Aktuelle Nachrichten
Irak am hundertneunundneunzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Ehemaliger NATO-Oberbefehlshaber Clark wirft Bush Manipulation zur
Rechtfertigung des Irakkriegs vor. US-Außenpolitik sei
möglicherweise mit kriminellen Mitteln betrieben worden +++
Bush verteidigt erneut Krieg im Irak. Sieht sich durch Waffenbericht
des US-Inspektors Kay zu Irak bestätigt +++ Senator
Rockefeller: Kay-Bericht stellt Bushs Präventivdoktrin in Frage
+++ Annan stellt baldige Annahme des US-Resolutionsentwurfs zu Irak in
Frage +++ US-Außenminister Powell: Vorschläge einer
schnellen Macht-Übergabe an Iraker sind naiv
Sa.04.10.03 - Der Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten
Wesley Clark hat die Irak-Politik von Präsident George W. Bush
scharf kritisiert. In einer am Freitag vorab veröffentlichten Rede
vor Journalisten warf der ehemalige NATO-Oberbefehlshaber der Regierung
vor, zur Rechtfertgigung des Krieges sich auf verdrehte Fakten
gestützt und Kritiker dämonisiert zu haben.
Die Regierung habe mit der Art, wie sie die Außenpolitik
handhabe, die USA in Gefahr gebracht, kritisierte der General im
Ruhestand dem Redetext zufolge weiter. Möglicherweise sei die
Außenpolitik sogar mit kriminellen Mitteln betrieben worden.
Clark forderte eine unabhängige Untersuchung, ob die Regierung
möglicherweise Geheimdienstmaterial manipuliert habe.
"Nichts wäre eine größere Verletzung des
öffentlichen Vertrauens, als wenn die Regierung die
Begründung für den Krieg bewusst auf falschen Behauptungen
aufgebaut hätte", sagte Clark. "Wir müssen wissen, ob wir
absichtlich getäuscht worden sind." Die Regierung von
Präsident Bush habe ihr Amt bereits mit der Absicht angetreten,
gegen Irak Krieg zu führen. Die Terroranschläge vom 11.
September 2001 hätten ihr dann als Rechtfertigung gedient. Clark
warf der Bush-Regierung vor, die Prinzipien der amerikanischen
Demokratie verletzt zu haben.
US-Präsident George W. Bush hat den Krieg im Irak erneut
verteidigt - trotz bisher nicht gefundener irakischer
Massenvernichtungswaffen. Der jüngste Bericht des
US-Inspektorenteams über den Stand der Suche zeige, "dass Saddam
Hussein eine Gefahr für die Welt war", sagte Bush in Washington.
Der Präsident betonte, dass der Report des Waffeninspekteurs David
Kay nur einen Zwischenstand widerspiegele. Es liege noch viel Arbeit
vor den Suchteams.
Kay hatte am Donnerstag den Zwischenbericht vorgestellt. Danach wurden
zunächst keine Massenvernichtungswaffen in Irak gefunden. Es gebe
aber "beträchtliche Beweise" dafür, dass Irak den Bau von
chemischen und biologischen Waffen geplant habe.
Nach dem Eingeständnis der US-Inspekteure, bei ihrer dreimonatiger
Suche in Irak keine Massenvernichtungswaffen gefunden zu haben, steht
nach Ansicht des demokratischen Senators David Rockefeller die
Außenpolitik von US-Präsident George W. Bush auf dem
Prüfstand. Das Ergebnis des Kay-Berichtes stelle seiner Meinung
nach sowohl die Doktrin der Präventivangriffe in Frage wie auch
"die Art der Entscheidungsfindung auf höchster Staatsebene", sagte
Rockefeller am Donnerstag in Washington. "Wenn man sich schon
entschlossen hat, unter Berufung auf den Kampf gegen den weltweiten
Terrorismus in einen Krieg zu ziehen, dann hätte man wirklich
sicher sein müssen, dass es in Irak biologische, atomare oder
chemische Waffen gibt." Derzeit sehe es aber nicht danach aus.
Vermutlich würden keine Massenvernichtungswaffen gefunden.
UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat grundlegende Kritik an einem
Resolutionsentwurf der US- Regierung für den Irak
geäußert und eine baldige Annahme im Sicherheitsrat in Frage
gestellt.
"Offensichtlich geht (der Entwurf) nicht in die Richtung, die ich
empfohlen hatte", sagte Annan am Donnerstag zu Journalisten.
UNO-Vertreter Frankreichs, Russlands, Chinas, Deutschlands und anderer
Staaten kündigten daraufhin an, vor einer Wiederaufnahme der
Sicherheitsrats-Debatte am Montag zunächst Rücksprache mit
ihren Regierungen über das weitere Vorgehen halten zu wollen.
US-Außenminister Colin Powell wies Annans Vorschläge zu
einer schnelleren Übergabe der Macht an die Iraker als
unrealistisch zurück.
Annan hatte nach Angaben aus Diplomatenkreisen bereits bei einem
Mittagessen am Donnerstag mit den 15 UNO-Botschaftern des
Sicherheitsrats seine Position dargelegt und sich dabei
ungewöhnlich deutlich gegen die USA gestellt. Wie die
Nachrichtenagentur Reuters aus den Kreisen erfuhr, sagte Annan, er
könne das Leben seiner Mitarbeiter nicht bei einem Einsatz
riskieren, in dem die UNO nur eine marginale Rolle spielten. Ein
UNO-Botschafter, der nicht genannt werden wollte, sagte dazu: "Wenn der
Generalsekretär es ablehnt, seine Leute zu schicken, ist es
sinnlos, jetzt die Resolution anzunehmen.
