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11:30 Nachrichten-Archiv
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Irak am hundertsiebenundneunzigsten Tag nach Kriegsbeginn
USA legen
neuen Irak-Resolutionsentwurf vor. Größere Rolle der UNO im
Irak vorgesehen. Kein Zeitplan für ein Ende der US-Besetzung.
Entwurf sieht Umwandlung der US-Besatzungstruppen in eine von der UNO
autorisierte multinationale Truppe unter US-Befehl vor +++ Vereinte
Nationen wollen Baath-Partei an Macht in Irak beteiligen +++
Verwaltungsrat in Irak bereitet Kriegsverbrechertribunal vor +++
Irakische Führung fordert Milliardenhilfen der USA für Irak
+++'Handelsblatt': USA fordern von Berlin mehr Geld für Irak
+++ Debatte über Irak-Krieg auf Labour-Parteitag.
Labour-Abgeordnete greifen Irak-Politik der Regierung scharf an.
Außenminister Straw räumt Schwierigkeiten im Nachkriegs-Irak
ein +++ Arbeitslose Iraker stürmen Polizeiwache +++
Polizisten eröffnen Feuer auf Demonstranten in Bagdad +++ Erneut
US-Soldaten im Irak getötet +++ Ehemaliger US-Top-Militär
fordert Rauswurf von Pentagon-Mitarbeitern
Do.02.10.03 - Die
USA haben am Mittwoch einen neuen Entwurf für eine Irak-Resolution
des UNO- Sicherheitsrates in Umlauf gebracht, in dem der UNO eine
größere Rolle im Irak sowie die schrittweise Übergabe
der Verwaltung an irakische Institutionen vorgesehen ist.
Das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegende Dokument beinhaltet aber
keinen konkreten Zeitplan für ein Ende der US-Besetzung und sieht
keine vorrangige Rolle der UNO in zivilen Angelegenheiten Iraks vor.
Dies wird aber von einigen Mitglieder des Rates verlangt.
Ebenso wie in früheren Versionen sieht das Dokument vor, dass die
US-Besatzungstruppen in eine von der UNO autorisierte multinationale
Truppe unter US-Befehl umgewandelt werden sollen. Die irakischen
Behörden sollen zudem aufgefordert werden, zusammen mit den
Besatzungstruppen und der UNO einen Zeitplan für die Erarbeitung
einer Verfassung und für Wahlen zu erstellen.
US-Außenminister Colin Powell hatte zuvor Deutschland und weitere
Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats über den Entwurf informiert. Er
wurde überarbeitet, weil eine erste Variante bei einigen
Mitgliedern des Rates auf Kritik gestoßen war. Insbesondere
Frankreich und Deutschland dringen auf eine rasche Rückkehr Iraks
zur Souveränität.
In dem neuen Entwurf sei die Kritik eingeflossen, dass die Beschreibung
des politischen Prozesses in der ersten Vorlage zu vage gewesen sei,
sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums. Der neue Entwurf
definiere auch deutlicher die Rolle eines UNO-Repräsentanten im
Irak. Ferner werde nunmehr deutlich, dass der Einsatz einer
internationalen Truppe im Irak an das Ziel einer Übergabe der Macht
an die Iraker gekoppelt sei.
Die UNO hat die Beteiligung der offiziell aufgelösten Baath-Partei
an der Macht in Irak nicht ausgeschlossen. Auch Mitglieder der
früheren Regierungspartei von Saddam Hussein müssten wieder in
den politischen Prozess eingegliedert werden, sagte UN-Vertreter Ghassan
Salam am Mittwoch der Zeitung "Washington Post". Ihnen müsse
übermittelt werden, dass sie "irgendwann in der Zukunft" "wie alle
anderen" auch am politischen Prozess teilnehmen könnten.
UN-Generalsekretär Kofi Annan wolle "mehr Leute" in der irakischen
Regierung, betonte Salam. Falls die Baath-Kader sich allerdings nicht
engagieren wollten, "sollen sie es eben ablehnen". Unter der
Voraussetzung, dass sich die Sicherheitslage verbessere und die
Souveränität schnell den Irakern übertragen werde,
könne die UNO wieder eine politische Rolle in Irak erwägen,
sagte Salam.
Der von den USA eingesetzte irakische Verwaltungsrat bereitet
unterdessen die Schaffung eines Kriegsverbrechertribunals vor.
Ratsmitglied Samir Schakir Mahmud sagte am Mittwoch, das Gremium arbeite
an einem Statut für das Gericht, und deutete an, dass dieses in den
kommenden Wochen dem US-Zivilverwalter Paul Bremer vorgelegt werden
könnte. Einen genauen Zeitplan nannte er nicht. Während der
Herrschaft von Saddam Hussein seien "umfangreiche und bösartige"
Verbrechen begangen worden, sagte Mahmud. Unzählige Menschen seien
getötet und gefoltert worden. Die Zahl der Opfer gehe "in die
Hunderttausende, wenn nicht in die Millionen". "All diese Verbrechen
wurden von jemandem verübt, und der Verwaltungsrat ist
entschlossen, dafür zu sorgen, dass der Gerechtigkeit Genüge
getan wird", sagte Mahmud.
