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+++ Do.28.08.03,
12:45 Nachrichten-Archiv Aktuelle
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Irak am hundertzweiundsechzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Irak-Wiederaufbau teurer als erwartet. USA rechnen mit Kosten in
Milliardenhöhe. Monatlich vier Milliarden Dollar für den
Militäreinsatz +++ Washingtoner Spekulationen über UN-Truppe
im Irak. Stellvertretender US-Außenminister Armitage: UN-Truppe
in Irak mit US-General an der Spitze vorstellbar +++ US-Präsident
Bush will an Präventivschlägen festhalten +++ Zwei
US-Soldaten bei Angriffen in Irak getötet +++ Hilfsorganisation
Oxfam zieht sich aus Irak zurück +++ 1.200 Flüchtlinge
zwischen Irak und Jordanien gestrandet +++ Irakisches Öl- und
Innenministerium sollen an Schiiten gehen
Do.28.08.03 - Zum
Wiederaufbau des Irak sind nach Ansicht des US-Zivilverwalters Paul
Bremer in diesem Jahr Dollarbeträge im zweistelligen
Milliardenbereich an ausländischer Hilfe erforderlich.
Das sei mehr als das Land erwirtschafte, sagte Bremer der Zeitung
"Washington Post" (Mittwochausgabe). Es sei "nahezu unmöglich", die
Kosten für den wirtschaftlichen Wiederaufbau zu übertreiben.
Allein zwei Milliarden Dollar seien nötig, um den Strombedarf zu
decken. 16 Milliarden Dollar koste in den kommenden vier Jahren die
Versorgung aller Iraker mit sauberem Wasser. Es werde Jahre dauern und
zahllose Milliarden Dollar kosten, bis der Irak wieder
funktionsfähig sei, sagte Bremer.
Zu den Wiederaufbaukosten kommen für die USA monatlich vier
Milliarden Dollar, die für den Militäreinsatz aufgewendet
werden müssen. Hoffnungen der US-Regierung auf rasche Erträge
aus der irakischen Ölförderung haben sich nicht erfüllt.
Immer wieder sind die Anlagen Ziel von Angriffen und Plünderungen.
Bremer sagte, er hoffe, dass die irakische Ölförderung bis
Oktober 2004 wieder das Vorkriegsniveau erreichen werde. Aber selbst
dann würde die Öl-Industrie nicht die nötigen Gewinne
erwirtschaften, um die Wiederaufbaukosten abzudecken. Derzeit werde ein
"sehr intensiver Dialog" mit dem Regierenden Rat im Irak geführt,
um das Land für ausländische Investoren zu öffnen, sagte
Bremer.
US-Präsident George W. Bush hatte am Dienstag gesagt, für den
Wiederaufbau sei ein "substanzieller" Aufwand an Zeit und Geld
erforderlich. Er werde versuchen, mehr Länder davon zu
überzeugen, die US-Bemühungen zu unterstützen. Viele
Länder haben sich bislang zurückhaltend in dieser Frage
geäußert. Sie wünschen eine stärkere Rolle der
Vereinten Nationen in der Verwaltung des Irak.
In der US-Regierung gibt es augenscheinlich Überlegungen zu einer
UN-Truppe im Irak. Vize-Außenminister Richard Armitage ließ
in einem Gespräch mit Reportern durchblicken, dass Washington ein
UN-Engagement unter amerikanischer Führung nicht grundsätzlich
ausschließe. Zur Zeit würden verschiedene Ideen
geprüft. Eine davon sei eine multinationale Truppe unter
UN-Führung, aber mit einem US-Kommandeur,sagte Armitage im
Gespräch mit mehreren regionalen US-Nachrichtendiensten, von dem
das Außenamt am Mittwoch eine Mitschrift veröffentlichte.
Gleichzeitig gebe es Gespräche darüber, ob und wie die
Entscheidungen in Irak auf breiterer Ebene getroffen werden
könnten. Bislang gebe es noch keine "endgültigen
Entscheidungen", und er halte es nicht für hilfreich,
sämtliche Überlegungen bereits jetzt publik zu machen, betonte
Armitage.
Vor dem Hintergrund wachsender Kritik an der Situation in Irak hat
US-Präsident George W. Bush die Absicht bekräftigt, an der
Strategie präventiver Militärschläge festzuhalten. "Unser
einziges Ziel ist der totale Sieg im Krieg gegen den Terror", sagte
Bush am Dienstag auf dem Jahrestreffen der Veteranenorganisation
Amerikanische Legion in St. Louis. "Wir haben eine neue Strategie
für eine neue Art von Krieg angenommen: Wir werden nicht warten,
bis die bekannten Gegner uns wieder angreifen. Wir werden sie angreifen."
Ein Jahr vor der Präsidentenwahl sieht sich Bush wachsender Kritik
an seiner Irak-Politik ausgesetzt. Seit Dienstag ist die Zahl der nach
dem offiziellen Kriegsende am 1. Mai getöteten Amerikaner (141)
höher als die der im Krieg ums Leben gekommenen US-Soldaten (138).
Auch wenn keine Massenvernichtungswaffen gefunden wurden, hält Bush
daran fest, dass die Entscheidung für den Krieg richtig gewesen
sei.
Bei zwei Angriffen in Irak sind am Mittwoch zwei US-Soldaten
getötet worden. Wie die US-Armee mitteilte, starb einer der
Soldaten bei einer Minenexplosion in Falludscha. Drei weitere
US-Soldaten wurden verletzt. Der zweite US-Soldat kam bei einem Angriff
auf einen Militärkonvoi in Bagdad ums Leben. Bei einer
Minenexplosion in Bakuba nördlich von Bagdad wurde ein US-Soldat
verletzt. Ein Iraker starb.
