Aktuelle Nachrichten
Irak am hundertsiebenundachzigstenTag nach Kriegsbeginn
Bush sieht größere Rolle der UNO in Irak weiter
zurückhaltend +++ Laut Chirac kein Veto gegen amerikanische
Irak-Resolution +++ US-Senatoren werfen Frankreich falsches Spiel in
Irak-Politik vor +++ Iraks Finanzminister kündigt umfassende
Wirtschaftsreformen an. Mit liberalisierten Gesetzen soll
Auslandskapital angelockt werden +++ Mindestens ein Toter bei Explosion
nahe UN-Hauptquartier in Bagdad +++ Erneut drei US-Soldaten im Irak bei
Anschlägen getötet +++ Saddam Hussein verhandelt angeblich
mit USA +++ Früherer NATO-Oberbefehlshaber Clark: USA planten seit
November 2001 Offensive im Nahen Osten. Irak nur Teil einer
Großoffensive in der Region
Mo.22.09.03 - US-Präsident George W. Bush steht einer größeren Rolle
der Vereinten Nationen in Irak weiter skeptisch gegenüber. Er sei
sich nicht sicher, ob eine stärkere Rolle der UNO für den
Wiederaufbau in Irak wirklich erforderlich sei, sagte Bush in einem am
Sonntag vorab in Teilen veröffentlichten Interview mit dem
US-Fernsehsender Fox News. Allerdings könne die UNO etwa bei der
Ausarbeitung einer Verfassung oder bei der Überwachung von Wahlen
hilfreich sein. Darin sehe er eine "größere Rolle" für
die Vereinten Nationen. Das Interview soll heute (Montag) in voller
Länge ausgestrahlt werden.
Der französische Präsident Jacques Chirac hat derweil ein
Veto gegen einen US-Resolutionsentwurf zum Irak ausgeschlossen. In
einem Interview der "New York Times" kündigte Chirac aber an,
Paris werde nur für eine Resolution stimmen, die einen Zeitrahmen
für den Übergang der Souveränität auf die Iraker
einschließt. Zudem müssten die Vereinten Nationen im Irak
eine Schlüsselrolle erhalten. Andernfalls werde sich Frankreich im
UN-Sicherheitsrat enthalten.
Zwei führende US-Senatoren haben Frankreich falsches Spiel bei
seiner Irak-Politik vorgeworfen. Frankreich sei das einzige Land, das
"mit dem symbolischen Beistand Deutschlands" dafür eintrete, Irak
"innerhalb von drei Monaten" die Regierungsmacht zu übertragen,
sagte der demokratische Senator Joseph Biden dem US-Fernsehsender Fox
News - wohlwissend, dass dies gar nicht möglich sei. "Alle wissen,
dass es sich dabei um eine Taktik handelt", mit der sich die
französische Regierung "Einfluss auf den politischen Prozess und
(die Vergabe von) Wiederaufbauverträgen" sichern wolle. Es stelle
sich die Frage, weshalb die Vereinigten Staaten auf der Weltbühne
nicht "schlauer" sein könnten als Frankreich, indem sie die
Entscheidung über die irakische Souveränität dem
UN-Sicherheitsrat übertrügen.
Der von den USA unterstützte irakische Finanzminister Kamel el
Kejlani hat weit reichende Wirtschaftsreformen angekündigt.
IWF-Chef Horst Köhler begrüßte die Ankündigung als
einen "großen Schritt nach vorn".
Zu dem Programm gehöre, dass ausländische Unternehmen im Irak
außerhalb der Ölindustrie volles Eigentum an Unternehmen
erwerben können, erklärte Kejlani am Sonntag am Rande der
Herbsttagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank
in Dubai. Die Reformen würden in naher Zukunft umgesetzt. Hierzu
gehöre auch eine Zentralbank, die unabhängig sei.
Ausländische Banken dürften sich ebenfalls an irakischen
Finanzinstituten beteiligen. Immobilienkäufe dürften von
Ausländern danach nicht getätigt werden. Aber langfristige
Anmietungen würden möglich sein. Zwar können
ausländische Investoren danach keine Immobilien im Irak erwerben,
aber Anlagen auf bis zu 40 Jahre mieten.
Der Transfer von Devisen würde freigestellt, hieß es in der
Mitteilung des Ministers weiter.
Nach einem Treffen des IWF-Leitungsgremium sagte Köhler, das
Programm sei ein großer Schritt nach vorn. Er habe die
Ankündigung persönlich aber noch nicht gesehen.
Bei einer Explosion in der Nähe des UN-Hauptquartiers in Bagdad
ist mindestens ein Mensch getötet worden. Dies berichteten
Augenzeugen und die irakische Polizei heute. Nach
US-Militärangaben wurden mindestens sechs Menschen verletzt, als
am frühen Morgen auf dem Parkplatz des Canal-Hotels, dem Sitz der
UNO in der irakischen Hauptstadt, eine Bombe detonierte. Ein Augenzeuge
sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe gesehen, wie vier Verletzte
in Sicherheit gebracht worden seien. Mehrere Fahrzeuge wurden
beschädigt, wie eine AFP-Reporterin berichtete. Über die
Identität der Opfer und die Hintergründe der Explosion wurde
zunächst nichts bekannt. Die Armee sperrte den Stadtteil ab.
Mindestens drei US-Soldaten sind am Wochenende bei Anschlägen im
Irak ums Leben gekommen, nach US-Militärangaben vom Sonntag wurden
mindestens 13 Soldaten bei einem Granatenangriff auf ein Gefängnis
verwundet.
