kämpfen. Die erste Studie ihrer Art zu "Gewalt und Gesundheit" soll
die Regierungen in aller Welt ermutigen, gegen Gewalt in allen ihren Formen anzugehen,
sagte Etienne Krug, WHO-Beauftragter für Unfall- und Gewaltprävention, in Berlin. Jährlich
sterben dem Bericht zufolge rund 1,6 Millionen Menschen weltweit eines gewaltsamen Todes.
Etwa die Hälfte davon begehen Selbstmord, rund ein Fünftel sind Opfer von Kriegen oder
Völkermord.
Hinzu kommen Millionen von Menschen, die durch Gewalteinwirkung verletzt werden.
Dabei müssten Opfer von Gewalt besser betreut werden. Gerade bei der psychischen
Betreuung etwa von sexuell misshandelten Frauen und Kindern könnten die
Gesundheitsdienste ihre Hilfe weiter verbessern, sagte Krug.
Besonders wichtig beim Kampf gegen die Gewalt seien Präventionsmaßnahmen: Dies gelte
etwa im Kampf gegen den Konsum von Alkohol und Drogen, die Nutzung von Waffen und die
Ungleichheit der Geschlechter.
Häusliche Gewalt sei nach wie vor ein hoch tabuisiertes Thema, über das die Opfer häufig nicht
sprechen wollten, sagte Christoph Beier von der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ),
die den Bericht mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Zusammenarbeit mit dem
Bundesentwicklungshilfeministerium vorstellte.
Für Europa macht der WHO-Bericht ein deutliches Gefälle zwischen mittel- und osteuropäischen und
ehemaligen Ostblockländern sowie Westeuropa aus. Besonders hoch sei die Zahl der Tötungsdelikte
beispielsweise in Albanien mit einer Rate von mehr als 28 Morden pro 100.000 Einwohner. In Deutschland
liegt die Rate den Angaben zufolge bei 0,8. Zudem warnt die WHO vor der dramatischen Zunahme von
Morden bei Jugendlichen zwischen zehn und 24 Jahren in Osteuropa. In diesen Ländern stelle zudem der
Frauenhandel ein gravierendes Problem dar.
Zu den Empfehlungen des Berichts zählt eine Aufforderung an die Regierungen, nationale Aktionsprogramme
gegen Gewalt zu erarbeiten. Ferner sollen die Daten zur Gewaltproblematik systematischer erfasst sowie die
Forschung und der Informationsaustausch verstärkt werden.
(Quelle: afp)
Heftige Kritik an Festnahme von Bové in Frankreich
Di.24.06.03 - Die Inhaftierung des prominenten Globalisierungskritikers José
Bové hat in Frankreich hohe Wellen geschlagen. Oppositionsgruppen
und Gewerkschaften protestierten am Montag gegen die Festnahme und
Festsetzung des populären Bauernführers vom Vortag. Nach Angaben
seines Anwalts François Roux dürfte Bové wegen Zerstörung gentechnisch
veränderter Pflanzen mindestens sechs Monate im Gefängnis Villeneuve-lès-Maguelone
absitzen - falls Präsident Jacques Chirac ihn nicht per Gnadenerlass befreit.
Gewerkschafter von Bovés Bauern-Bund Confédération paysanne ketteten sich vor der
Präfektur des Departements Corrèze in Tulle an. Bereits Sonntagabend hatten sich hunderte
Demonstranten in der Nähe des Pariser Justizministeriums versammelt. Bové war am frühen
Sonntagmorgen in einem Überraschungscoup aus seiner Schäferei in Südfrankreich
abtransportiert worden. Wegen der Zerstörung von Gen-Pflanzen war er zu zehn Monaten
Haft verurteilt worden.
