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+++ Fr.22.08.03,
12:45 Nachrichten-Archiv Aktuelle
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Irak am hundertsechsundfünfzigsten Tag nach Kriegsbeginn
US-Oberbefehlshaber räumt wachsende Bedrohung durch
Terroristen im Irak ein +++ TV-Sender: Islamistengruppe bekennt sich zu
Anschlag auf UN-Quartier in Bagdad +++ Zwei US-Soldaten in Irak bei
Angriffen getötet +++ USA wollen mehr
militärisches Irak-Engagement von UNO-Staaten +++
Unionsfraktionsvize Schäuble: Militärhilfe in Irak prüfen
Fr.22.08.03 - Die
US-Armee hat eine wachsende Bedrohung durch Terroristen im Irak
eingeräumt. "Sie sind ganz klar ein Problem für uns, weil ihre
Attacken so ausgeklügelt sind", erklärte der Chef des
US-Zentralkommandos, John Abizaid, in Washington.
Unterdessen hat sich eine bislang unbekannte islamistische Gruppe zu
dem Anschlag auf das UNO-Hauptquartier in Bagdad bekannt.
Der arabische Sender "El Arabija" berichtete am Donnerstag, bei ihm sei
ein entsprechendes Schreiben der Gruppe mit dem Namen "Bewaffnete Vorhut
der Zweiten Armee Mohammeds" eingegangen. In dem Schreiben würden
weitere Anschläge dieser Art angekündigt. Gleichzeitig werde
allen Ausländern der Krieg erklärt. Arabische Länder
würden gewarnt, Soldaten in den Irak zu entsenden. Zudem rufe die
Gruppe zum Heiligen Krieg gegen alle Helfer der USA auf, selbst wenn
sie Araber oder Moslems seien. Der Sender zeigte Aufnahmen des in
arabischer Sprache verfassten Schreibens.
Bei Angriffen auf die US-Streitkräfte in Irak sind zwei Soldaten
ums Leben gekommen. Ein US-Soldat sei in Bagdad getötet worden, ein
zweiter in der Nähe der Stadt Hilla südlich von Bagdad, sagte
eine Sprecherin der US-Armee. Mit den beiden neuen Opfern wurden
mindestens 65 US-Soldaten getötet, seit Präsident George W.
Bush am 1. Mai das Ende der Hauptkampfhandlungen in Irak verkündet
hatte.
Angesichts der prekären Sicherheitslage in Bagdad wollen die USA
mit einer neuen Resolution des UNO-Sicherheitsrates weitere Länder
für einen Militäreinsatz im Irak bewegen. Dazu strebt die
US-Regierung eine neue UN-Resolution an, die zur internationalen
Militärhilfe für die Befriedung des Irak unter dem Kommando
der Besatzungsmächte aufruft. Im Sicherheitsrat stieß die
Ankündigung auf Skepsis und deutliche Zurückhaltung.
Frankreich, Russland und Deutschland machten deutlich, dass vor der
Verabschiedung der Resolution, die Kriegsverbündeten einen Teil
ihrer Kontrolle im Irak abgeben müssten. Nach dem Anschlag auf das
UNO-Hauptquartier in Bagdad mit mindestens 23 Toten hatte sich
Großbritannien für ein stärkeres Mandat der UNO im Irak
ausgesprochen.
Ziel einer neuen Resolution dürfte sein, Soldaten moslemischer
Länder wie Pakistan und aus dem Nahen Osten für einen
Irak-Einsatz zu gewinnen. Diese Länder lehnen es ab, Soldaten ohne
ein UNO-Mandat zu entsenden. Powell sagte, es gebe keine Notwendigkeit
für die USA, militärische Kompetenzen abzugeben. Jeder der
einen militärischen Beitrag leiste und "seine jungen Männer
und Frauen in Gefahren schickt, will sie unter solider, verantwortlicher
und kompetenter militärischer Führung wissen, wie sie von
(US-)General (John) Abizaid geboten wird." Annan bekräftigte, die
UNO habe keine Absicht, eigene Friedenstruppen in den Irak zu entsenden.
In der Ratssitzung bekräftigte der französische
UNO-Botschafter Michel Duclos die Position seines Landes: "Die Lasten
und Verantwortungen in einer Welt von gleichen und souveränen
Staaten zu teilen, bedeutet, auch Informationen und Autorität zu
teilen", sagte er. Sein russischer Kollege Sergei Lawrow pflichtete dem
bei und der deutsche UNO-Vertreter Wolfgang Trautwein forderte "eine
größere Rolle der UNO im politischen Bereich" sowie "eine
breitere militärische Zusammenarbeit". Die drei Länder
führten die Gegner des amerikanisch-britischen Feldzuges an.
Russland und Frankreich haben ein Veto-Recht im Sicherheitsrat
Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) hatte am
Donnerstag in der "Süddeutschen Zeitung" die bisherige Haltung der
Bundesregierung bekräftigt und erklärt, die Frage eines
militärischen Engagements im Irak stelle sich für Deutschland
nicht. "Dies ist weiter deutsche Position", sagte ein Sprecher des
Auswärtigen Amtes nach den Äußerungen Powells.
Nach dem Terroranschlag auf das UN-Hauptquartier in Bagdad hat der
Unionsfraktionsvize Wolfgang Schäuble (CDU) die Bundesregierung
aufgerufen, ihr Nein zu militärischer Hilfe bei der Stabilisierung
Iraks zu überdenken. Auch die Deutschen müssten "ein Maximum"
leisten, um die Sicherheit wiederherzustellen, sagte Schäuble der
Zeitung "Die Welt". Dazu zähle neben humanitärer
Unterstützung und Entwicklungshilfe möglicherweise auch ein
Beitrag "im Rahmen der NATO". Dies müsse "ohne falsche Vorbehalte"
geprüft werden.
Der Bundesregierung warf Schäuble vor, mit der "neuerlichen
Verweigerung jedweder militärischer Unterstützung" weder den
Menschen vor Ort zu helfen, noch die Bemühungen um eine
stärkere Rolle der Vereinten Nationen in Irak zu unterstützen.
