Aktuelle Nachrichten
Irak am hundertfünfundneunzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Schwere Kämpfe in sunnitischer Stadt Chaldijah +++ US-Truppen
setzen Bomber, Kampfhubschrauber und Panzer gegen Aufständische
ein +++ Mehrere US-Soldaten bei Anschlägen in Irak getötet
+++ US-Soldaten erschießen bei Demonstration irakisches Kind +++
UNO: Sicherheitslage erschwert Beendigung von Öl für
Lebensmittel +++ Jordanien will 30.000 Iraker für
Sicherheitsaufgaben ausbilden +++ Arabische Länder und EU-Staaten
drängen auf baldige Souveränität Iraks +++
Außenminister sehen wichtige Rolle der EU beim Wiederaufbau Iraks
+++ USA wollen angeblich Vereinten Nationen stärkeren Einfluss im
Irak zugestehen
Di.30.09.03 - Mit Bombern, Kampfhubschraubern und Panzern sind die US-Truppen am
Montag gegen Aufständische nahe der sunnitischen Stadt Chaldijah
westlich von Bagdad vorgegangen. Nach Augenzeugenberichten wurden bei
der seit Monaten größten Militäraktion in der Region
mindestens zehn Häuser zerstört. Oberstleutnant George Krivo
sagte, die Kämpfe hätten gegen 09.00 Uhr begonnen, nachdem
bei zwei Angriffen auf US-Konvois ein Soldat getötet und drei
weitere Personen verletzt worden seien. 14 Iraker wurden nach
US-Angaben festgenommen.
Bei nächtlichen Großrazzien in und um Tikrit im Norden des
Landes nahmen US-Soldaten weitere 92 Personen fest. Wie die
US-Streitkräfte am Montag erklärte, wurden bei den zwei
Dutzend Hausdurchsuchungen Sturmgewehre, Mörser, Raketenwerfer und
Munition beschlagnahmt.
Eine der Razzien sei die bislang größte gemeinsame Aktion
mit irakischen Polizisten gewesen, hieß es. Dabei wurden auf der
Suche nach mutmaßlichen Fedajin-Kämpfern 15 Häuser
gleichzeitig gestürmt, wie US-Oberstleutnant David Poirier
mitteilte. Er nannte den Einsatz einen großen Erfolg, weil
erstmals Iraker die Leitung übernommen hätten. Vier
Männer wurden festgenommen. Ziel der Razzia war nach Angaben von
Poirier die Zerschlagung der Organisationsstruktur der Fedajin. Mehr
als 200 irakische Polizisten waren beteiligt.
In der Nähe der Widerstandshochburg Falludscha wurde ein Soldat
getötet, als Unbekannte einen Sprengsatz auf eine Fahrzeugkolonne
des US-Militärs schleuderten, wie ein Armeesprecher sagte. Erst am
Sonntag war in der 50 Kilometer westlich von Bagdad gelegenen
Sunniten-Hochburg ein Konvoi der US-Armee mit einem Sprengsatz
angegriffen worden.
Nach einem Bericht des Senders El Dschasira erschossen US-Truppen bei
einer Demonstration in einem Dorf Nahe Kirkuk am Sonntag einen zehn
Jahre alten Jungen. Ein amerikanischer Militärsprecher
bestätigte, Soldaten seien in Stellung gegangen, als sich 200
Iraker einem Regierungsgebäude genähert hätten. Die
Truppen hätten jedoch keine Schüsse abgegeben.
Die Vorbereitungen zur Beendigung des UN-Programms Öl für
Lebensmittel für Irak werden nach Angaben der Vereinten Nationen
durch die schlechte Sicherheitslage in dem Land beeinträchtigt.
Der Abzug eines Großteils des internationalen Personals der UNO
aus Irak sei eines der Haupthindernisse, teilte der Chef des Programms,
Benon Sevan, am Montag dem UN-Sicherheitsrat mit. Auch habe die
US-geführte Zivilverwaltung erst Anfang August einen hochrangigen
Verantwortlichen mit der Abwicklung beauftragt. Dennoch rechne er
damit, dass das Programm wie vorgesehen am 21. November beendet werden
könne, ergänzte der Diplomat vor Journalisten.
Jordanien will rund 30.000 Iraker für Polizei- und
Sicherheitsaufgaben ausbilden. König Abdullah II. sagte am Montag
der Nachrichtenagentur AFP in Amman, eine erste Gruppe von 3000 Irakern
werde demnächst in Jordanien eintreffen. Jordanische Truppen nach
Irak zu entsenden sei keine gute Idee und wäre gegenüber den
Irakern auch nicht gerecht, sagte Abdullah II..
Arabische Verbündete und Kritiker der USA haben derweil in der
UN-Vollversammlung einhellig eine schnelle Wiederherstellung der
irakischen Souveränität und eine stärkere Rolle der
Vereinten Nationen gefordert. Der syrische Außenminister Faruk el
Scharaa, dessen Land im Weltsicherheitsrat vertreten ist, rief am
Montag in New York zu einem klaren Zeitplan für einen schnellen
Rückzug der US-Truppen aus Irak auf.
Lediglich eine Stärkung der ausländischen Truppen und die
Konzentration auf das Sicherheitsproblem könnten keine Lösung
bringen, mahnte El Scharaa. Vielmehr müsse eine unabhängige
Regierung in Bagdad eingesetzt werden, und die UN müssten eine
Schlüsselrolle in Irak sowohl bei der politischen und
wirtschaftlichen Entwicklung als auch im Sicherheitsbereich einnehmen.
Eine neue Irak-Resolution des Weltsicherheitsrats müsse die
Befürchtungen der Iraker zerstreuen und ihnen Unabhängigkeit
und Souveränität garantieren, erklärte El Scharaa. Eine
solche Resolution müsse die Rückendeckung des gesamten
Sicherheitsrats und der irakischen Nachbarstaaten haben.
Irak sei zur Wiedererlangung seiner Souveränität mehr denn je
darauf angewiesen, dass die Vereinten Nationen eine effektive Rolle
einnehmen könnten, erklärte der saudiarabische
Außenminister Saud el Faisal. Er forderte einen klaren Zeitplan
und einen «beschleunigten politischen Ansatz» zur
Wiederherstellung der irakischen Unabhängigkeit. Ähnlich
äußerte sich der ägyptische Außenminister Ahmed
Maher. Nun müssten die Bedingungen geschaffen werden, um eine
zentrale Rolle der UN und einen baldigen Abzug der Besatzungstruppen zu
ermöglichen, sagte er.
Der Vorsitzende der Arabischen Liga, Amr Mussa, mahnte mehr
internationale Zusammenarbeit in Irak an: "Es ist die gemeinsame
Verantwortung der internationalen Gemeinschaft, bei der
schnellstmöglichen Wiederherstellung von Stabilität und
Souveränität zusammenzuarbeiten", sagte Mussa auf dem
amerikanisch-arabischen Wirtschaftsforum in Detroit.
