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+++ Mo.04.08.03,
12:45 Nachrichten-Archiv Aktuelle
Nachrichten
Irak am hundertachtunddreißigsten Tag nach Kriegsbeginn
Pressebericht:
London erwägt neue UN-Entschließung für Irak +++
Washington sieht keinen Grund für neue Irak-Resolution +++ USA
wollen Saddam lebend ergreifen +++ 26 Anhänger von Saddam Hussein
in Irak festgenommen +++ US-Armee zahlt in Irak Schadensersatz von
insgesamt 264.000 Dollar +++ Iraks Öl-Produktion erholt sich
offenbar nur schleppend +++
Mo.04.08.03 -
Großbritannien erwägt einem Bericht zufolge eine neue
UN-Entschließung zur Unterstützung der US-geführten
Koalition in Irak. Die Regierung in London prüfe die Vor- und
Nachteile einer solchen Resolution derzeit in ihren eigenen Reihen sowie
zusammen mit den USA, sagte der britische Irak-Beauftragte John Sawers
der Tageszeitung "Financial Times" (Montagausgabe). Vorverhandlungen
könnten bereits in wenigen Wochen beginnen. "Wir sind uns alle der
Spannungen im UN-Sicherheitsrat bewusst", betonte Sawers. Deshalb wolle
London vor einer erneuten Entschließung "zuversichtlich" sein
können, dass sie "ausführbar" sei und "die gegenwärtigen
Bemühungen" der Koalition unterstütze. Großbritannien
und die Vereinigten Staaten bemühten sich bislang vergeblich um
eine militärische und finanzielle Beteiligung der internationalen
Gemeinschaft an der Besatzung in Irak.
Zur Beteiligung weiterer Staaten an Sicherung und Wiederaufbau im Irak
sehen die USA nach eigenen Angaben weiterhin keinen Grund für eine
neue UNO-Resolution.
Eine neue Irak-Resolution der UNO sei dazu unnötig, sagte
US-Präsidialamtssprecher Scott McClellan am Samstag an Bord des
Präsidentenflugzeuges "Air Force One" auf dem Weg nach Texas vor
Journalisten. "Die Resolution 1483 ermächtigt Länder nach
unserer Auffassung ausreichend, um sich zu beteiligen und Wiederaufbau
und Stabilisierung im Irak zu unterstützen", sagte McClellan. Er
räumte allerdings ein, dass mehrere Staaten ein weitergehendes
Mandat der UNO wünschten. Mit diesen Staaten gebe es dazu erste
Gespräche.
Angesichts der finanziellen und militärischen Belastungen im Irak
steht die US-Regierung innenpolitisch unter Druck, sich um eine
größere internationale Unterstützung beim Wiederaufbau
des Landes zu bemühen. Die Kosten für die US-Truppen im Irak
belaufen sich derzeit auf rund vier Milliarden Dollar monatlich. Zudem
sind US-Soldaten in dem Land fast täglich Ziel von Anschlägen.
So wurden in der Nacht zu Samstag bei einem Granatenangriff
nördlich der Hauptstadt Bagdad ein US-Soldat getötet und drei
verletzt. Seit dem von US-Präsident George W. Bush am 1. Mai
erklärten Ende der Hauptkampfhandlungen wurden damit 53
US-Soldaten getötet.
Die im Mai verabschiedete UNO-Resolution 1483 gibt den USA weitgehend
die Kontrolle über den politischen und wirtschaftlichen Aufbau im
Irak. Frankreich und Russland hatten eine neue UNO-Resolution gefordert,
um den Vereinten Nationen (UNO) eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau
des Irak zu übertragen. Auch Deutschland hat ein Engagement im
Irak von einem Mandat mit einer zentralen Rolle der UNO abhängig
gemacht. Frankreich, Russland und Deutschland hatten den
US-geführten Irak-Krieg abgelehnt.
Die US-Truppen in Saddam Husseins Heimatstadt Tikrit wollen den
flüchtigen Ex-Präsidenten nach eigenen Angaben lebend fangen.
"Natürlich wollen wir ihn lebend haben, um die
größtmögliche Menge an Geheimdienstinformationen zu
bekommen", sagte Leutnant Jason Price von der ersten Brigade der 4.
Infanteriedivision am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Saddams
Söhne Udai und Kusai sowie sein Enkelsohn Mustafa waren am 22. Juli
bei einem Feuergefecht von US-Soldaten getötet worden. Der
Oberbefehlshaber der US-Truppen im Irak, Generalleutnant Ricardo
Sanchez, hatte die Entscheidung der Kommandeure vor Ort später als
richtig beschrieben.
Die 4. Infanteriedivision hat in den vergangenen Tagen bei der Suche
nach Saddam zahlreiche Häuser und Bauernhöfe in der Umgebung
von Tikrit durchsucht und dabei mehrere Verdächtige festgenommen.
Der Aufenthaltsort des im April gestürzten Präsidenten ist
unklar. Eine ihm zugeschriebene Stimme hat auf mehreren Tonbändern
die Iraker zum Aufstand gegen die Besatzungstruppen aufgerufen. Die USA
erhoffen sich von der Festnahme oder Tötung Saddams langfristig ein
Abflauen der fast täglichen Anschläge auf ihre Truppen.
