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+++ Sa.13.09.03, 12:45 Nachrichten-Archiv Aktuelle Nachrichten
Irak am hundertachtundsiebzigsten Tag nach Kriegsbeginn
US-Soldaten erschießen versehentlich zehn irakische Polizisten
+++ Frankreich schlägt Zeitplan für Wahlen im Irak vor +++
Deutsche Regierung sieht gute Chancen für einvernehmliche
UN-Resolution +++ Vorsitzender des irakischen Regierungsrates gegen
Entsendung türkischer Truppen nach Irak +++ Britischer
Geheimdienst warnte Blair vor Folgen von Irak-Krieg
Sa.13.09.03 - Einen Tag vor den Beratungen der fünf Veto-Mächte im
UN-Sicherheitsrat über eine größere Beteiligung der UNO
in Irak sind am Freitag bei mehreren schweren Zwischenfällen
mindestens 14 Menschen getötet worden. In der westirakischen
Unruhe-Stadt Falludscha haben US-Soldaten offenbar versehentlich zehn
irakische Polizisten und Angehörige einer Schutztruppe
getötet. Arabische TV-Sender berichten, die Männer seien in
ihrem Fahrzeug von den Amerikanern erschossen worden, als sie gerade
ein Auto mit mutmaßlichen Räubern verfolgten. Auch die
Verfolgten seien ums Leben gekommen.
Nach dem Vorfall herrschte in der zentralirakischen Stadt eine
angespannte Atmosphäre. Wütende Bewohner marschierten vor den
Regierungssitz und forderten von der US-Armee die Herausgabe der
Leichname der zehn getöteten Polizisten.
Trotz der zusehends prekärer werdenden Sicherheitslage will die
UNO ihre humanitäre Hilfe in Irak fortsetzen. Alle
UN-Hilfsorganisationen werden im Land bleiben, versicherte
UN-Generalsekretär Kofi Annan nach einem Treffen mit Vertretern
der wichtigsten internationalen Hilfsorganisationen in Genf. Er
kündigte an, bei seinem Treffen am Samstag mit den
Außenministern der fünf ständigen Mitglieder im
Sicherheitsrat auch darauf zu pochen, dass die Sicherheit der Helfer
verstärkt wird.
Im Vorfeld des Genfer Treffens machte US-Außenminister Powell
deutlich, dass die US-Regierung den Vereinten Nationen ein
größeres Gewicht in Irak einräumen wollen, sich aber
nicht das Heft des Handelns aus der Hand nehmen lassen: "Wir
können nicht einfach alle Vollmachten abgeben, denn die UNO ist
nicht in der Lage, das alles zu schultern", sagte Powell am
Freitag im "ARD-Morgenmagazin".
Bei dem von Annan einberufenen Treffen wollen die Außenminister
versuchen, die Hindernisse auf dem Weg zu einer neuen Irak-Resolution
aus dem Weg zu räumen.
Frankreich hat am Freitag Zeitpläne für eine schrittweise
Rückkehr Iraks zur Souveränität umrissen, die in einen
von den USA vorgelegten UNO-Resolutionentwurf einfließen sollen.
In einem Leitartikel für die Tageszeitung "Le Monde" schrieb
Außenminister Dominique de Villepin am Freitag, aus dem von den
USA eingesetzten Regierenden Rat Iraks könne binnen eines Monats
eine Übergangsregierung hervorgehen. Diesem solle dann
schrittweise Exekutivgewalt übertragen werden, etwa in
Wirtschafts- oder Haushaltsfragen. Wahlen könnten dann bis
Frühjahr 2004 folgen. Frankreich und Deutschland hatte diese Woche
Änderungsvorschläge für den Resolutionsentwurf
vorgelegt, in denen sie eine stärkere Rolle der UNO gefordert
hatten, was bei den USA aber auf Ablehnung stößt.
Der US-Vorschlag sieht die Schaffung einer multinationalen Truppe im
Irak vor, die von der UNO autorisiert ist, jedoch unter Oberbefehl der
US-Streitkräfte stehen soll. US-Außenminister Colin Powell
distanzierte sich unterdessen am Freitag in der ARD von den Forderungen
Frankreichs und Deutschlands: "Die Tatsache ist doch, im Augenblick
gibt es gar keine Regierung im Irak, an die man Vollmachten
übergeben könnte." Trotz der Meinungsunterscheide zeigte sich
Powell zuversichtlich, dass beim Treffen von UNO-Generalsekretär
Kofi Annan mit den Außenministern der fünf ständigen
Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates am Samstag in Genf eine gemeinsame
Irak-Politik erreicht werden könne. Es gehe nun darum, wie die
Vollmachten im Irak genau verteilt würden. In der angestrebten
UNO-Resolution sollte definiert werden, wie die Rolle der UNO aussehen
solle.
Die deutsche Regierung sieht trotz der Unstimmigkeiten mit den USA
über den Wiederaufbau im Irak gute Chancen für eine
einvernehmliche UN-Resolution. Das Außenministerium teilte mit,
es herrsche ein "konstruktiver Geist" in der derzeitigen Debatte. Er
verwies auf die Äußerung von US-Außenminister Colin
Powell, wonach die USA keine deutsche Soldaten im Irak erwarteten. Auf
dieser Grundlage könne man "zu einem Text kommen, dem alle
zustimmen können", hieß es.
Der Vorsitzende des irakischen Regierungsrates, Ahmed Tschalabi, ist
gegen eine Entsendung türkischer Truppen in sein Land.
Grundsätzlich habe er zwar nichts gegen türkische Soldaten,
doch es gebe schon genug ausländische Truppen in Irak, sagte
Tschalabi nach Gesprächen mit der türkischen Regierung in
Ankara, wie der türkische Nachrichtensender NTV am Freitag
berichtete. Die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip
Erdogan habe ihm versichert, dass die Türkei nur dann Truppen
entsenden werde, wenn dies vom irakischen Volk gewünscht werde.
Die Türkei ist grundsätzlich bereit, rund 10.000 Soldaten
nach Irak zu schicken. Eine endgültige Entscheidung wird bis Ende
des Monats erwartet.
Der britische Premierminister Tony Blair sieht sich einem neuen Vorwurf
zum Irak ausgesetzt. Wie jetzt erst bekannt wurde, hat der britische
Geheimdienst ihn vor dem Krieg gewarnt, dass eine Militäraktion
gegen den Irak die Gefahr von Terroranschlägen durch El Kaida
vergrößern würde. Blair und US-Präsident George W.
Bush haben den Irak-Krieg dagegen immer auch damit begründet, dass
damit die Terror-Gefahr gesenkt werde.
Blair ließ sich am Freitag von einem seiner engsten Getreuen,
Gesundheitsminister John Reid, gegen den Vorwurf verteidigen, die
Bevölkerung getäuscht zu haben. "Man hat ja wohl das Recht,
anderer Meinung zu sein", sagte Reid. Blair sei eben zu einer anderen
Einschätzung gelangt, nämlich der, dass es riskanter sei,
nicht gegen den irakischen Präsidenten Saddam Hussein vorzugehen.
Dagegen sagte Blairs ehemaliger Außenminister Robin Cook, die
Regierung sei nun in eine "verzweifelte Situation" geraten. "Die beiden
vorgebrachten Hauptargumente für den Krieg sind
zusammengebrochen", sagte Cook. Es seien bisher keine
Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden worden, und die Terror-Gefahr
habe sich nicht verringert, sondern erhöht. "Jetzt wissen wir,
dass die Regierung gewarnt wurde", sagte Cook.
