|
a1-k0307190
Kurznachrichten
[ Allg.
Nachrichten ] [Nachrichtendienste
] [ Ticker ]
+++ Sa.19.07.03,
12:45 Nachrichten-Archiv Aktuelle
Nachrichten
Irak am hundertzweiundzwanzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Experten
warnen vor Chaos im Irak. Mehr Geld und Personal für Wiederaufbau
Iraks notwendig +++ USA: Waren auf Zusammenbruch im Irak nicht
vorbereitet +++ Großbritannien: Mysteriöser Tod des
britischen Regierungsexperten für Biowaffen David Kelly. Er war
einer der Hauptzeugen BBC-Affäre um ein Irak-Dossier. Regierung
hatte ihm die Schuld an kritischem BBC-Bericht zugeschoben. Blair
gerät weiter unter Druck +++ USA legen neue Dokumente in
Geheimdienstaffäre vor +++ US-Soldat in Bagdad erschossen +++
US-Armee nimmt mehr als 1000 verdächtige Iraker fest +++
UN-Generalsekretär Annan fordert schnelle Machtübertragung an
Iraker +++ USA zeigen sich offen gegenüber neuer UN-Resolution
für Irak +++ Neue Umfragen sehen Bushs Popularität weiter
sinken. In US-Bevölkerung wachsen Zweifel an Erfolg von Irak-Krieg
+++
Sa.19.07.03 -
Begleitet von Experten-Warnungen vor einem Chaos im Irak ist
US-Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz am Freitag unerwartet in
Bagdad eingetroffen.
Eine Sprecherin des US-Militärs bestätigte Wolfowitz' Ankunft
in der irakischen Hauptstadt, machte jedoch keine Angaben zu seinen
Plänen. In einer von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in
Auftrag gegebenen Studie hieß es, die kommenden drei Monate seien
entscheidend, um die Lage im Irak zu stabilisieren. Rumsfeld als auch
Wolfowitz sind zwei der entschiedensten Vertreter einer harten Linie im
Irak.
Die Experten empfahlen in dem am Donnerstag veröffentlichten
15-seitigen Bericht, sofort mehr Mittel und Personal für den
Wiederaufbau bereitzustellen. Zudem müsse die Kommunikation mit den
Irakern verbessert und es müssten mehr von ihnen in die Arbeit
einbezogen werden. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten
bestätigten die Einschätzung. "Unser Zeitfenster
schließt sich", sagte Bathsheba Crocker vom Zentrum für
Strategische und Internationale Studien. "Es wird nicht ewig offen
bleiben."
Der Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung nach dem Irak-Krieg hat
die USA nach den Worten von US-Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz
unvorbereitet getroffen.
Kein Plan der Welt hätte den Zusammenbruch verhindern können,
sagte Wolfowitz der "Los Angeles Times" am Freitag: "Dies ist ein Land,
das von einer Bande von Verbrechern regiert wurde und es gibt sie immer
noch."
Die US- und britischen Truppen sehen sich seit dem von
US-Präsident George W. Bush erklärten Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai einem Guerilla-Krieg ausgesetzt. Fast
täglich kommen US-Soldaten bei Anschlägen ums Leben. Zudem
herrschen in einigen Landesteilen chaotische politische Zustände.
Iraks ehemaliger Präsident Saddam Hussein ist nach Angaben aus
US-Kreisen vom Donnerstag vermutlich noch am Leben und hält sich im
Nordirak auf, was seine Anhänger zu Anschlägen ermutige. Am
selben Tag wurde ein Tonband ausgestrahlt, auf dem Saddam angeblich zu
einem Heiligen Krieg gegen die Besatzungsmächte aufruft.
Zudem kommen Bush und Blair unter zunehmenden innenpolitischen Druck
wegen ihrer Begründung des Irak-Kriegs. In einer leidenschaftlichen
Rede im Kongress verteidigte Blair am Donnerstag das US-britischen
Vorgehen. Selbst wenn sich der Vorwurf der Massenvernichtungswaffen im
Irak bisher nicht bestätigt habe - der durch den Krieg
herbeigeführte Sturz des Saddam-Regimes sei dennoch rechtens
gewesen, sagte er. "Wenn wir uns geirrt haben, dann haben wir zumindest
eine Bedrohung beseitigt, die für unmenschliches Morden und Leid
verantwortlich ist", sagte Blair und fügte hinzu: "Ich glaube
fest, dass die Geschichte dies verzeihen wird."
Der britische Regierungsexperte für Biowaffen, David Kelly, ist am
Donnerstag verschwunden.
Der ehemalige UN-Waffeninspektor ist einer der Hauptzeugen in der
britischen BBC-Affäre um ein Irak-Dossier. Am Freitag wurde seine
Leiche nahe London gefunden. Das Verteidigungsministerium hatte
Kelly letzte Woche als mögliche Quelle für einen
kritischen BBC-Bericht genannt, in dem der britischen Regierung
vorgeworfen worden war, Geheimdienstberichte über irakische
Massenvernichtungswaffen aufgebauscht zu haben
Der britische Premierminister Tony Blair hat den mysteriösen Tod
Kellys, als "schreckliche Tragödie" bezeichnet. Zugleich forderte
der Regierungschef am Samstag "saubere und unabhängige
Ermittlungen", mit denen die Hintergründe geklärt werden
sollten. So lange sollten "Politiker und Medien etwas Respekt und
Zurückhaltung zeigen", sagte Blair vor Journalisten in Tokio, der
ersten Station seiner sechstägigen Asienreise.