Auf ihrer Suche nach Saddam Hussein haben die US-Truppen in Irak nach
eigener Darstellung 26 Anhänger des entmachteten Staatschefs
festgenommen. Zudem wurde der Chef der Kurdischen Islamischen Bewegung,
Ali Abdel Asis, festgenommen. Derweil ist in der Heimatstadt von Saddam
Hussein erneut ein Angriff auf US-Truppen verübt worden. Drei
Soldaten an der Spitze eines Konvois wurden verletzt, als an einer
Brücke in Tikrit ein Sprengsatz explodierte, wie Oberstleutnant
Bill MacDonald am Sonntag in Tikrit sagte.
Unter den festgenommenen Anhängern von Saddam Hussein hätten
sich zwei Funktionäre der Baath-Partei befunden, sagte
US-Oberstleutnant Ted Martin in Tikrit. Die beiden in Bakuba und
Halabdscha im Nordosten von Bagdad festgenommenen Männer
hätten Anschläge geplant und Helfer rekrutiert. Bei den
Militäreinsätzen seien zudem 166 Granaten, neun Granatwerfer,
zehn Kalaschnikows, Munition und Geld sichergestellt worden.
Der Kurdenführer sei am Samstag zusammen mit 14 Vertrauten, unter
ihnen sein Bruder Mullah Omar, in seinem Haus in Halabdscha festgenommen
worden, teilte das Büro seiner Organisation in Erbil mit. An der
Militäraktion hätten hunderte US-Soldaten und zwei
Hubschrauber teilgenommen. Ein Mitglied der Bewegung kritisierte, die
US-Armee gehe nun gegen "die Verfechter der Freiheit" vor. Abdel Asis
habe der entmachteten Regierung schon seit langem den Krieg
erklärt.
Insgesamt 264.000 Dollar (gut 236.000 Euro) Schadensersatz zahlt die
US-Armee irakischen Bürgern für Kriegsfolgen inklusive
Todesfälle, Verletzungen oder materielle Schäden. Dies teilte
ein Vertreter der US-geführten Koalition am Sonntag in Bagdad mit.
Demnach wurden 2517 Klagen auf Entschädigungen eingereicht, die von
Ermittlern untersucht worden seien. 1456 Klagen habe die Armee
anerkannt. In 1168 Fällen werde eine finanzielle Entschädigung
ausgezahlt.
Die Wiederaufnahme der irakischen Öl-Produktion kommt dem
Opec-Mitglied Venezuela zufolge nur schleppend voran.
"Die Geschwindigkeit, mit der sich die irakische Öl- Industrie
erholt, liegt unterhalb unserer Erwartungen", sagte Venezuelas
Öl-Minister Rafael Ramirez am Sonntag in Moskau. "Die Euphorie
über eine Überflutung des Marktes mit Öl aus dem Irak
nach dem Krieg ist verflogen, und wir glauben nicht, dass ein
bedeutendes Wachstum vor Ende 2003 möglich sein wird." Ramirez will
in Russland für Investitionen in sein Land werben.
Der Irak produziert zurzeit etwa ein Drittel der Öl-Menge wie vor
der US-geführten Invasion zum Sturz des Präsidenten Saddam
Hussein. Der Wiederaufbau wird durch Anschläge und
Plünderungen behindert. Irak ist ebenfalls ein Mitglied der
Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec).
(Quelle: rtr,
afp)
«Vieles im Verhalten der amerikanischen
Besatzungsmacht deutet darauf hin, daß sie genau die Fehler
macht, die nach Einschätzung eines Spezialisten für
Militärstrategie am "Center for Strategic and International
Studies (CSIS)", zum schlimmst-möglichen Szenario
gehören.»
Die USA
hätten von vergleichbaren Lagen in der Vergangenheit nicht einmal
gelernt, daß "selbst die besten militärischen Siege nicht
den Frieden gewinnen können".
Mehr in
der heutigen Ausgabe von "junge Welt" (04.08.03):
http://www.jungewelt.de/2003/08-04/006.php
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El Kaida droht
USA in Tonbandrede mit Rache +++ USA stoppen wegen Terrorangst
Transitverkehr
Mo.04.08.03 -
El-Kaida hat sich mit neuen Drohungen an die USA zu Wort gemeldet. Der
in Dubai ansässige Fernsehsender El Arabija veröffentlichte
eine auf Tonband aufgenommene Ansprache, in der den Vereinigten Staaten
mit Vergeltung gedroht wird, falls sie in Guantánamo inhaftierte
Terrorismusverdächtige hinrichten. Nach Angaben des Senders stammt
die Botschaft von Bin-Laden-Vize Aiman el Sawahiri. Aus Furcht vor neuen
Anschlägen setzte die US-Regierung Transitregelungen aus, die
ausländischen Flugzeugpassagieren bisher einen Zwischenstopp in
den USA ohne Visum erlaubten.
"Die Kreuzritter werden teuer bezahlen für jeden Schaden, den sie
ihren Gefangenen zufügen", heißt es in der Tonband-Ansprache.
Der Sprecher bezieht sich offenbar auf die
Terrorismusverdächtigen, die nach den Anschlägen vom 11.