Angesichts der andauernden Unsicherheit in Irak hat die internationale
Hilfsorganisation Oxfam alle ausländischen Helfer abgezogen. Das
hohe Risiko mache es unmöglich, die geplanten Aufbauprojekte weiter
zu verfolgen, sagte der Leiter des Oxfam-Programms für Irak, Simon
Springett am Mittwoch in der jordanischen Hauptstadt Amman.
Auch die Hilfsorganisationen seien in den vergangenen Wochen mehrfach
zum Ziel von Angriffen geworden, sagte Springett und fügte hinzu:
"Ich denke, dass sich die Grenzen zwischen humanitären und
militärischen Operationen in Irak verwischen." Die 15
ausländischen Helfer von Oxfam, einer internationalen Organisation
mit Sitz in London, hatten sich in Zusammenarbeit mit dem
Kinderhilfswerk UNICEF vor allem beim Bau von Anlagen zur
Wasserversorgung engagiert.
In einer zunehmend verzweifelten Lage befinden sich 1.200 zumeist
kurdische Flüchtlinge, die im Niemandsland zwischen Irak und
Jordanien gestrandet sind. Die Flüchtlinge weigern sich, nach Irak
zurückzukehren, werden von Jordanien aber nicht ins Land gelassen.
"Wir wollen eine dauerhafte Lösung für sie finden, es ist aber
eine komplizierte Situation", sagte Jacqueline Barlevliet vom
Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Mittwoch in Amman.
Der größte Teil der Lagerbewohner sind Kurden, die schon vor
etwa 20 Jahren aus Iran geflohen sind und zuletzt westlich von Bagdad im
Flüchtlingslager El Tasch lebten. Von dort flohen sie nach Beginn
des Irak-Krieges in Richtung der jordanischen Grenze, um dort die
Asylgenehmigung eines Drittlands zu erhalten. Ein in dem Lager lebender
Palästinenser, Chaled Marajebeh, teilte telefonisch mit, dass mehr
als zehn iranische Kurden in dem Lager seit dem 12. August im
Hungerstreik seien. Unter den Bewohnern seien auch etwa 350 Kinder.
In der künftigen irakischen Regierung sollen die
Schlüsselministerien für Öl und Inneres von Schiiten
geleitet werden. Dies sei "mehr als wahrscheinlich", sagte Muwaffak el
Rubai vom irakischen Regierungsrat am Mittwoch in Bagdad. Des weiteren
sei vorgesehen, das Finanzressort an einen Sunniten und das
Außenamt an einen Kurden zu vergeben. Die 25 Ministerien sollten
im selben Proporz wie der Regierungsrat die verschiedenen irakischen
Volksgruppen widerspiegeln, sagte Rubai.
(Quellen: afp,
rtr, ap, dpa)
«Bush will den "totalen Sieg"»
«"Our
only goal, our only option, is total victory in the war on terror." Mit
dieser Mission reist George W. Bush durch sein Land. Kriegsveteranen
sind ein dankbares Publikum. Mitglieder der American Legion in St.Louis
verstehen besser als andere die starken Worte und auch dies: "More
progress will come in Iraq and it will require hard and sustained
efforts." In simplem Deutsch beginnen damit Durchhalteparolen, die
eines vergessen machen sollen: Am (...) Dienstag überstieg die
Zahl der "nach dem Krieg" getöteten US Soldaten (140) die Zahl der
während des offiziellen Krieges Gefallenen (138). Ein Ende ist
nicht abzusehen...» (telepolis vom 27.08.03)
Mehr
unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/15510/1.html
«Lügenland ist abgebrannt»
«Bis
heute lassen sich die meisten Journalisten von den US-Militärs
erklären, wie die Lage im Irak ist. Stattdessen sollten sie lieber
selbst authentische Informationen recherchieren
Sie nannten sich Journalisten, aber benahmen sich wie Soldaten.
Ausgerüstet mit kugelsicheren Westen, Helmen und Panzerbrillen
spielten sie Rommel und Montgomery wie in billigen
Hollywoodproduktionen. Es wurden Tausende von Euro in Gasmasken,
Bekleidung und Überlebenskurse investiert, um die Journalisten
für den amerikanischen Propagandakrieg im Irak kampfbereit zu
machen.
Nun ist die militärische Auseinandersetzung vorbei und es ist an
der Zeit, dass sich die Journalisten wieder standesgemäß
verhalten. Zugegeben, die Lage im Irak ist nicht stabil, und wie die
Ereignisse der letzten Tage zeigen, sind auch Journalisten oder
UNO-Funktionäre keineswegs sicher vor Anschlägen. Dennoch
lässt sich mit einer gewissen Vorsicht und gesundem
Menschenverstand durchaus authentisch berichten"...»
Mehr in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (28.08.03)
http://www.taz.de/pt/2003/08/28/a0147.nf/text
«Vierte Gewalt auf Schmusekurs»
Der Krieg
und die Medien: Kriegsgegner kamen kaum zu Wort, dafür aber
Exmilitärs, die den "Kameraden" Glück wünschten. Wie
amerikanische Fernsehsender sich während des Irakkriegs zum
verlängerten Arm des Pentagons machten, berichtet Dirk Eckert in
der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (28.08.03):
http://www.taz.de/pt/2003/08/28/a0170.nf/text
«Bewaffnete Angriffe auf UN-Truppen sowie zivile
Mitarbeiter der Vereinten Nationen und Angehörige von
Hilfsorganisationen sollen künftig als Kriegsverbrechen verfolgt
werden. Darauf verständigte sich der UN-Sicherheitsrat in New
York. Einstimmig verabschiedete das 15köpfige Gremium am Dienstag
(Ortszeit) nach monatelangen Verhandlungen eine entsprechende
Resolution. Ausnahme: Handelt es sich bei den Angreifern um
US-Soldaten, werden die Verbrechen nicht geahndet» ("junge Welt"
vom 28.08.03)
http://www.jungewelt.de/2003/08-28/001.php
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Kriegsgegnern
drohen in Deutschland juristische Konsequenzen
Do.28.08.03 - Den
Demonstranten, die sich im Frühjahr aus Protest gegen den
Irak-Krieg an einer Blockadeaktion der US-Airbase in Frankfurt am Main
beteiligt hatten, drohen rechtliche Konsequenzen. Wie die Organisation
"resist the war" [http://resistthewar.de],
unter deren Federführung die Proteste stattfanden, am Mittwoch
mitteilte, erging gegen die Organisatoren und einige Beteiligten
Strafbefehl. Weitere rund 1.300 Kriegsgegner, die vorübergehend
festgenommen worden seien, hätten Bußgeldbescheide über
jeweils 118,50 Euro erhalten.