Der Tod des Regierungsexperten hat die wegen des Irak-Kriegs
ohnehin unter Druck stehende britische Regierung weiter in
Bedrängnis gebracht. Premierminister Tony Blair kündigte eine
unabhängige Untersuchung an. Oppositionspolitiker forderten die
vorzeitige Rückkehr Blairs von seiner Asienreise.
Der konservative Oppositionsführer Iain Duncan Smith sagte, Blair
solle zurückkehren. "Es gibt sehr viele Fragen, die in den
kommenden Tagen gestellt werden müssen." Eine Untersuchung
müsse das gesamte Thema der Geheimdienstinformationen, die zur
Rechtfertigung des Irak-Krieges genutzt wurden, umfassen.
Der 59-jährige Kelly arbeitete im Verteidigungsministerium. Nach
dem Golfkrieg 1991 hatte er im Auftrag der UNO sieben Jahre lang im Irak
nach Massenvernichtungswaffen gesucht. In den Streit um die britische
Begründung für den Irak-Krieg wurde er hineingezogen, als er
zugab, ohne Genehmigung mit dem BBC-Journalisten Andrew Gilligan
gesprochen zu haben. Dessen Bericht im Mai führte zu einer
Untersuchung des Parlaments. Kelly sagte dort am Dienstag aus, er sei
vermutlich nicht die Hauptquelle für den BBC-Bericht. Die BBC hat
sich nicht zu ihren Quellen geäußert. Die britische
Regierung hat die Vorwürfe zurückgewiesen.
Jane Kelly habe ihren Mann nach der Befragung im Parlament als sehr
aufgebracht geschildert, sagte der mit David Kelly befreundete
Journalist Tom Mangold. "Sie sagte mir, er habe unter enormen Stress
gestanden und sei sehr, sehr verärgert darüber gewesen, was
(dort) geschehen war. Es sei ihm nicht gut gegangen."
"Der Mann hatte einen messerscharfen Verstand," sagte Mangold. "Es gab
nichts, was er nicht über biologische Kriegsführung wusste und
kaum etwas, was er nicht über Massenvernichtungswaffen wusste."
Kelly sei der Inspektor gewesen, den der frühere irakische
Präsident Saddam Hussein aus dem Irak habe werfen wollen, weil er
wirklich gewusst habe, was dort vor sich gehe.
"Die Menschen werden durch die Ereignisse noch verärgerter
über den ganzen politischen Prozess sein", sagte Anthony King,
Politikwissenschaftler an der Universität Essex. "Es ist ein
elendes Geschäft, und wahrscheinlich wird der Regierung die Schuld
gegeben werden."
Der Leichenfund wirkte sich auch auf den Kurs des Pfundes aus. Die
Währung fiel im Verlauf um rund ein halbes Prozent auf 70,50 Pence
für einen Euro oder 1,5870 Dollar. "Es schadet der
Glaubwürdigkeit der Regierung und setzt Blair unter Druck, wenn er
es am wenigsten gebrauchen kann", sagte Niel Parker von der Royal Bank
of Scotland.
Die USA haben in der Geheimdienstaffäre um irakisches Uran neue
Dokumente vorgelegt. Das Weiße Haus veröffentlichte
Auszüge aus einem bisher geheimen Dokument zum Atomwaffenprogramm
Bagdads. Laut Einschätzung der US-Geheimdienste gab es Hinweise,
dass der damalige irakische Präsident Saddam Hussein innerhalb
eines Jahrzehnts Atomwaffen besitzen könnte. Dieser
Einschätzung widersprach eine Fachabteilung des
Außenministeriums. Sie stufte diese Informationen als
"äußerst zweifelhaft" ein.
Im Irak kam unterdessen bei einem Anschlag erneut ein US-Soldat ums
Leben. Damit stieg die Zahl der US-Toten im Irak-Krieg mit 148 über
die Zahl der 1991 im Golfkrieg getöteten US-Soldaten.
Auf Soldaten der US-Besatzungstruppen werden fast täglich
Anschläge verübt. In der westirakischen Stadt Falludscha fuhr
am Freitag nach US-Militärangaben das Fahrzeug eines US-Soldaten
über einen Sprengsatz. Er war das bislang letzte Opfer des von den
USA als Guerilla-Kampf bezeichneten Widerstands mutmaßlicher
Anhänger des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein.
Der arabische TV-Sender El Arabija strahlte ein Videoband aus, auf dem
angeblich militante Iraker weitere Anschläge gegen US-Soldaten
ankündigen. "Wir schwören im Namen Gottes, dass wir den
US-Kräften in den kommenden Tagen eine Lektion erteilen werden,
(zur Rache) für unsere Jugendlichen, die gestorben sind",
hieß es auf dem Band, das dem Sender von einer bislang unbekannten
Gruppe "Moslemische Jugend" zugespielt wurde. Gleichzeitig wurden
andere Staaten davor gewarnt, Soldaten in den Irak zu entsenden.
Die US-Armee hat in Irak im Zuge von zwei weiteren Militäraktionen
mehr als eintausend mutmaßliche Anhänger des ehemaligen
Machthabers Saddam Hussein festgenommen. Bei der am Vortag
abgeschlossenen Operation "Soda Mountain" wurden mehr als 600
Verdächtige in Gewahrsam genommen, wie die US-Armee am Freitag
erklärte. Weitere 450 mutmaßliche Gegner der
Besatzungsmächte seien bei der parallel gestarteten Mission
"Efeuschlange" in Gewahrsam genommen worden. Zugleich wurden knapp 4300
Granatwerfer, mehr als 1300 Raketenwerfer und 635 Waffen aller Kaliber
sichergestellt.
