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12:45 Nachrichten-Archiv Aktuelle
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Irak am hundertfünfundfünfzigsten Tag nach
Kriegsbeginn
Nach Anschlag
auf Quartier der Vereinten Nationen in Bagdad: UN-Sicherheitsrat
bekräftigt Engagement in Irak +++ Annan bemängelt
«Fehleinschätzung» durch Amerikaner +++ Angeblich
vorher Hinweise auf Anschlag auf UN-Quartier in Bagdad. Irakischer
Regierungsrat: Informationen seien an die USA weitergeleitet worden
+++ US-Verteidigungsminister Rumsfeld: USA können
Sicherheit nicht überall im Irak garantieren +++ Erneut
US-Soldat in Irak bei Angriff getötet +++ IWF und Weltbank fordern
Personal zum Verlassen Iraks auf +++ Großbritannien für
stärkeres UNO-Mandat +++ Britischer Außenminister Straw:
Machtvakuum in Irak nach Zusammenbruch der alten Regierung
größer als erwartet +++ Keine Änderung der deutschen
Haltung nach Anschlag in Bagdad
Do.21.08.03 -
Nach dem verheerenden Anschlag auf das Hauptquartier der Vereinten
Nationen in Bagdad hat der UN-Sicherheitsrat sein Engagement für
Irak bekräftigt. Das oberste UN-Gremium verabschiedete eine
Erklärung, nach der die UNO weiter "entschlossen" ist, "ihr Mandat
zu Diensten des irakischen Volkes zu erfüllen".
UN-Generalsekretär Kofi Annan warf den USA erneut vor, nicht
ausreichend für Sicherheit gesorgt zu haben. Er will heute mit
US-Außenminister Colin Powell und dem britischen Chefdiplomaten
Jack Straw über die Lage in Irak beraten.
In der vom syrischen Ratsvorsitzenden Michail Wehbe verlesenen
Erklärung des UN-Sicherheitsrates heißt es, den Irakern
müsse bei der Herstellung von Frieden und Gerechtigkeit sowie bei
der "Selbstbestimmung ihrer politischen Zukunft" geholfen werden.
Die Ratsmitglieder gedachten in einer Schweigeminute der Opfer des
Anschlags, bei dem am Dienstag mindestens 24 Menschen ums Leben kamen,
unter ihnen der UN-Sonderbeauftragte Sergio Vieira de Mello. Annan
betonte vor der Sitzung, die UNO werde sich durch Anschlag nicht
einschüchtern lassen und weiterhin "alles tun, um beim Aufbau einer
besseren Zukunft für Irak zu helfen". Den Dienstag bezeichnete er
als "einen der schwärzesten Tage in der Geschichte der UNO".
Annan wiederholte vor dem UN-Sicherheitsrat seine Kritik an den
US-geführten Besatzungstruppen in Irak. Die "letztliche
Verantwortung" für die Sicherheit in Irak liege bei der
US-Übergangsverwaltung, sagte Annan bei seinem ersten Auftritt vor
dem obersten UN-Gremium seit dem Anschlag. Für einen effektiven
Wiederaufbau Iraks sei ein "Umfeld der Sicherheit" unerlässlich.
Vor der Sitzung sagte Annan, die US-geführte Koalition habe "Fehler
gemacht, und vielleicht haben wir auch Fehler gemacht". Einen Einsatz
von UN-Blauhelmen sehe er derzeit nicht.
Bereits fünf Tage vor dem verheerenden Autobombenanschlag auf das
UN-Hauptquartier in Bagdad soll es Hinweise auf entsprechende
Angriffspläne gegeben haben.
Der irakische Regierungsrat ist nach Angaben seines derzeitigen
Vorsitzenden Ahmed Tschalabi vergangene Woche über einen geplanten
Anschlag gegen irakische Parteien oder die Vereinten Nationen informiert
worden. Dem "Bericht" zufolge sollten entweder Parteien oder die UNO
Ziel sein, sagte Tschalabi am Mittwoch vor Journalisten in Bagdad, ohne
jedoch seine Quelle zu benennen. Den Informationen zufolge sollte "ein
Lastwagen mit einer Bombe verwendet werden", der "entweder von einem
Selbstmordattentäter gefahren oder mit einem Zünder
ausgestattet werden sollte, der mit einer Fernsteuerung zu bedienen
sei". Diese Informationen seien an die USA weitergeleitet worden.
Die USA können nach Aussage von Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld die Sicherheit im Irak nicht überall garantieren. Dies sei
in einem Land von der Größe des US- Bundesstaats Kalifornien
nicht möglich, sagte Rumsfeld bei einem Kurzbesuch in Honduras.
Der Minister schloss die Entsendung zusätzlicher US-Truppen in den
Irak aus. Die jetzige Truppenstärke sei ausreichend. Die
Lösung des Sicherheitsproblems liege in einer besseren Ausbildung
irakischer Kräfte, sagte Rumsfeld.
In Irak ist erneut ein US-Soldat infolge eines Angriffs getötet
worden. Der Soldat sei in einem Konvoi bei El Diwanija rund 180
Kilometer südlich von Bagdad unterwegs gewesen, als Unbekannte die
Fahrzeuge unter Feuer genommen hätten, teilte das
US-Zentralkommando am Mittwoch in einer Stellungnahme mit. Daraufhin
seien zwei Wagen des Konvois zusammengestoßen und der Soldat dabei
tödlich verletzt worden.
Nach dem Anschlag auf das Hauptquartier der Vereinten Nationen in
Bagdad haben Internationaler Währungsfonds (IWF) und Weltbank ihre
Mitarbeiter in Irak zum Verlassen des Landes aufgefordert. Dabei handle
es sich um eine Sicherheitsvorkehrung und nicht um eine dauerhafte
Maßnahme, teilten beide Organisationen am Mittwoch (Ortszeit) in
Washington mit. Weltbank-Sprecher Damian Milverton sagte der
Nachrichtenagentur AFP, seine Organisation habe am Mittwoch damit
begonnen, das Personal von Bagdad nach Amman in Jordanien zu bringen.
Die Sicherheit der Mitarbeiter habe "absolute Priorität".
Während ihres Aufenthaltes in Amman würden sie weiter die
Bedürfnisse der Iraker beim Wiederaufbau erörtern.
Angesichts des Anschlags auf das UN-Quartier in Bagdad schließen
die USA eine neue UN-Resolution zu Irak nicht aus. Die Vereinigten
Staaten würden "die Möglichkeit zur Verabschiedung einer neuen
UN-Resolution prüfen", sagte der amerikanische UN-Botschafter John
Negroponte am Mittwoch (Ortszeit) nach einer Sitzung des
UN-Sicherheitsrates in New York. In den kommenden Tagen werde er mit
seinen Kollegen im obersten UN-Gremium darüber beraten.
