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+++ Sa.02.08.03,
12:45 Nachrichten-Archiv Aktuelle
Nachrichten
Irak am hundertsechsunddreißigsten Tag nach
Kriegsbeginn
Neue
Tonband-Botschaft von Saddam. Aufruf zum Widerstand gegen
Besatzungstruppen +++ USA wollen Saddam Hussein vor irakisches
Sondertribunal bringen +++ Tochter Saddam Husseins nennt Fall Bagdads
Verrat +++ Irakische Monarchiebewegung kritisiert Amerikaner +++
US-Armee untersucht Häufung von Lungenentzündung bei
US-Soldaten +++ Reporter ohne Grenzen wirft US-Armee Übergriffe
auf Journalisten vor +++
Sa.02.08.03 -
Inmitten der intensiven Fahndung nach Saddam Hussein hat der irakische
Ex-Herrscher am Freitag auf einem ihm zugeschriebenen Tonband erneut zum
Widerstand gegen die Amerikaner aufgerufen. Jeder, der mit den
Besatzungstruppen zusammenarbeite, sei ein Agent und Verräter,
heißt es in der vom arabischen TV-Sender El Dschasira
ausgestrahlten Tonbandaufzeichnung.
Augenzeugen berichteten dem Sender indes über Angriffe auf
US-Soldaten in den Städten Ramadi, Falludscha und Samarra mit
mehreren Verletzten. Auch ein Militärlager polnischer Soldaten bei
Hilla sei unter Beschuss geraten.
Dort habe es aber keine Opfer gegeben. El Arabija berichtete zudem
über den Brand einer Öl-Pipeline in Beji, 200 Kilometer
nördlich von Bagdad. Bei Ramadi sollen in der Nacht zum Freitag
vier Iraker getötet worden sein, nachdem sie einen
US-Militärkonvoi angegriffen hatten. Die Soldaten nahmen laut
demnach fünf weitere Angreifer fest.
Wie schon bei früheren Bändern, die vom US-Geheimdienst als
authentisch eingestuft worden waren, glich die Stimme der des seit
dreieinhalb Monaten flüchtigen Ex-Präsidenten, der erst drei
Tage zuvor im arabischen Sender El Arabija zu hören gewesen war. In
der mehrminütigen Ansprache warf der Sprecher auf dem Band den
alliierten Streitkräften vor, die Reichtümer des Landes zu
plündern. Gleichzeitig deutete er an, dass er seine eigene
Rückkehr an die Macht für möglich halte. Die Stimme
nannte als Datum für die Aufzeichnung den 27. Juli.
Der frühere Machthaber ist seit seinem Sturz am 9. April auf der
Flucht. Auf seine Ergreifung haben die USA eine Prämie in Höhe
von 25 Millionen US-Dollar ausgesetzt. Die USA suchen jetzt mit digital
manipulierten Fotos nach Saddam.
Die USA wollen den irakischen Ex-Präsidenten Saddam Hussein im
Falle einer Festnahme vor ein irakisches Sondergericht stellen. "Die
Verantwortlichen für die Gräueltaten am irakischen Volk
sollten vor ein von Irakern geführtes Tribunal gebracht werden",
sagte US-Außenamtssprecher Richard Boucher am Freitag in
Washington. Das irakische Volk solle die Gewalt über die Prozess
gegen Saddam Hussein und seine Gefolgsleute haben. Die internationale
Gemeinschaft sei in der Pflicht, dabei zu helfen. Für eine
Einschätzung des Ausmaßes der erforderlichen
Unterstützung sei es aber noch zu früh, sagte Boucher weiter.
Dazu könnten finanzielle Mittel gehören, aber auch die
Entsendung von Rechtsexperten. Die Aburteilung von Tätern, die
Angriffe auf die US-Truppen in Irak verübten, behielten sich die
USA aber selbst vor, betonte der Ministeriumssprecher.
Der Führer der irakischen Monarchiebewegung, der Scherif Ali bin
Hussein, hat indes das Vorgehen der US-Besatzungsmacht im Irak scharf
kritisiert. Ali, der zur Familie des letzten irakischen Königs
gehört, sagte in einem am Freitag veröffentlichten Interview
mit der arabischen Zeitung "Al-Hayat": "Die Amerikaner sind in den Irak
gekommen, um die Probleme des Landes zu lösen, und sind nun selbst
zu einem Problem geworden". Die Monarchiebewegung gehört zu den
sechs irakischen Exil-Oppositionsgruppen, die bereits vor dem Krieg enge
Kontakte zur US-Regierung hatten.
Zwei der drei Töchter Saddams, Raghad und Rana, haben unterdessen
in Jordanien Asyl gefunden. Sie trafen am Donnerstag mit ihren neun
Kindern in Amman ein, wo sie unter staatlichen Schutz gestellt wurden.
Wie Informationsminister Nabil al Scharif mitteilte, wurden sie von
König Abdullah aus "rein humanitären Gründen"
aufgenommen.
Die beiden Frauen hatten sich seit dem Sturz ihres Vaters am 9. April
im Irak versteckt gehalten. Die Ehemänner der beiden Frauen waren
im Februar 1996 im Auftrag von Saddam Hussein ermordet worden, nachdem
sie in Jordanien den Sturz des irakischen Staatschefs geplant hatten.
Eine der nach Jordanien geflohenen Töchter Saddam Husseins hat den
schnellen Fall Bagdads einem Verrat von einstigen Verbündeten ihres
Vaters zugeschrieben. Sie hätten damit vor allem auch ihr Land
verraten, sagte Raghad Saddam Hussein dem arabischen Satellitensender
El Arabija in Amman.
