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+++ Mi.30.07.03,
12:45 Nachrichten-Archiv Aktuelle
Nachrichten
Irak am hundertdreiunddreißigsten Tag nach Kriegsbeginn
Angeblicher
Saddam trauert auf Tonband um tote Söhne +++ Pentagon dämpft
Erwartungen einer baldigen Festnahme Saddam Husseins +++ Iraks
Regierungsrat beschließt Rotationsprinzip +++ Studie: US-Truppen
müssen noch Jahre im Irak bleiben. Experten kritisieren Vorgehen
der Besatzungsmächte im Irak. Pessimistische Prognosen für
den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Iraks +++ BP profitiert weiter
von gestiegenen Ölpreisen durch Irak-Krieg +++
US-Außenminister Powell wegen Irak-Äußerungen vor UNO
im Zwielicht +++
Mi.30.07.03 - Auf
einem Iraks gestürzten Präsidenten Saddam Hussein
zugeschriebenen Tonband betrauert die Stimme den Tod der beiden
Söhne Saddams.
"Ich trauere vor Euch um den Tod von Udai und Kusai und die, die mit
ihnen gekämpft haben", sagte eine Stimme auf dem Band, das am
Dienstag von dem arabischen Sender El Arabija ausgestrahlt wurde.
"Sie starben alle als Märtyrer im Namen des Heiligen Krieges",
sagte die Stimme auf dem Band, die wie die von Saddam klang. Jeder
Kämpfer in dem Heiligen Krieg würde sich wünschen, auf
die gleiche Art zu sterben wie seine Söhne. US-Präsident
George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair sollten
nicht glauben, ihm durch den Tod seiner Söhne und seines Enkelsohns
Mustafa persönlich getroffen zu haben, sagte die Stimme. Sie seien
die Jugend der Nation, die im Namen des Dschihad gestorben seien.
Udai und Kusai waren am Dienstag vergangener Woche von US-Truppen
getötet worden, zusammen mit einem 14-jährigen Jungen, bei dem
es sich um Saddams Enkel Mustafa handeln soll. In den vergangenen
Wochen sind mehrere angebliche Saddam-Bänder ausgestrahlt worden.
Der US-Geheimdienst CIA hatte mindestens ein Band als vermutlich echt
bezeichnet.
Nach dem Tod der Söhne hatte das US-Militär im Irak nach
eigenen Angaben eine deutliche Zunahme von Hinweisen auf den Verbleib
Saddams erhalten. In Saddams Heimatstadt Tikrit seien ein
Leibwächter und zwei weitere Getreue des ehemaligen
Präsidenten gefasst worden, sagte ein Militärsprecher am
Dienstag. Auf Fernsehaufnahmen wurde ein Mann mit einer blutigen
Augenbinde gezeigt, der abgeführt wurde.
Vertreter des US-Verteidigungsministeriums haben Spekulationen
über eine unmittelbar bevorstehende Festnahme des gestürzten
irakischen Staatschefs Saddam Hussein heruntergespielt. Zu der
Einschätzung, dass sich die Schlinge um den Expräsidenten
enger ziehe, sagte Generalleutnant Norton Schwartz vom Generalstab der
US-Streitkräfte: "Wir sollten uns nicht ausschließlich auf
Saddam Hussein konzentrieren." Allerdings gehe er davon aus, dass der
ehemalige Machthaber letzten Endes gefasst werde.
Ob Saddam Hussein lebend gefangen genommen oder getötet wird,
hängt letztlich von seinem Verhalten ab, wie Di Rita darlegte. Ihm
seien diesbezüglich keine Anweisungen für die Truppen bekannt.
Ähnlich äußerte sich Schwartz: "Das ist eine
Entscheidung, die vor Ort getroffen wird" und von taktischen
Erwägungen ebenso wie "vom Charakter der Zielperson" abhänge.
Der von den USA eingesetzte Regierungsrat in Irak hat sich nicht auf
einen Präsidenten einigen können und stattdessen eine im
Monatsrhythmus wechselnde Besetzung des Spitzenamts beschlossen. Aus den
Reihen der 25 Ratsmitglieder sei ein neunköpfiges Präsidium
gewählt worden, dessen Mitglieder im monatlichen Turnus den
Vorsitz übernehmen sollten, sagte ein Kurdenvertreter in Bagdad.
Das Präsidium aus fünf Schiiten, zwei Sunniten und zwei
Kurden soll den ethnisch-religiösen Proporz Iraks widerspiegeln.
Die US-Streitkräfte müssen einer Studie zufolge noch mehrere
Jahre lang im Irak bleiben, bis dort eine legitimierte Regierung
entstanden ist. Allerdings werde eine andauernde Besatzung zunehmend zu
Opposition und Widerstand führen.
Das ist das Ergebnis eines am Dienstag veröffentlichten
Strategiepapiers der Bertelsmann-Stiftung (Gütersloh), das nach
Gesprächen von rund 70 Politikern und Entscheidungsträgern aus
den USA, Europa, Nahost und Russland entstanden ist. Auch nach freien
Wahlen müsse der politische Prozess im erdölreichen Irak
weiter international überwacht werden.
Der US-Verteidigungsexperte Mike O'Hanlon hatte kürzlich
geschätzt, dass die USA noch mindestens fünf Jahre lang mit
einer starken Streitmacht im Irak bleiben müssten. In dem
Strategiepapier wird empfohlen, den politischen Übergangsprozess im
Irak durch eine multinationale Truppe unter dem Dach der Vereinten
Nationen (UN) zu unterstützen. Eine Art hohe internationale
Behörde solle die Bildung einer Regierung und die Wahlen
überwachen. So früh wie möglich müssten dabei
irakische Akteure in den Prozess einbezogen werden.