(Quelle: afp, rtr, dpa)
«Großbritanniens Gewerkschaften verurteilen Irakkrieg»
«Auf dem Gewerkschaftskongress, der vorgestern Abend im
südenglischen Seebad Brighton endete, verurteilten die Delegierten
einstimmig den Krieg gegen Irak. Mehrere Gewerkschaftsbosse forderten
sogar den Rücktritt von Premierminister Tony Blair.
Tony Woodley, Chef der Transportarbeitergewerkschaft, empfahl Blair,
sich bei der Bevölkerung zu entschuldigen: "Wir müssen
sicherstellen, dass solche illegalen und ungerechten Kriege nie mehr
geführt werden können." Sein Kollege Bob Crow fügte
hinzu: "Blair hat uns in einen Krieg für Öl getrieben, und er
hat uns mit den Massenvernichtungswaffen belogen." Fawzi Ibrahim, der
jetzt bei einer Nachwahl gegen einen Labour-Kandidaten antritt, sagte:
"Blairs Lügen haben das Leben dutzender britischer Soldaten und
tausender Iraker gekostet."
Auch bei anderen Themen ist die Kluft zwischen New Labour und den
Gewerkschaften größer geworden. Dave Prentis,
Generalsekretär von Unison, sagte: "Diese Woche hat die
Beziehungen nicht verbessert." Was die Privatisierung öffentlicher
Dienste und die Reform des Gesundheitswesens angehe, gebe es nicht die
geringste Einigkeit...» ("tageszeitung" vom 13.09.03)
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/09/13/a0148.nf/text
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Über 1.000 Blockadeverfahren gegen Kriegsgegner werden eingestellt
Sa.13.09.03 - Mehr als 1.000 Verfahren gegen Gegner des Irak-Krieges wegen Blockaden [http://resistthewar.de/sitzblockade.html]
der US-Airbase in Frankfurt am Main sind von der Justiz eingestellt
worden. Wie das Netzwerk Friedenskooperative [http://www.friedenskooperative.de]
am Freitag mitteilte, hatte die Stadt Frankfurt gegen etwa 1.300
Mitglieder der Friedensbewegung Verfahren wegen Verstoßes gegen
das Versammlungsgesetz eingeleitet und ein Bußgeld von jeweils
118,50 Euro gefordert. Die für Ordnungswidrigkeiten
zuständigen Richter am Amtsgericht hätten inzwischen alle
diese Verfahren eingestellt, erklärte die Friedensorganisation.
Anhängig sind dagegen noch mehrere Dutzend Strafverfahren, unter
anderem wegen Nötigung. In einem Fall sei eine Hauptverhandlung
für Ende Oktober vorgesehen, in anderen Fällen sei noch keine
Entscheidung gefallen. Strafverfahren wurden nach Angaben des Netzwerks
Friedenskooperative in insgesamt 50 Fällen eingeleitet. Ein Teil
davon sei gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt worden. Ein
Frankfurter Amtsrichter habe sich in bisher drei Fällen geweigert,
die von der Staatsanwaltschaft beantragten Strafbefehle auszustellen.
(Quelle: ap)
Wegen Schäden nach Terroranschlägen vom 11. September:
Deutsche Bank verklagt New York
Sa.13.09.03 - Die Deutsche Bank hat den US-Staat New York wegen Schäden an ihrem
Gebäude nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf
Schadenersatz über 500 Millionen Dollar verklagt. Die Bank wirft
New York unter anderem vor, Reinigungskräften unter Androhung von
Festnahme den Zutritt zu dem schwer beschädigten Gebäude
verwehrt zu haben. Das 41-stöckige "130 Liberty" befindet sich
nahe Ground Zero und war beim Einsturz des World Trade Center schwer
beschädigt worden. Nach Angaben der Deutschen Bank flossen unter
anderem 75.000 Liter Heizöl im Keller aus. Die Bank
begründete die Klage auch damit, dass sie andernfalls
Ansprüche aus ihren Policen verlöre. Der Staat New York habe
als Koordinator der Aufräumarbeiten durch seine dreimonatige
Absperrung Rettungsmaßnahmen am Gebäude "130 Liberty"
verhindert. Über den weiteren Umgang mit dem Gebäude streitet
die Bank mit ihren Versicherungen.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt: Kritik an Israel wegen Ausweisungsbeschluss gegen
Arafat wächst +++ Israel weist Kritik zurück +++ Umfrage:
Mehrheit der Israelis würde Ausweisung oder Tötung Arafats
begrüßen +++ Weltsicherheitsrat warnt Israel vor Arafats
Ausweisung
Sa.13.09.03 - Nach der Entscheidung Israels, Palästinenserpräsident Jassir
Arafat auszuweisen, gibt es vermehrt Widerstand. Auch der
Weltsicherheitsrat ist gegen eine Ausweisung. Eine Resolution gegen
diesen Schritt wurde jedoch nicht verfasst. Das hatte die Arabische
Liga gefordert. Der Rat wolle eventuelle Beschlüsse des
Nahostquartetts und der Außenminister der Vetomächte
abwarten, hieß es. Bundesaußenminister Joschka Fischer
nannte den Beschluss Israels falsch. Das berge die Gefahr neuer Gewalt.
Israel hat die deutliche internationale Kritik an seiner Entscheidung
zur Ausweisung des palästinensischen Präsidenten Jassir
Arafat mit Bestimmtheit zurückgewiesen. "Es war ein historischer
Fehler, diese Entscheidung nicht schon früher getroffen zu haben",
sagte der israelische Verteidigungsminister Schaul Mofas, der bei den
Beratungen im Kabinett auch eine mögliche Ermordung Arafats
angesprochen haben soll, dabei aber von Ministerpräsident Ariel
Scharon gebremst wurde.
Arafat wandte sich am Freitag den zweiten Abend in Folge an hunderte
Anhänger, die sich vor seinem Amtssitz in Ramallah im
Westjordanland versammelten. Arafat dankte "allen freien Menschen in
der Welt, die ihren palästinensischen Brüdern beistehen".
Zugleich erklärte er: "Wir müssen die israelischen
Unterstützer des Friedens und Verteidiger des Friedens
grüßen, die ihre Stimme mit Stärke und in Freundschaft
erhoben haben." Bereits am Donnerstagabend war Arafat vor die
Menschenmenge vor seinem Hauptquartier getreten.
Auch US-Außenminister Colin Powell warnte Israel vor einer
Ausweisung Arafats. Er telefonierte deshalb auch mit dem israelischen
Außenminister Silvan Schalom. Dem palästinensischen
Außenminister Nabil Schaath sicherte er zu, die USA drängten
Israel, von der Ausweisungsdrohung wieder Abstand zu nehmen.
Die israelische Regierung hätte bei einem Vorgehen gegen Arafat
aber die eigene Bevölkerung auf ihrer Seite. Einer Umfrage der
Zeitung "Jediot Achronot" zufolge würden 60 Prozent die Ausweisung
oder Tötung Arafats begrüßen.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vertagte am Freitag die
Beratungen über eine von den Palästinensern geforderte
Resolution gegen die Ausweisung auf Montag. Ungeachtet des
palästinensischen Dringens auf einen schnellen Beschluss entschied
der Sicherheitsrat, am Montag zunächst eine offene Debatte
abzuhalten. Die Mitglieder seien sich einig gewesen, dass vor einer
Abstimmung weitere Diskussionen notwendig seien, hieß es.
