Aktuelle Nachrichten
Irak am hundertsechsundachzigsten Tag nach Kriegsbeginn
US-Präsident Bush will UNO offenbar zu Wiederaufbau-Hilfe im Irak
auffordern +++ Berlin, Paris und London in Irak-Frage noch uneins +++
Anschlag auf Mitglied des Regierunsgrates im Irak +++ IWF und Weltbank
sichern Hilfe für Wiederaufbau Iraks zu
So.21.09.03 - US-Präsident George W. Bush wird in seiner Rede kommende Woche vor
der UNO-Vollversammlung nach Angaben aus Regierungskreisen an die
Mitgliedstaaten appellieren, aktiv beim Wiederaufbau des Irak und
Afghanistans zu helfen.
Den Hilfsappell werde Bush mit der Aufforderung zum Kampf gegen die
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, gegen die
Immunschwächekrankheit Aids und den Menschenhandel verbinden,
verlautete am Samstag aus den Kreisen. Bush will am Dienstag vor den
Vereinten Nationen (UNO) sprechen. "Es ist wirklich die Gelegenheit der
internationalen Gemeinschaft zu sagen: Wir sehen uns realen
Herausforderungen gegenüber, wir können sie nicht ignorieren,
wir müssen sie angehen. Es ist ein Appell zum Handeln", verlautete
aus den Kreisen.
Die Tatsache, dass bislang keine irakischen Massenvernichtungswaffen
gefunden wurden, beunruhige den Präsidenten nicht, hieß es
in den Kreisen weiter. Die von diesen Waffen ausgehende Bedrohung war
von den USA und Großbritannien als Grund für den Krieg gegen
den Irak angeführt worden. Bush werde stattdessen darauf
hinweisen, dass im Irak 300.000 Leichen in Massengräbern gefunden
worden seien, und dass der irakische Präsident Saddam Hussein ein
brutaler Diktator gewesen sei, der gestürzt habe werden
müssen.
Am Rande der Sitzung der Vollversammlung wird Bush auch mit Gegnern des
Irak-Krieges, wie Bundeskanzler Gerhard Schröder und Frankreichs
Präsident Jacques Chirac zusammenkommen. Bei einem Treffen am
Samstag in Berlin konnten letztere ihre Differenzen mit
Großbritanniens Ministerpräsident Tony Blair über einen
Zeitplan beim Wiederaufbau nicht ausräumen.
Das militärische Engagement und die Wiederaufbaubemühungen im
Irak werden die USA nach Angaben von Bush im nächsten Jahr
mindestens 87 Milliarden Dollar kosten, was maßgeblich zu einem
Rekord-Haushaltsdefizit von voraussichtlich mehr als einer halben
Billion Dollar beiträgt. Im Vorfeld des
Präsidentschaftswahlkampfs ist Bush auch deshalb innenpolitisch
unter Druck geraten.
Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte nach einem Treffen mit
Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac und dem britischen
Premierminister Tony Blair am Samstag in Berlin: "Wir sind miteinander
der Auffassung, dass es die Aufgabe der Staatengemeinschaft ist, dem
Irak eine Perspektive in Demokratie und Stabilität zu geben.
Natürlich gibt es über die Methode und über die Wege
dorthin noch Diskussionsbedarf." Chirac bekräftigte, die
Regierungsgewalt solle bereits in wenigen Monaten an die Iraker
übergeben werden. Blair nannte keinen konkreten Zeitrahmen und
sagte lediglich, die Übergabe solle "so bald wie möglich"
geschehen. Einig sah man sich darin, dass der UNO eine
Schlüsselrolle im Irak zukommen müsse. In der deutschen
Regierung hieß es mit Blick auf eine UNO-Resolution zum Irak, die
verschiedenen Seiten bewegten sich aufeinander zu.
Während Schröder und Blair auf der gemeinsamen
Pressekonferenz bemüht waren, Gemeinsamkeiten zu betonen, hob
Chirac mehrmals klar die Unterschiede in den Irak-Positionen hervor.
"Unsere Ansichten sind noch nicht ganz auf einer Linie." Bei Zeitplan
und Modalitäten der Übergabe der Regierungsgewalt an den Irak
gebe es noch einige Differenzen. Frankreich plädiere dafür,
dies in einigen Monaten zu vollziehen. Die Regierungsgewalt solle an
bereits bestehende irakische Institutionen wie etwa den Gouverneursrat
übergeben werden. Dies müsse unter der exklusiven Rolle der
UNO geschehen.
In einem gemeinsamen Papier heißt es, es sei notwendig, sich auf
einen realistischen Zeitplan für die Übertragung der
politischen Verantwortung an das irakische Volk zu verständigen.
"Diser Zeitplan sollte als notwendige Zwischenschritte die Ausarbeitung
einer Verfassung und die Abhaltung demokratischer Wahlen im Iran
umfassen, sobald diese durchführbar sind."
Schröder sagte, die Regierungsgewalt solle "möglichst rasch"
an den Irak übergeben werden. In Regierungskreisen hieß es,
Deutschland teile die Position Frankreichs. Deutschland und Frankreich
haben einen gemeinsamen Vorschlag für eine UN-Resolution vorgelegt.
Blair sagte: "Wir alle wünschen, einen stabilen Irak zu sehen. Wir
allen wünschen uns zu sehen, dass sich im Irak der Übergang
zu einer demokratischen Regierung so rasch wie möglich vollzieht.
