B.O.A.-NACHRICHTEN
 last update: boa München, So.10.08.2003 - 14:00 
  [ Übersicht ] [ Ticker ] [ Medien-Termine ] [ Medien-Nachrichten ]

 

.
 
a1-k0308100      

Kurznachrichten                    [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ]

[ vorherige ] [ nächste ]         

+++ So.10.08.03, 12:45        zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv        aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Irak am hundertvierundvierzigsten Tag nach Kriegsbeginn

US-Präsident Bush: Wiederaufbau Irak ist langfristiges Unternehmen +++  Unruhen im südirakischen Basra wegen Energieengpässen +++ Irakischer Ex-Innenminister stellt sich US-Truppen +++ IKRK: Besatzungstruppen in Irak informieren zu wenig über Gefangene +++ Deutscher Verteidigungsminister Struck befürwortet NATO-Einsatz in Irak mit UN-Billigung. Mitwirkung deutscher Soldaten nicht ausgeschlossen +++ USA und Großbritannien arbeiten an Entwurf für neue UNO-Resolution zum Irak +++

So.10.08.03 - US-Präsident George W. Bush hat die Errichtung von Demokratie und die Herstellung einer funktionsfähigen Wirtschaft im Irak als ein "langfristiges Unternehmen" bezeichnet. Es sei aber wichtig für die Stabilität der Region und die Sicherheitsinteressen der USA, fügte Bush in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache hinzu.

Bush nahm die 100 Tage, die seit seiner Erklärung zum Ende der Kampfhandlungen im Irak verstrichen sind, zum Anlass für seinen Ausblick. In seiner Rundfunkansprache am Samstag betonte Bush, 100 Tage Nachkriegszeit im Irak seien nicht ausreichend, um eine abschließende Bewertung abgeben zu können.

Es sei aber bereits viel erreicht: Jetzt kontrollierten 6000 irakische Polizisten die Hauptstadt, 20.000 weitere täten in anderen irakischen Städten Dienst. Der Irak sei daher unter amerikanischer und britischer Besatzung sicherer geworden. Die Banken hätten wieder geöffnet, die Wirtschaft werde wieder in Gang gebracht. Die Ölproduktion liege bereits wieder bei einer Million Barrel Öl pro Tag, 150 Zeitungen erschienen täglich, und überall entstünden neue örtliche Verwaltungen, sagte Bush.

Gleichwohl seien noch viele und auch gefährliche Aufgaben zu erledigen, sagte er weiter. Dies erfordere nicht nur Zeit, sondern auch Geduld.

Unterdessen strahlte der arabische TV-Sender "El Arabija" den Gewaltaufruf einer bislang unbekannten irakischen Islamisten-Gruppe aus.

Der Dubaier Sender "El Arabija" zeigte am Samstag Aufnahmen vermummter Männer, die sich als Mitglieder der Gruppen "Weiße Flaggen", "Moslemische Jugend" und "Armee Mohammeds" ausgaben. Sie erklärten, der bewaffnete Untergrundkampf sei der einzige Weg zur Befreiung des Iraks. Gleichzeitig warnten die Sprecher ausländische Nationen davor, ebenfalls Truppen in den Irak zu schicken. Die Authentizität der Aufzeichnung konnte nicht überprüft werden.

In der von britischen Besatzungstruppen kontrollierten südirakischen Stadt Basra kam es am Samstag wegen anhaltender Energieengpässe zu Unruhen. Wie Augenzeugen berichteten, schossen Besatzungssoldaten in die Luft, um eine aufgebrachte Menschenmenge an einer Tankstelle zurückzudrängen. Zu den größten Unruhen kam es an einer anderen Tankstelle im Zentrum der Zwei-Millionen-Stadt, wo aufgebrachte Iraker einen kuwaitischen Tanklaster zunächst mit Steinen beworfen und dann in Brand gesteckt hatten. Auch am Hauptquartier der britischen Truppen in Basra kam es zu Protesten, die sich gegen die britische Besatzungspolitik richteten. Die Einwohner werfen den Briten vor, es gehe ihnen deutlich schlechter als vor dem Krieg. Sie forderten die Wiederherstellung der Stromversorgung und eine verbesserte Versorgung mit Benzin.

Ein Militärsprecher sagte am Samstagabend, in der Stadt sei wieder Ruhe eingekehrt. Ein Militärfahrzeug sei in Flammen aufgegangen. Über Opfer unter den Irakern habe er keine Informationen. Augenzeugen berichteten, zwei Iraker seien durch Gummigeschosse verletzt worden. Auch sei ein irakischer Untergrundkämpfer verwundet worden. Bei Einbruch der Dunkelheit erleuchteten brennende Autoreifen den Himmel.

Rund 10.000 britische Soldaten kontrollieren seit dem Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein weite Teile Südiraks.

Der ehemalige irakische Innenminister Mahmud Dhijab el Ahmad hat sich den US-geführten Streitkräften gestellt. Der Ex-Minister habe sich am Freitagabend ergeben, teilte ein US-Militärsprecher in Bagdad mit. Ahmad stand an 29. Stelle der Fahndungsliste mit den 55 meistgesuchten Irakern.

