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Kurznachrichten   [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ] +++ Fr.04.07.03, 12:45 Irak am hundertundsiebten Tag nach Kriegsbeginn
Welle der Anschläge gegen US-Soldaten im Irak reißt nicht ab +++
Neue Angriffe in Irak auch zum Nationalfeiertag der USA +++
Ein US-Soldat getötet und 19 verletzt +++
25 Millionen Dollar Belohnung für Hinweise auf Saddam +++
Erste Stadtpräfektin Iraks tritt ihr Amt an +++
Blix leitet unabhängige Untersuchungskommission zu Irak +++
Zugang zu irakischen Ölfeldern laut Außenminister Ziel Polens +++
Japanisches Unterhaus stimmt Entsendung von Truppen nach Irak zu +++
Fr.04.07.03 - Der Nationalfeiertag der USA ist am Freitag von neuen Angriffen auf die
amerikanischen Truppen in Irak überschattet worden. Dabei wurde nach Angaben eines
Militärsprechers vom Freitag ein Soldat getötet, mindestens 19 wurden verletzt.
Aufständische feuerten am Donnerstagabend mehrere Mörsergranaten auf einen
US-Stützpunkt bei Balad ab, 90 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad. Mehrere
Explosionen hätten den Stützpunkt erschüttert, teilte US-Hauptgefreiter Todd Pruden mit.
Die 19 Verletzten seien in ein Militärkrankenhaus gebracht worden.
Im Osten von Bagdad kam ebenfalls am Donnerstagabend ein Soldat bei einem Angriff
auf seinen Konvoi ums Leben. Er wurde in seinem Schützenpanzer getroffen und erlag in
einem Militärkrankenhaus seinen Verletzungen. Seit der Beendigung der Hauptkampfhandlungen
am 1. Mai kamen bei Angriffen mindestens 27 US-Soldaten ums Leben.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat dafür den Widerstand eingefleischter
Saddam-Anhänger, nicht näher bezeichnete Ausländer und "vom Iran beeinflusste"
Menschen verantwortlich gemacht. Am Montag hatte Rumsfeld gesagt, Reste von Saddams
Regierung, der Baath-Partei und von Einheiten der Fedajin-Milizen hätten sich unter die
Bevölkerung gemischt und seien nach Saddams Sturz am 9. April zu einem
"terroristischen Netzwerk" geworden.
Die USA haben für Hinweise zur Ergreifung des
gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein oder für den Beweis
seines Todes eine Belohnung von 25 Millionen Dollar ausgesetzt.
"Ich setze heute eine Belohnung von 25 Millionen Dollar für Informationen aus,
die zur Ergreifung von Saddam Hussein führen", erklärte der Chef der von den USA
eingesetzten Zivilverwaltung des Iraks, Paul Bremer, am Donnerstag in Bagdad in einer
Stellungnahme. Das Schicksal Saddams und seiner Söhne ist auch drei Monate nach
dem Sturz des Präsidenten ungewiss.
Ein Sprecher der Zivilverwaltung hatte zuvor erklärt, die Belohnung werde auch für
Informationen gezahlt, die Saddams Tod bestätigten.
Bremer setzte auch eine Belohnung von jeweils 15 Millionen Dollar für Hinweise aus,
die zur Ergreifung von Saddams Söhnen Udai und Kusai führen. "Wenn irgendjemand
von Ihnen solche Informationen hat, ermutige ich Sie, hervorzutreten und sie an einen
zivilen oder militärischen Vertreter der Koalition zu übergeben", teilte Bremer mit. Er habe
nicht vergessen, dass Saddam und seine beiden Söhne "unter den bösesten Männern
sind, die die Welt je gesehen hat". "Sie mögen am Leben sein oder nicht. Aber ich stelle
fest, dass, bis wir es sicher wissen, ihr Name weiterhin einen Schatten der Angst über
dieses Land wirft", so Bremer weiter.
Viele Iraker sind froh, dass Saddams Herrschaft nach einem Vierteljahrhundert beendet ist.
Doch rufen viele nach einer eigenen Regierung, und einige treten in offene Opposition zu
den von den USA geführten Besatzungstruppen.
Als erste Frau in der irakischen Geschichte hat die Kurdin Mudira Abu Bakr
das Amt einer Stadtpräfektin angetreten. Sie leitet die nordirakische Region Dukan in
der Provinz Suleimanijah, wie die Tageszeitung "El Adala" am Donnerstag berichtete.
Die von der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) kontrollierte Region ist vor allem
wegen des Tourismus ein bedeutendes Gebiet. Die PUK teilt sich seit dem Golfkrieg
1991 die Herrschaft über die Kurdengebiete im Norden Iraks mit der Demokratischen
Partei Kurdistans (DPK).
In Washington berichteten zwei Senatoren von zuverlässigen Beweisen für die Existenz
verbotener Waffenprogramme in Irak. Der republikanische Senator Pat Roberts sprach von
einem Durchbruch. Der demokratische Senator Jay Rockefeller warf den Republikanern jedoch
vor, die Öffentlichkeit täuschen zu wollen. Anstatt weiter nach Beweisen für die Existenz von
Massenvernichtungswaffen zu suchen, gehe es nun nur noch um den Nachweis entsprechender
Entwicklungsvorhaben. "Das war nicht die Grundlage dafür, dass wir in den Krieg gezogen sind",
sagte Rockefeller.
Kurz nach seinem Ausscheiden aus dem Amt als Chef der
UN-Kontrollmission für Irak (UNMOVIC) hat der Schwede Hans Blix ein
neues Amt übernommen: Blix werde im Auftrag der schwedischen
Regierung eine unabhängige Untersuchungskommission über irakische
Massenvernichtungswaffen leiten, teilte das Außenministerium in Stockholm
am Donnerstag mit. "Wir müssen alles in unserer Möglichkeit stehende tun,
um die Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen auszuschließen", betonte
Außenministerin Anna Lindh. Das Ziel der Kommission sei, den Bemühungen der
internationalen Gemeinschaft, die Verbreitung der Massenvernichtungswaffen zu
verhindern, einen "neuen Impuls" zu geben. Blix soll die Mitglieder der Kommission
im Herbst benennen. Die ersten Ergebnisse werden 2005 erwartet.
Zugang zu Iraks Erdölfeldern: Das ist nach
Aussage von Polens Außenminister Wlodzimierz Cimoszewicz das
Ziel des polnischen Engagements im Irak. Warschau wolle, dass
polnische petrochemische Unternehmen unmittelbaren Zugang zu
Rohstoffen haben, sagte er nach Angaben der Agentur PAP. Polen
gehörte mit 200 Soldaten zur "Koalition der Willigen", die unter
US-Führung am Krieg gegen den Irak teilnahm. Polen soll in einer
eigenen Verwaltungszone die Lage stabilisieren und den Wiederaufbau
organisieren.