Die UNO haben ihre Präsenz im Irak nach einem Anschlag auf ihr
Hauptquartier auf etwa 30 Mitarbeiter reduziert. Bei dem Bombenanschlag
am 19. August starben 22 Menschen, davon 15 UNO- Mitarbeiter. Unter
diesen war auch der hoch angesehene UNO-Sonderbeauftragte Sergio Vieira
de Mello, der als Kandidat für eine Nachfolge Annans galt.
Im Sicherheitsrat werden zwei verschiedene Vorgehensweisen für den
Wiederaufbau des Irak vertreten: Die Vereinten Nationen (UNO) und
andere Staaten befürworten eine schnelle symbolische
Machtübergabe an die Iraker, die dann ihrerseits militärische
und wirtschaftliche Hilfe anfordern könnten. Dies entspreche dem
Vorgehen nach dem US-geführten Krieg in Afghanistan. Dagegen sehen
die USA die möglicherweise sehr langwierige Ausarbeitung einer
Verfassung und Wahlen als Voraussetzung für eine
Machtübergabe an.
Powell sagte, auch die USA wollten so schnell wie möglich die
Macht an die Iraker übertragen. "Aber es ist meiner Ansicht nach
etwas naiv vorzuschlagen, dass man irgendwann in den kommenden Wochen
oder Monaten einfach sagen kann: 'Hier sind 25 Leute. Sie scheinen gut
miteinander auszukommen. Überlassen wir ihnen doch die
Verantwortung für das Land.'"
Die USA wollen wegen der fast täglichen Anschläge auf die
US-geführten Besatzungstruppen im Irak und der hohen finanziellen
Belastung andere Staaten zu einer Beteiligung am Wiederaufbau des Irak
bewegen. Der von den USA eingereichte Resolutionsentwurf soll dies
fördern. Trotz der Ankündigungen Frankreichs und Russlands,
nicht ihr Veto gegen den US-Entwurf einlegen zu wollen, hieß es
in Diplomatenkreisen, dass die USA um eine Annahme im Sicherheitsrat
würden kämpfen müssen. Es könne zahlreiche
Enthaltungen geben, die es den USA schwer machen könnten, die
erforderlichen neun Ja-Stimmen bei einer Abstimmung zu erzielen.
Auf einer Konferenz in den USA zum 13. Jahrestag der deutschen
Wiedervereinigung warnte der frühere sowjetische Staatschef
Michail Gorbatschow vor Alleingängen einer Supermacht in der
Welt und rief die USA zur internationalen Zusammenarbeit auf. "Wir
leben in einer neuen globalen Welt und wir stehen vor vielen Problemen,
die ein Land nicht allein lösen kann", sagte der
Friedensnobelpreisträger von 1990. "Die Vereinigten Staaten
können eine Menge erreichen, wenn sie Verbindungen mit anderen
Staaten eingehen." Die USA und Großbritannien waren ohne
ausdrückliches Mandat der UNO in den Krieg gegen Irak gezogen.
(Quellen: rtr, afp, dpa, ap)
Labour Party weiter zerstritten über Irak-Krieg
Sa.04.10.03 - Die britische Labour Party hat die Differenzen über den Irak-Krieg
auf ihrem Parteitag in Bournemouth nicht ausräumen können.
Der stellvertretende Premierminister John Prescott rief die Delegierten
in seiner Abschlussrede am Donnerstag zur Geschlossenheit und zur
Unterstützung von Regierungschef Tony Blair auf. "Zuhören ist
wichtig, eine angemessene Debatte ist wichtig", sagte Prescott. Ebenso
wichtig sei die Führung der Partei: "Tony (Blair) in Aktion zu
sehen, unterstreicht, was für einen großartigen Parteichef
wir haben".
Der fünftägige Parteitag in Bournemouth war für Blair
der schwierigste seit seinem Amtsantritt als Parteichef 1994.
Jüngsten Umfragen zufolge hat seine Popularität stark
abgenommen. In einer am Sonntag veröffentlichten Erhebung sprachen
sich 48 Prozent der Befragten für seinen Rücktritt aus.
"Die Sturmwolken sind immer noch da", sagte John Curtice, Professor
für Politikwissenschaft an der Strathclyde-Universität.
Für Blair sei es jetzt entscheidend, in Meinungsumfragen wieder
deutlich bessere Werte zu erlangen.
Nicht nur die Diskussion über den Irak-Krieg, auch die Debatte
über innenpolitische Themen hat die Unzufriedenheit vieler
Parteimitglieder mit dem Kurs der Regierung offen gelegt. Bereits am
Mittwoch hatten die Delegierten einem zentralen Anliegen des
Premierministers eine Absage erteilt: Sie stimmten gegen einen Antrag,
der der Regierung Unterstützung bei der "Erneuerung" des
staatlichen Gesundheitssystems versprach. Kritiker betrachten Blairs
Pläne als Einstieg in die Privatisierung des Systems.
Am Donnerstag musste Blair erneut eine Ohrfeige der Delegierten
hinnehmen. Der Parteitag nahm auf Betreiben von
Gewerkschaftsmitgliedern einen Antrag an, der eine gesetzlich
vorgeschriebene Beteiligung der Arbeitgeber an Rentenbeiträgen
fordert.
(Quelle: ap)
Scharfe Kritik an israelischer Sperranlage
Sa.04.10.03 - Mit seinen Ankündigungen zu neuen Siedlungsbauten und der
Erweiterung der umstrittenen Sperranlage hat Israel scharfe Kritik auf
sich gezogen. Washington betrachte die israelischen Pläne als
"Problem" und überprüfe derzeit mögliche
Strafmaßnahmen, sagte US-Außenminister Colin Powell.
