Aktuelle Nachrichten
Irak am hunderteinundachzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Neuer Resolutionsentwurf der USA zu Irak bis Ende der Woche erwartet
+++ UN können Irak laut Annan nicht verwalten +++ Frankreich will
zunächst nur 'symbolische' Macht für Iraker +++ Paris
verhinderte offenbar Irak-Charterflüge mit britischen Soldaten +++
Irakischer Polizeichef in Falludscha getötet +++ BBC-Chef Dyke
bekräftigt Vorwürfe gegen britische Regierung +++ CNN-Star
sieht Einschüchterung durch US-Regierung bei Irakberichten
Di.16.09.03 - Die USA wollen dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen bis Ende der
Woche einen neuen Entwurf für eine Resolution zur Irak-Politik
vorlegen. Darin sollen die Einwände von Frankreich, Russland und
anderen Staaten berücksichtigt werden, wie Diplomaten am Montag in
New York mitteilten. Die USA sind vor allem an der Entsendung von
Truppen aus anderen Ländern sowie an internationaler Finanzhilfe
für Irak interessiert. Die Diskussionen hinter verschlossenen
Türen konzentrieren sich aber zunehmend auf die künftige
Rolle der Vereinten Nationen in dem besetzten Land und auf den Zeitplan
zur Wiederherstellung seiner Souveränität. Gespräche der
Außenminister der fünf ständigen Mitglieder des
Sicherheitsrats haben die Meinungsunterschiede am vergangenen Samstag
in Genf kaum überbrücken können, wie Diplomaten mehrerer
Staaten weiter erklärten.
Nach den Worten von Generalsekretär Kofi Annan können die UN
die Besatzungsmächte USA und Großbritannien im Irak nicht
ablösen. Entsprechende Vorstellungen wies Annan so deutlich wie
nie zuvor zurück. Die UN seien nicht in der Lage, das Land zu
verwalten. Ebenso wenig könnten sie die Sicherheit
gewährleisten, sagte Annan in New York. Die Vereinten Nationen
könnten allerdings wertvolle Unterstützung beim Aufbau des
politischen Systems leisten. Dazu müsse der Sicherheitsrat "die
Rolle der UN im Irak klar definieren".
Im Ringen um einen Zeitplan für die Wiederherstellung der
irakischen Souveränität kommt Frankreich offenbar den USA
entgegen. Die Übergabe politischer Verantwortung an die Iraker
müsse zunächst "symbolisch" geschehen, sagte der
französische Botschafter in den USA, Jean-David Levitte, am
Montagabend (Ortszeit) in einem US-Fernsehinterview. Die irakischen
Minister sollten zwar "so schnell wie möglich", aber erst dann
politische Verantwortung erhalten, wenn sie auch bereit seien, diese zu
tragen.
Die französische Regierung hat einem Medienbericht zufolge der
Charterfluggesellschaft Corsair den Transport britischer Soldaten
zwischen Großbritannien und der irakischen Hafenstadt Basra
verboten. Die Luftfahrtbehörden hätten in der vergangenen
Woche geplante Flüge buchstäblich in letzter Sekunde
gestoppt, meldete der Newsletter der Internet-Site Geopolitique.com am
Montag unter Berufung auf Mitarbeiter des französischen
Verkehrsministeriums. Ein Corsair-Sprecher bestätigte demnach das
Einschreiten der französischen Regierung.
Bei den Angriffen bewaffneter Iraker geraten neben US-Soldaten wieder
zunehmend einheimische Polizisten ins Visier. Der arabische
Fernsehsender El Arabija berichtet von Angriffen auf Polizisten in der
nordirakischen Stadt Mosul und in der Provinz Dijala. In der
Unruhestadt Falludscha, in der US-Soldaten in der vergangenen Woche
versehentlich acht Polizisten getötet hatten, war am Montag der
Polizeichef einer benachbarten Ortschaft in seinem Auto erschossen
worden.
Wie die Polizei in Falludscha mitteilte, eröffneten drei
Attentäter das Feuer auf den Polizeichef von Chaldijah, als dieser
mit zwei weiteren Polizisten in seinem Auto gerade nach Falludscha
hineinfuhr. Seine beiden Begleiter seien bei dem Angriff schwer
verletzt worden. Über die Hintergründe der Tat wurde
zunächst nichts bekannt.
Derweil hat BBC-Chef Greg Dyke vor der Untersuchungskommission zum Tod
des Waffenexperten David Kelly seine Vorwürfe gegen die britische
Regierung bekräftigt. Der damalige Kommunikationschef von Premier
Tony Blair, Alastair Campbell, habe eine Kampagne gegen seinen Sender
geführt, um von eigenen Fehlern in der Irak-Politik abzulenken,
sagte der Rundfunkdirektor am Montag bei der Anhörung vor dem
Ausschuss. Diesen Eindruck habe er mit BBC-Nachrichtenchef Richard
Sambrook geteilt, sagte Dyke. Campbell hatte die BBC scharf angegriffen
wegen eines Berichts, wonach London ein umstrittenes Irak-Dossier
aufgebauscht habe. Hauptquelle für den Bericht war Kelly, der Tage
später mit aufgeschnittenen Pulsadern tot aufgefunden wurde.
Die Star-Korrespondentin des Nachrichtensenders CNN, Christiane
Amanpour, hat eine "Einschüchterung" der amerikanischen Medien
durch die US-Regierung während des Irakkriegs kritisiert. Dies
habe zu einem "Klima der Angst" und Selbstzensur geführt, beklagte
Amanpour nach einem Bericht der Zeitung "USA Today". In dieser
Atmosphäre hätten die Journalisten nicht die richtigen Fragen
gestellt, unter anderem über die angeblichen irakischen
Massenvernichtungswaffen.
(Quellen: ap, dpa, afp)
«USA wollen die Führung nicht abgeben»
«Das Tauziehen um eine neue Irak-Resolution geht weiter»
«Umstritten ist nach wie vor, wie viel Macht die UNO im Irak
bekommen soll. Frankreich und Deutschland legten letzte
Woche einen gemeinsamen Vorschlag vor, wonach eine irakische
Übergangsregierung gebildet werden soll, die der UNO
verantwortlich ist. Im Gegenzug behielten die USA das Kommando
über eine multinationale Besatzungstruppe. Frankreich will
zudem einen strikten Zeitplan: Bis Ende des Jahres solle unter der
Aufsicht des UN-Sicherheitsrates eine neue irakische Verfassung
erarbeitet, spätestens nächstes Frühjahr Wahlen
abgehalten werden. Die russische Position ist etwas moderater als die
französische. Moskau würde sich mit einer etwas langsameren
Übergabe der politischen Kontrolle an die UNO zufrieden
geben.
