Aktuelle Nachrichten
Irak am hundertneunundsechzigsten Tag nach Kriegsbeginn
USA werben um internationale Beteiligung im Irak. Erweiterte
Irak-Truppe soll jedoch weiter unter militärischem US-Oberkommando
bleiben +++ US-Entwurf für neue Irak-Resolution +++ Heftiger
rot-grüner Streit in Deutschland über Irak-Einsatz +++
Deutscher Kanzler Schröder schließt militärisches
Engagement im Irak weiterhin aus +++ Großbritannien:
Verteidigungsminister Straw fordert angeblich 5000 zusätzliche
britische Soldaten in Irak
Do.04.09.03 - Die USA drängen auf eine rasche Verabschiedung einer neuen
UNO-Resolution zum Irak. Mit ihrem Entwurf der Irak-Resolution
verknüpfen die USA nach Angaben von US-Außenminister Colin
Powell die Hoffnung, dass sich weitere UNO-Mitglieder bereit finden
werden, eigene Soldaten unter UNO-Mandat in den Irak zu entsenden.
Wie Powell am Mittwoch bekräftigte, soll die im US-Entwurf
angestrebte, erweiterte Irak-Truppe allerdings weiter unter dem
militärischen Oberkommando der USA bleiben. Zuvor hatte Powell mit
den Außenministern Deutschlands, Großbritanniens, Russlands
und Frankreichs telefoniert. Deutschland, Russland, Frankreich und
China gehörten zu den schärfsten Kritikern des von den USA
angeführten Irak-Kriegs.
"Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, mit uns zusammen zu
gehen", sagte Powell vor Journalisten in Washington. "Wir hoffen, dass
(der Resolutionsentwurf) mehr Länder ermutigt, oder es einigen
Ländern erleichtert (...) nun einen solchen Beitrag zu leisten."
Powell stellte klar, dass es bei dem Oberbefehl der USA bei der
multinationalen Truppe bleiben werde. Es werde in der Resolution aber
ein Element enthalten sein, dass die USA als Führer der
militärischen Koalition zu regelmäßigem Bericht an die
UNO verpflichten werde. Bei der dominierenden Rolle der USA werde es
jedoch bleiben. Powell begründete dies unter anderem mit der hohen
US-Präsenz im Irak, fügte aber hinzu: "Aber es gibt viele
Rollen zu spielen."
US-Präsident George W. Bush habe sich für eine erweiterte
Rolle der UNO im Irak ausgesprochen, hatte zuvor der
niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende nach
einem Treffen mit Bush mitgeteilt. Bush habe erklärt, dass er
bereit sei, dem UNO-Kurs einer größeren Verantwortung
für die UNO zu folgen. Nach Auskunft von Diplomaten dürfte
der von den USA erarbeitete Resolutionsentwurf unter anderem die
Aufforderung an die Interimsregierung im Irak enthalten, einen Zeitplan
für Wahlen zu erstellen, über deren
ordnungsgemäßen Ablauf dann die UNO wachen soll.
Der deutsche UNO-Botschafter Gunter Pleuger sagte, Deutschland
wünsche sich eine zentrale Rolle der Vereinten Nationen im Irak,
und wenn dies das Ergebnis einer neuen Resolution sei, dann würde
dies begrüßt werden. Der stellvertretende französische
UNO-Botschafter Michel Duclos sagte, Paris erwarte einen Zeitplan, der
zugleich das Ende der Besatzung Iraks erkennbar mache.
Die neue Resolution solle möglichst noch vor der letzten
Septemberwoche angenommen werden, wenn Bush vor der UNO-Vollversammlung
spreche, sagten Diplomaten in New York.
Arabische Nationen sowie Indien, die Türkei, Pakistan, Bangladesch
und andere hatten es bislang abgelehnt, Soldaten ohne
ausdrückliches UNO-Mandat in den Irak zu entsenden.
Der Resolutionsentwurf der USA entspricht einem Vorschlag, den Powell
und sein britischer Kollege Jack Straw am 22. August mit
UNO-Generalsekretär Kofi Annan erörtert hatten. Die
angestrebte internationale Truppe wäre vergleichbar mit der
Nato-geführten Bosnien-Schutztruppe, die mit einem UNO-Mandat
ausgestattet ist, aber faktisch vom US-Militär geführt wird.
Die Resolution würde es den USA ermöglichen, ihre
Truppenstärke zu reduzieren, was vor allem Kosten sparen
würde. Angesichts steigender Kosten und fast täglicher
Angriffe auf ihre Soldaten dringen die USA schon seit längerem auf
ein verstärktes internationales Engagement zur Stabilisierung des
Irak. Gegenwärtig sind dort etwa 150.000 US-Soldaten und 11.000
britische Soldaten stationiert. Andere Verbündete, darunter Polen,
haben rund 10.000 Soldaten in den Irak geschickt.