Wir alle wollen eine Schlüsselrolle für die Vereinten
Nationen und wissen, dass es diese geben muss." Er persönlich
halte alle eventuell noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten
für überwindbar. "Und ich bin überzeugt, sie werden
überwunden werden", fügte Blair hinzu. Schröder sagte
auf die Frage, ob Blair lediglich als Gesandter Bushs am Gipfel
teilgenommen habe, der britische Premier sei sehr wohl in der Lage,
eine äußerst eigenständige Position zu vertreten.
US-Außenminister Colin Powell hat zur Übergabe der
Regierungsgewalt an den Irak gesagt, über Nacht werde dies nicht
geschehen.
Mit Blick auf die neue UNO-Resolution zum Irak, die kommende Woche im
UNO-Sicherheitsrat beraten werden soll, hieß es in der
Bundesregierung: "Wir bewegen uns seit dem Krieg permanent aufeinander
zu."
Der Resolutions-Entwurf der USA sieht vor, dass eine von der UNO
autorisierte multinationale Truppe im Irak eingesetzt werden soll, die
unter US-Kommando steht. Angesichts täglicher Verluste an Soldaten
durch Anschläge sind die USA dringend auf Kooperation anderer
UNO-Mitglieder angewiesen.
Der Dreier-Gipfel war in der deutschen Regierung als wichtiges Zeichen
für das Treffen Schröders mit US-Präsident George W.
Bush am kommenden Mittwoch in New York bezeichnet worden. Es ist das
erste Treffen der beiden Politiker seit eineinhalb Jahren. Das Nein der
Bundesregierung zum Irak-Krieg hatte die deutsch-amerikanischen
Beziehungen massiv verschlechtert. Großbritannien hatte den Krieg
unterstützt.
Bei einem Anschlag in der irakischen Hauptstadt Bagdad ist am Samstag
die Diplomatin Akila el Haschimi, eines der drei weiblichen Mitglieder
des von den USA im Irak eingesetzten Regierungsrates, durch mehrere
Schüsse der Attentäter schwer verletzt worden.
Die Attentäter hätten das Fahrzeug der Diplomatin, die der
schiitischen Glaubensrichtung angehört, aus einem Auto heraus
beschossen und dabei auch die drei Leibwächter Haschimis
verwundet, berichteten Augenzeugen. Einer der Leibwächter sei in
kritischem Zustand, teilte eine Ärztin des Bagdader Jarmuk-
Krankenhauses mit. Frau Haschemi werde wegen Schusswunden im Unterleib
behandelt. Sie habe schwere innere Blutungen erlitten, da eine Kugel
die Leber getroffen habe, sagte die Ärztin. Es handele sich um
einen "komplizierten Fall".
Haschemi gehört zu den drei Frauen, die dem 25 Mitglieder
umfassenden Gremium aus Vertretern verschiedener irakischer
Gruppierungen und Glaubensrichtungen angehören. Als Mitglied einer
irakischen Delegation hätte Haschimi, die zur Zeit des
früheren Präsidenten Saddam Hussein im irakischen
Außenministerium beschäftigt war, an der bevorstehenden
UNO-Vollversammlung in New York teilnehmen sollen.
Der US-Verwalter für den Irak, Paul Bremer, erklärte, er sei
über den Anschlag gegen ein geachtetes Mitglied des
Regierungsrates schockiert und traurig. Dieser Anschlag sei gegen das
irakische Volk gerichtet, nicht nur gegen eine einzelne Frau,
fügte er hinzu.
Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) haben
Unterstützung für den Wiederaufbau Iraks zugesichert. Bei der
Jahrestagung in Dubai machte der für Irak zuständige
Weltbankdirektor Joseph Saba am Samstag jedoch keine Angaben über
die Höhe der erforderlichen Finanzmittel. Nach Angaben aus den USA
werden für Sofortmaßnahmen bis zu 75 Milliarden Dollar (66,3
Milliarden Euro) benötigt. Saba kommentierte diese Zahlen nicht.
Der finanzielle Bedarf für dringende Infrastrukturmaßnahmen
sowie die Sicherstellung der Wasser- und Stromversorgung sei allerdings
bedeutend.
Mit der Finanzierung beschäftigen sich auch spätere
Geberländer-Konferenzen. Vertreter der Weltbank hatten
erklärt, mit einer kurzfristigen Hilfe sei es im Irak nach dem
Krieg und dem Sturz des Präsidenten Saddam Hussein nicht getan.
Die Sicherung des Mindestniveaus bei der Versorgung der
Bevölkerung und die Schaffung eines neuen, funktionierenden
Behörden- Apparats werde Jahre dauern und viel Geld kosten.
Die derweil von der US-Regierung beim Kongress zur Bewilligung
beantragten 20 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau im Irak sind
nach Einschätzung des irakischen Handelsministers Ali Allaui, ein
"sehr guter Anschub".
Allaui, Mitglied der von den USA gestützten Interims- Verwaltung,
sagte anlässlich der Tagung von IWF und Weltbank in Dubai:
"Dies ist ein guter Kick-Start." Aber der Irak benötige in
nächster Zeit deutlich mehr Geld von den Geber- Ländern.
(Quellen: afp, rtr)
Friedensforscher warnt vor Häme gegen USA und London wegen Irak
So.21.09.03 - Die Deutsche Stiftung Friedensforschung hat vor Häme im Umgang mit
den USA und Großbritannien wegen deren Irak- Politik gewarnt. Die
kriegskritische Haltung der Bundesregierung habe sich zwar im
Nachhinein als richtig erwiesen, sagte der neu gewählte
Vorsitzende der Stiftung in Osnabrück, Volker Rittberger, in einem
Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Aber Schadenfreude
gegenüber US-Präsident George W. Bush und dem britischen
Premier Tony Blair "ist alles andere als angebracht".