In einer Erklärung des Sicherheitsrats hieß es, er vertrete
die Ansicht, dass eine "Entfernung des Vorsitzenden Arafat nicht
hilfreich wäre und nicht umgesetzt werden sollte". Dies sei die
Meinung des ganzen Gremiums, erklärte der amtierende Vorsitzende,
der britische UN-Botschafter Emyr Jones Parry. Der
palästinensische Resolutionsentwurf war von Angola eingebracht
worden. Diplomaten erklärten, eine Entscheidung hänge von der
Diskussion am Montag und von den Beratungen am Wochenende in Genf ab.
(Quellen: dpa, ap)
«Wir werden durchhalten»
«Der Palästinenser Dr. Haidar Abd-el Shafi plädiert
für eine Fortsetzung der Initifada in anderer Form: "Wir sollten
einen reinen Verteidungskampf führen"»
Mehr in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (13.09.03):
http://www.taz.de/pt/2003/09/13/a0176.nf/text
25 Jahre Camp David Abkommen
Ein Wendepunkt in der Geschichte des Nahen Ostens
An einem abgeschiedenen Ort im US-Staat Maryland wurde zwei Wochen lang
zäh verhandelt. Immer wieder wurde mit dem Abbruch der
Gespräche gedroht, doch schließlich kam der historische
Durchbruch: Am 17. September 1978 einigten sich der israelische
Ministerpräsident Menachim Begin und der ägyptische
Präsident Anwar el Sadat in Camp David auf einen Rahmenvertrag
für einen Frieden zwischen ihren Ländern.
Die Verhandlungen unter der Schirmherrschaft von US-Präsident
Jimmy Carter drehten sich vor 25 Jahren um dieselbe Formel, die im
Nahen Osten noch heute aktuell ist - Land gegen Frieden. In Camp David
stimmte Israel zu, die 1967 im Sechs-Tage-Krieg eroberte
Sinai-Halbinsel an Ägypten zurückzugeben. Im Gegenzug kam es
zum ersten Friedensvertrag mit einem arabischen Staat. Dies bedeutete
einen Wendepunkt in der Geschichte Israels, das bislang nur im
Kriegszustand mit seinen Nachbarn gelebt hatte. Allein gegen
Ägypten führte Israel seit seiner Staatsgründung 1948
vier Kriege.
Vorausgegangen war dem Abkommen von Camp David eine Annäherung,
die vor allem Sadat zu verdanken war. Er überraschte im
Jahre 1977 die ganze Welt, als er sich zu einem Besuch Israels bereit
erklärte. Dieser fand am 19. November statt. Dass es sich dabei um
einen äußerst ungewöhnlichen Schritt handelte, wurde
damals allein an vielen Anekdoten deutlich. So musste sich das
israelische Militärorchester erst einmal bei den Vereinten
Nationen die Noten der ägyptischen Nationalhymne besorgen und
diese im Schnellgang einstudieren. Nie hätte man damit gerechnet,
sie jemals zu benötigen.
Sechs Monate nach Camp David, im März 1979, wurde ein formeller
Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten unterzeichnet. Schon
im Oktober zuvor, nur einen Monat nach der Rahmenvereinbarung,
erhielten Sadat und Begin den Friedensnobelpreis. Anfang 1982 zogen
dann die letzten israelischen Soldaten aus dem Sinai ab. Sadat hat die
endgültige Rückgabe der Halbinsel allerdings nicht mehr
erlebt. Er wurde am 6. Oktober 1981 von militanten Islamisten ermordet.
«Sadat hat die Araber ihrer Würde beraubt, sie gespalten,
ihre Schwächen und ihre Ohnmacht bloß gestellt»,
kritisiert noch heute der Jurist Montasser el Sajat, der nach dem
Attentat drei Jahre im Gefängnis verbrachte und heute Islamisten
vor Gericht verteidigt. In der Tat war Ägypten wegen seines
Friedenskurses gegenüber Israel lange Zeit in der arabischen Welt
isoliert.
Bislang hat nur ein weiteres Nachbarland - Jordanien - einen
Friedensvertrag mit Israel unterzeichnet. Dies geschah im Oktober 1994,
nachdem Israel mit den Palästinensern bereits das so genannte
Gaza-Jericho-Abkommen geschlossen hatte und die Osloer Verhandlungen
über eine Ausweitung der palästinensischen Selbstbestimmung
voll im Gange waren. Danach schien auch ein Abkommen über den
endgültigen Status der besetzten Gebiete, das auf die
Gründung eines palästinensischen Staates hinausgelaufen
wäre, greifbar nahe.
Es mag eine Ironie des Schicksals sein, dass diese Hoffnungen
ausgerechnet in Camp David zerbrachen. Nachdem die Gespräche
zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak und dem
palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat am 25. Juli 2000
gescheitert waren, wuchsen wieder die Spannungen. Als dann der
israelische Oppositionsführer und heutige Ministerpräsident
Ariel Scharon am 28. September 2000 den Jerusalemer Tempelberg mit den
heiligen Stätten der Muslime besuchte, lief das Fass über.
Seitdem dreht sich wieder die Spirale der Gewalt und Gegengewalt.
Das Verhältnis zwischen Israel und Ägypten ist davon
weitgehend unberührt geblieben - vielleicht, weil aus Sadats
Vision von herzlichen Beziehungen der beiden Nachbarstaaten eigentlich
nie etwas wurde. Das bilaterale Verhältnis ist wohl eher eine
Vernunftehe, wie Efraim Inbar vom israelischen Begin-Sadat-Zentrum
für Strategische Studien es ausdrückt. Immerhin erhalten
beide Länder seit dem Friedensschluss auch regelmäßige
Unterstützung aus den USA - Israel 2,9 Milliarden Dollar im Jahr,
Ägypten 1,9 Milliarden.
(Quelle: ap)
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UNO-Sicherheitsrat hebt Sanktionen gegen Libyen auf
Sa.13.09.03 - Nach elf Jahren hat der UNO-Sicherheitsrat seine Sanktionen gegen
Libyen aufgehoben, die nach dem Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug
über dem schottischen Lockerbie verhängt worden waren.
Die Aufhebung der Sanktionen wurde am Freitag mit 13 Stimmen
angenommen, Frankreich und die USA enthielten sich. Libyen hatte im
August nach langen Verhandlungen mit Großbritannien und den USA
die Verantwortung für den Anschlag auf eine PanAm-Maschine
übernommen, bei dem 1988 270 Menschen ums Leben gekommen waren.
Zudem kündigte Libyen Entschädigungszahlungen an die Familien
der Opfer in Höhe von 2,7 Milliarden Dollar an. Frei wurde der Weg
für die Aufhebung der Sanktionen jedoch erst, nachdem sich Libyen
auch mit Frankreich über eine höhere Entschädigung
für einen Bombenanschlag auf ein französisches Flugzeug im
Jahr 1989 geeinigt hatte. Damals waren 170 Menschen ums Leben gekommen.
Im staatlichen libyschen Rundfunk wurde die Aufhebung der Sanktionen
als Sieg begrüßt, der eine neue Seite aufschlage beim
Bemühen um eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Libyen und
westlichen Staaten. "Die UNO-Abstimmung ist ein weiterer Sieg, der zu
vorherigen Siegen hinzukommt", hieß es in dem Bericht, der die
Position der Regierung wiedergeben dürfte.
Libyen und die Angehörigen der 170 Opfer des Anschlages auf die
Maschine der französischen Fluglinie UTA hatten am Donnerstag die
Unterzeichnung des Entschädigungsabkommens bekannt gegeben.
Über die Höhe der Summe wurde zunächst nichts bekannt.
Frankreich hatte damit gedroht, die Aufhebung der Sanktionen im
Sicherheitsrat zu blockieren, wenn es nicht zu einer Einigung komme.