Der stellvertretende Fraktionschef der Grünen, Hans-Christian
Ströbele, forderte dagegen einen schnellen Abzug der US-Truppen aus
Irak. "Die Amerikaner sollten das Land so bald wie möglich
verlassen und dem Irak die Möglichkeit geben, seine Zukunft selbst
zu bestimmen", sagte Ströbele der "Welt". Ein militärischer
Beitrag Deutschlands zur Sicherung in Irak komme nicht in Frage, da sich
die Bundeswehr damit "zu Handlangern der amerikanischen
Besatzungsarmee" machen würde. Auch könne die deutsche
Außenpolitik dadurch "diskreditiert" werden.
Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Gernot
Erler, sagte der "Financial Times Deutschland" (Freitagausgabe), er
halte im Fall eines neuen UNO-Mandats einen größeren Beitrag
Deutschlands für den Wiederaufbau im Irak für denkbar. Man
könne sich aber nicht auf einen größeren Einsatz
einlassen, wenn man nicht vom Stabilisierungskonzept überzeugt sei.
(Quelle: rtr,
afp, dpa)
«Klage gegen "Koalition der Willigen" vor
Internationalem Strafgerichtshof wird geprüft»
Fr.22.08.03
- Im November soll sich entscheiden, ob es eine Klage gegen Mitglieder
der sogenannten "Koalition der Willigen" vor dem Internationalen
Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag geben wird. Nach Angaben der
britischen Rechtsorganisation Public Interest Lawyers werden sich
fünf unabhängige Rechtsexperten in London mit dieser Frage
beschäftigen. "Sollte das Gremium eine Klage als gerechtfertigt
ansehen, wenden wir uns umgehend an die Chefanklage des IStGH", sagte
Felicity Williams von der Anwaltsorganisation, die die
Rechtmäßigkeit des jüngsten US-geführten
Golfkrieges von Anbeginn in Zweifel gezogen und unter anderem Briefings
im britischen Unterhaus, dem House of Commons, organisiert hatte.
(Quelle: junge Welt / IPS)
Mehr
unter:
http://www.jungewelt.de/2003/08-22/006.php
«Attentate gegen die Uno: Absehbare Konsequenz aus
dem bislang schwersten politischen Anschlag auf die Uno und das
Völkerrecht»
«Mindestens
24 Tote, weit über 100 Verletzte, ein in erster Linie für
humanitäre Aufgaben genutztes Gebäude weitgehend
zerstört, zahlreiche wichtige und unwiederbringliche Dokumente
vernichtet: Der Schock sitzt tief über den Autobombenanschlag auf
die Uno-Zentrale in Bagdad.
Das Attentat ist der schwerwiegendste physische Angriff auf
Einrichtungen und MitarbeiterInnen der Vereinten Nationen seit ihrer
Gründung im Jahre 1945. Überraschend kam es nicht. Es war eine
brutale, aber leider absehbare – und von manchen prophezeite –
Konsequenz aus dem bislang schwersten politischen Anschlag auf die Uno
und das Völkerrecht: dem amerikanisch-britischen
"Präventivkrieg" gegen den Irak und der anschliessenden
Degradierung der Uno zum Feigenblatt und zur einflusslosen Handlangerin
eines völkerrechtswidrigen Besatzungsregimes. Nur wenn dieser
Zusammenhang klar benannt wird und daraus für die künftige
Rolle der Uno im Irak grundsätzliche Konsequenzen gezogen werden,
besteht die Chance, dass es nicht zu weiteren Anschlägen auf
Einrichtungen und MitarbeiterInnen der Vereinten Nationen kommt. Bisher
allerdings sind aus zahlreichen Hauptstädten nur Bekundungen des
Entsetzens und aus der New Yorker Uno-Zentrale Durchhalteparolen zu
vernehmen. (...)
Wer immer die Täter waren: Es gibt in der irakischen
Bevölkerung bei aller Freude über die Beseitigung des Regimes
von Saddam Hussein eine weit verbreitete – wenn auch regional
unterschiedlich stark ausgeprägte – Ablehnung der US-Amerikaner und
Briten: Die Zerstörungen des Krieges und die (von Washington und
London bis heute weit gehend verschwiegene) hohe Zahl von Opfern unter
irakischen ZivilistInnen und Militärs fördern diese
Ablehnung. Die rüde Art des Besatzungsregimes und die bisherige
Unfähigkeit der Besatzer, wenigstens die überlebenswichtigen
Infrastruktureinrichtungen zu reparieren und das Versorgungsniveau
zumindest wieder auf das seinerzeit vom Uno-Programm "Öl für
Nahrungsmittel" garantierte Vorkriegsniveau zu heben, haben den Unmut
noch verstärkt. Angesichts dieses allgemeinen Unmuts können
sich all jene sicher bewegen, die – mit welchen Motiven und
Kalkülen auch immer – zu Gewaltanwendung gegen die Besatzer bereit
sind.
Solange die Uno von vielen IrakerInnen als Handlangerin der
amerikanisch-britischen Besatzer wahrgenommen wird, ist auch sie Objekt
dieses Unmutes, und sie bleibt potenzielles Ziel weiterer
Anschläge.
Eine Chance auf Veränderung der verfahrenen Lage besteht erst,
wenn die Uno im Irak die Federführung übernimmt, und zwar in
allen für den Alltag relevanten militärischen, polizeilichen,
politischen, wirtschaftlichen und humanitären Bereichen...»
Aus: Andreas Zumach - "Attentate gegen die Uno: Die Logik in Washington
und Bagdad - Die Uno macht sich zum Ziel", WoZ-Online, 21.08.03
http://www.woz.ch/wozhomepage/34j03/uno34j03.htm
«Halliburton ist der Kriegsgewinner»
«Texanischer
Mischkonzern stach bislang bei der Auftragsvergabe für den
Wiederaufbau des Iraks nahezu alle Konkurrenten aus. Kritiker sagen:
Kein Wunder, US-Vizepräsident Dick Cheney war ja dort mal Chef.
