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+++ Di.22.07.03,
12:45 Nachrichten-Archiv Aktuelle
Nachrichten
Irak am hundertfünfundzwanzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Sicherheitsrat
erörtert angespannte Lage im Irak +++ Frankreich will Resolution
für UNO-Kontrolle über Irak +++ US-Präsident Bush
hält neue UN-Resolution zu Irak für nicht notwendig +++
Stellvertretender US-Verteidigungsminister Wolfowitz dämpft
Hoffnungen auf Linderung der Armut in Irak +++ EU will
unabhängigen Irak-Fonds +++ 1500 Iraker protestieren gegen
Festnahmen von Schiiten durch US-Armee +++ El Dschasira sendet Video mit
Aufruf zu Partisanenkrieg in Irak +++ Erneut US-Soldat bei Anschlag im
Irak getötet +++ USA wünschen türkische Truppen für
den Irak +++
Di.22.07.03 - Der
Weltsicherheitsrat erörtert heute in New York die angespannte Lage
im Irak. Dem Gremium liegt ein Bericht von UN- Generalsekretär
Kofi Annan vor, der einen "klaren Zeitplan" für einen
schrittweisen Rückzug der amerikanischen und britischen
Besatzungstruppen aus dem Land empfiehlt. Die USA lehnten das im
Vorfeld der Sitzung ab. Sie sind aber angesichts andauernder
Guerilla-Angriffe auf ihre Soldaten zu Verhandlungen über ein UN-
Mandat für eine internationale Stabilisierungstruppe bereit.
Frankreich strebt eine neue UNO-Resolution an, um den Vereinten
Nationen (UNO) die zentrale Rolle beim Wiederaufbau des Irak zu
übertragen.
Außenminister Dominique de Villepin sagte am Rande von Beratungen
mit seinen EU-Kollegen am Montag in Brüssel, nur eine von der UNO
beauftragte Friedenstruppe könne auf legitimer Basis Sicherheit im
Irak schaffen, wo in den vergangenen Wochen immer wieder
US-Besatzungssoldaten getötet wurden. Dafür sei jedoch eine
weitere, ehrgeizigere UNO-Resolution erforderlich, sagte Villepin.
US-Präsident George W. Bush und ein britischer Diplomat sagten
dagegen, eine neue Resolution sei nicht notwendig.
Villepin vermied Kritik an den Truppen der USA und
Großbritanniens. Er forderte jedoch, die zentrale Rolle im Irak
der UNO zu übertragen. "Für uns ist es wichtig, die zentrale
Gesamtverantwortung der Vereinten Nationen im Aufbauprozess für den
Irak auszubuchstabieren", sagte er. Frankreich ist Ständiges
Mitglied im UNO-Sicherheitsrat und hatte den Irak-Krieg entschieden
abgelehnt. Um die zentrale UNO-Rolle zu bestätigen, sei die jetzige
Resolution 1483 über die Übergangsverwaltung unzureichend.
"Dies würde eine ehrgeizigere Resolution erfordern", sagte er.
Bush sagte in Crawford im US-Bundesstaat Texas, er begrüße
zwar jede internationale Hilfe. "Je mehr Leute im Irak involviert sind,
desto besser wird es uns gehen", sagte er nach einem Treffen mit
Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Eine neue
UNO-Resolution sei jedoch nicht notwendig, denn die Resolution 1483
"gibt Staaten die Ermächtigung, das Richtige zu tun und sich im
Irak zu engagieren". Auch in britischen Diplomatenkreisen in
Brüssel wurde eine neue Resolution als unnötig bezeichnet.
"Großbritannien glaubt, dass die bestehenden Resolutionen alle die
zurzeit besprochenen Maßnahmen abdeckt", hieß es.
Großbritannien ist der engste Verbündete der USA im
Irak-Konflikt.
Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz hat
Hoffnungen auf eine Linderung der wirtschaftlichen Not der Iraker
gedämpft. "Obwohl wir zu vielen Dingen fähig sind, sind wir
keine Götter", sagte Wolfowitz bei einem Besuch in der
nordirakischen Stadt Mossul. Die EU-Außenminister berieten
unterdessen über die Einrichtung eines Wiederaufbau-Fonds für
Irak. Der neue Oberbefehlshaber der Besatzungstruppen, John Abizaid,
kündigte die Aufstellung einer 7.000 Mann starken irakischen
Hilfstruppe an.
Die EU-Außenminister unterstützten Pläne für einen
Hilfsfonds für den Irak, der unabhängig von der
Übergangsverwaltung der von den USA und Großbritannien
angeführten Kriegskoalition den Wiederaufbau mitfinanzieren soll.
Die USA hatten EU-Außenkommissar Chris Patten kürzlich
bereits grundsätzliche Unterstützung für einen
unabhängigen Hilfsfonds signalisiert. Zahlreiche Einzelfragen sind
aber noch offen. "Die Vorstellung, dass die Europäer einen
internationalen Fonds bestücken, halte ich für sehr
vernünftig", sagte Bundesaußenminister Joschka Fischer.
Die EU will mit dem Fonds auch in den Wiederaufbau Iraks einsteigen.
Summen werden nach Einschätzung aus EU-Kreisen wohl nicht vor einer
internationalen Geber-Konferenz im Oktober feststehen. Die EU war
über den Irak-Krieg tief gespalten. Ein von der Kriegskoalition
weitgehend unabhängiger Fonds würde es vor allem Deutschland
und Frankreich ermöglichen, den Wiederaufbau des Irak zu
unterstützen, ohne sich damit auf die Seite der Kriegskoalition im
Irak zu stellen.
Eine "zivile Verteidigungstruppe" solle den amerikanischen und
britischen Streitkräften bei der Bekämpfung von Gewalt und
Sabotage helfen, sagte General John Abizaid am Montag bei seinem ersten
Besuch in Irak. Am Montagmorgen wurden ein weiterer US-Soldat sowie ein
irakischer Dolmetscher durch eine Bombe am Straßenrand
getötet, die explodierte, als ein Militärkonvoi der 1.