Das US-Zentralkommando räumte unterdessen ein, Ahmads Festnahme fälschlicherweise bereits am 9. Juli gemeldet zu haben. Dies sei ein Fehler gewesen, der aber korrigiert worden sei, betonte ein Sprecher.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hat den US-geführten Besatzungstruppen in Irak vorgeworfen, die Organisation unzureichend über Gefangene in ihren Händen zu informieren. Zwar hätten die Besatzungsmächte ihre Informationspolitik inzwischen verbessert; die Angaben über Gefangene seien jedoch immer noch unvollständig, sagte IKRK-Sprecherin Nada Doumani am Samstag in Bagdad. Familien könnten deshalb nicht über das Schicksal ihrer Angehörigen unterrichtet werden.

Verteidigungsminister Peter Struck hat einen Nato-Einsatz mit UN-Mandat in Irak befürwortet. Struck sagte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", wenn entsprechende UN-Beschlüsse vorliegen und die Nato gebeten werde, größere Verantwortung zu übernehmen, dann hätte Deutschland keinen Grund, einem Engagement der Allianz in Irak zu widersprechen. Die Nato bleibe auf lange Jahre hinaus wesentlicher Garant für die weltweite Sicherheit, betonte der SPD-Politiker.

Die Mitwirkung deutscher Soldaten an einem solchen Einsatz wollte Struck nicht ausschließen. Er schränkte aber ein, dass dies nicht zwangsläufig sei und zum jetzigen Zeitpunkt eine "theoretische Frage" darstelle.

Die Bundesregierung will Struck zufolge eine Beteiligung deutscher Soldaten an Auslandseinsätzen künftig an zwei Kriterien knüpfen: Das erste sei die Sicherung der Stabilität in Europa, das zweite besondere deutsche Interessen in einer Region außerhalb. Eine Ausweitung des deutschen Engagements in Afrika lehnte er daher ab. Dort seien andere Staaten gefordert, etwa solche, die als ehemalige Kolonialmächte dort eine besondere Verantwortung trügen. Einen Einsatz der Bundeswehr in Liberia werde es demnach auch nicht geben. "Das schließe ich aus. Da stehen andere in der Verantwortung", sagte Struck demnach wörtlich.

In London teilte die Ministerin für internationale Entwicklung, Baroness Valerie Amos, mit, sowohl amerikanische wie britische Diplomaten arbeiteten inzwischen an einem Entwurf für eine neue UNO-Resolution zum Irak. Diese könnte weiteren Nationen die Möglichkeit zur Entsendung von Truppen bieten.

Die Ministerin sagte dem "Daily Telegraph", auch die USA sähen angesichts der gewaltigen Kosten, die ihr Einsatz im Irak mit sich bringe, inzwischen auch den Nutzen, den eine neue UNO-Resolution für sie haben könnte. Die Kriegsgegner Russland und Frankreich hatten wiederholt für eine neue UNO-Resolution zum Wiederaufbau im Nachkriegsirak geworben. Bisher hatten sich die USA als Siegermacht dagegen gesperrt. Die USA geben rund vier Milliarden Dollar monatlich für Aufgaben im Irak aus.

(Quellen: rtr, afp, ap)


 

 

«Auswahl der von der US-Armee im Irak-Krieg eingesetzten Waffen und der von ihnen erzielten Wirkung, die vielfach der von Massenvernichtungswaffen nahe kommt»

Zur Raubtierjagd entwickelt - M- 16 Gewehr

Die Waffe verursacht schwerere Verletzungen als andere Gewehre, das kleinere Kaliber - es wurde aus einer Jagdkugel zur Raubtierjagd entwickelt - dringt langsamer in den Körper ein und gibt deshalb mehr Energie in der Wunde ab. Die Entwicklung des M-16 Gewehrs geht noch auf den Vietnam-Krieg zurück - ein schwer verwundeter Gegner könnte im Dschungel nur schlecht oder gar nicht versorgt werden, meinten die Erfinder in den USA.

In den Gräben pulverisiert - Raketenwerfer MLAS

Wie schon während des Golfkrieges 1991 setzt die US-Armee wieder auf ihre Artillerie, besonders Raketenwerfer, die eine Feuerkraft von 30 schweren Kanonen haben. Jede Salve von zwölf Raketen zerlegt sich über dem Ziel in 8.000 Einzelgeschosse. Irakische Soldaten, die ihre Deckung verlassen, bevor das Hauptgeschoss detoniert, sterben im Feuerhagel. Wie viele Irakis schon 1991 durch MLAS-Geschosse pulverisiert wurden, ohne einen Schuss abgegeben zu haben, wurde nie bekannt.

Verbrannte Nervenenden - Napalmbomben

Sie werden nach ihrem verheerenden Einsatz im Vietnamkrieg (1965 - 1972) über dem Irak abgeworfen, um Minenfelder in Brand zu setzen und irakische Stellungen einzuäschern. Der Tod kommt für die Soldaten in einem Feuerball innerhalb von Sekunden. Wer überlebt, leidet furchtbar. Wenn an Napalm-Brandwunden die Haut wieder zu wachsen beginnt, wachsen auch die verbrannten Nervenenden. Der Schmerz mindert sich nicht - er wird im Todeskampf von Tag zu Tag schlimmer.