Libyen hatte den Angehörigen der Opfer bereits eine
Entschädigung in Höhe von 34 Millionen Dollar gezahlt, jedoch
nicht die Verantwortung für den Anschlag übernommen.
Später forderte Frankreich eine Erhöhung der Summe.
Der UNO-Sicherheitsrat hatte 1992 und 1993 Sanktionen gegen Libyen
verhängt, nachdem sich das Land geweigert hatte, zwei
Verdächtige auszuliefern, damit sie wegen des Anschlags auf die
PanAm-Maschine vor Gericht gestellt würden. Die Sanktionen wurden
ausgesetzt, als Libyen im April 1999 die beiden Männer
auslieferte. Die Sanktionen umfassten unter anderem Exportverbote
für Waffen und Ausrüstung für die Ölindustrie.
Von den UNO-Sanktionen unabhängig haben die USA 1982 den Import
libyschen Öls und den Export einiger Güter nach Libyen
untersagt. Vier Jahre später wurden die Sanktionen ausgeweitet,
nachdem auf die vor allem von US-Soldaten besuchte Diskothek "La Belle"
in Berlin ein Anschlag verübt worden war. Damals waren drei
Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden. Das Berliner
Landgericht hatte 2001 den libyschen Geheimdienst als Urheber des
Anschlages bezeichnet. Eine rasche Aufhebung der bilateralen Sanktionen
durch die US-Regierung wurden von Diplomaten und in
US-Regierungskreisen nicht erwartet.
(Quelle: rtr)
Atomenergiebehörde setzt Iran Frist bis Ende Oktober
Sa.13.09.03 - Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat dem Iran eine
Frist bis Ende Oktober gesetzt, um nachzuweisen, dass das Land nicht
über ein verbotenes Atomwaffenprogramm verfügt.
Der Iran kündigte daraufhin eine gründliche
Überprüfung seiner Zusammenarbeit mit der Behörde an.
Die iranische Delegation verließ aus Protest über die
Entscheidung die nicht öffentliche Sitzung der IAEA in Wien und
warf den USA vor, Invasionspläne für den Iran zu haben. Die
USA verdächtigen den Iran, nach Atomwaffen zu streben. Der Iran
hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Sollte die Regierung des
Iran den Auflagen der IAEA nicht nachkommen, könnte dies dem
UNO-Sicherheitsrat gemeldet werden, der dann über Sanktionen
entscheiden müsste.
"Angesichts dieses Beschlusses werden wir keine andere Wahl haben, als
den Stand der Dinge und den Grad unserer Zusammenarbeit mit der
Behörde gründlich zu überprüfen", hieß es in
einem Text, den Irans UNO-Botschafter Ali Akbar Salehi dem Vorstand der
IAEA zukommen ließ. "Wir weisen dieses Ultimatum zurück."
Der Iran halte sich strikt an die Auflagen des Atomwaffensperrvertrages
und trete für den Nahen Osten als atomwaffenfreie Zone ein. Den
USA warf Salehi vor, nach dem Irak-Krieg in weitere Länder
einfallen zu wollen, um den gesamten Nahen Osten neu zu ordnen.
In US-Regierungskreisen hieß es, die IAEA werde im November
endgültig entscheiden, ob dem Iran ein Verstoß gegen den
Atomwaffensperrvertrag vorgeworfen werden könne. "Dieses Mal
hoffen wir, dass es keinen Ausweg gibt, weil sich mit diesem Beschluss
die Schlinge um den Iran zusammenzieht".
Der IAEA-Vorstand mit Vertretern aus 35 Nationen hat in Wien eine Woche
lang hinter verschlossenen Türen getagt. Aus Mangel an
Unterstützung im Vorstand hatten die USA ihre Forderung fallen
lassen, die Behörde solle den Vereinten Nationen (UNO) sofort
berichten, dass der Iran seinen Verpflichtungen aus dem
Atomwaffensperrvertrag nicht nachkomme.
Aus Diplomaten-Kreisen verlautete, der Iran werde trotz der
Äußerungen Salehis vermutlich an der Kooperation mit der
IAEA festhalten und begrenzte Inspektionen seiner Atomanlagen zulassen.
"Sie werden sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht von der IAEA
zurückziehen", sagte ein westlicher Diplomat. "Das wäre zu
viel."
Die USA haben den Iran mit Nordkorea und dem Irak unter Präsident
Saddam Hussein zu einer "Achse des Bösen" gerechnet und den
Ländern vorgeworfen, sie förderten den internationalen
Terrorismus und entwickelten Massenvernichtungswaffen. Der Iran hat
erklärt, sein Atomprogramm diene der Stromgewinnung.
Die IAEA hat bei ihren Kontrollen im Iran Spuren von waffentauglichem
angereicherten Uran entdeckt. Die Regierung des Iran erklärte den
Fund mit Geräten, die in den 80er Jahren auf dem Schwarzmarkt im
Ausland gekauft worden seien. Seit dem Sturz Saddams durch die USA und
Großbritannien im April sind die Konflikte um die Atomprogramme
Nordkoreas und Irans wieder stärker in den Vordergrund
gerückt.
(Quelle: rtr)
Schwere Unruhen in chilenischer Hauptstadt
Sa.13.09.03 - In Chile ist es am 30. Jahrestag des Militärputschs zu schweren
Ausschreitungen gekommen. Bei den Krawallen in der Hauptstadt Santiago
wurden 24 Polizisten verletzt, vier davon schwer, wie die Polizei am
Freitag mitteilte. Rund 300 Personen seien festgenommen worden. Die
Unruhen, die bis Freitagmorgen andauerten, seien nicht politisch
motiviert gewesen, sondern von "überwiegend jugendlichen
Krawallmachern, auch gewöhnlichen Kriminellen" ausgegangen, sagte
Polizeidirektor Alberto Cienfuegos.
Im Anschluss an Veranstaltungen im Gedenken an den 1973 gestürzten
sozialistischen Präsidenten Salvador Allende errichteten
Demonstranten am Donnerstagabend Barrikaden und setzten sie in Brand.
Mehrere Geschäfte wurden geplündert. Einige Stadtteile hatten
auch am Freitag noch keine Elektrizität, weil die Demonstranten
Ketten über die Stromleitungen geworfen hatten.
Präsident Ricardo Lagos rief in einer Ansprache zum Jahrestag dazu
auf, eine Gesellschaft "ohne Hass und Teilung" zu entwickeln. Den
Militärputsch unter Führung von General Augusto Pinochet am
11. September 1973 bezeichnete Lagos als "eine Tragödie, einen Tag
des Schmerzes". Allende sei ein Märtyrer gewesen. Lagos ist der
erste sozialistische Regierungschef Chiles seit Allende.
Der inzwischen 87 Jahre alte Pinochet trat in seinem Haus an die
Öffentlichkeit. Seine Frau Lucia Hiriart rief ebenfalls zu
nationaler Einheit auf. Dabei dürfe allerdings "nicht die
Geschichte verdreht" werden. Der Putsch von 1973 habe Chile zu einem
angesehenen Platz in der Welt geführt. Die aus Anhängern
Pinochets bestehende Unabhängige Demokratische Union machte die
Politik Allendes für den Putsch verantwortlich.
Allende soll sich nach letztlich nie bestätigten Berichten selbst
erschossen haben - mit einem Gewehr, das ihm der kubanische Staatschef
Fidel Castro geschenkt hatte. Der Präsidentenpalast wurde bei der
Erstürmung durch die Truppen Allendes erheblich beschädigt.