Die irakische Führung hat die USA aufgefordert, den Wiederaufbau
ihres Landes mit Milliardenhilfen zu unterstützen. Er hoffe, dass
es sich dabei um Finanzspritzen handeln werde und nicht um Kredite,
betonte ein prominentes Mitglied des Regierungsrats, Adnan Patschatschi,
am Dienstag (Ortszeit) in Washington. Andernfalls werde "die Diskussion
wieder eröffnet", ob die USA Irak besetzt hätten, um die
Kontrolle über die dortigen Ölvorkommen zu erlangen. Auch der
Vorsitzende des Regierungsrats, Ahmed Tschalabi, betonte, neue
US-Kredite würden "Komplikationen" mit sich bringen und die Last
des Wiederaufbaus für die Iraker vergrößern. Dagegen
würden Geldhilfen die "Aufrichtigkeit" der USA unterstreichen,
"dass sie zur Befreiung des irakischen Volkes kamen und um Freiheit und
Demokratie einzuführen".
Die US-Regierung erwartet einem Pressebericht zufolge eine
stärkere finanzielle Beteiligung Deutschlands am Wiederaufbau
Iraks. Zwar seien die Haushaltszwänge der Bundesregierung bekannt,
berichtete das Düsseldorfer "Handelsblatt" (Donnerstagausgabe)
unter Berufung auf einen hochrangigen Washingtoner Beamten. Die
US-Regierung würde es aber dennoch begrüßen, wenn "eine
beträchtliche Summe lockergemacht werden könnte", sagte der
Beamte dem Blatt. Die USA müssten allerdings beim politischen
Prozess die Verantwortung behalten: "Wir haben mit unserem Blut
bezahlt." Zudem verfüge die UNO nicht über die
Kapazitäten, die Übergangsverwaltung im Irak zu leiten.
Die britische Regierung von Premierminister Tony Blair musste sich
derweil am Mittwoch bei der außenpolitischen Debatte des
Labour-Parteitages erneut auf Kritik an ihrer Irak-Politik einstellen.
Blair, der bei seiner Parteitagsrede am Dienstag die Entscheidung
für einen Irak-Krieg verteidigt hatte, bekräftigte kurz vor
Beginn der Debatte, ein falscher Umgang mit dem Irak wäre eine
falsche Botschaft an Staaten wie Nordkorea und Iran gewesen.
Der unter besonders hohem innenpolitischen Druck stehende
Verteidigungsminister Geoff Hoon und Außenminister Jack Straw
sollten sich bei der Aussprache im Badeort Bournemouth den Kritikern aus
den eigenen Reihen stellen. Eine Abstimmung über die Irak-Politik
war zur Verärgerung der Gegner des Kriegskurses der Regierung
jedoch von der Agenda gestrichen worden.
Straw hat große Schwierigkeiten bei der Nachkriegsordnung in Irak
eingeräumt. Die Sicherheitslage in Irak sei "unbefriedigend" und
gebe Anlass zu "ernster Sorge", sagte Straw am Mittwoch auf dem
Labour-Parteitag im südenglischen Bournemouth. Die Iraker seien
zwar von ihrem Präsidenten Saddam Hussein befreit worden, sie
jedoch von dessen "brutalem Erbe zu befreien, wird länger dauern.",
Die Kontroverse über den Irak-Krieg sei sehr polarisierend
gewesen, denn viele Menschen hielten den Krieg für schlichtweg
falsch, sagte Blair im BBC-Rundfunk. "Aber letztlich muss man zu diesen
Dingen eine Entscheidung treffen." Er fügte hinzu: "Wenn wir nicht
Stellung zum Irak bezogen hätten, wie um Himmels Willen
könnten wir Nordkorea zu einem angemessenen Dialog
zurückbringen und den Iran zu einer richtigen Zusammenarbeit mit
der Internationalen Atomenergiebehörde bewegen." Die USA und
Großbritannien werfen beiden Ländern vor, nach
Massenvernichtungswaffen zu streben.
Den Irak-Krieg hatten die USA und Großbritannien vor allem mit
der Gefahr begründet, die von Massenvernichtungswaffen in den
Händen des irakischen Präsidenten Saddam Hussein ausgehe.
Trotz intensiver Suche sind im Irak jedoch auch fünf Monate nach
dem Ende der Hauptkampfhandlungen keine Waffen dieser Art in dem Land
gefunden worden.
Wegen seiner Irak-Politik steckt Blair in der schwersten
Glaubwürdigkeitskrise seiner sechsjährigen Amtszeit. Einer am
Dienstag veröffentlichten Umfrage zufolge gehen 60 Prozent der
Briten davon aus, das sie Blair über die Bedrohung durch den Irak
belogen hat. Nach einer am Sonntag veröffentlichten Erhebung
sprachen sich 41 Prozent der Labour-Mitglieder für dessen
Rücktritt noch vor den nächsten Wahlen aus. Blair hat
derartige Forderungen allerdings stets zurückgewiesen und
erklärt, er wolle bei den nächsten Parlamentswahlen erneut
antreten und im Fall eines Sieges eine volle weitere Legislaturperiode
amtieren.
Irakische Polizisten haben am Mittwoch das Feuer auf Demonstranten in
Bagdad eröffnet. Zuvor hätten rund 1.000 arbeitslose Iraker
eine Polizeiwache gestürmt, zwei Autos in Brand gesteckt und Steine
auf die Sicherheitskräfte geschleudert, teilte die Polizei mit.
Mindestens ein Demonstrant sowie mehrere Polizisten seien verletzt
worden.
Die Polizei in Bagdad erklärte, die Demonstranten hätten das
Feuer eröffnet, die Sicherheitskräfte hätten lediglich
Warnschüsse abgegeben. Auf Fernsehbildern war mindestens ein
Polizist zu sehen, der mit seiner Pistole direkt in die Menge schoss.