In dem Bertelsmann-Papier wird Kritik an dem Vorgehen der
Besatzungsmächte im Irak geübt. Das amerikanische
Unvermögen, die Situation nach der Vertreibung von Staatschef
Saddam Hussein unter Kontrolle zu bringen, sei kein gutes Omen für
den Aufbau einer alliierten Übergangsregierung gewesen. Die
Entscheidung, die reguläre irakische Armee aufzulösen, habe
zum wachsenden Widerstand gegen die Alliierten beigetragen. Die
Sicherheitslage bleibe weiter sehr instabil. Die US-geführten
Streitkräfte hätten weder die erforderliche Truppenstärke
noch das geeignete Training, um eine effektive Polizei zu ersetzen.
Trotz des Sturzes des Diktators Saddam Hussein sei das alte Netzwerk
aus Bürokraten, Stammesführern und Regimefreunden intakt
geblieben, heißt es in dem Papier. Das erinnere an die mafiosen
Strukturen in vielen ehemals kommunistischen Ländern Osteuropas.
Die enormen Erdölreserven des Iraks seien "kein reiner Segen". Die
Experten empfehlen die Aufteilung der Öleinkommen unter den
diversen Machtzentren im Irak, um das Erstarken einer autoritären
Herrschaft wie unter Saddam Hussein zu verhindern.
Äußerst pessimistisch sind die Prognosen für den
wirtschaftlichen Wiederaufbau des Iraks. Grundlage für
ausländische Investitionen sei ein stabiles Umfeld, das im Irak
fehle. Die Wirtschaftskraft des Landes sei nach drei Kriegen und
strengen Sanktionen stark geschwächt.
Als Perspektive für die Stabilisierung der gesamten Nahost-Region
empfehlen die Experten, den Irak schrittweise in ein Sicherheitssystem
mit anderen Golfstaaten einzugliedern. Der Irak sollte außerdem
Teil einer Freihandelszone mit seinen arabischen Nachbarn werden. Als
sinnvoll erachten die Nahost-Experten den Anschluss des Iraks an die
Euro-Mediterrane Partnerschaft.
Der Regimewechsel in Bagdad hat nach Meinung der Experten eine neue
Möglichkeit zur Lösung des israelisch-palästinensischen
Konfliktes eröffnet. Der von der internationalen Gemeinschaft
vorgelegte Friedensplan, der eine Zwei-Staaten-Lösung vorsieht,
habe zwar viele Vorteile. Jedoch könne die Teilung des
Friedensprozesses in mehrere Phasen den Extremisten in die Hände
spielen. Eine internationale Streitmacht solle für die
Konfliktregion in Betracht gezogen werden. Dies lehnt Israel allerdings
ab.
Der britische Öl-Riese British Petroleum (BP) hat weiter
kräftig von den gestiegenen Ölpreisen durch den Irak-Krieg
profitiert: Der um Sondereffekte bereinigte Nettogewinn belief sich im
zweiten Quartal 2003 auf 3,1 Milliarden Dollar (2,7 Milliarden Euro) und
schoss damit gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 42 Prozent nach
oben, wie BP am Dienstag in London mitteilte. Noch mehr hatte der
Ölkonzern aber mit 3,7 Milliarden Dollar im Vorquartal von Januar
bis März verdient, als der Ölpreis durch die Unsicherheit im
Vorfeld des Irak-Kriegs drastisch zugelegt hatte.
Nun gerät auch US-Außenminister Colin Powell in der Debatte
um Beweise für Iraks Massenvernichtungswaffen ins Zwielicht. Nach
Informationen der "Financial Times Deutschland" war Powell kurz vor
seiner Rede vor dem US-Sicherheitsrat Anfang Februar vom
US-Energieministerium und von der Analyseabteilung seines eigenen Hauses
gewarnt worden, dass starke Zweifel an einem zentralen Punkt seiner
Präsentation bestünden: Der Vorwurf, Irak versuche, spezielle
Aluminiumröhren zum Bau von Uranzentrifugen zu importieren, sei
sehr zweifelhaft. Powell habe sich davon jedoch nicht beirren lassen
und die Tatsachen "verbogen", sagte ein Eingeweihter.
Beide Behörden seien bereits lange vor Powells Rede zum Schluss
gekommen, dass die Röhren wahrscheinlich für den Bau
konventioneller Raketenwerfer genutzt werden sollten - wie von Bagdad
behauptet, sagte der an den Vorgängen Beteiligte weiter. Die sei
Powells Büro nach Durchsicht von Entwürfen der
Präsentation erneut mitgeteilt worden.
Die Zweifel seien zwar schon im Oktober in einem Bericht der
US-Geheimdienste über Iraks Waffenarsenale erwähnt worden.
Dass beide Behörden noch während der Vorbereitung für
Powells UN-Auftritt warnten, wecke nun aber erstmals Zweifel an Powell
und seiner Präsentation. Bisher beschränkte sich die Debatte
darüber, ob Washington Geheimdiensterkenntnisse aufgebauscht hat,
auf Mitarbeiter des Weißen Hauses.
"Für Powell ist das ein ziemlich hartes Urteil: Er wusste, dass er
die Fakten verbog", sagte der Insider weiter. Nach Meinung des
Energieministeriums seien die Rohre zu lang und zu dick für die
Verwendung in Zentrifugen gewesen und hätten erheblich
verändert werden müssen. Dem Energieministerium unterstehen
die US-Atomwaffenlabors, es verfügt über die besten Experten
auf dem Gebiet. Nur die CIA habe die Ansicht vertreten, die Rohre seien
für Zentrifugen gedacht.
Powell habe den Zweifeln keinen weiteren Platz eingeräumt. Am 5.
Februar legte er im UN-Sicherheitsrat angebliche Belege dafür vor,
dass Irak die UN-Inspekteure täuschte, über Chemie- und
Biowaffen verfügt und Atomwaffen bauen wollte. Powells
Präsentation war der wichtigste Vorstoß der US-Regierung, um
international Rückendeckung für den Krieg zu bekommen.
