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+++ Fr.01.08.03,
12:45 Nachrichten-Archiv Aktuelle
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Irak am hundertfünfunddreißigsten Tag nach Kriegsbeginn
Erneut zwei
US-Soldaten bei Angriffen in Irak getötet +++ Irakische
Ölpipeline steht in Flammen +++ US-Militär: Angriffe auf
Truppen im Irak immer ausgeklügelter +++ US-Oberbefehlshaber
Sanchez: El Kaida ist in Irak aktiv +++ USA suchen mit digital
manipulierten Bilder nach Saddam +++ Belohnung für Information
über Aufenthalt von Saddam-Söhnen bezahlt +++ USA rechnen mit
Parlamentswahlen im Irak Mitte 2004 +++ US-Kreise: Keine
Massenvernichtungswaffen im Irak entdeckt +++
Fr.01.08.03 - Bei
neuerlichen Angriffen in Irak sind zwei US-Soldaten getötet
worden. Ein US-Soldat wurde bei einem Raketenangriff am Donnerstag auf
der Autobahn in der Nähe des Flughafens von Bagdad getötet,
wie der US-Oberbefehlshaber in Irak, Ricardo Sanchez, erklärte. Ein
AFP-Fotograf hatte zuvor berichtet, bei dem Angriff seien vier
US-Soldaten verletzt worden. Die Opfer wurden per Hubschrauber evakuiert.
Eine Ölleitung in der Nähe der irakischen Raffinerie Baidschi
ist in Brand geraten. Von der Pipeline 200 Kilometer nördlich von
Bagdad stieg am Morgen schwarzer Rauch auf, wie ein Reporter der
Nachrichtenagentur AFP berichtete.
Hubschrauber der US-Armee überflogen die in Brand geratene
Ölleitung nördlich von Bagdad. Möglicherweise wurde das
Feuer durch eine Explosion ausgelöst. Am Donnerstagabend sei eine
Explosion zu hören gewesen, sagte ein Anwohner.
Die Angriffe auf die US-Truppen im Irak werden dem US-Militär
zufolge immer ausgeklügelter und damit auch immer tödlicher.
"Der Feind verbessert seine Fähigkeiten", sagte der Befehlshaber
der US-Streitkräfte im Irak, General-Leutnant Ricardo Sanchez, am
Donnerstag in Bagdad. "Sie lernen. Unter ihnen sind einige Profis." Dazu
könnten auch Mitglieder der moslemischen Extremistengruppe El
Kaida gehören, sagte Sanchez. Bei der Suche nach
Massenvernichtungswaffen im Irak machen die beauftragten Experten nach
eigenen Angaben handfeste Fortschritte. Aus Kreisen verlautete
allerdings, bislang seien jedoch keine Waffen gefunden worden.
Sanchez wies auf den zunehmenden Einsatz von Werfergranaten,
Plastiksprengstoff und Granaten in Kombination mit Zeitzündern und
Stolperdrähten bei den Anschläge auf die alliierten Truppe
hin. Diese zunehmend komplexen Angriffe seien für die zunehmende
Zahl von Toten unter den Soldaten verantwortlich. Seit dem von
US-Präsident George W. Bush ausgerufenen Ende der
Hauptkampfhandlungen im Irak vor drei Monaten sind 52 Soldaten
getötet worden, davon 19 allein in den vergangenen zwei Wochen.
"Wir lernen aus dem, was der Feind uns antut", sagte Sanchez.
Vor einigen Tage hatte Sanchez den Irak als einen Magneten für
Terroristen bezeichnet. Neben der El-Kaida-Gruppe des radikalen Moslems
Osama bin Laden könnten auch Ansar el Islam und andere
Extremistengruppen beteiligt sein, sagte er am Dienstag. Eine
Zusammenarbeit zwischen der gestürzten irakischen Regierung von
Präsident Saddam Hussein und der El Kaida war vor dem Krieg immer
wieder diskutiert, jedoch nie schlüssig nachgewiesen worden. Die
USA machen Bin Laden für die Anschläge am 11. September 2001
verantwortlich.
Die USA suchen jetzt mit digital manipulierten Fotos nach Saddam
Hussein. Wie CNN berichtet, verteilte das Pentagon sechs verschiedene
Bilder an die Truppen im Irak. Sie zeigen, wie der gestürzte
irakische Präsident inzwischen aussehen könnte. So sei Saddam
auf einem Foto ohne seinen typischen Schnurrbart zu sehen. Ein anderes
Bild zeigt ihn als grauhaarigen Mann. Die USA gehen davon aus, dass
Saddam sein Haar immer dunkel gefärbt hatte und dies auf der Flucht
nicht mehr machen kann. Auf einer dritten Fotomontage ist der
Ex-Diktator mit einem langen Bart zu sehen.
US-Außenminister Colin Powell hat die Auszahlung der Belohnung
von 30 Millionen Dollar (26,5 Millionen Euro) veranlasst, die für
die Ergreifung der Söhne von Saddam Hussein ausgesetzt war. Wie
Außenamtssprecher Richard Boucher am Donnerstag mitteilte, ist es
die höchste Belohnung, die im Rahmen des Programmes "Rewards for
Justice" ("Belohnung für Gerechtigkeit" bisher gezahlt wurde. Am 3.
Juli hatten die Vereinigten Staaten je 15 Millionen Dollar für
Informationen über die beiden Söhne Udai und Kusai des
Ex-Machthabers ausgesetzt. Auf Saddam Hussein sind bis zu 25 Millionen
Dollar ausgesetzt.
Die USA rechnen mit Parlamentswahlen im Irak möglicherweise Mitte
kommenden Jahres. Dann sollen auch die Besatzungstruppen abziehen.
Im kommenden Jahr werde es eine irakische Regierung geben, sagte der
Chef der US-geführten Zivilverwaltung im Irak, Paul Bremer. Sobald
eine demokratische Regierung gebildet sei, würden die
US-geführten Besatzungstruppen den Irak verlassen.