Und Halliburton stützt die Regierung...»
Mehr in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (22.08.03):
http://www.taz.de/pt/2003/08/22/a0088.nf/text
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US-Truppen
fassen «Chemie-Ali» in Irak
Fr.22.08.03 - Mit
"Chemie-Ali" haben die USA einen der gefürchtetsten Vertreter der
gestürzten irakischen Regierung gefasst. Im Nordirak durchsuchte
die Armee ein angebliches Versteck von Ex-Präsident Saddam
Hussein, ohne ihn zu finden.
"Wir haben ihn und er wurde lebend gefasst", sagte ein Sprecher der
US-Armee am Donnerstag über Saddams Cousin Ali Hassan el Madschid,
der seinen Spitznamen "Chemie-Ali" für die von ihm kommandierten
Giftgasangriffe auf Minderheiten und Gegner Saddams erhalten hatte. Nach
Einschätzung von Menschenrechtsgruppen war der Mann an den meisten
Verbrechen unter Saddams Herrschaft beteiligt. Im April hatten ihn die
Kriegsverbündeten nach einem Angriff auf das südirakische
Basra als wahrscheinlich tot bezeichnet. Seine Festnahme sowie die
Verhaftung von Saddams Vize Taha Jassin Ramadan vor wenigen Tagen
nährten die Hoffnung, dass sich auch die Schlinge um Saddam enger
zieht. Bei einer nächtlichen Razzia in Bakuba im Nordosten Bagdads
traf die Armee jedoch wieder nur auf Verwandte und enge Verbündete
des Gesuchten.
Madschid steht an fünfter Stelle der US-Liste der 55
meistgesuchten Vertreter des gestürzten Regimes. Er spielte eine
führende Rolle bei der gewaltsamen Unterdrückung des Aufstands
irakischer Kurden und schiitischer Rebellen sowie bei der sieben Monate
dauernden Besetzung Kuwaits 1990. Menschenrechtlern zufolge fielen
Madschids Politik der verbrannten Erde während des
irakisch-iranischen Krieges (1980 - 1988) rund 100.000 Kurden zum Opfer,
die entweder getötet wurden oder spurlos verschwanden. Bei einem
einzigen Angriff 1988 wurden bei einem Gasangriff auf die Ortschaft
Halabdscha 5000 Menschen getötet.
(Quelle: rtr)
Rechtsanwälte
appellieren: Keine US-Militärtribunale
Fr.22.08.03 -
Rechtsanwälte aus aller Welt haben die USA zu einem fairen Prozess
gegen die auf Guantánamo inhaftierten Terrorverdächtigen
ermahnt. Die Vorsitzenden zehn wichtiger Anwaltskammern lehnten die
Absicht der USA ab, ausländische Gefangene vor Militärgerichte
zu stellen, wie aus einem am Donnerstag von der britischen Zeitung
Guardian veröffentlichten Brief hervorgeht.
Nur zwei rechtlich akzeptable Vorgehensweisen seien denkbar: Entweder
müssten die Inhaftierten wieder zurück an ihre
Heimatländer überstellt oder mit der Garantie auf ein faires
Verfahren vor ein ordentliches US-Gericht gestellt werden. Unter den
Verfassern befinden sich die Präsidenten der Anwaltskammern von
Großbritannien, Frankreich, Schweden, Australien und Kanada.
Insgesamt werden rund 660 Gefangene aus 42 Ländern auf dem
US-Militärgefängnis auf Kuba festgehalten. Die US-Regierung
verweigert den Inhaftierten den Status und die Rechte von
Kriegsgefangenen; die meisten Gefangenen haben keinerlei Rechtsbeistand.
(Quelle: afp)
Tödlicher
israelischer Angriff auf Hamas-Führer +++ Palästinenser
werfen Israel Sabotage des Friedensprozesses vor +++ Powell warnt vor
Zusammenbruch des Nahost-Friedensprozesses
Fr.22.08.03 -
Führende palästinensische Politiker haben Israel vorgeworfen,
mit dem tödlichen Angriff auf Hamas-Führers Ismail Abu Schanab
die Bemühungen der Autonomiebehörde um ein Ende der Gewalt
torpediert zu haben. Die palästinensische Regierung habe bereits
an Einzelheiten eines Plans gearbeitet, um die Waffenruhe zu retten und
die militanten Gruppen unter Kontrolle zu bringen, erklärte ein
Sprecher von Sicherheitschef Mohammad Dahlan am Donnerstag. Der Tod Abu
Schanabs habe die Pläne jedoch zum Erliegen gebracht.
Die Autonomiebehörde habe zuvor die USA, Ägypten und
Jordanien über ihr Vorhaben in Kenntnis gesetzt, sagte Elias
Sananiri. Auch Israel habe seiner Information zufolge davon gewusst.
Auch Informationsminister Nabil Amr hielt der israelischen Regierung
vor, mit dem Militärschlag den Friedensprozess sabotiert zu haben.
Die radikale Palästinenserorganisation Hamas hat inzwischen die
sieben Wochen alte Waffenruhe mit Israel für beendet erklärt.
Hamas-Sprecher Ismail Hania begründete den Schritt mit der
Liquidierung des militanten Hamas-Führers Ismail Abu Schanab durch
israelische Kampfhubschrauber am Donnerstag Mittag im Zentrum Gazas.
Nach Augenzeugenberichten feuerten die Hubschrauber mindestens drei
Raketen auf das Auto Schanabs ab und töteten ihn und seine beiden
Leibwächter. Das Auto des Extremistenführers wurde völlig
zerstört. Augenzeugen sahen, wie die zum Teil zerfetzten
Körper der Getöteten aus dem ausgebrannten Wrack entfernt
wurden.Die Palästinensische Autonomiebehörde hat die
Liquidierung als «unverantwortlich» verurteilt.