Die Frankfurter Staatsanwaltschaft konnte den Erlass der Strafbefehle
nicht bestätigen. Zwar sei im Zusammenhang mit den Aktionen an
insgesamt drei Tagen gegen mehrere Beteiligte Strafbefehl beantragt
worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Zumindest für
die Vorfälle am 20. März sei aber bislang kein Strafbefehl
ergangen, da zunächst weitere Nachforschungen angestellt werden
sollten. In drei Fällen sei zur Klärung der Geschehnisse eine
Hauptverhandlung angeordnet worden. Der Erlass der
Bußgeldbescheide wurde vom Leiter des Frankfurter Ordnungsamtes
jedoch bestätigt.
Resist zufolge haben nahezu alle Betroffenen Einspruch gegen die
Bescheide eingelegt. Sie wollten sich aktiv vor Gericht gegen die
Vorwürfe zur Wehr setzen, hieß es. Der Organisation zufolge
sollen erste Prozesse, bei denen es um Verstöße gegen das
Versammlungsgesetz und den Vorwurf der Nötigung gehen soll, bereits
im September und Oktober in Frankfurt stattfinden.
Die Kriegsgegner wollten dabei die Politik der kriegsführenden
Staaten und der Bundesregierung öffentlich anprangern und die
Völkerrechts- beziehungsweise Grundgesetzwidrigkeit des
Irak-Krieges feststellen lassen, hieß es in einer
Pressemitteilung. In diesem Falle hätten Bürger die Pflicht
zum gewaltfreien Widerstand. Man sei bereit, die Prozesse gegebenenfalls
bis zum Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe durchzustreiten.
(Quelle: ap)
Britischer
Verteidigungsminster Hoon übernimmt Verantwortung für
Kelly-Enttarnung +++ Hoon: Blair billigte Preisgabe von
BBC-Informant
Do.28.08.03 - Der
britische Verteidigungsminister Geoff Hoon hat die Verantwortung
dafür übernommen, dass der Wissenschaftler David Kelly als
Informant des Rundfunksenders BBC publik gemacht wurde. Diese
Entscheidung sei von Premierminister Tony Blair gebilligt worden, sagte
Hoon am Mittwoch vor einer Kommission, die die Hintergründe des
Selbstmordes von Kelly aufklären soll.
Die Kelly-Affäre hat die britische Regierung in eine ernste Krise
gestürzt und Blair in der Gunst der Wähler rapide sinken
lassen. In dem BBC-Bericht war der Regierung vorgeworfen worden, ein
Dossier über die Bedrohung durch den Irak aufgebauscht zu haben, um
die Kritiker des Irak-Krieges in die Defensive zu drängen. Kelly
hatte dem Verteidigungsministerium gesagt, dass er mit einem Reporter
gesprochen habe und möglicherweise die Quelle des BBC-Beitrages
gewesen sei. Entgegen den Empfehlungen seiner Beamten hatte Hoon dem
Parlament die Identität des mutmaßlichen BBC-Informanten
preisgegeben, der daraufhin zu einer Anhörung des Auswärtigen
Ausschusses vorgeladen wurde. Kurz nach dieser teilweise sehr streng
geführten Befragung nahm sich Kelly das Leben.
Hoon sagte am Mittwoch, für ihn sei es nicht in Frage gekommen,
Kelly aus der Schusslinie zu halten, nachdem dieser sein Gespräch
mit der BBC eingeräumt habe. "Ich war mir bewusst, dass der
Premierminister dies im Wesentlichen genau so sah wie ich", fügte
er hinzu und berief sich auf ein Schreiben von Blairs Stabschef.
Blairs Entscheidung für eine Teilnahme an dem von den USA
geführten Krieg gegen den Irak war von vielen Briten und auch von
Mitgliedern seiner eigenen Parlamentsfraktion kritisiert worden. Die von
ihm vorgebrachten Argumente über die Bedrohung der Welt durch
irakische Massenvernichtungswaffen gerieten erneut in die Kritik, als
nach dem Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein keine
Massenvernichtungswaffen gefunden wurden. In der Presse wurde Blair
vorgeworfen, Geheimdienstberichte über die Bedrohung durch den Irak
aufgebauscht zu haben, um die Zustimmung des Parlaments zu gewinnen.
Eine Quelle für den BBC-Bericht darüber war der Waffenexperte
Kelly.
Indem Kelly als Informant publik gemacht wurde, versuchte die Regierung
offenbar, die Glaubwürdigkeit des BBC-Berichts entkräften zu
können. Nach dem Selbstmord Kellys wuchs jedoch der Druck auf
Blair; in der Wählergunst fiel er Umfragen zufolge deutlich ab.
Seitdem wurde in der Presse spekuliert, ob Verteidigungsminister Hoon
die Rolle eines "Bauernopfers" zugedacht sei, um den Druck von Blair zu
nehmen. Dieser muss am heutigen Donnerstag vor der von Lordrichter
Hutton geleiteten Kommission aussagen.
