Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertundersten Tag nach Kriegsbeginn
Weltsicherheitsrat erörtert US-Vorschlag für neue
Irak-Resolution +++ Russlands Präsident warnt USA vor langem Krieg
in Irak +++ Erneut Gewalt bei Demonstration irakischer Ex-Soldaten
für Auszahlung von Sold: US-Truppen mit Steinen beworfen.
Britische Truppen schießen mit Gummigeschossen auf Demonstranten
+++ US-Waffeninspekteur Kay sieht keine Hinweise auf irakische
El-Kaida-Verbindung +++ Dänische Regierung wegen Begründung
des Irak-Kriegs in Bedrängnis
Mo.06.10.03 - Der Weltsicherheitsrat erörtert heute in New York den Entwurf der
USA für eine neue Irak-Resolution. Angesichts der Kritik von
UN-Generalsekretär Kofi Annan sieht die US-Regierung die sicher
geglaubte Zustimmung für ihren Entwurf jedoch in
Gefahr. Ein hochrangiger Mitarbeiter Annans hatte das von
Washington vorgeschlagene UNO-Mandat im Irak als "undurchführbar"
abgelehnt und klare Zuständigkeiten gefordert.
US-Außenminister Colin Powell versicherte Annan nach US-Angaben,
die Resolution werde den Weg für eine stärkere Rolle der UN
bei der Gestaltung Iraks ebnen.
Der russische Präsident Wladimir Putin hat die USA vor einem
langen Krieg in Irak gewarnt. Irak könne zu einem "neuen Zentrum,
einem neuen Magneten für alle zerstörerischen Elemente
werden", sagte Putin in einem Interview mit der "New York Times"
(Montagsausgabe). Eine Vielzahl von Terrororganisationen seien seit dem
Sturz der Regierung von Saddam Hussein nach Irak eingedrungen, sagte
Putin. Die USA müssten dem irakischen Volk rasch die
Souveränität übertragen. Eine neue Irak-Resolution
müsse zudem klar definieren, wie lang internationale
Streikräfte noch im Land bleiben. Solange die Besatzung nicht
international legitimiert sei, werde die Gewalt gegen die US-Truppen
nicht enden, sagte Putin.
Derweil setzten Angehörige der ehemaligen irakischen
Streitkräfte am Sonntag ihre Protestaktionen für die
Auszahlung eines Übergangssolds fort. In der südirakischen
Stadt Basra feuerten britische Truppen mit Gummigeschossen auf die
Demonstranten, die Steine warfen und Reifen in Brand setzten. Bei
Zusammenstößen ehemaliger Soldaten und Koalitionstruppen
wurden am Samstag in Basra und Bagdad drei Demonstranten erschossen und
Dutzende verletzt.
Sechs Personen wurden am Sonntag in Basra festgenommen, wie
Militärsprecher Major Charlie Mayo berichtete. Die Unruhen
hätten begonnen, nachdem Vertreter der US-Verwaltungsbehörde
und der Polizei den Exsoldaten am Sonntagmorgen erklärt
hätten, dass sie ihre 40 Dollar Sold nicht erhalten würden.
Demonstranten hätten bei Protestaktionen am Vortag die Liste mit
den Namen der Empfänger verbrannt. Die ehemaligen Soldaten seien
aufgebracht gewesen, dann aber nach Hause gegangen. In Basra sagte ein
Demonstrant, die ehemaligen Soldaten benötigten Arbeit und Geld.
"Wir haben für eine ganze Weile keinen Sold bekommen. Wir wollen
unser Recht so wie alle anderen auch."
Die von den USA geführte Verwaltung hatte Ende Mai die Armee des
Saddams aufgelöst. Sie hatte später zugesagt, den seit
Kriegsende etwa 440.000 ehemaligen beschäftigungslosen Soldaten
eine einmalige Abfindungen zu zahlen.
Auch in Bagdad versammelten sich erneut hunderte Exsoldaten vor einem
US-Stützpunkt, um für ihre Bezahlung zu demonstrieren.
Polizeichef Hassan el Obeidi forderte sie auf, ein Komitee zu bilden
und ihre Forderungen am Montag den Behörden vorzulegen.
Die Unruhen am Samstag hatten vor einem US-Stützpunkt begonnen und
sich dann in den Bezirk Mansur verlagert, wo die Randalierer
Spirituosenländen plünderten und in Brand setzten. Ein
irakischer Polizeioberst überzeugte die Demonstranten
schließlich, sich in einer Reihe aufzustellen, damit sie ihren
Sold erhalten könnten. Zwei Exsoldaten wurden in Bagdad
getötet, ein weiterer wurde in Basra von britischen Soldaten
erschossen.
Die US-Waffeninspekteure für Irak haben nach den Worten ihres
Leiters David Kay bislang keine Verbindung zwischen der gestürzten
irakischen Regierung und dem Terrornetzwerk El Kaida entdeckt. Sein
Inspektorenteam habe trotz intensiver Recherchen keine Hinweise darauf
gefunden, dass El Kaida sich in Irak um Massenvernichtungswaffen
bemüht habe, sagte Kay dem US-Fernsehsender Fox News. Dennoch sei
er auf Dokumente gestoßen, die auf "verschiedene terroristische
Verbindungen" hindeuteten.
Nach der britischen und der US-Regierung muss sich unun auch die
dänische Regierung wegen angeblich falscher Beweise zur
Begründung des Irak-Kriegs rechtfertigen. Die liberal-konservative
Regierung habe den Einsatz dänischer Solaten in Irak "auf
Lügen" aufgebaut und "falsche und entstellte Beweise" verwendet,
hieß es am Sonntag in der auflagenstarken Zeitung "Ekstra
Bladet". In einer 30-seitigen Sonderbeilage beschuldigten Experten aus
mehreren Ländern die Regierung von Ministerpräsident Anders
Fogh Rasmussen, die Öffentlichkeit über die Existenz von
Massenvernichtungswaffen in Irak in die Irre geführt zu haben. Am
Samstag hatte bereits eine Radio-Dokumentation ähnliche
Vorwürfe erhoben.
(Quellen: afp, rtr, ap)
Nahost-Konflikt:
Israel verteidigt Angriff auf Syrien vor Sicherheitsrat +++ UN vertagt
Abstimmung über Israel +++ Bewaffneter Arm der Hamas droht Israel
mit Angriff ins 'Herz' +++ Arafat erklärt Notstand in
Palästinenser-Gebieten +++ Kureia zum palästinensischen
Ministerpräsidenten ernannt
Mo.06.10.03 - Israel hat seinen Luftangriff auf ein mutmassliches Trainingslager
palästinensischer Extremisten in Syrien vor dem UN-Sicherheitsrat
verteidigt. Der Angriff sei "eindeutig ein Akt der Selbstverteidigung",
sagte der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman am Sonntagabend in
einer Sondersitzung des Sicherheitsrats. Die Sitzung wurde auf Antrag
Syriens einberufen, das eine Verurteilung des israelischen Angriffs
durch den Sicherheitsrat forderte. Die Sitzung wurde am späten
Sonntagabend (Ortszeit) ohne Ergebnis vertagt.
Der syrische UN-Botschafter Fajssal Mekdad warf Israel vor, sich immer
wieder über das internationale Völkerrecht hinwegzusetzen.