(Quellen: rtr,
dpa, afp, ap)
Belgisches
Parlament stimmt Änderung von Kriegsverbrechergesetz zu
Mi.30.07.03 - Das
belgische Parlemant hat die Änderung eines umstrittenen Gesetzes
über die "universelle Zuständigkeit" seiner Justiz bei der
Verfolgung von Kriegsverbrechen beschlossen. Die Abgeordneten stimmten
am Dienstagabend mit 89 zu drei Stimmen bei 34 Enthaltungen für
den Entwurf, wie die Nachrichtenagentur Belga meldete. Die Novelle soll
Ende der Woche auch den Senat passieren, mit dessen Zustimmung
ebenfalls gerechnet wird.
(Quelle: afp)
Weitere
Staaten sichern Nichtauslieferung von US-Soldaten zu
Mi.30.07.03 - Im
Streit um den Internationalen Strafgerichtshof haben fünf weitere
Staaten bilaterale Abkommen mit den USA geschlossen, die amerikanische
Soldaten vor einer möglichen Verfolgung durch das Tribunal
schützen sollen. Wie das Weiße Haus am Dienstag mitteilte,
handelt es sich um Albanien, Bosnien-Herzegowina, Dschibuti, Mauritius
und Sambia. Washington lehnt den neu gegründeten Internationalen
Strafgerichtshof (IStGH) mit der Begründung ab, US-Soldaten
könnten willkürlicher Strafverfolgung ausgesetzt sein. Die
US-Regierung unterzeichnete bislang Verträge mit mehr als 35
Staaten, in denen diese zusichern, Amerikaner nicht an den IStGH
auszuliefern. Das Statut des IStGH haben 90 Staaten ratifiziert.
(Quelle: ap)
Studie: Kampf
gegen Terrorismus verletzt Menschenrechte +++ Systematische Beobachtung
gefordert
Mi.30.07.03 - Das
Deutsche Institut für Menschenrechte [http:www.institut-fuer-menschenrechte.de]
hat eine systematische und unabhängige Beobachtung des
Menschenrechtsschutzes im Kampf gegen den internationalen Terrorismus
gefordert. In einer am Dienstag in Berlin veröffentlichten Studie
des Instituts heißt es, bei der Terrorismusbekämpfung nach
dem 11. September 2001 bestehe eine Tendenz, sich auf militärische
und polizeiliche Maßnahmen zu beschränken.
Ko-Autor Wolfgang Heinz sagte, auch die USA und Großbritannien
müssten beobachtet werden, da ihr Vorgehen im Kampf gegen
Terrorismus Vorbildcharakter für andere Demokratien habe. Dazu
schlug er unter anderem die Stärkung des UN-Hochkommissariats
für Menschenrechte und der UN-Menschenrechtskommission vor, die
systematische Kontrollen nicht leisten könnten.
In den USA und Großbritannien gebe es Fälle, in denen
Personen ohne Anklage und ohne Gerichtsverfahren infolge des 11.
September für längere Zeit inhaftiert worden seien.
Ähnliche Maßnahmen hätten China, Malaysia, Ägypten,
Nepal, Israel, Singapur und die Vereinigten Arabischen Emirate
ergriffen.
Außerdem gebe es Anti-Terror-Methoden in rechtlichen Grauzonen
wie die gezielte Tötung von Terrorismusverdächtigen im
Ausland, die illegale Verbringungen von Gefangenen «in Länder
mit langjähriger Foltertradition» und die "Schaffung
rechtsfreier Inseln" wie die Internierung von Gefangenen aus mehr als
40 Ländern auf dem kubanischen US-Stützpunkt
Guantánamo.
Gestützt auf US-Presseberichte, Angaben von Amnesty International
und von Nichtregierungsorganisationen befasst sich die Studie auch mit
Vorwürfen gegen die USA, nach denen "ihre Geheimdienste bei der
Terrorfahndung im Ausland Foltermethoden einsetzen oder ihren Einsatz
durch Dritte tolerieren und sich somit der Komplizenschaft schuldig
machen". So sollen sich mutmaßliche El-Kaida-Mitglieder im
Gewahrsam Ägyptens, Syriens, Marokkos und Pakistans befinden, wo
"Polizei, Sicherheitsdienste und Militär nach Erkenntnissen von
Menschenrechtsgruppen systematisch Folter anwenden".
Für Einsätze der Bundeswehr im Rahmen der
Anti-Terror-Koalition empfahl das Institut das Überdenken
völkerrechtlicher Fragen wie die Rechtsgrundsätze zur
Behandlung von Gefangenen und an welche Staaten sie übergeben
werden sollten. Auch müsse die Zusammenarbeit mit Staaten
erörtert werden, "die präventive Tötungen vornehmen oder
systematisch foltern". Das Deutsche Institut für Menschenrechte
wurde nach eigenen Angaben im März 2001 nach einem einstimmigen
Beschluss des Bundestages gegründet. Es werde von drei
Bundesministerien finanziert.
(Quelle: ap)
Vater von
Guantánamo-Häftling sperrt sich in Käfig
Mi.30.07.03 - Aus
Protest gegen die Haftbedingungen für seinen auf Guantánamo
gefangenen Sohn hat sich ein Australier in New York selbst in einen
Drahtkäfig eingesperrt. "Ich würde nicht einmal einen Hund so
behandeln", prangerte Terry Hicks in seinem öffentlichen Kerker
die Behandlung seines Sohnes David in dem US-Militärgefängnis
auf Kuba an. Er mache sich große Sorgen um die Psyche seines
Sohnes. "Ich muss dringend mit David allein sprechen", sagte Hicks. Der
Käfig steht auf einer New Yorker Straße.