Die Vereinigten Staaten lehnen solche Vorstellungen bisher strikt ab.
Die USA hätten Menschenleben und Ressourcen in den Krieg
investiert und müssten deshalb auch die Führung haben,
stellte Außenminister Colin Powell vor den Gesprächen in
Genf laut "New York Times" klar. (...)
Bleibt nun die Frage, wer sich zuerst bewegt. Die US-Regierung hofft,
über eine neue Resolution mehr Staaten zu militärischer und
finanzieller Hilfe bewegen zu können. Aber auch die Forderung von
Frankreich und Deutschland nach einer Übergabe der Macht an die
Vereinten Nationen ist alles andere als uneigennützig: Die
Besatzung unter US-Kontrolle begünstigt amerikanische Unternehmen.
Die major contracts für den Wiederaufbau sind allesamt
an US-Firmen wie Bechtel und Halliburton gegangen, die dann wiederum
einzelne Aufträge an Sub-Unternehmer vergeben . Je länger die
US-Besatzung andauert, je mehr Aufträge über Bechtel & Co
vergeben werden, desto schlechter für die deutsche und
französische Wirtschaft, die traditionell gute Wirtschaftskontakte
zum Irak hat...» (telepolis vom 15.09.03)
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/15640/1.html
|
Clinton wirft Bush 'Entfremdung' der Welt vor
Di.16.09.03 - Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton hat seinem Nachfolger
George W. Bush vorgeworfen, die USA mit dem Krieg gegen den Terrorismus
nach dem 11. September 2001 der Welt entfremdet zu haben. "Anstatt die
Welt um uns zu einen, haben wir uns ihr entfremdet. Anstatt die Nation
zu einen, hat er sich ihr entfremdet", sagte Clinton am Samstag in
Indianola im US-Bundesstaat Iowa. Der Ex-Präsident betonte, die
Welt habe den USA unmittelbar nach den Anschlägen vom 11.
September viel guten Willen entgegengebracht. Clinton sprach in
Indianola vor sieben Kandidaten seiner Demokratischen Partei für
die US-Präsidentschaftswahlen 2004.
(Quelle: afp)
Forscher: Mit den Dörfern entstanden auch die ersten Kriege
Di.16.09.03 - Erst mit der Entstehung von Dörfern kamen auch die Kriege in die
Welt. Das berichten US-Forscher nach Ausgrabungen in Mexiko. Die ersten
Dörfer entstanden dort vor 4000 bis 3600 Jahren in Oaxaca.
Nur wenige hundert Jahre später wurden auch die ersten
organisierten Kämpfe zwischen benachbarten Siedlungen ausgetragen,
wie Kent Flannery und Joyce Marcus von der Universität Michigan in
den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften (Online-Vorab:
10.1073/pnas.1934526100) berichten. Sie untermauern damit die These,
dass organisierte Kriege eine direkte Folge menschlicher Ansiedlungen
sind.
In den 6000 Jahren zuvor hatte Oaxaca nachweislich keine organisierte
Gewalt erlebt. In jener "archaischen Zeitperiode" gab es nur Nomaden,
die in vier- bis sechsköpfigen Familienverbänden und Gruppen
von 20 bis 25 Mitgliedern jagten und nach Nahrung suchten, wie die
Forscher berichten. Ihre Belege stammen von bekannten Ausgrabungsorten
und sind winzige Überreste von Lattenzäunen und
Befestigungswällen, Steine mit eingekerbten Bildern von toten und
sexuell verstümmelten Gefangenen sowie Zäune und Pfosten mit
Totenköpfen von Feinden.
Zwar wurden Kriege auch von anderen altertümlichen Gesellschaften
schon dokumentiert, räumen Flannery und Marcus ein. Die neuen
Daten aber stützten die Theorie, dass Gruppen ohne soziale
Unterschiede eher friedlich miteinander umgingen. Dagegen gab es in
einer reicheren Umgebung mit vielen natürlichen Ressourcen und
einer sozial unterteilten Gesellschaft demnach häufiger Kriege.
Die ältesten Verteidigungsanlagen - vor 3260 bis 3160 Jahren
erbaut - fand das Team in San Jose Mogote. Weitere Funde weisen darauf
hin, dass solche Anlagen über einen Zeitraum von rund 1000 Jahren
in dem Tal häufiger und dabei immer effektiver und abschreckender
wurden.
|
Nahost-Konflikt: USA wollen Israel-Hilfen wegen Siedlungsbau kürzen
Di.16.09.03 - Die US-Regierung hat am Montag eine Kürzung ihrer Finanzhilfen
für Israel angekündigt und diesen Schritt mit dem Bau
jüdischer Siedlungen in den Palästinenser-Gebieten
begründet.
Der Umfang der Kürzung sei noch nicht festgelegt, sagte ein
Regierungsvertreter in Washington. Sie werde jedoch ein Paket von
Kreditgarantien in Höhe von neun Milliarden Dollar betreffen. Die
Garantien sollen Israel in seiner tiefen Rezession und Finanzkrise
helfen, die zu großen Teilen
von dem seit bald drei Jahren anhaltenden Palästinenser-Aufstand
ausgelöst worden ist.
US-Finanzminister John Snow rief die Nahost-Konfliktparteien auf,
wirtschaftlich stärker zu kooperieren und damit die Aussichten auf
einen Frieden zu verbessern. "Frieden und Wohlstand gehen Hand in
Hand", sagte Snow zum Auftakt einer zehntägigen Nahost-Reise in
Jerusalem. "Man kann das eine nicht ohne das andere haben und jede
Seite muss sich in gleichem Maße dafür einsetzen, die
Schlüssel zu Wohlstand und Frieden zu finden." Dies bedeute
für Israel, "alles zu unterlassen, was den Friedensprozess
gefährden könnte - wie Zäune, Siedlungen,
Maßnahmen im Hinblick auf (Palästinenser-Präsident
Jassir) Arafat."