September auf dem US-Marinestützpunkt Guantánamo in Kuba
inhaftiert wurden. Sie sollen vor Militärgerichten abgeurteilt
werden, wobei ihnen die Todesstrafe droht. Nach Angaben des Pentagon von
Mitte Juli sitzen 680 Gefangene aus 42 Ländern in
Guantánamo. Zuletzt hatte der arabische Fernsehsender El
Dschasira im Mai ein Tonband ausgestrahlt, auf dem angeblich Aiman el
Sawahiri zu neuen Anschlägen in westlichen Staaten aufruft.
Die Transitregelung für Flugzeugpassagiere werde mit sofortiger
Wirkung für zwei Monate aufgehoben, teilte das Ministerium für
Innere Sicherheit in Washington mit. Bislang wurden Fluggäste auf
Weiterreise in ein anderes Land ohne Visum in den Transitbereich von
US-Flughäfen gelassen. Wer mit dem "Transit Without Visa"-Programm
reiste, durfte Inlandsflüge nutzen und bis zu zwei
US-Flughäfen anfliegen. Ab sofort dürfen Passagiere US-Boden
ohne Visum nicht mehr betreten. Die Programme wurden bislang vor allem
von Passagieren aus Lateinamerika und Asien genutzt. Im vergangenen
Jahr profitierten davon rund 800.000 Fluggäste.
Die US-Regierung hatte am Dienstag vor neuen Anschlägen nach dem
Muster des 11. September gewarnt. Geheimdienstberichten zufolge wollen
Terrororganisationen wie El Kaida vor allem die Transitprogramme nutzen,
um sich Zutritt zu US-Flughäfen zu verschaffen und Flugzeuge
entführen zu können. Die Programme bilden nach Ansicht von
Experten eine Sicherheitslücke.
(Quelle: afp)
«Angst vor dem Terror zahlt sich aus»
«Die
Auftragsbücher US-amerikanischer Rüstungsfirmen sind prall
gefüllt. Einige steigern ihre Gewinne um das Anderthalbfache.
Besonders gut geht es Herstellern von Waffen, Kriegsschiffen und
Aufklärungssystemen» (taz vom 04.07.03)
Mehr
unter:
http://www.taz.de/pt/2003/08/04/a0101.nf/text
«Xbox erobert US-Militärbasen in Europa»
«Wer
ab Herbst den Xbox Live-Service nutzt, könnte beim virtuellen
Shoot-Out auf Nutzer treffen, die wirklich etwas von Strategie und
Taktik verstehen - Soldaten der US-Air Force.
Die US Air Forces in Europa [USAFE] investieren 200.000 USD in die
Freizeitgestaltung ihrer Rekruten und rüsten 14 Militärbasen
mit vernetzten Xbox-Spielhallen aus.» ("futurezone", 03.08.03)
Mehr
unter:
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=175829&tmp=11934
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Afghanische
Frauen fordern Gleichberechtigung
Mo.04.08.03 -
Eine afghanische Frauenrechtsgruppe fordert die Verankerung der
Gleichberechtigung in der neuen Verfassung des Landes. Mitglieder der
Gruppe Negar übergaben am Sonntag zwei Mitgliedern der von der
Regierung berufenen Verfassungskommission in Kabul ein von ihr
erarbeitetes Dokument mit dem Titel "Erklärung der grundlegenden
Rechte der afghanischen Frauen". Das Papier trägt die
Unterschriften von etwa 100.000 Frauen. Unter der früheren
Taliban-Herrschaft hatten die Frauen in Afghanistan so gut wie keine
Rechte. Die meisten Frauen durften nicht arbeiten, und Mädchen
wurde der Schulbesuch verwehrt. Die neue afghanische Verfassung soll bis
Oktober ausgearbeitet sein.
(Quelle: ap)
Nordkorea
strikt gegen Einbeziehung von Sicherheitsrat in Atomstreit
Mo.04.08.03 -
Nach der Zustimmung zu multilateralen Gesprächen über sein
Atomprogramm hat Nordkorea am Wochenende davor gewarnt, das Thema vor
den Weltsicherheitsrat zu bringen. Dies würde jeden Dialog
lähmen und sei ein "Auftakt zum Krieg", schrieb die amtliche
Nachrichtenagentur KCNA am Samstag. Die südkoreanische
Nachrichtenagentur Yonhap meldete unter Berufung auf einen Sprecher des
Präsidentenbüros, die multilateralen Gespräche
könnten Ende dieses oder Anfang kommenden Monats stattfinden.
Eine baldige Diskussion vor dem UN-Sicherheitsrat gilt als
unwahrscheinlich. Südkorea sprach sich dafür aus, zuvor alle
diplomatischen Bemühungen auszureizen. Die Gespräche der sechs
beteiligten Länder werden vermutlich in Peking stattfinden. Die
japanische Zeitung "Yomiuri Shimbun" schrieb am Sonntag, die USA
hätten unter Leitung von Außenamtsstaatssekretär John
Bolton mit Japan Gespräche über die Bildung eines
Inspektionsteams zur Kontrolle der nordkoreanischen Atomanlagen
aufgenommen. Dem Team sollten außerdem Vertreter Chinas,
Südkoreas und Russlands angehören. Es solle unabhängig
von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) arbeiten,
berichtete die Zeitung unter Berufung auf japanische und
US-Regierungskreise.