Dies gehe so weit, dass "Araber und viele Menschen in der ganzen Welt
den Eindruck haben, dass Israel über dem internationalen Recht
steht". Er forderte eine Resolution, in der Israel aufgerufen wird,
Handlungen einzustellen, die zu "unkalkulierbaren Konsequenzen" und zur
Gefährdung des Friedens in der Region führen könnten.
Die Abstimmung über den Antrag wurde jedoch verschoben, weil
mehrere Botschafter sich erst mit ihren Regierungen beraten wollten.
Ein neuer Termin wurde nicht festgelegt.
In der Debatte warf der israelische Botschafter Gillerman Syrien vor,
terroristischen Organisationen Zuflucht zu bieten und sie mit
Trainingslagern und Spenden zu unterstützen. Der Luftangriff galt
nach israelischen Angaben einem Ausbildungslager der Organisation
Islamischer Dschihad, die sich zu dem blutigen Selbstmordanschlag von
Haifa am Samstag bekannt hatte. Nach Berichten syrischer Anwohner
gegenüber der Nachrichtenagentur AP wurde das Lager allerdings
schon lange nicht mehr genutzt.
Gillerman erklärte, es sei zynisch, dass wegen des Luftangriffs
eine Sondersitzung des Sicherheitsrats anberaumt werde, nicht aber nach
dem Terroranschlag vom Samstag. Er gehe davon aus, dass die USA die von
Syrien vorgeschlagene Resolution ablehnten.
US-Botschafter John Negroponte warf Syrien vor, "im Krieg gegen den
Terrorismus auf der falschen Seite zu stehen". Mit Blick auf den
israelischen Luftangriff rief er alle Seiten auf, "eine
Verschärfung der Spannungen zu vermeiden und über die Folgen
ihrer Handlungen nachzudenken".
Der deutsche UN-Botschafter Gunter Pleuger forderte, der "Teufelskreis
von Gewalt und Gegengewalt" müsse durchbrochen werden.
Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte den Bombenangriff zuvor mit
deutlichen Worten verurteilt. Die Aktion sei "nicht akzeptabel". Die
Verletzung der Souveränität eines anderen Landes mache die
Lage im Nahen Osten komplizierter.
UN-Generalsekretär Kofi Annan erklärte am Sonntagabend, er
sei besorgt, dass die "Eskalation einer ohnehin schon gespannten und
schwierigen Lage die Konflikte im Nahen Osten vergrössern
könnte". Die ständigen Sicherheitsratsmitglieder Frankreich,
China und Grossbritannien verurteilten den Luftangriff ebenfalls.
"Israel sollte sich durch seinen berechtigten Zorn über den
andauernden Terrorismus nicht zu Aktionen verleiten lassen, die sowohl
den Friedensprozess als auch seine eigenen Interessen unterminieren",
sagte der britische UN-Botschafter Jones Parry.
Nach dem israelischen Luftangriff auf ein palästinensisches Lager
in Syrien hat der bewaffnete Flügel der radikalislamischen
Hamas-Organisation, die Essedin-el-Kassam-Brigaden, zu Angriffen ins
"Herz" Israels aufgerufen. Das geht aus einem Aufruf an die
Anhänger hervor, der am Sonntag bei der Nachrichtenagentur AFP in
Gaza einging. "Jede Gewalt gegen ein arabisches oder islamisches Land
wird als Gewalt gegen das palästinensische Volk gewertet",
hieß es darin weiter. Auf den Angriff vom Sonntag in Syrien
müsse es eine "schnelle Antwort" "ins Herz Israels" geben, die
"abschreckende" Wirkung habe.
Palästinenser-Präsident Jassir Arafat hat am Sonntag den
Notstand in den Palästinenser-Gebieten erklärt.
Er habe ein entsprechendes Dekret ausgestellt, teilte Arafats Büro
in Ramallah im Westjordanland mit.
Außerdem hat Arafat am Sonntag per Dekret Ahmed Kureia zum
Ministerpräsidenten und Leiter eines acht Mitglieder umfassenden
Notstandskabinetts ernannt. Kureia kann damit auch sofort auf den
jüngsten Selbstmordanschlag reagieren, bei dem am Samstag 19
Israelis getötet worden waren. Arafat hatte den Anschlag als den
Interessen der Palästinenser widersprechend verurteilt. Kureias
Kabinett soll am Dienstag vereidigt werden und kann zunächst einen
Monat regieren. Zur Verlängerung um einen weiteren Monat ist eine
Zweidrittelmehrheit im Parlament erforderlich.
Die Ernennung Kureias soll wohl Schritte Israels gegen Arafat
verhindern, nachdem Israel schon Anfang September mit der "Entfernung"
Arafats gedroht hatte. Dieser sei nach dem Bombenanschlag sehr besorgt
gewesen, erklärten Mitarbeiter. Und die USA, der wichtigste
Unterstützer Israels, ist offenbar bereit, Kureia eine Chance zu
geben. Es wird aber nicht erwartet, dass er versucht, die militanten
Gruppen zu entwaffnen. Die palästinensische Regierung
befürchtet in diesem Fall einen Bürgerkrieg. Eine Reaktion
aus Israel lag wegen des Feiertags Jom Kippur zunächst nicht vor.
Kureia, der derzeit noch Parlamentspräsident ist, war schon im
vergangenem Monat mit der Regierungsbildung beauftragt worden und
wollte eigentlich erst am Mittwoch ein umfangreiches Kabinett
vorstellen. Kureia sagte der Nachrichtenagentur AP, angesichts der
schwierigen Lage für das palästinensische Volk habe Arafat
per Dekret "den Notstand ausgerufen und ein Notstandskabinett
eingesetzt, das von mir geleitet wird". Er werde sich auch
bemühen, den von den USA unterstützen internationalen
Friedensplan umzusetzen. Er wolle daran arbeiten, "das Chaos in den
palästinensischen Gebieten zu beenden".
Drei Amtsbereiche seien schon zugewiesen worden, sagte Kureia. Nabil
Schaath übernehme das Aussenministerium, Salam Fajad das
Finanzministerium und Nasser Jussef das Innenministerium. Die vier
weiteren Kabinettsmitglieder seien der derzeitige Chefunterhändler
Sajeb Erakat, der derzeitige Erziehungsminister Nabil Abul Hummus,
Dschamal Schobaki, der für kommunale Angelegenheiten
zuständig ist, sowie zwei Abgeordnete der Fatah, Abdel Rahman
Hamad und Dschauad Tibi.
(Quelle: afp, ap, rtr)
...Der israelische Friedensaktivist Uri Avnery erklärte zum
Luftangriff, dass Israel in Syrien einen Stellvertreterkrieg
führe. "Die USA können sich im Moment keinen weiteren
Angriffskrieg in der Region leisten", so Avnery am Sonntag. "Deswegen
hat Israel die Erlaubnis zu diesem Überfall erhalten." Seiner
Meinung nach steht die syrische Regierung als nächstes auf der
persönlichen Abschussliste George W. Bushs...
