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+++ Do.24.07.03,
12:45 Nachrichten-Archiv Aktuelle
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Irak am hundertsiebenundzwanzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Trotz toter
Saddam-Söhne weiter Attacken gegen Soldaten +++ Drei US-Soldaten
in Nordirak getötet +++ Stellvertretender
US-Verteidigungsminister Wolfowitz: USA haben Risiko von Angriffen in
Irak unterschätzt +++ USA wollen Fotos von getöteten
Saddam-Söhnen veröffentlichen +++ Deutsches Rotes Kreuz:
«Chaotische» Situation in Nachkriegs-Irak +++
Däubler-Gmelin erneuert Kritik an US-Präsident Bush +++ BP
und Shell kaufen jeweils zehn Millionen Barrel irakisches Öl +++
Do.24.07.03 -
Auch nach dem Tod der beiden Söhne Saddam Husseins sind am
Mittwoch die systematischen Attacken gegen US-Besatzungssoldaten im Irak
weiter gegangen. In Nordirak sind bei einem Angriff drei US-Soldaten
getötet worden. Die Soldaten der 101. Luftlandedivision seien am
Donerstagmorgen mit Panzerabwehrraketen angegriffen worden, sagte
US-Militärsprecher Todd Pruden in Bagdad. Nähere Angaben zum
genauen Ort und Zeitpunkt des Angriffs machte er zunächst nicht.
Im nordirakischen Mossul hatten US-Soldaten am Dienstag die beiden
Söhne von Saddam Hussein, Udai und Kusai, bei einer
Militäraktion getötet.
Die USA haben nach den Worten des stellvertretenden
Verteidigungsministers Paul Wolfowitz im Irak das Risiko anhaltender
Angriffe auf US-Soldaten durch Anhänger der gestürzten
Führung unterschätzt.
Der jüngst aus dem Irak zurückgekehrte Wolfowitz wies am
Mittwoch auf einer Pressekonferenz im Pentagon jedoch zugleich
Vorwürfe zurück, die USA seien auf die Lage im Irak in Folge
des Krieges und auf Fragen des Wiederaufbaus nicht vorbereitet gewesen.
"Es gab eine Menge Gerede darüber, dass es keinen Plan gegeben
habe. Es gab einen Plan", sagte Wolfowitz. Aber wie ihnen jeder
Militäroffizier sagen kann, überlebt kein Plan den Kontakt mit
der Wirklichkeit", fügte er hinzu. Es sei daher unvermeidlich
gewesen, dass einige Annahmen sich als falsch erwiesen hätten.
Einige Bedingungen, insbesondere im Sicherheitsbereich, seien
schlechter als erwartet. So sei es vor dem Krieg schwer vorstellbar
gewesen, dass "die kriminelle Bande von Sadisten und Verbrechern, die
den Irak 35 Jahre regiert hat, weiter kämpfen wird - Kämpfe,
die manchmal als Guerilla-Krieg bezeichnet werden", sagte Wolfowitz.
Neben einer Verbesserung der Sicherheitslage gebe es im Irak drei
große Herausforderungen, sagte Wolfowitz: die Wiederherstellung
der Stromversorgung, den Abbau der Arbeitslosigkeit und eine
Verringerung "der Dominanz der örtlichen Medien durch feindliche
Quellen". Er nannte in diesem Zusammenhang die arabischsprachigen
Nachrichtensender El Dschasira und El Arabija sowie "einige andere nicht
hilfreiche ausländische Sender".
Den US-Streitkräften gelang inzwischen ein weiterer Schlag gegen
die wichtigsten Führungspersönlichkeiten des Saddam-Regimes.
Der frühere Kommandeur der Speziellen Republikanischen Garden,
Barsan Abd Ghafur Suleiman el Tikriti, wurde gefasst. Das teilte der
Oberbefehlshaber der US-Truppen im Irak, General Ricardo Sanchez, am
Mittwoch in Bagdad mit. US-Präsident George W. Bush und Briten-
Premier Tony Blair hatten sich zuvor erfreut über den Tod der
Saddam- Söhne gezeigt.
Gleichzeitig tauchte am Mittwoch eine neue angebliche Botschaft des
ehemaligen irakischen Diktators auf. Der arabische Sender El Arabia
sendete ein Tonband, wo eine Saddam zugeschriebene Stimme die Mitglieder
der ehemaligen irakischen Armee und der Republikanischen Garden zum
verstärkten Widerstand gegen die Besatzer aufrief. Außerdem
wurde der Wiederaufbau der Baath-Partei gefordert. Das Band wurde nach
Angaben des Senders am Sonntag aufgenommen. Saddams Aufenthaltsort ist
unbekannt.
Die Identität der in Mosul von US-Streitkräften
getöteten Saddam-Söhne Udai und Kusai steht nach Ansicht von
General Sanchez eindeutig fest. "Eine Autopsie folgt noch, doch wir
haben keine Zweifel, dass wir die Leichen von Udai und Kusai haben",
sagte Sanchez auf einer Pressekonferenz in Bagdad. "Die Identifizierung
erfolgte auf mehreren Wegen." Vier frühere Regime-
Größen, die sich in US-Gewahrsam befinden, darunter Saddams
früherer Privatsekretär Abid Hamid el Tikriti, hätten die
Identität unabhängig voneinander bestätigt.
Außerdem hätten Gebiss-Analysen bei Kusai eine
Übereinstimmung von 100, bei Udai von 90 Prozent ergeben.
