Aktuelle Nachrichten
Irak am hundertzweiundneunzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Bush sucht bei Gesprächen mit Putin Unterstützung in
Irak-Frage +++ Weitere 10.000 US-Soldaten für Irak-Einsatz
mobilgemacht +++ Derzeit rund 130.000 US-Militärs im Irak stationiert
+++ US-Bürgerbewegung 'MoveOn.org' fordert Verteidigungsminister
Rumsfeld zum Rücktritt auf
Sa.27.09.03 - US-Präsident George W. Bush und sein russischer Amtskollege
Wladimir Putin sind am Freitag in Camp David zu Gesprächen
zusammengekommen, die vom Wiederaufbau des Irak und dem Atomprogramm
des Iran bestimmt sein dürften.
Bush wirbt US-Vertretern zufolge bei Putin um Unterstützung
für den US-Entwurf für eine UNO-Resolution zum Irak. Diese
soll eine multinationale Schutztruppe unter US-Kommando schaffen und
breite Hilfe beim politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau
erreichen. Weitere Themen bei dem zweitägigen Treffen seien die
Wiederbelebung des Nahost-Friedensprozesses und der Atomstreit mit dem
kommunistischen Nordkorea.
Zuletzt hatten sich die beiden Präsidenten im Juni in St.
Petersburg getroffen.
Bush bemüht sich bei der Irak-Frage um die Unterstützung
Russlands im UNO-Sicherheitsrat. Der französische Präsident
Jacques Chirac will eine rasche Übertragung der Macht an die
irakische Behörden. Putin dagegen scheint flexibler zu sein. Er
hatte gesagt, er werde helfen, einen Mittelweg zu finden.
US-Außenminister Colin Powell hat sich für die Erstellung
einer Verfassung im Irak binnen sechs Monaten ausgesprochen und ist
damit offenbar Forderungen nach einer schnellen Machtübertragung
entgegengekommen. Es war das erste Mal, dass ein ranghohes Mitglied der
US-Regierung überhaupt eine Art Frist in die Diskussion brachte.
Die USA haben am Freitag die Mobilmachung von 10.000 Soldaten der
Nationalgarde für einen Einsatz im Irak angeordnet. Die Soldaten
sollen nach einem dreimonatigen Training Anfang kommenden Jahres im
Irak stationiert werden. Weitere 5000 Soldaten wurden in Bereitschaft
für einen wahrscheinlichen Einsatz gesetzt.
Der Einsatzbefehl erging an die 30. Infanterie-Brigade von North
Carolina und die 39. Infanterie-Brigade von Arkansas. Sie zählen
jeweils 5000 Soldaten und sollen US-Soldaten im Irak abzulösen.
Zudem wurde die 81. Nationalgarde-Brigade aus dem Bundesstaat
Washington mit 5000 Soldaten angewiesen, sich auf einen
wahrscheinlichen Einsatz im Irak vorzubereiten.
Die Soldaten sollen für ein ganzes Jahr im Irak bleiben. Dort sind
derzeit rund 130.000 US-Soldaten stationiert. Hinzu kommen zwei
multinationale Divisionen unter britischem beziehungsweise polnischem
Kommando. Die USA bemühen sich um die Bildung einer dritten
multinationalen Division, allerdings bislang ohne Erfolg.
Die US-Regierung gerät im eigenen Land zunehmend unter Druck wegen
der hohen Kosten des Irak-Einsatzes. Zudem sind die US-Truppen fast
täglich Angriffen ausgesetzt, die die US-Regierung Anhängern
des gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein
zuschreiben. Seit dem von US-Präsident George W. Bush am 1. Mai
verkündeten Ende der Hauptkampfhandlungen wurden 80 US-Soldaten
durch Feindeinwirkung getötet.
Auf einer ganzen Seite der renommierten US-Zeitung "New York Times" hat
eine US-Bürgerbewegung am Freitag den Rücktritt von
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gefordert. "Donald Rumsfeld
hat meine Kinder und unser Land betrogen. Es ist Zeit für ihn, zu
gehen", hieß es in der Anzeige der Organisation MoveOn.org
über einem Foto des Pentagon-Chefs mit ernster Miene und
ausgestrecktem Zeigefinger. In dem Anzeigentext wird der Vater dreier
US-Soldaten zitiert, von denen derzeit zwei in Irak im Einsatz sind.
Larry Syverson bezeichnet sich selbst als "amerikanischer Patriot", der
"stolz" auf den Einsatz seiner Söhne und "wütend" auf jene
sei, "die uns in den Morast geführt haben".
(Quellen: rtr, afp)
EU stellt 200 Millionen Euro für Irak-Wiederaufbau bereit
Sa.27.09.03 - Für den Wiederaufbau des Irak hat die EU-Kommission am Freitag 200
Millionen Euro zugesagt. Bei einer Irak-Geberkonferenz in Madrid am 23.
und 24. Oktober könnten jedoch einzelne EU-Staaten weitere Gelder
in Aussicht stellen, hieß es.
Die USA haben die Kosten des Irak-Wiederaufbaus mit 75 Milliarden
Dollar beziffert. Eine EU-Kommissionssprecherin bezeichnete das
Hilfspaket gleichwohl als realistisch. "In den Köpfen mancher
Leute scheint eine Art Preisinflation im Gang zu sein", sagte sie. Die
Kommission habe sich danach gerichtet, was verfügbar sei und
sinnvoll ausgegeben werden könne.
Die EU-Kommission hat bereits 100 Millionen Euro für
humanitäre Hilfe zugesagt. Das neue Hilfspaket ist für
Investitionen in den Wiederaufbau bestimmt. Die EU-Gelder würden
nicht über den bestehenden Entwicklungsfonds für den Irak
vergeben, auf den die US-geführte Zivilverwaltung
uneingeschränkten Zugriff hat, hieß es. Stattdessen soll die
Hilfe über einen separaten Fonds abgewickelt werden.
Die USA bemühen sich angesichts eines absehbaren
Rekord-Haushaltsdefizits weltweit um finanzielle und militärische
Unterstützung für ihre Wiederaufbaubemühungen im Irak.
US-Präsident George W. Bush hat beim US-Kongress zusätzliche
87 Milliarden Dollar beantragt, die vor allem die laufenden
Militärkosten und den Wiederaufbau decken sollen.
(Quelle: rtr)
2002 mehr Armut und weniger Durchschnittseinkommen in den USA
Sa.27.09.03 - Fast 35 Millionen Amerikaner haben im vergangenen Jahr unter der
Armutsgrenze gelebt, darunter mehr als zwölf Millionen Kinder. Wie
das US-Statistikamt am Freitag mitteilte, stieg die Armutsrate in den
USA 2002 damit im Vergleich zum Vorjahr auf 12,1 Prozent. Zugleich sank
das Durchschnittseinkommen im zweiten Jahr in Folge weiter: Es ging dem
Bericht zufolge im Vergleich zum Vorjahr um 1,1 Prozent auf 42.409
Dollar (knapp 37.000 Euro) zurück.
