Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertundzweiten Tag nach Kriegsbeginn
USA erzielen offenbar keine Fortschritte bei Irak-Resolution +++
Medienbericht: Weißes Haus zieht in Irak-Mission mehr Kompetenzen
an sich. US-Sicherheitsberaterin Rice soll Kampf gegen US-Gegner im
Irak koordinieren +++ Bundeskanzler Schröder fordert politische
Strategie zur Stabilisierung Iraks +++ Deutschland und Vereinigte
Arabische Emirate: Vereinbarung über Polizeiausbildung
für Irak +++ Türkische Regierung beschließt
Truppenentsendung nach Irak
Di.07.10.03 - Die Gespräche im UN-Sicherheitsrat über einen neuen Entwurf
für eine Resolution zur Stabilisierung Iraks sind ohne klares
Ergebnis vertagt worden. Für einen weiteren Beratungstermin
über den von den USA eingebrachten Entschließungsentwurf
gebe es noch kein Datum, teilte der amerikanische UN-Botschafter John
Negroponte in New York mit. Es habe "keine Verhandlungen, nur einen
interessanten Meinungsaustausch" gegeben, sagte der französische
UN-Botschafter Jean-Marc de La Sabliere.
UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte zuvor, es sei zwar die Aufgabe
der Vereinten Nationen, Bedürftige zu unterstützen. "Unsere
vordringlichste Verantwortung gilt aber unseren Mitarbeitern
gegenüber", betonte er. Die UNO sei zwar "keine Festung", aber zu
"waghalsig" dürfe sie auch nicht sein. Seit dem Attentat im August
in Bagdad, bei dem 22 Menschen getötet worden waren, sei die UNO
sehr exponiert. Deutschland, Frankreich und Russland hatten am
Wochenende ihre Forderung nach einer raschen Übergabe der
Regierungsverantwortung in Irak und eine führende Rolle der UNO
bekräftigt.
Nach dem mehrstündigen Beratungen im UNO-Sicherheitsrat über
ihren Entwurf für eine neue Irak-Resolution am Montag sagte
Negroponte, es sei kein weiteres Treffen anberaumt worden. Es sei jezt
die Zeit für eine Pause, "um das, was gesagt wurde, zu verdauen".
Teilnehmer der Sitzung zitierten Negroponte mit den Worten, eine
radikale Änderung des US-Entwurfs solle nicht erwartet werden.
Negroponte sagte mit Blick auf Forderungen von UNO-Generalsekretär
Kofi Annan, durch die Bildung einer Übergangsregierung im Irak in
drei bis fünf Monaten werde sich die Sicherheitslage nicht
dramatisch verändern. Diese werde sich allmählich verbessern.
Annan hatte den US-Entwurf in der vergangenen Woche in
ungewöhnlich deutlicher Form kritisiert und ausgeschlossen, dass
die UNO eine politische Rolle im Irak übernimmt, so lange die
Besatzung anhält. Dem US-Entwurf zufolge soll die UNO die
Organisation von Wahlen unterstützen. Zudem soll eine von der UNO
autorisierte multinationale Truppe unter dem Kommando der USA
aufgestellt werden. Angesichts der beinahe täglichen Angriffe auf
US-Soldaten und der horrenden Kosten des Einsatzes steht die
US-Regierung innenpolitisch unter Druck, sich um internationale
Unterstützung im Irak zu bemühen.
Der deutsche UNO-Botschafter Gunter Pleuger sagte, viele Delegationen
hätten von einer guten Diskussionsbasis gesprochen und gefordert,
auch Annans Vorstellungen zu berücksichtigen. Es würden nun
Änderungen der USA und deren Ko-Sponsoren Großbritannien und
Spanien erwartet.
Französische Diplomaten berichteten, die USA hätten nicht die
für eine Verabschiedung der Resolution notwendigen neun Ja-Stimmen
in dem Gremium aus 15 Staaten zusammen. Auf die Frage, ob es sein
könne, dass der Entwurf zurückgezogen werde, sagte ein
Diplomat: "Alles ist möglich."
Angesichts der anhaltend instabilen Sicherheitslage in Irak und
Afghanistan soll der Kampf der USA gegen Angreifer in beiden
Ländern einem Medienbericht zufolge in Zukunft stärker vom
US-Präsidialamt koordiniert werden. US-Verteidigungsminister
Donald Rumsfeld war in den USA für den Umgang mit dem zum Teil
heftigen Widerstand in den beiden Ländern scharf kritisiert worden.