UN-Generalsekretär Kofi Annan bezeichnete die Bauvorhaben als
"ernste Hindernisse" für die Friedenspläne. Die israelische
Regierung hatte beschlossen, neben dem Grenzwall auch den Siedlungsbau
voranzutreiben.
Powell sagte, US-Präsident George W. Bush halte die Sperranlage
nach wie vor für ein Problem. Zusätzlich verschärfe es
sich aber noch dadurch, dass der Wall in palästinensisches Gebiet
hineingebaut werde. Auch die mehr als 500 geplanten neuen Wohnungen
für Siedler im Westjordanland gäben Anlass zur "Besorgnis".
Annans Sprecher Fred Eckhard sagte, der UN-Generalsekretär sei
"zutiefst beunruhigt". Während der Grenzwall "großes Leid"
über tausende palästinensische Familien bringe, sei der
Siedlungsbau "eine klare Verletzung" der Genfer Konventionen.
Das israelische Bauministerium hatte zuvor entgegen den Forderungen des
Nahost-Friedensplans den Bau von 565 Wohnungen in drei Siedlungen im
Westjordanland ausgeschrieben. Der palästinensische
Chefunterhändler Sajeb Erakat verurteilte die Pläne als
"Landraub". Das Nahost-Quartett fordert in seinem Friedensplan von
Israel unter anderem einen sofortigen Siedlungsstopp.
Auch Israels Ankündigung vom Mittwoch, mit dem Grenzwall auch die
Siedlung Ariel abriegeln zu wollen, löste heftige Reaktionen aus.
Ariel liegt rund 20 Kilometer weit im Westjordanland.
Palästinenserpräsident Jassir Arafat sprach von einer "Mauer
des Rassismus", die den Friedensprozess sabotiere. Erakat betonte,
durch die Anlage werde "Palästina zerstückelt".
Nach Berechnungen der israelischen Menschenrechtsorganisation B'Tselem
werden sich nach Fertigstellung des Walls in etwa zwei Jahren rund
11.170 Palästinenser auf israelischer Seite befinden. Die etwa
250.000 in Ost-Jerusalem lebenden Palästinenser seien dann vom
Westjordanland abgeschnitten.
Der Verlauf der Sperranlage orientiert sich nicht an der so genannten
Grünen Linie, der Grenze vor dem Sechs-Tage-Krieg von 1967,
sondern reicht in besetztes Gebiet hinein, um jüdische Siedlungen
zu umfassen. Dadurch sind etliche palästinensische Dörfer und
Städte vom Rest des Westjordanlandes abgeschnitten. Bauern
können ihre Felder auf der anderen Seite des Zauns nur mit
Mühe erreichen. "Dieses Land wird seit Generationen vom Vater zum
Sohn vererbt", sagte der 68-jährige Bauer Ibrahim Mohammed el
Tharf in Biddija im Westjordanland. "Unsere Bäume haben alle
Kriege seit dem Osmanischen Reich bis zur heutigen Zeit
überstanden. Und nun das." Zehntausende Olivenbäume, die
Basis der palästinensischen Wirtschaft, sind gefällt worden,
um Platz für den Sperrzaun zu schaffen.
(Quellen: afp, rtr)
Klimaschutzprotokoll droht am Widerstand Russlands zu scheitern +++
Moskauer Klimakonferenz ohne Ergebnisse beendet
Sa.04.10.03 - Das Kyoto-Protokoll für Klimaschutz droht am Widerstand Russlands
zu scheitern. Präsident Wladimir Putin und sein Wirtschaftsberater
Andrej Illarionow ließen am Freitag wenig Zweifel daran, dass
Moskau eine Ratifizierung des Protokolls ablehnt. In diesem Fall
wären die für das Inkrafttreten des Abkommens festgelegten
Bedingungen nicht mehr zu erfüllen, nachdem es bereits von
mehreren großen Staaten wie den USA und China boykottiert wird.
Die UN-Klimakonferenz in Moskau ging am Freitag ohne greifbare
Ergebnisse zu Ende.
In der Debatte hatte Illarionow das Klimaschutz-Protokoll, das die
Reduzierung klimaschädlicher Emissionen vorsieht, scharf
kritisiert. "Das Kyoto-Protokoll wird das Wirtschaftswachstum
ersticken. Es würde Russland zu Armut, Schwäche und
Rückständigkeit verdammen", sagte der einflussreiche
Wirtschaftspolitiker.
Putin äußerte Zweifel an der Wirksamkeit des Abkommens.
"Selbst eine 100-prozentige Befolgung (des Abkommens) wird den
Klimawandel nicht umkehren", sagte der Präsident am Freitag auf
einer Konferenz des Weltwirtschaftsforums, die ebenfalls in Moskau
stattfand. Bereits zum Auftakt der Klima-Konferenz am Montag hatte er
sich zu dem Vertragswerk skeptisch geäußert.
Das Kyoto-Protokoll tritt erst in Kraft, wenn es von mindestens 55
Staaten ratifiziert wird, die 1990 für mindestens 55 Prozent des
Schadstoffausstoßes verantwortlich waren. Da die USA als
wichtigstes Industrieland den Vertrag ablehnen, wäre diese Quote
nur noch mit Zustimmung Russlands zu erreichen.
