Aktuelle Nachrichten
Irak am hundertneunundachzigsten Tag nach Kriegsbeginn
US-Präsident verteidigt vor UNO Entscheidung zum Irak-Krieg:
Gräueltaten Saddams Grund genug für Krieg +++ UN-
Generalsekretär Annan kritisiert in UN-Generaldebatte
präventive Gewaltanwendung +++ USA und Frankreich legen
Differenzen zu Irak nicht bei +++ Bush fordert Ende des Irak-Streits
+++ Schröder bekräftigt Forderung nach raschem Übergang
in Irak +++ Bush weist Forderungen nach schneller Übertragung der
Regierungsgewalt an Irak zurück +++ US-Vertreter:
Souveränität erst nach demokratischen Wahlen in Irak +++ USA
übergeben Kontrolle über Nadschaf an spanische Truppe +++
Laut UN-Studie brauchen 60 Prozent der Iraker Nahrungsmittelhilfen +++
OPEC-Minister uneins über Rolle Iraks in Öl-Kartell +++ Irak
schränkt Arbeitsmöglichkeiten arabischer TV-Sender ein +++
US-Bürger zunehmend skeptisch über Vorgehen Washingtons in
Irak
Mi.24.09.03 - US-Präsident George W. Bush hat den Irak-Krieg vor den Vereinten
Nationen verteidigt und eine "hastige" Übertragung der
Souveränität im Land an die Iraker abgelehnt. Bush
forderte die Vereinten Nationen (UNO) auf, den Streit um den Irak-Krieg
hinter sich zu lassen und den USA beim Wiederaufbau des Landes zu
helfen.
Frankreichs Präsident Jacques Chirac beharrte indes bei der
Generaldebatte der UNO-Vollversammlung auf seiner scharfen Kritik an
dem Kriegskurs der USA. Er warf der US-Regierung vor, die UNO durch den
Irak-Krieg in eine der schwersten Krisen ihrer Geschichte gestürzt
zu haben. Auch UNO-Generalsekretär Kofi Annan kritisierte den
nicht von der UNO legitimierten Angriff der USA gegen Irak in
ungewöhnlich deutlicher Form. Bundeskanzler Gerhard Schröder,
der heute (Mittwoch) vor der UNO sprechen soll und sich zuvor mit Bush
treffen will, stellte sich nach einem Treffen mit Annan hinter die
Forderung Frankreichs, die Regierungsgewalt möglichst schnell an
die Iraker zu übergeben.
"Jetzt braucht die irakische Nation unsere Hilfe, und alle Staaten
guten Willens sollten vortreten und diese Unterstützung anbieten",
sagte Bush vor der aus 191 Mitgliedern bestehenden Vollversammlung in
New York. Einige Staaten hätten das Vorgehen der USA in der
Irak-Frage zwar abgelehnt, grundsätzlich bestehe jedoch Einheit
bei den Prinzipien und Zielen der UNO. "Lasst uns daher nach vorne
schreiten." Bush, der wegen seiner Irak-Politik auch innenpolitisch
zunehmend unter Druck gerät, wies Forderungen nach einer schnellen
Übertragung der Regierungsgewalt zurück. "Dieser Prozess muss
sich entsprechend den Bedürfnissen der Iraker entwickeln", sagte
er. Der Vorgang dürfe durch die Wünsche anderer weder
übereilt stattfinden noch verzögert werden.
Schröder - neben Chirac einer der entschiedensten Gegner des
Irak-Kriegs - sagte dagegen, mit einem schnellen Übergang der
politischen Autorität auf den Irak könne der
Wiederaufbauprozess des Landes unterstützt werden. Dies solle
binnen Monaten geschehen. Auf die Frage, ob es sich um wenige Monate
handele, sagte er: "Es können auch weniger als wenige sein." Es
könne sich nur um eine Übergabe an provisorische
Regierungsautoritäten handeln. Eine Wahl könne zuvor nicht
abgewartet werden.
Bush betonte in seiner Rede, der Irak-Krieg werde durch die
Gräueltaten der irakischen Regierung von Präsident Saddam
Hussein legitimiert. Die USA hatten die von ihr geführte Invasion
zunächst mit der Gefahr durch irakische Massenvernichtungswaffen
begründet, aber bislang sind keine solchen Waffen gefunden worden.
"Durch unsere Entdeckung der Leichenfelder und Massengräber des
Irak wird das wahre Ausmaß von Saddams Grausamkeit offen gelegt",
sagte Bush. Er schloss zudem nicht aus, dass doch noch
Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden werden. "Wir befragen jetzt
irakische Bürger und untersuchen Dokumente des alten Regimes, um
das ganze Ausmaß seines Waffenprogramms und seiner lange Kampagne
der Täuschung aufzudecken."
Annan kritisierte die USA, ohne sie direkt zu nennen, in dem er
grundsätzlich Militäreinsätze ohne UNO-Legitimierung wie
den Irak-Krieg verurteilte. Ein derartiges Vorgehen könne wieder
das Gesetz des Dschungels über die Welt bringen, sagte er. "Meine
Sorge ist, dass diese (Haltung), wenn sie akzeptiert würde, einen
Präzedenzfall schaffen könnte, der zu einer starken Zunahme
des Einsatzes einseitiger Gewalt ohne Rechtsgrundlage führt, mit
oder ohne glaubwürdige Rechtfertigung", sagte er unter anhaltendem
Beifall der Vollversammlung. Die kollektive Handlungsstruktur der UNO
werde durch unilateral begonnene Kriege in Frage gestellt. "Wir sind an
einer Weggabelung angekommen", sagte Annan. "Dieser Augenblick ist
vielleicht nicht weniger entscheidend als die Gründung der
Vereinten Nationen 1945 selbst."
Auch Chirac kritisierte in scharfer Form die Invasion des Irak ohne ein
UNO-Mandat. "Dieser Krieg, der ohne Autorisierung des Sicherheitsrats
begonnen wurde, hat das multilaterale System erschüttert", sagte
er. "Die Vereinten Nationen haben gerade eine der schwersten Krisen in
seiner Geschichte durchlebt."
