|
a1-k0308190
Kurznachrichten
[ Allg.
Nachrichten ] [Nachrichtendienste
] [ Ticker ]
+++ Di.19.08.03,
12:45 Nachrichten-Archiv
Aktuelle
Nachrichten
Irak am hundertdreieiundfünfzigsten Tag nach
Kriegsbeginn
Noch immer
hunderttausende Menschen in Bagdad ohne Wasser +++ US-Soldat in Bagdad
bei Sprengstoffanschlag getötet +++ Zwölf Iraker bei
Explosion in Munitionslager tödlich verwundet +++ US-Soldaten
erschossen 14- jährigen Jungen +++ Deutsche Regierung lehnt
Irak-Einsatz strikt ab +++
Di.19.08.03 -
Einen Tag nach dem Sabotageakt gegen eine Wasserleitung hatten noch
immer hunderttausende Einwohner von Bagdad kein fließendes Wasser.
Die Reparatur sei aber abgeschlossen und die Versorgung könne
wieder aufgenommen werden, sagte ein leitender Mitarbeiter des
Wasserwerks am Montag.
Widersprüchliche Angaben gab es zur Ursache für das Loch im
Wasserrohr, das dafür sorgte, dass bis zu 300.000 Einwohner bei
Temperaturen von rund fünfzig Grad Celsius seit Sonntag ohne Wasser
waren. Während eine Mitarbeiterin des Internationalen Komitees vom
Roten Kreuz (IKRK) sagte, das Wasserrohr sei von einer
Panzerabwehrrakete getroffen worden, und ein Polizist von einem
Sprengsatz sprach, sagte US-Soldat David Reeder, es gebe keinen Hinweis
auf eine Bombe. Ein Techniker sagte, es mache den Anschein, als habe
jemand mit einen Messer ein Loch in die Leitung gebohrt.
Ein US-Soldat ist am Montag in der irakischen Hauptstadt Bagdad bei
einem Sprengstoffanschlag getötet worden. Nach Angaben des
US-Zentralkommandos erfolgte der Anschlag im Stadtviertel Karradah. Der
Soldat der ersten US-Panzerdivision sei noch medizinisch behandelt
worden, aber später seinen Verletzungen im Militärkrankenhaus
erlegen. Weitere Angaben wurden zunächst nicht gemacht. Die Zahl
der seit dem Ende der größeren Kampfhandlungen in Irak bei
Angriffen getöteten US-Soldaten stieg damit auf mindestens 61.
Zum Tod eines Kameramanns der Nachrichtenagentur Reuters teilte die
US-Armee mit, US-Soldaten hätten am Sonntag versehentlich auf den
Mann geschossen.
Der 43-jährige Reuters-Mitarbeiter Masen Dana sei
möglicherweise erschossen worden, weil er schlecht als Journalist
erkennbar gewesen sei, sagte ein Sprecher des
US-Verteidigungsministeriums. Dass es sich bei dem Mann um einen
Reporter gehandelt habe, sei erst im Nachhinein klar geworden. Der Vater
von vier Kindern war bei Filmarbeiten vor einem Gefängnis westlich
von Bagdad erschossen worden. Die Organisation Reporter ohne Grenzen
forderte eine Untersuchung.
Bei einer Explosion in einem Munitionslager wurden zwölf Iraker
getötet. Sie seien in das Lager in der Stadt Tikrit eingedrungen,
um dort Munition und Waffen zu plündern, berichtete der katarische
Fernsehsender El Dschasira unter Berufung auf Anwohner. In der
irakischen Ortschaft Abu Fleis erschossen US-Soldaten einen
14-jährigen Jungen.
Die deutsche Regierung bleibt bei ihrem Nein zu einem
Bundeswehr-Einsatz im Irak. Kanzler Gerhard Schröder sagte, ein
militärisches Engagement stehe nicht zur Debatte. Auch
Außenminister Joschka Fischer, Verteidigungsminister Peter Struck
und die Grünen- Vorsitzende Angelika Beer lehnten eine Entsendung
deutscher Soldaten derzeit ab. Man erklärte sich aber erneut zu
humanitärer Hilfe beim Wiederaufbau des Landes bereit. Inzwischen
ging die Debatte um eine Ausdehnung des Bundeswehr-Engagements in
Afghanistan weiter.
(Quellen: afp,
dpa)
Blair-Berater:
Irak-Dossier ohne Beweise für Bedrohung durch Saddam
Di.19.08.03 - Ein
für den britischen Eintritt in den Irak-Krieg wichtiges Dossier
enthielt einem Berater des britischen Premierministers Tony Blair
zufolge keine Beweise für eine Bedrohung durch die Regierung von
Präsident Saddam Hussein.
Dies ging aus einer E-Mail von Blairs Stabschef Jonathan Powell an den
Chef des Geheimdienst-Komitees John Scarlett hervor, die am Montag
veröffentlicht wurde. "Das Dokument zeigt in keiner Weise eine
Bedrohung, und erst Recht nicht eine akute Bedrohung, durch Saddam",
hieß es in der Mail, die Powell eine Woche vor der
Veröffentlichung des Dossiers abgeschickt hatte. Damit wurde
erstmals der Streit innerhalb von Blairs Stab über den Stellenwert
der Geheimdienstinformationen öffentlich, die zum Krieg
führten.
"Es zeigt, dass er (Saddam) die Möglichkeiten hat, aber es zeigt
nicht, dass er die Motivation hat, seine Nachbarn anzugreifen,
geschweige denn den Westen", schrieb Powell. "Das Dossier ist gut und
überzeugend für diejenigen, die bereit sind, überzeugt zu
werden." Das Dossier war am 24. September 2002 veröffentlicht
worden, sechs Monate vor Beginn des US-geführten Irak-Kriegs. Darin
hatte Blair in einem Vorwort erklärt, Irak verfüge über
chemische und biologische Waffenprogramme, die eine "ernsthafte und
gegenwärtige Bedrohung" seien. Blair steht innenpolitisch unter
Druck wegen des Vorwurfs, seine Regierung habe aufgebauschte Angaben
zur Begründung des Kriegs gemacht. Blair hat dies
zurückgewiesen.