Entsprechend verärgert reagierten die Befürworter des
Abkommens auf die ablehnende Haltung Moskaus. Die EU-Vertretung in
Moskau veröffentlichte eine empörte Stellungnahme von
EU-Umweltkommissarin Margot Wallström, die warnte, ein Boykott des
Protokolls werde Russland politische und wirtschaftliche Nachteile
bringen.
Illarionow erwiderte, das Abkommen werde das Wirtschaftswachstum in der
EU verlangsamen. Ohnehin sei das Protokoll ohne Unterstützung der
USA und Chinas zum Scheitern verurteilt, weil diese zusammen mit
einigen weiteren Ländern für 70 Prozent der weltweiten
Emissionen verantwortlich seien. Das Ziel, das Ausmaß
klimaschädlicher Emissionen bis 2012 auf den Stand von 1990
zurückzuschrauben, sei somit nicht mehr zu erreichen.
Die Befürworter argumentierten dagegen, das Kyoto-Protokoll sei
ein wichtiger erster Schritt zur Verringerung des
Schadstoffausstoßes. Ohne ein solches Abkommen wäre ein
weiterer Anstieg der Emissionen ihrer Ansicht nach noch schwieriger zu
verhindern.
(Quelle: rtr)
Kyoto-Protokoll:
Hintergrundinformation unter:
http://www.cop4.org/kp/kp.html
http://www.wwf.de/c_bibliothek/c_hintergrund/c_hintergrund_kyoto/
c_hintergrund_kyoto17.html
http://www.greenpeace.ch/press/1997/216.html
Blick ins Archiv:
Clement und Trittin weiter uneins in Energiepolitik +++
Wirtschaftsminister: Weltklima keine deutsche Frage
So.28.09.03 - In der Energiepolitik gibt weiter keine einheitliche Linie der
Bundesregierung. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) forderte am
Samstag bei einem Energiekongress der Grünen in Berlin abermals
deutliche Einschnitte bei der Förderung erneuerbarer Energien und
äußerte erhebliche Zweifel am Ziel, den deutschen
Ausstoß von Kohlendioxid bis 2020 um 40 Prozent unter den Wert
von 1990 zu senken. Umweltminister Jürgen Trittin hielt in beiden
Punkten dagegen....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309280.htm#03092808
|
Ozonloch hält sich länger als in den Vorjahren
Sa.04.10.03 - Das Ozonloch über dem Südpol ist in diesem Jahr nach Angaben
der Vereinten Nationen auf Rekordgröße angewachsen und hat
sich entgegen früheren Jahren zunächst nicht wieder
zurückgebildet. Das Ozonloch werde größer, tiefer und
halte länger, erklärte Michael Proffitt, Experte bei der
Weltorganisation für Meteorologie (WMO [http://www.wmo.ch/]), am Freitag in Genf. "Es
war noch nie so spät (im Jahr) so groß", sagte er.
Die Ozonschicht schützt die Erde normalerweise vor der
ultravioletten Strahlung der Sonne. Beim so genannten Ozonloch ist die
Schicht stark ausgedünnt. Es entsteht seit Mitte der 80er Jahre
jedes Jahr am Ende des antarktischen Winters. In den vergangenen Jahren
habe das Loch Mitte September seine größte Ausdehnung
erreicht und sei anschließend wieder geschrumpft. In diesem Jahr
habe es Mitte September mit 28 Millionen Quadratkilometer den
Rekordwert des Jahres 2000 erreicht. Ende September habe es diesen Wert
dann erneut erreicht. Dieser Zustand könne noch längere Zeit
andauern, es gebe keine Hinweise darauf, dass das Loch kleiner werde,
sagte Proffitt.
Der dünnste Teil der Ozonschicht - mit Ozonwerten von 50 Prozent
unterhalb der 1964 bis 1976 festgestellten Werte - habe erstmals 15
Millionen Quadratkilometer überschritten. Die Spitzenausdehnung
habe fast 18 Millionen Quadratkilometer betragen. Erst vier Mal zuvor
hatte sich der dünnste Teil über mindestens zehn Millionen
Quadratkilometer erstreckt. Eine zu starke ultraviolette Strahlung kann
beim Menschen zu Hautkrebs führen und Pflanzen zerstören, die
am Anfang der Nahrungskette stehen.
(Quelle: ap)
Abstand zwischen SPD und Union so groß wie nie zuvor
Sa.04.10.03 - Die Bundesbürger haben laut ARD-"Deutschlandtrend" im Reformherbst
weiter Vertrauen in die rot-grüne Bundesregierung verloren. Wenn
am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die SPD nur
noch auf 27 Prozent. Das sind zwei Punkte weniger als vor einem Monat.
Die Union könnte dagegen um vier Punkte auf 50 Prozent zulegen.
"So groß war der Abstand zwischen Union und Sozialdemokraten noch
nie", heißt es im Oktober-Trend, den das
Meinungsforschungsinstitut Infratest-Dimap für den "Bericht aus
Berlin» erhob.
Danach sind nur noch 15 Prozent der Bundesbürger mit der Arbeit
der rot-grünen Bundesregierung zufrieden. 84 Prozent seien
unzufrieden. Einen ähnlich schlechten Wert für die Koalition
habe es zuletzt vor vier Jahren gegeben.
Weiter heißt es, für die meisten Befragten sei die SPD
momentan dabei, ihr Ansehen als Partei für die kleinen Leute
weiter zu verspielen. Zwar meine noch jeder Dritte, nach wie vor sei
die SPD die Partei, die am ehesten für soziale Gerechtigkeit
sorge. Fast genau so viele Befragte trauten das inzwischen aber auch
der Union zu.