Den Sturz des irakischen Staatschefs beschrieb Raghad als großen
Schock. Seine Anhänger hätten nicht so schnell aufgeben
dürfen. Beim Fall Bagdads am 9. April habe ihr Vater ein Fahrzeug
seiner Leibwächter kommen lassen und seine Familienmitglieder zur
Abreise aufgefordert. Auch die Frau seines inzwischen getöteten
Sohnes Kusai und ihre Kinder hätten die Hauptstadt damals gemeinsam
mit den Töchtern des Präsidenten verlassen. Die Abschied sei
herzzerreißend gewesen, sagte Raghad Saddam Hussein.
Die US-Armee untersucht die rätselhafte Häufung von
Lungenentzündungen bei Soldaten, die in Irak und der Golfregion
stationiert sind. Ein Medizinerteam sei nach Deutschland in das
US-Militärkrankenhaus Landstuhl entsandt worden, wo ein
Großteil der Erkrankten behandelt wurde, teilte ein
Militärsprecher am Freitag in Washinton mit. Das zweite Team werde
in Irak mit Ärzten in Feldlagern sprechen und Boden-, Luft- und
Wasserproben testen.
Die Organisation Reporter ohne Grenzen [http://www.reporter-ohne-grenzen.de/]
hat der US-Armee eine zunehmend feindliche Haltung gegenüber
Journalisten in Irak vorgeworfen. Die internationale Organisation zur
Verteidigung der Pressefreiheit berichtete am Freitag in Berlin von
zunehmenden Übergriffen auf Journalisten und forderte vom
US-Verwalter in Irak, Paul Bremer, Aufklärung über die
Gründe für die Verhaftung zweier iranischer Fernsehreporter
vor einem Monat.
Die Journalisten würden seit dem 1. Juli wegen "Gefährdung
der Sicherheit" festgehalten, berichtete die Organisation. Der
Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen, Robert Ménard,
forderte, den Journalisten müssten konkrete Verstöße
nachgewiesen worden, oder sie müssten freigelassen werden.
Am 27. Juli sei zudem ein japanischer Journalist von US-Soldaten in
Bagdad geschlagen und über eine Stunde lang festgehalten worden,
nachdem er einen US-Angriff auf ein Haus filmte, in dem sich angeblich
Saddam Hussein aufhielt. Bei dem Angriff seien fünf Zivilisten ums
Leben gekommen. Vier türkische Journalisten seien am 26. Juli
über eine Stunde lang festgehalten worden. Die US-Soldaten gaben
ihnen zwar ihre digitale Kamera zurück, doch ohne die darin
enthaltenen Fotos.
Am selben Tag sei ein Al-Dschasira-Korrespondent in Mosul mit seinem
Fahrer festgehalten und erst in der darauf folgenden Nacht wieder
freigelassen worden. Sein Film sei beschlagnahmt worden. Bereits am 22.
Juli habe die irakische Polizei ein Team von Al Dschasira während
der Filmaufnahmen anti-amerikanischer und anti-britischer Proteste
verhaftet, berichtete die Organisation.
(Quellen: rtr,
dpa, ap, afp)
Ermittlungen
zur Kelly-Affäre in London begonnen +++ Lordrichter Hutton wird
Blair und Minister befragen
Sa.02.08.03 - In
Großbritannien haben die richterlichen Ermittlungen zur
Affäre um den mutmaßlichen Selbstmord des Biowaffenexperten
David Kelly begonnen. Lordrichter Brian Hutton kündigte in London
an, er wolle "zu einem bestimmten Zeitpunkt" auch Premierminister Tony
Blair hören. Zudem sollten Verteidigungsminister Geoff Hoon und
Blairs Kommunikationschef Alastair Campbell vorgeladen werden. Die
Kelly-Affäre stürzte die Labour-Regierung in ihre bislang
schwerste Krise.
Blair hatte seine "volle" Zusamenarbeit bei der Untersuchung zugesagt.
Das Verfahren soll bis zur Beisetzung Kellys am kommenden Mittwoch
ausgesetzt werden. Hutton, einer der angesehensten Richter
Großbritanniens, leitete die Sitzung mit einer Schweigeminute
für Kelly ein. Der 72-Jährige betonte, die Federführung
bei den Nachforschungen liege bei ihm allein. Es gehe ihm darum, die
Umstände von Kellys Tod aufzuklären, und nicht darum, in einem
Streit zwischen zwei Parteien zu entscheiden.
Einer der ersten Zeugen werde der BBC-Reporter Andrew Gilligan sein,
dessen Bericht am 29. Mai den Stein ins Rollen gebracht hatte. Gilligan
hatte der Regierung vorgeworfen, mit fragwürdigen
Geheimdienstinformationen die Gefahr irakischer Massenvernichtungswaffen
aufgebauscht zu haben. Laut Gilligan ist Blairs Kommunikationschef
Campbell für die in einem Regierungsdossier aufgestellte
Behauptung verantwortlich, Irak könne binnen 45 Minuten
Massenvernichtungswaffen aktivieren.
Kelly war der Hauptinformant der BBC. Er war am 18. Juli in der
Nähe seines Hauses 70 Kilometer westlich von London mit
aufgeschnittener Pulsader tot aufgefunden worden. Während die BBC
seinen Namen zunächst geheim hielt, nannte Hoons Ministerium den
Biowaffenexperten Anfang Juli als möglichen Informanten. Es wurde
vermutet, dass der Regierungsberater als Sündenbock dienen sollte.
Blair bestritt, die Bekanntgabe des Namens gebilligt zu haben.
(Quelle: afp)
Presse:
Ministerium wollte Papier zu Kelly-Affäre vernichten
Sa.02.08.03 - Das
britische Verteidigungsministerium hat einem Pressebericht zufolge
versucht, ein Papier zu vernichten, das mit der Kelly-Affäre zu tun
hatte. Die britische Tageszeitung "Daily Telegraph" berichtet in ihrer
Samstagsausgabe, das Ministerium drei Tage nach dem Tod des
Waffenexperten David Kelly einen "Medienplan" verschwinden lassen
wollen. Sicherheitskräfte hätten die Polizei informiert,
nachdem sie ein Dokument zur Kelly-Affäre in einem Müllsack
für Geheimmaterial gefunden hätten. Der Sack habe verbrannt
werden sollen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte der
Zeitung, das Papier sei unwichtig gewesen. Die Sicherheitskräfte
hätten "überreagiert".