Sanchez erläuterte außerdem den Hergang der Operation am
Dienstag. Demnach hätten sich Udai, Kusai und zwei weitere Personen
im Obergeschoss des gestürmten Hauses verschanzt. Auf die
Aufforderung, sich zu stellen, hätten sie nicht reagiert. Den
Versuch der US- Truppen, zum Obergeschoss vorzudringen, beantworteten
sie mit Feuer aus Kleinfeuerwaffen. Der Widerstand wurde
schließlich durch Raketenbeschuss gebrochen. Bei der Aktion wurden
vier US-Soldaten verwundet.
Der irakische Informant, der den Aufenthaltsort verraten hatte,
erhält von den Amerikanern Personenschutz und 30 Millionen Dollar
Belohnung. Das berichtete der Nachrichtensender CNN am Mittwoch unter
Berufung auf einen hohen US-Offizier. Auf den Kopf des Ex-Diktators
selbst ist eine Belohnung von 25 Millionen Dollar ausgesetzt.
Die USA wollen Fotos der Leichen der Söhne des gestürzten
irakischen Präsidenten Saddam Hussein veröffentlichen, um
Zweifel der Iraker am Tod der beiden zu zerstreuen.
"Es werden Fotos veröffentlicht", sagte am Mittwoch
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Dies werde bald geschehen,
fügte er hinzu, nannte jedoch keinen Zeitpunkt. Ein US-Vertreter
sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er habe Aufnahmen der am Dienstag
von US-Soldaten getöteten Udai und Kusai Hussein gesehen, auf denen
diese trotz Verletzungen zu erkennen seien. Die Fotos seien recht
grausam, fügte er hinzu. Viele Iraker, die jahrzehntelang die
Propaganda des gestürzten Systems gewöhnt waren, sind nicht
überzeugt davon, dass die alte Führung nicht wieder an die
Macht kommt. Sie fordern daher stärkere Beweise dafür, dass
Udai und Kusai tot sind.
"Wir werden letztlich sicherstellen, dass das irakische Volk uns
glaubt", sagte der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul
Wolfowitz auf einer Pressekonferenz. Er äußerte die Hoffnung,
dass Beweise für den Tod der Saddam-Söhne zu einer
Verbesserung der Sicherheitslage im Irak führen könnte. Die
US-Soldaten im Irak werden beinahe täglich angegriffen, Dutzende
wurden dabei getötet. Die USA haben für die Anschläge
Anhänger Saddams verantwortlich gemacht. Jedoch haben sich auch
Gruppen zu Anschlägen bekannt, die sich von Saddam distanzieren.
Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz hat das
gewaltsame Vorgehen der US-Armee gegen die beiden Söhne des
entmachteten irakischen Diktators Saddam Hussein verteidigt. "Bei
solchen Operationen sind Tempo und Geheimhaltung der Schlüssel zum
Erfolg", sagte Wolfowitz am Mittwoch vor Journalisten in Washington. Der
Pentagon-Vize war zuvor gefragt worden, warum die US-Armee bei ihrer
Aktion in Mossul schwere Waffen einsetzte, statt das Haus zu umzingeln
und die darin verschanzten Söhne Saddam Husseins, Udai und Kusai,
lebend zu fassen.
Bush lobte die US-Armee für den Schlag gegen die
Saddam-Söhne. "Über Jahre sind diesen beiden für zahllose
Gräueltaten gegen das irakische Volk verantwortlich gewesen. Sie
können keinen Schatten des Hasses mehr auf den Irak werfen", sagte
der Präsident. Gleichzeitig forderte er die internationale
Gemeinschaft erneut auf, sich militärisch und finanziell an der
Stabilisierung des Landes zu beteiligen.
Blair verwies darauf, dass die beiden für die Ermordung und
Folterung von Tausenden von Menschen verantwortlich seien. Die deutsche
Regierung drückte ihre Hoffnung auf Verbesserung von Sicherheit und
Stabilität im Irak aus. Berlin habe stets die Brutalität des
Regimes in scharfer Form verurteilt, sagte der Sprecher des
Auswärtigen Amts, Walter Lindner. Die Saddam-Söhne seien Teil
des Regimes gewesen.
Die Regierung in Paris sagte, "eine neue Seite" werde aufgeschlagen.
Der Tod von Udai und Kusai werde «hoffentlich zur Rückkehr
von Stabilität im Irak beitragen". Dagegen warnte der Vorsitzende
des außenpolitischen Ausschusses im russischen
Föderationsrat, Michail Margelow, vor neuen Opfern unter den
Koalitionstruppen und unter der Zivilbevölkerung im Irak. In Bagdad
wurden Freudenschüsse abgefeuert, als sich am Dienstag die
Nachricht aus Mosul verbreitet hatte.
Die internationale Menschenrechtsorganisation Amnesty International
(AI) hat erneut Foltervorwürfe gegen die Besatzungstruppen im Irak
erhoben. Sie waren in einem am Mittwoch in London veröffentlichten
Memorandum an den US-Zivilverwalter im Irak, Paul Bremer, im Detail
aufgelistet. "Das irakische Volk hat lange genug gelitten, und es ist
eine Schande, von Menschen zu hören, die unter unmenschlichen
Bedingungen gefangen gehalten werden", sagte Mahmoud Ben Romdhane, Chef
der AI-Delegation im Irak. AI habe Berichte über Misshandlungen wie
systematischer Schlafentzug oder erzwungenes stundenlanges Ausharren in
qualvollen Positionen seitens der Koalitionstruppen erhalten.