Die USA haben unterdessen die Militärkontrolle über die
irakische Stadt Nadschaf am Dienstag an Truppen aus Spanien und
Mittelamerika übergeben. Bei einer offiziellen Zeremonie
übergab US-General John Kelly seinem spanischen Kollegen Alfredo
Cardona das Kommando, dem Befehlshaber der
spanisch-lateinamerikanischen Brigade Plus Ultra. Soldaten aus El
Salvador, Honduras und Spanien sollen in der den Schiiten heiligen
Stadt stationiert werden.
Dem Wunsch des Vorsitzenden des irakischen Regierungsrates, Ahmed
Tschalabi, nach einer raschen Übertragung der
Souveränität haben die USA inzwischen eine klare Absage
erteilt. Der Regierungsrat sei "kein gewähltes Organ", sagte ein
hochrangiger US-Vertreter, der nicht genannt werden wollte, am Dienstag
am Rande der UN-Vollversammlung in New York. Die irakische
Bevölkerung müsse überzeugt werden, dass die
Machtübergabe ein demokratischer Prozess sei, der mit einer
Verfassung beginne. Nach demokratischen Wahlen folge "logisch" die
Übertragung der Souveränität. Die USA und die Alliierten
seien nicht bereit, die Souveränität auf 25 "nicht
gewählte" Mitglieder des Regierungsrates zu übertragen, sagte
der US-Vertreter weiter. Tschalabi hatte in einem Gespräch mit der
Zeitung "New York Times" (Dienstagsausgabe) unter anderem mehr
Befugnisse bei der Kontrolle der Finanzen und bei der Sicherheit in
Irak gefordert. Diese Verantwortung solle "unverzüglich"
übertragen werden.
Rund 60 Prozent der 26 Millionen Iraker sind laut einer UN-Studie
arbeitslos und benötigen Nahrungsmittelhilfen. Zwar sei derzeit
niemand im Irak vom Hunger bedroht. Aber trotz Kriegsende und Aufhebung
der Sanktionen seien Millionen Menschen noch immer von chronischer
Unterernährung betroffen. Der Wiederaufbau des Agrarsektors werde
noch Jahre dauern. So sei etwa die Produktion von Düngemitteln
noch viel zu niedrig. Auch der Zugang zu sauberem Wasser sei ein
großes Problem im Nachkriegs-Irak, heißt es in der Studie.
In der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC)
herrscht derweil weiter Uneinigkeit über die Rolle Iraks in dem
Gremium. Die OPEC-Minister gingen am Dienstagabend in Wien auseinander,
ohne sich in der Frage zu einigen, ob eine Delegation des irakischen
Regierungsrats an der Sitzung am Mittwoch teilnehmen darf. Insbesondere
Venezuela stellte sich gegen eine Rückkehr Iraks als Vollmitglied
an den OPEC-Tisch, solange die irakische Übergangsregierung nicht
international anerkannt sei. Es gebe noch keine Entscheidung,
antwortete der venezolanische Energieminister Rafael Ramírez auf
die Frage von Journalisten, ob der von den USA eingesetzte irakische
Regierungsrat das Land in der OPEC vertreten dürfe. Ramírez
hatte eine formelle Anerkennung durch die UNO gefordert.
Der von den USA eingesetzte Regierende Rat des Irak hat die arabischen
Fernsehsender El Dschasira und El Arabia der "Förderung des
Terrorismus" beschuldigt und deshalb deren Arbeitsmöglichkeiten in
dem Golfstaat vorübergehend eingeschränkt.
Diese Maßnahmen seien als klare Botschaft an andere Sender
gedacht, die Unruhe unter den Irakern anzetteln könnten, teilte
der Rat am Dienstag in Bagdad mit. Von einem zuvor angedrohten
vollständigen Verbot sah der Rat ab. "El Dschasira und El Arabia
haben gegen die Regeln verstoßen, indem sie Stabilität und
Demokratie gefährdeten und den Terrorismus förderten",
hieß es in einer Erklärung des Rates. Der regierende Rat
habe El Dschasira und El Arabia als Warnung vorübergehend von
offiziellen Pressekonferenzen und der Berichterstattung über die
Tätigkeiten des Rates ausgeschlossen. Zudem werde den
Korrespondenten beider Sender für zwei Wochen der Zugang zu
Ministerien und Gebäuden des Rates verwehrt.
Ein Sprecher des Rats-Vorsitzenden hatte zuvor angekündigt, die
irakischen Operationen beider Sender würden für zwei Wochen
geschlossen, weil sie politische Unruhe geschürt hätten und
in ihren Sendungen "Terroristen" gezeigt hätten.
Beide Sender werden per Satellit von großen Teilen der irakischen
Bevölkerung empfangen. Sie hatten etwa Videos des gestürzten
Präsidenten Saddam Hussein gezeigt, in denen dieser zum Kampf
gegen die Besetzung des Irak durch US-Truppen aufgerufen hatte.
El Arabia teilte am Sitz des Senders in Dubai mit, man habe keine
offizielle Mitteilung über die Einschränkung der
Tätigkeit im Irak erhalten und arbeite normal weiter.
Programm-Chef Abdul Sattar Ellaz sagte: "Wir versuchen über alle
Aspekte der Situation im Irak so objektiv wie möglich zu
berichten. Das schließt ein, dass unser Kanal für jedes
Mitglied der irakischen Gesellschaft ein Forum ist, sei es die
Opposition, die Amerikaner oder die Regierung."
In der amerikanischen Bevölkerung wächst derweil die Skepsis
am Vorgehen der US-Regierung im Nachkriegsirak. Insbesondere die fast
täglichen Angriffe auf die US-Soldaten im Irak sowie die hohen
Kosten der Besatzung und des Wiederaufbaus bereiten vielen
US-Bürgern Sorge. In einer am Dienstag veröffentlichten
Erhebung äußerten sechs von zehn Befragten (58 Prozent) die
Auffassung, Präsident George W. Bush wisse nicht, wie er die Lage
zu einem erfolgreichen Abschluss bringen könne. 63 Prozent
erklärten, Bush habe seine Pläne zum weiteren Vorgehen in
Irak nicht exakt erläutert, hieß es in der Umfrage des Pew
Research Center for the People and the Press in Washington.
