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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Mo.30.06.03, 12:45 Irak am hundertunddritten Tag nach Kriegsbeginn
US-Truppen beginnen neue Operation gegen irakischen Widerstand +++
US-Verwalter in Irak setzt auf Festnahme Saddam Husseins +++
Mehr als 60 US-Tote im Irak seit Kriegsende +++
US-Armee: Eindringen ausländischer Kämpfer in Irak nicht zu stoppen +++
US-Politiker will Selbstmordattentäter mit Schweineblut abschrecken +++
Mo.30.06.03 - Mit einer Demonstration der Stärke haben die amerikanischen
Besatzungstruppen am Sonntag begonnen, gegen den sich vor allem in Mittelirak regenden
paramilitärischen Widerstand vorzugehen. In der in den frühen Morgenstunden begonnenen
Großrazzia wurden bis zum Abend nach US-Angaben mehr als 60 Verdächtige bei 20 Zugriffen
verhaftet. Der Einsatz ist gegen Aufständische und ranghohe Funktionäre des gestürzten
Regimes von Saddam Hussein gerichtet und soll mehrere Tage dauern. Die US-Streitkräfte
reagierten damit auf eine drastische Zunahme von Angriffen, die in der vergangenen Woche
fast täglich Tote in ihren Reihen gefordert hatten.
"Wir gehen mit einer so überwältigenden Kampfkraft vor, dass unsere Gegner gar nicht erst an
Gegenwehr denken werden", beschrieb Oberstleutnant Mark Young in Camp Boom 50 Kilometer
nordöstlich von Bagdad die Operation "Klapperschlange". In Chalis, 70 Kilometer nördlich der
irakischen Hauptstadt, wurde ein Mann verhaftet, der nach Militärangaben junge Kämpfer für
Angriffe gegen US-Soldaten rekrutierte. In der sunnitischen Stadt Dodschima durchsuchten die
Truppen mehrere Häuser mutmaßlicher Anhänger von Saddam Hussein, in denen sich Waffenlager
befunden haben sollen.
Die Angriffe auf die Besatzungstruppen haben in den vergangenen Tagen zugenommen. Am
Sonntagmorgen wurde bei einem Überfall auf einen US-Militärkonvoi ein irakischer Zivilist getötet.
Zwei Soldaten wurden verletzt. Der Vorfall ereignete sich laut Militärangaben im Südwesten Bagdads
auf der Straße zum Flughafen. Kurz zuvor hatten Gegner der amerikanischen Besetzung eine
US-Patrouille westlich von Bagdad mit Granaten beschossen.
Am Samstag waren zwei seit drei Tagen vermisste US-Soldaten nördlich von Bagdad tot aufgefunden
worden. Eine US-Militärkolonne wurde am späten Freitagabend im schiitischen Bagdader Viertel Thaura
angegriffen - ein Soldat wurde getötet, vier weitere und ein als Dolmetscher arbeitender irakischer Zivilist
wurden verletzt. Insgesamt stieg die Zahl der im Krieg und danach getöteten US-Soldaten auf 201. Davon
kamen 63 nach dem am 1. Mai erklärten Ende der Kampfhandlungen ums Leben.
Nach Einschätzung von US-Zivilverwalter Paul Bremer trägt das ungeklärte Schicksal des gestürzten irakischen
Präsidenten zu den andauernden Angriffen bei. Furcht vor einer Rückkehr Saddam Husseins an die Macht halte
die Iraker von der Zusammenarbeit mit den Alliierten ab, sagte er am Sonntag. "Es ist wichtig, dass wir ihn ergreifen
oder töten."
Weil Irak seit 30 Jahren keine Erfahrung mit der Demokratie habe, sei es schwierig, eine Übergangsregierung zu
bilden, sagte Bremer weiter. Er kündigte eine Konferenz für den kommenden Monat an, um mit der Ausarbeitung
einer Verfassung zu beginnen. Nach seinen Angaben arbeiten derzeit 240 Krankenhäuser im Land wieder. Die
Hauptstadt Bagdad werde 18 bis 20 Stunden pro Tag mit Strom versorgt.
Auch der deutsche Geschäftsträger in Bagdad, Claude Robert Ellner, wurde angegriffen. Nach Informationen der
"Bild am Sonntag" eröffneten Unbekannte zwei Mal kurz hintereinander das Feuer auf den ungepanzerten Wagen
des Diplomaten. Der Vorfall habe sich bereits vor einer Woche ereignet. Personenschützer der GSG-9 hätten
zurückgeschossen. Ellner sei nicht verletzt worden. Das Auswärtige Amt wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren.
Die US-Streitkräfte in Irak sehen sich außer Stande, das Eindringen ausländischer
Milizionäre ins Land zu verhindern. "Wir versuchen, die Kontrolle der Grenzen durch die
Iraker wiederherzustellen", sagte ein US-Militär am Samstag in Bagdad. Gleichwohl könnten
ausländische Milizionäre jederzeit über die Grenzen ins Land kommen. Die Hunderte Kilometer
langen Grenzen in den Wüstenregionen könnten unmöglich umfassend kontrolliert werden.
Wer immer entschlossen und zäh genug sei, könne ins Land kommen, sagte der US-Militär.