Diplomaten zufolge wurde ein Entwurf der Resolution von den USA bereits
an Großbritannien weitergeleitet. Den übrigen Mitgliedern
des UNO-Sicherheitsrats soll der Entwurf noch in dieser Woche zugehen.
Powell sagte, die ersten Reaktionen auf den Entwurf seien positiv, er
wolle es aber nicht überbewerten.
Unterdessen hat die SPD-Spitze in Deutschland den Ton gegen den
grünen Koalitionspartner in der Irak-Politik verschärft. Nach
Bundeskanzler Gerhard Schröder kritisierte auch SPD-Fraktionschef
Franz Müntefering die Grünen-Vorsitzende Angelika Beer wegen
ihrer Aussagen zu einem deutschen Irak-Einsatz. Müntefering sprach
von Äußerungen, die "schwerwiegend und unnötig" gewesen
seien. Die Grünen reagierten gelassen auf die SPD-Attacken. Beer
selbst sagte, es gebe keinen Dissens zwischen SPD und Grünen.
Schröder hatte es in Anspielung auf Beer am Vortag vor den SPD-
Abgeordneten als "zum Kotzen" bezeichnet, dass sich bei den Grünen
offensichtlich manche als Regierungs- und Oppositionspartei in einem
verstünden. Laut Müntefering hat der Kanzler damit etwas zum
Ausdruck gebracht, was viele in der SPD so empfunden hätten.
Schröder habe an dieser Stelle deshalb auch deutliche Zustimmung
erhalten. "Ich sehe da keine forcierte Schweinerei", sagte der
SPD-Fraktionschef.
Der Bundeskanzler wurde am Mittwoch von Kindern zu seinem Ausspruch
befragt. "Sie haben ja wortwörtlich gesagt, Sie kotzen auf die
Grünen - wie meinen Sie das?", fragte ein neugieriger Schüler
anlässlich des 15. Geburtstages der ZDF-Kindersendung "logo".
Schröder versuchte, sich mit einem Lachen aus der Affäre zu
ziehen: "So etwas habe ich nie gesagt, da kannst Du dich drauf
verlassen."
In der SPD-Fraktion war der Ausbruch des Kanzlers mit Erstaunen zur
Kenntnis genommen worden. Viele fragten sich, warum der Regierungschef
auf eine Interview-Äußerung Beers mit solcher Schärfe
reagierte. Beer hatte gesagt, "wenn es ein klares UN-Mandat gibt und
die Vereinten Nationen die Federführung übernehmen, muss auch
Deutschland überprüfen, inwieweit es eine Befriedung des Irak
politisch und militärisch unterstützen kan"».
Der deutsche Vizekanzler und Außenminister Joschka Fischer lehnte
am Mittwoch im oberbayerischen Miesbach einen Kommentar zu
Schröders Äußerungen ab, nannte aber das
Koalitionsklima "hervorragend". In Miesbach beschäftigt sich die
Grünen-Bundestagsfraktion in einer Klausurtagung bis Freitag mit
künftigen Reformprojekten.
Für die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt sind
Schröders Äußerungen "kein Problem". Die frühere
Parteichefin und jetzige Menschenrechtsbeauftragte Claudia Roth sagte
mit Blick auf Schröder: "Über uns braucht er sich nicht zu
ärgern. Wir sind eine gute Unterstützung für die
rot-grüne Koalition".
Beer präzisierte nach Schröders Kritik ihre Position zu einem
deutschen Irak-Einsatz. Falls es ein "umfassendes Mandat für die
Vereinten Nationen geben sollte, werden alle UN-Mitglieder prüfen,
ob und wie sie sich beteiligen können und wollen, auch
Deutschland", sagte sie dem Bonner "General-Anzeiger" (Mittwoch).
Selbst wenn ein solches Mandat zu Stande komme, stelle sich "die Frage
einer deutschen militärischen Beteiligung" nicht.
Fischer sagte zu einem deutschen Irak-Einsatz lediglich, die Frage
stelle sich nicht. Es sei eine politische Entscheidung gewesen, sich im
Irak nicht zu beteiligen.
Bundeskanzler Gerhard Schröder schließt einen
Militäreinsatz im Irak weiterhin aus. "Meine Regierung hat keine
Pläne für ein militärisches Engagement im Irak",
bekräftigte der Kanzler in Halle. Deutschland helfe in vielen
Bereichen der Welt, sagte Schröder mit Blick auf die Ausweitung
des Engagements in Afghanistan. Nach dem Krieg im Irak gehe es jetzt
darum, dass der Stabilisierungsprozess und der Wiederaufbau gelinge.
Dazu müsse aber der UNO eine größere Rolle zukommen als
bisher, sagte Schröder.