Bereits im Juli sei ihnen Arbeit versprochen worden, sagten die
Demonstranten. Bisher habe sich jedoch nichts getan, obwohl einige
Polizisten Bestechungsgelder angenommen hätten.
Auch in der nordirakischen Stadt Mossul feuerte die Polizei am Mittwoch
Warnschüsse in die Luft, um eine Demonstration arbeitsloser Iraker
aufzulösen. Die Männer wollten das Arbeitsamt im Rathaus
stürmen.
In Bagdad kam es am Nachmittag zu einem weiteren Zwischenfall:
US-Soldaten gaben Warnschüsse ab, um eine Gruppe von Steinewerfern
vor einer schiitischen Moschee zu vertreiben. Die Schiiten protestierten
gegen die vorübergehende Inhaftierung ihres Predigers, der am
Dienstagabend zu einem Verhör abgeführt worden war, und
verlangten eine schriftliche Entschuldigung.
Bei einer Razzia in Nordirak nahmen US-Soldaten 34 Iraker fest und
stellten zwei Dutzend Panzerfäuste sicher.
In der irakischen Hauptstadt Bagdad ist am Mittwochabend wieder ein
US-Soldat erschossen und ein weiterer verletzt worden, wie die Armee
mitteilte.
Die Soldaten gehörten den Angaben zufolge zu einer Patrouille, die
im Stadtviertel El Mansur unterwegs war. Sie seien mit einer
Handfeuerwaffe beschossen worden seien, hieß es.
Zuvor war in Tikrit eine US-Soldatin bei einem Bombenanschlag
getötet worden. Drei weitere Soldaten seien dort verletzt worden,
zwei davon schwer, teilte das US-Militär mit.
Der ehemalige Chef des US-Zentralkommandos, Anthony Zinni, hat die
Entlassung führender Pentagon-Mitarbeiter gefordert. Die
Verantwortlichen hätten bei der Planung für die Zeit nach dem
Krieg in Irak versagt, sagte der General a. D. am Dienstagabend im
US-Fernsehsender PBS. Namen nannte er nicht. Zinni, der das
US-Zentralkommando von 1997 bis 2000 leitete, sagte: "Immer wenn wir
Menschenleben verlieren, immer wenn wir uns verschätzt haben, immer
wenn wir vom amerikanischen Volk mehr Opfer verlangen als vorhergesehen,
sollte jemand die Verantwortung übernehmen."
(Quellen: afp,
rtr, ap)
NATO
befürwortet erweiterten Afghanistan-Einsatz
Do.02.10.03 - Die
NATO steht einer Ausweitung des Einsatzes so genannter Regionaler
Wiederaufbauteams (PRT) in Afghanistan im Rahmen eines erweiterten
ISAF-Mandats grundsätzlich positiv gegenüber. Mit einem
entsprechenden Angebot an die Adresse der Vereinten Nationen sei
innerhalb der kommenden Tage zu rechnen, hieß es aus
diplomatischen Kreisen des Bündnisses über die Beratungen des
NATO-Rats in Brüssel.
Demnach werde die Allianz die von der Bundeswehr angebotene
Übernahme des Teams im nordafghanischen Kundus voraussichtlich
begrüßen und sich darüber hinaus für einen
schrittweisen Aufbau weiterer Teams aussprechen.
Die Wiederaufbauteams könnten sowohl längerfristig an einem
Ort oder aber als mobile Einheiten nur zeitweise für spezifische
Aufgaben an verschiedenen Standorten eingesetzt werden, hieß es.
Die Militärexpeten sprechen sich den Angaben zufolge für vier
zusätzliche Wiederaufbauteams in Afghanistan aus. Derzeit sind
bereits vier Teams der USA, Großbritanniens und Neuseelands im
Rahmen des Anti-Terror-Einsatzes "Enduring Freedom" im Einsatz.
Inwieweit die bestehenden Einheiten künftig unter ISAF- und damit
NATO-Befehl gestellt werden sollen, sei noch nicht geklärt.
Die von den Militärexperten ausgearbeiteten Optionen zur
Ausweitung des ISAF-Mandats beinhalten laut Diplomaten unter anderem die
Option, die ISAF um 2000 auf bis zu 10.000 Soldaten aufzustocken. Es
sei fraglich, ob dies die Möglichkeiten der Alliierten nicht
übersteigen würde, hieß es. Bislang hat die ISAF nur den
Auftrag, in der afghanischen Hauptstadt Kabul und unmittelbarer
Umgebung für Sicherheit zu sorgen. Dafür sind etwa 5300
Soldaten im Einsatz. Für die Ausweitung des ISAF-Einsatzes ist ein
entsprechendes Mandat des UN-Sicherheitsrats notwendig.
(Quelle: afp)
Blair: Iran
will Israel zerstören
Do.02.10.03 - Der
britische Premierminister Tony Blair hat Iran vorgeworfen, Israel
"zerstören" zu wollen. Die "erklärte Politik" Irans sei "die
Zerstörung des Staates Israel", sagte Blair am Mittwoch in einem
Interview des britischen Rundfunksenders BBC. "Wollen wir, das Iran
Atomwaffen besitzt? - Meine Antwort ist Nein." Er hoffe, das der mit
Iran begonnene politische Prozess funktionieren werde. Der Irak-Krieg
habe Iran und Nordkorea dazu gebracht, mit der internationalen
Gemeinschaft in den Dialog zu treten, sagte der Premier einen Tag nach
seiner Grundsatzrede auf dem Labour-Parteitag, in der er den Irak-Krieg
verteidigt hatte. So spreche Pjöngjang mit Washington und Peking;
Teheran stehe im Dialog mit der Internationalen Atomenergiebehörde
(IAEA).