Der oberste Geistliche der größten Religionsgemeinschaft,
der Schiiten, Moktada el Sadr, rief die Iraker im Freitagsgebet dazu
auf, den von den USA eingesetzten Übergangsrat nicht anzuerkennen.
Tausende Gläubige aus dem ganzen Land forderte er auf, sich von der
britischen und US-Invasion zu befreien. "Nein, Nein zu Amerika, Nein,
Nein zu dem Bösen. Nein zu den Besatzern und zum Terrorismus",
unterbrachen die Versammelten immer wieder die Predigt.
Die USA sehen in dem Übergangsrat den ersten Schritt zur
Demokratisierung im Irak. Das 25 Mitglieder umfassende Gremium hat das
Recht, Minister zu nominieren, Gesetze zu ändern und einen
Verfassungsausschuss zu bilden. Das letzte Wort behält jedoch der
US-Zivilverwalter für den Irak, Paul Bremer.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat sich für eine schnelle
Übertragung der Souveränität an das irakische Volk
ausgesprochen. Es sei wichtig, dass die Iraker einen klaren Zeitplan
erhielten, der zur "vollständigen Wiederherstellung" ihrer
Souveränität führe, erklärte Annan in einem Bericht
an den UN-Sicherheitsrat, der der Nachrichtenagentur AFP am Freitag
vorlag. Es sei "dringend notwendig", eine "klare und bestimmte Abfolge
von Ereignissen" festzulegen, die zu einem Ende der militärischen
Besatzung führe, hieß es weiter. Annans Bericht soll am
Dienstag in öffentlicher Sitzung dem UN-Sicherheitsrat vorgelegt
werden.
Zur Stationierung einer internationalen Stabilisierungtruppe in Irak
schließen die USA die Verabschiedung einer neuen UN-Resolution
nicht länger aus. "Wir stehen dem offen gegenüber und
diskutieren darüber mit anderen", sagte US-Außenamtssprecher
Richard Boucher am Freitag in Washington. Zugleich bekräftigte er
die Ansicht der US-Regierung, dass die bestehende Resolution 1483 von
Ende Mai eine ausreichende Grundlage für die Entsendung von Truppen
nach Irak darstelle. Einige Länder hätten jedoch Vorbehalte
geäußert, räumte Boucher ein. Daher fänden im
UN-Sicherheitsrat erste Beratungen statt. Neben Deutschland, Frankreich
und Russland wollen auch Indien und Pakisten ohne ein neues UN-Mandat
keine Truppen nach Irak schicken.
In der US-Bevölkerung wachsen die Zweifel an einem Erfolg des
Irak-Krieges. Nur noch 39 Prozent der Befragten halten den
US-Militäreinsatz für erfolgreich, wie aus einer am Freitag
vom Nachrichtensender CNN und dem "Time"-Magazin veröffentlichten
Umfrage hervorgeht. Ende März waren es noch 52 Prozent. Bushs Rolle
im Irak-Konflikt bewerten demnach noch immer 55 Prozent der Befragten
mit "gut", im Mai waren es allerdings noch 69 Prozent. In
Wirtschaftsfragen hat Bush sogar eine Mehrheit gegen sich: 54 Prozent
der Befragten geben dem Präsidenten schlechte Noten im Umgang mit
der wachsenden Arbeitslosigkeit; 52 Prozent sind mit seiner Wirtschafts-
und Finanzpolitik unzufrieden.
(Quellen: rtr,
afp, dpa, ap)
«Der Tod des britischen Regierungsberaters David
Kelly ist der vorläufige Höhepunkt einer Kontroverse zwischen
Großbritanniens Regierung und dem Staatssender BBC über die
Hintergründe eines umstrittenen Irakdossiers der britischen
Regierung vom September 2002.»
«In
diesem Dossier stand, Iraks Regierung könne innerhalb von 45
Minuten Massenvernichtungswaffen einsetzen.
Am 29. Mai berichtete BBC-Verteidigungskorrespondent Andrew Gilligan im
Morgenrundfunk, eine hochrangige Quelle habe ihm gesagt, das Dossier sei
von der Regierung bewusst zugespitzt ("sexed up") worden. In einem
Zeitungsartikel legte Gilligan am 1. Juni nach: Alastair Campbell,
Chefsprecher von Premierminister Tony Blair, habe den Satz über 45
Minuten in den Bericht hineingeschrieben.
Daraufhin beschäftigte sich der außenpolitische Ausschuss
des britischen Unterhauses mit dem Thema. Am 25. Juni bestritt Campbell
vor dem Ausschuss Gilligans Bericht. Am 7. Juli gab der Ausschuss in
seinem Untersuchungsbericht Campbell in diesem Punkt Recht. Die
Regierung verlangte vom BBC, seine Quelle offen zu legen. Am 9. Juli
nannte das Verteidigungsministerium Kelly als Gilligans Quelle. Kelly
wurde am 15. Juli vor den Parlamentsausschuss zitiert. Er
bestätigte ein Treffen mit Gilligan, meinte aber, aus dem
Gespräch könne er nicht erkennen, die Quelle gewesen zu sein.
Er bestätigte indirekt Vermutungen, unter Druck zu stehen, sich als
Quelle nennen zu lassen.