Die E-Mail von Powell wurde als Teil einer Untersuchung zu dem
Selbstmord des Waffenexperten David Kelly veröffentlicht. Dabei
soll der Lordrichter Hutton feststellen, wie es zu dem
mutmaßlichen Freitod des als loyal geltenden Regierungsbeamten
kam, nachdem dieser ins Zentrum einer öffentlichen und bitter
geführten Kontroverse über einen BBC-Bericht zu dem Dossier
geriet. Der Sender hatte berichtet, Blairs Medienchef Alastair Campbell
habe das Drohpotenzial des Iraks aufgebauscht, um eine skeptische
Öffentlichkeit von der Notwendigkeit des Krieges zu
überzeugen. Die Regierung hat den Vorwurf zurückgewiesen. Die
BBC kämpft ihrerseits inzwischen um ihren Ruf als seriöse
Berichterstatterin.
Powell und Campbell werden vermutlich am Dienstag vor Hutton treten.
Blair selbst hält sich zur Zeit auf Barbados auf, soll aber auch
aussagen. In der vergangenen Woche ergab eine Umfrage, dass 68 Prozent
der britischen Bevölkerung glauben, die Regierung sei in ihren
Aussagen zum Krieg nicht ehrlich gewesen.
(Quelle: rtr)
Journalistenverband
IFJ verurteilt Tod von Reuters-Reporter
Di.19.08.03 - Der
Internationale Journalistenverband IFJ hat den Tod eines Kameramanns
der britischen Nachrichtenagentur Reuters in Irak verurteilt. Die
tödlichen Schüsse von US-Soldaten auf den
palästinensischen Reporter Masen Dana seien ein weiterer tragischer
Beweis "für die anscheinend nachlässige Haltung
verantwortlicher Militärs in Hinblick auf die Sicherheit von
Journalisten", erklärte der Generalsekretär des in
Brüssel ansässigen Verbands, Aidan White, am Montag. Der Tod
des vierfachen Vaters sei "eine Tragödie", die sich hätte
vermeiden lassen. Um herauszufinden, "was schief gelaufen ist und
weshalb", müsse der Fall vollständig, unabhängig und
öffentlich untersucht werden.
Auch "Reporter ohne Grenzen" haben von den USA eine "korrekte und
schnelle" Untersuchung des Vorfalls gefordert. Der Generalsekretär
der Medienorganisation, Robert Ménard, schrieb am Montag in einem
Brief an US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, es dürfe keine
Ermittlungen mit dem alleinigen Ziel geben, die amerikanischen Truppen
von jeder Schuld reinzuwaschen. Das Drama müsse vollständig
aufgeklärt worden. Die US-Streitkräfte in Irak
übernahmen am Montag die Verantwortung für die Schüsse
auf den 41 Jahre alten Mazen Dana. Die Soldaten sollen seine Kamera mit
einem Raketenwerfer verwechselt haben.
(Quellen: afp,
ap)
UN-Konferenz
zu Abrüstung in Japan begonnen
Di.19.08.03 - In
Japan hat am heutigen Dienstag eine UN-Konferenz zum Thema
Abrüstung begonnen. Das viertägige Treffen in Osaka werde sich
auf die Sicherheitspolitik in der Region, den Umgang mit
terroristischen Bedrohungen und der Verbreitung von Atomwaffen und
anderen Massenvernichtungswaffen konzentrieren, hieß es in einer
Presseerklärung. Die Lage in Asien ist äußerst
angespannt, seit Nordkorea den Atomwaffensperrvertrag aufgekündigt
hat.
Offiziell steht dieses Thema bei der UN-Konferenz nicht auf der
Tagesordnung, wie ein Sprecher mitteilte. Es solle jedoch über
mögliche Gefährdungen des 1999 international vereinbarten
Atomtest-Stopps gesprochen werden. An der Konferenz nehmen 50
Regierungsvertreter, Akademiker und Forscher aus 18 Ländern teil.
(Quelle: ap)
«Computerspiel verspricht aktuellen Kriegsspaß
auf höchstem Niveau»
Di.19.08.03
- «Dass früher alles besser gewesen sein soll, ist der
totale Unsinn. Wer beispielsweise in den fünfziger Jahren die
Schlachten des Zweiten Weltkriegs nachspielen wollte, der griff
notgedrungen zu Plastiksoldaten, -panzern und flugzeugen. Das
machte zwar auch Spaß, aber ein echtes Stalingrad-Fieber wollte
sich dabei auf dem Teppich des Wohnzimmers einfach nicht einstellen.
Auch die Kriege in Vietnam oder Jugoslawien waren Höllenevents,
aber wer als Knabe oder junger Mann das Töten und Sterben daheim
spielerisch durchleben wollte, der sah schnell ziemlich alt aus.
Doch seitdem es Computer gibt, ist Schluss mit dem Kriegsspiel-Frust.
Und da die Rechner zudem ständig schneller werden, macht auch das
soldatische Morden und Metzeln auf dem heimischen Monitor immer mehr
Spaß. Und Kriegsspaß auf höchstem Niveau hat nun die
Firma Kuma Reality Games für den kommenden Februar
angekündigt. Dann erscheint nämlich "Kuma Games", ein
Episodenspiel, das auf aktuellem Kriegsgeschehen basieren wird. Das
heißt: Sobald eine neue Schlacht irgendwo auf dieser Welt
geschlagen wird, kann der Spieler diesen Event als aktuelle Episode
nachkaufen und dann natürlich sofort nachspielen...»