Das Treffen von Bundeskanzler Gerhard Schröder mit Blair und
Frankreichs Präsident Jacques Chirac am Samstag in Berlin sei ein
überfälliger Anfang gewesen mit dem Ziel, die drei
europäischen Hauptstaaten auf ein multilateral abgestimmtes
Vorgehen bei den Vereinten Nationen einzuschwören. Europa
müsse nun alles daran setzen, den Konfliktherd im Nahen Osten zu
beruhigen. "Deutschland und Europa müssen sich aus ureigenen
Interessen dieser Fragen annehmen", sagte der Tübinger
Politikwissenschaftler.
Der Irak werde auch in der künftigen Arbeit der im Jahr 2000
gegründeten Deutschen Stiftung Friedensforschung ein
Schwerpunktthema sein. Schwerpunkte seien unter anderem die Bereiche
Konfliktintervention, die Schaffung neuer Friedensordnungen nach
militärischen Auseinandersetzungen, Projekte zur
Rüstungskontrolle sowie Forschungsvorhaben zur Kontrolle von
biologischen Waffen.
(Quelle: dpa)
Acht Zivilistinnen bei US-Bombenangriff in Afghanistan getötet
So.21.09.03 - Bei einem Bombenangriff von US-Kampfflugzeugen sind nach offiziellen
afghanischen Angaben neben zwei Taliban-Kämpfern auch acht
Zivilistinnen getötet worden. Der Vizegouverneur der
südafghanischen Provinz Zabul, Mawlavi Mohammad Omar, sagte am
Samstag, die Kampfjets hätten bei dem Angriff ein Zelt mit acht
Nomadenfrauen getroffen. Unter den beiden getöten
Taliban-Kämpfern, die zum Zeitpunkt des Angriffs auf einem
Motorrad unterwegs gewesen seien, sei auch ein Kommandant.
Mutmaßliche Taliban-Kämpfer töteten in der Nacht zu
Samstag nach einem Bericht der in Pakistan ansässigen afghanischen
Nachrichtenagentur AIP den Polizeichef eines afghanischen Distrikts.
Bei dem Angriff in der Provinz Kandahar im Süden des Landes seien
die beiden Leibwächter des Polizeichefs schwer verletzt worden,
berichtete AIP unter Berufung auf nicht näher beschriebene
Quellen. Die Angreifer hätten das Feuer aus einem Auto heraus
eröffnet und seien dann geflohen. Die Behörden in Kandahar
machten Anhänger der radikalislamischen Taliban für die Tat
verantwortlich.
Bei einer Explosion in einem Haus in der ostafghanischen Provinz
Laghman wurden elf Angehörige einer Familie getötet, darunter
auch Frauen und Kinder. In dem Haus hätten Bergleute Sprengstoff
gelagert, berichtete AIP. Die Exlosion, zu der es bereits am Freitag
gekommen sei, habe das zweistöckige Gebäude dem Erdboden
gleichgemacht. Ebenfalls am Freitag waren bei einer Explosion in einem
Wohnhaus unweit des US-Hauptquartiers in Afghanistan mindestens
fünf Menschen getötet worden. Laut US-Militär hatte es
sich um einen Unfall mit von den Hausbewohnern gelagerter Munition
gehandelt.
In der Provinz Zabul töteten US-geführte Koalitionstruppen
und afghanische Regierungssoldaten in den vergangenen Wochen mehr als
200 mutmaßliche Kämpfer der radikalislamischen Taliban. In
jüngster Zeit war es besonders im Süden und Osten
Afghanistans zu Angriffen mutmaßlicher Taliban-Kämpfer
gekommen.
(Quelle: dpa)
Israel weist UN-Votum gegen Arafat-Ausweisung zurück +++ Tausende
Israelis demonstrieren gegen Besatzungspolitik
So.21.09.03 - Die israelische Regierung hat die Resolution der UN-Vollversammlung
gegen eine Ausweisung von Palästinenserpräsident Jassir
Arafat zurückgewiesen und als irrelevant bezeichnet. Israel
bedauere, dass sich die Palästinenser erneut in Rhetorik ergingen,
anstatt sich auf den gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus zu
konzentrieren, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme des
Außenministeriums vom Samstag.
Zuvor hatten Regierungsvertreter den Beschluss der Vollversammlung als
Legitimation für "bekannte Terroristen" bezeichnet. Der
Arafat-Berater Nabil Abu Rudeineh nannte die Resolution dagegen einen
"Schlag ins Gesicht Israels" und einen klaren Aufruf zur
Unterstützung des Palästinenserpräsidenten und des
palästinensischen Volkes. Der designierte palästinensische
Ministerpräsident Ahmed Kureia appellierte an die USA, zu
akzeptieren, dass Arafat der gewählte Führer des
palästinensischen Volkes sei. Dieser dankte den Befürwortern
der Resolution überschwänglich.
Die UN-Vollversammlung hatte am Freitagabend gegen die von Israel
beschlossene Ausweisung des Palästinenserpräsidenten
gestimmt. 133 Länder unterstützten die Resolution, darunter
auch Deutschland mit allen anderen EU-Staaten. Die USA, Israel, die
Marshallinseln und Mikronesien stimmten dagegen. In der Resolution wird
Israel unter anderem aufgefordert, von der Ausweisung Arafats sowie von
allen Drohungen gegen ihn Abstand zu nehmen.