Unter Leitung der nationalen Sicherheitsberaterin der Regierung,
Condoleezza Rice, soll eine "Stabilisierungsgruppe Irak" gebildet
werden, berichtete die "New York Times" am Montag unter Berufung auf
hochrangige Regierungsvertreter. Dies bedeute, dass Rice und das
Präsidialamt mehr Verantwortung übernähmen und eine
größere Kontrolle der Einsätze an sich zögen,
hieß es weiter.
Die US-Regierung hat indes die Bedeutung der geplanten
"Stabilisierungsgruppe" für Irak im Weißen Haus
abgeschwächt. Den Einsatz in Irak werde weiterhin das
US-Verteidigungsministerium leiten, sagte US-Präsidentensprecher
Scott McClellan am Montag vor Journalisten in Washington, und mit dem
Wiederaufbau des Landes bleibe US-Zivilverwalter Paul Bremer beauftragt.
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Bremer hätten beide
großen Anteil an der Entstehung der "Stabilisierungsgruppe", die
sich vornehmlich mit Anti-Terror-Einsätzen, wirtschaftlichen
Fragen, der Gründung politischer Einrichtungen sowie
Kommunikationsstrategien in Irak befassen solle. Die Gruppe werde
gerade gebildet und sei erst in der Anfangsphase.
Seit dem offiziellen Ende der Hauptkampfhandlungen im Irak Anfang Mai
sind die US-Soldaten im Irak fast täglich Angriffen ausgesetzt.
Auch in Afghanistan sammeln sich immer wieder Anhänger der
gestürzten Taliban-Regierung und greifen US-Truppen oder
Verbündete der neuen afghanischen Regierung an.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat eine politische Strategie
zur Stabilisierung Iraks gefordert. Mehr Sicherheit könne nicht
nur durch militärische Aktionen und die Stationierung weiterer
Soldaten erzielt werden, sagte Schröder der in der Vereinigten
Arabischen Emirate erscheinenden Tageszeitung "Gulf News"
(Montagsausgabe). Notwendig sei, dass die internationale Gemeinschaft
den Irakern eine Perspektive zur Demokratisierung ihres Landes biete.
Dazu müsse die Rolle der UNO gestärkt und die politische
Verantwortung an eine legitimierte irakische Führung
übergeben werden.
Deutschland und die Vereinigten Arabischen Emirate wollen gemeinsam
irakische Polizisten ausbilden. Das vereinbarte Kanzler Gerhard
Schröder zum Auftakt des Besuchs in Abu Dhabi. Außerdem
beschlossen beide Seiten den Ausbau der wirtschaftlichen und
technischen Zusammenarbeit zu verstärken. Die Golf-Emirate sind
nach Saudi Arabien der wichtigste deutsche Handelspartner im arabischen
Raum. Die deutschen Ausfuhren hatten im vergangenen Jahr ein Volumen
von mehr als drei Milliarden Euro.
Die türkische Regierung hat die Entsendung von Truppen nach Irak
beschlossen. Das Kabinett habe einen entsprechenden Antrag geschlossen
unterzeichnet und wolle ihn dem Parlament vorlegen, sagte der
türkische Regierungssprecher, Justizminister Cemil Cicek, nach
einer Kabinettssitzung in Ankara am Montag. Die Abgeordneten
würden "wahrscheinlich" am Dienstag darüber debattieren,
ergänzte er. In dem Antrag sei nicht festgelegt, wie viele
Soldaten die Regierung nach Irak schicken wolle und in welcher Region
des Nachbarlandes sie stationiert werden sollen. Offene Fragen
könnten mit den Vereinigten Staaten verhandelt werden, sobald das
Parlament die Entscheidung gebilligt habe, fügte Cicek hinzu.
(Quellen: afp, rtr)
Studie zum Irak-Krieg bestätigt unheilige Allianz zwischen Presse
und Politik
Je mehr sich amerikanische Fernsehzuschauer Informationen über den
Irakkrieg bei kommerziellen Nachrichtensendern holten, desto
wahrscheinlicher saßen sie falschen Behauptungen auf. Zu diesem
Ergebnis kommt eine Studie, die Ende September
veröffentlicht wurde.