Im eigenen Blut ertrunken - Benzinbomben

Diese Waffenart ist seit 1976 durch die UNO geächtet. Das hat US-Generäle nicht davon abgehalten, sie im Irak erneut einzusetzen. Werden Benzinbomben gezündet, dringt eine explosive Wolke in jeden Schützengraben und jeden Bunker, dann folgt eine lang anhaltende tödliche Druckwelle. Die lässt die Lunge zerplatzen, Blut füllt die Luftsäcke, der Mensch ertrinkt in seinem eigenen Blut. Es sei medizinisch das Gleiche, ob die Lunge durch chemische Waffen oder eine solche Druckwelle zerstört werde, sagen Experten.

Bis 80 Meter tief - Bunker Buster

Die seit 1997 gebaute Fliegerbombe B 61-11 - sie kann mit einem Nuklearsprengkopf versehen werden - zielt auf die Vernichtung von unterirdischen Waffendepots und Bunkern. Mit einer Sprengkraft bis zu 300 Kilotonnen TNT kann sie bei einem Abwurf aus geringer Höhe bis 80 Meter tief in die Erde eindringen und meterdicke Betonwände durchschlagen. Noch bei Abwürfen aus 12.000 Metern Höhe bohrt sich die Bombe sieben Meter tief in das Erdreich - durch die Druckwelle der Detonation besteht keine Überlebenschance.

50.000 Quadratmeter leer gesprengt - Streubomben

Diese ebenfalls international geächtete Waffe wurde bisher über irakischen Stellungen im Süden abgeworfen. Eine Cluster Bomb Unit (CBU) besteht aus mehreren Sprengsätzen in einer Bombe und wird als Behälter abgeworfen. Vor dem Aufschlag werden über 200 kleinere Bomben frei gesetzt. Damit kann eine Fläche von 150 mal 350 Metern leer gesprengt werden. In der Regel sind zehn Prozent der dosenförmigen Sprengkörper Blindgänger mit jahrelanger Lebenszeit - sie reagieren bei der geringsten Berührung.

Quelle: Wochenzeitung "freitag":
http://www.freitag.de/2003/14/03140501.php


 

Schwere Vorwürfe gegen US-Pentagon: Napalm-Bomben im Irak-Krieg

Bisher hatte das Pentagon den Einsatz des international geächteten Napalm im letzten Irak-Krieg stets bestritten und entsprechende Vermutungen von Journalisten, die mit den US-Truppen im Einsatz waren, zurückgewiesen. Doch nach Recherchen des ARD-Magazins "Monitor" wurde Napalm von den US-Truppen beim Marsch auf Bagdad mehrmals eingesetzt. Für Juristen ein klarer Bruch des Völkerrechts, das den Einsatz von Brandbomben gegen Zivilisten strikt verbietet.

Mehr unter:
http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=513&sid=100


 

«Wie gelangten Geheimdienstinformationen, von denen man wusste, dass sie gefälscht waren, in den Bericht des Präsidenten zur Lage der Nation?»

«Der Bericht über irakische Urangeschäfte in Afrika "war schon auf den ersten Blick unglaubwürdig erschienen", schreibt der ehemalige Mitarbeiter der CIA, Ray McGovern, in einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung (09.08.03):

„Ein derartiger Vertrag (zwischen Irak und Niger) hätte nie erfüllt werden können, da der gesamte Uranexport aus dem Niger in der Hand internationaler Firmen liegt". Mit diesen Worten tat die Internationale Atombehörde den Bericht einst ab.Schon am 9. März 2002 hatte der ehemalige US-Botschafter Joseph Wilson in dem Bericht über seinen achttägigen Kontrollbesuch im Niger auf diese Tatsache hingewiesen. Darin schildert er auch die Kontrollen und den Transport des Urans aus dem Niger, die unzulässige Veräußerungen praktisch unmöglich machen.

Als sich dann noch herausstellte, dass der ursprüngliche Bericht nicht nur unglaubwürdig war, sondern auf einer Fälschung basierte, hätte er endgültig vom Tisch sein müssen. Stattdessen wurde er im September und Oktober letzten Jahres wieder aus der Versenkung hervorgezaubert und in einem groß angelegten Spektakel dazu benutzt, den Kongress von der Notwendigkeit eines Präventivschlags gegen die Bedrohung durch den Irak zu überzeugen.

Diese vorsätzliche Täuschung des Kongresses in einer Angelegenheit von Krieg und Frieden ist ein heftiger Schlag gegen unsere Verfassungsorgane, wohl schädlicher noch als die Einmischung des Obersten Gerichtshofes in den verfassungsgemäßen Prozess der Stimmenauszählung eines einzelnen Bundesstaates nach den Wahlen. Und auch die Tatsache, dass Präsident Bush uns in seinem Bericht zur Lage der Nation in die Irre geführt hat, erscheint eher nebensächlich, angesichts des zynischen Missbrauchs der Irak-Niger-Fälschung durch seine Berater, um gewählten Volksvertretern die Zustimmung zu einem Krieg abzuringen....»

Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/sz/politik/red-artikel603/

 


 


 

Deutsche Regierung: Bush-Äußerung zu Deutschlands Afghanistan-Einsatz positives Signal

So.10.08.03 - Nach dem überraschenden Lob von US-Präsident George W. Bush für das deutsche Engagement in Afghanistan deutet sich eine nachhaltige Entspannung in den deutsch-amerikanischen Beziehungen an. Die Bundesregierung würdigte am Samstag Bushs Äußerungen als positives Signal für das Verhältnis zu Washington.

Nach monatelangen Spannungen wegen des Irak-Konflikts hatte Bush am Freitag auf seiner Ranch in Texas Deutschlands Rolle beim Aufbau in Afghanistan in ungewöhnlicher Form hervorgehoben. Er erklärte, Bundeskanzler Gerhard Schröder für die übernommene Verantwortung danken zu wollen. "Deutschland hat eine sehr aktive Rolle in Afghanistan übernommen, und wir sind sehr dankbar dafür." Die deutsche Hilfe sei nicht nur groß - sie sei größer ausgefallen, als es die USA erwartet hätten.

Ein Regierungssprecher in Berlin sagte, das Lob Bushs mache das Interesse deutlich, die über Jahrzehnte gewachsenen Beziehungen zwischen den USA und Deutschland weiter zu entwickeln und für die Zukunft zu stärken.

Ob ein konkreter Zusammenhang zwischen den Plänen der Bundesregierung, den Einsatz deutscher Soldaten über die afghanische Hauptstadt Kabul hinaus auszuweiten, und der Äußerung Bushs besteht, war zunächst unklar. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte am Samstag, eine endgültige Entscheidung darüber sei noch nicht gefallen.

In Berlin war am Mittwoch bekannt geworden, dass sich möglicherweise Ende September in den USA die Gelegenheit eines Zweier-Treffens von Kanzler Schröder und Präsident Bush ergeben wird. Schröder erwägt eine Teilnahme an der 58. UN-Vollversammlung in New York. Der Regierungssprecher sagte am Samstag allerdings, dass die Reise des Kanzlers zur Generalversammlung nicht davon abhänge, ob es dabei die Möglichkeit zu einem Treffen mit Bush gebe. Pläne zu einem Besuch im Weißen Haus in Washington gebe es derzeit nicht.

Zu den lobenden Worten Bushs meinte der Sprecher in Berlin ergänzend, die Äußerungen des US-Präsidenten machten deutlich, dass es gewisse Herausforderungen gebe, die man nur gemeinsam lösen könne. Dies hätten Bundesregierung und US-Regierung immer wieder betont.

(Quelle: dpa)


 

 

«US-Präsident Bush im Wortlaut»

Die Äußerungen von US-Präsident George W. Bush zu Deutschlands Afghanistan-Einsatz haben folgenden Wortlaut (nach einer dpa-Übersetzung):

«Ich möchte etwas zu Afghanistan sagen. Deutschland hat eine sehr aktive Rolle in Afghanistan übernommen, und dafür sind wir sehr dankbar. Während die NATO einschreitet, hat Deutschland eine große Verantwortung übernommen. Und wir schätzen die deutsche Beteiligung wirklich. Und der Grund, warum ich dies vorbringe, ist, dass dies ein Wandel gegenüber noch vor sechs Monaten ist. Und nicht nur ist Deutschlands Beteiligung wichtig, sie ist robust, robuster als wir es erwartet haben. Ich freue mich darauf, Bundeskanzler Schröder dafür zu danken. Und (...), der Punkt ist, dass sich Dinge ändern. (...) Und ich denke, dass Deutschlands Entscheidung in Afghanistan eine wichtige war. Und dafür sind wir dankbar.»

 


 


 

Ansturm bei Anti-Globalisierungstreffen in Frankreich +++ Mehr als 150.000 sind nach L'Hospitalet-du-Larzac gekommen

So.10.08.03 - Beim Treffen von Globalisierungskritikern in Südfrankreich hat es einen Riesenansturm gegeben. Die Behörden ließen am Samstagnachmittag auf Bitte der Veranstalter die Zufahrtwege sperren, weil sich bereits bis zu 150.000 Menschen auf der Hochebene von Larzac versammelt hatten, wie der Präfekt des Verwaltungsgebiets Aveyron, Pierre Bayle, bestätigte. Der prominente französische Globalisierungskritiker José Bové sagte, noch mehr Teilnehmer könnten nicht zugelassen werden.

Eine Sprecherin der Organisatoren sagte, der Andrang zeige, "dass es ein wirkliches Bedürfnis gibt, über die Globalisierung und ihre Wirkung auf die Menschen zu diskutieren".