Trotz der unsicheren Lage in Irak richtet sich das Rote Kreuz auf eine
jahrelange Wiederaufbauhilfe dort ein. Nach einem viertägigen
Besuch in Irak als DRK-Botschafterin rief die Fernsehjournalistin
Maybrit Illner am Mittwoch in Berlin dazu auf, auch in den "chaotischen"
Nachkriegszeiten für die Hilfsorganisation zu spenden. Die
Situation nach vier Monaten sei erschreckend: Wasser- und
Stromversorgung seien noch immer nicht wiederhergestellt, es fehle an
Benzin und Medikamenten.
Bagdad werde "immer noch vom Chaos regiert", schilderte die
ZDF-Moderatorin ihre Eindrücke. Zwischen den hoch gerüsteten,
als Besatzer empfundenen alliierten Truppen und der vielfach bewaffneten
Bevölkerung herrsche eine angespannte, explosive und aggressive
Stimmung. Die Iraker seien voller Hoffnung darauf, dass sich die
Situation ihres Landes ändere, doch bestehe auch die Furcht vor
einer Rückkehr des Regimes von Saddam Hussein. Die Nachricht vom
Tod seiner Söhne habe den Menschen diese Sorge vielleicht etwas
genommen, fügte Illner hinzu.
Besorgnis bei der Hilfsorganisation löste der Angriff Unbekannter
auf ein Rot-Kreuz-Fahrzeug bei Hilla südlich von Bagdad aus, bei
dem am Dienstag ein aus Sri Lanka stammender Mitarbeiter des
Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) erschossen und sein
irakischer Fahrer verletzt wurde. Wie der Leiter der DRK-Auslandshilfe,
Jürgen Kronenberger, berichtete, wurde der Wagen an einem viel
befahrenen Straßenabzweig aus relativ kurzer Distanz beschossen.
Einzelheiten seien ihm noch nicht bekannt. Das IKRK sei bisher davon
überzeugt gewesen, relativ sicher zu sein und akzeptiert zu werden,
so dass seine Mitarbeiter ohne militärische Begleitung unterwegs
seien. Der Vorfall in Hilla werfe aber zumindest für diese Region
neue Fragen auf.
In der Stadt Hilla befindet sich ein Entbindungs- und
Kinderkrankenhaus, dessen Sanierung das DRK mit bis zu einer Million
Euro unterstützt. Weitere Hilfe aus Deutschland geht an eine
Kinder- und Geburtsklinik in Bagdad, zwei Rehabilitationszentren
für Minenopfer und ein Ausbildungsprogramm für
Krankenschwestern. Angesichts der Aufgaben seien die 3,6 Millionen Euro
Spenden, die das DRK für die Irak-Soforthilfe bekommen habe, ein
"immens geringer Betrag", sagte DRK-Sprecher Lübbo Roewer und bat
um weitere Spenden [http://www.drk.de/].
Hier gehe es nicht um ein bis drei Monate, sondern die Hilfsaktion
werde eher in Jahren gerechnet werden müssen. Insgesamt seien nach
vorläufigen Schätzungen des IKRK für die Soforthilfe 70
bis 90 Millionen Euro nötig, wobei noch nicht einmal alle
Schäden bekannt seien.
Die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin hat
angesichts immer neuer Opfer in Irak ihre Kritik an der Politik von
US-Präsident George W. Bush erneuert. Der Illustrierten "Bunte"
sagte sie laut Vorabbericht vom Mittwoch: "Es ist entsetzlich und zeigt,
wie falsch der Weg der US-Regierung war." Weite Teile der
Bush-Regierung setzten darauf, dass Amerika als Supermacht allein
handele und nicht in Zusammenarbeit mit der Völkergemeinschaft. Sie
sei als Völkerrechtlerin überzeugt, dass nur durch
internationales Recht, dem sich alle unterwerfen, Frieden und
Gerechtigkeit in der Welt möglich sei, sagte die SPD-Politikerin
demnach.
Däubler-Gmelin war nach der Bundestagswahl 2002 nicht mehr als
Justizministerin angetreten, nachdem sie Bush bei einer Diskussion mit
Gewerkschaftern in Zusammenhang mit Adolf Hitler gebracht hatte. Der
Vorfall hatte seinerzeit zu erheblichen Turbulenzen in den
deutsch-amerikanischen Beziehungen geführt.
Der britische Ölriese BP und der britisch-niederländische
Konzern Royal Dutch/Shell bekommen die ersten langfristigen
Verträge über irakische Öl-Lieferungen seit dem Krieg.
Beide Firmen bestätigten der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch in
London, dass sie jeweils zehn Millionen Barrel Rohöl von der
staatlichen irakischen Öl-Vertriebsgesellschaft SOMO kaufen
wollten. Bereits Anfang Juli hatten die beiden Konzerne Verträge
über den Kauf von jeweils zwei Millionen Barrel Öl von Irak
abgeschlossen. Dies waren die ersten Öl-Verkäufe
überhaupt seit der Wiederaufnahme der irakischen Ölproduktion
im Mai.
(Quelle: dpa, ap,
rtr, afp)
«Präsident Bush verkündet das Ende des
Regimes»
«Um
den Schwung auszunutzen, der möglicherweise von den getöteten
Söhnen Husseins ausgeht, hat US-Präsident Bush die Gunst der
Stunde genutzt, um den Irak-Krieg rechtfertigen und die Besatzung
wieder einmal als Erfolg darstellen zu können. Damit sei das Ende
des Regimes gekommen. Auch der gebeutelte Tony Blair versucht sich
über den Erfolg zu retten und preist den "großen Tag
für einen neuen Irak" an. Ob es allerdings wirklich der erhoffte
"Wendepunkt" ist, muss offen bleiben» (telepolis vom 24.07.03)
Mehr
unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/15288/1.html
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BBC hat
offenbar Tonband von Kelly-Interview
Do.24.07.03 - Die
britische Sendeanstalt BBC kann das Gespräch einer Redakteurin mit
dem tot aufgefundenen Waffenexperten David Kelly offenbar durch eine
Tonbandaufnahme belegen. Das aufgezeichnete Gespräch könne
als Beweis für einen umstrittenen BBC-Bericht dienen, wonach die
britische Regierung ihre Informationen zu irakischen
Massenvernichtungswaffen aufgebauscht hatte, berichtete die britische Tageszeitung "The Guardian".