Der britische Außenminister Jack Straw hat einem Pressebericht
zufolge von Premierminister Tony Blair die Entsendung von rund 5000
zusätzlichen britischen Soldaten nach Irak verlangt. Straw habe
vor einem "strategischen Versagen" bei den Friedensbemühungen
gewarnt, falls die britischen Truppen nicht verstärkt würden,
berichtete die Tageszeitung "Daily Telegraph" am Donnerstag unter
Berufung auf Notizen von Ministeriumsmitarbeitern. Der Minister halte
die derzeit etwa 10.500 in Irak stationierten Briten für nicht
ausreichend, um die nötige Wiederaufbauarbeit zu leisten.
(Quellen: afp, dpa, rtr)
«Irak-Resolution: Die UNO als Kriegskasse der US-Regierung»
«Bush will Leichen aus vielen Ländern sehen»
«Eine neue UN-Resolution für den Irak soll nun offenbar die
internationale Basis für die US-Militäroperation verbreitern.
Manche Oppositionspolitiker in Berlin, denen die deutsche
Zurückhaltung im Irak ohnehin nicht passt, werden das als Zeichen
erfreulicher Kompromissbereitschaft der USA werten. Zu Unrecht. Es
handelt sich um einen dreisten Versuch, Risiken und Kosten eines
verantwortungslosen Angriffskrieges abzuwälzen - und die
Fäden dennoch in der Hand zu behalten...» ("tageszeitung"
vom 04.09.03)
Mehr unter:
http://http://www.taz.de/pt/2003/09/04/a0113.nf/text
Hintergrund: UN spielte bisher nur Nebenrolle
Do.04.09.03 - Zum Irak nach Ende der größeren Kampfhandlungen liegen
bisher zwei UN-Resolutionen vor, die den Vereinten Nationen allerdings
nur eine Nebenrolle einräumen. Die Resolution 1483 des
Sicherheitsrats vom 22. Mai bescheinigt den Besatzungsmächten USA
und Großbritannien Machtbefugnisse bei der politischen und
wirtschaftlichen Entwicklung des Landes gibt. In der
Entschließung 1500 vom 14. August wird die Schaffung einer
Mission (UNAMI) beschlossen, die den Generalsekretär in der
Irak-Politik unterstützen soll.
Die Entschließung 1483 gesteht UN-Generalsekretär Kofi Annan
die Entsendung eines Sonderbeauftragten zu. Der erste Amtsinhaber
Sergio Vieira de Mello wurde am 19. August bei einem Bombenanschlag auf
das UN-Quartier in Bagdad ermordet. Zu den Rechten der UN gehört
auch, dass der Sicherheitsrat innerhalb eines Jahres die Situation im
Lande überprüfen kann.
Die formell anerkannten «besonderen Befugnisse, Verantwortungen
und Verpflichtungen» der Besatzungsmächte sind zeitlich
nicht begrenzt. Die Hilfe anderer UN-Mitgliedstaaten bei der
Herstellung von Stabilität und Sicherheit im Irak wird
ausdrücklich «begrüßt».
Die Resolution hebt frühere Irak-Sanktionen mit Ausnahme eines
Waffenembargos auf. Zum Wiederaufbau dürfen die USA und
Großbritannien über die Einnahmen aus dem jetzt erlaubten
Export von irakischem Erdöl verfügen.
(Quelle: dpa)
|
US-Außenpolitik stößt bei Europäern auf
Unverständnis
Do.04.09.03 - Die Außenpolitik der USA stößt in der
europäischen Bevölkerung nach einer neuen Umfrage zunehmend
auf Unverständnis. In Deutschland ist die Kritik am Vorgehen von
US-Präsident George W. Bush danach besonders groß: Nur 16
Prozent der Bundesbürger sind mit Bushs Politik einverstanden, wie
aus der am heutigen Donnerstag veröffentlichten Umfrage des German
Marshall Funds hervorgeht. Bei den Franzosen waren es sogar nur 15
Prozent.
Zudem sind der Umfrage "Transatlantic Trends 2003" zufolge 50 Prozent
der Deutschen dagegen, dass die USA die weltweite Führungsrolle
einnehmen. Bei den Italienern ermittelte das Institut denselben Wert.
Die Franzosen lehnten eine US-Führungsrolle sogar mit 70 Prozent
ab. "Der transatlantische Streit über den Krieg in Irak hat den
Stand der Amerikaner bei den Europäern unterlaufen", heißt
es in der Analyse der Umfrage, für die Mitte Juni in jedem
untersuchten Land 1.000 Männer und Frauen über 18 Jahre
interviewt wurden.
US-Präsident George W. Bush hatte bei den Deutschen in der Umfrage
des vergangenen Jahres noch eine Zustimmung von 36 Prozent erfahren.