Der 27-Jährige hatte in Afghanistan an der Seite der Taliban
gekämpft und ist seit rund achtzehn Monaten Gefangener der
US-Armee. In der vergangenen Woche hatten die USA zugesagt, Hicks von
der Todesstrafe zu verschonen. Im Fall einer Verurteilung soll er seine
Haftstrafe in Australien verbüßen können.
Hicks gehören zu einer Gruppe von sechs Inhaftierten in
Guantánamo, denen als erste der Prozess vor einem
Militärgericht gemacht werden soll. Ihnen wird vermutlich die
Mitgliedschaft im Terrornetzwerk El Kaida vorgeworfen. Einem zweiten
Australier soll später der Prozess gemacht werden.
Insgesamt werden rund 680 Gefangenen aus 42 Ländern in dem
US-Militärgefängnis festgehalten. Menschenrechtsorganisationen
üben scharfe Kritik an den Haftbedingungen. Die US-Regierung
verweigert den Inhaftierten den Status und die Rechte von
Kriegsgefangenen; die meisten Gefangenen haben keinerlei
Rechtsbeistand.
(Quelle: afp)
Polizist nicht
wegen Misshandlung von schwarzem Jungen verurteilt
Mi.30.07.03 - Im
Prozess gegen einen kalifornischen Polizisten wegen Misshandlung eines
schwarzen Jugendlichen haben sich die Geschworenen nicht auf ein Urteil
einigen können. Nach drei Tagen beendete die Jury ihre Beratungen
am Dienstag ohne Ergebnis. Sieben der zwölf Geschworenen sprachen
sich für eine Verurteilung des vom Dienst suspendierten
weißen Polizisten Jeremy Morse aus, fünf dagegen. Die
Anklage kann nun eine neue Verhandlung beantragen.
Morses Partner wurde vom Vorwurf falscher Angaben in einem
Polizeibericht freigesprochen. Beiden Angeklagten drohten Haftstrafen
von bis zu drei Jahren.
Die Misshandlung des 16-jährigen Schwarzen, der während einer
Verkehrskontrolle im Juli vergangenen Jahres festgenommen worden war,
hielt ein Augenzeuge auf Video fest. Die Aufnahme zeigt, wie der
Polizist den bereits mit Handschellen gefesselten Jugendlichen mit
voller Wucht auf ein Autodach wirft und anschließend mit
Fäusten auf ihn einschlägt. Der Beamte gab an, provoziert und
bedroht worden zu sein.
Der Fall weckte in der amerikanischen Öffentlichkeit Erinnerungen
an die Misshandlung des schwarzen Autofahrers Rodney King durch vier
weiße Polizisten in Los Angeles vor zwölf Jahren. Im
Anschluss an den Freispruch der Polizisten kam es 1992 in der Metropole
zu Rassenunruhen, bei denen innerhalb von vier Tagen 55 Menschen ums
Leben kamen und mehr als 2.000 weitere verletzt wurden.
(Quelle: ap)
Saudi-Arabien
räumt Infiltration durch El Kaida ein +++ Innenminister: Militante
Muslime möglicherweise im Land ausgebildet
Mi.30.07.03 - Die
saudiarabische Regierung hat eingeräumt, dass das Königreich
vom Terrornetzwerk El Kaida infiltriert sein könnte. Der saudische
Innenminister Prinz Najef sagte in einem am Dienstag
veröffentlichten Interview der in London erscheinenden arabischen
Zeitung "Asharq al-Awsat", in den letzten Monaten in Saudi-Arabien
festgenommene oder getötete militante Muslime seien von El Kaida
in Afghanistan oder möglicherweise sogar in Saudi-Arabien selbst
ausgebildet worden.
"Die meisten von ihnen erhielten ihre militärische Ausbildung in
Lagern von El Kaida in Afghanistan, und eine kleine Zahl wurde
womöglich auf Gehöften oder ähnlichem in Saudi-Arabien
ausgebildet", sagte der Minister. Und der Kolumnist und ehemalige
Chefredakteur der Zeitung "El Watan", Kenan el Ghamdi, erklärte, El
Kaida habe das Land stärker infiltriert als angenommen, weil die
extremistischen Gedanken etwa von Osama bin Laden in Saudi-Arabien ihre
Wurzeln hätten.
Bin Laden, der mutmaßliche Kopf von El Kaida, wurde in
Saudi-Arabien geboren, das Land hat seine Staatsbürgerschaft
inzwischen jedoch aufgehoben. Außerdem stammen 15 der 19
Attentäter vom 11. September aus dem arabischen Land.
In den USA ist nach der Veröffentlichung eines Kongress-Berichts
über den 11. September eine Kontroverse über die Rolle
Saudi-Arabiens bei den Anschlägen auf das World Trade Center
entbrannt. Teile des Berichts über mögliche Verbindungen von
Terroristen des 11. Septembers und der saudiarabischen Regierung bleiben
nach einer Entscheidung des Weißen Hauses unter Verschluss. Dies
würde die nationale Sicherheit beeinträchtigen, sagte
US-Präsident George W. Bush am Dienstag vor einer Unterredung mit
dem saudiarabischen Außenminister Saud el Faisal.
(Quelle: ap)
Scharon in den
USA bei US-Präsident Bush +++ Israel besteht auf Weiterbau von
Grenzbefestigung
Mi.30.07.03 -
Israel besteht trotz Kritik auf dem Weiterbau seiner Grenzbefestigung
im Westjordanland. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon
betonte am Dienstag nach einem Gespräch mit US-Präsident
George W. Bush in Washington die Bedeutung der Grenzbefestigungen
für die Sicherheit seines Landes. Bush hatte auf Fortschritte im
Friedensprozess verwiesen, aber auch angemahnt, die Folgen "israelischer
Aktionen" zu bedenken.