Ob der auch von US-Präsident George W. Bush kritisierte
israelische Schutzzaun zu den Palästinenser-Gebieten als
Siedlungsbau gewertet und ebenfalls mit einer Kürzung von Hilfen
bestraft werden soll, sei noch offen, hieß es in Washington. "Wir
können Kürzungen (wegen des Baus des Zauns) nicht
ausschließen", sagte der Vertreter. "Das ist noch in der
Diskussion." Israel begründet den Bau des Zauns mit dem Schutz vor
palästinensischen Selbstmordattentätern. Die
Palästinenser kritisieren, dass Israel mit dem Verlauf des Zauns
zu ihren Ungunsten die Grenzen eines Palästinenser-Staats
vorwegnehme.
Die Auflösung jüdischer Siedlungen sei das beste Mittel, um
unter den Palästinensern eine breite Unterstützung für
den Friedensprozess zu erreichen, sagte der Nahost-Gesandte der
Vereinten Nationen (UNO), Terje Roed-Larsen, am Montag während
einer öffentlichen Nahost-Debatte im UNO-Sicherheitsrat. Diese
Unterstützung sei wichtig, denn ohne sie "kann zum
gegenwärtigen Standpunkt kein palästinensischer
Ministerpräsident effektiv den Terrorismus und
Terrororganisationen bekämpfen", sagte er.
(Quelle: rtr)
Israels UN-Botschafter wirft Sicherheitsrat «Heuchelei» vor
+++ Israels Regierungsvize: Tötung Arafats ist Option
Di.16.09.03 - Der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman hat dem Weltsicherheitsrat
"Heuchelei" vorgeworfen. Das UN-Gremium sei wiederholt
zusammengekommen, um das Vorgehen Israels zu verurteilen. Es ignoriere
aber palästinensische Selbstmordanschläge und bewaffnete
Überfälle auf Israelis, sagte Gillerman dem israelischen
Armeerundfunk. Für heute wird eine UN-Resolution gegen die
Ausweisung von Palästinenserpräsident Jassir Arafat erwartet.
Israel wirft Arafat vor, in Terroranschläge verwickelt zu sein.
Der israelische Vize-Regierungschef Ehud Olmert hat derweil erneut die
gezielte Tötung von Palästinenserpräsident Jassir Arafat
als Option bezeichnet. Es handele sich "um eine Gewissensfrage", die er
aus "fundamentalen moralischen" Erwägungen stelle, sagte Olmert
dem US-Nachrichtensender CNN. US-Außenminister Colin Powell sagte
im TV-Sender Fox News, die USA seien gegen die Tötung und auch
gegen die Ausweisung des Palästinenserpräsidenten.
Olmert hatte am Wochenende die vollständige Isolierung, die
Ausweisung oder auch die Tötung Arafats als Option bezeichnet.
"Wieviele Zivilisten müssen noch getötet werden, bevor jemand
kommt und sagt: Lasst uns den Mann stoppen, der für all dies
verantwortlich ist?", fragte er. Es sei bekannt, dass Arafat "der Kopf
einer Terroristenbande" sei.
Unterdessen ist der Hamas-Gründer Scheich Ahmed Jassin offenbar
nur knapp einem weiteren gezielten Tötungsversuch durch die
israelische Armee entgangen. Wie die israelische Zeitung "Maariv" unter
der Überschrift "Israelische Journalisten retten Scheich Jassin"
berichtete, stoppte das Militär am 7. September in letzter Minute
einen Angriff auf den geistlichen Hamas-Führer, weil zwei
Fernsehteams israelischer Privatsender in dem Einsatzgebiet Aufnahmen
machten und gefährdet worden wären. Erst am Vortag hatte
Jassin eine Attacke in Gaza leicht verletzt überlebt.
(Quellen: dpa, afp)
Iran sagt weitere Kooperation mit IAEA zu
Di.16.09.03 - Iran hat am Montag internationalem Druck nachgegeben und
angekündigt, die Zusammenarbeit mit der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) fortzusetzen. Vizepräsident Resa
Aghasadeh sagte auf der IAEA-Vollversammlung in Wien, Teheran sei zur
Aufnahme von Verhandlungen über das Zusatzprotokoll zum
Atomwaffensperrvertrag bereit, womit IAEA-Inspektoren ungehinderter
Zugang zu iranischen Atomanlagen garantiert würde.
IAEA-Generaldirektor Mohamed ElBaradei hatte zu Beginn der
Vollversammlung Iran noch einmal aufgefordert, alle notwendigen
Informationen zu geben, die den Betrieb eines geheimen
Atomwaffenprogramms ausschließen könnten. Auch der
stellvertretende italienische Außenminister Roberto Antonione
forderte im Namen der EU, Iran müsse das Vertrauen der
internationalen Gemeinschaft zu seinem Atomprogramm wieder herstellen.
Der amerikanische Energieminister Spencer Abraham verlas eine scharf
gehaltene Erklärung von Präsident George W. Bush in der
Vollversammlung. Versuche, die Weiterverbreitung von Atomwaffen zu
verhindern, würden "von ein paar wenigen Schurkenstaaten"
gefährdet, die in den Besitz von Massenvernichtungswaffen kommen
wollten. Abraham nannte in diesem Zusammenhang Iran und Nordkorea. Auch
Japan konzentrierte sich auf diese beiden Länder. Tokio könne
nordkoreanische Versuche nicht akzeptieren, eine Atombombe zu bauen,
hieß es.
Iran war vergangene Woche vom IAEA-Direktorium aufgefordert worden, bis
Ende Oktober seine Atomaktivitäten vollständig offen zu
legen. Andernfalls solle sich der UN-Sicherheitsrat der Sache annehmen.
Teheran reagierte zunächst abweisend und drohte sogar am Sonntag
damit, die Zusammenarbeit mit der IAEA aufzukündigen.
Die 135 Delegationen der Vollversammlung haben im Gegensatz zum
Direktorium nicht die Möglichkeit, mit Ultimaten oder Anrufung des
Sicherheitsrats zu drohen. Sie kann aber dem IAEA-Sekretariat
Maßnahmen zur Weiterleitung an das Direktorium empfehlen.
