Aktuelle Nachrichten
Irak am hundertundelften Tag nach Kriegsbeginn
Mubarak und Assad fordern Ende der Besatzung in Irak +++
Erneut US-Soldaten bei Angriffen in Irak getötet +++
Bagdad hat wieder einen irakischen Stadtrat +++
US-Zivilverwaltung kündigt neue Währung für den Irak an +++
CIA: Saddam-Stimme auf Tonband wahrscheinlich authentisch +++
Außenpolitischer Ausschuss des britischen Unterhauses:
Blair wegen Umgangs mit Geheimdienstmaterial kritisiert +++
Di.08.07.03 - Der ägyptische Präsident Husni Mubarak und sein syrischer
Kollege Baschar el Assad haben am Montag ein rasches Ende der Besatzung
in Irak gefordert. Nach einem dreistündigen Treffen in Kairo
erklärten die Politiker in einer gemeinsamen Stellungnahme, eine
gewählte Regierung müsse so schnell wie möglich ihre
Arbeit aufnehmen. Weiteres Thema war der Nahost-Friedensprozess.
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) unternahmen unterdessen als
erstes arabisches Land erste Schritte zur Anerkennung der
nordirakischen Kurdenregierung. In der Hauptstadt der VAE soll
demnächst eine Interessenvertretung der Regionalregierung der
nordirakischen Kurden eröffnet werden. Das bestätigte der
Präsident der Industrie- und Handelskammer der Emirate, Said el
Suwaidi am Montag vor der Presse in Abu Dhabi. Ziel sei es, die
Beteiligung von Firmen aus den Emiraten am Wiederaufbau im Irak zu
erleichtern.
Die arabische Zeitung «Al-Hayat» berichtete in ihrer
Ausgabe vom Montag außerdem, der Präsident der Vereinigten
Arabischen Emirate (VAE), Scheich Said Bin Sultan Al Nahjan, habe sich
beim amerikanischen Irak-Verwalter Paul Bremer für eine rasche
Übertragung der Entscheidungsgewalt an einen irakischen
Regierungsrat eingesetzt. Die Vermittlung des VAE-Präsidenten gehe
auf eine entsprechende Bitte des ehemaligen irakischen
Außenministers Adnan el Padschaschi zurück.
In Irak sind innerhalb von 24 Stunden erneut drei US-Soldaten bei
Angriffen getötet worden. Am Montagmorgen wurde nördlich von
Bagdad ein Sprengsatz auf einen Militärkonvoi geworfen, dabei kam
ein Soldat ums Leben. Am Sonntagabend eröffneten zwei Männer
das Feuer auf einen anderen Konvoi und töteten ebenfalls einen
Soldaten. Erst Stunden zuvor war der Tod eines weiteren
Angehörigen der Ersten Panzerdivision in Bagdad bekannt geworden.
Nach den Schüssen auf den Konvoi am Sonntagabend erwiderten die
US-Truppen das Feuer und töteten einen der Angreifer, wie ein
Armeesprecher mitteilte. Der zweite sei festgenommen worden. Beide
getöteten Soldaten gehörten zu der in Deutschland
stationierten Ersten Panzerdivision, die Bagdad besetzt hält. Der
dritte Soldat wurde am Sonntag aus geringer Entfernung in den Kopf
geschossen, als er in der Universität etwas zu trinken kaufen
wollte, wie die US-Streitkräfte mitteilten.
Die alliierten Truppen in Irak waren in den vergangenen Wochen immer
wieder Ziel von Anschlägen. General Tommy Franks wandte sich
dennoch gegen eine Truppenverstärkung. Die Sicherheitslage
müsse in Zusammenarbeit mit der Irakern verbessert werden, sagte
Franks am Montag dem US-Fernsehsender ABC. Franks leitete als
Oberbefehlshaber der US-Truppen in der Golfregion den Irak-Krieg.
Auch in Ramadi, 100 Kilometer westlich von Bagdad, kam es am
Sonntagabend zu einem Überfall auf amerikanische Soldaten.
Angreifer feuerten eine Granate auf einen Konvoi und verletzten vier
Soldaten. Nach Militärangaben wurde einer der mutmaßlichen
Täter getötet und ein zweiter verwundet. Ramadi gilt als
Hochburg des gestürzten irakischen Regimes.
Im pfälzischen US-Militärkrankenhaus Landstuhl erlag ein
australischer Rundfunktechniker seinen Verletzungen, die er bei einem
Angriff in Irak erlitten hatte.
Die USA ließen indessen die in Nordirak festgenommenen elf
türkischen Spezialkräfte frei. Die Soldaten waren am Freitag
bei einer Razzia in einem türkischen Stützpunkt in
Suleimanijah in Gewahrsam genommen worden. Der Vorfall führte zu
einer diplomatischen Krise zwischen Ankara und Washington. Als Reaktion
auf die Verhaftungen schloss die Türkei einen Grenzübergang
zu Irak, über den die amerikanischen Truppen versorgt wurden.
Gründe für die Razzia in Suleimanijah nannte die US-Regierung
bislang nicht. Nach einem Bericht der Zeitung "Hürriyet" hatten
die US-Truppen Hinweise auf ein geplantes Attentat der türkischen
Spezialkräfte auf einen kurdischen Politiker in Kirkuk.
In Bagdad nahm am Montag ein frei gewählter Stadtrat seine Arbeit
auf, der die von den USA geführte Zivilverwaltung
unterstützen soll. Der US-Verwalter für Irak, Paul Bremer,
sagte: "Der heutige Tag markiert nach 30 Jahren die Rückkehr der
Demokratie in Bagdad." Auch in der südirakischen Stadt Nadschaf
konstituierte sich ein neuer Stadtrat.
Der russische Außenminister Igor Iwanow forderte unterdessen die
rasche Bildung einer souveränen irakischen Regierung. Er
äußerte sich am Montag in Moskau zu Beginn einer Unterredung
mit dem irakischen Kurdenführer Dschalal Talabani.
Die von den USA geführte Zivilverwaltung hat die Einführung
einer neuen Währung im Irak angekündigt. Die Bevölkerung
könne ab dem 15. Oktober innerhalb von drei Monaten ihre alten
Dinar in die neuen Geldscheine umtauschen, sagte der Chef der
Zivilverwaltung, Paul Bremer, am Montag im irakischen Fernsehen.
