Aktuelle Nachrichten
Irak am hundertdreiundachzigsten Tag nach Kriegsbeginn:
Saddam-Tonband warnt US-Soldaten +++ Polizist tötet im Irak
versehentlich US-Soldaten +++ US-Präsident Bush: Saddam wird
gefasst - tot oder lebendig +++ Weißes Haus: Nie Irak mit 11.
September in Verbindung gebracht +++ US-Sicherheitsberaterin Rice: Bis
zu 2000 ausländische Kämpfer gegen USA in Irak aktiv +++
Aufbau irakischer Armee laut US-Berater extrem teuer +++ Schröder
bietet USA Hilfe für Aufbau Iraks an +++ Schily entsendet
THW-Experten in den Irak
Do.18.09.03 - Der arabische Nachrichtensender El Arabija hat am Mittwoch ein Tonband
ausgestrahlt, auf dem angeblich der untergetauchte irakische
Ex-Präsident Saddam Hussein die USA zum bedingungslosen Abzug aus
dem Golfstaat auffordert. US-Präsident George W. Bush
bekräftigte, die USA würden Saddam ergreifen, tot oder
lebendig.
Die Stimme auf dem Band forderte alle Iraker auf, ihre Angriffe gegen
die US-Soldaten zu intensivieren. Es müsse "mit allen Mitteln ein
Heiliger Krieg gegen die dummen Invasoren geführt werden". In den
vergangenen Monaten sind wiederholt Tonbänder aufgetaucht, auf
denen eine Saddam zugeschriebene Stimme das irakische Volk zum
Widerstand gegen die US-geführten Besatzungstruppen aufgefordert
hat. Saddam befindet sich seit seinem Sturz im April auf der Flucht.
Der Sprecher auf dem Band sagte, falls sich die US-Streitkräfte
nicht bedingungslos und so rasch wie möglich
zurückzögen, würden sie katastrophale Verluste erleiden.
"Euer Rückzug ist unausweichlich, ob heute oder morgen, und morgen
wird bald sein", sagte der Mann, die September als Datum der
Tonbandaufnahme angab. Seit dem von Bush am 1. Mai verkündeten
Ende der Kämpfe im Irak sind bei Angriffen und Anschlägen 73
US- und elf britische Soldaten getötet worden. Die USA machen
dafür vornehmlich Gefolgsleute Saddams verantwortlich.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte jüngst versichert,
die US-Truppen würden sich durch die Anschläge nicht
vertreiben lassen.
Im Irak hat ein Polizist versehentlich einen US- Soldaten erschossen.
Das berichtet die irakische Zeitung "Assah". Demnach starb der
Amerikaner an einer Straßensperre durch einen Warnschuss des
Irakers. An einer Schnellstraße im Westen von Bagdad
zerstörten Iraker ein US-Militärfahrzeug mit einem
Sprengsatz. Wie der arabische Fernsehsender El Dschasira berichtet, gab
es auch in der nördlich von Bagdad gelegenen Stadt Samarra einen
Angriff auf US- Soldaten und irakische Polizisten.
Bush sagte am Dienstag dem "Seattle Post-Intelligencer", die
US-Strategie zum Wiederaufbau des Irak und zur Zerschlagung militanter
Organisationen in dem Land funktioniere. Dies sei allerdings noch nicht
ins Verständnis der Öffentlichkeit vorgedrungen, räumte
der US-Präsident ein. Auf die Frage nach der Wichtigkeit einer
Ergreifung Saddams sagte Bush, einen Sieg im Irak mache er daran fest,
dass das Land frei und friedlich sei. "Ja, und wir möchten ihn
ergreifen oder töten. Und wir werden dies auch zu gegebener Zeit
tun", fügte Bush hinzu.
Unterdessen hat das Weiße Haus bestritten, jemals eine Verbindung
zwischen dem gestürzten irakischen Machthaber Saddam Hussein und
den Anschlägen des 11. September 2001 hergestellt zu haben.
US-Präsidentensprecher Scott McClellan sagte am Mittwoch in
Washington, das Weiße Haus habe in der Vergangenheit vielmehr
erklärt, dass es keine Beweise für eine solche Verbindung
habe.
In Irak sind nach US-Angaben bis zu 2000 ausländische Kämpfer
aus arabischen Staaten, die das Land durch Anschläge
destabilisieren wollen. Die genaue Anzahl der ausländischen
Kämpfer sei unbekannt, doch gingen Schätzungen von mehreren
Hundert bis zu mehreren Tausend aus, sagte die Nationale
Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice am Dienstag im Nachtprogramm des
Fernsehsenders ABC. Nach ihren Worten ist Irak inzwischen zur
"Hauptfront im Krieg gegen den Terrorismus" geworden. Ohne den
US-Angriff würden die radikalen Kräfte ihre "terroristischen
Akte" in anderen Regionen der Welt begehen.
Der Aufbau einer neuen irakischen Armee wird nach Ansicht des
zuständigen US-Regierungsberaters extrem teuer werden. Die
künftige Armee auszubilden und auszurüsten, verlange "einen
sehr hohen Einsatz", sagte der für den militärischen
Wiederaufbau in Irak verantwortliche Berater Walter Slocombe am
Mittwoch (Ortszeit) vor Journalisten in Washington. "Sie brauchen
alles: Uniformen, Waffen, Fahrzeuge." Um die geplante, 40.000 Mann
starke Truppe aufzustellen, müsse "ein Großteil" der 87
Milliarden Dollar (knapp 78 Milliarden Euro) veranschlagt werden, die
US-Präsident George W. Bush für die US-Einsätze in Irak
und Afghanistan beantragt hatte. Das US-Verteidigungsministerium habe
bereits 40.000 Sturmgewehre der Marke Kalaschnikow bestellt, die pro
Stück 59 Dollar kosteten.
Angesicht der fast täglichen Angriffe auf ihre Soldaten und der
steigenden Kosten ihres Militäreinsatzes bemühen sich die USA
im UNO-Sicherheitsrat derzeit um eine neue Resolution, um ein
größeres internationales Engagement im Irak zu erreichen.
