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+++ Do.07.08.03,
12:45 Nachrichten-Archiv Aktuelle
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Irak am hunderteinundvierzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Früherer
UN-Chefinspekteur Blix wirft US-Regierung Völkerrechtsbruch wegen
Irakkrieg vor. Washington habe wahre Kriegsgründe nicht genannt
+++ Schiitengruppe will islamische Republik im Irak +++
Do.07.08.03 -
Ungewöhnlich scharf hat der frühere UN-Chefinspektor Hans
Blix am Mittwoch das Vorgehen der US-Regierung gegen Irak kritisiert. In
einer Radiosendung des Schwedischen Rundfunks warf Blix
US-Präsident George W. Bush Völkerrechtsbruch vor und zog
dessen offizielle Kriegsbegründung in Zweifel.
"Ich sehe nicht, dass das Vorgehen und seine Rechtfertigung in Einklang
mit der UN-Charta standen", sagte der 75 Jahre alte Schwede. Die USA
hätten zudem die Autorität des Weltsicherheitsrates
beschädigt. Saddam Hussein habe keine unmittelbare Bedrohung
für die Nachbarstaaten Iraks oder gar die USA dargestellt.
Die Bush-Regierung müsse daher andere Gründe für die
Invasion gehabt haben, "neben dem offen erklärten Ziel,
Massenvernichtungswaffen zu finden und zu zerstören". Ein wichtiges
Element sei mit Sicherheit das Bedürfnis der USA gewesen, nach den
Anschlägen vom 11. September 2001 Schlagkraft zu demonstrieren.
Abfällig äußerte sich Blix besonders über das
amerikanische Verteidigungsministerium. "Ich fand es befremdlich, dass
diejenigen, die für ein militärisches Eingreifen waren,
hundertprozentige Gewissheit über die irakischen
Massenvernichtungswaffen hatten. Zugleich stellte sich heraus, dass sie
null Prozent Kenntnisse darüber hatten, wo die Waffen sein
sollten." Der Sicherheitsrat hätte womöglich einer
Intervention zugestimmt, sagte Blix weiter, wenn die irakische Regierung
die UN-Inspektionen weiterhin verhindert hätte.
Die Waffenkontrolleure der Vereinten Nationen durften in Irak nur
dreieinhalb Monate arbeiten und wurden am 18. März abgezogen, zwei
Tage vor den ersten Angriffen auf Bagdad. Nach Ansicht von Blix ist es
zunehmend unwahrscheinlich, dass britische oder amerikanische Truppen
noch verbotene Waffen in Irak finden. Sie seien nun schon länger
auf der Suche als die UN-Inspekteure, sagte Blix.
Eine irakische Schiitengruppe sprach sich unterdessen für die
Gründung einer "unabhängigen islamischen demokratischen
Republik" im Irak aus, die aber nicht dem Muster des Nachbarlandes Iran
folgen solle. "Wir wollen einen Staat, der keine Verbindung mit
irgendeinem anderen Staat der Region hat", zitierten irakische Medien am
Mittwoch den Präsidenten des Hohen Rates für die Befreiung
des Iraks, Mahdi el Awadi. Der unter US-Aufsicht gegründete
provisorische irakischen Regierungsrat sei nur eine "Scheinvertretung,
an die wir nicht glauben", sagte Awadi. Gleichzeitig verurteilte er die
Angriffe auf US-Soldaten. Alle Probleme seien durch Dialog zu lösen.
Der Regierungsrat wiederholte angesichts der Rechtlosigkeit im Lande am
Mittwoch seine Aufforderung an die US-Verwaltung, ihm die Verantwortung
für die Sicherheit im Irak zu übertragen. Vor dem Gebäude
der Verwaltung fanden sich rund 1000 Angehörige der turkmenischen
Minderheit zu einer Demonstration zusammen. Die Turkmenen, deren Anteil
an der Gesamtbevölkerung bei etwa zwei Prozent liegt, halten den
einen für sie reservierten Sitz im provisorischen Regierungsrat
für nicht ausreichend.
Nach Angaben jordanischer Zeitungen halten sich inzwischen außer
Saddams beiden Töchtern Rana und Raghed auch andere Angehörige
führender Mitglieder der entmachteten irakischen Regierung in
Jordanien auf, darunter eine Schwester des Ex-Präsidenten sowie
Angehörige des ehemaligen Außenpolitikers Tarik Asis. Der
jordanische Ministerpräsident Ali Abul Ragheb sagte am Mittwoch in
einer Rede vor dem Parlament in Amman, der irakische Regierungsrat
müsse rasch durch eine richtige Regierung ersetzt werden, die
Besatzungstruppen sollten möglichst bald das Land verlassen. Die
Arabische Liga hatte am Dienstag erklärt, sie werde den Rat nicht
anerkennen. Auch wollten die Araber keine Soldaten in den Irak
entsenden.
(Quellen: ap,
dpa)
Ölpreise
steigen auf höchsten Stand seit Irak-Krieg
Do.07.08.03 - Die
Ölpreise sind am Mittwoch auf den höchsten Stand dem Ende des
Irak-Kriegs gestiegen.
Händler in London verwiesen auf die anhaltende Unsicherheit im
Zusammenhang mit der irakischen Ölproduktion und auf den
Bombenanschlag am Dienstag in der indonesischen Hauptstadt Jakarta. Der
September-Future der Nordseeölsorte Brent stieg in London auf 30,20
Dollar je Barrel (ein Barrel = 159 Liter) nach einem Vortagesschluss
von 29,92 Dollar. An der New Yorker Börse (Nymex) war der Preis
für US-Öl am Dienstag um 0,14 Dollar auf 32,36 Dollar
geklettert.
Händler erklärten, im Blickpunkt des Interessen stehe jetzt
die Entwicklung der Lagebestände in den USA. Nach Analysten-
Schätzungen sollten diese nach höheren Einfuhren auf 500.000
Barrel gestiegen sein.
Iraks Ölpipeline in die Türkei, die durch einen Sabotageakt
beschädigt worden war, ist immer noch unterbrochen. Aus Kreisen der
irakischen Ölindustrie verlautete, es gebe keinen festen Termin
für die Wiedereröffnung dieser Export-Leitung. Verunsichert
wurde der Handel durch den Anschlag in Indonesien, an dem nach einem
Zeitungsbericht die militante Gruppe Jemaah Islamiah verwickelt sein
soll, der Beziehungen zur El Kaida Osama Bin Ladens nachgesagt werden.
(Quelle: rtr)
Iran hält
an Atomprogramm fest
Do.07.08.03 -
Iran hat US-Vorwürfe, ein geheimes Atomwaffenprogramm zu
betreiben, erneut scharf zurückgewiesen. Teheran bemühe sich
nicht um Nuklearwaffen, denn ein Einsatz widerspreche "islamischen und
moralischen Lehren", erklärte Präsident Mohammed Chatami nach
einem Bericht des staatlichen Fernsehens am Mittwoch. Zugleich hielt
Chatami an atomarer Technologie zur Stromerzeugung fest.
Der Präsident deutete an, dass Iran möglicherweise ein
Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag unterzeichne, wenn die
internationale Gemeinschaft ein Recht seines Landes auf die friedliche
Nutzung der Kernenergie anerkenne. Teheran hat wiederholt erklärt,
es werde die in dem Protokoll vorgesehenen uneingeschränkten
UN-Kontrollen seiner Atomanlagen zulassen, wenn es im Gegenzug Zugang zu
moderner Atomtechnik erhält. Derzeit hält sich ein Team der
Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Teheran auf, das Iran
zur Unterzeichnung des Zusatzprotokolls bewegen will.
(Quelle: ap)
Struck will
Bundeswehr-Engagement ausdehnen +++ General: Ausweitung der
Afghanistan-Schutztruppe unrealistisch
Do.07.08.03 -
Verteidigungsminister Peter Struck hat sich für eine Ausweitung
des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan über die Hauptstadt Kabul
hinaus ausgesprochen. Er werde dies Bundeskanzler Gerhard Schröder
und Außenminister Joschka Fischer vorschlagen, sagte Struck der
Nachrichtenagentur dpa. Sowohl über die Größenordnung
des Einsatzes als auch den Einsatzort könne er noch keine Angaben
machen. Die afghanische Übergangsregierung bekräftigte indes
ihre Bitte an Deutschland für einen Bundeswehr-Einsatz auch
außerhalb Kabuls.