Die neue Währung werde eine Variation der in den kurdisch
kontrollierten nördlichen Regionen verwendeten so genannten Swiss
Dinar sein, sagte Bremer. "Die Koalition wird im Namen des irakischen
Volkes für den ganzen Irak neue Banknoten drucken und verteilen",
fügte er hinzu. Die neue Währung werde zu pari gegen die im
Süden des Landes umlaufenden Dinar-Noten mit dem Konterfei des
ehemaligen Präsidenten Saddam Hussein getauscht und zu 150 neue
Dinar für je einen Swiss Dinar. Es stehe einer späteren neuen
irakischen Regierung frei, neue Geldscheine auszugeben.
Die neue Währung wird nach Angaben eines anderen hochrangigen
Mitglieds der Zivilverwaltung am Devisenmarkt frei floaten. Bremer habe
zudem einen Erlass unterzeichnet, mit dem der irakischen Zentralbank
unter ihrem Interims-Gouverneur Faleh Salman erstmals seit Jahrzehnten
Unabhängigkeit von der Regierung garantiert wird.
Den größten Auftrag zum Druck der neuen irakischen Banknoten
soll der weltweit größte Banknotendrucker, die britische De
La Rue erhalten und schon bald mit der Herstellung beginnen. Das
Unternehmen teilte in London mit, es werde ein Konsortium weltweiter
Währungsspezialisten beim Druck der Geldscheine führen.
Der US-Geheimdienst CIA geht nach eigenen Angaben davon aus, dass ein
kürzlich veröffentlichtes Tonband mit der vermeintlichen
Stimme des früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein
authentisch ist.
Die Qualität des am 4. Juli vom arabischen Sender El Dschasira
ausgestrahlten Tonbandes sei zwar schlecht, so dass die Echtheit nicht
mit absoluter Sicherheit bewiesen werden könne, sagte CIA-Sprecher
Bill Harlow am Montag. "Nach einer technischen Analyse des Tonbandes
lautet die CIA-Beurteilung, dass es höchstwahrscheinlich seine
Stimme ist". Das genaue Datum der Aufzeichnung ließe sich jedoch
nicht ermitteln.
In der Aufzeichnung fordert eine Stimme die irakische Bevölkerung
auf, Widerstand gegen die US-Truppen im Irak zu leisten. "Ich
dränge Euch, die heroischen Widerstandskämpfer zu
beschützen und den ungläubigen Invasoren und ihren Helfern
keine Informationen oder Hilfe zukommen zu lassen", hieß es.
Das Schicksal Saddams sowie seiner beiden Söhne Udai und Kusai ist
seit Beginn des Irak-Kriegs vor dreieinhalb Monaten ungeklärt.
Der außenpolitische Ausschuss des britischen Unterhauses hat die
Darstellung von Geheimdienstinformationen durch die Regierung vor dem
Irak-Krieg kritisiert. Die Behauptung, Irak sei in der Lage, binnen 45
Minuten Massenvernichtungswaffen einzusetzen, sei in einem umstrittenen
Dossier vom September vergangenen Jahres unangemessen in den
Vordergrund gerückt worden, erklärte der Ausschuss am Montag.
Es gebe jedoch keine Hinweise, dass Premierminister Tony Blair oder
seine Minister die Abgeordneten in die Irre geführt hätten.
Der Bericht erhöhte den Druck auf die Regierung, Beweise für
die Existenz von Massenvernichtungswaffen in Irak zu finden. Ohne
solche Beweise seien Zweifel an der Glaubwürdigkeit britischer
Geheimdienst-Dossiers nicht auszuräumen, hieß es. «Es
ist zu früh zu sagen, ob die Aussagen der Regierung zu chemischen
und biologischen Waffen in Irak tragfähig sind», hieß
es weiter.
Im Mittelpunkt der Untersuchungen des Ausschusses standen zwei
Geheimdienst-Berichte. Das Dossier vom September war in die Kritik
geraten, nachdem der Fernsehsender BBC im Mai berichtet hatte, Blairs
Büro habe die Aussage über die in 45 Minuten
einsatzfähigen Massenvernichtungswaffen nachträglich
eingefügt. Die Sprache in dem Bericht sei
«nachdrücklicher als sonst in Geheimdienstdokumenten
üblich» gewesen, erklärte der Ausschuss. Er forderte
die Regierung zu einer Erklärung auf, warum die Zeitangabe in den
Mittelpunkt des Dossiers gestellt worden sei, obwohl diese Aussage nur
auf einer Quelle beruht habe.
Weiter wurden kritisiert, Blair habe die Abgeordneten über den
Hintergrund des zweiten Dossiers vom Januar im Unklaren gelassen.
Dieser Bericht hatte Auszüge aus einer im Internet
veröffentlichten Abschlussarbeit eines Studenten enthalten und war
von Blair als weiteres Geheimdienstmaterial vorgestellt worden. Es sei
«völlig inakzeptabel» für die Regierung,
Informationen ohne Angabe der Quelle zu übernehmen, erklärte
der Ausschuss.
Blairs Büro wies die Kritik zurück. «Wir stehen zu dem
September-Dossier», erklärte ein Sprecher vor Journalisten.
Außenminister Jack Straw sagte, die Regierung habe ihrer Ansicht
nach richtig gehandelt, als sie sich zum Angriff auf Irak entschloss.
«Die Beweise waren zu dem Zeitpunkt, als wir die Entscheidung zum
Krieg gefällt haben, überwältigend.»
Die gegen Blairs Kommunikationsdirektor Alastair Campbell erhobenen
Vorwürfe wiesen die Ausschussmitglieder zurück. Campbell habe
keinen ungebührlichen Einfluss auf das September-Dossier
ausgeübt, erklärten sie. Campbell hätte jedoch als nicht
gewählter Berater der Regierung keine Sitzung zu Fragen des
Geheimdienstes leiten dürfen.
Die BBC hatte unter Berufung auf nicht näher bezeichnete
Geheimdienstquellen berichtet, Campbell habe die umstrittenen Angaben
über chemische und biologische Waffen nachträglich
eingefügt, um den Krieg gegen Irak zu rechtfertigen. Blair wies
die Anschuldigungen als absurd zurück.