Panzerdivision vorbeifuhr. Drei weitere Soldaten wurden verletzt. Seit
Beginn des Irak-Kriegs am 20. März sind damit bereits 152
US-Soldaten von feindlichen Kämpfern getötet worden -
fünf mehr als während des Golfkriegs von 1991. Etwa ein
Viertel der gewaltsamen Todesfälle erfolgte nach der offiziellen
Einstellung der Kampfhandlungen.
Wolfowitz betonte bei einem Besuch in Bagdad, die Urheber der
Anschläge auf US-Truppen dürften nicht als
"Widerstandskämpfer" bezeichnet werden. Sie seien "reaktionäre
Kräfte" mit dem Ziel, die Privilegien, die sie unter dem alten
Regime genossen hätten, zurückzuerobern.
Rund 1500 Menschen haben am Montagabend in Bagdad gegen die Festnahme
von acht Schiiten durch die US-Armee protestiert. "Heute marschieren wir
friedlich, doch morgen gibt es Krieg", skandierte die Menge einem
AFP-Fotografen zufolge. Die im Osten der irakischen Hauptstadt
versammelten Demonstranten forderten die Freilassung der acht
Männer, die seit Samstag bei der Durchsuchung der Büros
mehrerer Schiiten-Gruppen festgenommen worden waren. Insgesamt hatten
die US-Truppen zehn Männer festgenommen, zwei von ihnen aber im
Anschluss wieder freigelassen.
Eine bislang unbekannte Dschihad-Gruppierung hat dem katarischen
Fersehsender El Dschasira zufolge zu einem Partisanenkrieg gegen die
US-Streitkräfte in Irak aufgerufen. "Wir wollen sagen, dass wir
beschlossen haben, uns für die Religion und für die Heimat zu
opfern", hieß es in einer Videoaufzeichnung der "Organisation der
Dschihad-Brigaden in Irak", die der katarische Fernsehsender El
Dschasira am Montag ausstrahlte. "Ihr müsst einen Guerillakrieg
führen, um Irak zu befreien", rief darin ein vermummter Mann mit
einer Waffe in der Hand die Iraker auf.
Angesichts anhaltender Guerilla-Angriffe im Irak haben die USA die
Türkei um die Entsendung von Truppen gebeten. Das meldet die
Zeitung "Hürriyet" unter Berufung auf Ministerpräsident Recep
Tayyip Erdogan. Demnach ist mit einer Entscheidung über einen
Einsatz von rund 5000 Soldaten bis Ende dieses Monats zu rechnen.
Pakistan lehnte die US-Bitte um Truppen ohne internationales Mandat
bereits ab.
Das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen will Anfang
kommenden Monats mit der Rückführung hunderttausender
irakischer Flüchtlinge aus Iran beginnen. Die mehr als 200.000
Iraker in Iran hätten "das Potenzial, beim Wiederaufbau ihres
Landes zu helfen", sagte UN-Flüchtlingshochkommissar Ruud Lubbers
am Montag nach einem Besuch im südiranischen Flüchtlingslager
Aschrafi Esfahin. Die Modalitäten der Repatriierung in großem
Maßstab müssten noch mit den iranischen Behörden
ausgehandelt werden, sagte Lubbers. "Die Rückführung soll in
den ersten Tagen des August beginnen. Das ist ein ambitionierter
Zeitplan."
(Quelle: rtr,
afp, dpa, ap)
Ermittlungen
zu Tod von Biowaffenexperte Kelly eingeleitet +++ Blair droht nun doch
weit reichende Untersuchung +++ Ex-Ministerin wirft Blair
Ablenkungsmanöver in Irak-Affäre vor +++ Forderung nach
Rücktritt Blairs spaltet die Briten +++ Vorwürfe gegen
BBC-Berichterstattung +++
Di.22.07.03 - Der
britische Premierminister Tony Blair muss nun doch eine weitgehendere
Untersuchung zu den Todesumständen des Waffenexperten David Kelly
befürchten, als er selbst wollte. Der Lordrichter Brian Hutton
stellte am Montag klar, er werde selbst entscheiden, wie weit die
Untersuchung gehen werde. Zuvor hatte die Regierung Blair erklärt,
die Untersuchung dürfe sich nur mit Kellys direkten
Todesumständen beschäftigen, nicht aber mit der offiziellen
Rechtfertigung des Irak-Krieges.
Der Druck auf Blair ließ am Montag nach, weil zunehmend die BBC
ins Kreuzfeuer der Kritik geriet. Der Sender hatte am Sonntag
bestätigt, dass Kelly die Hauptquelle für einen kritischen
Bericht des Reporters Andrew Gilligan über die Irak-Dossiers der
Regierung gewesen war. Kritiker hielten der BBC vor, sie hätte
Kellys Selbstmord verhindern können, wenn sie diese Information
vorher veröffentlicht hätte. Es hätte dann von Anfang an
die Frage stärker im Vordergrund gestanden, ob Kelly von Gilligan
korrekt wiedergegeben worden sei.
Politiker von Regierung und Opposition forderten personelle
Konsequenzen auf höchster Ebene oder sogar eine Änderung der
Statuten, so dass der Sender künftig stärker überwacht
werden könne. Dagegen sagte die aus Protest gegen den Irak-Krieg
zurückgetretene Entwicklungsministerin Clare Short: "Dieser Angriff
auf die BBC soll einzig und allein von der Hauptfrage ablenken, wie wir
in den Irak- Krieg geraten sind."
Blair sicherte Lord Hutton seine volle Unterstützung zu. "Ich
werde tun, was der Richter an der Spitze der Untersuchung von mir will",
versprach er. Hutton kündigte an, er werde die Untersuchung so
schnell wie möglich und großenteils öffentlich
ausführen.
In einer Umfrage des "Daily Telegraph" sprachen sich 39 Prozent
für Blairs Rücktritt aus. 41 Prozent waren dagegen, 20 Prozent
unentschieden. Dagegen ergab sich eine klare Mehrheit von 65 Prozent
für einen Rücktritt von Blairs Kommunikationsdirektor
Alastair Campbell. Die Hauptverantwortung für Kellys Selbstmord
trägt nach Meinung von 47 Prozent der Befragten die Regierung.