("telepolis", 19.08.03)
Mehr
unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/game/15465/1.html
«Militärische Flugroboter erobern den zivilen
Luftraum»
«Unbemannte,
militärische Flugkörper, auch bekannt als "Drohnen", dringen
nun auch in den zivilen Luftraum vor. Als erstes unbemanntes
Flugobjekt erhielt der "Global Hawk" von Northrop Grumman die Freigabe
für den gesamten Zivil- Luftraum der USA. Darüber hinaus
könnte das futuristische Fluggerät auch bald schon im
europäischen Luftraum auftauchen...» (Quelle: futurezone,
18.08.03)
Mehr
unter:
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&am;id=179271&tmp=75092
«EADS will Satellitennetz Galileo auch
militärisch nutzen»
Di.19.08.03
- Paris (AFP) - Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS
hat vorgeschlagen, das von der EU finanzierte
Satelliten-Navigationssytem Galileo auch für militärische
Zwecke zu nutzen. "Es wäre kurzsichtig, die militärische
Nutzung von Galileo auf Dauer auszuschließen", sagte EADS-Ko-Chef
Rainer Hertrich der "Süddeutschen Zeitung". Galileo ist Europas
Anwort auf das US-Navigationssystem GPS, das auch vom Militär
eingesetzt wird. Bis 2008 will die europäische Raumfahrtagentur
ESA 30 Satelliten in die Erdumlaufbahn schicken, um rund um den Globus
exakte Ortsbestimmungen zu ermöglichen.
|
Stadt New York
allein erleidet Milliardenverlust durch Strom-Blackout +++ Dezentrale
Stromerzeugung als einzige Zukunftschance
Di.19.08.03 - Der
29-stündige Stromausfall hat allein der Stadt New York nach
Berechnungen ihres Kämmerers wirtschaftliche Verluste in
Milliardenhöhe zugefügt. William Thompson bezifferte die
Einbußen auf insgesamt 1,05 Milliarden Dollar. Davon entfallen
rund 800 Millionen Dollar auf entgangene Geschäfte und weitere 250
Millionen auf Lebensmittel und andere Güter, die bei den hohen
Temperaturen ohne Kühlung verdarben. Das heißt, dass der
Blackout New York City etwa 36 Millionen Dollar pro Stunde kostete.
Stromausfälle, wie sie im Osten der USA am Wochenende aufgetreten
sind, werden nach Aussagen zahlreicher Fachleute immer häufiger
vorkommen. Experten kritisieren den immer noch monopolistisch-zentralen
Versorgungsmarkt mit Strom. Dieser könne keine Gewährleistung
gegen Störungen bieten, darüber hinaus sei der Anteil der
erneuerbaren Energien innerhalb dieser Verbünde gering.
Das derzeit größte EU-Projekt im Energiebereich, Dispower [http://www.dispower.de]
, fördert die Einbindung neuer Energietechnologien in die
bestehenden Stromnetze. Zahlreiche neue Kleinstkraftwerke wie
Biomasse-Kraftwerke, Photovoltaik- und Windkraftanlagen, bald auch
Brennstoffzellen, sollen in das Netz der großen Energieerzeuger
integriert werden, ohne dabei die Qualität und Sicherheit der
Elektrizitätsversorgung zu verschlechtern. Dazu werden neue
Technologien eingesetzt.
Dispower wurde im Januar 2002 gestartet und läuft noch bis Januar
2006. 39 europäische Partner aus Forschung, Industrie und
Energieversorgung nehmen an diesem Projekt der Europäischen
Kommission teil. Wenn die lokale, dezentrale Stromerzeugung forciert
wird und die zentralen Netze nur für die Ausgleichsenergie
erforderlich werden, könne die Diskussion um die weitere Errichtung
von 380-kV-Leitungen entfallen, meint der Experte Hubert Fechner,
Leiter des Geschäftsfelds erneuerbare Energie bei "arsenal
research" [http://www.arsenal.ac.at/erneuerbare]
Die zentrale Versorgung mit elektrischem Strom geht auf den Anfang des
20. Jahrhunderts zurück. Damals wurden zentrale, große
Kraftwerke errichtet, die über das Netz nach und nach miteinander
verknüpft wurden.
(Quellen: dpa,
pte)
Friedensabkommen
für Liberia unterzeichnet
Di.19.08.03 -
Nach vier Jahren Bürgerkrieg und nur eine Woche nach dem
Rücktritt von Präsident Charles Taylor haben die
liberianischen Konfliktparteien ein Friedensabkommen unterzeichnet.
Rebellenorganisationen und die liberianische Regierung schlossen die
Vereinbarung am Montagabend nach viertägigen Verhandlungen in der
ghanaischen Hauptstadt Accra. Sie gilt als wesentlicher Schritt auf dem
Weg zur Bildung einer Übergangsregierung für das
westafrikanische Land. Der Sprecher von US-Präsident George W.
Bush, Scott McClellan, bezeichnete das Abkommen als Gelegenheit, den
Prozess der Versöhnung in Liberia voranzubringen.
Die Konfliktparteien sollten in den kommenden Wochen erneut verhandeln,
um einen Präsidenten und seinen Stellverteter zu bestimmen, sagte
der Chef der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS, Mohamed
Ibn Chambas. Die Ämter sollen jedoch weder Mitgliedern von der
Nachfolgerregierung von Moses Blah noch Rebellenvertretern offen stehen,
sondern von politische Parteien besetzt werden. Chambas war
zuversichtlich, dass "der Krieg endlich beerdigt" sei. Mit
Rücktritt und Exil Taylors sei der Hauptgrund für die
Feindseligkeiten weggefallen. Die ECOWAS hatte das Friedensabkommen
vermittelt.