Seitdem sank dieser Wert um 20 Prozentpunkte. Die größte
Zustimmung genoss Bush in diesem Jahr bei den Polen (58 Prozent), den
Portugiesen (41 Prozent) und den Italienern (40 Prozent). Bei den
Briten und den Niederländern nahm die Zustimmung für Bush im
Vergleich zum vergangenen Jahr sogar zu: 35 Prozent der Briten (2002:
30) und 37 Prozent der Niederländer (2002: 28) äußerten
sich bei dieser Frage positiv.
Zudem ergab die Umfrage, dass für acht von zehn Deutschen die
Europäische Union wichtiger für ihre Interessen ist als die
USA. Im vergangenen Jahr vertraten diese Ansicht nur 55 Prozent. Und
nur neun Prozent der Deutschen erklärten, die USA nähmen eine
Schlüsselrolle für ihre vitalen Interessen ein. Abigail
Golden-Vazquez vom Marshall Fund begründete das Ergebnis
hauptsächlich mit den Erfahrungen des Irak-Konflikts. Es bleibe
abzuwarten, ob sich diese negative Einstellung der Deutschen
gegenüber den USA festigen werde.
(Quelle: ap)
Mehr Arme in den USA
Do.04.09.03 - Die Zahl der US-Amerikaner, die in Armut leben, hat sich 2002 um
weitere 1,4 Millionen auf 34,8 Millionen Menschen erhöht. Rund
jeder achte Amerikaner fällt damit inzwischen unter die
Armutsgrenze, wie die US-Zensusbehörde gestern mitteilte. Die
Behörden ermittelten zudem 12,2 Millionen arme Kinder, das sind
rund 17,2 Prozent aller Heranwachsenden.
Nach Ansicht des Sozialpolitikers Robert Greenstein ist der erneute
Anstieg der Armut auf die zunehmende Arbeitslosigkeit, eine
unzureichende Arbeitslosenversicherung und das Versagen der Regierung
zurückzuführen, Familien mit niedrigem Einkommen steuerlich
stärker zu entlasten. Ein Drei-Personen-Haushalt mit einem Kind
wird dann als arm bezeichnet, wenn sein jährliches Einkommen unter
14.480 Dollar liegt. Für einen Ledigen unter 65 Jahren liegt die
Grenze bei 9.359 Dollar.
(Quelle: ap)
Wachsende Armut in Peru
Do.04.09.03 - Die Armut in Peru hat in den vergangenen vier Jahren deutlich
zugenommen. Die Familien in dem lateinamerikanischen Land haben seit
1999 einen Rückgang ihrer durchschnittlichen Einkommen um zehn
Prozent hinnehmen müssen, wie aus einer am Mittwoch
veröffentlichten Studie des Meinungsforschungsinstituts Apoyo
hervorgeht.
Die auf der Befragung von mehr als 4.600 Haushalten beruhende
Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass 57 Prozent der Bevölkerung
mit einem durchschnittlichen Monatseinkommen von 176 Dollar (163 Euro)
oder weniger auskommen müssen. Für Nahrungsmittel geben die
Haushalte der niedrigsten Bevölkerungsgruppe im Schnitt 86 Dollar
aus - verglichen mit 436 Dollar jener zwei Prozent der
Bevölkerung, die über ein mittleres Monatseinkommen von 3.293
Dollar verfügen.
"Dies erklärt die Frustration und den Mangel an Geduld in diesem
Land", sagte Apoyo-Direktor Alfredo Torres mit Blick auf neue
Streikaufrufe. Im Mai hat eine Welle von Streiks und Unruhen
Präsident Alejandro Toledo veranlasst, den Ausnahmezustand
auszurufen.
(Quelle: ap)
Bäume in Tschernobyl verändern ihre Erbsubstanz
Do.04.09.03 - Bäume im Katastrophengebiet von Tschernobyl verändern in
Folge der radioaktiven Verstrahlung ihre Erbsubstanz. Auf diese Weise
schützten die Pflanzen ihr Genom vor einer Destabilisierung durch
Radioaktivität, berichtet die britische Fachzeitschrift "New
Scientist" (Nr. 2411, S. 10) über die Studie eines
kanadisch-ukrainisches Forscherteams.
Die Wissenschaftler hatten Waldkiefern (Pinus silvestris) untersucht,
die sie zehn Jahre zuvor als gesunde Samen in die belasteten Böden
eingepflanzt hatten. Die Forscher beobachteten dabei ein deutlich
verändertes "Methylierungsmuster" im Erbgut der Kiefern. Die an
den DNA-Strang angehängten Methyl-Gruppen beeinflussen unter
anderem die Gen- Aktivität.
Die in kontaminierte Erde nachgepflanzten Bäume hätten diese
Methylierung um 30 Prozent im Vergleich zu einem gesundem Umfeld
verstärkt, berichten Olga Kovalchuk von der Universität von
Lethbridge (Alberta) sowie Andrey Arkhipov und Nikolai Kuchma vom
Tschernobyl-Zentrum (Ukraine). Ähnliches sei bei 40-jährigen
Kiefern festzustellen, die die Katastrophe überlebt hatten.