Nach der Erhebung findet es eine breite Mehrheit von 77 Prozent falsch,
dass Bundeskanzler Gerhard Schröder wiederholt damit gedroht hat,
im Falle eines Scheiterns seines Reformkurses zurückzutreten. Im
Vergleich zu den Vorsitzenden von CDU und CSU, Angela Merkel und Edmund
Stoiber, sei Schröder nicht mehr der Favorit, wenn es um die Frage
nach der Kanzler-Direktwahl geht: Wenn sich die Bundesbürger
zwischen Merkel und Schröder entscheiden müssten, würde
die CDU-Chefin mit 44 Prozent gewinnen. Der Bundeskanzler käme nur
auf 41 Prozent.
Noch drastischer wäre der Vorsprung des Unionskandidaten bei einer
Direktwahl zwischen Schröder und Stoiber. Bayerns
Ministerpräsident käme auf 47 Prozent. Schröder nur auf
37 Prozent.
(Quelle: ap)
SPD laufen immer mehr Mitglieder davon - Unzufiredenheit mit dem
Reformprogramm der Regierung
Sa.04.10.03 - Der SPD laufen auch als Reaktion auf die Reformvorhaben der "Agenda
2010" immer mehr Mitglieder davon. Eine Austrittswelle gibt es nach
Einschätzung der meisten Landesverbände aber nicht. Nach
einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa sank die Mitgliederzahl in den
einzelnen Ländern durch Austritte seit Jahresbeginn um 1,5 bis 4
Prozent.
Der seit Anfang der 90er Jahre anhaltende negative Trend setzte sich
damit beschleunigt fort. Besonders stark war der Schwund im
mitgliederstärksten Landesverband Nordrhein-Westfalen, in
Rheinland- Pfalz und in Sachsen-Anhalt.
Insgesamt hat die SPD in Deutschland rund 670 000 Mitglieder.
In Nordrhein-Westfalen verlor die SPD seit Anfang Januar 10 200
Mitglieder, davon 7700 durch Austritt (3,9 Prozent), 2500 starben.
Zuletzt wurden 184 900 Mitglieder registriert. SPD-Landeschef Harald
Schartau nannte den Rückgang "gewaltig". Es gingen vor allem
Parteimitglieder, "die der SPD Saft und Kraft gegeben haben".
Hauptgrund für die Austritte sei die große Unzufriedenheit
mit dem Reformprogramm der Bundesregierung. "Viele sehen in der 'Agenda
2010' einen Anschlag auf den Sozialstaat", sagte Schartau.
Die bayerische SPD verlor von Januar bis Ende Juli 3300 von 91 000
Mitgliedern. Das entspricht einem Rückgang von 3,6 Prozent. "Wir
hatten über Jahre eine kontinuierliche Abnahme in geringerem
Ausmaß und jetzt eine stärkere", sagte
Geschäftsführer Hans-Peter Adler. Häufig träten
langjährige Mitglieder aus. Ursache sei meist Unzufriedenheit mit
der Bundespolitik. Zu Beginn der 90er Jahre habe die Bayern-SPD noch
etwa 110 000 Mitglieder gehabt.
Die SPD in Baden-Württemberg verlor binnen eines Jahres 3,0
Prozent ihrer Mitglieder. Am 1. September waren es 47 700, rund 1500
weniger als ein Jahr zuvor. Die Austritte seien vor allem in den
vergangenen Monaten registriert worden, sagte ein Sprecher.
In Berlin haben seit Jahresanfang 450 Mitglieder ihr Parteibuch
zurückgegeben, ein Minus von 2,4 Prozent. Jetzt sind noch 18 300
Genossen in der Kartei. In der Bundeshauptstadt seien die allermeisten
Austritte nicht auf Kritik an und Frust über die Sozialreformen
zurückzuführen, sagte Landesgeschäftsführer Ralf
Wieland. Hier seien die Mitglieder schon an den Zwang zum Sparen
gewöhnt: "Die Berliner SPD muss im Prinzip schon seit 1995 den
Haushalt sanieren und einen Sozialumbau organisieren."
Im Saarland, dem Stammland von Ex-Parteichef und Reformkritiker Oskar
Lafontaine, gab die SPD die aktuelle Mitgliederzahl mit rund 31 500 an.
Wegen der "Agenda-2010"-Diskussion habe der Landesverband unterm Strich
wohl etwa 500 Mitglieder verloren, sagte der Sprecher Thorsten
Bischoff. Das wäre ein Minus von 1,6 Prozent.
In Ostdeutschland, wo die SPD schwach organisiert ist, büßte
sie anteilig ähnlich viele Mitglieder ein wie im Westen. Die SPD
in Sachsen-Anhalt verlor seit Jahresanfang 220 Mitglieder (4,0
Prozent), jetzt sind es noch 5230. Parteisprecher Theo Struhkamp sagte
in Magdeburg: "Wir verzeichnen mehr Austritte als üblich, von
einer Welle würde ich gerade im Vergleich zu anderen Ländern
aber nicht sprechen." Die meisten Ex-Mitglieder hätten ihren
Schritt mit Unzufriedenheit über die aktuelle Politik der SPD im
Bund begründet.