In den 16 Jahren der Militärherrschaft unter Pinochet kamen nach
einem Regierungsbericht 3.200 Menschen ums Leben, darunter 1.200, deren
Schicksal nie geklärt werden konnte.
(Quelle: ap)
Tiefe Meinungsunterschiede auf Welthandelskonferenz in Cancun
Sa.13.09.03 - Auf der Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) in Mexiko
ist eine Einigung über die Hauptstreitpunkte im Agrarbereich
weiter nicht in Sicht. Die 148 WTO-Mitgliedstaaten setzten am Freitag
in Cancún ihre Beratungen in Arbeitsgruppen fort. Im Mittelpunkt
der Verhandlungen stehen der Abbau von Subventionen in der
Landwirtschaft. Verbraucherschutzministerin Renate Künast
erklärte, die Europäische Union sei zu Kompromissen bereit.
Begleitet wird die Konferenz von Protesten von Globalisierungskritikern.
Vor allem die Schwellenländer drängen auf einen raschen Abbau
von Agrarsubventionen der EU und der Vereinigten Staaten. Eine Gruppe
von 21 Ländern um Brasilien, Indien und China legte einen eigenen
Vorschlag vor, weil ihnen die EU-Vorlage nicht weit genug geht. Die EU
will ihre Beihilfen an die Landwirtschaft künftig unabhängig
vom Produktionsvolumen zahlen, damit keine Überproduktion
gefördert wird. "Die EU muss sich nicht verstecken. Wir haben
unsere Hausaufgaben gemacht", sagte Künast. Der Chef der Deutschen
Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, erklärte, mit den
Vorschlägen der Schwellenländer bestehe erstmals die Chance,
die großen Handelsblöcke aufzubrechen.
Aus den vorgelegten Positionspapieren soll bis Sonntag ein Kompromiss
mit einem Zeitplan für den Abbau der Agrarhilfen verhandelt
werden. Es werde bis zum letzten Moment gefeilscht, hieß es aus
Verhandlungskreisen.
In einem gemeinsamen Vorstoß verlangen vier westafrikanische
Länder den sofortigen Stopp der Subventionen für Baumwolle.
Die Handelsminister aus Benin, Burkina Faso, Tschad und Mali
erklärten, ihre Volkswirtschaft sei bedroht, wenn die
Baumwolle-Subventionen nicht gekürzt würden. Künast
äußerte Verständnis für die Baumwollinitiative.
Die EU wisse, dass ein Subventionsabbau für diese Länder
überlebenswichtig sei. Baumwolle ist eines der am höchsten
subventionierten Agrarprodukte weltweit.
Während die Hauptfragen der Konferenz noch strittig sind, wollen
die EU und Japan die Verhandlungen um Beratungen über weitere
Themen wie ein Investitionsschutzabkommen ergänzen. Die
Industriestaaten erhoffen sich dadurch einen leichteren Zugang zu
Märkten des Südens. Vor allem Deutschland dringt auf solch
ein Abkommen. EU-Handelskommissar Pascal Lamy sagte am Donnerstag, die
im Jahr 2001 in Katar begonnene Doha-Runde der Welthandelsorganisation
könne ohne Einigung zu allen vier "Singapur-Themen" nicht
abgeschlossen werden.
Entwicklungsländer wie Brasilien machen ihre Einwilligung zur
Behandlung dieser Themen aber von einer Einigung bei den
Agrarverhandlungen abhängig. "Ich denke nicht, dass sie
irgendetwas erreichen können, weil wir in unserer Position
ziemlich festgelegt sind", sagte der malaysische Handelsminister
Rafidah Aziz.
Zu Beginn der Konferenz war es zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen.
Rund 20.000 Globalisierungskritiker und Vertreter der Bauernbewegung
versuchten, auf das hermetisch abgeriegelte Tagungsgelände
vorzudringen. Ein südkoreanischer Demonstrant nahm sich aus
Protest gegen die Agrarpolitik der WTO demonstrativ das Leben. Ein
südkoreanischer Bauernverband forderte danach die Abreise der
südkoreanischen WTO-Delegation.
(Quelle: ap)
«Rekolonialisierung Afrikas»
Warum der Widerstand gegen die WTO-Tagung in Cancún notwendig ist,
beantwortet Mumia Abu-Jamal in der heutigen Ausgabe der "junge
Welt" (13.09.03):
http://www.jungewelt.de/2003/09-13/007.php
«Einigung auf der WTO-Konferenz nicht in Sicht. Entwicklungsländer mit mehr Selbstbewußtsein»
Mehr in der heutigen Ausgabe der "junge
Welt" (13.09.03):
http://www.jungewelt.de/2003/09-13/006.php
Während die Bundesverbraucherministerin in Cancún weilt,
gibt ihr Staatssekretär neue politische Ziele aus (taz vom 13.09.03)
Sa.13.09.03 - rtr - Zwischen Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne)
und dem Parlamentarischen Staatssekretär in ihres Ministeriums,
Gerald Thalheim (SPD) ist es zu einem offenen Streit über die
Agrarpolitik gekommen.
"Die Ausführungen von Doktor Thalheim in der Ausgabe der NOZ geben
nicht die Politik des Ministeriums für Verbraucherschutz,
Ernährung und Landwirtschaft wieder", erklärte ein Sprecher
des Ministeriums am Freitag in Berlin. "Die Ministerin wird nach ihrer
Rückkehr vom WTO-Gipfel in Cancun im persönlichen
Gespräch mit dem Parlamentarischen Staatssekretär den
offenkundigen Widerspruch zwischen Interview-Text und
tatsächlicher Politik des Bundesministeriums klären."
Thalheim hatte in der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) gesagt,
Thema Nummer 1 sei in Zukunft nicht mehr die Agrarwende, sondern
"überhaupt die Landwirtschaft im Lande zu halten". Zu einer
weiteren Subventionierung des Öko-Bereichs sagte er: "Wir
müssen da nicht mehr draufsatteln."
Künast hält sich derzeit im mexikanischen Cancun bei der
Welthandelskonferenz auf. Dabei geht es auch um Agrarreformen.
Künast strebt mit der Agrarwende die Entkoppelung der
Förderung von Produktionsmengen in der Landwirtschaft an und
vertritt eine auf Umweltschutz-Ziele ausgerichtete Agrarpolitik.
"Uns ist weiter wichtig festzuhalten, die Agrarwende - zumal
eingebettet in eine neue Orientierung der EU-Agrarpolitik - bleibt
wichtiges Projekt der Bundesregierung", sagte der Sprecher. Dies stehe
auf der Agenda des Ministeriums ganz oben. Auf die Frage, ob Thalheim
sein Amt werde behalten können, sagte der Sprecher, darauf
könne erst nach dem klärenden Gespräch der Ministerin
mit dem Staatssekretär geantwortet werden.
Thalheim sagte in der NOZ weiter, bei der Tierhaltung komme es nicht
auf ökologische oder konventionelle Erzeugung an: "Ich habe den
Eindruck, dass dieser Konflikt in der Vergangenheit von mehreren Seiten
künstlich geschürt wurde."
taz-Bericht zum Thema:
http://www.taz.de/pt/2003/09/13/a0115.nf/text
Bei der WTO-Konferenz gerät der Kompromiss über den Import
von Generika-Arzneimitteln erneut in die Kritik
Mehr in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (13.09.03) :
http://www.taz.de/pt/2003/09/13/a0150.nf/text
Mehr Hintergrundinformationen zur WTO-Konferenz unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309120.htm#030912_m
Aktuelle Berichte aus Cancún unter:
http://cancun.indymedia.org/
http://www.econautix.de/site/
econautixpage_1144.php#nitf3f4cd9015036d
http://www.attac.de/cancun/cancunupdate02.php
http://www.attac-austria.org/aktuell/cancun/berichte.php
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Neonazis von München planten mehrere Anschläge +++
Rechtsextreme suchten Anschlagsziele angeblich im Internet +++
Niedersachsens Verfassungsschutz warnt vor wachsendem Rechtsterror +++
Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland mahnt zur
Wachsamkeit gegenüber rechter Gewalt
Sa.13.09.03 - Die festgenommenen Neonazis von München haben neben dem
vereitelten Anschlag auf die Baustelle des Jüdischen
Gemeindezentrums möglicherweise noch weitere Attentate geplant.