"Es ist nicht unrealistisch, dass wir vielleicht Mitte 2004
Parlamentswahlen haben, und dann wird unsere Arbeit getan sein", sagte
Bremer in Bagdad. Er äußerte sich anlässlich der
Wiedereröffnung des irakischen Außenministeriums, das nach
dem Sturz des Präsidenten Saddam Hussein Anfang April
geplündert und durch einen Brand stark beschädigt worden war.
"Ihr Ministerium arbeitet wieder, ... und Schritt für Schritt wird
es zur Diplomatie führen", sagte Bremer vor Mitarbeitern des
Ministeriums. "Ich weiß, dass Ihre Arbeit in dem Maß
zunehmen wird, in dem wir dabei vorankommen, eine irakische Regierung zu
bilden."
Viele Iraker verlangen jedoch viel schneller eine eigene Regierung und
protestieren gegen die Besatzungstruppen, deren Einsatz die USA
monatlich vier Milliarden Dollar kostet.
Als Schritt auf dem Weg zur Selbstverwaltung des Iraks hatte die
US-Zivilverwaltung Anfang des Monats einen Regierungsrat eingesetzt.
Dessen 25 Mitglieder vertreten die verschiedenen politischen,
religiösen und ethnischen Gruppen im Land. Am Mittwoch einigte sich
der Rat nach einer zweiwöchigen Debatte auf ein Rotationsverfahren
für die Präsidentschaft. Er soll unter anderem Minister
benennen, die mit den USA zusammenarbeiten, und eine Verfassung
ausarbeiten. Sobald die Verfassung fertig ist, sollen nach US-Angaben
Wahlen abgehalten werden. An die dann gebildete Regierung soll die
US-Zivilverwaltung die Kontrolle abgeben.
Etwa vier Monate nach dem Sturz der irakischen Regierung haben
US-Spezialisten nach Angaben aus US-Kreisen weiter keine
Massenvernichtungswaffen im Irak entdeckt.
Jedoch seien Dokumente gefunden worden, die auf die Existenz eines
irakischen Programmes zur Herstellung dieser Waffen hindeuteten,
hieß es am Donnerstag in Washington nach Anhörungen von
Ausschüssen des US-Senats. David Kay vom US-Geheimdienst CIA und
Keith Dayton vom US-Militärgeheimdienst DIA hatten die Abgeordneten
hinter verschossenen Türen über den Stand der Suche
informiert. Die USA und Großbritannien hatten den Krieg unter
anderem mit einer Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen
begründet.
"Auf jeden Fall werden die Argumente immer stärker - daran
zweifelt niemand - dass sie ein Programm hatten", verlautete aus den
Kreisen. "Wir haben gute Dokumente. Wir haben die Dokumentation ihres
(Waffen-)Programms gefunden." Informationen von niederrangigen Irakern
hätten sich als sehr fruchtbar erwiesen, hieß es weiter. Seit
Juni sucht eine Spezialeinheit von etwa 1500 Amerikanern, Briten und
Australiern nach den Waffen. Die Gruppe spricht den Kreisen zufolge
unter anderen auch mit irakischen Wissenschaftlern.
Der demokratische Senator und Präsidentschaftskandidat Bob Graham
aus Florida sagte, er hoffe, dass Massenvernichtungswaffen gefunden
würden. "Wenn wir keine Massenvernichtungswaffen finden und wenn es
sich nicht herausstellt, dass sie für einen sofortigen Einsatzes
bereit waren, wird die Glaubwürdigkeit der US-Regierung im Ausland
und die Glaubwürdigkeit der US-Regierung im eigenen Volk hier in
den USA schweren Schaden nehmen", sagte er. Zahlreiche Staaten,
darunter auch Deutschland, hatten die Begründung der USA für
den Krieg kritisiert. Iraks Präsident Saddam Hussein hatte vor
seinem Sturz im April erklärt, sein Land verfüge nicht mehr
über Massenvernichtungswaffen.
(Quellen: dpa,
rtr, afp)
«Manfred Messerschmidt: Prozess gegen Saddam Hussein
nicht Sache der Amerikaner»
SZ-Interview
mit dem Historiker Manfred Messerschmidt (31.07.03):
http://www.sueddeutsche.de/sz/politik/red-artikel2369/
Der
Internationale Strafgerichtshof in Den Haag sei zuständig, sagte
Messerschmidt der Süddeutschen Zeitung. "Alles andere wäre
eine Verletzung des Völkerrechts. Es wäre ein Skandal, wenn
die Amerikaner ihn vor ein eigenes Gericht stellen würden. Eine
Anklage gegen Saddam Hussein muss sich auf die Maßstäbe des
Menschrecht-Statuts stützen, das nach dem Zweiten Weltkrieg
für den Nürnberger Gerichtshof entwickelt worden ist. Das
Statut haben damals ja maßgeblich New Yorker Juristen erarbeitet.
Streng genommen hat auch Amerika gegen diesen Maßstab
verstoßen, indem es einen Angriffskrieg gegen den Irak
geführt hat. Eigentlich müssten sich die USA selbst vor
Gericht stellen."
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Ehemaliger
UN-Waffeninspekteur Blix nennt US-Präsident Bush aufrichtig
Fr.01.08.03 - Der
ehemalige UN-Chefinspekteur für Irak, Hans Blix, hat
US-Präsident George W. Bush als aufrichtig bezeichnet. Er habe nie
bezweifelt, dass Bush von der Richtigkeit dessen überzeugt war, was
er über die Bedrohung durch Irak gesagt habe, sagte Blix dem
Berliner "Tagesspiegel". Auch der britische Premierminister Tony Blair
sei von seinen Aussagen sehr überzeugt gewesen, sagte Blix in
Hannover, wo er am Abend mit dem Leibniz-Ring des Presse Clubs Hannover
geehrt wurde.
Blix sagte der Zeitung, auch US-Außenminister Colin Powell habe
seiner Ansicht nach bei der Beweisführung vor den UN nicht
wissentlich gelogen. Er habe vielmehr auf die Zweifel hingewiesen, die
an den Informationen über mögliche irakische
Massenvernichtungswaffen bestanden. Blix plädierte für eine
"kritische Untersuchung" der vorgelegten Beweise.