Der scheidende Kommandeur der Afghanistan-Schutztruppe ISAF, General
Norbert van Heyst, hält eine Ausweitung der Truppe nach der
bevorstehenden Übernahme des Oberkommandos durch die NATO für
eher unrealistisch.
Eine Ausweitung der ISAF auf sämtliche Provinzen außerhalb
von Kabul zur Sicherung der geplanten Wahlen in Afghanistan im
nächsten Jahr würde bis zu 10.000 zusätzliche Soldaten
erfordern, sagte van Heyst am Mittwoch im Anschluss an seine letzte
Pressekonferenz der Nachrichtenagentur Reuters. "Und ich sehe niemanden,
der bereit wäre, diese Soldaten zu entsenden", fügte er hinzu.
Weitaus realistischer wäre, die Rolle der zivilen und
militärischen Wiederaufbau-Teams auszuweiten, die von der Koalition
unter Führung der USA stationiert werden, sagte van Heyst. Jedes
dieser Teams könne aus 60 bis 70 Soldaten bestehen, die mit den
örtlichen Sicherheitskräften zusammenarbeiten könnten.
"Das scheint realistisch, das Konzept existiert, und das Konzept hat
sich als erfolgreich erwiesen", sagte er.
Mit Blick auf die ISAF, der rund 5000 Soldaten aus 31 Nationen
angehören und deren Einsatzgebiet auf die Hauptstadt Kabul und die
unmittelbare Umgebung beschränkt ist, erklärte der General:
"Wir stehen unter Zeitdruck. Wir sind konfrontiert mit den Wahlen
innerhalb des nächsten Jahres. Und ein neues Konzept zur Ausweitung
der ISAF aufzulegen, das braucht Zeit". Möglicherweise sei eine
Ausweitung der ISAF der bessere Weg, aber er sehe nicht, woher die dazu
benötigten 9.000 bis 10.000 Soldaten kommen sollten.
Im Zentrum müsse die Sorge um die Sicherheit der rund 25.000
Wahlhelfer stehen. Deshalb werde es in den nächsten Monaten darum
gehen, "die Sicherheit von diesem sicheren Hafen Kabul in die Provinzen
zu exportieren", sagte van Heyst. "Das könnte wirklich eine
Herausforderung für dieses Land werden, und ich drücke die
Daumen, dass es ein Erfolg wird", fügte er hinzu. Zwar bleibe die
ISAF-Erweiterung im Prinzip eine Option, aber es sei Sache der
Politiker, darüber zu entscheiden.
Zuvor hatte sich Bundesverteidigungsminister Peter Struck dafür
ausgesprochen, den Einsatz deutscher Soldaten über Kabul hinaus
auszuweiten. Im ZDF hatte er am Mittwoch erklärt, es gehe darum,
mehr Präsenz in ganz Afghanistan darzustellen, allerdings
müsse der Schwerpunkt beim zivilen und nicht beim
militärischen Aufbau liegen. Nach bisheriger Planung will die
Bundesregierung im September über eine Ausweitung des
Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan zum Schutz von Wiederaufbau-Teams
entscheiden. Im Gespräch sind Städte wie Herat und Charikar.
Für den Einsatz in manchen Regionen gibt es aber erhebliche
Sicherheitsbedenken. Außerhalb der Hauptstadt wird das Land
faktisch von regionalen Kriegsherren und Stammesführern
kontrolliert. Die Bundeswehr hat derzeit im Rahmen der Internationalen
Sicherheitstruppe ISAF in der afghanischen Hauptstadt Kabul rund 2300
Soldaten stationiert, von denen bis Ende August 800 abgezogen werden
sollen. Afghanistan und die USA drängen auf eine Ausweitung der
internationalen Militärpräsenz, um die Autorität der
afghanischen Regierung unter Präsident Hamid Karsai zu stärken.
In Kabul ist die ISAF unter derzeitigem Kommando Deutschlands und der
Niederlande stationiert. Am Montag wird die Führung an die Nato
übergeben. Anfang Juni waren in Kabul vier deutsche Soldaten bei
einem Selbstmordanschlag auf einen Bundeswehr-Bus getötet worden.
(Quellen: rtr,
dpa)
Lage für
Bevölkerung in Monrovia immer kritischer +++ UNO bittet um 69
Millionen Dollar Hilfe für Liberia +++ Vereinte Nationen fordern
Taylor zum Verlassen Liberias auf
Do.07.08.03 -
Trotz des Rückgangs der Gefechte in Monrovia bleibt die Lage
für die hungernde Bevölkerung katastrophal. Internationalen
Vermittlern gelang es bis Mittwoch nicht, Zugang zu den
Lebensmittellagern im von Rebellen gehaltenen Hafen der liberianischen
Hauptstadt zu erlangen. Die UN stellten angesichts der dramatischen
Situation eine neue Hilfaktion in Aussicht. US-Präsident George W.
Bush entsandte einige wenige US-Soldaten, die die internationale
Friedenstruppe logistisch unterstützen sollen.
Das erste Kontingent der internationalen Friedenstruppe für das
vom Bürgerkrieg zerrissene westafrikanische Land bereitete sich auf
erste Patrouillen noch am Mittwoch vor. Die Soldaten sollten
zunächst die Lage am Hafen erkunden, erklärte der
nigerianische Oberstleutnant Sam Nudamajo. Die Bevölkerung in der
von Regierungstruppen kontrollierten Innenstadt hungert, während
den Zivilisten im Hafengebiet der Zugang zu medizinischer Versorgung
fehlt.
Internationale Vermittler riefen die Rebellen auf, den Menschen Zugang
zu den Lagerhallen zu gewähren. Rebellenführer Abdullah Seyeah
Sheriff erklärte jedoch am Mittwoch, zunächst müsse
Präsident Charles Taylor das Land verlassen.
Unterdessen habendie Vereinten Nationen den liberianischen
Präsidenten zum Verlassen des vom Bürgerkrieg zerrütteten
Landes aufgefordert. Jacques Paul Klein, der UN-Sondergesandte für
Liberia, sagte Taylor solle die Einladung Nigerias nutzen, so lange das
Angebot bestehe.
Taylor hat den Gang ins Exil aber an die Bedingungen geknüpft,
dass ausreichend Friedenssoldaten in Liberia stationiert sein
müssen und dass seine Anklage vor dem Kriegsverbrechertribunal
für Sierra Leone fallen gelassen wird. Liberia stellte mittlerweile
beim Internationalen Strafgerichtshof den Antrag, dass das Tribunal
für Sierra Leone die Anklage zurücknimmt. Das Haager Gericht
leitete den Antrag nach eigenen Angaben nach Sierra Leone weiter.
Die ersten sieben amerikanische Marineinfanteristen landeten am
Mittwoch in Monrovia. Das Kontingent könnte in den kommenden Tagen
bis auf 20 Mann aufgestockt werden, sagte ein US-Regierungsbeamter in
Texas. Er betonte jedoch zugleich, dass es sich nicht um eine Vorhut
einer größeren US-Truppe handele.
UN-Generalsekretär Kofi Annan kündigte am Dienstagabend in
New York an, für die neue Hilfsaktion insgesamt 69 Millionen Dollar
(rund 60 Millionen Euro) sammeln zu wollen. Im vergangenen November
hatten die Vereinten Nationen bereits um 42,7 Millionen Dollar für
die Unterstützung der liberianischen Bevölkerung gebeten.
Davon sind bislang allerdings nicht einmal 22 Prozent eingegangen, wie
UN-Sprecher Fred Eckhard mitteilte.
Das Kinderhilfswerk UNICEF erklärte, allein in Monrovia seien mehr
als eine Million Menschen von Seuchen und Krankheiten bedroht, die
meisten von ihnen Kinder und Jugendliche. Um die Not Leidenden mit
Medikamenten, Trinkwasser und Nahrungsmitteln zu versorgen, zähle
jeder Tag.
Die Caritas hingegen hält Hilfseinsätze in Liberia vorerst
noch nicht für möglich. Die Lage im Land sei noch zu unsicher,
um einen Einsatz verantworten zu können, erklärte der Leiter
der Katastrophenhilfe von Caritas-International, Jürgen Lieser, im
DeutschlandRadio.
(Quelle: ap, rtr)
Israel
lässt rund 350 palästinensische Gefangene frei - Weit weniger
als bisher angekündigt
Do.07.08.03 -
Israel hat am Mittwoch mehr als 300 palästinensische Gefangene auf
freien Fuß gesetzt. Die Palästinenser sprachen von einer
leeren Geste. Sie fordern die Freilassung von mehreren tausend
Häftlingen und haben aus Protest ein für den Nachmittag
geplantes Gipfeltreffen abgesagt. Bei der Explosion einer Autobombe in
Tel Aviv wurde ein Mann getötet, acht Menschen wurden verletzt. Die
Polizei ging nicht von einem palästinensischen Terrorakt aus.