(Quelle: rtr)
Zerstörung
des World Trade Centers am 11.September: US-Umweltbehörde
verharmloste Schadstoffgefahr in New York
Do.28.08.03 -
Knapp zwei Jahre nach der Zerstörung des World Trade Centers
befürchten immer mehr New Yorker, dass sie Schadstoffe eingeatmet
haben, weil die US-Regierung Warnungen verhinderte.
In einem Brief an US-Präsident George W. Bush forderte die New
Yorker Senatorin und frühere First Lady Hillary Clinton
rückhaltlose Aufklärung. Das Weiße Haus müsse seine
Kommunikation mit der US-Umweltbehörde EPA über die
Luftbelastung nach dem 11. September 2001 herausgeben, verlangte
Clinton. Sie forderte weitere Tests am Ground Zero.
Clinton warf der US-Regierung vor, die New Yorker getäuscht zu
haben. "Jemand im Weißen Haus, der wahrscheinlich auf Weisung
handelte, hat der EPA gesagt: Erzählt den Leuten nicht die
Wahrheit." Bereits im Herbst vergangenen Jahres waren in New Yorker
Zeitungen Berichte erschienen, wonach durch den Einsturz der
Zwillingstürme Giftstoffe freigesetzt worden seien. In der
vergangenen Woche hatte EPA-Generalinspekteur Nikki Tinsley
eingeräumt, dass die Bush-Regierung "die EPA überzeugt hat",
in deren Mitteilungen "Warnhinweise zu streichen". Nach Angaben der
Zeitung Daily News wurden deshalb unter anderem Informationen über
Risiken durch Asbest, Blei sowie Beton- und Glasstaub
zurückgehalten.
(Quelle: dpa)
US-Regierung
lockert Bestimmungen zur Luftreinhaltung +++ New Yorker
Generalstaatsanwalt droht mit Klage gegen Regierung
Do.28.08.03 - Die
amerikanische Regierung hat die Bestimmungen zur Reinhaltung der Luft
gelockert. Die Umweltbehörde EPA erklärte am Mittwoch,
ältere Kraftwerke dürften nun modernisiert werden, ohne dass
gleichzeitig neue Anlagen zur Absenkungen der Emissionen installiert
werden müssten. Die neue Regelung gilt für rund 17.000
Kraftwerke und Raffinerien im ganzen Land.
EPA-Sprecher Jeff Holmstead erklärte, ein Unternehmen könne
eine Anlage durch eine identische ersetzen, solange es seine
Emissionsgrenzen nicht überschreite. Die Luftverschmutzung werde
auf diese Weise nicht zunehmen. Nach den Vorgaben darf ein Fünftel
eines Produktionssystems auf einmal modernisiert werden.
Umweltschützer kritisierten, Kraftwerke im Mittleren Westen und im
Süden dürften jetzt weiter Millionen Tonnen Schadstoffe
ausstoßen. Diese lösten dann Krankheiten bei den Bürgern
besonders im Nordosten des Landes aus. Der New Yorker
Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer drohte mit einer Klage gegen die
US-Regierung.
(Quelle: ap)
USA entziehen
Aids-Programm die finanzielle Hilfe
Do.28.08.03 - Das
amerikanische Außenministerium hat einem Aids-Programm für
afrikanische und asiatische Flüchtlinge die finanzielle
Unterstützung entzogen. Ministeriumssprecher Philip Reeker
erklärte am Mittwoch in Washington, eine Gruppe der betroffenen
Dachorganisation unterstütze in China Zwangsabtreibungen und
-sterilisationen.
Reeker erklärte, sechs der sieben Gruppen in der Dachorganisation
sei Geld angeboten worden. Die Organisation habe jedoch abgelehnt, weil
die Bitte der siebten Gruppe um Unterstützung zurückgewiesen
worden sei. "Es war die Entscheidung der Dachorganisation, die Hilfe
nicht anzunehmen", sagte Reeker. Die Gruppe Marie Stopes International
war ausgeschlossen worden, weil es in China mit dem
UN-Bevölkerungsfonds kooperiert. Die US-Regierung hatte im
vergangenen Jahr erklärt, der Fonds verletzte ein Gesetz gegen
erzwungene Abtreibungen und Sterilisationen. Marie Stopes bietet
Beratungen und Abtreibungen an. Aus US-Regierungskreisen verlautete, es
gebe keine Beweise, dass die Gruppe erzwungene Abtreibungen
unterstütze.
Das Aids-Programm der Dachorganisation kommt tausenden Menschen in
Angola, Kongo, Ruanda und Eritrea zugute. Das US-Außenministerium
hatte das Projekt im ersten Jahr mit einer Million Dollar
unterstützt.
(Quelle: ap)
USA und
Nordkorea beharren auf ihren Forderungen
Do.28.08.03 -
Ohne Annäherung ist in Peking die erste Runde der
Sechs-Nationen-Gespräche über Nordkoreas umstrittenes
Atomprogramm beendet worden. Alle Seiten hätten ihre Positionen
beibehalten, sagte ein Sprecher des südkoreanischen
Außenministeriums. Nordkoreas Vize-Außenminister Kim Yong Il
drohte mit noch drastischeren Abschreckungsmaßnahmen, wenn die
Forderungen Pjöngjangs nicht erfüllt würden. Die
Gespräche sind auf drei Tage angesetzt. UN-Generalsekretär
Kofi Annan sagte den Gesprächen seine "aktive Unterstützung"
zu.
Nordkoreas Außenminister Kim sagte nach Angaben der russischen
Nachrichtenagentur ITAR-TASS, sein Land könne ein noch
bedrohlicheres Abschreckungspotenzial entwickeln. Gleichzeitig betonte
er, Nordkorea habe keine Atomwaffen und auch nicht das Ziel, welche zu
entwickeln. Washington geht dagegen davon aus, dass Pjöngjang
bereits im Besitz von etwa zwei Atombomben ist und zudem über genug
Plutonium verfügt, um binnen Monaten ein halbes Dutzend weitere zu
bauen.