Das Unterhaus des japanischen Parlaments hat der
Entsendung von Friedenstruppen nach Irak zugestimmt. Die
Abgeordneten sprachen sich am Freitag für ein Gesetz aus, das
für die Soldaten keine Kampfeinsätze, sondern vor allem Transportdienste
vorsieht. Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi hatte
US-Präsident George W. Bush Unterstützung beim Wiederaufbau Iraks
zugesagt.
Japanischen Medienberichten zufolge plant die Regierung in Tokio die
Entsendung von etwa 1.000 Soldaten im Oktober. Das wäre die bislang
bedeutendste Beteiligung Japans an einem internationalen Friedenseinsatz.
Das entsprechende Gesetz muss nun noch vom Tokioter Oberhaus bestätigt
werden, das am Montag darüber beraten will. Eine Zustimmung gilt als nahezu
sicher.
Die Europäische Union stellt weitere 37 Millionen Euro an humanitärer Hilfe für Irak bereit. Mit dem
Geld sollten Lebensmittel, die Entwicklung der Trinkwasserversorgung und sanitäre Einrichtungen
finanziert werden, teilte die EU in Brüssel mit. Damit stieg die finanzielle Unterstützung für die Beseitung
von Kriegsfolgen und Unterentwicklung in Irak in den vergangenen Monaten auf rund 70 Millionen Euro.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschloss am Donnerstag einstimmig, die Beobachtermission
an der irakisch-kuwaitischen Grenze bis zum Jahresende einzustellen. Die Grenze zwischen beiden Staaten
war seit dem Ende des Golfkriegs 1991 von den Vereinten Nationen überwacht worden. Der Sicherheitsrat
beschloss, die Mission zunächst um drei Monate zu verlängern und sie in den drei Folgemonaten auslaufen
zu lassen.
(Quellen: afp, rtr, ap, dpa )
«Tröpfchenweise sickert es bei den Amerikanern ein:
Die US-Präsenz im Irak ist keine Frage von einem oder vielleicht zwei Jahren,
sondern wohl eher von einem halben Jahrzehnt. Der US-Einsatz
in Irak verschlingt pro Monat drei Milliarden Dollar»
Fr.04.07.03 - Hatte US- Präsident George
W. Bush bis vor Kurzem lediglich gesagt, seine Streitkräfte blieben so lange
wie nötig und keinen Tag länger, hat er jetzt seine Rhetorik geändert.
Von einer massiven, lang andauernden Anstrengung spricht der Präsident
nun, nachdem ihn sogar eigene republikanische Parteifreunde wie Senator
Richard Lugar aufgefordert hatten, die Dinge beim Namen zu nennen.
Allerdings konnte Bush wohl auch gar nicht anders: Die Instabilität im Irak
mit der anhaltenden Serie von Angriffen auf US-Soldaten macht es offensichtlich,
dass an die ursprünglich für Herbst verheißene drastische Reduzierung der
US-Truppen nicht zu denken ist. Im Gegenteil hat sogar der US-Verwaltungschef
im Irak, Paul Bremer, angedeutet, dass er gern eine Aufstockung sähe.
Inzwischen mehren sich in Kreisen des US-Kongresses die lauten Rufe nach einer
stärkeren internationalen Beteiligung. Zurzeit sind knapp 150 000 Amerikaner und
ungefähr 12 000 Angehörige anderer Streitkräfte auf irakischem Boden. Mit der
Ankunft der ersten polnischen Soldaten beginnt zwar die Umsetzung des Pentagon-Plans
für eine "Internationalisierung", das heißt, die Bildung von zwei multinationalen Divisionen.
Aber das reicht nach Ansicht vieler Kongressmitglieder angesichts der Herausforderungen nicht.
"Wir befinden uns in einem Wettlauf mit der Zeit", zitierte die "New York Times" zum
Beispiel den demokratischen Senator Jack Reed. Seine Befürchtung: Wenn es nicht bald
gelingt, das Land zu stabilisieren und die Wirtschaft in Schwung zu bringen, dann könnten
sich die irregulären gegnerischen Kräfte im Land stärker organisieren und aus der Unzufriedenheit
vieler normaler irakischer Bürger mit den amerikanischen Besatzern schöpfen.
Nach Pentagon-Angaben haben sich rund 25 Staaten bereit erklärt, Bodentruppen zur Verfügung
zu stellen. Mit etwa einem Dutzend anderer Länder wird verhandelt, darunter Pakistan und Indien.
Aber nicht immer entsprächen die Angebote auch dem, was bei den schwierigen und gefährlichen
Operationen im Irak auch wirklich benötigt werde, sagen Militär-Vertreter. Versprechen seien gut,
aber die Umsetzung stehe auf einem anderen Blatt.
Bemüht sich Bush, keine Zweifel an der Fähigkeit der US-Truppen zur Bewältigung der Aufgaben
im Irak aufkommen zu lassen, suchen Pentagon und Außenministerium hinter den Kulissen angestrengt
nach neuen Verbündeten. Eine größere internationale Beteiligung würde es zum einen den zunehmend
erschöpften und irritierten US-Soldaten ermöglichen, endlich heimzukehren. Manche von ihnen sind
schon seit einem Jahr in der Golfregion stationiert. Hinzu kommt aber auch der Kostenfaktor. Der US-Einsatz
verschlingt pro Monat drei Milliarden Dollar, und einen Teil davon würde man nur zu gerne auf Partner abwälzen.
Vielleicht noch wichtiger für Bush: Nachdem der Präsident im Vorfeld des Irak-Krieges immer wieder auf eine
breite Koalition der Willigen verwiesen hat, kommt es zunehmend darauf an zu beweisen, dass es diese Koalition
nicht nur auf dem Papier gibt. Zwar baut Bush darauf, dass die Amerikaner opferbereit bleiben, aber es gibt
anscheinend doch Grenzen. So sind einer jüngsten Umfrage zufolge nur noch 56 Prozent der Bürger überzeugt,
dass die Irak-Mission «die Sache wert ist». Das ist ein deutlicher Vertrauensschwund im Vergleich zu früheren
Erhebungen.
Vor diesem Hintergrund gibt es aus dem republikanischen Lager sogar Empfehlungen, Bush solle sich mit den
Irak-Kriegsgegnern Deutschland und Frankreich aussöhnen und ihre Hilfe gewinnen. Aber so weit ist es bisher
nicht gekommen. Nur die ebenfalls wenig kriegswillige Türkei wurde kontaktiert.