BBC-Journalist Gilligan erschien am 17. Juli vor dem Ausschuss in
nichtöffentlicher Sitzung, wo er verneinte, dass Kelly seine Quelle
gewesen sei. Davon konnte Kelly nichts mehr wissen. Am gleichen
Nachmittag ging er spazieren - und kehrte nicht mehr lebend zurück.
» ("tageszeitung" vom 19.07.03")
http://www.taz.de/pt/2003/07/19/a0032.nf/text
«Die US-Regierung braucht die Unterstützung der
osteuropäischen Länder, um der Besatzungsmacht einen
internationalen Anschein zu geben»
«Von
irakischen Guerillagruppen wurden seit Beendigung der
Hauptkampfhandlungen der Besatzungstruppen mehr als 80 amerikanische
Soldaten getötet und über 300 verletzt. Zusammen mit dem Fakt,
dass bislang keine Massenvernichtungswaffen gefunden worden sind - und
auch nie gefunden werden, wie manche sagen -, ist in den USA und
Großbritannien die Unruhe hinsichtlich des Iraks größer
geworden.
Die USA haben daher auf ihre Alliierten im Neuen Europa Druck
ausgeübt, Unterstützung bei der Kontrolle des Neuen Irak zu
leisten. Die Verzweiflung der amerikanischen Regierung ist so
groß, dass sie sogar bereit ist, teilweise für diese
zusätzlichen Truppen zu bezahlen, um die Belastung für die
Koalitionstruppen zu verringern.»
Mehr bei
"telepolis" (19.07.03)
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/15248/1.html
|
Kein
Militärprozess gegen britische Guantanamo-Gefangene
Sa.19.07.03 - Die
USA werden zwei wegen Terrorverdachts im Stützpunkt Guantanamo Bay
gefangen gehaltene Briten nicht wie geplant vor ein Militärgericht
stellen. Das sagte ein Sprecher der Regierung in London. Der britische
Generalstaatsanwalt werde nun mit den amerikanischen Behörden
über das weitere Schicksal der beiden verhandeln. Sie gehören
zu sechs Gefangenen, die möglicherweise noch in diesem Herbst vor
US-Militärgerichte gestellt werden sollten. Dabei hätte ihnen
auch die Todesstrafe gedroht.
Auch auf dem US-Stützpunkt Guantánamo Bay auf Kuba drohe
einem heute 16-jährigen Kanadier die Todesstrafe. Amnesty fordert,
ein Verbot der Todesstrafe für minderjährige Straftäter
als bindende Norm ins Völkerrecht aufzunehmen. Insgesamt wurden
nach amnesty-Recherchen zwischen 1994 und 2002 weltweit 22.588 Menschen
in 70 Ländern hingerichtet.
(Quellen: dpa,
epd)
Weiter
Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien
Sa.19.07.03 -
Trotz der seit März gültigen neuen Verfassung in
Tschetschenien dauern Menschenrechtsverletzungen in der Region weiterhin
an. Bemühungen der russischen Regierung zur Verbesserung der
Situation kritisierte eine internationale Menschenrechtsorganisation
als entweder ineffektiv oder unaufrichtig.
Die Bevölkerung in Tschetschenien lebe in einem "Dauerzustand des
Terrors", erklärte die Menschenrechtsgruppe International Helsinki
Federation for Human Rights am Freitag. Eine Delegation der Organisation
war am Tag zuvor von einer viertägigen Bestandsaufnahme aus
Tschetschenien zurückgekehrt.
Unterdessen wurden am Donnerstag in Grosny zwei zunächst nicht
identifizierte Leichen gefunden. Sie wiesen Schusswunden am Kopf auf und
wurden offenbar durch eine Explosion entstellt.
(Quelle: ap)
IAEA warnt vor
nordkoreanischen Atomwaffen
Sa.19.07.03 - Von
Nordkorea geht nach Ansicht der Internationalen
Atomenergie-Behörde (IAEA) derzeit weltweit die größte
Bedrohung mit Atomwaffen aus.
IAEA-Chef Mohamed ElBaradei sagte am Freitag in Wien, Sorgen bereiteten
ihm Berichte, dass Nordkorea 8000 abgebrannte nukleare Brennstäbe
zur Gewinnung von atomwaffen-tauglichem Plutonium aufgearbeitet habe. Es
sei bedauerlich, dass es seit Dezember offenbar nur wenig Fortschritte
in dieser Frage gegeben habe. Damals waren die IAEA-Inspektoren des
Landes verwiesen worden. Gleichzeitig begrüßte ElBaradei
chinesische Bemühungen, Nordkorea an den Verhandlungstisch zu
bekommen.
Der Atomstreit war im Oktober ausgebrochen, als die US-Regierung
erklärte, Nordkorea habe eingeräumt, an einem geheimen
Atomwaffenprogramm zu arbeiten. Dieses Waffenprogramm könnte nach
US-Ansicht eine Bedrohung für die US-Verbündeten in Asien
darstellen.
(Quelle: rtr)
Diplomatenkreise:
Uranfund nährt Sorgen über Irans Atomprogramm
Sa.19.07.03 -
UNO-Inspektoren haben in Proben aus dem Iran, dem die USA Streben nach
Atomwaffen vorwerfen, Diplomaten zufolge angereichertes Uran gefunden.
Dies könnte bedeuten, dass der Iran waffentaugliches Uran
herstellt, ohne die UNO davon zu informieren.