Die Autonomiebehörde hatte nach dem blutigen Selbstmordanschlag
von Jerusalem ein hartes Vorgehen gegen militante
Palästinensergruppen angekündigt. Der Sprecher von
Sicherheitsminister Mohammed Dachlan sagte am Donnerstag, die Polizei
werde "die Infrastruktur und die Waffenlager der Gruppen Hamas und
Islamischer Dschihad zerstören".
Palästinenserpräsident Jassir Arafat sei mit dem Plan
einverstanden, sagte Sprecher Elias Zananiri dem israelischen
Armeesender. Die geplanten Operationen konzentrierten sich vor allem auf
den Gazastreifen, der zu einem großen Teil unter Kontrolle der
Autonomiebehörde steht.
Nach Angaben gut informierter palästinensischer Kreise sind
inzwischen Dutzende militanter Mitglieder der Gruppen Hamas und
Islamischer Dschihad in Gaza in den Untergrund gegangen. Das
palästinensische Ministerium für Innere Sicherheit wies
palästinensische Journalisten im Gazastreifen an, künftig
keine Interviews mehr mit den Führern der Organisationen zu
führen.
In einer ungewöhnlich scharf formulierten Erklärung hatte die
Autonomiebehörde am Mittwoch Hamas und Dschihad verurteilt, die
sich zu dem blutigen Selbstmordanschlag am Dienstagabend bekannt hatten.
Dabei waren in einem vollbesetzten Bus im Zentrum Jerusalems 20
Israelis und der Täter getötet worden.
Israelische Truppen drangen am Donnerstagmorgen in die Städte
Nablus, Dschenin und Tulkarem ein, um dort gesuchte Extremisten
festzunehmen. In Tulkarem kam es zu einer Schießerei, in deren
Verlauf ein jugendlicher Palästinenser getötet wurde. Nach
einer längeren Sitzung des israelischen Kabinetts fuhren auch am
Ortseingang der Stadt Ramallah Panzer auf. In Hebron zerstörten
Soldaten das Haus des Selbstmordattentäters vom Dienstag.
Angesichts der neuen Eskalation der Gewalt im Nahen Osten hat
US-Außenminister Colin Powell vor einem Zusammenbruch des
Friedensprozesses gewarnt.
Powell rief beide Seiten dazu auf, am Friedensplan des aus den USA,
Russland, der EU und den Vereinten Nationen bestehenden Nahost-Quartetts
festzuhalten. Eine Fortsetzung der Gewalt würde die Kontrahenten
nur auf eine Klippe führen, von der beide abstürzen
würden.
Der US-Außenminister forderte besonders den
palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat auf, ihm
unterstellte Sicherheitskräfte dem Ministerpräsidenten Mahmud
Abbas zur Verfügung zu stellen, damit dieser die Kontrolle
über den gesamten Sicherheitsapparat habe. Auch
UN-Generalsekretär Kofi Annan zeigte sich tief besorgt über
die neue Gewalt im Nahen Osten und rief beide Seiten zur
Zurückhaltung auf.
(Quellen: ap,
dpa)
Geschäftsmann
soll Übergangsregierung in Liberia führen
Fr.22.08.03 - Die
Konfliktparteien in Liberia haben sich auf einen Führer der
Übergangsregierung geeinigt und damit nach elf Wochen die
Friedensgespräche für das von einem 14-jährigen
Bürgerkrieg zerrüttete westafrikanische Land beendet.
Regierung und Rebellen verständigten sich auf den 54 Jahre alten
Geschäftsmann Gyude Bryant aus Monrovia, wie Chefvermittler
Abdulsalami Abubakar am Donnerstag in Ghana bekannt gab. Zur Absicherung
des Friedens will der UN-Gesandte 15.000 Soldaten anfordern.
"Der erste Schritt zur Versöhnung des Volkes beginnt heute", sagte
Abubakar in der ghanaischen Hauptstadt Accra. Die liberianische
Bevölkerung rief er auf, die Friedensbemühungen zu
unterstützen. "Ihr müsst euren Teil dazu beitragen", sagte er.
"Euer Land hat lange genug geblutet. Jetzt ist es an der Zeit, die
Wunde zu heilen." An die Adresse Bryants gerichtet, sagte Abubakar:
"Ihre Aufgabe wird nicht leicht sein."
Bryant kündigte an, während der zweijährigen Amtszeit
der Interimsregierung eng mit den Vereinten Nationen und anderen
internationalen Organisationen zusammenzuarbeiten, um Liberia nach 14
Jahren Bürgerkrieg in freie Wahlen zu führen. "Ich habe diese
Probleme mein ganzes Leben lang miterlebt", sagte er der
Nachrichtenagentur AP. "Ich verstehe mich selbst als Heiler." Bryant
gilt als neutralster der zuletzt drei Kandidaten für die Leitung
der Übergangsregierung.
Bryants Stellvertreter soll Wesley Johnson werden. Die
Übergangsregierung soll im Oktober das Kabinett von Moses Blah
ablösen, der nach dem Rücktritt von Präsident Charles
Taylor die Amtsgeschäfte übernommen hat. Das am Montag
unterzeichnete Friedensabkommen sieht ausdrücklich vor, dass die
beiden größten Rebellenorganisationen ebenso wie Mitglieder
der derzeitigen Regierung keinen Anspruch auf das Amt des Vorsitzenden
der Übergangsregierung oder seines Stellvertreters haben.
Der UN-Gesandte für Liberia, Jacques Klein, erklärte, er
werde im Sicherheitsrat die Entsendung von 15.000 Friedenssoldaten
beantragen. Es wäre das größte Engagement der UN auf der
Welt. Klein sagte weiter, er habe die USA schon gebeten, weiter in
Liberia zu bleiben und die Ausbildung der neuen Armee des Landes zu
übernehmen.
Die Verhandlungen begannen am 4. Juni in Accra, der Hauptstadt Ghanas.