Auch die EU-Staaten dringen darauf, die Souveränität "sobald
wie möglich" in die Hände der Iraker zu legen. Die
EU-Außenminister forderten am Montag in Brüssel einen
"realistischen Zeitplan", ohne sich jedoch selbst auf einen Termin zu
einigen. Zugleich begrüßte die EU die Einrichtung des
irakischen Verwaltungsrates und einer ersten verfassungsgebenden
Versammlung. US-Außenminister Colin Powell hatte vorgeschlagen,
die Iraker sollten innerhalb von sechs Monaten eine Verfassung
vorlegen, die eine Selbstverwaltung des Landes ermöglichen solle.
Zudem könnten 2004 Wahlen stattfinden.
In ihrer Erklärung betonten die Außenminister, die EU sei
bereit, in Irak eine "wichtige Rolle" zu spielen. Für die
Geberkonferenz am 23. und 24. Oktober in Madrid wurde EU-Chefdiplomat
Javier Solana beauftragt, einen Vorschlag für eine erweiterte
Rolle der EU zu erarbeiten.
In Washington kündigte Außenministeriumssprecher Richard
Boucher für die kommenden Tage weitere Konsultationen auf
internationaler Ebene über die angestrebte neue Irak-Resolution
an. Die USA erhoffen sich von einer neuen Entschließung des
Weltsicherheitsrats mehr Unterstützung in Irak. Nach
internationaler Kritik an einem ersten Entwurf signalisierte Washington
mittlerweile Kompromissbereitschaft.
Aus Regierungskreisen verlautete am Wochenende, die USA seien bereit,
den Vereinten Nationen stärkeren Einfluss zuzugestehen. Vor allem
die Vetomächte Frankreich und Russland fordern eine Ausweitung der
UN-Rolle in Irak. Der französische Außenminister Dominique
de Villepin bekräftigte am Montag, Frankreich bestehe auf eine
schnelle Übergabe der Regierungsverantwortung, "innerhalb von
Monaten". Der stellvertretende russische Außenminister Juri
Fedotow erklärte am Montag, Moskau wolle einen "realistischen,
aber schnellen" Zeitplan.
(Quellen: afp, ap)
«Prekäre Sicherheitslage im Irak»
«Nicht nur für die US-Soldaten, auch für die Iraker hat
sich das Land seit Beginn der Besatzung in einen Sicherheitsalbtraum
verwandelt»
«Marodierende Banden entführen Kinder, um Lösegeld zu
erpressen, sie stehlen Autos, um sie über die Grenze zu
verschieben. In einem sind sich die Opfer einig: Zur Polizei zu gehen
wäre ein großer Fehler...»
Mehr in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (30.09.03):
http://www.taz.de/pt/2003/09/30/a0118.nf/text
«Aus dem Rampenlicht gezogen: Körperliche und mentale
Schäden des Irak-Krieges»
Di.30.09.03 - «Für die US-Regierung ist die absolute Zahl der Gefallenen
weniger belastend als jedes neue Ereignis, das an die tödliche
Mission erinnert und die Eltern der jungen Soldatinnen und Soldaten an
die unglückselige Zeit des verlorenen Vietnamkrieges mahnt. So
tragisch die Todesfälle sind, sie sind für die Falken in
Washington das kleinere Übel. Denn aus militärischer Sicht
geben knapp 400 gefallene Soldaten ein Beweis für die
hervorragende amerikanische Kriegsführung.
Darüber entgeht der Öffentlichkeit, dass allein aus dem Irak
inzwischen mehr als 1.600 verwundete amerikanische Soldaten ausgeflogen
wurden. Die Betroffenen leiden an schweren Verletzungen, und nicht nur
an Blessuren, die ein Manöver begleiten. Würde man die
Ereignisse ins Rampenlicht setzen wie die spektakuläre, andere
sagen merkwürdige Rettung der jungen Soldatin Jessica Lynch,
die Zeitungen wären voll von diesen Auswirkungen des Krieges.
Solange körperliche und mentale Schäden des Krieges nicht
gleichrangig zum Tod im Felde bewertet werden, handelt es sich bei
ihnen "nur" um Gesundheitskosten. Dazu zählen körperliche und
psychische Versehrtheit, der Verlust von Körperteilen oder die
Unfähigkeit, alleine zurecht zu kommen.
Die ersten 100 SARS-Erkrankungen ließen die Welt erbeben. Ein
militärisches Geheimnis sollen hingegen mehr als 100 US-Soldaten
bleiben, die seit Kriegsbeginn an einer unerklärlichen
Lungenerkrankung leiden: zwei von drei Betroffenen müssen
künstlich beatmet werden und jeder Zweite stirbt. Ob nach
Landstuhl ausgeflogen oder in die USA: die Truppenärzte sind
weitgehend ratlos...» (telepolis vom 30.09.03)
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/15744/1.html
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Heftiger Protest gegen Blair nach Absage von Irak-Debatte
Di.30.09.03 - Delegierte der britischen Labour-Partei haben Premierminister Tony
Blair am Montag heftig kritisiert, nachdem eine von ihnen geforderte
Debatte des Parteitags über den Irak-Krieg gestrichen wurde.
"Angesichts einer zerstrittenen Welt, den zerstrittenen Vereinten
Nationen, unserem zerstrittenem Land und unserer zerstrittenen Partei
wäre es unerklärlich, wenn wir nicht eine Debatte über
dieses entscheidend wichtige Thema hätten", sagte der Chef der
Transportarbeiter-Gewerkschaft, Tony Woodley, im südenglischen
Seebad Bournemouth, wo die Partei tagt.
Die Irak-Debatte war - zum Ärger der Blair-Kritiker - zu Gunsten
einer Diskussion über die geplanten Reformen im Gesundheitswesen
und bei den Arbeitslosenrechten gekippt worden.
Die Diskussion über die Gründe für den Irak-Krieg und
den Tod des UNO-Waffenexperten David Kelly hat Blairs Regierung in ihre
größte Krise seit ihrem Amtsantritt 1997 geführt. Die
Umfragewerte der Labour-Partei sind so schlecht wie seit 1994 nicht
mehr. Nach einer am Sonntag veröffentlichten Erhebung sprechen
sich 41 Prozent der Labour-Mitglieder für einen Rücktritt
Blairs vor den nächsten Wahlen aus.
Schatzkanzler Gordon Brown gelang es am Montag nicht, die erhitzten
Gemüter zu beruhigen. Er stellte sich nachdrücklich hinter
Blairs Irak-Politik und stellte danach die Grundzüge von Reformen
vor, die ihn zwangsläufig auf einen Konfrontationskurs mit den
mächtigen Gewerkschaften bringen dürften.
Atemlose Stille herrschte im Saal, als Brown den Delegierten
ankündigte, dass die Regierung ihren Reformkurs so oder so voran
treiben werde. "Es ist nicht die Frage, ob wir reformieren - wir
müssen es tun", erklärte Brown und verwies auf die
Reformpläne auf dem Arbeitsmarkt und Regelungen, die auf eine
Auflösung von Flächentarifen hinaus laufen. Der Schotte Brown
gilt als stärkster innerparteilicher Konkurrent Blairs, den viele
gerne an dessen Stelle als Regierungschef sähen.