In Hannover sagte der Diplomat, es habe ihn nicht überrascht, dass
in Irak nach dem Krieg keine Massenvernichtungswaffen gefunden worden
seien. Als Chef der Waffeninspekteure habe er im vergangenen Jahr nie
gesagt, Irak habe solche Waffen. Man habe den Besitz von
Massenvernichtungswaffen lediglich nicht ausgeschlossen. Eine nukleare
Bedrohung durch Irak habe er allerdings immer für unwahrscheinlich
gehalten. Sie habe auch nicht existiert.
Zum Krieg selbst äußerte sich Blix differenziert. Aus
heutiger Sicht gebe es "viele negative Faktoren und einige positive
Faktoren" des Krieges. Negativ an dem Krieg sei gewesen, dass die USA
den UN-Sicherheitsrat und den Willen der Mehrheit der UN-Mitglieder
ignoriert hätten, sagte Blix. Negativ seien auch die Opfer an
Menschenleben und die Zerstörungen, die der Krieg verursacht habe.
Positive Elemente seien dagegen das Ende des brutalen Saddam-Regimes,
die erneuten Bemühungen um Frieden im Nahen Osten und die
Entwicklung Iraks zu einem freieren und demokratischeren Land.
Mit dem Leibniz-Ring-Hannover wurde Blix nach Angaben des Presse Clubs
für seinen "Einsatz und sein unabhängiges Streben für den
Weltfrieden" sowie sein gesamtes Lebenswerk geehrt. Die Laudatio
für den schwedischen Diplomaten hielten am Donnerstagabend in der
hannoverschen Stadthalle Schüler der Leibniz-Schule. Der seit 1997
vergebene Leibniz-Ring-Hannover ist nach dem Universalgelehrten
Gottfried Wilhelm Leibniz benannt und mit 15.000 Euro dotiert.
Einer Umfrage zufolge glaubt fast die Hälfte aller Amerikaner,
dass Bush die Gefahr durch irakische Massenvernichtungswaffen
übertrieben dargestellt hat, um den Krieg gegen Saddam Hussein zu
begründen. Bei der Umfrage des US-Senders NBC und der Zeitung "Wall
Street Journal" vom Mittwoch waren 47 Prozent der Befragten dieser
Ansicht. 48 Prozent gingen davon aus, Bush habe für seine Rede zur
Lage der Nation ausschließlich auf exakte Informationen
zurückgegriffen.
Die Befragung wurde durchgeführt, bevor Bush am Mittwoch erstmals
selbst die Verantwortung dafür übernahm, falsche Angaben
über die Bedrohung durch Irak gemacht zu haben. Gleichwohl scheinen
die Zweifel an seiner Ehrlichkeit die Zustimmung der Amerikaner zum
Krieg nicht zu beeinträchtigen, wie die Umfrage ergab.
(Quelle: ap)
US-Bürgerrechtsorganisation
klagt gegen Bushs Patriot Act
Fr.01.08.03 - Die
größte US-Bürgerrechtsorganisation American Civil
Liberties Union (Aclu [http://www.aclu.org/])
hat Klage gegen das 2001 erlassene Antiterrorgesetz, den so genannten
Patriot Act [http://www.eff.org/Privacy/Surveillance/Terrorism_
militias/20011025_hr3162_usa_patriot_bill.html], eingereicht.
"Ganz normale Amerikaner sollten sich nicht darum sorgen müssen,
dass das FBI ihre Krankenakten durchwühlt, ihre persönlichen
Papiere beschlagnahmt oder Wohltätigkeitsorganisationen und
Interessenvertretungen zur Herausgabe von Mitgliederlisten zwingt",
sagte Aclu-Vertreterin Ann Beeson am Mittwoch zur Begründung des
Antrags, der beim Bundesgericht in Detroit im US-Bundesstaat Michigan
eingereicht wurde.
Der Patriot Act räume der US-Bundespolizei FBI weit reichende
Überwachungsmöglichkeiten ein. Damit werde das
verfassungmäßige Recht auf Schutz vor
übermäßigen Durchsuchungen und Beschlagnahmen ebenso
verletzt wie das Recht auf freie Meinungsäußerung. Beeson
sagte weiter, der Organisation lägen Berichte vor, dass sich das
FBI "überproportional auf ethnische, religiöse und politische
Minderheiten" konzentriere.
(Quelle: afp)
China
empört über Pentagon-Bericht
Fr.01.08.03 - Die
chinesische Regierung hat am Freitag einen US-Bericht scharf
zurückgewiesen, wonach der kommunistische Staat zusätzliche
Raketen gegen seinen Nachbarn Taiwan in Stellung bringen soll. Hinter
den Anschuldigungen stecke die Strategie Washingtons,
Waffenverkäufe an die taiwanische Regierung zu rechtfertigen,
hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums in
Peking.
"Ziel ist die Entschuldigung für den Verkauf hoch entwickelter
Waffen an Taiwan sowie die Beeinflussung der öffentlichen Meinung",
so die Erklärung. Die chinesische Seite sei empört.
Der Pentagon-Bericht vom Mittwoch stellte fest, dass sich China
wesentlich schneller Kurzstreckenraketen anschaffe als zuvor angenommen.
Die Vorbereitung für eine mögliche Auseinandersetzung mit
Taiwan sei die "vorrangige Motivation" für die militärische
Modernisierung Pekings. In dem Papier des amerikanischen
Verteidigungsministeriums wird ferner auf die Anschaffung von
russischen U-Booten verwiesen, die den Schiffsverkehr Richtung Taiwan
blockieren oder die US-Streitkräfte bei einem möglichen
Konflikt bedrohen könnten.
China und Taiwan haben seit der Trennung in einem Bürgerkrieg im
Jahr 1949 eigene Regierungen. Peking betrachtet Taiwan jedoch als
chinesisches Territorium und drohte wiederholt mit der Besatzung. Die
USA wiederum sind der größte Waffenlieferant der demokratisch
gewählten taiwanischen Regierung.