Nach Veröffentlichung des Berichts am Montag forderte die
Regierung erneut eine Entschuldigung von der BBC. Kein Mitglied des
Ausschusses sei zu dem Schluss gekommen, dass der BBC-Bericht der
Wahrheit entspreche, sagte Straw. Der Sender erklärte dagegen, er
stehe zu seinem Bericht. Die Opposition wirft der Regierung vor, mit
dem Streit mit der BBC von der Kritik des Ausschusses ablenken zu
wollen.
(Quellen: ap, dpa, rtr)
London äußert 'starke Vorbehalte' gegen Militärtribunal in den USA
Di.08.07.03 - London (AP) Großbritannien hat "starke Vorbehalte" gegen die
Absicht der US-Regierung angemeldet, zwei mutmaßliche britische
El-Kaida-Mitglieder vor ein Militärtribunal zu stellen. "Wir haben
den USA klar gemacht, dass wir einen fairen Prozess unter Beachtung der
international anerkannten Standards erwarten", sagte der Staatsminister
im Außenministerium, Chris Mullin, am Montag im Unterhaus in
London.
Die zwei Briten, der 35-jährige Moazzam Begg und der
23-jährige Feroz Abbasi, sind derzeit auf dem US-Stützpunkt
Guantanamo auf Kuba inhaftiert. Sie gehören zu einer ersten Gruppe
von sechs Verdächtigen, denen die US-Regierung vor einem
Militärtribunal den Prozess machen will. Eine entsprechende
Entscheidung traf US-Präsident George W. Bush in der vergangenen
Woche.
Vor dem Militärtribunal hätten die Angeklagten nur
eingeschränkte Rechte gegenüber einem Prozess vor einem
ordentlichen Gericht. Die Amerikanische Anwaltsvereinigung hat die
geplante Einrichtung eines Militärtribunals bereits heftig
kritisiert. Mullin wandte sich auch gegen die mögliche
Verhängung der Todesstrafe gegen die Angeklagten. Die britische
Regierung würde in einem solchen Fall die "schärfsten
Einwände" erheben, sagte der Staatsminister.
Auf Guantanamo werden rund 680 Terrorverdächtige festgehalten. Auf
dem Stützpunkt wurde bereits mit der Planung zur Einrichtung eines
Tribunals begonnen. Auch der Bau einer Hinrichtungskammer ist im
Gespräch.
(Quelle: ap)
Spannungen zwischen Afghanistan und Pakistan verschärfen sich
Di.08.07.03 - Nach Zusammenstößen zwischen afghanischen und pakistanischen
Truppen im Grenzgebiet verschärfen sich die Spannungen zwischen
den beiden Ländern. Ein Sprecher des afghanischen Präsidenten
Hamid Karsai kündigte in Kabul an, man werde hart reagieren,
sollte Pakistan die territoriale Integrität Afghanistans
verletzen. Nach Angaben des Sprechers kommt es im Osten Afghanistans
weiterhin zu Kämpfen zwischen den Truppen der beiden Länder.
In Kabul protestierten mehr als 200 Menschen gegen die Politik
Pakistans.
(Quelle:dpa )
«Die Frauen in Afghanistan haben den Kampf um Gleichberechtigung
schon fast verloren - den Irakerinnen steht er bevor»
«Das "Netzwerk der afghanischen Frauen" hat vor kurzem einen
offenen Brief an die Irakerinnen abgesandt. "Wir schreiben diesen Brief
in Solidarität mit unseren Schwestern im Irak", heißt es
darin. Diese hätten ähnliche Probleme beim Wiederaufbau zu
bewältigen. Mit dem Brief wollten die Afghaninnen die irakischen
Frauen "ermutigen, die Zukunft ihres Landes aktiv zu beeinflussen und
ihre Freiheit und die ihrer Kinder abzusichern".
Sie selbst, schreiben die Afghaninnen, erlebten diese Zeit als eine
"aufregende", aber auch eine "gruselige": Auf jeden Afghanen, der die
grundlegenden Rechte von Frauen unterstütze, komme einer, der
ihnen diese Rechte wegzunehmen versuche. Die Bedrohung ihrer
körperlichen Sicherheit durch "Ehemänner, Väter,
Schwiegerväter, Brüder und Warlords" mache es ihnen fast
unmöglich, voll am öffentlichen Leben teilzunehmen, also zu
arbeiten, zu wählen, das Haus zu verlassen oder gar ein
öffentliches Büro zu führen... » ("tageszeitung"
vom 08.07.03)
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/07/08/a0129.nf/text
|
China und Südkorea wollen im Atomstreit mit Nordkorea vermitteln
Di.08.07.03 - China und Südkorea wollen sich im Streit um das nordkoreanische
Atomprogramm um eine Wiederaufnahme der Gespräche bemühen.
Das teilten der chinesische Präsident Hu Jintao und sein
südkoreanischer Kollege Roh Moo Hyun nach einem Treffen am Montag
in Peking mit. Beide Seiten seien sich einig über die Wichtigkeit,
"den Frieden und die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel zu
bewahren und die Situation friedlich zu lösen", sagte Roh auf
einer Pressekonferenz.
Der viertägige Besuch ist Rohs erste China-Reise seit seinem
Amtsantritt in Februar. Er wollte dabei auch mit Ministerpräsident
Wen Jiabao und Parlamentspräsident Wu Bangguo zusammentreffen. Roh
reist in Begleitung von etwa 30 Ministern und ranghohen
südkoreanischen Wirtschaftsvertretern.
China hat bereits mehrfach angeboten, im Atomstreit zwischen Nordkorea
und den USA zu vermitteln und war im April Gastgeber der ersten
direkten Gespräch zwischen Pjöngjang und Washington.
Nordkorea räumte Mitte Juni erstmals öffentlich ein, ein
Atomwaffenprogramm zu betreiben.
(Quelle: ap)
Besuch Abbas' in Knesset im Gespräch
Di.08.07.03 - Jerusalem (AP) Israelis und Vertreter der Autonomiebehörde haben
am Montag über einen möglichen Besuch des
palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas in der
Knesset verhandelt. Israelische Medien erwarteten ein Zusammentreffen
Abbas' mit israelischen Parlamentsmitgliedern schon in den kommenden
Tagen. Dabei könnte es vor allem um die Freilassung
palästinensischer Häftlinge gehen.