(Quelle: afp)
Israel
erweitert seine umstrittene Sperranlage
Do.02.10.03 - Die
israelische Regierung will trotz internationaler Kritik die bislang
schon 150 Kilometer lange Sperranlage im Westjordanland um weitere 42
Kilometer erweitert.
Aus politischen Kreisen in Jerusalem verlautete am Mittwoch, die
Regierung habe bei ihrer Entscheidung aber zumindest zum Teil auf den
Druck der USA reagiert, da sie die Sperranlage vor der auf
Palästinenser-Gebiet liegenden jüdischen Siedlung Ariel bis
auf weiteres offen lassen wolle. Israel begründet die Sperranlage
damit, sie solle israelische Bürger vor palästinensischen
Selbstmordattentätern schützen. Die Palästinenser
befürchten dagegen eine Zementierung der Grenzen ihres
künftigen Staates.
Die Siedlung Ariel, die rund 20 Kilometer innerhalb des
Westjordanlandes liegt, soll nun von einem kleineren eigenen Zaun
geschützt werden. Die Lücke zwischen dem Zaun und der
Hauptsperranlage soll den Kreisen zufolge durch Patrouillen gesichert
werden. Allerdings hält sich Israel die Option offen, die beiden
Sperranlagen später zu verbinden. Das Problem sei deshalb
keineswegs vom Tisch, kommentierte ein Diplomat. In Ariel leben rund
18.000 jüdische Siedler.
Israel hatte im Juni 2002 mit dem Bau der Sperranlage begonnen, der zum
Teil aus einem mit Stacheldraht bewehrten Elektrozaun und zum Teil aus
Beton besteht. Die ersten 150 Kilometer des Bollwerks stehen bereits,
meist entlang der international anerkannten Grenze des Westjordanlands.
Bis Ende des Jahres dürfte die Sperranlage 300 Kilometer lang
werden.
Von der US-Regierung wird die Sperranlage als Hindernis für den
Friedensplan gesehen. Die USA haben deshalb mit einer Verringerung von
Bürgschaften, die Israel dringend benötigt, in Höhe von
neun Milliarden Dollar gedroht. Die internationale Gemeinschaft
befürchtet, dass der Zaun eine De-Facto-Grenze schafft, wodurch
palästinensisches Gebiet, das Israel 1967 besetzt hat, letztlich
Israel zufallen könnte.
(Quelle: rtr)
UNO-Truppe
übernimmt Kommando in Liberia - Neue Kämpfe in Monrovia
Do.02.10.03 - In
dem von Bürgerkrieg zerrütteten Liberia hat am Mittwoch die
UNO-Friedenstruppe das Kommando von der westafrikanischen Schutztruppe
übernommen. Wenige Stunden später kam es in der Hauptstadt
Monrovia allerdings zu neuen Kämpfen zwischen Rebellen und
liberianischen Sicherheitskräften. Dabei wurden drei Zivilisten
getötet.
Auslöser der Straßenkämpfe war offenbar der erste
Besuch des Rebellenanführers Sekou Conneh in Monrovia, seit
Rebellen und Regierung im August eine Friedensvereinbarung geschlossen
hatten. Dabei kam es zu Protesten von Liberianern, die den Konvoi
Connehs mit Steinen bewarfen. Einwohner machten die UNO-Truppe für
die Gewalt verantwortlich. Sie habe Conneh in Begleitung von bewaffneten
Leibwächtern in die Stadt gelassen.
Conneh war auf dem Weg zu einem Treffen mit
Übergangspräsident Moses Blah, als sein Konvoi im Stadtteil
Paynesville von Demonstranten mit Steinen attackiert wurde. Dann fielen
erste Schüsse, und es kam zu einem zwanzigminütigen Gefecht.
Unklar war, von wem die ersten Schüsse abgefeuert wurden.
Zurück blieben drei Tote: Zwei Menschen wurden erschossen, ein
dritter starb durch einen Bayonett-Stich. Einwohner sagten, Conneh sei
offenbar geflohen. Die UNO-Truppe gab zunächst keine Stellungnahme
ab.
Die UNO-Truppe löst die Friedenstruppe der Wirtschaftsgemeinschaft
Westafrikanischer Staaten (Ecowas) ab. Ihre volle Stärke soll sie
in vier bis sechs Monaten erreichen. Dann soll die Truppe mit 15.000
Soldaten, 1115 Polizisten, 250 Militär-Beobachtern und 160
Stabsoffizieren die größte Friedenstruppe der Vereinten
Nationen (UNO) sein. Ihr sollen Soldaten westafrikanischer Staaten, aus
Pakistan, Bangladesch, Südafrika, Namibia, Äthiopien und den
Philippinen angehören. Irland hat zudem eine Stabseinheit und
Russland 1200 Soldaten angeboten.
Der Leiter der UNO-Truppe, der Kenianer Daniel Opande, sagte im
benachbarten Sierra Leone: "Die Arbeit wird nicht einfach werden. Aber
ich bin zuversichtlich, dass wir mit der Unterstützung der
internationalen Gemeinschaft und der Menschen in Afrika Frieden in
Liberia erreichen werden." Opande hatte den UNO-Friedenseinsatz in
Sierra Leone geleitet, durch den der zehn Jahre lange Bürgerkrieg
dort beendet wurde.