"Wir sind froh, dass der Krieg zu Ende ist", sagte
LURD-Verhandlungsführer Kabineh Ja'neh. Jetzt müsse mit dem
Wiederaufbau des Landes begonnen werden. Das Abkommen wurde von den
Chefs der beiden Rebellenorganisationen LURD und MODEL, Sekou Conneh und
Thomas Nimely, sowie vom liberianischen Außenminister Lewis Brown
unterzeichnet. McClellan sagte in Washington, die USA erwartete nun,
dass alle Parteien die Vereinbarung einhielten und die Kämpfe
beendeten.
Noch am Wochenende waren die Gespräche in Accra ins Stocken
geraten, weil LURD-Rebellen die Posten des Vizepräsidenten und des
Parlamentspräsidenten gefordert hatten. Letzte Konfliktpunkte
wurden offenbar am Montag ausgeräumt. Die Übergangsregierung
soll im Oktober die Macht von Präsident Blah übernehmen und
bis Januar 2006 im Amt bleiben.
US-Präsident George W. Bush ging derweil davon aus, dass
UN-Soldaten die US-Truppen noch vor Anfang Oktober ablösen. Die USA
würden sich vor dem 1. Oktober aus Liberia zurückziehen,
sagte Bush. Es handele sich um eine "begrenzte Mission" zur
Unterstützung der ECOMILS-Mission. Rund 200 US-Soldaten sind
derzeit in Liberia stationiert.
(Quelle: afp)
Drama um
Sahara-Geiseln zu Ende
Di.19.08.03 - Die
14 verschleppten Sahara-Touristen sind wieder frei. Am späten
Abend ließen die Entführer die neun Deutschen, vier Schweizer
und den Niederländer frei. Das Auswärtige Amt
bestätigte, dass es allen Geiseln den Umständen entsprechend
gut gehe. Im Lauf des Tages sollen die Befreiten nach Bamako, in die
Hauptstadt Malis, gebracht werden. Dort ist ein Treffen mit dem
malischen Präsidenten Toure geplant. Nach Angaben des
Auswärtigen Amtes soll er die Verhandlungen mit den Geiselnehmern
entscheidend beeinflusst haben. Weitere Details zur Freilassung wollte
der Beauftragte der Bundesregierung, Chrobog, nicht mitteilen. Nach
Medienberichten wurde von der malischen Regierung ein Lösegeld in
einstelliger Millionenhöhe gezahlt.
(Quelle:
br-Radionachrichten)
USA treiben
Klage gegen EU wegen Gen-Nahrung weiter voran
Di.19.08.03 - Die
USA, Argentinien und Kanada haben am Montag bei der
Welthandelsorganisation (WTO) in Genf formell Widerspruch gegen die
Kennzeichnungspflicht gentechnisch veränderter Nahrungsmittel in
der EU eingelegt. Die drei Staaten forderten die WTO auf, die Regelung
für illegal zu erklären und die EU zu einer bedingungslosen
Einfuhrgenehmigung für solche Nahrungsmittel zu zwingen. Die EU
verteidigte unterdessen ihre im Juli verabschiedete
Kennzeichnungsregelung.
Das Regelwerk für gentechnisch veränderte Lebensmittel sei
klar, transparent, vernünftig und diskriminiere niemanden, sagte
EU-Handelskommissar Pascal Lamy. Sofern die Verbraucher nicht
sähen, dass der Genehmigungsprozess auf neuestem Stand sei und
allen legitimen Bedenken Rechnung getragen werde, blieben sie
gegenüber der Technologie skeptisch, sagte Gesundheitskommissar
David Byrne. Die EU verwies auf eine Umfrage des US-Senders ABC vom
Juli, wonach «beachtliche 92 Prozent der Amerikaner» die
Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO)
befürworten.
US-Bauernorganisationen sehen in der Regelung eine ungerechte
Handelsbarriere und befürchten hohe Kosten. Der argentinische
Botschafter Alfredo Vicente Chiaradia sagte in Genf, die Haltung der EU
sei eine "Quelle der Enttäuschung". Für die
Wettbewerbsfähigkeit von Agrarprodukten seines Landes sei die
Entwicklung von Biotechnologie grundlegend wichtig.
Nach der EU-Entscheidung vom Juli werden gentechnisch veränderte
Lebensmittel auf dem europäischen Markt wieder zugelassen. Sie
müssen aber in jeder Phase der Produktion als solche gekennzeichnet
sein. Mit der Verordnung wird der Weg für den Verkauf derartiger
Produkte in Europa frei. In Kraft tritt die Regelung voraussichtlich im
September. Die Anbieter haben dann noch sechs Monate Zeit, ihre
Produkte entsprechend zu etikettieren. Gekennzeichnet werden
müssen nach der Verordnung alle Produkte, die einen Anteil an GVO
von mehr als 0,9 Prozent haben. In der EU ist die Zulassung von
gentechnisch veränderten Organismen seit sieben Jahren ausgesetzt.
Seit 1998 besteht zudem ein faktisches Einfuhrverbot für solche
Produkte.
Sollte der Einspruch bei der WTO Erfolg haben, könnte die EU
gezwungen sein, die Einfuhren ohne Beschränkung zu erlauben oder
ihre Handelspartner für das Verbot zu entschädigen.
(Quelle: ap)
Deutschland:
Bundesbank dämpft Hoffnung auf schnellen Aufschwung +++ Zunehmende
Anzeichen für Belebung des globalen Wachstums +++ Verstärkte
Bemühungen um Haushalskonsolidierung gefordert
Di.19.08.03 - Die
erhoffte Konjunkturwende in Deutschland ist nach Einschätzung der
Deutschen Bundesbank trotz zunehmender Anzeichen für eine Erholung
der Weltwirtschaft noch nicht absehbar.