(Quelle: dpa)
Sechs Guantanamo-Gefangene sollen vor US-Militärtribunal kommen
Fr.04.07.03 - Die ersten der seit über einem Jahr wegen Terrorverdachts von den
USA auf dem Marinestützpunkt Guantanamo auf Kuba festgehaltenen Gefangenen
sollen sich vor einem Militärgericht verantworten.
Wie der US-Sender CNN am Donnerstagabend unter Berufung auf Quellen im
Verteidigungsministerium berichtete, habe Präsident George W. Bush entschieden,
dass gegen sechs der als "feindliche Kämpfer" bezeichneten Gefangenen vor einem
Militärtribunal verhandelt werden kann. Einzelheiten zur Identität der Gefangenen und
zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen waren zunächst nicht bekannt.
In Guantanamo werden seit dem Krieg in Afghanistan mehr als 600 Menschen von
den US-Streitkräften gefangen gehalten. Nach dem Urteil eines US-Berufungsgerichtes
haben diese mutmaßlichen Taliban- und El- Kaida-Kämpfer in den USA keinerlei Rechte.
Sie können unbegrenzt und ohne Zugang von Anwälten festgehalten werden.
Auf Guantanamo wurde bereits mit der Planung zur
Einrichtung eines Tribunals begonnen. Auch der Bau einer Hinrichtungskammer ist im
Gespräch, da das von Menschenrechtsorganisationen heftig kritisierte Tribunal wegen
Kriegsverbrechen und anderer Vergehen auch die Todesstrafe verhängen könnte.
(Quellen: ap, dpa)
«Blick ins Archiv»
Hinrichtungen in Guantanamo?
Viele Guantanamo-Gefangene offenbar ohne El-Kaida-Kontakte
Die Gefangenen von Guantanamo
Anwälte fordern mehr Rechte für Häftlinge in Guantanamo
Amerikaner nehmen früheren Aufseher des KZ Mauthausen fest
Fr.04.07.03 - Amerikanische Sicherheitsbeamte haben in der Nähe von
Detroit einen ehemaligen Aufseher des nationalsozialistischen Konzentrationslagers
Mauthausen festgenommen. Der ehemalige SS-Mann Johann Leprich solle so schnell wie
möglich abgeschoben werden, teilte das Justizministerium am Mittwoch in Washington mit.
Beamte des Ministeriums für Innere Sicherheit hätten den 77-Jährigen am Dienstag in seinem
Haus in Clinton Township im Bundesstaat Michigan festgenommen.
Leprich soll sich vor allem in Kanada aufgehalten haben, nachdem ihm 1987 die amerikanische
Staatsbürgerschaft wegen seiner Beteiligung an NS-Verbrechen aberkannt worden war. In letzter
Zeit war er gemäss dem Ministerium mehrfach in der Gegend von Detroit gesehen worden.
Leprich war 1952 in die USA eingewandert und wurde sechs Jahre später Bürger des Landes. Ein
Bundesgericht erkannte ihm die Staatsbürgerschaft 1987 wieder ab, weil er nach Auffassung der
Richter in den Jahren 1943 und 1944 als Aufseher im österreichischen Konzentrationslager
Mauthausen tätig war.
(Quelle: afp/nzz)
«'Totenbücher' des KZ Auschwitz im Internet»
Fr.04.07.03 - Das Museum der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau
macht die Namen von rund 69 000 im deutschen Konzentrationslager Auschwitz
getöteten Häftlingen im Internet zugänglich http://www.auschwitz-muzeum.oswiecim.pl.
Die Datenbank mit den Inhalten der so
genannten Totenbücher ist allerdings bisher nur in der polnischen Version der
Internet-Seite der Gedenkstätte zugänglich.
Über die Suchfunktion können Namen, Geburts- und Wohnort von Häftlingen
eingegeben werden. Vorangegangen war jahrelange Arbeit in den Archiven, berichtete
Museumssprecher Jaroslaw Mensfelt am Donnerstag. Die in insgesamt 46 Bänden
aufgeführten Häftlinge der «politischen Abteilung» sind zwischen Juli 1941 und Dezember
1943 ums Leben gekommen.
In den Totenbüchern sind nur die registrierten Häftlinge aufgeführt. Die Mehrzahl der
mindestens 1,1 Millionen in Auschwitz- Birkenau ermordeten Häftlinge, die nach ihrer
Ankunft in Gaskammern ermordet wurden, sind in den Museumsarchiven nicht namentlich
aufgeführt. Die meisten der Opfer waren Juden aus Polen und den von Deutschland besetzten
Staaten Europas.
Das Museum will nach Auswertung der Daten auch andere Archivunterlagen ins Internet
stellen, unter anderem die so genannten Zigeunerbücher, die Totenbücher der sowjetischen
Kriegsgefangenen und die so genannten Bunkerbücher mit der Auflistung der Häftlinge im
Todesblock. Viele Dokumente des Lagerarchivs wurden jedoch in der Endphase des Zweiten
Weltkrieges vernichtet, als die Deutschen vor ihrem Rückzug zahlreiche Lagerdokumente zerstörten.
(Quelle: dpa)
Neue Gewalt im Gazastreifen
Fr.04.07.03 - Nur drei Tage nach der auch von der Hamas und dem Islamischen Jihad
angekündigten Waffenruhe dreht sich die Gewaltspirale wieder. Am
Mittwochabend haben Palästinenser vier Panzerabwehrgranaten auf eine
jüdische Siedlung im Gazastreifen abgefeuert. Dabei wurden vier Siedler
von Splittern getroffen und verletzt.
Israel legte einen offiziellen Protest gegen den Angriff ein. Zugleich haben
israelische Truppen am Donnerstagmorgen die wichtige Nord-Süd-Verbindung im
Gazastreifen erneut blockiert. Die Strassenblockaden hatten kilometerlange Staus zur
Folge. Die sogenannte Saladin-Strasse war erst vor drei Tagen im Rahmen des
Friedensplanes geöffnet worden. Die Öffnung galt als wichtiger Schritt auf dem Weg
zur fUmsetzung des Nahost-Friedensplanes. Die Hauptverkehrsachse im Gaza-Streifen
war seit dem Beginn des Palästinenser-Aufstands im September 2000 geschlossen gewesen.
Al-Aksa widerruft Waffenruhe
Im Westjordanland haben israelische Soldaten am Donnerstag zudem bei einer
Razzia einen bewaffneten Palästinenser erschossen. Nach Angaben von
palästinensischen Sicherheitskräften war der Getötete Mitglied der Al-Aksa-Brigaden,
die der Fatah-Bewegung von Palästinenserführer Arafat nahesteht.