Im Gegensatz zu dem am Veto der USA gescheiterten Resolutionsentwurf
für den Sicherheitsrat wurden in dem nun der Vollversammlung
vorgelegten Text auch die Palästinenser ermahnt, "im Rahmen des
Nahost-Friedensplans alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen,
um die Gewalt und den Terror zu stoppen". In der alle 191
UN-Mitgliedstaaten umfassenden Vollversammlung ist kein Veto
möglich. Allerdings haben ihre Beschlüsse im Gegensatz zu
denen des Sicherheitsrates auch keine völkerrechtlich bindende
Wirkung.
Die Palästinenser können kurzfristig auf weitere
internationale Hilfen zum Aufbau ihres autonomen Gebietes hoffen. Das
stellten die Finanzminister der sieben führenden Industrienationen
USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und
Japan am Samstag in Dubai bei einem Treffen mit einer Delegation der
palästinensischen Regierung in Aussicht.
Die Weltbank solle noch im Herbst den Hilfsfonds für die West Bank
und den Gaza-Streifen auffüllen, stellten die G-7 in einem ersten
Kommuniqué fest. "Wir drängen andere Mitglieder der
internationalen Gemeinschaft, ihre Hilfen für das autonome
Palästina zu erhöhen und zu beschleunigen", heißt es
darin.
Ein vom italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi in Aussicht
gestelltes Hilfspaket für die palästinensischen
Autonomiegebiete in Höhe von fünf Milliarden Euro ist
hingegen international noch längst nicht abgesichert. "Das ist
nicht entscheidungsreif", sagte Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD)
am Rande Dubai-Konferenz.
Tausende Israelis haben gegen die Besatzungspolitik im Westjordanland
und im Gazastreifen demonstriert. Auf Transparenten forderten sie ein
"Ende der Besatzung". Unter den Demonstranten waren viele Anhänger
der Friedensbewegung "Friede jetzt". Politiker der oppositionellen
Arbeitspartei und der linksliberalen Meretz sprachen zu der Menge. Der
Generalsekretär der Arbeitspartei, Ophir Pines, forderte
Premierminister Ariel Sharon zum Rücktritt auf.
(Quellen: dpa, ap)
Blair stimmt europäischer Sicherheitspolitik außerhalb Nato
zu
So.21.09.03 - Großbritannien hat sich der Linie Deutschlands und Frankreichs
angeschlossen, bei der gemeinsamen europäische Sicherheits- und
Verteidigungspolitik (ESVP) Strukturen außerhalb der Nato
aufzubauen.
"Wir sind gemeinsam überzeugt, dass die EU über eine
gemeinsame Fähigkeit zur Planung und Führung von Operationen
ohne Rückgriff auf Nato-Mittel und Fähigkeiten verfügen
muss", heißt es in einem Papier, das Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD), der britische Premierminister Tony Blair und
Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac am Samstag in Berlin
vereinbarten. Die Gemeinschaftsstruktur solle wenn möglich im
Konsens der künftig 25 EU-Mitgliedstaaten errichtet werden.
Schröder und Blair betonten, die ESVP richte sich nicht gegen die
Nato, sondern stärke sie. Erneut warnte Schröder davor, den
Kompromiss zur EU-Verfassung wieder aufzuschnüren.
Die ESVP sei ein "Schlüsselprojekt für die Stärkung der
EU-Handlungsfähigkeit und für die
Partnerschaftsfähigkeit mit Amerika", heißt es in der
Erklärung weiter. "Wenn Europa seine militärischen
Fähigkeiten verbessert, stärkt das auch die Nato, die
für unsere gemeinsame Sicherheit unerlässlich bleibt." Blair
betonte, die ESVP und Nato gehörten zusammen.
In deutschen Regierungskreisen wurde die Vereinbarung zur ESVP als
Durchbruch bezeichnet. Die ESVP solle kein "elitärer Club" werden,
sondern "nach dem Muster des Euro funktionieren": Alle Länder, die
dies wünschten und die Aufnahmekriterien erfüllten, sollten
der ESVP beitreten können. Dies sei auch eine wichtige
Voraussetzung für die Zustimmung der Briten.
Vorgesehen sei, dass rund 40 bis 50 Offiziere eine ständige
Planungskapazität innerhalb der EU bildeten. "Ein eingespieltes
internationales Team ist für ein effektives Krisenmanagement von
großer Bedeutung", hieß es in den Kreisen.
Schröder bekräftigte, die Regierungskonferenz zur
EU-Verfassung müsse ein Erfolg werden. Das Paket sollte nicht
aufgeschnürt werden. "Jeder, der die Prinzipien des Konvents in
Frage stellt, hat die Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass ein
neuer Konsens möglich wird." Über Einzelheiten werde man noch
diskutieren müssen.
In Regierungkreisen wurde präzisiert, Schröder, Blair und
Chirac seien einig gewesen, dass Forderungen, die den Kernbereich der
Verfassung betreffen, unglücklich seien. Dies betreffe etwa die
Forderungen Polens und Spaniens zur Entscheidungsmehrheit. Es gebe aber
auch Randthemen oder Fragen technischer Natur, wie etwa den Umgang mit
Vertragsprotokollen.
Die Aussichten, dass auch Großbritannien dazu beitragen werde,
den Verfassungskompromiss zusammenzuhalten, hätten sich durch den
Gipfel verbessert.