Die Währungshüter sehen lediglich die Chance, dass die
deutsche Wirtschaft im Jahresverlauf ihre Stagnation zu überwinden
beginnt. In ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht August
fordert die Bundesbank zugleich Bund und Länder auf, das geplante
Vorziehen der Steuerreform mit zusätzlichen Schritten zu
flankieren, um nicht im kommenden Jahr erneut die EU-Defizitgrenze zu
überschreiten.
Zwar habe sich hier zu Lande die Stimmung in wichtigen Branchen und an
den Finanzmärkten zuletzt wieder aufgehellt, schreiben die
Notenbank-Experten. "In den harten Daten der amtlichen Statistik haben
sich diese Hoffnungssignale aber bislang nicht niedergeschlagen." Die
Bundesbank warnt deshalb trotz positiver Signale vor zu viel Euphorie.
"Allerdings ist der aufkeimende Konjunkturoptimismus noch nicht als
Selbstläufer anzusehen." Schließlich entspreche das
verbesserte Klima in Teilen der Wirtschaft kaum den
Produktionserwartungen. Die Exportaussichten würden von den
Unternehmen weiter sehr skeptisch beurteilt. "Gleichwohl bleibt die
Chance gewahrt, dass sich die Wirtschaft im weiteren Verlauf dieses
Jahres wieder fängt und später dann von ihrer bisherigen
stagnativen Grundtendenz löst."
Die Bundesbank rechnet wie viele Banken und Volkswirte für das
laufende Jahr bestenfalls mit einem minimalen Wachstum des
Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,1 bis 0,2 Prozent.
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sprach am Wochenende
von einem "ganz leichten Wachstum" im dritten und vierten Quartal. Die
offizielle Wachstumsprognose der Bundesregierung liegt allerdings noch
bei 0,75 Prozent für 2003. Im zweiten Quartal war die deutsche
Wirtschaft vor allem wegen stark gesunkener Exporte zum Vorquartal um
0,1 Prozent und im ersten Vierteljahr um 0,2 Prozent geschrumpft. Nach
gängiger Definition befand sich Deutschland damit im ersten
Halbjahr in einer leichten Rezession.
Deutlich günstiger als die Perspektiven für die deutsche
Wirtschaft beurteilt die Bundesbank die Aussichten für die
Weltkonjunktur. "Inzwischen mehren sich auch die Anzeichen für eine
Belebung des globalen Wachstums in der zweiten Jahreshälfte 2003",
heißt es im Monatsbericht. Dazu trügen auch die historisch
niedrigen Leitzinsen in den USA und der Euro-Zone bei. Zusätzliche
Impulse erwartet die Bundesbank durch die beschlossenen
Steuererleichterungen in den Vereinigten Staaten.
Als problematisch werten die Notenbanker allerdings, "dass die Rolle
der globalen Konjunkturlokomotive wohl erneut allein bei den USA liegt".
"Ein größerer Wachstumsvorsprung der US-Wirtschaft über
längere Zeit würde die außenwirtschaftlichen
Ungleichgewichte in der Welt weiter erhöhen und das Risiko abrupter
Wechselkursveränderungen tendenziell verstärken."
Das von der Bundesregierung geplante Vorziehen der dritten Stufe der
Steuerreform um ein Jahr auf 2004 ist aus Sicht der Bundesbank zwar
wegen einer deutlichen Senkung der Einkommensteuersätze
grundsätzlich zu begrüßen. "Doch wäre es zugleich
bedauerlich, wenn ohne eine weitere Gegenfinanzierung aus heutiger Sicht
wohl nicht nur die einzelnen Kreditfinanzierungsgrenzen, sondern auch
die gesamtstaatliche Drei-Prozent-Grenze des Maastricht-Vertrages
überschritten würde." Der Bund, aber auch die Länder
seien daher "aufgefordert, ihre Bemühungen im Hinblick auf die
Überprüfung staatlicher Leistungen und steuerlicher
Ausnahmetatbestände zu verstärken", heißt es weiter. Die
Bundesregierung plant, die für den Bund durch die Steuerreform um
rund sieben Milliarden Euro sinkenden Einnahmen weitgehend durch neue
Schulden, aber auch durch Privatisierungserlöse und
Subventionsabbau auszugleichen.
(Quelle: rtr)
SPD geht auf
Distanz zu Rürup-Vorschlägen zur Rente
Di.19.08.03 -
Noch vor dem Abschlussbericht der Rürup-Kommission zur Reform der
Rentenversicherung hat sich die SPD-Fraktion davon distanziert.
Fraktionschef Franz Müntefering sagte am Montag in Berlin, er gehe
nicht davon aus, dass die Renten so stark sänken wie von der
Rürup-Kommission vorgeschlagen: "Das ist nicht ohne weiteres das,
was sich politisch auch umsetzt." Das von der Regierung eingesetzte
Gremium schlägt in seinem der Nachrichtenagentur Reuters
vorliegenden Entwurf des Abschlussberichts eine Absenkung des
Rentenniveaus von heute knapp 48 auf 40,1 Prozent im Jahr 2030 vor. Eine
Heraufsetzung des Rentenbeginns von 65 auf 67 Jahre würde die
Absenkung aber dämpfen auf schließlich 41,6 Prozent des
durchschnittlichen Bruttolohns im Jahr 2030. Sozialministerin Ulla
Schmidt (SPD) bekräftigte, dass es vor dem Herbst keine
Entscheidung geben werde. CDU-Politiker forderten, den Rentenbeginn an
die Lebensarbeitszeit zu koppeln.
Ihre Rentenreformvorschläge hatte die Rürup-Kommission schon
im April präsentiert, die Berechnungen nach Angaben aus der
Kommission zwischenzeitlich jedoch aktualisiert. Kommende Woche will die
Kommission ihren Abschlussbericht vorlegen.