(Quelle: ap)
Menschenrechtler kritisieren «Klima der Angst» in Brasilien
Di.16.09.03 - Millionen von Brasilianern leben nach Einschätzung von zwei
Menschenrechtsgruppen in einem ständigen "Klima der Angst und
Unterdrückung". Grund seien wiederholte Ermordungen von "sozial
oder politisch unerwünschten" Personen durch Todesschwadronen.
Betrieben werde diese "Kultur der sozialen Säuberung" vor allem
von Geschäftsleuten und Ladenbesitzern, heißt es in dem am
Montag veröffentlichten Bericht des Zentrums Globale Gerichtigkeit
und des Zentrums für Afro-Brasilianische Studien. Die
Todesschwadronen gehörten oft Polizisten an, deren Aktionen von
den Behörden geduldet würden. Der 272 Seiten umfassende
Bericht führt 335 Fälle von Menschen an, die seit 1997
getötet wurden. Dabei habe es in 202 Fällen keinen Versuch
gegeben, eine Strafverfolgung in Gang zu bringen.
(Quelle: ap)
Scheitern des WTO-Treffens ruft gegensätzliche Reaktionen hervor
+++ Annan lobt einheitliche Haltung der Entwicklungsländer in
WTO-Gesprächen
Di.16.09.03 - Das Scheitern der WTO-Verhandlungen in Cancún hat
unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Während Politik und
Wirtschaft den Abbruch des Ministertreffens bedauerten,
begrüßten viele Nicht- Regierungsorganisationen das
Scheitern. Dies sei eine Stärkung der Position der
Entwicklungsländer, hieß es. Kanzler Gerhard Schröder
sagte, das Ende von Cancún sei nicht das Ende der
Welthandelsrunde. Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Clement zeigte sich
optimistisch, dass die WTO-Runde doch noch zum Erfolg führen
könnte.
UN-Generalskeretär Kofi Annan hat die einheitliche Haltung der
Entwicklungsländer auf der gescheiterten WTO-Konferenz im
mexikanischen Cancún als eine positive Entwicklung bezeichnet.
Er sei zwar enttäuscht über das Scheitern der Verhandlungen,
erklärte Annan am Montag nach Angaben seines Sprechers Fred
Eckhard. Aber die Entwicklungsländer hätten zum ersten Mal in
den WTO-Verhandlungen mit einer gemeinsamen Stimme gesprochen und ihre
Interessen verteidigt. "Dies gibt große Hoffnung für die
Zukunft." Er erwarte, dass es im nächsten Jahr zu einer
Annäherung der strittigen Positionen und zu einem neuen Regelwerk
für den Welthandel kommen werde, erklärte Annan. Während
die Entwicklungsländer in Cancún vor allem den Abbau von
Agarsubventionen der Industriestaaten forderten, bestanden diese auf
der Aufnahme neuer Verhandlungsthemen wie Schutzgarantien für
Investitionen.
(Quellen: )
«NACH DEM SCHEITERN DER WTO-KONFERENZ IN CANCÚN»
«Der vorgesehene Zeitplan für eine neue Welthandelsordnung
ist nicht mehr einzuhalten. In Cancún ließen sich die
Entwicklungsländer keine Zugeständnisse bei
Investitionsvereinbarungen abhandeln. Sie forderten von EU und USA
konkrete Konzessionen im Agrarbereich. Das Treffen endete im
Streit...»
Mehr in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (16.09.03) :
http://www.taz.de/pt/2003/09/16/a0109.nf/text
«USA und EU haben sich sehr arrogant verhalten»
«Yash Tandon aus Uganda ist froh, dass sich die
Industrieländer diesmal nicht durchsetzen konnten und die
Entwicklungsländer Zeit gewonnen haben...»
Mehr in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (16.09.03) :
http://www.taz.de/pt/2003/09/16/a0109.nf/text
Professor Yash Tandon ist offizielles Mitglied der ugandischen
Regierungsdelegation und Direktor des UNDP-Programms, einer Initiative
mit dem Ziel, afrikas Verhandlungsposition im Welthandel zu
stärken. (Quelle: taz)
Was war der Grund für das Scheitern der WTO-Ministerkonferenz?
Walden Bello: "Ich denke, der Grund war, dass weder die USA noch die EU
zu Konzessionen bereit waren. Beim Thema Agrarhandel haben sie
keinerlei Zugeständnisse gemacht und gleichzeitig haben sie darauf
beharrt, Verhandlungen zu den vier Singapur Themen aufzunehmen. Der
zweite Entwurf der Ministererklärung (...) brachte das Fass dann
zum Überlaufen, denn er war wesentlich schlechter als der erste,
den Entwicklungsländer ja schon scharf kritisiert hatten. Das galt
vor allem im Bereich Landwirtschaft. Weder bei den Exportsubventionen,
noch bei den Zöllen der Industrieländer und den sogenannten
"Green Box" Subventionen wurden die Anliegen der
Entwicklungsländer aufgegriffen. Mit diesem Papier war klar, dass
allein der Süden Konzessionen hätte machen müssen,
während die Länder des Nordens weiter in den Genuss der
"besonderen und differenzierten Behandlung" gekommen wären, die
eigentlich nur den Entwicklungsländern zusteht. Dass der Draft
sich dann auch noch darum herumgeschlichen hat, bei den Singapur Themen
einen expliziten Konsens zu verlangen, brachte die
Entwicklungsländer zu der Einsicht, dass der Norden ihnen nicht
zuhören würde. Das war der Grund für Korea und Kenia
aufzustehen und darauf zu beharren, dass es ohne einen expliziten
Konsens in der Frage der Singapur Themen keine Verhandlungen geben
könne. Letztendlich haben USA und EU durch ihr Verhalten das
"Derail der WTO" verursacht, das wir immer gefordert haben. Sie haben
es sich selbst zuzuschreiben."
Welche Rolle hat die Zivilgesellschaft mit ihrer Botschaft "Derail the
WTO" in diesem Prozess gespielt?
Bello: "Die Zivilgesellschaft war unglaublich wichtig. Sie hat
Entwicklungsländer mit einer Menge Analysen und Informationen
versorgt, sie unterstützt und gleichzeitig Druck auf die
Verhandler ausgeübt. Die Massenmobilisierung auf den Strassen, die
Lobbyarbeit und die vielen Aktionen innerhalb der Hotelzone haben
wesentlich dazu beigetragen, die reichen Länder zu isolieren.