Die staatliche nordkoreanische Zeitung "Rodong Sinmun" hatte zuvor das
Ende der "feindlichen Politik" der USA und einen Nichtangriffspakt
gefordert. Ohne Zugeständnisse der USA seien von den
Gesprächen in Peking keine "substanziellen Ergebnisse" zu erwarten.
Der russische Vize-Außenminister Alexander Losjukow sagte, der
erste "Schritt" in Richtung Ziel sei getan. Die Gespräche seien der
"einzig realistische Weg". Der Agentur ITAR-TASS sagte Losjukow, die
USA und Nordkorea hätten jedoch "eine Reihe von Vorbedingungen"
gestellt, die den Fortgang der Verhandlungen blockierten. Nordkorea
wolle "frei von Atomwaffen sein", fühle sich aber gleichzeitig
"von den USA bedroht".
Die japanische Regierung war mit einem eigenen Forderungskatalog in die
Runde gegangen. Das Schicksal von nach Nordkorea entführten
Japanern müsse im Zusammenhang mit der "Nuklearfrage" ebenfalls
besprochen werden, forderte Delegationsleiter Mitoji Yabunaka.
Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il hatte Ende vergangenen Jahres
eingeräumt, dass in den 70er und 80er Jahren mindestens 13
japanische Staatsangehörige in seinem Land verschleppt worden waren.
Nach dem offiziellen Ende des ersten Verhandlungstages folgten
bilaterale und multilaterale Gespräche. Neben den USA und Nordkorea
haben Südkorea, Russland, China und Japan Diplomaten nach Peking
entsandt, um Pjöngjang zu einem Ausstieg aus seinem Atomprogramm
zu bewegen.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt:
Arafat ruft radikale Gruppen zu Waffenstillstand auf
Do.28.08.03 -
Palästinenserpräsident Jassir Arafat hat die radikalen
Palästinenserorganisationen zu einer erneuten Waffenruhe
aufgerufen. Sämtliche Gruppen sollten einen Waffenstillstand
einhalten, um den Friedensbemühungen in Nahost "eine Chance zu
geben". Während die palästinensische Regierung nach einer
Sondersitzung Israel für die jüngste Verschlechterung der Lage
im Nahen Osten verantwortlich machte, kündigte ein ranghoher
Israeli weitere gezielte Tötungen mutmaßlicher
Gewalttäter an.
Nach einer Sondersitzung der palästinensischen Regierung sagte
Informationsminister Nabil Amr, Israel trage die alleinige Verantwortung
für die derzeitige Lage und ihre Auswirkungen auf die
Stabilität in der Region. Der palästinensische
Ministerpräsident Mahmud Abbas steht unter Druck von Israel und
radikalen Palästinensern, die sich gegenseitig die Schuld an der
Eskalation in der Region geben.
Ein ranghoher Israeli sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Armee werde
mit den gezielten Tötungen fortfahren. "Kein Terrorist soll auch
nur auf die geringste Straffreiheit hoffen." Israel werde weiterhin "mit
allen notwendigen Mitteln" handeln, "wann und wo wir es für
nötig halten", solange die palästinensische
Autonomiebehörde nicht selber gegen "die Terroristen" ankämpfe.
Die radikalislamische Hamas und der Islamische Dschihad hatten Ende
Juni eine einseitige Waffenruhe mit Israel beschlossen und diese in der
vergangenen Woche aufgekündigt. Dem Bruch vorausgegangen war ein
palästinensisches Selbstmordattentat mit 21 Toten in Jerusalem und
die anschließende, gezielte Tötung des Hamas-Anführers
Ismail Abu Schanab durch Israel.
In der Nähe von Bethlehem im Westjordanland erschossen israelische
Soldaten einen 17-jährigen Palästinenser, der mit einem Messer
bewaffnet gewesen war. In Ramallah wurden bei Auseinandersetzungen
zwischen Demonstranten und dem Militär mindestens zwei Menschen
verletzt, wie Augenzeugen mitteilten. Er sei an der Hand getroffen
worden, als er das Geschehen gefilmt habe, sagte der
palästinensische Journalist Schaudat Manaa. Ein ausländischer
Kollege sei von einem Gummigeschoss in den Magen getroffen worden.
(Quelle: afp)
Anhaltende
Kämpfe im Hinterland von Liberia +++ Weltsicherheitsrat
behält Sanktionen gegen Liberia vorerst bei +++ USA besorgt
über neue Kämpfe in Liberia
Do.28.08.03 -
Angesichts anhalter Kämpfe im Hinterland von Liberia sind tausende
Dorfbewohner weiter auf der Flucht. Vom Hunger ausgezehrte Frauen und
Kinder versuchten am Mittwoch, aus dem von Rebellen gehaltenen Norden
zur Hauptstadt Monrovia an der Küste im Süden vorzudringen.
Verteidigungsminister Daniel Chea erklärte, Regierungssoldaten
hätten Gerüchte über Massaker in Bong Mines gestreut, um
die Stadt plündern zu können. Im Landesinneren gebe es
allerdings weiterhin heftige Kämpfe.
"Wenn die Friedenstruppen nicht bald kommen, werden wir sterben",
riefen verzweifelte Flüchtlinge Journalisten in der rund 100
Kilometer nördlich von Monrovia gelegenen Stadt Zensu entgegen. Die
Frauen und ihre Kinder zeigten alle deutliche Anzeichen von
Unterernährung. Die bislang 1.500 Soldaten der westafrikanischen
Friedenstruppe sind vorerst jedoch nur in Monrovia stationiert, wo seit
Unterzeichnung eines Friedensvertrags vor gut einer Woche weitgehende
Ruhe herrscht. Für einen Einsatz ausserhalb der Hauptstadt fehlten
bis Mittwoch weiterhin die notwendigen Verstärkungen aus Ghana.