(Quelle: afp)
Atomstreit:
Nordkorea zu Sechser-Gesprächen bereit
Sa.02.08.03 - Im
Streit um Atomwaffen hat Nordkorea in Sechs-Parteien-Gespräche
eingewilligt. Pjöngjang habe Berichte aus Moskau und Seoul
bestätigt, wonach es zu multilateralen Verhandlungen über sein
umstrittenes Atomprogramm bereit sei, berichtete die staatliche
Nachrichtenagentur KCNA. Regierungsvertreter aus Japan, Südkorea,
Russland, China und den USA begrüßten den Schritt und
äußerten vorsichtigen Optimismus über eine baldige
Beilegung des Streits. Die International Crisis Group (ICG) warnte
indes, Nordkorea plane bis 2010 den Bau von mehr als 200 Atomwaffen.
Ein Sprecher des nordkoreanischen Außenministeriums sagte der
Nachrichtenagentur KCNA, die Sechs-Parteien-Gespräche sollten
bilateralen Gesprächen mit den USA vorausgehen. Nordkorea habe
seine zentrale Forderung nach einem Nichtangriffspakt fallen gelassen,
teilte Kim Sun-Heung, Sprecher des südkoreanischen
Außenministeriums, mit. Über das Angebot zu
Sechser-Gesprächen habe Pjöngjang Südkorea, Japan, China,
die USA und Russland zeitgleich informiert.
US-Präsident George W. Bush sprach von "beträchtlichen
Fortschritten" in dem seit neun Monaten schwelenden Streit. Die ersten
Gespräche könnten noch gegen Ende des Monats stattfinden,
hieß es aus US-Regierungskreisen. Auch der russische
Vize-Außenminister Juri Fedotow und Japans Ministerpräsident
Junichiro Koizumi begrüßten die Entscheidung aus
Pjöngjang. Er hoffe auf ein "flexibleres" Nordkorea, sagte Koizumi
und forderte einen schnellen Beginn der Gespräche.
Unterdessen erklärte die ICG in Brüssel, Nordkorea plane bis
zum Jahr 2010 den Bau von mehr als 200 Atomwaffen. Nordkorea von diesem
Vorhaben abzubringen sei die derzeit weltweit "wichtigste und
dringlichste Sicherheitsfrage". Nordkorea habe wahrscheinlich das
Material und das Knowhow für seine atomaren
Rüstungspläne, warnte ICG-Chef Gareth Evans. Es bestehe die
Gefahr, dass Nordkorea diese Waffen an andere Länder und
Terrororganisationen verkaufe. Das ICG ist ein von verschiedenen
Regierungen finanzierter Think-Tank.
Die Vereinigten Staaten hatten wiederholt nordkoreanische Forderungen
nach bilateralen Gesprächen abgelehnt, nachdem derartige Treffen in
der Vergangenheit ergebnislos verlaufen waren. Im April brachte auch
ein Dreiertreffen, an dem Vertreter Chinas teilnahmen, keine Einigung.
Die USA fordern daher die Einbeziehung weiterer wichtiger asiatischer
Länder.
(Quelle: afp)
Laut Unicef
300.000 Liberianer in Monrovia ohne Nahrungsmittel
Sa.02.08.03 -
Wegen der anhaltenden Kämpfe in der liberianischen Hauptstadt
Monrovia sind dort nach Schätzungen der UNICEF rund 300.000
Menschen ohne Nahrungsmittel. Praktisch die gesamte Bevölkerung der
Stadt von rund einer Million Menschen habe kein sauberes Wasser, teilte
das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen am Freitag in Köln mit.
Nahezu die Hälfte der Notleidenden seien Kinder und Jugendliche;
vor allem Kleinkinder litten unter Durchfall und Mangelernährung.
UNICEF Deutschland [http://www.unicef.de]
stellte am Freitag 300.000 Euro Soforthilfe bereit und bat dringend um
Spenden.
Die rund 40 UNICEF-Mitarbeiter könnten sich wegen der unsicheren
Lage derzeit nicht frei in der Stadt bewegen. Man habe in der
vergangenen Woche vergeblich versucht, ein Schiff mit über 56
Tonnen dringend benötigter Hilfsgüter nach Monrovia zu
bringen, erklärte die UN-Organisation. Sobald es die
Sicherheitslage erlaube, werde man aber umfangreiche
Hilfsmaßnahmen durchführen.
Spendenkonto 300 000 ,
Sozialbank Köln (BLZ 37020500), Stichwort: Liberia
(Quelle: ap)
Sicherheitsrat
gibt grünes Licht für Liberia-Truppe
Sa.02.08.03 - Der
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UNO) hat eine Resolution
für den Einsatz einer internationalen Truppe in Liberia
verabschiedet, um den Bürgerkrieg in dem westafrikanischen Land zu
beenden.
Zwölf der 15 Mitglieder des Rates stimmten am Freitag für den
US-Resolutionsentwurf. Ziel ist es, einen Waffenstillstand zwischen
Rebellen und Regierungstruppen in Liberia durchzusetzen. Deutschland,
Frankreich und Mexiko enthielten sich. Hintergrund ist eine Klausel der
Resolution, die eine Strafverfolgung von Soldaten der Friedenstruppe nur
in deren Heimatland vorsieht und ihnen damit Immunität vor dem
Internationalen Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag verschafft. Die USA
lehnen den ICC nachdrücklich ab.
"Nun, da diese Resolution verabschiedet wurde, werden wir hoffentlich
rasch und entschlossen handeln, um dem liberianischen Volk zu helfen",
sagte UNO-Generalsekretär Kofi Annan. Die Resolution gibt den von
der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS)
angekündigten Truppen sowie Streitkräften anderer Nationen ein
Mandat nach Kapitel sieben der UNO-Charta, um baldmöglichst in
Liberia - auch mit Gewaltanwendung - einzugreifen. Bis zum 1. Oktober
sollen dann diese Truppen durch eine UNO-Friedenstruppe ersetzt werden.