Zuvor war am Samstag die irakische Diplomatin Akila el Haschemi bei
einem Überfall bewaffneter Männer durch Schüsse verletzt
worden. Haschemi ist eines von drei weiblichen Mitgliedern des von den
USA kontrollierten Verwaltungsrats.
Eine Militärsprecherin sagte, im Schutz der Dunkelheit sei das von
den US-Soldaten gesicherte Abu-Ghaib-Gefängnis westlich der
Hauptstadt Bagdad von Rebellen mit zwei Granaten beschossen worden.
Dabei seien zwei Angehörige der US-Militärpolizei
getötet und mindestens 13 US-Soldaten verletzt worden. Die US-
Soldaten sichern die Anlage, in der gewöhnliche Kriminelle und
mutmaßliche Aufrührer festgehalten werden. Unter dem
früheren Präsidenten Saddam Hussein war die Haftanstalt Abu
Ghaib nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen als Hinrichtungs-
und Folterstätte allgemein berüchtigt. Die Häftlinge
wurden durch das Granatfeuer offenbar nicht verletzt.
Nach einem Sprengstoff-Anschlag auf sein Fahrzeug starb den Angaben
zufolge am Samstag ein weiterer US-Soldat an seinen Verletzungen. Auch
hier blieben die Täter im Dunkeln. Seitdem US-Präsident
George W. Bush das Ende der Kampfhandlungen im Irak erklärt hat,
sind damit mindestens schon 79 US-Soldaten bei mutmaßlichen
Partisanen-Überfällen getötet worden.
Auch Personen, die mit den USA kooperieren, wie der Fall der
Karriere-Diplomatin Haschemi zeigte, sind vor Überfällen
nicht sicher. Die Diplomatin war am Samstag in ihrem Auto in Bagdad von
Unbekannten beschossen worden. Auch ihre Leibwächter wurden
verletzt, als die Angreifer das Feuer aus einem Auto heraus
eröffneten. Nach irakischen Angaben wurde der Zustand Haschemis,
die schwere innere Blutungen erlitten hatte, am Sonntag als "kritisch,
aber stabil" beschrieben.
Der entmachtete irakische Staatschef Saddam Hussein soll nach einem
britischen Zeitungsbericht in Geheimverhandlungen mit den USA versucht
haben, seinen Gang ins Exil zu erwirken. Saddam Hussein habe in den
vergangenen neun Tagen geheime Verhandlungen mit den
US-Streitkräften geführt, berichtete der "Sunday Mirror"
unter Berufung auf einen ranghohen Iraker. Der Ex-Staatschef soll
freies Geleit nach Weißrussland gefordert und im Gegenzug
Informationen über Massenvernichtungswaffen angeboten haben.
US-Präsident George W. Bush werde demnach von seiner
Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice über die Gespräche auf
dem Laufenden gehalten, die vom Oberbefehlshaber der
US-Streitkräfte in Irak, Ricardo Sanchez, geleitet würden.
Die Zeitung zitierte den ranghohen Iraker mit den Worten, am 12.
September sei ein Vertreter Saddam Husseins in westlicher Kleidung zur
US-Armee in die irakische Stadt Tikrit gekommen, um Verhandlungen
aufzunehmen. Der Ex-Staatschef strebe einen solchen Handel an, weil er
"verzweifelt und gefangen" sei und auf immer weniger Menschen
zählen könne, die ihm Unterschlupf gewähren.
Die US-Regierung hat nach Angaben des früheren
NATO-Oberbefehlshabers und demokratischen
Präsidentschaftsbewerbers Wesley Clark seit November 2001 eine
militärische Offensive in mehreren Staaten des Nahen Ostens
geplant. In einem vom US-Nachrichtenmagazin "Newsweek" vorab in
Auszügen veröffentlichten Buch, das am Montag in den Handel
kommen sollte, berichtet Clark von einem auf fünf Jahre angelegten
militärischen Plan, wonach die Invasion in Irak nur ein Teil einer
Großoffensive in der Region sein sollte. Auch in Libanon, Syrien,
Iran, Somalia und im Sudan seien Militäreinsatze geplant gewesen.
(Quellen: rtr, dpa, afp)
Mutmaßlicher Terrorist Chalid Scheich Mohammed:
Planungen für Anschläge vom 11. September begannen
1996
Mo.22.09.03 - Die Pläne für die Terroranschläge vom 11. September 2001
gehen bis ins Jahr 1996 zurück, wie deren mutmaßlicher
Organisator Chalid Scheich Mohammed amerikanischen Ermittlungsbeamten
sagte. Die Nachrichtenagentur AP hat jetzt Einblick in die
Vernehmungsprotokolle erhalten. Demnach wurde der Plan bis zu seiner
Verwirklichung mehrmals geändert. Zeitweise sollten in den
Terroranschlag zehn Flugzeuge einbezogen werden.
Mohammed wurde am 1. März dieses Jahres in einer gemeinsamen
Aktion der pakistanischen Sicherheitskräfte und des
US-Geheimdienstes CIA in Rawalpindi gefasst. Er wird seither von
CIA-Beamten an einem geheimen Ort vernommen.
Den Protokollen zufolge sagte Mohammed, er habe 1996 erstmals mit
El-Kaida-Führer Osama bin Laden über die Terroranschläge
gegen die USA gesprochen. Ursprünglich sei beabsichtigt gewesen,
an der Ost- und der Westküste der USA jeweils fünf
Passagierflugzeuge zu entführen. Für die Anschläge vom
11. September auf das New Yorker World Trade Center und das Pentagon in
Washington sowie ein weiteres bislang nicht bekanntes Ziel wurden
schließlich vier Flugzeuge benutzt.