Unter Polizeischutz wurden die palästinensischen Häftlinge in
Bussen zu vier Grenzübergängen im Westjordanland gebracht, wo
sie am Nachmittag freigelassen wurden. Eine weitere Gruppe wurde an den
Kontrollpunkt Eres in den Gazastreifen gefahren. Wartende
Angehörige und Freunde jubelten den Freigelassenen zu und schlossen
sie teils nach Jahren der Haft in die Arme. Einige der Heimkehrer
warfen sich auf die Knie und küssten den Boden ihrer Heimat.
Der palästinensische Präsident Jassir Arafat bezeichnete die
Haftentlassung als "Täuschung", weil die meisten der von Israel
ausgewählten Gefangenen ihre Freiheitsstrafen sowieso schon fast
abgesessen hätten. Mit der Entlassung von rund 350 Häftlingen
blieb Israel außerdem hinter seiner Ankündigung vom Montag
zurück, nach der 443 Palästinenser auf freien Fuß
gesetzt werden sollten. Israelische Beamte erklärten dazu, knapp
100 Palästinenser, die wegen gewöhnlicher Verbrechen
einsitzen, sollten erst später freigelassen werden. Vor einer Woche
hatte Israel noch die Entlassung von 540 Häftlingen in Aussicht
gestellt.
Nach Angaben des Palästinensischen Gefangenenverbandes im
Westjordanland war rund die Hälfte der nun Freigelassenen ohne
Anklage in Haft. Von den Verurteilten hätten 80 Prozent ihre Strafe
schon fast verbüßt gehabt.
Im Friedensplan "Road Map" wird die Häftlingsfrage nicht
geklärt, in den Autonomiegebieten wird aber seit Wochen für
die Freilassung der rund 7.700 Palästinenser in israelischen
Gefängnissen demonstriert. Nach Ansicht der Autonomiebehörde
unter Ministerpräsident Mahmud Abbas könnte Israel mindestens
3.000 dieser Gefangenen entlassen, ohne eine Gefährdung der inneren
Sicherheit befürchten zu müssen.
Wie am Dienstag bekannt wurde, hat Israel bereits im Januar die nach
dem Ausbruch der Intifada im September 2000 eingefrorenen Gelder
für die palästinensische Autonomiebehörde wieder
freigegeben. Gemäß den vorläufigen
Friedensvereinbarungen streicht Israel die Zolleinnahmen für
palästinensische Einfuhren ein, die durch israelische Häfen
laufen, und gibt sie anschließend an die palästinensische
Autonomiebehörde weiter. Auch die Steuern, die
palästinensische Arbeiter in Israel bezahlen, sind für die
Autonomiebehörde bestimmt.
Die regelmäßigen Zahlungen hätten im Januar begonnen,
sagte der palästinensische Finanzminister Salam Fajad. Er
äußerte jedoch Zweifel, dass Israel alle den
Palästinensern zustehenden Gelder weitergeleitet habe.
(Quelle: ap)
Homosexueller
Bischof in USA gewählt
Do.07.08.03 - Die
Wahl des homosexuellen Pfarrers Gene Robinson zum Bischof stellt die
Episkopal-Kirche in den USA vor eine Zerreißprobe. Nachdem die
Bischofskonferenz am Dienstagabend in Minneapolis (Bundesstaat
Minnesota) mit 62 zu 45 Stimmen - bei zwei Enthaltungen - für die
Ernennung Robinsons zum Bischof gestimmt hatte, kündigten
konservative Kirchenleute Widerstand und neue Initiativen an.
Amerikanische Medien - wie die "New York Times" nannten die erste Wahl
eines bekennenden Homosexellen zum Bischof einer christlichen
Glaubensgemeinschaft "historisch". Die Episkopalkirche mit etwa 2,3
Millionen Mitgliedern in den USA sei nach dieser Entscheidung
"gebrochen, verletzt, geteilt und polarisiert", sagte Bischof Edward
Little aus dem Bundesstaat Indiana. 19 konservative Bischöfe der
Kirche kündigten an, sich an die anderen regionalen Kirchen der
Anglikanischen Kirche in den USA wegen der Wahl Robinsons zu wenden.
Insgesamt zählt die Anglikanische Glaubensgemeinschaft, zu der auch
die Episkopal-Kirche gehört, weltweit 75 Millionen Mitglieder.
Der 56-jährige Robinson sagte, er sei "stolz in einer Kirche zu
sein, in der alle Kinder Gottes eines sicheren Platz haben". Seine Wahl
sei auch ein "Zeichen für die Entwicklung hin zu einer reifen und
erwachsenen Gesellschaft", sagte der Geistliche, der geschieden ist und
seit 1989 mit seinem Lebenspartner zusammenlebt.
Erst vor wenigen Wochen war in Großbritannien die Ernennung eines
homosexuellen Geistlichen zum Bischof gescheitert. Er verzichtete auf
seine Nominierung, um der anglikanischen Kirche eine mögliche
Spaltung zu ersparen. In den USA hatte Gene Robinson bestritten, dass
die Gefahr einer Kirchenspaltung (Schisma) bestehe. «Die
düsteren Vorhersagen über irgendeine Art von Schisma sind
wahrscheinlich übertrieben», sagte Robinson.
(Quelle: dpa)
Hitzewelle in
Europa: Brände wüten weiter +++ Waldbrandalarm und
Fischsterben in Deutschland
Do.07.08.03 - Den
in Südeuropa wütenden Waldbränden und der extremen Hitze
fallen immer mehr Menschen zum Opfer: Allein in Spanien und Portugal
kamen bislang bereits fast 30 Menschen ums Leben, wie die Behörden
gestern mitteilten. In Portugal stieg die Zahl der Waldbrand-Opfer auf
14, fünf Tote gab es bislang in Frankreich. In Spanien starben 13
Menschen durch die Hitze; vor allem im Süden des Landes wurden
weit mehr als 40 Grad Celsius gemessen.
Gegen neue Brände in Südfrankreich kämpften mehr als 400
Feuerwehrleute an. Toskana-Urlauber mussten wegen akuter Waldbrandgefahr
zu dutzenden ihre Ferienhäuser verlassen. In zahlreichen
europäischen Städten erreichten die Ozonwerte kritische Werte.
Bei einem Feuer nahe Freixo de Espada a Cinta in Portugal starben
gestern zwei Menschen. Bislang sind in Portugal rund 50.000 Hektar Wald
und Buschland verbrannt. Die Regierung hatte am Montag den nationalen
Notstand ausgerufen. Obwohl sich die Lage gestern etwas entspannte,
blieb die Feuerwehr in höchster Alarmbereitschaft.
Deutschland schickte drei BGS-Transporthubschrauber mit
Löschwasserbehältern nach Portugal, um die Löscharbeiten
zu unterstützen. Eine Bitte des portugiesischen
Ministerpräsidenten José Manuel Durão Barroso an die
Nato, sein Land mit Löschflugzeugen zu unterstützen, wurde
derweil gestern zurückgewiesen. Ein Nato-Vertreter begründete
die Ablehnung damit, dass die Mitgliedsländer, die entsprechende
Flugzeuge besäßen, diese zurzeit selbst einsetzten. Italien,
Marokko und Spanien schickten dennoch Löschflugzeuge.
Im südfranzösischen Département Alpes-Maritimes waren
die Waldbrände gestern weiter außer Kontrolle. In der Nacht
hatten vor allem Blitzeinschläge die Brände wieder auflodern
lassen. Aus der Umgebung wurden ebenfalls Feuer gemeldet.
Ein Ende der Hitzewelle in Europa ist nicht in Sicht. Auch in
Deutschland wächst die Waldbrandgefahr.
Wegen der Feuergefahr dürfen in Deutschland zahlreiche Wälder
nicht mehr betreten werden. Allein in Brandenburg wurde in 8 von 14
Landkreisen die höchste Warnstufe ausgerufen. Der Bodensee-Pegel
droht auf den niedrigsten Stand seit 136 Jahren zu sinken. Im Rhein hat
die Hitze inzwischen zu einem massenhaften Fischsterben geführt.
Bis zu 15.000 Aale sind nach Angaben des nordrhein-westfälischen
Umweltministeriums in Düsseldorf verendet.