Quelle: telepolis (06.10.03)
http://www.telepolis.de/deutsch/special/ost/15777/1.html
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UN-Bericht: Jeder sechste Mensch wohnt in einem Slum +++
Bevölkerung der Elendsviertel droht sich bis 2020 zu verdoppeln
Mo.06.10.03 - Jeder sechste Mensch lebt in einem Slum. Weltweit haben die
Elendsviertel rund eine Milliarde Einwohner, heißt es in einem
neuen Bericht der Vereinten Nationen. Diese Zahl könnte sich bis
2020 verdoppeln, wenn nichts dagegen unternommen wird, warnen die
UN-Experten. Schon jetzt lebten die Hälfte aller Stadtbewohner
weltweit in Slums. Definiert sind sie als Viertel, in denen
grundlegende Dienstleistungen nicht verfügbar sind, zum Teil nicht
einmal frisches Wasser, mit notdürftig errichteten,
überfüllten Unterkünften.
Bedrohlich ist die Entwicklung dem Bericht zufolge besonders in Asien
und Afrika, wo der Zuzug in die Städte anders als auf den anderen
Kontinenten unvermindert anhält. Asien hat mit 554 Millionen
Menschen schon jetzt die größte Slumbevölkerung, in
Afrika ist mit 71 Prozent der Anteil der Slumbewohner an der
Gesamtbevölkerung am höchsten. Die beim Millennium-Gipfel der
Vereinten Nationen vor drei Jahren erklärte Absicht, bis 2020 das
Leben von mindestens 100 Millionen Slumbewohnern zu erleichtern, werde
bislang nicht umgesetzt, kritisieren die Experten.
(Quelle: ap)
UN-Bericht "The Challenge of Slums" unter:
http://www.unhabitat.org/register/item.asp?ID=1022
Ein weiterer Bericht zum Thema unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/15784/1.html
Kadyrow gewinnt offenbar Präsidentenwahl in Tschetschenien +++
Menschenrechtsgruppen bezeichneten die Wahl als Farce
Mo.06.10.03 - In der russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien ist am Sonntag der
von Moskau favorisierte Amtsinhabers Achmad Kadyrow offenbar schon in
der ersten Runde zum neuen Präsidenten gewählt worden.
Ministerpräsident Anatoli Popow erklärte am Abend laut einem
Bericht der Nachrichtenagentur ITAR-Tass, ersten Ergebnisse zufolge
habe Kadyrow in den meisten Stimmbezirken mehr als 80 Prozent bekommen.
Und Interfax meldete unter Berufung auf Mitglieder der Wahlkommission,
Kadyrow könne mit mehr als 70 Prozent rechnen.
Menschenrechtsgruppen bezeichneten die Wahl angesichts des anhaltenden
Krieges als Farce. Die russische Regierung hatte sich massiv für
Kadyrow eingesetzt, der vor drei Jahren als Verwaltungschef eingesetzt
worden war. Zu der Wahl waren 561.000 registrierte Wähler
aufgerufen. Eine Stunde vor Schließung der Wahllokale um 20.00
Uhr (18.00 Uhr MESZ) hatten nach Angaben der Wahlkommission über
81 Prozent ihre Stimme abgegeben. Die Mindestbeteiligungshürde von
30 Prozent wurde nach Berichten der Nachrichtenagentur Interfax bereits
gegen Mittag übersprungen. Erste offizielle Ergebnisse wurden am
Montag erwartet.
Kadyrow, der gegen sechs kaum bekannte Kandidaten antrat, kündigte
an, das er "alle Verbrechen" aufklären lassen werde, die in den
vergangenen elf Jahren in Tschetschenien verübt worden seien. Zwei
Kandidaten, die in Umfragen vor Kadyrow gelegen hatten, waren vor der
Wahl ausgeschieden: Aslambek Alsachanow wurde Berater von
Präsident Wladimir Putin, und Malik Saidullajews Kandidatur wurde
am selben Tag vom Obersten Gericht Tschetscheniens für
ungültig erklärt.
Seit dem Wiedereinmarsch russischer Truppen 1999 herrscht in
Tschetschenien ein blutiges Patt zwischen den Streitkräften und
den Rebellen. Fast täglich gibt es auf beiden Seiten Tote. Die
Russen setzen schwere Waffen ein, die Rebellen fügen ihnen bei
Guerilla-Angriffen immer wieder Verluste zu.
Der Europarat und die Organisation für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa (OSZE) haben offiziell aus
Sicherheitsgründen keine Wahlbeobachter nach Tschetschenien
geschickt. Der russische Außenamtssprecher Alexander Jakowenko
sagte dazu, jene, "die die Gastfreundschaft der tschetschenischen
Behörden ignorieren, verlieren die Fähigkeit, dieses
Schlüsselereignis im Leben des tschetschenischen Volks
qualifiziert zu beurteilen".
Im März war in einem Referendum eine regionale Verfassung
gebilligt worden, die die Befugnisse der künftigen Regierung
entscheidend ausweitet. Außerdem wurde den Separatisten im Falle
einer freiwilligen Entwaffnung eine Amnestie angeboten.
(Quelle: ap)
Russische Journalistin mit Lettre-Reportagenpreis ausgezeichnet
Mo.06.10.03 - Die russische Journalistin Anna Politkovskaja ist mit dem erstmals
verliehenen Lettre Ulysses Preis für die beste literarische
Reportage der Welt ausgezeichnet worden. Für ihr bisher nur auf
Französisch erschienenes Buch "Tchétchénie: Le
deshonneur russe" (etwa: Tschetschenien: Die russische Schande,
Buchet/Castel, Paris 2003) erhielt die Journalistin am Samstagabend in
Berlin den mit 50 000 Euro dotierten Preis der Literaturzeitschrift
"Lettre International". Die 1958 geborene Politkovskaja habe mit Mut
und Genauigkeit die Tragödie des Tschetschenien-Krieges
beschrieben, hieß es in der Begründung der internationalen
Jury.
In dem Buch schildert sie auch ihre Erfahrungen als Vermittlerin bei
der Geiselnahme des Moskauer Musicaltheaters Nordost durch
tschetschenische Rebellen im Oktober 2002. Russische Spezialeinheiten
stürmten das Theater, 41 Geiselnehmer wurden getötet,
mindestens 129 Besucher kamen durch eingesetztes Spezial-Gas ums Leben.
Das Buch habe bislang keinen russischen Verlag gefunden, hieß es.
Auf Deutsch ist 2003 im DuMont Verlag eine früheres Buch
Politkovskajas erschienen: "Tschetschenien - die Wahrheit über den
Krieg".
Der somalische Autor Nuruddin Farah erhielt den zweiten Preis (30 000
Euro) für eine Reportage über das Schicksal der
Flüchtlinge aus Somalia (Yesterday Tomorrow - Voices from the
Somali Diaspora). Der dritte Preis (20 000 Euro) ging an den Chinesen
Jiang Hao für einen Bericht über illegale Jäger in der
Mongolei (Revealing the Secrets of Poachers).
Vier weitere Finalisten erhielten Stipendien in Form von
Arbeitsaufenthalten in deutschen Kulturinstitutionen. Dazu gehören
Adrian Nicole LeBlanc (Random Family - Love, Drugs, Trouble, and Coming
of Age in the Bronx) Ian Buruma (Bad Elements - Chinese Rebels from Los
Angeles to Bejing), Linda Polman (We Did Nothing) und Marc Tully und
Gillian Wright (India in Slow Motion).