Das Tonband soll Richter Brian Hutton übergeben werden, der mit
den Ermittlungen beauftragt ist. Der Sender will sich nicht zum Inhalt
der Aufzeichnung zu äußern.
Kelly hatte nach Angaben der BBC drei Redakteuren als Hauptinformant
gedient und deren Vorwurf gestützt, wonach London vorliegende
Geheimdienstinformationen "sexier" machte, um den Krieg gegen Irak zu
rechtfertigen. Die Wissenschaftsredakteurin Susan Watts hatte sich in
einem Beitrag auf den dabei nicht namentlich genannten Regierungsberater
bezogen und ihn mit den Worten zitiert, bestimmte Behauptungen der
Regierung von Premierminister Tony Blair in ihrem Irak-Dossier
stünden "in keinerlei Verhältnis" zu den Tatsachen.
Kelly zog damit eine Regierungsaussage in Zweifel, wonach Irak
innerhalb von 45 Minuten Massenvernichtungswaffen einsetzen könne.
London habe "verzweifelt" nach Informationen gesucht, um den Waffengang
untermauern zu können, zitierte die Redakteurin ihren Informanten:
"Die hier tauchte auf und sie wurde ergriffen und es ist
unglücklich, dass sie es wurde." Kelly war am Freitag mit
aufgeschnittenen Pulsadern aufgefunden worden, nachdem ein
Untersuchungsausschuss des Unterhauses ihn befragt und stark unter Druck
gesetzt hatte.
(Quelle: afp)
Viele Deutsche
vermuten US-Regierung als Urheber der Anschläge vom 11.September
Do.24.07.03 -
Fast jeder fünfte Deutsche (19 Prozent) vermutet die US-Regierung
als Urheber der Terroranschläge vom 11. September 2001. Das ergab
eine gestern veröffentlichte repräsentative Umfrage der
"Zeit".
Bei den Jüngeren ist die Zahl sogar noch höher: Fast jeder
dritte Deutsche unter 30 Jahren hält es für möglich, dass
die US-Regierung die Anschläge auf das World Trade Center und das
Pentagon selber in Auftrag gegeben hat. 78 Prozent der Befragten in
diesem Alter glauben auch, aus Fernseh- und Presseberichten nicht die
volle Wahrheit über die Attentate erfahren zu haben.
Deutliche Unterschiede zeigen sich zwischen Ost- und Westdeutschland.
Während in den alten Bundesländern nur 16 Prozent aller
Befragten an eine Verschwörung der Regierung George W. Bush
glauben, sind es in den neuen Bundesländern mit 29 Prozent fast
doppelt so viele. Die deutliche Mehrheit aller Deutschen (68 Prozent)
ist der Ansicht, über die wahren Details hinter den Anschlägen
nicht vollständig informiert zu sein. Befragt wurden gut 1.000
Bundesbürger.
(Quelle: dpa)
In
Erzdiözese Boston wurden seit 1940 über 1.000 Kinder
missbraucht
Do.24.07.03 -
Geistliche und andere Mitarbeiter der Erzdiözese Boston haben im
Laufe der vergangenen 60 Jahre vermutlich über 1.000 Kinder und
Jugendliche sexuell missbraucht. Zu diesem Schluss kommt der US-Staat
Massachusetts im Abschlussbericht einer eineinhalbjährigen
Untersuchung. Obwohl sich die Erzdiözese nach Meinung von
Justizminister Tom Reilly einer "institutionellen Akzeptanz des
Missbrauchs" schuldig gemacht hat, müssen die Verantwortlichen
keine Strafverfolgung befürchten. Dafür gebe es keine
gesetzliche Handhabe.
Zwar wurde nach Bekanntwerden des Skandals, der im vergangenen
September zum Rücktritt von Kardinal Bernard Law führte, ein
entsprechendes Gesetz erlassen. Es stellt «rücksichtslose
Gefährdung von Kindern» unter Strafe - Law hatte Priester,
denen Missbrauch vorgeworfen wurde, teilweise einfach in andere
Gemeinden versetzt. Für die Vergangenheit existiert jedoch kein
entsprechendes Gesetz, so dass eine Strafverfolgung unmöglich ist.
Die Erzdiözese muss sich dennoch vor Gericht verantworten, weil
Missbrauchsopfer über 500 Zivilklagen eingereicht haben.
(Quelle: ap)
USA rufen zu
entschlossenen Schritten im Nahost-Friedensprozess auf
Do.24.07.03 - Die
USA haben schon vor den bevorstehenden Nahostgesprächen in
Washington den politischen Druck auf Israel und die Palästinenser
erhöht. Wenige Tage vor den Besuchen der Ministerpräsidenten
Ariel Scharon und Mahmud Abbas sagte US-Außenminister Colin Powell
am Mittwoch in Washington: "Beide Seiten erkennen, dass es eine Chance
gibt, die nicht versäumt werden darf."
Die Palästinenser müssten mehr als bisher tun, um Gewaltakte
gegen Israel einzudämmen, forderte Powell. Die israelische
Regierung drängte er, ihren Beschluss zur Errichtung eines
Trennzauns zu den palästinensischen Gebieten zu überdenken.