Mit Schweineblut will ein US-Politiker irakische Moslems von
Selbstmordattentaten abschrecken. In einem Flugblatt an 39 Politikerkollegen
schlug ein Vertreter der Demokratischen Partei aus dem US-Bundesstaat
Massachusetts, Guy Glodis, vor, Selbstmordattentäter mit Schweineblut
und -eingeweiden zu begraben. Dem Handzettel zufolge verdammt diese Praxis
Anhänger des Islams "in die Hölle", da ihnen der Verzehr von Schweinefleisch
und jeglicher Kontakt zu Schweinen verboten sei. Mit in Schweineblut gedrängten
Kugeln habe bereits 1913 der US-General John Pershing moslemische Extremisten
auf den Philippinen hinrichten und anschließend mit den tierischen Eingeweiden
begraben lassen. Diese Praxis könne vielleicht in Irak angewandt werden, heißt es
auf dem Flugblatt, das von der US-Zeitung "Boston Globe" veröffentlicht wurde.
(Quellen: ap, afp)
«Das US-Verteidigungsministerium will
Afghanistan-Gefangene auf dem kubanischen
Marinestützpunkt Guantánamo vor Militärtribunale stellen. Hinrichtungen
sollen mit der Giftspritze erfolgen. Eine psychiatrische Klinik
soll Selbstmordversuchen vorbeugen» (taz vom 30.06.03)
Mehr unter:
Iran widersetzt sich unangekündigten UN-Kontrollen
Mo.30.06.03 - Iran widersetzt sich unangekündigten Kontrollen seiner Atomanlagen
durch UN-Inspekteure. "Bevor Iran einen Schritt nach vorne macht, ist es
unser Recht zu erwarten, dass die anderen einen Schritt nach vorne machen",
sagte der iranische Außenminister Kamal Charrasi bei einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit seinem britischen Kollegen Jack Straw in der iranischen
Hauptstadt Teheran. Straw sollte die iranische Regierung bei seinem zweitägigen
Besuch dazu bewegen, ein Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag zu
unterzeichnen, das der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA das Recht auf
spontane Kontrolle der Nukleareinrichtungen einräumt.
Sollte Iran das Protokoll unterschreiben, werde die internationale Gemeinschaft "in
nicht allzu ferner Zukunft" soviel Vertrauen in das Land haben, "dass die Sanktionen
aufgehoben werden", betonte Straw. Allerdings müsse der erste Schritt von Iran ausgehen.
Mehrere Staaten wie die USA und Großbritannien werfen Iran vor, an einem
Atomwaffenarsenal zu arbeiten. Teheran weist die Vorwürfe zurück. In ihrer bislang
schärfsten Mahnung seit Beginn des Streits hatte die IAEA Mitte Juni von Teheran die
Zulassung bedingungsloser und strikter Kontrollen der Nuklearanlagen verlangt.
(Quelle: afp)
Hamas und Islamischer Dschihad verkünden Waffenruhe
Mo.30.06.03 - Die radikalen Palästinenserorganisationen Hamas und Islamischer Dschihad
haben eine dreimonatige Waffenruhe verkündet. Alle anti-israelischen Angriffe
würden eingestellt, teilten die Gruppen in Gaza mit. Die Fatah von
Palästinenserpräsident Jassir Arafat kündigte eine ähnliche Erklärung an. Israel
wies die Verkündung der Waffenruhe zurück. Einziger Gesprächspartner sei die
Autonomiebehörde, sagte ein Sprecher von Ministerpräsident Ariel Scharon.
US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice sprach mit Vertretern beider Konfliktparteien.
Der Islamische Dschihad und die Hamas setzten ab sofort "sämtliche Militäroperationen"
aus, hieß es in der gemeinsamen Erklärung. Bedingung sei, dass Israel seine "Aggressionen"
beende, die Besatzungspolitik gegenüber der Bevölkerung und Palästinenserpräsident Arafat
einstelle und mehr als 5000 Gefangene freilasse.
Die Armee will nach palästinensischen Angaben am Montag aus Teilen des Gazastreifens abziehen.
Der geplante Truppenrückzug betreffe die Ortschaften Beit Hanun, Beit Lahia und die Pufferzonen
zwischen dem Gazastreifen und Israel, sagte ein palästinensischer Teilnehmer der Sicherheitsgespräche
am Kontrollpunkt Eres. Die Vereinbarung sehe zudem vor, dass die Hauptverbindungsstraße im Gazastreifen
künftig rund um die Uhr geöffnet sein und der Grenzübertritt nach Ägypten erleichtert werde.
Männern unter 35 Jahren solle wieder erlaubt werden, den Gazastreifen zu verlassen. Zudem werde einer
größeren Zahl von Palästinensern die Arbeit in Israel ermöglicht. Der israelische Abzug aus den wiederbesetzten
Palästinensergebieten ist eine der Forderungen des Friedensfahrplans des Nahost-Quartetts.
Rice kritisierte die Fortsetzung der Bauarbeiten an dem Sicherheitszaun zwischen Israel und dem Westjordanland.
Bei ihren Gesprächen mit Ministern habe Rice die Umzäunung als "problematisch" bezeichnet, verlautete aus dem
Umfeld der israelischen Regierung. Der Wall könne "vollendete Tatsachen schaffen" und als eine Grenzmarkierung
interpretiert werden. Scharon habe daraufhin betont, er sei in dieser Frage nicht zu einem Zurückweichen bereit,
auch wenn Washington anderer Meinung sei.