Mit dem von der Aventis Stiftung und dem Goethe-Institut
geförderten Preis will die Zeitschrift "Lettre International" in
Zukunft jedes Jahr herausragende literarische Reportagen auszeichnen.
Damit solle das Verständnis für kulturelle Vielfalt
unterstützt werden, hieß es. Die sieben nominierten
Reportagen stammen aus den USA, aus Afrika, China, Indien, Europa und
Russland.
Sie behandeln die Situation der chinesischen Dissidenten, die
somalische Diaspora, das Leben von Wilderern und
Parteifunktionären in China, die soziale Realität der New
Yorker Bronx, den Tschetschenien-Krieg, das Krisenmanagement der
Vereinten Nationen sowie die Entwicklung des indischen Subkontinents.
Der Jury gehörten unter anderem die britische Journalistin Isabel
Hilton, der deutsche Autor Hans Christoph Buch und der chilenische
Schriftsteller Jorge Edwards an. Beratende Mitglieder waren unter
anderem Literaturnobelpreisträger Günter Grass und der
polnische Schriftsteller Ryszard Kapuzscinski.
(Quelle: dpa)
Der erstmals verliehene "Ulysses Award for the Art of Reportage" scheint den Autorenkult zu feiern -
Kritische Anmerkungen bei telepolis (07.10.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/konf/15794/1.html
Reformstreit in Deutschland:
SPD: Dutzende von Änderungswünsche an Arbeitsmarktplänen
der Regierung +++ Union: Merkel verteidigt Herzog-Vorschläge gegen
Seehofers Kritik
Mo.06.10.03 - Im SPD-Reformstreit haben nach Einschätzung der Parlamentarischen
Linken rund 20 Kritiker ihre Änderungswünsche zu den
anstehenden Sozialreformen schriftlich an die Fraktionsspitze
übermittelt. Der SPD-Sozialpolitiker Ottmar Schreiner drohte mit
einer Ablehnung der Reformvorhaben im Bundestag, falls die
Regierungspläne nicht noch grundlegend geändert würden.
Der Sprecher der Parlamentarischen Linken, Michael Müller, sagte
der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag, er selbst habe rund 20
Briefe mit Kritikpunkten erhalten und gehe davon aus, dass
Fraktionschef Franz Müntefering ähnlich viele bekommen habe.
"Die Kritik konzentriert sich im wesentlichen auf vier Punkte, und die
halte ich alle für machbar." Details wollte er nicht nennen. Der
bayerische SPD-Abgeordnete Fritz Schösser erklärte
Reuters-TV, er habe die Fraktionsführung auf soziale
Ungerechtigkeiten in den Plänen hingewiesen, wolle die
Reformvorhaben insgesamt jedoch nicht blockieren. Der parlamentarische
Fraktionsgeschäftsführer Wilhelm Schmidt sagte, mit
Müntefering sei vereinbart, bis Montag keine Einzelheiten zu den
eingegangenen Vorschlägen zu nennen.
Am Montag dürfte der Reformstreit auch den SPD-Vorstand sowie den
geschäftsführenden Fraktionsvorstand beschäftigen.
Müntefering hatte die SPD-internen Kritiker der anstehenden
Reformen aufgefordert, ihre Forderungen bis zum Wochenende schriftlich
vorzulegen. Damit soll sicher gestellt werden, dass die rot-grüne
Koalition bei den Bundestagsabstimmungen am 17. Oktober über die
Arbeitsmarkt-Reformen, die Gemeindefinanz- und die Sozialhilfereform
eine eigene Mehrheit erreicht. Bei der Abstimmung über die
Gesundheitsreform am Freitag voriger Woche war die eigene Mehrheit nur
knapp zu Stande gekommen. Sechs Abgeordnete der SPD stimmten mit Nein.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat mit Rücktritt
gedroht, falls die Koalition den anstehenden Reformen die Zustimmung
versagt. Zuletzt hat sich aber eine Annäherung abgezeichnet.
Schröder zeigte sich zuversichtlich, dass die Reformpläne
seiner Agenda 2010 ab nächstem Jahr ihre positive Wirkung für
Wirtschaftswachstum und Beschäftigung entfalten würden. "Ich
bin überzeugt, dass am Ende Verständigungen auch mit der
Opposition möglich sind", sagte er der ägyptischen Zeitung
"El Ahram".
Schreiner sagte in der "Bild am Sonntag": "Wenn die Gesetzentwürfe
nicht nennenswert nachgebessert werden, kann ich nicht zustimmen. Damit
wäre ich vermutlich nicht allein. Ein erheblicher Teil der
Fraktionen von SPD und Grünen tut sich mit den Hartz-Gesetzen
außerordentlich schwer." Er gehe aber davon aus, dass die
SPD-Fraktionsführung den Ernst der Lage erkenne und zu
maßgeblichen Änderungen bereit sei.
Es müsse verhindert werden, dass das Armutsrisiko für
Arbeitslose und deren Familien steige. "Arbeitslose dürfen nicht
dazu gezwungen werden, praktisch jeden Job zu noch so geringen
Löhnen anzunehmen." Die Löhne müssten deutlich oberhalb
des Sozialhilfesatzes liegen. Zudem dürften Lebensversicherungen,
die der Altersvorsorge dienten, nicht auf das Arbeitslosengeld
angerechnet werden. Die Reformen seien Gewissensfragen, die jeder
Abgeordnete für sich selbst entscheiden müsse, betonte er.
Die SPD-Abgeordnete Sigrid Skarpelis-Sperk sagte dem Blatt, ein
Facharbeiter dürfe nicht weit unter Qualifikation eingesetzt
werden. "Das wäre so, als wenn der Wirtschaftsminister
plötzlich Würstchen beim VfL Bochum verkaufen müsste."
Ihr Kollege Rüdiger Veit forderte im "Tagesspiegel am Sonntag",
das künftige Arbeitslosengeld müsse "leidlich armutsfest
ausgestaltet werden". Schösser sagte in Schöllkrippen, er
habe Müntefering eine ganze Reihe von
Verbesserungsvorschlägen genannt. "Ich gehe davon aus, dass man
jetzt in der Fraktion nicht nur droht, sondern auch auf die zugeht, die
Bedenken haben."
Müller hatte erklärt, die zur Abstimmung stehenden
Arbeitsmarkt-Reformen würden zum Teil von anderen Abgeordneten
kritisiert als die Gesundheitsreform: Probleme mit den Vorhaben
hätten auch viele ostdeutsche Abgeordnete aus Wahlkreisen mit
vielen Langzeitarbeitlosen.
Schmidt sprach von "gewichtigen Argumenten" der Kritiker. "Wir werden
uns damit entsprechend sorgfältig auseinander setzen und
klären, ob und in wie weit man solchen Vorstellungen entgegen
kommen kann", sagte er im NDR und verteidigte die Fraktionsspitze: "Wir
können uns nicht von fünf, sechs, sieben, acht oder zehn
Leuten bei den Grünen und bei uns ... in die Ecke treiben lassen."
Schreiner äußerte dagegen vehemente Kritik: "Die
Vorwürfe und Drohungen gegen uns grenzen an Mobbing."
Unterdessen hat die CDU-Chefin Angela Merkel die Herzog-Vorschläge
zur Gesundheitsreform gegen Kritik aus den eigenen Reihen verteidigt.