Verteidigungsminister Chea berichtete über schwere Kämpfe um
die weiter im Landesinneren gelegenen Städte Gbatala und Gbarnga.
Ein Aufklärungsteam der Friedenstruppe soll in Kürze die
dortige Lage erkunden. Nach Angaben von Stabschef Theophilus Tawiah soll
mit den Rebellen in dem Gebiet über eine baldige Stationierung
westafrikanischer Soldaten verhandelt werden.
Der Weltsicherheitsrat behält die Sanktionen gegen den lukrativen
Holzhandel in Liberia vorerst bei. Eine Aufhebung komme erst nach einer
Stabilisierung der Lage in Frage, erklärte das UN-Gremium am
Dienstagabend in New York. Es bestehe immer noch die Gefahr, dass
Einnahmen aus dem Holzhandel zur Finanzierung des Bürgerkriegs
missbraucht werden könnten. Der Sicherheitsrat hatte am 5. Mai ein
Waffenembargo gegen Liberia verlängert und vom 5. Juli an ein
Verbot des Holzhandels verfügt.
Die USA haben sich angesichts der neuen Kämpfe in Liberia besorgt
gezeigt. Die Gefechte zwischen Regierungstruppen sowie den beiden
Rebellenorganisationen LURD und MODEL zerstörten die Chancen des
Friedensabkommens und behinderten die Hilfe für die notleidende
Bevölkerung, sagte US-Außenamtssprecher Philip Reeker am
Dienstag (Ortzeit) in Washington. Insbesondere kritisierte Reeker die
LURD-Rebellen. Ihre Drohungen, im Norden des Landes wieder
vorzurücken, seien "inakzeptabel".
(Quellen: ap,
afp)
Afghanistan:
Neu formierte Taliban verbreiten Terror
Do.28.08.03 - Wie
Verzweiflungstaten versprengter Extremisten wirken die Angriffe
wahrlich nicht mehr. Mit hunderten Kämpfern, ausgerüstet mit
Raketen, Granaten und automatischen Waffen, greifen mutmaßliche
Taliban seit Tagen afghanische Sicherheitskräfte an - nur mit Hilfe
von US-Kampfjets können die Rebellen überhaupt noch bezwungen
werden.
Während die Weltöffentlichkeit gebannt auf den Irak blickt,
erlebt Afghanistan die schlimmste Welle der Gewalt seit dem Sturz des
radikalislamischen Taliban-Regimes Ende 2001. Dass sich die Kämpfer
der Taliban und des Terrornetzwerks El Kaida knapp zwei Jahre nach den
Anschlägen vom 11. September neu formiert haben, daran besteht in
Afghanistan kaum noch ein Zweifel.
In den vergangenen zwei Wochen wurden mindestens 150 Menschen bei den
Kämpfen vor allem im Süden und Osten Afghanistans
getötet. Kaum mehr ein Tag vergeht, ohne dass US-geführte
Koalitionstruppen, afghanische Sicherheitskräfte,
Hilfsorganisationen oder Zivilisten angegriffen werden. Über
Stunden besetzen mutmaßliche Taliban Grenzposten und
Polizeistationen, aus dem Hinterhalt erschießen sie Soldaten und
hochrangige Polizeioffiziere. Die Rebellen greifen Armeestützpunkte
mit Raketen an, sprengen Busse voller Zivilisten in die Luft oder
eröffnen das Feuer auf Fahrzeuge von Minenräumern.
Immer lauter werden die Warnungen, dass das Land am Hindukusch auf dem
Weg zu echtem Frieden und Demokratie bitterlich scheitern könnte.
Das wäre auch eine dramatische Niederlage des Westens - allen voran
der USA in ihrem Kampf gegen den Terror, aber auch Deutschlands, das
sich wie kaum ein anderer Staat für Frieden und Sicherheit am
Hindukusch engagiert.
Es mache keinen Sinn, nur in der Hauptstadt Kabul und deren Umgebung
relative Stabilität zu haben, "wenn in den übrigen Regionen
des Landes andere, vor allem terroristische Gruppen, Taliban-
Anhänger, weiter die Macht ausüben", hatte
Bundesverteidigungsminister Peter Struck kürzlich gesagt. Der neue
Kommandeur der Internationalen Schutztruppe in Afghanistan (ISAF), der
deutsche NATO-General Götz Gliemeroth, warnt vor einem "Kabulistan"
- einem Streifen Land um die Hauptstadt herum, in der Sicherheit
herrscht, während der Rest des Landes in Gewalt versinkt.
Wie "Kabulistan" möglicherweise zu verhindern wäre, glauben
eigentlich alle zu wissen: Indem man den Auftrag der Schutztruppe, in
Kabul und Umgebung für Sicherheit zu sorgen, auf das ganze Land
ausdehnen würde. Nach früheren ISAF-Schätzungen
wären dafür zu den derzeit rund 5500 Soldaten etwa 10 000
weitere nötig. Doch diese Truppen will niemand zur Verfügung
stellen.
Stattdessen wird nun eine Art Minimallösung probiert, die nicht so
teuer ist und an der sich auch Deutschland beteiligen will: Mit kleinen
Wiederaufbauteams aus Soldaten und Aufbauhelfern soll Sicherheit in die
Provinzen getragen werden. Dass ihre jüngsten Ziele im
Verantwortungsbereich eines US-Wiederaufbauteams liegen, hat zumindest
die Taliban nicht von Angriffen abgeschreckt.