Die Sachsen-SPD hatte zum 1. September 4983 Mitglieder. Binnen
Jahresfrist ging die Zahl um 175 zurück, Sterbefälle und
Umzüge eingeschlossen. Der Abwärtstrend hält nach
Angaben der SPD seit 2001 an. Von einer Austrittswelle könne nicht
die Rede sein. Die Zahl der Sozialdemokraten in Mecklenburg-Vorpommern
verringerte sich von Januar bis Juni um 65 auf 3261 (minus 2,0
Prozent). In Thüringen kehrten im ersten Halbjahr 190 Genossen der
Partei den Rücken (3,5 Prozent von 5402). Die SPD Brandenburgs mit
derzeit 7300 Mitgliedern meldet 200 Eintritte und 250 Austritte seit
Jahresbeginn. "Es gibt keine Massenaustritte wegen der 'Agenda 2010'",
sagte Landesgeschäftsführer Klaus Ness.
In Rheinland-Pfalz ergab sich folgendes Bild: Bis September 2315
Austritte (minus 4,1 Prozent), jetzt 54 400 Mitglieder. Die hessische
SPD verließen nach Angaben des Landesgeschäftsführers
Norbert Schmitt von Januar bis Ende Juli 3000 Mitglieder, 700 neue
kamen hinzu. Per Saldo ist das ein Rückgang um 2,7 Prozent auf
rund 83 000.
Die Bilanz für Schleswig-Holstein von Januar bis Ende August: 1140
Austritte, 357 Eintritte. Saldo: Minus 783 Mitglieder oder 3 Prozent.
Aktueller Stand: 25 600. Die Hamburger SPD verlor im ersten Halbjahr
per Saldo 474 Mitglieder (3,4 Prozent) und hatte am 1. Juli 13 313. Der
Bremer Verband meldet bis 30. Juni 238 Austritte und 94 Eintritte.
Bremen zählt derzeit 6258 Genossen. Keine aktuellen Zahlen lagen
aus Niedersachsen vor.
(Quelle: dpa)
DGB-Chef Sommer fordert erneut Änderungen an Reformen
Sa.04.10.03 - DGB-Chef Michael Sommer hat erneut Veränderungen an der Agenda
2010 und den Hartz-Gesetzen gefordert. Die Gewerkschaften erwarteten
einige Nachbesserungen an den Plänen der Bundesregierung, sagte
Sommer dem Berliner "Tagesspiegel" (Samstagausgabe).
"Zum Beispiel geht es um die Frage, wie die Zumutbarkeit für die
Aufnahme einer Arbeit genau geregelt wird. Es kann nicht sein, dass
auch Jobs ohne Sozialversicherungsschutz zumutbar sein sollen",
erklärte Sommer. "Und wir müssen verhindern, dass
Langzeitarbeitslosigkeit zu Altersarmut führt." Der Bundestag
stimmt am 17. Oktober über die Gesetze ab.
Der DGB-Vorsitzende kritisierte, die Rente ab 67 sei ein Trojanisches
Pferd: "Man will in Wahrheit die Renten kürzen. Wir müssen
aber die Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt so setzen, dass mehr
Menschen in Arbeit wirklich bis 65 arbeiten können", sagte Sommer.
(Quelle: ap)
Milbradt will Sozialhilfe für Arbeitsfähige abschaffen
Sa.04.10.03 - Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt plädiert
dafür, die Sozialhilfe für Arbeitsfähige abzuschaffen.
Stattdessen solle die staatliche Leistung als Zuschlag für
Billigjobber gezahlt werden, sagte Milbradt dem Nachrichtenmagazin
"Focus". "Bisher haben die Leute die Wahl, entweder Transferleistungen
zu beziehen oder zu arbeiten", sagte Milbradt und fügte hinzu:
"Wer eine Transferleistung bekommt, kann gegenwärtig kaum
dazuverdienen." Deshalb solle Sozialhilfe künftig nicht mehr als
"Lohnersatz" gezahlt werden.
(Quelle: dpa)
Experten sehen noch keine Entspannung am Arbeitsmarkt
Sa.04.10.03 - Die Konjunkturflaute hat den deutschen Arbeitsmarkt weiter fest im
Griff und die Arbeitslosigkeit im September nach Einschätzung von
Experten auf hohem Niveau gehalten.
Die unbereinigte Zahl der registrierten Arbeitslosen dürfte den
Schätzungen zufolge zwar im Monatsvergleich um 70.000 bis 90.000
auf weiter deutlich über 4,2 Millionen zurückgegangen sein.
Anders sieht es dagegen bei der saisonbereinigten Zahl aus. Dort
erwarteten von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte einen
Anstieg um 10.000 Arbeitslose im Vergleich zum August. Dabei reichten
die zwölf bis Freitagnachmittag eingegangenen Schätzungen von
einem Rückgang um 8000 bis zu einem Anstieg um 28.000.
Einigkeit herrschte darüber, dass die ersten Arbeitsmarktreformen
und der verstärkte Druck auf Arbeitslose den Anstieg wie in den
vergangenen Monaten gedämpft haben. Eine Trendwende steht aber
nicht ins Haus. Immer mehr Experten zeigen sich vielmehr skeptisch, ob
die für das kommende Jahr erhoffte Belebung der Wirtschaft
ausreichen wird, um die Arbeitslosigkeit nennenswert abzubauen. Die
amtlichen Zahlen für September legt die Bundesanstalt für
Arbeit (BA) am nächsten Donnerstag vor.
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sagte in Frankfurt:
"Es ist eine Verbesserung am Arbeitsmarkt sichtbar." Eine Wende werde
sich erst im nächsten Jahr bemerkbar machen.