(Quelle: afp)
«Wortlaut der Waffenstillstandserklärung von Hamas und Dschihad»
Mo.30.06.03 - Die militanten palästinensischen Organisationen Hamas und
Dschihad haben am Sonntag eine dreimonatige Waffenruhe verkündet. Im
folgenden der Wortlaut der Erklärung, in der Israel als zionistischer Feind
bezeichnet wird, in einer Übersetzung der Nachrichtenagentur AP:
«Im Wunsch für Einheit in unseren palästinensischen Reihen in dieser gefährlichen
Phase, die unser Volk und unsere Sache durchmachen, und um unsere nationale
Ordnung zu schützen, die mit der Intifada und dem Widerstand erreicht wurde und
dokumentiert ist durch das Blut der Märtyrer, und als Beitrag von uns zur Konsolidierung
des palästinensischen nationalen Dialogs auf der Grundlage der Einhaltung der Rechte
unseres Volkes, und um unsere innere Front vor den Gefahren der Spaltung und Konfrontation
zu schützen, und um dem Feind den Vorwand zu nehmen sie zu zertrümmern, in der
Geltendmachung des legitimen Rechts, der Besatzung Widerstand zu leisten als eine strategische
Entscheidung bis zum Ende der zionistischen Besetzung unseres Landes und bis wir alle unsere
nationalen Rechte erreicht haben, und in Antwort auf die vielen in der palästinensischen und
arabischen Arena, die sich um die Geschlossenheit der palästinensischen Reihen sorgen, erklären
wir die folgende Initiative:
A. Aussetzung der militärischen Operationen gegen den zionistischen Feind für drei
Monate, ab heute, unter den folgenden Bedingungen:
1. Eine sofortige Einstellung aller Formen zionistischer Aggression gegen unser
palästinensisches Volk einschließlich Vorstößen, Zerstörung, Abriegelungen und
Belagerungen von Städten, Dörfern und Flüchtlingslagern, einschließlich der Belagerung
von Präsident Jassir Arafat, Hauszerstörungen, Einebnen landwirtschaftlicher Flächen und
Angriffe gegen Land, Eigentum und heilige christliche und islamische Stätten, insbesondere
die Al-Aksa-Moschee. Ferner die Einstellung aller individuellen Mord-Operationen, Massaker,
Kollektivmaßnahmen, aller Verhaftungen und Deportationen gegen unser Volk, Kader und Kämpfer.
2. Die Freilassung aller Gefangenen und Inhaftierten, palästinensischer und arabischer, aus
Besatzungsgefängnissen ohne Bedingungen und Einschränkungen und die Rückgabe ihrer
Häuser und vordringlich jener, die lange einsitzen und solcher mit langen Strafen, mit Frauen,
Kindern, die Kranken und Alten.
B. Sollte der Feind nicht entsprechend dieser Bedingungen und Verpflichtungen handeln, oder
gegen eine davon verstoßen, sehen wir uns von dieser Initiative entbunden und werden den
Feind für alle Konsequenzen verantwortlich machen.»
(Quelle: ap)
Israel beginnt mit Abzug aus Gaza
Mo.30.06.03 - Israel und die Palästinenser haben erste Schritte zur Umsetzung des
internationalen Friedensplans unternommen. Die israelische Armee begann am
Sonntagabend mit dem Abzug aus dem Norden des Gazastreifens. Nach Berichten
israelischer Medien, die von den Palästinensern bestätigt wurden, bewegten sich
Panzerfahrzeuge aus dem Gebiet von Beit Chanun in Richtung der Grenze zu Israel.
Am Sonntag hatten sich der israelische Befehlshaber für den Gazastreifen,
Brigadegeneral Gad Schamni, und der palästinensische General Abdel Rasik el
Medscheida am Grenzübergang Eres getroffen und Einzelheiten des Rückzugs
besprochen. Nach dem Abzug der Israelis wollen die palästinensische Sicherheitskräfte
ab Montagmorgen in dem Gebiet für Ruhe und Ordnung sorgen. Schamni und el Medscheida
besprachen auch die Wiederöffnung der Fernstraße, die den Gazastreifen von Nord nach Süd
durchzieht. Gespräche über einen israelischen Rückzug aus Bethlehem im Westjordanland
sollen in dieser Woche folgen.
Die israelischen Streitkräfte betonten, trotz des Abzugs würden sie die Lage in den
Gebieten weiter genau überwachen, um die Sicherheit israelischer Bürger garantieren zu können.
Nach offiziellen palästinensischen Angaben will die Fatah alle Aktionen gegen Israel für
sechs Monate einstellen. Allerdings verlangt die Fatah, dass Israel den international
Nahost-"Fahrplan" umsetzt, die jüdischen Siedlungen in den palästinensischen nicht
weiter ausbaut und Arafat Bewegungsfreiheit gewährt.
Die US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice erörterte mit der israelischen und der palästinensischen
Führung, wie die Umsetzung des internationalen Friedensplans vorangetrieben werden kann. Der
israelische Ministerpräsident Ariel Scharon informierte Rice über geplante Maßnahmen, die
Beschränkungen für Palästinenser zu lockern. Dazu gehören die Entlassung palästinensischer
Häftlinge und die Erlaubnis, den 2001 von Israel zerstörten Flughafen von Gaza-Stadt wieder aufzubauen.