(Quelle: rtr)
Großbritannien:
Labour-Parteitag schmettert Blairs Gesundheitsreform ab
Do.02.10.03 - Mit
der Ablehnung der Gesundheitsreform hat die britische Labour-Partei
ihrem Regierungschef Tony Blair eine empfindliche Niederlage
beigebracht. Die Labour-Delegierten schmetterten das Reformvorhaben auf
ihrem Parteitag in Bournemouth mit großer Mehrheit ab. Sie folgten
damit dem Antrag der größten britischen Gewerkschaft Unison,
die den Rückzug des umstrittenen Projekts forderte.
Die Entscheidung ist zwar für die Regierung nicht bindend,
stärkt aber Blairs parteiinternen Kritikern den Rücken und
bedeutet für den Premierminister einen herben Rückschlag. Die
Partei kritisierte in ihrem Antrag, dass die Reform ohne Beratungen mit
der Basis auf den Weg gebracht worden sei. Das Vorhaben entspreche nicht
den vor zwei Jahren aufgestellten Parteigrundsätzen, hieß es
in dem Papier. Die Gewerkschafterin Sharon Holder bemängelte, der
Gesetzentwurf öffne "den Konservativen die Tür, das
öffentliche Gesundheitssystem zu zerschlagen, sobald sie wieder an
der Macht sind".
Der Abgeordnete Francis Prideaux sagte in Anspielung auf Blairs
Grundsatzrede, die Kliniken würden sich durch die
Regierungspläne "nicht vorwärts bewegen, sondern im
Rückwärtsgang". Blair hatte die Partei am Dienstag zur
Unterstützung seiner Reformprojekte aufgerufen und betont: "Ich
habe keinen Rückwärtsgang."
Blairs Gesundheitsreform ist das größte Reformvorhaben des
britischen Gesundheitswesens seit ihrer Einführung vor rund 50
Jahren. Sie sieht unter anderem vor, besonders erfolgreich
geführten staatlichen Krankenhäusern den Gang in die
Selbstverwaltung und Zugang zu Privatkapital zu ermöglichen. Die
Kliniken sollen eigenständig Investitionen tätigen und ihr
Personal nach eigenem Ermessen bezahlen können. Kritiker
befürchten dadurch die Entwicklung eines Zwei-Klassen-Systems.
Der britische National Health Service (NHS) ist mit mehr als einer
Million Angestellten allein in England das größte
Gesundheitssystem der Welt. Es wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der
damaligen Labour-Regierung gegründet. In den vergangenen Jahren
machte sich jedoch zunehmend die schlechte Finanzlage bemerkbar.
Ärztemangel und zu wenig Pflegepersonal sind ebenso an der
Tagesordnung wie lange Wartelisten für Operationen.
(Quelle: afp)
Deutschland:
Bundeskanzler Schröder zu Reform-Kooperation mit Union bereit
Do.02.10.03 -
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat sich zuversichtlich
gezeigt, mit der Union einen Kompromiss bei den weiteren Reformvorhaben
der Regierung zu finden.
"Es gibt keine Unterschiede, die so wären, dass man daraus nicht
ein vernünftiges gemeinsames Konzept machen könnte", sagte
Schröder am Mittwochabend auf einem Empfang der Bundesvereinigung
der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin. Angesichts des
großen Reformbedarfs und der Unions-Mehrheit im Bundesrat
müssten die großen Parteien aufeinander zugehen. "Ich bin
dazu bereit." Er sei darauf eingestellt und habe auch nichts dagegen,
dass CDU-Chefin Angela Merkel ihre Machtposition nutzen werde. Eine
Blockadehaltung der Union sei nicht angebracht: "Wer die Mehrheit im
Bundesrat hat, hat nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten."
Mit Blick auf die zahlreichen im kommenden Jahr anstehenden Landtags-
und Kommunalwahlen sagte Schröder, wenn die Reformen nicht im
nächsten Vierteljahr durchgesetzt würden, werde dies nie mehr
gelingen, da sich dann alle Parteien wieder in ihre
Schützengräben zurückzögen.
CDU-Chefin Angela Merkel hatte in einer Grundsatzrede am Vormittag
zugesichert, dass die Union ihre Mehrheit im Bundesrat nicht dazu
benutzen werde, die Reformen der Bundesregierung zu blockieren. Die
Union sei zu Abstrichen an ihrem eigenen Konzept bereit, die Handschrift
der Union bei den Reformen müsse aber erkennbar sein.
Zunächst muss Schröder sich im Bundestag die Mehrheit der
Koalition für die Reformen sichern. Am 17. Oktober stimmt der
Bundestag über die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und
Sozialhilfe, den Umbau der Bundesanstalt für Arbeit, die
Gewerbesteuer- und die Sozialhilfereform ab. Um den Widerstand in den
eigenen Reihen gegen diese Projekte zu brechen, hat Schröder sein
politisches Schicksal mit einer eigenen Mehrheit der Koalition
verknüpft. Gegen die Gesundheitsreform hatten am Freitag sechs
SPD-Abgeordnete gestimmt, eine eigene rot-grüne Mehrheit wurde
knapp erreicht.
(Quelle: rtr)
Auch in Union
Streit über Zukunft des Sozialstaats +++ CDU-Arbeitnehmer
kündigen Widerstand gegen Herzog-Vorschläge an
Do.02.10.03 -
Auch in der Union bahnt sich ein Streit über die Zukunft des
Sozialstaats an. Während sich CDU-Chefin Angela Merkel am Mittwoch
hinter die zentralen Vorschläge der Herzog-Kommission stellte,
kritisierte CDU-Arbeitnehmer-Chef Hermann-Josef Arentz vor allem den
geplanten Umstieg auf ein Kopfprämien-System im Gesundheitswesen.