Der palästinensische Informationsminister Nabil Amr teilte mit,
die Autonomiebehörde habe ein Treffen von Abbas und
Sicherheitschef Mohammed Dahlan mit israelischen Parlamentariern
vorgeschlagen, bei dem der Streit um die Häftlinge und der
Fortgang des Friedensprozesses erörtert werden könnten.
Sowohl Abbas als auch Präsident Jassir Arafat unterstützten
den Vorschlag.
Der Streit zwischen Israel und den Palästinensern um die geplante
Freilassung palästinensischer Häftlinge spitzte sich am
Montag zu. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hatte
am Sonntagabend entgegen der Forderung nach umfangreichen Entlassungen
erklärt, die Freilassung werde in kleinen Schritten erfolgen und
hänge vom Verhalten der Palästinenser ab. Falls der Terror
andauere und die Palästinenser keine ernsthaften Bemühungen
unternähmen, ihn zu bekämpfen, würden die Freilassungen
gestoppt, sagte er. Der palästinensische Minister Hischam Abdel
Rasik erklärte daraufhin, falls die israelische Regierung ihre
Bedingungen in dieser Frage nicht ändere, könne dies den
Friedensprozess negativ beeinflussen.
(Quelle: ap)
Unruhen in Nigeria weiten sich aus - Zehn Tote in Lagos
Di.08.07.03 - Zu Beginn der zweiten Woche des Generalstreiks gegen eine
Benzinpreiserhöhung in Nigeria ist es am Montag zu schweren
Ausschreitungen gekommen. Dabei wurden nach Gewerkschaftsangaben in
Lagos, der größten Stadt des westafrikanischen Landes, zehn
Demonstranten von der Polizei erschossen.
Nur wenige Tage vor dem Besuch von US-Präsident George W. Bush
weiteten sich die Protestaktionen auch auf die Stadt Uyo in der
Ölförderregion im Südosten Nigerias aus. Die
Ölausfuhren des weltweit achtgrößten Ölexporteurs
sind von dem anhaltenden Ausstand bisher nicht beeinträchtigt: Der
Ölpreis lag kaum verändert bei 27,67 Dollar je Barrel (knapp
159 Liter).
Streikführer Adams Oshiomhole sagte vor der Presse in der
Hauptstadt Abuja: "Es wurde bestätigt, dass die Polizei zehn
Menschen in Lagos getötet hat. Das ist verabscheuungswürdig
und inakzeptabel". Dagegen erklärte der Polizeisprecher von Lagos,
Emmanuel Ighodalo, der Nachrichtenagentur Reuters: "Die Polizei hat
niemanden getötet. Alles hat friedlich stattgefunden. Es wurde
nicht einmal jemand verletzt".
Die Regierung von Präsident Olusegun Obasanjo habe in dem Streit
um die Benzinpreiserhöhung einen neuen Kompromiss unterbreitet,
fügte Oshiomhole hinzu. Dieser erfülle aber weiterhin nicht
die Forderungen des Gewerkschaftsdachverbandes NLC. Das Exekutivkomitee
des NLC werde beraten, ob dieser Vorschlag akzeptiert oder
zurückgewiesen wird.
Hoffnungen auf eine rasche Einigung zwischen Regierung und
Gewerkschaften hatten sich am Wochenende zerschlagen und so erneut
Sorgen vor Öl-Lieferengpässen genährt. Die
Gewerkschaften hatten gedroht, den Streik notfalls auch auf die
Öl-Verladestationen des Landes auszuweiten. Der NLC hatte
angekündigt, den Streik so lange fortzusetzen, bis die Regierung
ihren Kompromissvorschlag von 35 Naira (rund 20 Euro-Cent) je Liter auf
32 Naira zurücknimmt. Die Anhebung des Benzinpreises auf 40 von
zuvor 26 Naira hatte den Generalstreik ausgelöst. Das
bevölkerungsreichste Land Afrikas ist zwar Mitglied der
Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), muss aber
wegen zu geringer Raffineriekapazitäten Benzin importieren.
Demonstranten blockierten am Montag die wichtigsten Straßen der
13-Millionen-Stadt Lagos und setzten zahlreiche Reifenstapel in Brand,
um ihrem Unmut über die Benzinpreiserhöhung der Regierung
Ausdruck zu verleihen. "Überall lodern Feuer", sagte
Reuters-Fotograf George Esiri.
Aus Uyo berichteten Einwohner, Demonstranten hätten Autos in Brand
gesteckt und plünderten Geschäfte und Wohnhäuser. Sie
seien nicht organisiert und die Polizei scheine nicht in der Lage zu
sein, die Situation unter Kontrolle zu bringen.
Wegen des Streiks sind bereits Seehäfen, Geschäfte und Banken
geschlossen worden. Nigeria führt täglich mehr als zwei
Millionen Barrel Öl aus. Hauptkunde des Landes sind die USA. Es
wurde erwartet, dass Bush bei seinem Besuch in dieser Woche auch
Gespräche über die Sicherstellung der Öllieferungen in
die USA führen werde. Bislang ist der Besuch durch den
Generalstreik nicht gefährdet. Am Montag zog der Ölpreis nur
leicht an. Ein Barrel der marktführenden Nordsee-Sorte Brent zur
Lieferung im August kostete mit 27,67 Dollar 4 Cent mehr als Ende
vergangener Woche.
(Quelle: rtr)
FAO und WHO verordnen Untersuchung von Gen-Produkten
Di.08.07.03 - Gentechnisch veränderte Produkte müssen nach einer neuen
international gültigen Richtlinie nach einheitlichen Kriterien
untersucht werden. Dies haben die UN-Organisation für
Ernährung und Landwirtschaft (FAO) und die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Montag in Rom beschlossen.
Die von der zuständigen Codex-Alimentarius-Kommission
verabschiedete Verordnung sieht vor, dass Produkte mit gentechnisch
veränderten Zutaten erst in den Handel kommen können, wenn
sie nach dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft auf ihre
Unbedenklichkeit überprüft worden sind.