Rice übte Kritik an dem im Bau befindlichen acht Meter hohen Sicherheitszaun, der Kern-Israel
vom Westjordanland trennen und das Einsickern von Selbstmordattentäter verhindern soll. Das
könne als Vorwegnahme der endgültigen Grenzziehung interpretiert werden. Mitglieder des israelischen
Sicherheitskabinetts erwiderten nach Angaben von Radio Israel, der Zaun sei aus Sicherheitsgründen
unverzichtbar und unverhandelbar.
Rice war Samstagabend in der Region eingetroffen und hatte zunächst in Jericho mit dem
palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas, Außenminister Nabil Schaath und
Sicherheitsminister Mohammed Dachlan gesprochen. Dabei lud sie Abbas zu einem Besuch im
Weißen Haus nach Washington ein.
(Quelle: dpa)
Palästinensische Truppen übernehmen Kontrolle über geräumte Stadt
Mo.30.06.03 - Nach dem israelischen Truppenabzug haben palästinensische Sicherheitskräfte am
Montagmorgen die Kontrolle über die Ortschaft Beit Hanun im Gaza-Streifen übernommen. Sie
errichteten mehrere Kontrollposten sowohl in der Ortschaft als auch an den Zufahrten.
Mit dem Abzug wurde eine Vereinbarung umgesetzt, die Verantwortung über Sicherheit in dem
Autonomiegebiet wieder an die palästinensische Autonomiebehörde zu übergeben. Der Rückzug
langer Panzer- und Militärkolonnen aus Beit Hanun wurde im israelischen Fernsehen gezeigt. Israelische
Einheiten hatten den Ort nach Angriffen auf eine gegenüberliegende israelische Stadt vor einigen Wochen
besetzt.
(Quelle: ap)
Regierung und Rebellen in Kongo einigen sich auf gemeinsame Armee
Mo.30.06.03 - Die Regierung und die beiden größten Rebellengruppen in
Kongo haben sich am Sonntag auf eine gemeinsame Militärstruktur geeinigt.
Wie der UN-Sondergesandte Moustapha Niasse mitteilte, soll das Oberkommando
bei der Regierung bleiben. Die Führungsposten von Heer, Marine und Luftwaffe
sollen unter den drei Parteien aufgeteilt werden - neben der Regierung die
Sammlungsbewegung für Demokratie (RCD) und die Kongolesische
Befreiungsbewegung (MLC). Die Einigung gilt als wichtiger Schritt zur
Umsetzung des Friedensabkommens vom Dezember. In dem Abkommen hatten
sich die Konfliktparteien nach fast fünf Jahren Bürgerkrieg auf eine Übergangsregierung
mit Beteiligung der Opposition und der beiden großen Rebellengruppen sowie Wahlen
in zwei Jahren verständigt.
(Quelle: ap)
Mutmaßlicher argentinischer Folterer Cavallo in Spanien
Mo.30.06.03 - Der wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit
gesuchte argentinische Ex-Offizier Ricardo Miguel Cavallo ist nach
seiner Auslieferung aus Mexiko am Sonntag in Madrid eingetroffen.
Vom Flughafen wurde er streng bewacht zum Nationalen Gerichtshof
gebracht, wo er noch im Laufe des Tages von dem spanischen
Ermittlungsrichter Baltasar Garzón vernommen werden sollte, wie der
staatliche Rundfunk berichtete.
Dem früheren Korvettenkapitän soll in Spanien der Prozess gemacht
werden. Ihm werden Völkermord und Terrorismus während der argentinischen
Militärdiktatur (1976-1983) zur Last gelegt, denen auch spanische Staatsbürger
oder deren Nachkommen zum Opfer gefallen waren. In Argentinien selbst ist Cavallo
wegen eines Amnestiegesetzes vor Strafverfolgung geschützt.
(Quelle: dpa)
Wieder Flüchtlingsschiff vor Tunesien gesunken
Mo.30.06.03 - Die Flüchtlingstragödien vor der nordafrikanischen Küste reißen
nicht ab. Erneut ist ein Boot mit einer unbestimmten Zahl von Menschen an
Bord vor der tunesischen Küste gesunken. Nach Angaben des italienischen
Fernsehens sind bisher acht ertrunkene Flüchtlinge an Land gespült worden.
Eine unbestimmte Zahl von Passagieren werde vermisst. Lediglich 30 Menschen
seien gerettet worden. Vor knapp zwei Wochen war ein Schiff mit 250 Menschen vor
Tunesien gesunken. Nur 41 konnten gerettet werden.
(Quelle: dpa)
«Deutschland: Zehn Jahre neues, eingeschränktes Asylrecht»
Seit 1. Juli 1993 gilt ein restriktives Asylrecht in Deutschland.
Regierung (CDU, CSU und FDP) und SPD änderten die
Verfassung und schränkten das in Artikel 16 des Grundgesetzes
garantierte Asylrecht ein. Die Asylbewerberzahlen hatten 1992 den
Höchstwert von 438.191 erreicht.
Durch die Verfassungsänderung von 1993 ist die Zahl der
Asylbewerber von jährlich 400.000 auf rund 100.000
zurückgegangen. 2002 gab es nur noch 71.127 Erstanträge. 1,83 Prozent davon
wurden anerkannt. Heißt: Es ist extrem unwahrscheinlich,
Asylrecht zu bekommen.