Nordkorea hatte sich am Donnerstag zu multilateralen Gesprächen
mit den USA, China, Südkorea, Japan, und Russland bereit
erklärt, will sich dabei aber vor allem auf einen Dialog mit den
USA konzentrieren. Auch nach Ansicht Washingtons sind bilaterale
Gespräche möglich. Am Samstag bezeichnete Pjöngjang
Staatssekretär Bolton indes als "menschlichen Abschaum" und lehnte
weitere Kontakte zu ihm ab. Bolton hatte den nordkoreanischen Staatschef
Kim Jong Il einen "tyrannischen Diktator" genannt und das Leben vieler
Nordkoreaner als "höllischen Albtraum" beschrieben. KCNA zitierte
einen Außenamtssprecher aber mit den Worten, an der Zustimmung
Pjöngjangs zu den multilateralen Gesprächen habe sich nichts
geändert.
US-Präsident George W. Bush erklärte am Freitag, er gehe
davon aus, dass Nordkorea zum Abbruch seines Atomprogramms
überredet werden könne. Neben den USA setzten sich inzwischen
auch andere Länder für dieses Ziel ein und sähen das
Nuklearprogramm von Pjöngjang als Bedrohung an, sagte Bush.
UN-Generalsekretär Kofi Annan äußerte sich ebenfalls
zuversichtlich. Es gebe Hinweise, dass die nordkoreanische Regierung bei
einem guten Verlauf der Diskussionen und einer Nichtangriffsgarantie
seitens der USA einlenken werde. Zudem könne sich das Land
während der Gespräche darauf vorbereiten, die Inspektionen
der IAEA wieder zuzulassen.
In Peking hatte bereits im April unter chinesischer Vermittlung ein
Treffen von Vertretern der USA und Nordkoreas stattgefunden. Das
chinesische Außenministerium teilte am Freitag mit, man sei offen
dafür, den Teilnehmerkreis zu erweitern. «Gegenwärtig
machen alle Seiten Fortschritte», sagte eine Sprecherin.
(Quelle: ap)
Heftige
Kämpfe in Liberia vor Ankunft der Friedenstruppen +++ UNO fliegt
Notrationen nach Monrovia
Mo.04.08.03 -
Einen Tag vor der Ankunft der ersten Friedenstruppen im
Bürgerkriegsland Liberia haben sich dort Rebellen und
Regierungstruppen am Sonntag an mehreren Fronten Kämpfe geliefert.
Verteidigungsminister Daniel Chea sagte, in der Hafenstadt Buchanan und
in Gbarnga, der einstigen Hochburg von Präsident Charles Taylor,
werde gekämpft. In der Hauptstadt Monrovia blieb es relativ ruhig.
Dort begann die UNO, Notrationen für die hungernde Bevölkerung
einzufliegen. Taylor hatte am Samstag seinen Rücktritt für
den 11. August angekündigt und damit erstmals einen genauen Termin
genannt. Als Vorhut sollen 300 nigerianische Soldaten in Liberia
stationiert werden.
"Es gibt überall Scharmützel", sagte Chea. Die
Regierungstruppen versuchten weiterhin, den von den Rebellen
kontrollierten Hafen von Monrovia einzunehmen. Sie hatten am Samstag
eine Offensive gestartet und eroberten nach eigenen Angaben drei
wichtige Brücken von den Lurd-Rebellen zurück. Allerdings
wurden die Regierungstruppen zurückgeschlagen. "Unsere Jungs
standen in der Nacht unter heftigem Beschuss", sagte Chea. Er warf den
Rebellen der Liberianischen Vereinigung für Versöhnung und
Demokratie (Lurd) vor, die Stationierung der Friedenstruppen unterlaufen
zu wollen.
In Monrovia versammelte sich eine Menschenmenge, um ghanaische Soldaten
des Vorausteams für die Friedenstruppen zu sehen. Es waren nur eine
Hand voll Soldaten, die mit Helmen und kugelsicheren Westen
ausgerüstet durch die Straßen fuhren. Doch ihr Anblick sorgte
bei den Menschen für Erleichterung. "Es ist, als ob ich im Himmel
wäre", sagte ein Mann. "Es wird jetzt ganz anders werden."
Wegen der seit zwei Wochen anhaltenden Kämpfe um Monrovia leidet
die Bevölkerung unter Wasser- und Nahrungsmittelmangel. Die UNO
flog von Sierra Leone aus eine halbe Tonne energiereicher Kekse nach
Monrovia. Damit könnten rund 4000 Menschen mit einer Notration
versorgt werden, teilte das Welternährungsprogramm der UNO (WFP)
mit. Weitere elfeinhalb Tonnen sollen in den kommenden Tagen eingeflogen
werden. "Es ist das erste Mal seit Beginn der jüngsten
Kämpfe, dass das WFP Lebensmittel nach Monrovia bringen konnte",
sagte Manuel Aranda da Silva, der WFP-Regionaldirektor für
Westafrika. "Das wird uns helfen, das Leben tausender
mangelernährter Menschen zu retten." Die Notrationen sollen an die
rund 100.000 am meisten leidenden Menschen verteilt werden. Sie sollen
vor allem an Krankenhäuser und Flüchtlingslager gehen, die
seit Juni keine Hilfe mehr erhalten haben.