Abbas trifft am Freitag im Weißen Haus mit US-Präsident
George W. Bush zusammen. Die Begegnung mit Scharon ist für Dienstag
nächster Woche geplant.
Vorbereitet wird dessen Besuch von Außenminister Silvan Schalom,
der am Mittwoch in Washington mit Powell zusammentraf. Außerdem
führte Schalom Gespräche mit Vizepräsident Dick Cheney
und mit Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice. Die positiven
Äußerungen von Abbas seien ermutigend, sagte Schalom. Aber
Ankündigungen und Erklärungen seien nicht genug. Die USA und
andere Staaten sollten die palästinensische Führung
auffordern, ihre Verpflichtungen aus dem internationalen Friedensplan zu
erfüllen - "die Infrastruktur terroristischer Organisationen zu
zerstören, ihre illegalen Waffen zu konfiszieren und die
Aufwiegelung zu beenden". Schalom zeigte sich dazu bereit, die
Ausmaße des geplanten Trennzaunes zu überdenken.
(Quelle: ap)
Israel und
Palästinenser peilen Energie-Kooperation an
Do.24.07.03 -
Israel und die Palästinenser peilen eine Zusammenarbeit bei
Energieprojekten an.
Eine entsprechende Absichtserklärung wurde am Mittwoch von den
Fachministern Israels und der Palästinenser, Joseph Paritzky und
Assam Schaua unter Vermittlung der Europäischen Union (EU) in
Brüssel unterzeichnet. Darin ist der Beginn von Experten-
Gesprächen unter anderem über eine gemeinsame Nutzung von Gas-
und Stromvorräten im Herbst vorgesehen.
Erst vor zwei Tagen hatte Israels Außenminister Silwan Schalom
den EU-Außenministern erklärt, Israel sei an einer
verstärkten Rolle der EU bei den Bemühungen um eine
Friedenslösung in Nahost interessiert.
Mittelfristig ist in der Vereinbarung ein
Energie-Infrastruktur-Entwicklungsprogramm vorgesehen, das sich auf die
Hilfe von internationalen Finanzinstituten wie der Europäischen
Investment Bank stützen könnte.
(Quelle: rtr)
«Humanitäre Katastrophe»
«Aus
den Vereinten Nationen und in Israel mehrt sich die Kritik am Vorgehen
der israelischen Sicherheitskräfte in den palästinensischen
Gebieten; UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler spricht von
katastrophaler Ernährungssituation»
Mehr bei
telepolis (23.07.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/ost/15281/1.html
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23
afrikanische Länder leiden unter Lebensmittelknappheit
Do.24.07.03 -
Bewaffnete Konflikte, Dürren und Überschwemmungen haben in 23
Ländern Afrikas zu Nahrungsmittelknappheit geführt. Die
Hauptgründe für die Not seien "Bürgerkriege, Dürren,
Flucht und Vertreibung", heißt es in einem Bericht der
Welternährungsorganisation (FAO), der am Mittwoch vorgestellt
wurde. Besonders bedrohlich sei die Lage in den kriegszerrütteten
Ländern Liberia und Kongo sowie in Äthiopien, wo
Überschwemmungen zu akuter Lebensmittelknappheit geführt
hätten.
Allein in der umkämpften liberianischen Hauptstadt Monrovia seien
rund 200.000 Flüchtlinge auf Lebensmittelhilfen angewiesen,
schreibt die FAO. In Äthiopien brauchen rund 12,5 Millionen
Menschen Unterstützung. Weiterhin betroffen sind Angola, Burundi,
die Elfenbeinküste, Eritrea, Guinea, Kap Verde, Kenia,
Kongo-Brazzaville, Lesotho, Madagaskar, Mauretanien, Mosambik, Sierra
Leone, Simbabwe, Somalia, Sudan, Swasiland, Tansania, Uganda und die
Zentralafrikanische Republik.
(Quelle: ap)
Iran: Das
Internet haben die Mullahs nicht unter Kontrolle
Do.24.07.03 -
Nach den Studentenprotesten in Iran Mitte Juni war "Iranian girl"
geradezu euphorisch. "Von diesem Moment an habe ich keine Zweifel, dass
die Freiheit bald kommt, viel früher als es selbst optimistische
Politiker erwarten", steht unter dem Eintrag "14. Juni" auf der Web-Site iraniangirl.blogspot.com.
Eine von zahlreichen Internet-Seiten, auf denen Iraner anonym ein
öffentliches Tagebuch führen - und Kritik an der Regierung
üben, die sie sich sonst nicht erlauben könnten.
Die ihren eigenen Aussagen zufolge überwiegend jungen Autoren
haben eine Nische zur freien Meinungsäußerung entdeckt: Die
so genannten Weblogs, die sich auch in Deutschland zunehmender
Beliebtheit erfreuen. Weblogs sind formlose Einträge auf einer
privaten Web-Site, oft nur Notizen, die sich mit Erlebnissen und
Gedanken des Schreibers oder mit anderen Internet-Angeboten befassen und
so eine Art elektronisches Logbuch ergeben. Die "Blogger" treten in der
Regel anonym auf und können angesichts des geringen Aufwands
für ihr Angebot rasch die Adresse wechseln. "Iranische Jugendliche
sind wahre Experten auf diesem Gebiet", sagt der in Berlin lebende
iranische Politologe Syrous Rusta.