Der Iran hat stets erklärt, sein Atomprogramm diene rein zivilen
Zwecken. In Diplomatenkreisen in Wien hieß es am Freitag, der
Anreicherungsgrad des Urans sei ersten Untersuchungen zufolge hoch
genug, um Besorgnis bei der Internationalen Atomenergie-Behörde
(IAEA) auszulösen. Iran erklärte, die IAEA habe dem Land
nichts darüber mitgeteilt. Sobald die UNO-Organisation sich
äußere, werde auch Iran Stellung nehmen, sagte der Sprecher
der iranischen Atomenergiebehörde.
Nach dem Atomwaffensperrvertrag, den auch der Iran unterzeichnet hat,
darf Uran zwar für zivile Zwecke angereichert werden. Jedoch muss
dies der UNO mitgeteilt werden. Die IAEA wird vermutlich am 9. September
einen Bericht über ihre jüngsten Untersuchungen im Iran
vorlegen.
Die IAEA teilte mit, sie könne die Berichte weder bestätigen
noch dementieren. Allerdings seien Proben im Iran genommen wurden. "Die
Ergebnisse der Analyse der Umweltproben werden in der Behörde
ausgewertet, und wir gehen davon aus, dass wir in den kommenden Wochen
weitere Proben nehmen werden", sagte IAEA-Sprecherin Melissa Fleming in
Wien. Nur die IAEA sei in der Lage, die Bedeutung der Analysewerte zu
beurteilen. "Derzeit sind wir noch mitten in einem komplexen
Inspektionsprozess im Iran, in dem wir eine Reihe von ungelösten
Fragen untersuchen", fügte sie hinzu.
Aus den Diplomatenkreisen verlautete, das bloße Vorhandensein von
angereichertem Uran sei noch kein stichhaltiger Beweis für eine
Anreicherung durch den Iran. Ein anderer Grund könnten
Verunreinigungen sein, die jedoch auch einer Erklärung
bedürften.
In westlichen Diplomatenkreisen hatte es bereits im Juni
geheißen, die Proben der IAEA würden wahrscheinlich
Verdachtsmomente bestätigen, wonach Iran an einem geheimen
Zentrifugen-Programm zur Anreicherung von Uran arbeite. Die IAEA dringt
darauf, dass Iran das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag
unterschreibt, das der IAEA weiter gehende Inspektionen ermöglichen
würde.
(Quelle: rtr)
«Iran, Nordkorea, USA – der Atomwaffensperrvertrag
wird von vielen Seiten verletzt»
«...Ausgerechnet
die Gralshüter der atomaren Sicherheit, die USA, verstoßen
ebenfalls vermehrt gegen den Geist des Rüstungsabkommens. Statt
sich ernsthaft weiter um die nukleare Abrüstung zu bemühen,
treibt Washington die Erforschung eigener Atomwaffen voran. Mini-nukes
werden sie genannt, und sie spielen in den Planungen eine wichtige
Rolle, vor allem seit die USA ihrer Präventivschlag-Doktrin
folgen. Zu Recht fragt der US-Rüstungsexperte Bruce Blair: „Wenn
die USA die atomaren Spannungen und Arsenale verringern wollen, warum
denkt das Pentagon überhaupt darüber nach, neue Atomwaffen zu
bauen?"
Die Antwort ist in der Sorge vor den nuklearen Ambitionen der
„Schurkenstaaten" zu suchen. Diese wiederum sehen sich durch die neue
US- Doktrin ermuntert, sich selbst ein Faustpfand im Kräftemessen
mit den USA zu beschaffen. Die Folge ist eine atomare
Kettenreaktion...» (Süddeutsche Zeitung vom 18.07.03)
http://www.sueddeutsche.de/sz/meinungsseite/red-artikel371/
«Blick ins Archiv»
UN-Vertreter
kritisiert US-Pläne für neue Generation von Atomwaffen
So.27.04.03
- Zwei Tage vor Beginn einer UN-Konferenz zur Nicht-Weiterverbreitung
von Atomwaffen hat der Untergeneralsekretär der Vereinten Nationen
für Abrüstung, Jayantha Dhanapala, scharfe Kritik an der
Entwicklung einer neuen Generation taktischer Atomwaffen in den USA
geübt. Die USA wollten kleine bunkerbrechende Atombomben
entwickeln, so genannte Mini-Nukes, sagte Dhanapala in einem am Samstag
auf der Website "tagesschau.de" veröffentlichten Interview. Diese
Forschung sei "ein Schritt zurück, weil wir eigentlich Atomwaffen
abbauen wollen". Wenn jemand das Tabu eines Atomwaffeneinsatzes
bräche, "dann wird die Hölle ausbrechen". "Auch andere
Länder werden dann ihre Atomwaffen einsetzen, so wie
Terroristengruppen, und wir werden dann im Armageddon versinken."
(Quelle: afp)
Die
Atomwaffen aus der Zeit des Kalten Krieges hätten
ausgedient, weil sie nicht mehr zeitgemäß seien, und es sei
notwendig, existierende Nuklearwaffen zu modifizieren oder zu
erneuern, stellte ein Pentagon-Bericht bereits im März 2002
fest. Umgehend solle mit der Entwicklung eines "robusten nuklearen
Erdpenetrators" (Robust Nuclear Earth Penetrator - RNEP) begonnen werden
...
Mehr bei
"telepolis" unter:
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/13585/1.html
|
Putschisten in
Sao Tome zu Gesprächen bereit
Sa.19.07.03 - Die
Putschisten in Sao Tome und Principe haben sich am Freitag zu
Gesprächen über die politische Zukunft des westafrikanischen
Inselstaats bereit erklärt. Der Anführer des Staatsstreichs
vom Mittwoch, Major Fernando Pereira, bat internationale Vermittler,
«einen Weg aus der Krise zu finden».