"Das bedeutet, dass ein Produkt auf mögliche Nebeneffekte und
Risiken für den Verbraucher untersucht werden muss, bevor es ins
Regal kommt", erklärte der deutsche FAO-Experte Manfred
Lützow der Nachrichtenagentur dpa auf Anfrage. Eine
Kennzeichnungspflicht gentechnisch veränderter Lebensmittel sei
jedoch in dieser international gültigen Verordnung nicht
vorgesehen. Die neue Richtlinie sei unter der Leitung Japans erstellt
worden und sei auf breite Zustimmung - darunter auch jene Deutschlands
- gestoßen, sagte Lützow. Das Europäische Parlament
hatte am vergangenen Mittwoch eine umfassende Kennzeichnung für
gentechnisch veränderte Lebensmittel in der EU beschlossen.
Keinen breiten Konsens gab es bei den UN-Organisationen hingegen bei
der Verabschiedung einer Richtlinie über die Bestrahlung von
Lebensmitteln. Lebensmittel dürfen demnach wie bisher mit Strahlen
aus radioaktiven Quellen sterilisiert werden. Die zulässige
maximale Strahlendosis von 10 Kilogray sei für einige
Anwendungsgebiete sogar aufgehoben worden, sagte Lützow.
"Bestrahlte Lebensmittel müssen jedoch entsprechend gekennzeichnet
werden", betonte er.
WHO und FAO hatten bereits 1999 ausgeschlossen, dass die Bestrahlung
von Lebensmitteln die Gesundheit der Verbraucher gefährden
könnte. Eine Reihe europäischer Staaten, darunter auch
Deutschland und Österreich, hatten jedoch Vorbehalte gegen die
neue Richtlinie geäußert. Sie hatten argumentiert, dass die
Veränderung fetthaltiger Produkte durch Bestrahlung nicht
eingehend untersucht worden seien.
(Quelle: dpa)
Patent auf Erzeugung zweigeschlechtlicher Embryonen angemeldet
Di.08.07.03 - Ein aus Österreich stammender Forscher hat ein Patent auf die
Erzeugung zweigeschlechtlicher Embryonen angemeldet. Dies berichtete am
Donnerstag das britische Magazin "New Scientist" in seiner
Online-Ausgabe. Der für das Zentrum für menschliche
Reproduktion in New York und Chicago arbeitende Genetiker Norbert
Gleicher hatte in dieser Woche mitgeteilt, dass er Zellen aus einem
drei Tage alten männlichen Embryo entnommen und weiblichen
Embryonen eingepflanzt habe. Damit wollte er nach eigenen Angaben kein
Kind entstehen lassen, sondern eine Theorie zu einer
Gentherapie-Alternative testen. Die Embryonen waren nach wenigen Tagen
vernichtet worden. Die Tests hatten eine neue Debatte über die
ethischen Grenzen der Gentechnik ausgelöst.
(Quelle: afp)
EU-Kommissar Verheugen befürwortet EU-Förderung der Embryonenforschung
Di.08.07.03 - Einen Tag vor der Entscheidung der EU-Kommission über die
Förderung der Embryonenforschung hat sich der deutsche Kommissar
Günter Verheugen (SPD) für den umstrittenen Forschungszweig
ausgesprochen. "Ich bin skeptisch, ob die Argumente der strikten Gegner
immer richtig sind", sagte Verheugen der "Berliner Zeitung"
(Dienstagausgabe). Dagegen will die Bundesregierung verhindern, die in
Deutschland verbotene Forschung auch mit deutschem Geld zu
fördern, wie ein Sprecher des Forschungsministeriums sagte.
"Wir meinen, dass sich die Europäische Kommission nicht über
Gesetze hinwegsetzen kann, die es in Mitgliedstaaten gibt",
erklärte Ministeriumssprecher Florian Frank der "Financial Times
Deutschland". Hier handele es sich sogar um Strafgesetze. Auch einen
Kompromiss schloss er aus.
Verheugen erklärte, das Ziel der Forschung bestehe darin, schwer
kranken Patienten mit zurzeit nicht heilbaren genetischen Erkrankungen
zu helfen. Dies müsse die Kommission bei ihren Überlegungen
über die Förderung solcher Projekte mit berücksichtigen.
Am Mittwoch will das Gremium über die Frage entscheiden. In der
seit Monaten währenden Debatte um Kriterien für die Forschung
sprach sich Verheugen für einen Kompromiss aus. "Wir müssen
in jedem Fall verhindern, dass es zu einer gespaltenen Kommission
kommt", sagte der Kommissar. So müsse man sich gut überlegen,
ob man aus Gemeinschaftsmitteln Projekte fördern könne, die
in einzelnen Mitgliedsländern verboten seien.
Verheugen bestätigte, dass die Kommission zu diesem Zweck
über eine so genannten Stichtagsregelung nachdenke. Ein Stichtag
nach deutschem Vorbild würde die Forschung an
überzähligen Embryonen ermöglichen. Er würde aber
gleichzeitig verhindern, dass dafür neue Embryonen geopfert werden
müssen.
(Quelle: dpa)
Italienischer Wirtschaftsstaatssekretär: Deutsche sind
«einförmige, supernationalistische Blonde», die
«lärmend» über Italiens Strände
herfallen +++ Schröder droht mit Absage seines Italien-Urlaubs
Di.08.07.03 - Bundeskanzler Gerhard Schröder hat der italienischen Regierung mit
der Absage seines Italien-Urlaubs gedroht. Das Bundeskanzleramt
bestätigte am Montag eine entsprechende Meldung des Berliner
"Tagesspiegels". Danach reagierte Schröder auf eine
Äußerung des Wirtschaftsstaatssekretärs in Rom, Stefano
Stefani, der von den Deutschen in einem Zeitungsartikel als
"einförmigen, supernationalistischen Blonden" gesprochen hatte,
die "lärmend" über Italiens Strände herfielen.
Regierungssprecher Bela Anda sagte gegenüber dem "Tagesspiegel"
(Dienstagausgabe): "Dies sind unglaubliche Äußerungen des
für Tourismus zuständigen Staatssekretärs in der
italienischen Regierung." Es handele sich um eine "Pauschalbeleidigung
gegenüber allen Deutschen, die gerne in Italien Urlaub machen."