"Methylierung ist eine Antwort auf Stress, die einer Genom-
Instabilität vorbeugt und das Überleben in extrem feindlicher
Umgebung ermöglicht", erklärte Kovalchuk der Zeitschrift. Die
Ergebnisse des Teams sollen im Fachjournal "Mutation Research"
veröffentlicht werden.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv
«Tschernobyl-Aids»
Fr. 26.04.2002 - Sechzehn Jahre nach dem Reaktor-Gau in der Ukraine -
In der Nacht am 26. April 1986 ereignete sich in Tschernobyl
ein Reaktor-Gau. Die bislang größte Katastrophe in der friedlichen Nutzung der Kernenergie
traf Millionen Menschen. Die ukrainischen Behörden haben rund 4300
Todesfälle als direkte Folge des Unglücks anerkannt. Die Gesamtzahl beläuft sich
nach inoffiziellen Schätzungen auf 170000. Der Katastrophenreaktor von Tschernobyl
verseucht noch immer seine Umgebung mit radioaktiver Strahlung...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-muenchen/n0204260.htm#top
|
Rot-grüner Streit um künftige Energiepolitik +++ Clement
räumt fossilen Energien «größte Bedeutung»
ein
Do.04.09.03 - Beim koalitionsinternen Streit um die künftige Energiepolitik ist
keine Klärung in Sicht. Die SPD-Fraktion diskutierte die
umstrittenen Vorschläge von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement
am Mittwoch während ihrer Klausur, fasste aber keine
Beschlüsse, wie Fraktionschef Franz Müntefering in Berlin
berichtete. Die Grünen erneuerten derweil ihre Kritik an Clements
Vorstellungen.
Müntefering berichtete, Clement räume den klassischen
fossilen Brennstoffen Kohle, Gas und Öl weiter "größte
Bedeutung" ein. Doch wolle Clement auch die erneuerbaren Energien
"stärker einsetzen als bisher". Fraktionsvize Michael Müller
habe betont, dass vor allem beim Energiesparen noch erhebliche
Potenziale brach lägen. "Da müssen wir ran", meinte
Müntefering.
Clement hatte vor der Klausur für Unruhe bei den Grünen
gesorgt, als er eine radikale Umstellung und Kürzung der
Förderung von Strom aus erneuerbaren Energien wie Wind, Sonne,
Biomasse oder Erdwärme vorschlug. In einem Grundsatzpapier
Clements wird vor allem auf die hohen Kosten der
Ökostrom-Förderung und die Bedeutung einer billigen
Stromversorgung hingewiesen.
Grünen-Umweltpolitiker Reinhard Loske nannte Clements Positionen
im Deutschlandradio "paradox und sehr einseitig". "Wer bei
Zukunftstechnologien die Nase vorn hat, der wird auch auf den
Weltmärkten eine Rolle spielen", betonte Loske. Deutschland habe
bei den erneuerbaren Energien die Rolle eines Weltmarktführers.
"Insofern wäre es gut, wenn man diese rot-grüne
Erfolgsgeschichte nicht so stark herunterreden würde, wie Herr
Clement es tut."
Auch SPD-Fraktionsvize Müller distanzierte sich von Clements
Sicht. "Es geht nicht nur um den Preis der heutigen Energie, sondern
darum, dass es künftig optimal wird", sagte Müller im WDR.
Nur mit erneuerbaren Energien könne man Herausforderungen wie die
Abhängigkeit vom Öl der Golfregion, die ökologischen
Folgen und die wirtschaftliche Entwicklung meistern, meinte
Müller. Die Forderung der Union nach einem Wiedereinstieg in die
Atomkraft nannte Müller eine Geisterdiskussion.
Müntefering sagte, die Debatte während der Fraktionsklausur
solle als Grundlage für das Gesetzgebungsverfahren für das
neue Erneuerbare Energien Gesetz und die Regulierung der
Energiemärkte dienen. Beides steht für die kommenden Monate
an.
(Quelle: ap)
Atomkraftgegner besetzen mögliches Endlager Gorleben
Do.04.09.03 - Das geplante Atommülllager Gorleben ist am Mittwoch von rund einem
Dutzend Atomkraftgegnern besetzt worden.
Nach Polizeiangaben waren sie am Vormittag als Besuchergruppe in das so
genannte Erkundungsbergwerk eingefahren. In rund 840 Meter Tiefe
hätten die zehn Männer und drei Frauen dann erklärt,
dass sie das Bergwerk vorläufig nicht wieder verlassen
würden, sagte ein Polizeisprecher. In einer von der
Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg verbreiteten
Erklärung forderten die Besetzer umgehend ein Gespräch mit
Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) über die
Suche nach einem neuen Endlagerstandort.