Der Chef der Gewerkschaft FO, Marc Blondel, nannte es "schockierend", dass Bové als
Gewerkschafter wie ein gefährlicher Verbrecher behandelt werde. Den Behörden warf er
"autoritäres Verhalten" vor. Auch andere Gewerkschaften protestierten. Bovés
Bauern-Bund und die linksextreme Partei LCR riefen zu Kundgebungen und Störaktionen
bei allen Auswärtsterminen der Pariser Minister und Chiracs auf. Die Sozialisten kritisierten
Bovés "spektakuläre" Festnahme. Die Regierung habe sich damit für "Gewalt und
Auseinandersetzung" entschieden, bemängelte Parteisprecherin Annick Lepetit.
(Quelle: afp)
Erneut Flüchtlingsboot vor italienischer Küste
Di.24.06.03 - Vor der süditalienischen Küste ist abermals ein Boot mit Flüchtlingen aus
Afrika aufgetaucht. Die Küstenwache habe das mit etwa 150 Menschen
besetzte Boot in der Nacht zum Montag vor der sizilianischen Küste
abgefangen und in den Hafen von Porto Palo geleitet, teilten die Behörden
mit. Zwei mutmaßliche Schlepper seien festgenommen worden. Die Flüchtlinge
stammen offenbar vom Horn von Afrika. Sie seien in ein Auffanglager gebracht
worden, wo sie ärztlich versorgt würden. Nach dem Kentern eines Flüchtlingsschiffes
vor Tunesien am Freitag gehen die Rettungskräfte davon aus, dass dabei mehr als
200 Passagiere ums Leben kamen.
Der italienische Außenminister Franco Frattini schlug eine "Belohnung" für all jene
Herkunftsländer vor, die potenzielle Flüchtlinge auf eigenem Territorium von der
Überfahrt nach Italien abhalten. Für solche Länder könnten etwa die regulären
Einwandererquoten erhöht werden, sagte Frattini in einem Interview mit dem "Corriere
della Sera".
Der Minister lobte die Anstrengungen Ägyptens, Flüchtlingsschiffe bereits bei der Fahrt
durch den Suez-Kanal zu identifizieren. Von Tunesien und Libyen forderte Frattini verstärkte
Anstrengungen. Seit Anfang des Monats kommen in Italien beinahe täglich Boote mit
Flüchtlingen an. Der Umgang mit diesen Menschen ist in der Regierungskoalition strittig.
Vor allem die rechtsgerichtete Liga Nord fordert eine drastische Verschärfung der
Einwanderungsrichtlinien.
Die Rettungskräfte vor der tunesischen Küste gaben inzwischen ihre Hoffnung auf, weitere
Überlebende des Unglücks vom Freitag zu finden. Tunesische Marineschiffe patrouillierten
zunächst noch weiter im Mittelmeer. Zahlreiche Opfer würden möglicherweise nie gefunden,
sagten Vertreter der Küstenwache. Außerdem sei die Identifizierung der geborgenen Toten
schwierig, da viele Flüchtlinge absichtlich keine Papiere dabei hatten. Bis Sonntag waren
knapp 50 Opfer wurden tot geborgen worden. 41 Menschen überlebten das Unglück und
wurden vorläufig in Tunesien untergebracht.
(Quelle: afp)
«Über das Meer in den Tod»
«Jedes Jahr, wenn in Westafrikas Sahelzone die Ernte vorbei ist,
wandern Millionen von Männern aus. Sie ziehen aus den Dörfern in
die Städte und nehmen eine saisonale Lohnarbeit an. Damit
verdienen sie Geld für die Familie. Und das Dorf bekommt Kontakt
zur großen, weiten Welt. Es ist eine alte Tradition.
Heute ist die Welt größer und weiter denn je, und die Westafrikaner
begnügen sich nicht mehr mit der nächsten Metropole. Deren
Slums sind ja längst schon mit Arbeitslosen überfüllt, die den Weg
zurück ins Dorf scheuen - weil dort Krieg herrscht, weil lästige
Streitereien und Verwandte drohen, weil man inzwischen vielleicht
eine eigene Familie hat. Ein paar Jahre sparen, ein wenig Glück
und die richtigen Freunde - und schon reicht es für die Fahrkarte
ins Paradies. Europa, Afrikas Nachbarkontinent, ist jedes Jahr Ziel
von mehr Migranten aus Afrika. Und jedes Jahr bleiben mehr von
ihnen auf der Strecke.