Während im Jahr 2000 die geringste Armutsquote seit 25 Jahren
festgestellt wurde, nahm die Zahl der unter der Armutsgrenze lebenden
Amerikaner den Statistikern zufolge seitdem kontinuierlich zu. 400.000
Kinder mehr als im Jahr zuvor, das entspricht 16,7 Prozent und damit
mehr als der Rate bei den Erwachsenen, lebten dem Bericht zufolge 2002
in Armut. Am stärksten betroffen waren der Behörde zufolge
Schwarze; Weiße und Asiaten hatten dagegen das vergleichsweise
höchste Jahreseinkommen. Grundlage der Statistik sind die Angaben
von 78.000 US-Haushalten vom März diesen Jahres.
Vor Veröffentlichung der Statistik kritisierten demokratische
Abgeordnete den Herausgabetermin am Freitag: Die Regierung wolle
unangenehme Wirtschaftsdaten unter den Tisch fallen lassen, da sich
kurz vor dem Wochenende mehr Menschen für ihre freien Tage als
für Nachrichten interessierten, sagte die Abgeordnete Carolyn
Maloney. Bisher wurden die Daten der Statistikbehörde an einem
Dienstag oder Donnerstag veröffentlicht.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Die reichsten Amerikaner werden wieder reicher: Zehnprozentiger
Vermögenszuwachs bei den Wohlhabendsten
Sa.20.09.03 - Für die reichsten der Reichen in den USA hat sich die
Wirtschaftslage wieder erheblich verbessert. Nach zwei
rückläufigen Jahren stellte das US-Magazin "Forbes" in seiner
jährlichen Liste der wohlhabendsten Landsleute einen
zehnprozentigen Vermögenszuwachs fest - auf nunmehr 955 Milliarden
Dollar. Die Gewinne wurden vor allem im Technologiebereich erzielt.
Mehr unter:
http://home.t-online.de/hoem/boa-archiv1/k0309200.htm#03092002
|
UN-Konvention gegen organisierte Kriminalität ab Montag in Kraft
Sa.27.09.03 - Als erstes rechtsverbindliches Abkommen im Kampf gegen organisierte
Kriminalität wird am Montag ein Übereinkommen der Vereinten
Nationen in Kraft treten. Die «Konvention gegen
grenzüberschreitende organisierte Kriminalität» wurde
bisher von 48 Staaten umgesetzt, wie das Wiener UN-Büro für
Drogen und Verbrechen am Freitag mitteilte. Das Abkommen verpflichtet
die Mitglieder zur Zusammenarbeit im Kampf gegen Geldwäsche,
Korruption und Behinderung der Justiz. Mit der Vereinbarung habe die
internationalen Gemeinschaft eine neue Handhabe gegen diese Delikte,
erklärte der Leiter des Büros, Antonio Maria Costa. Die
Vereinbarung umfasst Regelungen zu Auslieferung, gerichtlicher
Zusammenarbeit und gemeinsamen Ermittlungen. Insgesamt 147 Länder
haben das Abkommen unterzeichnet.
(Quelle: ap)
Vorbereitungskonferenz für Weltgipfel der
Informationsgesellschaft:
Stillstand bei Verhandlungen
Sa.27.09.03 - Die dritte Vorbereitungskonferenz für den Weltgipfel der
Informationsgesellschaft hat ihr Ziel nicht erreicht. Trotz intensiver
Verhandlungen klaffen noch große Lücken in den beiden
Hauptdokumenten, die die Staatsoberhäupter Mitte Dezember
unterschreiben sollen.
Mehr bei heise-online unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/anw-26.09.03-006/
Israel bekräftigt Entschlossenheit zur 'Entfernung' Arafats' +++
Sharon: Unversehrtheit kann kaum gewährleistet werden +++ Kureia
schließt Kabinettsbildung ab
Sa.27.09.03 - Trotz anhaltender internationaler Kritik hat Israel seine Absicht
bekräftigt, den palästinensischen Präsidenten Jassir
Arafat zu "entfernen". Dass dieser dabei unversehrt bleiben werde,
könne kaum gewährleistet werden, sagte der israelische
Ministerpräsident Ariel Scharon der Tageszeitung "Jediot Ahronot".
Der designierte palästinensische Regierungschef Ahmed Kureia
schloss unterdessen seine Kabinettsbildung ab und kündigte am
Freitag an, die Minister in den kommenden Tagen dem Parlament
vorzustellen.
Scharon sagte, bei künftigen Entscheidungen über den Umgang
mit Arafat würden die internationalen Bedenken
berücksichtigt. Den grundsätzlichen Beschluss, ihn zu
"entfernen", habe das israelische Kabinett jedoch bereits gefällt.
Damit sei sein persönliches Versprechen an US-Präsident
George W. Bush hinfällig, den palästinensischen
Präsidenten nicht zu verletzen, erklärte Scharon.
Nach Angaben ranghoher israelischer Regierungsvertreter könnte der
Begriff "Entfernung" sowohl eine Ausweisung als auch eine gezielte
Tötung Arafats bedeuten. Der israelische Außenminister
Silvan Schalom versicherte seinem US-Kollegen Colin Powell vor wenigen
Tagen, dass Israel keine umgehenden Maßnahmen gegen Arafat plane
und vor einem möglichen Schritt mit den USA beraten werde.
Die Führung der Fatah-Partei wollte nach palästinensischen
Angaben am heutigen Samstag die neue Regierung bestätigen. Ein
Drittel des neuen Kabinetts gehöre der Fatah an, und mindestens
zwei derzeitige Minister sollten ihr Amt behalten: Außenminister
Nabil Schaath und Finanzminister Salam Fajad. Kureia hat Arafat
großes Mitspracherecht bei der Regierungsbildung eingeräumt
und erklärt, er werde anders als sein Vorgänger Mahmud Abbas
nicht auf Konfrontationskurs mit dem Präsidenten gehen.
Israel hat angekündigt, ein von Arafat kontrolliertes
palästinensisches Kabinett nicht als Verhandlungspartner zu
akzeptieren. Scharon schloss Gespräche mit Kureia jedoch nicht
aus. Er halte den designierten Regierungschef für einen klugen
Politiker, sagte Scharon der Zeitung "Jediot Ahronot".
Die israelischen Streitkräfte verschärften am Freitag wegen
des zweitägigen jüdischen Neujahrsfestes die
Reisebeschränkungen in den Autonomiegebieten. Im Großteil
des Westjordanlandes dürfen Palästinenser bis Sonntagabend
ihre Wohnorte nicht verlassen, und die Einreise nach Israel wurde ihnen
verboten.
(Quelle: ap)
Palästinenser töten Siedler und Baby im Westjordanland
Sa.27.09.03 - Radikale Palästinenser haben bei einem Angriff auf eine
jüdische Siedlung im Westjordanland am Freitag einen Siedler und
ein zwei Monate altes Baby getötet.