In der Endphase sei auch einmal geplant gewesen, den Angriffen mit den
vier Flugzeugen eine zweite Welle mit
Selbstmord-Flugzeugentführern im asiatischen Raum folgen zu
lassen. Wie aus den Vernehmungsprotokollen weiter hervorgeht, war auch
nicht Mohammed Atta der Kopf der Entführer, wie dies bisher
angenommen wurde. Wichtiger für die Operation seien Chalid el
Mihdhar und Nauaf el Hamsi gewesen. Auch sie gehörten zu den
Flugzeugentführern des 11. Septembers.
Laut den Protokollen enthüllte Mohammed in seinen Vernehmungen
auch Pläne für weitere Anschläge. Einzelheiten dazu
wurden der AP aber nicht zugänglich gemacht.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Verheerender Terrorangriff auf die USA und die Folgen
Di.11.09.01 - Ein beispielloser Terroranschlag auf das World Trade Center
in New York und das Pentagon in Washington, hat in aller Welt Entsetzen und
die Angst vor einem globalen Krieg ausgelöst....
Berichte und Hintergrundinformationen unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-muenchen/n0109120.htm#0109120
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Dunkles Kapitel in der US-Geschichte - Gedenken an Marsch der Tränen des Volkes der Cherokee-Indianer
Mo.22.09.03 - Zehntausende Motorradfahrer haben mit einer 320 Kilometer langen Fahrt
von Chattanooga im US-Staat Tennessee in den Nordwesten Alabamas an ein
dunkles Kapitel in der US-Geschichte erinnert. Mit der seit 1994
alljährlich stattfindende Fahrt gedenken die Teilnehmer des so
genannten Marschs der Tränen 1838-39, als die US-Regierung das
Volk der Cherokee-Indianer ins heutige Oklahoma zwangsumsiedelte. Dabei
kamen tausende Menschen ums Leben. Ausgangspunkt des Marschs war damals
Chattanooga.
Die Motorradkarawane erstreckte sich am Samstag über bis zu 65
Kilometer. Genaue Teilnehmerzahlen lagen nach Angaben der
Tourismusbehörde in Florence zunächst nicht vor, erwartet
worden waren bis zu 100.000 Motorradfahrer. Der Teilnehmer Keith Sneed
erklärte, der Hauptnutzen der Fahrt liege darin, dass er unter den
Zuschauern Fragen aufwerfe und zu Diskussionen anrege. Im
öffentlichen Bewusstsein sei der Marsch der Tränen vergessen,
sagte der 55-Jährige, der von Cherokee-Indianern abstammt. An der
ersten Fahrt 1994 nahmen zu Beginn acht Motorräder teil, bei der
Ankunft in Waterloo war die Zahl auf rund 100 angewachsen.
(Quelle: info.partisan.net)
Mehr zum Thema unter:
http://www.al-tn-trailoftears.org
Sturmfolgen werden US-Ostküste noch Monate zu schaffen machen
Mo.22.09.03 - Auch drei Tage nach dem Hurrikan "Isabel" im Osten der USA haben noch
mehrere Millionen Menschen unter den Folgen gelitten. Zwei Millionen
Haushalte waren weiter ohne Strom. Das Trinkwasser für etwa eine
Million Menschen war ungenießbar. Die Zahl der Opfer stieg dem
US-Sender CNN zufolge auf 31. "Isabel" war am Donnerstag und Freitag
über die Ostküste der USA hinweggefegt.
Schwere Überflutungen gab es unter anderem in den Städten
Baltimore, Annapolis und Alexandria und auf dem
Luftwaffenstützpunkt Langley im Süden Virginias. Dort
berichtete ein Armeesprecher, dass sich gar Delfine in
überfluteten Parkplätzen getummelt hätten.
Regierungsstellen warnten vor weiteren Überflutungen durch den
Fluss Potomac am Sonntag.
Bei einem Lokaltermin in der Stadt Poquoson in Virginia machte sich
Heimatschutzminister Tom Ridge gemeinsam mit mehreren Senatoren des
Bundesstaates ein Bild von der Verwüstung, die der Sturm
angerichtet hat. Bürgermeister Gordon Helsel sagte der
Nachrichtenagentur Reuters:
"Es wird wahrscheinlich Wochen, vielleicht Monate dauern... bis die
Stadt aufgeräumt ist. Das ist hier die reine Verwüstung",
fügte er hinzu.
Präsident George W. Bush erklärte nach den Bundesstaaten
North Carolina, Virginia, Maryland und Delaware auch die Hauptstadt
Washington zum Katastrophengebiet. Behörden, Privatpersonen und
Unternehmen haben damit Anspruch auf Bundeshilfen. Viele Menschen kamen
bei Unfällen und durch umstürzende Bäume um, blank
liegende Stromleitungen oder Abgase benzinbetriebener Notstromaggregate
forderten ebenfalls Opfer. Obwohl Experten den Schaden auf umgerechnet
1,8 Milliarden Euro schätzen, sprechen die Behörden laut CNN
von relativ geringen Schäden, weil der Hurrikan schnell über
Land gezogen sei.