Trittin ließ am Nachmittag erklären, die Besetzer
könnten sich vor Ort darüber vergewissern, dass am Salzstock
Gorleben derzeit nicht mehr gearbeitet werde, wie dies die
rot-grüne Bundesregierung um Rahmen des Atomkonsens mit der
Energiewirtschaft Mitte 2000 vereinbart habe. Der Minister ebenso wie
der Präsident des Bundesamtes, Wolfram König, den die
Besetzer ebenfalls umgehend sprechen wollten, hätten sich stets
dialogbereit gezeigt. Auf die Forderung nach einem sofortigen Treffen
ging das Ministerium in seiner Erklärung nicht ein.
Die Besetzer kritisierten in ihrer Erklärung, dass der Standort
Gorleben im Atomkonsens weiterhin als "eignungshöffig" bezeichnet
wurde, obgleich sich SPD und Grüne im Bund wie auf Landesebene in
der Vergangenheit wiederholt gegen ein Endlager Gorleben ausgesprochen
hatten. Sie forderten die Bundesregierung auf, die Energiewirtschaft
stärker bei der Suche nach Alternativen zu Gorleben in die Pflicht
zu nehmen. Zudem müssten Trittin und das BfS, definitiv
erklären, dass der Gorlebener Salzstock für die Lagerung
hochradioaktiver Abfälle nicht geeignet sei. In der Wissenschaft
ist die Eignung des Standortes seit mehr als zwei Jahrzehnten
umstritten.
Nach rund elf Stunden hat die Polizei am Abend die Besetzung beendet.
(Quelle: dpa)
Union macht EU-Beitritt der Türkei zum Wahlkampfthema
+++ Türkischer Ministerpräsident appelliert an deutsche
Parteien, von einer Behandlung des Themas im Wahlkampf
abzusehen +++ Stoiber und Teufel gegen EU-Beitritt der Türkei
Do.04.09.03 - Die Union will den möglichen EU-Beitritt der Türkei zum Thema
im Europawahlkampf machen. CDU-Chefin Angela Merkel kündigte am
Mittwoch nach einem Gespräch mit dem türkischen
Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Berlin an, dass ihre
Partei die Beitrittsfrage "in verantwortungsvoller Weise" und im Geiste
der deutsch-türkischen Freundschaft auf die Tagesordnung setzen
werde. Gleichzeitig bekräftigte sie ebenso wie CSU-Chef Edmund
Stoiber die ablehnende Haltung der Union zu einer EU-Mitgliedschaft der
Türkei.
Erdogan appellierte an die deutschen Parteien, von einer Behandlung des
Themas im Wahlkampf abzusehen. "Bitte versucht den Beitritt der
Türkei in die EU nicht als Wahlkampfstoff zu nutzen", sagte er auf
einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Merkel. Außenminister
Joschka Fischer kritisierte die Haltung der Union als "zutiefst
unvernünftig" und "extrem kurzsichtig". Zuvor hatte Bundeskanzler
Gerhard Schröder der Union "billige Polemik" und
"Wahlkampfgetöse" vorgeworfen.
Die EU entscheidet Ende 2004 über die Aufnahme von
Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. Die Europawahl ist Mitte
nächsten Jahres. Erdogan hatte in den vergangenen drei Tagen bei
seinem ersten Deutschlandbesuch als Ministerpräsident eindringlich
um deutsche Unterstützung für eine EU-Mitgliedschaft
geworben. Deutschland komme eine Schlüsselrolle bei der
Entscheidung zu. Der Weg der Türkei in die Europäische Union
sei ein "unwiderruflicher Prozess".
Merkel betonte, die Skepsis der Union habe nichts damit zu tun, dass
die Türkei ein islamisches Land sei. Stattdessen machte sie
finanzielle und wirtschaftliche Aspekte und die im Mai 2004 anstehende
EU-Erweiterung als Argumente gegen einen EU-Beitritt der Türkei
zum jetzigen Zeitpunkt geltend. Die Frage könne "natürlich"
auch im Wahlkampf angesprochen werden, sagte sie.
Auch Stoiber und der baden-württembergische Ministerpräsident
Erwin Teufel (CDU) wandten sich deutlich gegen eine EU-Mitgliedschaft
der Türkei. "Verhandlungen über einen EU-Beitritt der
Türkei kommen nicht in Betracht", erklärte Stoiber laut
"Süddeutscher Zeitung".
Fischer unterstützte dagegen die Beitrittswunsch der Türkei.
"Wir dürfen die europäische Tür der Türkei nicht
zuschlagen", sagte er. Der Union warf er vor, von ihrer traditionellen
Haltung, wie sie noch unter Bundeskanzler Helmut Kohl gegolten habe,
abzuweichen.