Dort kamen die verschiedenen Konfliktparteien auf Druck der USA, der EU,
der UN und der westafrikanischen Nachbarstaaten. Am Montag wurde der
Friedensvertrag unterzeichnet, was erst nach dem Rücktritt des
bisherigen Regierungschefs Charles Taylor und dessen Gang ins Exil
möglich war. Danach begannen die Beratungen über die
zweijährige Übergangsregierung, die am Donnerstag
abgeschlossen wurden.
(Quelle: ap)
Studie:
Entwicklungsländer erleiden Milliardenausfälle im
Agrarbereich durch Handelsschranken
Fr.22.08.03 -
Schwarzafrikanische Bauern verlieren im Jahr zwei Milliarden US-Dollar
durch die von den Industriestaaten aufrechterhaltenen Handelshemmnisse
und Agrarsubventionen. Für alle Entwicklungsländer oder etwa
drei Milliarden Menschen würde eine Öffnung der Märkte
des Nordens im landwirtschaftlichen Bereich Mehreinnahmen in Höhe
von 26 Milliarden Dollar im Jahr bedeuten. Dies sind die Kernaussagen
eines Berichts des International Food Policy Research Institute (IFPRI)
in Washington, das im Vorfeld der Ministerkonferenz der
Welthandelsorganisation (WTO) im mexikanischen Cancún und der 25.
Konferenz der Internationalen Vereinigung der Agrarökonomen in der
südafrikanischen Hafenstadt Durban vorgelegt wurde. (jw/ips)
Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/08-22/010.php
UN:
Verwüstung nimmt weltweit zu
Fr.22.08.03 -
Verwüstung und Landverödung nehmen nach UN-Angaben global
immer bedrohlichere Dimensionen an. Vor allem Afrika sei von schweren
Folgen für die Bevölkerung betroffen, sagte der Direktor des
UN-Wüstensekretariats, Hama Arba Diallo, gestern in Bonn. Er
appellierte an die reicheren Industrieländer, sich im Kampf gegen
Wüsten und Dürren in Trockengebieten stärker zu
engagieren und dies auf der bevorstehenden UN-Wüstenkonferenz im
kubanischen Havanna vom 25. August bis 5. September unter Beweis zu
stellen. Jedes Jahr gingen 10 Millionen Hektar Land durch
Verwüstung verloren - das entspricht etwa der Fläche der
Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg. Der weltweite
finanzielle Verlust durch verminderte Bodenerträge betrage
jährlich mehr als 42 Milliarden US-Dollar.
(Quelle: taz/dpa)
Frankreich:
Chirac räumt nach Hitzewelle Fehler im Gesundheitssystem ein
Fr.22.08.03 - Der
französische Präsident Jacques Chirac hat als Reaktion auf
die Hitzewelle mit mehreren Tausend Toten in Frankreich erstmals Fehler
im französischen Gesundheitswesen eingeräumt.
"Es wird alles getan, um die Unzulänglichkeiten, die wir in
unserem Gesundheitssystem bemerkt haben, zu beheben", sagte Chirac am
Donnerstag nach der ersten Kabinettssitzung nach der Sommerpause. Der
Staatssekretär für Senioren im Sozialministerium, Hubert
Falco, teilte unterdessen mit, dass die Regierung ihre Schätzung
über die Zahl der Todesopfer infolge der Hitzewelle auf 10.400 von
zuvor 3000 erhöht habe.
"Unsere Notdienste, die so unerlässlich sind, sollten mehr
anerkannt werden ... Sie werden die Hilfen erhalten, die sie
benötigen, um für solche außergewöhnlichen
Notfälle gerüstet zu sein", fügte Chirac hinzu. Damit
bezog Chirac erstmals Stellung zum französischen Gesundheitssystem,
das nach der hohen Opferzahl infolge der europaweiten Hitzewelle
kritisiert worden war. Durch die hohe Zahl von Hitzeopfern hatte sich
die Regierung gezwungen gesehen, die medizinische Versorgung auf eine
Notfallversorgung umzustellen. Frankreichs Gesundheitssystem wird
weltweit als eines der besten erachtet.
Vor der seit Ende Juli bis Mitte August anhaltenden Hitzewelle waren in
Frankreich Kürzungen im Gesundheitswesen debattiert worden, um die
von der Europäischen Union (EU) vorgegebene Defizitobergrenze nicht
zu überschreiten. Die Hitzewelle mit Rekordtemperaturen von
über 40 Grad Celsius hatte auch in anderen europäischen
Ländern zu vielen Toten geführt. Portugal bezifferte die Zahl
der Hitzetoten am Donnerstag auf mehr als 1300.
(Quelle: rtr)
Deutscher
Wirtschaftsminister will Förderung von Windenergie abbauen +++
Umweltminister für Ausbau der Hilfen für erneuerbare Energien
+++ Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie fordert Wiedereinstieg in
Atomkraft
Fr.22.08.03 -
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) will die staatliche
Förderung von Windenergie zurückfahren.
Einer "Subventionsmentalität" in diesem Sektor müsse Einhalt
geboten werden, sagte Clement der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir sind
in der Windenergie in den Subventionen, in den Finanzhilfen schon jetzt
so weit wie in der Steinkohle. Wir werden in Kürze weit vor der
Steinkohle sein, weil die Steinkohlesubventionen sinken." Die staatliche
Förderung in der Windenergie könne nicht beliebig gesteigert
werden. "Wir brauchen auch bei der Windenergie eine degressive
Förderung und eine Orientierung an den Maßstäben der
Wirtschaftlichkeit wie in anderen Lebensbereichen auch." Daneben gehe
es darum, die Windkraft zu modernisieren und Offshore-Anlagen zu
entwickeln.
Anders als Clement plädiert sein für Umwelt zuständiger
Kabinettskollege Jürgen Trittin (Grüne) für einen Ausbau
der Hilfen für erneuerbare Energien, weil er deren Anteil an der
Energieversorgung erhöhen will.