Die Al-Aksa-Brigaden fühlen sich nach der Tötung eines ihrer Mitglieder durch die
israelische Armee nicht mehr an die von ihnen ausgerufene Waffenruhe gebunden. Ein
vermummter Sprecher kündigte rasche Vergeltung an. "Die israelische Armee setzt ihre
Morde fort und wir werden innerhalb der kommenden 24 Stunden Vergeltung üben",
sagte er am Donnerstag bei der Beerdigung des Opfers.
Wie im Friedensplan vereinbart begann Israel mit der Freilassung palästinensischer
Häftlinge. Neun Männer wurden am Mittwochabend auf freien Fuss gesetzt. Weitere
Freilassung sollen bevorstehen. Die Freilassung von Gefangenen gehört zu den wichtigsten
Forderungen der Palästinenser an Israel.
Der israelische Regierungschef Sharon nahm eine Einladung des amerikanischen Präsidenten
Bush an, im September nach Washington zu reisen. Es wird Sharons erste USA-Reise seit
Oktober vergangenen Jahres sein und die achte seit seinem Amtsantritt im März 2001. Bush habe
dem Ministerpräsidenten telefonisch zum erfolgreichen Verlauf von dessen Gesprächen mit dem
palästinensischen Ministerpräsidenten Abbas gratuliert, teilte das Büro Sharons mit.
Am Sonntag hatten sich die Hamas-Bewegung, der Islamische Jihad und die Fatah-Organisation
zu einem Waffenstillstand bereit erklärt. Anschliessend begann Israel mit dem Abzug von Soldaten
aus dem Norden des Gazastreifens. Am Mittwoch übernahm die palästinensische Polizei wieder die
Kontrolle über Bethlehem im Westjordanland.
(Quelle: nzz)
«Die neu gegründete "Israelisch-Palästinensische Aktionsgruppe für Frieden" will einen umfassenen
Friedensplan vorlegen
»
«Am Wochenende verfolgte die Weltöffentlichkeit gespannt, ob die palästinensischen Widerstandsgruppen eine
Kampfpause ausrufen würden, und so blieb ein anderes Ereignis völlig unbemerkt, das dem Frieden in der
umkämpften Region vielleicht mehr dienen könnte als die wackelige Waffenstillstandserklärung: Rund 200
Friedensaktivisten, Personen des öffentlichen Lebens und Intellektuelle - je zur Hälfte Israelis und Palästinenser -
haben sich in Ramallah getroffen und eine "Israelisch-Palästinensische Aktionsgruppe für Frieden" gegründet...» ("Telepolis" vom 04.ß7.03)
Mehr unter:
«Hamas-Chef dämpft Hoffnung auf dauerhaften Frieden in Nahost»
Fr.04.07.03 - Das Führungsmitglied der israelfeindlichen Hamas,
Abdel-Asis el Rantissi, hat sich am Donnerstag skeptisch über den Bestand
des Gewaltverzichts militanter Palästinenser-Gruppen gegenüber Israel geäußert.
Die Hamas habe dem Gewaltverzicht nur zugestimmt, um einen internen palästinensischen
Konflikt zu vermeiden, sagte Rantissi der Nachrichtenagentur Reuters und dämpfte damit
Hoffnungen auf Fortschritte im Nahost-Friedensprozess. "Es gibt überhaupt keine Verbindung
zwischen diesem Frieden und dem (wirklichen) Frieden", sagte das Hamas-Gründungsmitglied.
"Wir haben die Gefahr eines internen Konflikts gesehen, und wir haben unser Bestes getan, ihn
durch die Erklärung einer Waffenruhe zu vermeiden."
Die Hamas, der Islamische Dschihad und andere gewalttätige Gruppen hatten am Wochenende
einen dreimonatigen Gewaltverzicht erklärt. Israel hat daraufhin teilweise seine Armee aus dem
Gaza-Streifen und dem Westjordanland abgezogen. Dies hat vorsichtigen Optimismus genährt,
beide Konfliktparteien machten Fortschritte bei der Umsetzung des Nahost-Friedensplanes. Der Plan
soll zu einem Ende der seit 33 Monaten andauernden Gewalt und zu einem Palästinenser-Staat bis 2005 führen.
Den Teilabzug der israelischen Armee nannte Rantissi "nichts Neues" und sagte: "Wie oft sind sie
abgezogen und später wieder gekommen?" Weiter drohte der 55-Jährige mit einer Aufhebung des
Gewaltverzichts, sollte Israel auch nur einen weiteren Hamas-Anführer töten oder es unterlassen,
all die tausenden palästinensischen Gefangenen bis zum Ende der Waffenruhe freilassen. "Wenn sie
zur Aggression zurückkehren, werden sie gegen die Waffenruhe verstoßen", sagte Rantissi, der selbst im
vergangenen Monat einen gezielten Tötungsversuch durch israelische Sicherheitskräfte überlebt hatte.
"Wenn sie (die Israelis) sich weigern, unsere Gefangenen freizulassen, werden sie gegen die Waffenruhe
verstoßen. Wenn sie auch nur ein palästinensisches Kind verletzen, werden sie das bedauern."
Rantissi sagte, die Hamas, die die Zerstörung Israels zum Ziel hat, habe ihre Politik nicht geändert. Zugleich
sagte er, seine Organisation habe nicht nur die militärische Stärke, den jüdischen Staat zu zerstören.
Rantissi bezweifelte Israels Bekenntnis, den Konflikt zu beenden. "Sie reden nur über den Frieden und bereiten
sich auf weitere Aggression und weitere Unterdrückung vor." Israel wirft seinerseits radikalen Palästinensern vor,
den Gewaltverzicht nur dazu nutzen zu wollen, um sich neu zu gruppieren, nachdem sie durch Festnahmen und
gezielte Tötungen geschwächt worden seien.
Der 55-jährige Hamas-Anführer sagte weiter, er glaube nicht, dass der palästinensische Ministerpräsident Mahmud
Abbas versuchen werde, die Hamas zu entwaffnen, da er damit den Konflikt mit dem palästinensischen Volk und
militanten Gruppen riskieren würde. Abbas hatte am Mittwoch erklärt, er könne und werde militante Gruppen nicht
entwaffnen. Abbas versicherte jedoch, diejenigen festnehmen zu lassen, die gegen die Waffenruhe verstießen.
(Quelle: rtr)
USA planen für Einsatz in Liberia -
Bush stellt liberianischen Präsidenten Taylor Ultimatum
Fr.04.07.03 - US-Präsident George W. Bush hat
nach Angaben des Senders CNN am Donnerstag das Militär beauftragt,
konkrete Vorschläge für einen Friedenseinsatz in Liberia auszuarbeiten. Die
Federführung liege beim US-Europakommando in Stuttgart. Oberbefehlshaber
James Jones werde dann aus den "Optionen" auswählen und eine entsprechende
Empfehlung an Bush geben, hieß es weiter. Eine endgültige Entscheidung des
Präsidenten werde wegen des nötigen Zeitaufwands vermutlich erst in einigen
Tagen fallen.