Vor allem Frankreich, Russland und Deutschland sehen einen dazu von den
USA eingebrachten Resolutionsentwurf allerdings als unzureichend an. Am
Dienstag wird Bush vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen (UNO)
sprechen.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat den USA deutsche
Unterstützung beim Wiederaufbau Iraks angeboten. Deutschland
könne im Bereich der humanitären Hilfe und der Infrastruktur
wie etwa bei der Wasserversorgung "einzelne Aufbauprojekte"
unterstützen, sagte Schröder dem "Handelsblatt"
(Donnerstagsausgabe). Dieses Angebot gelte unabhängig von einer
Resolution der Vereinten Nationen, betonte der Bundeskanzler. Zudem sei
Deutschland bereit, bei der Ausbildung irakischer Polizisten und
Soldaten zu helfen. Dies könne in den Bundeswehrhochschulen oder
auch in anderen Ländern geschehen, sei aber im Irak selbst "sehr
schwer" zu leisten, fügte Schröder unter Verweis auf die
dortige prekäre Sicherheitslage hinzu.
Das marode Trinkwassernetz in Bagdad soll mit deutscher Hilfe wieder in
Stand gesetzt werden. Bundesinnenminister Otto Schily hat vier
Trinkwasser- und Infrastrukturspezialisten des Technischen Hilfswerks
in den Irak entsandt. Das teilte sein Ministerium in Berlin mit. Die
THW-Experten sollen mit Unterstützung lokaler Kräfte unter
anderem Lecks im Trinkwassernetz suchen und ein Labor zur
Trinkwasseruntersuchung aufbauen. Zur Sicherheit der THW- Helfer seien
umfangreiche Vorkehrungen getroffen worden, so Schily.
(Quellen: dpa, afp)
«Hohe Strahlenwerte in Bagdad»
Kritik am Einsatz von Uranmunition wächst. USA streiten
Gefahren ab
«Erkrankte US-amerikanische Soldaten und stark erhöhte
Strahlenwerte in Bagdad haben die Gefahren von Uranmunition erneut in
die Diskussion gebracht. Wenig Glauben schenken Experten den
Beteuerungen der US-Regierung, daß der Einsatz von Geschossen mit
einem Kern von abgereichertem Uran risikolos sei. Wie die Washington
Post berichtet, sind seit Beginn des jüngsten Golfkrieges mehr als
6000 US-Soldaten aus gesundheitlichen Gründen aus dem Irak
abgezogen worden, 1400 von ihnen wegen Verletzungen, die sie sich bei
Kampfhandlungen oder Unfällen zugezogen hatten, die übrigen
wegen anderer körperlicher oder psychischer Probleme...»
(Quelle: "junge Welt" vom 18.09.03)
Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/09-18/005.php
* Vom 16. bis 19. Oktober beschäftigt sich in Hamburg die "World
Uranium Weapons Conference 2003" mit dem Thema DU-Munition und den
Folgen ihres Einsatzes.
Weitere Informationen:
http//:www.uranwaffenkonferenz.de
|
USA: Syrien hat Massenvernichtungswaffen
Do.18.09.03 - Die US-Regierung hat Syrien vorgeworfen, Massenvernichtungswaffen zu
produzieren sowie anti-amerikanische Attacken zu dulden.
US-Präsident George W. Bush strebe eine friedliche und
diplomatische Lösung an, schließe aber ausdrücklich
keine Option aus, auch nicht die eines Regimewechsels in Damaskus,
betonte US-Vizeaußenminister John Bolton in einer Anhörung
vor dem Senatsausschuss. Dies berichtete der US-Nachrichtensender CNN
am Mittwoch.
Syrien verhalte sich zwar seit dem Ende des Irak-Krieges zunehmend
kooperativ, die Entwicklung von nichtkonventionellen Waffen sorge
jedoch für wachsende Besorgnis in den USA, sagte Bolton dem
Bericht zufolge vor dem Ausschuss. Syrien besitze chemische und
biologische Waffen und strebe den Besitz nuklearer Waffen an. Syrien
habe zudem Freiwilligen im Krieg erlaubt, in den Irak zu gelangen, "um
dort unsere Soldaten anzugreifen und zu töten und tut dies immer
noch", sagte Bolton.
US-Außenminister Colin Powell und Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld hatten in der Vergangenheit wiederholt kritisiert, dass von
Syrien aus militante Kämpfer ungehindert über die Grenze in
den Irak gelangen könnten.
(Quelle: dpa)
US-Haushaltsdefizit wächst dramatisch
Do.18.09.03 - Die US-Regierung hat in den ersten elf Monaten des laufenden
Haushaltsjahres bereits 400,5 Milliarden Dollar Schulden gemacht,
doppelt so viele wie im selben Zeitraum des Vorjahres. Die am Mittwoch
vom Finanzministerium veröffentlichten Zahlen werfen ein
Schlaglicht auf die steigende Finanznot in Washington. Die Regierung
von Präsident George W. Bush schätzt, dass die Schulden bis
Ende des Fiskaljahres am 30. September auf 455 Milliarden anwachsen
werden. Den bisherigen Schuldenrekord stellte George Bush Senior im
Jahr 1992 auf: Damals belief sich das Haushaltsdefizit auf 290,4
Milliarden Dollar.
Bush Junior macht die kriselnde Konjunktur sowie die Kosten für
den Irak-Krieg und den Kampf gegen den Terrorismus für die
dramatische Entwicklung verantwortlich. Die Demokraten verweisen
dagegen auf Bushs Steuersenkungen und aus ihrer Sicht kontraproduktive
wirtschaftspolitische Entscheidungen.
In den ersten elf Monaten des Haushaltsjahres 2003 gingen die
Staatseinnahmen um 4,2 Prozent auf 1,59 Billionen Dollar zurück,
nach Angaben des Haushaltsbüros des Kongresses (CBO) vor allem
wegen rückläufiger Steuereinnahmen: Der Einbruch bei
Einkommenssteuern liegt bei 8,1 Prozent, die Einnahmen aus der
Körperschaftssteuer gingen gar um 13,5 Prozent zurück. Die
Ausgaben stiegen dagegen um sieben Prozent auf 1,99 Billionen Dollar.