Sieben von zehn Amerikanern sprachen sich für eine bedeutsame
Rolle der Vereinten Nationen beim irakischen Wiederaufbau aus. Im April
waren es lediglich 62 Prozent gewesen. Knapp mehr als die Hälfte
der 1.500 Befragten erklärten, die USA sollten einen Teil der
militärischen Kontrolle in Irak an die UN abgeben. Nach wie vor
war jedoch ein Großteil (63 Prozent) der Meinung, der Krieg sei
gerechtfertigt gewesen.
(Quellen: rtr, afp, dpa)
Hintergrund: US-Doktrin der präventiven Militärschläge
«Falls nötig» wollen die USA einer Bedrohung durch
Terroristen und «Schurkenstaaten» im Besitz von
Massenvernichtungswaffen auch mit vorbeugenden
Militärschlägen begegnen. Dies sieht die Nationale
Sicherheits-Strategie vom 17. September 2002 vor.
Das von Präsident George W. Bush unterzeichnete Papier ist keine
reine Militärstrategie, sondern umfasst alle für die
Sicherheit und Stabilität wesentlichen Bereiche. Oberste
Priorität haben die nationalen Interessen der USA.
«Wir können unsere Feinde nicht zuerst zuschlagen
lassen», heißt es Kapitel fünf des 31-seitigen
Papiers. Um «feindlichen Akten» zuvor zu kommen und sie zu
verhindern, werde man handeln. Generell werden in der so genannten
Bush-Doktrin Erstschläge auch damit gerechtfertigt, dass die
herkömmlichen Mittel der Abschreckung nichts gegen unberechenbare
Regime bewirken könnten. Einen Monat nach Verkündung der
neuen Strategie gab der Kongress dem Präsidenten die Vollmacht zu
einem Krieg gegen den angeblich Massenvernichtungswaffen besitzenden
Irak - völkerrechtlich umstritten notfalls auch ohne UN- Mandat.
Auch der Kampf gegen den internationalen Terrorismus wird von den USA
als «Krieg» eingestuft, der sich gleichermaßen gegen
Terroristen und Länder richte, die ihnen Unterschlupf und Hilfe
gewähren. In einer Zeit, in der die «Feinde der
Zivilisation» offen nach «höchst zerstörerischen
Technologien» strebten, könnten die Vereinigten Staaten
nicht untätig bleiben.
(Quelle: dpa)
Präventivschlag-Doktrin der USA (Bush oder Cheney Doktrin)
The National Security Strategy of the United States of America
(Präventivschlags-Stategie) September 2002
http://www.whitehouse.gov/nsc/nss.html
http://www.whitehouse.gov/nsc/nss.pdf
Blick ins Archiv:
Annan nennt US-Erstschlagdoktrin 'gesetzlose Gewalt'.
Di.23.09.03 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die Vereinten Nationen
eindringlich vor verheerenden Folgen der amerikanischen
Erstschlag-Doktrin
für die internationale Sicherheit gewarnt. Die
präventive Anwendung von Gewalt ohne Zustimmung des
UN-Sicherheitsrates sei eine "fundamentale Herausforderung" der seit
Gründung der Weltorganisation vor 58 Jahren allgemein anerkannten
Grundregeln für Frieden und Stabilität in der Welt...
Mehr unter:
http:/www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309230.htm#03092301
Wechsel von "hot pursuit" zu "hot pre-emption"
USA bekräftigen Recht auf Präventiv-Schläge
Di. 04.06.2002 -Bush: Der Krieg gegen Terror wird nicht in der Devensive gewonnen.
Wir müssen den Kampf zum Feind tragen. US-Präsident Bush setzt im
Anti-Terrorkampf auf blitzschnelle Überraschungsangriffe. Vereinigten Staaten müßten
bereit sein, den Krieg gegen Terror in bis zu 60 Ländern zu führen. USA bedingen sich das Recht
aus, allein auf der Grundlage von Verdachtsmomenten in souveränen Staaten militärisch zu intervenieren.
Politik vorbeugender Militäraktionen war bisher nur von Israel in den Autonomiegebieten verfolgt worden.
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/
n0206040.htm#top
«Fatale Folgen für die Weltordnung»
Fr. 07.06.2002 - Nato-Strategieentwurf sieht vorbeugende Schläge gegen Terror vor.
Friedensforscher warnen davor, das Recht auf Selbstverteidigung in eine Präventivstrategie umzudeuten.
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/
n0206070.htm#top
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Powell nennt USA ein jüdisch-christliches Land
Mi.24.09.03 - US-Außenminister Colin Powell hat die USA als ein
jüdisch-christliches Land bezeichnet, seine Aussage jedoch sofort
in "ein Land vieler Glaubensrichtungen" korrigiert.
Powell rutschte die Bemerkung während eines Interviews in der
US-Fernsehsendung "The Charly Rose Show" heraus. Im Zusammenhang mit
US-Vorstellungen von einer künftigen irakischen Regierung sagte er
in der Nacht zum Dienstag, er erwarte, dass der Irak "dem Glauben nach
ein islamisches Land" werde, "so wie wir ein jüdisch-christliches
...". An dieser Stelle unterbrach er sich jedoch selbst und
ergänzte schnell: "Es ist schwierig, das noch so zu sagen. Wir
sind inzwischen ein Land mit vielen verschiedenen Glaubensrichtungen."
Einem Zusatz zur US-Verfassung zufolge darf es in den USA keine
Staatsreligion geben. Der Zusatz wird in der Regel so interpretiert,
dass Kirche und Staat streng getrennt bleiben sollen. In den USA leben
Millionen von Moslems. Islamische Vertreter versuchen, die Bezeichnung
"jüdisch-christlich- moslemisch" zu verbreiten.
(Quelle: rtr)
Weltbank-Präsident kritisiert hohe Rüstungsausgaben +++
Wolfensohn fordert Abbau des Armutsgefälles auf der Erde
Mi.24.09.03 - Mit scharfer Kritik an den weltweiten Rüstungsausgaben hat
Weltbankpräsident James Wolfensohn am Dienstag die Jahrestagung
seiner Institution und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in
Dubai eröffnet. Die Industrieländer gäben jährlich
hunderte Milliarden Dollar mehr für Verteidigung sowie zur
Subventionierung ihrer Landwirtschaft aus als für die
Entwicklungszusammenarbeit.