"Man sollte vorsichtig sein, sich unentwegt die soziale
Unausgewogenheit vorzuwerfen", sagte Merkel am Sonntagabend in der
ARD-Sendung "Sabine Christiansen".
Der Ton in der Auseinandersetzung habe sich verschärft. Man
müsse aber den Mut haben, Dinge klar auszusprechen, um die
sozialen Sicherungssysteme auf Dauer zu erhalten. Der stellvertretende
CSU-Vorsitzende und Gesundheitsexperte Horst Seehofer hatte die
Herzog-Vorschläge am Wochenende als zu radikal und sozial
unausgewogenen angegriffen und zugleich ein Gegenkonzept der CSU
angekündigt.
"Herr Seehofer hat Recht, es ist der radikalste Umbau des Sozialsystems
seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland und damit auch seit
Bestehen der Union", sagte Merkel. Sie sei aber zuversichtlich, mit der
CSU eine gemeinsame Position zu finden.
Merkel bekräftigte, die Union werde keinem Vorziehen von
Steuersenkungen zustimmen, wenn sie überwiegend über neue
Schulden finanziert würden. Der Anteil der neuen Schulden an der
Finanzierung dürfe 25 Prozent nicht übersteigen.
SPD-Fraktionschef Franz Müntefering bekräftigte in der
Sendung, er gehe von einer eigenen rot-grünen Mehrheit bei der
nächsten Reformabstimmung am 17. Oktober im Bundestag aus. Er habe
in den letzten Tagen viele zustimmende Briefe erhalten. Zu der Kritik
der parteiinternen Reformgegner äußerte er sich nicht.
Keiner von ihnen habe sich jedoch bislang auf ein Nein zu den Reformen
festgelegt. Müntefering hatte die Kritiker aufgefordert, bis zum
Wochenende ihre Forderungen schriftlich vorzulegen.
Der SPD-Fraktionschef schloss zudem eine Renten-Nullrunde im
nächsten Jahr nicht aus. Rot-Grün werde die Rentenpolitik in
die langfristigen Reformentscheidungen einbinden. "Das kann für
das Jahr 2004 auch heißen, dass die Renten nicht erhöht
werden."
(Quellen: rtr)
Rentnern drohen weitere Belastungen
Mo.06.10.03 - Rentner müssen sich möglicherweise auf weitere Belastungen
einstellen. Im Gespräch ist unter anderem eine Verschiebung der
nächsten Rentenerhöhung um ein halbes Jahr.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD)
hält Nullrunden bei den Renten in den kommenden ein oder zwei
Jahren für "verantwortbar". Bundessozialministerin Ulla Schmidt
(SPD) will ihre Vorschläge auf einer Kabinettsklausur am 18. und
19. Oktober präsentieren.
Zu einer möglichen Verschiebung der Rentenanpassung sagte Schmidt
der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", es werde ein Vorschlag
geprüft, die Anpassung generell auf den 1. Januar zu legen. Sie
halte das für "verantwortbar". Es wäre eine Verschiebung um
ein halbes Jahr und keine Nullrunde, betonte Schmidt. Dadurch
ließen sich nach ihren Worten beim Beitragssatz 0,1 Punkte
sparen. Es gebe aber keine Festlegung. Die "Welt am Sonntag"
berichtete, dass durch eine Verschiebung der Rentenerhöhung vom 1.
Juli 2004 auf den 1. Januar 2005 eine Milliarde Euro eingespart werden
sollen.
Die Rentenauszahlung soll laut "WamS" zudem vom Anfang auf das Ende des
Monats verschoben werden. Dadurch könnten demnach 750 Millionen
Euro eingespart werden. Ein Sprecher des Sozialministeriums sagte dazu,
die Darstellung sei falsch. Richtig sei, dass im Rahmen der
Rürup-Kommission diskutiert worden sei, Neurentnern ihre Rente
erst am Monatsende auszuzahlen. Darüber sei aber noch nicht
entschieden.
Als Sofortmaßnahme ist dem "WamS"-Bericht zufolge auch
vorgesehen, die gesetzlich vorgeschriebene Schwankungsreserve zum
Jahresende von 0,5 auf 0,3 Prozent der Monatsausgabe zu senken. Dadurch
könnten drei Milliarden Euro gespart werden. Langfristig sollten
die Menschen auch später in Rente gehen, dafür aber
ähnlich hohe Steuern zahlen wie heute pensionierte Beamte,
berichtete das Blatt.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Simonis hält es
derweil für "legitim", wenn die Rentner ein Jahr oder zwei Jahre
lang vielleicht sogar mal eine Nullrunde machten. Es sei gelungen, die
Altersarmut abzubauen, sagte sie im Deutschlandfunk. Die eigentliche
Gefahr liege bei der "Kinderarmut". Familien, die zwei oder drei Kinder
hätten "tun sich sehr, sehr schwer, mitzuhalten und durchzukommen".
(Quelle: afp)
SPD will neue Form der Altersteilzeit
Mo.06.10.03 - Die SPD will das bisherige System der Altersteilzeit über das Jahr
2009 hinaus nicht mehr verlängern. In einem Antragsentwurf
für den SPD-Bundesparteitag im November heißt es, diese
Altersteilzeit stelle lediglich "eine besondere Form der
Frühverrentung dar". Um den Bedürfnissen der älteren
Beschäftigen besser gerecht zu werden, soll stattdessen ab dem 60.
Lebensjahr eine flexible Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit
möglich werden. Der SPD-Parteivorstand will sich an diesem Montag
in Berlin mit dem Antragsentwurf befassen.
Angesichts der demographischen Entwicklung und des damit erwarteten
Arbeitskräftemangels sei die einseitige "jugendzentrierte
Personalpolitik" vieler Unternehmen nicht mehr hinnehmbar, heißt
es in dem Papier weiter. Ältere Arbeitnehmer müssten ebenso
wie die jüngeren eine Chance auf dem Arbeitsmarkt erhalten. Dazu
gehöre neben dem Abbau von Vorruhestandsregelungen auch eine
bessere betriebliche Gesundheitsvorsorge. Arbeitgeber und
Gewerkschaften werden zudem von der SPD aufgefordert, per Tarifvertrag
spezielle Arbeitszeiten für die Bedürfnisse älterer
Beschäftiger zu vereinbaren.
Grundsätzlich spricht sich die SPD in dem Antrag für neue und
viel flexiblere Formen der Arbeitszeitgestaltung aus. Damit soll
während der Kindererzeihungszeiten eine bessere Vereinbarkeit von
Beruf und Familie ermöglicht werden. Um lebenslanges Lernen und
mehr Weiterbildung zu ermöglichen, sollten zudem Arbeitszeitkonten
oder so genannte Zeitfenster für Qualifizierungsphasen geschaffen
werden. Bisher verfüge leider nur ein Prozent der
Beschäftigen über die Möglichkeit, solche
Arbeitszeitkonten für Weiterbildung anzusparen.
Arbeitszeitkonten und flexiblere Arbeitszeiten könnten sowohl in
Zeiten starken Wachstums wie auch in Phasen des Auftragsrückganges
helfen, Arbeitsplätze krisenfester zu machen, heißt es
weiter. Dazu gehöre auch ein Abbau der Überstunden durch
Vereinbarungen der Tarifpartner. Verwiesen wird darauf, dass 2001 rund
1,4 Milliarden bezahlte Überstunden geleistet worden sind.