Aufgrund des Drucks von unten konnten auch die Entwicklungsländer
nicht von ihrer Position abweichen. Die Zivilgesellschaft war also ganz
klar der zentrale Akteur hier in Cancun."
Wie ist das Scheitern der Konferenz zu bewerten?
Bello: "Ich sehe das äusserst positiv. Eine Einigung auf Grundlage
des Entwurfs für die Ministererklärung (...) hätte
schreckliche Konsequenzen gehabt. Ihr wären alle Anliegen der
Entwicklungsländer zum Opfer gefallen. Für uns ist kein Deal
daher besser als ein schlechter Deal. Ein Scheitern der Konferenz war
die beste Option."
Welche Schritte stehen für die Zivilgesellschaft jetzt an?
Bello: "Sie muss alles daran setzten, die WTO zu einem Relikt der
Vergangenheit zu machen. Ihre intransparenten und undemokratischen
Regeln, die einseitig die Mächtigen begünstigen, machen sie
zu einer Organisation, die nicht ins 21. Jahrhundert gehört. Wir
brauchen Regelwerke oder Institutionen, welche die Interessen der
Mehrheit der Mitgliedsländer repräsentieren. Wir brauchen die
Institutionalisierung von Mehrheitspositionen. Das ist aber mit der WTO
nicht möglich. Nachdem wir im Vorfeld von Cancun auf ein Derail
the WTO hingearbeitet haben, müssen wir uns jetzt überlegen,
wie wir ein "phasing out", ein Auslaufen der WTO erreichen können."
Aus einem Interview das die Organisation WEED mit Walden Bello
geführt hat:
http://www.weed-online.org/themen/18695.html
Walden Bello ist Direktor der auf den Philippinen ansässigen
Nichtregierungsorganisation "Focus on the Global South". Er forderte
seit Monaten ein Scheitern der Konferenz. (Quelle: WEED)
Mobilisierung gegen WTO: Zuviel Streit in Cancún?
Die "junge Welt" befragte eine Mitarbeiterin des Organisationskomitees,
das die Protesttage und das Sozialforum im mexikanischen Cancún
anläßlich der Ministerkonferenz der Welthandelskonferenz WTO
vorbereitete:
http://www.jungewelt.de/2003/09-16/018.php
«USA drohen mit Alleingang im Welthandel»
Di.16.09.03 - «Nach dem Scheitern der Konferenz in Mexiko steht die Zukunft der
Welthandelsorganisation (WTO) auf dem Spiel. (...) Die USA machten die
Entwicklungsländer für den Fehlschlag verantwortlich und
drohten, andere Organisationsformen außerhalb der WTO zu suchen.
Bei dem Ministertreffen in Cancun sollten bis Ende 2004 weltweite
Handelserleichterungen vereinbart werden, die nach Berechnungen der
Weltbank das Einkommen der Erdbevölkerung in zehn Jahren um 520
Milliarden Dollar steigern würden. (...)
Nach dem Abbruch der Verhandlungen in Cancun in der Nacht zum Montag
hatte EU-Handelskommissar Lamy den bisherigen Zeitplan aufgegeben. „Die
Doha-Handelsrunde ist nicht tot, aber sie muss auf die Intensivstation",
sagte er. Das Scheitern sei eine schlimme Nachricht für die
Weltwirtschaft. „Wir haben alle verloren, arme wie reiche Länder."
Der US-Handelsbeauftragte Robert Zoellick äußerte
grundsätzliche Zweifel am Erfolg der laufenden Handelsrunde, die
2001 in der Stadt Doha in Katar begonnen hatte. „Nach den jetzigen
Erfahrungen fällt es mir schwer zu glauben, dass wir zu einem
Ergebnis kommen". Während Lamy keine Schuldigen für das
Scheitern benennen wollte, kritisierte Zoellick mehrere afrikanische
Staaten sowie den neuen Machtblock der so genannten G-20-plus-Gruppe.
Unter diesem Namen haben sich mehr als 20 Länder aus Asien,
Lateinamerika und Afrika unter der Führung Brasiliens, Indiens und
Chinas quasi als Gegengewicht zur Runde der G 8 der reichen
Industriestaaten zusammengeschlossen. Die Gruppe, die nach eigenen
Angaben die Hälfte der Weltbevölkerung und 60 Prozent aller
Bauern vertritt, wies die Vorwürfe zurück. „Wir hätten
ein Ergebnis bevorzugt, aber das war nicht möglich", sagte
Brasiliens Außenminister Celso Amorim. „Mit der neuen Gruppe ist
ein Faktor in den Welthandelsgesprächen entstanden, mit dem die
Industriestaaten rechnen müssen." Es gehe um fairen Ausgleich
zwischen Arm und Reich. Trotz des Drucks aus den USA will die Gruppe
zusammenbleiben. Sie hatte von den Industriestaaten einen weit
radikaleren Abbau der Agrarsubventionen und -zölle gefordert, als
diese zugestehen wollten.
Der unmittelbare Anlass für das Scheitern der Gespräche war
ein Streit über vier neue WTO-Vereinbarungen, die unter anderem
Investitionen von Unternehmen im Ausland schützen sollen. Nachdem
Kenia und Indien in der laufenden Runde keines dieser Themen hatte
verhandeln wollen, die Europäische Union aber auf mindestens zwei
bestand, erklärte der Verhandlungsleiter den Gipfel für
geplatzt. EU-Diplomaten kritisierten den Abbruch der Gespräche als
voreilig.
Die USA drohten, nach neuen Wegen außerhalb der
Welthandelsorganisation zu suchen. „Wir öffnen Märkte, zur
Not mit bilateralen Abkommen", sagte Zoellick. Die WTO müsse
effizienter werden. Die Vereinigten Staaten hatten vor Jahren
vorgeschlagen, die Stimmenanteile in der WTO nach Anteilen am
Welthandel zu gewichten, was die Industriestaaten klar bevorzugen
würde. Einer solchen Veränderung räumt die
Europäische Union aber wenig Chancen ein. Handelskommissar Lamy
forderte, die Administration der WTO, die er als mittelalterlich
bezeichnete, zu stärken und das Verhandlungsmanagement zu
verbessern. „Die Struktur der Organisation kann das Gewicht ihrer
Aufgabe nicht tragen", sagte Lamy. „Die Frage ist: Wie ändern wir
die Regeln, sodass es funktioniert?"