(Quelle: ap)
BBC-Reporter räumt schwere Fehler in Kelly-Affäre ein
Do.18.09.03 - Der BBC-Reporter Andrew Gilligan hat sich dafür entschuldigt, den
Waffenexperten David Kelly indirekt als Quelle seines Berichts
über ein Irak-Dossier der britischen Regierung preisgegeben zu
haben. Er habe in einer E-Mail an einen Abgeordneten nahe gelegt, dass
seine Informationen von dem Waffenexperten stammten, sagte Gilligan am
Mittwoch bei seiner zweiten Befragung vor der Untersuchungskommission
zum Tod Kellys. Zudem räumte er ein, seine Behauptung, das
Büro von Premierminister Tony Blair habe das Irak-Dossier bewusst
manipuliert, sei ein Fehler gewesen.
Im Kreuzverhör mit seiner Anwältin Heather Rogers sagte
Gilligan: "Es war falsch, die E-Mail-Nachricht zu schicken. Ich kann
mich nur entschuldigen." Wenige Tage nachdem verschiedene Zeitungen
Kelly als Informant des BBC-Reporters genannt hatten, brachte sich der
Regierungsberater am 18. Juli um. Wer für das Bekanntwerden seines
Namens verantwortlich ist, steht im Zentrum der Untersuchung der
Kelly-Kommission, die von Lord Brian Hutton geleitet wird.
In seinem Bericht hatte Gilligan der Regierung unterstellt, die
Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen wissentlich
aufgebauscht zu haben. Gilligan stürzte Blair damit in die
schwerste Glaubwürdigkeitskrise seiner Amtszeit.
Im Kreuzverhör mit Regierungsvertreter Jonathan Sumption
räumte Gilligan am Mittwoch nun eine unglückliche Wortwahl
ein. In dem BBC-Bericht hieß es, Blairs Büro habe dem
Geheimdienstbericht den Hinweis hinzugefügt, Irak könne
biologische oder chemische Massenvernichtungswaffen binnen 45 Minuten
einsetzen - und dies, obwohl die Verantwortlichen gewusst hätten,
dass die Behauptung «wahrscheinlich falsch» sei.
Auf die Frage, ob er der Regierung damit Verlogenheit unterstellt habe,
antwortete Gilligan: "Mein Vorwurf war, dass (...) die Behauptung in
Geheimdienstkreisen als unhaltbar galt." Die Unterstellung, dass die
Regierung dies wahrscheinlich wusste, sei ein Fehler gewesen. "Ich
bedauere diese Worte, und ich hätte sie nicht verwenden sollen."
Dennoch habe er Kellys Ansicht korrekt wiedergegeben, dass einige
Geheimdienstmitarbeiter über den 45-Minuten-Hinweis
unglücklich gewesen seien.
Weiter verteidigte sich Gilligan gegen den Vorwurf, er habe im
Gespräch mit Kelly zuerst Blairs inzwischen zurückgetretenen
Kommunikationschef Alastair Campbell als Verantwortlichen für den
Einschub genannt. Dies hatte eine enge Mitarbeiterin Kellys, Olivia
Bosch, zuvor bei einer Befragung durch die Hutton-Kommission ausgesagt.
Zwar tauchte Campbells Name in dem BBC-Bericht nicht auf, doch in einem
folgenden Zeitungsartikel warf Gilligan dem Blair-Mitarbeiter vor, er
sei es gewesen, der das Geheimdienstmaterial aufgebauscht habe.
"Alastair Campbells Name wurde erwähnt", sagte Gilligan am
Mittwoch. "Und zwar spontan von Dr. Kelly."
(Quelle: ap)
Ansturm auf Website der Hutton-Untersuchungskommission
Seit Beginn der Sitzungen der Untersuchungskommission zur
Kelly-Affäre werden die begleitenden Materialien [http://www.the-hutton-inquiry.org.uk/]
ins Web gestellt. Die Sammlung an Transkripten, E-Mails und Memos aus
dem innersten der Regierungsmaschinerie wurde binnen kürzester
Zeit zur beliebtesten politischen Website in Großbritannien.
(Quelle: rollberg)
Mehr unter:
http://www.paranews.org/article.php?sid=382
|
Spanischer Richter erhebt Anklage gegen Bin Laden
Do.18.09.03 - Der spanische Ermittlungsrichter Baltasar Garzon hat am Mittwoch
Anklage gegen den Extremistenführer Osama bin Laden und 34 weitere
Terrorverdächtige erhoben. In seiner fast 700-seitigen
Anklageschrift wirft Garzon ihnen Verwicklung in terroristische
Aktivitäten vor, zehn von ihnen werden einer Beteiligung an den
Anschlägen vom 11. September 2001 beschuldigt.
Gegen Bin Laden und zwölf weitere Verdächtige wurde
internationaler Haftbefehl erlassen. Bei 16 der 35 Angeklagten ist der
Aufenthaltsort unbekannt. Bei elf in Spanien inhaftierten
Verdächtigen ordnete Garzon weitere Haft an. Zu den Angeklagten
zählt auch der in Pakistan festgenommene Ramzi Binalshibh, dem
Kontakt zur zur Hamburger Terrorzelle vorgeworfen wird. Auch Tayssir
Alouni, der in Spanien festgenommene Reporter des arabischen
Fernsehsenders El Dschasira, steht auf der Liste.