Die Kommission schlägt im Einzelnen vor, die Formel zur
Rentenanpassung durch einen Nachhaltigkeitsfaktor zu ergänzen.
Dieser soll berücksichtigen, dass immer weniger Beitragszahler
für immer mehr Renten aufkommen müssen. Der Faktor verringere
das Rentenniveau bis 2030 allerdings nur um rund zwei Prozentpunkte,
heißt es in dem Bericht. Weitaus stärker schlage mit sechs
Prozentpunkten die Rentenreform von 2001 zu Buche. Damals war unter dem
Schlagwort "Riester-Rente" die staatlich geförderte private
Altersvorsorge beschlossen worden, die den jährlichen Rentenanstieg
ebenfalls verringert. Darüber hinaus will die Kommission das
Renteneintrittsalter ab 2011 schrittweise bis 2035 von 65 auf 67 Jahre
heraufsetzen. Zudem geht die Kommission davon aus, dass die
Rentenanpassung 2004 um ein halbes Jahr auf den Jahresanfang 2005
verschoben wird.
Der Kommissionsvorsitzende Bert Rürup hatte im April bei der
Präsentation der Vorschläge gesagt, damit lasse sich
erreichen, dass der Beitragssatz der Rentenversicherung bis 2030 nicht
auf 24 Prozent, sondern nur auf 22 Prozent steige. Für 2040 geht
die Kommission von 22,9 Prozent Beitragssatz aus.
Müntefering sagte, es sei nicht davon auszugehen, dass die
Empfehlungen der Rürup-Kommission Eins zu Eins übernommen
würden: "Das ist nicht die Bibel", sagte er. In der "Leipziger
Volkszeitung" (Dienstagausgabe) nannte Schmidt eine Anhebung des
Renteneintrittsalters "vorstellbar". Sie plädierte für einen
Allparteienkonsens. Man brauche ein Gesamtpaket. "Dazu wäre es gut,
wenn die großen Parteien auch dabei zusammen arbeiten
würden", sagte Schmidt.
Schmidt muss im kommenden Jahr bis zu sieben Milliarden Euro im
Rentensystem sparen, wenn sie wie zugesagt den Beitragssatz stabil
halten und zudem an Finanzminister Hans Eichel (SPD) einen Sparbeitrag
von zwei Milliarden Euro leisten will. Im Gespräch ist unter
anderem eine Nullrunde für die Rentner, die vor allem von den
Grünen gefordert wird. Schmidt sagte dazu: "Ausgemacht ist eine
Nullrunde noch lange nicht."
Der CDU-Sozialexperte Andreas Storm forderte, den Renteneintritt an die
Lebensarbeitszeit zu koppeln. Ähnlich äußerte sich der
Chef der CDU-Mittelstandsvereinigung, Peter Rauen. Nur wer 45 Jahre
gearbeitet habe, solle ohne Abschläge die gesetzliche Rente
beziehen können. Storm sagte Reuters, die Union werde sich nicht an
"Notoperationen" der Koalition am Rentensystem - etwa einer Nullrunde
2004 - beteiligen.
(Quelle: rtr)
VdK-Präsident
fordert Schweizer Modell für Rente
Di.19.08.03 -
Angesichts der drohenden Absenkung des Rentenniveaus hat sich der
Sozialverband VdK für einen Systemwechsel in der gesetzlichen
Alterssicherung ausgesprochen. VdK-Präsident Walter Hirrlinger
sagte den "Lübecker Nachrichten" (Dienstagausgabe), um eine
auskömmliche Rente auch längerfristig finanzierbar zu machen,
sollte eine Erwerbstätigen-Versicherung ähnlich dem Schweizer
Modell eingeführt werden.
Danach müssten alle Erwerbstätigen einzahlen, auch Politiker
und Beamte. Außerdem wäre eine Zusatzversicherung Pflicht.
"Die Rente besteht dann zu 50 Prozent aus einer Grundversorgung und zu
50 Prozent aus einer betrieblichen Altersversorgung", sagte Hirrlinger.
Da aber auch dann angesichts der Bevölkerungsentwicklung in
Deutschland die Beitragzahler immer weniger, die Rentner immer mehr
werden, muss nach Ansicht des VdK-Präsidenten darüber
nachgedacht werden, die gleiche soziale Umverteilung von oben nach unten
wie im Schweizer Grundrenten-Modell einzuführen.
Obwohl der Höchstbeitrag für Spitzenverdiener in der Schweiz
etwa das 25-fache des Mindestsatzes beträgt, ist die
Höchstrente mit gut 2.000 Franken (1.250 Euro) nur doppelt so hoch
wie die Grundrente (1.000 Franken/625 Euro), wie Hirrlinger
erklärte.
Außerdem schlug er vor, die Höhe der Rente von den
Beitragsjahren abhängig zu machen, nicht vom Lebensalter bei
Renteneintritt. Die volle Rente sollte es erst nach 40 Beitragsjahren
geben. Wer vorher in den Ruhestand geht, muss Abschläge hinnehmen.
Wer länger arbeitet und Beiträge bezahlt, bekommt auch eine
höhere Rente.
(Quelle: ap)
Experte
verteidigt geforderte Anhebung des Rentenalters
Di.19.08.03 - Der
Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen hat die von
der Rürup-Kommission geforderte Anhebung des Rentenalters von 65
auf 67 Jahre verteidigt. Die Menschen lebten heutzutage vier bis
fünf Jahre länger als früher, also müssten sie auch
länger arbeiten, sagte Raffelhüschen dem "Mannheimer Morgen".