Einzelne Volkswirte wie Manuela Preuschl von der Deutschen Bank gingen
von einem leichten Rückgang der saisonbereinigten Zahl um 5000
Arbeitslose aus. Nach ihren Worten dürfte die bereits in den
vergangenen Monaten erkennbare Wirkung der Arbeitsmarktreformen
ausgereicht haben, "den negativen Druck von der Konjunktur zu
neutralisieren". Durch höhere Anforderungen an die Arbeitslosen
melden sich viele aus der Statistik ab. Diese wird zudem durch die
Förderung von Existenzgründungen und Zeitarbeit von
Arbeitslosen entlastet. Mit den erhöhten
Vermittlungsaktivitäten hatte BA-Vorstandschef Florian Gerster es
begründet, dass im August die saisonbereinigte Zahl entgegen den
Erwartungen von Experten nicht weiter gestiegen war.
Die unbereinigte Zahl der Arbeitslosen dürfte im September
saisonbedingt deutlich gesunken sein. Dies ist für September
üblich, weil mit Ablauf der Sommerferien die Betriebe wieder mehr
Menschen einstellen und der neue Ausbildungsjahrgang anläuft. Auch
das gute Wetter dürfte eine Rolle gespielt haben. Die
"Bild"-Zeitung berichtete unter Berufung auf erste interne Berechnungen
der BA von einem Rückgang um rund 90.000. Auch Banken-Volkswirte
rechneten mit einem Rückgang in dieser Größenordnung.
Dies dürfte sich im Oktober fortsetzen, bis im November der
übliche Winteranstieg einsetzt.
Mit einer Trendwende am Arbeitsmarkt rechnen Experten aber
frühestens im späteren Verlauf des nächsten Jahres.
"Dass die Beschäftigung merklich anzieht, erwarte ich
frühestens für das zweite Quartal", sagte Preuschl.
Pessimistischer zeigten sich Stefan Mütze von der Helaba und
Andreas Rees von der HypoVereinsbank. "Wir gehen eher von einer
Stabilisierung aus, erwarten aber keine Trendwende", sagte Mütze.
Die HypoVereinsbank erwartet sogar, dass die Arbeitslosigkeit auch 2004
nicht verringert werden kann. Rees verweist darauf, dass die
Beschäftigungsschwelle, ab der neue Arbeitsplätze
entstünden, bei einem Wirtschaftswachstum von etwa zwei Prozent
liege. Im Aufschwung drängten aber nicht nur registrierte
Arbeitslose, sondern auch Unbeschäftigte aus der so genannten
stillen Reserve auf den Arbeitsmarkt. Damit Arbeitslosigkeit reduziert
werde, sei daher sogar ein Wirtschaftswachstum von 2,75 Prozent
notwendig. "Beide Schwellen sind nicht in Reichweite", dämpft Rees
die von der Regierung verbreitete Zuversicht. "Wenn wir ganz
großes Glück haben und Super-Optimisten wie die
Bundesregierung Recht haben, werden wir gerade mal die Schwelle bei
zwei Prozent erreichen."
(Quelle: rtr)
Datenschutz-Stichproben bei Webseiten-Betreibern in Baden-Württemberg
Sa.04.10.03 - Die Aufsichtsbehörde für den Datenschutz im
nichtöffentlichen Bereich des Innenministeriums
Baden-Württemberg hat an einige Webseiten-Betreiber einen
umfangreichen Fragebogen versandt, teilte der Interessenverband
Europäischer Webmaster (IVEW) seinen Mitgliedern mit. Unter
Hinweis aufs Bundesdatenschutzgesetz (BDSG),
Teledienstedatenschutzgesetz (TDDSG) und weitere Vorschriften verlangt
die Behörde von in Baden-Württemberg ansässigen
Webseiten-Betreibern die Beantwortung zahlreicher Fragen.
Der Fragebogen geht ins Detail: Neben Fragen zur Erhebung, Bearbeitung
und Speicherung der Daten wird beispielsweise auch abgefragt, ob die
Webseite mit Cookies arbeitet, wie lange diese gespeichert werden und
ob der Nutzer hierüber unterrichtet wird.
Nach Auswertung der Fragebogen soll sich bei Bedarf eine genauere
Prüfung anschließen.
Mehr bei heise-online unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/uma-02.10.03-000/
Microsoft wegen Sicherheitslücken vor Gericht
Sa.04.10.03 - Ein Rechtsanwalt hat beim kalifornischen Superior Court in Los Angeles
Klage gegen Microsoft eingereicht - der Vorwurf: Der
Software-Hersteller begünstige durch seine Geschäftspraktiken
und mangelnde Sicherheitsmechanismen die Verbreitung von Viren,
Würmern und andere Angriffe. Weiter wird kritisiert, dass
Microsoft seine Kunden nicht hinreichend über Lücken
informiere und ihnen nicht genügend dabei helfe, sie zu
schließen.
Anders als bisherige Versuche, solche Ansprüche von Kunden
durchzusetzen, hebt diese Klage auf zwei Besonderheiten ab: Einerseits
hätten Computer-Nutzer keine andere Wahl als Microsoft-Produkte
einzusezten; andererseits stellten die Versäumnisse Microsofts
eine unfaire Geschäftspraktik nach kalifornischem Recht dar.
Sollten sich Mitkläger finden, könnte daraus eine Sammelklage
entstehen, deren Ausgang die Rechtsprechung zur Herstellerhaftung
für Schäden durch Sicherheitslücken beeinflusst.