Der palästinensische Regierungssprecher und Informationsminister
Nabil Amer sagte zu den Äußerungen Scharons: "Seine
(Erklärungen) waren schlecht, und haben keinerlei positive Signale
ausgesandt". Im Gegensatz dazu habe Bush "versucht, ausgewogen zu sein,
als er den palästinensischen Staat als Ziel der
Friedensbemühungen bezeichnete", sagte der Minister in Ramallah.
Die entscheidende Voraussetzung für den Frieden zwischen Israel
und den Palästinensern bleibt nach den Worten von Bush die
Beendigung des Terrors. "Es wird keinen Frieden geben, wenn die
terroristischen Organisationen nicht aufgelöst werden", sagte Bush
nach einem etwa 30-minütigen Treffen mit Scharon im Weißen
Haus. Bush sagte weiter, der palästinensische
Ministerpräsident Mahmud Abbas habe sich ausdrücklich - auch
bei seinem Besuch in der vergangenen Woche in Washington - auf die
Beendigung von Gewalt und Terror verpflichtet. Die
palästinensischen Behörden müssten "nachhaltig und
effektiv" gegen terroristische Infrastrukturen vorgehen.
Scharon beklagte, dass nach wie vor die palästinensischen
Behörden nichts gegen die Terrororganisationen unternähmen.
Die relative Ruhe derzeit sei vor allem den israelischen
Sicherheitskräften und den internationalen Friedensbemühungen
von Bush zu verdanken. Der Regierungschef betonte seinen Wunsch, den
politischen Austausch mit den "palästinensischen Nachbarn"
fortzusetzen. Neben der Frage der Grenzbefestigungen sei auch über
ein Einfrieren des israelischen Siedlungsprogramms im Westjordanland
gesprochen worden.
Abbas und der Außenbeauftragte der EU, Javier Solana, haben
gemeinsam betont, wie wichtig die Verwirklichung des Nahost-Fahrplans
bleibe. Bei einem Treffen am Dienstag in Cannes (Südfrankreich)
lobte Solana die konstruktive Rolle, die Abbas in diesem Prozess spiele.
"Wir hoffen, dass der israelische Regierungschef nach seinem Besuch in
den USA dieselbe Einstellung hat", sagte Solana. Zu den israelischen
Grenzbefestigungen meinte er, es sei "schwierig, zusammenzuleben, wenn
es mittendrin eine Mauer gibt".
(Quelle: dpa)
Starkes
Bevölkerungswachstum in israelischen Siedlungen
Mi.30.07.03 - In
den jüdischen Siedlungen im Westjordanland ist die
Bevölkerung im Jahr 2002 drei Mal so stark gewachsen wie in Israel
selbst. Wie das Zentralbüro für Statistik am Dienstag in
Jerusalem bekannt gab, wurde in den Siedlungen eine Wachstumsquote von
5,7 Prozent verzeichnet. Der Bevölkerungsanstieg in Israel sowie in
den schon seit langem jüdischen Gebieten des Westjordanlands und
des Gazastreifens betrug dagegen nur 1,9 Prozent.
Behördensprecherin Jael Nathan führte diese Entwicklung
darauf zurück, dass in den rund 150 umstrittenen Siedlungen
überwiegend orthodoxe Juden leben, die in der Regel viele Kinder
haben. Dort habe sich die fünfprozentige Wachstumsquote des Jahres
2001 noch einmal erhöht. Die Gesamtbevölkerung Israels Ende
2002 wurde mit 6.631.000 angegeben. Davon lebten etwa 225.000 in den
jüdischen Siedlungen des Westjordanlands sowie 8.000 in Siedlungen
im Gazastreifen.
Zur Bevölkerung Israels zählen ferner 1,2 Millionen Araber.
Deren Bevölkerungswachstum liegt den Angaben zufolge über dem
des jüdischen Durchschnitts.
(Quelle: ap)
UN bitten um
530 Millionen Dollar für den Süden Afrikas
Mi.30.07.03 - Die
Vereinten Nationen haben um Spenden in Höhe von 530 Millionen
Dollar* (460 Millionen Euro) für den Kampf gegen Armut, Hunger und
Aids im Süden Afrikas gebeten. Obwohl sich die sechs betroffenen
Staaten von der schweren Hungerkatastrophe des vergangenen Jahres erholt
hätten, seien dort nach wie vor 6,5 Millionen Menschen dringend auf
Lebensmittelhilfen angewiesen, erklärte UN-Koordinator Mike
Sackett am Dienstag in Johannesburg. Am schwersten betroffen sei
Simbabwe.
Das Geld werde vor allem zum Ausbau der Trinkwasserversorgung sowie des
Bildungs- und des Gesundheitssystems in der Region benötigt, um
künftigen Krisen vorzubeugen, sagte Sackett. Außerdem sollten
damit verarmte Bauern und rund 2,3 Millionen Waisenkinder
unterstützt werden. Neben Simbabwe sollen die Hilfen den
Ländern Lesotho, Malawi, Mosambik, Swasiland und Sambia zu Gute
kommen.
(Quelle: ap)
* Der Irak-Einsatz kostet die
USA gegenwärtig rund eine Milliarde Dollar pro Woche.
Streit um
Agrarpolitik dominiert Handelskonferenz
Mi.30.07.03 - Der
Handelsstreit zwischen der Europäischen Union und den USA hat den
Auftakt einer Konferenz der Welthandelsorganisation (WTO) in Montreal
dominiert. Am Montagabend kamen Vertreter der beiden größten
Wirtschaftsmächte EU und USA am Rande des Treffens zu
Einzelgesprächen zusammen, um den Umgang mit Agrarsubventionen und
Einfuhrzöllen zu erörtern. Die Agrarpolitik ist das
größte Streitthema bei den WTO-Verhandlungen über einen
Abbau von Handelsschranken.