Ein Arzt berichtete telefonisch aus der Siedlung Negohot nahe der Stadt
Hebron, mindestens zwei weitere Israelis seien verletzt worden. Einer
der Angreifer sei erschossen worden, ein anderer befinde sich auf der
Flucht. Die Tat ereignete sich während des jüdischen
Neujahrsfestes. Die israelische Polizei ist während des Festes in
erhöhter Alarmbereitschaft, da Anschläge befürchtet
werden.
Palästinenser betrachten die jüdischen Siedlungen im
Westjordanland und im Gaza-Streifen als ein Haupthindernis auf dem Weg
zu einem Frieden im Nahen Osten. Seit Beginn des
Palästinenseraufstand im September 2000 haben radikale
Palästinenser immer wieder jüdische Siedlungen
überfallen.
(Quelle: rtr)
Nahost-Quartett fordert Vorgehen gegen militante Palästinenser
Sa.27.09.03 - Das so genannte Nahost-Quartett hat die Palästinenser am Freitag
zu einem deutlichen Vorgehen gegen militante Organisationen
aufgefordert. Die Autonomiebehörde müsse "sofortige und
bestimmte Schritte" gegen militante palästinensische Gruppen
unternehmen, sagte UN-Generalsekretär Kofi Annan in New York. Die
palästinensischen Sicherheitskräfte sollten die einzige
bewaffnete Gewalt im Westjordanland und dem Gazastreifen sein,
hieß es in einer Erklärung von EU, UN, Russland und USA.
Sie sollten gebündelt und unter die Kontrolle des
palästinensischen Ministerpräsidenten und des Innenministers
gestellt werden, hieß es. Annan forderte sowohl Israel als auch
die Palästinenser auf, sich mehr um den Friedensprozess im Nahen
Osten zu bemühen.
US-Außenminister Colin Powell warnte mit Blick auf Präsident
Jassir Arafat, der ins Stocken geratene Friedensprozess werde so lange
nicht vorankommen, bis die Palästinenser einen Führer
fänden, der gegen Untergrundorganisationen vorgehe. Eine von
Frankreich vorgeschlagene internationale Friedenskonferenz habe keinen
Zweck, wenn die palästinensische Führung nichts gegen den
Terror unternehme, sagte Powell. Vor dem Treffen erklärte Powell,
erst mit dem neuen Kabinett des designierten palästinensischen
Ministerpräsidenten Ahmed Kureia habe man einen Partner, mit dem
man arbeiten könne.
Der ägyptische Außenminister Ahmed Maher forderte in
Washington, die USA sollten von ihren Vorwürfen gegen Arafat
ablassen und sich um eine «unparteiische Annäherung»
bemühen. Arafat sei kein Engel, sagte Maher, aber gleichwohl ein
wesentlicher Punkt bei der Lösung des Konflikts mit Israel.
(Quelle: ap)
Tschechien und Polen fordern mehr Mitsprache in der neuen EU
Sa.27.09.03 - Die Präsidenten Tschechiens und Polens haben am Freitag mehr
Rechte für die Beitrittsländer in der neuen, erweiterten
Europäischen Union gefordert. Vaclav Klaus und Aleksander
Kwasniewski waren sich dabei einig, dass für die geplante
EU-Verfassung weiterer Diskussionsbedarf besteht. «Wir sind daran
interessiert, dass wir würdig in den einzelnen europäischen
Institutionen vertreten sind», sagte Klaus der Nachrichtenagentur
CTK.
Wie sie die derzeitigen EU-Mitglieder von der Notwendigkeit einer
Überarbeitung des Verfassungsentwurfs überzeugen wollen,
wurde nicht klar. Deutschland und Frankreich betrachten die Diskussion
als abgeschlossen. Die Verfassung soll die Beschlussfassung in der EU
auf die Aufnahme zehn neuer Mitglieder im Mai kommenden Jahres
vorbereiten. Länder wie Polen oder Tschechien sind dabei aber mit
weniger Vertretern in den EU-Institutionen repräsentiert, als dies
beim Treffen von Nizza 2000 vereinbart wurde.
(Quelle: ap)
Tschechien und Polen fordern mehr Mitsprache in der neuen EU
Sa.27.09.03 - Die Präsidenten Tschechiens und Polens haben am Freitag mehr
Rechte für die Beitrittsländer in der neuen, erweiterten
Europäischen Union gefordert. Vaclav Klaus und Aleksander
Kwasniewski waren sich dabei einig, dass für die geplante
EU-Verfassung weiterer Diskussionsbedarf besteht. "Wir sind daran
interessiert, dass wir würdig in den einzelnen europäischen
Institutionen vertreten sind", sagte Klaus der Nachrichtenagentur CTK.
Wie sie die derzeitigen EU-Mitglieder von der Notwendigkeit einer
Überarbeitung des Verfassungsentwurfs überzeugen wollen,
wurde nicht klar. Deutschland und Frankreich betrachten die Diskussion
als abgeschlossen. Die Verfassung soll die Beschlussfassung in der EU
auf die Aufnahme zehn neuer Mitglieder im Mai kommenden Jahres
vorbereiten. Länder wie Polen oder Tschechien sind dabei aber mit
weniger Vertretern in den EU-Institutionen repräsentiert, als dies
beim Treffen von Nizza 2000 vereinbart wurde.
(Quelle: ap)
Deutsche Bischöfe kritisieren fehlenden Gottesbezug in
EU-Verfassung
Sa.27.09.03 - Die katholischen Bischöfe in Deutschland haben den Verzicht auf
einen Gottesbezug in der geplanten europäischen Verfassung
kritisiert. Der christliche Glaube gehöre "tief greifend und
maßgebend zu den Fundamenten der europäischen Kultur". Dies
sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl
Lehmann, nach dem Ende der Herbstvollversammlung in Fulda.
Zu den Beitrittsbestrebungen der Türkei in die Europäische
Union sagte Lehmann, dies sei "im wesentlichen eine politische und
keine religiöse Frage". Aufnahmekriterium sei allerdings auch die
Achtung der Menschenrechte, einschließlich der Religionsfreiheit.
Parlamentarisch habe das Land hier "erhebliche Fortschritte gemacht".
Dennoch berichteten aber die drei türkischen Bischöfe
weiterhin von Schwierigkeiten bei der Religionsausübung durch
Christen, etwa beim Bau von Kirchen.
(Quellen: dpa, afp)
Schwerstkranker Franzose nach Sterbehilfe tot
Sa.27.09.03 - Nach der Aufsehen erregenden Sterbehilfe durch seine Mutter ist ein
22-jähriger Schwerstkranker in Frankreich gestorben. Der seit
einem Unfall vor drei Jahren bettlägrige Vincent Humbert starb um
10.45 Uhr in der Intensivstation einer Klinik in Berck-sur-Mer am
Ärmelkanal. Die Ärzte hatten sich nach eigenen Angaben zuvor
entschlossen, die aktive Behandlung des 22-Jährigen zu
"begrenzen". Der Fall löste eine heftige Debatte über die
bislang verbotene Sterbehilfe aus.