(Quellen: rtr, dpa)
Konferenz zu Aids in Afrika in Nairobi eröffnet +++ Scharfe Kritik
am Westen
Mo.22.09.03 - Im kenianischen Nairobi hat die 13. Internationale Konferenz zu Aids
und Geschlechtskrankheiten in Afrika begonnen. Der UN-Sondergesandte
Stephen Lewis kritisierte zum Auftakt der Konferenz mit rund 8000
Teilnehmern die reichen Industrieländer, die Milliarden für
den Anti-Terror-Kampf ausgäben, während Millionen Afrikaner
verzweifelt auf Medikamente warteten.
Lewis sprach von einer "grotesken Obszönität der modernen
Welt". Von mehr als vier Millionen Afrikanern, die anti-retrovirale
Medikamente brauchen, hatten demnach bis Ende vergangenen Jahres nur
50.000 von ihnen Zugang zu solchen, also gut ein Prozent. Im
vergangenen Jahr starben in Afrika südlich der Sahara mehr als
drei Millionen Menschen an Aids.
Vor dem Treffen hatten Aktivisten gewarnt, dass trotz Milliardensummen
und der Einigung der Welthandelsorganisation WTO von August über
einen leichteren Zugang ärmerer Länder zu
Nachahmermedikamenten gegen Aids die größten Probleme
bestehen blieben. Die neue Regelung erlaubt Entwicklungs- und
Schwellenländern ohne eigene pharmazeutische Industrie, so
genannte, billigere Generika-Produkte zu importieren. Der weltweite
Fonds zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose geht von
Ausgaben in Höhe von rund fünf Milliarden Dollar (4,4
Milliarden Euro) im Kampf gegen die Krankheiten aus.
(Quelle: afp)
US-Finanzminister fordert von Europa lockerere Geldpolitik
Mo.22.09.03 - US-Finanzminister John Snow hat die Europäer aufgefordert, mit
Hilfe einer gelockerten Geld- und Steuerpolitik für mehr Wachstum
in ihren angeschlagenen Volkswirtschaften zu sorgen. Snow
äußerte sich am Sonntag bei einem Essen am Rande der
Herbsttagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank
in Dubai.
Wenig später konkretisierte der Sprecher im Finanzministerium, Rob
Nichols, die Ausführungen des Ministers dahin, dieser habe damit
nicht zu einem Wechsel in der Geldpolitik aufrufen wollen. "Er hat
einfach die allgemeine Idee unterstrichen, dass es einer guten
monetären, fiskalischen und regulierenden Politik bedarf, um zu
wachsen", sagte Nichols. Und Snow habe an "alle appelliert, Schritte
für ein Wachstum zu unternehmen".
Snow hatte es bei dem Essen im Institut für Internationale
Finanzpolitik auch als "entscheidend wichtig" für Argentinien
bezeichnet, alle Zusagen einzuhalten, die die Regierung in Buenos Aires
hat abgeben müssen, um sich für die Kredite des IWF zur
Wiederbelegung seiner Wirtschaft zu qualifizieren.
(Quelle: rtr)
EU fordert ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat
Mo.22.09.03 - Das Europäische Parlament fordert einen ständigen Sitz
für die EU im Weltsicherheitsrat. Ein permanenter Sitz reflektiere
besser "die gegenwärtige Situation in der Welt und in der
Europäischen Union", heißt in einem Thesenpapier, das der
Zeitung "Die Welt" vorliegt. Außerdem schlägt das Parlament
vor, drei zusätzliche permanente Sitze für die Regionen
Asien, Afrika und Lateinamerika zu schaffen. Dann hätte der
Sicherheitsrat künftig neun ständige Mitglieder; bislang sind
es fünf.
(Quelle: dpa)
Verfassungsgerichtspräsident für Diskussion über
EU-Verfassung
Mo.22.09.03 - Der Entwurf für eine EU-Verfassung sollte aus Sicht von
Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier auf
nationaler Ebene noch einmal diskutiert und geprüft werden. Der
Karlsruher Richter kritisierte damit in einem am Samstag
veröffentlichten "Spiegel"-Gespräch Äußerungen von
Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka
Fischer. "Zu sagen, das, was da bisher entstanden ist, sei nur noch
abzunicken und durchzuwinken, tangiert schon die
demokratisch-parlamentarischen Grundfesten", meinte Papier.
Der Richter forderte, das Parlament müsse sich eingehend mit
diesen Fragen beschäftigen und Änderungswünsche - sofern
solche bestehen sollten - bei der bevorstehenden EU-Regierungskonferenz
im Herbst einbringen. Der Verfassungsgerichtspräsident zeigte sich
beunruhigt, dass die Diskussion um die europäische Integration in
Deutschland überwiegend "in politischen Zirkeln und Kreisen der
Fachbürokratie" stattfinde und damit an der Öffentlichkeit
vorbeigehe.
Papier beklagte, dass das Bundesverfassungsgericht anders als der
Europäische Gerichtshof bei der Klärung von Grundsatzfragen
der europäischen Verfassung nicht in den Meinungsaustausch
einbezogen wurde. Inhaltlich wünschte sich Papier eine klarere
Kompetenzabgrenzung zwischen der EU und ihren Mitgliedstaaten. Zweifel
äußerte der Verfassungsgerichtspräsident auch an der
Wirksamkeit des zur Begrenzung der EU-Kompetenzen festgeschriebenen
Subsidiaritätsprinzips. Dadurch könne es sogar zu einem
"Wettlauf der Normierungen und damit einer neuen Regelungswut kommen".