Zur Begründung seiner Anklage erklärte Garzon, die
Vorbereitungen für die Terroranschläge in New York und
Washington hätten zum Teil auch in Spanien stattgefunden. Spanien
habe als Platz des Rückzugs, der Vorbereitungen, der
Unterstützung und Finanzierung der Organisation El Kaida gedient,
hieß es in dem Dokument. Terrorismus zähle außerdem zu
jenen Verbrechen, die die spanische Justiz unabhängig vom Tatort
verfolgen könne. Es gehe im weniger darum, die Verdächtigen
in Spanien vor Gericht zu stellen, sondern er wolle verhindern, dass
sie im Falle einer Festnahme einer Strafverfolgung entgehen,
erklärte Garzon.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Spanischer Untersuchungsrichter Garzon spricht bei Anti-Kriegs-Demonstration in Madrid
Mo.07.04.03 - Der spanische Untersuchungsrichter Baltasar Garzon hat am Sonntag die
spanische Regierung und die USA wegen des Golfkriegs scharf kritisiert. Angekündigt
als einfacher "Bürger Baltasar Garzon" trat der für seinen Einsatz gegen den chilenischen
Exdiktator Augusto Pinochet bekannte Richter bei einer Protestkundgebung in Madrid auf...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0304070.htm#030407_
«Terrorist Screening Center: Neue Terror-Datenbank in den
USA»
«Die Administration Bush behält ihren Kurs unbeirrt bei -
nun soll schon wieder ein neues Datencenter eröffnet werden, um
den "Krieg gegen den Terror" zu gewinnen.
Nach dem Scheitern der "Total/Terrorist Information
Awareness"-Pläne im Senat und jüngst in Betrieb gegangenen
"Terrorist Threat Integration Center" wird nun das "Terrorist Screening
Center" aufgemacht. In dieser zentralen Terror-Datensammlung sollen
alle Terroristen-Listen der verschiedenen US-Behörden miteinander
abgeglichen werden, laut einem stellvertretenden FBI-Direktor soll das
ein gutes Dutzend unterschiedlicher Listen sein. Die Datenbank wird
über das "National Criminal Information Center" des FBI rund um
die Uhr zugänglich sein und von allen Geheimdiensten bestückt
werden...» (Quelle: futurezone, 17.09.03)
Mehr unter:
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=186970&tmp=64478
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Arabische Staaten beantragen UN-Sondersitzung zu Nahost +++ Arafat
bietet Israel nach gescheiterter UN-Resolution erneut Waffenruhe an +++
Israelische Armee tötet führendes Hamas-Mitglied
Do.18.09.03 - Nach dem amerikanischen Veto zu einer Nahost-Resolution im
Weltsicherheitsrat haben die arabischen Staaten eine Sondersitzung der
UN-Generalversammlung beantragt. Sie wollen eine Resolution zur
Abstimmung bringen, die Israel auffordert, den palästinensischen
Präsidenten Jassir Arafat nicht auszuweisen. Das Sekretariat der
Generalversammlung bestätigte am Mittwoch, dass ein schriftlicher
Antrag der Arabischen Liga eingegangen sei. Eine Entscheidung sei aber
noch nicht gefallen.
Auf Initiative Syriens hatte der UN-Sicherheitsrat erst am
Dienstagabend über eine Resolution abgestimmt, mit der Israel zur
Aufhebung des Ausweisungsbeschlusses bewegt werden sollte. Die USA
legten jedoch ihr Veto ein. Der neue Resolutionsentwurf werde "leichte
Abänderungen" beinhalten, sagte der palästinensische
Vertreter bei den Vereinten Nationen, Nasser el Kidwa. "Wir hoffen auf
breite Unterstützung." Resolutionen der Vollversammlung sind -
anders als Beschlüsse des Sicherheitsrates - nicht bindend.
Palästinenserpräsident Jassir Arafat hat sich unterdessen
erneut für eine Waffenruhe mit Israel ausgesprochen. "Ich will
einen Waffenstillstand", sagte Arafat im israelischen Fernsehen. "Alle
wollen Frieden, für das Wohl des Nahen Osten und der
künftigen Generationen" von Israelis und Palästinensern.
Das Veto der Vereinigten Staaten im UN-Sicherheitsrat gegen eine
Israel-kritische Entschließung werde Israel dazu ermutigen, seine
umstrittene Entscheidung umzusetzen und ihn auszuweisen, zitierte
derweil der katarische Fernsehsender El Dschasira den
Palästinenserpräsidenten. In der von arabischen Staaten
vorgelegten und von den USA zu Fall gebrachten Resolution wurde Israel
aufgefordert, von den Ausweisungsplänen abzusehen und jegliche
Bedrohung Arafats zu unterlassen.
Der ägyptische Außenminister Ahmed Maher bezeichnete das
Veto der USA als "ungerechtfertigt". Er nannte die Argumentation der
USA einen "Vorwand", wonach der Resolutionsentwurf nicht ausgewogen
genug gewesen sei. Da Washington Arafats Ausweisung ablehne, halte er
das Veto allerdings nicht für einen Freibrief an Israel. Damit
Israel die Blockadehaltung der USA aber nicht missverstehe, müsse
die US-Regierung "dringend" klarstellen, dass sie damit kein
grünes Licht für die israelische "Angriffspolitik"
gegenüber den Palästinensern gebe, sagte Maher.
Im südlibanesischen Flüchtlingslager Ain Helue protestierten
tausend Palästinenser gegen das US-Veto. "Amerika ist Israels
Komplize" und "Nein zum amerikanischen Veto" riefen die Demonstranten
bei einer Sitzblockade vor dem Büro von Arafats Fatah-Bewegung.
Im Gazastreifen hat die israelische Armee am Donnerstag mit einem
gezielten Angriff erneut ein führendes Mitglied des
militärischen Arms der radikalen Hamas getötet.
Sanitäter teilten mit, der 34-jährige Dschihad Abu Swerah,
Mitglied der El-Kassam-Brigaden, sei ums Leben gekommen, als
israelische Kampfhubschrauber Raketen auf sein Haus im
Flüchtlingslager Nusserat abgefeuert hätten. Der Vater Abu
Swerahs sei bei dem Angriff verletzt worden.