(Quelle: rtr)
Zwei Drittel der Letten stimmen für EU-Beitritt
So.21.09.03 - Zwei Drittel der Letten haben am Samstag Auszählungsergebnissen
zufolge für einen Beitritt ihres Landes zur Europäischen
Union (EU) gestimmt.
Ministerpräsident Einars Repse begrüßte den Ausgang des
Referendums als wichtigstes historisches Ereignis neben der Erlangung
der Unabhängigkeit nach dem Ersten Weltkrieg und im Jahr 1991. Mit
dem Votum steht der geplanten Erweiterung der EU um zehn ost- und
mitteleuropäische Staaten im kommenden Mai nichts mehr entgegen.
Unterdessen zeichnete sich eine Regierungskrise ab: Repse schloss nicht
aus, sich einen neuen Koalitionspartner zu suchen, nachdem der
Vorsitzende einer der mitregierenden Parteien heftige Kritik am
Ministerpräsidenten geübt hatte.
Nach Auszählung von rund zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen
entfielen 69,6 Prozent auf die EU-Befürworter. 29,7 Prozent hatten
gegen einen EU-Beitritt gestimmt. Die Wahlbeteiligung lag mit 72,5
Prozent deutlich über der Marke von 35 Prozent, die das Referendum
bindend macht.
"Unser Horizont wird erweitert", sagte die 26-jährige
EU-Befürworterin Evita Gerkina auf einer Feier in der Altstadt von
Riga. "Ich glaube nicht, dass unsere Sprache, unsere Kultur und unsere
Identität verschwinden werden."
Die politische und die wirtschaftliche Führung des Landes hatte
sich klar für den EU-Beitritt ausgesprochen. Sie argumentierten,
die EU-Mitgliedschaft fördere das Wirtschaftswachstum, schaffe
mehr Arbeitsplätze und erhöhe den Lebensstandard. Lettland
ist eines der ärmsten Beitrittsländer, das durchschnittliche
Monatseinkommen liegt bei rund 260 Euro.
Allerdings waren viele Letten misstrauisch, dass sie die
Unabhängigkeit genau wie in der Sowjet-Ära wieder
einbüßen, wenn ihr Land zur EU gehört. Die EU sei viel
zu weit weg, als dass sie sich um die Interessen der rund 2,4 Millionen
Einwohner des kleinen baltischen Landes kümmern könne,
hieß es. Außerdem befürchteten die EU-Gegner
höhere Preise für die Mehrheit und weitere Gewinne für
einige Wenige.
Lettland hatte im Jahr 1991 seine Unabhängigkeit von der
Sowjetunion erklärt. Es war bereits das zweite
Unabhängigkeitsvotum nach dem im Jahr 1918. Im Ersten Weltkrieg
war Lettland von deutschen Truppen besetzt worden und erklärte
sich nach der Kapitulation des Kaiserreichs für unabhängig.
Repse bezeichnete die beiden Voten als zwei der wichtigsten
historischen Ereignisse in der lettischen Geschichte. "Das dritte
(erleben) wir heute mit der Entscheidung, der Europäischen Union
beizutreten", fügte er hinzu.
Repses Koalitionspartner hatten dem Ministerpräsidenten wiederholt
einen autoritären Führungsstil vorgeworfen. Der Vorsitzende
der neben Repses Neuen Ära in der Regierungskoalition vertretenen
Ersten Partei, Eriks Jekabsons, erneuerte am Samstag seine Kritik.
Repse erklärte daraufhin, er werde sich möglicherweise einen
neuen Koalitionspartner suchen.
Politische Beobachter sagten, sie gingen davon aus, dass die Koalition
nach einer Kabinettssitzung am Montag zerbrechen könnte. Dies
würde aber die EU-Politik des Landes vermutlich nicht
beeinflussen, aber Fragen über die politische Stabilität
Lettlands aufwerfen. Ausländische Diplomaten sagten der
Nachrichtenagentur Reuters, ein Regierungswechsel würde dem
Ansehen Lettlands in der EU schaden und potenzielle ausländische
Investoren verunsichern.
Die neuen EU-Mitglieder werden neben Lettland auch Estland, Litauen,
Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Slowenien, Malta und Zypern
sein. Als weiteres Ziel hat die EU den Beitritt Bulgariens und
Rumäniens im Jahr 2007 formuliert.
(Quelle: rtr)
Stationen der europäischen Integration
Die europäische Integration findet mit der für Mai 2004
geplanten Erweiterung um zehn mittel- und osteuropäische
Länder einen Höhepunkt. Die Länder sind Estland,
Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Ungarn,
Zypern, Malta.
1951
Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, die Niederlande und
Luxemburg unterzeichnen den Vertrag über die Europäische
Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS, genannt Montanunion).
1957
Die sechs Länder unterzeichnen in Rom die Verträge über
die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die
Europäische Atomgemeinschaft (EAG, genannt Euratom). Diese beiden
Verträge und der zur EGKS bilden die Römischen Verträge.
Die Europäische Gemeinschaft (EG) ist gegründet.
1973
Großbritannien, Irland und Dänemark treten der EG bei.
Norwegen stimmt gegen einen Beitritt. Damit hat die EG neun Mitglieder.
1981
Griechenland wird das zehnte EG-Mitglied.
1986
Spanien und Portugal treten der EG bei, die damit zwölf Mitglieder
hat.
1989
Die Staats- und Regierungschefs billigen auf ihrem Gipfel, dem
Europäischen Rat, in Madrid den Plan zur Wirtschafts- und
Währungsunion mit dem Ziel einer einheitlichen Währung.