(Quellen: afp,
br-Radionachrichten)
Umweltschützer
fordern Umdenken beim Naturschutz
Do.07.08.03 -
Nach der Jahrhundertflut von 2002 und der derzeitigen Dürre dringt
der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf ein
Umdenken beim Naturschutz. Extremes Hochwasser werde ebenso wie das
augenblickliche Austrocknen der Flüsse durch Eingriffe des Menschen
begünstigt, sagte der Wasserschutz-Experte Ernst Paul Dörfler
in Berlin. So sei es ein Fehler gewesen, aus Angst vor Hochwasser in
früheren Jahren Auenflächen und Moore zu vernichten. Denn
diese wirkten wie Schwämme, die in Trockenperioden Wasser abgeben
könnten.
Der BUND warnte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) davor, von
dem Versprechen der Bundesregierung, den Ausbau der Elbe zu stoppen,
wieder abzurücken. In der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des
Bundes gebe es Tendenzen, den Ausbau der Elbe ungeachtet der politischen
Versprechungen doch wieder zu betreiben. So begännen etwa für
den umstrittenen Saale-Seiten-Kanal die Planungsarbeiten, obwohl diese
Wasserstraße auch nach Ansicht der Schifffahrt nur bei einem
Elbausbau Sinn mache. "Stolpe muss sich klar distanzieren vom Ausbau
der Elbe", forderte Dörfler.
Das Verkehrsministerium wies die Vorwürfe zurück: Es gebe
keine Grundlage für die Befürchtungen des BUND. Es gebe einen
eindeutigen Koalitionsbeschluss, demzufolge es keinen weiteren Elbausbau
geben werde. Die Wasserstraße müsse aber
regelmäßig gepflegt werden.
Nach Angaben des BUND verliert die Elbe als Wasserstraße
zunehmend an Bedeutung. Obwohl in den zurückliegenden zehn Jahren
rund 100 Millionen Euro zur Instandsetzung verbaut worden seien, sei die
auf dem Fluss transportierte Gütermenge von acht Millionen Tonnen
im Jahr 1990 auf vier Millionen Tonnen zurückgegangen. Neue
wirtschaftliche Potenziale gebe es stattdessen in der Förderung des
naturnahen Tourismus.
Der BUND-Wasserexperte Sebastian Schönauer warf den Behörden
vor, Bauobjekte in Überschwemmungsgebieten, etwa am Elbzufluss
Müglitz, wieder zu errichten. Für einen effektiven
Hochwasserschutz müssten Deiche rückverlegt und
zusätzliche Überflutungsräume geschaffen werden. Ein Jahr
nach der Flut habe sich der Zustand der Elbe aber insgesamt verbessert.
Probleme gebe es noch durch Belastungen von Fischen, Sedimenten und
landwirtschaftlichen Flächen mit ausgeschwemmten Schwermetallen.
(Quelle: afp)
Umweltministerium
trotz hoher Ozonwerte gegen Fahrverbot +++ Ozon-Höchstwerte im
Süden und Südwesten des Landes
Do.07.08.03 - Das
Bundesumweltministerium hat sich trotz der hohen Ozonwerte in Teilen
Deutschlands gegen ein Fahrverbot ausgesprochen.
"Wir wissen seit Jahren, dass diese kurzfristigen Fahrverbote nichts
bringen", sagte ein Ministeriumssprecher am Mittwoch in Berlin.
Hintergrund sei, dass sich Ozon erst etliche Tage nach dem
Schadstoffausstoß bilde und kaum lokal eingrenzen lasse.
Erhöhte Ozonwerte in Berlin könnten demnach kurzfristig nur
verhindert werden, wenn man Tage zuvor etwa in Stockholm ein Verbot
erlassen würde. Der klassische Pkw mit eingebautem Katalysator sei
zudem nicht die Hauptquelle für Ozon, sagte der Sprecher. Die Ozon
verursachenden Stickoxide und unverbrannte Kohlenwasserstoffe stammten
viel mehr von Zweitakt-Motoren, Rasenmähern, Motorsägen und
Lösemitteln.
Die Umweltorganisation Greenpeace hatte der Regierung vorgeworfen,
nicht genug gegen den Sommersmog zu tun und erklärt, mit einem
Fahrverbot könne die Belastung deutlich reduziert werden. Seit dem
Auslaufen des Sommersmoggesetzes 1999 sind Fahrverbote wegen Ozonalarms
nicht mehr vorgesehen.
Die Ozonwerte erreichten auch am Mittwoch nach Angaben des
Umweltbundesamtes im Süden und Südwesten Deutschlands
gefährliche Höhen. Im südlichen Schwarzwald wurde danach
ein Spitzenwert von 236 Mikrogramm Ozon je Kubikmeter gemessen. Ab einer
Belastung von 200 Mikrogramm seien Atembeschwerden, Husten und
Kopfschmerzen zu erwarten, warnte die Behörde.
Am Donnerstag sei vor allem in Baden-Württemberg und Saarland mit
einer anhaltend hohen Konzentration zu rechnen. "Örtlich
können Werte von bis zu 250 Mikrogramm je Kubikmeter erreicht
werden", sagte ein Sprecher. Das Umweltbundesamt empfiehlt längere,
körperliche Anstrengungen im Freien zu vermeiden und auf
umweltbelastende Tätigkeiten, wie Rasenmähen oder Lackieren
zu verzichten.
(Quelle: rtr)
SPD-Generalsekretär
Scholz für Abkehr von «demokratischem Sozialismus»
Do.07.08.03 - In
der SPD bahnt sich eine neue Programmdebatte an.
SPD-Generalsekretär Olaf Scholz verlangte im Magazin "Stern" von
seiner Partei eine Abkehr von ihrem bisherigen Gerechtigkeits-Begriff.
"Die soziale Verteilungsgerechtigkeit ist weit vorangekommen. Im 21.
Jahrhundert müssen wir die Blickrichtung wechseln", sagte Scholz.
Vertreter der Parteilinken kündigten unterdessen eigene Initiativen
mit Blick auf den SPD-Bundesparteitag im November an. Sie kritisierten
in den bisherigen Reformvorhaben der Bundesregierung ein
Ungleichgewicht zu Lasten von Arbeitnehmern und Versicherten.
Scholz sprach sich dafür aus, die SPD solle ihr bisheriges Ziel
des "demokratischen Sozialismus" aufgeben: "Ich glaube, dass der Begriff
für die Zukunft nur eine geringe Aussagequalität hat." Scholz
verteidigte zugleich die geplanten Kürzungen staatlicher
Leistungen für Arbeitslose, die Job-Angebote ablehnen. Selbst
schlecht bezahlte und unbequeme Arbeit sei "besser als staatlich
finanzierte Nichtarbeit", betonte der SPD-Politiker. Für seinen
Vorstoß hat Scholz offensichtlich im Grundsatz die
Rückendeckung von Parteichef und Bundeskanzler Gerhard
Schröder. Es sei Aufgabe des Generalsekretärs, die
Programmdebatte in der SPD "zu intensivieren und zu fördern", sagte
Vize-Regierungssprecher Thomas Steg.
Der Sprecher der Parlamentarischen Linken in der SPD, Fraktionsvize
Michael Müller, räumte die Notwendigkeit einer Neuorientierung
ein. Die Zeiten, die durch hohe Wachstumsraten und in Verbindung damit
durch hohen gesellschaftlichen Konsens geprägt waren, seien
vorbei. Die SPD-Linke dürfe nun aber keine "Abwehrschlacht"
führen, sondern müsse sich an die Spitze einer
Modernisierungsoffensive setzen. Wer aber glaube, die Frage der
Verteilungsgerechtigkeit sei nicht mehr aktuell, der habe "nichts
begriffen", sagte Müller mit Blick auf die Äußerungen
von Scholz.
Eine zentrale Forderung der SPD-Linken zur Reform des Sozialsysteme
bleibt die Einführung einer Bürgerversicherung, wie
Vorstandsmitglied Andrea Nahles erläuterte. Steigende Kosten
für die Arbeitnehmer seien nur dann akzeptabel, wenn auch andere
Einkommensarten mit einbezogen würden. Sonst sei die Belastung zu
einseitig verteilt. So würden in den bisherigen Plänen zur
Gesundheitsreform zwar Arbeitnehmer und Versicherte zur Kasse gebeten,
Privilegien etwa der Kassenärzte oder der Pharmaindustrie aber
nicht angetastet.