Kellys Schwager Derek Vawdrey erhob am Montag schwere Vorwürfe
gegen den Unterhaus-Ausschuss, der den ehemaligen UN-Waffeninspekteur
einem Kreuzverhör unterzogen hatte. "Er ist in
einschüchternder Weise von dem Ausschuss behandelt worden, und das
ist es nach meiner Meinung, was ihn direkt in den Selbstmord getrieben
hat", sagte Vawdrey. Die aus Deutschland stammende Labour-Abgeordnete
Gisela Stuart, die dem Ausschuss angehört, sagte dazu: "Im
Rückblick haben einige Ausschussmitglieder wohl das Gefühl,
dass der Ton nicht ganz angemessen war."
Kelly hatte vor dem Ausschuss gesagt, der BBC-Bericht von Andrew
Gilligan wäre durch die Informationen, die er ihm gegeben habe,
nicht gedeckt. Nachdem die BBC nun zugegeben hatte, dass Kelly die
Hauptquelle für den Bericht gewesen war, kamen Zweifel an Gilligans
Glaubwürdigkeit auf. Der Journalist beteuerte jedoch: "Ich habe
David Kelly nicht falsch zitiert oder falsch wiedergegeben." Nach einem
Bericht des linksliberalen "Guardian" bröckelt die
Unterstützung für Gilligan inzwischen aber auch innerhalb der
BBC.
An den Märkten sorgte die Unsicherheit über die politischen
Auswirkungen des Todes von Kelly für einen Kursverlust der
britischen Währung. Der Kurs des Pfund erholte sich später
jedoch wieder. "Es wird darüber geredet, dass Blair in
Schwierigkeiten steckt", sagte ein Devisenhändler. Zum Dollar fiel
das Pfund zeitweise auf ein Drei-Monats-Tief von 1,5784 Dollar, der Euro
kletterte auf ein vorübergehendes Sechs-Wochen-Hoch von 71,38
Pence.
(Quelle: dpa,
rtr)
«Der Selbstmord des Biowaffenexperten David Kelly
hat die Vertrauenskrise, in die der einstige Sonnyboy Blair wegen
aufgebauschter Irak-Waffendossiers schlitterte, dramatisch
verschärft.» ("Der Standard" vom 21.07.03)
Mehr
unter:
http://derstandard.at/standard.asp?page=archshow&artfn=
\Archiv\20030721\_343_182425.HTM
«Der tote Dave Kelly»
«Seit
ein paar Tagen verfolge ich nun die Berichterstattung über den
toten Waffenexperten. Ich war noch nie ein großer Freund von
Verschwörungen. Aber wie naiv muss man sein, um bei diesem Fall
nicht einmal Überlegungen über einen Mord anzustellen? Oder
habe ich irgendetwas bei diesem Fall nicht richtig verstanden?
Wir haben hier einen Experten, der Regierungskreise berät. Seine
Berichte werden von Tony Blair missbraucht und verdreht, um einen Krieg
zu beginnen. Einen Krieg zusammen mit einem der mächtigsten Staaten
der Erde. Dann kommt die BBC und deckt den Skandal auf: Der Grund
für den Krieg war eine Lüge. Was für eine
größere Blamage kann es für die beiden Anführer so
mächtiger Nationen geben, als einen Krieg grundlos begonnen zu
haben?
Doch irgendwie sickert dann durch, wer den Bericht abgegeben hat. Die
BBC versucht ihn zu decken, das gelingt aber ungenügend. Ein paar
Tage später ist er tot. Niemand auf der Welt kann mir hier
erzählen, dass Selbstmord eine wahrscheinliche Erklärung
ist...»
Mehr
unter:
http://mosaikum.org/log-07-03.shtml#54
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Bush
verschärft Ton gegenüber Syrien und Iran
Di.22.07.03 -
US-Präsident George W. Bush hat seine Vorwürfe gegen Syrien
und Iran erneut verschärft. Beide Staaten gewährten nach wie
vor Terroristen Unterschlupf, erklärte Bush am Montag auf einer
gemeinsamen Pressekonferenz mit dem italienischen
Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. «Dieses Verhalten ist
völlig inakzeptabel», sagte er. Beide Regierungschefs
demonstrierten beim Besuch Berlusconis auf Bushs texanischer Ranch
Einigkeit.
Die USA würden alle Staaten zur Verantwortung ziehen, die weiter
Terroristen Zuflucht böten, sagte Bush. Er forderte ferner die
Verbündeten der USA auf, den irakischen Wiederaufbau zu
unterstützen. «Je höher die Beteiligung, desto
besser», erklärte der US-Präsident. "Ein freies Irak ist
entscheidend, um den Krieg gegen den Terror zu gewinnen." Bush dankte
Italien für die Unterstützung im Irak-Krieg und bezeichnete
Berlusconi als "guten Freund und starken Verbündeten".
Berlusconi sprach sich für eine Überwindung der in Folge des
Irak-Kriegs entstandenen Spannungen zwischen den USA und
europäischen Staaten aus. "Wir müssen eine Kultur der Einheit
unterstützen und entwickeln, anstatt die Kultur der Teilung zu
pflegen", sagte der italienische Regierungschef. "Egoismus, Narzissmus
und Teilung dürfen nie die Oberhaupt gewinnen."
Bush hatte Berlusconi bei dessen Ankunft in der Nähe von Crawford
am Sonntag mit herzlichem Händeschütteln und Schulterklopfen
begrüßt. Der zweitägige Besuch war Berlusconis erster in
den USA seit Ende des Irak-Kriegs, den der italienische
Ministerpräsident trotz heftiger öffentlicher Proteste
unterstützt hatte.
Beobachter bezeichneten den Empfang auf der Privatranch in Crawford,
die bisher nur wenige ausländische Politiker besuchen durften, als
Belohnung für diese Unterstützung. Berlusconi könne damit
zeigen, dass Großbritannien, Deutschland und Frankreich nicht die
einzigen ernstzunehmenden Mächte in Europa seien. "Die ganze Welt
soll sehen, dass dies die Belohnung ist - dass Berlusconi bei der
einzigen verbleibenden Supermacht über Einfluss verfügt",
sagte John Hulsmann, Experte für amerikanisch-europäische
Beziehungen bei der Heritage Foundation, einem konservativen
Forschungsinstitut in Washington.