Clement sagte, er halte den heutigen Energie-Mix insgesamt für
gut. "Das bedeutet, dass wir vor allem in der Grundlast die
Stromversorgung aus der Kohle haben, dass wir uns in der
Wärmeversorgung zu fast 90 Prozent auf Gas stützen, dass wir
die Nuklearenergie zurückdrängen und dass wir die erneuerbaren
Energien entwickeln. Allerdings muss dies auch mit Augenmaß
geschehen."
Dabei habe Deutschland kein Interesse am Zukauf von Atomstrom aus
Osteuropa. Die deutschen Firmen seien in der Lage, auch weiterhin Strom
zu exportieren. Neue Atomkraftwerke brauche es nicht. Bei der
Kraftwerkstechnologie sei Deutschland führend. "Das nächste
Kraftwerk wird ja vermutlich wieder im rheinischen Braunkohlerevier
entstehen und wird eine weitere Steigerung des Wirkungsgrades bringen -
möglicherweise auf 48,5 Prozent, das wäre
außerordentlich ehrgeizig und weltweit die beste Quote."
Die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) sprach sich
unterdessen für einen Wiedereinstieg Deutschlands in die Atomkraft
aus. "Man muss in der Technologie verbleiben, und wenn es Not tut, ab
2010 entscheiden, ob man auf der Grundlage neuer Technologien die
Kernkraft im Energiemix behält", sagte der IG-BCE-Chef Hubertus
Schmoldt der "Financial Times Deutschland" (Freitagausgabe).
Vor wenigen Tagen hatte sich Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
mit den Chefs der großen deutschen Energieversorger getroffen.
Daran nahm Clement teil, Trittin aber nicht. Aus Teilnehmerkreisen hatte
es geheißen, das Thema erneuerbare Energien laufe auf einen
handfesten Streit mit Trittin aus.
(Quelle: rtr)
Stark
rückläufige Exporte schwächen deutsche
Wirtschaftsleistung
Fr.22.08.03 - Die
deutsche Wirtschaftsleistung ist im zweiten Quartal vor allem wegen
stark rückläufiger Exporte gesunken. Die Exporte sanken nach
den gestern vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden
veröffentlichten Zahlen zum ersten Quartal 2003 real um 2,3
Prozent, während die Importe nur um 1,1 Prozent zurückgingen.
Damit bremste der Außenbeitrag das Wachstum im Quartalsvergleich
um 0,5 Prozentpunkte. Volkswirte setzen vor allem darauf, dass die
inländische Wirtschaft von einer Erholung in den USA profitieren
wird. "Deutschland hat eindeutig Schwierigkeiten, eigenes Wachstum zu
generieren, und das dritte Quartal wird auch schwierig werden", sagte
Thomas Hueck von der HypoVereinsbank. Im 2. Quartal konnte die
inländische Nachfrage die Wirtschaft nicht über die Nulllinie
heben. Die privaten Konsumausgaben blieben in Vergleich zum 1.
Vierteljahr unverändert. Die Konsumausgaben des Staates legten
dagegen um 1,3 Prozent zu.
Die meisten Volkswirte und Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten
für das laufende Jahr bestenfalls ein minimales Wachstum nahe der
Stagnation. Die Bundesregierung rechnet nach wie vor mit einem Wachstum
von rund 0,75 Prozent.
(Quelle: taz7rtr)
Regierung und
Union über Gesundheitsreform einig
Fr.22.08.03 -
Nach mehr als zwölfstündigen Verhandlungen haben sich die
rot-grüne Koalition und die Union in der Nacht zum Freitag auf
einen Gesetzentwurf für eine gemeinsame Gesundheitsreform
verständigt.
"Wir haben alle Fragen gelöst", sagte Gesundheitsministerin Ulla
Schmidt (SPD), die kurz nach Mitternacht gemeinsam mit
Unions-Verhandlungsführer Horst Seehofer (CSU) vor die Presse trat.
Für Zahnersatz müssen die Versicherten den Angaben zufolge ab
dem Jahr 2005 alleine aufkommen.
Sie können für den Zahnersatz zwischen einer Versicherung
unter dem Dach der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu einem
Festbetrag oder bei einer privaten Kasse wählen. Der Betrag werde
von den Spitzenverbänden der GKV festgelegt. Für das
Krankengeld, dass die Krankenkassen ab der siebten Krankheitswoche
zahlen, müssen Arbeitnehmer bereits ab 2006 alleine aufkommen und
damit ein Jahr früher als bisher bekannt. Dafür wird ab 2006
ein Sonderbeitrag von 0,5 Prozent des Einkommens fällig. Dies
entspricht einer Summe von etwa fünf Milliarden Euro.
Die Reform soll in der zweiten Septemberwoche in erster Lesung im
Bundestag beraten werden und zum 1. Januar 2004 in Kraft treten. Schmidt
bekräftigte, dass der allgemeine, je zur Hälfte von
Arbeitgebern und Arbeitnehmern finanzierte Beitragssatz im kommenden
Jahr von derzeit durchschnittlich 14,3 auf 13,6 Prozent sinken solle.
Durch die Reformmaßnahmen würden die gesetzlichen
Krankenkassen im Jahr 2004 um rund zehn Milliarden Euro entlastet. Davon
könnten sie drei Milliarden Euro zum Abbau ihrer Schulden
verwenden, während der Rest zur Senkung des Beitragssatzes diene.
2006 solle der allgemeine Beitragssatz bei 12,15 Prozent liegen.
Für Arbeitnehmer kämen noch ein Betrag zur Absicherung des
Zahnersatzes und ab 2006 der Sonderbeitrag von 0,5 Prozentpunkten
für das Krankengeld hinzu.
Seehofer und Schmidt zeigten sich zufrieden. "Das Werk ist vollbracht",
sagte Seehofer. Auf die Frage, ob er die Regelung für den
Zahnersatz in den eigenen Reihen werde durchsetzen können, sagte
Seehofer: "Wir haben das in unserer Führung besprochen und wir
werden das unserer Fraktion so vorschlagen." Die Einigung sei mit den
Parteivorsitzenden abgestimmt.