(Quelle: dpa)
Bundesverfassungsrichter will Managergehälter an die Schaffung von
Arbeitsplätzen koppeln
Mo.06.10.03 - Nach Ansicht des Bundesverfassungsrichters Siegfried Broß sollten
Managergehälter an die Schaffung von Arbeitsplätzen gekoppelt
werden. "Tausende von Leuten rauszuwerfen, ist keine Leistung", sagte
Broß der "Stuttgarter Zeitung" (Montagausgabe). Es sei mit der
"Allgemeinverantwortung in einem Sozialstaat" nicht vereinbar, wenn
Unternehmen mit steigenden Umsätzen und Gewinnmargen Personal
abbauten.
Es sei auch nicht einzusehen, dass gegenwärtig "vor allem die
Gruppen mit geringeren Einkommen" zur Steuer herangezogen würden.
Bürger mit einem höheren Einkommen hätten auch als
Steuerzahler eine gesteigerte Verantwortung für die Allgemeinheit
und das Staatswesen. Auch die Wohlhabenden profitierten vom hohen
Bildungsstand und von der Ordnung des Staatswesens. Das koste Geld und
müsse finanziert werden, wird Broß zitiert.
(Quelle: ap)
Deutsche Auslandsuniversität in Ägypten eröffnet
Mo.06.10.03 - In Kairo ist die erste privat finanzierte, deutsche
Auslandsuniversität eröffnet worden. Das teilte das
Bundesbildungsministerium in Berlin mit. Die "German University in
Cairo" (GUC) wurde in Anwesenheit von Ägyptens
Ministerpräsident Husni Mubarak, Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD) und dem Ministerpräsidenten von
Baden-Württemberg, Erwin Teufel (CDU), feierlich eröffnet
worden.
"Die GUC ist die erste ausländische Hochschule weltweit, die sich
an deutschen Standards und Lehrinhalten orientiert", sagte
Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) in Kairo. Dies sei ein
Beleg dafür, dass die deutschen Hochschulen sich auf dem
internationalen Bildungsmarkt einen Namen gemacht hätten.
Unmittelbar nach den Feierlichkeiten startete die von ägyptischen
Investoren finanzierte Privatuniversität ihren Lehrbetrieb.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
fördert die GUC mit insgesamt 600.000 Euro. Die Studiengänge
bauen auf deutschen Lehrplänen auf. Die Universitäten Ulm und
Stuttgart stehen als Partner zur Verfügung und gewährleisten
die Qualität der Lehrinhalte und der Abschlüsse, die in
Deutschland anerkannt werden. Beide Hochschulen werden dabei vom
Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) unterstützt.
(Quelle: afp)
Bildungsforscher fordert Reformen im Vorschulbereich
Mo.06.10.03 - Der Vorschulbereich in Deutschland müsste nach Ansicht des
Bildungsforschers Wassilios Fthenakis pädagogisch völlig neu
organisiert werden. Es sei erschreckend, "in welchem Maße wir
derzeit die Entwicklungschancen dieses frühen Lebens- und
Lernabschnitts verstreichen lassen", stellt der Direktor des
Staatsinstituts für Frühpädagogik in München in
einer Studie für das Bundesfamilienministerium fest, wie das
Nachrichtenmagazin "Focus" am Wochenende vorab berichtete.
Das Gutachten soll kommende Woche vorgestellt werden. Der
Wissenschaftler fordert darin "Focus" zufolge eine Hochschulausbildung
für Erzieher, einen gesetzlich verankerten
Kindergartenplatz-Anspruch für zweijährige Kinder aus
Risikofamilien oder Migrantenfamilien sowie mehr männliche
Erzieher. "Gäbe es eine Pisa-Studie für Vorschul-Bildung,
kämen wir auf einen sehr schlechten Platz", sagte Fthenakis.
Familienministerin Renate Schmidt betonte, Bildung müsse jedem
zugänglich sein, sie wolle aber Kinder bis zu sechs Jahren keinem
Drill unterziehen. "Auf keinen Fall wollen wir die Kindheit verschulen
und kleine Wissensroboter heranzüchten." Außerdem sollten
die Tageseinrichtungen künftig sehr viel enger mit den Eltern
zusammenarbeiten. "In vielen Familien ist die Erziehungskompetenz
dramatisch gesunken", stellte Schmidt fest.
(Quelle: ap)
Koch will Kopftuch für hessische Lehrerinnen verbieten +++
Kopftuch-Diskussion bestimmte den 'Tag der offenen Moschee'
Mo.06.10.03 - Der hessische Ministerpräsident Roland Koch hat bekräftigt,
dass er das muslimische Kopftuch für Lehrerinnen in seinem
Bundesland per Gesetz verbieten will. "Hessen wird auf jeden Fall ein
Gesetz machen", sagte der CDU-Politiker der "Welt am Sonntag". Er sei
aber dafür, dass alle Länder an einem Strang zögen und
es so zu einer möglichst einheitlichen bundesweiten Regelung
komme. "Der Grundsatz muss in ganz Deutschland gelten: Menschen, die
sich in diesem Land aufhalten, die sich hier bewegen und zur Schule
gehen, genießen jede nur denkbare Freiheit auch in der
Ausübung ihrer Religion." Aber zu Repräsentanten des Staates
gehöre Zurückhaltung auch in der Bekleidung. Deshalb habe das
Kopftuch keinen Platz in öffentlichen Ämtern, betonte Koch.
Der "Tag der offenen Moschee" hat am Wochenende rund 200 000 Menschen
angezogen. Das schätzt der Zentralrat der Muslime in Deutschland -
ZMD. Zentrales Thema war dieses Jahr das Kopftuch-Urteil des
Bundesverfassungsgerichtes. Viele Besucher hätten deutlich
gemacht, dass es für sie kein Problem sei, wenn Musliminnen ein
Kopftuch trügen - selbst wenn sie Lehrerin seien, sagte ein
Sprecher. In Deutschland leben nach Angaben des ZMD derzeit etwa 3,2
Millionen Muslime.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv
BVG-Urteil: Länder dürfen grundsätzlich Kopftuch im
Unterricht verbieten
Do.25.09.03 - Die Bundesländer dürfen muslimischen Lehrerinnen das
Kopftuchtragen im Unterricht verbieten. Dazu müssen sie nach einem
Urteil des Bundesverfassungsgerichts jedoch eine «hinreichend
bestimmte» gesetzliche Grundlage schaffen. Diese fehle derzeit in
Baden-Württemberg.
Das Land habe deshalb mit seiner Ablehnung, die muslimische Lehrerin
Fereshta Ludin in den Schuldienst zu übernehmen, deren
Religionsfreiheit verletzt, entschieden die Richter am Mittwoch in
Karlsruhe. Drei der acht Richter stimmten allerdings gegen die
Entscheidung. Das Urteil löste überwiegend positive
Reaktionen aus. (Aktenzeichen: 2 BvR 1436/02 vom 24. September 2003)
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309250.htm#03092515
«Bei einer kleinen Gruppe der Muslime in Deutschland wächst
der Fundamentalismus»
Mo.06.10.03 - «Lale Akgün ist liberale Muslimin, was ihr derzeit
Ärger bereitet. Die Bundestagsabgeordnete der SPD hatte nach dem
Kopftuch-Urteil in ein paar Fernsehsendungen gesessen und gesagt, was
sie oft sagt: dass ein Kopftuch keine religiöse Pflicht sei,
sondern ein „Verhaltensmuster". Seither wird sie mit Hass-Mails
überschüttet, abgeschickt von empörten Muslimen, die sie
als „gottlose Hure" beschimpfen und ihr das Recht absprechen, Muslimin
zu sein.