Die für Sao Tome und Principe zuständigen Botschafter der USA
und Portugals sollten bei der Vorbereitung von Verhandlungen zur
Überwindung der Krise helfen, sagte Pereira. Die Junta sei auch
bereit, über die Rückkehr von Präsident Fradique de
Menezes zu sprechen, der sich zum Zeitpunkt des Putsches zu einem Besuch
in Nigeria aufhielt.
Eine Delegation von Diplomaten der portugiesischsprachigen Länder
wurde noch am Freitag zu Gesprächen in Gabun erwartet. Auch Nigeria
hat sich zur Vermittlung bereit erklärt. Sowohl die Afrikanische
Union (AU) als auch die Vereinten Nationen, die USA und die
Gemeinschaft der portugiesischsprachigen Länder hatten die
Putschisten aufgefordert, die verfassungsmäßige Ordnung
wiederherzustellen.
Die AU schloss eine Militärintervention weiterhin nicht aus. Der
Einsatz von Truppen hänge allein von den Ergebnissen der
Gespräche ab, erklärte der mosambikanische Präsident
Joaquim Chissano, dessen Land derzeit die AU-Präsidentschaft
innehat, am Freitag.
Pereira hatte bereits am Donnerstag baldige Wahlen angekündigt und
erklärt, Ziel seiner Truppen sei es, das verarmte Land vor dem
wirtschaftlichen Verfall zu retten. Die frühere portugiesische
Kolonie Sao Tome und Principe liegt vor der Küste Gabuns und gilt
als eines der ärmsten Länder der Welt. Die rund 140.000
Einwohner haben in den vergangenen Jahren unter politischer
Instabilität auf Grund von Machtkämpfen rivalisierender
Parteien um neu entdeckte Ölvorkommen gelitten. Die Ölfunde
haben auch das Interesse mehrerer internationaler Konzerne geweckt.
(Quelle: afp)
«Putsch ums Öl in Afrikas Zukunftsregion»
«Der
Militärputsch in São Tomé betrifft das kleinste und
schwächste Land in einer Kette aufstrebender Ölstaaten in
Afrika»
Mehr in
der "tageszeitung" (Ausgabe vom 18.07.03)
http://www.taz.de/pt/2003/07/18/a0067.nf/text
|
China
verabschiedet sich von Gentech-Nahrungsmittel
Sa.19.07.03 -
Nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace [http://www.greenpeace.at]
haben 32 chinesische Lebensmittelproduzenten am Freitag,
angekündigt, keine gentechnisch veränderten Produkte mehr auf
den Markt zu bringen. Unter den Unternehmen, die sich zu
Gentechnik-Freiheit bekennen, sind einige prominente internationale
Marken wie Wyeth, Mead Johnson, Wrigley und Lipton, die eine solche
Marktpolitik auch in anderen Ländern verfolgen. Aber auch lokale
Sojasauce-Produzenten aus Südchina wie Lee Kum Kee und Amoy und der
größte Sojamilch-Hersteller Vitasoy haben sich gegen die
Produktion genetisch veränderter Nahrungsmittel ausgesprochen.
Greenpeace-Gentechnikexperte Thomas Fertl meinte, dass die
internationalen Produzenten aus dem schlechten Beispiel von Nestle
gelernt hätten. Der Lebensmittelkonzern war im Vorjahr in China in
Verruf geraten, weil er in China schlechtere Standards angewandt hatte
als in Europa. "Der Skandal hat auf das Problem manipulierter Gene in
Lebensmitteln aufmerksam gemacht, Nestle-Produkte wurden von den
Konsumenten sogar in die Geschäfte zurückgebracht", so
Fertl.China ist der weltgrößte Produzent von Soja und der
größte Lebensmittelmarkt der Welt.
Seit März 2003 darf im Nordosten des Landes, in der Provinz mit
der größten Soja-Produktion, keine genmanipulierte Soja
angebaut werden. "Die Chinesen schließen sich dem internationalen
Trend zu gentechnik-freien Nahrungsmittelproduktion an", so Fertl. Der
Trend zu Gentechnik-freien Lebensmitteln in China bekommt vor dem
Hintergrund der Klage der USA vor der WTO gegen das EU-Gentechnikrecht
besonderes Gewicht. "Ziel der amerikanischen Klage ist es,
europäische Märke gegen die Interessen von Umwelt und
Konsumenten für Gentech-Food zu öffnen und andere Länder
abzuschrecken", kommentiert Fertl. Mit der Entscheidung Chinas
fällt ein weiterer Markt für Gentech-Nahrungsmittel weg. Fertl
ist überzeugt, dass auch die US-Bauern bald aus der Gentechnik
aussteigen werden.
(Quelle: pte)
«Biotech-Lobby ruiniert Bauern»
«Ökologische
Lebensmittelwirtschaft startet Kampagne gegen Anbau gentechnisch
veränderter Pflanzen»
Mehr bei
"junge Welt" (18.07.03)
http://www.jungewelt.de/2003/07-18/016.php
«Genfood»
«In
den USA und Kanada steht gentechnisch veränderter Weizen vor der
kommerziellen Zulassung, US-Präsident Bush fordert die
Öffnung der europäischen Märkte - und in Thüringen
siegt der Bio-Weizen...»