Grund: Der neue Artikel 16a gewährt dem politisch Verfolgten
zwar das Asylrecht; aber nicht, wenn er aus einem EU-Land, einem
"sicheren" Drittstaat oder Herkunftsland an die Grenze kommt.
Deutschland ist qua Definition nur von sicheren Staaten umgeben.
Ohne die Genfer Flüchtlingskonvention
wäre Deutschland heute ein nahezu flüchtlingsfreies Land.
(Quelle: taz)
Die heutige Ausgabe der "tageszeitung" erscheint mit lesenwerten
Artikeln zum Thema:
Regierung zieht Steuerentlastungen auf 2004 vor +++
Vorgezogene Steuerreform soll Konjunktur ankurbeln
Mo.30.06.03 - Die Bundesregierung hat sich auf ein Vorziehen der Steuerreform auf 2004
festgelegt und will dafür auch neue Schulden in Kauf nehmen. Die Bürger
müssten nun im kommenden Jahr zehn Prozent weniger Einkommensteuer
zahlen als 2003, sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nach dem Ende
der Klausurtagung des Kabinetts im brandenburgischen Neuhardenberg. Bislang
war der größte Teil der Entlastungen erst für 2005 vorgesehen gewesen. Noch keine
Entscheidung traf das Kabinett zu den geplanten Einsparungen bei der Rente.
"Von uns wird erwartet, dass wir ein klares Signal aussenden", sagte Schröder. Ein
Signal der Konsolidierung sei der Haushaltsentwurf 2004 von Finanzminister Hans
Eichel (SPD) mit einem geplanten Subventionsabbau im Volumen von 45 Milliarden
Euro für den Bund bis zum Jahr 2010.
Ein Signal des Wachstums auch für Investoren solle nun das Vorziehen der Steuerreform
sein, wodurch auch mittelständische Unternehmen im kommenden Jahr fast zehn Milliarden
Euro weniger Steuern zahlen müssten. Verknüpft sei beides mit den Strukturreformen der
Agenda 2010.
Zur Finanzierung der Steuersenkung will die Bundesregierung laut Schröder "anfallende
Erlöse aus Privatisierungen" verwenden. Der Rest der Mindereinnahmen für den Bund von
gut sieben Milliarden Euro soll über zusätzliche Schulden abgedeckt werden. Insgesamt
betragen die Steuerausfälle für alle öffentlichen Haushalte rund 18 Milliarden Euro.
Eichel stellte sich trotz der drohenden höheren Neuverschuldung ausdrücklich hinter die
Kabinettsbeschlüsse: "Ich trage das mit voller Überzeugung." Der Haushalt lasse sich in
der aktuellen Lage nicht durch Sparen allein konsolidieren, sondern nur "durch Sparen im
Wachstum".
Bekräftigt wurden die Ziele, den Rentenbeitrag von 19,5 Prozent zu halten und beim
Bundeszuschuss zwei Milliarden Euro einzusparen. Das Kabinett beauftragte Sozialministerin
Ulla Schmidt (SPD), ein Konzept zur Umsetzung der beschlossenen Einsparungen bei der Rente
vorzulegen. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte auf die Frage nach der üblichen
Rentenerhöhung Mitte 2004: "Ich kann mir gut vorstellen, dass es dazu nicht kommt."
Von der Opposition kam dagegen Kritik an den Kabinettsbeschlüssen. "Wir wollen natürlich
Entlastungen, aber nicht durch Pump und neue Steuerbelastungen auf anderer Seite", sagte
CSU-Chef Edmund Stoiber der ARD.
(Quelle: afp)
Länder und Union machen Front gegen Steuerreform
Mo.30.06.03 - Nach der rot-grünen Entscheidung über das Vorziehen der
Steuerreform hält der Widerstand in den Bundesländern an. Auch SPD-geführte
Länder beharren weiter auf einem Ausgleich des ihnen entstehenden Einnahmeausfalls.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte dagegen am Sonntagabend in ARD und ZDF,
das Vorziehen des letzten Reformschritts von 2005 auf 2004 solle Wachstumsimpulse setzen
und werde deshalb auch ihnen helfen. "Jedes Zehntel Wachstum, das wir erreichen können,
hilft auch den Ländern und den Kommunen."
Wie zuvor bereits der nordrhein-westfälische SPD-Ministerpräsident Peer Steinbrück bekräftigte
sein Stellvertreter, Bauminister Michael Vesper (Grüne), die Ablehnung der Landesregierung
gegen den Beschluss des Bundeskabinetts. Der Bund bleibe bei der Gegenfinanzierung "wolkig",
sagte Vesper der Bielefelder Zeitung "Neue Westfälische" (Montag). "Davon können wir uns nichts
kaufen." Auch Brandenburgs SPD-Ministerpräsident Matthias Platzeck erklärte regierungsintern, dass
das Land seinen Steuerverlust von 260 Millionen Euro nicht durch zusätzliche Einsparungen kompensieren
könne, wie die "Lausitzer Rundschau" (Montag) berichtet. Der Innenminister seiner rot-schwarzen Koalition,
CDU-Landeschef Jörg Schönbohm, sagte laut der Zeitung, Brandenburg könne im Bundesrat nur zustimmen,
wenn der Einnahme-Ausfall ausgeglichen werde.