Anda fügte hinzu, jeder wisse, wie sehr der Bundeskanzler Italien,
dessen Menschen und Kultur schätze. "Sollten diese
Äußerungen auf Billigung der italienischen Regierung
stoßen und ohne Konsequenzen bleiben, wird der Bundeskanzler
seinen in Italien gesplanten Urlaub absagen."
Erst in der vergangenen Woche hatte der italienische Regierungschef und
amtierende EU-Ratsvorsitzende Silvio Berlusconi den deutschen
Europaparlamentarier Martin Schulz (SPD) mit einem Aufseher in einem
nationalsozialistischen Konzentrationslager verglichen. Nach einem
Telefongespräch mit Berlusconi, in dem dieser sein Bedauern
über die Äußerung zum Ausdruck gebracht hatte, hatte
Schröder die Verstimmungen für ausgeräumt erklärt.
Berlusconi hatte indes ausdrücklich klargestellt, dass er sich
nicht entschuldigt habe.
(Quelle:ap )
Zwickel und Peters bekriegen sich in aller Öffentlichkeit
Di.08.07.03 - Kurz vor der Entscheidung des erbitterten Machtkampfs in der IG Metall
bekriegen sich Gewerkschaftschef Klaus Zwickel und Vize Jürgen
Peters in aller Öffentlichkeit. Vor der entscheidenden
Vorstandssitzung über Konsequenzen aus dem Streikdebakel im Osten
am (heutigen) Dienstag warf Zwickel Peters erneut vor, den Vorstand
über die Auswirkungen des Arbeitskampfes getäuscht zu haben.
Peters bezichtigte Zwickel im Gegenzug, ihn "mit haltlosen
Unterstellungen" demontieren zu wollen.
Peters will trotz zahlreicher Rücktrittsforderungen an seiner
Kandidatur für den Chefposten festhalten. Der Zweite Vorsitzende
sagte in Frankfurt am Main, Zwickel sei jeglichen Beleg für die
schweren Anschuldigungen schuldig geblieben. "Der Vorwurf der
Täuschung des Vorstandes ist böswillig und vollkommen aus der
Luft gegriffen", sagte Peters und warf seinen Gegnern vor, in Kauf zu
nehmen, dass die Gewerkschaft in eine "tiefe innerorganisatorische
Krise gerät".
Die Vorwürfe seien "ehrverletzend" und nachweislich falsch. Dies
werde er dem Vorstand erklären, sagte Peters. Er erwarte von allen
Beteiligten, vor allem von Zwickel, dass die Vorwürfe zurück
genommen würden. "Jeder weiß, dass ich nicht der
Wunschkandidat von Klaus Zwickel bin, aber dafür kann ich nichts",
sagte Peters.
Zwickel beharrte am Montag in einer Erklärung darauf, Peters und
der Berliner Streikleiter Hasso Düvel hätten den Vorstand
faktisch getäuscht. Der Vorstand habe ein flexibles Streikkonzept
mit zwei- bis dreitägigen Streiks beschlossen. Es sei aber
teilweise ununterbrochen gestreikt worden. Nun müsse der Vorstand
über Konsequenzen entscheiden.
Der 41-köpfige Gewerkschaftsvorstand kommt heute in Frankfurt am
Main mit den Bezirksleitern zusammen. Am Montag traten die
geschäftsführenden Vorstandsmitglieder zusammen, darunter
Peters und Zwickel. Über den Inhalt der Sitzung wurde aber
zunächst nichts bekannt.
Der Streit um Peters' Kandidatur für den Chefposten dauerte
unvermindert an. Während sich IG-Metall-Vorstandsmitglied Horst
Schmitthenner und der niedersächsische Bezirksleiter Hartmut Meine
für Peters aussprachen, forderte der bayerische Bezirksleiter
Werner Neugebauer erneut seinen Rückzug. Die drei
Vorstandsmitglieder aus dem Bezirk Brandenburg-Sachsen werden offenbar
am (morgigen) Dienstag geschlossen für Peters stimmen. Das sagte
eines der drei Gremienmitglieder, Carmen Bahlo, der "taz"
(Dienstagausgabe).
Peters hatte sich im April als Spitzenkandidat durchgesetzt, obwohl
Gewerkschaftschef Zwickel den als Reformer geltenden
baden-württembergischen Bezirksleiter Berthold Huber favorisiert
hatte. Huber wurde als Kandidat für den Vize-Posten designiert.
Zwickel gibt sein Amt auf einem Gewerkschaftstag im Oktober ab.
Schmitthenner sagte im infoRadio Berlin-Brandenburg, die vorgesehene
Tandemlösung mit Peters als Gewerkschaftschef und Huber als
Stellvertreter habe die "Gräben in der Organisation eigentlich
zugeschüttet". Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser
sprach sich in der "Financial Times Deutschland" für eine rasche
Entscheidung der Führungsfrage aus, "gegebenenfalls auch auf einem
vorgezogenen Gewerkschaftstag". Dieser könnte innerhalb
kürzester Zeit organisiert werden, wie der Leiter der
IG-Metall-Grundsatzabteilung, Klaus Lang, der "Financial Times
Deutschland" sagte.
(Quelle: ap)
Koch bekräftigt Vorstoß zum Ausbau von Niedriglohnsektor
Di.08.07.03 - Der hessischer Ministerpräsident Roland Koch hat seine Forderung
nach Ausbau des Niedriglohnsektors bekräftigt. Der CDU-Politiker
kündigte am Montag in Berlin eine Bundesratsinitiative an, um
gering qualifizierte Erwerbslose verstärkt in Arbeit zu bringen.
Kern des Vorstoßes ist, dass Sozialhilfeleistungen als
Ergänzung zu einer niedrig bezahlten Beschäftigung gezahlt
werden sollten. Wer staatliche Leistungen empfange, müsse eine
Gegenleistung in Form von Arbeit erbringen, sagte Koch.