(Quelle: ap)
Israel will
Siedlung im Gaza-Streifen ausbauen - Siedlungspläne senken
Hoffnung auf Frieden
Fr.01.08.03 - Die
Umsetzung des internationalen Friedensplanes am Nahost hat am
Donnerstag durch Pläne für den Ausbau einer israelischen
Siedlung im besetzten Gaza-Streifen einen Rückschlag erlitten.
Das israelische Vorgehen stelle eine klare Herausforderung des
Friedensprozesses dar, sagte der palästinensische Politiker Saeb
Erekat zur Ankündigung der Ausschreibung zum Bau 22 neuer Wohnungen
in der Siedlung Newev Dekalim im Westen des Gaza-Streifens. Israel
stelle die Siedlungspolitik über den Frieden.
Der als "Road Map" genannte Friedensplan verlangt von Israel die
Einstellung aller weiteren Siedlungsaktivitäten in den
Palästinenser-Gebieten. Nach Ansicht der israelischen Regierung
sollten bestehende Siedlungen aber natürlich wachsen dürfen.
Nach dem Friedensplan soll die Gewalt beendet und bis 2005 ein eigener
Palästinenser-Staat gebildet werden.
Die Hoffnungen auf die Fortsetzung des Friedensprozesses wurden am
Donnerstag auch dadurch gesenkt, dass Israel und die Palästinenser
sich nicht auf die Übergabe der Kontrolle zweier Städte im
Westjordanland an die palästinensische Behörden einigen
konnten. Die Übergabe der Kontrolle in den
Palästinenser-Städten an die palästinensischen
Behörden ist eine der vertrauensbildenden Maßnahmen, die der
internationale Friedensplan vorsieht.
Ausschreitungen von Palästinensern in einem israelischen
Gefängnis, die von der israelischen Polizei unter Einsatz von
Tränengas, beendet wurden, unterstrichen die wachsende Spannungen
beim Stillstand der Friedensbemühungen.
Nach dem Gespräch mit US-Präsident George W. Bush vergangene
Woche steht der palästinensische Ministerpräsident Mahmud
Abbas im eigenen Lager unter Erfolgsdruck. Er muss die Bevölkerung
vom Wert des von ihm unterstützten Friedensplan überzeugen.
Abbas hat zwar militante Palästinenser-Gruppen wie Hamas und
Islamischer Dschihad zu einer dreimonatigen Waffenruhe gegenüber
Israel bewegt; doch die Gruppen haben aus Enttäuschung über
die Beratungen Bushs mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel
Scharon mit einem Bruch der Waffenruhe gedroht.
Dies beunruhigt die israelische Militärführung. "Ich habe den
Streitkräften angeordnet, sich auf den Ausbruch eines neuen Terrors
vorzubereiten. Dies ist unausweichlich. Er (der Terror) wird schlimmer
sein als bisher, wenn die Infrastruktur des Terrors nicht zerstört
wird", sagte Israels Verteidigungsminister Schaul Mofas.
(Quelle: rtr)
Den Haager
UNO-Tribunal verhängt erstmals lebenslange Haftstrafe
Fr.01.08.03 - Mit
der lebenslangen Verurteilung eines ehemals in Bosnien regierenden
serbischen Bürgermeisters hat das UNO-Kriegsverbrechertribunal in
Den Haag am Donnerstag erstmals ihre härteste Strafe verhängt.
Milomir Stakic habe sich 1992 in Bosnien der Verbrechen gegen die
Menschlichkeit schuldig gemacht, erklärte das Tribunal in den
Niederlanden. Zwar sprachen ihn die Richter vom härtesten Vorwurf,
dem des Völkermordes, frei, verurteilten ihn aber wegen der
Verfolgung und Ermordung bosnischer Moslems und Kroaten in Prijedor im
Nordwesten Bosniens. "Das Gericht kam zu dem Schluss, dass die
Verbrechen der Verfolgung und Auslöschung den Kern der kriminellen
Handlungen von Dr. Stakic darstellen", sagte der Vorsitzende Richter
Wolfgang Schomburg.
Stakic sei einer der Hauptakteure der Verfolgungskampagne gewesen,
sagte Schomburg. Stakic - von Beruf Arzt - war während des
Bosnien-Krieges zwischen 1992 und 1995 führender Beamter der
Prijedor-Gemeinde. Er war Mitglied des so genannten Krisenstabs, der die
Besetzung von Prijedor und die Vertreibung sowie Verfolgung von Moslems
und Kroaten im April 1992 leitete. Stakic gilt zudem als einer der
Beteiligten am Aufbau eines Lagers, in dem Menschen nicht-serbischer
Abstammung brutal ermordet, gequält und geschlagen wurden.
Wie die Richter erklärten, hatte Stakic den Vorsitz im
Zusammenhang mit einer Entscheidung, das berüchtigte Haft-Lager in
Omarska im Mai 1992 einzurichten. Zudem habe er die Errichtung anderer
Lager in Keraterm und Trnopolje im Fernsehen verteidigt.
Bosnische Serben versuchten während des Krieges, Moslems und
Kroaten auszulöschen, um ein größeres Serbien zu
schaffen, wie die Richter argumentiert hatten. Die Prijedor-Gegend galt
als strategisch wichtig, da sie die von Serben dominierten Regionen um
Krajina nach Westen hin mit serbischen Gebieten verband. Vor dem
Bosnien-Krieg war Prijedor Serben und Moslems etwa gleich stark
vertreten. 1993 stellten dann Serben rund 90 Prozent der
Bevölkerung.
Stakic, der einst ein bekanntes Mitglied der Serbisch-Demokratischen
Partei des damaligen serbischen Präsidenten in Bosnien, Radovan
Karadzic, war, wurde im März 2001 in Serbien festgenommen und dem
Tribunal übergeben. Der Prozess gegen ihn hatte gut ein Jahr
später im April 2002 begonnen und ein weiteres Jahr gedauert.
Stakic könnte nach 20 Jahren Haft wegen guter Führung
vorzeitig entlassen werden, wie die Richter erklärten.