Eine Sprecherin von Generalbundesanwalt Kay Nehm teilte mit, es gebe
Hinweise auf verschiedene Anschlagsziele. Ob die rechtsextreme Gruppe
"Kameradschaft Süd" einen Anschlag auf den Festakt zur
Grundsteinlegung des Gemeindezentrums am 9. November oder lediglich auf
die Baustelle geplant habe, ist demnach weiterhin unklar.
Zu dem Festakt am 9. November hatten sich unter anderem
Bundespräsident Johannes Rau, Bayerns Ministerpräsident
Edmund Stoiber (CSU) und der Vorsitzende des Zentralrats der Juden,
Paul Spiegel, angekündigt.
Die verhafteten Männer hätten per Computer Informationen
über Münchner Moscheen und Gebetsräume gesammelt,
berichtete das Nachrichtenmagazin "Focus" unter Berufung auf
Ermittlerkreise vorab aus seiner am Montag erscheinenden Ausgabe. Ein
beschlagnahmtes handschriftliches Dossier führe zudem mehrere
jüdische und israelische Einrichtungen im Großraum
München auf. Auf der Liste möglicher Anschlagsziele stehe auch
eine griechische Schule in München.
Laut Bundesanwaltschaft wurden gegen sieben Beschuldigte Haftbefehle
vom Amtsgericht München erlassen, davon einer bereits zu einem
früheren Zeitpunkt wegen einer anderen Tat. Zwei weitere
Beschuldigte sollten noch am Freitag dem Ermittlungsrichter des
Bundesgerichtshofs in Karlsruhe vorgeführt werden.
Die Polizei hatte am Dienstag nach Ermittlungen in der Neonazi-Szene im
Münchner Süden 1,7 Kilogramm TNT beschlagnahmt und sechs
Verdächtige in Bayern, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern
festgenommen. Vier der Festgenommenen stammen aus der rechtsextremen
Szene, darunter der 27-jährige Martin Wiese, der als informeller
Führer der rechtsextremen "Kameradschaft Süd" gilt. Bis
Freitag wurden zwei weitere Verdächtige ermittelt.
Nehm übernehme die Ermittlungen, weil Verdacht auf Bildung einer
terroristischen Vereinigung besteht. Seiner Sprecherin Frauke-Katrin
Scheuten zufolge gibt es keinen Anhaltspunkte dafür, dass auch ein
Anschlag auf das Oktoberfest geplant worden sei.
Bayerns Innenminister Günter Beckstein (CSU) sagte in München
unter Anspielung auf die linksterroristische Rote Armee Fraktion (RAF),
die jetzt offen gelegten Strukturen deuteten möglicherweise auf
die Existenz einer "Braunen Armee Fraktion" hin.
Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München,
Charlotte Knobloch, erklärte, mit dem Attentat sei ohne Zweifel
"eine neue Dimension des Terrors" geplant gewesen. "65 Jahre nach der
Zerstörung der Hauptsynagoge durch die Nationalsozialisten wollten
Neonazis erneut das Zentrum jüdischen Lebens in München
zerstören."
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul
Spiegel, hat angesichts der Aufdeckung des geplanten
rechtsextremistischen Sprengstoffanschlags in München zur
Wachsamkeit gegenüber rechter Gewalt gemahnt. In Düsseldorf
erklärte Spiegel am Freitag auf Anfrage, der beabsichtigte
Anschlag habe "auf tragische Weise" deutlich gemacht, dass die
Gesellschaft in ihrer Wachsamkeit gegenüber Fremdenfeindlichkeit,
Rassismus und Antisemitismus nicht nachlassen dürfe.
Gleichzeitig lobte der Zentralratspräsident die
Ermittlungsbehörden dafür, dass sie die geplante Tat
rechtzeitig aufgedeckt hätten. "Man kann sich vorstellen, zu
welcher Katastrophe das hätte führen können, wenn der
Anschlag ausgeführt worden wäre", sagte Spiegel. Besonders
den jungen Menschen müssten die katastrophalen Folgen von
Fremdenfeindlichkeit und Rassismus deutlich gemacht werden.
Nach Einschätzung des niedersächsischen Verfassungsschutzes
ist der Rechtsterrorismus "die größte Gefahr" neben dem
Islamismus. Die wachsende Gewalttätigkeit der Szene sei vor allem
auf die zunehmende internationale Vernetzung unter den Neonazis
zurückzuführen. Das sagte der Sprecher der
Verfassungsschutzbehörde, Rüdiger Hesse, der "Neuen Presse".
(Quellen: afp, rtr, ap)
Stichwort: Münchner Hauptsynagoge
Am 9. November 1938 hatten die Nationalsozialisten in der so genannten
Reichskristallnacht Hunderte Juden umgebracht, unzählige
jüdische Läden und Wohnungen verwüstet und 267 Synagogen
zerstört. Die Münchner Hauptsynagoge am Stachus war nicht
darunter: Als «Schandfleck für die Hauptstadt der
Bewegung» war sie auf Anordnung Adolf Hitlers schon fünf
Monate vorher abgerissen worden. Genau 65 Jahre nach dem Pogrom soll
jetzt auf dem St. Jakobsplatz in der Münchner Altstadt ein neues
Jüdisches Zentrum errichtet werden.
Es handelt sich um «das zur Zeit größte jüdische
Projekt in ganz Europa», wie die Israelitische Kultusgemeinde
erklärte. Neben einer neuen Hauptsynagoge will sie für die
über 8.000 Münchner Juden ein großes Gemeindezentrum
mit Kindergarten, Grundschule, Jugend- und Kulturzentrum, Bibliothek,
Restaurant, Sozialstation und Flüchtlingshilfe bauen. Daneben will
die Stadt München ein Jüdisches Museum errichten. Die
Gesamtkosten der Projekte werden mit 56 Millionen Euro beziffert.
Mehr unter:
http://juedischeszentrumjakobsplatz.de
(Quelle: ap)
November 1938 : Reichskristallnacht/ Reichspogromnacht / Novemberpogrome
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/
novpogr2.htm#reichskristallnacht2
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Mitglied der Waffen-SS muss sich wegen Mordes verantworten
Sa.13.09.03 - Wegen Mordes an einem Widerstandskämpfer soll sich der
mutmaßliche Kriegsverbrecher Herbertus Bikker vom Mittwoch
nächste Woche an vor dem Landgericht Hagen verantworten. Ein
Gutachter bescheinigte dem 88-jährigen ehemaligen Waffen-SS-Mann
am Freitag, er sei zunächst verhandlungsfähig. Ob die
Verhandlung weitergehen kann, schien allerdings noch unsicher.
Möglicherweise muss der Prozess sogar abgebrochen und neu
angesetzt werden.