Mehr bei "telepolis" unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/15791/1.html
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Britischer Reporter nach gefälschtem Irak-Bericht tot aufgefunden
Di.07.10.03 - Der britische Fernsehjournalist James Forlong, der einen Bericht
über den Irak-Krieg gefälscht hatte, ist in England tot
aufgefunden worden. Die Ehefrau des früheren Reporters des
Nachrichtensenders Sky News habe die Leiche in der Nacht auf Samstag in
ihrem Haus im südenglischen Hove entdeckt, teilte ein
Polizeisprecher von Sussex am Montag mit. Hinweise auf ein Verbrechen
gebe es nicht. Eine Autopsie sollte am Dienstag Gewissheit über
die Todesursache geben.
(Quelle: afp)
Enttarnung von CIA-Agentin könnte personelle Konsequenzen haben
Di.07.10.03 - In der Affäre um die Enttarnung einer CIA-Agentin hat das
Weiße Haus personelle Konsequenzen angekündigt. Wenn ein
Regierungsmitarbeiter für die Preisgabe geheimer Informationen
verantwortlich sei, werde dieser entlassen, sagte der Sprecher von
US-Präsident George W. Bush, Scott McClellan. Bush selbst
erklärte am Montag, sein Stab werde für die Ermittlungen in
vollem Umfang mit dem Justizministerium zusammenarbeiten.
"Ich habe alles Vertrauen der Welt, dass das Justizministerium gute
Arbeit leistet", sagte Bush auf einer Pressekonferenz im Weißen
Haus. Er reagierte damit auf Forderungen der oppositionellen Demokraten
nach Einsetzung eines unabhängigen Sonderermittlers. Bush sagte,
er wisse nicht, wer Journalisten den Namen der
Geheimdienstmitarbeiterin Valerie Plame genannt habe: "Man hört
alle möglichen Gerüchte."
Die Mitarbeiter des Weißen Hauses und anderer Regierungsstellen
wurden aufgefordert, mögliche Beweismittel wie E-Mails,
Telefonlisten und Kalendereinträge vorzulegen. Ihnen wurde eine
Frist bis Dienstag, 17.00 Uhr Ortszeit (23.00 Uhr MESZ) zur Abgabe
aller relevanten Unterlagen gesetzt.
Plame ist mit dem ehemaligen US-Botschafter Joseph Wilson verheiratet.
Dieser hatte im Juli Angaben der Regierung, Irak habe versucht, in
Niger Uran zu kaufen, als nicht stichhaltig kritisiert.
Tatsächlich musste die Regierung später einräumen, dass
die fragliche Information nie in einer Rede des Präsidenten
hätte auftauchen dürfen. Wilson verdächtigt das
Weiße Haus, es habe ihn durch die Enttarnung seiner Frau in
Misskredit bringen wollen.
(Quelle: ap)
Pentagon verkaufte angeblich Material für B-Waffen
Di.07.10.03 - Das US-Verteidigungsministerium hat einem Medienbericht zufolge
Material zur Herstellung von biologischen Waffen zum
Schnäppchenpreis auf dem öffentlichen Markt angeboten.
Über die Internetseite des Pentagon seien gebrauchte
Gegenstände wie Zentrifugen, Bakterien-Brutkästen,
Schutzanzüge und Verdampfer zum freien Verkauf angeboten worden,
berichtete der US-Fernsehsender ABC unter Berufung auf die
Rechnungsprüfungsbehörde (GAO) des US-Kongresses.
Unter falschen Angaben hätten die GAO-Prüfer für
lediglich 4100 Dollar Material im Wert von 46.000 Dollar (39.000 Euro)
eingekauft, mit dem sich Biowaffen herstellen ließen. Die
Ermittler seien zu dem Schluss gekommen, dass sich das Pentagon weder
für die Identität der Käufer noch für den
Gebrauchszweck des veräußerten Materials interessiert habe,
berichtete ABC weiter. Die GAO habe zudem festgestellt, dass mehrere
Käufer von fraglichem Material die beim
US-Verteidigungsministerium erstandenen Gegenstände in Länder
wie Ägypten, die Philippinen und Malaysia weiterverkauft
hätten.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt:
Bush vermeidet Kritik an israelischem Angriff auf Syrien. Recht Israels
auf Selbstverteidigung bekräftigt +++ Arabischen Staaten stellen
sich einhellig auf die Seite Syriens +++ Deutschland,
Großbritannien und Frankreich nennen Angriff inakzeptabel +++
Palästinensischer Ministerpräsident Kureia lehnt gewaltsames
Vorgehen gegen Extremisten ab +++ Hamas erhielt 1998 offenbar Geld vom
FBI +++ Gefechte an israelisch-libanesischer Grenze +++ Israel
warnt Libanon und Syrien vor Eskalation
Di.07.10.03 - US-Präsident George W. Bush hat am Montag Kritik an dem
israelischen Angriff auf Syrien vermieden und erklärt, Israel
dürfe sich in seinem Recht auf Selbstverteidigung nicht
eingeschränkt fühlen.