Erdogan äußerte die Hoffnung, dass es bei weiteren
Gesprächen mit der CDU zu einer Annäherung der Positionen
kommen werde. Merkel will Anfang kommenden Jahres auf Einladung des
Ministerpräsidenten in die Türkei reisen.
Zum Abschluss seines Deutschlandbesuchs traf Erdogan am
Mittwochnachmittag Vertreter von amnesty international, Pro Asyl, Pax
Christi und der Evangelischen Kirche. Amnesty wies dabei nach eigenen
Angaben darauf hin, dass sich trotz der eingeleiteten Reformen die
Menschenrechtslage in der Türkei nicht wirklich verbessert habe.
Die Organisation verwies dabei vor allem auf Folter in der Polizeihaft.
Erdogan erklärte sich laut amnesty bereit, den Dialog mit den
Menschenrechtsorganisationen fortzusetzen. Es war das erste
Gespräch zwischen der türkischen Regierung und amnesty seit
Jahren.
(Quelle: ap)
Geplante Einschränkung des Kündigungsschutzes: DGB
fürchtet hire and fire
Do.04.09.03 - Nach Ansicht des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ist die geplante
Einschränkung des Kündigungsschutzes verfassungsrechtlich
problematisch. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula
Engelen-Kefer kritisierte gestern in Berlin, der Sozialstaat werde
ausgehöhlt, ohne dass sich durch die Reformen eine Aussicht auf
neue Arbeitsplätze eröffne.
Einem DBG-Gutachten zufolge verstoßen die geplanten Regelungen
zur Einschränkung des Kündigungsschutzes in Kleinbetrieben
gegen den Gleichheitsgrundsatz in der Verfassung. Nach dem
Gesetzentwurf, der am Montag im Fachausschuss des Bundestages beraten
wird, soll der Kündigungsschutz künftig auch in
Kleinbetrieben mit mehr als fünf Beschäftigten nicht gelten,
sofern jeder zusätzliche Mitarbeiter befristet eingestellt wird.
Dem Gutachten zufolge sind bereits jede dritte Neueinstellung und ein
Viertel aller bestehenden Stellen befristet.
(Quelle: epd)
«Informationstechnologie als Herrschaftstechnik«
Teil 1: Das
Innenleben der Softwareberatung
Ein Gespräch mit Ingo Ochs
«"Internationalisierung und Vernetzung von Kommunikations- und
Kontrolltechnologien = mehr Überblick über die Produktion,
Aufhebung des Fordismus, Ende der Arbeitsteilung, flachere Hierarchien,
mehr Autonomie und mehr Kooperation". So etwa lautet die Formel
für den "Nintendo-Sozialismus", mit dem Teile der Linken sich
wieder auf der Hauptstraße der Weltgeschichte wähnten. Grund
genug, sich die Branche anzusehen, die – wenn man so will – die
"Software" bereitstellt für alles, was mit "globaler Vernetzung"
in den und um die Unternehmen zu tun hat – die Beratungsunternehmen
für Informationstechnologie (IT). Ingo Ochs ist "IT-Berater" in
einem großen Dienstleister dieser Branche, nennen wir ihn
"Plug&Play".
Seine Erfahrungen zeigen, daß vom Ende der Arbeitsteilung oder
dem Beginn der Selbstbestimmung am Arbeitsplatz keine Rede sein
kann....» ("Junge Welt" vom 04.09.03)
Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/09-04/005.php
Informationstechnologie als Herrschaftstechnik – ein Gespräch mit Ingo Ochs. Teil 2: Der Kundenauftrag:
http://www.jungewelt.de/2003/09-06/004.php
«Der Wert der Ware Arbeitskraft»
Mit High-End-Technik und hoher Produktivität behaupten sich
Mobiltelefone des Flensburger Motorola-Werks gegenüber Produkten
aus Niedriglohnländern. Der US-amerikanische
Technologiekonzern Motorola hat sich bis auf die Fertigungsstätte
in Schleswig-Holstein mit seiner Handy-Produktion aus den
Industrienationen zurückgezogen. Mobiltelefone lässt das
Unternehmen außer in Flensburg nur noch in China, Singapur, Mexiko
und Brasilien fertigen. "Trotz der deutschen Löhne arbeiten wir
auf dem Kostenniveau von Mexiko und Brasilien", sagt Werksleiter
Christoph Hollemann. Gründe hierfür seien unter anderem die
Automatisierung und der Schichtbetrieb. In Flensburg wird rund um die
Uhr in 12-Stunden-Schichten gearbeitet.