Vor allem die CDU hatte auf einem fairen Wettbewerb zwischen GKV und
Privatkassen beim Zahnersatz gepocht. Seehofer sagte, GKV und PKV
würden jeweils nach ihren eigenen Regeln eine Versicherung zum
Zahnersatz anbieten. Zur Höhe des in der GKV dafür
fälligen einkommensunabhängigen Festbetrages machte er keine
Angaben. Dies würden die Spitzenverbände der GKV festlegen. In
einem Arbeitsentwurf Schmidts war noch vorgesehen, dies durch einen
Sonderbeitrag der Arbeitnehmer in Höhe von 0,3 Prozent des
Bruttoeinkommens zu finanzieren.
Das Vorziehen der Krankengeld-Finanzierung allein durch die
Arbeitnehmer um ein Jahr auf 2006 erklärte Schmidt damit, dass man
alle Maßnahmen noch in der im Jahr 2006 auslaufenden Wahlperiode
auf den Weg habe bringen wollen. Schmidt sagte, man habe ein "Gesetz,
mit dem wir uns alle sehen lassen können".
Auf die Eckpunkte der Reform hatten sich Rot-Grün, Union und FDP
bereits Ende Juli verständigt. Die FDP ist inzwischen aus der
Konsensrunde ausgestiegen. Unter anderem werden die Zuzahlungen für
Patienten deutlich angehoben. Versicherungsfremde Leistungen wie das
Mutterschaftsgeld werden aus der GKV herausgenommen und durch eine
Erhöhung der Tabaksteuer finanziert. Seehofer verwies darauf, dass
allein dem Arzneimittelbereich "durch Preiseingriffe und Rabatte" ein
Solidarbeitrag von drei Milliarden Euro abverlangt werde.
Die rot-grüne Koalition ist bei der Reform auf die Zustimmung des
von der Union dominierten Bundesrates angewiesen.
(Quelle: rtr)
«Die Gesundheitsreform läßt die Industrie
ungeschoren»
Fr.22.08.03
- «Milliarden an Gesundheitskosten werden bald auf die
Arbeitnehmer verlagert - die Konsensrunde von Koalition und CDU blieb
dieser Linie auch gestern treu. Dabei könnten die Kassen einfach
entlastet werden - wenn berufsbedingte Krankheiten endlich bei der
Industrie abgerechnet würden...»
Mehr in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (22.08.03)
http://www.taz.de/pt/2003/08/22/a0102.nf/text
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Städtetag:
Gewerbesteuer entlastet Großfirmen um Milliarden
Fr.22.08.03 - Die
von der Bundesregierung beschlossene Gewerbesteuer-Reform wird
Großunternehmen nach Einschätzung des Deutschen
Städtetags um Milliarden entlasten, vielen Mittelständler
dagegen deutlich höhere Kosten aufbürden.
Die Kapitalgesellschaften müssten in Zukunft fast 3,5 Milliarden
Euro weniger Gewerbesteuer zahlen, während mittelständische
Einzelunternehmer mit 1,5 Milliarden Euro mehr zur Kasse gebeten
würden, stellte der Städtetag am Donnerstag in Berlin die
jüngsten Berechnungen seiner Steuerexperten vor. Der Anteil der
Kapitalgesellschaften an der Finanzierung städtischer Aufgaben
sinke damit von derzeit 62 auf künftig 44 Prozent.
Die Regierung plane ein massives Entlastungsprogramm für
Großunternehmer, anstatt die Gewerbesteuer im Sinne der
Städten und Gemeinden zu reformieren, kritisierte Stephan Articus,
Geschäftsführer des Städtetages. Die Kommunen würden
trotz ihrer Finanzkrise weiter geschädigt. Der Entwurf sei eine
"Mogelpackung" und keine Grundlage für Verhandlungen.
Articus wies zudem einen Bericht des "Handelsblatts" zurück,
wonach das Gewerbesteueraufkommen der Städte und Gemeinden im
zweiten Quartal überraschend um 15 Prozent zum Vorjahreszeitraum
gestiegen sein soll. Es seien gezielt falsche Zahlen gestreut worden, um
den Eindruck zu erwecken, die Gewerbesteuerreform sei nicht dringlich,
kritisierte Articus. Das Finanzministerium hatte die Zahlen zuvor als
positives Signal begrüßt.
Das Bundeskabinett hatte vor rund einer Woche die Reform der
Gewerbesteuer beschlossen. Der Gesetzentwurf muss jedoch noch Bundestag
und Bundesrat passieren. Danach sollen ertragsunabhängige Elemente
sollen größtenteils nicht mehr als Bemessungsgrundlage in die
Gewerbesteuer einbezogen werden. Bundeskanzler Gerhard Schröder
(SPD) hatte die Reform als wirkliche Hilfe für die Kommunen
bezeichnet.
"Das ist das genaue Gegenteil dessen, was die Städte und Gemeinden
gewollt haben", kritisierte Klaus Jungfer, Kämmerer der Stadt
München. Statt die Kapitalgesellschaften wieder stärker an der
Finanzierung öffentlicher Aufgaben zu beteiligen, bitte man nun
Mittelstand und Freiberufler stärker zur Kasse.
Stefan Weil, Kämmerer der Stadt Hannover, warf der Regierung vor,
die Gewerbesteuer zu einer Gewinnsteuer zu degradieren. "Die Planbarkeit
unserer wichtigsten Einnahmequelle geht damit vollends verloren." Das
Finanzministerium schöne zudem die Bilanz der Pläne: Das
Gewerbesteueraufkommen werde ein bis zwei Milliarden Euro unter seinen
Schätzungen liegen. "Die Verluste der Kommunen werden systematisch
verniedlicht seitens des Finanzministeriums (...) Die Verbesserungen
werden systematisch aufgebauscht", kritisierte Weil.
Peter Kaminski, Kämmmerer von Leipzig, hob die schwierige
Situation der ostdeutschen Kommunen hervor. Die Zahl der
Kapitalgesellschaften in den neuen Ländern sei besonders hoch, die
der Freiberufler dagegen vergleichweise niedrig. Ein Einnahmeausfall bei
den Kapitalgesellschaften könne damit nicht durch Zusatzeinnahmen
bei den Freiberuflern ausgeglichen werden.