Großbritannien hat sich für ein stärkeres Mandat der
UNO für den Irak ausgesprochen.
Außenminister Jack Straw sagte am Mittwoch, er werde darüber
am Donnerstag mit Mitgliedern des UNO-Sicherheitsrats beraten.
Einzelheiten nannte er nicht. Straw räumte ein, dass die USA und
Großbritannien nach dem Sturz von Präsident Saddam Hussein
nicht ein solches Sicherheitsvakuum erwartet hätten. Er zitierte
die ehemalige UNO-Menschenrechtskommissarin, Mary Robinson, die den
Anschlag als einen "Weckruf an die Welt" bezeichnet hatte. Robinson
forderte ein Engagement weiterer Staaten im Irak und nannte dabei auch
Deutschland.
"Wir müssen uns alle einigen, wie auch immer unsere Positionen
vorher waren, und eine Sache, die ich morgen in New York besprechen
werde ist, ob wir ein stärkeres UNO-Mandat haben", sagte Straw dem
Sender BBC. Die USA haben es bislang abgelehnt, der UNO eine besondere
Rolle bei der Führung des Nachkriegs-Irak zu übertragen. Die
UNO leistet zwar humanitäre Hilfe, das Land ist jedoch von
US-geführten Truppen besetzt und unter steht unter US-Verwaltung.
In den vergangenen Wochen waren amerikanische und britische Soldaten
das Ziel von Angriffen im Irak. Der Anschlag am Dienstag war der erste
gegen die UNO im Irak und der schwerste auf ein ziviles UNO-Gebäude
in der Geschichte der Organisation. Straw sagte, der rasche
Zusammenbruch der alten Regierung habe zu einem größeren
Machtvakuum als erwartet geführt. "Sie können einwenden, dass
es dafür eine unzureichende Planung gab, und das ist
wahrscheinlich richtig. Es heißt nicht, dass die Situation jetzt
schlechter ist als vor Beginn der Militäraktion."
Angesichts der hohen Zahl von Opfern und der Kosten sind in den USA und
Großbritannien Forderungen laut geworden, weitere Staaten in den
Irak einzubinden. Robinson hatte in der BBC den Anschlag als schweren
Schlag bezeichnet, der jedoch zu einem größeren
internationalen Engagement im Irak führen könne. Unter einem
ausgeprägterem UNO-Mandat könnten sich mehr Staaten
beteiligen, sagte Robinson. "Es ist ein entsetzlicher Schlag und die
Welt muss zusammenkommen - nicht nur die Koalition und die
Besatzungstruppen, die gegenwärtig im Irak sind - die USA,
Großbritannien und andere -, sondern auch Frankreich, Deutschland,
Indien, Brasilien, Südafrika - alle Staaten der Welt müssen
reagieren, ich denke angemessen", sagte Robinson.
Deutschland und Frankreich gehörten zu den entschiedensten Gegnern
des Irak-Krieges. Die Bundesregierung hat erklärt, den Wiederaufbau
und die Stabilisierung im Irak nicht mit deutschen Soldaten zu
unterstützen. Deutschland sei aber bereit, sich auf Bitten der UNO
am Wiederaufbau materiell zu beteiligen.
Der verheerende Anschlag auf das UN-Hauptgebäude in Bagdad
ist für die Bundesregierung kein Anlass, ihre Position in der
Irak-Frage zu verändern. Außenminister Joschka Fischer
erklärte in der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagausgabe):
"Die Frage nach einem militärischen Engagement stellt sich nicht."
Er sagte, der UN-Sicherheitsrat habe in seiner Resolution 1483 klar
definiert, dass die Verantwortung für Stabilität in Irak bei
der Kriegskoalition liege. Daran hätten weitere Resolutionen nichts
geändert. Er fügte hinzu: "Wir hätten uns eine zentrale
Rolle der UN gewünscht, aber einige unserer Partner waren da
anderer Meinung. Das müssen wir akzeptieren."
Der Anschlag verdeutlicht nach Meinung Fischers allerdings, dass die
Aufgabe der Stabilisierung, Befriedung und des Wiederaufbaus
größer sei, "als manche sich das vorgestellt haben".
Deutschland habe sich "aus gutem Grund nicht am Krieg beteiligt".
Deswegen befinde sich Deutschland weder in einer Bringschuld, noch
fühle es sich unter Druck. Alle hätten größtes
Interesse daran, dass der Frieden gewonnen werde.
Als langfristige Aufgabe bezeichnete der Grünen-Politiker auch das
deutsche Engagement in Afghanistan. Es gehe um die Bekämpfung des
islamistischen Terrorismus, die für den Westen seit dem 11.
September 2001 die wichtigste strategische Herausforderung sei. Wenn der
Westen scheitere, müsse er sich zurückziehen. "Wenn wir uns
zurückziehen, wird der Terror folgen," sagte Fischer.
(Quellen: afp,
dpa, ap, rtr)
«Der Irak-Konflikt weitet sich aus»
Do.21.08.03
- Auf keinen Fall wollte Deutschland in den Irak-Krieg hineingezogen
werden. Doch nach dem verheerenden Terroranschlag vom Dienstag auf das
UN-Quartier in Bagdad diskutieren Diplomaten am Sitz der Vereinten
Nationen in New York über Fragen wie diese: «Wie lange
können sich Franzosen, Deutsche und Russen noch militärisch
aus dem Konflikt heraushalten?»
Der Irak-Konflikt, so viel gilt am East River als sicher, weitet sich
immer mehr aus. Die USA und Großbritannien, die bislang als
Besatzungsmächte allein für die Sicherheit im Irak die
Verantwortung tragen, können anscheinend nicht einmal ihre eigenen
Soldaten, geschweige denn die für humanitäre Aufgaben
zuständigen UN-Helfer vor mörderischen Anschlägen
schützen.
An diesem Donnerstag sollen die Irak-Besetzer bei lange geplanten
Konsultationen im Weltsicherheitsrat ihre Bilanz seit dem Ende der
größeren Kampfhandlungen vorlegen. Seit dem Bombenanschlag
auf das UN-Quartier in der irakischen Hauptstadt wird nun in Washington
und London mit Hochdruck an der Umarbeitung der geplanten Reden
gearbeitet.
«Jetzt können Amerikaner und Briten kaum noch verkaufen,
dass es im Irak bergauf geht», sagt ein hochrangiger
europäischer UN-Diplomat. «Die Frage lautet: Befriedung des
Landes unter Einsatz von Truppen befreundeter Länder mit oder ohne
UN-Mandat, also unter UN-Flagge oder unter dem Kommando der Staaten, die
den Krieg geführt haben?»