(Quelle: ap)
USA:
Taliban-Kämpfer verstärken Angriffe in Afghanistan
Di.22.07.03 - Im
Süden Afghanistans haben Anhänger der gestürzten
radikal-islamischen Taliban US-Militärangaben zufolge ihre Angriffe
in den vergangenen Tagen verstärkt.
US-Militärsprecher Oberst Rodney Davis sagte am Montag in Bagram
auf eine entsprechende Frage von Journalisten: "Ja, die Angriffe haben
in den letzten Tagen zugenommen." Allein in den vier Tagen zuvor waren
bei Gefechten neun Soldaten der internationalen Koalition verletzt und
24 Taliban-Kämpfer getötet worden. In Spin Boldak hätten
US-Soldaten am Wochenende bis zu 24 Taliban-Kämpfer getötet,
nachdem diese zuvor einen Konvoi der Koalition sowie einen
Kontrollposten der afghanischen Regierung angegriffen hätten, sagte
Davis. Es sei der größte US-Militäreinsatz in
Afghanistan seit zwei Monaten gewesen.
Einen Zusammenhang zwischen den anhaltenden Angriffen auf US-Soldaten
im Irak und den Vorfällen in Afghanistan sieht Davis nach eigenen
Worten nicht. "Irak und Afghanistan sind unterschiedliche Länder",
sagte Davis. Die Vorfälle in Afghanistan seien keine Folge der
Situation im Irak.
Die Taliban waren 2001 von einer US-geführten Allianz
gestürzt worden. Afghanischen Behörden zufolge haben die
Taliban Rückzugsgebiete in Pakistan. Die pakistanische Regierung
hat wiederholt erklärt, sie versuche, die Grenze geschlossen zu
halten. Die Bundeswehr hat im Rahmen der Internationalen
Sicherheitstruppe ISAF in der Hauptstadt Kabul knapp 2300 Soldaten in
Afghanistan stationiert, von denen bis Ende August 800 abgezogen werden
sollen.
(Quelle: rtr)
Unter
Terrorverdacht inhaftierte Jemeniten dürfen ausgeliefert werden
Di.22.07.03 - Die
zum Jahresbeginn in Frankfurt am Main unter Terrorverdacht
festgenommenen Jemeniten dürfen an die USA überstellt werden.
Die Auslieferung sei trotz des Einsatzes eines Lockspitzels
zulässig, entschied das Frankfurter Oberlandesgericht (OLG).
Über die Bewilligung der von den USA beantragten Auslieferung habe
nun die Regierung zu entscheiden. Den beiden Festgenommenen, darunter
der Imam der Hauptmoschee in Sanaa, Mohammed Ali Hassan Scheik El Mojad,
wird Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung
beziehungsweise deren Unterstützung vorgeworfen. Mojads Anwalt
kündigte Verfassungsbeschwerde an.
Mojad soll unter anderem an der Finanzierung des Terrornetzwerks El
Kaida und der radikalen Palästinenserorganisation Hamas mitgewirkt
haben. Er und sein Begleiter sollen Medienberichten zufolge vor ihrer
Festnahme mit Hilfe zweier Lockvögel des US-Geheimdienstes CIA in
die Bundesrepublik gelockt worden sein. Der OLG-Senat betonte nun in
seinem Beschluss, es stehe einer Strafverfolgung nicht entgegen, wenn
"eine Person unter Verletzung der Gebietshoheit eines Staates durch
Ermittlungsbehörden mit Hilfe eines Lockspitzels zur Einreise in
einen anderen Staat verlasst worden ist".
Mojads Anwalt Achim Schlott-Kotschote kündigte an, vor das
Bundesverfassungsgericht (BVG) in Karlsruhe zu ziehen. Er wolle
zunächst einen Eilantrag stellen, damit es bis zur Entscheidung der
Verfassungsrichter nicht zu einer Auslieferung kommen könne. Der
Verteidiger begründete den Gang vor das BVG unter anderem damit,
dass die Festgenommenen völkerrechtswidrig nach Deutschland
gelockt worden seien.
Mit Blick auf die Festnahme der beiden Männer hatten Medien
berichtet, die CIA habe einen arabischstämmigen Spion auf die
Verdächtigen angesetzt. Dieser sei sowohl mit Mojad als auch mit
dem mutmaßlichen Terroristenführer Osama bin Laden auf die
gleiche Koranschule gegangen sein. Nur aus diesem Grund habe der
später festgenommene Scheich einem Geschäft zugestimmt, wonach
er 25 Millionen Dollar von dem vermeintlichen US-Unternehmer erhalten
sollte, um damit Anschläge von Terroristen zu finanzieren. Auch
Mojad selbst hatte der jemenitischen Wochenzeitung "26. September"
gesagt, er sei von einem Landsmann unter einem Vorwand nach Deutschland
gelockt worden.
(Quelle: afp)
Blutige
Kämpfe in Liberia kosten mehr als 90 Menschen das Leben
Di.22.07.03 - Bei
blutigen Kämpfen in der liberianischen Hauptstadt Monrovia sind am
Montag mehr als 90 Menschen getötet und mindestens 360 verletzt
worden. In mehreren Teilen der Stadt schlugen Mörsergranaten ein.
Auch die schwer gesicherte US-Botschaft geriet unter
Mörserbeschuss. US-Präsident George W. Bush
äußerte sich besorgt über die Lage in dem
westafrikanischen Land und erklärte, er habe ein weiteres
Truppenkontingent nach Monrovia entsandt.
Auf einem gegenüber der US-Botschaft liegenden Wohngelände
von Diplomaten, auf dem rund 10.000 Liberianer Zuflucht gesucht hatten,
schlugen Geschosse ein. Dort kamen nach Angaben von Rettungskräften
25 Menschen ums Leben. Mörsergranaten landeten auch in der
Nähe größten Krankenhauses der Stadt. Berichte
über Opfer lagen zunächst nicht vor.
Aus dem US-Botschaftsgebäude wurden Zivilpersonen in Sicherheit
gebracht. Dabei handelte es sich um einige Journalisten sowie
Mitarbeiter internationaler Hilfsorganisationen, die sich auf das
Gelände geflüchtet hatten.