Ob es gelingt, die Sicherheit in die Provinzen zu bringen, wird sich
schon bald zeigen. Im Juni kommenden Jahres steht mit den für dann
geplanten ersten freien Wahlen Afghanistans ein Meilenstein im
Friedensprozess an. Sollten die Wahlen aber nicht pünktlich
stattfinden, droht ein Machtvakuum - und damit eine Katastrophe. Denn
Präsident Hamid Karsai und sein Kabinett sind nur eine
Übergangsregierung, der im Juni 2002 von der Loja Dschirga, der
großen Ratsversammlung, ein Mandat für zwei Jahre erteilt
wurde. Sollten die Wahlen aus Sicherheitsgründen auf die lange Bank
geschoben werden und die Regierung keine Handlungsbefugnis mehr haben,
sieht ISAF-General Gliemeroth schwarz: "Ich wage mir nicht auszumalen,
welchen Weg das nehmen würde", sagt er.
(Quelle: dpa)
Rentenversicherten
droht offenbar kräftige Beitragserhöhung
Do.28.08.03 -
Entgegen den Beteuerungen der Politik droht den Rentenversicherten nach
Informationen der "Berliner Zeitung" im nächsten Jahr eine
kräftige Beitragserhöhung. "Nach den Einnahmen der
gesetzlichen Rentenversichung zu urteilen, ist zum 1. Januar 2004 eine
Beitragserhöhung auf 19,9 Prozent erforderlich", zitierte die
Zeitung eine Sprecherin des Verbandes Deutscher
Rentenversicherungsträger. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement
(SPD) stellte sich hinter den Vorschlag der Rürup-Kommission, das
Rentenalter auf 67 Jahre anzuheben.
Die Einnahmen der Rentenkassen fielen wegen der schlechten
Wirtschaftslage und der damit verbundenen hohen Arbeitslosigkeit "nicht
so hoch wie erwartet" aus, sagte die Sprecherin des Verbandes Deutscher
Rentenversicherungsträger.
Auch die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte schließe
einen Beitragsanstieg nicht aus. "Wenn keine Sparmaßnahmen
ergriffen werden, wird der Rentenversicherungsbeitrag nach Maßgabe
der gesetzlichen Vorschriften und den vorläufigen Berechungen des
Schätzerkreises auf 19,9 Prozent steigen müssen", sagte ein
BfA-Sprecher der Zeitung. Nach einer Erhöhung zum Jahresanfang
liegt der Beitragssatz derzeit bei 19,5 Prozent.
"Ich halte es für wahrscheinlich, dass wir das Eintrittsalter auf
67 Jahre erhöhen müssen", sagte Clement am Mittwochabend in
der ARD-Sendung "Gabi Bauer" und stellte sich damit gegen
Rürup-Kritiker in der eigenen Partei. Über kurz oder lang
werde es zu einer "Kombination aus hartem demografischem Faktor und
Heraufsetzung des Rentenalters" kommen.
Die eingeleiteten Reformen würden Deutschland verändern,
sagte Clement. Die deutsche Gesellschaft habe zu lange mit
grundsätzlichen Veränderungen gewartet. "Wir haben in der
Vergangenheit von der Substanz gelebt - auf Kosten nachfolgender
Generationen." Die Rürup-Kommission zur Reform der sozialen
Sicherungssysteme in Deutschland übergibt im Laufe des Tages in
Berlin ihren Abschlussbericht an Bundessozialministerin Ulla Schmidt
(SPD).
(Quelle: afp)
Designierter
IG Metall-Chef kündigt Proteste gegen Reformen an +++ Peters:
Sind und bleiben außerparlamentarische Opposition
Do.28.08.03 - Der
designierte IG-Metall-Chef Jürgen Peters hat neue Proteste gegen
die Reformpläne der Bundesregierung für den Fall
angekündigt, dass sie nicht zu Änderungen bereit sei. Damit
bezog er zum weiteren Kurs der IG Metall eine andere Position als sie
von seinem designierten Stellvertreter, dem Stuttgarter Bezirkschef
Berthold Huber, bekannt ist.
"Wir werden Gespräche (mit der Regierung) führen, aber wenn
dies keine Aussicht auf Erfolg hat, auch öffentlichen Druck
mobilisieren müssen", sagte Peters der "Frankfurter Allgemeinen
Zeitung" (FAZ) vom Mittwoch. Die IG Metall habe bei Gesprächen mit
der Regierung schon mehrfach ihre Kritik an den Reformplänen
vorgebracht. "Doch wenn ich die Agenda 2010 aufschlage, finde ich davon
nichts wieder." Das mache ihn wütend, sagte Peters. Deswegen
müsse die IG Metall so schnell wie möglich aus der
Beschäftigung mit sich selbst herauskommen und wieder mit
möglichst kraftvoller Stimme sprechen.
Peters forderte unter anderem für die Gesundheitsreform eine
Pflichtversicherung für alle Erwerbstätigen und eine
Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze. Kritik äußerte er
auch an den geplanten Regelungen zum Krankengeld. Vergangene Woche
hatten sich Regierung und Opposition auf eine Reform des
Gesundheitswesens verständigt.
Vor allem die IG Metall und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi
hatten im Mai zu massiven Protesten gegen die Agenda 2010 aufgerufen,
doch war die Resonanz damals eher gering. Am Ende mussten die beiden
größten DGB-Gewerkschaften einräumen, dass ihr
Widerstand gegen die Reformpläne der Regierung weitgehend
wirkungslos war, ihr Ansehen in der Öffentlichkeit aber gelitten
hatte. Seitdem setzt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) stärker
darauf, Einfluss auf die parlamentarische Debatte um die Sozialreformen
zu nehmen. DGB-Chef Michael Sommer hatte die Kritik der Gewerkschaften
insbesondere beim Thema Gesundheit in einem Reuters-Interview
kürzlich bekräftigt. Er sei jedoch weit entfernt davon, die
nächste Protestwelle anzukündigen.