(Quelle: rtr)
UN-Bericht zu
Kongo: Kannibalismus vorsätzliches Kriegsmittel
Fr.01.08.03 -
Nach einem UN-Bericht über den Bürgerkrieg im Nordosten
Kongos waren Kannibalismus, Gewalt gegen Frauen sowie Plünderungen
und Mord "vorsätzlichee Mittel der Rebellengruppen". Ermittler der
UN-Friedensmission waren in das Gebiet um die Städte Mambasa und
Beni geschickt worden, um Berichten über Gräueltaten in der
Zeit von Oktober bis Dezember vergangenen Jahres nachzugehen. Am
Donnerstag stellten sie ihren Bericht in New York vor.
Die Befragung von 500 Zeugen ergab, dass insgesamt 173 Personen
getötet oder exekutiert wurden, zwölf
Kannibalismus-Vorfälle bestätigten sich. Allein unter den
befragten Zeugen waren 69 Vergewaltigungsopfer. Als die Kämpfer der
Kongolesischen Befreiungsbewegung (MLC) und der Kongolesischen
Versammlung für Nationale Demokratie (RCD-N) am 12. Oktober Mambasa
einnahmen, sei es "zu Massenvergewaltigungen, systematischen
Plünderungen und der Zerstörung von Gesundheitseinrichtungen
gekommen", heißt es in dem Bericht.
Zu den ersten Toten sei es bei einem Gegenangriff der Kongolesischen
Sammlungsbewegung für Demokratie (RDC-ML) gekommen. Nach den
Zeugenaussagen waren die Menschenrechtsverletzungen der RDC-ML
vergleichsweise gering. Dagegen habe die RCD-N über eine
Sondereinheit verfügt, die die meisten Gräueltaten beging. Die
meisten Kannibalismus-Fälle seien aus Rachegelüsten an den
Stämmen der Nande und der Pygmy verübt worden, weil diese die
Truppen der RCD-ML unterstützten, heißt es in dem Bericht.
(Quelle: ap)
«Der Blick in die eigene Geschichte sollte die
Europäer davon abhalten, Afrikas Kriege als Akte fremder Barbarei
zu betrachten»
«..Die
afrikanischen Kriege werden als das apokalyptische Ende eines
Zivilisationsprozesses wahrgenommen, der kaum begonnen hatte. Der
Anblick des in Kriegen versinkenden Afrika sollte aber den Westen nicht
zu zivilisatorischer Überheblichkeit verleiten. Im Gegenteil: Die
afrikanische Gegenwart könnte die Europäer daran erinnern, wie
langwierig, grausam und kostenreich der Prozess der Zivilisation auf
ihrem eigenen Kontinent verlaufen ist...» (Aus: Wolf Lepenies -
"Das Rohe und der Mensch", Süddeutsche Zeitung vom 31.07.03)
http://www.sueddeutsche.de/sz/politik/red-artikel2376/
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USA
erwägen Verfassungsänderung zum Verbot der Homo-Ehe
Fr.01.08.03 - Die
US-Regierung erwägt entgegen ihrer jüngsten
Äußerungen nun doch eine Verfassungsänderung, um das
Verbot der Homo-Ehe in den USA sicherzustellen.
Auf die Frage nach einer möglichen Verfassungsänderung, sagte
der Sprecher des US-Präsidialamtes, Scott McClellan, am Donnerstag
vor Journalisten: "Offensichtlich ist dies eine Sache, die in diesem
Zusammenhang geprüft werden muss." Jede Art administrativen
Vorgehens hänge von dem Ergebnis einiger anhängiger
Gerichtsverfahren in Sachen gleichgeschlechtlicher Ehe ab, fügte er
hinzu. Erst Anfang des Monats hatte US-Präsident George W.Bush
noch erklärt, eine Verfassungsänderung zum Verbot der Homo-Ehe
sei wohl nicht erforderlich.
Allerdings sagte Bush am Mittwoch, derzeit würden
Möglichkeiten untersucht, um die Homo-Ehe zu unterbinden. Bush ist
seinem Sprecher zufolge auch gegen gleichgeschlechtliche
Partnerschaften, wie sie etwa im Bundesstaat Vermont zugelassen sind.
"Dem Präsidenten ist sehr viel daran gelegen, die Unverletzlichkeit
der Ehe zu schützen und diese Einrichtung, die sich nach seiner
Überzeugung zwischen Mann und Frau vollzieht, zu verteidigen",
fügte McClellan hinzu. "Wir sehen uns an, was erforderlich sein
wird angesichts der anhängigen Verfahren", sagte er.
Für eine Verfassungsänderung müssen hohe Hürden
überwunden werden. Zwei Drittel der Stimmen beider Kongresskammern
müssen einer Änderung zustimmen und von drei Vierteln der
Bundesstaaten ratifiziert werden.
(Quelle: rtr)
Vatikan ruft
Politiker zum Widerstand gegen Homo-Ehen auf
Fr.01.08.03 - Der
Vatikan hat katholische Politiker und Geistliche weltweit zum
Widerstand gegen die Anerkennung gleichgeschlechtlicher
Lebensgemeinschaften aufgerufen. Homosexualität sei "ein
beunruhigendes moralisches und soziales Phänomen" und eine
"Anomalie", hieß es in einem elfseitigen Papier, das der deutsche
Kardinal Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation
unterzeichnete. Der Aufruf löste bei den Parteien in Deutschland
ein geteiltes Echo aus: Politiker von SPD, Grünen und der FDP
kritisierten das Papier, aus der Union kam hingegen Zustimmung.
Homosexuelle Handlungen "entspringen nicht einer wahren affektiven und
geschlechtlichen Ergängzungsbedürftigkeit" und seien deshalb
"in keinem Fall zu billigen", heißt es in dem elfseitigen Papier
des Vatikans. Die katholischen Politiker ruft der Vatikan auf, ihren
Widerstand gegen gleichgeschlechtliche Gemeinschaften "klar und
deutlich" auszudrücken und gegen entsprechende Gesetzesvorhaben zu
stimmen.