Für Lale Akgün ein weiteres Indiz für die
Re-Ideologisierung der islamischen Bevölkerung in Deutschland.
„Seit den 80er Jahren werden die islamistischen Kräfte in
Deutschland immer sichtbarer. Sie haben scheinbar den Dialog gesucht
und sich demokratisch gebärdet. Gleichzeitig haben sie eine
Parallelwelt aufgebaut, von der die Deutschen lange nichts mitbekommen
haben."
Das Koptuch als Symbol eines selbstbewussten, friedlichen Islams oder
aber als Zeichen für eine Fundamentalisierung der muslimischen
Einwanderer – beide Interpretationen haben ihre Basis. In Deutschland
leben 3,2 Millionen Muslime, von denen nur ein geringer Teil als
islamistisch, extremistisch oder ultraorthodox bezeichnet werden kann.
Beim Zentrum für Türkeistudien an der Universität Essen
hat man vielmehr beobachtet, dass gerade die zweite und dritte
Generation muslimischer Einwanderer sich zu einem „pluralistischen
Islamverständnis" hin entwickelt. Die Jüngeren bezeichneten
sich zwar als religiös und hielten auch an Traditionen wie der
Einhaltung von Speisevorschriften oder dem Spenden von Almosen fest.
Aber sie entfernten sich mehr und mehr vom rigorosen Traditionalismus
ihrer Eltern.
Scharia für alle
Beim Kopftuch macht Faruk Sen, Leiter des Zentrums für
Türkeistudien, diese Entwicklung beispielhaft fest: Nur 27 Prozent
der türkeistämmigen Bürger fänden, Frauen sollten
in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen. Unter den Frauen ist
die Zustimmungsrate sogar noch niedriger. Sen selbst ist gegen die
Erlaubnis, im Unterricht ein Kopftuch tragen zu dürfen, wie es die
Klägerin in Karlsruhe, Fereshda Ludin, für sich verlangt
hatte.
Nicht alle Experten jedoch teilen diese grundsätzlich
optimistische Einschätzung. Der Verfassungsschutz betrachtet die
Entwicklungen in einer Reihe von islamischen Verbänden wie dem
Zentralrat der Muslime (ZMD) und dem Islamrat mit Skepsis. Der Islamrat
etwa, der rund 185 000 Mitglieder vertritt, wird von der als
verfassungsfeindlich eingestuften Organisation Milli Görüs
gesteuert. Die strebt laut Verfassungsschutzbericht die weltweite
Islamisierung an und arbeitet daran, dass der Westen im Sinne von Koran
und Scharia missioniert wird. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland
beherbergt unter seinem Dach nach Auskunft des Verfasssungsschutzes von
Nordrhein-Westfalen eine Reihe von Muslimbruderschaften. Der Verband
der islamischen Kulturzentren schließlich (VIKZ) zielt auf
bildungsnahe Schichten unter muslimischen Einwanderern und gilt
offiziell als unpolitisch. Was in den Schulen des VIKZ allerdings
gelehrt wird, ist kaum bekannt.
Achmed Senyurd, Journalist und Experte für islamische
Organisationen, beobachtet eine wachsende Politisierung der
muslimischen Jugend in Deutschland. Zunehmend würde an
Koranschulen, aber auch im Islamunterricht zu Lerninhalten
zurückgekehrt, die nicht mit der demokratischen Grundordnung der
Deutschen vereinbar seien. „In parallelen Bildungsstrukturen entstehen
parallele Denkwelten", so Senyurd. Mehr als 70 000 Kinder, so
schätzt er, besuchen Koranschulen in Deutschland. Oft werde dort
die Abwendung von der gottlosen Kultur der Deutschen gepredigt.
Weil die Integration eben nicht wie erhofft funktioniert, haben jene
leichtes Spiel, welche die zweite und dritte Generation zurück ins
Boot holen. Auf der Webseite des Muslim-Marktes, der die ganze,
virtuelle Welt des Diaspora-Islam mit muslimischen Heiratsannoncen und
muslimischen Ärzten, muslimischen Geschäften und muslimischer
Literatur präsentiert, ist denn auch zum Kopftuch-Urteil zu lesen:
„Man will sie (die Muslime) am liebsten verdrängen." Die deutsche
Kultur habe sich gegen Anstand und Gerechtigkeit verbündet, wie
sie im Kopftuch sichtbar würden.
Während sich die Mehrheit junger Muslime in Discos, beim Bier und
in knappen Röcken durchaus wohlfühlt, gibt es eine kleine,
aber wachsene Gruppe, die eine Integration in die als permissiv
betrachtete westliche Zivilisation ablehnt. Die Bundesbeauftragte
für Integration, Marieluise Beck, schildert dabei die Bandbreite
des Problems: Manche türkische Gemüsefrau trage das Kopftuch
ungefragt, weil sie es nicht anders kenne. Mancher Teenager finde es
einfach modisch, manche Studentin demonstriere damit eine
„neoislamische Weiblichkeit". Und bisweilen sei das Kopftuch eben auch
Ausdruck einer fundamentalistischen Weltsicht, die auf kulturelle
Hegemonie abziele. Trotzdem müssten Lehrerinnen mit Kopftuch in
deutschen Schulen möglich sein, eine offene Gesellschaft
müsse solche „Zumutungen" ertragen lernen. Marieluise Beck ist
optimistisch, dass die Integration der Muslime in Deutschland gelingen
kann. Sie muss es sein.»
(Süddeutsche Zeitung vom 04.10.03)
Aufnahmen auf dem Schulhof
Mo.06.10.03 - ERDINC: Bei uns sind zu 95 Prozent Ausländer. Auf dieser Schule
wird Deutsch so gut wie nie gesprochen, also nie. Man zwingt die
Schüler fast zur Sprache, also ehrlich.
PAUL: Wir kommen uns so vor wie in der Minderheit, weil unsere alte
Klasse, da warn wir fünf deutsche Mädchen und Jungs, und wir
warn 25 Schüler. Die meisten Ausländer, die provozieren
immer. Die denken, sie wärn auffer Schule so was wie der King. Und
dann spielen die sich immer auf und machen immer welche an.
PAUL: Die beleidigen uns ja immer mit "Kartoffel",
"Scheißdeutsche" und so. Die glauben, dass sie die bessere
Religion haben, weil die denken, dass ja der islamische Glauben besser
is als der christliche Glauben, weil der Allah über alles steht,
und dass die sowieso nur Recht haben, und deshalb haben sie auch immer
diese Konflikte mit uns.