Taylor hatte sich wiederholt bereit erklärt, Liberia zu verlassen,
sobald die Friedenstruppen eingetroffen seien, und ein Exil in Nigeria
akzeptiert. Nach Beratungen mit Vermittlern westafrikanischer Staaten
kündigte er am Samstag seinen Rücktritt an. Wann er das Land
verlassen werde, ließ er aber offen. Taylors Machtverzicht gilt
als Schlüssel für ein Ende der seit Jahren andauernden
Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen in dem
westafrikanischen Land.
Rund 200.000 Menschen wurden getötet, seit 1989 der
Bürgerkrieg in Liberia begann. Taylor ließ sich 1990 zum
Präsidenten ausrufen und wurde 1997 bei Wahlen auf diesem Posten
bestätigt. Er ist wegen Kriegsverbrechen vor einem internationalen
Gericht angeklagt. Er wird beschuldigt, im Bürgerkrieg in Sierra
Leone Rebellen unterstützt zu haben. Vor drei Jahren erhoben sich
in seinem eigenen Land Rebellen mit dem Ziel, Taylor zu stürzen.
(Quelle: rtr)
Putin will
nach Selbstmordanschlag hart bleiben +++ Zahl der Todesopfer auf 50
gestiegen
Mo.04.08.03 -
Ungeachtet des Selbstmordanschlags auf ein russisches
Militärkrankenhaus in Nord-Ossetien hält der russische
Präsident Wladimir Putin an der Tschetschenien-Politik seiner
Regierung fest. Die Terroristen würden ihren kriminellen Willen
nicht durchsetzen, hieß es in einem Kondolenzschreiben Putins. Bis
zum Sonntag stieg die Zahl der Todesopfer auf 50, wie ein Sprecher des
Katastrophenschutzministeriums mitteilte. 64 Verletzte befänden
sich noch im Krankenhaus.
Die Regierung in Moskau vermutet tschetschenische Rebellen hinter dem
Anschlag. Der Anschlag sei "eine weitere Bestätigung der
Unmenschlichkeit und Grausamkeit von Banditen, die die Situation im
nördlichen Kaukasus destabilisieren wollen", erklärte Putin in
seinem Schreiben. Der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow
brach auf Anweisung Putins seinen Sommerurlaub ab und begab sich an den
Anschlagsort. Die Einsatzkräfte begannen am Sonntag mit den
Aufräumarbeiten.
In dem zerstörten Krankenhaus in Mosdok an der Grenze zu
Tschetschenien wurden russische Soldaten behandelt, die bei ihrem
Einsatz in der abtrünnigen Kaukasusrepublik verwundet wurden.
Iwanow erklärte, der Terroranschlag sei möglich geworden, weil
spezielle Sicherheitsanweisungen nicht befolgt worden seien. Der Leiter
der Garnison sei für die Dauer der Ermittlungen vom Dienst
suspendiert worden.
Das vierstöckige Gebäude, in dem sich zum Zeitpunkt des
Anschlags rund 120 Menschen befanden, fiel bei der Explosion am
Freitagabend wie ein Kartenhaus in sich zusammen und wurde völlig
zerstört. Nach offiziellen Angaben durchbrach ein mit mehr als
einer Tonne Sprengstoff beladenes Fahrzeug das Eingangstor und
detonierte vor dem Empfangsgebäude des Krankenhauses. Unter den
Toten sind nach Angaben vom Sonntag mindestens 22
Militärangehörige.
Es handele sich nicht um eine kriminelle Auseinandersetzung, sondern
definitiv um einen sorgfältig geplanten Terrorakt, erklärte
der stellvertretende Generalstaatsanwalt Sergej Fridinski in einem
Bericht des Fernsehsenders NTW. Die Staatsanwaltschaft sieht die Tat als
Racheakt an, weil in dem Krankenhaus russische Soldaten nach ihrem
Einsatz in Tschetschenien behandelt wurden.
In Tschetschenien wurden unterdessen die Sicherheitsvorkehrungen
verstärkt. Zum Schutz von Krankenhäusern, Ölraffinerien
und anderen wichtigen Gebäuden seien in allen Städten rund um
die Uhr Patrouillen im Einsatz, meldete die russische Nachrichtenagentur
Itar-Tass. Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen seien an den
Einsatzorten russischer Truppen und russischen Grenzposten ergriffen
worden. Bei Selbstmordanschlägen tschetschenischer Separatisten
kamen seit Mai rund 150 Menschen ums Leben.
(Quelle: ap)
WHO will Kampf
gegen die «Suchtindustrie» verstärken +++ Politiker
wollen drastische Anti-Rauch-Gesetze +++ Deutschland will gegen das
EU-weite Tabakwerbeverbot vor Gericht ziehen
Mo.04.08.03 - Der
Kampf gegen das Rauchen steht im Mittelpunkt der 12. Welttabakkonferenz
der WHO, die am Sonntag in Helsinki begonnen hat. Die "Suchtindustrie"
wird von der Weltgesundheitsorganisation für jährlich
fünf Millionen Tote verantwortlich gemacht. Auch deutsche
Politiker machten am Wochenende Front gegen das Rauchen: Zum Schutz von
Nichtrauchern wollen sie drastische Gesetzesverschärfungen
durchsetzen. Die Bundesregierung will einem Pressebericht zufolge aber
gegen das EU-weite Tabakwerbeverbot vor Gericht ziehen.