Bush erklärte, die US-Regierung beobachte die Lage in Liberia
weiter sehr genau. Über die mögliche Stärke einer
international geforderten US-Friedenstruppe für Liberia machte er
jedoch nach wie vor keine Angaben. Der US-Präsident hat wiederholt
eine US-Unterstützung für die von mehren westafrikanischen
Ländern in Aussicht gestellten 1.500 Friedenssoldaten zugesagt. Er
macht dies aber davon abhängig, dass der liberianische Staatschef
Charles Taylor ins Exil geht. Dieser erklärte jedoch, er werde erst
dann nach Nigeria gehen, wenn eine Eingreiftruppe aus dem Ausland
eingetroffen sei.
Zum Schutz der US-Botschaft waren erst am Montag 41 Marineinfanteristen
in Monrovia eingetroffen. Angesichts der anhaltenden Kämpfe
zwischen Regierungstruppen und den Rebellen der Vereinten Liberianer
für Versöhnung und Demokratie (LURD) äußerten
Bewohner der Stadt aber heftige Kritik: Es reiche nicht, lediglich
US-Besitz zu schützen, vielmehr müsse eine ausreichend starke
Bodentruppe der Bevölkerung Sicherheit bringen.
Angesichts der immer lauter werdenden Forderung nach US-Soldaten zur
Sicherung der Lage in Monrovia hat Washington rund 4.500
Marineangehörige und Marineinfanteristen in Alarmbereitschaft
versetzt. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ordnete nach Angaben aus
dem Pentagon am Wochenende die Entsendung des Flottenverband um die
"USS Iwo Jima" vom Horn von Afrika Richtung Mittelmeer an, von wo aus
die Schiffe in rund einer Woche in Liberia einlaufen könnten. Die
Soldaten sollten im Mittelmeer weitere Befehle abwarten und könnten
in Liberia bei Evakuierungs- oder Friedensmissionen zum Einsatz kommen.
Das US-Außenministerium rief alle Beteiligten zu einem sofortigen
Waffenstillstand auf. Die Konfliktparteien müssten sich auf die in
Ghana andauernden Friedensverhandlungen konzentrieren, sagte der
stellvertretende US-Außenamtssprecher Philip Reeker am Sonntag.
Auch der ehemalige nigerianische Militärmachthaber Abdulsalami
Abubakar, der die Friedensgespräche leitet, rief zu einem Ende der
Kämpfe auf. Ziel der Verhandlungen ist die Bildung einer
Übergangsregierung.
(Quelle: ap)
Deutschland:
Geplante Gesundheitsreform bringt tiefe Einschnitte +++
Milliarden-Belastungen für Patienten +++
Di.22.07.03 - Mit
Milliarden-Belastungen für Patienten wollen Regierung und
Opposition die Finanzkrise im Gesundheitswesen bewältigen. Nach
zweiwöchigen Verhandlungen einigten sich die Unterhändler der
vier Bundestagsfraktionen am Montag auf ein Reformkonzept, nach dem die
Versicherten für alle Leistungen bis zu zehn Euro dazu zahlen
müssen. Der Zahnersatz soll aus der gesetzlichen Krankenkasse
ausgegliedert werden. Die Spitzengremien der Parteien billigten den
Kompromiss, bis Ende September soll das Gesetzgebungsverfahren
abgeschlossen sein.
Bundeskanzler Gerhard Schröder sprach von einem sorgsam
ausgewogenen Verhandlungsergebnis. Ähnlich äußerte sich
CSU-Chef Edmund Stoiber: "Wir haben die soziale Balance gehalten". Die
CDU-Vorsitzende Angela Merkel betonte, der Kompromiss trage "ganz
wesentlich die Handschrift der Union".
Die Grünen nannten das Vorhaben "notwendig und alternativlos".
Allein die FDP zeigte sich enttäuscht und behielt sich eine
endgültige Zustimmung vor. Krankenkassen und Verbände
reagierten skeptisch bis ablehnend.
In der abschließenden Verhandlungsrunde hatten sich die
Unterhändler am frühen Montagmorgen nach 13 Stunden auf das
Reformkonzept verständigt. Ziel ist es, rund 20 Milliarden Euro
einzusparen und so den Beitragssatz von derzeit durchschnittlich 14,3
auf rund 13 Prozent zu senken.
Dafür sollen die Versicherten unter anderem bis zu einer
Höchstgrenze für alle Leistungen fünf bis zehn Euro
zuzahlen. Zehn Euro werden für den Arzt- und Zahnarztbesuch sowie
für jeden Tag Krankenhausaufenthalt fällig. Der Zahnersatz
fällt ab 2005 aus den Kassenleistungen heraus; eine
zusätzliche Pflichtversicherung kann privat oder bei der Kasse
abgeschlossen werden. Die Absicherung des Krankengelds trägt der
Arbeitnehmer ab 2007 allein. Rezeptfreie Medikamente zahlt die Kasse
nicht mehr, patentgeschützte Scheininnovationen erhalten
Festbeträge. Der Versandhandel mit Medikamenten wird erlaubt.
(Quelle: ap)
«Die Eckpunkte des Gesundheits-Kompromisses»
Di.22.07.03
- Nach langwierigen Verhandlungen haben sich Regierungskoalition und
Union am Montag auf Eckpunkte einer gemeinsam getragenen
Gesundheitsreform verständigt. Bis 2006 soll durch die Reform der
durchschnittliche Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung auf
13 von derzeit 14,4 Prozent sinken. Hier die Kernelemente der Regelung,
die zum 1. Januar 2004 in Kraft treten soll:
ZUZAHLUNGEN: Für Arztbesuche sollen künftig zehn Euro pro
Quartal fällig werden, wenn die Patienten zunächst den
Hausarzt aufsuchen. Wird direkt ein Facharzt konsultiert, sind bei jedem
Arztbesuch zehn Euro fällig. Insgesamt soll bei medizinischen
Leistungen flächendeckend eine Zuzahlung in Höhe von zehn
Prozent anfallen, die aber bei zehn Euro gedeckelt wird. Bei
Klinikaufenthalten sollen pro Tag zehn Euro berechnet werden -
allerdings für maximal 28 Tage Krankenhausaufenthalt. Die
Zuzahlungen sollen zwei Prozent des Bruttogehaltes des Versicherten
nicht überschreiten (Chroniker: ein Prozent). Kinder und
Jugendliche werden von den Zuzahlungen befreit. Insgesamt belaufen sich
die Kosten für die Zuzahlungen für die Versicherten auf 3,3
Milliarden Euro pro Jahr.