Ein Zeitrahmen, der von vielen Mitarbeitern der UNO als zu knapp
bemessen angesehen wird. "Es gibt einige Sorgen, dass diese Frist sehr
eng ist", sagte UNO-Sprecher Fred Eckhard. Viel hänge davon ab, ob
die westafrikanischen Truppen, die zunächst nach Liberia verlegt
werden sollten, auch später der UNO-Friedenstruppe angehören
würden.
Auf Beschluss von Ecowas sollen am Montag 300 nigerianische Soldaten
als Vorhut in Monrovia eintreffen. Innerhalb von drei Tagen soll dann
Liberias Präsident Charles Taylor das Land verlassen, dem
Kriegsverbrechen vorgeworfen werden. Taylor will nach Worten seines
Wirtschaftsministers allerdings vor einem Gang ins Exil eine geordnete
Machtübergabe abwarten. Seit rund zwei Wochen liefern sich
Regierungstruppen und Rebellen eine erbitterte Schlacht um Monrovia und
andere Städte des Landes. Dabei sind vermutlich mehr als 1000
Menschen getötet worden.
Unklar ist weiter, ob sich die USA mit Soldaten an der Eingreiftruppe
beteiligen werden. Diese Entscheidung liege bei Präsident George W.
Bush und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, sagte der
US-Botschafter bei der UNO, John Negroponte. Die USA haben logistische
Unterstützung zugesagt, aber noch keine Entscheidung über eine
Truppenstationierung. Drei US-Kriegschiffe sind auf dem Weg nach
Liberia. Zwei der Schiffe mit Hubschraubern und Marineinfanteristen an
Bord werden am Samstag vor der liberianischen Küste erwartet.
Strittiger Punkt der UNO-Resolution war ein Passus, demzufolge Soldaten
der Friedenstruppe nur von der eigenen Regierung wegen Verbrechen
belangt werden können und damit nicht vom Internationalen
Strafgerichtshof. Dieser Paragraph widerspreche internationalem Recht,
sagten der deutsche UNO-Botschafter Gunter Pleuger und sein
mexikanischer Kollege Adolfo Aguilar Zinser. Auf die Enthaltungen
angesprochen sagte Negroponte: "Wir sind zweifellos zufrieden, dass die
Resolution angenommen wurde, und dass sie heute angenommen wurde." 91
Staaten haben bislang das Statut des ICC ratifiziert. Die USA lehnen das
Gericht dagegen ab, weil sie befürchten, ihre Bürger
könnten Ziel politisch motivierter Anklagen werden.
(Quelle: rtr)
22 Tote bei
Selbstmordanschlag auf russisches Militärhospital
Sa.02.08.03 - Bei
einem Selbstmordanschlag mit einer Autobombe auf ein russisches
Militärkrankenhaus in Nord-Ossetien sind am Freitag mindestens 22
Personen getötet und 76 weitere verletzt worden, wie die
Behörden mitteilten. Ein Regierungsbeamter sprach von 35 Toten. Das
vierstöckige Gebäude am wichtigsten Truppenstützpunkt
für Einsätze in Tschetschenien wurde völlig
zerstört. Zur Tatzeit befanden sich 98 Patienten und 21
Beschäftigte in dem Krankenhaus.
Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax durchbrach ein mit
Sprengstoff beladenes Fahrzeug das Eingangstor zu dem
Krankenhausgelände in Mosdok an der Grenze zur abtrünnigen
Provinz Tschetschenien. Die Regierung in Moskau vermutet Tschetschenen
hinter dem Anschlag. In dem Wagen habe nur ein Fahrer gesessen, sagte
der regionale Minister für Katastrophenschutz, Boris Dsgojew. Ein
Bekennerschreiben lag zunächst nicht vor. In dem zerstörten
Krankenhaus wurden russische Soldaten behandelt, die bei ihrem Einsatz
in Tschetschenien verwundert wurden.
Jewgeni Wolodtschenkow, ein Mitarbeiter des Notfallministeriums, sagte
zunächst, 33 Personen seien getötet worden. Später
korrigierte er die Zahl auf 22. Die Behörden würden ihre
Informationen noch prüfen. Der stellvertretende russische
Generalstaatsanwaltes Sergei Fridinski hatte zuvor erklärt, bis zum
Abend seien 35 Leichen aus den Trümmern geborgen worden.
Nach Angaben des größten Krankenhauses der Region gab es
eine akute Knappheit an Medikamenten, Verbänden und
Betäubungsmitteln. Zudem seien nicht ausreichend Blutkonserven
vorhanden. Über die Rundfunkstationen sollte zu Blutspenden
aufgerufen werden.
Der russische Präsident Wladimir Putin sprach den Angehörigen
der Opfer sein Beileid aus und ordnete eine gerichtliche Untersuchung
des Anschlags an. Ein Sprecher von US-Präsident George W. Bush
erklärte, die US-Regierung verurteile die Tat. Tödliche
Anschläge tschetschenischer Separatisten haben sich in den letzten
Monaten gehäuft. Dabei kamen allein seit Mai mehr als 100 Menschen
ums Leben.
(Quelle: ap)
Streit um
Gen-Raps geht zum Höchstgericht
Sa.02.08.03 - Der
Rechtsstreit um die vermeintliche widerrechtliche Nutzung von
genveränderten Monsanto-Raps durch den Bauern Percy Schmeiser geht
Richtung Höchstgericht, berichtete BBC-online [http://news.bbc.co.uk]
am Freitag. Schmeiser, der seine eigene Rapssaat verwendet hatte, ist
vom Saatgut-Riesen Monsanto 1998 geklagt worden, weil er sich weigerte,
Lizenzgebühren zu zahlen. Der Bauer erwiderte mit einer Klage gegen
Monsanto und ist seither eine Leitfigur der Anti-Gentech-Bewegung
geworden.