Wirtschaftsverbände zeigten sich enttäuscht über das
Scheitern und gaben Industrie- wie Entwicklungsländern
gleichermaßen die Schuld, wogegen Globalisierungsgegner allein
die reichen Länder kritisierten. Die Organisation attac warf den
Industriestaaten vor, an ihrer „Arroganz der Macht" gescheitert zu
sein. Das Netzwerk Dritte Welt sprach von einer Vertrauenskrise der WTO
und forderte mehr Transparenz und Demokratie. » (Süddeutsche
Zeitung vom 16.09.03)
Aktuelle Berichterstattung aus Cancún unter:
http://cancun.indymedia.org/
http://www.econautix.de/site/
econautixpage_1144.php#nitf3f4cd9015036d
http://www.attac.de/cancun/cancunupdate02.php
http://www.attac-austria.org/aktuell/cancun/berichte.php
http://www.weed-online.org/themen/18695.html
Hintergrundinformationen zur WTO-Konferenz unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309120.htm#030912_m
|
Bayerns SPD-Spitzenpolitiker Maget im Visier der Neonazi-Bande +++
Gewerkschaft der Polizei: Politik hat Kampf gegen den
Rechtsextremismus vernachlässigt
Di.16.09.03 - Die in München verhafteten Neonazis haben auch den bayerischen
SPD-Spitzenpolitiker Franz Maget als mögliches Anschlagsziel im
Visier gehabt. Das teilte Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) am
Montag in München mit. Die rechtsextreme Gruppe habe mit einer
Ausspähung Magets bereits begonnen. Dies unterstreiche ihren
terroristischen Charakter, sagte Schily. Maget steht nach SPD- Angaben
inzwischen unter Personenschutz der Polizei.
"Ich habe keine Angst. Aber die Polizei hat mir geraten, das ernst zu
nehmen", sagte Maget, der bei der Landtagswahl an diesem Sonntag als
Spitzenkandidat seiner Partei antritt. Schily erklärte, man kenne
aus früheren Jahren bei rechtsextremen Gruppen eine erhebliche
Gewaltbereitschaft und auch Sprengstoffanschläge gegen Sachen.
"Aber hier handelt es sich um eine neue Qualität."
Schily bestätigte Berichte, wonach die Polizei den Neonazis und
ihren Plänen nur auf die Spur kam, weil die Gruppe einen
Aussteiger verprügelt hatte und dieser Anzeige erstattete. "Wie
häufig in polizeilichen Dingen stand Kommissar Zufall hilfreich
zur Seite", sagte Schily. Dies schmälere aber nicht den Erfolg der
Münchner Polizei, die gut agiert habe.
Die Neonazi-Bande hatte den Ermittlungen zufolge eine ganze Reihe von
Anschlagszielen in München auf ihrer Liste - darunter die geplante
neue Synagoge, aber auch Moscheen und eine griechische Schule. Die
Polizei hatte 14 Kilogramm Sprengstoff sichergestellt, darunter 1,7
Kilo des hochexplosiven TNT.
Bisher ergingen gegen zehn Neonazis Haftbefehle, gegen zwei wurden
diese außer Vollzug gesetzt. "Wir sind erst am Anfang unserer
Ermittlungen", betonte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke-
Katrin Scheuten, in Karlsruhe. "Jetzt geht es zunächst darum, ein
vollständiges Bild zu gewinnen." Generalbundesanwalt Kay Nehm
hatte das zunächst von der Münchner Polizei geführte
Verfahren am vergangenen Donnerstag an sich gezogen.
Schily sprach von Besorgnis erregenden Erkenntnissen, wandte sich aber
erneut gegen die von Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU)
geprägten Begriff "Braune Armee Fraktion". Ohne etwas
bagatellisieren zu wollen, habe die Planung der Neonazi-Gruppe nicht
die Dimension der linksterroristischen "Roten Armee Fraktion" der 70er
Jahre. "Man sollte nicht solche Vergleiche wählen, denn solche
Superlative verbrauchen sich schnell", sagte Schily. Neben konsequenter
Beobachtung und Verboten rechtsextremer Gruppen, sobald das
möglich sei, dürfe aber auch die geistig-politische
Auseinandersetzung nicht vernachlässigt werden. "Den Aufstand der
Anständigen brauchen wir permanent."
Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg,
wertete den Begriff "Braune Armee Fraktion" dagegen als zutreffend.
Zugleich warf er der Politik vor, den Kampf gegen den Rechtsextremismus
in den vergangenen Jahren vernachlässigt zu haben. Der Schock nach
den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA habe dazu
geführt, dass in den deutschen Sicherheitsbehörden
Kräfte auch aus dem Bereich Rechtsextremismus für den
Antiterrorkampf abgezogen worden seien, sagte der GdP-Chef der
"Berliner Zeitung".
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul
Spiegel, rief erneut zu Wachsamkeit gegen neuen rechten Terror auf.
"Wir haben seit Jahren davor gewarnt, dass der Antisemitismus in
Deutschland am Wachsen ist", sagte er im Deutschlandfunk.
(Quelle: dpa)
Skinhead-Schläger in Verbindung zu Drahtziehern geplanter Attentate
Di.16.09.03 - Die Skinheads, die am Wochenende in München einen
dunkelhäutigen Amerikaner angegriffen haben, standen in Verbindung
mit den rechtsextremistischen Drahtziehern der geplanten Attentate. Ein
Polizeisprecher sagte am Montag, zwei der am Sonntag Festgenommenen
seien dem Umfeld des Neonazis Martin Wiese zuzurechnen. Dessen Gruppe
plante mehrere Sprengstoffanschläge. Zusammenhänge zwischen
dem Überfall und den Attentaten seien derzeit nicht ersichtlich,
sagte der Sprecher weiter.
Eine Gruppe stark alkoholisierter Skinheads hatte am frühen
Sonntagmorgen den in München lebenden US-Amerikaner auf der
Straße attackiert. Der 48-Jährige konnte sich mit einem
Verkehrsschild verteidigen, bis eine Polizeistreife eingriff.
Neun Skinheads befanden sich am Montag noch in Polizeigewalt. Die
Staatsanwaltschaft wollte am Nachmittag entscheiden, ob die 16- bis
24-Jährigen dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden sollen.