Hessens CDU-Ministerpräsident Roland Koch kritisierte im ZDF die geplante teilweise Schuldenfinanzierung
der Reform. Bei einer anderen Finanzierung sei er aber gesprächsbereit. Koch bezweifelte auch, dass die
Konjunktur durch das Vorziehen um ein Jahr wirklich angekurbelt wird. Die Wirtschaft habe die Steuersenkung
für 2005 längst in ihre Kalkulationen eingerechnet, und die Bürger hätten durchaus Geld, gäben es aber trotzdem
nicht aus.
Dagegen sagte der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans-Eberhard Schleyer,
die angekündigte Steuersenkung könne einen Stimmungsumschwung in der Wirtschaft einleiten. Zugleich rief
er in der «Berliner Zeitung» (Montag) Regierung und Opposition auf, jetzt die Sozialreformen anzugehen. Nur so
könne mehr Wirtschaftswachstum entstehen.
Auch FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt begrüßte die Kabinettsentscheidung. "Die Richtung stimmt", sagte
er in der n-tv- Sendung "Talk in Berlin". Seine Partei werde die parlamentarische Diskussion "positiv begleiten".
Jetzt komme es darauf an, "was wird vorgelegt an wirklichem Subventionsabbau und an wirklichen Privatisierungserlösen".
Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, empfahl im "Handelsblatt"
(Montag) zur vollständigen Gegenfinanzierung der Steuerreform umfassendes Sparen bei Sozialleistungen und die
Streichung der Subventionen für Steinkohle-Bergbau, Landwirtschaft und sozialen Wohnungsbau.
Nach der Kabinettsklausur in Neuhardenberg bei Berlin hatte der Kanzler gesagt, für Bürger und Firmen bedeute das
Vorziehen der letzten Steuerreform-Stufe im Schnitt zehn Prozent weniger Einkommenssteuern. Die Regierung hofft,
dass die Bürger das eingesparte Geld dann für den Konsum ausgeben und somit die Wirtschaft ankurbeln. Bund,
Länder und Gemeinden müssen Schröder zufolge allerdings Einnahmeausfälle von 18 Milliarden Euro verkraften. Der
Bund soll deshalb seine Subventionen bis 2010 um 45 Milliarden Euro kürzen. Dennoch werde eine höhere
Kreditaufnahme als bisher geplant im nächsten Jahr einkalkuliert, sagte Schröder, ohne eine Zahl zu nennen.
Die Union erteilte der Regierung umgehend eine Absage. CDU-Chefin Angela Merkel betonte, dass die Union
zwar nach wie vor bereit sei, ein Vorziehen mitzutragen. Sie vermisse aber konkrete Angaben zur Finanzierung.
Der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) kündigte an, das Vorhaben im Bundesrat
zu stoppen.
(Quelle: dpa)
Institut: Reform bringt keinen großen Konjunkturaufschwung
Mo.30.06.03 - Der Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Rüdiger Pohl, hat Zweifel
geäußert, dass das Vorziehen der Steuerreform die schwache deutsche Wirtschaft nachhaltig ankurbeln kann.
"Das ist zwar für sich ein Impuls, keine Frage. Aber dass das nun den großen Konjunkturaufschwung bringt, das
sehe ich also nicht so", sagte Pohl am Sonntag in einem Reuters-Interview. Zudem kritisierte er das Fehlen einer
konkreten Gegenfinanzierung und die Pläne der rot-grünen Regierung, notfalls höhere Schulden einzugehen.
Auch die Einschätzung von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), dass die Steuerentlastung den Konsum nachhaltig
ankurbeln könne, teilte Pohl nicht.
Für das laufende Jahr rechnet das IWH nur noch mit einem geringen Wirtschaftswachstum nahe der Stagnation
und geht nach derzeitigen Schätzungen für 2004 von einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von "1,5 plus
ein bisschen" aus.
Schröder will das Vorziehen
durch Subventionsabbau, höhere Schulden und Privatisierungserlöse finanzieren. Der genaue Umfang ist aber noch offen.
Den Weg über eine zusätzliche Kreditaufnahme zur Gegenfinanzierung lehnte der IWH-Präsident auch wegen der aktuellen
Finanzlage ab. "Über höhere Schulden halte ich das wirklich für ein Problem." Zudem sei eine Voraussetzung für die dritte
Stufe der Steuerreform ursprünglich ein Defizit-freier Haushalt gewesen.
Die Privatisierungserlöse hält Pohl zwar "in der Sache für richtig", doch sei unklar, wie schnell dies zu erreichen
sei. Ferner hätte es auch ohne Vorziehen der Steuerreform zu Privatisierungen des Bundesbesitzes kommen können.
"Jetzt wird sozusagen ein Betrag verbraten, den man auch sonst verbraten hätten, das ist keine echte Querfinanzierung."
Durch das Vorziehen der Steuerreform zahlen die Bürger nach den Worten Schröders im kommenden Jahr
durchschnittlich zehn Prozent weniger Einkommenssteuer. "Zehn Prozent weniger Einkommenssteuer heißt
zehn Prozent mehr für Konsum", sagte der Kanzler. Pohl bezeichnete dies als "Milchmädchenrechnung". Denn
beim gesamtwirtschaftlichen Konsumvolumen im privaten Bereich in Deutschland von 1100 Milliarden Euro
müsse der Konsum für einen entsprechenden Effekt um rund 110 Milliarden Euro steigen. Zudem könne man
davon ausgehen, dass von den Entlastungen der rund 15 Milliarden Euro etwa ein Drittel gespart werde oder ins
Ausland ginge.