Raffelhüschen, der selbst Mitglied der Rürup-Kommission ist,
verteidigte auch eine Senkung des Rentenniveaus. Ein Nettorentenniveau
von 70 Prozent sei nicht mehr bezahlbar.
(Quelle: dpa)
«Der Mensch ist ein Arbeitstier, ein
Produktionsfaktor, und das Altenteil kommt viel zu teuer. Das
kalkuliert der homo oeconomicus, der sich vieles, nur keine Seele im
Leib leisten darf»
«(...)
Dass .. aus ökonomischen Gründen "Opfer" für "Reformen"
zu bringen seien, haben fast alle verinnerlicht. Nur so ist zu
erklären, warum der Widerstand gegen die Agenda 2010 nach kurzen
rhetorischen Gefechten in sich zusammengefallen ist und erst
wiederbelebt werden muss. Selten wird die Frage gestellt, warum Opfer
eigentlich notwendig sind, wenn doch, wie in Deutschland im vergangenen
Jahrzehnt, das reale Wachstum mit 0,8 Prozent jährlich im
Durchschnitt zwar gering, aber doch positiv gewesen ist.
Wenn dennoch der Gürtel enger geschnallt werden soll, dann
offensichtlich weil einige mehr vom Zuwachs gehabt haben als andere.
Aber war das die ältere Generation, die wie die Hexe im
Märchen als Bleigewicht auf den Schultern des gutmütigen
Jungen lastet, der sie wegen ihrer Gebrechlichkeit zu tragen versprach?
Wohl kaum, denn mit den Renten und Pensionen kann eine normale
Seniorenfamilie keine extravaganten Sprünge machen. Die Generation
Mallorca oder Teneriffa, sofern sie nicht nur von vernebelten
Zeitgeistlern erfunden wird, ist nicht reich wegen der Renten, sondern
weil sie zur Klasse der Geldvermögensbesitzer gehört oder sich
in der kriminellen Kunst der Steuerhinterziehung auskennt. Mit jung und
alt, mit der Generationenfrage hat dies gar nichts zu tun. Man darf
eben Rentner und Rentiers nicht verwechseln. Wer von der Rendite der
Kapitalanlage leben kann, ist fein heraus, ob 23 Jahre jung oder 87
Jahre alt. Und reiche Steuerhinterzieher mit einer Hochseeyacht
gehören in aller Regel nicht zu der schmarotzenden Gruppe der
Alten, sondern zur Klasse der Yuppies.
Die realen Zinsen und die daran gekoppelten Renditen sind wesentlich
höher als die 0,8 Prozent des realen Wachstums. Jeder Zinstermin
bringt den Geldvermögensbesitzern einen Einkommensschub, der
über die Zuwächse der Löhne und Gehälter (und der
daran gebundenen Renten) rasant hinaus geht. Gleichzeitig gelten die
Vermögenseinkünfte als tabu. An eine Vermögensteuer wagt
sich die Regierung nicht heran, die Opposition ist sowieso dagegen. Und
die einmal hinterzogenen Steuern bleiben bei denen, die sie dem
Gemeinwesen vorenthalten. Wie soll aber die Staatsverschuldung in
Grenzen gehalten werden, wenn man nicht zugleich die andere Seite der
Bilanz, die privaten Vermögen nämlich, begrenzt? Auf diese
Frage folgt stereotyp die falsche Antwort: Indem man die unproduktiven
Sozialausgaben senkt...»
Aus:
Elmar Altvater -"Keine Seele im Leib", Wochenzeitung "freitag"
vom 15.08.03:
http://www.freitag.de/2003/34/03340101.php
|
Attac
protestiert gegen geplante Softwarepatente
Di.19.08.03 - Das
globalisierungskritische Netzwerk Attac [http://www.attac.de] hat sich jetzt in einem
offenen Brief an die Abgeordneten des Europäischen Parlaments [http://www.europarl.eu.int/home/default_de.htm]
gegen die geplante EU-Richtlinie zur Patentierung von Software
gewandt. Das EU-Parlament beschäftigt sich ab 1. September in
erster Lesung mit der Richtlinie. Sie würde Software, die bislang
nur durch das Urheberrecht geschützt ist, patentierbar machen.
Nach Ansicht von Attac würde die neue Regelung die Bedingungen
für freie Software wie Linux erschweren und zu einer weiteren
Konzentration auf dem Softwaremarkt führen. "In der Praxis sichern
Patente vor allem die Marktmacht großer Konzerne ab", kritisiert
Oliver Moldenhauer, Mitglied im bundesweiten Koordinierungskreis von
Attac. Wissen, Informationen und Software seien eine Art virtuelles
Öl für das 21. Jahrhundert. Dafür dürfe es keine
Monopole geben, fordert der Attac-Sprecher. Erfahrungen aus den USA
zeigten zudem, dass bereits ein einzelnes Patent bei entsprechendem
Zuschnitt einen ganzen Markt blockieren könne.
(Quelle: ap)
DNA-Computer
spielt Tic-Tac-Toe - bislang ungeschlagen
Di.19.08.03 -
US-Forscher haben einen DNA-Computer gebaut, der bislang ungeschlagen
im Tic-Tac-Toe gegen menschliche Gegner ist. Das MAYA genannte System
beherrscht die einfachen logischen Analysen für das simple
Strategiespiel und soll die Entwicklung molekularer logischer
Schaltkreise voranbringen, wie seine Entwickler im Fachjournal
«Nature Biotechnology» (DOI: 10.1038/nbt862) berichten.
Bei dem Strategiespiel markieren die Gegner - normalerweise auf Papier
- abwechselnd je eines von drei mal drei Feldern mit einem Kreuz oder
einem Kreis. Wer zuerst eine horizontale, vertikale oder diagonale Reihe
markiert hat, gewinnt.