Kenternde Boote zwischen Tunesien und Italien sind nur die letzte,
schreckliche Station einer beschwerlichen Reise. ..» (tageszeitung vom 24.06.03)
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Bush ruft Europäer zur Einfuhr von Gen-Mais auf
Di.24.06.03 - US-Präsident George W. Bush hat die europäischen
Staaten dazu aufgerufen, ihren Boykott der Einfuhr von Gen-Mais und
anderen genetisch veränderten Agrarprodukten zu beenden. Das
Import-Moratorium der EU hindere afrikanische Bauern daran, die Vorteile
genmanipulierter Anbauprodukte zu nutzen und diese für den Kampf gegen
den Hunger einzusetzen, sagte Bush am Montag vor dem Verband der
Biotechnologie (Biotechnology Industry Association) in Washington.
"Zum Wohle eines von Hunger bedrohten Kontinents rufe ich die europäischen
Regierungen auf, ihre Opposition gegen die Biotechnologie zu beenden", sagte
Bush unter dem Applaus der Verbandsmitglieder. Die USA haben im Mai eine
Beschwerde bei der Welthandelsorganisation (WTO) gegen das Import-Moratorium
der EU eingelegt. In den USA werden gentechnisch veränderte Mais- oder
Sojabohnenarten bereits in großem Maßstab angebaut. Dabei wurden die Pflanzen mit
Merkmalen versehen, die sie resistent gegen schädliche Insekten oder Krankheiten machen.
Auf einer internationalen Konferenz im kalifornischen Sacramento warb
US-Landwirtschaftsministerin Ann Veneman am Montag für einen verstärkten
Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut. Die Biotechnologie könne auch
Kleinbauern helfen, ihre Erträge zu steigern, sagte Veneman vor Landwirtschaftsministern,
Gesundheitspolitikern und Wissenschaftlern aus 120 Ländern. Im Mittelpunkt der Vorträge
und Diskussionen steht der mögliche Beitrag neuer Anbaumethoden für den Kampf gegen
den Hunger in Entwicklungsländern. Gegen die Konferenz demonstrierten am Montag rund
1.500 Menschen in der Umgebung des Veranstaltzungsortes. Auf Transparenten hieß es:
"Ernährt die Bedürftigen, nicht die Gierigen!". Elf Demonstranten wurden festgenommen.
(Quelle: ap)
«Ist Gentechnik ein Mittel gegen den Hunger in der Welt?»
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Umweltbericht der USA ohne Kapitel zum Klimawandel
Di.24.06.03 - Nach Differenzen mit dem Weißen Haus über den
Klimaschutz hat die Umweltbehörde der USA (EPA) ihren diesjährigen
Umweltbericht ohne das dazu geplante Kapitel veröffentlicht. Wegen
unterschiedlicher Auffassungen und wegen der anhaltenden Debatte
über die globale Erwärmung sei der Abschnitt über den Klimawandel aus
dem Bericht entfernt worden, teilte der Leiter der EPA-Forschungsabteilung,
Paul Gilman, am Montag in Washington mit.
Der zweibändige "Report on the Environment" führt von der Luftqualität bis
zum Trinkwasser eine Reihe von Verbesserungen auf, weist aber auch auf offene
Probleme hin. Der Bericht hält fest, dass sich die Luftqualität in den USA in den
vergangenen 30 Jahren um 25 Prozent verbessert hat. Fabriken geben deutlich
weniger giftige Substanzen in die Umwelt ab. Und der Anteil der Trinkwassersysteme,
die alle Gesundheitsbestimmungen erfüllen, ist in einem Jahrzehnt von 79 auf 90 Prozent
gestiegen.