Ihrem seit dem Unfall beinahe blinden und stummen Sohn hatte Marie
Humbert zum dritten Jahrestag des Unfalls am Mittwoch eine
Überdosis Betäubungsmittel verabreicht. Sie war zunächst
wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft genommen, dann aber selbst
in medizinische Betreuung überstellt worden. Ihren in ein tiefes
Koma gefallenen Sohn konnte sie noch am Sterbebett besuchen.
Die Angehörigen waren sich einig, dass sie dem Wunsch des
22-Jährigen nach Sterbehilfe nachkommen sollten. Sein Sohn habe
letztlich "erreicht, was er wollte", sagte der Vater, Francis Humbert.
Er sei "äußerst erleichtert" über die Todesnachricht.
Vincent hatte unter anderem in einem Buch öffentlich um das "Recht
zum Sterben" gebeten und sich dazu auch an Staatschef Jacques Chirac
gewandt.
Justizminister Dominique Perben bat die zuständige
Staatsanwaltschaft Boulogne-sur-Mer, "größtmögliche
Humanität bei der Anwendung des Gesetzes" walten zu lassen. Die
Behörden sollten nach Ansicht des Ministers in dem Fall "die
Leiden der Mutter und des jungen Mannes" nicht außer Acht lassen.
Der Fall spaltet die rechtsbürgerliche Pariser Regierung:
Sozialminister François Fillon regte Änderungen im
Strafrecht an. Als Vater könne er sich in die Lage von Marie
Humbert versetzen und das Ausmaß ihres Leidens nachvollziehen,
betonte Fillon; als Mitglied der Regierung könne er
naturgemäß nicht dafür eintreten, das Gesetz zu beugen.
Nun sei aber eine Rechtsdebatte über Sterbehilfe erforderlich.
Die Diskussionen in Frankreich riefen auch in Deutschland erste
Reaktionen hervor. Die Deutsche Hospiz Stiftung kritisierte den
Vorschlag Fillons, das Strafrecht zu ändern. "Es ist unfassbar,
dass der französische Sozialminister den einfachen Weg gehen will:
Anstatt sich endlich für eine bessere Versorgung der
Schwerstkranken und Sterbenden in Frankreich einzusetzen, wird jetzt
die aktive Sterbehilfe gefordert", kritisierte der
Geschäftsführer der Stiftung, Eugen Brysch.
(Quelle: afp)
Recht auf Sterbehilfe ist weltweit die Ausnahme
Sa.27.09.03 - Der Tod eines schwerstkranken Franzosen nach aktiver Sterbehilfe durch
seine Mutter entfacht die Debatte über das Recht zum Sterben neu.
Weltweit ist ein Recht auf Sterbehilfe die Ausnahme. Im April 2002
bestritt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass
es ein solches Grundrecht gebe. Belgien und die Niederlande haben den
Tod auf Verlangen für unheilbar Kranke seit 2002 ausdrücklich
erlaubt. In der Schweiz ist Beihilfe zum Freitod straffrei. Die
Nachrichtenagentur AFP gibt einen Überblick:
NIEDERLANDE: Als erstes Land weltweit legalisierten die Niederlande
2002 aktive Sterbehilfe unter bestimmten Bedingungen. Tötung von
Sterbenskranken wird unter den gleichen Auflagen schon seit 1997
toleriert.
BELGIEN: Die Regelungen in Belgien sind strenger. Demnach muss ein
Sterbehilfe-Patient volljährig und in einer medizinisch
"ausweglosen Lage" sein, unter einer "schweren und unheilbaren
Krankheit" leiden und sich seiner Handlungen voll bewusst sein. Er muss
seine Bitte wiederholt und freiwillig äußern.
DEUTSCHLAND: Aktive Sterbehilfe ist verboten. Die Verabreichung eines
tödlichen Medikaments wird als Totschlag gewertet. Das Thema gilt
wegen der als "Euthanasie" getarnten Ermordung von Behinderten durch
die Nazis als besonders heikel.
In GROSSBRITANNIEN sind Sterbehilfe und Beihilfe zum Selbstmord
ebenfalls verboten. Das Gesetz sieht bis zu 14 Jahre Haft vor.
FRANKREICH: Sterbehilfe ist verboten. Das Gesetz unterscheidet zwischen
aktiver Sterbehilfe, wenn der Tod des Patienten unmittelbar
herbeigeführt wird, und passiver Sterbehilfe, also unterlassener
Hilfeleistung. Für erstere kann je nach Fall lebenslänglich
verhängt werden, für letztere bis zu fünf Jahre Haft.
In der SCHWEIZ ist Hilfe zum Freitod seit 1942 erlaubt. Studien zufolge
ist inzwischen bei mehr als der Hälfte aller Todesfälle
Sterbehilfe im Spiel. Dabei steht aktive Hilfe auf Verlangen nur
für einen Bruchteil; weit verbreiter sind passive Hilfe oder
indirekte aktive Hilfe - wie der Einsatz schmerzlindernder Mittel, die
in großer Dosis das Leben verkürzen.
SPANIEN: Für Sterbehilfe vorgesehene Haftstrafen werden nicht
verhängt, wenn der Kranke ausdrücklich und wiederholt um
seinen Tod gebeten hat, weil er an einer unheilbaren oder mit schweren
Schmerzen verbundenen Krankheit leidet. Bis 1995 galten Sterbehilfe und
Beihilfe zum Selbstmord als Totschlag.
DÄNEMARK: Das Gesetz verbietet aktive Sterbehilfe. Unheilbar
Kranke dürfen jedoch selbst entscheiden, ob sie ihre Behandlung
fortsetzen lassen wollen. Seit 1992 können sie dazu ein
"medizinisches Testament" aufsetzen; diesen Willen müssen die
Ärzte respektieren.
In ITALIEN, NORWEGEN, GRIECHENLAND und in der TÜRKEI ist
Sterbehilfe grundsätzlich verboten.
USA: Ein Bundesgesetz verbietet aktive Sterbehilfe. Im November 1998
stimmten die Bürger des US-Bundesstaats Michigan in einem
Referendum gegen eine Legalisierung der "Hilfe beim Selbstmord". Einzig
Oregon lässt seit 1994 Sterbehilfe zu, wenn die Kranken keine
Aussicht auf Heilung haben.
Blick ins Archiv:
Ärzte gegen Sterbehilfe
Fr.23.05.03 - Der Deutsche Ärztetag hat eine bessere Versorgung Todkranker
gefordert, um den Ruf nach Sterbehilfe zu stoppen. Mit Schmerztherapie, Pflege und
Zuwendung sei es möglich, Sterbenskranken bis zum Ende ein lebenswertes Leben
zu sichern, heißt es in einem Beschluss des Ärzteparlaments vom Donnerstag.