"Es herrscht ein Ungleichgewicht auf unserem Planeten", sagte
Wolfensohn vor den Delegierten aus 184 Ländern. "Zu wenige
kontrollieren zu viel, und zu viele haben zu wenig zu erwarten." Das
Scheitern der Welthandelsgespräche in Cancun vor zehn Tagen habe die
tiefe Kluft erneut vor Augen geführt, deren Überwindung
für eine stabile Zukunft notwendig sei.
Die Ausgaben der Industrieländer für die Entwicklungshilfe
beliefen sich jährlich auf lediglich 56 Milliarden Dollar (49
Milliarden Euro), während die Verteidigungsetats rund 600
Milliarden umfassten, kritisierte Wolfensohn. Für die
Subventionierung der Landwirtschaft gäben die reichen Länder
jährlich mehr als 300 Milliarden Dollar aus. "Es ist inkonsequent,
über die Vorteile des freien Handels zu predigen und gleichzeitig
an den höchsten Subventionen und Hürden für genau die
Güter festzuhalten, bei denen die armen Länder einen
Wettbewerbsvorsprung haben", sagte der Präsident der Weltbank.
Wolfensohn nahm auch die Entwicklungsländer in die Pflicht. Auch
sie investierten insgesamt mehr in die Rüstung als in den
Bildungssektor, sagte er. Die Entwicklungsländer müssten
härter gegen Vetternwirtschaft und Korruption vorgehen.
Weiteres Thema war das Haushaltsdefizit der Vereinigten Staaten, das
auf einen Rekord von 500 Milliarden Dollar zusteuert. US-Finanzminister
John Snow erklärte, die Schulden seien in Zeiten einer Rezession
angehäuft worden, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.
Er versicherte, die US-Regierung wolle ihre Schulden in den kommenden
fünf Jahren halbieren und damit unter zwei Prozent des
Bruttoinlandsprodukts drücken.
IWF-Chef Horst Köhler räumte ein, die gestiegenen Ausgaben
der USA hätten die weltweite Wirtschaft angekurbelt. Washington
müsse jetzt jedoch den Weg zu einem ausgeglichenen Haushalt
aufzeigen. Köhler forderte Europa auf, die Regelungen seines
Arbeitsmarktes zu lockern. Japan müsse das Bankwesen reformieren.
Der Finanzminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Hamdan
bin Raschid el Maktum, rief die Teilnehmer zur Unterstützung des
Wiederaufbaus in Irak und des Nahost- Friedensprozesses auf. Die
arabische Welt werde ihr wirtschaftliches Potenzial erst
ausschöpfen können, wenn eine gerechte und dauerhafte
Lösung für die regionalen Konflikte gefunden sei, sagte er.
Den Vorsitz der Jahrestagung hatte erstmals die Schweiz inne.
Finanzminister Kaspar Villiger rief in Dubai zur Bekämpfung der
Armut auf. Es stehe außer Frage, dass das internationale
Verbrechen und der internationale Terrorismus mit allen Mitteln
bekämpft werden müssten, sagte er. Mindestens ebenso viele
Anstrengungen müssten jedoch unternommen werden, um die Armut zu
bekämpfen, die Menschenrechte zu gewährleisten und Konflikte
entsprechend dem Völkerrecht friedlich beizulegen.
(Quelle: ap)
USA angeblich mit Israels Sperranlage einverstanden
Mi.24.09.03 - Nach wiederholter Kritik an der israelischen Sperranlage entlang des
Westjordanlands haben sich die USA und Israel angeblich auf einen
Kompromiss geeinigt. Wie israelische Medien berichteten, soll der
Sperrwall nun nicht wie geplant um die jüdische Siedlung Ariel
verlaufen, sondern an dieser Stelle "einen modulierbaren Abschnitt"
aufweisen. Vor der UN-Vollversammlung in New York forderte
US-Präsident George Bush Israel auf, die Bedingungen für die
Gründung eines Palästinenserstaates "in Frieden" herzustellen.
Medienberichten zufolge einigten sich der israelische Kabinettschef Dov
Weisglass und der Leiter des israelischen Verteidigungsministeriums,
Amos Jaron, bei einem Treffen mit US-Sicherheitsberaterin Condoleezza
Rice über den Verlauf der Sperranlage. Die USA hätten sich
von Israel davon überzeugen lassen, dass der Sperrwall aus
Sicherheitsgründen gebaut werde und nicht die Grenzen eines
künftigen Palästinenserstaates festlege, wie von den
Palästinensern befürchtet.
Die ersten 140 Kilometer der bis zu 900 Kilometer langen Anlage sind
bereits fertig gestellt; an einer weiteren Teilstrecke rund um
Jerusalem einschließlich der arabischen Viertel und einiger
Vororte im Westjordanland wird gebaut.
Zudem entschied die US-Regierung den Berichten zufolge, Israel die
zugesagten Kreditbürgschaften von insgesamt neun Milliarden Dollar
(7,85 Milliarden Euro) in voller Höhe zu gewähren. Washington
hatte vergangene Woche angekündigt, einen Teil der Garantien wegen
des anhaltenden Siedlungsbaus in den Palästinensergebieten und
möglicherweise auch wegen des Bau des Grenzwalls auf
palästinensischem Land einzubehalten.
Vor der UN-Vollversammlung bekräftigte US-Präsident Bush,
dass das palästinensische Volk "seinen eigenen Staat" verdiene.
Israel solle dafür die Bedingungen schaffen. Bush rief die
Palästinenser auf, dem irakischen Beispiel zu folgen und
demokratische Strukturen in ihrem Land zu schaffen. Das
palästinensische Volk sei von seinen Führern "verraten"
worden. Am Montag hatte bereits US-Außenminister Colin Powell die
palästinensische Regierung aufgefordert, sich "von den
Machenschaften (ihres Präsidenten) Jassir Arafats" unabhängig
zu machen.