WHO-Generaldirektor Jong-Wook Lee nannte die Erkrankungen durch den
Tabakkonsum die wichtigste einzelne Ursache für vermeidbare
Todesfälle auf der Welt. Nach Schätzungen der Organisatoren
der Konferenz wird der Tabakkonsum bis 2030 für zehn Millionen
Todesfälle jedes Jahr verantwortlich sein, wenn keine
Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Nichtrauchen müsse daher
"überall Teil der sozialen Kultur werden", forderte Lee. Die
Konferenz will vor allem auch für die Ratifizierung der erst im Mai
beschlossenen internationalen Anti-Tabak-Konvention und ihre Umsetzung
in konkrete Politik werben. Die Konvention wurde nach Lees Angaben
inzwischen von 46 Ländern unterschrieben. Zu der Konferenz, die
noch bis Freitag dauert, kamen mehr als 2.100 Delegierte aus 115
Ländern.
Die Anti-Tabak-Konvention sieht unter anderem vor, dass die Gefahren
des Passivrauchens durch Rauchverbote oder -beschränkungen am
Arbeitsplatz, in öffentlichen Gebäuden und in
öffentlichen Verkehrsmitteln vermindert werden. Dafür setzt
sich am Wochenende auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung,
Marion Caspers-Merk, ein. Sie wolle erste Schritte einleiten, um den
Schutz von Nichtrauchern zu verbessern. "Das Nichtrauchen muss in der
Öffentlichkeit der Normalfall werden", erklärte sie. So
sollten etwa Krankenhäuser, Schulen oder Behörden komplett
rauchfrei sein.
Auch der bayerische Gesundheitsminister Eberhard Sinner will notfalls
ein Rauchverbot in Gaststätten durchsetzen, um Passivraucher besser
zu schützen. "Mein Ziel ist eine möglichst rauchfreie
Gesellschaft - von der rauchfreien Schule bis zur rauchfreien
Gaststätte." Rauchen sei "Krieg gegen die Gesundheit, vor allem
unserer Kinder", sagte der CSU-Politiker.
Nach dem Vorbild amerikanischer Anti-Rauch-Gesetze fordert der
nordrhein-westfälische CDU-Bundestagsabgeordnete Werner Lensing ein
striktes Rauchverbot auf öffentlichen Plätzen. "Ich bin
für ein absolutes Rauchverbot überall dort, wo Nichtraucher
dem Zigarettenqualm nicht entgehen können, also etwa in
Gaststätten und auch in Bürohäusern", erklärte er.
Über eine mögliche Klage der Bundesregierung beim
Europäischen Gerichtshof in Luxemburg gegen ein völliges
Tabak-Werbeverbot berichtete das Münchner Nachrichtenmagazin
"Focus". An der Klageschrift arbeiteten die Juristen des
Bundesfinanzministeriums, hieß es. Nach deren Urteil habe die
Europäische Union ihre Kompetenzen überschritten, als sie im
Dezember gegen den Willen der Bundesregierung beschloss,
Zigarettenreklame von 2005 an aus Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und
Internet zu verbannen.
(Quelle: ap)
Hohe
Verwaltungskosten der Krankenkassen +++ Gesundheitsreform-Kompromiss
stößt weiter auf Kritik
Mo.04.08.03 -
Trotz aller Sparappelle haben die Verwaltungskosten der gesetzlichen
Krankenversicherung nach einem Zeitungsbericht im vergangenen Jahr einen
neuen Rekord erreicht. Sie lägen bei 8,02 Milliarden Euro,
berichtete das "Handelsblatt" (Montag) unter Berufung auf die neue
Jahresstatistik des Gesundheitsministeriums.
1991 hätten die Kassen pro Mitglied 94 Euro für die
Verwaltung ausgegeben, im vergangenen Jahr 157 Euro. Auch im ersten
Quartal 2003 lagen die Nettoverwaltungskosten dem Bericht zufolge mit
1,8 Milliarden Euro höher als im Vorjahreszeitraum (1,7 Milliarden).
Kassen-Sprecher waren bereits am Wochenende davon ausgegangen, dass
einige Versicherungen ihre Verwaltungsausgaben deutlich senken und die
Beiträge reduzieren könnten. "Viele Krankenkassen können
ihre Verwaltungskosten um bis zu einem Drittel kürzen", sagte der
Sprecher der Gmünder Ersatzkasse der "Berliner Zeitung". Der
Sprecher der Direktkrankenkasse BIG erklärte, rechnerisch wäre
ein 0,3 Punkte niedrigerer Durchschnitts-Beitragssatz möglich.
Der Chef der Barmer Ersatzkasse, Eckart Fiedler, prophezeite neue
Milliarden-Lasten. "Ab 2005 kommen auf die Kassen rund 1,5 Milliarden
Euro an zusätzlichen Kosten zu, weil sie dann die medizinischen
Behandlungskosten für Pflegefälle übernehmen", sagte er
der "Financial Times Deutschland" (Montag). Auch die elektronische
Gesundheitskarte, die 2006 eingeführt werden soll, koste die Kassen
mindestens 1 Milliarde Euro mehr.
Baden-Württembergs Sozialminister Friedhelm Repnik (CDU) sagte in
der Tageszeitung "Die Welt" (Montag), das Problem im Gesundheitswesen
seien weniger die Kosten als vielmehr die fehlenden Einnahmen. Er
plädierte dafür, auch auf Einnahmen aus Mieten und
Kapitalanlagen Beiträge zu erheben.