Blair hatte am Sonntag Rücktrittsabsichten von sich gewiesen und
erklärt, er wolle bei den nächsten Parlamentswahlen erneut
kandidieren und im Fall eines Sieges auch eine volle weitere
Legislaturperiode amtieren. Den Kriegsgegnern hielt er entgegen, dass
er sich für die Unterstützung der USA im Irak-Krieg nicht zu
entschuldigen habe. Seiner Regierung wird vorgeworfen, in ihren
Bemühungen um Rechtfertigung des Kriegs die Bedrohung durch den
Irak aufgebauscht zu haben. Die USA und Großbritannien sind
bisher den Beweis für ihre Behauptung schuldig geblieben, der Irak
habe über Massenvernichtungswaffen verfügt.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
Großbritanniens Gewerkschaften verurteilen Irakkrieg
Sa.13.09.03 - Auf dem Gewerkschaftskongress, der vorgestern Abend im
südenglischen Seebad Brighton endete, verurteilten die Delegierten
einstimmig den Krieg gegen Irak. Mehrere Gewerkschaftsbosse forderten
sogar den Rücktritt von Premierminister Tony Blair...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309130.htm#030913_a
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Weißes Haus wegen Enttarnung von Agentin unter Druck +++
US-Justizministerium ermittelt
Di.30.09.03 - Wegen der Preisgabe des Namens einer Geheimdienstagentin ist das
Weiße Haus in Washington unter massiven Druck geraten.
Mitarbeiter des Weißen Hauses sagten dem Justizministerium, das
den Vorgang untersuchen soll, ihre Kooperation zu, wie die Zeitung
"Washington Post" am Montag berichtete. Die Agentin ist die Frau des
US-Diplomaten Joseph Wilson. Dieser hatte im Juli öffentlich die
Vorwürfe des Weißen Hauses, der frühere irakische
Machthaber Saddam Hussein habe in Niger Uran zu kaufen versucht, als
haltlos bezeichnet.
Wilson bezeichnete die Preisgabe des Namens seiner Frau, Valerie Plame,
als eine Racheaktion des Weißen Hauses. Mitarbeiter der
Geheimdienste zeigten sich laut "Washington Post" besorgt, dass nun
ausländische Dienste den früheren Kontakten der Agentin auf
die Spur kommen und möglicherweise weitere US-Agenten enttarnen
könnten. Dem Bericht zufolge hatte der Direktor des Geheimdienstes
CIA, George Tenet, wegen der Veröffentlichung des Namens eine
Anfrage ans Weiße Haus gerichtet. Der Verrat der Namen von
Geheimdienstlern ist verboten und kann mit bis zu zehn Jahren Haft
bestraft werden.
Die Nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice hatte am Sonntag im
Fernsehsender Fox gesagt, ihr sei nichts von einem Verrat des Namens
durch Mitarbeiter von Präsident George W. Bush bekannt. Die
"Washington Post" berichtete jedoch unter Berufung auf
Regierungskreise, dass zwei Mitarbeiter des Weißen Hauses
mindestens sechs Journalisten angerufen und ihnen den Namen und die
Beschäftigung von Wilsons Frau verraten hätten.
Wilson sagte der Zeitung "USA Today", die Enttarnung seiner Frau habe
klar das Ziel gehabt, Kritiker des Krieges zu stoppen. Es sei "ein
Schuss vor den Bug" für jeden gewesen, der sich mit Kritik an der
Kriegsentscheidung des Präsidenten habe vorwagen wollen. Wilson,
der früher Botschafter in Irak war, war im vergangenen Jahr im
Auftrag der CIA nach Afrika gereist, um den Vorwürfen über
die angeblichen irakischen Uran-Aufkaufversuche nachzugehen. In einer
Kolumne in der "New York Times" verwarf er Anfang Juli diese
Vorwürfe als unhaltbar. Bush hatte die Uran-Vorwürfe in
seiner Rede zur Lage der Nation Ende Januar zitiert.
(Quelle: afp)
Nordkorea droht mit Ausbau von Atomprogramm +++ Kein Interesse an
weiteren Verhandlungen mit den USA
Di.30.09.03 - Nordkorea hat "praktische Maßnahmen" zum Ausbau seines
Atomprogramms angekündigt. Die Regierung in Pjöngjang
unternehme konkrete Schritte, um ihre nukleare Abschreckung stetig zu
stärken, sagte ein Sprecher des Außenministeriums laut einem
Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur KNCA vom Dienstag.
Zugleich bekräftigte Nordkorea, dass es kein Interesse an weiteren
Verhandlungen mit den USA mehr habe. Washington habe keine Bereitschaft
zu einer friedlichen Koexistenz mit Nordkorea gezeigt und ziele auf
eine vollständige Entwaffnung Pjöngjangs, warf der
Ministeriumssprecher der US-Regierung vor. Sollten die USA versuchen,
Nordkorea zu einer Aufgabe seines Atomprogramms zu zwingen, ohne einen
Nichtangriffsvertrag anzubieten, hätte dies Krieg zur Folge.
Ähnliche Drohungen und Vorwürfe hat Nordkorea in den
vergangenen Monaten wiederholt geäußert. Beobachter gehen
davon aus, dass Pjöngjang damit seine Verhandlungsposition
gegenüber den USA zu stärken versucht. Unterdessen kamen
Vertreter der USA, Japans und Südkoreas in Tokio zu informellen
Gesprächen über das nordkoreanische Atomprogramm zusammen.
(Quelle: ap)
EU droht Iran wegen Atomprogramm mit Sanktionen
Di.30.09.03 - Die EU hat Iran erneut mit wirtschaftlichen Konsequenzen gedroht,
sollte das Land nicht binnen eines Monats sein Atomprogramm offenlegen.
Die wirtschaftliche Zusammenarbeit könne nur verstärkt
werden, wenn es Fortschritte bei der Nichtverbreitung von
Massenvernichtungswaffen gebe, erklärten die
EU-Außenminister in Brüssel. Die USA forderten Russland auf,
mehr Druck auf Teheran auszuüben. Die iranische Regierung wies
jegliche Forderung nach Änderung ihrer Politik zurück.
Iran müsse das Zusatzprotokoll der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) über erweiterte Kontrollbefugnisse
unterzeichnen, ratifizieren und umsetzen, sagte
Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) am Rande des
Treffens der EU-Außenminister. Die entscheidende Frage sei,
welche Konsequenzen die nukleare Aufrüstung eines weiteren Landes
im Nahen Osten für die gesamte Region hätte, berichtete
Fischer aus der Diskussion mit den EU-Kollegen: "Ein nuklearer
Rüstungswettlauf in der Region ist so ziemlich das Schlimmste, was
man sich vorstellen kann." Wie schon im Juli forderte der Ministerrat
auch Fortschritte bei den Menschenrechten, der
Terrorismusbekämpfung und bei Irans Haltung zum Friedensprozess im
Nahen Osten.
Der US-Botschafter in Moskau, Alexander Vershbow, sagte in Moskau, die
USA erwarteten von Russland eine Beendigung der russisch-iranischen
Zusammenarbeit beim Bau des iranischen Reaktors Buschehr, sollte
Teheran die Erklärungsfrist nicht einhalten. Dies habe
US-Präsident George W. Bush seinem russischen Kollegen Wladimir
Putin deutlich gemacht. Vershbow räumte weiterhin bestehende
"unterschiedliche Sichtweisen" beider Staaten in der Frage ein.
Russland ist mit einem Auftragsvolumen von rund 700 Millionen Euro am
Bau des Reaktors Buschehr im Süden Irans beteiligt.