Darüber wird auch in Washington diskutiert. Außenminister
Colin Powell neigt nach Einschätzung von UN-Kreisen zu einem neuen
Mandat des Sicherheitsrates für einen zusätzlichen
Truppeneinsatz unter der Flagge der Weltorganisation. Indien hatte das
zur Bedingung für die Entsendung von rund 15 000 Soldaten gemacht.
«Wichtiger wäre, dass arabische Soldaten und Polizisten
eingesetzt werden können», sagt ein ägyptischer
UN-Diplomat. «Wir wären bereit, aber ohne UN-Beschluss
würden uns andere Araber den Hals umdrehen.»
US-Vizepräsident Dick Cheney und Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld hingegen fahren weiter den Kurs: Internationalisierung im Irak
gern, aber nur unter US-Kommando. «Kann sich Berlin noch lange der
Frage entziehen, wie Deutschland daran mitzuwirken gedenkt»,
fragt ein britischer Diplomat in New York.
Was immer die Drahtzieher des Anschlags in Bagdad im Sinn hatten, auch
die Deutschen haben sie damit in Bedrängnis gebracht. Der
dänische Außenminister Per Stig Møller machte das klar
und forderte Deutschland, Frankreich und andere Gegner des Irak-Krieges
zur Entsendung von Soldaten auf: «Es müssen jetzt
zusätzlich Länder mitmachen, während wir gleichzeitig
für ein UN-Mandat arbeiten.»
Als «pflaumenweich» bezeichnete ein hochrangiger
UN-Diplomat der so genannten Kriegskoalition hinter vorgehaltener Hand
die Stellungnahme von Bundesaußenminister Joschka Fischer. Der
hatte den Anschlag von Bagdad scharf verurteilt, eine unnachsichtige
Bestrafung der Täter gefordert und erklärt, der Tod des
UN-Sonderbeauftragten im Irak, Vieira de Mellos, und vieler seiner
Mitarbeiter verpflichte dazu, das Werk der Vereinten Nationen im Irak
fortzusetzen. Von einer Rolle Deutschlands in der derzeit
gefährlichsten Krisenregion der Welt war keine Rede.
Als «Rückversicherung» Berlins gilt in Washington
längst, dass Deutschland künftig das Leben seiner Soldaten in
Afghanistan auch außerhalb der Hauptstadt Kabul riskiert, wenn es
dafür nicht im Irak- Konflikt gefordert wird. Doch Deutschland wird
von vielen Seiten bedrängt, in Sachen Irak neu Farbe zu bekennen.
Nach Einschätzung von UN-Kreisen sind die Vereinten Nationen, auf
deren Beschlüsse und Mandate sich Berlin beruft, spätestens in
der vergangenen Woche zum Angriffsziel von Anhängern des
Saddam-Regimes und möglicherweise von in den Irak eingeschleusten
El-Kaida-Terroristen geworden.
(Quelle: dpa)
«"Chaos als Anti-US-Strategie" sieht die "New
York Times" als Hauptziel des Anschlags»
«Die
USA sollten als Ordnungsmacht im Irak diskreditiert werden, die nicht
mal in der Lage sei, Sicherheit zu garantieren. Tatsächlich deuten
die verschiedenen Terrorakte der letzten Zeit - auf die jordanische
Botschaft, die Wasserversorgung und Bagdad oder die gerade neu
eröffnete Pipeline zum türkischen Hafen Ceyhan - auf eine
solche Strategie hin...»
Mehr bei
"telepolis" (21.08.03):
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/15475/1.html
«Neutralität der UN auf dem
Prüfstand»
Do.21.08.03
- Warum ausgerechnet die Vereinten Nationen? Diese Frage ist nach dem
verheerenden Anschlag auf den UN-Sitz in Bagdad häufig gestellt
worden. Und viele Beobachter hatten auch eine Antwort parat: Die enge
Zusammenarbeit der UN-Mitarbeiter mit den amerikanischen
Besatzungstruppen, auf deren Schutz sie für ihre Sicherheit
angewiesen sind, hat die Weltorganisation in den Augen vieler Iraker
ihrer Neutralität beraubt.
Der Irak-Krieg und seine Folgen haben sich für die UN als einer
der traumatischsten Momente ihrer Geschichte erwiesen. Sie konnten es
nicht verhindern, dass die USA unter Präsident George W. Bush ohne
UN-Mandat einen Angriffskrieg starteten. Das Verhältnis zwischen
den Vereinten Nationen und den Vereinigten Staaten erreichte einen
absoluten Tiefpunkt. Gleichwohl erklärte sich die Weltorganisation
bereit, am Wiederaufbau Iraks mitzuarbeiten - wohl wissend, dass die USA
ihr nur eine nachrangige Rolle zugestehen würden.
Der Anschlag vom Dienstag, einer der schlimmsten in der UN-Geschichte
überhaupt, der zum Tod des ranghohen Gesandten Sergio Vieira de
Mello führte, hat am Hauptsitz in New York neben Trauer und
Bestürzung auch Verärgerung ausgelöst. Viele Mitarbeiter
waren von Anfang an dagegen, überhaupt in Irak tätig zu
werden. Prompt verlangen sie jetzt einen Rückzug aus dem unsicheren
Land - ein bislang einmaliger Vorgang in einer Organisation, deren
Beschäftigte stets bereit sind, sich zu Gunsten der
Bevölkerung in Krisengebieten persönlich in Gefahr zu begeben.
Generalsekretär Kofi Annan erteilte derartigen Überlegungen
umgehend eine Absage. Die Arbeit der UN in Bagdad werde fortgesetzt,
betonte er während eines Besuchs in Stockholm am Mittwoch.
Gleichwohl ließ sein Sprecher Fred Eckhard anklingen, dass die
Weltorganisation ein neues Konzept für Situationen entwickeln
müsse, in denen ihre Mitarbeiter so großen Risiken ausgesetzt
seien wie in Irak.
Ein Personalausschuss bei den UN hat sich schon häufig
darüber beschwert, dass bei manchen Einsätzen die Sicherheit
der Betroffenen einfach nicht angemessen berücksichtigt werde. So
wurde nun auch eine Antwort auf die Frage verlangt, warum die
Sicherheitsvorkehrungen in Bagdad so unzureichend waren, dass ein
Anschlag dieses Ausmaßes möglich wurde. Der UN-Sprecher vor
Ort, Salim Lone, hat jedoch bereits eingeräumt, dass der
Mitarbeiterstab auf einen noch stärkeren Schutz vor seinem
Gebäude verzichtet habe, denn den hätten nur die USA bieten
können.