Unterdessen stößt der Gesundheitsreform-Kompromiss weiter
auf Kritik. Der Präsident des Deutschen Industrie- und
Handelskammertags (DIHK), Ludwig Georg Braun, sagte in der "Berliner
Zeitung" (Montag): "Es zeigt sich, dass die Konsensreformen - sogar
gemessen an den wenig ambitionierten Zielen - nicht ausreichend sind."
Entscheidend sei es, den Wettbewerb zu stärken. Auch Ärzte,
Krankenhäuser, Pharmaindustrie und sonstige
Gesundheitsdienstleister sollten sich einem größeren
Wettbewerb stellen müssen.
Repnik, der einer der Unionsunterhändler war, wies solche Kritik
zurück. "Mit einem Entlastungsvolumen von über 20 Milliarden
Euro ist dies die größte Sozialreform seit der Deutschen
Einheit", sagte er.
Derweil kritisierte der Berater des Bundesministeriums, der
Gesundheitsökonom Karl Lauterbach, neue Forderungen nach
Einschränkung der medizinischen Leistungen für alte Menschen.
Der Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder, hatte am
Wochenende gesagt: "Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch
künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft
bekommen." Lauterbach argumentierte im Berliner "Tagesspiegel" (Montag),
dass die Kosten ohne Operation durch teure Schmerzmittel und die
erforderliche Pflege noch höher sein könnten.
(Quelle: dpa)
Konzerne
unternehmen keine besonderen Ausbildungsanstrengungen
Mo.04.08.03 -
Trotz des aktuellen Lehrstellenmangels und ungeachtet aller Appelle der
Politik plant die Mehrheit der deutschen Großkonzerne derzeit
keine nennenswerte Steigerung ihrer Ausbildungsaktivitäten. Das
ergab eine Umfrage der "Berliner Zeitung" (Montagausgabe) unter 21 der
größten Unternehmen der Bundesrepublik.
Nach Darstellung des Blattes gehen bei einigen Konzernen wie der
Münchner Allianz, der Frankfurter Commerzbank sowie der Deutschen
Post die Lehrlingszahlen sogar gegenüber dem Vorjahr zurück.
Ihr Ausbildungsangebot erweitern wollen dagegen der Chemiekonzern BASF
und die Deutsche Bahn AG.
Wie die Umfrage weiter ergab, wollen die meisten Konzerne ihr Angebot
lediglich auf Vorjahresniveau halten. So bietet die Deutsche Telekom
nach eigener Auskunft in diesem Jahr wiederum 4.000 neue Lehrstellen an.
Ebenso auf dem Niveau von 2002 bleiben wollen laut «Berliner
Zeitung» die Konzerne Siemens, Volkswagen , TUI , Schering ,
Metro, Lufthansa, Henkel, Fresenius Medical Care, DaimlerChrysler, BMW,
Bayer sowie Adidas.
(Quelle: ap)
Weiter Wirbel
um Kürzungen für Langzeit-Arbeitslose
Mo.04.08.03 - Die
von der Bundesregierung geplanten Kürzungen für
arbeitsunwillige Langzeitarbeitslose stoßen weiter auf massive
Kritik. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer sagte
zu den Vorschlägen: «Es wird damit der falsche Eindruck
erweckt, man müsse die Arbeitslosen nur ordentlich treten, dann
wird die Arbeitslosigkeit schon geringer».
Kurz vor der Veröffentlichung der neuen Arbeitsmarktzahlen am
Mittwoch berichtete die "Welt am Sonntag", die Zahl der
Beschäftigungslosen sei im Juli wieder um 72 500 auf 4,33 Millionen
angestiegen.
In einem dpa-Gespräch meinte Engelen-Kefer, schärferer Druck
auf die Arbeitslosen setze einen "Drehtüreffekt" in Gang. "Zwingt
man immer mehr Arbeitslose mit höherer Qualifikation in untere
Tätigkeiten rein, verschlechtert man zugleich die Chancen für
die am untersten Qualifikationsrand". Dies bringe "im Endeffekt gar
nichts". Kern des Problems sei vielmehr das fehlende Wirtschaftswachstum.
Das Vorstandsmitglied der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Isolde
Kunkel-Weber, sagte der "Bild"-Zeitung (Samstag),
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) versuche, "sich auf dem
Rücken der Arbeitslosen zu profilieren". Der Vorsitzende des
Arbeitslosenverbandes Deutschland, Matthias Dittmann, kritisierte in
"Bild", Clement drohe "mit Arbeitszwang, obwohl Millionen Jobs und
Lehrstellen fehlen. Mit den geplanten Einschnitten werden
Langzeitarbeitslose in Armut gestoßen."
Der CDU-Sozialexperte Karl-Josef Laumann sagte dagegen im NDR: "Ich
finde das völlig in Ordnung." Wenn jemand eine angebotene Arbeit
nicht annehme, müsse das auch zu Leistungskürzungen
führen. "Wir werden das nicht mehr durchhalten, dass wir rund 300
000 Saisonarbeitskräfte aus Osteuropa hier in Deutschland haben,
weil wir ... niemanden mehr finden, der dieses Arbeit tut", sagte
Laumann.