Dem Hubschrauberangriff waren die heftigsten Gefechte zwischen
israelischen Soldaten und Palästinensern seit Monaten
vorangegangen. Augenzeugen berichteten, die Soldaten seien in Nusserat
eingerückt, um Abu Swerah festzunehmen. Daraufhin hätten
Palästinenser mit Granaten und automatischen Waffen das Feuer auf
die Soldaten eröffnet. Die israelische Armee habe
Kampfhubschrauber zur Unterstützung eingesetzt, die drei Raketen
auf das Haus des Hamas-Mitglieds abgeschossen hätten. Aus
israelischen Armeekreisen verlautete, bei dem Gefecht drei Soldaten
verwundet worden.
Nach einer Reihe von Selbstmordanschlägen im vergangenen Monat in
Israel, die der Hamas zur Last gelegt werden, hatte die israelische
Armee ein schärferes Vorgehen gegen militante Palästinenser
im Gaza-Streifen angekündigt.
(Quellen: ap, afp, rtr)
Ringen um europäische Verfassung: EU-Kommission beharrt auf Änderungen
in Verfassungsentwurf
Do.18.09.03 - Trotz vielfacher Warnungen vor einem Aufschnüren des Entwurfs
für eine europäische Verfassung beharrt die EU-Kommission auf
wesentlichen Änderungen. EU-Kommissionspräsident Romano Prodi
mahnte am Mittwoch in Brüssel, dass entgegen dem Entwurf auch
künftig jedes Mitgliedsland einen Vertreter in die Behörde
entsenden müsse. "Ich kann mir nur schwer eine Kommission
vorstellen, in der Deutschland kein Stimmrecht hat." Zudem forderte
Prodi eine deutlichere Ausweitung von Mehrheitsbeschlüssen.
Der vom EU-Konvent vorgelegte Verfassungsentwurf sieht vor, dass die
Behörde künftig nur noch 15 stimmberechtigte Kommissare und
zehn nicht stimmberechtigte umfasst. Die Zuteilung soll zwischen den -
nach der Erweiterung dann 25 - Mitgliedstaaten rotieren. Prodi warnte
davor, dass ein Land auf Distanz zu Brüssel gehen könnte,
sollte es in der Kommission nicht stimmberechtigt vertreten sein. Zudem
wäre "die Grundlage für eine kollegiale Verantwortung
beschädigt".
Die Kommission setze sich auch aufgrund ihrer Erfahrung für das
Prinzip ein Kommissar pro Land ein, sagte Prodi. Um das Gremium
effektiv zu halten, schlägt die Behörde vor, dass
Beschlüsse je nach Politikfeld in der Regel von einer Gruppe aus
Kommissionsmitgliedern gefasst werden. «Das gesamte Kollegium
würde lediglich über Fragen von strategischer und politischer
Bedeutung entscheiden», heißt es in dem Vorschlag.
Zudem warnte Prodi davor, dass die EU handlungsunfähig würde,
sollte es nicht zu einer deutlichen Ausweitung von
Mehrheitsbeschlüssen kommen. Besonders in Steuerfragen müsse
hier noch einiges geschehen. Der Verfassungsentwurf sieht zwar eine
Einschränkung der Einstimmigkeit vor, verzichtet aber in zentralen
Fragen wie der Steuerpolitik oder der Außenpolitik auf die
Einführung von Mehrheitsentscheidungen.
Prodi verwies darauf, dass eine Mehrheit der 25 künftigen
Mitgliedstaaten Änderungen am Konventsentwurf fordere. Dabei
setzen sich besonders Österreich und mehrere weitere kleinere
Länder dafür ein, dass die Größe der Kommission
erhalten bleibt. Den Konventstext nicht antasten wollen dagegen die
sechs EU-Gründerstaaten Deutschland, Frankreich, Italien, die
Niederlande, Belgien und Luxemburg.
Besonders der deutsche Außenminister Joschka Fischer hat
wiederholt davor gewarnt, dass ein Aufschnüren des Entwurfs den
gesamten Text in Gefahr bringt. Die Verhandlungen der Mitgliedstaaten
über die Verfassung beginnen unter italienischer
Ratspräsidentschaft am 4. Oktober in Rom. Bis Jahresende sollen
die Arbeiten abgeschlossen sein.
(Quelle: ap)
Kultusminister attackieren OECD-Studie
Do.18.09.03 - Die Kultusminister von Österreich, Bayern, Baden-Württemberg,
Hessen sowie der Schweizer Kantone haben den OECD-Bildungsbericht
gemeinsam scharf kritisiert. Der Bericht ignoriere Berufs- und
Fachschulen und dokumentiere geringe Kenntnisse der Bildungssysteme im
deutschsprachigen Raum, sagte die bayerische Kultusministerin Monika
Hohlmeier am Mittwoch in München.
Die Behauptung, ein Mangel an Abiturienten und Akademikern habe die
Wirtschaftskrise mit verursacht, sei abenteuerlich und
realitätsfern. Die Südländer hätten weniger
Abiturienten, lägen aber wirtschaftlich an der Spitze und
hätten die geringste Jugendarbeitslosigkeit. Die OECD müsse
den Stellenwert der Lehrlingsausbildung, Fachschulen und Fachakademien
"endlich anerkennen".
Der Generalsekretär der Schweizerischen Konferenz der
Erziehungsdirektoren, Hans Ambühl, sagte in Bern, zwei Drittel
aller Jugendlichen in der Schweiz machten eine Lehre. Viele gingen
anschließend auf Meisterschulen und Fachhochschulen. Die OECD
müsse dies in ihren Bildungsvergleichen endlich zur Kenntnis
nehmen. Auch die österreichische Bildungsministerin Elisabeth
Gehrer forderte die OECD auf, die im deutschsprachigen Raum stark
ausgebaute Berufsausbildung künftig zu berücksichtigen.
Die hessische Bildungsministerin Karin Wolff warnte davor, die Zahl der
Studienanfänger wie "eine Monstranz der Bildungspolitik" vor sich
her zu tragen. Von einseitigen Bildungsstudien werde sich Deutschland
nicht von seinem bewährten System aus Abitur und Dualer Ausbildung
abbringen lassen. Die Stuttgarter Kultusministerin Annette Schavan
sagte, der OECD-Bericht verzerre das Gesamtbild. Dank der Berufsschulen
gehöre Baden-Württemberg europaweit zu den Ländern mit
der geringsten Jugendarbeitslosigkeit.