Angesichts umstrittener Entwicklungen in der Biomedizin warnte der
Gerichtspräsident davor, die Menschenwürdegarantie "in zu
kleiner Münze zu prägen". Ob der Begriff der
Menschenwürde auch auf das Leben im Reagenzglas, auf einzelne
Zellstrukturen und deren Veränderung anzuwenden ist, könne
nicht allein auf Grund des Menschenwürde-Artikels des
Grundgesetzes beantwortet werden. Papier plädierte dafür, die
Menschenwürde "zuverlässig, exakt und eng zu interpretieren,
dann aber in ihrer Absolutheit abwägungsfrei zu schützen".
Dies müsse unbedingt auch für polizeiliche
Foltermaßnahmen gelten: "Jede Form der Folter ist für mich
unvereinbar mit der Garantie der Menschenwürde."
(Quelle: ap)
Landtagswahl in Bayern: Stoiber triumphiert mit Zweidrittelmehrheit +++
SPD fällt unter 20 Prozent +++ Grüne legen zu +++ FDP und
Freie Wähler scheitern an Fünf-Prozent-Hürde
Mo.22.09.03 - Mit einem beispiellosen Wahltriumph haben Bayerns
Ministerpräsident Edmund Stoiber und die CSU eine
Zweidrittelmehrheit im Münchner Landtag erobert. Eine so deutliche
Überlegenheit einer Regierungspartei gab es in der bundesdeutschen
Parlamentsgeschichte noch nie. Seinen Machtanspruch im Bund
untermauerte der CSU-Chef am Sonntagabend mit der Ankündigung, er
wolle "das bayerische Erfolgsmodell" in Deutschland durchsetzen. Vor
einem Jahr war Stoiber als Unions-Kanzlerkandidat knapp an
Rot-Grün gescheitert.
Die CSU verbesserte sich nach dem vorläufigen amtlichen
Endergebnis um 7,8 Punkte auf 60,7 Prozent. In dem von 204 auf 180
Abgeordnete verkleinerten Landtag hat sie damit künftig 124
Mandate (Zweidrittelmehrheit: 120 Mandate). Die bisherige
CSU-Rekordmarke - 62,1 Prozent im Jahr 1974 - wurde aber verfehlt. Die
in Bayern traditionell schwache SPD erlitt mit einem Minus von 9,1
Punkten ein Fiasko: Sie stürzte mit ihrem Spitzenkandidaten Franz
Maget von 28,7 auf 19,6 Prozent ab - ihr mit Abstand schlechtestes
Ergebnis (bisher 1990: 26,0 Prozent). Die Sozialdemokraten verloren
auch alle fünf Direktmandate und verfügen nur noch über
41 Abgeordnete.
Die Grünen verbesserten sich von 5,7 auf 7,7 Prozent und sind mit
15 Sitzen im Landtag vertreten. Die FDP steigerte sich leicht von 1,7
auf 2,6 Prozent, verpasste damit aber ebenso wie die Freien Wähler
(FW) erneut den Sprung in den Landtag. Die Freien Wähler
erreichten 4,0 Prozent (1998: 3,7). Die Wahlbeteiligung sank um 12,5
Punkte auf nur noch 57,3 Prozent (1998: 69,8).
Der dritte Wahlsieg in Folge stärkt die Position des seit 1993
amtierenden Stoiber - sowohl innerhalb der Union als auch unter den
neun Regierungschefs der Schwesterparteien CDU und CSU. Der 61-
Jährige hält sich mit dem nach eigener Einschätzung
"sensationellen und epochalen Ergebnis" die Option auf eine weitere
Kanzlerkandidatur offen. Konkreten Fragen wich Stoiber am Abend aus:
Die Menschen hätten "im Augenblick kein Interesse daran, wer in
der Union in drei Jahren Kanzlerkandidat wird".
Stoiber sprach von einem klaren "Signal an CDU und CSU, anzugreifen".
Bei den Reformen müsse Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
auf die Union zugehen, wenn er etwas durchsetzen wolle. Die CSU werde
auch innerhalb der Union gestärkt. "An dem guten Verhältnis
zwischen Angela Merkel und mir wird dieses Ergebnis nichts
ändern." CDU-Chefin Merkel rief die Union zur Geschlossenheit auf.
CDU und CSU hätten die Chance, im Bundesrat ihre Vorstellungen bei
den Reformen durchzusetzen. Schröder werde "zum Problem für
seine Partei. Es wird für ihn eng."
Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sieht in dem CSU-Sieg
keine grundsätzliche Kräfteverschiebung in der Union. Auch in
Zukunft werde in der Union nichts ohne die CSU, aber auch nichts ohne
die CDU gehen. Auch Koch gilt als möglicher
Unions-Kanzlerkandidat. CSU- Landesgruppenchef Michael Glos betonte,
Stoiber habe einen «bundespolitischen Wählerauftrag»
bekommen.
SPD-Generalsekretär Olaf Scholz führte die schwere Schlappe
auf die "bundespolitische Stimmungslage" zurück. Die SPD habe
"mutige Reformen" angepackt, die "nicht einfach zu akzeptieren" seien.
Bayerns SPD-Chef Wolfgang Hoderlein kritisierte, die Bundesregierung
habe "einen Weg eingeschlagen, der traditionellen SPD-Wählern viel
abverlangt". Maget nannte die Niederlage eine "bittere Stunde für
die bayerische SPD". Die Grünen-Bundesvorsitzende Angelika Beer
sah ein "fast erdrückendes Ergebnis" und warnte die Union, die
anstehenden Reformen zu blockieren.