Die Globalisierungskritiker wollen bis heute über Landwirtschaft, Umweltfragen und die Liberalisierung von Dienstleistungen debattieren. Im Mittelpunkt steht das Gipfeltreffen der Welthandelsorganisation (WTO) im September in Cancún in Mexiko. Bové bezeichnete die Welthandelsorganisation dabei als "nicht-demokratisch".

(Quelle: afp)

Mehr Information unter:
http://www.larzac2003.org ou
http://www.monde-solidaire.org
http://www.humanite.presse.fr/journal/2003-08-02/2003-08-02-376635
http://www.jungewelt.de/2003/08-11/001.php
http://www.taz.de/pt/2003/08/11/a0115.nf/text
 


 

Deutschland: SPD-Programm-Überlegungen von Scholz erhalten Gegenwind

So.10.08.03 - Die Kritik an den Programm-Überlegungen von SPD- Generalsekretär Olaf Scholz zur sozialen Gerechtigkeit reißt nicht ab. SPD-Fraktionsvize Michael Müller warnte die Partei davor, mit einem Abschied vom Sozialen ihre Identität aufzugeben.

Er halte an den Begriffen soziale Gerechtigkeit und demokratischer Sozialismus als Programmkern der SPD fest, sagte Müller am Samstag im Deutschlandradio Berlin. Eine Aufgabe der Begriffe wäre so, "als wenn die CDU das C aus ihrem Namen streicht".

Der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen SPD, Harald Schartau, ermahnte Scholz zur Zurückhaltung. "Die SPD sollte sich nicht in eine Diskussion mit Überschriften verzetteln", sagte er der "Rheinischen Post" (Samstag). Scholz hatte sich für eine Streichung des Ziels eines demokratischen Sozialismus aus dem SPD-Programm ausgesprochen.

Der SPD-Linke Müller sagte, gerade wenn man die schwierigen Reformaufgaben der nächsten Jahre durchstehen wolle, brauche man ein programmatisches Konzept, das eine historische Linie weiter deutlich mache. Die Sozialdemokratie habe ihre Wurzeln in der Lösung der sozialen Frage und in der Forderung nach Freiheit als Abgrenzung vom Kasernenhof-Kommunismus.

Scharfe Kritik an Scholz übte der junge SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Pronold. Die SPD würde sich einen Bärendienst erweisen, wenn sie diesen traditionsreichen Begriff, den sie 140 Jahre lang verteidigt habe, jetzt aufgebe, sagte der bayerische Juso-Chef der "Passauer Neuen Presse" (Samstag). Pronold hatte bereits den SPD- internen Widerstand gegen die Reform-"Agenda 2010" von Bundeskanzler Gerhard Schröder mitorganisiert.

Scholz hatte im Magazin "Stern" unter anderem gesagt: "Die soziale Verteilungsgerechtigkeit ist weit vorangekommen. Im 21. Jahrhundert müssen wir die Blickrichtung wechseln." Mit Blick auf das im Grundsatzprogramm verankerte Ziel des "demokratischen Sozialismus" erklärte Scholz: "Ich glaube, dass der Begriff für die Zukunft nur eine geringe Aussagequalität hat."

(Quelle: dpa)
 


 

Clement will Arbeitslosenstatistik ändern

So.10.08.03 - Die Bundesregierung will die Arbeitslosenstatistik ändern, was zu einer geringeren Arbeitslosenquote führen würde. Die Statistik werde künftig an den Maßstäben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ausgerichtet, sagte Bundesarbeitsminister Wolfgang Clement (SPD) der "Welt am Sonntag". Danach beträgt die Arbeitslosenquote in Deutschland 9,4 statt 10,4 Prozent.

Das liegt nach Angaben Clements unter anderem daran, dass in Deutschland Arbeitslose bis zu 15 Stunden pro Woche arbeiten dürften und trotzdem als arbeitslos gelten würden. Aus der ILO-Statistik falle aber schon derjenige heraus, der eine Stunde pro Woche arbeite.

Auch wer nur in der Amtsstatistik sei, um sich Ansprüche wie Kindergeld zu sichern, aber gar keine Arbeit suche, solle künftig aus der Statistik gestrichen werden. Das sind nach Angaben Clements einige zehntausend Fälle.

In der Bundesregierung gab es bereits zu Beginn des vergangenen Jahres Pläne für eine Änderung der Arbeitslosenstatistik. Dies wurde dann aber auf die Zeit nach der Bundestagswahl vom September 2002 verschoben, um im Wahlkampf nicht der Schönfärberei bezichtigt zu werden.

(Quelle: afp)
 


 

Regierung: Jeder Bewerber erhält Lehrstelle

So.10.08.03 - Die Bundesregierung will jeden Bewerber spätestens bis Jahresende mit einer Lehrstelle versorgen. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sagte der "Welt am Sonntag": "Jeder und jede, die jetzt einen Ausbildungsplatz sucht, wird ein Angebot bekommen, ob auf einen Ausbildungs- oder einen Praktikumsplatz oder auf eine berufsvorbereitende Maßnahme."

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) geht sogar davon aus, dass die Lehrstellen-Lücke bereits bis Ende September zu schließen ist.