Eine Einigung zwischen der EU und den USA wäre ein großer
Schritt in diese Richtung, begründete ein Sprecher der
EU-Kommission die Einzelgespräche. EU-Handelskommissar Pascal Lamy
und Agrarkommissar Franz Fischler berieten mit dem
US-Handelsbeauftragten Robert Zoellick über die Umsetzung des
grundsätzlich bereits Ende 2001 beschlossenen Abbaus von
Agrarzuschüssen und Einfuhrzöllen.
Bei den Subventionen hat die EU einen ersten Schritt gemacht: Sie
sollen zwar nicht gesenkt, aber auf Bereiche wie Naturschutz und
ländliche Entwicklung umgeschichtet werden, so dass sie den Handel
weniger stark verzerren als bislang. Einigen WTO-Partnern geht dies
jedoch nicht weit genug.
Noch schwieriger scheint eine Einigung bei den Einfuhrzöllen.
Während die USA zusammen mit anderen großen
Exportländern wie Brasilien und Kanada eine Senkung der Zölle
auf ein weltweit einheitliches Niveau fordern, wollen die EU und Japan
die bestehenden Zollsätze lediglich um einen einheitlichen
Prozentsatz absenken - so dass am Ende wieder unterschiedliche Niveaus
bestünden. Zudem will die EU die Einfuhr bestimmter Produkte aus
Gründen des Verbraucherschutzes nicht zulassen.
WTO-Chef Supachai warnte, ein Scheitern der Verhandlungen wäre
für die Weltgemeinschaft ein Signal, dass das multilaterale System
versagt habe. Begleitet wurde das Treffen in Montreal von Protesten von
Globalisierungsgegnern. Am Rande der Demonstrationen kam es zu
Ausschreitungen: Eine Gruppe Aktivisten zerschlug die Schaufenster eines
Geschäfts und eines Schnellrestaurants und stürmte ein
Rekrutierungsbüro der kanadischen Streitkräfte. Die Polizei
meldete rund 100 Festnahmen.
(Quelle: ap)
Mehr Information:
http://montreal.indymedia.org/
http://www.wto.org/
Gewerbesteuerstreit
in Deutschland +++ Koalitionsfraktionen auf Konfliktkurs zur Regierung
Mi.30.07.03 - Im
Streit um die Reform der Gemeindefinanzen haben sich ungewöhnliche
Fronten formiert: Während sich ein Konflikt zwischen der
rot-grünen Bundesregierung und den sie tragenden Fraktionen im
Bundestag abzeichnet, erhielt die Regierung am Dienstag für ihre
neuesten Pläne Beifall von der CDU/CSU und der Wohnungswirtschaft.
Die "Süddeutsche Zeitung" hatte am Montag berichtet, dass entgegen
früheren Reformplänen der Bundesregierung Unternehmen
künftig doch keine Gewerbesteuer auf gewinnunabhängige Posten
wie Zinsen, Miet- oder Pachteinnahmen zahlen sollen. Um Städten und
Gemeinden trotzdem höhere Einnahmen zu sichern, sollen sie der
Zeitung zufolge möglicherweise einen höheren Anteil an der
Umsatzsteuer bekommen. Ein Sprecher des Finanzministeriums hatte dazu
erklärt, es gebe noch keine endgültige Festlegung auf ein
Modell.
Der finanzpolitische SPD-Fraktionssprecher Jörg-Otto Spiller
erklärte dazu im Deutschlandradio Berlin, ein höherer Anteil
an der Umsatzsteuer berücksichtige nicht, dass die Gemeinden ein
Interesse am Gewerbe haben müssten. Daher müssten die in der
Gemeinde tätigen Wirtschaftsunternehmen einschließlich der
Dienstleister einen Beitrag zu den Gemeindefinanzen leisten.
Die kommunalen Spitzenverbände hätten ein Modell vorgelegt,
das von der SPD-Bundestagsfraktion unterstützt werde, betonte
Spiller. Die derzeitige Situation gebe geradezu Anreize, Eigenkapital
durch Fremdkapital zu ersetzen. Daher sei es ein Element der
Finanzierungsneutralität, wenn man auch Leasingausgaben oder Zinsen
in höherem Umfang als bisher auf die Bemessungsgrundlage der
Gewerbesteuer anrechne.
Ähnlich wie Spiller argumentierte die kommunalpolitische
Sprecherin der Grünen-Fraktion, Kerstin Andreae. Die Grünen
befürworteten die Einbeziehung gewinnunabhängiger Elemente wie
Mieten, Zinsen, Pachten und Leasing bei der Bemessung der
Gewerbesteuer. "Da wir die Zustimmung der Union im Bundesrat
benötigen, sind wir in diesem Punkt aber gesprächsbereit",
erklärte Andreae. Eine vollständige Herausnahme
gewinnunabhängiger Elemente ginge aber hinter den Status quo
zurück und würde die Gewerbesteuer noch weiter aushöhlen.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund schloss sich der Haltung der
Koalitionsfraktionen an. Vorstandsmitglied Heinz Putzhammer appellierte
an die Bundesregierung, zu ihren bisherigen Aussagen bezüglich der
Verbesserung der Kommunalfinanzen zu stehen.
Der CDU/CSU-Mittelstandspolitiker Hans Michelbach forderte
Finanzminister Hans Eichel auf, "vor seinen Genossen nicht
einzuknicken". Spiller warf er "Voodoo-Ökonomie ohne
Erfolgsaussicht" vor. Die Revitalisierung der Gewerbesteuer werde in die
Sackgasse führen. Notwendig sei ein Sofortprogramm mit
Einnahmeverbesserungen der Kommunen und Entlastungen bei den Ausgaben.
Der Bundesverband Deutscher Wohnungsunternehmen warnte vor
"dramatischen Folgen" für seine Klientel, wenn Zinsen, Mieten und
Pachten bei der Gewerbesteuer berücksichtigt werden sollten. Der
Verband plädierte dafür, stattdessen den Kommunen einen
höheren Anteil an der Umsatzsteuer zu überlassen.