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD)
warnte seine Partei davor, dem Kanzler die Schuld zu geben. Er sagte
der "Leipziger Volkszeitung" (Montag): "Schröder macht das, was in
Deutschland unbedingt notwendig ist. Das ist nicht unbedingt
populär, aber es gibt überhaupt keinen Grund, eine Diskussion
über einseitige Schuldzuweisungen zu führen."
Mit der Bayern-Wahl sind die Verhältnisse in der Bundesversammlung
geklärt, die am 23. Mai 2004 die Nachfolge von
Bundespräsident Johannes Rau bestimmt. Union und FDP haben ihre
absolute Mehrheit ausgebaut und könnten gemeinsam das neue
Staatsoberhaupt wählen. Stoiber wies entsprechende Ambitionen
mehrfach zurück. Im Bundesrat ändert sich nichts an der
klaren Mehrheit der unionsregierten Länder.
Die Zweidrittelmehrheit verschafft der CSU eine bislang einmalige
Machtfülle im Landtag. Sie könnte etwa allein über eine
Anklage gegen Minister oder Abgeordnete entscheiden und sogar
Verfassungsänderungen auf den Weg bringen, denen allerdings die
Bürger in einem Volksentscheid noch zustimmen müssten.
Die bedrückende bundespolitische Stimmung für die SPD, die
hohe Popularität Stoibers und das schlechte Erscheinungsbild von
Bayerns Sozialdemokraten: Diese drei Gründe haben nach einer
Analyse der Forschungsgruppe Wahlen (Mannheim) für die
Nachrichtenagentur dpa maßgeblich zum Triumph der CSU
beigetragen. Die CSU verdanke ihr Ergebnis auch einer hohen
Zufriedenheit mit der Arbeit der bayerischen Staatsregierung.
(Quelle: dpa)
Landtagswahl in Bayern
Kohl erneut im Visier der Justiz
Mo.22.09.03 - Altkanzler Helmut Kohl ist erneut ins Visier der Justiz geraten. Die
Berliner Staatsanwaltschaft prüft ein Ermittlungsverfahren gegen
den früheren CDU-Vorsitzenden wegen seines Aussageverhaltens vor
dem Parteispenden-Ausschuss des Bundestags, wie eine Justizsprecherin
am Sonntag bestätigte. In derselben Sache werde gegen eine weitere
Person ermittelt.
Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" handelt es sich
dabei um den ehemaligen Medienmogul Leo Kirch. Ausgangspunkt sei eine
Strafanzeige eines Rechtsanwalts wegen uneidlicher Falschaussage.
Hintergrund sei ein Beratervertrag zwischen Kohl und Kirch mit einem
jährlichen Honorar von 600.000 Mark, der von 1999 bis zum
Frühjahr 2002 bestanden habe, hieß es in dem Bericht.
Bereits im April dieses Jahres hatte es erste Medienberichte über
einen solchen Vertrag gegeben. Der Vorsitzende des Spendenausschusses,
Volker Neumann, hatte daraufhin erklärt, dass sowohl Kohl als auch
Kirch bei den Vernehmungen in den Jahren 2000 und 2001 nach
geschäftlichen Beziehungen zueinander gefragt worden seien, den
Vertrag aber nicht erwähnt hätten.
(Quelle: ap)
Bundesregierung revidiert laut Zeitung Arbeitsmarktprognose +++
Mehr Arbeitslose als bisher gedacht
Mo.22.09.03 - Die Bundesregierung hat einem Zeitungsbericht zufolge ihre Prognose
für die Arbeitslosigkeit in Deutschland nach oben korrigiert. Nach
Informationen der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe) geht die Regierung
inzwischen von mehr als 4,4 Millionen Arbeitslosen im
Jahresdurchschnitt 2003 aus. Das Blatt beruft sich auf ein Schreiben
des Bundesfinanzministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestages.
Bisher hatte die Bundesregierung in ihrem Jahreswirtschaftsbericht von
möglichen 4,2 Millionen Arbeitslosen gesprochen.
Im Vorjahr hatte die durchschnittliche Zahl der Arbeitslosen 4,06
Millionen betragen. Laut «Bild» ist in dem Schreiben von
einem Anstieg um 340.000 bis 400.000 gegenüber 2002 die Rede.
(Quelle: ap)
Bsirske kritisiert rot-grüne Bildungs- und Sozialpolitik
Mo.22.09.03 - Ver.di-Chef Frank Bsirske hat die rot-grüne Bildungs-,
Wirtschafts- und Sozialpolitik kritisiert. "Die Regierung nimmt mit
ihrer Politik eine Amerikanisierung der Verhältnisse in Kauf und
bricht dabei mit zentralen Positionen der Sozialdemokratie und der
Gewerkschaften", sagte Bsirske dem "Tagesspiegel" (Montagausgabe). Das
zeige sich beispielsweise daran, dass es in Deutschland eine
beispiellose Verknüpfung von sozialer Herkunft und Bildungschancen
gebe. "Dass eine sozialdemokratische Regierung das hinnimmt oder sogar
forciert, ist schon einmalig."
Über den Kurs der Regierung gebe es "ein erhebliches Maß an
Irritation, Demoralisierung, Desorientierung und auch Resignation",
sagte Bsirske weiter. "Und zwar gerade bei denen, die aktiv dazu
beigetragen haben, dass diese Koalition vor einem Jahr wieder
gewählt wurde."