"Auch in den vergangenen Jahren ist es uns trotz einer schwierigen Situation am Ende doch noch gelungen, allen Jugendlichen ein Ausbildungsangebot zu machen. Das wollen wir auch in diesem Jahr schaffen", sagte Bulmahn dem Bremer "Kurier am Sonntag". Clement sagte: "Wer dieses Angebot nicht annimmt, kann nicht mehr mit öffentlicher Unterstützung rechnen." Über die bereits von SPD und Grünen angedrohte Ausbildungsplatzabgabe werde nicht vor Beginn nächsten Jahres geredet, betonte Bulmahn erneut.

Die Lage am Ausbildungsmarkt sei ernst, sagte die Ministerin. In diesem Jahr fehlten im Vergleich zum Vorjahr 35 000 Lehrstellen mehr. Insgesamt waren knapp vier Wochen vor Beginn des Ausbildungsjahres am 1. September bundesweit 231 000 Jugendliche bei den Arbeitsämtern auf Lehrstellensuche. Ihnen steht ein Angebot von 83 500 freien Plätzen gegenüber. Die Bundesanstalt für Arbeit befürchtet, dass bis zum gesetzlichen Bilanztag am 30. September bis zu 60 000 Jugendliche leer auszugehen könnten.

Bulmahn forderte die Tarifparteien auf, dem Beispiel der niedersächsischen Metallindustrie zu folgen und im Tarifvertrag feste Ausbildungsquoten und Steigerungen des Lehrstellenangebots zu vereinbaren. Um die Chancen lernschwacher Jugendlicher zu verbessern, kündigte Bulmahn an, das Angebot an verkürzten Ausbildungsgängen weiter zu erhöhen.

(Quelle: dpa)
 


 

FDP-Fraktionschef Gerhard: Jugendliche sollen Lehre notfalls im Ausland absolvieren

So.10.08.03 - Angesichts des Lehrstellenmangels in Deutschland sollen Jugendliche nach dem Willen von FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhard ihre Berufsausbildung notfalls im Ausland absolvieren. "Jeder Auszubildende muss bei der Orts- und Berufswahl flexibel sein", sagte er der "Bild am Sonntag". "Ein Auszubildender, der in Deutschland keine Lehrstelle in seinem Wunschberuf bekommt, sollte seine Lehrjahre auch in europäischen Nachbarländern absolvieren können." Die Politik müsse die Voraussetzungen schaffen, um das zu ermöglichen.

Gerhardt schlug vor, eine Internetseite einzurichten, die alle offenen Lehrstellen in Europa dokumentiert und verwaltet. Außerdem wolle die FDP einen Bildungspass, in dem die Fähigkeiten des Lehrlings dokumentiert werden sollen.

(Quelle: afp)
 


 

Steinbrück kündigt 41-Stunden-Woche an

So.10.08.03 - Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Peer Steinbrück will im öffentlichen Dienst seines Landes die 41-Stunden- Woche einführen. Das sagte er dem Nachrichtensender n-tv. Außerdem solle das Urlaubsgeld gestrichen und das Weihnachtsgeld gekürzt werden. Steinbrück kündigte zudem an, er wolle zusammen mit seinem hessischen Kollegen Roland Koch im September genaue Vorschläge für den Subventionsabbau in Deutschland vorlegen. Dies betreffe auch Steuervergünstigungen.

(Quelle: dpa)
 


 

DGB-Chef Michael Sommer räumt Versäumnisse der Gewerkschaften ein

So.10.08.03 - DGB-Chef Michael Sommer hat eingeräumt, dass politische Versäumnisse die Gewerkschaften merklich geschwächt haben. "Wir haben Fehler gemacht", sagte Sommer in einem am Samstag veröffentlichten Gespräch mit der Zeitung "Welt am Sonntag". "Bei vielen Menschen gelten die Gewerkschaften derzeit als Blockierer."

Vor allem bei der Diskussion um die Agenda 2010 seien Fehler begangen worden, räumte Sommer ein - "weil wir reflexartig jede neue Sau, die durchs Dorf getrieben wurde, aufgenommen haben." Dieses Verhalten habe die Gewerkschaftsbewegung insgesamt geschwächt. Sommer kündigte ein Umdenken an: "Wir werden wieder zu einem differenzierten Politikstil zurückkehren", zitierte ihn das Blatt. Große Hoffnung setzt der DGB-Chef dabei offenbar in den designierten neuen IG-Metall-Chef Jürgen Peters: Dieser wisse genau, "dass ein großes Flaggschiff wie die IG Metall auf andere Gewerkschaften ausstrahlt und damit auch eine Verantwortung für die Gewerkschaftsbewegung insgesamt hat."

Zu "Jasagern, die alles gut finden, was die Regierung macht", würden die Gewerkschaften jedoch nicht. So äußerte Sommer scharfe Kritik an der geplanten Verschärfung der Zumutbarkeitskriterien für Arbeitssuchende: "Wenn die Regierung jetzt tatsächlich darangeht, nicht sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze für Arbeitslose als zumutbar zu erklären, dann ist die Grenze eindeutig überschritten" , sagte er. "Da kann ich nur sagen: Nicht mit uns." Auch die Ergebnisse der Hartz-Reformen seien "mehr als enttäuschend."