Das iranische Volk werde sich nicht unter Drohungen zu einer
Änderung seiner Politik bewegen lassen, sagte ein
Regierungssprecher in Teheran. "Wir haben gute Beziehungen zur EU und
wir hoffen, dass sie andauern." Im Bereich der zivilen
Nukleartechnologie werde Iran keinerlei Beschränkungen akzeptieren.
Die IAEA hatte Iran am 12. September eine Frist bis zum 31. Oktober zur
Offenlegung seines Atomprogramms gesetzt. IAEA-Generaldirektor Mohamed
el Baradei hatte dabei gewarnt, dass die Behörde bei einer
Verletzung des Atomwaffensperrvertrags den UN-Sicherheitsrat anrufen
könne. Eine Reihe von Staaten, allen voran die USA,
verdächtigen Teheran, unter dem Deckmantel der zivilen
Nuklearnutzung Atombomben zu entwickeln.
(Quelle: afp)
«Mit einem 'politischen Fasten' fordern Abgeordnete und
Intellektuelle im Iran die Abschaffung von Folter und
Willkür»
251 Parlamentarier, Professoren, Journalisten und Intellektuelle haben
gestern in der Zentrale der Regierungspartei "Moschrekat" gegen die
Situation in den iranischen Gefängnissen gestreikt. Die Aktion,
die sie als "politisches Fasten" bezeichneten, richtete sich gegen
willkürliche Festnahmen, gegen Folter und Misshandlung der
Gefangenen. Es ist das zweite Mal in diesem Monat, dass ein solcher
Protest in Teheran stattfindet. Am 17. September hatte eine kleinere
Gruppe von Abgeordneten und Journalisten mit einem eintägigen
Fasten die von Konservativen beherrschte Justiz aufgefordert, der
"permanenten Missachtung der Gesetze in den Gefängnissen" ein Ende
zu setzen. (Quelle: taz vom 29.09.03)
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/09/30/a0088.nf/text
|
Israel reagiert verhalten auf neues palästinensisches Kabinett
Di.30.09.03 - Israel hat zurückhaltend auf die Vorstellung des Kabinetts des
designierten palästinensischen Ministerpräsidenten Ahmed
Kureia reagiert. "Wir müssen diese Regierung mit der nötigen
Vorsicht behandeln", erklärte Justizminister Tommy Lapid am Montag
im israelischen Militärsender. "Der Test jeder
palästinensischen Regierung ist, wie sie den Terrorismus
bekämpft." Die wegen des jüdischen Neujahrsfestes
verhängte Abriegelung von Westjordanland und Gazastreifen wurde
wieder gelockert. Die meisten Reisebeschränkungen blieben jedoch
in Kraft.
Der bisherige palästinensische Sicherheitschef Mohammed Dahlan
erklärte in einem am Sonntag veröffentlichten Interview, die
Gewalt habe dem "nationalen Kampf" geschadet. Die Welt habe sich nach
dem 11. September 2001 geändert, und jede Ära habe ihre
Besonderheiten. "Was zu einer gewissen Zeit positiv ist, könnte zu
anderen Zeiten kontraproduktiv sein", erklärte Dahlan am dritten
Jahrestag des Beginns der Intifada in der englischsprachigen
libanesischen Zeitung "Daily Star".
Anlässlich des Jahrestags versammelten sich am Montag 3.000
Anhänger der Hamas-Bewegung in Gaza-Stadt. Die Hamas werde mit
Anschlägen auf die israelische Zivilbevölkerung dann
aufhören, wenn "die zionistischen Besatzer aufhören,
Zivilisten zu töten", sagte einer der Führer der
Untergrundorganisation, Ismail Hanieh. Bereits am Sonntag hatten in
Libanon tausende Anhänger von Präsident Jassir Arafat und der
Hamas-Bewegung zum Widerstand gegen Israel aufgerufen. Seit Beginn der
Intifada am 28. September 2000 sind 2.477 Palästinenser und 860
Israelis getötet worden.
Der in Israel angeklagte palästinensische Politiker Marwan
Barghuti rechtfertigte am Montag in seinem Schlusswort an das Gericht
die Intifada. Er sei stolz auf den seit drei Jahren dauernden Kampf
gegen die 36-jährige israelische Besatzung, den israelischen
Siedlungsbau und die mangelnde Umsetzung von Friedensabkommen seitens
Israels, sagte Barghuti, der ranghöchste Palästinenser in
israelischer Haft. "Wie können die Juden, die den Holocaust
erlitten und überlebt haben, selbst zu solch intolerablen und
inakzeptablen Methoden gegen ein anderes Volk greifen?", fragte
Barghuti.
Israel wirft Barghuti vor, als Verbindungsglied zwischen den
Al-Aksa-Märtyrerbrigaden und der palästinensischen
Führung fungiert zu haben und an Attentaten mit 26 Toten direkt
beteiligt gewesen zu sein. Barghuti erkennt die Zuständigkeit des
Gerichts nicht an.
Das israelische Verteidigungsministerium einigte sich mit der
palästinensischen Al-Kuds-Universität auf kleine
Veränderungen beim Bau der Sperranlagen, die Israel vor
Terrorangriffen aus dem Westjordanland schützen sollen. Nach den
bisherigen Planungen wäre die Grenze mitten über den Campus
der in einem palästinensischen Vorort von Jerusalem gelegenen
Universität verlaufen, teilte ein Sprecher der Universität
mit. Das Verteidigungsministerium habe jetzt jedoch Veränderungen
zugestimmt, damit die Sportplätze der Universität erhalten
bleiben.
(Quelle: ap)
Putin sorgt vor Klimakonferenz für Ernüchterung
Di.30.09.03 - Mit Ernüchterung haben Umweltpolitiker zu Beginn einer
internationalen Klimakonferenz die Vorbehalte Russlands gegen das
Kyoto-Protokolls aufgenommen. Seine Regierung werde sich erst nach
Prüfung aller Probleme und in "Übereinstimmung mit den
nationalen Interessen" entscheiden, ob es das Klimaschutzprotokoll
ratifizieren werde, sagte Präsident Wladimir Putin zur
Eröffnung der Konferenz in Moskau. Erst mit Moskaus Beitritt
würde die für das Inkrafttreten der Klimaschutzvereinbarung
erforderliche Menge an Kohlendioxid-Emissionen erreicht.
Putin lehnte in seiner Rede Beschränkungen ab, die
"wirtschaftliches Wachstum und soziale Entwicklung" hemmten. Bereits im
Vorfeld der Konferenz hatte die russische Regierung durchblicken
lassen, dass sie die Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls an
Investitionszusagen und Garantien beim Emissionshandel knüpfen
will. An der Moskauer Klimakonferenz nehmen bis Freitag rund 1200
Experten aus 43 Ländern teil, um über die Auswirkungen des
Klimawandels zu beraten.
Mit Enttäuschung nahm der deutsche Delegationsleiter Enno Harders
Putins Zurückhaltung gegenüber dem Kyoto-Protokoll auf. Die
Haltung Russlands sei ein klarer Schritt rückwärts, sagte er.
Frankreichs Umweltministerin Roselyne Bachelot forderte Russland auf,
das Kyoto-Protokoll zu ratifizieren. Nach Ansicht des russischen
Umweltschützers Alexej Jablokow will Putin "den größten
politischen Vorteil aus der Unterzeichnung des Protokolls ziehen".