Mehr unter:
http://home-t-online.de/home/boa-archiv1/k0305230.htm#03052307
Belgien erlaubt aktive Sterbehilfe
Deutsche Hospiz Stiftung: "Wieder glauben Politiker, einen Pflege- und
Sterbenotstand durch ein Euthanasie-Gesetz lösen zu können."
Große Mehrheit der Deutschen für Sterbehilfe.
Sa.27.09.03 - Fr. 17.05.2002 - Belgisches Parlament verabschiedete mit 86 zu 51
Stimmen ein heftig umstrittenes Gesetz, das es Ärzten unter
bestimmten Bedingungen erlaubt, ihre Patienten auf deren Wunsch zu
töten.
Die Deutsche Hospiz-Stiftung nennt das belgische Sterbehilfe-Gesetz
eine "Lizenz zum Töten". In den Niederlanden ist ein
Sterbehilfe-Gesetz seit Anfang April in Kraft. Niederländische
Regierung hält die kontrollierte Abgabe von
Selbsttötungspillen an lebensmüde Alte für
erwägenwert.
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/
n0205170.htm#top
Links zur Sterbehilfe-Debatte:
http://www.hospiz-weinsberg.de/sthi_sterbehilfe.htm
http://www.dghs.de
http://www.hospize.de
|
Deutschland: Wichtige Projekte der Agenda 2010 im Bundestag beschlossen +++
Gesundheitsreform verabschiedet +++ Arbeitslosengeld gekürzt +++
Kündigungsschutz gelockert
Sa.27.09.03 - Mit der Gesundheits- und der Arbeitsmarktreform hat der Bundestag am
Freitag zwei wichtige Projekte der Agenda 2010 beschlossen. Für
das Gesundheitspaket mit tiefen Einschnitten für Patienten erhielt
Bundeskanzler Gerhard Schröder neben der Unterstützung der
Union auch die gewünschte eigene rot-grüne Mehrheit.
Allerdings gab es sechs SPD-Gegenstimmen. Die Kürzung der
Bezugsdauer beim Arbeitslosengeld und die Lockerung des
Kündigungsschutzes wurde von der Koalition geschlossen mitgetragen.
Nach den Abstimmungen zeigte sich Schröder "sehr zufrieden". Es
sei darauf angekommen, das Gesundheitsreformgesetz auch ohne die
Unterstützung anderer Fraktionen durchzubringen. Bei der
Arbeitsmarktreform sei sogar die Kanzlermehrheit erreicht worden.
Die sechs SPD-Stimmen von Gegnern der Gesundheitsreform sorgten dennoch
für Unmut. SPD-Fraktionschef Franz Müntefering warnte die
Abweichler vor einem weiteren "Spiel mit dem Feuer" bei den noch
anstehenden Reformen.
Die Abweichler hatten die Reform als ungerecht bezeichnet. Sie
bürdet den Patienten hohe Zuzahlungen in Arztpraxis, Apotheke und
Klinik auf. Ab 2005 wird eine Zusatzversicherung für Zahnersatz
nötig und ab 2006 ein Sonderbeitrag für das Krankengeld.
Insgesamt sollen die Krankenkassen um gut 20 Milliarden Euro entlastet
werden. So soll der durchschnittliche Beitragssatz von heute 14,3
Prozent schon 2004 auf 13,6 Prozent und in den Folgejahren noch weiter
sinken. Die Reform kann zum 1. Januar 2004 in Kraft treten, falls der
Bundesrat im Oktober zustimmt.
Teil der Arbeitsmarktreform ist neben der Verkürzung der
Bezugdauer des Arbeitslosengeldes von 32 auf zwölf (für
Ältere höchstens 18) Monate auch die umstrittene Lockerung
des Kündigungsschutzes. Bundesarbeitsminister Wolfgang Clement
sprach von einer Erneuerung des Arbeitsmarktes, die noch nicht beendet
sei. Schon die ersten Reformschritte vor acht Monaten hätten aber
positive Ergebnisse erbracht.
Union und FDP hielten der Koalition vor, die Reformen zu spät und
zu zögerlich anzupacken. Sie stimmten den
Arbeitsmarktmaßnahmen nicht zu.
Bei den weiteren geplanten Arbeitsmarktreformen zum Umbau der
Bundesanstalt für Arbeit und der Zusammenlegung von Arbeitslosen-
und Sozialhilfe traf Clement im Bundesrat auf Ablehnung. Die
Unions-Mehrheit der Länderkammer stellte sich am Freitag hinter
einen Gegenvorschlag des hessischen Ministerpräsidenten Roland
Koch. Clement zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass spätestens
im Vermittlungsausschuss ein Kompromiss gefunden wird und sagte: "Wir
sind bereit, auf Sie zuzugehen."
(Quelle: ap)
Die Eckpunkte der Gesundheitsreform
Sa.27.09.03 - Der Bundestag hat am Freitag das Gesundheitsreformgesetz verabschiedet,
das in zähen Gesprächen zwischen Regierung und Union
ausgehandelt worden war. Die Nachrichtenagentur Reuters dokumentiert
die wichtigsten Eckpunkte des über 400-seitigen Regelwerks:
ZAHNERSATZ: Für den Zahnersatz müssen ab 2005 Sonderpolicen
abgeschlossen werden, die die Versicherten alleine bezahlen. Es besteht
Wahlmöglichkeit zwischen gesetzlichen und privaten Kassen.
Bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) legen die
Spitzenverbände der Kassen einen Tarif fest, der dann für
alle Kassen und alle Versicherten gilt. Die beitragsfreie
Mitversicherung von Familienmitgliedern bleibt erhalten.
Beim Wechsel zu einer privaten Krankenversicherung (PKV) muss sich ein
Versicherter den dortigen Regeln unterwerfen. Das heißt, die PKV
hat etwa das Recht, älteren Menschen höhere Beiträge
abzuverlangen. Auch gibt es dort keine beitragsfreie Mitversicherung
von Familienmitgliedern. Hat ein Versicherter einmal zur PKV
gewechselt, ist ein Rückkehr in das gesetzliche System nicht mehr
möglich.
ZUZAHLUNGEN: Für Arztbesuche werden künftig zehn Euro pro
Quartal fällig werden. Die Praxisgebühr deckt nicht
Zahnarztbehandlungen ab, für die noch einmal extra zehn Euro alle
drei Monate anfallen. Die Gebühr muss in den Praxen entrichtet
werden.
Insgesamt soll bei medizinischen Leistungen flächendeckend eine
Zuzahlung in Höhe von zehn Prozent anfallen. Sie beträgt aber
mindestens fünf Euro und wird bei zehn Euro gedeckelt. Bei
Klinikaufenthalten sollen pro Tag zehn Euro berechnet werden -
allerdings für maximal 28 Tage im Jahr. Die Zuzahlungen sollen
zwei Prozent des Bruttogehaltes des Versicherten nicht
überschreiten (chronisch Kranke: ein Prozent). Kinder und
Jugendliche werden von den Zuzahlungen befreit.