Mehr bei
"freitag" (Ausgabe vom 04.07.2003) unter:
http://www.freitag.de/2003/28/03281801.php
|
Deutschland:
Kein Ende im Steuer-Streit der Union
Sa.19.07.03 -
Trotz Einigungsappellen Seitens der Führung von CDU und CSU geht
der Streit in der Union um die Steuerpolitik weiter. Hessens
Ministerpräsident Roland Koch betonte in einem am Samstag
veröffentlichten Zeitungsinterview, dass er bei seiner strikten
Ablehnung von Steuersenkungen nicht der CDU, sondern seinem Bundesland
verpflichtet sei. CSU-Chef Edmund Stoiber sagte im ZDF, Koch sei in
einer Sondersituation, weil er Hessens Haushalt nur mit fast zwei
Milliarden Euro Neuverschuldung ausgleichen könne.
Bayern sei dagegen seriöses Vorbild für den Bund und andere
Länder, fügte der bayerische Ministerpräsident hinzu. Er
betonte, dass die Union eindeutig für eine seriös finanzierte
Steuerreform sei. Gleichzeitig kündigte er an, dass auch die Union
eigene Vorschläge zur Gegenfinanzierung machen könne. Wenn die
Bundesregierung kein seriöses Konzept habe, «dann werden wir
sicherlich auch den einen oder anderen Sparvorschlag vorbringen und
werden uns bemühen, das zusammen doch noch zu schultern, aber auch
mit dem klaren Hinweis, dass die Regierung unfähig ist, das Problem
zu lösen», betonte Stoiber in der Sendung Heute-Journal.
Koch betonte dagegen in einem Interview mit der "Passauer Neuen Presse"
(Samstagsausgabe) sein klares Nein: "Ich bin auf die Verfassung des
Landes Hessens vereidigt und nicht auf das Programm der CDU", sagte der
CDU-Politiker. Allerdings gelte es im Bundesrat immer auch Kompromisse
zu schließen. Dort jedoch müsse sich Eichel auf ein Nein
einstellen. In der Union seien sich alle einig, dass es für den
Vorschlag der Bundesregierung keine Zustimmung geben werde. Es
dürfe keine zusätzlichen Schulden jenseits der
Verfassungsgrenze geben.
Koch versicherte, niemand in der Union sei gegen Steuersenkungen. Die
Probleme in Deutschland seien aber nur durch echte Strukturreformen,
nicht durch die Steuerreform zu lösen. Nach wie vor habe die
Bundesregierung eine Bringschuld. Erst wenn sie offen zugebe, dass sie
es nicht hinkriegt, müsse die Union über eigene
Vorschläge nachdenken. Angela Merkel habe Hamburgs
Bürgermeister Ole van Beust damit beauftragt, nach dem 13. August
Lösungsvorschläge zu entwickeln. Koch reagierte in dem
Interview auch auf Kritik an ihm aus der CSU. Er habe Verständnis
dafür, dass die CSU kein Interesse an kontroversen Diskussionen
habe. "Dann muss sie aber auch selbst etwas dazu beitragen", sagte er.
Unterstützung erhielt Koch vom brandenburgischen Innenminister und
CDU-Präsidiumsmitglied Jörg Schönbohm. "Wir brauchen die
strukturellen Veränderungen, da hat Roland Koch recht", sagte
Schönbohm in einem Interview der "Rheinischen Post"
(Samstagausgabe).
(Quelle: ap)
Boom bei
Minijobs
Sa.19.07.03 - Die
Reform der Minijobs hat einen regelrechten Boom ausgelöst: Seit
dem Start Anfang April kamen innerhalb von drei Monaten rund 930 000
neue geringfügige Beschäftigungsverhältnisse dazu.
Entgegen den Erwartungen mussten Renten- und Krankenkassen keine
Einnahmeausfälle hinnehmen.
Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) zeigte sich in Berlin über die
Ergebnisse erfreut: Sie sprach vom "Beginn einer Erfolgsstory". Die
Union hatte bei dem Reformkompromiss durchgesetzt, dass Minijobs wieder
wie früher im Nebenerwerb möglich sind. CDU und CSU
reklamierten deshalb den Erfolg für sich.
Allerdings wurden entgegen den Erwartungen lediglich 170 000 der 930
000 neuen 400-Euro-Jobs nach den Statistiken der zuständigen
Bundesknappschaft von Arbeitnehmern besetzt, die einen Nebenverdienst
suchten. Der große Rest sei zum überwiegende Teil von
Arbeitslosen, teils auch aus der so genannten stillen Reserve besetzt
worden. Die Bundesknappschaft geht davon aus, dass es bereits Ende
August eine Million neuer Minijobs gibt.
Schmidt betonte, die ursprünglichen Erwartungen von rund 300 000
neuen Minijobs seien "bei weitem übertroffen" worden. Mit der
Reform sei ein Beitrag zur Entbürokratisierung und damit im Kampf
gegen Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung gelungen. Sie zeigte
sich zuversichtlich, dass das Minijob-Potenzial im Haushaltsbereich -
wo nach Schätzungen bis zu drei Millionen Menschen derzeit in
einer Grauzone arbeiten - besser erschlossen werden kann: Unter der
neuen Regelung, die auch Steuererleichterungen für den Arbeitgeber
gebracht hat, wurden bisher lediglich 5600 neue Jobs angemeldet.
Nach den Zahlen der Bundesknappschaft, die die Minijobs verwaltet, gab
es Ende Juni rund 5,8 Millionen dieser Arbeitsverhältnisse. Dies
waren etwa 1,7 Millionen mehr als im September. Der Zuwachs entfiel den
Angaben zufolge zu etwa gleichen Teilen auf Ost- und Westdeutschland.