«Wir wollten keine große amerikanische Präsenz davor.
Wir wollten nicht so viele Sicherheitsleute, weil wir hier sind, um den
Irakern zu helfen», erklärte Lone. Offensichtlich wollten die
UN es vermeiden, in den Augen der Einheimischen noch mehr als
Anhängsel der USA betrachtet zu werden, als das ohnehin schon der
Fall sein mag. Und dies ist das große Dilemma der Vereinten
Nationen in Irak und anderswo.
Das Terrornetzwerk El Kaida, dessen Beteiligung an dem Anschlag nicht
ausgeschlossen wird, steht den UN schon seit langem feindselig
gegenüber. ElKaida wirft der Weltorganisation vor, der
Vereinnahmung palästinensischen Gebiets durch Israel
Legitimität zu verleihen und Irak unrechtmäßig zu
kontrollieren. Ferner unterstütze sie «das
unterdrückerische, tyrannische und arrogante Amerika». Dass
die UN damit zum Angriffsziel radikaler Gruppen werden, liegt auf der
Hand.
(Quelle: ap)
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Britische
Regierung übte laut Dokumenten Druck auf Kelly aus
Do.21.08.03 - Die
britische Regierung hat offenbar versucht, den Waffenexperten David
Kelly vor dessen Befragung durch den Irak-Untersuchungsausschuss des
Unterhauses im Juli massiv unter Druck zu setzen.
Dies geht aus Regierungsdokumenten hervor, die am Mittwoch der
Kommission von Lordrichter Hutton vorgelegt wurden, die die Gründe
für den Selbstmord Kellys untersuchen soll. Kelly hatte sich zwei
Tage nach seiner Befragung durch den Parlamentsausschuss Mitte Juli das
Leben genommen. In einem offiziellen Vermerk vom 14. Juli hieß es,
Kelly solle vom Vizechef des militärischen Geheimdienstes noch am
selben Tag klar gemacht werden, dass er seine Meinung über das
Irak-Dossier von Premierminister Tony Blair vor dem Parlamentsausschuss
für sich zu behalten habe.
In dem Dossier über irakische Massenvernichtungswaffen hatte Blair
im September 2002 erklärt, der Irak könne binnen 45 Minuten
chemische oder biologische Waffen einsatzfähig machen. Damit hatte
Blair versucht, eine skeptische britische Öffentlichkeit von der
Notwendigkeit des Krieges gegen den Irak zu überzeugen. Nach dem
Krieg hatte der Sender BBC in einem Beitrag der Regierung vorgeworfen,
Geheimdienstberichte über die Waffensysteme des Irak aufgebauscht
zu haben. Kelly soll dabei die Quelle für die Informationen des
BBC-Berichts gewesen sein.
Aus anderen Hutton vorgelegten Regierungsdokumenten geht hervor, dass
die Regierung besorgt über eine Aussage Kellys war. Ein Top-Beamter
im Verteidigungsministerium äußerte sich
folgendermaßen: "Wenn er (Kelly) vorgeladen wird, könnten
einige seiner Aussagen unbequem in Einzelfragen werden, wie der
Wahrscheinlichkeit, dass es Waffensysteme gibt, die binnen 45 Minuten
einsatzfähig sind."
Auch vier Monate nach dem Sturz des irakischen Präsidenten Saddam
Hussein haben die USA und Großbritannien keine verbotenen Waffen
im Irak gefunden. Dies und der Selbstmord Kellys haben die Regierung
Blair in die bislang schwerste Vertrauenskrise seit ihrem Antritt vor
sechs Jahren gestürzt.
(Quelle: rtr)
Britische
Wissenschaftler entwickeln schlangenartigen Spionage-Roboter
Do.21.08.03 -
Britische Wissenschaftler haben einen schlangenartigen Spionage-Roboter
entwickelt, der sich einer lernfähigen Software bedient. Der
"Snakebot" soll von Hubschraubern abgeworfen werden und dann durch
feindliches Gebiet kriechen, um optische und akustische Aufnahmen von
den Aktivitäten des Gegners zu machen, wie das britische Fachblatt
"New Scientist" berichtet.
Da er sich an den Boden schmiegt und schlängelt, wäre der
Schlangenroboter wesentlich beweglicher und weniger leicht zu entdecken
als bisherige Aufklärungsroboter, die größer sind und
sich weniger geschickt auf Rädern oder Schienen fortbewegen.
Der Roboter besteht aus wirbelähnlichen Elementen, die durch
"Muskeln" aus einer Nickel-Titan-Verbindung bewegt werden. Diese
"Muskeln" ziehen sich durch Stromimpulse zusammen und strecken sich
wieder, sobald der Strom ausgeschaltet wird. Durch Ein- und Ausschalten
des Stroms wird die Spionageschlange so zum kriechen gebracht.
Das innovativste Element des Roboters ist laut "New Scientist" sein
elektronisches Gehirn. Die Software funktioniert gemäß
Darwins Evolutionslehre vom Überleben des Stärksten. Das
algorithmische Programm startet mit 20 "digitalen Chromosomen", die
jeweils einen der Schlangen-"Muskeln" bewegen oder deaktivieren.
Das Programm testet die Chromosomen aus und sichert nur die am besten
funktionierenden. Die übrigen werden nach dem Zufallsprinzip
gemischt oder mutieren wie Gene in der Natur, und so geht die Auslese
immer weiter. Nach einigen Generationen hat die Steuerung der Schlange
dann die für sie bestmögliche Fortbewegungsart entwickelt.
Nach Angaben ihrer Entwickler vom University College London kann sich
das Gerät durch das Programm sogar selbst reparieren. Wenn einige
Gelenke der Schlange abgeschaltet werden, probiert das Elektronengehirn
so lange andere Segmente, bis der Roboter sich wieder bewegen kann.
Bisher existiert allerdings lediglich ein Prototyp des "Snakebots".
(Quelle: afp)
Mehr zum Thema
unter:
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=180149&tmp=99785
Israel will
militärisch gegen palästinensische Extremisten vorgehen +++
Möglicherweise Rückkehr zur gezielten Tötung von Hamas-
und Islamischer Dschihad-Mitgliedern +++ USA: Israel hat Recht
auf Selbstverteidigung
Do.21.08.03 -
Israel will nach dem Selbstmordanschlag in Jerusalem gezielt gegen
radikale Palästinenserorganisationen vorgehen. Das israelische
Sicherheitskabinett beschloss in der Nacht militärische
Maßnahmen gegen die Hamas und den Islamischen Dschihad, wie der
Armeerundfunk berichtete. Der Tageszeitung "Jediot Achronot" zufolge
könnte Israel die umstrittenen gezielten Tötungen wieder
aufnehmen. Die Armee rückte in mehrere Städte im
Westjordanland ein.