Bush hatte am Mittwoch bekräftigt, dass "alle Möglichkeiten" in Betracht gezogen
würden. Er forderte zudem den liberianischen Präsidenten Charles Taylor auf,
zurückzutreten und das Land unverzüglich zu verlassen. In Monrovia schlossen
sich tausende Jugendliche am Donnerstag bei einem Protestmarsch diesem Ruf an.
"Satan tritt zurück...Wir unterstützen Bush", skandierte die Menge.
Bush war nach der jüngsten Eskalation des Bürgerkrieges in Liberia von UN-Generalsekträt
Kofi Annan und verschiedenen Regierungen gebeten worden, die Führungsrolle bei einen
Friedenseinsatz in dem afrikanischen Land zu übernehmen. US-Außenminister Colin Powell
wollte nach eigenen Angaben im Laufe des Donnerstag mit Annan über das Thema sprechen.
Aus Washingtoner Regierungskreisen war zuvor verlautet, Bush denke an einen begrenzten
Einsatz, was sowohl die Soldatenzahl als auch die Dauer betreffe. Im Gespräch sei die
Entsendung von 500 bis 1000 Amerikanern. CNN zufolge soll das für Afrika zuständige
Europa- Kommando unter anderem prüfen, welcher Zeitrahmen für die USA akzeptabel wäre und in
welchem Umfang sich andere Staaten beteiligen sollten. Nach Angaben des Senders stehen bereits
US-Marineinfanteristen in Spanien für den möglichen Einsatz bereit.
(Quelle: dpa)
«Eine Wurzel der Gewalt in Liberia liegt in Amerikas Siedlungspolitik»
«Robert Stockton, Agent der American Colonisation Society betrachtete
sich als Menschenfreund – auch wenn es Momente gab, in denen er sich
nicht gerade als Philantrop zu erkennen gab. 1821 landeten Stockton
und seine Leute an der Küste Westafrikas, um Land zu erwerben. Der
Amerikaner ließ den Führer der dort ansässigen Afrikaner antreten, hielt
ihm eine Pistole vor die Nase – und schon war das Geschäft perfekt: Für
sechs Musketen, ein Fass Perlen, Spazierstöcke, Seife und noch ein paar
andere Luxusgüter wechselte das Gebiet seinen Besitzer.
Die Amerikaner brauchten dieses Stück Land, weil sie dort befreite
Sklaven aus Nordamerika ansiedeln wollten. Diese Menschen sollten
zurückkehren können zu ihren Wurzeln, zurück auf jenen Kontinent, wo
einst ihre Mütter und Väter von den Sklavenjägern geraubt und
verschleppt worden waren. Das waren die Anfänge des Staates Liberia:
eine kleine Kolonie neu angesiedelter Schwarzer, die im Jahr 1847 ihre
eigene Republik ausriefen.
Zuerst errichteten die Neuankömmlinge, die zu tausenden über den
Atlantik nach Westafrika verschifft wurden, ein Militärlager, das sie
später zur Stadt ausbauten und Monrovia tauften – zu Ehren des
US-Präsidenten James Monroe. Von Anfang an war dieses
Staatsexperiment, das sich die Anti-Sklaverei- Aktivisten in Nordamerika
ausgedacht hatten, jedoch mit einer großen Hypothek belastet. Denn
die dort schon lebenden Afrikaner hatte niemand gefragt, ob sie sich
fortan von einer Gruppe fremder schwarzer, noch dazu seltsam
gekleideter und überheblicher Männer beherrschen lassen wollten.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts kamen etwa 16000 schwarze
Neuankömmlinge nach Liberia, doch vielen lag das Klima gar nicht, sie
starben bald oder kehrten frustriert in die USA zurück. Eine Zählung aus
dem Jahr 1843 hatte ergeben, dass von den ersten 4472 Immigranten
an der Küste nur noch etwas mehr als 2000 übrig waren.
Die neuen schwarzen Siedler, auch Americo-Liberianer genannt, waren
keineswegs darauf aus, sich mit den ansässigen afrikanischen
Volksgruppen zu verbrüdern. Im Gegenteil: Die prägende
Lebenserfahrung der Neuankömmlinge war das Verhältnis des Sklaven
zu seinem Herrn. Und hier, an der einsamen Tropenküste, fernab weißer
Herrschaft, hier wollten sie nun selber den Ton angeben.
"Die Liebe zur Freiheit brachte uns hierher", – das war das Motto der
liberianischen Staatsgründung, doch gelten sollte es nur für die winzige
Schicht der schwarzen Immigranten, die vermutlich nur einige wenige
Prozent der damaligen Gesamtbevölkerung des Landes stellten. Die
Sklaven von einst machten sich eifrig daran, ihren Status als neue
Herren zu festigen. Bürgerrechte gewährten sie nur sich selber, die
übrigen Schwarzen hielten sie dessen nicht würdig. Viele wurden sogar
in sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse gezwungen, manche sogar in
andere Regionen verkauft.
Die Herrschaft der Americo-Liberianer kam erst im Jahr 1980 zu einem
vorübergehenden Ende, als Samuel Doe von der Volksgruppe der Krahn
die Macht an sich riss. Doe wurde während des Bürgerkriegs in den
neunziger Jahren ermordet, unter den rivalisierenden Warlords
erkämpfte sich Charles Taylor die Macht, der wiederum einer
americo-liberianischen Familie entstammt. Doch nun scheinen auch
Taylors Tage gezählt, da Rebellen in Monrovia vorrücken und
Washington Druck macht. Die Amerikaner fordern, dass Taylor – gegen
dessen Herrschaft sie früher wenig einzuwenden hatten – schleunigst
verschwinden möge.
» (Süddeutsche Zeitung vom 04.07.03)
Berlusconi entschuldigt sich bei Schröder für Nazi-Vergleich
Fr.04.07.03 - Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat sich am
Donnerstagabend bei Bundeskanzler Gerhard Schröder für seinen umstrittenen
Nazi-Vergleich entschuldigt. Wie Schröder mitteilte, drückte Berlusconi in einem
Telefonat sein Bedauern über die Wahl des Begriffs und des Vergleichs aus. Er
selbst habe Berlusconi gesagt, "dass für die Bundesregierung die Sache damit
erledigt ist". Im Interesse Europas hoffe er, dass die italienische Ratspräsidentschaft
ein Erfolg werde.