(Quelle: afp)
Linke wollen
programmatische Erneuerung der SPD mitgestalten
Do.07.08.03 - Die
Parlamentarische Linke (PL) der SPD-Bundestagsfraktion will dafür
eintreten, dass die deutsche Sozialdemokratie bei ihrer anstehenden
programmatischen Erneuerung das Profil einer Partei der sozialen
Gerechtigkeit nicht verliert. In Berlin erklärte ihr Sprecher
Michael Müller am Mittwoch, die PL verstehe sich als
Gestaltungslinke, die sich durch den Prozess der Globalisierung
besonders herausgefordert fühle. Statt einer Abwehrschlacht gehe es
um eine Offensive zur sozialen Gestaltung der Globalisierung.
Es könne nicht angehen, dass Begriffe wie Reform und
Modernität reduziert würden auf ökonomisches
Einheitsdenken, sagte SPD-Fraktionsvize Müller. Bis zum
November-Parteitag der SPD werde die PL ihre Vorstellungen in sechs
Bereichen präzisieren: Forschung, Bildung und Innovation,
Grundwerte-Strategie der Nachhaltigkeit, Öffentliche Güter,
Zukunft des Sozialstaates, Weltwirtschaft und nationale
Wirtschaftspolitik sowie europäisches Gesellschaftsmodell.
Die PL sehe die totale Ökonomisierung in Sprache und
Entscheidungen als sehr problematisch an, betonte Müller.
Politische Orientierung müsse das Allgemeinwohl bleiben, die Frage
also, ob es zu einem menschenwürdigen Fortgang in Wirtschaft und
Gesellschaft komme. "Anderenfalls könnte der Bundestag seine
Entscheidungen gleich Meinungsumfragen oder dem einfaltslosem
Einheitsdenken der Lobbygruppen einschließlich CDU/CSU und FDP
überlassen", erklärte Müller.
(Quelle: ap)
Mehr
Pädagogik für Lehramtsstudenten +++ Reformen an
Pädagogischen Hochschulen und Universitäten in
Baden-Württemberg
Do.07.08.03 - In
Baden-Württemberg ist die Lehrerbildung reformiert worden.
Studium, Referendariat, Fortbildung seien nun "aus einem Guss", sagte
Kultusministerin Annette Schavan (CDU) am Mittwoch in Stuttgart. Die
Ausbildung sei breiter und Praxis orientierter geworden. Eine
kontinuierliche berufsbegleitende Fortbildung schließt sich an.
Gewisse Teile der Fortbildung sollen für die Lehrer zur Pflicht
werden, kündigte Schavan zudem an.
Zur neuen Lehrerbildung gehört zum Beispiel, dass vom
Wintersemester 2003/4 Lehreramtsstudenten an den Pädagogischen
Hochschulen nicht mehr nur zwei, sondern drei Fächer studieren
müssen. Interdisziplinäres Lernen soll durch
Fächerverbünde gestärkt werden, Basiskompetenz in Deutsch
und Mathematik müssen alle Studenten erreichen.
An den Universitäten ist bereits 2001 das Praxissemester als
Pflicht eingeführt worden. 1.200 Frauen und Männer werden im
kommenden Schuljahr 13 Wochen in den Klassenzimmern studieren, schon
drei Mal so viele wie im vergangenen Schuljahr. Diese frühzeitige
Überprüfung der Berufsentscheidung werde sehr positiv
bewertet, berichtete die Kultusministerin.
Insgesamt wird im Studium eine stärkere Betonung auf
Erziehungswissenschaften gelegt: Das Volumen in Pädagogik wurde
verdoppelt und ein ethisch-philosphisches Grundlagenstudium, in dem sich
die künftigen Lehrer mit Fragen der ethischen Dimension des
jeweiligen Faches und Berufes auseinandersetzen, neu aufgenommen.
Um die berufsbezogenen Studienanteile zu koordinieren und den Studenten
mehr Unterstützung zu bieten, werden an den Universitäten
Zentren für Lehrerbildung eingerichtet. Sie sollen auch dafür
sorgen, dass die Ausbildungsangebote der Universitäten noch
stärker an den Bedürfnissen der Lehramtsstudenten ausgerichtet
werden. «Vom Beginn der Studienentscheidung über Studium und
Vorbereitungsdienst bis zum Berufseinstieg werden junge Lehrkräfte
intensiver begleitet», erklärte Schavan. Als Modellversuch
werden an Fachhochschulen und den Pädagogischen Hochschulen zum
kommenden Wintersemester neue Studiengänge für Gewerbelehrer
mit Masterabschluss eingerichtet.
Auch in der Lehrerfortbildung habe ein Paradigmenwechsel stattgefunden:
"Früher hat sich die Seminarauswahl an den Wünschen der
einzelnen Lehrer orientiert, nun geht es darum, was die Schule als
Ganzes an Fortbildungsbedarf hat." Zwei Drittel der Seminare finden in
der unterrichtsfreien Zeit statt.
(Quelle: ap)
Sächsische
Lehrer halten wenig von Ganztagsschulen
Do.07.08.03 - Die
Lehrer an Sachsens Schulen stehen der Einführung von
Ganztagsschulen als Reaktion auf die Ergebnisse der internationalen
Pisa-Studie skeptisch gegenüber. Die Gründe für das
schlechte Abschneiden deutscher Schüler bei der Erhebung liegen
ihrer Meinung nach vor allem im Freizeitverhalten der Kinder und
Jugendlichen sowie in schlechten schulischen Rahmenbedingungen. Das
ergab eine Befragung des Instituts für Psychologie der
Universität Chemnitz, die am Mittwoch veröffentlicht wurde [http://www.tu-chemnitz.de/phil/psych/professuren/method/inde
x.html].
Nach Einschätzung der Lehrer stehen das "problematische
Freizeitverhalten" der Schüler und der mangelhafte Umgang mit
logischen Problemen ganz oben auf der Defizitliste des deutschen
Schulwesens, teilte die Chemnitzer Uni weiter mit. Nicht viel besser
würden die finanzielle Ausstattung der Schulen und die häufig
zu große Klassenstärke bewertet.
Um bessere Ergebnisse im Mathematik-Unterricht zu erzielen, sehen die
Lehrer sich demnach selbst in der Bringschuld. Besonders wichtig sei es,
mehr Übungszeit für schwache Schüler einzuräumen
und einen stärkeren Praxisbezug herzustellen. Bei der Verbesserung
der Lesekompetenz wird dagegen mehr Eigeninitiative von den
Schülern gefordert. Aus Sicht der Pädagogen sollten
Schüler in der Freizeit viel öfter zu einem Buch greifen und
mehr zum selbstständigen Denken angeregt werden.
Eine pädagogische Ganztagesbetreuung zur Förderung und
Motivation der Schüler wird nicht befürwortet. Wichtiger sei
es, Grundkompetenzen und den richtigen Umgang mit den Massenmedien zu
vermitteln. Zudem sei eine bessere Kommunikation zwischen Lehrern und
Eltern sinnvoll, um positiv auf die Erziehung der Kinder einzuwirken.
Für die Studie hatte das Forscherteam um Peter Sedlmeier knapp 400
Lehrer sächsischer Gymnasien, Grund- und Mittelschulen befragt.
"Das Urteil der sächsischen Lehrer zu den möglichen Ursachen
des schlechten Abschneidens der deutschen Schüler in der
Pisa-Studie fällt durchaus differenziert aus, das gleiche gilt
für ihre Verbesserungsvorschläge", bewertete Sedlmeier die
Ergebnisse der Befragung. "Es ist nicht so, wie manchmal vermutet, dass
die Ursachen nur außerhalb der Schule gesucht werden." Vielmehr
zeige sich, dass die Lehrer bereit seien, sich für die Verbesserung
der Situation vermehrt zu engagieren.
(Quelle: ap)
Arbeitslosenzahl
steigt im Juli auf 4,35 Millionen +++ Keine Entspannung auf dem
Arbeitsmarkt in Sicht +++ Clement enttäuscht über Personal
Service Agenturen
Do.07.08.03 - Die
Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juli saisonbedingt um
94.500 gestiegen. Zum Ende des vergangenen Monats waren 4,352 Millionen
Menschen ohne Job, wie die Bundesanstalt für Arbeit mitteilte.
Union und FDP machten die Bundesregierung für den Anstieg
verantwortlich: "Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine
Chaostruppe sind die größtmögliche psychologische
Blockade für Investitionen und Arbeitsplätze in diesem Land",
erklärte CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer.
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) äußerte sich
dagegen positiv: "Konjunkturell haben wir die Talsohle durchschritten."