Die Geschichte um die Klage hat nach Ansicht von Experten
maßgebliche Bedeutung für die Durchsetzung von
Rechtsansprüchen gegen Saatguthersteller bzw. die Möglichkeit
von Bauern gegen genetische Verunreinigung der Felder zu klagen. Die
Vorgeschichte zum Fall liest sich wie ein Kriminalroman der Neuzeit
übertitelte ein Öko-Journalist den Fall.
Die Bauern in Schmeisers Nachbarschaft hatten auf ihren Feldern den
genveränderten Raps von Monsanto gekauft und ausgesät. Der
Saatgut-Konzern lässt immer wieder Felder darauf
überprüfen, ob Bauern auch die Lizenzgebühren für
die Raps-Saat bezahlen. Da Schmeiser sich weigerte, nachdem auf seinen
Feldern Spuren des GV-Raps gefunden wurden, die Lizenzen zu bezahlen,
reagierte Monsanto mit einer Klage.
Schmeisers Argument, dass er so handelte wie all die Jahre zuvor, in
denen er seine eigene Saat verwendete, legte nämlich nahe, dass der
genetisch-veränderte Raps Nachbarfelder kontaminiert hat. Der
Bauer, der seit 50 Jahren Raps anbaut, klagte daraufhin Monsanto wegen
Verunreinigung seiner eigenen Raps-Saat. Diese Klage wurde vom
Saatgut-Konzern mit dem Hinweis auf seine Herbizid-Resistenz
zurückgewiesen. Eine zufällige Weiterverbreitung könne
bei dem genveränderten Raps gar nicht passieren, argumentierte
Monsanto. Der Konzern musste vor Gericht keinen Beweis für die
Behauptung erbringen. Allein die Tatsache, dass der patentierte Raps auf
Schmeisers Feldern wachse, reiche aus, um Lizenzgebühren verlangen
zu können. Dazu müsse das Feld nicht notwendigerweise mit
Monsantos Roundup Unkrautvernichter besprüht werden, urteilte das
Gericht.
Stuart Wells von der kanadischen National Farmers Union sieht aber den
Fall bei einigen anderen Bauern ebenso: "Es gibt genug Bauern, die eine
Kontamination nicht melden, weil sie verhindern wollen, dass sie von
Saatgutkonzernen kontrolliert werden", so Wells. Monsanto zeigt sich in
der Öffentlichkeit diesbezüglich sehr kooperativ und
argumentiert, dass ein zufälliges Ausbreiten der Samen niemals zu
Problemen führen werde. Der Konzern will aber seine Patentrechte
gewahrt wissen.
Schmeisers Anwälte werden beim Höchstgericht damit
argumentieren, dass Saatgutkonzerne niemals Patente auf ganze Pflanzen
haben können. Das Gericht hat nämlich in einem ähnlich
gearteten Fall der "Harvard Maus" so geurteilt, dass ein Patent an einem
höheren Lebewesen nicht als Erfindung gelten kann und es daher
nicht patentierbar sei. Eine wie immer geartete genetische
Veränderung reiche alleine nicht aus.
Für Schmeiser geht es beim Prozess, der inzwischen fünf Jahre
dauert, ums Überleben. Der Bauer hat inzwischen Land verpachtet, um
seine Gerichtskosten zu finanzieren. Er sieht den Fall nicht als seinen
persönlichen Kampf, sondern als Recht auf Aussaat der eigenen
Samen für alle Bauern weltweit. Das sei der Grund, warum er sich
gegen den Saatgut-Konzern erhoben habe.
(Quelle: pte)
Österreichische
Gentech-Hotline eingerichtet
Sa.02.08.03 - Mit
dem Ende des Zulassungsstopps für gentechnisch veränderte
Organismen in der EU, kann Gentechnik auch in Österreich zur
Realität werden. Aus diesem Grund ist in Graz die Service- und
Informationsstelle INFOgen [http://www.infogen.at] eingerichtet worden, bei
der Experten, Fragen zur Gentechnologie für jedermann einfach
erklären.
INFOgen wird vom Interuniversitären Forschungszentrum für
Technik, Arbeit und Kultur (IFZ) betreut und vom Gesundheitsressort des
Landes Steiermark gefördert. "Weg von Emotionalisierung und
Panikmache, hin zu objektiver Information über Gentechnik, das ist
das Motto der Informationsstelle", so Sandra Karner vom IFZ.
"Die Informationsstelle soll Konsumenten, Landwirten und Unternehmen
unabhängige Beratung in allen Fragen zum Thema Gentechnik liefern",
umschreibt Karner das Anliegen von INFOgen. Nach der Aufhebung des
Zulassungsstopps innerhalb der EU, hat Österreich keine
rechtlichen Möglichkeiten diese Entwicklung zu stoppen. Aber
bereits im Vorfeld der Zulassung ist es in Österreich immer wieder
passiert, dass Lebensmittel mit Zutaten aus gentechnisch
veränderten Pflanzen in heimischen Supermärkten zu finden
waren.
"Unsicherheit und Emotionalisierung prägen derzeit die
öffentliche Diskussion. Umfragen zufolge fühlen sich viele
Österreicher nach wie vor unzureichend über Gentechnik
informiert", erklärt Karner gegenüber pressetext.austria.
Aufgabe von INFOgen ist es, dagegen Abhilfe zu schaffen. "Die
Informationsstelle beantwortet inhaltliche und rechtliche Anfragen zur
Gentechnologie, organisiert Veranstaltungen, vermittelt Experten zu
speziellen Themenbereichen und stellt Lehrmittel zu Verfügung",
führt Karner aus.