Schmidt erwartet, dass die Sozialkassen jährlich 175 Millionen Euro
an Zusatzeinnahmen aus den Minijobs erzielen.
Für den Wirtschafts- und Arbeitspolitik-Experten der SPD-Fraktion,
Klaus Brandner, liegt der besondere Erfolg der Minijob-Reform darin,
dass die Sozialkassen "entgegen allen Befürchtungen" entlastet
werden. "Das ist ein positiver Beitrag", sagte er der Nachrichtenagentur
dpa. Es sei nicht Ziel der Reform gewesen, die Arbeitslosenstatistik zu
entlasten, sondern mehr Flexibilität zu erreichen, um
wirtschaftliche "Dynamik" auszulösen. Dies sei offensichtlich
gelungen.
Der Arbeitsmarktexperte der Unionsfraktion, Karl-Josef Laumann, sagte,
die Entwicklung sei ein "großartiger Erfolg", der wesentlich auf
den Druck der Union zurückgehe. Der CSU-Landegruppenvorsitzende
Michael Glos warf Schmidt vor, sie schmücke sich "mit fremden
Federn". Statt diesen Erfolg "auf das eigene Konto zu verbuchen",
täte die Ministerin "gut daran, den Unionsparteien ein
Dankeschön zu sagen".
(Quelle: dpa)
Führungsstreit
sorgt für neues Chaos in der IG Metall
Sa.19.07.03 - Das
Führungschaos in der IG Metall hat einen neuen Höhepunkt
erreicht: IG-Metall-Chef Klaus Zwickel sagte am Freitag kurzfristig eine
Pressekonferenz wieder ab, die er erst am Vortag angekündigt
hatte. Er hatte dort wenige Tage vor der mit Spannung erwarteten
Vorstandsentscheidung zur möglichen neuen Gewerkschaftsspitze
eigentlich eine Lösung des Konflikts präsentieren wollen.
Sprecher Claus Eilrich sagte, man arbeite intensiv an einer Lösung,
habe aber die dafür nötige Zeit unterschätzt.
Vor der Pressekonferenz war spekuliert worden, dass der scheidende
IG-Metall-Vorsitzende einen neuen Kandidaten für die Vorstandswahl
auf dem Gewerkschaftstag Ende August präsentieren wollte. Die
Veranstaltung wurde jedoch eine Stunde vor dem geplanten Beginn abgesagt.
Seit der baden-württembergische Bezirksleiter Berthold Huber seine
Kandidatur für den Vizeposten zurückgezogen hat, steht der
Vorstand ohne offiziellen Wahlvorschlag für die Posten des Ersten
und Zweiten Vorsitzenden da. Der umstrittene IG-Metall-Vizechef
Jürgen Peters hatte seinen Anspruch auf den Vorsitz mehrmals
bekräftigt. Am Mittwoch kommt der 41-köpfige
IG-Metall-Vorstand in Frankfurt am Main zusammen, um über einen
neuen Personalvorschlag zu entscheiden. Huber fuhr am Freitag nach
Frankfurt. Eilrich wollte das nicht kommentieren.
Der IG-Metall-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AP, die
Lösungsmöglichkeit, die derzeit erarbeitet werde, würde
einen glaubwürdigen Neuanfang nach dem verlorenen Arbeitskampf im
Osten ermöglichen. Sie könne aber nicht von oben nach unten
durchgesetzt werden. "Die ganze IG Metall muss das mittragen", sagte der
Sprecher. Spekulationen über einen möglichen vorzeitigen
Rücktritt Zwickels wies Eilrich zurück.
Der Gewerkschaftssprecher nannte es indes möglich, dass sich der
Vorstand am Mittwoch nicht auf einen neuen Personalvorschlag einigen
könne und die Auswahl dem vorgezogenen Gewerkschaftstag
überlassen werde. Dann könne sich jeder, der kandidieren
wolle, zur Wahl stellen. Dies wäre "sehr demokratisch und
transparent".
Unterdessen brachte das baden-württembergische Reformerlager
abermals Frank Teichmüller ins Gespräch. Man halte den Leiter
des Bezirks Küste für eine gute Lösung für die
Zwickel-Nachfolge. Von anderer Seite hieß es, der Bezirk
Küste habe schon immer eine politische Mittlerposition eingenommen.
Zwickels Offensive wurde innerhalb der Gewerkschaft heftig kritisiert.
Der Sprecher von Peters' Heimatbezirk Niedersachsen, Jörg
Köther, sagte, man sei sowohl von der Ankündigung, als auch
von der Absage der Pressekonferenz überrascht worden. Es sei aber
"ein wenig hilfreiches Verfahren, einer schon anberaumten
Vorstandssitzung durch öffentliche Auftritte vorgreifen zu wollen".
Vorstandsmitglied Jürgen Stamm, zugleich Leiter der mächtigen
Verwaltungsstelle Stuttgart, sagte der AP, nötig seien "Ruhe und
eine Lösung des Problems und keine Bedienung der
Öffentlichkeit". Eine Pressekonferenz wäre nicht
zielführend gewesen. "Wir versuchen in eine Phase zu kommen, um
Lösungen zu finden. Die Lösungen finden wir nicht in der
Öffentlichkeit, sondern nur in der IG Metall", sagte Stamm.
(Quelle: ap)
mehr Kurznachrichten...
|