Auch der CSU-Sozialexperte Horst Seehofer kritisierte den Vorschlag. Die
Senioren-Union der CDU warnte vor einseitigen Belastungen der
älteren Generation.
Merkel sagte in ihrer Rede zum 13. Jahrestag der deutschen Einheit in
Berlin, der Umbau der gesetzlichen Krankenversicherung und der
Pflegeversicherung zu einem kapitalgedeckten System ermögliche eine
demographisch verlässliche Vorsorge. Das Rentenniveau werde
deutlich sinken müssen, ein Absinken unter Sozialhilfeniveau solle
aber durch einen steuerfinanzierten Zuschuss zu einer Mindestrente
verhindert werden. Das Renteneintrittsalter müsse um mindestens
vier Jahre steigen, und Rente ohne Abschläge könne nur
erhalten, wer 45 Jahre lang gearbeitet habe.
Dagegen nannte Arentz den von Merkel befürworteten Umstieg auf das
Kopfprämien-System "hochgradig gefährlich und nicht
verantwortbar". Der "Leipziger Volkszeitung" sagte der Vorsitzende der
Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), in der Addition der
Pauschalen für Kranken-, Pflege- und Zahnersatzversicherung komme
ein Betrag von 300 Euro je Monat und Person zu Stande. Dies könnten
sich kein Klein-Rentner und keine einfache Verkäuferin leisten.
Bei der Sitzung des CDU-Bundesvorstands am Montag wolle der
Arbeitnehmerflügel Gegenanträge zu dem Vorschlag einbringen,
Kranken- und Pflegeversicherung über ein Prämienmodell zu
finanzieren, berichtet die "Financial Times Deutschland"
(Donnerstagausgabe) unter Berufung auf den Chef der Arbeitnehmergruppe
der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Gerald Weiß.
Anstelle dessen wolle man eine Bürgerversicherung fordern, wird
Weiß zitiert. Kranken- und Pflegeversicherung müssten ein
Solidarverband "aller für alle" sein. Er hoffe, dass sich die
unterschiedlichen Vorstellungen zusammenführen ließen, sagte
Weiß. Viele in der Partei dächten wie der
Arbeitnehmerflügel. Zustimmung signalisierte Weiß für
die renten- und arbeitsmarktpolitischen Vorschläge der Kommission,
die unter anderem für die Heraufsetzung des Renteneintrittsalters
auf 67 Jahre plädiert.
Seehofer sagte dem "Münchner Merkur" (Donnerstagausgabe), er wolle
"dafür kämpfen, dass in der Union die soziale Balance gewahrt
wird". Für die von der Kommission vorgesehenen Zuschüsse an
sozial Schwache in Höhe von jährlich 27 Milliarden Euro sehe
er keine Finanzierungschance, sagte Seehofer. Auch eine Erhöhung
des Renteneintrittsalters lehnte der CSU-Politiker ab.
Nach Ansicht des Vorsitzenden der Senioren-Union, Otto Wulff, sind die
Älteren im Interesse des Gemeinwohls zu Opfern bereit, "aber nur
dann, wenn Generationengerechtigkeit auch von den Jüngeren
eingefordert wird". Ferner vernachlässige die von
Altbundespräsident Roman Herzog geleitete Kommission die
Notwendigkeit, dass in Deutschland die Geburtenrate steigen müsse.
Ver.di-Chef Frank Bsirske kritisierte die Vorschläge der
Herzog-Kommission als "Ausverkauf des Sozialstaats". Der vorgeschlagene
"erweiterte Demographiefaktor" bewirke eine Absenkung der Renten auf ein
Niveau, von dem keiner leben könne. Und mit der Einführung
einer Basisrente "verkommt die Rente zum Almosen", betonte Bsirske. Im
Gesundheitssystem gehe die Überführung von Risiken in private
Versicherungssysteme einseitig zu Lasten der Versicherten, fügte
der Gewerkschaftschef hinzu.
Dagegen begrüßte der Virchow-Bund der niedergelassenen
Ärzte (NAV) ausdrücklich das von der Kommission vorgeschlagene
Kopfprämien-Modell. "Die Einführung einer Kopfpauschale
für alle Versicherten ist endlich der richtige Weg zu einer
ausgewogenen und stabilen Beitragsordnung", weil die
Krankenversicherungsbeiträge von den Löhnen abgekoppelt
würden und für sozial Schwache Steuerentlastungen vorgesehen
seien, erklärte der stellvertretende NAV-Bundesvorsitzende
Hans-Martin Hübner in Berlin.
(Quelle: ap)
Malteser
befürchten Notstand bei Betreuung älterer Menschen
Do.02.10.03 - Der
Malteser Hilfsdienst hat am Dienstag vor einem Notstand bei der
Betreuung älterer Menschen in Deutschland gewarnt. Aus Anlass des
Internationalen Tages des älteren Menschen am vergangenen Mittwoch
erklärte der geschäftsführende Präsident der
Hilfsorganisation, Johannes Freiherr Heereman, in Köln, es sei
"höchste Zeit, dass die Politik sich nicht nur auf die Sicherung
materieller Versorgung älterer Mitmenschen konzentriert". Nach
seinen Worten verwahrlosen schon heute immer mehr alte und kranke
Menschen in Deutschland. "Sie vereinsamen und vegetieren unter
schlechten psychosozialen Bedingungen dahin", kritisierte Heereman.