1990
Mit der deutschen Wiedervereinigung wächst die EG um das Gebiet
der DDR.
1992
Die Mitglieder unterzeichnen den Maastrichter Vertrag über die
Europäische Union (EU). Die Wirtschaftsgemeinschaft wird zur
politischen Union.
1993
Der Rat von Kopenhagen beschließt Beitrittskriterien wie Achtung
der Menschenrechte, Schutz von Minderheiten u.a..
1994
Die Bevölkerung Norwegens stimmt erneut gegen den Beitritt.
1995
Österreich, Finnland und Schweden werden EU-Mitglieder.
1998
Beitrittsverhandlungen mit Zypern, Tschechien, Estland, Ungarn, Polen
und Slowenien beginnen.
1999
Die Türkei kommt offiziell als Bewerber in Frage.
2000
Im Februar beginnen die Beitrittsverhandlungen mit Bulgarien, Lettland,
Litauen, Malta, Rumänien, Slowakei.
Im Dezember beschließt der Rat mit dem Vertrag von Nizza eine
umfassende EU-Reform und legt die Basis zur Erweiterung.
2001
Im Juni lehnen die Iren per Referendum den Vertrag von Nizza ab.
Dennoch erklärt der Rat von Göteborg den Erweiterungsprozess
als unumkehrbar und nennt als Datum 2004.
Im Dezember erklärt der Rat von Laeken zehn Länder zum
Beitritt 2004 bereit: Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien,
Slowakei, Slowenien, Ungarn, Zypern und Malta.
2002
Am 1. Januar wird der Euro zeitgleich in zwölf Ländern als
Einheitswährung eingeführt. Großbritannien,
Dänemark und Schweden treten der Euro-Zone nicht bei.
Im Juni bekräftigt der Rat von Sevilla den Willen zur Erweiterung
trotz des Streits um die Agrarbeihilfen und damit die Finanzierung.
Im Oktober stimmen die Iren dem Vertrag von Nizza zu, und der
deutsch-französische Kompromiss bei den Agrarsubventionen macht
den Weg frei zur Finanzierung der Erweiterung.
Beim Gipfel in Kopenhagen im Dezember beschließt die EU die
Aufnahme zehn neuer Mitglieder und eine konkrete Beitrittsperspektive
für die Türkei.
2003
Beim Gipfel in Athen im April unterzeichnen die EU-Mitglieder und die
zehn Kandidaten den Beitrittsvertrag. Die zehn Länder sollen im
Mai 2004 der EU beitreten. Zwischen März und September stimmen in
Referenden die Einwohner von Malta, Slowenien, Ungarn, Litauen, der
Slowakei, Tschechien, Polen, Estland und Lettland für den
Beitritt. In Zypern votiert das Parlament einstimmig für die
EU-Mitgliedschaft.
(Quelle: rtr)
|
Niederländer protestieren gegen Sparpläne der Regierung
So.21.09.03 - Mindestens 20.000 Menschen haben am Samstag in der
niederländischen Hauptstadt Amsterdam gegen die Sparpläne der
konservativen Regierung demonstriert. Diese hat drastische Einschnitte
in die Gesundheitsfürsorge, in den Sozialbereich bei den
Arbeitslosenprogrammen angekündigt. Kritiker werfen der Regierung
vor, ihre Pläne gingen allein zu Lasten der Armen, Kranken und
älteren Menschen. Die Organisatoren schätzten die Zahl der
Teilnehmer auf 25.000. Oppositionspolitiker Jan Marijnissen von der
Sozialistischen Partei erklärte, die Veränderungen
würden zu inakzeptablen amerikanischen Verhältnissen
führen.
(Quelle: ap)
Große EU-Staaten gegen geplante Chemikalienverordnung +++
EU-Umweltkommissarin Wallström will Beweislast zu Lasten der
Industrie umkehren
So.21.09.03 - Die Vorschläge der EU-Kommission zur besseren Kontrolle von
Chemikalien stoßen in Deutschland, Frankreich und
Großbritannien auf entschiedenen Widerstand.
Die Überlegungen erfüllten sie mit Sorge, schrieben am
Samstag Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD),
Großbritanniens Premier Tony Blair und der französische
Präsident Jacques Chirac an EU-Kommissionspräsident Romano
Prodi. Es komme darauf an, die Chemikalienpolitik so zu gestalten, dass
Umwelt-, Gesundheits- und Verbraucherschutz sichergestellt würden,
ohne die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu
gefährden. Die Staaten hätten deshalb Anregungen für
substanzielle Änderungen unterbreitet.
Die EU-Kommission will einem Entwurf zufolge chemische Produkte in
einem neuen Verfahren registrieren und zulassen. Dies betrifft
Chemikalien, die vor 1981 eingeführt wurden. Neue Produkte werden
bereits vor Markteinführung auf Umweltverträglichkeit
getestet.
Nach den Kommissionsplänen müssten Chemie-Unternehmen in
vielen Fällen beweisen, dass ihre Produkte für Menschen und
Umwelt unbedenklich sind. Umweltkommissarin Margot Wallström will
die Beweislast zu Lasten der Industrie umkehren. Derzeit gibt es rund
30.000 ungetestete Chemikalien. Die Registrierungspflicht soll
allerdings nur für Chemikalien gelten, die in größeren
Mengen hergestellt werden und mit denen viele Menschen in
Berührung kommen. Die weitergehende Zulassungspflicht soll nur
Krebs erregende oder sonst besonders gefährliche Stoffe betreffen.