Berlusconi hatte bei seinem Debüt als EU-Ratsvorsitzender im Europaparlament am
Mittwoch dem sozialdemokratischen Fraktionsvize Martin Schulz gesagt, er wolle
ihn für die Rolle eines KZ-Aufsehers in einem italienischen Film vorschlagen. Schulz
sei dafür "perfekt geeignet". Am Donnerstag machte er dann die linksgerichtete
Opposition in Italien für die diplomatische Krise zum Auftakt seiner EU-Ratspräsidentschaft
verantwortlich.
Schröder hatte schon am Morgen im Bundestag erklärt, dass er erwarte, dass "der
italienische Ministerpräsident sich in aller Form für diesen Vergleich entschuldigt."
Außenminister Joschka Fischer verwies darauf, dass der stellvertretende italienische
Ministerpräsident Gianfranco Fini das genauso sehe. Zugleich schlug er versöhnlichere
Töne an. "Wo Menschen sind, passieren Fehler." Das könne man gerade rücken, indem
man sich entschuldige.
Der deutsche EU-Kommissar Günter Verheugen sagte dagegen der "Berliner Zeitung",
Berlusconis Entgleisung "beschädigt die italienische Präsidentschaft gleich am ersten Tag
und damit auch Europa". Der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker kritisierte
die Äußerungen Berlusconis als inakzeptabel. Dies sei "unter Demokraten und den europäischen
Institutionen nicht hinnehmbar".
Die Europäische Volkspartei forderte unterdessen den SPD-Parlamentarier Schulz auf, sich
bei Berlusconi zu entschuldigen. Die EVP, zu der auch Berlusconis Forza Italia gehört, erklärte,
Schulz habe mit seinen Bemerkungen den italienischen Regierungschef und das italienische
Volk in unannehmbarer Weise angegriffen. Der EVP-Fraktionsvorsitzende und CDU-Politiker
Hans-Gert Pöttering stellte sich hinter die Forderung. Die anderen Fraktionen im EU-Parlament
forderten dagegen eine Entschuldigung Berlusconis.
In Italien wurde Berlusconi nicht nur von der Opposition, sondern auch in der eigenen Koalition
kritisiert. Fini, dessen Partei aus den Neofaschisten hervorging, sagte, auch eine noch so scharfe
Kritik rechtfertige es nicht, einen politischen Gegner als Nazi-Aufseher zu bezeichnen.
(Quelle: ap)
Kommission scheitert an Gewerbesteuer-Reform
Fr.04.07.03 - Trotz des Scheiterns der Reformkommission will die Bundesregierung die
Gemeindefinanzen pünktlich zum 1. Januar 2004 neu ordnen und so die Geldmisere
der Kommunen lindern. Das Gremium beendete nach über einem Jahr seine Arbeit,
ohne eine einheitliche Lösung vorzuschlagen, wie Bundesfinanzminister Hans Eichel
(SPD) mitteilte. Die rot-grüne Regierung will nun ein eigenes Gesetz einbringen, womit die
Gewerbesteuer ausgeweitet werden soll. Die Koalitionsfraktion will am Freitag einen
entsprechenden Antrag in den Bundestag einbringen. Wieviel die Kommunen künftig
sparen, ist aber noch unklar.
Die Bundesregierung will sich nun an dem Modell orientieren, das die Kommunen
vorgeschlagen hatten. Es zielt darauf, die Bemessungsgrundlage der Besteuerung zu
verbreitern und auch Freiberufler einzubeziehen. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang
Clement (SPD) betonte aber, dass im Laufe des Gesetzgebungsverfahrens versucht werden
solle, ertragsunabhängige Teile aus der Besteuerung herauszunehmen.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der die Gewerbesteuer abschaffen und
durch andere Steuereinnahmen ersetzen wollte, räumte ein, dass sein Modell kaum noch Chancen
habe. Während die Kommunen in der Kommission eine Verbreiterung der Bemessungsgrundlage
gefordert hatten, wollte der BDI die Abschaffung der Gewerbesteuer durchsetzen.
BDI-Chef Michael Rogowski kündigte an, dass sich die Industrie nun darauf konzentrieren werde,
Änderungen an dem Kommunal-Modell durchzusetzen. So solle vor allem eine Substanzbesteuerung -
also von Zinsen, Mieten und Pachten - verhindert werden. "Wir werden nun alle Hände voll zu tun
haben", sagte er. Seine Hoffnungen richtet er vor allem auf den Bundesrat, wo die Opposition über die
Reform mitbestimmen kann. Weitgehend einig war sich die Kommission darüber, dass Arbeitslosenhilfe
und Sozialhilfe zusammengelegt werden sollen und die Kommunen so Ausgaben sparen. Rund 1,5
Milliarden Euro der dadurch angestrebten Ersparnisse sind bereits für den Ausbau der Kleinkinderbetreuung
vorgesehen.
Ein "Großteil der Mitglieder" der Reformkommission sprach sich nach Eichels Angaben trotz der angestrebten
Reform zusätzlich für ein Sofortprogramm zur Unterstützung der klammen Städte und Gemeinden aus. Einen
entsprechenden Vorschlag hatte Bayern bereits in den Bundesrat eingebracht. Es sei aber unklar, wer ein
solches Programm bezahlen solle.
Die kommunalpolitische Sprecherin der Grünen, Kerstin Andreae, kündigte einen gemeinsamen Antrag der
Koalitionsfraktionen zur Gemeindefinanzreform an. Demnach soll die Gewerbesteuer zu einer kommunalen
Wirtschaftsteuer weiterentwickelt werden. Ein Sofortprogramm sei dagegen "keine vertretbare Alternative",
betonte Andreae.
(Quelle: afp)
Offener Machtkampf in der IG-Metall-Spitze
Fr.04.07.03 - Im Streit um Konsequenzen nach dem Streikdebakel
der IG Metall in Ostdeutschland ist in der Führung der Gewerkschaft ein
offener Machtkampf ausgebrochen.
IG-Metall-Chef Klaus Zwickel rückte am Donnerstag in einem Interview von
seinem Stellvertreter Jürgen Peters ab und forderte ihn indirekt zum Verzicht
auf eine Kandidatur für den Vorsitz auf. Peters hatte zuvor Zwickel mangelnde
Rückendeckung bei der Aufarbeitung des gescheiterten Arbeitskampfes um die
35-Stunden-Woche im Osten vorgeworfen. In den Bezirken spitzte sich die
Auseinandersetzung um Peters weiter zu. Dieser bekräftigte seine Absicht, auf
dem Gewerkschaftstag im Oktober für die Zwickel-Nachfolge zu kandidieren.
Zwickel machte dagegen Peters und den Bezirksleiter Sachsen und Berlin-Brandenburg,
Hasso Düvel, für Fehleinschätzungen im Vorfeld des Streiks verantwortlich. "Die IG Metall
ist schwer getroffen. Und dafür gibt es Personen, die Verantwortung tragen und Konsequenzen
ziehen müssen", sagte Zwickel dem Berliner "Tagesspiegel" einem Vorab-Bericht vom Donnerstag
zufolge. Das vom Vorstand gemeinsam Streikkonzept sei nicht wie beschlossenen umgesetzt worden.