Der Chef der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit, Florian
Gerster, räumte ein, auf dem Arbeitsmarkt sei bis zum Ende des
Jahres nicht mehr mit einer Trendwende zu rechnen. Das kommende halbe
Jahr werde "den großen Durchbruch nicht bringen". Bei einem guten
Wirtschaftswachstum sei aber 2004 mit einer Erholung zu rechnen. Den
aktuellen Anstieg der Arbeitslosenzahl wertete Gerster als für die
Ferienzeit üblich.
Gegenüber dem Vorjahr erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen
um 305.000. Die Arbeitslosenquote lag bei 10,4 Prozent, nach 10,2
Prozent vor einem Monat und 9,7 Prozent vor einem Jahr. Im Westen stieg
die Quote im Monatsvergleich im Juli um 0,2 Punkte auf 8,3 Prozent, in
den neuen Ländern ebenfalls um 0,2 Punkte auf 18,5 Prozent.
CSU-Chef Edmund Stoiber sprach von einem "Dokument des Versagens von
Rot-Grün in der Arbeitsmarktpolitik". Die Bundesregierung habe seit
der Bundestagswahl "wieder ein ganzes Jahr ohne eine durchgreifende
Arbeitsmarktreform vertan".
Clement verwies dagegen darauf, seit Mai sei die Arbeitslosenzahl
saisonbereinigt um 41.000 gesunken. Entscheidend sei nun die Umsetzung
der weiteren Gesetze zur Hartz-Reform, bei denen es um die
Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe sowie um den Umbau der
Bundesanstalt für Arbeit geht.
Die als Kernstück der Hartz-Reform eingeführten Personal
Service Agenturen haben nach Meinung von Arbeitsminister Wolfgang
Clement die Erwartungen enttäuscht. Bislang seien lediglich 6 500
Arbeitslose bei den Agenturen untergekommen, sagte der Minister in
Berlin. Die Gründe sollen überprüft werden.
Unterdessen sprachen sich in einer Emnid-Umfrage für die
"Wirtschaftswoche" 60 Prozent der Befragten dafür aus, Arbeitslose
sollten in Zukunft verpflichtet werden, jede Beschäftigung
anzunehmen, die ihnen angeboten wird. Kritik an entsprechenden Vorhaben
äußerte dagegen die Gewerkschaft ver.di.
(Quellen: afp,
dpa)
Neuer Trend bedroht den Standort Deutschland +++ Firmen
verlegen teure Arbeitsplätze ins Ausland +++ Zehntausende Jobs
für qualifizierte Mitarbeiter gefährdet +++ Siemens
lässt Software in Niedriglohnländern entwickeln
«Allen
Reformanstrengungen der Bundesregierung zum Trotz kehren immer mehr
Unternehmen dem Standort Deutschland den Rücken.
Arbeitgebervertreter und Gewerkschaften warnen, dass inzwischen auch
hoch bezahlte Entwicklungsarbeit aus Deutschland und anderen
Industrienationen abwandert. „Damit gewinnt die Verlagerung eine
völlig neue Qualität", sagte der
Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und
Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben. Wirtschaftsvertreter
fordern sofortiges Handeln von der Politik, die diese Gefahr für
den Standort noch nicht ernst genug nehme.
In ungewohnter Einigkeit weisen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter
auf eine neue bedrohliche Entwicklung für den Standort Deutschland
und andere Hochlohnländer hin. International tätige Konzerne
wie Siemens, die Deutsche Bank, Daimler-Chrysler, Microsoft und IBM
verlagerten zunehmend gut bezahlte Entwickler-Jobs in
Billiglohnländer. Bevorzugte Ziele seien Indien, Osteuropa und
China. „Alarmierend ist, dass nicht mehr nur lohnintensive Fertigung ins
Ausland verlagert wird, sondern dass jetzt auch Verwaltung, Forschung
und Entwicklung und sogar der Sitz der Unternehmensführung infrage
gestellt werden", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin
Wansleben am Mittwoch der Süddeutschen Zeitung. Nach Ansicht der
IG Metall wird die neue globale Verlagerungswelle in den kommenden
Jahren Zehntausende Forschungs- und Ingenieurs-Jobs in Deutschland
vernichten.
Laut der Gewerkschaft hat zum Beispiel der Vorstand der Münchner
Siemens AG vor kurzem beschlossen, dass alle Bereiche des Unternehmens
große Teile ihrer Software-Entwicklung in mehreren Schritten aus
Deutschland, Amerika und Österreich in Niedriglohnländer
verlagern sollen. Zwei Siemens-Tochterunternehmen sollen diese Prozesse
koordinieren, heißt es. Deutschlands größter
Elektronikkonzern bestreitet, dass es einen entsprechenden
Vorstandsbeschluss gibt. In einem internen Rundbrief wird der Chef einer
dieser beiden Siemens-Töchter allerdings folgendermaßen
zitiert: „Der Zentralvorstand (von Siemens, d. Red.) hat schon zu
Jahresbeginn die Order ausgegeben, dass die Bereiche wachsende Anteile
ihrer Software-Entwicklung in so genannte Low-Cost-Regionen – zum
Beispiel Osteuropa, Indien, China – auslagern sollen."
Die Motivation der Unternehmen ist klar: Ein Entwickler in
Rumänien oder China kostet nur zehn bis zwanzig Prozent eines
Spezialisten in Deutschland. Andere Unternehmen bekennen vor diesem
Hintergrund offen, das gestiegene Ausbildungsniveau bei gleichzeitig
niedrigeren Gehaltsstrukturen nutzen zu wollen. „Da gibt es auf jeden
Fall Überlegungen", heißt es bei der früheren
Siemens-Tochter Infineon. Der Münchner Chiphersteller hat bereits
seine Buchhaltung nach Portugal verlagert, die
Automobilelektronik-Sparte zieht derzeit ins österreichische
Villach um – weitere Schritte sollen folgen. Der Konzern plane zwar
nicht, Entwickler-Arbeitsplätze in Deutschland abzubauen, der
Aufbau von neuen Jobs werde aber vorwiegend im Ausland erfolgen.
Infineon will beispielsweise die Zahl der Beschäftigten in China in
den nächsten fünf Jahren von 800 auf 3300 aufstocken, im
Inland soll die Mitarbeiterzahl dagegen weitgehend konstant bleiben.
Ähnliches plant der größte deutsche Software-Konzern
SAP. „Wir weichen auf billigere Entwicklungsstandorte wie Indien oder
Bulgarien aus", sagt Vorstandschef Henning Kagermann. Im indischen
Bangalore verdoppelt SAP die Mitarbeiterzahl in den nächsten drei
Jahren auf mehr als 1000.
Nach Beobachtung von Experten sind es längst nicht mehr nur
IT-Unternehmen, die solche Pläne haben. Der Trend erfasse fast alle
global agierenden Konzerne. Konkrete Zahlen für Deutschland und
Europa gibt es noch nicht, in Amerika werden laut einer Studie des
Forschungsinstituts Forrester Research Firmen in den nächsten zehn
Jahren 3,3 Millionen hoch qualifizierte Arbeitsplätze auslagern. In
einigen Bundesstaaten wird inzwischen diskutiert, staatliche
Aufträge nur noch an Firmen zu vergeben, wenn diese die Projekte im
Inland ausführen. Eine ähnliche Debatte müsse in
Deutschland in Gang kommen, fordert die IG Metall. Bisher werde dieser
neuen Bedrohung kaum Aufmerksamkeit gewidmet. Auch der DIHK mahnt
kurzfristig weitere Wirtschaftsreformen an.»
(Süddeutsche
Zeitung vom 07.08.03)
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Experten: Auch
2005 noch über 4 Millionen Arbeitslose
Do.07.08.03 - Die
Arbeitslosigkeit wird nach Einschätzung von Wirtschaftsforschern
noch etwa zwei Jahre lang auf einem hohen Stand bleiben. Der
Konjunktur-Experte Hinze vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv
sagte, selbst 2005 werde die Zahl der Arbeitslosen im
Jahresdurchschnitt über vier Millionen liegen. Eine Besserung am
Arbeitsmarkt sieht Hinze trotz des erwarteten Konjunkturaufschwungs
für frühestens Mitte nächsten Jahres. Nach Ansicht des
Instituts für Wirtschaftsforschung könnte auch die Hitzewelle
den erhofften Aufschwung am Arbeitsmarkt bremsen. Das schöne
Wetter führe dazu, so die Experten, dass die Kunden statt zum
Einkaufen lieber ins Grüne fahren.