Pflegekräfte können nach seinen Angaben auf das seelische
Befinden der Anvertrauten kaum eingehen, weil sie ständig nach
wirtschaftlichen Vorgaben arbeiten müssten. Allein mit
hauptamtlicher Pflege sei eine psychosozial positive Betreuung nicht
mehr zu leisten. Hier müssten in Zukunft viele ehrenamtliche Helfer
die professionelle Pflege ergänzen. «Schon bald werden wir
nur mit einer größeren Zahl ehrenamtlicher Helfer die immer
zahlreicher werdenden älteren Menschen angemessen betreuen
können», hieß es in der Mitteilung der Organisation.
Von den rund 27.500 Hausnotruf-Teilnehmern gehen laut Malteser
Hilfsdienst pro Jahr etwa 400.000 Anrufe ein. Drei Viertel der Anrufe
erfolgten aus Einsamkeit. Die Malteser forderten die Finanzierung von
Ausbildungsprogrammen und die steuerliche Berücksichtigung von
Fahrt- und Bildungskosten Ehrenamtlicher.
(Quelle: ap)
3.Oktober -
'Tag des Flüchtlings': Prominente und Menschenrechtsorganisationen
für Bleiberechtsregelung
Do.02.10.03 -
Anlässlich des Tags des Flüchtlings am 3. Oktober haben
zahlreiche Prominente und Menschenrechtsorganisationen ein Bleiberecht
für Flüchtlinge gefordert, die seit Jahren in Deutschland
leben. Mehr als 54 Vertreter aus Wirtschaft, Kirche, Kultur und Politik
unterzeichneten einen Aufruf mit dem Titel "Wer lange hier lebt, muss
bleiben dürfen!", der am Mittwoch veröffentlicht wurde.
Darin fordern sie neben einer Bleiberechtsregelung auch erfüllbare
Voraussetzungen, die den Betroffenen einen Übergang von der Duldung
zum Aufenthaltsrecht ermöglichen. Den Aufruf unterschrieben unter
anderem Heiner Geißler, Hans Olaf Henkel, Herbert Schnoor, Franz
Alt, Günther Grass und Wim Wenders.
Besonders für junge Menschen, die in Deutschland bestens
integriert seien und dort ihre Kindheit verbracht hätten, sei es
häufig unzumutbar, nach über fünf Jahren in Deutschland
in ihr Herkunftsland abgeschoben zu werden, sagte der ehemalige
Postminister und CDU-Politiker Christian Schwarz-Schilling, der die
Aufruf zusammen mit Pro Asyl initiiert hatte. Er soll in den
nächsten Tagen in mehreren Zeitungen erscheinen. "Was hier
gegenüber Jungen geschieht ist ein erneuter Fall von Vertreibung."
Aber auch wirtschaftlich sei die Abschiebung von jungen Menschen, die in
Deutschland voll integriert seien und Arbeit hätten, völlig
unsinnig.
Angesichts von 200.000 Flüchtlingen, die derzeit in Deutschland in
einer rechtlichen Grauzone geduldet würden, 150.000 davon bereits
länger als fünf Jahre, könne von einzelnen
Härtefällen nicht mehr die Rede sein, betonte der Politiker.
Es handele sich vielmehr um "einen Systemfehler, dessen sich viele
Politiker offensichtlich nicht bewusst sind." So sei auch die Chance
bislang vertan worden, eine Bleiberegelung im neuen Zuwanderungsgesetz
zu verankern.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker sprach sich in einer
Erklärung für ein Bleiberecht traumatisierter Flüchtlinge
aus Bosnien aus. Diese seien zum Teil bis heute der Willkür von
Behörden ausgesetzt. Unter anderem hätten sie seit Jahren
keinen gesicherten Aufenthaltsstatus, bekämen keine
Arbeitserlaubnis und seien in ihrer Bewegungsfreiheit
eingeschränkt.
Mit dem Zuwanderungsgesetz, das im Juni am Widerstand der
unionsregierten Länder gescheitert war, soll sich noch in dieser
Woche der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat befassen.
Auch die Kirchen hatten sich bereits für eine Liberalisierung und
eine Bleiberegelung von langjährig Geduldeten ausgesprochen.
(Quelle: ap)
Wohlfahrtsverbände
empört über Rauswurf bei Flughafen-Sozialdienst
Do.02.10.03 - Mit
Empörung haben kirchliche Wohlfahrtsverbände und die
Organisation Pro Asyl auf den Rauswurf der Kirchen bei der
Asylantenbetreuung auf dem Frankfurter Flughafen reagiert. Dies
könne für die Flüchtlinge negative Folgen haben, warnte
Jean Claude Diallo vom Evangelischen Regionalverband am Mittwoch in
Frankfurt am Main. Würde die Tätigkeit wie vorgesehen von
Landesbediensteten übernommen, drohe die anwaltschaftliche Funktion
der Kirche verloren zu gehen.
Das Land Hessen hat den Vertrag mit den Kirchen zum Jahresende
gekündigt und will die Betreuung der Flüchtlinge ab Januar
selbst leisten. Die Arbeit sollen Beschäftigte aus einer
Flüchtlingseinrichtung im nahe gelegenen Schwalbach
übernehmen, die wegen zu geringer Auslastung zum Jahresende
geschlossen werden soll. Es werde nun versucht, die Beschäftigten
auf weitere Einrichtungen des Landes zu verteilen, sagte Walter
Kindermann vom Hessischen Sozialministerium.
"Würden wir das nicht tun, würden wir zwar nicht von den
Kirchen kritisiert werden", sagte er. "Mit Sicherheit würden sich
aber Steuerzahler und der Landesrechnungshof bei und beschweren."