Dagegen macht die OECD-Studie nach Ansicht von
FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper deutlich, "dass die Politik
endlich handeln muss". Pieper forderte vor allem ein Umsteuern bei der
Bildungsfinanzierung: "Wir sind auf dem Holzweg, wenn wir weiterhin 7,5
Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Subventionen ausgeben und
nur 5,3 Prozent für die Bildung." Diese Schieflage müsse
endlich beseitigt werden.
(Quelle: ap)
OECD-Studie: Schlechte Bildung in Deutschland schwächt
Wirtschaftswachstum
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309170.htm#030917_c
17-Jährige wegen Anschlagsplan in München verhaftet
Do.18.09.03 - Nach dem geplanten Bombenanschlag auf die jüdische Gemeinde in
München ist eine 17-jährige mutmaßliche
Rechtsextremistin verhaftet worden. Wie die Bundesanwaltschaft am
Mittwoch in Karlsruhe mitteilte, wird der jungen Frau aus dem
Münchner Umland Mitgliedschaft in einer terroristischen
Vereinigung vorgeworfen. Damit sitzen jetzt neun Verdächtige um
die "Kameradschaft Süd" des Neonazis Martin Wiese in Haft. Zwei
weitere Haftbefehle wurden gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt.
Die 1,7 Kilogramm TNT für den geplanten Anschlag hatte Wiese nach
Informationen der "Süddeutschen Zeitung" von Kriminellen an der
polnischen Grenze gekauft. Sicherheitsexperten befürchteten, dass
die kriminelle Szene in Polen auch andere Rechtsextremisten damit
beliefere. Die Fahnder hätten Wiese bei seiner Reise nach
Brandenburg offenbar überwacht und bei der Rückreise in
Nürnberg zugegriffen. Wiese habe kein TNT dabei gehabt, aber ein
Spürhund habe angeschlagen. Insgesamt 14 Kilogramm Sprengstoff
stellte die Polizei dem Bericht zufolge schließlich in einer
Münchner Schreinerei sicher, in der Wieses mutmaßlicher
Komplize Alexander M. arbeite. Zwölf Kilogramm stammten aus alten
Weltkriegs-Granaten und seien von zwei Waffenhändlern in
Mecklenburg und Brandenburg beschafft worden.
Der Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, rief zu
mehr Widerstand gegen Rechtsradikale auf. Große Teile der
Bevölkerung sähen den geplanten Anschlag auf die neue
Synagoge in München lediglich als Angriff gegen Juden, mit dem sie
nichts zu tun hätten. "Sie begreifen nicht, dass diese Attacken
von Neonazis ein Angriff gegen die Menschlichkeit und gegen die
Demokratie in diesem Lande sind", sagte Spiegel im Fernsehsender
Phoenix. Die Schulen sollten mehr über das Judentum informieren.
Die Vizepräsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, sprach
von einer zunehmenden Bedrohung für die jüdischen Gemeinden.
Sie fühlten sich in "größter Unsicherheit", sagte
Knobloch in Berlin bei der Verleihung des Leo-Baeck-Preises an den
Schriftsteller Ralph Giordano. Die Neonazis planten, Menschen zu
töten, die an einem neuen jüdischen Leben arbeiten. Auch
Giordano rief Deutschland zu mehr Wachsamkeit und einem
verstärkten Kampf gegen Antisemitismus auf: "München ist die
allerletzte Warnung."
Der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm (CDU)
forderte mehr verdeckte Ermittler und "mehr V-Leute in der
Neonazi-Szene. Terrorpläne wie jetzt in München lassen sich
nur gezielt verhindern, wenn Polizei und Verfassungsschutz eigene Leute
in der Szene haben, die rechtzeitig warnen können", sagte der
CDU-Politiker der "Bild-Zeitung".
In Bayern zeigte sich der SPD-Spitzenkandidat Franz Maget "sehr
enttäuscht" vom bayerischen Innenminister Günther Beckstein,
der eine konkrete Gefährdung des SPD-Politikers dementiert hatte.
Beckstein habe ihn persönlich davor gewarnt, die Sache auf die
leichte zu Schulter zu nehmen. "Wenn er jetzt behauptet, als wäre
die Bedrohung meiner Person eine gar willkommene
Wahlkampfunterstützung, dann finde ich das makaber und
ungeheuerlich."
(Quelle: ap)
Mehr zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309160.htm#030916_i
Kohls Stasi-Unterlagen dürfen herausgegeben werden
Do.18.09.03 - Die Stasi-Unterlagen über Alt-Kanzler Helmut Kohl (CDU)
dürfen nach einem Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts jetzt
grundsätzlich herausgegeben werden. Damit gab das Gericht am
Mittwoch der Klage der Bundesbeauftragten für die Unterlagen der
DDR- Staatssicherheit, Marianne Birthler, statt. Kohls Anwalt Stephan
Holthoff-Pförtner bedauerte die Entscheidung und kündigte
Rechtsmittel gegen das Urteil an. Deshalb bleiben die Akten
zunächst weiter unter Verschluss.
Das Gericht ließ die Sprungrevision zu (Az.: VG 1 A 317.02).
Damit geht das Verfahren gleich zum Bundesverwaltungsgericht. Birthler
sagte nach der Urteilsverkündung: "Ich bin sehr froh, dass ein
Dilemma aufgelöst wurde: Das Dilemma zwischen den Ansprüchen
von Helmut Kohl und den Ansprüchen der Antragsteller, die die
Akten einsehen wollten." Der Direktor der Stasi-Unterlagenbehörde,
Hans Altendorf, erklärte, solange das Verfahren nicht
endgültig entschieden sei, gebe es keine Akten-Herausgabe.