(Quelle: afp)
UNHCR kritisiert EU-Regelungen zur Familienzusammenführung
Mi.24.09.03 - Das Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) hat die
jüngste Richtlinie der Europäischen Union (EU) zur
Familienzusammenführung kritisiert. Die Regelung könnte dazu
führen, dass einige Flüchtlinge von ihren Kindern und
Ehepartnern unnötigerweise getrennt bleiben müssten,
erklärte der Europadirektor des UNHCR, Raymond Hall, am Dienstag
in Genf. Im Vergleich zu 1999 seien die Standards "deutlich
verwässert" worden.
Familienzusammenführung könne der Regelung zufolge aus
Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit
verweigert werden, sagte Hall. Vor allem der Begriff der
öffentlichen Ordnung sei jedoch sehr vage und könne leicht
dazu führen, Familien ohne stichhaltige Begründung den
Nachzug zu verweigern.
Dem UNHCR zufolge enthält die Regelung zudem eine sehr enge
Definition der Familieneinheit: Flüchtlinge und Migranten, bei
denen beide Ehepartner jünger als 21 Jahre sind, müssten
demnach nicht automatisch zusammengeführt werden. So könnten
Ehepaare, auch wenn sie bereits mehrere Jahre verheiratet sind und
Kinder haben, getrennt bleiben. Die Richtlinie erlaube es den Staaten
zudem, die Familienzusammenführung auf den Ehepartner und
minderjährige Kinder zu beschränken. Volljährigen
Kindern, den Eltern erwachsener Flüchtlinge oder nahen Verwandten
könne dagegen der Nachzug verweigert werden.
Das Hilfswerk kritisierte außerdem die Klausel, wonach
Familienmitgliedern anerkannter Flüchtlinge "je nach der Situation
auf dem Arbeitsmarkt" für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr die
Erwerbstätigkeit verweigert werden darf. Die neue EU-Richtlinie
nimmt UNHCR zufolge solche Flüchtlinge von der Nachzugsregelung
aus, die nicht die engen Voraussetzungen der Genfer
Flüchtlingskonvention erfüllen. Sie erfordert den Nachweis
einer individuellen Verfolgung im Heimatland; die Nachzugsregelung
sollte Hall zufolge jedoch auch im Fall einer generellen Bedrohung wie
Bürgerkrieg im Heimatland gelten.
Insgesamt sehe die Richtlinie weniger Beschränkungen für die
Familienzusammenführung von Flüchtlingen als die von
Migranten vor, hieß es. Stelle ein Flüchtling innerhalb von
drei Monaten einen Antrag auf Familienzusammenführung, müsse
er keinen Nachweis über ein reguläres Einkommen oder eine
Krankenversicherung erbringen. Flüchtlinge seien zudem von der
Forderung befreit, sich in einem Land zwei Jahre lang
rechtmäßig aufzuhalten, bevor ihre Familie nachziehen kann.
(Quelle: ap)
NGOs zweifeln an Erfolg des UN-Weltinformationsgipfels +++
Unzufriedenheit mit Entwurf für Schlusserklärung
Mi.24.09.03 - Die Nichtregierungsorganisationen (NGOs) sind unzufrieden mit den
Vorbereitungsarbeiten für den Weltinformationsgipfel: Im Entwurf
für die Schlusserklärung sei von ihren Vorschlägen
praktisch nichts übrig geblieben.
Beim jetzigen Stand der Arbeiten zweifeln die NGOs am Erfolg des
Gipfels, wie sie am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Genf
beklagten. So sei der geplante Aufruf zur Respektierung der
Menschenrechte völlig ungenügend formuliert.
Weiter fehle ein expliziter Hinweis auf Artikel 19 der
UNO-Menschenrechtserklärung zur freien
Meinungsäußerung, der das Recht auf freie Information
einschließt. Die NGOs setzen sich ferner dafür ein, dass der
Gipfel ein "Recht auf Kommunikation" anerkennt.
(Quelle: futurezone)
(Quelle: )
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=188469&tmp=25446
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/te/15595/1.html
http://www.heise.de/newsticker/data/anw-15.09.03-000/
Europa streitet um Softwarepatente
Mi.24.09.03 - Die geplante Richtlinie zum europäischen Patentrecht hat am
Dienstag im Europaparlament in Straßburg zu einem heftigen
Schlagabtausch geführt. Die Richtlinie "über die
Patentierbarkeit computerimplementierter Erfindungen" soll nach dem
Vorschlag der EU-Kommission Softwareherstellern mehr Klarheit
verschaffen und eine nötige Rechtsgrundlage für künftige
Patententscheidungen in Europa bringen.
Nach wochenlangen Streits unter Experten hat der Rechtsausschuss des
Parlaments eine Vielzahl von Änderungen beantragt. Dabei geht es
vor allem um eine Eingrenzung möglicher Patente und den Schutz
kleiner Unternehmen.
Die britische Berichterstatterin im Parlament, Arlene McCarthy,
verteidigte die überarbeitete Novelle. Nur durch diesen
Rechtsschutz könnten europäische Wissenschaftler und
Unternehmen gegen die Konkurrenz aus den USA geschützt werden. Als
Sprecher der europäischen Volkspartei warf Joachim Wuermeling
(CSU) der Linux- und Open-Source-Lobby eine irrationale Dramatisierung
vor. Nach wie vor werde der falsche Eindruck erweckt, die Richtlinie
solle die Patentierbarkeit jeglicher Software ermöglichen. "Das
Gegenteil ist der Fall. Erst mit der Harmonisierung wird der zum Teil
ausufernden Praxis der europäischen Patentämter ein Riegel
vorgeschoben."
Nach den Worten McCarthys sind in der EU bereits mehr als 20 000
derartige Patente vergeben worden. In jedem Haushalt gebe es Handys
oder Waschmaschinen mit patentgeschützter Technik. Mit seinen 120
Änderungsvorschlägen wolle der Rechtsausschuss sicher
stellen, dass Trivialerfindungen, reine Software und die bloße
Datenverarbeitung nicht patentierbar sein werden. Patentierbar
würden nur Erfindungen, die eine sinnvolle technische Neuerung
seien.