"INFOgen arbeitet unabhängig, ist interdisziplinär orientiert
und ausschließlich wissenschaftlichen Kriterien verpflichtet". Die
Infostelle will einseitige Darstellungen vermeiden und das Thema
Gentechnik von allen Seiten beleuchten. Besondere Brisanz wird das Thema
in der Landwirtschaft bekommen: Für die konventionelle
Landwirtschaft wird der Einsatz von Gentechnik als wirtschaftliche
Chance gesehen, für Bauern, die auf ökologische Landwirtschaft
setzen, ist die Lösung der Koexistenzproblematik eine
Existenzfrage, da diese hundert Prozent gentechnikfreie Produkte
erzeugen müssen.
"Gerade die österreichische Landwirtschaft ist durch einen hohen
Anteil an Biobauern, integrierten Landbau und vor allem seine
Kleinstrukturiertheit gekennzeichnet, was ein Problem im unbeschadeten
Nebeneinander verschiedener Bewirtschaftungsformen aufwirft", führt
Karner aus.Weitere Informationen: [http://www.ifz.tu-graz.ac.at/infogen]
(Quelle: pte)
Anbau von
Gen-Pflanzen nur unter strengen Auflagen +++ Anbauer gentechnisch
veränderter Pflanzen sollen haften
Sa.02.08.03 -
Agrarministerin Renate Künast will den Anbau gentechnisch
veränderter Pflanzen nur unter strengen Auflagen genehmigen. Wie
die "Berliner Zeitung" am Freitag berichtete, sollen Landwirte
gesetzlich verpflichtet werden, die unkontrollierte Ausbreitung von
Gen-Pflanzen auf den Äckern zu unterbinden. Zudem sollen
Ökobauern mit scharfen Haftungsregeln vor unverschuldeten
Verunreinigungen mit Gen-Pollen geschützt werden. Die strenge
Regelung stößt nach Informationen des Blattes auf Widerstand
innerhalb der Regierung.
Die Eckpunkte des neuen Gentechnik-Gesetzes sind laut "Berliner
Zeitung" am Mittwoch im Agrarministerium fertig gestellt worden. Das
Gesetz setze die in der vergangenen Woche von der Europäischen
Union verabschiedeten Leitlinien zum Gen-Anbau um und solle im Herbst im
Kabinett beschlossen werden. Im Herbst will die EU auch den derzeit
gültigen Zulassungsstopp für Gen-Produkte aufheben.
"Konventionelle und Ökobauern müssen auch zukünftig die
Möglichkeit haben, gentechnikfrei zu produzieren", sagte
Staatssekretär Alexander Müller der Zeitung. Das Gesetz sieht
der Zeitung zufolge dafür Abstandsflächen, Schutzhecken und
die strikte Trennung von Reinigungs- und Betriebsmitteln vor. Ferner
sollen alle Gen-Flächen in einem öffentlich zugänglichen
Standortregister ausgewiesen werden. Die Kosten für die
nötigen Sicherheits- und Kontrollmaßnahmen sollten die
Anbauer von Gen-Pflanzen übernehmen.
Falls es dennoch zu ungewollten Verunreinigungen komme, sollen die
Verursacher für Schäden haften. So sollten etwa Ökobauern
auf Schadenersatz klagen können, wenn sie ihre Produkte nicht
verkaufen können, weil Gen-Pflanzen auf ihre Äcker
übergegriffen haben. Auch Einzelhändler könnten sich so
gegen ungewollte Gen-Produkte wehren. Mit diesen Eckpunkten setze sich
Künast über Bedenken SPD-geführter Ministerien hinweg,
die durch die Auflagen Nachteile für die deutsche
Biotech-Industrie fürchten, schreibt die Zeitung.
Bedenken gegen die geplanten Auflagen haben nach Informationen der
"Berliner Zeitung" Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und
Forschungsministerin Edelgard Bulmahn angemeldet. Beide Ministerien
würden bis zum Herbst noch auf Veränderungen drängen.
"Die Vorstellungen Künasts drohen eine ganze Zukunftstechnologie
totzumachen", zitierte das Blatt Regierungskreise.
Die FDP-Gentechnik-Expertin Christel Happach-Kasan kritisierte den
Gesetzentwurf mit den Worten: "Nach dem Willen von Ministerin
Künast soll die Gentechnikgesetz-Novelle zum neuen
Blockadeinstrument gegen die grüne Gentechnik in Deutschland
umfunktioniert werden." Künast gehe es weniger um die Interessen
der Verbraucher und der Landwirte als um die ihrer
innovationsfeindlichen Parteibasis.
Für den Deutschen Bauernverband hat bei der voraussichtlichen
Aufhebung des EU-Moratoriums im Herbst die Wahlfreiheit für Bauern
und Verbraucher oberste Priorität. Der stellvertretende
DBV-Generalsekretär Adalbert Kienle forderte nationale Initiativen
in den EU-Mitgliedstaaten zur Regelung der Koexistenz zwischen Landbau
mit und ohne Gentechnik. Er warnte indes vor dem Prinzip des
"Laufenlassens". Verbraucher und Landwirte stünden in einem
Binnenmarkt mit grenzüberschreitenden Warenströmen. Da
dürfe es keine zusätzlichen nationalen Auflagen und
Erschwernisse geben.
(Quelle: ap)
Heftige Kritik
an geplanten Kürzungen für wählerische Arbeitslose
Sa.02.08.03 - Die
geplanten Kürzungen für Langzeitarbeitslose, die
Arbeitsangebote ablehnen, sind bei Gewerkschaften und Verbänden auf
heftige Kritik gestoßen. Der Vorsitzende des
Arbeitslosenverbandes Deutschland, Matthias Dittmann, sagte in der
"Bild"-Zeitung, Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (CDU) drohe
"mit Arbeitszwang, obwohl Millionen Jobs und Lehrstellen fehlen". Mit
den geplanten Einschnitten würden Langzeitarbeitslose "in Armut
gestoßen". Das Vorstandsmitglied der Dienstleistungsgewerkschaft
ver.di, Isolde Kunkel-Weber, sagte, Clementversuche, "sich auf dem
Rücken der Arbeitslosen zu profilieren". "Mit diesen drastischen
Einschnitten wird vorgetäuscht, es gäbe genug
Arbeitsplätze", sagte Kunkel-Weber, die auch Mitglied der
Hartz-Kommission war.