Die Aufarbeitung der Stasi-Strukturen sei ein legitimes Ziel,
hieß es in dem Urteil weiter. Daher sei die Verwendung von Daten
über Personen der Zeitgeschichte "angemessen und zumutbar". Erst
die weitgehende Offenlegung von Akten gebe ein zutreffendes Bild
über die Arbeit der DDR-Staatssicherheit. Ohnehin sehe das Gesetz
vor, keine privaten Informationen weiterzugeben, sondern nur Papiere,
die die Amtsausübung oder zeitgeschichtliche Rolle beträfen.
"Dass die Behörde Spielraum hat, ist mit den Grundrechten
vereinbar."
Im März 2002 hatte Kohl ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
erstritten, nach dem die Stasi-Unterlagen über ihn mit Blick auf
den Opferschutz komplett unter Verschluss bleiben müssen.
Daraufhin war das Stasi-Unterlagengesetz gegen den Willen der Union
dahingehend novelliert worden, dass Unterlagen über Personen der
Zeitgeschichte an Journalisten und Wissenschaftler zur Aufarbeitung der
Stasi- Tätigkeit weitergegeben werden dürfen, wenn
schutzwürdige Interessen nicht verletzt werden.
Das Gericht bescheinigte dem Gesetz, verfassungskonform zu sein. "Dass
5. Stasi-Unterlagengesetz erweist sich als wirksam." Die Neuregelung
des Paragrafen 32 sei verfassungsgemäß, erteilten die
Richter der gegensätzlichen Auffassung von Kohls Anwälten
eine Absage. "Ein Verstoß ist nicht gegeben", sagte der
Vorsitzende Richter Hans-Peter Rueß. Das Grundrecht auf
informationelle Selbstbestimmung dürfe in zulässiger Weise
eingeschränkt werden.
(Quelle: dpa)
MAD soll Bundeswehr auch bei Auslandseinsätzen schützen
Do.18.09.03 - Der Militärische Abschirmdienst (MAD) soll künftig im Rahmen
von Bundeswehreinsätzen auch im Ausland zum Schutz der Soldaten
tätig werden dürfen, wenn auch mit strengen Auflagen. Das
Bundeskabinett beschloss am Mittwoch einen entsprechenden
Gesetzentwurf. Danach darf der MAD bei Auslandseinsätzen die
Abwehr extremistischer und terroristischer Bestrebungen und von
Sabotage gegen die Truppe sichern, wie Regierungssprecher Béla
Anda erklärte. Dies sei bisher nicht zweifelsfrei geklärt
gewesen.
Der MAD, der bei den Streitkräften die ansonsten dem
Verfassungsschutz zufallenden Aufgaben wahrnimmt, ist ein
Inlandsnachrichtendienst. Verteidigungsminister Peter Struck verwies
jedoch darauf, dass mittlerweile bereits rund 8.000 deutsche Soldaten
im Ausland Dienst tun. Der Dienst müsse die rechtliche Grundlage
unter anderem dafür erhalten, im Ausland angeworbene Helfer der
Truppe überprüfen zu können.
Die festgelegten Beschränkungen tragen den Bedenken der
Grünen Rechnung, die den MAD-Einsatz im Ausland für
problematisch halten und neben dem Bundesnachrichtendienst (BND) nicht
noch einen zweiten Auslandsgeheimdienst sehen wollen. Der Entwurf sei
ein «vertretbarer Kompromiss», erklärten der
parlamentarische Geschäftsführer Volker Beck und
Fraktionsvize Hans-Christian Ströbele. Er schaffe eine gesetzliche
Grundlage für die Auslandstätigkeit und schiebe einer
kritisierten Praxis vergangener Jahre einen Riegel vor.
Der MAD dürfe im Ausland örtlich, zeitlich und von den
Aufgaben her nur streng limitiert tätig werden, erklärten
sie. Der Einsatz ist demnach an die Einsätze der Bundeswehr
gekoppelt, die Aufgaben sind auf die Sicherung der Truppe und ihrer
Einrichtungen sowie auf die Überprüfung der einheimischen
Zivilangestellten beschränkt. Informationen sammeln dürfe der
Militär-Geheimdienst nur innerhalb der Quartiere und Dienststellen
der Truppe, nicht überall in der Region. Ansonsten dürfe er
nur öffentliche Stellen um Auskunft ersuchen.
Der Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel wie Lauschangriffe oder
Agenten außerhalb von Unterkünften und Dienststellen sei in
keinem Fall zulässig. Damit sei der Aufbau eines
geheimdienstlichen Informationsnetzes außerhalb Deutschlands
ausgeschlossen, erklärten die Grünen-Politiker.
(Quelle: ap)
Hartz schlägt laut Zeitung neues Arbeitszeitmodell vor
Do.18.09.03 - VW-Personalvorstand Peter Hartz hat sich mit neuen
Reformvorschlägen in der Öffentlichkeit zurückgemeldet.
Einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Donnerstagausgabe)
zufolge sieht ein von Hartz konzipiertes neues Vertragswerk eine im
Laufe des Berufslebens schrittweise verkürzte Arbeitszeit vor.
Demnach sollen alle Arbeitnehmer bis zum 65. Lebensjahr arbeiten, die
Älteren ihre Arbeitszeit aber schrittweise von 40 auf 30
Wochenstunden verkürzen. Die Jüngeren müssten Guthaben
ansparen, also länger arbeiten.
So solle sich im Durchschnitt über das ganze Berufsleben eine
Wochenarbeitszeit von 35 Stunden ergeben, berichtet das Blatt weiter.
Hartz habe seinen Vorschlag für die westdeutschen VW-Werke
entwickelt, wolle sie aber auch in Ostdeutschland anwenden. Er sehe sie
als Testfall in den kommenden Verhandlungen mit der IG Metall und
letztlich als Modell für die Industrie in Deutschland.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sprach sich unterdessen
dafür aus, den Samstag im Bedarfsfall zum zuschlagfreien Werktag
zu erklären. "Herr von Pierer hat recht", wurde Hundt von der
"Bild"-Zeitung zitiert, die ihn zu einem gleich lautenden Vorstoß
von Siemens-Chef Heinrich von Pierer befragt hatte. Die IG Metall
lehnte den Vorschlag ab. "Sonst ist als nächstes der Sonntag
dran", sagte Gewerkschaftschef Jürgen Peters nach Angaben des
Blattes.