"Es gibt keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen
Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie
Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn", heißt
es in der Erklärung der Kongregation für die
Glaubenslehre mit dem Titel "Erwägungen zu den Entwürfen einer
rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen
Personen". Die Ehe sei heilig, während die homosexuellen
Beziehungen gegen das natürliche Sittengesetz verstießen.
Der Vatikan spricht sich auch dagegen aus, dass gleichgeschlechtliche
Paare Kinder adoptieren dürfen. Dies sei "eine Vergewaltigung
dieser Kinder in dem Sinn, dass man ihren Zustand der
Bedürftigkeit ausnützt".
Dagegen erklärte Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD),
Manfred Bruns: "Der Vatikan kann kein einziges sachliches Argument gegen
eingetragenen Lebenspartnerschaften anführen. Deshalb versucht er
es mit erpresserischem Gewissensdruck auf katholische Politiker."
Als ein "Dokument eines engstirnigen Fanatismus" bezeichnete der
Grünen-Politiker Volker Beck die Erklärung. Wenn der für
die Verlautbarung zuständige Kardinal Josef Ratzinger sein
mittelalterliches Sündendenken zum Maßstab staatlicher
Gesetzgebung erhebe, sei dies zutiefst undemokratisch.
Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz sagte, er habe
großen Respekt vor der katholischen Kirche, "aber diese Fragen
regeln wir hier in Deutschland, wie wir das für richtig halten".
FDP-Chef Guido Westerwelle nannte die Vatikan-Erklärung einen
"Beitrag aus einem völlig überholten Gesellschaftsbild".
Dagegen erklärte der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionschef
Wolfgang Bosbach, er gehe davon aus, dass jeder katholische Abgeordnete
die Worte des Heiligen Vaters bei seiner Entscheidungsfindung
berücksichtigen werde.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann,
begrüßte die Vatikan-Schrift. Es handele sich dabei um eine
Klarstellung, die die wesentlichen Argumente der letzten Jahrzehnte
zusammenfassen.
Der Umgang mit der Homosexualität spaltet derzeit mehrere Kirchen,
etwa die Episkopalkirche in den USA. Auch der Lutherische Weltbund (LWB)
konnte sich auf seiner Vollversammlung in Kanada nicht auf eine Haltung
zur Frage gleichgeschlechtlicher Ehen verständigen.
Am Freitag ist der zweite Jahrestag des In-Kraft-Treten der
eingetragenen Lebenspartnerschaft. Seit 2001 wurden in Deutschland etwa
7.000 derartige Partnerschaften geschlossen, wie der LSVD mitteilte.
(Quellen: ap,
afp)
Betriebskrankenkassen
kündigen Beitragserhöhungen an
Fr.01.08.03 -
Mitglieder vieler Betriebskrankenkassen müssen ab heute mehr
Beitrag zahlen. Trotz der Gesundheitsreform heben 16 von 250 Kassen ihre
Beitragssätze an. Im September folgt eine weitere BKK. Die
Erhöhungen betreffen etwa zweieinhalb Millionen Mitglieder.
Politiker von Regierung und Opposition reagierten verärgert. Erst
am Mittwoch hatten die Spitzenverbände aller gesetzlichen Kassen
bei einem Krisengespräch im Gesundheitsministerium
Beitragssatzsenkungen um bis zu 0,7 Prozentpunkte für nächstes
Jahr in Aussicht gestellt.
(Quelle: dpa)
Zeitungsbericht:
Arbeitslosen sollen drastische Strafen drohen
Fr.01.08.03 -
Langzeitarbeitslose, die zumutbare Arbeit ablehnen, müssen sich
nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung in Zukunft auf drastische Strafen
einstellen. Dies sehe ein Gesetzentwurf des
Bundeswirtschaftsministeriums zur Zusammenlegung von Arbeitslosen- und
Sozialhilfe vor.
Wer eine angebotene Arbeitsstelle oder ein Eingliederungsangebot
ablehnt oder sich nicht selbst um Arbeit bemüht, müsse danach
ab Juli 2004 mit drastischen Kürzungen der neuen Arbeitslosenhilfe
("Arbeitslosengeld II") rechnen. In diesen Fällen solle laut
Gesetzentwurf die Regelleistung im Westen von 297 Euro monatlich
für drei Monate um 30 Prozent auf knapp 208 Euro gekürzt
werden. In den neuen Bundesländern soll die "Stütze" von 285
auf rund 200 Euro sinken.
"Wiederholungstätern" unter den Langzeitarbeitslosen drohten sogar
Abzüge in doppelter Höhe, berichtet die Zeitung. Für
junge Arbeitslose unter 25 Jahren, die Job-Angebote ablehnen oder sich
nicht ausreichend selbst bemühen, soll das "Arbeitslosengeld II"
nach dem Gesetzentwurf drei Monate lang komplett gestrichen werden. Sie
erhielten dann nur noch zum Beispiel Wohngeld. Außerdem soll es
während dieser Zeit für die jungen Arbeitslosen auch keine
ergänzende Sozialhilfe geben. Anspruch auf staatliche Hilfe soll
nach dem Entwurf des Wirtschaftsministeriums in Zukunft nur noch haben,
wer seinen Lebensunterhalt nicht "aus eigenen Mitteln und Kräften
bestreiten" kann.
(Quelle: dpa)
Sozialkürzungen
der Agenda 2010: Verbände sehen 500.000 Kinder in Armut rutschen
+++ Bald jedes zehnte Kind von Sozialhilfe abhängig
Fr.01.08.03 - Mit
den anstehenden Sozialkürzungen der Agenda 2010 rutscht nach
Berechnungen von Sozialverbänden eine halbe Million Kinder
zusätzlich in die Armut ab. Künftig müssten 1,5 Millionen
Jungen und Mädchen oder jedes zehnte Kind in Deutschland auf
Sozialhilfeniveau leben, erklärte die Vorsitzende des
Paritätischen Wohlfahrtsverbands [http://www.paritaet.org], Barbara Stolterfoht, am
Donnerstag in Berlin. Familienministerin Renate Schmidt widersprach der
Kritik und verwies auf den geplanten Kinderzuschlag als Ausgleich
für Bedürftige.