Die Industrie hat die hohen Kosten für Registrierung und Zulassung
kritisiert. Bis 2020 betragen sie laut Kommission knapp vier Milliarden
Euro. Schröder, Industrie und die deutschen Gewerkschaften hatten
sich bereits gegen die geplante Richtlinie ausgesprochen.
In dem Brief an Prodi verweisen die drei Industriestaaten auf die vom
Europäischen Rat beschlossene Grundsätze, wonach die
Wettbewerbsbedingungen für die Industrie verbessert werden
müssten. Die Chemikalienpolitik biete dazu einen ersten konkreten
Anlass. Man wolle daher dem Rat im Dezember Vorschläge machen, "um
die Gefahr einer Deindustrialisierung zu vermeiden".
(Quelle: rtr)
EU-Kommissarin: Berlin muss mehr für Bildung tun
So.21.09.03 - EU-Bildungskommissarin Viviane Reding hat Deutschland ermahnt, mehr
für die Bildung zu tun. "Europa kann es sich nicht leisten, wenn
Deutschland im schulischen Bereich nicht Spitze ist", sagte Reding der
"Welt am Sonntag". Ebenso wie Deutschlands lahmende Wirtschaft alle in
der EU betreffe, tue es auch die Bildung. "Bildung ist
schließlich die zentrale Voraussetzung für
Wirtschaftskraft", sagte sie.
Der Schock über das schlechte Abschneiden in der PISA-Studie habe
für Deutschland allerdings auch sein Gutes gehabt. "Vor PISA
dachten hier alle, man sei großartig in Sachen Bildung, jetzt
wissen alle, dass es ein Problem gibt", sagte Reding.
Leere öffentliche Kassen seien keine Entschuldigung für
fehlende Investitionen in Bildung, dies zeige sich etwa in den
Vereinten Staaten: "In den USA werden Unternehmen an den Unis mit
offenen Armen aufgenommen, der Staat gewährt ihnen steuerliche
Vorteile, wenn sie in Bildung investieren", betonte Reding. Es gebe
dort "weniger Berührungsängste" zwischen den Hochschulen und
der Wirtschaft als in Europa, wo die Universitäten "Einmischung
fürchten und Dominanz". Bildung dürfe aber nicht abgeschottet
vom Rest der Gesellschaft existieren.
Besorgt zeige sich Reding über die zunehmende Abwanderung junger
Wissenschaftler aus Europa. "Die Hälfte aller europäischen
Naturwissenschafts-Studenten, die in den USA studieren, bleiben dort,
100.000 Wissenschaftler jährlich verlassen Europa, um im Ausland
zu arbeiten." Diesen "Kompetenz- und Kapazitätsverlust" könne
sich Europa nicht leisten. Auf lange Sicht drohe "ein
Überlebensproblem für die Stellung Europas auf dem Weltmarkt".
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv
OECD-Studie: Schlechte Bildung in Deutschland schwächt
Wirtschaftswachstum
Mi.17.09.03 - Die im internationalem Vergleich geringe Zahl von Abiturienten und
Hochschulabsolventen in Deutschland ist nach einer OECD-Studie
mitverantwortlich für die aktuelle Wirtschaftsschwäche der
Bundesrepublik.
Während andere Industrieländer in den vergangenen zwei
Jahrzehnten den Bildungsstand ihrer Erwerbsbevölkerung erheblich
gesteigert hätten, stagniere dieser in Deutschland seit Anfang der
80er Jahre, heißt es in der am Dienstag in Berlin vorgestellten
Analyse der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD)...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309170.htm#030917_c
PISA-Studie
Für die "PISA"-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit u
nd Entwicklung (OECD) wurden rund 180.000 Schüüer aus 32 Staaten im Alter von
15 Jahren getestet, darunter etwa 5000 Deutsche. Im Vergleich landeten sie in allen
drei Leistungskategorien - Lesen, Rechnen und Naturwissenschaft - jeweils auf einem
der hintersten Plätze (20. bis 25.). Spitzenreiter sind dagegen Finnland, Korea, Kanada
und Japan. Besonders erschreckend für die Schulforscher: Gut jeder fünfte deutsche
Schüler (22,6 Prozent) erreicht bei der Lesekompetenz nur die niedrigste Leistungsstufe.
Die Fähigkeit, einen Text zu lesen und den Sinn zu verstehen, gilt aber als eine der
wichtigsten Voraussetzungen, um sich im Leben und Beruf zurecht zu finden und sich
auch mathematische und naturwissenschaftliche Kenntnisse anzueignen.
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-muenchen/n0205080.htm#schule_4
|
SPD-Generalsekretär kündigt radikale Reform des
Bildungssystems an
So.21.09.03 - Die SPD plant nach den Worten von Generalsekretär Olaf Scholz eine
radikale Reform des deutschen Bildungssystems. Die pädagogisch
begleitete Wissensvermittlung solle bundesweit bereits bei der
frühkindlichen Erziehung einsetzen, sagte Scholz der "Welt am
Sonntag". Zu diesem Zweck müsse Deutschland jedem Kind von der
Geburt bis zum Ende der Schulpflicht im Rahmen einer gesamtstaatlichen
Bildungsoffensive eine Ganztagsbetreuung garantieren. Gleichzeitig
sollten die Pädagogen besser ausgebildet werden. Die Zahl der
Studierenden soll in den nächsten Jahren auf 40 Prozent steigen,
die Zahl der Jugendlichen ohne Berufsausbildung will die SPD halbieren.
Ziel sei es, den Bildungs- und Wissensstandort Deutschland wieder an
die Weltspitze zu führen.