ZAHNERSATZ UND KRANKENGELD: Für Krankengeld und Zahnersatz
müssen die Patienten künftig selbst aufkommen. Der Zahnersatz
soll ab 2005 entweder innerhalb der gesetzlichen Kasse von dem
Versicherten allein bezahlt werden, oder der Versicherte kann eine
Police bei den Privatkassen wählen. Für die Versicherten
bedeutet dies Mehrkosten von rund 1,75 Milliarden Euro. Das Krankengeld
soll ab dem Jahr 2007 durch einen Sonderbeitrag der Versicherten bezahlt
werden.
MEDIKAMENTE: Die von der Regierung geplante Positivliste für
Medikamente fällt. Dafür werden neue, aber wenig nutzbringende
patentgeschützte Medikamente in die Festpreisbindung einbezogen.
Zusammen mit einer vorübergehenden Erhöhung der
Herstellerrabatte soll so eine Milliarde Euro im Jahr eingespart werden.
Nicht verschreibungspflichtige Medikamente werden aus dem
Leistungskatalog der Krankenkassen gestrichen. Für diese
Medikamentengruppe wird zudem die Preisbildung frei gegeben.
APOTHEKEN UND INTERNET-HANDEL: Das Mehrbesitzverbot für Apotheken
wird in begrenztem Umfang aufgehoben. Künftig darf ein Besitzer
einer Apotheke drei Nebenstellen unterhalten. Der Versandhandel für
Medikamente wird im Grundsatz frei gegeben.
VERSICHERUNGSFREMDE LEISTUNGEN: Versicherungsfremde Leistungen wie das
Mutterschaftsgeld sollen künftig über Steuern und nicht
über Beiträge der Versicherten bezahlt werden. Dazu hat die
Union eingewilligt, die Tabaksteuer 2004 und 2005 in drei Stufen um
insgesamt einen Euro pro Zigarettenschachtel zu erhöhen.
STRUKTURREFORMEN: Bei den Strukturreformen im Gesundheitswesen hat die
Koalition erhebliche Zugeständnisse an die Union gemacht. So soll
das geplante Zentrum für Qualität in der Medizin nicht als
unabhängige Organisation gegründet werden, sondern unter das
Dach der Selbstverwaltung von Kassen und Ärzten kommen. Es bleibt
aber dabei, dass das Zentrum Kosten-Nutzen-Analysen für Medikamente
erstellen sowie Therapieleitlinien für die großen
Volkskrankheiten entwickeln soll.
Das Vertragsmonopol der Kassenärztlichen Vereinigungen wird nicht
so stark aufgebrochen wie von der Bundesregierung geplant.
Ursprünglich wollte Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD), dass alle
neuen Fachärzte Einzelverträge mit den Krankenkassen
abschließen müssen. Der Kompromiss sieht nun vor, dass dies
nur in einer speziellen Kooperationsform zwischen Ärzten und
Kliniken geschehen kann - der so genannten integrierten Versorgung.
Durch die Strukturreform sollen im nächsten Jahr 1,5 Milliarden
Euro und bis 2007 drei Milliarden Euro gespart werden.
VERSORGUNGSBEZÜGE DER RENTER: Künftig müssen Rentner
mehr in die Krankenkassen einbezahlen. Wenn sie Betriebsrenten erhalten
oder über Nebeneinkünfte verfügen, müssen sie
für diese den vollen Krankenkassen-Beitragssatz und nicht wie
bisher den halben Satz bezahlen. So sollen die Kassen zusätzlich
1,6 Milliarden Euro pro Jahr einnehmen. Die Union hatte sich
ursprünglich gegen diese Regelung gewandt.
http://www.die-gesundheitsreform.de/
(Quelle:
rtr)
«Die Unabwendbarkeit neoliberaler Politik
- Es ist kein Geheimnis, dass die deutsche Regierung sich hervorragend
auf neoliberale Politik versteht, die im Sinne kurzfristiger
lobbyistischer Konzern-Interessen Sozialstaat, Gemeinden und Finanzen
ruiniert. Interessant und aufschlussreich ist hier, wie unkritisch,
anbiedernd und selbstgefällig die etablierten Medien von "der ARD
über RTL und N24, von der Bild, taz über die SZ bis zum
Spiegel" berichten. Was sie unterschlagen an Fakten und
Zusammenhängen, zeigt Telepolis anhand einiger konreter Beispiele.
Der Text ist sehr empfehlenswert: Die
beste Demokratie, die man für Geld haben kann», schreibt "ralphs"
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Widerstand in
der SPD gegen Gesundheits-Kompromiss
Di.22.07.03 - Die
Einigung zwischen Bundesregierung und Opposition auf ein Konzept zur
Gesundheitsreform stößt in der SPD auf Kritik. Der
Sozialpolitiker Ottmar Schreiner sagte der "Berliner Zeitung": "Aus
meiner Sicht sind diese Pläne nicht akzeptabel." Schon die
Privatisierung des Krankengeldes sei ökonomisch ein Fehler, weil
dadurch der Wirtschaft Kaufkraft entzogen werde. Müssten die
Arbeitnehmer nun auch alle Kosten für die Versicherung des
Zahnersatzes tragen, potenziere sich der Schaden.
Juso-Chef Niels Annen kritisierte, dass es nicht gelungen sei, zu
einschneidenden Strukturreformen zu kommen. Die SPD hätte in den
Verhandlungen nicht auf die Positivliste für Arzneimittel
verzichten dürfen, sagte Annen dem Blatt zufolge. Außerdem
sei es falsch, das Monopol der Kassenärztlichen Vereinigung
fortbestehen zu lassen. "Eine Partei wie die SPD wird diese Reform
schwer ertragen", warnte der Juso-Vorsitzende.
In der "Rheinischen Post" wandte sich Annen vor allem dagegen, dass die
Versicherung des Zahnersatzes nur auf die Arbeitnehmer abgewälzt
werde. Damit würden Befürchtungen wahr, dass "dies das
Einfallstor wird, um die paritätische Finanzierung der Arbeitgeber
Stück für Stück zu knacken und die Arbeitnehmer einseitig
zu belasten". Gegenüber der Pharmaindustrie und den Ärzten
habe man sich dagegen gedrückt.