KRANKENGELD: Für das Krankengeld müssen die Versicherten von
2006 an einen Sonderbeitrag von 0,5 Prozent ihres Bruttolohnes
entrichten. Ursprünglich war vereinbart gewesen, dass die
Privatsicherung des Krankengeldes erst 2007 beginnen sollte.
MEDIKAMENTE: Die von der Regierung geplante Positivliste für
Medikamente entfällt. Dafür werden neue, aber wenig
nutzbringende patentgeschützte Medikamente in die Festpreisbindung
einbezogen. Zusammen mit einer vorübergehenden Erhöhung der
Herstellerrabatte soll so eine Milliarde Euro im Jahr eingespart
werden. Nicht verschreibungspflichtige Medikamente werden aus dem
Leistungskatalog der Krankenkassen gestrichen.
APOTHEKEN UND INTERNET-HANDEL: Das Mehrbesitzverbot für Apotheken
wird in begrenztem Umfang aufgehoben. Künftig darf ein Besitzer
einer Apotheke drei Nebenstellen unterhalten. Der Versandhandel
für Medikamente wird im Grundsatz frei gegeben.
VERSICHERUNGSFREMDE LEISTUNGEN: Versicherungsfremde Leistungen wie das
Mutterschaftsgeld sollen künftig über Steuern und nicht
über Beiträge der Versicherten bezahlt werden. Dazu soll die
Tabaksteuer 2004 und 2005 schrittweise um insgesamt einen Euro pro
Zigarettenschachtel erhöht werden.
STRUKTURREFORMEN: Bei den Strukturreformen im Gesundheitswesen hat die
Koalition erhebliche Zugeständnisse an die Union gemacht. So soll
das geplante Zentrum für Qualität in der Medizin nicht als
unabhängige Organisation gegründet werden, sondern unter das
Dach der Selbstverwaltung von Kassen und Ärzten kommen. Das
Vertragsmonopol der Kassenärztlichen Vereinigungen wird nicht so
stark aufgebrochen wie von der Bundesregierung geplant.
BEITRAGSSÄTZE: Der durchschnittliche Beitragssatz in die
gesetzlichen Krankenversicherung soll von derzeit rund 14,3 Prozent auf
13,6 Prozent im kommenden Jahr, 12,95 Prozent im Jahr 2005 und 12,15
Prozent 2006 sinken. Die Entlastung für die Arbeitgeber ist aber
durch die Privatsicherung von Krankengeld und Zahnersatz deutlich
höher. Die Kassen werden gezwungen, ihre Schulden erst nach und
nach abzubauen, um die Entlastungen aus der Reform sofort an die
Versicherten und die Arbeitgeber weitergeben zu können.
Mehr unter:
http://www.die-gesundheitsreform.de
«Die (...) verabschiedete Gesundheitsreform entspricht nicht den
Parolen, die SPD, Grüne und auch Union im Wahlkampf verbreitet
haben...»
«...Sie versprachen, die Strukturen im System zu ändern; nun
greifen sie vor allem den Bürgern in die Tasche. Sie versprachen,
die Macht der Verbände zu verringern; nun schanzen sie Ärzten
und Kassen mehr Einfluss zu. An den liturgisch vorgetragenen
Bürokratieabbau mag man gar nicht erinnern. Die Reform ist das
Gegenteil – Schnelldünger für den Bürokratie-Dschungel.
Künftig sollen Kassen und Ärzte den Bedarf bundesweit regeln,
also festlegen, mit wie vielen Patienten der Gynäkologe in
Schwabing oder auf Rügen rechnen darf. Sicherlich, die Reform hat
auch Vorteile. Mediziner sollen sich mehr fortbilden, Kliniken und
niedergelassene Ärzte besser zusammenarbeiten und
Gesundheitszentren mit einer gezielten Versorgung entstehen. Alles
richtig, es ist nur zu wenig, die Politiker verzagten vor der
Lobbymacht. ...»
(Süddeutsche Zeitung vom 27.09.03)
|
DGB wirft Schröder Bruch von Wahlversprechen vor +++
IG-Bergbau-Chemie-Energie greift Schröder wegen Agenda 2010 an
Sa.27.09.03 - Die Gewerkschaften haben der Regierung vorgeworfen, wesentliche
Wahlversprechen aus dem vergangenen Jahr zu brechen.
"Im vergangenen Bundestagswahlkampf haben wir von Rot-Grün klare
Zusagen erhalten, die bei weitem nicht alle eingehalten werden", sagte
DGB-Chef Michael Sommer der "Berliner Zeitung" (Samstagsausgabe). Das
Verhältnis der Gewerkschaften zu Kanzler Gerhard Schröder sei
durch die derzeitige Reformpolitik spürbar gestört. Mit Blick
auf die Zukunft sagte er: "Wir haben ein gutes Gedächtnis. Und was
Wahlversprechen betrifft, habe ich persönlich sogar ein
Elefanten-Gedächtnis." "Wir sind keine Fähnchenschwenker, die
man alle vier Jahre auf die Straße schickt", fügte er hinzu.
Als konkrete Belege seiner Kritik nannte Sommer: "Es gab im Zuge der
Hartz-Debatte zum Beispiel die klare Ansage, dass das neue
Arbeitslosengeld II deutlich über dem Sozialhilfeniveau liegen
soll. Auch hatte es geheißen, dass die Kommunen finanziell
umfassend entlastet werden, wenn die arbeitsfähigen
Sozialhilfeempfänger aus ihrem Verantwortungsbereich in den der
Arbeitsämter wechseln. Davon ist jetzt keine Rede mehr."
Der Vorsitzende der Gewerkschaft IG Bergbau-Chemie-Energie, Hubertus
Schmoldt, hat Bundeskanzler Gerhard Schröder wegen dessen starren
Festhaltens an der Agenda 2010 angegriffen. "Die Menschen
befürworten Reformen, aber so, wie diese jetzt daherkommen, ganz
offenbar nicht. Da hilft auch kein trotziges 'Weiter so'", sagte
Schmoldt am Freitag auf einem Kongress seiner Gewerkschaft.
Schröder hatte am Montag nach der schweren SPD-Pleite bei der
Bayern-Wahl seinen in der Agenda 2010 zusammengefassten Reformkurs
bekräftigt.
"Die soziale Balance ist bei der Agenda 2010 nicht gegeben",
erklärte Schmoldt, dem stets eine gewisse Nähe zum
Bundeskanzler nachgesagt wird. Der Gewerkschaftschef kritisierte zum
Beispiel die geplante Kürzung des Arbeitslosengeldes für
ältere Arbeitnehmer oder den großen Kostenblock bei der
Gesundheitsreform, der allein den Versicherten aufgeladen werde. Auf
Nachfrage erklärte Schmoldt, seine Kritik beziehe sich
«nicht nur auf den Bundeskanzler».