Das Kyoto-Protokoll erlaubt den Unterzeichnern, Emissionsmengen je nach
Bedarf zu verkaufen oder zu erwerben. Im Kyoto-Abkommen verpflichteten
sich die Industrieländer, bis 2012 ihre Treibhausgas-Emissionen um
durchschnittlich 5,2 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Erstmals
wurden damit 1997 international verbindliche Grenzen für den
Ausstoß von den für die Erderwärmung verantwortlichen
Treibhausgasen vorgegeben. Damit die Übereinkunft in Kraft treten
kann, müssen ihr zumindest die Länder zugestimmt haben, die
für 55 Prozent des weltweiten Kohlendioxidausstoßes
verantwortlich sind. Die EU und Japan haben das Protokoll ratifiziert,
insgesamt sind im 117 Länder beigetreten; die USA weigern sich wie
Russland bislang.
(Quelle: ap)
Kyoto-Protokoll:
Hintergrundinformation unter:
http://www.cop4.org/kp/kp.html
http://www.wwf.de/c_bibliothek/c_hintergrund/c_hintergrund_kyoto/
c_hintergrund_kyoto17.html
http://www.greenpeace.ch/press/1997/216.html
Blick ins Archiv:
Clement und Trittin weiter uneins in Energiepolitik +++
Wirtschaftsminister: Weltklima keine deutsche Frage
So.28.09.03 - In der Energiepolitik gibt weiter keine einheitliche Linie der
Bundesregierung. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) forderte am
Samstag bei einem Energiekongress der Grünen in Berlin abermals
deutliche Einschnitte bei der Förderung erneuerbarer Energien und
äußerte erhebliche Zweifel am Ziel, den deutschen
Ausstoß von Kohlendioxid bis 2020 um 40 Prozent unter den Wert
von 1990 zu senken. Umweltminister Jürgen Trittin hielt in beiden
Punkten dagegen....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309280.htm#03092808
|
Proteste einiger EU- und Beitrittsstaaten drohen EU-Verfassung zu
verzögern
Di.30.09.03 - Die andauernde Kritik einiger EU- und Beitrittsstaaten am
EU-Verfassungsentwurf könnte die am Wochenende beginnenden
Verhandlungen bis ins kommende Jahr verzögern.
"Das Ziel, bis Ende des Jahres fertig zu werden, wird zur Illusion",
sagte der belgische Europaminister Jacques Simonet am Montag in
Brüssel nach den letzten Vorbereitungen für die am Samstag
beginnende Regierungskonferenz. Der Entwurf werde in praktisch allen
Teilen durchverhandelt werden müssen. Vor allem Österreich
und Polen hatten in der Sitzung der EU-Außenminister erneut
entscheidende Nachbesserungen verlangt. Deutschlands
Außenminister Joschka Fischer mahnte Kompromissbereitschaft an.
An die Adresse der Beitrittsstaaten sagte er, auch sie könnten
kein Interesse haben, ohne die neue Verfassung über die
EU-Finanzen von 2007 an zu verhandeln. Die Verfassung soll die EU auf
die Erweiterung von zunächst zehn Staaten im Mai 2004 vorbereiten.
Deutschland und Frankreich hatten für eine unveränderte
Übernahme des Konventsentwurfes geworben. Dieser bildet die
Grundlage für die Verhandlungen der Regierungskonferenz, die am
Samstag in Rom beginnen.
Die österreichische Außenministerin Benita Ferrero-Waldner
sagte am Rande der Sitzung, eine Reihe von Staaten sei im EU-Konvent
nicht ausreichend gehört worden. Dem Konvent gehörten
Vertreter der Regierungen, Parlamente und der EU-Kommission an.
Ferrero-Waldner wies die Haltung zurück, der Konventsvorschlag sei
der bestmögliche Kompromiss und dürfe nicht mehr
verändert werden. "Wir öffnen nicht die Büchse der
Pandora, wir schließen die Lücken", sagte sie.
Wie zahlreiche andere kleinere EU-Staaten fordern auch Österreich
und Polen, dass jeder EU-Staat auch künftig einen
stimmberechtigten EU-Kommissar stellen müsse. "Jedes Land
identifiziert sich mit seinem Kommissar", sagte Ferrero-Waldner.
Polen kritisierte in einem Positionspapier erneut vorgeschlagene
Änderungen an der bisherigen Stimmengewichtung der EU-Staaten im
Ministerrat. Außenminister Wlodzimierz Cimoszewicz sagte, der
Konvent habe in diesem Punkt seine Kompetenzen überschritten.
Seine Regierung will an den Regeln des Nizza-Vertrages mit in
nächtelangen Feilschereien ausgehandelten Stimmzahlen festhalten.
Der Verfassungsentwurf stellt dagegen stärker auf die
Bevölkerungszahl ab. Dies käme Deutschland zu Gute,
würde aber für Spanien und Polen Nachteile bedeuten. Polen
sprach sich zudem erneut für einen Verweis auf die christlichen
Traditionen in der Verfassungs-Präambel aus.
Fischer sagte, wer den Konventsentwurf ändern wolle, müsse
eine für alle akzeptable Alternative vorlegen. "Ich verstehe ja,
dass es Wünsche gibt, die haben wir auch", sagte er. Falls es aber
keine Einigung auf bessere Vorschläge gebe, sei der Entwurf des
Konvents die Grundlage. "Wer (den Vorschlag) aufmacht, muss auch wieder
zumachen."
Fischer warnte davor, die Verhandlungen scheitern zu lassen. Dann gelte
der EU-Vertrag von Nizza. Dies sei nicht im Interesse einer erweiterten
Union und auch keine gute Vorbereitung auf die Finanzverhandlungen,
sagte er an die Adresse der Beitrittsländer. Deutschland als
größter Netto-Zahler der Union hat bei den
Finanzverhandlungen besonderes Gewicht.
(Quelle: rtr)
Hafenarbeiter streiken gegen Liberalisierungspolitik der EU
Di.30.09.03 - Mehr als 8.000 Arbeiter haben am Montag im größten Hafen
Europas gegen die EU-Politik zur Liberalisierung der Märkte
demonstriert, durch die sie ihre Arbeitsplätze bedroht sehen. Bei
dem Protestmarsch kam es auch zu Auseinandersetzungen mit der Polizei,
die mit Steinen und Flaschen beworfen wurde. Einige Randalierer seien
festgenommen worden, sagte ein Polizeisprecher. Es sei aber niemand
verletzt worden. Proteste gab es nicht nur in Rotterdam in den
Niederlanden, sondern in Antwerpen in Belgien und in Spanien.
(Quelle: ap)
Grösstes britisches Internierungslager wieder in Betrieb
Di.30.09.03 - Das grösste britische Internierungslager für Asylbewerber ist
am Sonntag wieder in Betrieb genommen worden, nachdem es nach einem
Grossbrand infolge eines Insassenaufstandes im vergangenen Februar
geschlossen werden musste. Das Innenministerium will zunächst 60
Frauen in den unbeschädigten Teil des Yarl's-Wood-Zentrums 80
Kilometer nördlich von London verlegen. Bis 2005 soll die Zahl der
Insassen auf 400 steigen. Alleinstehende Männer würden jedoch
nicht mehr nach Yarl's Wood kommen, hiess es.