Das Sicherheitskabinett beschloss eine Reihe militärischer
Maßnahmen gegen die Hamas und den Islamischen Dschihad. Beide
Organisationen hatten sich zu dem Anschlag am Dienstagabend in der
Altstadt von Jerusalem bekannt, bei dem ein Selbstmordattentäter 20
Menschen mit in den Tod riss. Die palästinensische
Autonomiebehörde soll von Strafmaßnahmen verschont bleiben.
"Jediot Achronot" berichtet, zu den beschlossenen Maßnahmen
könnte eine Rückkehr zur gezielten Tötung von Mitgliedern
der beiden Organisationen Hamas und Islamischer Dschihad gehören.
Auch werde es in Zukunft wieder Festnahmen von Mitgliedern und
Anhängern der beiden Gruppen geben.
Der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas soll
PLO-Chef Jassir Arafat ein Ultimatum zum Vorgehen gegen Extremisten
gestellt haben. Abbas reiste nach einer Sondersitzung seines Kabinetts
in Gaza nach Ramallah, um sich von Palästinenserpräsident
Arafat ein entschlossenes Vorgehen gegen Extremisten absegnen zu lassen.
Nach Angaben eines Palästinenservertreters soll Abbas dem PLO-Chef
vier konkrete Forderungen gestellt haben, bei deren
Nicht-Erfüllung seine gesamte Regierung zurücktreten werde.
Unter anderem soll das Fatah-Zentralkomitee schriftlich seine
Unterstützung für ein entschlossenes Vorgehen gegen Hamas und
Islamischen Dschihad erklären.
Die palästinensische Führung veröffentlichte am
frühen Morgen eine Erklärung, in der sie ihre
Unterstützung aller Entscheidungen der Autonomiebehörde
erklärt. Von einem konkreten Vorgehen gegen extremistische Gruppen
war darin nicht die Rede.
US-Präsident George W. Bush stellte sich hinter Scharon: Die USA
hätten stets das Recht Israels auf Selbstverteidigung betont,
erklärte Bushs Sprecher Scott McClellan in Crawford. Fortschritte
im Nahost-Friedensprozess könne es nur mit einer Zerschlagung
"terroristischer Organisationen" geben. Dafür sei die
palästinensische Autonomiebehörde verantwortlich.
(Quelle: afp)
Offenbar mehr
als 10.000 Hitzetote in Frankreich +++ Jeder zweite Todesfall ereignete
sich in Altenheimen
Do.21.08.03 - Die
Zahl der Hitzetoten in Frankreich wird inzwischen auf mehr als 10.000
veranschlagt. In den ersten drei Wochen des Monats August seien
landesweit rund 10.400 Menschen mehr gestorben als für die
Jahreszeit üblich, teilte das größte französische
Bestattungsunternehmen Pompes funèbres générales
(PFG) unter Berufung auf eine eigene Hochrechnung mit. Die Regierung,
die bislang 5000 Hitzetote für "plausibel" erklärt hatte, will
eine wissenschaftliche Studie abwarten. Präsident Jacques Chirac
forderte, die zuständigen Minister müssten am Donnerstag im
Kabinett Bericht erstatten.
Der für Senioren zuständige Staatssekretär Hubert Falco
zählte im Pariser "Figaro" eine ganze Serie von Missständen
auf, die mit zu der Katastrophe beigetragen hätten. Seine Hinweise
auf die Vereinsamung alter Menschen seien mit "Gleichgültigkeit"
aufgenommen worden, kritisierte Falco. "Die Solidarität zwischen
den Generationen hat absolut nicht funktioniert." In den Altenheimen
sind nach Falcos Angaben 20 Prozent aller Betten "ungeeignet". Fünf
Prozent der landesweit 10.000 Altenbetreuungsstätten müssten
nach seinen Worten wegen baulicher Mängel geschlossen werden.
In den französischen Seniorenheimen sind insgesamt rund 680.000
alte Menschen untergebracht. Den amtlichen Erhebungen zufolge ereignete
sich während der Hitzewelle jeder zweite Todesfall in einem
Altenheim. In fast allen Heimen besteht ein chronischer Mangel an
Mitarbeitern, der sich während der Sommerwochen wegen der
Urlaubszeit noch verschärft.
Anfang der Woche hatte Gesundheitsminister Jean-François Mattei
eine Zahl von 5000 Hitzetoten für "plausibel" erklärt, ohne
zunächst amtlich bestätigte Angaben vorzulegen. Seit Tagen
wird in Frankreich darüber diskutiert, ob die Regierung für
die hohe Zahl der Hitzetoten mitverantwortlich ist. Sowohl Mattei als
auch Premierminister Jean-Pierre Raffarin wurden kritisiert, weil sie in
ihren ersten Reaktionen das Ausmaß der Katastrophe zu gering
angesetzt hatten.
Der einzige Amtsträger, der als Konsequenz aus der
Hitze-Katastrophe sein Amt niederlegte, war bislang der Chef der Pariser
Gesundheitsbehörde DGS, Lucien Abenhaïm. Er erklärte am
Montag seinen Rücktritt, nachdem Gesundheitsminister Mattei die
mangelhafte Weiterleitung der Informationen durch die Behörde
kritisiert hatte.
(Quelle: afp)
Steigende
Schadstoffmengen im Straßenverkehr +++ Verkehrsclub sieht
Scheitern der Klimapolitik
Do.21.08.03 -
Angesichts weiter steigender Schadstoffmengen im Straßenverkehr
hat der Verkehrsclub Deutschland (VCD) Bundesregierung und Autobauer
aufgefordert, die Anstrengungen für den Klimaschutz erheblich zu
verstärken. Im Verkehrsbereich sei die jährlich produzierte
Menge an Kohlendioxid seit 1990 um zehn Prozent gestiegen. Die Politik
der Bundesregierung, den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2005 insgesamt
um ein Viertel zu senken, sei damit "in diesem Punkt ganz klar
gescheitert". Zum umweltfreundlichsten Auto kürte der VCD erneut
den VW Lupo.
"Die Wetterextreme der letzten Jahre - Unwetter, Überschwemmungen,
Hitzewellen - zeigen, dass der Klimawandel längst begonnen hat",
betonte VCD-Bundesgeschäftsführer René Waßmer.