Grundsätzlich sprach sich Schmoldt aber für Reformen aus. So
sei er zum Beispiel für den Grundsatz "Fördern und Fordern",
nach dem arbeitsunwilligen Arbeitslosen die Bezüge gekürzt
werden können.
Schmoldt kritisierte auch den DGB. "Ich bin mir nicht sicher, ob der
DGB heute in der Verfassung ist, die erforderlich wäre, um
politische Konzeption in praktisches Handeln umzusetzen", erklärte
der Chef der IG BCE, die die drittgrößte Einzelgewerkschaft
im DGB nach ver.di und IG Metall ist.
Der DGB müsse eine größere Geschlossenheit zeigen.
Schmoldt setzte sich dafür ein, bei brisanten Themen zunächst
intern im DGB eine einheitliche Position der Einzelgewerkschaften zu
finden. Zurzeit sei es zu oft so, dass die Gewerkschaften
unterschiedliche Positionen einnehmen.
(Quellen: ap, rtr)
SPD weiter auf Sinkflug
Sa.27.09.03 - Die SPD verliert nach dem Wahldebakel in Bayern weiterhin an Boden:
Einer Umfrage zufolge würden nur noch 28 Prozent der Wähler
ihre Stimme den Sozialdemokraten geben, wenn am Sonntag Bundestagswahl
wäre. Damit verlieren die Sozialdemokraten im Vergleich zur
Vorwoche zwei Punkte, die Union gewinnt dagegen zwei hinzu.
Bei CDU und CSU würden damit jetzt 48 Prozent ihr Kreuzchen
machen, hieß es in der am Freitag veröffentlichten Umfrage
von Infratest dimap im Auftrag des ARD-Morgenmagazins.
Auf die Grünen entfielen elf Prozent (+ 1), unverändert sechs
Prozent gingen an die FDP, vier an die PDS. Damit hätten CDU und
CSU mehr Stimmen als SPD, Grüne und FDP zusammen. Mehr als die
Hälfte der Befragten (53 Prozent) verbindet den Begriff "Soziale
Gerechtigkeit" nur noch "weniger stark" mit der SPD, 19 Prozent "gar
nicht".
Der Wahlsieg der CSU gibt Bayerns Ministerpräsidenten Edmund
Stoiber enormen Aufwind. 46 Prozent der Befragten halten ihn der
Umfrage zufolge für den besten Kanzlerkandidaten der Union - CDU-
Chefin Angela Merkel liegt mit 21 Prozent klar dahinter. 18 Prozent
wünschen sich den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch
(CDU) als Gegner von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) im Jahr
2006.
Infratest dimap hatte am 23./24. September für die Sonntagsfrage
1000 Bundesbürger, für die Kanzlerkandidaten-Frage 550
Bundesbürger befragt. Die Fehlertoleranz liegt für die
großen Parteien bei bis zu 3,1 Punkten, bei den kleineren bei
etwa 1,4 Punkten.
(Quelle: dpa)
Bayern-SPD findet keinen neuen Chef
Sa.27.09.03 - Die bayerische SPD sucht verzweifelt einen Ausweg aus ihrer schweren
Führungskrise. Der gescheiterte Spitzenkandidat und
SPD-Fraktionschef Franz Maget lehnte den SPD-Landesvorsitz am Freitag
ebenso ab wie der Parlamentarische Staatssekretär im
Verteidigungsministerium, Walter Kolbow.
Der bisherige Landesvorsitzende Wolfgang Hoderlein hatte am Montag
seinen Rücktritt angekündigt, nachdem die SPD bei der
Landtagswahl mit 19,6 Prozent ihr bisher schlechtestes Ergebnis im
Freistaat überhaupt erreicht hatte. Der darauf von vielen
Sozialdemokraten bedrängte Maget erklärte am Freitagvormittag
im Bayerischen Rundfunk, er stehe nicht als SPD-Landesvorsitzender zur
Verfügung. Als Fraktions- und Parteichef zugleich würde er
"überfordert und verschleißt". Er wolle eine
Tandemlösung. In Parteikreisen wurde bestätigt, dass Maget
Kolbow als neuen Parteichef vorschlagen wolle.
Kolbow, bisher stellvertretender Parteichef, lehnte jedoch umgehend ab.
Er habe nicht vor, "Landesvorsitzender zu machen, auch nicht bis zum
nächsten Parteitag", sagte Kolbow der "Nürnberger Zeitung"
(Samstagausgabe). Als Parlamentarischer Staatssekretär habe er
einen "Fulltime-Job", der mit dem SPD-Landesvorsitz nicht zu
vereinbaren sei. Ein Team von drei bis vier Personen solle die
bayerischen Sozialdemokraten bis zum nächsten Parteitag
führen, der bis März 2004 stattfinden soll.
(Quelle: ap)
CDU-Kommission für tiefe Einschnitte ins soziale Netz
Sa.27.09.03 - Die Herzog-Kommission der CDU wird sich voraussichtlich für tief
greifende Einschnitte in alle Systeme der sozialen Sicherung
aussprechen.
Das geht aus dem Entwurf eines Abschlussberichts der Parteikommission
hervor, der der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorlag. So
plädiert die Kommission bei der Gesundheit für eine weit
reichende Ausgliederung von Leistungen aus dem Katalog der gesetzlichen
Krankenkassen. Die von der Union selbst eingeführte
Pflegeversicherung soll in der jetzigen Form abgeschafft werden. Bei
der Rente soll die Regel gelten, dass nur derjenige abschlagsfreie
Beiträge beziehen kann, der 45 Jahre eingezahlt hat. Mit den
Vorschlägen setzt sich die Kommission unter dem
Alt-Bundespräsidenten Roman Herzog deutlich von der
Regierungskommission ab, die unter der Leitung des Wirtschaftsweisen
Bert Rürup getagt hatte.
Die Herzog-Kommission will am kommenden Sonntag und Montag über
das 78-seitige Papier abschließend beraten. Dem
CDU-Bundesvorstand soll es am 6. Oktober vorgelegt werden. Die
Vorschläge der Kommission dürften zu heftigen Debatten in der
Partei führen - unter anderem, weil insbesondere der
CDU/CSU-Arbeitnehmerflügel eine Bürgerversicherung zur
Absicherung des Krankheitsrisikos verlangt, was die Kommission
ausdrücklich ablehnt.
"Durch eine Bürgerversicherung würde das Problem steigender
Lohnnebenkosten nicht gelöst, sondern noch vergrößert",
heißt es in dem Papier. Stattdessen schlägt die Kommission
vor, den Arbeitgeber-Beitrag in die gesetzliche Krankenversicherung bei
6,5 Prozent einzufrieren und Leistungen wie etwa Zahnbehandlungen oder
die Behandlung privater Unfälle allein dem Versicherten
aufzubürden. Im Gegenzug soll das Krankengeld allein vom
Arbeitgeber bezahlt werden. Mittelfristig regt die die Kommission an,
auf ein Prämienmodell zur Finanzierung der gesetzlichen
Krankenversicherung umzusteigen, bei dem die Beiträge völlig
von den Löhnen abgekoppelt werden.