Bikkers Verteidiger Bernd Eisenhuth bestritt im Gespräch mit der
Nachrichtenagentur AP die Verhandlungsfähigkeit seines Mandanten:
"Herr Bikker weiß nicht mehr so richtig, was um ihn herum
passiert", sagte er. Während einer psychologischen Begutachtung am
Donnerstag sei er zusammengebrochen. Zurzeit liege er im Krankenhaus.
Die Staatsanwaltschaft Dortmund wirft dem gebürtigen
Niederländer vor, 1944 den damals 27-jährigen
Widerstandskämpfer Jan Houtman gezielt erschossen zu haben. Der
Mord habe in der Nähe eines Arbeitslagers im niederländischen
Ommen stattgefunden. Laut Anklageschrift lag der Mann bereits verletzt
am Boden, als Bikker mit den Worten "Und jetzt ein guter Tod" auf ihn
zielte und abdrückte. In den Niederlanden wurde Bikker kurz nach
dem Krieg zu lebenslanger Haft verurteilt. An Weihnachten 1952 entkam
er gemeinsam mit sechs weiteren SS-Leuten aus einem Gefängnis in
Breda und flüchtete nach Deutschland.
"An der Grenze wurde er mit Kaffee und Kuchen empfangen", sagte
"Stern"-Journalist Werner Schmitz, der seit den 90er Jahren im Fall
Bikker recherchiert. Zwei Jahre lang saß Bikker
anschließend in Auslieferungshaft. Weil er als früheres
Mitglied der Waffen-SS laut "Führer-Erlass" automatisch Deutscher
wurde, scheiterte die Auslieferung an die Niederlande. 1957 wurde
Bikker von einem Dortmunder Gericht von dem Vorwurf des Mordes
freigesprochen.
Seinem Anwalt zufolge räumt Bikker ein, auf Houtman geschossen zu
haben. "Eine Tötungsabsicht bestreitet er aber", sagte Eisenhuth.
Ob Bikker zum nächsten Prozesstermin am Mittwoch kommen
könne, sei sehr unsicher: "Er hat ganz erheblichen Bluthochdruck,
bis 230." Sollte Bikker nicht spätestens am kommenden Freitag im
Gericht erscheinen können, wäre die gesetzliche
Zehn-Tages-Frist überschritten, die maximal zwischen zwei
Verhandlungstagen liegen darf. Der Prozess müsste dann zu einem
späteren Zeitpunkt neu angesetzt werden.
"Stern"-Reporter Schmitz tritt im Hagener Prozess als Zeuge gegen
Bikker auf. "Er hat mir gestanden, Houtman den 'Gnadenschuss' gegeben
zu haben", sagte Schmitz. Der Mord an dem Widerstandskämpfer
Houtman sei beileibe nicht die einzige Untat von Bikker. "Nur ist es
der einzige Fall, der nicht verjährt ist."
(Quelle: ap)
Finanzkrise in Deutschland nimmt bedrohliche Ausmaße an +++
Schuld an der Misere: Stark gesunkene Steuereinnahmen und riesige
Kosten der Massenarbeitslosigkeit
Sa.13.09.03 - Die Ausmaße der Finanzkrise in Deutschland werden immer
bedrohlicher. Trotz aller Sparanstrengungen war das Haushaltsloch der
16 Bundesländer bis Ende Juli schon größer als es
eigentlich im gesamten Jahr sein sollte, wie das Finanzministerium am
Freitag in Berlin erklärte. Das Defizit, das die Länder fast
ausschließlich durch Schulden ausgleichen, betrug den Angaben
zufolge in den ersten sieben Monaten 24,9 Milliarden Euro, 4,8
Milliarden mehr als im Vorjahreszeitraum. Bislang wurden 24,2
Milliarden Euro für 2003 erwartet.
Experten gehen für dieses Jahr davon aus, dass der Bund und 14 der
16 Länder verfassungswidrige Haushalte aufweisen, weil die
Kreditaufnahme über den Investitionen liegt. Der Bund wird dieses
Jahr annähernd 40 Milliarden Euro neue Kredite aufnehmen, um die
Haushaltslöcher zu stopfen. Finanzminister Hans Eichel hatte im
Bundestag die diesjährige Verschuldung der öffentlichen Hand
einschließlich Sozialversicherungen auf 74 bis 80 Milliarden Euro
geschätzt. Schuld an der Misere sind stark gesunkene
Steuereinnahmen und riesige Kosten zur Bewältigung der
Massenarbeitslosigkeit.
Spitzenreiter unter den Länder-Schuldnern ist Nordrhein-Westfalen
mit einer Finanzierungslücke von jetzt schon fast 5,8 Milliarden
Euro. Eigentlich wollte das bevölkerungsreichste Bundesland 2003
mit insgesamt knapp 5,7 Milliarden Euro Krediten auskommen. Ein
Sprecher des Düsseldorfer Finanzministeriums sagte, wegen zu
erwartender Einnahmen könne die Kreditaufnahme am Ende des Jahres
sogar unter dem Ansatz liegen. Andere Länder äußerten
sich in einer AP-Umfrage ebenfalls zuversichtlich, das Defizit
begrenzen zu können.
Nach Schätzung des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung wird die Haushaltslücke der Länder
allerdings bis Jahresende auf 36,5 Milliarden Euro steigen. 2004 werde
das Loch wohl noch etwas höher ausfallen, sagte DIW-Finanzexperte
Dieter Vesper dem «Handelsblatt». Nach Worten von Eichels
Sprecher Jörg Müller belegen die Zahlen, dass Bund und
Länder rasch gemeinsam handeln müssen, um das Staatsdefizit
in den Griff zu bekommen.
Obwohl die Finanzkrise auch den reichen Süd-Ländern zu
schaffen macht, werden nur Baden-Württemberg und Bayern - beides
Zahler im Länderfinanzausgleich - wahrscheinlich Ende des Jahres
verfassungskonforme Etats aufweisen. Der Stuttgarter Finanzminister
Gerhard Stratthaus erarbeitet zurzeit eine umfangreiche Sparliste.
Auch Hessen bastelt an einem Sparprogramm. Dort betrug das Defizit laut
Bundesfinanzministerium bis Ende Juli 1,85 Milliarden Euro. Die
Neuverschuldung für das Gesamtjahr sollte 100 Millionen Euro unter
diesem Wert liegen. Das Wiesbadener Finanzressort gab sich
optimistisch, am Ende des Jahres bei 1,75 Milliarden Euro zu liegen.
Nach "Handelsblatt"-Informationen entwickelt sich Sachsen zum Vorbild.
Das Land habe bis Ende Juli lediglich fünf Prozent mehr ausgegeben
als es in der Zeit eingenommen habe, meldete das Blatt. Im
Einnahme/Ausgabe-Vergleich sehe es nur in Thüringen noch trister
aus als in Nordrhein-Westfalen. Erfurt habe in den ersten sieben
Monaten 33 Prozent mehr ausgegeben als in die Landeskasse geflossen
sei. In NRW liege der Wert bei 25 Prozent.
(Quelle: ap)
Regierung will Autos mit hohem Spritverbrauch stärker besteuern
Sa.13.09.03 - Besitzer von Autos mit hohem Benzinverbrauch und hohen
C02-Ausstoß müssen mit einem deutlichen Anstieg der
Kraftfahrzeugsteuer rechnen. Geringverbraucher sollen entlastet werden.
Die Regierung arbeite an einer Novelle der Kraftfahrzeugsteuer,
bestätigte der Grünen- Bundestagsabgeordnete Winfried Hermann
der "Welt am Sonntag". Im Bundesumweltministerium würden erste
Modelle für eine Neuberechnung der Kfz-Steuer geprüft. Ziel
sei eine Berechnung abhängig vom Kohlendioxid-Ausstoß.