Bei der geplanten Gesundheitsreform seien die schlimmsten Befürchtungen wahr geworden, urteilte der DGB-Chef. "Wir haben jetzt eine Dreifachverschlechterung: Sowohl das Krankengeld als auch der Zahnersatz werden sozusagen privatisiert und obendrauf kommen dann noch massive Zuzahlungen." Da die Kartelle der Gesundheitsdienstleister nicht geknackt worden seien, werde es daher auch nach der Reform keinen wirklichen Wettbewerb geben wird, der für Effizienz sorge.

Für eine Besserung am Arbeitsmarkt setzt der DGB-Chef in erster Linie auf die Konjunktur. "Was die Wirtschaft braucht, ist eine stabile Binnennachfrage, gute Exportzahlen und Innovationen", betonte Sommer. "Durch das Vorziehen der Steuerreform werden die konjunkturellen Impulse zunehmen." Darüber hinaus müssten aber auch die Gemeindefinanzen stabilisiert werden.

(Quelle: ap)
 


 

Sozialministerium weist Rürups Kritik zurück

So.10.08.03 - Das Sozialministerium hat Vorwürfe des Rentenexperten Bert Rürup zurückgewiesen, die Bundesregierung habe den Umfang der Rentenkürzungen absichtlich verschwiegen. In den Jahren 2000 und 2001 sei eine breite Debatte über die Einführung der Riester-Rente geführt worden, entgegnete nun der Parlamentarische Staatssekretär Franz Thönnes in Berlin. Anschließend sei die Öffentlichkeit breit informiert worden. Rürup hatte den Regierungen Kohl und Schröder eine Täuschung der Öffentlichkeit vorgeworfen.

Im einem Interview der "Berliner Zeitung" (Samstagausgabe) sagte Rürup nach Angaben des Blattes, durch umfassende Änderungen am Rentenrecht seien seit 1992 die Leistungen der gesetzlichen Rentenkasse um insgesamt 40 Prozent reduziert worden.

Über dieses Ausmaß habe die Politik die Bevölkerung bewusst im Unklaren gelassen, monierte Rürup. Man habe nicht den Mut gehabt, den Leuten hinsichtlich der Folgen der ergriffenen Maßnahmen reinen Wein einzuschenken. Rürup sagte: "Gemessen an der Fortschreibung des jeweiligen Status ex ante beliefen sich die Leistungsrücknahmen durch die Reform von 1992 auf etwa 30 Prozent und die der Riester-Reform auf zirka sieben Prozent - jeweils hochgerechnet bis 2030. Hinzu kamen noch Anhebungen der Altersgrenzen, so dass man - gemessen an der Fortschreibung des Rentenrechts zu Beginn der 90er Jahre - von Leistungsrücknahmen von zirka 40 Prozent sprechen kann." Nun müssten sich die Rentner noch auf weitere Kürzungen einstellen.

(Quellen: dpa, ap)
 


 

Umfassende Dokumentation zu Nürnberger Prozessen soll ins Netz

So.10.08.03 - Mehr als eine Million Seiten Dokumentation über die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse (1945-1949) will eine Arbeitsgruppe der Harvard Law School [http://www.law.harvard.edu/] ins Internet stellen. Das ambitionierte Vorhaben, das nach Einschätzung des Initiators und Hochschulbibliothekars Harry Martin bis zu zehn Jahre dauern und mehr als sieben Millionen Dollar (6,2 Millionen Euro) verschlingen könnte, liegt seit Juni auf Eis. Grund: Nach nur 7000 fertig gestellten Seiten ist der Mannschaft das Geld ausgegangen. Händeringend sucht sie nun neue Geldgeber für ihr Projekt, das Historiker mit Beifall begrüßt hatten.

Als eine von mehreren Hochschulen erhielt die Harvard Law School Kopien des umfangreichen Nürnberger Archivs. Es umfasst nicht nur Unterlagen, die als Beweismaterial in den Prozessen verwendet wurden, sondern auch große Mengen Zusatzdokumente, die in der Nachkriegszeit in ganz Europa gesammelt worden waren. 50 Jahre lang konnten Interessenten öffentlich auf das Archiv zugreifen. Martin glaubt jedoch, dass nur "ein paar Hände voll" Menschen diese Möglichkeit nutzten. Schließlich koste es einige Anstrengung, sich durch 1,03 Millionen Seiten zu kämpfen, die noch nicht einmal in einem Inhaltsverzeichnis aufgeführt sind.

Die mehr als 50 Jahre alten Dokumente sind mit der Zeit brüchig geworden und könnten bald für immer verloren sein. Vor sechs Jahren entschieden Martin und sein achtköpfiges Team daher, die Seiten zu digitalisieren und ins Internet zu stellen. Zudem erklärten sie sich bereit, ein Inhaltsverzeichnis zu verfassen. Deborah Lipstadt, Autorin des Buches "Denying the Holocaust" (Leugnen des Holocausts), betont, das Projekt sei für künftige Studien über die Judenverfolgung enorm wichtig: "Man muss den Holocaust nicht zusätzlich dramatisieren oder Hintergrundmusik hinzufügen. Gerade wegen ihres sachlichen Charakters sind die Dokumente überaus aufwühlend und abschreckend."