(Quelle: ap)
Bundesbürger sind angeblich reformbereit wie nie zuvor
Do.18.09.03 - Trotz Zukunftsangst und Furcht vor tiefen Einschnitten ins soziale Netz
und ihre Haushaltskasse sind die Bundesbürger so reformbereit wie
nie zuvor. Ihre Bereitschaft, selbst Opfer zu bringen, wächst -
allerdings nur zögerlich. Das sind die Kernaussagen einer am
Mittwoch in Berlin veröffentlichten Umfrage des Instituts für
Demoskopie Allensbach für das Wirtschaftsmagazin "Impulse" mit
knapp 3.600 Befragten.
Zwar betrachten die Bürger die Reformen mit Skepsis und Sorge. Die
meisten sehen aber "keine ernsthafte Alternative". Zugleich sind
weniger als die Hälfte (45 Prozent) bereit, geringere
Sozialleistungen hinzunehmen. Im Osten ist die Furcht vor den
Auswirkungen der Reformen wesentlich ausgeprägter als im Westen.
Zugleich ist jedoch die Mehrheit aller Bundesbürger (57 Prozent)
der Überzeugung, dass die rot-grüne Reformagenda 2010 nicht
genügt, die Probleme des Landes zu lösen. Lediglich fünf
Prozent halten das Konzept für ausreichend.
Ungeachtet aller Konflikte in der Koalition betrachtet die
Bevölkerung der Umfrage zufolge Bundeskanzler Gerhard
Schröder und dessen Regierung klar als "Reformmotor Nummer eins" -
weit vor Union und FDP. Die Gewerkschaften und die Lobby-Verbände
gelten als größte Bremser.
Die Deutschen hätten die "von bösen Träumen begleitete
Schlaraffenlandphase" hinter sich gelassen, sagte Allensbach-Chefin
Renate Köcher. Es könne von einer "wehmütigen
Kapitulation" gesprochen werden. Die Stimmung sei sehr labil und wieder
pessimistischer. Die Menschen seien verunsichert, weil sie
fürchteten, dass die Reformen schon bald wieder korrigiert
würden. "Es fehlt an Planungssicherheit", meinte Köcher.
Die meisten Ostdeutschen (56 Prozent) hätten es am liebsten, wenn
der Staat - wie zu DDR-Zeiten - "so weit wie möglich die soziale
Sicherung der Bürger übernimmt". Im Westen denken 44 Prozent
so. Zu persönlichen Abstrichen bei der sozialen Sicherung sind 50
Prozent der Einwohner Westdeutschlands bereit, aber nur 29 Prozent der
Ostdeutschen.
45 Prozent bezeichneten die Bundesregierung als den wichtigsten
Impulsgeber für Reformen. Dann folgten die von Schröder
eingesetzten Kommissionen zur Reform des Arbeitsmarktes sowie der
Sozialsysteme (34) und die SPD (32). CDU und CSU belegen Platz
fünf (23), die Grünen, die sich als «die Reformpartei
Deutschlands» betrachten, kamen auf Rang neun (20). Lediglich 13
Prozent wiesen der FDP diese Rolle zu. Als «Bremser Nummer
eins» gelten die Gewerkschaften (55). Es folgen die
Berufsverbände (42), die Arbeitgeberverbände und die Konzerne
(jeweils 34), die Union (28) und der Bundesrat (25).
Steuersenkungen nennt die Masse der Bevölkerung (65 Prozent) als
wichtigste Reformmaßnahme. Dann kommen: Beschränkung der
Sozialhilfe "auf wirklich Bedürftige" (63) und flexiblere
Arbeitszeiten (61). An letzter Stelle stehen die Senkung des
Rentenniveaus (7) und der Wegfall der Zuschüsse für
Zahnersatz (6).
Mehr als zwei Drittel der Befragten (76 Prozent) in Ost und West
bezweifeln, dass «ihre Rente auch in Zukunft gesichert
ist». Besonders skeptisch sind mit 87 Prozent die 16- bis
29-jährigen. Doch selbst 58 Prozent der Bürger über 60
Jahre fürchten um die Sicherheit ihrer Altersbezüge.
(Quelle: ap)
Verhaltensforscher: Kapuzineräffchen haben Gerechtigkeitssinn
Do.18.09.03 - Kapuzineräffchen haben einen Gerechtigkeitssinn. Die Tiere zeigen
deutliche Zeichen von Ärger über Ungerechtigkeiten, wie
Verhaltensforscher in einer in der Fachzeitschrift "Nature"
veröffentlichten Studie feststellten. Wenn ein Äffchen im
Gegenzug für einen Plastik-Chip eine Gurkenscheibe bekommt, sein
Artgenosse aber eine viel wohlschmeckendere Traube, zeigt der
Benachteiligte demnach sofort sein Missfallen.
Für die zweijährige Untersuchung hatten die Wissenschaftler
Sarah Brosnan und Frans de Waal vom nationalen Primatenzentrum in
Atlanta im US-Bundesstaat Georgia zehn Kapuzineräffchen dazu
trainiert, mit Plastik-Chips für ihre Nahrung zu bezahlen.
Beobachtete eines der Äffchen, dass es für sein "Geld" nur
eine gewöhnliche Gurkenscheibe bekam, sein Käfignachbar aber
eine leckere Traube, zeigte es sofort seine Wut. Einige der Tiere
weigerten sich, zu bezahlen. Andere zahlten zwar, wiesen ihre
Gurkenscheibe dann aber demonstrativ zurück.
Mit ihrem Verhalten zeigten die Äffchen nach Ansicht der
Wissenschaftler einen Gerechtigkeitssinn, der bislang allein dem
Menschen zugesprochen wurde. Sie hätten offenbar ein Gefühl
dafür, welche Belohnung für ihre Bemühungen angemessen
sei und ob andere ihre Belohnung mit geringerem Einsatz verdienten.
(Quelle: afp)
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