Das Zentrum war ursprünglich für 900 Personen angelegt, die
nach der Ablehnung ihrer Asylbewerbung bis zur Abschiebung dort
festgehalten werden sollten. Als es im Februar zu dem Aufstand der
Insassen kam, befanden sich 400 Menschen in dem Lager. Zwei von ihnen
wurden wegen Anstiftung zu vierjährigen Gefängnisstrafen
verurteilt. Der Brand unmittelbar nach den Unruhen richtete
Schäden von 100 Millionen Pfund (144 Millionen Euro) an. Ob die
beschädigten Gebäudeteile wieder errichtet werden, sei noch
nicht entschieden, hiess es am Sonntag aus dem Innenministerium.
(Quelle: ap)
Ursachenforschung nach Blackout in Italien +++ Verfehlte
Liberalisierung des Energiemarkts wird als wichtigster Grund des
landesweiten Stromausfalls angesehen
Di.30.09.03 - Einen Tag nach dem größten Stromausfall in der Geschichte
Italiens haben Stromversorger und Regierung weiter nach den Ursachen
geforscht. Als wichtigen Grund für den landesweiten Blackout
nannten viele Zeitungen die verfehlte Liberalisierung des
Energiemarkts. Drei Menschen starben in Folge des Ausfalls. Einige
Gebiete im Süden des Landes blieben auch am Montag zunächst
ohne Strom. Industrie und Handel schätzen den Schaden auf rund 100
Millionen Euro. Um derartige Pannen zu verhindern, regte EU-Kommissarin
Loyola de Palacio einen gemeinsamen Strommarkt an.
Ob die Panne nun durch unterbrochene Hochspannungsleitungen in
Frankreich oder der Schweiz verursacht wurde und warum es zu der
folgenschweren Kettenreaktion in Italiens Stromversorgung kam, wird die
Experten voraussichtlich noch Wochen beschäftigen. Die
Staatsanwaltschaft in Rom nahm Ermittlungen auf, um die möglichen
Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Der landesweite Ausfall
offenbarte jedoch eine Reihe von Versäumnissen bei der
italienischen Stromversorgung, wie Zeitungen kritisierten.
Der öffentliche Versorger GRTN bezieht nach eigenen Angaben bis zu
17 Prozent seines Stroms aus dem Ausland, nachts sogar 25 Prozent. Da
Pläne zur Liberalisierung des Strommarkts auf halber Strecke
stecken blieben, wurden Investitionen zurückgestellt. Viele
Kraftwerke gelten als veraltet und das Stromnetz als zersplittert.
Einige Regionen Siziliens sowie Apuliens blieben auch am Tag nach dem
Blackout zunächst ohne Strom. Dort waren zwei ältere Frauen
in der Dunkelheit tödlich gestürzt, eine weitere verbrannte,
nachdem sich ihr Kleid an einer Kerze entzündet hatte.
Für die Krise auf dem Energiesektor machten sich Regierung und
Opposition gegenseitig verantwortlich. Als Konsequenz aus der Panne
regte die für Energiefragen zuständige EU-Kommissarin Loyola
de Palacio die Gründung eines gemeinsamen europäischen
Strommarktes an: Das Stromnetz leide in einigen Regionen der EU an
"chronischer Überlastung", andere Regionen seien unzureichend an
die Energieversorgung angebunden.
(Quelle: afp)
Internet-Attacken auf Stromnetze theoretisch denkbar +++ Experte:
Zunehmender Einsatz von Windows-Rechnern in der Stromversorgung nicht
zu unterschätzende Gefahr
Di.30.09.03 - Der jüngste "Blackout" in Italien hat erneut Spekulationen
über die mögliche Anfälligkeit der Versorgungsnetze
für terroristische Angriffe etwa über das Internet
hervorgerufen. Nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" vom Montag
prüft derzeit auch die deutsche Energiewirtschaft die
Möglichkeit, ob Kriminelle etwa mit einem Computer-Wurm über
das Internet die Stromnetze ganzer Länder lahm legen könnten.
"Netzwerke sind eben verwundbar", sagte der Virenexperte der
Universität Karlsruhe, Christoph Fischer, der Nachrichtenagentur
dpa. Der zunehmende Einsatz von Windows-Rechnern auch in sensiblen
Prozessen wie der Stromversorgung stelle eine nicht zu
unterschätzende Gefahr dar, meint Fischer. Die PCs seien heute so
billig, dass auf ihnen immer mehr Daten in allen Bereichen verarbeitet
und gespeichert würden. "Monokulturen sind aber
brandgefährlich." In Deutschland seien in der Stromversorgung noch
klassische Prozessrechner im Einsatz, die nicht auf Windows basierten.
"Deutschland ist in dieser Frage sehr konservativ, das zahlt sich in
diesem Fall einfach aus."
Nach dem ersten Blackout in den USA und Kanada Ende August hatte der
Branchen-Dienst "heise online" über einen möglichen
Zusammenhang mit dem damals grassierenden Internet-Wurm Lovesan (auch
Blaster genannt) spekuliert. Es sei durchaus denkbar, dass ein
Internet-Wurm über einen Windows-Rechner innerhalb der
Sicherheitssysteme in den USA das Chaos ausgelöst haben
könnte, vermutete der Online-Dienst. In den heftigen Debatten in
den Diskussionsforen ernteten die Experten allerdings auch viel Spott
als "Verschwörungstheoretiker". "Die Fakten waren stimmig, aber es
fehlten die Beweise", sagte Fischer.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv:
Experte spekuliert über Zusammenhang von US-Stromausfall und LovSan
Sa.16.08.03 - Der Stromausfall in den USA hat zu Spekulationen über einen
Zusammenhang mit dem Computerwurm LovSan (W32.Blaster) geführt. Ein
Sicherheitsexperte des deutschen Fachverlags Heise sagte am Freitag in
Hannover, der Virus könne Ursache des riesigen Stromausfalls
gewesen sein...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0308160.htm#03081604
«Das virtuelle Kraftwerk»
«Eine Lösung für künftige und - angesichts der
wiederholten Stromausfälle der letzten Monate - heutige
Energieprobleme: intelligentes, dezentrales Energiemanagement...»
Mehr bei telepolis (30.09.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/zen/15749/1.html
|
Deutschland: SPD-Führung kann den Reformstreit nicht
eindämmen +++ SPD-Abweichler setzen Widerstand gegen geplante
rot-grüne Reformgesetze fort +++ SPD-Vorstand verzichtet auf
Abstimmung über Leitantrag
Di.30.09.03 - Trotz aller Appelle zur Geschlossenheit und Drohungen gegen die
Parteilinke bekommt die SPD-Führung den Reformstreit in den
eigenen Reihen nicht in den Griff. Drei Tage nach der rot-grünen
Zitterpartie bei der Abstimmung über die Gesundheitsreform
scheiterte die Parteispitze im Vorstand erneut mit dem Versuch, die
Reformgegner auf Linie zu bringen. Verschärft wurde der Konflikt
am Montag von einer Personaldebatte: Der Vorschlag, Bundeskanzler
Gerhard Schröder als SPD-Vorsitzenden abzulösen, wurde jedoch
auch von der SPD-Linken zurückgewiesen.