Diejenigen, die auf dem Flughafen eingesetzt werden sollten, seien dazu
auf Grund ihrer Qualifikationen bestens geeignet. Zudem beinhalte der
Vertrag lediglich die Betreuung der Flüchtlinge. "Es ist ja nicht
so, dass wir sagen, wir wollen mit der Kirche nichts zu tun haben."
Nach Angaben des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt als
bisherigem Träger der Einrichtung wären rund 18
Vollbeschäftigte sowie rund 20 Ehrenamtliche der
Wohlfahrtsverbände von dem Ausstieg aus dem Betreuungsvertrag
betroffen.
"Wir fürchten, dass es Dienst nach Vorschrift geben wird", sagte
Diallo. Auch der Leiter der Frankfurter Caritas, Hartmut Fritz,
äußerte Unverständnis darüber, dass das Land die
"bewährte Zusammenarbeit" zwischen Land und Kirche
aufgekündigt habe. Er hoffe jedoch, dass bei einem Gespräch
zwischen Sozialministerium und Kirche eine Lösung gefunden werden
könne. Bislang habe das Ministerium auf die Gesprächsanfrage
jedoch noch nicht reagiert.
Der Flughafensozialdienst am Frankfurter Flughafen, der von der Caritas
und dem Evangelischen Regionalverband Frankfurt gemeinsam betrieben
wird, bietet neben der Betreuung und Beratung von Flüchtlingen auch
kirchliche Seelsorge und Hilfe für Passagiere an. Insgesamt sind
dort mehr als 50 hauptberufliche und ehrenamtliche Mitarbeiter
beschäftigt.
(Quelle: ap)
«Harmonie in der Abwehr»
«EU-Kommission
erarbeitet Richtlinien zur Kanalisierung der Zuwanderung»
«Die
Festung Europa wird auch in Zukunft so gut wie uneinnehmbar bleiben.
Die Innenminister der EU-Mitgliedstaaten wehren sich, was Zuwanderung
betrifft, gegen liberale Gesetzesvorschläge aus Brüssel. Auch
im Asylrecht zeigen die Regierungen keine Bereitschaft, restriktive
Gesetze aufzugeben... »
Mehr in
der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (02.10.03):
http://www.taz.de/pt/2003/10/02/a0006.nf/text
Das Asylrecht hat keine große Bedeutung
Genfer
Flüchtlingskonvention (GFK): Wer aus Angst vor Verfolgung wegen
Rasse, Religion, Nationalität, politischer Überzeugung oder
Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe nicht in sein Heimatland
zurückkann, erhält Schutz vor Abschiebung. Die meisten
Asylverfahren in Deutschland richten sich heute nach der GFK. In
anderen Staaten war sie schon lange der Maßstab.
Grundgesetz: Das Grundrecht auf Asyl ist seit 1993 nicht mehr viel
wert. Wer über einen sicheren Drittstaat einreist, ist sofort aus
dem Rennen.
Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK): Ergänzend zur
GFK schützt diese Konvention auch dann vor Abschiebung, wenn am
Zielort Folter, Todesstrafe oder eine sonstige Gefahr für Leib und
Leben droht. Die Vorgaben von GFK und EMRK sind in Deutschland ins
Ausländergesetz übernommen worden.
(Quelle: taz)
«Flüchtlingsschutz bedroht»
«1993
wurde das Asylgrundrecht durch den sogenannten Asylkompromiß von
CDU/CSU, SPD und FDP ausgehöhlt und faktisch abgeschafft. Trotzdem
hieß es in konservativen Kreisen, das Grundrecht auf Asyl sei
viel zu großzügig und könne innerhalb der
Europäischen Union nicht beibehalten werden. In den Folgejahren hat
sich gezeigt, daß in anderen europäischen Staaten der
Flüchtlingsschutz besser, wenn auch nicht ausreichend, als in
Deutschland gewährleistet wird. Diejenigen, die bisher gehofft
hatten, über die EU das Asylgrundrecht endgültig zu Fall zu
bringen, haben jetzt Angst, daß Deutschland umgekehrt von der EU
her zu einer humanitäreren Flüchtlingspolitik verpflichtet
wird. Daher bekämpfen CDU und CSU vehement die Entwürfe
für eine EU-Richtlinie zum Flüchtlingsbegriff und zum
subsidiären Schutz beispielsweise für
Bürgerkriegsflüchtlinge (Qualifizierungsrichtlinie) sowie zu
den Mindeststandards in Asylverfahren (Verfahrensrichtlinie). Die Union
hat dies in den letzten Monaten mehrfach zum Gegenstand von
Bundestagsdebatten gemacht, denn sie ist der Auffassung, daß
über diese EU-Richtlinien für die Migrationspolitik in
Deutschland vollendete Tatsachen geschaffen werden im Sinne einer
angeblich zu liberalen Ausgestaltung der Flüchtlingsrechte. Um
diesem Vorwurf der Opposition zu entgehen, blockiert Bundesinnenminister
Otto Schily (SPD) seit Monaten die EU-Richtlinien...» ("junge
Welt" vom 02.10.03)
Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/10-02/009.php
Meint das Arbeitsamt, es gebe genug deutsche Arbeitslose,
dann bekommen Flüchtlinge keine Arbeitserlaubnis. Egal, ob sich
wirklich jemand findet...
Was dies
im konkreten Fall bedeutet, schildert die "tageszeitung" in ihrer
heutigen Ausgabe (02.10.03):
http://www.taz.de/pt/2003/10/02/a0010.nf/text
Links
zum Thema Flüchtlinge, Asyl:
http://www.proasyl.de
http://www.proasyl.de/presse03/aug28.htm
http://www.humanrights.de
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