Die Veröffentlichung der Dokumente im Internet wird zwar keine neuen Erkenntnisse bringen. Dennoch lobt auch einer der führenden Historiker des US Holocaust Memorial Museum, Peter Black, die Arbeit Martins und seiner Mannschaft: "Endlich können nicht nur Forscher, sondern auch Laien auf die Unterlagen zurückgreifen und sich selbst ein Urteil bilden." Die Sammlung könne in kurzer Zeit zu einer der wichtigsten Quellen in der Holocaust-Forschung avancieren.

Obwohl die Harvard Law School bereits seit Jahren eine qualitativ hochwertige Webseite zum Thema angeboten hatte, stellte sie vergangene Woche eine überarbeitete Version samt Inhaltsverzeichnis und Suchmaschine ins Netz [http://nuremberg.law.harvard.edu]. Eine Art Spendenaufruf, wie Martin zugibt. "Im Moment hängen wir in einer Warteschleife. Wann wir das Projekt zu Ende bringen, hängt allein davon ab, wann wir wieviel Geld eintreiben können."

(Quelle: afp)
 


 

Imre Kertész beendet neuen Roman über Spätfolgen des Holocaust

So.10.08.03 - Der ungarische Literaturnobelpreisträger Imre Kertész hat einen neuen Roman beendet. Das Werk mit dem ungarischen Titel "Felszámolás" ("Aufrechnung") handle von den Spätfolgen des Holocaust in Ungarn und dessen Auswirkungen auf die zweite Generation danach, sagte der Autor der ungarischen Nachrichtenagentur MTI in Berlin. "Die Handlung spielt einerseits in den 90er Jahren, andererseits reicht sie zurück in die 70er und 80er Jahre, in die (spätkommunistische) Kadar-Ära." Kertész will den 170 Seiten starken Band am 10. September in Budapest und am 21. September im Berliner Ensemble präsentieren.

Der 73-Jährige beendete den Roman als Stipendiat des Berliner Wissenschaftskollegs. Den Literaturnobelpreis hatte er 2002 erhalten, "für ein schriftstellerisches Werk, das die zerbrechliche Erfahrung des Einzelnen gegenüber der barabarischen Willkür der Geschichte behauptet", wie es in der Begründung der Jury hieß. Bei der Bekanntgabe der Preisverleihung arbeitete Kertész bereits an dem neuen Roman. "Der genaue Bauplan war schon da, aber nach all dem Rummel (um den Nobelpreis) musste ich meine Ruhe zurückgewinnen", sagte Kertész MTI.

Das neue Buch knüpfe "lose" an seinen Roman "Kaddisch für ein nicht geborenes Kind" an. "Figuren tauchen wieder auf, leben weiter ihr Leben, doch der neue Roman steht für sich selbst, die Vorgeschichte braucht man nicht zu kennen." Das Buch reiht sich damit in sein Lebenswerk ein, das sich um die Erfahrung des Holocaust und dessen unzulängliche Aufarbeitung in seiner Heimat Ungarn dreht.

Kertész hatte als jüdischer Jugendlicher die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und Buchenwald überlebt. Der Leidensweg eines 15- Jährigen durch die deutschen Todeslager ist Thema seines Hauptwerks, des "Romans eines Schicksallosen", der 1996 in einer autorisierten deutschen Übersetzung erschien und mit dem ihm der internationale Durchbruch gelang. Das Werk soll nun in der Regie von Lajos Koltai, dem langjährigen Kameramann des ungarischen Filmregisseurs Istvan Szabo ("Mephisto"), verfilmt werden. Der ungarische Staat unterstützt die Produktion mit 920 Millionen Forint (3,7 Millionen Euro), was knapp die Hälfte der veranschlagten Kosten ausmacht. Die Dreharbeiten sollen im kommenden Spätherbst beginnen.

(Quelle: dpa)

Nobelrede von Imre Kertész, gehalten am 10.Dezember 2002:
http://www.nobel.se/literature/laureates/2002/kertesz-lecture-g.html

Kertész Porträt:
http://www.goethe.de/in/d/frames/pub/kc/d/kc0001-portrait.html
http://www.lyrikwelt.de/autoren/kertesz.htm
 
 
 
 

mehr Kurznachrichten...


[ vorherige ]   [ Ticker ]   [ nach oben ]   



 

PicoSearch

| Nachrichtenticker | Nachrichten der vergangen Tage |

 | kunst&kult | philosophie | wissenschaft | gesellschaft | diverses | öko | medien | links

| home | home(no frame) |

B.O.A.-Künstlerkooperative
Gabelsbergerstr.17, D-80333 München, Telefon/Fax : 089- 280621,
boa-kuenstlerkooperative@t-online.de