Nach "Bild"-Angaben sieht der noch unfertige Gesetzentwurf vor, das
Arbeitslosengeld II in Westdeutschland für drei Monate von 297 um
30 Prozent auf rund 208 Euro monatlich zu kürzen. Im Osten droht
eine Kürzung von 285 auf knapp 200 Euro. Arbeitsunwillige
Erwerbslose unter 25 Jahre müssen danach damit rechnen, dass ihre
Unterstützung für drei Monate komplett gestrichen wird.
Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung gibt es in der
Koalition inzwischen Pläne, daß Arbeitssuchende auch
gemeinnützige Jobs annehmen müssen, falls ihnen keine andere
Stelle vermittelt werden kann.
Wegen der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit muss Bundesfinanzminister
Hans Eichel (SPD) in diesem Jahr angeblich rund 13 Milliarden Euro mehr
aufbringen als eingeplant. Nach Darstellung des Nachrichtenmagazins "Der
Spiegel" rechnen Eichels Experten mit einem Bundeszuschuss für die
Bundesanstalt für Arbeit von 8,5 Milliarden Euro. Die höheren
Kosten für die Arbeitslosenhilfe schlagen demnach mit weiteren 4
Milliarden Euro zu Buche. Ein Sprecher des Finanzministeriums
bezeichnete den Bericht als "reine Spekulation".
Nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" waren im Juli rund 72 500
Menschen mehr arbeitslos als im Juni - insgesamt waren es danach rund
4,33 Millionen. Als Grund sehen Fachleute, dass sich während der
Urlaubszeit viele Betriebe mit der Wiederbesetzung freiwerdender Stellen
zurückhalten. Der späte Beginn der Sommerferien in den
bevölkerungsreichsten Bundesländern Nordrhein-Westfalen,
Bayern und Baden-Württemberg schlage in diesem Jahr voll auf die
Juli-Zahlen durch. Im Juni war die Zahl der Menschen ohne
Beschäftigung um 85 000 auf 4 257 400 zurückgegangen.
(Quelle: dpa)
Bayerischer
DGB-Chef Schösser übt Selbstkritik
Mo.21.04.03 - Der
bayerische DGB-Landesvorsitzende Fritz Schösser hat
eingeräumt, dass die Gewerkschaften wegen eigener Fehler bei der
Bevölkerung an Rückhalt verloren haben.
Es sei falsch gewesen, nach der Bundestagswahl 1998 mit politischen
Kampagnen aufzuhören, sagte Schösser am Sonntag vor einer
Woche im "Deutschlandfunk". "Wir haben den Fehler gemacht, dass wir mit
dem Wahlerfolg der Sozialdemokratie unsere politischen Waffen
weggeworfen haben", sagte der Gewerkschaftsfunktionär
wörtlich. Das Arbeitgeberlager habe das geschickt ausgenutzt, um
die eigenen Positionen in der Öffentlichkeit umzusetzen.
Schösser, der auch SPD-Bundestagsabgeordneter ist, räumte
zudem ein, dass Gewerkschaften bei den Sozialdemokraten an Boden
verlören
(Quelle: ap)
IG Metall nach
Führungsstreit von dramatischer Austrittswelle heimgesucht +++
Sparprogramm wegen Mitgliederschwund beschlossen
Mo.04.08.03 - Die
IG Metall sieht sich nach dem verlorenen Streik in Ostdeutschland und
dem nachfolgenden Führungsstreit mit einer Austrittswelle
konfrontiert und hat daher nach Angaben ihres Hauptkassierers Bertin
Eichler ein drastisches Sparprogramm beschlossen.
"Unsere Mitglieder zahlen keine 20 Euro im Monat, um Zeuge eines
Personalstreits zu werden, sondern sie wollen, dass ihre Interessen im
Vordergrund stehen", sagte Eichler dem "Handelsblatt" (Montagausgabe).
Im ersten Halbjahr seien fast 60.000 Arbeitnehmer aus der Gewerkschaft
ausgetreten, im Juli habe die Gewerkschaft nach internen Berechnungen
weitere rund 25.000 Mitglieder verloren, berichtete die Zeitung am
Sonntag weiter vorab. Als Gründe für die Austrittwelle nannte
Eichler dem Blatt zufolge neben dem Stellenabbau infolge der schlechten
Konjunktur den Führungsstreit, Unzufriedenheit mit dem Streik in
Ostdeutschland und mit dem Kurs der Gewerkschaft gegen die
Sozialreformen der Bundesregierung. "Ich kann die Kritik
nachvollziehen", sagte Eichler. Als Folge der finanziellen
Einbußen habe die Gewerkschaft beschlossen, ihre laufenden Budget
um zehn Prozent zu kürzen. In diesem Jahr rechne die Organisation
mit einem Defizit von etwa 8,4 Millionen Euro.
Die knapp 2,6 Millionen Mitglieder starke IG Metall steckt in ihrer
bislang schwersten Krise. Nachdem der für den verlorenen Streik
verantwortliche stellvertretende IG-Metall-Chef Jürgen Peters
Forderungen aus den eigenen Reihen nach Rücktritt abgelehnt und
sich im Juli im internen Machtkampf durchgesetzt hatte, war
IG-Metall-Chef Klaus Zwickel zurückgetreten. Ende August soll
Peters auf einem vorgezogenen Gewerkschaftstag zum neuen Vorsitzenden
gewählt werden.
(Quelle: rtr)
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