Huber hatte in einem seiner seltenen Interviews vor Kurzem Fehler der
IG Metall in der Reformdebatte eingeräumt und stärker die
Notwendigkeit zum Dialog mit der Politik betont. Von ihm ist auch
bekannt, dass er die IG Metall weniger als außerparlamentarische
Opposition betrachtet als Peters dies tut.
Peters dagegen wiederholte in dem "FAZ"-Interview seine Position: "Wir
sind und bleiben eine außerparlamentarische Kraft." Ob dies den
Gewerkschaften gelinge, hänge allerdings davon ab, "wie sich die
Dinge entwickeln". Die IG Metall gilt seit ihrem wochenlang
öffentlich geführten Führungsstreit als geschwächt.
Im Juli, dem Hauptmonat der Auseinandersetzungen um die Verantwortung
für das Scheitern des Streiks in Ostdeutschland, kehrten 28.168
Metaller der Gewerkschaft den Rücken. Die ist mit knapp 2,6
Millionen Mitgliedern aber weiterhin weltgrößte
Industriegewerkschaft.
Für den vorgezogenen Gewerkschaftstag am Wochenende in Frankfurt
äußerte sich Peters zuversichtlich. Er appellierte an die
Delegierten, die Einigung zwischen ihm und Huber als Chance für
einen Neuanfang zu begreifen. Es könne allerdings sein, dass sich
einige noch nicht an diese Vorstellung gewöhnt hätten und
ihnen einen Denkzettel verpassen wollten, sagte Peters.
In einem vorab veröffentlichten Interview des Magazins "Stern"
sagte Peters, einer möglichen Gegenkandidatur sehe er gelassen
entgegen. Aber: "Natürlich bin ich nervös vor dem kommenden
Sonntag." Er müsse in seiner Rede den richtigen Ton treffen. Am
Dienstag hatte der Porsche- Betriebsratschef Uwe Hück von einer
Kampfkandidatur gegen Peters auf Druck der Stuttgarter Bezirksleitung
Abstand genommen.
Peters ist unter anderem wegen der Strategie beim Streik in der
ostdeutschen Metallindustrie innerhalb der IG Metall umstritten.
Während der Auseinandersetzung war Peters deshalb zum
Rücktritt aufgefordert worden. Allerdings trat dann IG-Metall-Chef
Klaus Zwickel zurück. In mühsamen Gesprächen zwischen
Peters und Huber wurde schließlich ein Kompromiss vereinbart.
(Quelle: rtr)
208.600
Hochschulabsolventen im vergangenen Jahr +++ Zahl der Physiker,
Chemiker und Ingenieure geht weiter zurück
Do.28.08.03 - Die
Zahl der frischgebackenen Physiker, Chemiker und Ingenieure hat im
vergangenen Jahr weiter abgenommen. Besonders im Studienfach Physik ging
die Absolventenzahl mit einem Minus von 9,2 Prozent deutlich
zurück, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden
mitteilte. In Chemie gab es 5,9 Prozent weniger Hochschulabgänger,
in den Ingenieurswissenschaften Elektrotechnik (minus 5,4 Prozent) und
Maschinenbau/Verfahrenstechnik (minus 3,2 Prozent) hielt ebenfalls der
Mitte der 90er Jahre begonnene Abwärtstrend an. Dagegen stieg die
Absolventenzahl in der Informatik mit einem Plus von 8,9 Prozent erneut
an.
Nach Angaben der Statistiker schlossen im vergangenen Jahr insgesamt
208.600 Studenten ihre Prüfungen erfolgreich ab, womit sich die
Zahl mit einem kleinen Zuwachs von 0,2 Prozent kaum veränderte.
Unter den Absolventen waren 98.100 Frauen, was einen Anteil von 47
Prozent ausmacht. 93 Prozent der Hochschulabsolventen waren Deutsche. Im
Mittel verbrachten diese sechs Jahre an den Hochschulen, wobei die
Studiendauer für das eigentliche Fach durchschnittlich 5,3 Jahre
betrug. Dabei brauchten die Uni-Abgänger mit 5,8 Jahren
Fachstudiendauer deutlich länger als Abgänger von
FachhochschulenJahre). Der Altersdurchschnitt der Absolventen lag bei 28
Jahren.
44 Prozent der Abgänger machten Universitätsdiplome oder
vergleichbare akademische Grade, 32 Prozent ein Fachhochschuldipolom,
elf Prozent beendeten ein Lehramtsstudium, ebenfalls elf Prozent ein
Promotionsstudium und zwei Prozent machten einen Bachelor oder Master.
Mit 33 Prozent sind die meisten Absolventen Rechts-, Wirtschafts- oder
Sozialwissenschaftler. Mit einem Anteil von jeweils 17 Prozent
verließen genauso viele Ingenieure wie Sprach- und
Kulturwissenschaftler die Hochschulen. Mathematiker/Naturwissenschaftler
machten 14 Prozent der Abgänger aus, neun Prozent waren
Humanmediziner. Weitere neun Prozent machten ihren Abschluss in anderen
Fächern.
(Quelle: afp)
«Monopole bitten zur Kasse»
«Das
Europaparlament berät eine neue Richtline der EU, die auch Patente
für Software erlaubt.
In den USA ist das schon lange möglich, und die Schäden
für den freien Wettbewerb sind verheerend...»
Mehr in der heutigen Ausgabe der Tageszeitung (28.08.03):
http://www.taz.de/pt/2003/08/28/a0201.nf/text
«Chinas Schulen verbannen MS-Office»
«2.000
Schulen in Schanghai steigen auf chinesische Kingsoft-Software um |
Wegen geforderter Nachzahlung von Lizenzgebühren...»
Mehr bei "futurezone" (27.08.03):
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=181449&tmp=96840
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