Es sei nicht geplant gewesen, dass von Beginn an auf einen unbefristeten Streik mit Fernwirkung in
westdeutschen Betrieben gezielt wurde. "Aus meiner Sicht wurde der Vorstand faktisch getäuscht",
sagte Zwickel.
Der Gewerkschaftschef vermied es in dem Interview, ausdrücklich den Rücktritt von Peters oder
dessen Verzicht auf eine Kandidatur für den IG-Metall-Vorsitz zu fordern, sprach aber davon,
dass es jetzt ein Signal für einen Neuanfang in der IG Metall geben müsse.
Peters hatte zuvor im "Deutschlandfunk" die Kritik am Streikverlauf zurückgewiesen. Das Vorgehen
sei stets mit dem gesamten Vorstand abgestimmt gewesen. Allen sei klar gewesen, dass mit dem
Arbeitskampf im Osten auch das Risiko eines Scheiterns verbunden gewesen sei. Bei der Aufarbeitung
hätte er jetzt von Zwickel mehr Unterstützung erhofft. "In diesem Streit hätte ich mir schon gewünscht,
dass er da eine Position bezieht, die Mäßigung bedeutet", sagte Peters im Deutschlandfunk.
Wenige Tage vor der Vorstandssitzung am Dienstag, in der über Konsequenzen aus dem gescheiterten
Streik beraten werden soll, steht die mit 2,6 Millionen Mitgliedern weltweit größte Industriegewerkschaft
vor einer ihrer schwersten Zerreißproben. Einfache Mitglieder seien von dem öffentlichen Hauen und
Stechen angewidert, berichtete ein Betriebsrat. Das Scheitern des Kampfes um die 35-Stunden-Woche im
Osten, das viele Gewerkschafter Peters anlasten, war die größte Niederlage der IG Metall seit fünf Jahrzehnten.
Sie fällt inmitten eines schwierigen Führungswechsels, der bereits vor drei Monaten die Gewerkschaft belastete.
Der scheidende IG-Metall-Chef Zwickel war im April mit dem Versuch gescheitert, den von ihm ungeliebten
Vize Peters als Kandidaten für seine Nachfolge zu verhindern. Am Ende einigte sich der Vorstand auf ein
Tandem mit Peters als Kandidat für den Gewerkschaftsvorsitz und seinem Widersacher Berthold Huber aus
Baden-Württemberg als Vize. Beide Strömungen - hier die Traditionalisten um Peters, dort der Modernisierer
Huber - sollten so unter einen Hut gebracht und die Gewerkschaft wieder handlungsfähig gemacht werden.
Diese Lösung entpuppt sich jetzt als brüchiger Kompromiss, den Peters-Gegner nach den jüngsten
Erfahrungen im Ost-Streik nicht mehr mittragen wollen. Die IG Metall ist seither förmlich aufgewühlt,
auf Funktionärstreffen diskutieren Gewerkschafter hitzig die Lage. Mehrheiten gegen Peters und für
Huber zeichnen sich in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen/Rheinland-Pfalz ab. Aus
Nordrhein-Westfalen gibt es gegensätzliche Signale. In Niedersachsen, wo Peters als Bezirksleiter wirkte,
steht die Basis hinter dem gelernten Maschinenschlosser, auch der einflussreiche Betriebsrat von VW. In
Ostdeutschland wollen viele Metaller nicht vorschnell Köpfe rollen lassen. Die Bevollmächtigten im Bezirk
Küste brachten mit der Forderung, die IG Metall brauche eine "unbelastete Führungsspitze", indirekt ihren
Bezirkschef Frank Teichmüller ins Spiel.
"Jeder, der Peters verhindern will, muss einen neuen Vorschlag machen, wie die beiden Strömungen in der
künftigen Führung unter einen Hut gebracht werden", heiß es im Umfeld des umstrittenen Kandidaten. Der
setzt kämpferisch auf Zeit und die Basis. Niemand sonst als der Gewerkschaftstag im Oktober könne über den
Vorsitz entscheiden, erklärte Peters.
(Quelle: rtr)
Mehr Einsatz für faire Welthandelspolitik gefordert.
Fr.04.07.03 - Vertreter von Nichtregierungsorganisationen haben die
Bundesregierung aufgefordert, sich für eine faire Welthandelspolitik
stark zu machen. Die Interessen vieler Entwicklungsländer würden durch
die deutsche Handelspolitik an den Rand gedrängt, kritisierten Vertreter der
neu gegründeten Kampagne Gerechtigkeit jetzt (http://www.gerechtigkeit-jetzt.de/)
am Donnerstag in Berlin. Sie
kündigten eine "kritische Begleitung" der Anfang September im mexikanischen
Cancún stattfindenden nächsten Runde der Welthandelsorganisation (WTO) an.
Die wenigen konkreten Vereinbarungen, die vor zwei Jahren in Doha/Katar beschlossen
wurden, seien nicht umgesetzt worden, sagte Peter Fuchs von der Organisation weed.
Als Beispiel nannte er die Wasserversorgung, die zunehmend privatisiert und
Unternehmensinteressen unterworfen werde. Fuchs erinnerte die Bundesregierung auch
daran, dass sie sich in ihrem Koalitionsvertrag verpflichtet habe, sich für eine Verbesserung
des Marktzugangs insbesondere von landwirtschaftlichen Produkten aus den Ländern des
Südens einzusetzen. Er mahnte eine Umsetzung, besonders auf EU-Ebene, an.
Deutschland müsse zudem seinen Einfluss geltend machen, damit Entwicklungsländern der
Zugang zu Generika gegen Malaria oder Aids ermöglicht werde, forderten die Organisatoren
der Kampagne. Eine abschließende Einigung war bislang an dem Widerstand der Vereinigten
Staaten und der Pharmaindustrie gescheitert. In Cancún soll darüber Übereinkunft erzielt werden.
In einem am Juni an die Abgeordneten des Bundestages verschickten Brief fordern die Organisatoren,
Welthandel in den Dienst der Menschenrechte, der Armutsbekämpfung und des Umweltschutzes zu
stellen. Heftig kritisierten sie Praktiken der Vereinigten Staaten, überschüssige Lebensmittel an
Entwicklungsländer zu verbilligten Preisen abzugeben und damit die Lebensgrundlage von Kleinbauern
zu zerstören. Gleichzeitig schotteten die Industrieländer ihre Märkte für Produkte aus den Ländern des
Südens ab. Die Vertreter der Nichtregierungsorganisationen fordern mehr Transparenz und Mitspracherecht
bei der Ausgestaltung der künftigen Leitlinien der deutschen Handelspolitik.