(Quelle: rtr)
Niedrigere
Rente bei höheren Beiträgen
Fr.22.08.03 - Der
vorläufige Abschlussbericht der Rürup-Kommission sieht laut
"Berliner Zeitung" drastische Mehrbelastungen für
Rentenversicherte und Ruheständler vor. Wie das Blattt aus dem
Papier zitiert, wird der Beitragssatz zur gesetzlichen
Rentenversicherung "unter Berücksichtigung der Reformen bis zum
Jahr 2030 auf 22 Prozent" steigen. Der Anstieg könne "zwar deutlich
begrenzt, nicht jedoch vermieden werden". Derzeit liegt der
Beitragssatz bei 19,5 Prozent. Außerdem werde das
Brutto-Rentenniveau von jetzt 48 Prozent auf 40 Prozent sinken.
Laut dem Papier, das den Mitgliedern der Kommission am Mittwoch
zugegangen sei, müssten sich auch Rentenbezieher auf weitere
Belastungen einstellen. So sei vorgesehen, dass "Altersrentnerinnen und
-rentner ab dem Jahr 2010 zusätzlich zum allgemeinen Beitragssatz
zur sozialen Pflegeversicherung einen von ihnen allein finanzierten
einkommensabhängigen generativen Ausgleichsbetrag in Höhe von
zwei Prozent des versicherungspflichtigen Einkommens" leisten sollten.
Damit ergebe sich der Kommission zufolge eine "zusätzliche
Beitragsbelastung für Standardrentner von rund 20 Euro im Monat".
Durch die Aufwendungen solle im Gegenzug sichergestellt werden, dass
der von Arbeitgebern und Arbeitnehmern abzuführende Beitrag zur
Pflegeversicherung dauerhaft bei 1,7 Prozent des
versicherungspflichtigen Einkommens gehalten werde. Es sei "absehbar,
dass die Pflegeversicherung ab dem Jahr 2007 vor erheblichen
finanziellen Problemen stehen wird", heißt es in dem Bericht. Dies
liege vor allem an der demografischen Entwicklung. Die Anzahl der
Pflegefälle dürfte nach Angaben des Beratergremiums von
derzeit 1,9 Millionen bis zum Jahr 2030 auf rund 3,1 Millionen anwachsen.
Die Rürup-Kommission schlägt der Bundesregierung
außerdem vor, die Riester-Rente unter anderem auch auf alle
Selbstständigen auszuweiten. "Der in die Förderberechtigung
einbezogene Personenkreis sollte auf alle Steuerzahlerinnen und -zahler
ausgeweitet werden." Bisher sind vorwiegend Pflichtversicherte und
Beamte sowie die Angehörigen dieser beiden Gruppen bei der
zusätzlichen privaten Altersabsicherung förderungsberechtigt.
Die Kommission unter Vorsitz des Ökonomen Bert Rürup soll im
Auftrag der Bundesregierung weit reichende Veränderungen der
Renten-, Gesundheits- und Pflegeversicherung erarbeiten. Diese sollen
die Finanzierung dieser Systeme dauerhaft sicherstellen.
(Quelle: afp)
Jugend von
Optimismus und Leistungsbereitschaft geprägt
Fr.22.08.03 - Die
Jugend blickt optimistischer in die Zukunft als die Erwachsenen. Das
ergab eine Umfrage im Auftrag des Bundesverbandes deutscher Banken.
Demnach sehen 71 Prozent der Befragten zwischen 14 und 24 Jahren positiv
in die Zukunft. Bei den Erwachsenen sind es 66 Prozent.
Die Studie bestätigte, dass sich das Generationenbild deutlich
gewandelt hat. Statt "Null-Bock-Stimmung" herrscht jetzt in der jungen
Generation Optimismus und Leistungsbereitschaft. 90 Prozent der
Jugendlichen sind laut Umfrage mit ihrem Leben zufrieden.
Die Umfrage ergab auch, dass "Globalisierung" bei Jugendlichen nicht so
negativ besetzt ist wie angenommen. Nur 16 Prozent verbinden damit
ausdrücklich etwas Schlechtes. 46 Prozent sehen darin etwas Gutes.
38 Prozent haben von Globalisierung aber keine bestimmte Vorstellung.
(Quelle: dpa)
Computerspiele
halten Kinder nicht vom Lesen ab
Fr.22.08.03 -
Computerspiele sind entgegen bisheriger Annahmen kein Hindernis
für das Leseverhalten von Kindern und Jugendlichen. Diejenigen, die
viel vor dem Computer sitzen, würden auch viel lesen, sagte Bodo
Franzmann von der "Stiftung Lesen" im Deutschlandradio Berlin unter
Berufung auf eine Studie seines Hauses. Schnelles Lesen sei eine
Grundvoraussetzung für den EDV-Gebrauch. "Der Computer ist
eigentlich ein Lesemedium." Allerdings müssten die Eltern die
Computerspiele sorgfältig auswählen.
Ein Problem seien solche Spiele dann, wenn Kinder sich
ausschließlich damit beschäftigten und Eltern sich nicht
darum kümmerten, betonte er. Es sei gravierend, dass in der
PISA-Studie 42 Prozent der deutschen Jugendlichen gesagt hätten,
dass sie nicht gerne läsen. "Und es ist auch gar nicht von der Hand
zu weisen, dass das Medienangebot, das den Jugendlichen insgesamt zur
Verfügung steht, etwas damit zu tun hat", sagte Franzmann.
Eine Sucht nach Computerspielen kann laut Franzmann dann entstehen,
wenn Eltern ihren Kindern keine Geschichten vorlesen und keine
interessanten Bücher geben. Dies sei aber nicht den Spielen
anzulasten, sondern eine Frage des schlechten Umgangs mit dem Medium
Computerspiel.
(Quelle: afp)
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