(Quelle:
br-Radionachrichten)
Zeitung: Auch
Arbeitslosengeld II künftig pauschaliert
Do.07.08.03 - Das
neue Arbeitslosengeld II (ALG II) soll einem Zeitungsbericht zufolge
höher ausfallen als bislang bekannt. Im Gegenzug sollen
Einmalzahlungen entfallen.
Die Änderung hänge mit der geplanten Reform der Sozialhilfe
zusammen, bei der ebenfalls Leistungen pauschaliert würden, um den
Verwaltungsaufwand zu senken, berichtete das "Handelsblatt" am Mittwoch
vorab. Den Plänen des Wirtschaftsministeriums zufolge solle das ALG
II für Langzeitarbeitslose in Westdeutschland und Berlin 345 statt
der bislang genannten 297 Euro im Monat betragen. Für
Ostdeutschland seien 333 statt 285 Euro vorgesehen. Die höhere
Zahlung sei geplant, weil so genannte einmalige Bedarfe, etwa der Kauf
von Möbeln und Kleidung, künftig eingerechnet und nicht mehr
separat bezahlt würden.
(Quelle: rtr)
Kirchensteuerabzug
von Arbeitslosengeld rechtswidrig
Do.07.08.03 - Das
Sozialgericht Chemnitz hat den Abzug von Kirchensteuer vom
Arbeitslosengeld als rechtswidrig eingestuft. Wie die sechste Kammer am
Mittwoch mitteilte, wurde damit den Klagen von neun Betroffenen gegen
die Praxis der Bundesanstalt für Arbeit entsprochen. Die Urteile
sind den Angaben zufolge noch nicht rechtskräftig.
Die Chemnitzer Kammer folgte mit ihrem Spruch den Argumenten der neun
Kläger. Sie wandten sich gegen die Praxis der Bundesanstalt
für Arbeit, die jedem Arbeitslosen automatisch Kirchensteuer
abzieht. Dieser Abzug betrifft auch Empfänger von Arbeitslosengeld
und Arbeitslosenhilfe, die gar nicht Mitglied einer Kirche sind.
Bisher wurden Einsprüche gegen diese Praxis von der Bundesanstalt
für Arbeit stets mit der Begründung abgewiesen, dass die
Mehrheit der Arbeitnehmer auch Kirchensteuer zahle. Man könne nicht
jeden Einzelfall neu berechnen. Die Chemnitzer Kammer war jedoch der
Ansicht, dass die Zahl der Kirchensteuerzahler vor allem im Osten
Deutschlands in der Minderheit sei.
Bei den jetzt verhandelten Fällen ergingen drei Urteile, die
restlichen sechs Fälle ruhen bis zu einer möglichen
Entscheidung des Landessozialgerichts zunächst. Die 6. Kammer des
Chemnitzer Sozialgerichts hatte schon früher in entsprechenden
Klagen stattgegeben.
(Quelle: ap)
Junge-Union-Chef
Mißfelder kritisiert «Spitzenversorgung der Alten»
Do.07.08.03 -
Ungeachtet wachsender Empörung von allen Seiten hat der
Junge-Union-Chef Philipp Mißfelder erneut die "Spitzenversorgung
der Alte" kritisiert. Sie sei - neben der Arbeitslosigkeit - dafür
verantwortlich, dass die Beitragssätze bei Rente und Gesundheit in
den vergangenen Jahren kräftig gestiegen seien, sagte
Mißfelder nach einem am Mittwoch vorab veröffentlichten
Bericht der "Wirtschaftswoche". Bundesfamilienministerin Renate Schmidt
warnte angesichts der Debatte vor einem "Krieg der Generationen".
Derzeit "haben wir die reichste Rentnergeneration aller Zeiten",
erklärte der Bundesvorsitzende der CDU-Jugendorganisation. Der
Generationenvertrag sei von den Verantwortlichen der alten Generation
längst aufgekündigt worden. Alle Regierungen in den
vergangenen Jahren hätten "immer nur eine Politik gegen die Jugend
betrieben" und allein ihr die Kosten des demografischen Wandels
aufgebürdet, wurde der 23-Jährige zitiert.
Mit seinen Vorschlägen, Menschen über 85 kein
künstliches Hüftgelenk und Rentnern keine Zahnprothesen mehr
zu bezahlen, hatte Mißfelder bundesweiten Wirbel und Protest auch
bei jungen und Unionspolitikern ausgelöst. Die CDU-Abgeordnete
Katherina Reiche distanzierte sich laut "Tagesspiegel" vom Mittwoch
ausdrücklich von der in einer Vorabmeldung zitierten
Äußerung, die ältere Generation konsumiere auf Kosten
der Jüngeren. Der Ton in dieser notwendigen Debatte dürfe
nicht zu scharf werden, sagte Reiche, die voriges Jahr als
Familienpolitikerin dem Schattenkabinett von Unionskanzlerkandidat
Edmund Stoiber angehört hatte.
Familienministerin Schmidt warnte laut "Bild"-Zeitung: "Es kann nicht
um einen Kampf Jung gegen Alt gehen. Das kann niemand wollen." Der
Vorsitzende der SPD-Jugendorganisation, Niels Annen, nannte die
Äußerungen Mißfelders im NDR zynisch und
menschenverachtend. Mit christlichem Menschenbild habe das nicht allzu
viel zu tun.
Auch JU-Landesverbände distanzierten sich. Der saarländische
Landeschef Alex Funk forderte "eine klare Entschuldigung" und
bezeichnete Mißfelders Vorstoß als "ethisch höchst
problematisch". Diese Haltung entspreche nicht dem christlichen
Menschen- und Gesellschaftsbild der Jungen Union.
Sein Hamburger Kollege Andre Trepoll sagte, die Äußerungen
seien "weder repräsentativ für die Junge Union noch für
die junge Generation und schießen weit über unsere Ziele
hinaus". Es sei falsch, durch derartige Provokationen verhärtete
Fronten zwischen den Generationen zu erzeugen. Dummes und provozierendes
Gerede warf auch Bayerns JU-Chef Manfred Weber Mißfelder laut
"Rheinischer Post" (Donnerstagausgabe) vor und kritisierte, er verletze
das Wertefundament der eigenen Partei.
Der Vorsitzende der Senioren Union, Otto Wulff, nannte Mißfelders
Vorschläge im WDR töricht. Er halte sie "politisch für
irrsinnig und für ethisch einfach nicht hinnehmbar". Der
Vorsitzende des Sozialverbands VDK, Walter Hirrlinger, wies im
Deutschlandfunk auf die lebenslangen Leistungen der heutigen Rentner
hin. Sie zu diskriminieren, sei eine Beleidigung. Der Deutsche
Familienverband warnte vor einem "Krieg der Jungen gegen die Alten". Das
nütze niemandem und verschleiere die eigentlichen Probleme.
(Quelle: ap)
«Einen Einblick in den Sozialstaat à la Junge
Union gab ihr Vorsitzender Philipp Mißfelder in einem Interview
mit dem Tagesspiegel»
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/03.08.2003/682253.asp
Mißfelder:
«Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch
künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft
bekommen. Das ist eine reine Frage der Lebensqualität. Das klingt
jetzt zwar extrem hart, aber es ist doch nun mal so: Früher sind
die Leute auch auf Krücken gelaufen." »
(Quelle: rollberg, 06.08.03)
«Studie des Medizinischen Dienstes der
Spitzenverbände der Krankenkassen: Pflegebedürftige Menschen,
und zwar vor allem jene, die in Heimen leben, erhalten zu wenig Nahrung
und zu wenig Flüssigkeit. Viele von ihnen werden zu häufig
künstlich mit einer Magensonde ernährt, zwei Drittel von
ihnen bekommen eine zu geringe Kalorienmenge, 40 Prozent sind
unterernährt»
Quelle:
Süddeutsche Zeitung vom 06.08.03. Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/sz/politik/red-artikel3090/
http://www.sueddeutsche.de/sz/politik/red-artikel3093/
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Debatte
über Reform der Pflegeversicherung
Do.07.08.03 - Die
Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt ist mit ihrer
Forderung nach einer radikalen Änderung der Pflegeversicherung bei
der Opposition auf geteiltes Echo gestoßen. Es gebe es in der
Union Überlegungen, Pflege- und Krankenversicherung zu
fusionieren, sagte der Vizevorsitzende im Gesundheitsausschuss,
Wolfgang Zöller (CSU) der "Berliner Zeitung". Die Patienten
würden dann nicht mehr zwischen zwei verschiedenen Versicherungen
hin- und hergeschoben. "Die Abschaffung dieser Versicherung führt
in die pflegerische Steinzeit", sagte hingegen
Unions-Fraktionsgeschäftsführer Volker Kauder.