(Quelle: dpa)
«Nur industrienahe Lobbyisten bestreiten noch die
Klimaerwärmung»
Mehr in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (13.09.03):
http://www.taz.de/pt/2003/09/13/a0348.nf/text
Glossar Klimapolitik:
http://www.taz.de/pt/2003/09/13/a0344.nf/text
«Protest gegen den Porsche-Sound»
«Verein "autofrei leben" fordert Menschenrechte für
Fußgänger. Reiche Länder besitzen 75 Prozent der
Motorfahrzeuge, 90 Prozent der Verkehrsopfer sterben aber in der
Dritten Welt. Klagen wegen Lärm und Verstoßes gegen die
Bürgerrechte...»
Mehr in der taz-Ausgabe vom 12.09.03:
http://www.taz.de/pt/2003/09/12/a0159.nf/text
«1500 Strafanzeigen gegen Schrempp und Pischetsrieder»
«Der neue 6er von BMW, der Supersportwagen SLR von Mercedes,
Porsches 911er Turbo Cabrio oder der brandneue smart forfour sollen die
Kundenherzen höher schlagen lassen und der nicht mehr ganz so
krisenfesten Branche neue Zukunftsperspektiven eröffnen.
Unpassenderweise geht die Umweltschutzorganisation "Greenpeace" gerade
jetzt wieder mit einem Thema an die Öffentlichkeit, zu dem die
Homepage der Internationalen Auto-Ausstellung (IAA) keine
Einträge bereit hält. Weder im Bereich "Webseiten", noch im
Bereich "Pressenews", noch in den Abteilungen "Fachveranstaltungen"
oder "Sonderveranstaltungen".
Der Streit um die möglichen gesundheitsschädlichen
Auswirkungen von Dieselruß schwelt zwar schon länger,
scheint nun aber einen neuen Höhepunkt zu erreichen. Greenpeace
beruft sich auf ein Gutachten, das vom Umweltbundesamt in Auftrag
gegeben und Ende Juli veröffentlicht wurde. Erich Wichmann,
Direktor des Instituts für Epidemiologie des
GSF-Forschungszentrums, kam darin zu dem Schluss, dass pro Jahr etwa
14.000 Todesfälle mit den krebserregenden Abgasen aus
Dieselfahrzeugen in Verbindung gebracht werden können...»
Mehr bei "telepolis" (10.09.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/15593/1.html
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Jedes fünfte Vorschulkind mit Sprachstörungen
Sa.13.09.03 - Bei etwa jedem fünften Vorschulkind in Deutschland stellen
Ärzte heute Sprachstörungen fest. Vor 20 Jahren habe der
Anteil rund zwei bis vier Mal niedriger gelegen, sagte Professor
Eberhard Kruse, Präsident der Deutschen Gesellschaft für
Phoniatrie und Pädaudiologie, am Freitag am Rande der Jahrestagung
der Gesellschaft in Rostock.
Die Zunahme sei zum Teil auf deutlich bessere Erkennungsmethoden und
die verbreiterte statistische Erhebung zurückzuführen. Aber
auch soziale Ursachen wie mangelnde Kommunikation in der Familien
spielten eine wichtige Rolle.
"Zu den körperlichen Ursachen zählen Hörstörungen,
geistige Behinderungen, Hirnverletzungen, Schädigungen und
Lähmungen der Sprechorgane oder genetische Veranlagung", sagte
Kruse in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Fachärzte für Sprach-, Stimm- und kindliche
Hörstörungen würden sich intensiv mit diesen
Hörstörungen befassen, die bei ein bis zwei von 1000
Neugeborenen vorkämen. "Durch frühzeitige Erkennung und
Behandlung leiden heute kaum noch Kinder unter Taubstummheit", sagte
Kruse.
Ein Thema der dreitägigen Konferenz ist die geplante bundesweite
Einführung des so genannten universellen
Neugeborenen-Hörscreenings (UNHS), das in einigen
Bundesländern bereits Routine ist. Bei den schmerzfreien Tests
kurz nach der Geburt werde mit modernsten Methoden die
Hörfähigkeit der Babys überprüft, um schnell auf
Defizite reagieren zu können.
Kruse warnte davor, bei der frühkindlichen Diagnostik zu sparen.
"Besonders Hörstörungen sollten in den ersten drei bis vier
Lebensmonaten erkannt werden. Tatsächlich werden sie derzeit in
Deutschland oft erst mit drei oder vier Jahren festgestellt, und dann
sind schon erhebliche, anfangs aber vermeidbare Defizite entstanden."
(Quelle: dpa)
Gesetz gegen Internet-Piraterie und Kopierschutz-Knacken tritt in Kraft
Sa.13.09.03 - Von heute an gilt in Deutschland ein neugefasstes Urheberrecht, das den
neuen Technologien Rechnung trägen und damit den Schutz geistigen
Eigentums ausbauen soll. Das auf eine EU-Richtlinie zurückgehende
«Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der
Informationsgesellschaft» dient dem Kampf gegen Raubkopien und
Internetpiraterie. «Mit Anbruch des digitalen Zeitalters war es
erforderlich, den Schutz der Urheber auch auf die Verwertung im
Internet zu erstrecken», erklärte Bundesjustizministerin
Brigitte Zypries (SPD) am Freitag in Berlin.
Eine zentrale Rolle spiele der rechtliche Schutz von
Kopierschutzmaßnahmen, hieß es. Einer neuen Bestimmung
zufolge wird das Knacken oder Umgehen des Kopierschutzes mit Geldstrafe
oder Haft bis zu einem Jahr geahndet, wenn es «nicht
ausschließlich zum eigenen privaten Gebrauch des
Täters» oder seines engen Familien- und Freundeskreises
dient. Bei gewerbsmäßigem Handeln sind bis zu drei Jahre
Haft angedroht. Die Erlaubnis zur Herstellung einzelner Kopien für
den privaten Gebrauch gilt nicht, wenn die Vorlage, die kopiert werden
soll, «offensichtlich rechtswidrig hergestellt» worden ist.
Die unerlaubte Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke ist
schon bisher mit Geldstrafe oder Haft bis zu drei Jahren bedroht.
Zypries warnte, wer gewerblich oder privat, entgeltlich oder kostenlos
«Musik, Filme oder Computerspiele im Internet zum Download
anbietet und verbreitet, ohne hierzu berechtigt zu sein, macht sich
strafbar».
Die Reform sei noch nicht abgeschlossen, erklärte die Ministerin.
«Im Urheberrecht haben wir in dieser Legislaturperiode noch viel
vor.» Insbesondere werde man sich dem Vergütungssystem
zuwenden. Als Auftakt zur nächsten Reform werde am kommenden
Dienstag in Zusammenarbeit mit dem Institut für Urheber- und
Medienrecht in München ein Symposium stattfinden.
Der Deutsche Musikverleger-Verband und der Gesamtverband Deutscher
Musikfachgeschäfte erklärten in Bonn, mit der Novelle finde
das Warten auf Rechtssicherheit ein Ende. Jetzt erwarte man,
«dass das illegale Kopieren von Musik ebenso verfolgt wird wie
die Anleitungen und Aufforderungen dazu». Dies wäre ein
wichtiger Schritt zur Überwindung der schwierigen Situation der
gesamten Tonträgerwirtschaft.
(Quelle: ap)
Weitere Berichte zum Thema bei heise-online und futurezone unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/ad-12.09.03-000/
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=185549&tmp=44734
Einführung von Softwarepatenten in Europa bedroht das Internet
Linksammlung zum Thema:
http://segert.net/softwarepatente.php
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