Der VCD fordere deshalb eine Fortführung der Ökosteuer, die
Einführung eines europaweiten CO2-Grenzwertes für alle
Fahrzeuge, eine stärkere Verlagerung des Gütertransports von
der Straße auf die Schiene sowie die gezielte Förderung des
Umweltverbundes aus Bus, Bahn, Fahrrad und Zu-Fuß-Gehen.
Bei den Autoherstellern kritisierte der Verband vor allem die
schleppende Einführung von Partikelfiltern bei Dieselfahrzeugen.
Die langjährige Blockade der deutschen Autoindustrie gegen diese
gesundheitsschützende Technik löse sich nur langsam auf. Von
der notwendigen Serienausstattung aller Dieselfahrzeuge mit dem Filter
seien die Autobauer jedoch noch weit entfernt.
Der VW Lupo 1,4 FSI schaffte es nun schon im zweiten Jahr in Folge auf
Platz eins in der VCD-Auto-Umweltliste. Dem direkteinspritzenden
Benziner folgten auf den Plätzen zwei und drei der Daihatsu Cuore
1.0 Plus und der Toyota Yaris 1.0 linea eco. Für den Vergleich
wurden 364 aktuelle Auto-Modelle auf ihre Umweltverträglichkeit hin
überprüft.
Besonders positiv bewertete der Verkehrsclub auch die Entwicklung bei
Familienfahrzeugen. Hier habe es die "größten
Qualitätssprünge" in Sachen Umweltfreundlichkeit gegeben,
erklärte VCD-Autoexperte Gerd Lottsiepen. Der Opel Astra 1.6
Caravan mit Erdgasantrieb und der dieselgetriebene Ford Focus C-MAX 1.6
TDCI mit Partikelfilter gewinnen in dieser Klasse nach Ansicht des VDC
mit Abstand und "setzen Maßstäbe."
(Quelle: afp)
Forscher:
Klimawandel erfordert Umdenken in der Landwirtschaft
Do.21.08.03 - Der
Klimawandel wird die Landwirtschaft nach Ansicht von Experten
beiderseits des Atlantiks drastisch verändern. In den nächsten
Jahrzehnten werde vor allem im Süden Europas durch wachsende
Trockenheit der Anbau von Feldfrüchten immer schwieriger,
berichtet das britische Fachmagazin "New Scientist" (Nr. 2409, S. 5)
mit Blick auf ein jüngst veröffentlichtes Bulletin der
Europäischen Kommission.
In nordeuropäischen Ländern wie Schweden, Dänemark und
Finnland hingegen stehen demnach wärmere und feuchtere Zeiten an,
was den landwirtschaftlichen Ertrag steigern werde.
Für die USA sagen Forscher des Joint Global Change Research
Institutes eine Zuspitzung voraus: An der West- und vor allem an der
Ostküste wird es den Angaben zufolge in den kommenden hundert
Jahren immer ausdauernder regnen, so dass die US-Ernteerträge
insgesamt sogar besser werden könnten. Im Landesinnern hingegen,
vor allem in den Bundesstaaten Kansas, Colorado und Nebraska,
nähmen Hitze und Trockenheit derart zu, dass Landwirtschaft dort
sogar unmöglich werden könnte, schreibt das
Wissenschaftlerteam im Fachjournal "Agricultural and Forest Meteorology"
(Bd. 117, S. 73/97). Teamleiter Cesar Izaurralde mahnt angesichts der
Klimaveränderungen: "Es ist keineswegs zu früh, ein
anpassungsfähiges Agrarsystem aufzubauen."
(Quelle: dpa)
Vermutlich 26
Hitzetote in Karlsruher Altenheimen
Do.21.08.03 - Die
vergangene Gluthitze hat in Altenheimen der Hitzerekord-Stadt Karlsruhe
vermutlich 26 Menschenleben gekostet. Nach Angaben der
stellvertretenden Leiterin des Karlsruher Gesundheitsamtes, Elisabeth
Schacher, starben allein in einem Heim innerhalb der ersten beiden
Augustwochen 15 alte Menschen.
Elf der Betroffenen seien einem sehr hohen Fieber erlegen, sagte
Schacher. Die Behörden vermuteten, dass die Heimbewohner aufgrund
der anhaltenden Hitze an so genannter Hyperthermie, Überhitzung,
starben. Hinweise auf einen infektiösen Erreger seien bislang nicht
gefunden worden.
Zu weiteren 15 Todesfällen sei es in anderen Altenheimen der Stadt
gekommen. Zudem seien 31 hitzegeschädigte Heimbewohner in Kliniken
verlegt worden, sagte Schacher. In Darmstadt waren acht Todesfälle
bekannt geworden.
Nach Angaben des Gesundheitsamtes waren die meisten Opfer über 80
Jahre alt. Gemeinsames Symptom sei sehr hohes Fieber von bis zu 42 Grad
gewesen. Da bislang keine infektiösen Erreger gefunden wurden,
spreche alles für ein Hyperthermie-Syndrom. Zu dieser
Überhitzung des Körpers kommt es bei alten und
geschwächten Menschen. Ist die Temperaturregulierung des
Körpers überfordert, entsteht laut Gesundheitsamt ein kaum zu
beherrschendes hohes Fieber, das in kurzer Zeit zum Versagen der
Kreislauffunktionen führen kann.
Laut Schacher waren in dem in der Karlsruher Innenstadt gelegenen
Altenheim mit den elf Toten anhaltende Zimmertemperaturen von 30 Grad
und mehr gemessen worden. Karlsruhe gehörte mit bis zu 40,2 Grad
Celsius in der ersten August-Hälfte zu den bundesweit
heißesten Städten.
Nach Angaben des baden-württembergischen Gesundheitsamtes ist
unklar, wie viele Opfer die Hitzewelle in Baden-Württemberg
insgesamt gefordert hat, weil Altenheime nur infektiöse
Erkrankungen, nicht aber ein Hypothermie-Syndrom melden müssten.
(Quelle: afp)
Deutsche
unterstützen Greenpeace wie nie zuvor
Do.21.08.03 - Die
Umweltschutzorganisation Greenpeace hat im vergangenen Jahr
Rekordeinnahmen in Höhe von 38,8 Millionen Euro verzeichnet. Das
sei der höchste Stand seit der Gründung von
Greenpeace-Deutschland im Jahr 1981, teilte die Organisation am Mittwoch
in Hamburg mit. 2001 lagen die Einnahmen noch bei 36 Millionen Euro. Im
Jahr 2002 sei die Anzahl der Förderer um 11.600 auf 522.000 im
Vergleich zu 2001 gestiegen. Weltweit habe die Zahl 2002 um 5 Prozent
auf 2,8 Millionen Menschen zugenommen.