Unter Berufung auf SPD-Kreise berichtete die "Berliner Zeitung", auch
Bundesfinanzminister Hans Eichel habe bei einer Sitzung des
SPD-Präsidiums am Montag erhebliche Bedenken gegen das
Reformkonzept geäußert. Er habe bezweifelt, dass sich mit
diesen Maßnahmen tatsächlich die geplanten Einsparungen
erzielen ließen. Die Strukturmaßnahmen zur Verstärkung
des Wettbewerbs im Gesundheitswesen gingen nicht weit genug. Eichel sei
über das Ergebnis der wochenlangen Konsensgespräche von
Regierung und Opposition "höchst verärgert", zitierte das
Blatt aus den SPD-Kreisen.
(Quelle: ap)
Bundesanstalt
für Arbeit zweifelt Erfolgsmeldung zu Minijobs an
Di.22.07.03 - Die
Bundesanstalt für Arbeit (BA) hat eine Erfolgsmeldung von
Bundessozialministerin Ulla Schmidt (SPD) über 930.000 neue
Minijobs angezweifelt.
Es seien "zwar einige hunderttausend Minijobs entstanden, aber viele
haben bereits vorher existiert", sagte Stephan Hauke von der BA der
"Financial Times Deutschland" (Montagausgabe). Hauke ist dem Bericht
zufolge für Erwerbsstatistiken zuständig. Viele der von
Schmidt als zusätzliche Jobs deklarierten Stellen seien nur
legalisiert worden und keine neuen Jobs, sagte Hauke. Daher habe die BA
der Sozialministerin davon abgeraten, die Zahlen zu veröffentlichen.
Schmidt hatte vergangenen Freitag gesagt, durch die Hartz-Reform seien
auf dem deutschen Arbeitsmarkt 930.000 neue Minijobs entstanden. Diese
Zahlen hätten die Erwartungen der Bundesregierung bei weitem
übertroffen, weil man ursprünglich mit 300.000 neuen Jobs
gerechnet habe, hatte Schmidt gesagt.
Die Hartz-Reform mit den Minijobs ist am 1. April 2003 in Kraft
getreten. Mit der Neuregelung fallen bis zu einer Einkommenshöhe
von 400 Euro für Arbeitnehmer keine Steuern oder Sozialabgaben an.
Der Arbeitgeber zahlt eine Pauschale von 25 Prozent. In einer Gleitzone
von 400 bis 800 Euro zahlt der Arbeitgeber die üblichen
Sozialbeiträge, während sie für den Arbeitnehmer langsam
ansteigen.
(Quelle: rtr)
Peters hat
Machtkampf in der IG Metall für sich entschieden
Di.22.07.03 - Der
umstrittene IG-Metall-Vize Jürgen Peters hat den erbitterten
Machtkampf um die künftige Gewerkschaftsführung für sich
entschieden: Nach zehn Jahren im Amt erklärte IG-Metall-Chef Klaus
Zwickel am Montag unter massiven Vorwürfen gegen Peters seinen
sofortigen Rücktritt. Zugleich wurde bekannt, dass der jetzige
Zweite Vorsitzende trotz der Kritik an ihm wegen der Streikniederlage im
Osten gemeinsam mit dem baden-württembergischen Bezirkschef
Berthold Huber für die IG-Metall-Spitze kandidieren will.
Zwickel sagte in Frankfurt am Main, mit seinem Rücktritt
übernehme er «ausdrücklich nicht» die alleinige
Verantwortung für den verlorenen Streik. Er gab Peters sowie dem
Berliner Bezirksleiter Hasso Düvel die Hauptverantwortung für
den verlorenen Arbeitskampf und für das Führungschaos. Die
beiden Funktionäre hätten «zu keinem Zeitpunkt die
geringste Bereitschaft gezeigt, persönliche Konsequenzen» zu
ziehen. Peters wird laut Satzung Zwickels Geschäfte vorerst
weiterführen.
Zwickel bestätigte, dass den Delegierten bei der auf Ende August
vorgezogenen Vorstandswahl nun doch wieder die Tandemlösung mit dem
als Traditionalisten geltenden Peters als neuem Vorsitzenden und dem
Reformer Huber als neuem Stellvertreter vorgeschlagen werden solle.
Diese Lösung hatte der Vorstand bereits im April beschlossen.
Peters sagte lediglich, er habe sich mit Huber auf einen gemeinsamen
Personalvorschlag verständigt. "Unsere Gespräche und unser
Vorschlag sind von dem gemeinsamen Willen getragen, die Spannungen aus
der Organisation zu nehmen", sagte der Gewerkschaftsvize. Er bedauerte
Zwickels Rückzug, wies aber alle Vorwürfe erneut zurück.
Auch Huber bestätigte die Gespräche mit Peters und bedauerte
Zwickels Rückzug.
Zwickel dagegen kritisierte die Lösung und sagte, nach den
Diskussionen der letzten Tagen trage er sie nicht mehr mit: "Mit diesem
Salto mortale werden viele Mitglieder und Funktionäre, viele
Vertrauensleute und Betriebsräte nicht einverstanden sein."
Aus Gewerkschaftskreisen verlautete, es gebe Absprachen zwischen Peters
und Huber, die Alleingänge unmöglich machen sollten. Der
Kompromiss sieht demnach vor, dass Peters Erster und Huber Zweiter
Vorsitzender mit Zuständigkeit für die Tarifpolitik werden
soll.
Zwickel sagte, er habe vergangene Woche intensive Gespräche
geführt, um einen glaubwürdigen Neuanfang zu ermöglichen.
Dies sei aber nicht möglich gewesen, deshalb habe er sich am
Wochenende zum Rücktritt entschlossen. Der 64-Jährige, der
seit 1993 der IG Metall vorstand, wollte sein Amt ursprünglich auf
einem Gewerkschaftstag im Oktober aus Altersgründen abgeben.
In den Bezirken stieß die geplante Lösung auf ein geteiltes
Echo: Während der IG-Metall-Bezirksleiter für Niedersachsen
und Sachsen-Anhalt, Hartmut Meine, nun eine Chance zur Einigung der
Gewerkschaft sieht, sagte Porsche-Gesamtbetriebsratschef Uwe Hück
der AP, er halte die Lösung für nicht richtig.
Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser bedauerte Zwickels
Rücktritt, drückte aber zugleich seine Hoffnung auf einen
unbelasteten Neubeginn aus. FDP-Chef Guido Westerwelle kritisierte die
voraussichtliche Kandidatur Peters' scharf. Einen raschen Neuanfang
forderten die Grünen-Politikerinnen Katrin Göring-Eckardt und
Thea Dückert.
(Quelle: ap)
Bundesbank
sieht keine Besserung der deutschen Konjunktur
Di.22.07.03 - Die
deutsche Wirtschaft steckt nach Einschätzung der Deutschen
Bundesbank noch immer in einer Stagnation.
Nach bisher vorliegenden Daten habe sich die gesamtwirtschaftliche
Produktion im zweiten Quartal noch nicht von der stagnativen
Grundtendenz lösen können, heißt es in dem am Montag
veröffentlichten Bundesbank-Monatsbericht Juli. "Ein Abgleiten in
eine stärkere negative Entwicklung erscheint aber wenig
wahrscheinlich." Bundesbankpräsident Ernst Welteke sprach
unterdessen von günstigen Ausgangsbedingungen für eine
konjunkturelle Erholung im kommenden Jahr. Die Europäische
Zentralbank (EZB) habe den Leitzins auf ein historisch niedriges Niveau
gesenkt und derzeit keinen Handlungsbedarf, dämpfte er
Spekulationen über eine baldige weitere geldpolitische Lockerung.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) habe von April bis Juni vermutlich kaum
über dem Vorjahresniveau gelegen, heißt es im Monatsbericht
weiter. "Eine Besserung in der nächsten Zeit zeichnet sich bisher
nicht ab." Welteke zufolge gibt es inzwischen Anzeichen einer
konjunkturellen Belebung. Die Bedingungen für ein stärkeres
Wachstum in Deutschland und der Euro-Zone 2004 seien gegeben. "Aber man
kann sicher noch nicht sagen, dass der Turnaround, also ein Aufschwung,
geschafft ist", sagte er "Bloomberg TV". In einem Gespräch mit
"Deutsche Welle TV" äußerte Welteke die Erwartung, das
Wachstum im zweiten Halbjahr werde besser ausfallen als im ersten. Von
Januar bis März war das BIP zum Vorquartal um 0,2 Prozent
geschrumpft.
Die BIP-Daten zum zweiten Quartal veröffentlicht das Statistische
Bundesamt am 14. August. Auch viele Bankvolkswirte rechnen nach dem
unerwartet starken Rückgang von Produktion und Auftragseingang in
der Industrie im Mai nur mit einem Wachstum nahe der Stagnation im
zweiten Quartal. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung
sagte für das zweite Quartal sogar ein Minus von 0,1 Prozent zum
Vorquartal voraus und geht auch für das Gesamtjahr von einer
sinkenden Wirtschaftsleistung aus.
Bei der jüngsten Reuters-Quartalsumfrage prognostizierten 25
befragte Analysten einen geringfügigen BIP-Anstieg von 0,1 Prozent
für das Gesamtjahr 2003 und eine konjunkturelle Beschleunigung mit
1,4 Prozent Wachstum 2004. Die Bundesregierung hält noch immer an
ihrer weitaus optimistischeren Vorhersage von 0,75 Prozent Wachstum in
diesem und zwei Prozent im kommenden Jahr fest. Angesichts geringen
Wachstums und steigender Staatsverschuldung droht Deutschland sowohl in
diesem als auch im kommenden Jahr die Defizit-Grenze von drei Prozent
erneut zu überschreiten. Die marktmäßige Neuverschuldung
des Bundes habe im ersten Halbjahr 24,4 Milliarden Euro betragen und
den Wert des Vorjahreszeitraums um mehr als die Hälfte
übertroffen, heißt es im Monatsbericht.
Bundesbank-Chef Welteke begrüßte "Deutsche Welle TV" zufolge
ein Vorziehen der Steuerreform, warnte jedoch: "Für das kommende
Jahr kommt es entscheidend darauf an, dass das Maastricht-Kriterium
(...) eingehalten werden kann. Denn sonst würde das wieder einen
Vertrauensverlust nach sich ziehen."
(Quelle: rtr)
Chaos
Communication Camp in Berlin
Der Chaos
Computer Club (CCC) lädt vom 7. bis 10. August zum zweiten Mal zu
einem "Chaos Communication Camp" [http://www.ccc.de/camp/] ein. Die viertägige
Veranstaltung, zu der rund 2.000 Menschen aus aller Welt erwartet
werden, versteht sich als offenes Forum für Hacker, Computer- und
Technikfreaks und will "alles" bieten, "was das Hackerherz auf der
Wiese begehrt" - von Stromversorgung und Internet-Verbindung über
"Gehirnfutter in Form von Vorträgen" bis hin zu Getränken und
dem Badesee vor der Tür.
Die Veranstaltung findet auf dem Paulshof in Altlandsberg statt, etwa
30 Kilometer östlich von Berlin. Geplant sind Diskussionen
über technische Fragen, aber auch über die gesellschaftlichen
Folgen, Nebenwirkungen und Tücken aktueller Entwicklungen.
Konferenzsprache ist Englisch.
(Quelle: ap)
Rekordzahl von
Bewerbungen für Preise der Ars Electronica
Di.22.07.03 - Zur
diesjährigen Ars Electronica in Linz gibt es eine Rekordzahl von
Bewerbern für die Cyberkunstpreise des Festivals. Bis zum Ende der
Frist wurden 2.714 Beiträge aus 85 Ländern eingereicht, wie
die Veranstalter mitteilten. Zu vergeben sind sechs «Goldene
Nicas» und 18 Geldpreise.
Das Festival vom 6. bis 11. September steht unter dem Motto «CODE
- The Language of Our Time» [http://www.aec.at/code/]. Die Vorträge und
Symposien beschäftigen sich mit Fragen wie: Ist Kunst
programmierbar? Kann Software Kunst sein? Wie stark ist die Macht der
Software-Monopole?
(Quelle: ap)
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