Koch verwies darauf, dass die Zahl der erwerbsfähigen
Sozialhilfeempfänger auf 800.000 geschätzt werde. Er selbst
gehe von einem Potenzial von ein bis zwei Millionen Menschen aus, die
im Niedriglohnsektor beschäftigt werden könnten. Für die
Kommunen bestehe bei dem Modell die Verpflichtung, den Arbeitslosen ein
Beschäftigungsangebot zu unterbreiten. Dabei könne es sich
auch um gemeinnützige Arbeit handeln, sagte Koch. Besondere
Unterstützung sollten Familien und allein Erziehende erhalten.
Koch unterstrich, der erste Arbeitsmarkt habe aber auch in den
Vorschlägen zur aktivierenden Sozialhilfe Vorrang.
Der Niedriglohnsektor sei aus Deutschland vertrieben worden, betonte
der hessische Ministerpräsident. Das sei ein Strukturfehler. Durch
das von Hessen vorgeschlagene Modell werde gering Qualifizierten der
Ausstieg aus der Arbeitslosigkeit ermöglicht.
Nach einer Berechnung des Ifo-Institutes belaufen sich die kurzfristig
entstehenden Kosten bei sofortiger Einführung eines
Niedriglohnsektors auf rund drei Milliarden Euro jährlich. Doch
nach einem Zeitraum von drei Jahren komme es durch neu geschaffene
Arbeitsplätze mit zusätzlichen Steuer- und Sozialabgaben zu
Überschüssen von rund fünf Milliarden Euro
jährlich, erklärte das Wirtschaftsforschungsinstitut.
(Quelle: ap)
Deutsches Greencard-Programm wird verlängert
Di.08.07.03 - Eine befristete Arbeitserlaubnis für Know-how-Träger aus dem
Ausland -- das war die Idee von Gerhard Schröder im Jahr 2000 im
Vorgriff auf das Zuwanderungsgesetz , um den Mangel vor allem von
Computerspezialisten abfangen zu können. Nach dem
US-amerikanischen Vorbild wurde sie mit dem Arbeitstitel Greencard
bedacht. 20.000 Fachleute wollte die Bundesregierung auf diese Weise
gewinnen. Doch die Wissensarbeiter wählten lieber das Original,
wähnten sie doch die bessere Zukunft im Land der unbegrenzten
Möglichkeiten. Das Ergebnis nach drei Jahren: rund 14.000
Greencard-Besitzer in Deutschland.
Der Bundesrat hat das Zuwanderungsgesetz immer noch nicht
verabschiedet. Deshalb wird die Greencard-Regelung bis zum Ende des
Jahres verlängert, berichtete die Süddeutsche Zeitung am
Montag. Sollte die Opposition das Zuwanderungsgesetz auch im Herbst
blockieren, ist eine weitere Verlängerung des Greencard-Programms
nicht ausgeschlossen. Und das, obwohl viele Greencard-Inhaber
mittlerweile arbeitslos oder noch unvermittelt sind, wie aus einer
Stellungnahme des baden-württembergischen Innenministeriums
hervorgeht.
Mit einer Greencard können ausländische IT-Experten fünf
Jahre lang in Deutschland arbeiten. Verlieren sie aber den Job,
müssen sie mit einer Ausweisung rechnen. Berichten zufolge wurden
einzelne Greencard-Inhaber 72 Stunden nach Jobverlust bereits des
Landes verwiesen.
(Quelle: heise)
http://www.heise.de/newsticker/data/ola-07.07.03-003/
Ablehnung gegen zivile Helfer für Lauschangriffe
Di.08.07.03 - Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) ist gegen die Pläne
einiger Bundesländer, beim so genannten Großen Lauschangriff
zivile Helfer wie Hausverwalter, Schlüsseldienste oder
Schornsteinfeger einzusetzen. "Dieser Vorschlag geht zu weit. Zivile
Amtshelfer dürfen nicht zu Handlangern der
Strafverfolgungsbehörden werden", erklärte der
Gewerkschaftsvorsitzende Wolfgang Speck. Auch der Zentralverband
Deutscher Schornsteinfeger (ZDS) wandte sich gegen die Idee. "Wir haben
ein gutes Vertrauensverhältnis zu unseren Kunden, das wollen wir
uns nicht verscherzen", sagte der Verbandssprecher Johannes Töx.
Ähnliche Bedenken äußerte der Verband der Hausverwalter.
Das Bundesjustizministerium bestätigte, dass eine knappe Mehrheit
der Bundesländer sich für den Einsatz von zivilen Helfern
beim Installieren von "Wanzen" ausgesprochen habe, falls dies für
die Bekämpfung schwerster Kriminalität vonnöten sei.
Der dem Ring Deutscher Makler angeschlossene Hausverwalterverband gab
ebenfalls zu bedenken, dass die Mithilfe beim "Verwanzen" von Wohnungen
Verdächtiger das bislang harmonische Verhältnis von
Verwaltern und Mietern zerstören würde. Zudem seien die
rechtlichen Voraussetzungen für solch eine Unterstützung noch
nicht geklärt und Hausverwalter nicht für das Installieren
von Abhöreinrichtungen ausgebildet.
Der DPolG-Vorsitzende Speck betonte, gegen die Aufmerksamkeit von
Bürgern bei der Strafverfolgung sei nichts einzuwenden.
Würden jedoch Zivilisten beim Großen Lauschangriff
eingesetzt, werde jeder Besuch eines Handwerkers, Schornsteinfegers
oder Briefträgers Misstrauen auslösen. Das dürfe nicht
der Umgang der Bürger in einer Zivilgesellschaft sein. Der
Vorschlag sei deshalb "nicht nur für den Papierkorb", er komme
überdies zum falschen Zeitpunkt, weil zunächst das Urteil des
Bundesverfassungsgerichtes (BVG) über die Zulässigkeit des
Großen Lauschangriffes abgewartet werden müsse. Das BVG
prüft derzeit auf die Klage von FDP-Politikern hin, ob das
Abhören von Privatwohnungen zur Strafverfolgung
verfassungssrechtlich überhaupt zulässig ist.
(Quelle: afp)
Biometrie-Standard für EU-Pässe
Di.08.07.03 - Während die EU noch überlegt, welche biometrischen Daten wie
in die Reisepässe aufgenommen werden sollten, werden auf der Ebene
der internationalen Standardisierung von Biometrie bereits vollendete
Tatsachen geschaffen.