Aber immer noch lebt die Hälfte der Bevölkerung in Regionen, in denen an manchen Tagen
die Höchstwerte für Luftschadstoffe überschritten werden. Tausende von Flüssen und
Bächen sind dem Bericht zufolge nicht sauber genug, um allen Arten eine Lebensgrundlage
zu geben. Die Zahl der Strandschließungen hat zugenommen, und jedes Jahr verschwinden
40.000 Hektar Feuchtgebiete. Der Bericht mache deutlich, "wie weit wir gekommen sind und
wohin wir noch gelangen müssen", sagte EPA-Leiterin Christie Whitman bei der Vorstellung
des Berichts in Washington.
(Quelle: ap)
Sturm fegt über Deutschland - Ausnahmezustand in Berlin
Di.24.06.03 - Ein Sturm mit orkanartigen Böen hat am Montag in Teilen
Deutschlands stellenweise erhebliche Schäden verursacht.
In Berlin wurden nach Angaben der Feuerwehr bei Windgeschwindigkeiten von
über hundert Kilometern pro Stunde zahlreiche Bäume entwurzelt. Äste und Ziegel
wurden von den Böen abgerissen. In der Berliner Innenstadt begrub ein Baum nach
Polizeiangaben einen Wagen mit einem Ehepaar unter sich. Der schwer verletzte Mann
musste von Rettungskräften aus dem völlig demolierten Fahrzeug mit schwerem Gerät
befreit werden. "Kurz nach 19.00 Uhr wurde der Ausnahmezustand Stufe eins ausgerufen",
sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Pausenlos seien Anrufe bei der Feuerwehr eingegangen.
Alle verfügbaren Kräfte seien ausgerückt, um Schäden zu beheben.
Nach einem ersten Eindruck gehe es vor allem um so genannte Baumschäden, sagte der
Feuerwehr-Sprecher. Der Schaden lasse sich noch nicht abschätzen. Bei der Polizei in der
Hauptstadt hieß es, zwischen 19.30 und 21.00 Uhr seien die Beamten über 350 Mal wegen
des Sturms im Einsatz gewesen. In dieser Zeit seien in den Polizeiwachen über tausend
Anrufe wegen des Unwetters entgegengenommen worden.
Augenzeugen berichteten von Straßen, in denen abgebrochene Äste das Fortkommen
erschwerten. Autos seien von herabfallenden Gegenständen teils schwer beschädigt worden.
Nach Angaben eines Augenzeugen entgleiste eine S-Bahn an der Grenze zwischen Berlin und
Potsdam, da Äste auf den Gleisen lagen. Von den Berliner Verkehrsbetrieben war dafür zunächst
keine Bestätigung zu erhalten. Begleitet wurde der Sturm auch von starken Regenfällen. Ob
großflächig Keller überflutet wurden, konnte der Sprecher zunächst nicht sagen.
Der Sturm hat auch in anderen Teilen Deutschlands Spuren hinterlassen. In Hamburg wurden nach
Behördenangaben Häuser teilweise abgedeckt. In Erfurt wurde der Zugverkehr nach Angaben des
Lagedienstes im Innenministerium sturmbedingt zeitweise unterbrochen.
(Quelle: rtr)
Verteidigungsetat wird 2007 um 800 Millionen Euro erhöht
Di.24.06.03 - Verteidigungsminister Peter Struck hat die Erhöhung des Wehretats
angekündigt. Im Jahr 2007 kommen rund 800 Millionen Euro hinzu. Darauf habe er sich
mit Finanzminister Hans Eichel verständigt, sagte Struck in Berlin. Außerdem haben sich
beide Minister verständigt, die mittelfristige Finanzplanung einzuhalten. Danach wird der
Verteidigungshaushalt noch bis 2006 jährlich einen Umfang von 24,4 Milliarden Euro haben.
Aus der Union hieß es, die angekündigte Erhöhung sei "ein ungedeckter Scheck auf die Zukunft".
(Quelle: dpa)
FDP für 40-Stunden-Woche in Westdeutschland
Di.24.06.03 - Statt für die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland zu streiken, sollte
sich die IG Metall nach Ansicht der Freien Demokraten lieber für die
Rückkehr zur 40-Stunden-Woche im Westen stark machen. Der Vizechef
der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle, sagte der "Berliner Zeitung":
"Wir können unseren Wohlstand in Deutschland nur halten, wenn wir wieder
mehr arbeiten".