Die Sozialdemokratin Evelyne Gebhardt stellte sich hingegen auf die
Seite der besorgten kleinen und mittleren Unternehmen: "Wer Software
patentiert, spielt dem großen Kapital in die Hand, nicht der
großen Intelligenz." Die Fraktion der Vereinten Europäischen
Linken ist gegen den Vorschlag. Das Parlament stimmt heute (Mittwoch)
über die Richtlinie ab.
(Quelle: dpa)
Mehr zum Thema unter:
http://segert.net/softwarepatente.php
Deutschland: Angeblich schnelle Regel-Lockerung für
Verlags-Fusionen geplant +++ Verlage verlangen: Gebot der
Pressefreiheit soll nicht länger Fusionen im Wege stehen
Mi.24.09.03 - Verlage können einem Zeitungsbericht zufolge möglicherweise
schon in Kürze mit einer Lockerung der Regelungen für
Übernahmen rechnen.
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) prüfe derzeit, ob die
geplante Lockerung für die Verlage in den vorbereiteten Entwurf
zur Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen noch
aufgenommen werden könne, berichtete die "Financial Times
Deutschland" am Mittwoch. Der Minister werde darüber bald
entscheiden.
Das Ministerium bemühe sich aber, den Eindruck einer
möglichen "Lex Holtzbrinck" zu vermeiden, hieß es. Clement
prüft derzeit den Antrag des Holtzbrinck-Verlages, den Berliner
Verlag zu übernehmen und damit unter anderem den "Tagesspiegel"
mit der "Berliner Zeitung" zu fusionieren. Dazu will Holtzbrinck die
Erlaubnis des Ministers, nachdem das Bundeskartellamt die Fusion
untersagt hatte.
Clement neige inzwischen dazu, den Antrag abzulehnen, berichtete die
Zeitung, da rechtliche Bedenken ihn zweifeln ließen. Mit laxeren
Regeln könne Clement nun sowohl aber Holtzbrinck einen Ausweg
anbieten als auch der Konkurrenz wie dem Springer-Verlag. Holtzbrinck
könnte seinen Erlaubnis-Antrag fallen lassen und auf eine schnelle
Änderung der Rechtslage bauen, hieß es.
Die Zeitung berichtete unter Berufung auf Kreise des Ministeriums,
Clement habe die Verlage um Vorschläge für eine Neuregelung
gebeten und erwarte erste Reaktionen Anfang Oktober. In den
Großverlagen habe es dazu geheißen, man führe
informelle Gespräche mit dem Ministerium.
Die Verlage wollen dem Bericht zufolge durchsetzen, Märkte
künftig internationaler zu betrachten und deshalb mehr
Größe zu erlauben. Hauptsächlich aber würden sie
verlangen, dass das Gebot der Pressefreiheit nicht länger Fusionen
im Wege stehe. Stattdessen sollen Regeln eine Pressevielfalt
gewährleisten, die die Unabhängigkeit auch in großen
Zeitungsketten sichert.
(Quelle: rtr)
Ackermann-Anklage im Fall Mannesmann komplett zugelassen +++ Anklage
wegen Untreue
Mi.24.09.03 - Das Landgericht Düsseldorf hat die Anklage gegen
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Fall Mannesmann in allen Punkten
zugelassen. Ein Termin für die Eröffnung der Hauptverhandlung
unter anderem wegen des Vorwurfs schwerer Untreue sei aber noch offen,
sagte ein Gerichtssprecher am Montag. Aus Justizkreisen verlautete, der
Prozess werde wohl nicht mehr in diesem Jahr beginnen.
Der Fall Ackermann beschäftigt auch die Bundesanstalt für
Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die nach Aussage einer
Sprecherin das Verfahren genau beobachtet. Das Bundesfinanzministerium
als Dienstherr der BaFin sprach Ackermann erneut sein Vertrauen aus.
Börsenhändler und Branchenanalysten wiesen darauf hin, dass
sich der Prozess negativ auf das Image und möglicherweise auch auf
den Aktienkurs von Deutschlands größtem Kreditinstitut
auswirken könnte.
Der Gerichtssprecher sagte in Düsseldorf, die Anklage gegen
Ackermann, den ehemaligen IG-Metall-Chef Klaus Zwickel sowie den
früheren Mannesmann-Betriebsratschef Jürgen Ladberg sei ohne
Abstriche zugelassen worden. In ihren Fällen werde wegen des
Hauptvorwurfes der Untreue verhandelt. Zwickels Anwalt Jürgen
Pauly kündigte an, die Beweisaufnahme nutzen zu wollen, um die
"realitätsfernen Vorstellungen" der Staatsanwaltschaft über
den Ablauf der Entscheidungsprozesse im Ausschuss für
Vorstandsangelegenheiten bei Mannesmann zu widerlegen.
Im Fall des ehemaligen Mannesmann-Chefs Klaus Esser, der von den
umstrittenen Abfindungszahlungen im Zuge der Übernahme durch den
britischen Mobilfunkriesen Vodafone allein rund 30 Millionen Euro
kassiert hat, geht es um Beihilfe zur Untreue. Esser sagte dem
Fernsehsender n-tv, er verstehe das Gericht so, dass es die
Vorwürfe für grob falsch erachte. Die Staatsanwaltschaft
kündigte unterdessen an, dass sie eine Beschwerde prüfe, da
die Anklagepunkte nicht gegen alle Beschuldigten in vollem Umfang
zugelassen wurden.
Ungemach könnte der Deutschen Bank und ihrem Chef von Seiten der
Finanzaufsicht drohen, die das Verfahren gegen Ackermann unter die Lupe
nimmt. "Selbstverständlich beobachten wir das", sagte eine
BaFin-Sprecherin, ohne das Verfahren jedoch kommentieren zu wollen. Die
"Financial Times Deutschland" hatte zovor berichtet, die BaFin
prüfe bereits, ob Ackermann die Bank während des
bevorstehenden Gerichtsverfahrens überhaupt weiter führen
könne. "Wenn er zwei oder drei Tage in der Woche im Gerichtssaal
sitzt, ist es sehr fraglich, ob er seiner gesetzlich verlangten
Sorgfaltspflicht noch nachkommen kann", zitierte die Zeitung "mit dem
Fall vertraute Kreise".