Das Argument der angespannten Staatsfinanzen dürfe diesem Ziel
nicht im Wege stehen, betonte Scholz. Andere Länder, die in jedem
Fall nicht reicher seien als Deutschland, besäßen ein
reichhaltiges Angebot an Ganztagsbetreuung für Kinder. Nun komme
es auf eine enorme gemeinsame Anstrengung von Bund, Ländern und
Gemeinden an. Die bereits von der Bundesregierung bereitgestellten vier
Milliarden Euro für den Ausbau von Ganztagsschulen könnten
nur ein erster Schritt sein.
In ihrem Perspektivantrag für den Parteitag im November fordert
die SPD unter anderem die Einführung von bundesweiten
Bildungsstandards, eine unabhängige bundesweite Evaluationsagentur
sowie den Aufbau einer nationalen Bildungsberichterstattung. "Das sind
Dinge, die ein so reiches Land wie Deutschland bewältigen muss",
betonte Scholz.
(Quelle: afp)
Laut Umfrage große Zustimmung zum Reformprojekt Ganztagsschule
So.21.09.03 - Die Einführung von Ganztagesschulen stößt nach einer
Umfrage auf große Zustimmung in der Bevölkerung. Für
das Reformprojekt der Bundesregierung sprachen sich dem Magazin "Focus"
zufolge in einer Forsa-Umfrage 79 Prozent der Befragten aus. 83 Prozent
der Befragten sind demnach der Meinung, dass "Ganztagsschulen helfen,
Familie und Beruf zu vereinbaren". Der Bund fördert
Ganztagschulprojekte bis 2007 mit vier Milliarden Euro.
(Quelle: dpa)
CDU-Vorsitzende Merkel für längere Arbeitszeit bei gleichem
Lohn
So.21.09.03 - Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel hat sich für die Erhöhung
der Arbeitszeit bei gleichem Lohn ausgesprochen und die Forderung der
Wirtschaft nach Samstagsarbeit ohne Zuschläge begrüßt.
Es müsse darüber nachgedacht werden, "wie wir unsere
Ressourcen wieder effektiver und besser zu vertretbaren Kosten nutzen
können", sagte sie der "Welt am Sonntag".
Merkel sagte, "wir müssen tendenziell für dasselbe Geld
länger arbeiten. Wir brauchen vor allem mehr Flexibilität bis
hin zu Jahresarbeitszeitkonten, die es ja durchaus in einigen Branchen
schon gibt."
(Quelle: afp)
Mittel für Arbeitslosenhilfe schon Ende September erschöpft
So.21.09.03 - Angesichts anhaltend hoher Arbeitslosigkeit muss die Bundesregierung in
diesem Jahr wesentlich mehr für die Arbeitslosenhilfe ausgeben als
geplant. Das Finanzministerium hat 4,5 Milliarden Euro als
"außerplanmäßige Ausgabe" bewilligt, bestätigte
ein Sprecher des Ministeriums am Samstag.
Die "Bild"-Zeitung (Samstag) hatte berichtet, die für das
Gesamtjahr 2003 veranschlagten 12,3 Milliarden Euro für die
Arbeitslosenhilfe seien voraussichtlich bereits Ende September
erschöpft. Ein Sprecher des Arbeitsministeriums führte dies
auf die schlechte Wirtschaftslage und die anhaltend hohe
Arbeitslosigkeit zurück. Dies sei nicht absehbar gewesen, als der
Etat aufgestellt wurde, sagte er der dpa.
Angesichts längerer Arbeitslosigkeit verlören zudem immer
mehr Menschen den Anspruch auf Arbeitslosengeld und seien dann auf
Arbeitslosenhilfe angewiesen, sagte der Sprecher. Das zeige die
Reformbedürftigkeit des Systems, fügte er unter Hinweis auf
den Umbau der Bundesanstalt für Arbeit hinzu. Die Nürnberger
Bundesanstalt will vor allem die Vermittlung von Arbeitslosen in neue
Jobs verbessern.
Die Opposition im Bundestag reagierte mit Kritik. "Minister (Hans)
Eichels (SPD) Haushalt bricht wie ein Kartenhaus zusammen", sagte
FDP-Haushaltsexperte Günter Rexrodt der Zeitung. Rexrodts Vorwurf:
"Jetzt müssen die Steuerzahler für die gescheiterte
Arbeitsmarktpolitik von Rot-Grün gerade stehen."
(Quelle: dpa)
Aldi will angeblich bald Kunstwerke verkaufen
So.21.09.03 - Die Discount-Kette Aldi will angeblich bald Kunstwerke verkaufen. Wie
die "Rheinische Post" berichtet, sollen im Dezember Werke von sieben
angesehenen Künstlern ins Sortiment aufgenommen werden. Die Preise
der Kunstwerke seien noch nicht bekannt. Der Zeitung zufolge wollte
Aldi Süd in Mülheim/Ruhr zu dem gesamten Projekt "aus
grundsätzlichen Erwägungen" keine Auskunft geben.
Zu den Künstlern, deren Werke ins Aldi-Sortiment aufgenommen
werden sollen, gehört laut "Rheinischer Post" auch der einstige
documenta- und Biennale-Teilnehmer Felix Droese aus Mettmann im
Rheinland. Droese werde sich an der Aktion mit zwei Drucken beteiligen,
die in einer Auflage von zehntausend Stück angeboten würden.
Jedes einzelne Blatt werde signiert, nummeriert und datiert.
(Quelle: afp)
mehr Kurznachrichten...