Grünen-Chef Reinhard Bütikofer hält sogar eine Neuwahl
für den Fall möglich, dass die Koalition mit ihrem Reformkurs
scheitert. Er betonte, entweder rauften sich SPD und Grüne
zusammen. "Oder wir packen das nicht - und dann wird es andere
Mehrheiten geben."
Am Freitag war es Schröder nur mühevoll gelungen, bei der
Verabschiedung der Gesundheitsreform im Bundestag eine eigene Mehrheit
im rot-grünen Lager zu sichern. Sechs SPD-Abgeordnete votierten
dagegen. SPD-Generalsekretär Olaf Scholz dementierte einen
Bericht, wonach Schröder am Freitag erwogen habe,
Unionsfraktionschefin Angela Merkel eine große Koalition
anzubieten und Außenminister Joschka Fischer davon gewusst habe.
Scholz und Bütikofer forderten ihre Parteien noch einmal auf,
künftig geschlossen zu agieren. Die SPD-Führung scheiterte
aber in einer Vorstandssitzung mit dem Versuch, die Gegner radikaler
Reformen auf Linie zu bringen. Auf eine formale Abstimmung über
den umstrittenen Leitantrag für den Parteitag im November wurde
verzichtet. Darin wird für radikale Neuerungen im Sozialsystem
plädiert, die deutlich über Schröders Reformagenda 2010
hinausgehen.
Scholz berichtete von "Signalen", dass die Gegner des Reformkurses den
Aufruf zur Geschlossenheit befolgen wollten. Mitglieder der SPD-Linken,
darunter deren Wortführerin Andrea Nahles, widersprachen. Es habe
"leider keine Annäherung gegeben", sagte sie.
Bütikofer nannte eine große Koalition "völlig
abseitig". Auch CDU-Chefin Angela Merkel erklärte: "Für mich
stellt sich diese Frage nicht." Merkel betonte, von solchen
Überlegungen sei ihr nichts bekannt. Außenminister Joschka
Fischer schloss für sich selbst eine Mitarbeit an einer
schwarz-grünen Koalition aus.
Ungeachtet der Drohungen aus der Parteispitze wollen mehrere
SPD-Bundestagsabgeordnete ihren Widerstand gegen die von Rot-Grün
geplanten Reformgesetze fortsetzen. "Es dürfen nicht immer nur
Sozialkürzungen übrig bleiben. Das ist kein vorwärts
weisendes Programm", sagte Klaus Barthel der "Berliner Zeitung". "Der
17. Oktober wird eine ernste Situation", sagte die bayerische
SPD-Abgeordnete Sigrid Skarpelis-Sperk.
Es sei nötig, unnötige Schärfe herauszunehmen, forderte
Barthel beispielsweise mit Blick auf die geplante Zusammenlegung von
Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Sie soll am 17. Oktober gemeinsam mit
weiteren Kerngesetzen der Agenda 2010 im Bundestag verabschiedet werden.
Skarpelis-Sperk ließ zwar offen, ob sie den weiteren
Agenda-Gesetzen zustimmen wird, betonte aber: "Man kann nicht erwarten,
dass Leute ihre Meinungen und Überzeugungen vergessen."
Auch der SPD-Abgeordnete Horst Schmidbauer forderte noch Korrekturen an
den anstehenden Gesetzen. "Man darf die sozialen Eingriffe nicht auf
die Spitze treiben", sagte Schmidbauer. So dürfe auf keinen Fall
geschehen, dass Arbeitslose in Zukunft gezwungen würden, ihre
Lebensversicherungen zu verkaufen.
Die drei Abgeordneten hatten zusammen mit drei Fraktionskollegen am
vergangenen Freitag gegen die von Regierung und Opposition getragene
Gesundheitsreform gestimmt, was ihnen heftige Kritik seitens der
Parteispitze einbrachte.
Der anhaltende parteiinterne Streit um den Reformkurs schade der SPD in
der Bevölkerung, sagte der Leiter des Meinungsforschungsinstituts
Forsa, Manfred Güllner, im Norddeutschen Rundfunk. Bundesweit
liegen die Sozialdemokraten demnach nur noch bei 26 Prozent.
(Quellen: ap, afp)
Stichwort: Fraktionszwang und Gewissensfreiheit
Nach Artikel 38 des Grundgesetzes sind die Abgeordneten des Deutschen
Bundestages als Vertreter des Volkes nicht an Aufträge und
Weisungen gebunden und in ihren Entscheidungen nur ihrem Gewissen
unterworfen. In der alltäglichen Arbeit des Parlaments müssen
die Abgeordneten jedoch häufig darauf verzichten, ihrem Gewissen
entsprechend zu entscheiden.
Dies gilt immer dann, wenn die Parteidisziplin den
«Fraktionszwang» fordert, wenn
«Geschlossenheit» im Auftreten und im Abstimmungsverhalten
gefordert ist. Die Abgeordneten sollen mit ihrem Abstimmungsverhalten
Einigkeit nach außen zeigen.
Der Fraktionszwang, als Ausübung von Druck, widerspricht nach
Auffassung von Verfassungsrechtlern dem freien Mandat des Abgeordneten.
Deswegen veranstalten Fraktionen häufig auch Probeabstimmungen vor
Entscheidungen. Dies geschieht, um eventuell auf
«Abweichler» einwirken zu können.
Den schwerwiegendsten Fall von «Fraktionszwang» gab es in
den Anfängen der bundesdeutschen parlamentarischen Demokratie. In
der 1. Wahlperiode mussten die Mitglieder der KPD-Fraktion eine
Blanko-Erklärung über die Niederlegung ihres Mandats
unterschreiben, in die die Fraktionsführung nur noch das Datum
einzusetzen brauchte.
(Quelle: dpa)
|
'Tagesspiegel' geht an Ex-Holtzbrinck-Manager
Di.30.09.03 - Im Kampf um den Berliner Zeitungsmarkt verkauft die Verlagsgruppe
Holtzbrinck den defizitären "Tagesspiegel" überraschend an
einen ihrer ehemaligen Top-Manager. "Der Tagesspiegel" werde vom
bisherigen Aufsichtsratsmitglied der Verlagsgruppe, Pierre Gerckens,
übernommen, teilte das Stuttgarter Medienhaus mit.
Der Konzern verzichtet damit auf die angestrebte Fusion des Blattes mit
der "Berliner Zeitung". An der Übernahme des zu Gruner + Jahr
gehörenden Berliner Verlages ("Berliner Zeitung", "Berliner
Kurier") will Holtzbrinck ("Handelsblatt", "Die Zeit") festhalten und
einen neuen Antrag an das Bundeskartellamt stellen.
Mit einem positiven Votum von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang
Clement (SPD) über eine Ausnahmegenehmigung für die Fusion
sei nicht mehr zu rechnen gewesen, sagte ein Holtzbrinck-Sprecher.
Allerdings werde es nun für den "Tagesspiegel" keine
Bestandsgarantie mehr geben, wie sie für eine Ministerlaubnis
notwendig gewesen wäre.