(Quelle: ap)
«Wirtschaft setzt sich durch»
«Das
lange Wühlen des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BdI)
scheint sich gelohnt zu haben. Die Unternehmen werden bei der
Berechnung der neuen Gewerbesteuer ab 1. Januar 2004 wohl weniger
belastet, als die Fraktionen von SPD und Grünen vorschlagen.
...»
Mehr in
der "tageszeitung" vom 29.07.03:
http://www.taz.de/pt/2003/07/29/a0105.nf/text
|
http://www.die-gesundheitsreform.de
Mi.30.07.03 - Im
Schnitt mehr als 10 000 Internet-Benutzer besuchen täglich eine
vom Sozialministerium eingerichtete Web-Seite
zur Gesundheitsreform. Nach der Einigung über die Eckpunkte der
Reform bestehe ein großes Informationsbedürfnis, teilte das
Ministerium am Dienstag in Berlin mit.
Auf der Internetseite würden Eckpunkte und Hintergründe
dargestellt. Bisher nutzten vor allem Fachleute die Informationen - das
Ministerium sei jedoch bestrebt, auch weitere Kreise anzusprechen.
Die Homepage: http://www.die-gesundheitsreform.de
(Quelle: dpa)
Firmenpleiten
vernichten in diesem Jahr 600.000 Arbeitsplätze
Mi.30.07.03 -
Durch Firmenpleiten werden in diesem Jahr in Deutschland rund 600.000
Arbeitsplätze vernichtet. Diese Prognose macht der Bundesverband
der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) in seinem
jüngsten Konjunkturbericht, der am Dienstag in Berlin
veröffentlicht wurde. Mit insgesamt rund 40.000
Unternehmensinsolvenzen werde 2003 ein neuer Rekord erreicht. Eine
ähnliche Größenordnung hatten zuvor auch die
Wirtschaftsauskunftei Creditreform und das Statistische Bundesamt
vorausgesagt.
(Quelle: info.partisan.net)
Entwürfe
für zentrale Arbeitsmarktreformen +++ Neuer Kinderzuschlag von bis
zu 140 Euro
Mi.30.07.03 -
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat die Gesetzentwürfe
für seine zentralen Arbeitsmarktreformen - die Zusammenlegung von
Arbeitslosen- und Sozialhilfe sowie den Umbau der Bundesanstalt für
Arbeit - in die Abstimmung mit den anderen Ministerien gegeben. Die
bisher unveröffentlichten Entwürfe lagen der
Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag vor. Beide Gesetze sollen zum 1.
Januar 2004 in Kraft treten.
Das "Vierte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt"
regelt die von allen Parteien befürwortete Zusammenlegung von
Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Es sieht eine neue Grundsicherung
für Arbeit Suchende und eine intensivere Unterstützung bei der
Eingliederung in Arbeit vor. Betroffen seien 2,1 Millionen Haushalte
mit rund 4,3 Millionen Personen:
- Arbeitslosengeld II: Empfänger von Arbeitslosenhilfe und
erwerbsfähige Bezieher von Sozialhilfe werden gleichgestellt und
erhalten ab Juli 2004 das neue Arbeitslosengeld II (ALG II) in etwa in
Höhe der Sozialhilfe. Die monatliche Regelleistung zur Sicherung
des Lebensunterhalts soll 297 Euro im Westen und 285 Euro im Osten
betragen. Hinzu kommen Erstattungen für Wohnungs- und Heizkosten.
Die Arbeitslosenhilfe läuft Ende 2004 aus.
- Bezieher von regulärem Arbeitslosengeld (das über
Beiträge der Versicherten aus der Arbeitslosenversicherung bezahlt
wird) erhalten nach Ablauf ihres Anspruchs für zwei Jahre einen
Zuschlag auf das ALG II (das der Bund aus Steuermitteln zahlt), dessen
Höhe sich am letzten Arbeitslosengeld orientiert. Er beträgt
höchstens 160 Euro pro Monat für allein Stehende, 320 Euro
für Paare und 60 Euro für Kinder unter 18 Jahren.
- Neu eingeführt wird ein einkommenabhängiger Kinderzuschlag
für Geringverdiener. "Es soll verhindert werden, dass Familien
allein wegen der Unterhaltsbelastung für ihre Kinder auf ALG II
angewiesen sind", heißt es in dem Gesetzestext. Der Zuschlag soll
bis zu 140 Euro pro Monat und Kind betragen und längstens 36 Monate
gewährt werden. Er soll auch einen Arbeitsanreiz bieten. Die
Arbeitsaufnahme lohnt sich bereits, wenn Eltern Einkommen in Höhe
ihres ALG-II-Anspruchs erzielen. Ohne Kinderzuschlag lohnte sich eine
Arbeit erst, wenn der Bedarf der gesamten Familie durch
Arbeitseinkommen erwirtschaftet würde.
- "Wer arbeitet, soll mehr Geld zur Verfügung haben als derjenige,
der trotz Erwerbsfähigkeit nicht arbeitet": Nach diesem Motto
werden die Freibeträge, die bei eigenem Einkommen nicht auf das ALG
II angerechnet werden, erhöht und um eine Familienkomponente
erweitert. Der maximale Freibetrag für eine Familie mit drei
Personen, der anrechnungsfrei bleibt, stiege auf 207,90 Euro statt
147,50 in der Sozialhilfe (West).
- Die Zumutbarkeit einer Arbeit wird verschärft: "Dem
erwerbsfähigen Hilfebedürftigen ist jede Arbeit zumutbar, es
sei denn, dass er dazu körperlich oder geistig nicht in der Lage
ist." Auch die Erziehung eines Kindes darf nicht gefährdet sein.
Die Bundesanstalt für Arbeit soll daher darauf hinwirken, dass
allein Erziehenden vorrangig ein Platz zur Tagesbetreuung des Kindes
angeboten wird. Erwerbsfähig ist, wer mindestens drei Stunden
täglich erwerbstätig sein kann und darf.