Bei der Pflegeversicherung spricht sich die Kommission langfristig
für einen radikalen Systemwechsel aus. Das derzeitige
Umlageverfahren - bei dem die Versicherten mit ihren Beiträgen die
laufenden Pflegekosten decken - soll durch eigenes Sparen für
mögliche Kosten im Alter ersetzt werden. Dazu ist es laut
Kommission notwendig, den derzeitigen Beitragssatz von 1,7 Prozent
zeitweise zu verdoppeln, um einerseits das Umlagessystem auslaufen zu
lassen und andererseits den Aufbau eines Kapitalstocks zu
gewährleisten. Die Kommission regt aber an, den Übergang
durch einen Verkauf der Goldreserven der Bundesbank mit zu finanzieren.
Der Systemwechsel soll bis 2030 abgeschlossen werden.
Bei der Rente schlägt die Kommission vor, es grundsätzlich
beim derzeitigen umlagefinanzierten System zu belassen. Allerdings
spricht sie sich für einen so genannten Demographiefaktor aus, der
den Anstieg der Renten dämpfen soll. Anreize zur
Frühverrentung müssten umfassend beseitigt werden.
Grundsätzlich solle gelten, dass nur derjenige abschlagsfrei seine
Rente beziehen kann, der 45 Beitragsjahre nachweist. Zur Förderung
von Familien mit Kindern empfiehlt die Kommission, Erziehungszeiten
künftig wie Beitragszeiten zu werten. Dies kostet nach
Berechnungen der Kommission bereits im Jahr 2010 2,1 Milliarden Euro
und steigt bis 2030 auf 10 Milliarden Euro an.
(Quelle: rtr)
Bundesrat lehnt rot-grüne Steuerpläne
Sa.27.09.03 - Der Bundesrat [http://www.bundesrat.de/]
hat die rot-grünen Steuerpläne abgelehnt und drastische
Nachbesserungen gefordert. Das endgültige Votum darüber
fällt aber erst in der nächsten Sitzung im Oktober. Die
Unionsmehrheit in der Länderkammer und die Bundesregierung
signalisierten am Freitag die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen und
Kompromisse zu suchen.
Bei der geplanten Amnestie für Steuersünder kritisierten CDU
und CSU, wer in Vergangenheit Steuern hinterzogen habe, gehe nicht nur
straffrei aus. Er werde egenüber dem ehrlichen Steuerzahler auch
noch finanziell erheblich besser gestellt. Außerdem bestehe die
Gefahr, dass sich Kriminelle "der staatlichen Geldwäsche"
bedienten.
Beim Haushaltsbegleitgesetz begrüßten die Länder das
Vorziehen der Steuerreformstufe 2005 auf 2004. Doch die Steuersenkung
müsse auch solide finanziert werden. Wer die Pendlerpauschale
halbieren wollen, der vergesse, dass damit ein Ausgleich für
fünf Steuererhöhungen gezahlt werde, kritisierte
Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU).
Am Bundeshaushalt 2004 bemängelten die Länder die ihrer
Meinung nach unrealistische Wachstumsprognose von zwei Prozent. Auch
drohe Deutschland zum dritten Mal die europäischen
Stabilitätskriterien zu verletzen. Bundesfinanzminister Hans
Eichel räumte erneut ein, der Etat 2004 sei «zweifellos der
Haushalt mit den größten Risiken».
Auch der Weg zur finanziellen Besserstellung der Kommunen ist weiter
umstritten. Die Union forderte die Umsetzung ihres
Soforthilfeprogramms. Die SPD-regierten Länder verlangten die
Einbeziehung der Freiberufler in die Gewerbesteuer, zeigten sich aber
uneins bei der Besteuerung ertragsunabhängiger Bestandteile.
Die Länder sprachen sich für eine erneute
Überprüfung von Bediensteten und Parlamentariern auf
Stasi-Kontakte aus. In einer Entschließung werden Bund und
Länder aufgefordert, die mit der Freigabe der
«Rosenholz-Dateien» gewonnenen Erkenntnisse zu nutzen. In
den Dateien sind Spitzel der DDR-Auslandsspionage registriert.
Der rot-grüne Entwurf für ein neues Sexualstrafrecht soll im
Vermittlungsausschuss überarbeitet werden. Die Union will
erreichen, dass Kindesmissbrauch künftig als Verbrechen mit
Strafen von mehr als einem Jahr geahndet wird. Bundesjustizministerin
Brigitte Zypries lehnte dies ab, weil dann Fälle an der Grenze der
Strafbarkeit unter die Erheblichkeitsschwelle fallen würden.
Der Vorstoß Hessens zum Verbot von Zirkus-Elefanten ist
wahrscheinlich gescheitert. Die Bundesregierung erklärte, die
artgerechte Haltung von Wildtieren im Zirkus werde bereits durch das
Tierschutzgesetz gewährleistet. Unterstützung sagte das
Verbraucherministerium bei der Schaffung eines Bundeszentralregisters
für Zirkusse zu.
(Quelle: ap)
Polizei zerschlägt internationalen Kinderpornografie-Ring im
Internet
Sa.27.09.03 - Polizei- und Ermittlungsbehörden in mehreren Ländern haben
unter deutscher Federführung weltweit im Internet agierende
Kinderpornografie-Ringe zerschlagen.
Die weltweiten Ermittlungen richteten sich gegen rund 25.500
tatverdächtige Internet-Nutzer in 166 Staaten, sagte der
Innenminister von Sachsen-Anhalt, Klaus Jeziorsky, am Freitag in
Magdeburg. Insgesamt würden nach den gut ein Jahr dauernden
Ermittlungen, die unter Leitung der Staatsanwaltschaft Halle liefen,
530 Deutsche verdächtigt, kinderpornografische Schriften besessen
oder verbreitet zu haben. In dieser Woche seien in allen
Bundesländern 503 Häuser, Wohnungen und andere Objekte
durchsucht worden. Dabei habe die Polizei 745 Computer mit mindestens
35.500 CD's, tausende Disketten sowie 5800 Videos beschlagnahmt. "Dies
ist eines der mindestens in der Bundesrepublik größten
Ermittlungsverfahren gegen Kinderpornografie", sagte Jeziorsky.
Die Ermittlungen waren nach Angaben der Behörden im Mai 2002 ins
Rollen gekommen, nachdem der Verband der deutschen Internetwirtschaft
Anzeige gegen einen aus Magdeburg stammenden Gründer eines
Kinderpornografie-Zirkels erstattet hatte. Bei der Auswertung der Daten
seien die Daten tausender mutmaßlicher Tauschpartner gefunden
worden.
(Quelle: rtr)
Mehr zum Thema bei heise-online unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/anw-26.09.03-001/
mehr Kurznachrichten...