(Quelle: afp)
Erster
Green-Card-Empfänger will gehen
Sa.02.08.03 - Der
erste deutsche Green-Card-Empfänger, Harianto Wijaya, will
Deutschland vor Ablauf seiner Arbeitserlaubnis verlassen.
Der Indonesier sieht nach eigenen Angaben keine Chance, seine Green
Card nach der Frist von fünf Jahren zu verlängern. "Wenn ich
nicht bleiben kann, muss ich auch nicht bis zur letzten Minute warten",
begründete er seine Entscheidung. Nach der Promotion wolle er in
die USA gehen.
Bei einer mündlichen Anfrage im Aachener Ausländeramt sei die
Möglichkeit einer Verlängerung der Green Card verneint worden,
sagte Harianto Wijaya. Er bedauere dies. Die Green Card, das Studium
und die Arbeitserfahrung in Deutschland böten ihm gute
Voraussetzungen für die Arbeit oder ein Studium in den USA.
Die Bundesregierung hatte die befristete Arbeits- und
Aufenthaltserlaubnis im August 2000 eingeführt. Der 27-jährige
Indonesier hatte die erste Green Card erhalten. Danach wurde der
Absolvent der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule
Aachen von einem Aachener Software-Entwickler eingestellt. Von den
20.000 möglichen Green Cards in Deutschland waren Ende Juni knapp
14.600 zugeteilt.
(Quelle: futurezone)
Protest gegen
drohende Abschiebung: Türke zündet sich an
Sa.02.08.03 - Aus
Protest gegen seine bevorstehende Abschiebung hat sich ein Türke
vor den Augen seiner Frau und seiner fünf Kinder selbst
angezündet. Der 33-Jährige habe sich im Ausländeramt von
Rheda-Wiedenbrück mit Brennspiritus übergossen und
angezündet, teilte die Polizei mit. Er überlebte schwer
verletzt.
Er hatte am Mittwoch erfahren, dass das Oberverwaltungsgericht
Münster seine Abschiebung für rechtens erklärt hatte. Er
war 1999 im Rahmen der Familienzusammenführung nach Deutschland
eingereist. Hier wurde der Mann nach Angaben des Landrats wiederholt
straffällig und wegen Verstoßes gegen das
Betäubungsmittelgesetz, gefährlicher Körperverletzung und
anderer Delikte verurteilt.
"Der Mann hatte seinem Rechtsanwalt gesagt, es könne etwas
passieren", sagte der Polizeisprecher. Dieser Umstand habe ihm
wahrscheinlich das Leben gerettet. "Wegen der vagen Drohung sind zum
Termin fünf Kollegen nach Wiedenbrück gefahren." Die Beamten
seien aber erst eingetroffen, als der Mann das Büro seines
Sachbearbeiters bereits betreten hatte. Als er brennend auf den Flur
gelaufen sei, hätten die Polizisten mit Jacken und
Feuerlöschern die Flammen erstickt. Um den brennenden Mann und
seine aufgebrachte Frau zu überwältigen, setzten die Beamten
Pfefferspray ein. Auch die Ehefrau erlitt leichte Verletzungen, der
Sachbearbeiter stand unter Schock. Die fünf Kinder wurden vom
Jugendamt und der Notfallbegleitung betreut.
Landrat Sven-Georg Adenauer kündigte gestern eine konsequente
Linie bei Tätern an, die Entscheidungen von Behörden durch
Nötigung abwenden wollten. "Wir werden hart gegen Personen
vorgehen, die unsere Mitarbeiter in Gefahr bringen."
(Quelle: dpa)
«Brechmitteleinsatz - Keine Ermittlungen in
Sachen Achidi»
«Die
Staatsanwaltschaft muss keine Ermittlungen gegen die ÄrztInnen und
Polizisten aufnehmen, bei deren Brechmitteleinsatz der Nigerianer
Achidi John im Dezember 2001 ums Leben gekommen war. Das
Oberlandesgericht hat einen Antrag des Vaters von Achidi John abgelehnt.
Der hatte mit einem Erzwingungsverfahren neue Untersuchungen der
Todesumstände seines Sohnes erreichen wollen.
Polizisten hatten Achidi John am 12.12.2001 zum Brechmitteleinsatz ins
Rechtsmedizinische Institut des UKE gebracht, weil er in Verdacht stand,
mit Drogen zu handeln und Heroin-Kügelchen verschluckt zu haben.
Im UKE wurde er gefesselt, dann hatte ihm eine Ärztin per
Nasensonde Brechmittel in den Magen gepumpt. Achidi John war bewusstlos
vom Stuhl gekippt. Erst Minuten später begannen die ÄrztInnen
mit der Reanimation. Der junge Mann starb. » (tageszeitung vom
01.08.03)
Mehr
unter:
http://www.taz.de/pt/2003/08/01/a0012.nf/text
«Flüchtlingsrat: "Polizeihorden" lauern
Flüchtlingen wegen angeblicher Paßvergehen auf»
«In
den Flüchtlingsberatungsstellen Bayerns wächst der Unmut
über eine bislang nur im Freistaat bekannte Behördenpraxis.
Flüchtlinge, die abgeschoben werden sollen und nach Ansicht der
Ausländerbehörden an der Beschaffung ihrer Ausreisedokumente
"nicht ausreichend mitwirken", erhalten eine gesonderte Bescheinigung
über ihre Duldung. Anders als die reguläre Duldung trägt
sie den Aufdruck: "Dies ist k e i n Ausweisersatz im Sinne des §
39 Ausländergesetz."
Die Folge für die Betroffenen: Sie können sich bei
Polizeikontrollen nicht ausweisen und müssen jederzeit mit einer
Anzeige und einem Strafverfahren wegen Verstoß gegen die
Paßpflicht rechnen. In der bayerischen Landeshauptstadt wird
offenbar sogar regelrecht Jagd auf Inhaber von Duldungen zweiter Klasse
gemacht....»