Hintergrund ist die geplante Zusammenlegung von Arbeitslosen- und
Sozialhilfe auf dem Niveau der heutigen Sozialhilfe. Dies läuft auf
eine Kürzung der Unterstützung für Langzeitarbeitslose
hinaus. Dadurch würde die Zahl der Menschen, die mit der
Mindestfürsorge auskommen müssen, schlagartig um 1,7
Millionen auf 4,5 Millionen steigen, betonte Stolterfoht.
Der Sozialhilfesatz reiche aber schon heute nicht, um den Mindestbedarf
gerade von Kindern zu decken. "Sozialhilfe schützt heute nicht mehr
vor Armut", sagte Stolterfoht. Der Satz sei um sechs Prozent zu niedrig
veranschlagt. Sie forderte, die neuen Fürsorgeleistungen
"Arbeitslosengeld II" und Sozialgeld um 16 Prozent über dem
heutigen Sozialhilfesatz festzulegen. Zudem müssten Kinder durch
eine eigene Grundsicherung vor Armut bewahrt werden.
Der Präsident des deutschen Kinderschutzbundes [http://www.dksb.de],
Heinz Hilgers, verlangte, das Kindergeld mittelfristig auf 300 Euro zu
verdoppeln. Zudem sollten geplante Verschlechterungen für allein
Erziehende abgefangen werden. Hilgers erinnerte daran, dass Armut
für Kinder schlimme Folgen habe. Sie seien häufiger krank,
schlechter ernährt und bei der Bildung benachteiligt.
Auch der Deutsche Familienverband sprach sich dafür aus, zumindest
das Kindergeld auf 330 Euro zu erhöhen und das Existenzminimum bei
der Erhebung der Sozialversicherungsbeiträge freizustellen. Besser
sei die schrittweise Einführung eines Familiengeldes, sagte
Verbands-Präsident Albin Nees. Der angekündigte
Kindergeldzuschlag für Familien im Niedriglohnbereich sei nur ein
notwendiger erster Schritt.
"Gerade mit Blick auf gering verdienende Familien muss außerdem
die vom Bundesverfassungsgericht geforderte Berücksichtigung von
Kindern bei den Sozialabgaben zügig umgesetzt werden", sagte Nees.
Selbst bei einem Durchschnittsverdienst liege das frei verfügbare
Einkommen einer vierköpfigen Familie unter dem steuerrechtlichen
Existenzminimum.
Ministerin Schmidt betonte, die Kritik der beiden Verbände laufe
ins Leere. Die Reformen der Agenda 2010 hätten ein "klares
familienpolitisches Profil". Der geplante Zuschlag von bis zu 140 Euro
pro Kind für Familien an der Armutsgrenze stelle sicher, dass
Familien nicht wegen ihrer Kinder auf Fürsorgeleistungen angewiesen
seien. Auch werde die Betreuungssituation verbessert.
Zuvor war bekannt geworden, dass allein Erziehende als Ausgleich
für den Wegfall des Haushaltsfreibetrags monatlich 20 Euro pro Kind
erhalten sollen. Unions-Familienpolitikerin Maria Eichhorn kritisierte
den Vorschlag von Finanzminister Hans Eichel allerdings als zu gering.
Den bislang gezahlten Haushaltsfreibetrag hatte das
Bundesverfassungsgericht als Verstoß gegen das Grundgesetz
gewertet.
(Quelle: ap)
Sozialhilfe
laut Zeitung künftig nur noch als Pauschale
Fr.01.08.03 - Die
Bundesregierung plant einem Zeitungsbericht zufolge Änderungen bei
der Sozialhilfe, durch die Städte und Landkreise langfristig
jährlich mehr als drei Milliarden Euro einsparen sollen.
Ein Gesetzentwurf von Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) sehe vor,
Empfängern der klassischen Sozialhilfe keine einmaligen Leistungen
für Möbel oder Kleidung mehr zu zahlen, berichtete die
"Süddeutsche Zeitung" am Donnerstag vorab. Statt dessen solle es
ein pauschaliertes "Sozialgeld" geben, mit dem die Empfänger
eigenständig wirtschaften sollen. Die Zahlungen an die
Sozialhilfe-Empfänger und die Verwaltungskosten sollten dadurch
deutlich sinken. Die geplante Neuerung betreffe 1,15 Millionen Menschen,
die dauerhaft oder vorübergehend nicht erwerbsfähig seien und
damit keinen Anspruch auf das neue Arbeitslosengeld II hätten.
Ein Sprecher des Sozialministeriums sagte zu dem Bericht auf Anfrage,
es gebe Überlegungen, die in diese Richtung gingen. Details
könne er derzeit aber nicht nennen. Dem Bericht zufolge soll der
Entwurf, der zwischen den Ministerien noch nicht endgültig
abgestimmt sei, vom Bundeskabinett zusammen mit den
Arbeitsmarkt-Reformgesetzen am 13. August beschlossen werden.
Die Zeitung berichtete weiter, dem Gesetzentwurf zufolge würden
sich die Einsparungen kurzfristig auf insgesamt etwa 65,5 Millionen Euro
jährlich belaufen. Zugleich würden aber absehbare
Ausgabenzuwächse verhindert, die in den nächsten fünf
Jahren mindestens drei Milliarden Euro betragen würden.
(Quelle: rtr)
Kohl bekam
angeblich von Kirch jährlich 600.000 Mark
Fr.01.08.03 -
Altbundeskanzler Helmut Kohl hat einem Medienbericht zufolge für
seine Beraterdienste bei Medienunternehmer Leo Kirch jährlich
600.000 Mark (306.775 Euro) bekommen. Als Gegenleistung habe der
CDU-Politiker jährlich "bis zu zwölf persönliche
Gespräche" mit Kirch führen müssen. Das berichtete laut
vorab verbreiteter Pressemitteilung das NDR-Magazin "Panorama" mit Bezug
auf den geheimen Beratervertrag. In den Büros von Kohl und Kirch
war zunächst niemand für eine Stellungnahme erreichbar.