Nähere Angaben zu der Gruppe wollte der Sprecher zunächst
nicht machen. Zwei Personen im Alter von 17 und 20 Jahren waren am
Sonntag wieder auf freien Fuß gelangt. Wie der Polizeisprecher
sagte, waren die beiden nachweislich nicht an dem Überfall
beteiligt.
(Quelle: ap)
Forderung nach Umwelt-Abgabe für Fluggesellschaften
Di.16.09.03 - Der Präsident des Umweltbundesamts, Andreas Troge, hat gefordert,
im Interesse des Klimaschutzes von den Fluggesellschaften eine
streckenbezogene Umweltabgabe zu erheben. Für einen
innereuropäischen Flug sollten pro Passagier "wenige Euro"
kassiert werden, sagte er der "Berliner Zeitung" (Dienstagausgabe).
Damit könnten die Umweltschäden durch den stark wachsenden
Flugverkehr weiter verringert werden.
Troge kritisierte zudem, dass die Flugbranche hohe Subventionen
erhält, wie etwa die Befreiung von der Kerosinsteuer und von der
Mehrwertsteuer bei grenzüberschreitenden Flügen. Dadurch
würden weniger umweltbelastende Verkehrsträger wie die Bahn
deutlich benachteiligt, sagte Troge.
Der stellvertretende Fraktionschef der Grünen im Bundestag,
Reinhard Loske, kritisierte die Subventionierung von
Provinzflughäfen durch Länder und Gemeinden, von denen
insbesondere so genannte Billig-Airlines starten.
(Quelle: ap)
SPD will laut Bericht private Kassen für alle Bürger
öffnen +++ Grüne: Bürgerversicherung wird 2006
Wahlkampfthema +++ DGB: Vorschlag der Grünen ist eine Mogelpackung
Di.16.09.03 - Die SPD-Führung will das System aus gesetzlicher und privater
Krankenversicherung laut einem Bericht der "Bild-Zeitung" künftig
für alle Bürger öffnen. Die Bundesbürger, auch
Beamte und Selbstständige, sollen demnach laut dem Entwurf des
Leitantrags für den SPD-Parteitag im November frei wählen
können, ob sie in einer privaten oder gesetzlichen Krankenkasse
Mitglied sein wollen. Die Privatkassen müssten den Forderungen
zufolge jeden aufnehmen, und zwar unabhängig vom Einkommen, wie
das Blatt in seiner Dienstagausgabe berichtete.
Wörtlich heiße es in dem 45-seitigen SPD-Papier: "Wir wollen
einen Wettbewerb um gute Versorgungsstrukturen und nicht um gute
Risiken. Es darf keinen Anreiz zu Rosinenpickerei geben."
Unterdessen übte FDP-Chef Guido Westerwelle scharfe Kritik an dem
Modell einer Bürgerversicherung. Das sei ein Wunschtraum, "der
nicht zu Ende gedacht ist", sagte Westerwelle der Chemnitzer "Freien
Presse". Mit der Zahl der Einzahler steige auch die Zahl der
Anspruchsberechtigten, wodurch die Kosten weiter nach oben gingen. "Die
Bürgerversicherung ist ein teurer Teufelskreislauf."
Westerwelle forderte einen Systemwechsel mit mehr Wahlfreiheit und
Wettbewerb. Ein marodes System werde nicht in Ordnung gebracht, "wenn
noch mehr Menschen gezwungen werden, darin einzuzahlen". Den Weg in
eine Staatsmedizin, und monopolistische Zwangskasse würden die
Liberale nicht mitgehen. Der FDP-Vorsitzende plädierte dafür,
dass die Versicherten künftig unter verschiedenen Anbietern mit
unterschiedlichen Leistungen und Tarifen und wählen könnten.
Die Grünen haben derweil angekündigt, die Bundestagswahl 2006
zu einer Abstimmung über die Einführung einer
Bürgerversicherung zu machen.
Grünen-Chef Reinhard Bütikofer sagte am Montag in Berlin, bis
2006 solle die Debatte über die Bürgerversicherung
abgeschlossen sein, so dass die Deutschen bei der Wahl darüber
entscheiden können, wie der Systemwechsel in der gesetzlichen
Krankenversicherung aussehen solle. Zuvor hatte der Grüne
Parteirat ein Bürgerversicherungs-Konzept beschlossen, das
allerdings nicht in allen Punkten den Plänen von
Außenminister Joschka Fischer (Grüne) folgt. Nach Auffassung
von Experten sind vor allem Rentner sowie gut verdienende neue Beamte
Verlierer des Modells der Grünen. Die stellvertretende
SPD-Fraktionsvorsitzende Gudrun Schaich-Walch regte in ihrer Partei
eine Debatte über eine Abkoppelung der Kassenbeiträge von den
Löhnen an.
Kern des Beschlusses der Grünen ist, dass künftig alle
Personen und Einkommensarten in die Bürgerversicherung einbezogen
werden sollen - also auch Selbstständige und Beamte sowie Miet-
und Zinseinkünfte. Zur Entlastung der Wirtschaft soll geprüft
werden, den Arbeitgeberanteil in die gesetzliche Krankenversicherung
prozentual zu deckeln. Fischer hatte einen solchen Schritt
vorgeschlagen, war damit aber auch in Reihen der Grünen auf Kritik
gestoßen, weshalb jetzt offenbar lediglich ein Prüfauftrag
fixiert wurde.
Die Bürgerversicherung soll sowohl von privaten als auch
gesetzlichen Kassen angeboten werden. Die Privatkassen sollen
verpflichtet werden, mit jedem Versicherungswilligen einen Vertrag
abzuschließen. Außerdem sollen sie nach den Plänen der
Grünen künftig in den so genannten Risikostrukturausgleich
zwischen den Kassen einbezahlen.
Fischer sagte, die Einführung der Bürgerversicherung stehe
frühestens im Jahr 2007 an. Der Kanzler mahnte dazu, zunächst
die Aufmerksamkeit auf die Umsetzung der zwischen Union und Regierung
ausgehandelten Gesundheitsreform zu lenken. "Darauf konzentriere ich
jedenfalls meine Kräfte", betonte Schröder am Rande einer
Veranstaltung in Berlin.
SPD-Generalsekretär Olaf Scholz sprach sich gegen eine Deckelung
der Arbeitgeberbeiträge aus, wie sie von den Grünen
debattiert werden. "Wir halten nichts von einer Begrenzung der
Arbeitgeberbeiträge", sagte Scholz. Er sei zudem dagegen, Miet-
und Zinseinnahmen bei der Berechnung der Kassenbeiträge zu
berücksichtigen.