Im Arbeitgeberlager stießen die Vorschläge
Göring-Eckardts laut "Berliner Zeitung" auf ein positives Echo. Die
Pflegeversicherung könne "nur als Basissicherung mit
Kernleistungen dauerhaft finanzierbar bleiben", sagte das Mitglied der
Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen
Arbeitgeberverbände (BDA), Alexander Gunkel. Die Pflegeversicherung
könne "nur eine Teilabsicherung des Pflegerisikos" sein. Sie
müsse mit Eigenbeteiligungen aus Einkommen und Vermögen des
Pflegepatienten ergänzt werden.
Kauder sagte weiter, die Pflegeversicherung sei entstanden, damit jene,
die für das Alter vorsorgen, nicht das Nachsehen hätten im
Vergleich zu jenen, die keine Vorsorge leisten. Es werde darum weiter
ein System zur Abdeckung der Pflegekosten benötigt, dass
"einkommens- und vermögensunabhängig" ist.
Der Chef der Ersatzkassen, Herbert Rebscher, lehnte die von
Göring-Eckardt geforderte Integration der Pflegeversicherung in die
Krankenversicherung als "kontraproduktiv und völlig sachfremd" ab.
Beide Systeme könne man überhaupt nicht mit einander
verzahnen, betonte Rebscher gegenüber der "Neuen Osnabrücker
Zeitung". Die Krankenversicherung sei Voll-Sachleistungsschutz. Dagegen
biete die Pflegeversicherung nur einen Zuschuss zu notwendigen
Pflegeleistungen.
Die pflegepolitische Sprecherin der Grünen, Petra Selg,
relativierte laut "Berliner Zeitung" die Forderungen von
Göring-Eckardt. "Die Einführung der Pflegeversicherung war
kein Fehler", sagte Selg. Die Pflegeversicherung müsse zwar stark
reformiert werden, eine Abschaffung komme aber nicht in Frage.
(Quelle: afp)
Studie:
Hormontherapie erhöht Risiko von Herzkrankheiten
Do.07.08.03 - Die
umstrittene Hormontherapie für Frauen in den Wechseljahren
erhöht einer Studie zufolge das Risiko von Herzkrankheiten. Nach
der einjährigen Behandlung mit Östrogen- und Progestinhormonen
waren Frauen anfälliger für Herzerkrankungen, wie eine in der
aktuellen Ausgabe der US-Wissenschaftszeitschrift "New England Journal
of Medicine" veröffentlichte Untersuchung ergab. Die auf acht
Jahre angelegte Studie, an der 16.000 Frauen teilnahmen, war nach
fünf Jahren abgebrochen worden, weil der Schaden nach Ansicht der
Ärzte den Nutzen überwog. Die Hormontherapie wird eingesetzt,
um Nebenerscheinungen der Wechseljahre wie Hitzewallungen zu lindern.
Eine in der selben Ausgabe der Zeitschrift veröffentlichte Studie
ergab, dass die Hormontherapie entgegen bisherigen Annahmen bei
Herzpatientinnen nicht gegen Arterienverkalkung (Arteriosklerose) hilft.
Bei Frauen, bei denen bereits eine Schädigung der
Herzgefäße vorliege, hätten die Hormone keinen
entscheidenden Effekt auf das Fortschreiten der Arteriosklerose, ergab
die Untersuchung an 226 Frauen, die ihre Wechseljahre bereits hinter
sich hatten. Arterienverkalkung erhöht das Herzinfarkt-Risiko.
(Quelle: afp)
Forscher:
Hinweise für Zellschäden durch Mobilfunk
Do.07.08.03 - Ein
internationales Forscherteam hat in Laborversuchen Hinweise dafür
gefunden, dass elektromagnetische Felder wie etwa Mobilfunk das
menschliches Erbgut schädigen können. Allerdings wurden die
Versuche der Reflex-Forschergruppe bislang nicht von anderen
Forschergruppen reproduziert und nur an Zelllinien durchgeführt, so
dass diese Ergebnisse noch nicht auf den Menschen zu übertragen
seien.
Das betonte Rudolf Fitzner von der Berliner Arbeitsgruppe am
Universitätsklinikum Benjamin Franklin am Mittwoch an Anfrage der
dpa. Die ARD hat für Donnerstagabend, 23 Uhr, einen SWR-Beitrag
über die Forschungsergebnisse vorgesehen [http://www.swr.de/thema/archiv/300602_mobilfunk/].
In den Versuchsreihen wurden verschiedene Zelltypen elektromagnetischen
Feldern unterschiedlicher Frequenz ausgesetzt. Bei bestimmten
Expositionsintervallen zeigten sich Brüche in den
Erbgutträgern, den Chromosomen. "Allerdings sind uns die
Mechanismen noch völlig unklar", erläuterte Fitzner. Deshalb
müssten zunächst weitere Forschungen folgen, bevor
mögliche Konsequenzen formuliert werden könnten. Der
Koordinator des Reflex-Projekts, Prof. Franz Adlkofer von der Stiftung
Verum, wollte in dem SWR-Beitrag aber nicht ausschließlich, dass
die Politik möglicherweise künftig über "solidere
wissenschaftlich fundierte Grenzwert"" nachdenken müsse.
In dem von der EU finanzierten Reflex-Projekt arbeiten Teams zwölf
europäischer Grundlagenforscher zusammen.
(Quelle: dpa)
Antisemitismus-Vorwürfe:
Suhrkamp distanziert sich von Autor Honderich
Do.07.08.03 - Der
Suhrkamp Verlag hat wegen Antisemitismus-Vorwürfen gegen seinen
Autor Ted Honderich dessen kritisiertes Buch aus dem Programm genommen
und sich für Äußerungen Honderichs entschuldigt. "Wir
bedauern, dass dem Verlag die Haltung des Autors zum
palästinensischen Terrorismus nicht rechtzeitig deutlich wurde",
teilte der Verlag am Mittwoch mit. Suhrkamp werde Honderichs
kritisiertes Buch "Nach dem Terror" nicht wieder auflegen. Die erste
Auflage sei vergriffen, die Rechte würden zurückgegeben.
In dem gerade erschienenen Buch "Nach dem Terror. Ein Traktat" setzt
sich der kanadisch-britische Philosoph Honderich laut Suhrkamp mit "den
Folgen der ungleichen Verteilung irdischer Güter für eine Welt
auseinander, die in Gewalt und Terror zu versinken droht, und in der
dagegen mit Gewalt und Terror vorgegangen wird. Die Konsequenzen sieht
der Autor in den Ereignissen vom 11. September 2001. In seinem Buch
formuliert Ted Honderich auch seine Sicht auf den israelisch-arabischen
Konflikt".
Der Direktor des Fritz-Bauer-Instituts, Micha Brumlik, hatte am
Dienstag in einem offenen Brief an den Suhrkamp Verlag erklärt, das
Buch verbreite "antisemitischen Antizionismus" und rechtfertige dabei
nicht nur die "Ermordung jüdischer Zivilisten in Israel", sondern
empfehle "eben dieses Tun auch zur Nachahmung". Der Philosoph
Jürgen Habermas, der Suhrkamp das Buch empfohlen hatte, verwahrte
sich am Mittwoch in einem Beitrag der "Frankfurter Rundschau" gegen den
Vorwurf des Antisemitismus'. Er räumte aber ein, dass es in dem
Buch einige Sätze gebe, die sich, "wenn man sie ohne hermeneutische
Nachsicht aus dem Zusammenhang der Argumente löst, auch gegen die
Intention eines Autors immer für antisemitische Zwecke verwenden"
ließen.
Der Suhrkamp Verlag erklärte, Honderich habe seine Position im
Internet radikalisiert. Dort mache er sich zu eigen, was im Buch noch
Zitat sei: "The Palestinians are right to look back to Fascist Germany
and say they are the Jews of the Jews" ("Die Palästinenser haben
das Recht, mit Blick auf den deutschen Faschismus zu sagen, dass sie die
Juden der Juden seien"). Dazu erklärte der Verlag: "Ted Honderich
hat die Ebene, auf der die Erörterung manifester und kontrovers
diskutierter Konflikte möglich und notwendig ist, verlassen."
(Quelle: ap)
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