Zum künftigen Umgang mit der Regierung sagte der ver.di-Chef,
Dialog und Mobilisierung seien kein Widerspruch. "Wir brauchen beides".
Der Kurs der Regierung "bricht mit den Traditionen dieser Partei und
ihrer bisherigen politischen Orientierung".
Zur möglichen Änderung des Tarifvertragsgesetzes, mit dem die
Opposition die Bildung betrieblicher Bündnisse für Arbeit
erleichtern will, sagte Bsirske, "wir wissen, dass der Kanzler
Vertrauen hat in die Selbstregulation der gesellschaftlichen
Kräfte". Die Tarifverträge seien bereits an vielen Stellen
geöffnet worden, deshalb gehe ver.di davon aus, dass die
Bundesregierung das Thema nicht betreibe. Der ver.di-Chef räumte
ein, "dass die Arbeitgeberseite Rückenwind hat und die Initiative
bestimmt". In diversen Gesetzesvorlagen hätten die Arbeitgeber
"ihre Position durchsetzen können", sagte Bsirske.
(Quelle: ap)
BDI fordert drastische Reformen
Mo.22.09.03 - Der Bundesverband der Deutschen Industrie fordert nach einem Bericht
des Berliner "Tagesspiegels" von der Bundesregierung eine Senkung des
Spitzensteuersatzes auf 30 Prozent sowie weitere einschneidende
Reformen. Sein Konzept stellt der BDI heute (Montag) auf einem
Reformkongress in Berlin zur Diskussion. Wie die Zeitung am Sonntag
vorab berichtete, verlangt der Verband unter anderem die Senkung der
Sozialbeiträge auf 35 Prozent und eine Anhebung des Rentenalters
auf 67 Jahre.
"Die Privatisierung der Krankenkassen ist einzuleiten", zitiert der
"Tagesspiegel" aus dem 120 Seiten starken Papier. Parallel dazu sollten
Kopfpauschalen eingeführt werden. Die Subventionen sollten pro
Jahr um zehn Prozent gekürzt werden. Daneben müsse der Staat
mehr in Bildung und Forschung investieren. Ein Reformkonzept solle die
Bundesländer neu ordnen und die Verteilung der Steuereinnahmen
unter Bund, Ländern und Gemeinden neu regeln.
Mit dem Papier wolle der BDI die Reformdebatte in Deutschland neu
anstoßen, hieß es. Industriepräsident Michael Rogowski
plädiere für "eine umfassende Bürgerbewegung aller
reformbereiten Kräfte in Regierung und Opposition, Wirtschaft und
Gesellschaft, Wissenschaft und Kultu"
(Quelle: ap)
Hundt fordert Verbot von Warnstreiks
Mo.22.09.03 - Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat ein gesetzliches Verbot von
Warnstreiks gefordert. "Sie fügen den Unternehmen einen
unverantwortlichen wirtschaftlichen Schaden zu, und das zu einem
Zeitpunkt, zu dem noch nicht einmal feststeht, ob die
Tarifverhandlungen scheitern oder erfolgreich beendet werden", sagte er
der "Bild am Sonntag". Der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Werner
Neugebauer, entgegnete, Hundt wolle die schlechte Wirtschaftslage
schamlos ausnutzen und Arbeitnehmer und Politik erpressen.
Hundt sagte, die Unternehmen seien nicht länger bereit, die
erheblichen wirtschaftlichen Schäden hinzunehmen. "Streiks
dürfen erst stattfinden, wenn vorher zwingend ein
Schlichtungsverfahren zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern versucht
wurde", forderte er. Der Präsident der Bundesvereinigung der
deutschen Arbeitgeberverbände verlangte auch ein Verbot von
Streiks kleiner Minderheiten in einem Unternehmen: "Die Beispiele von
Cockpit bei der Lufthansa oder der Lokführer bei der Deutschen
Bahn haben gezeigt, dass solche Schlüsselkräfte einen ganzen
Betrieb lahm legen können oder in anderen Fällen sogar ganze
Branchen", sagte Hundt.
IG-Metall-Bezirksleiter Neugebauer konterte: "Wer das demokratisch
verbriefte Streikrecht einschränken oder die Warnstreiks gar
gesetzlich verbieten will, möchte zurück in die
Feudalherrschaft vergangener Jahrhunderte», meinte Neugebauer.
Warnstreiks seien ein wirksames, demokratisch legitimiertes Mittel, um
kollektiven Druck der Beschäftigten bei stockenden
Tarifverhandlungen auszuüben - unabhängig davon, ob sie
Gewerkschaftsmitglied seien. Der IG-Metall-Bezirksleiter argumentierte
weiter: "Gewerkschaften ohne Streikrecht sind wie zahnlose Tiger. Sie
wären ausschließlich Bittsteller bei den wirtschaftlich
Mächtigen."
(Quelle: ap)
Leistungsdruck macht laut WHO-Studie Jugendlichen stärker zu schaffen
Mo.22.09.03 - Der Gesundheitszustand der Jugendlichen in Deutschland hat sich einer
Studie zufolge weiter verschlechtert. Laut den am Mittwoch an der
Universität Bielefeld veröffentlichten Ergebnissen des ersten
deutschen "Jugendgesundheitssurveys" leiden immer mehr junge Menschen
unter psychosomatischen und emotionalen Störungen. Besonders
betroffen seien Mädchen. Als Hauptgrund machten die Autoren
zunehmenden Leistungsdruck nach den Ergebnissen der internationalen PISA-Studie
aus.