Schaich-Walch regte eine Debatte über die Frage an, ob die
Beiträge in die gesetzliche Krankenversicherung künftig noch
abhängig von den Löhnen erhoben werden sollten. Die
SPD-Politikerin sagte, sie hielte es für eine Möglichkeit,
künftig Pauschalen zur Finanzierung der gesetzlichen
Krankenversicherung zu erheben. Eine sozialer Ausgleich zwischen Gut-
und Geringverdienern könne dann über Steuermittel geschehen.
Sie sei aber noch nicht auf ein Modell festgelegt.
Nach Auffassung von Experten wären vor allem Rentner sowie neue
und gut verdienende Beamte die Verlierer des
Bürgerversicherungsmodells der Grünen. Der Vorsitzende des
Sachverständigenrates für die Konzertierte Aktion im
Gesundheitswesen, Eberhard Wille, sagte Reuters, vor allem ältere
Menschen würden durch die Einbeziehung von Miet- und
Zinseinkünften getroffen, weil diese über mehr Erspartes
verfügten als junge. Wille sagte, durch die Pläne der
Grünen könnte der durchschnittliche Kassen-Beitragssatz um
0,7 bis 0,9 Prozentpunkte gedrückt werden.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) nannte den Vorschlag der
Grünen eine Mogelpackung. Grundidee der Bürgerversicherung
sei die Verbreiterung der Solidaritätsbasis. Dem stehe ein
Einfrieren des Arbeitgeberanteils diametral entgegen. Die FDP
kritisierte die Bürgerversicherung als Weg in die staatliche
Einheitsversorgung. Auch die privaten Krankenversicherungen beklagten,
die Grünen marschierten mit der Bürgerversicherung in die
Staatsmedizin.
(Quellen: ap, rtr)
«Risiken und Nebenwirkungen eingeplant»
«"Schröpfen statt reformieren – Patienten bluten für
das kranke Gesundheitswesen" lautet die Bewertung der geplanten
"Gesundheitsreform" durch die Deutsche Gesellschaft für
Versicherte und Patienten e.V. (DGVP). Die Organisation versteht sich
als eine Art Dachverband für 30 Patientenorganisationen mit
insgesamt über 30000 Mitgliedern. Fünf Punkte stellte
Ekkehard Bahlo, Präsident, der DGVP, am Montag in Berlin in den
Mittelpunkt seiner Kritik. Das geplante Gesetz bedeute eine gigantische
Umverteilung der Kosten zu Lasten der Patienten und deren weitere
Entmündigung. Dazu kämen gravierende
Leistungsverschlechterungen, eine ausufernde Bürokratie durch die
Ausdifferenzierung von Versicherungsvarianten und die Verschwendung von
Versichertengeldern durch den generellen Ausschluß
verschreibungsfreier Medikamente aus dem Leistungskatalog der
gesetzlichen Krankenversicherung...» (Quelle: "junge Welt" vom
16.09.03)
Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/09-16/016.php
|
Vorbereitungen für Welt-Informationsgipfel in Genf
Di.16.09.03 - Die Überwindung der internationalen Informationskluft im Internet
stand im Montag im Mittelpunkt einer Vorbereitungsrunde für den
Weltgipfel über die Informationsgesellschaft [http://www.wsis.org] im Dezember. Die
Delegierten in Genf wollten auch über den Datenschutz im Internet
und über Möglichkeiten beraten, bis zum Jahr 2015 alle
Schulen auf der Welt mit Online-Zugängen auszustatten. Zwischen
den Staaten bestünden dabei beträchtliche Unterschiede, sagte
der Schweizer Informationsminister Moritz Leuenberger zum Auftakt der
zweiwöchigen Gespräche.
Der Welt-Informationsgipfel findet vom 10. bis 12. Dezember in Genf
statt. Mehr als 40 Staats- und Regierungschefs haben ihre Teilnahme
bereits zugesagt, weitere werden erwartet. Ziel des Treffens ist die
Verabschiedung eines Aktionsplans, mit dem der Beitrag der modernen
Informationstechnologie zu wachsendem Wohlstand gesichert werden soll.
Zu den weiteren Themen gehören unter anderem Meinungsfreiheit und
Sicherheit im Internet.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/anw-15.09.03-000/
«Die schleichende Schwerpunktverlagerung der Welgipfels zur
Informationsgesellschaft»
«Was vor zwei Jahren als ein "Dritte-Welt-Projekt" zur
Überbrückung der "digitalen Spaltung" gestartet war, wird
jetzt mehr und mehr zu einer gigantischen Diskussionsplattform, auf der
die Probleme der "Ersten Welt" verhandelt werden...»
Mehr bei "telepolis" unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/te/15595/1.html
«Showdown im Kampf um Softwarepatente»
«Am 23. September kommt die umstrittene EU-Direktive zu
Softwarepatenten in die Plenardebatte des Europäischen Parlaments.
Bis dato wurde Software nach dem Prinzip des Urheberrechts behandelt,
was eine einigermaßen flexible Regelung ermöglichte. Falls
Software unter das Patentrecht fällt, würde "Innovation am
Softwaresektor gestoppt" werden, wie es Rechtsanwalt Georg Zanger
formuliert.
"Beim Urheberrecht ist eine freie Nachschöpfung möglich",
führt Zanger aus. "Dies ist beim Patentrecht nicht erlaubt. Wir
stehen auf der Kippe, zurückzuschreiten statt nach vorn." Er
zitiert das Höchstgericht der USA, das bereits vor 121 Jahren
donnerte: "Es war niemals das Ziel des Patentrechts, Monopole zu
fördern" und "every shadow of a shade of an idea" in Patente zu
gießen.» (Quelle: futurezone vom 15.09.03)
Mehr unter:
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=186110&tmp=98834
Einführung von Softwarepatenten in Europa bedroht das Internet
Linksammlung zum Thema:
http://segert.net/softwarepatente.php
Im Netz laufen zahlreiche Protest-Aktionen gegen die geplante Einführung von Softwarepatenten in Europa. Nähere Infos unter:
http://wiki.ael.be/index.php/InfoStands
|
mehr Kurznachrichten...