Einige iranische Blogger schreiben auf englisch, bei amiroot.blogspot.com/
finden sich sogar Einträge auf deutsch. Ein Zeichen dafür,
dass sich die Autoren auch ans Ausland wenden. Offenbar mit Erfolg: Auf
einen verzweifelten Tagebucheintrag von "Lady Sun", die Anfang Juli die
Verhaftung von rund 4.000 Menschen beklagte, antwortete "ein
Amerikaner": "Haltet durch. Die iranische Regierung ist mit ihrer
Atomtechnik auf einem gefährlichen Weg, und es würde mich
nicht wundern, wenn wir dort innerhalb der kommenden 12 bis 20 Monate
etwas gegen Atomwaffen unternehmen müssten."
Eine Einmischung der USA wird auf den Webseiten allerdings sehr
kontrovers diskutiert. So kritisiert "Nonblogger
Ali" den amerikanischen Journalisten Michael Ledeen, der in
mehreren Artikeln für die "National Review Online" einen
"Regimewechsel" in Iran gefordert hatte. "Mr Ledeen! Können Sie
garantieren, dass wir unter einer anderen Regierung (mit
Unterstützung ihres Landes) Demokratie bekommen werden?" fragt der
Student, der auch die Demonstrationen seiner Kommilitonen kritisiert:
"Diese Proteste sind zum Scheitern verurteilt, weil sie unorganisiert
sind. Die einzige Folge sind verletzte und verhaftete Studenten, die
immer die Kosten unnützer Bewegungen tragen."
Kämpfen müssen die Blogger derweil um ihren Freiraum: Die
Regierung, heißt es bei hoder.com, habe alle iranischen Internet-Provider
aufgefordert, diese und andere Seiten zu sperren. "Iranian girl"
berichtete am Samstag, sie könne mehrere Weblogs nicht aufrufen.
Einen wahren Aufruhr gab es innerhalb der Blogger-Szene, als der
US-Fernsehsender CNN unter dem Titel "Tagebuch einer Prostituierten
erzielt in Iran höchste Trefferzahlen" über die Weblogs
berichtete. Diese Form von Berichterstattung liefere der Regierung den
perfekten Vorwand für eine verschärfte Zensur des Internet,
schreibt "Lady Sun" und bittet um Unterstützung für eine
Petition an CNN. Das wiederum ärgert "Iranian girl". Natürlich
sei Sex für viele Surfer attraktiv, schreibt sie: "Wir leben in
einem Land mit wenig Freiheit und Straßen voller Wachleute, die
Jungen und Mädchen verhaften, wenn sie gemeinsam auftreten. Warum
sollten wir uns nicht die Freiheit nehmen, über etwas zu lesen,
was in unserem Land so stark eingeschränkt wird?"
Auch nach den jüngsten Studentenprotesten ist die Debatte
über den richtigen Weg zur Freiheit in Iran also in vollem Gange.
Aber es wird wohl noch dauern, bis sich die Wünsche von "Lady Sun"
erfüllen: "Ich will einfach, dass diese Massaker enden. Ich will,
dass meine Sandkastenfreunde aus der Nachbarschaft wieder nach Hause
kommen. Ich will, dass die Verletzungen heilen."
(Quelle: ap)
Serbien
spricht sich für weitgehende Autonomie des Kosovos aus
Do.24.07.03 - Die
serbische Regierung hat sich für eine weitgehende Autonomie des
Kosovos ausgesprochen. Eine Entlassung der Provinz in die
Unabhängigkeit sei für Serbien jedoch inakzeptabel,
heißt es in einem Regierungspapier vom Dienstag. Vier Jahre nach
dem Kosovo-Krieg nimmt die serbische Regierung damit erstmals offiziell
zum künftigen Status der Provinz Stellung, die seit 1999 unter
UN-Verwaltung steht. "Eine Zerstörung der territorialen
Integrität Serbiens darf nicht gestattet werden", warnt das
serbische Kabinett.
Es müsse möglich sein, einen Status "oberhalb der Autonomie,
aber unterhalb eines unabhängigen Staats" zu schaffen, heißt
es in dem Papier, dem das Parlament noch zustimmen muss. Serbien erkennt
in dem Dokument indirekt an, dass die albanische
Bevölkerungsmehrheit im Kosovo im Rahmen der provisorischen
Selbstverwaltung auch die politische Landschaft dominiert. Man
müsse der albanischen Gemeinschaft "einen hohen Grad an
Selbstverwaltung" ermöglichen, steht in dem Regierungsentwurf, den
Vizeministerpräsident Nebojsa Covic verfasst hat.
Gleichzeitig fordert Serbien den Schutz serbischer Kulturstätten
im Kosovo. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche orthodoxe Kirchen
und Klöster Racheakten der überwiegend muslimischen Albaner
zum Opfer gefallen. In einem Interview der Nachrichtenagentur Tanjug
protestierte Covic zudem gegen die Privatisierung von Staatsunternehmen
im Kosovo. Die UN-Verwaltung hat die Versteigerung dieser Unternehmen
trotz des ungeklärten Status der Provinz bislang nicht verhindert.
Covic deutete an, dass Serbien deswegen vor dem Internationalen
Strafgerichtshof in Den Haag klagen könnte.
(Quelle: ap)
Türkei
will Einfluss der Militärs zurückdrängen
Do.24.07.03 - Die
türkische Regierung will den Einfluss der Armee auf die Politik
zurückdrängen, um die Chancen des Landes auf den Beitritt zur
Europäischen Union zu verbessern. Das Kabinett beschloss in
Erzurum im Osten der Türkei ein entsprechendes Reformpaket, wie
Regierungssprecher Cemil Cicek mitteilte. Das Paket wird nun dem
Parlament zugeleitet, wo es in der kommenden Woche zur Abstimmung
gestellt werden soll. Es ist das insgesamt siebte EU-Reformpaket der
Türkei. Seit dem vergangenen Jahr wurden die Todesstrafe
abgeschafft, die Meinungsfreiheit ausgeweitet und die Rechte der Kurden
gestärkt.