Es sei "ein Trugschluss der Gewerkschaftsfunktionäre, dass wir mit immer
weniger Arbeit immer mehr Wohlstand erreichen können", kritisierte der
FDP-Politiker. Deutschland dürfe bei der Arbeitszeit international nicht den
Anschluss verlieren. Brüderle warnte: "Schon heute machen die Investoren
einen großen Bogen um Deutschland, weil die tariflichen Arbeitszeiten so
unattraktiv sind".
(Quelle: afp)
BMW-Kurzarbeit kostet Bundesanstalt rund 1,7 Millionen Euro
Di.24.06.03 - Die von BMW wegen des ostdeutschen Metallerstreiks
beantragte Kurzarbeit wird der Bundesanstalt für Arbeit (BA) aller
Wahrscheinlichkeit nach rund 1,7 Millionen Euro kosten. BA-Fachleute
seien bei ihren Berechnungen von etwa einer Woche Kurzarbeit bei rund
10 000 Beschäftigten ausgegangen, teilte ein Sprecher der Nürnberger
Bundesbehörde am Montag mit.
Darüber hinaus müsse BMW weitere 900 000 Euro an Sozialversicherungsbeiträgen
bezahlen, sagte der Sprecher. Insgesamt sind nach BMW-Angaben rund 10 000
Arbeiter in den Werken Regensburg und München von Kurzarbeit betroffen.
Unterdessen zerstreute der BA-Sprecher Zweifel, die Nürnberger Bundesanstalt
könnte die beantragten Kurzarbeitergelder für die BMW- Mitarbeiter wegen der
besonderen Umstände der Kurzarbeit ablehnen. Dies wäre etwa dann der Fall, wenn
die BMW-Werke in der bestreikten Region angesiedelt wären oder deren Beschäftigte
von den erkämpften Streikzielen profitieren würden. Beides sei nicht der Fall.
"Da in den BMW-Werken Regensburg und München bereits die im Osten geforderte
35-Stunden-Woche besteht, profitierten die dortigen Beschäftigten nicht von einer
möglichen Tarifeinigung", sagte ein BA- Sprecher. Damit entfalle ein wichtiges
Hindernis für die Zahlung von Kurzarbeitergeld.
Die letzte Entscheidung habe allerdings der Neutralitätsausschuss der BA. Dieser ist
paritätisch mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern besetzt. Die nächste Sitzung unter der
Leitung von BA-Chef Florian Gerster ist für 7. Juli geplant. Das Kurzarbeitergeld werde
daher erst rückwirkend an die Betroffenen ausgezahlt, sagte der Sprecher.
(Quelle: dpa)
EPA erteilt Patent auf Kekse und Teig aus bestimmter Weizensorte
Di.24.06.03 - Kekse und Teig aus einer bestimmten Weizensorte und die
Pflanzen selbst sind jetzt von Europäischen Patentamt zugelassen worden, berichtet die
Umweltorganisation Greenpeace http://www.greenpeace.at heute, Montag.
Der Saatguthersteller Monsanto hatte im Mai 2003 ein Patent auf Weizen zur "Herstellung von
knusprigen, mehlhaltigen, essbaren Produkten wie Biskuits erhalten. Bei dem Produkt handelt
es sich um die Kreuzung einer traditionellen indischen Weizensorte mit anderen Pflanzen. Nach
Ansicht der Umweltorganisation veranschauliche dieses Vorgehen, dass die Biopatent-Vergabe
völlig außer Kontrolle geraten ist.
"Die sogenannte Erfindung der Firma Monsanto, EP 445929, besteht
darin, dass sie eine Kreuzung aus den verschiedenen Pflanzen zusammengestellt hat", so Thomas Fertl,
Patent-Experte von Greenpeace Österreich. Dabei handle es sich um eine normale Züchtung, nicht um
genmanipulierte Pflanzen. "Monsanto benutzt lediglich die Gene, die natürlicherweise in den Pflanzen
vorhanden sind", erklärt Fertl.