Mehr bei "futurezone" unter:
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?read=detail&id=169349
Rot-Grün führt Videoüberwachung in Nordrhein-Westfalen ein
Di.08.07.03 - Mit der am Freitag im nordrhein-westfälischen Landtag
beschlossenen Änderung des Polizeigesetzes wird die
Videoüberwachung öffentlicher Plätze ausgeweitet. Die
Gesetzesänderung stützt sich auf ein angeblich erfolgreiches
Pilotprojekt im Bielefelder Ravensberger Park.
Nach entsprechenden Maßnahmen in den Städten Leipzig,
Mannheim, Stuttgart, Dresden, Berlin, Frankfurt, Freiburg, Halle,
Hamburg, Kassel, Köln, Magdeburg und Regensburg wird damit die
Videoüberwachung öffentlicher Plätze und insbesondere
der Innenstädte auch im bevölkerungsreichsten Bundesland
eingeführt. Insbesondere sollen Orte überwacht werden, an
denen "wiederholt Straftaten begangen wurden und deren Beschaffenheit
die Begehung von Straftaten begünstigt". Die Maßnahmen
werden jeweils auf ein Jahr befristet, auf eine wissenschaftliche
Begleitforschung wurde verzichtet.
Noch vor zwei Jahren hatte die Regierungskoalition einen entsprechenden
Gesetzesentwurf der CDU abgelehnt. Die SPD wertete damals den
Vorstoß der CDU als "billige Kampagne auf dem Rücken des
Rechtsstaats" und als "gefährliches Spiel". Gegen den
rot-grünen Regierungsentwurf stimmten jetzt CDU und die FDP. Die
CDU wollte eine noch umfassender Videoüberwachung. Der
FDP-Innenpolitiker Karl Peter Brendel mahnte hingegen, dass
Videokameras "nur eine Scheinsicherheit erzeugen, wenn kein
Polizeibeamter am Bildschirm sitzt, der bei einer beobachteten Straftat
auch wirklich einschreiten kann." In der Praxis müssten pro Objekt
pro Tag mindestens drei Beamte den Bildschirm beobachten.
Mehr bei "heise" unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/jk-07.07.03-000/
«Blick ins Archiv»
Pentagon-Supercomputer sollen Verdächtige am Gang erkennen
Do.22.05.03 - Die USA wollen im Kampf gegen den Terrorismus Verdächtige
künftig anhand ihres Ganges identifizieren. Wie aus Pentagon-Unterlagen
hervorgeht, die dem US-Kongress übermittelt wurden, sollen mutmaßliche
Terroristen mit Hilfe modernster Kameras und Supercomputer aus der Ferne erkannt
werden. Die "Washington Post" berichtete am Mittwoch, das System werde
Menschen zudem auch an ihrer Iris oder Gesichtsmerkmalen erkennen. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0305220.htm#03052203
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Auswertung von Flugpassagierdaten ermöglicht Wirtschaftsspionage
Di.08.07.03 - Die US-Zollbehörden verhandeln derzeit mit der EU-Kommission
über die Weitergabe von Flugpassagierdaten, den so genannten
"Passenger Name Records" (PNR). Sie verlangen in dem von der Kommission
veröffentlichten Dokument "Undertakings of The United States
Bureau of Customs and Border Protection and The United States Transport
Security Administration" den Abruf von 40 Datenfeldern. Carsten Bange,
Geschäftsführer des Würzburger Business Application
Research Center (BARC), meint, dass eine gezielte Abfrage
bezüglich bestimmter Hypothesen und Fragestellungen nicht nur zur
Terrorbekämpfung dienen, sondern auch für Wirtschaftsspionage
relevante Daten herausfiltern könnte.
Mehr bei "heise" unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/anw-07.07.03-007/
Schlingensief nimmt im Bundesrat Hörspielpreis der Blinden entgegen
Di.08.07.03 - Mit der ihm eigenen provokanten Scharfzüngigkeit hat der
Theaterregisseur Christoph Schlingensief im Bundesrat den
Hörspielpreis der Kriegsblinden entgegengenommen. Die Auszeichnung
wurde ihm für seine vom WDR produzierte Medien- und Politsatire
"Rosebud" verliehen, die auf seine Theaterinszenierung an der Berliner
Volksbühne beruht. Dabei zitierte der 42-jährige Regisseur,
der im Juni auf der Kunstbiennale in Venedig für Aufsehen sorgte,
einen Text Richard Wagners zur Revolution von 1848.
"Ich zitiere das, weil wir ja bald wieder vor so etwas stehen werden,
denn auch bei Einsatz der Bundeswehr wird es nicht gelingen, dieses
Gesellschaftssystem aufrechtzuerhalten - und das im Bundesrat zu sagen,
ist mir eine große Ehre", betonte der Theaterprovokateur in
Anwesenheit von Bundesratspräsident Wolfgang Böhmer (CDU),
Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, sowie
Bundeswehrgenerälen im Publikum. An der Preisverleihung nahm auch
TV-Talkmaster Alfred Biolek teil.
"Aus dem eigenen Untergrund heraus verlangen wir, gehört zu
werden, um auch die uns aufgezwungenen Bilder eines Landes, das
permanent den Superstar sucht, zu zerstören." Unter Anspielung auf
eine geplatzte Talkshowreihe beim WDR für diesen Sommer mit ihm
sprach Schlingensief von eigenen schmerzlichen Erfahrungen mit dem
WDR-Fernsehen, "wo meiner inneren Überzeugung nach ganze
Abteilungen in Flammen aufgehen sollten".
Der stellvertretende WDR-Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz nannte
Schlingensief einen "Regelbrecher mit der Rollenzuweisung, letzter Dorn
im Fleische des Establishments zu sein" und fügte hinzu: "Aber
Schlingensief hat etwas zu sagen." Jury-Vorsitzender Jörg Drews
meinte in seiner Laudatio, Schlingensiefs Arbeitsprinzip sei es, "der
Geschmacklosigkeit in Politik und Medien mit einer überhöhten
Geschmacklosigkeit entgegenzutreten". Das Paradoxe an seiner Karriere
sei vielleicht, "dass er bei aller Aufsässigkeit am Ende im
Bundesrat landet".
(Quelle: dpa)
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