Jeder fünfte Jugendliche leidet der Studie zufolge unter
psychiatrischen Auffälligkeiten, etwa Konzentrationsproblemen.
Ebenso viele Jugendliche litten unter psychosomatischen Beschwerden wie
Einschlafstörungen. Auch Allergien hätten weiter zugenommen.
Die Wissenschaftler unter Leitung des Bielefelder
Gesundheitswissenschaftlers Klaus Hurrelmann konstatierten, dass der
allgemeine Gesundheitszustand von den Jugendlichen selber zwar als
relativ gut eingeschätzt wird, dennoch litten elf Prozent der
Untersuchten unter chronischen Erkrankungen wie Krebs, Rheuma und
Diabetes.
"Große Sorge" bereitet den Experten der steigende Konsum von
Alkohol und Zigaretten. In den neunten Klassen gehörten 26 Prozent
der Jungen und 29 Prozent der Mädchen zu den täglichen
Rauchern. Unter den 15-jährigen Schülern nehme ein Viertel
der Mädchen sowie mehr als ein Drittel der Jungen
regelmäßig Alkohol zu sich. Noch vor vier Jahren hätten
diese Werte deutlich niedriger gelegen, erklärten die
Wissenschaftler. Verantwortlich für die Entwicklung ist den
Experten zufolge der Trend zu süßen Mixgetränken mit
wenig Alkohol. Die Werbung dafür ziele vor allem auf jüngere
Jugendliche und Mädchen, kritisierten sie.
Mixgetränke "sind eindeutig zu den neuen Verführern zum
Alkohol geworden", erklärte Hurrelmann. Sie dienten dazu,
geschmackliche Vorbehalte gegenüber Alkohol abzubauen und
verschleierten den typischen Alkoholgeschmack. "Die meisten
Jugendlichen unterschätzen die Wirkungen, die mit dem intensiven
Konsum solcher Getränke verbunden sind", warnte der Professor. Er
forderte, über die Einführung einer Sondersteuer, wie in
Frankreich und in der Schweiz geschehen, zu debattieren.
Für die Studie hatte ein vierköpfiges Forscherteam im Auftrag
der Weltgesundheitsorganisation WHO [http://www.who.int] insgesamt 23.000 Schüler
in vier Bundesländern befragt. Die Ergebnisse der Studie, die in
den nächsten Tagen in Buchform erscheint (Jugendgesundheitssurvey,
Juventa-Verlag, Weinheim, ca. 22 Euro), sollen Grundlagen für die
Verbesserung der Gesundheitserziehung in Deutschland schaffen.
(Quelle: ap)
Salomon Korn ist neuer Vize des Zentralrats der Juden
Mo.22.09.03 - Gut zwei Monate nach dem Rücktritt von Michel Friedman als
Vizepräsident des Zentralrats der Juden ist Salomon Korn zu seinem
Nachfolger gewählt worden. Korn sei einstimmig zum neuen Vize
gewählt worden, sagte der Zentralrats-Präsident Paul Spiegel
in Frankfurt am Main nach einer Präsidiumssitzung. Korn betonte,
die Wahl habe ihn "gerührt". Der 60-Jährige ist Vorsitzender
der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt.
Friedman war Anfang Juli wegen seiner Kokain-Affäre von allen
öffentlichen Ämtern zurückgetreten. Friedman hatte
Anfang Juli wegen Kokain-Besitzes zum Eigenverbrauch in zehn
Fällen einen Strafbefehl der Berliner Justiz in Höhe von
insgesamt 17.400 Euro akzeptiert. Damit gilt der Rechtsanwalt und
CDU-Politiker als vorbestraft.
Als einen Schwerpunkt seiner Arbeit bezeichnete Korn die weitere
Integration der jüdischen Zuwanderer. Er räumte nach seiner
Wahl ein, dass er "lange überlegt" habe, ob er die Aufgabe
übernehme. Letztlich habe er sich aber dem Wunsch Spiegels nicht
entziehen können. Spiegel sagte, nach langen und intensiven
Gesprächen habe Korn eingesehen, dass er der "richtige Mann am
richtigen Platz" sei.
Zum Antisemitismus in Deutschland sagte Korn der "Welt", dieser sei "in
den letzten Jahren stabil geblieben." Ungefähr 15 bis 20 Prozent
der Bevölkerung seien antisemitische Gedanken nicht fremd, dies
seien immerhin zwölf bis 16 Millionen Menschen." Das entspreche
etwa dem europäischen Durchschnitt. Korn betonte aber, der
deutsche Antisemitismus sei heute nicht mehr mit dem von vor 1945
vergleichbar. Nur noch kleine Zirkel hingen einem
völkisch-rassistischen Antisemitismus an, der die Juden
"ausrotten" wolle, sagte Korn mit Blick auf die München
festgenommene Gruppe.
Der gelernte Architekt Korn, der auch als Publizist tätig ist,
wird als besonnener Intellektueller beschrieben. Der 1943 im polnischen
Lublin geborene Korn kam nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinen Eltern
nach Frankfurt. Korn, verheirateter Vater von drei Kindern, war 1999
nach dem Tod des damaligen Präsidenten des Zentralrats, Ignatz
Bubis, als dessen Nachfolger gehandelt worden.
Zum bisherigen Vizepräsidenten Friedman sagte Spiegel in
Frankfurt, dieser fehle "an manchen Ecken und Kanten". Korn ging nicht
genauer auf seinen Vorgänger ein. Er betonte aber, er werde "Amt
und Person" sehr streng trennen.
(Quelle: afp)
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