HASNE: Sind da ein paar Deutsche und Christe und katholisch, ich bin
Muslim, und da denken die anderen, dass wir schlimm sind. Beispiel wie
meine Klasse, da sind ein paar Muslime drin, aber da sind auch Christe,
die uns nich maken, die sagen immer: Ich bin geimpft gegen dich. Dann
bekommt man ja nie Freunde, deswegen hass ich Schule.
ÜMÜT: Wann wir uns mit den Deutschen verstehen? Beim Spicken
während der Arbeit in der Schule.
(...)
Mehr von diesen unverblümten "Äußerungen über das
Verhältnis zwischen Jugendlichen deutscher und nichtdeutscher
Herkunft, über den Stellenwert von Religion, Familie und
Beziehungen der Geschlechter" in der heutigen Ausgabe der
"tageszeitung" (06.10.03):
http://www.taz.de/pt/2003/10/06/a0156.nf/text
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Bundesjustizministerin Zypries lehnt aktive Sterbehilfe strikt ab
Mo.06.10.03 - Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hat sich strikt gegen
eine Legalisierung aktiver Sterbehilfe nach dem Vorbild der Niederlande
ausgesprochen. "Die aktive Sterbehilfe ist nach deutschem Recht
strafbar und daran soll sich auch nichts ändern." Stattdessen
sollte sich die Diskussion auf "Sterbebegleitung und effektive
Schmerztherapie" konzentrieren. Die Politik müsse daher die
Gründung von Sterbehospizen fördern, forderte die Ministerin.
Gleichzeitig kündigte Zypries in der "Bild am Sonntag" an, eine
Rechtsgrundlage für Patientenverfügungen zu schaffen, so dass
jeder für sich lebensverlängernde Maßnahmen
ausschließen könne. "Jeder sollte deshalb selbst
darüber entscheiden, ob für ihn im Notfall
lebensverlängernde Maßnahmen eingeleitet werden sollen oder
nicht", schrieb die Ministerin. Sie habe eine Experten-Kommission
beauftragt, die Rechtssicherheit solcher Fälle zu prüfen.
(Quelle: afp)
Web-Angriff verhinderte Selbstmordübertragung im Internet
Mo.06.10.03 - Der angekündigte Selbstmord eines todkranken Menschen ist in der
Nacht zum Samstag nicht auf der Internetseite einer amerikanischen
Rockband übertragen worden. Wie ein Sprecher der Betreiberseite
der Webseite von Hell on Earth, Jason Trindade, mitteilte, zwang eine
offenbar von Hongkong ausgegangene Datenflut den Server in die Knie.
Bandleader Billy Tourtelot sagte, seine Band sei am Abend wie geplant
aufgetreten. Ob der Selbstmord, der an anderer Stelle in St. Petersburg
in Florida geplant gewesen sei, stattgefunden habe, wisse er nicht.
Trindade sagte dagegen, Tourtelot habe ihm gesagt, die Vorführung
sei auf das nächste Wochenende verschoben worden -
möglicherweise. Tourtelot betonte, zumindest die Musikshow habe
stattgefunden und weitere Aufführungen seien nicht geplant.
Tourtelot hatte am Freitag auf der Internetseite der Gruppe
angekündigt, die Veranstaltung und der Freitod würden an zwei
geheim gehaltenen Orten in St. Petersburg im US-Staat Florida
stattfinden und im Internet gezeigt. Am Donnerstag hatte ein Gericht
das Konzert verboten. Floridas Justizminister Charlie Christ hatte
angekündigt, eine Beihilfe zum Selbstmord werde als Straftat
verfolgt, die mit bis zu 15 Jahren Gefängnis geahndet werden
könne. In St. Petersberg richteten am Samstag Polizei und
Rettungsdienste besondere Aufmerksamkeit auf Selbstmorde und
verdächtige Todesfälle. Vier Stunden nach dem genannten
Zeitpunkt lagen dort keine Alarmmeldungen vor.
Die unheilbar kranke Person, die sich auf der Bühne angeblich das
Leben nehmen möchte, will mit der Tat ihr Recht auf den eigenen
Tod proklamieren. Tourtelot erklärte, er habe seinem Freund
geschworen, die Veranstaltung stattfinden zu lassen. "Es geht darum,
für etwas einzustehen, woran man glaubt", heißt es auf der
Internetseite. "Und ich bin ein starker Befürworter von
Sterbehilfe."
(Quelle: ap)
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Schwerstkranker Franzose nach Sterbehilfe tot
Sa.27.09.03 - Nach der Aufsehen erregenden Sterbehilfe durch seine Mutter ist ein
22-jähriger Schwerstkranker in Frankreich gestorben. Der seit
einem Unfall vor drei Jahren bettlägrige Vincent Humbert starb um
10.45 Uhr in der Intensivstation einer Klinik in Berck-sur-Mer am
Ärmelkanal. Die Ärzte hatten sich nach eigenen Angaben zuvor
entschlossen, die aktive Behandlung des 22-Jährigen zu
"begrenzen". Der Fall löste eine heftige Debatte über die
bislang verbotene Sterbehilfe aus...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309270.htm#03092711
Recht auf Sterbehilfe ist weltweit die Ausnahme
Sa.27.09.03 - Der Tod eines schwerstkranken Franzosen nach aktiver Sterbehilfe durch
seine Mutter entfacht die Debatte über das Recht zum Sterben neu.
Weltweit ist ein Recht auf Sterbehilfe die Ausnahme. Im April 2002
bestritt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass
es ein solches Grundrecht gebe. Belgien und die Niederlande haben den
Tod auf Verlangen für unheilbar Kranke seit 2002 ausdrücklich
erlaubt. In der Schweiz ist Beihilfe zum Freitod straffrei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309270.htm#030927_d
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4 Millionen Weblogs ausgewertet und vor allem Leichen gefunden
Mo.06.10.03 - Immer mehr Privatpersonen kommen auf die Idee, Online-Tagebücher
und Link-Listen zu führen -- Weblogs oder "Blogs" genannt. Einige
dieser Journale haben sich zu journalistischen Quellen entwickelt,
andere zu kommentierten Web-Spaziergängen oder zu introspektiven
Daseinsbeschreibungen.
Nicht zuletzt aufgrund ihrer Vielfalt haben Blogger lange um
Anerkennung gekämpft -- von der Print-Presse verunglimpft, in
Online-Magazinen beleidigt, in Suchmaschinen herabgestuft. Und jetzt
das: Das amerikanische Unternehmen Perseus, Hersteller von Umfrage- und
Statistiksoftware, hat 4 Millionen Weblogs ausgewertet und vor allem
Leichen gefunden...
Mehr bei heise-online unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/ghi-04.10.03-001/
Berliner gewinnt 'German Poetry Slam'
Mo.06.10.03 - Der Berliner Sebastian Krämer ist in Darmstadt zum besten
deutschsprachigen "Straßen-Poeten" gekürt worden. Der 27
Jahre alte Entertainer verwies in der Endrunde beim "7. German
International Poetry Slam" den Bonner Michael Schönen auf den
zweiten Platz. Beim "Poetry Slam" treten je vier Künstler
gegeneinander an. Sie tragen innerhalb von sieben Minuten Gedichte oder
Kurzgeschichten vor. Dabei zählt auch die Performance. Über
den Sieger entscheidet das Publikum.
(Quelle: dpa)
Mehr zum Thema Poetry Slam unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/kunsts26.htm
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