"Dieser Fall zeigt, welche Dimensionen Patente auf Leben erreicht haben.
Nicht nur gentechnisch veränderte, sondern auch ganz normale Pflanzen und Tiere werden patentiert,
wenn in ihnen Gene von wirtschaftlichem Interesse entdeckt werden", meint Christoph Then, Patentexperte
von Greenpeace Deutschland. Die Umweltorganisation sieht darin einen "Diebstahl" von geistigen Eigentum
von indischen Landwirten, die über Jahrhunderte diesen speziellen Weizen gezüchtet haben. Greenpeace
fordert schon seit längerem ein generelles Verbot der Patentierung von Genen, Lebewesen und Saatgut.
Monsanto könnte in Zukunft nicht nur Bauern, sondern auch Bäckereien, Konditoreien und Supermärkte
verklagen, wenn sie Kekse oder Kuchen aus patentiertem Weizen herstellen oder verkaufen. Seit 1998 ,aufgrund
einer EU-Richtlinie, erteilt das Europäische Patentamt in München Patente auf Gene und Lebewesen. Die
Umweltorganisation bereitet einen Einspruch gegen das Patent vor.
Mehr als die Hälfte der Deutschen ist online
Di.24.06.03 - Die Hälfte der Deutschen verfügt nunmehr über einen Internet-Zugang. Um 5,4 Millionen neue Internet-Nutzer stieg die Zahl
der Onliner in Deutschland damit auf insgesamt 32,1 Millionen Bundesbürger im Alter über 14 Jahre. Zählten im vergangenen
Jahr erst 41,7 Prozent zu den Nutzern des Mediums, so hat sich das Verhältnis in diesem Jahr nahezu umgekehrt: Den 50,1
Prozent Onlinern stehen heute 42,7 Prozent Offliner gegenüber, die keine Anschaffung eines Internetzugangs in der nächsten
Zeit planen. Jeder zweite Bundesbürger ohne Job nutzt das Internet, was einer Steigerung um 17 Prozentpunkte gegenüber dem
Vorjahr entspricht.
Dies sind die Kernergebnisse des (N)ONLINER Atlas 2003 den die Marktforscher von TNS Emnid und die Initiative
D21 am Montag in Berlin vorstellte. Mit über 30.000 Interviews ist dies nach Aussage der Initiatoren die größte Studie zur
Nutzung und des Internet, die es ermöglicht, bis auf die Ebene der Regierungsbezirke regionale Unterschiede der
Internet-Nutzung in Deutschland sichtbar zu machen. (Quelle: heise) Mehr unter:
«Anonymer, freier Hotspot im Museumsquartier Wien»
«Der Verein q/uintessenz nimmt am Mittwoch im MuseumsQuartier Wien
einen Hotspot in Betrieb. Ab 19 Uhr geht im Cafe Leopold/MuseumsQuartier das
Eröffungsevent über die Bühne.
Das Besondere an dem "q/spot" genannten drahtlosen Internetzugang ist, dass
keine Daten über die Nutzer des kostenlosen Angebotes gespeichert werden.
Damit wird anonymes Surfen im Internet (wieder) möglich. Genutzt werden kann
der WLAN-Access-Point rund um die Uhr im großen Hof des MuseumsQuartier
Wien. (...)
q/uintessenz möchte mit dem q/spot ein politisches Zeichen für digitale
Bürgerrechte setzen, aber auch der Stadt eine Qualität zurück geben, die ihr immer
mehr verloren geht: Anonymität des Einzelnen. "Gemäß der EU-Direktive für
Datenschutz und dem österreichischen Datenschutzgesetz 2000 werden alle
angefallenen Datensätze, die nicht für die Abrechnung benötigt werden, umgehend
gelöscht. Am q/spot gelten keine besonderen Regeln, sondern der Common Sense
des Internet, was schonenden Umgang mit Bandbreite etc. betrifft. (...) Die
Nutzung des q/spot ist gratis.
» (Quelle: "Der Standard" vom 23.06.03)
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B.O.A.-Künstlerkooperative
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: 089- 280621,
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