Ackermann hatte einen Rücktritt stets abgelehnt. Er sei sehr
gelassen, sagte er am Rande der IWF/Weltbank-Tagung in Dubai am
Wochenende. "Herr Ackermann denkt nicht an Rücktritt",
bekräftigte ein Bank-Sprecher.
Die Klage kratzt Börsianern zufolge allerdings am Image
Ackermanns. Sollte er im Laufe oder in Folge des Prozesses
zurücktreten müssen, sehe die global agierende Deutsche Bank
einer schwierigen Zukunft entgegen, hieß es. "Das wäre ein
Schlag, wenn Ackermann gehen müsste", sagte Metzler-Analyst Guido
Hoymann. "Er ist die treibende Kraft hinter den
Restrukturierungserfolgen und es sieht nicht so aus, als ob im Vorstand
jemand seinen Posten kurzfristig übernehmen könnte."
An der Börse verloren die Anteilsscheine der Deutschen Bank am
Montag in einem noch schwächeren Gesamtmarkt 2,75 Prozent auf
56,55 Euro. Der Prozess verschlechtere die Stimmung der Anleger,
hieß es. "Einen Kurseinbruch wird es aber wohl nur geben, wenn
Ackermann zurücktreten müsste", sagte ein Frankfurter
Händler.
Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hatte im Februar nach
zweijährigen Ermittlungen neben Ackermann auch andere ehemalige
Mannesmann-Aufsichtsratsmitglieder wegen schwerer Untreue angeklagt.
Sie sollen durch die Genehmigung angeblich überhöhter
Abfindungszahlungen und Boni an frühere Mannesmann-Manager dem
Unternehmen schwer geschadet haben. Das Strafgesetzbuch sieht eine
Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis für Untreue
vor, bei schwerer Untreue bis zu zehn Jahre.
Mannesmann wurde Anfang 2000 nach einer spektakulären
Übernahmeschlacht vom britischen Mobilfunkriesen Vodafone gekauft.
Mit einem Volumen von über 180 Milliarden Euro war dies bis dahin
die teuerste Übernahme der Industriegeschichte. (Mehr dazu unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/feindl01.htm)
(Quelle: rtr)
Mannesmann-Anklage schürt Angst um Arbeitsplätze bei
Deutscher Bank
Mi.24.09.03 - Bei den Mitarbeitern der Deutschen Bank hat die Zulassung der Anklage
gegen Vorstandssprecher Josef Ackermann die Angst um Arbeitsplätze
erneut entfacht. Neben dem andauernden umfangreichen Personalabbau
kommt nun die Sorge um den Finanzplatz und den Verbleib des deutschen
Branchenprimus in Frankfurt hinzu. "Bei unserem Kampf gegen die
Abwerbeversuche aus London ist ein Prozess gegen den Chef der Deutschen
Bank kein Aushängeschild", sagte der Vorsitzende des Betriebsrates
der Frankfurter Zentrale, Rolf Vreden.
Der Betriebsrat befürchtet einen Imageschaden für die
Finanzmetropole. "Wir glauben aber fest daran, dass das Institut an
Frankfurt als Standort festhält, das hat die Führungsspitze
mehrfach klar ausgeführt", hob Vreden hervor.
Die Belegschaft ist gespalten, ob eine Überprüfung der
umstrittenen millionenschweren Abfindungen im Zuge der Übernahme
von Mannesmann durch Vodafone im Jahr 2000 durch Richter
überhaupt nötig ist. Zum Zeitpunkt dieser Entscheidungen war
Ackermann Mitglied des Mannesmann-Aufsichtsrates. "Das sollen die
Gerichte entscheiden", wurde betont. "Wenn man die Gehälter und
Ruhestandsbezüge von Managern weltweit betrachtet, ist das schon
ein wenig komisch», sagte eine Mitarbeiterin. Die meisten
Kollegen seien überrascht gewesen, dass es überhaupt zu der
Anklage gekommen ist.
Der Betriebsrat reagiert zurückhaltend: "Das ist ein politisch
sensibles Thema", sagte Vreden. "Das Riesenprogramm Stellenstreichung
ist unser primäres Problem und beschäftigt uns viel mehr als
die Anklage gegen Herrn Ackermann." Bei der gerade beendeten
mehrtägigen Sitzung des Gesamtbetriebsrates habe das Thema nur
ganz am Rande eine Rolle gespielt.
(Quelle: dpa)
Arbeitgeberpräsident fordert neue 'Balance' in Tarifautonomie +++
Notfalls soll Gesetz Warnstreiks einen Riegel vorschieben
Mi.24.09.03 - Die Arbeitgeber wollen für Tarifverhandlungen ein
Schlichtungsverfahren notfalls per Gesetz vorschreiben lassen und damit
Warnstreiks einen Riegel vorschieben.
Dieser Vorschlag ist Teil eines Forderungskatalogs "Für eine neue
Balance in der modernen Tarifautonomie", den der Präsident der
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter
Hundt, am Dienstag in Berlin vorlegte. Auch Streiks durch nach Hundts
Worten "spezialisierte Minderheiten" wie Piloten oder
Lokomotivführer müssten unterbunden werden, wenn dadurch der
Betrieb lahm gelegt werde. Hundt bekräftigte zudem die Forderung,
das Günstigkeitsprinzip für betriebliche Bündnisse zur
Sicherung von Arbeitsplätzen zu erweitern. Der Deutsche
Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte die Vorschläge als Versuch
einer Machtverschiebung, durch die Belegschaften und Betriebsräte
erpressbar würden.
Die BDA setze sich dafür ein, dass die Tarifvertragsparteien von
sich aus das Tarifrecht modernisierten. "Wo sich die Gewerkschaften
allerdings rigoros einer notwendigen Modernisierung des Tarifrechts
verweigern, wird der Gesetzgeber nicht umhin kommen, Korrekturen
vorzunehmen", sagte Hundt. Wichtigster Punkt für die Arbeitgeber
sei die seit langem vorgebrachte Forderung, das
Günstigkeitsprinzip zu erweitern. Wenn Arbeitnehmer und
Arbeitgeber in einem Betrieb mit Zustimmung des Betriebsrats vom
Tarifvertrag abweichen wollten, um Arbeitsplätze zu sichern,
müsse dies als günstigere Regelung ohne Genehmigungsvorbehalt
der Tarifparteien akzeptiert werden.