Insbesondere die durch den Klimawandel bedingte Jahrhundertflut im
vergangenen Sommer habe Greenpeace und seine Aktivisten auf unerwartete
Weise gefördert. "Weltweit zeigen zunehmend Stürme und
Flutkatastrophen, wie wichtig der Schutz des Klimas ist", sagte
Greenpeace-Deutschland Geschäftsführerin Brigitte Behrens.
"Die vielen Menschen, die unsere Arbeit unterstützen, wollen sehen,
dass die Bundesregierung brisante Umweltprobleme wie den Klimawandel
ernsthaft angeht", erklärte sie weiter.
Greenpeace setzt sich unter anderem für den Meeresschutz und die
Vermeidung von Öltankerunfällen ein und kämpft gegen
Patente auf menschliche Embryonen und gegen Gentechnik in der
Landwirtschaft sowie bei Lebensmitteln.
(Quelle: ap)
Arbeitslosigkeit
und Stagnation vergrößern Haushaltslöcher
Do.21.08.03 - Die
wirtschaftliche Stagnation und die anhaltende Arbeitslosigkeit
vergrößern die Haushaltslöcher bei Bund, Ländern
und Gemeinden. Selbst Finanzexperten der Koalition rechnen damit, dass
die von Finanzminister Hans Eichel (SPD) zuletzt eingeplanten 38
Milliarden Euro neue Schulden im Bundesetat 2003 «auf 40
Milliarden» zutreiben werden.
Aber auch Länder und Gemeinden bekommen angesichts eines schwachen
Steuereingangs in den ersten sieben Monaten des Jahres Probleme mit
ihrer Haushaltsplanung. Dies zeigt der am Montag vorgelegte
Monatsbericht des Finanzministeriums, der auch einen
überplanmäßigen Aufwand für Arbeitslose
bestätigt.
Nach Auffassung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für
Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen kommt auf die Haushalte in diesem
Jahr ein neues Vier-Milliarden-Loch zu. Statt des von der Regierung
angenommenen Wirtschaftswachstums von 0,75 Prozent in diesem Jahr sei
«eine rote Null» - also ein leichtes Minus - zu erwarten,
sagte RWI- Experte Ullrich Taureg dem Wirtschaftsmagazin
«Focus-Money».
Im Bericht des Finanzministeriums zeigt sich bereits deutlich der
Mehraufwand für Arbeitslose: Für 2003 war kein Bundeszuschuss
an die Bundesanstalt für Arbeit eingeplant, Eichel hat aber bis
Ende Juli schon knapp 7,9 Milliarden Euro Hilfen nach Nürnberg
überweisen müssen. Das sind 1,5 Milliarden mehr als in den
ersten sieben Monaten des Vorjahres. Für 2004 hat Eichel lediglich
5,2 Milliarden Euro Zuschuss eingeplant, obwohl weiterhin rund 4,4
Millionen Arbeitslose erwartet werden.
Für die direkt aus dem Bundesetat fließende
Arbeitslosenhilfe sind dieses Jahr 12,3 Milliarden Euro eingeplant.
Tatsächlich wurde in den ersten sieben Monaten bereits ein Niveau
von 9,4 Milliarden erreicht. Das waren 1,2 Milliarden Euro mehr als vor
einem Jahr.
Nimmt man die Zuschüsse zur Rentenversicherung (bis Juli 48,7
Milliarden) und das Wohngeld hinzu, liegen die Gesamtausgaben des Bundes
in den sieben Monaten mit 160,3 Milliarden um rund 6 Milliarden
höher als vor einem Jahr. Ihnen stehen gut 113,3 Milliarden
Einnahmen gegenüber, davon 99 Milliarden Euro Steuern.
Damit bleibt derzeit ein riesiges Defizit im Bundeshaushalt von 47
Milliarden Euro, das nach Rückzahlung von Kassenkrediten in den
verbleibenden Monaten abzubauen ist, um die von Eichel angenommene
Neuverschuldung von 38 Milliarden nicht wesentlich zu verfehlen. Dazu
will er im Herbst einen entsprechenden Nachtragshaushalt vorlegen, da
der beschlossene Bundesetat noch von 18,9 Milliarden ausgeht.
Die Steuereinnahmen blieben laut Ministeriumsbericht auch im Juli klar
hinter der Haushaltsplanung zurück. Trotz eines Zuwachses von 1,2
Prozent auf 33,36 Milliarden Euro konnte das Steueraufkommen der ersten
sieben Monate im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lediglich um 0,6
Prozent auf 223,8 Milliarden Euro gesteigert werden.
Für das gesamte Jahr steht in den Haushaltsplänen dagegen ein
deutlicher Zuwachs von 2,3 Prozent. Tatsächlich aber war das
Steuereinnahmewachstum für den Bund bis Juli schwach, für
Länder und Gemeinden sogar negativ. Allerdings sind die kommunalen
Gewerbe- und Grundsteuern in den Berechnungen nicht enthalten.
Nach einem "Handelsblatt"-Bericht (Donnerstag) haben die Kommunen im
zweiten Quartal aber mehr Gewerbesteuern eingenommen als erwartet.
Vorläufige Berechnungen des Bundesfinanzministeriums hätten
ergeben, dass das Aufkommen von April bis Ende Juni im Vergleich zum
Vorjahresquartal um durchschnittlich gut 15 Prozent gestiegen sei. Im
ersten Quartal hatte das Plus rund 3 Prozent betragen. Noch im Mai
hatten die Steuerschätzer für das Gesamtjahr einen
Rückgang erwartet.
Das Umsatzsteueraufkommen stabilisiert sich dem Monatsbericht des
Ministeriums weiter, während die Lohnsteuereinnahmen
«deutlich hinter dem Ansatz der Maischätzung»
zurückblieben, schreibt das Ministerium. Einen Rückschlag gab
es bei den Körperschaftsteuer-Einnahmen. Infolge der Anfang 2003 in
Kraft getretenen Abgabenerhöhungen nahmen die Tabaksteuer bis Juli
um 16,5 Prozent auf 7,4 Milliarden und die Stromsteuer um 36,4 Prozent
auf 3,6 Milliarden Euro zu.
(Quelle: dpa)
Rürup-Kommission
fordert von Rentnern höheren Krankenkassenbeitrag
Do.21.08.03 - Die
Rürup-Kommission ist einem Zeitungsbericht zufolge für eine
deutlich stärkere Belastung für Rentner. Nach Informationen
der "Welt" (Donnerstagausgabe) schlägt die Kommission in ihrem
Abschlussbericht vor, dass der durchschnittliche
Krankenversicherungsbeitrag für Rentner von 14,2 Prozent um zwei
Beitragssatzpunkte erhöht werde. Dies entspreche einer
Erhöhung um 14 Prozent.