Mehr in
der heutigen Ausgabe von "junge Welt" (02.08.03)
http://www.jungewelt.de/2003/08-02/014.php
«Hamburger Oberverwaltungsgericht stellt
Sorgerechtsentziehung ins Ermessen der Ausländerbehörde»
«Anne
Harms von der kirchlichen Beratungsstelle Fluchtpunkt hat davor
gewarnt, dass in Zukunft tausende Kinder in Hamburg Angst davor haben
müssen, von MitarbeiterInnen der Ausländerbehörde auf
dem Schulweg abgefangen und abgeschoben zu werden. Falls das
Bundesverfassungsgericht die Entscheidung des Hamburgischen
Oberverwaltungsgerichtes (OVG) nicht kassierte, das die Abschiebung von
zwei ghanaischen Schwestern gebilligt hatte, sei das ein realistisches
Szenario.
Das OVG hat der Abschiebung von Gifty und Sylvia Oppong zugestimmt,
obwohl sie in Hamburg bei ihrer leiblichen Mutter leben. Die beiden sind
illegal ins Bundesgebiet eingereist, und auch der grundrechtliche
Schutz der Familie, so das OVG, entbinde nicht von der Visumspflicht. In
der Konsequenz aber bedeutet diese Entscheidung laut Harms, dass
Sorgerechtsentziehungen ins Ermessen der Ausländerbehörde
gestellt werden - während die Entscheidung nach dem Grundgesetz den
Vormundschaftsgerichten vorbehalten ist und nur nach dem Kindeswohl
getroffen werden darf. Das OVG aber behandele das Ausländergesetz
als gegenüber den Grundrechten höherwertiges Recht.»
("Tageszeitung" vom 01.08.03)
http://www.taz.de/pt/2003/08/01/a0010.nf/text
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Lebenserwartung
der Deutschen steigt immer weiter
Sa.02.08.03 - Die
Lebenserwartung der Deutschen steigt unaufhörlich weiter. Nach der
aktuellen Sterbetafel 1999/2001, die das Statistische Bundesamt
(DESTATIS) am Freitag in Wiesbaden veröffentlichte, wird ein
neugeborener Junge heute durchschnittlich 75,1 Jahre alt, ein
Mädchen 81,1 Jahre. In der vor einem Jahr veröffentlichten
Sterbetafel war die Lebenserwartung noch drei Monate geringer. Die
Tafeln basieren auf der Zahl der Gestorbenen in der Bevölkerung der
jeweils letzten drei Jahre.
Nicht nur für Neugeborene, auch für ältere Menschen
steigt die Lebenserwartung an. Ein heute 60-jähriger Mann kann
damit rechnen, dass er noch 19,5 Jahre zu leben hat. Im Vergleich zur
Sterbetafel 1998/2000 hat er damit ebenfalls drei Monate gewonnen. Eine
gleichaltrige Frau hat im Durchschnitt noch 23,7 Jahre, das sind zwei
Monate länger als nach der vorherigen Statistik. Im internationalen
Vergleich nimmt Deutschland nach Angaben des Bundesamtes jedoch keinen
Spitzenplatz ein. Neugeborene Jungen werden zum Beispiel in Schweden
77,5 und Mädchen in Frankreich sogar 83,0 Jahre alt.
(Quelle: dpa)
Wissenschaftler
versuchen das Erinnerungsvermögen zu verbessern
Sa.02.08.03 -
Wissenschaftler in Göttingen haben einen Grund dafür
gefunden, warum die Gedächtnisleistung bei älteren Menschen
nachlässt. Ein bestimmtes Protein sei in ihren Gehirnen
stärker vorhanden als bei jüngeren Menschen. Es hemme die
Leistung, teilte das Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin
am Freitag mit. Werden diese Eiweißbausteine pharmakologisch
unterdrückt, nehme die Gedächtnisleistung wieder zu.
Dazu untersuchte ein Forscherteam um Joachim Spieß und Thomas
Blank die Lernfähigkeit und das Erinnerungsvermögen junger und
älterer Mäuse. In der Trainingssituation hörten die
Tiere einen Ton und spürten unmittelbar danach einen leichten
elektrischen Fußschock. Die Wissenschaftler wollten durch diese
"Lernsituation" herausfinden, ob das Tier den Ton und den Schock
miteinander verknüpft und wie lange es sich an den dem Ton
folgenden Schock erinnert. Wenn das junge Tier am nächsten Tag auch
ohne Fußschock nach dem Ton noch zusammenschreckte, war das der
Beweis: Die Maus hatte kapiert. Die älteren Tiere bekamen jedoch
keinen Schock mehr, als sie den Ton hörten.
In einer zweiten Untersuchung beeinflussten die Forscher die
Physiologie des Gehirns. Sie hatten herausgefunden, dass bei
älteren Tieren ein bestimmtes Protein stärker vorkommt als bei
den jüngeren. "Wenn man die Produktion dieses
Eiweißbausteins pharmakologisch unterdrückt, wird die
Gedächtnisleistung wieder besser oder sie ist bei den Oldies so gut
wie bei den Youngsters", meinten die Wissenschaftler. Alle
Altersgruppen erinnern sich dann gleich gut und schrecken bei dem Ton
zusammen.
"Wenn es gelingt, dieses Protein über bestimmte Pharmaka gezielt
zu regulieren, könnten sich ganz neue Ansätze ergeben", meint
Blank. Noch sei es zwar Zukunftsmusik, aber vielleicht könne
irgendwann den Gedächtnisdifferenzen älterer Menschen "wirksam
entgegengetreten werden".
(Quelle: dpa)
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