"Wir wollen eine gesetzliche Regelung im Rahmen des
Günstigkeitsprinzips für betriebliche Bündnisse, ohne
die Tarifvertragsparteien fragen zu müssen", sagte Hundt. Er
verwies darauf, dass auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in
seiner Agenda-2010-Erklärung im März mehr betriebliche
Bündnisse gefordert hatte. Fänden die Tarifparteien keine
Regelung, seien gesetzliche Öffnungsklauseln unumgänglich,
sagte Hundt. Er sei zunächst einmal optimistisch, dass im Rahmen
der Verhandlungen mit den Gewerkschaften eine Lösung gelinge.
Nach dem Willen der Arbeitgeber sollen Arbeitnehmer künftig zudem
erst streiken dürfen, wenn ein Schlichtungsverfahren keine
Einigung gebracht hat. Hundt forderte die obligatorische
Einführung von Schlichtungsverfahren, damit alle
Möglichkeiten zur streikfreien Beilegung von Tarifkonflikten
ausgeschöpft würden. Wenn die Tarifparteien keine
entsprechende Vereinbarung zu Stande brächten, müsse es ein
gesetzlich normiertes Schlichtungsverfahren im Tarifvertragsgesetz
geben. "Wir wollen keine Zwangsschlichtung mit zwingendem
Schlichterspruch, sondern nur ein obligatorisches Verfahren", sagte
Hundt.
(Quelle: rtr)
Stichwort: Streikrecht
Das Streikrecht ist durch Artikel 9 Absatz 3 des Grundgesetzes
verfassungsrechtlich geschützt. Als Druckmittel in Tarifkonflikten
sichert es die Durchsetzungsfähigkeit der Gewerkschaften. Vor
einem Streik werden die betroffenen Gewerkschaftsmitglieder in einer
Urabstimmung gefragt, ob sie für ihre Forderungen auch streiken
wollen. Mindestens 75 Prozent müssen zustimmen.
Streiks dürfen laut Grundgesetz nur von Gewerkschaften organisiert
werden und müssen die «Wahrung und Förderung der
Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen» zum Ziel haben. Streiks mit
generell-politischen Zielen oder wilde Streiks in einzelnen Betrieben
ohne die Beteiligung von Gewerkschaften sind daher illegal.
Schon während der Verhandlungsphase - aber erst nach Ablauf der im
Tarifvertrag vereinbarten Friedenspflicht - sind so genannte
Warnstreiks zulässig, die aber nur wenige Stunden dauern
dürfen. Wird das endgültige Scheitern der Tarifverhandlungen
erklärt, darf ein regulärer Streik vorbereitet werden.
Während des Streiks ruhen die Arbeitsverhältnisse der
Streikteilnehmer. Die Streikenden haben keinen Anspruch auf Lohn oder
Gehalt und auch nicht auf Arbeitslosengeld. An organisierte
Beschäftigte wird Streikunterstützung durch die
zuständige Gewerkschaft gezahlt. Sie beträgt im Schnitt zwei
Drittel des Bruttoeinkommens. Bei Warnstreiks wird keine
Streikunterstützung gezahlt.
Unternehmen können als Antwort auf den Arbeitskampf die
Aussperrung veranlassen. Dann werden Arbeitswillige nicht in die
Betriebe gelassen. Dies setzt die Gewerkschaften unter Druck, weil den
betroffenen Gewerkschaftsmitgliedern dann Streikunterstützung
gezahlt werden muss.
Das nach einem Arbeitskampf gefundene Ergebnis wird den Mitgliedern in
einer zweiten Urabstimmung vorgelegt. Nach dem Ende eines Streiks wird
in der Regel eine Klausel mit dem Inhalt vereinbart, dass Arbeitnehmer,
die sich am Streik beteiligt haben, nicht gemaßregelt werden
dürfen und dass Schadensersatzansprüche entfallen.
(Quelle: ap)
Mehr zum Thema unter:
http://www.tarifvertrag.de
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Eigene rot-grüne Mehrheit für Reformen weiter fraglich
Mi.24.09.03 - Drei Tage vor der Abstimmung des Bundestags über die Gesundheits-
und die Arbeitsmarktreform ist die von den Koalitionsspitzen
angestrebte eigene Mehrheit von Rot-Grün weiter fraglich.
SPD-Fraktionschef Franz Müntefering sagte am Dienstag nach einer
Sitzung der Fraktion, fünf oder sechs der Abgeordneten hätten
deutlich gemacht, dass sie dem Gesetz in der vorliegenden Form nicht
zustimmen könnten und daher noch Gesprächsbedarf hätten.
Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Kritiker in Gesprächen bis
Freitag überzeugt werden könnten. Auch bei den Grünen
sind nach Angaben der parlamentarischen Geschäftsführerin
Irmingard Schewe-Gerigk Nein-Stimmen zu erwarten. Damit steht die
eigene Mehrheit in Frage. Müntefering sagte, er erwarte dennoch
eine eigene Mehrheit für Rot-Grün, die für die
Regierungsfähigkeit der Koalition von zentraler Bedeutung sei.
Der Bundestag stimmt am Freitag über den Kompromiss von Koalition
und Union zur Gesundheitsreform und über weitere Reformen auf dem
Arbeitmarkt ab. Vor allem die Einigung zur Gesundheitsreform war in
Teilen der der Koalition auf heftige Kritik gestoßen. Obwohl eine
Mehrheit dafür durch die erwartete breite Zustimmung der Union als
sicher gilt, besteht die Koalitionsführung auf einer eigenen
Mehrheit. SPD und Grüne verfügen im Bundestag über 306
von 603 Stimmen, die Opposition über 297. Wieviele Stimmen zur
eigenen Mehrheit nötig sind, hängt von der Zahl der
Teilnehmer und weiteren Faktoren ab.
(Quelle: rtr)
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