Zur Verabschiedung des Reformpakets hatte sich das Kabinett in Erzurum
versammelt, weil dort am 23. Juli 1919 ein so genannter Nationalkongress
tagte, mit dem die Gründung der Republik vorbereitet wurde. Das
jetzt beschlossene Reformpaket beschäftigt sich vor allem mit dem
Nationalen Sicherheitsrat, einem monatlich tagenden Gremium aus
Regierung, Staatspräsident und Armeeführung, in dem bisher
die Militärs den Ton angeben.
Nach dem Willen der Regierung soll die Leitung des Rates künftig
nicht mehr von der Armee, sondern vom Ministerpräsidenten bestimmt
werden. Bisher konnten die Militärs die Ratssitzungen dominieren,
weil der Generalsekretär des Sicherheitsrats stets ein hochrangiger
Offizier war. Nun sollen auch die Aufgaben des Gremiums begrenzt
werden. Der Sicherheitsrat spielte 1997 bei der Entmachtung der
islamistischen Regierung unter Ministerpräsident Necmettin Erbakan
durch die Militärs eine Schlüsselrolle. Das Reformpaket sieht
auch erstmals eine Überwachung der Militärausgaben in der
Türkei vor.
Die EU will Ende kommenden Jahres über die Aufnahme von
Beitrittsgesprächen mit der Türkei entscheiden. Bis dahin muss
Ankara beweisen, dass Reformen nicht nur beschlossen, sondern auch
umgesetzt werden.
(Quelle: afp)
Kassen sollen
zu Beitragssenkungen gezwungen werden
Do.24.07.03 - Bei
der Gesundheitsreform soll offenbar nachgebessert werden:
Unions-Gesundheitsexperte Horst Seehofer (CSU) unterstützt
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) bei ihrem Vorschlag,
Krankenkassen notfalls zu Beitragssenkungen zu zwingen. Schmidt sprach
von einem beträchtlichen Potenzial für Beitragssenkungen.
Schmidt und Seehofer planen zudem eine verbesserte
Härtefallregelung für Geringverdiener bei Zuzahlungen.
Wenn die Kassen "den Spielraum für Beitragssenkungen nicht nutzen,
dann müssen wir sie dazu zwingen", sagte der
Verhandlungsführer der Union der "Berliner Zeitung". Schmidt sagte,
das Sparvolumen der Gesundheitsreform sei um mindestens sieben
Milliarden Euro höher als bisher angegeben, weil sich viele
Maßnahmen nicht genau berechnen ließen. Sollten die Kassen
die geplanten Einsparungen nicht an die Versicherten weitergeben, werde
man sie per Gesetz dazu zwingen: "Wir werden das notfalls vorschreiben".
"Für Menschen am Existenzminimum prüfen wir eine
Sonderregelung", sagte Schmidt der "Bild"-Zeitung. "Sie sollen statt
zehn Euro nur einen Euro für Arztbesuch, Medikamente und
Krankenhaus zuzahlen." Seehofer bestätigte dies gegenüber dem
Blatt. Von der Neuregelung sollen beispielsweise
Sozialhilfeempfänger und Rentner mit niedrigen Einkommen
profitieren. Außerdem prüfe das Gesundheitsministerium eine
monatliche Höchstbelastungsgrenze. Damit solle verhindert werden,
dass "die gesamte Zuzahlung eines Jahres komplett in einem Monat
fällig wird", sagte Schmidt. "Wir wollen niemanden finanziell
überfordern."
(Quelle: afp)
SPD-Politiker
Gabriel fordert Arbeitsdienst für junge Menschen
Do.24.07.03 - Der
frühere niedersächsische Ministerpräsident Sigmar
Gabriel (SPD) hat einen einjährigen Arbeitsdienst für junge
Menschen gefordert, die nicht zur Bundeswehr oder zum Zivildienst
einberufen werden. "Wir brauchen einen neuen Aufbruch für
Gemeinsinn. Wer nicht zum Wehr- oder Zivildienst einberufen wird,
engagiert sich ein Jahr für andere Menschen", schlug Gabriel am
Mittwoch in einem Artikel für die Hamburger Wochenzeitung "Die
Zeit" vor. Diese von dem SPD-Politiker Gemeinschaftsdienst genannte
Arbeit könne in Vereinen, Kindergärten, Umweltgruppen oder
ähnlichem geleistet werden.
Gabriel will auch Frauen in den Dienst einbeziehen: "Und wenn es uns
gelingt, die immer noch bestehenden gesellschaftlichen Benachteiligungen
der Frauen aufzuheben, könnte die Verpflichtung zum
Gemeinschaftsdienst auch für beide Geschlechter gelten." Der
Dienst soll nach Vorstellung des jetzigen Oppositionsführers im
niedersächsischen Landtag so gestaltet werden, dass keine
regulären Arbeitsplätze verloren gehen. Zur Begründung
seines Vorschlages schrieb Gabriel, die Gesellschaft sei darauf
angewiesen, "dass Menschen nicht nur ihre persönlichen Lebensziele
verfolgen, sondern auch bereit sind, Verantwortung füreinander zu
übernehmen - und das heißt auch: für ihren Staat".
(Quelle: ap)
Studie:
Artenreichtum in Südostasien massiv bedroht
Do.24.07.03 - Die
Abholzung der tropischen Wälder in Singapur hat ein katastrophales
Artensterben ausgelöst. Nachdem die Lebensräume in den
vergangenen 183 Jahren um 95 Prozent schrumpften, seien zahlreiche
Tier- und Pflanzenarten bereits verschwunden, berichten Wissenschaftler
aus Japan, Australien und Singapur im britischen Fachblatt "Nature"
(Bd. 424, S. 420).