(Quelle: heise-online)
Studie: UMTS-Funk verursacht Brechreiz
Sa.04.10.03 - Das niederländische Institut TNO Nutrition and Food Research [http://www.voeding.tno.nl] hat
die gesundheitlichen Auswirkungen des gegenwärtig üblichen
mit denen des kommenden Mobilfunks der dritten Generation (3G)
verglichen. Dazu haben die Forscher zwei Testgruppen untersucht, die
nicht wussten, welcher Strahlung sie ausgesetzt waren. Die Menschen
unter Einfluss von 3G-Basisstationen sollen in signifikant höherem
Maße Symptome wie Kopfschmerzen und Übelkeit aufgewiesen
haben, heißt es in Medienberichten. Herkömmliche
Mobilfunkstrahlung habe dagegen in dieser Hinsicht keine negative
Auswirkung gezeigt, heißt es.
Allerdings beeinflusse Mobilfunk generell die kognitiven
Fähigkeiten der Menschen wie zum Beispiel das
Erinnerungsvermögen, meinen die Forscher. Sowohl herkömmliche
als auch 3G-Strahlung verursache eine höhere "Wachsamkeit". Die
Studie war von der niederländischen Regierung in Auftrag gegeben
worden und soll der Europäischen Kommission vorgelegt werden. Nun
sollen durch weitere Studien die Ergebnisse überprüft und
eventuelle langfristige Folgen der 3G-Strahlung untersucht werden.
(Quelle: heise-online)
«Kein Atomkraftwerk ist ohne unsere Kritik ans Netz gegangen»
Dieter Hildebrandt verabschiedet sich mit seinem 'Scheibenwischer' vom
Bildschirm
Sa.04.10.03 - Fast ein Vierteljahrhundert nach der ersten Sendung hat sich Dieter
Hildebrandt mit seinem "Scheibenwischer" vom Bildschirm verabschiedet.
Mit einer furiosen Show nahmen der Kabarettist und viele seiner
Kollegen am Donnerstagabend live in der ARD die politische Klasse ins
Visier.
Ob SPD-Krise, Rau-Nachfolge oder Irak-Krieg: Hildebrandt, Bruno Jonas,
Georg Schramm, Richard Rogler oder Volker Pisper blickten auf die
vergangenen zwei Jahrzehnte Bundesrepublik mit einer Mischung aus Wut
und Wehmut zurück.
Dem Gala-Publikum, darunter Bundestagspräsident Wolfgang Thierse
und Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), blieb das Lachen zuweilen
im Hals stecken. Gleich zu Beginn erschien Georg Schramm mit
Trauerbinde auf der Bühne. Nein, die gelte nicht dem scheidenden
Hildebrandt, sondern der toten Leni Riefenstahl, klärte er
strammdeutsch seinen Kollegen Jonas auf. "Der Führer hat sie zu
sich gerufen".
Nazi-Sympathisanten, Kriegstreiber, Kapitalisten: Hildebrandts
Kabarett-Welt lebte im Veranstaltungszelt "tipi" in Steinwurfnähe
vom Bundeskanzleramt ein letztes Mal zur Hauptsendezeit auf. Zu ihr
gehörten ein Münchner Richter, dem Hildebrandt
Neonazi-Sympathien nachsagte, und George Bush, der die Deutschen
endlich in ein Volk von Pazifisten verwandelt habe.
Als ein Hubschrauber über das Festzelt im Berliner Tiergarten
ratterte, blickte Hildebrandt in Richtung Schröder-Domizil: "Haut
der ab?", fragte er nur scheinbar besorgt.
"Kein Atomkraftwerk ist ohne unsere Kritik ans Netz gegangen",
beschworen die Kabarettisten die (Ohn-) Macht der Polit-Satire. "Wir
haben uns gegenseitig verdient", rief Bruno Jonas seinen Kollegen auf
der Bühne und den Gegnern zu.
(Quelle:dpa )
Am Ende war es ein einziges alttestamentarisches Donnergrollen
Ein fulminantes Solo des vortrefflichsten unter allen möglichen
Hildebrandt-Nachfolgern: Georg Schramm. Es war eine wütende
Abrechnung mit den "politischen Hampelmännern, die uns Demokratie
vorspielen dürfen". Mit denen, die bei den Klofrauen Illner und
Christiansen" oder an der "emotionalen Pissrinne von Kerner und
Beckmann" ihre Sprechblasen entleeren. Da war das ohnehin schon
beachtliche "Scheibenwischer"-Finale an seinem Höhepunkt angelangt.
Schramms kalkulierter Zornesausbruch wandte sich gegen die
"öffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalten", in deren
Quotenschüssel jetzt auch das politische Kabarett auf immer und
ewig weggespült zu werden droht. Er wetterte gegen den
"Urnenpöbel", weil dem das Interesse an politischen Inhalten
verloren gehe. Fast wollte man in Deckung gehen, so kräftig
schleuderte Schramm seine Feuerblitze.
Und plötzlich endete das politische Fernsehkabarett einmal wieder
dort, wo es in seinem Frühling einmal war - zu Zeitem von
Kiesinger, Strauß oder dem BR-Fernsehdirektor Oeller (Abschalten
des "Scheibenwischers" am 22.Mai 1986 wegen "nicht
gemeinschaftsverträglicher" Elemente) Zurück in einer
mitreißenden Unängstlichkeit. In einer unbestechlichen
Ehrlichkeit gegenüber den regierenden Freunden der Sozialdemokratie,
die lustvoll zersaust wurden. Alles in allem: Viel bissiger als der
sich derzeit in stumpfer Selbstgenügsamkeit erschöpfende
Harald Schmidt.
Die "Scheibenwischer"-Gala in einem Zelt unweit des Kanzleramtes war -
trotz der ungehörigen Zwangsverrentung durch die ARD - ein
würdiger Abschied für den 76-jährigen Dieter Hildebrandt
(...) .
Süddeutsche Zeitung vom 04.10.03
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