MAYA besteht aus drei mal drei Kammern mit verschiedenen Kombinationen
von Enzymen, die Erbgut zerlegen können. Das System zeigt einen Zug
durch Fluoreszieren in der entsprechenden Kammer an. Der menschliche
Gegner zieht, indem er MAYA je nach gewählter Kammer einen
speziellen kurzen Erbgut-Strang zufügt. Mit Hilfe logischer Gatter
berechnet MAYA den besten Gegenzug und bringt die resultierende Kammer
zum leuchten.
Nach mehr als 100 Spielen ist das System immer noch ungeschlagen, wie
Milan Stojanovic von der Columbia University (New York) und Darko
Stefanovic von der Universität von New Mexico (Albuquerque)
berichten. Das liegt an der leicht beherrschbaren Logik des Spiels, die
Tic-Tac-Toe zur klassischen Wahl bei der Entwicklung neuer
Computerverfahren gemacht hat.
DNA-Computer könnten zwar vermutlich nie mit herkömmlichen
Siliziumchips konkurrieren, wenn es um die Lösung komplexer
Rechenaufgaben gehe, schreiben die Forscher. Die biologischen
Schaltkreise könnten sich jedoch für molekulare Apparate
eignen, die beispielsweise autonom Krankheiten diagnostizieren oder
behandeln sollen.
(Quelle: dpa)
Mehr zum Thema
unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/bo-17.08.03-001/
«»Wurm jagt Wurm»
«Der
Antiviren-Firma TrendMicro zufolge ist seit heute im Internet eine neue
Version des Wurms W32.Blaster/LovSAN unterwegs. Sie nutzt zwar die
gleichen Einfallstore und Mechanismen wie LovSAN -- enthält aber
auch eine neue Funktion: Wenn der Wurm den Original-Blaster auf dem
befallenen Rechner entdeckt, beendet er den zugehörigen Prozess,
löscht die Wurmdatei msblast.exe und versucht den Microsoft-Patch
zu installieren. Danach startet er den Rechner neu und macht sich auf
die Jagd nach weiteren Opfern. Zu Beginn des Jahres 2004 hat der Spuk
dann ein Ende; der Wurm entfernt sich selbst von den befallenen
Systemen. Eine echte Schadroutine hat er laut TrendMicro nicht.
Der offenbar gut gemeinte Wurm dürfte Anlass zu heftigen Debatten
über die Legitimität eines solchen Vorgehens geben. ...»
(Quelle:
heise-online)
Mehr
unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/ju-18.08.03-000/
|
Maler
Immendorff nach Razzia unter Drogenverdacht +++ Verlust des Lehrstuhls
droht
Di.19.08.03 - Die
Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den international
renommierten Maler und Kunstprofessor Jörg Immendorff wegen
Besitzes und Weitergabe von Kokain. Immendorff soll die Droge für
eine Party mit Prostituierten in einem Düsseldorfer Nobelhotel
beschafft haben.
Immendorff (58) drohen eine Haftstrafe und der Verlust seines
Lehrstuhls an der Düsseldorfer Kunstakademie
Bei einer Razzia in einer mehrere Räume umfassenden Suite des
Steigenberger Parkhotels seien am Samstag zunächst rund elf Gramm
Kokain sicher gestellt worden, sagte der Sprecher der Düsseldorfer
Staatsanwaltschaft, Johannes Mocken am Montag. "Das Kokain lag auf einem
Tablett in der Nähe von Herrn Immendorff konsumfertig in Linien
aufgehäuft." Bei anschließenden Durchsuchungen in der
Wohnung und im Atelier des Künstlers seien weitere zehn Gramm
gefunden worden. Immendorff habe gestanden, das Kokain für den
eigenen Konsum von einem Mittelsmann gekauft zu haben. Die anwesenden
Frauen hätten nichts konsumiert.
Die Ermittlungsbehörden seien durch eine anonyme Anzeige auf
Immendorff aufmerksam geworden, erklärte der Sprecher. In der
Hotelsuite trafen die Fahnder seinen Angaben zufolge neben Immendorff
auf neun jüngere Frauen, zwei weitere sollten noch folgen. "Die
Damen waren auf Bestellung von Herrn Immendorff für sexuelle
Dienste erschienen."
Das Landeskriminalamt prüfe nun die Reinheit des Kokainpulvers.
Bei einem Gehalt von mehr als fünf Gramm reinem Kokain droht dem
Maler nach Angaben des Sprechers eine Haftstrafe von mindestens einem
Jahr. Mocken korrigierte damit bei der Pressekonferenz seine
frühere Angabe, wonach dies bereits bei 1,5 Gramm der Fall sei. Im
Schnitt liege der Wirkstoffgehalt bei Kokain bei 65 Prozent.
Den Ermittlungsbehörden zufolge hat Immendorff eingeräumt,
schon seit Jahren ähnliche Parties mit Drogen und Prostituierten
gefeiert zu haben. Allein das Treffen am vergangenen Samstag sollte den
Professor insgesamt eine fünfstellige Summe für
"mehrstündige sexuelle Dienste" kosten, errechneten die Ermittler.
Der Künstler habe erklärt, seit Anfang der 90er Jahre Kokain
zu konsumieren.
Immendorff gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen
Künstler und stellte unter anderem auf der Dokumenta und auf der
Biennale in Venedig aus. Auch der Bundeskanzler mag sein Werk: "Ich
schätze seine Kunst schon seit langem - ohne dass er das wusste,"
sagte Schröder im April 2000. Immendorff begleitete Schröder
auch zu Staatsbesuchen nach Georgien und ins russische St. Petersburg.
2001 erhielt er den Auftrag, Schröder für die so genannte
Ahnengalerie der bisherigen Bundeskanzler zu porträtieren.
(Quellen: rtr,
dpa)
mehr Kurznachrichten...
|