Für das laufende Jahr erwartet Pohl nur ein geringes Wachstum in Deutschland. "Da wird es eine schwarze Null."
Das IWH hatte bereits im Mai angekündigt, seine aktuelle Prognose von 0,8 Prozent senken zu wollen. Für 2004
erwarten die IWH-Forscher aber ein deutlich höheres Wachstum. "Die ersten Schätzungen, die wir von der
Größenordnungen her machen, gehen so in den Bereich 1,5 (Prozent) plus ein bisschen", sagte Pohl. Nach den
Steuer- und Haushaltsplänen der Regierung werde das IWH seine Prognose noch einmal durchrechnen und in rund
zwei Wochen veröffentlichen. Auch andere führende Wirtschaftsinstitute sehen für dieses Jahr kaum mehr als eine
Stagnation der Wirtschaftsleistung. Die Bundesregierung geht indes von einem BIP-Anstieg von 0,75 Prozent in
diesem und von 2,0 Prozent im nächsten Jahr aus.
(Quelle: rtr)
Nach historischer Niederlage im Kampf um die 35-Stunden-Woche:
Mo.30.06.03 - Nach der katastrophalen Niederlage der IG Metall im Kampf um die
35-Stunden-Woche in Ostdeutschland werden in der Führungsspitze der
Gewerkschaft personelle Konsequenzen erwartet. Ins Zentrum der Kritik rückte
der designierte Nachfolger von IG-Metall-Chef Klaus Zwickel, Jürgen Peters.
Für Veränderungen sprachen sich offen die Leiter der Bezirke Küste und Bayern,
Frank Teichmüller und Werner Neugebauer, aus. Bundeskanzler Gerhard Schröder
begrüßte das Ende des Arbeitskampfes.
Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit den Arbeitgebern am frühen Samstagmorgen
hatte Zwickel den Arbeitskampf für gescheitert erklärt. Nun solle Arbeitszeitverkürzung
auf Betriebsebene vereinbart werden. Damit sei auch der Metall-Flächentarif in
Ostdeutschland zunächst passé.
Seit Anfang Juni war in Sachsen, Brandenburg und Berlin für die stufenweise Absenkung der
Arbeitszeit von 38 auf die im Westen üblichen 35 Stunden gestreikt worden. Nach
Produktionsausfällen bei BMW und Volkswagen war der Ausstand auch in der IG Metall auf Kritik
gestoßen. Zwickel räumte ein, dass sich die öffentliche Meinung gegen die Gewerkschaften gedreht habe.
Die beiden Automobilhersteller wollen ihre Produktion am Dienstag wieder aufnehmen.
Der Streikleiter und Bezirkschef von Sachsen und Berlin-Brandenburg, Hasso Düvel, machte die mangelnde
Geschlossenheit der Gewerkschaft für das Scheitern des Streiks verantwortlich. Kritische Stimmen aus den
Betriebsräten von Daimler-Chrysler und Opel hätten den Arbeitgebern Schwäche der Gewerkschaft signalisiert,
sagte Düvel bei einer Sitzung der großen Tarifkommission in Berlin. Daraufhin hätten die Arbeitgeber die
Tarifverhandlungen "gegen die Wand gefahren".
Düvel sprach von einem "furchtbaren Umstand" und von einem "einmaligen Vorgang, den ich so noch nicht
erlebt habe". Eigene Fehler gestand er nicht ein. Nach den Worten des Streikleiters ist der Flächentarifvertrag im
Osten aber noch nicht am Ende. Es gebe Angebote der Arbeitgeber in Sachsen und Berlin-Brandenburg, weiter
über eine Lösung in der Fläche zu verhandeln. Auch Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser sagte, man wolle am
Flächentarifvertrag grundsätzlich festhalten. Im Nachrichtensender N-TV schloss er aber individuelle Lösungen nicht aus.
Bayerns IG-Metall-Bezirksleiter Neugebauer forderte die Gewerkschaftsführung in einem Interview der "Nürnberger
Nachrichten" auf, über personelle Konsequenzen nachzudenken: "Jeder, der politische Verantwortung in dieser
Auseinandersetzung getragen hat, muss überlegen, welche Konsequenzen er persönlich zieht." Dass der Streik
Fernwirkung im Westen gehabt habe, bezeichnete Neugebauer als schweren strategischen Fehler. Die Sprecher der
IG-Metall-Bezirks Hannover und Küste, Jörg Köther und Daniel Friedrich, befürchten, dass nun Peters als künftiger
Gewerkschaftschef erneut in Frage gestellt werde.
Bundeskanzler Schröder sagte nach der Kabinettsklausur am Sonntag in Neuhardenberg, er sei froh über das
Ende des Arbeitskampfes. Eine Fortsetzung hätte die wirtschaftlichen Schwierigkeiten noch vergrößert.
(Quelle: ap)
«Die Niederlage im Kampf um die 35-Stunden-Woche erschüttert die Gewerkschaftsbewegung»
«Das Scheitern der Tarifverhandlungen um die Arbeitszeitverkürzung
im Osten und die Aufgabe des Streiks durch die IG Metall haben
die politische Landschaft erschüttert. Es ist das erste Mal seit fast
50 Jahren, dass die IG Metall einen Arbeitskampf einfach so
verloren gibt. (...)