- Das ALG II wird um 30 Prozent gekürzt, wenn der
erwerbsfähige Hilfebedürftige sich weigert, eine
Eingliederungsvereinbarung mit dem Arbeitsamt abzuschließen, darin
festgelegte Pflichten zu erfüllen oder eine zumutbare Arbeit
anzunehmen. Jungen Arbeitslosen bis 25 Jahre wird in diesen Fällen
das ALG II ganz gestrichen. Im Gegenzug ist ein
Beschäftigungsanspruch für unter 25-Jährige verankert:
"Erwerbsfähige Hilfebedürftige, die das 25. Lebensjahr noch
nicht vollendet haben, sind in eine Beschäftigung, eine Ausbildung
oder eine Arbeitsgelegenheit zu vermitteln."
- Die Betreuung von Arbeitslosen wird intensiviert. Künftig soll
ein BA-Mitarbeiter nur noch 75 Hilfebedürftige betreuen - derzeit
sind es etwa 500. Der zusätzliche Einsatz von etwa 11.800
Mitarbeitern in der BA sei dafür erforderlich.
- Bei der Berechnung des ALG II werden auch Einkommen und Vermögen
eines Lebenspartners herangezogen. Altersvorsorgebeiträge in der
Höhe, wie sie vom Bund gefördert werden (Riester-Rente),
bleiben davon unberührt; ebenso ein selbst genutztes
Hausgrundstück oder eine Eigentumswohnung.
- Die Sozialversicherungsträger können mit mehr Einnahmen
rechnen, da auch für bisherige Empfänger von Sozialhilfe, die
erwerbsfähig sind, Beiträge in die Rentenversicherung gezahlt
werden. ALG-II-Bezieher sind auch kranken- und pflegeversichert.
Das "Dritte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt"
soll vor allem die Umgestaltung der BA fortsetzen. Strukturelle
Veränderungen in der Organisation und eine Vereinfachung des
Leistungsrechts sollen eine wirksamere Vermittlung ermöglichen.
"Sie soll zu einer leistungsfähigen Service-Einrichtung umgebaut
werden, deren Aktivitäten maßgeblich durch die
Kundenorientierung bestimmt sind." Als äußeres Zeichen
heißt die BA künftig Bundesagentur, mit einer Zentrale,
Regionaldirektionen und Agenturen für Arbeit.
(Quelle: rtr)
Neues
polizeiliches Daten-Verbundsystem soll in Betrieb gehen
Mi.30.07.03 -
Mitte August soll das polizeiliche Daten-Verbundsystem Inpol-Neu im
Bundeskriminalamt in Betrieb gehen. Nach gut zehnjähriger
Entwicklungszeit hatte das 60-Millionen-Euro-Projekt Anfang 2002
zunächst einen fulminanten Fehlstart hingelegt: Zu lange
Reaktionszeiten ließen die Beamten verzweifeln. Bund und
Länder hatten das System mit ihren Anforderungen zu einer nicht
mehr handhabbaren, extremen Komplexität aufgebläht.
Der Neuansatz will nun "die fachlichen Anforderungen auf das technisch
Machbare und Überschaubare reduzieren", erklärte
Gesamtprojektleiter Holger Gadorosi in der Polizeizeitschrift
Kriminalistik. Die geplante "Revolution" wurde zugunsten einer
"Evolution" abgesagt. Die Ländersysteme sollen nunmehr stufenweise
eingebunden werden. Um die Entwicklung von Bund und Ländern
zeitlich voneinander zu entkoppeln, wurde nun Inpol-Neu in zwei
aufeinander aufsetzenden Versionen entwickelt: Zunächst sorgt eine
Weiterentwicklung namens "Version 4" dafür, dass das zentrale
IT-System moderner, aber auch zu den alten Systeme
abwärtskompatibel ist. Sobald das letzte Landessystem diese
Weiterentwicklung übernommen hat, wird "Version 5" eingeführt,
die wiederum abwärtskompatibel ist, aber bereits alle fachlichen
und technischen Wünsche erfüllt.
Die Nutzerakzeptanz unter den 270.000 Polizeibeamten war für die
Entwicklung der "wesentliche Maßstab", so Holger Gadorosi. Die
Benutzeroberfläche soll "in moderner Internettechnologie" gestaltet
sein, einfache Auskunftmasken und eine intuitive Bedienung sollen
für eine gute Akzeptanz sorgen. Auch erlaubt das System bereits
Beziehungsgeflechte zu bilden und zu analysieren: An Fallgrunddaten wie
den Tatort und das Aktenzeichen werden Personen und Sachen
geknüpft. Moderne Schnittstellen sorgen dafür, dass etwa das
Kraftfahrbundesamt angebunden werden kann.
Eine automatisierte Abfrage des Schengen-Informationssystems ist
ebenfalls schon jetzt möglich. Vier Bundesländer sind bereits
an "Version 4" angebunden, alle anderen sollen bis Anfang August ihre
Zugangssysteme umstellen. Allein zwei Ländern werden noch für
eine gewisse Übergangszeit mit ihren alten Systemen auf Inpol-Neu
zugreifen. Die zentrale Umstellung erfolgt Mitte August, wenn das
Bundeskriminalamt sein System auf "Version 4" umstellt. Ab dann werden
die Falldateien bis ins Jahr 2004 nach und nach umgestellt.
(Quelle: info.partisan.net)
«Neue Landespolizeigesetze weiten die
Telefonüberwachung noch weiter aus»
«Noch
ist über den Lauschangriff nicht entschieden, und schon
führen die Länder auch das vorbeugende Telefonabhören
ein...»
Mehr in
der "Süddeutschen Zeitung" vom 29.07.03:
http://www.sueddeutsche.de/sz/politik/red-artikel2019/
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