(Quelle: ap)
Wissenschaft: Todesnähe-Erfahrungen als biologisches Phänomen
Fr.04.07.03 - Unzählige Menschen haben in plötzlicher Todesnähe Gefühle
des Friedens und des Glücks gehabt. Manche sahen einen Tunnel mit einem
verheißungsvollen Licht am Ende - oft empfunden als Blick ins Jenseits. Auch
die eigene Vergangenheit stand manchmal zeitgerafft vor Augen. Da war auch
der Eindruck, vom eigenen Körper losgelöst zu sein.
Tausende solcher Erlebnisse von Ertrinkenden oder nach einem Herzstillstand
wiederbelebten Patienten sind wissenschaftlich untersucht. Es gibt viele Belege
dafür, dass ihre Berichte keine Fantastereien sind. Nach einer soziologischen
Studie haben etwa vier Prozent der Deutschen sie gehabt.
Vor allem die medizinische und neurowissenschaftliche Forschung hat neuerdings
zu ihrer Erklärung beigetragen. Sie ist das Titelthema der neuesten Ausgabe des
Magazins "Gehirn & Geist" (Heidelberg, 3/2003). Ihre Ergebnisse lassen den Schluss
zu, dass ausschließlich biologische Prozesse im Gehirn für diese so genannten Nahtod-
oder Todesnähe-Erfahrungen verantwortlich sein dürften.
"Offenbar scheitert unser Gehirn in diesen Momenten daran, urplötzlich das Ende der
eigenen Existenz zu verarbeiten", schreibt der Neurophysiologe Detlef B. Linke von der
Universität Bonn. "Und in seiner Not, aber auch als letzte Abwehrstrategie, gewinnen
dort besondere Prozesse die Oberhand, die uns diese außergewöhnlichen Erfahrungen
bescheren."
Das Gehirn funktioniere wie eine Vorhersagemaschine. Es nehme andauernd die Zukunft
vorweg und gestalte die Gegenwart auf der Grundlage von Hypothesen über kommende
Ereignisse. Dieser Apparat werde nun urplötzlich mit einer Unmöglichkeit konfrontiert -
mit dem Gedanken "Ich sterbe jetzt", schreibt Linke. "Die gesamte Zukunft schrumpft
blitzschnell auf einen einzigen Augenblick zusammen und es gibt plötzlich keine
weiterführende Sequenz von Ereignissen mehr. Der Fortlauf der Zeit bricht zusammen
und die normalen Mechanismen, die unser Zeitgefühl erschaffen, können an dieser Stelle
nicht mehr weiterarbeiten."
Bei den besonderen Prozessen, die nun im Gehirn die Oberhand gewinnen, spielen offenbar
die so genannten NMDA (N-Methyl-D- Aspartat)-Rezeptoren als neuronale Signalübermittler
eine besondere Rolle. Der Psychiater Karl L. R. Jansen vom Maudsley-Hospital in London zieht
diesen Schluss aus Experimenten. Sie zeigen die Wirkung von Sauerstoffmangel und die von
Narkosen durch die Substanz Ketamin auf die NMDA-Rezeptoren.
Bei einer Todesnähe-Erfahrung ist oft Sauerstoffmangel im Spiel. Eine Ketamin-Narkose ist häufig
von Todesnähe-Erfahrungen begleitet. Das Phänomen der Überflutung des Gedächtnisses mit
Erinnerungen ist möglicherweise mit der Aktivität sensibilisierter NMDA-Rezeptoren erklärbar.
Hinzu kommt, dass diese Rezeptoren mit dem Opioid-System in Verbindung stehen, mit dessen
Hilfe der Körper Schmerzen unterdrückt. Hier dürften sie auch eine Funktion beim Entstehen von
Glücksgefühlen in Nahtod-Situationen haben.
Bei der Auflösung der Unterschiede zwischen dem Selbst und der Umwelt spielt möglicherweise
auch die Amygdala als ein für Angst und Aggression zuständiges Gehirnzentrum eine Rolle:
Wenn der Mensch nicht mehr handeln kann, kommt diese Region mit ihren Handlungsimpulsen
nicht mehr zum Zuge - und die eigenen Grenzen scheinen sich aufzulösen.
Deuten die Todesnähe-Erfahrungen auf die Existenz eines Lebens nach dem Tod hin - zumal sie,
wenn auch relativ selten, schrecklich sein können, wie ein Blick in die Hölle? Dem Psychiater Michael
Schröter-Kunhardt (Heidelberg) zeigen die neuen Erkenntnisse, dass der Glaube an ein Leben nach dem
Tod letztlich biologisch vorprogrammiert ist. "Der Mensch ist durch die Beschaffenheit seines Gehirns
darauf ausgerichtet, mystische Erfahrungen zu machen. Er ist von vornherein ein religiöses Wesen."
Er vergleicht das Ganze mit einem Flugsimulator, der den Piloten auf das wahre Fliegen vorbereitet. "Der
Sinn dieses biologisch initiierten Programms ist es, den Leuten zu zeigen, dass der Tod nicht das Ende ist.
Die Erfahrung ist so perfekt, dass man sich wohl kaum eine bessere Methode vorstellen könnte, jemanden
auf ein Leben nach dem Tode vorzubereiten."
Der einzige Universitätstheologe, der sich mit dem Phänomen auseinander gesetzt hat, ist Hans Küng
(Tübingen). Jedenfalls beweise es für ein mögliches Leben nach dem Tode "nichts", schreibt er in
seinem Buch "Ewiges Leben?" unter dem Hinweis, dass diese Menschen die Schwelle des Todes
ja noch nicht überschritten hatten.
(Quelle: dpa)
Klimaerwärmung: Das Wetter läuft Amok
Fr.04.07.03 - Die World Meteorological Organization warnt, dass sich mit der voranschreitenden Klimaerwärmung die
in den letzten Monaten beobachteten Wetterextreme häufen und verstärken werden
Extrem hohe und niedrige Temperaturen, eine Rekordanzahl an Stürmen und gleichfalls ungewöhnliche
Niederschlagsmengen oder Trockenperioden weisen darauf hin, dass tiefgreifende Veränderungen eingetreten sein
könnten. Die World Meteorological Organization ( WMO) warnte nun davor, dass extreme Wetterverhältnisse
weiter zunehmend könnten. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse, so die WMO in einer Mitteilung vom 2. Juli,
lassen vermuten, dass "mit der Klimaveränderung durch kontinuierlich wachsende Temperaturen die Zahl und
Stärke von extremen Vorkommnissen zunehmen werden".
(Quelle: telepolis)
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