(Quelle: info.partisan, 03.09.03)
«Streit um Softwarepatente in der EU wird hitzig»
«Am Montagabend platzte Arlene McCarthy, Berichterstatterin
für die zunehmend umstrittene Richtlinie der EU über die
Patentierbarkeit von computergestützten Erfindungen im
Europaparlament, der Kragen: Nachdem die Abstimmung über den
Entwurf in Straßburg kurzfristig auf die letzte Sitzungswoche im
September verschoben worden war, beklagte sie in einer heise online
vorliegenden Erklärung an ihre britischen Labour-Parteigenossen
das "Bombardement an Desinformation" gegen die neuen Regelungen zur
Patentierbarkeit von Software. Als Verursacher der "Falschmeldungen"
galten ihr anscheinend vor allem Gruppen aus dem Open-Source-Umfeld und
mittelständische Unternehmen, die ihre Server vergangene Woche
"wegen Softwarepatenten" vorübergehend "geschlossen" und auch in
Brüssel vor Ort gegen die Richtlinie demonstriert hatten
"Dies ist eine unehrliche und destruktive Kampagne, die Verwirrung
über die Ziele des Parlaments stiften will", empörte sich die
Vertreterin der Sozialisten. Die unerwarteten Lobbyisten und
Demonstranten würden Abgeordnete mit nachweislich inkorrekten
Behauptungen zuknallen und konzertierte Anrufe in den Büros der
Volksvertreter anberaumen. Sollten sie sich durchsetzen, wäre dies
die "Todesglocke für unsere klügsten und besten
europäischen Erfinder, während die USA und Japan
Lizenzgebühren von europäischen Firmen für die
Verwendung ihrer Patente verlangen." Die Zukunft der gesamten
europäischen Wirtschaft stehe auf dem Spiel.
Die im dramatischen Ton gehaltene Pressemitteilung, die bisher nicht
offiziell veröffentlicht wurde, ist das jüngste Beispiel
dafür, dass die Nerven im sich nun über anderthalb Jahre
hinziehenden Streit um die Richtlinie in Brüssel und
Straßburg blank liegen. Anscheinend hatte dort niemand damit
gerechnet, dass sich die Befürworter der freien Software zu einer
ernst zu nehmenden Lobbygröße auf dem europäischen
Parkett entwickeln und Unterstützung aus der Wirtschaft von
kleinen und mittleren Codefabrikanten wie dem Berliner
Soundspezialisten Magix erhalten würden. Auch renommierte
europäische Wirtschaftswissenschaftler haben jüngst in einer
Erklärung "schwere Bedenken" geäußert. Der offene
Widerstand gegen Softwarepatente war von den Machern der Direktive
schlicht nicht eingeplant worden...» (heise-online am 03.09.03)
Mehr unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/jk-03.09.03-007/
|
Neurologen hoffen auf Hirnschrittmacher
Do.04.09.03 - Hirnschrittmacher könnten die Behandlung verschiedener Hirnleiden
nach Hoffnung von Experten drastisch verbessern. Bei Parkinson-Kranken
würden bereits seit einigen Jahren sehr gute Ergebnisse erzielt,
sagte Professor Günther Deuschl von der Universitätsklinik
Kiel am Mittwoch bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft
für Neurologie in Hamburg.
Künftig könne die elektrische Tiefen-Hirnstimulation, bei der
bestimmte Hirnbereiche über eingepflanzte Elektroden mit Strom
gereizt werden, auch bei anderen Erkrankungen eingesetzt werden.
Besonders gute Chancen sieht der Kieler Klinikdirektor bei der
Behandlung so genannter Dystonien, die zu zwanghaften Bewegungen des
Körpers führen. Die geschätzt 50 000 bis 80 000
Patienten in Deutschland leiden im fortgeschrittenen Stadium zum Teil
unter starken Schmerzen und Gelenkschäden. Sie sind nicht mehr
oder nur noch mit Hilfsmitteln gehfähig. Verantwortlich ist eine
kleine, überaktive Hirnstruktur, die mit elektrischer Reizung
außer Funktion gesetzt werden kann. "Die Erfolge sind teilweise
dramatisch", sagte Deuschl. Nach der Operation hätten einige der
Patienten sogar wieder ihre frühere Berufstätigkeit aufnehmen
können.
Seit drei Monaten läuft nach Deuschls Angaben eine Studie in
verschiedenen deutschen Zentren für Neurologie. Die Zulassung des
Verfahrens für die Behandlung von Dystonie-Patienten wird im
Herbst dieses Jahres erwartet. Weitere neurologische Erkrankungen
könnten für die Tiefen-Hirnstimulation in Frage kommen, sagte
der Professor. Die Anwendung sei bei so genannten Ticks und anderen
Zwangshandlungen denkbar. Auch bestimmte Arten von Kopfschmerzen
können möglicherweise mit elektrischer Stimulation über
Elektroden im Gehirn behandelt werden. "Das sind alles Dinge, die am
Horizont stehen", sagte Deuschl.
Bei der 76. Jahrestagung Neurologen treffen sich rund 3000
Spezialisten, um vier Tage lang über die neusten Entwicklungen des
Fachbereiches zu sprechen.
(Quelle: dpa)
mehr Kurznachrichten...