Das Bundeskartellamt hatte bei einem Zusammenschluss den Wettbewerb in
Berlin in Gefahr gesehen. Die vor allem im Ost-Teil verbreitete
"Berliner Zeitung" (Auflage: 189 000) ist Marktführerin unter den
Abonnementszeitungen, der aus dem Westen stammende "Tagesspiegel" (135
700) liegt hinter der "Berliner Morgenpost" (Verlag Axel Springer) auf
Rang drei. Gruner + Jahr hatte im Juni 2002 den Verkauf des Berliner
Verlages an Holtzbrinck angekündigt.
Gerckens war der Holtzbrinck-Gruppe mehr als 30 Jahren verbunden, unter
anderem als Geschäftsführender Gesellschafter der
Verlagsgruppe Handelsblatt. Seit 1992 ist er im
«Tagesspiegel»-Beirat. Er ist auch Vizepräsident des
Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV).
Clement begrüßte die Entscheidung. Sie sei "gut für den
Berliner Zeitungsmarkt". Er hoffe, "dass dadurch die beiden Zeitungen,
die beiden Redaktionen erhalten bleiben."
Der Dortmunder Medienwissenschaftler Horst Röper wertete die
Ankündigung als "Umgehungssachverhalt zum geltenden Kartellrecht".
Der "Tagesspiegel" werde in eine "Warteposition" gebracht, bis ein
neues Kartellrecht die angestrebte Fusion mit der "Berliner Zeitung"
doch zulasse, sagte Röper in einem dpa-Gespräch.
Der Verlag Axel Springer ("Berliner Morgenpost", "Die Welt")
erklärte, die sachlichen Bedenken gegen die Fusion hätten
sich durchgesetzt. Bei einer Fusion hatte Springer Gefahr für die
wirtschaftlichen Grundlagen seiner Berliner Abo-Zeitungen gesehen und
rechtliche Konsequenzen in Aussicht gestellt.
"Tagesspiegel"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo zeigte sich
erleichtert. Vor der Belegschaft habe Gerckens erklärt, dass der
Fortbestand des «Tagesspiegels» für die kommenden 3
bis 5 Jahre gesichert sei. Allerdings sei damit nicht das strukturelle
Problem gelöst, wie Pressevielfalt bei Erhalt der
Qualitätszeitungen gesichert werden könne. Dafür sollten
bisher verbotene Verlagskooperationen möglich sein.
Beim BDZV-Kongress in Berlin wurde die Nachricht am Montag mit Skepsis
aufgenommen. BDZV-Präsident Helmut Heinen hatte zuvor eine
Lockerung der Pressefusionskontrolle gefordert. Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD) strebt für eine Novelle eine
«einvernehmliche Lösung» mit den Verlegern an. Er
forderte den BDZV auf, konkrete Vorschläge für eine
Erleichterung von Kooperationen in der Branche vorzulegen.
(Quelle: dpa)
Ford will weitere 1.700 Arbeitsplätze abbauen
Di.30.09.03 - Der Automobilhersteller Ford will wegen der schlechten Absatz- und
Ertragslage bis Jahresende etwa 1.700 Stellen in Deutschland abbauen.
"Betriebsbedingte Kündigungen wird es aber nicht geben", sagte
Ford-Sprecher Wolfgang Riecker am Montagabend der Nachrichtenagentur
AP. Bei dem geplanten Stellenabbau handele es sich um eine Reaktion auf
die schlechte Ertragslage und die "extrem schwierige und sich jeden Tag
intensivierende Wettbewerbssituation", sagte er.
Ford werde den Mitarbeitern ein freiwilliges Pensionierungs- und
Abfindungsprogramm anbieten, sagte Riecker weiter. Von den anvisierten
1.700 Stellen sollten rund 700 in der Verwaltung und weitere 1.000 im
gewerblichen Bereich eingespart werden. Der Abbau werde sich
hauptsächlich auf den Konzernsitz in Köln beschränken,
bestätigte er einen Vorabbericht der "Frankfurter Allgemeinen
Zeitung" (Dienstagausgabe). Ford beschäftigt dem Bericht zufolge
derzeit in Köln 20.600 und in Saarlouis 7.300 Mitarbeiter. Ford
Europa, zu der das Deutschland-Geschäft maßgeblich
beiträgt, hatte allein im zweiten Quartal dieses Jahres 525
Millionen Dollar Verlust gemacht.
Über den Abbau von 1.700 Stellen hinaus visiere Ford noch "weitere
Maßnahmen zur Reduzierung der direkten Personalkosten" an, sagte
Riecker und nannte in diesem Zusammenhang Verhandlungen mit dem
Betriebsrat über übertarifliche Leistungen wie
Weihnachtsgeld. Bei all den Maßnahmen gehe es letztlich um "die
Profitabilität, Wettbewerbsfähigkeit und die Sicherung des
Standortes", betonte er. Ford hat nach eigenen Angaben seit 1999 einen
Produktionsrückgang von 1,6 Millionen Einheiten hinnehmen
müssen.
(Quelle: ap)
Trennung und Scheidung verdoppeln Armutsrisiko von Frauen
Di.30.09.03 - Nach einer Trennung oder Scheidung versorgt meist die Mutter die
Kinder. Ein Viertel von ihnen erhält allerdings keinen
Kinderunterhalt, wie eine am Montag von der Universität Bielefeld
veröffentlichten Studie ergab, die die wirtschaftlichen Folgen von
Scheidung und Trennung untersuchte. Der Erhebung zufolge betreuten nach
einer Trennung 95 Prozent aller befragten Mütter, aber nur 23
Prozent der Väter mindestens ein minderjähriges Kind.
Für die Erhebung mit dem Titel "Wenn aus Liebe rote Zahlen
werden", die im Auftrag des Bundesfamilienministeriums erstellt wurde,
hatten die Forscher 1.500 geschiedene Frauen und Männer befragt.
Wie die Wissenschaftler mitteilten, wenden sich Frauen nach der
Scheidung meist wieder verstärkt dem Berufsleben zu. Jede dritte
Mutter mit minderjährigen Kindern nehme nach der Trennung eine
Arbeit auf oder weite sie aus, hieß es. Der oft erhobene Vorwurf,
Väter entzögen sich häufig durch Flucht in die
Arbeitslosigkeit ihren Unterhaltszahlungen, bestätigte sich der
Studie zufolge aber nicht. Am wenigsten Probleme gab es der Erhebung
zufolge in Partnerschaften, in denen beide Partner berufstätig
waren.
Trennung und Scheidung verdoppeln laut Studie das Armutsrisiko der
Frauen. Allerdings gehe die Scheidung in zwei Dritteln der Fälle
von den Frauen aus, hieß es weiter. Ein Viertel der Frauen
erziele sogar Einkommensgewinne durch eine Trennung vom bisherigen
Lebenspartner und erlebe mit dem neuen Partner oft Verbesserungen in
den Bereichen Wohnung, Einkommen und Zufriedenheit.
Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Über die Hälfte der
Kindesunterhaltsberechtigten und gut drei Viertel der
Trennungs-Unterhaltsberechtigten nehmen nach Angaben der
Universität unvollständige oder unregelmäßige
Zahlungen des ehemaligen Ehepartners hin, ohne rechtliche Schritte
einzuleiten. In Ostdeutschland gibt es zudem - bedingt durch
höhere Arbeitslosigkeit und niedrigere Einkommen - mehr
Unterhaltsprobleme als in den alten Bundesländern.
(Quelle: ap)
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