Zur Begründung des Vorschlags schreibt die Kommission demnach,
dass sonst die steigenden Ausgaben für die Gesundheitsversorgung
der alternden Bevölkerung weiterhin in erster Linie durch "den
Faktor Arbeit", also mit Lohnabzügen, finanziert werde. Dieser
"Solidaritätsbeitrag für Rentner", würde laut
Rürup-Kommission dazu führen, dass die Rentner 3,3 Milliarden
Euro mehr als bisher für die Krankenversicherung aufbringen,
schreibt das Blatt weiter.
(Quelle: ap)
Saarland:
«Anstand und Benehmen» als neues Unterrichtsfach
Do.21.08.03 - Das
Saarland will als erstes Bundesland "Anstand und Benehmen" auf den
Stundenplan setzen. Künftig würden Grundschüler und die
Schüler der beiden ersten Klassen an weiterführenden Schulen
"gutes Benehmen lernen", teilte das saarländische
Bildungsministerium gestern in Saarbrücken mit. Wann der Unterricht
kommt, ist noch unklar. Das Ende der Unhöflichkeit sei
überfällig, erklärte Bildungsminister Jürgen
Schreier (CDU). Besonders Schulgemeinschaft und Leistungsfähigkeit
der Schule hätten unter den Folgen eines Zeitgeistes zu leiden,
"der Autorität und Respekt unter Generalverdacht gestellt und
Tugenden wie Ordnung und Fleiß negativ besetzt hat". Es
bedürfe deshalb einer Rehabilitation der Werte und unverzichtbarer
Regeln. Dabei geht es laut Schreier nicht um "Diener und Knicks",
sondern um ein besseres Miteinander. Eine Arbeitsgruppe soll
demnächst "Benimm-Bausteine" erarbeiten.
(Quelle: afp)
Wallraff
erwirkt wegen Stasi-Vorwürfen einstweilige Verfügung
Do.21.08.03 - Der
Schriftsteller Günter Wallraff [http://www.guenter-wallraff.com]
hat wegen der Stasi-Vorwürfe gegen ihn eine einstweilige
Verfügung gegen den Axel-Springer-Verlag erwirkt. Wie Wallraffs
Rechtsanwalt Helmuth Jipp mitteilte, verfügte das Landgericht
Hamburg, dass dem Verlag unter Androhung eines Ordnungsgeldes verboten
wird, Wallraff als "Stasi-IM" zu bezeichnen. Die Zeitungen "Die Welt"
und "Berliner Morgenpost" veröffentlichten am Mittwoch eine
Gegendarstellung des Schriftstellers. Der Verlag will gegen die
Verfügung vorgehen.
Die einstweilige Verfügung, die der Nachrichtenagentur AP
vorliegt, wurde am Dienstag vom Landgericht Hamburg erlassen. Bei
Zuwiderhandlung droht dem Verlag ein Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro.
Eine Sprecherin des Verlages, Carola Schmidt, sagte am Mittwoch, mit der
Verfügung habe man rechnen müssen. Nun werde der Verlag dem
Gericht entsprechende Unterlagen vorlegen, um die Aufhebung der
Verfügung zu erreichen.
Die zum Axel-Springer-Verlag gehörenden Blätter hatten vorige
Woche berichtet, dass eine neu aufgetauchte Karteikarte Wallraff als
ehemaligen aktiven Mitarbeiter der Auslandsspionage der DDR ausweise.
Wallraff hatte den Bericht als «Rufmord» zurückgewiesen.
Der Autor erklärte nun, es handele sich nicht um journalistische
Aufklärung, sondern eine "reine Hetzjagd". Eine Woche lang habe er
"in Form von Totschlagzeilen blanken Hass und statt notwendiger
historischer Aufarbeitung hysterischen Vernichtungswillen" gespürt.
Er betonte, dass auch Journalisten der "Welt" den Kontakt zu ihm
gesucht hätten und ihm ihre Solidarität bekundet hätten.
Mit der in der "Welt" und der "Morgenpost" abgedruckten
Gegendarstellung weist Wallraff die Vorwürfe erneut zurück.
"Ich habe mich zu keiner Zeit gegenüber dem DDR-Ministerium
für Staatssicherheit zur Lieferung von Informationen bereit
erklärt oder diesem Informationen gegeben", schreibt Wallraff. Die
von der Zeitung erwähnten Berichte und Informationen für das
Ministerium stammten nicht von ihm.
(Quelle: ap)
Neuer
Computerwurm belastet E-Mail-Verkehr
Do.21.08.03 -
Eine Woche nach LovSan verbreitet sich der neue Computerwurm
W32.Sobig.F weltweit rasant und sorgt für erhebliche Belastungen im
Mailverkehr. Anders als LovSan bestehe beim Sobig-Virus nicht bereits
schon beim Surfen im Internet, sondern erst durch infizierte E-Mails
Gefahr, heißt es in den Warnhinweisen mehrerer rennomierter
Hersteller von Antiviren-Software.
Der Wurm öffnet auf den befallenen Rechnern Ports zum Internet,
installiert einen eigenen Mailserver und sendet parallel unablässig
verseuchte E-Mails an Empfänger aus dem Adressbuch, ohne dass der
Nutzer davon etwas bemerkt. Gefährdet sind laut Warnhinweisen alle
Microsoft-Betriebssystemversionen von Windows 95 bis zum aktuellen
Windows XP. Nicht gefährdet sind PC mit Windows 3 sowie
Apple-Macintosh- und Linux-Betriebssystemen.
Die von dem Wurm angerichteten Beeinträchtigungen entstehen durch
den erheblichen Mailversand. LovSan hatte keine Schäden auf
befallenen PC angerichtet. W32.Sobig.F verbreite sich durch den eigenen
auf Parallelbetrieb ausgelegten Massen-Mailserver explosionsartig,
warnen Sicherheitsexperten des IT-Fachverlags Heise.
Die Fachzeitschrift PC Professionell schreibt, der neue Wurm generiere
immer weitere Opfer aus den Adressbüchern der befallenen PC. Auf
den Mailservern größerer Firmen, die Virenscanner einsetzen,
seien binnen weniger Stunden mehr als zehntausend infizierte Mails
abgefangen worden. Unter anderem stellt der durch seine Norton-Produkte
bekannte Anti-Viren-Spezialist Symantec auf seiner Homepage Hilfen zur
Säuberung befallener Rechner bereit.
(Quelle: afp)
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