Sie fürchten, dass am Ende dieses Jahrhunderts nicht nur in
Singapur, sondern in ganz Südostasien bis zu 42 Prozent der
verbliebenen Arten ausgestorben sein werden - die Hälfte davon
werde damit für immer von der Erde verschwinden.
Nach der Kriterien der unabhängigen internationalen
Naturschutzorganisation (IUCN) sind derzeit 77 Prozent von Singapurs
Arten vom Aussterben bedroht. Werde die Abholzung ungemindert weiter
betrieben, werden allerdings am Ende dieses Jahrhunderts auch in
Südostasien 74 Prozent der Tropenwälder vernichtet und damit
etliche Arten ausgerottet sein, schreiben die Wissenschaftler. Nur
groß angelegte Schutzmaßnahmen könnten dies verhindern.
Anhand historischer Aufzeichnungen und neuerer Daten aus Singapur
rekonstruierten die Forscher um Barry Brook von der australischen
Northern Territory University in Darwin den Niedergang der
Artenvielfalt. Im Jahr 1819 errichteten die Briten erste
Stützpunkte in Singapur, damit begann auch die Abholzung der
tropischen Wälder und Mangroven. Von den ursprünglichen 540
Quadratkilometern bewachsener Fläche seine heute nur noch 24
Quadratkilometer Wald übrig, berichten die Wissenschaftler.
Der Artenreichtum habe in diesem Zeitraum um mindestens 28 Prozent
abgenommen. Möglicherweise sei der Verlust sogar wesentlich
höher, schreiben die Wissenschaftler. Viele Arten seien vermutlich
schon ausgestorben, bevor Singapurs Artenvielfalt von 1870 an
systematisch erfasst wurde. Berechnungen, in denen Artenlisten gleicher
Lebensräume des benachbarten Malaysias mit einbezogen wurden,
ergaben, dass eventuell bis zu 73 Prozent aller ursprünglich
vorhandenen Tier- und Pflanzenarten bereits ausgestorben sind.
Am stärksten betroffen waren solche Arten, die sich auf den
Lebensraum Wald spezialisiert hatten. Ihre Zahl ging um ein Drittel
zurück. Außer der Zerstörung der Lebensräume -
zunächst durch Abholzung, später dann durch die Ausbreitung
der Städte - seien auch die Jagd und das Sammeln von Tier- und
Pflanzenarten Ursache für den rasanten Niedergang der
Artenvielfalt. So sei der letzte Tiger (Panthera tigris corbetti)
bereits 1930 geschossen worden. Auch der heftige Beschuss Singapurs
während des Zweiten Weltkriegs habe vermutlich verheerende
Auswirkungen auf die Fauna des Waldes gehabt.
(Quelle: dpa)
Maxim Billers
«Esra» darf in stark gekürzter Form erscheinen
Do.24.07.03 -
Nach langem Rechtsstreit mit seiner Ex-Geliebten und deren Mutter kann
der Schriftsteller Maxim Biller seinen Roman "Esra" einstweilig in stark
gekürzter Form wieder veröffentlichen. Das Oberlandesgericht
(OLG) München hob eine von den beiden Frauen erwirkte einstweilige
Verfügung auf, wonach der Verlag Kiepenheuer & Witsch das Buch
hatte vom Markt nehmen müssen. Der Verlag verpflichtete sich aber
im Gegenzug, zahlreiche monierte Passagen vorläufig zu streichen.
Der Rechtsstreit ist damit noch nicht beendet: Das endgültige
Urteil wird erst in einigen Monaten erwartet.
Billers Ex-Geliebte und ihre Mutter fühlten sich in ihren
Persönlichkeitsrechten verletzt. Anwalt Wolfgang Nostitz wertete
die Entscheidung als Sieg seiner Mandantinnen. Der Senat habe der Kunst
einen großen Dienst erwiesen, indem er die beiden Frauen vor der
"Instrumentalisierung für persönliche Hass-Attacken" und
"wirtschaftlichem Profitstreben aus der Schlüssellochperspektive"
in Schutz nehme. Das Gericht habe deutlich gemacht, dass es prinzipiell
die Menschenwürde über die Kunstfreiheit stelle.
Biller hatte den beiden Romanfiguren zahlreiche persönliche
Details zugeschrieben. Dem OLG genügte für seine Entscheidung
die Erklärung des Verlags, die beanstandeten Passagen den Lesern
unzugänglich zu machen. Damit sei die Gefahr einer
Persönlichkeitsverletzung zunächst vom Tisch, sagte der
Vorsitzende Richter Walter Seitz. Der Verlag hatte dagegen die Freiheit
der Kunst ins Feld geführt.
Billers Schilderung seiner Titelheldin Esra und ihrer Mutter
entsprächen exakt den Lebensumständen der beiden
Klägerinnen, argumentierten deren Anwälte. Wie die reale
Ex-Geliebte sei auch die Romanfigur Esra Trägerin des
Bundesfilmpreises. Auch zahlreiche andere private Details seien eins zu
eins umgesetzt. Deshalb könne auch das allgemeine Publikum die
Identität der beiden Frauen entschlüsseln.
Der Prozess wurde in der Buchbranche aufmerksam verfolgt. Es
hieß, die Freiheit von Schriftstellern, eigene Erlebnisse in ihren
Büchern zu schildern, werde bei einem Verbot des Buches
beschnitten.
(Quelle: dpa)
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