In der öffentlichen Meinung steht die IG Metall jetzt
machtloser da als zuvor. Man müsse künftig über Streikstrategien
sorgfältiger diskutieren, sagte IG-Metall-Chef Klaus Zwickel am
Wochenende. Der Organisationsgrad der Belegschaften und die
Auftragslage der betroffenen Firmen müssten stärker berücksichtigt
werden. Der Arbeitskampf hatte die Belegschaften mancherorts
gespalten. Bilder von Mitarbeitern, die via Hubschrauber in Werke
eingeflogen wurden, um die Streikfront zu brechen und die
Produktion am Laufen zu halten, gingen über die Fernsehstationen.
In den Zeitungen konnte man Berichte lesen von Beschäftigten, die
wegen des Streiks aus der IG Metall austraten....» ("tageszeitung" vom 30.06.03)
Mehr unter:
«Gewerkschafter Jens Rothe befürchtet, dass nun im Westen Arbeitszeitverlängerungen gefordert werden»
«Wut und Frustration wegen Streikabbruch der IG-Metall-Spitze»
Hungerstreik dauert an
Mo.30.06.03 - Ein Ende des Hungerstreiks von
Beschäftigten des Bahnbetriebwerks in Leverkusen-Opladen ist
auch am zehnten Tag der Potestaktion nicht in Sicht. "Die
Situation ist nach wie vor dramatisch, die Leute schlafen nur noch
und sind psychisch in einem desolaten Zustand", sagte der
Bevollmächtigte der Gewerkschaft Transnet, Kuno Dreschmann,
gestern. Zwei Mitarbeitern im Alter von 51 und 46 Jahren gehe es
zudem auch körperlich sehr schlecht. Beide wollten allerdings unter
keinen Umständen aufgeben.
Die zurzeit 24 Streikenden, davon neun Betriebsräte und 15
Mitarbeiter, kämpfen, angekettet an das Werkstor, für den Erhalt
des Standorts mit seinen rund 400 Beschäftigten. Die Streikenden
würden rund um die Uhr von zwei Sanitätern betreut. Auch ein
Rettungswagen stehe bereit, sagte Dreschmann. Im Mai hatte es
schon einmal einen Hungerstreik gegeben.
(Quelle: dpa)
DGB befürchtet neue Millionenausfälle wegen Minijobs
Mo.30.06.03 - Gewerkschaften und Krankenkassen befürchten einem
Zeitungsbericht zufolge, dass durch die Neuregelung der Mini-Jobs
neue Löcher von mehreren Hundert Millionen Euro in den Sozialkassen
entstehen. "Die Einnahmeausfälle der Sozialversicherungen durch die neuen
Mini-Jobs werden 600 Millionen Euro weit übersteigen", sagte die stellvertretende
DGB-Chefin, Ursula Engelen-Kefer, der "Berliner Zeitung" (Montagausgabe). Der
Chef des Ersatzkassen-Verbandes, Herbert Rebscher, schätzte die Verluste der Kassen
demnach auf bis zu 250 Millionen Euro jährlich.
Engelen-Kefer und Verdi-Vorstandsmitglied Christian Zahn gingen davon aus, dass die
Sozialkassen durch hohe Ausfälle unter Druck geraten, ihre Beiträge weiter anzuheben,
berichtete die Zeitung weiter.
(Quelle: ap)
«Wir sind auch eine Supermacht»
Zwischen "Kapitalistenpisse" und Öko-Catering fand am
Wochenende der Kongress McPlanet.Com von Attac, BUND
und Greenpeace statt. 1.500 Teilnehmer diskutierten über
Umwelt, Globalisierung, und neue Lösungen. "telepolis", "tageszeitung",
und "junge Welt" in ihren heutigen Ausgaben über
den Kongress:
Deutsche Autorin erhält Ingeborg-Bachmann-Preis
Mo.30.06.03 - Die deutsche Schriftstellerin Inka Parei ist mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis
ausgezeichnet worden. Parei erhielt die bedeutendste österreichische
Literaturauszeichnung in Klagenfurt für ihr namenloses Romanfragment. Der
mit 22.500 Euro dotierte Preis wird seit 1977 in Erinnerung an die in Klagenfurt
geborene Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926-1973) verliehen.
Die in Frankfurt geborene Parei und der türkischstämmige deutsche Autor Feridun
Zaimoglu waren als Favoriten gehandelt worden. Zaimoglu erhielt für seine Erzählung
"Häute" den mit 10.000 Euro dotierten Preis der Jury. Der von mehreren Verlagen gestiftete
Ernst-Willner-Preis im Wert von 6.000 Euro ging an die deutsche Schriftstellerin Ulla Lenze
für ihren Romanauszug "Schwester und Bruder".
Die 36-jährige Parei arbeitet seit sechs Jahren als freie Schriftstellerin. Die studierte
Germanistin, Politikwissenschaftlerin und Sinologin wurde mit ihrem Romanerstling
"Die Schattenboxerin" bekannt.
(Quelle: afp)
«Nach der Popliteratur kehren Ernst und Innerlichkeit zurück»
Die "Tageszeitung" berichtet in ihrer heutigen Ausgabe über die Tage der deutschsprachigen
Literatur in Klagenfurt und die Verleihung des Ingeborg-Bachmann-Preises 2003 an Inka Parei:
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