Im April war bekannt geworden, dass es zwischen 1999 und Frühjahr
2002 einen Beratervertrag zwischen Kohl und Kirch gab. Zu dieser Zeit
war der frühere Bundeskanzler bereits einfacher
CDU-Bundestagsabgeordneter. Kohl und Kirch hatten sich bisher nicht zu
dem Vertrag geäußert. Der Grünen-Abgeordnete
Hans-Christian Ströbele, Obmann seiner Partei im
Parteispenden-Untersuchungsausschuss des Bundestages, hatte
erklärt, der Beratervertrag lege einen "dringenden Verdacht der
nachträglichen Bezahlung von Regierungshandeln" beziehungsweise
Vorteilsannahme nahe.
Laut "Panorama" war die "Beratung zu aktuellen sowie strategischen
politischen Entwicklungen in Deutschland und Europa" Gegenstand des
Vertrages. Kohl habe sich demnach zu einer so genannten "situativen
Beratung" bei "gegebenem politischen oder wirtschaftlichen Anlass"
verpflichtet. Darüber hinaus sei eine so genannte
"Standard-Beratung" vereinbart worden, die jährlich "bis zu
zwölf persönliche Gespräche" zwischen Kohl und Kirch
umfasst habe. Eine Mindestleistung sei nicht festgeschrieben worden. Die
Vertragspartner verpflichteten sich laut "Panorama" zur "unbedingten
Wahrung von Vertraulichkeit" über den Inhalt des Vertrages und die
erbrachten Dienstleistungen.
Der Hamburger Experte für Arbeitsverträge Jens Gäbert
erklärte, nach diesem Vertrag wäre bereits "Kaffeetrinken und
Klönschnack über die politische Lage" Vertragserfüllung
gewesen: "Denn es fehlt ein Leistungsverzeichnis und Stundenkontingente
und Ähnliches, was immer deutlich gemacht werden muss in solchen
Verträgen", sagte Gäbert demnach.
Laut "Panorama" war vertraglich festgelegt, dass Kohl 600.000 Mark pro
Jahr bekam, zahlbar in "zwölf gleichen Raten" jeweils zu Beginn
eines Monats. Dazu seien die jeweilige Mehrwertsteuer sowie alle
weiteren "angemessenen Kosten und Spesen" gekommen. Rechtlich gesehen
sei der Vertrag zwischen zwei Firmen geschlossen worden: Der
TaurusBeteiligungs GmbH und Co KG mit Unterschrift Leo Kirch und der
Politik und Strategie Beratung P & S GmbH von Kohl-Sohn Walter mit
dessen Unterschrift. Helmut Kohl habe am 18.5.1999 mit dem Zusatz
"zustimmend zur Kenntnis genomme"» unterschrieben. Diese
Vertragsform habe dem Ex-Bundeskanzler die Möglichkeit gegeben,
Inhalt und Existenz des Vertrages vor dem Bundestag zu verheimlichen,
berichtet das Magazin.
Eine Abschrift des Vertrages befindet sich laut "Panoram"» im
gerade erschienenen Buch "Die Korruptionsfalle - Wie unser Land im Filz
versinkt" von Hans Leyendecker.
(Quelle: ap)
Studie des
Instituts für Menschenrechte: Deutschland hinkt bei Umsetzung von
Menschenrechtsstandards hinterher +++ Berlin zu
Antidiskriminierungspolitik aufgefordert
Fr.01.08.03 - Das
Deutsche Institut für Menschenrechte [http://www.institut-fuer-menschenrechte.de]
hat die Entwicklung einer umfassenden Antidiskriminierungspolitik und
die konsequente Umsetzung der entsprechenden EU-Richtlinien gefordert.
In Deutschland seien die international empfohlenen
Schutzmöglichkeiten vor rassistischer Diskriminierung noch nicht
ausreichend umgesetzt, heißt es in einer Studie des Instituts. Die
Bundesrepublik sei im internationalen Vergleich "eher ein
Nachzügler", sagte der Autor der Studie, David Nii Addy. Zur
Verbesserung der Situation schlug er unter anderem die Einrichtung einer
unabhängigen Antidiskriminierungsstelle vor.
Eine der Ursachen für die in Deutschland nur gering
ausgeprägte Sensibilität für das Thema sei der
"langjährige Widerwille", sich als multi-ethnisches Einwandererland
zu sehen, sagte Addy. Zudem sei die Wahrnehmung von Diskriminierung in
Deutschland zumeist auf Gewalttaten beschränkt, wohingegen
subtilere Formen wie beispielsweise Diskriminierung auf dem Arbeits-
und Wohnungsmarkt weitgehend unbemerkt blieben. Zudem gebe es in
Deutschland kaum öffentlichen Druck, während es in anderen
Ländern zahlreiche Lobby-Gruppen gebe, die sich erfolgreich
für die Belange von Minderheiten einsetzten.
Gesetze allein seien jedoch unzureichend, betont der Experte für
Migration, Antidiskriminierung und Entwicklungspolitik.
"Gesamtgesellschaftlich ist ein deutlich positiveres Bewusstsein
für gesellschaftliche Vielfalt erforderlich." Dazu sei "jedoch
zuallererst eine öffentliche Anerkennung der Realität von
Diskriminierung und Benachteiligung erforderlich, der sich alle
gesellschaftlichen Instanzen offensiv stellen müssen". Von der
Politik forderte der Politikwissenschaftler Signalfunktionen wie "Ihr
gehört zu uns" oder "Vielfalt ist etwas Positives".
Den Stichtag 19. Juli zur Umsetzung der EU-Antirassismus-Richtlinie zur
Gleichbehandlung ohne Unterschied der Rasse oder der ethnischen Herkunft
hat Deutschland verstreichen lassen. Bei den Anhörungen zu dem
Entwurf, der bereits auch die zweite Richtlinie zur Gleichbehandlung in
Beschäftigung und Beruf berücksichtigte, hatte sich eine
starke Gegnerschaft formiert. Stichtag für die Umsetzung der
zweiten EU-Richtlinie in nationales Recht ist der 2. Dezember.
(Quelle: afp)
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