Bush bezog sich auf ein Gespräch mit dem israelischen
Ministerpräsidenten Ariel Scharon nach dem Angriff am Sonntag und
sagte: "Wie schon zuvor immer wieder habe ich dem
Ministerpräsidenten deutlich gemacht, dass Israel das Recht zur
Selbstverteidigung hat und dass sich Israel hinsichtlich der
Verteidigung seiner Heimat nicht genötigt fühlen darf." Er
habe aber auch darauf hingewiesen, dass jede Aktion Israels eine
Eskalation und eine Verschärfung der Spannungen in der Region
vermeiden müsse.
Dem Angriff auf Syrien war ein Selbstmordanschlag in Haifa
vorausgegangen, bei dem die palästinensische Attentäterin
sich und 19 weitere Menschen getötet hatte.
Ein Sprecher Bushs unterstützte die israelische Darstellung, dass
der Angriff sich gegen Ausbildungslager militanter Palästinenser
in Syrien gerichtet habe. "Wir haben Syrien wiederholt mitgeteilt, dass
es aufhören müsse, Terroristen zu beherbergen", sagte
Regierungssprecher Scott McClellan in Washington. Syrien hat
bestritten, dass es solche Trainingslager in dem Land gibt.
Der stellvertretende Leiter des israelischen Außenministeriums,
Gideon Meir, sagte, er begrüße die Erklärung der
Vereinigten Staaten, wonach Israel das Recht auf Selbstverteidigung
hat. "Wir stimmen umso mehr mit (US-)Präsident (George W.) Bush
überein, als wir selbst keinerlei Eskalation mit Syrien wollen."
Die arabischen Staaten stellten sich einhellig auf die Seite Syriens
und bekundeten dem Land ihre Solidarität. Der Generalsekretär
der Arabischen Liga, Amr Mussa, warf Israel Staatsterrorismus vor.
Deutschland, Großbritannien und Frankreich nannten den Angriff
inakzeptabel, forderten aber auch die Palästinenser auf, gegen den
Terror vorzugehen. Zwar habe Israel das Recht, sich gegen Terrorismus
zu verteidigen, sagte der außenpolitische Vertreter der EU,
Javier Solana. "Aber die Reaktion muss innerhalb internationaler Regeln
und Gesetze erfolgen und sollte der Lösung des Konfliktes dienen."
Der palästinensische Ministerpräsident Kureia erklärte,
er werde unter keinen Umständen mit Gewalt gegen die militanten
Gruppen vorgehen. Ein Bürgerkrieg sei nicht im Interesse der
Palästinenser und nicht im Interesse des Friedensprozesses.
Die amerikanische Bundespolizei FBI hat in den neunziger Jahren
offenbar über geheime Kanäle Gelder an die
palästinensische Untergrundorganisation Hamas geleitet, um zu
prüfen, ob diese für Terroranschläge verwendet
würden. Dies hat die Nachrichtenagentur AP von FBI-Mitarbeitern
und aus Gerichtsdokumenten erfahren. Die Transfers seien in den Jahren
1998 und 1999 in Zusammenarbeit mit dem israelischen Geheimdienst und
mit der Zustimmung der damaligen Generalstaatsanwältin Janet Reno
erfolgt.
Die Sicherheitsberaterin des damaligen US-Präsidenten Bill
Clinton, Sandy Berger, sagte AP, das Weisse Haus habe von den
Aktivitäten des FBI nichts gewusst. Bei den vom FBI-Büro in
Phoenix losgeschickten Summen handelte es sich nach Angaben der
Gewährsleute meistens um Beträge von einigen tausend Dollar,
von denen ein grösserer Anschlag nicht zu finanzieren sei.
Hamas erhielt das Geld offenbar zumindest in einigen Fällen aus
den Händen eines zum muslimischen Glauben konvertierten
Amerikaners mit guten Kontakten zu palästinensischen
Organisationen. Dies geht aus dem Protokoll eines
nichtöffentlichen Gerichtsverfahrens hervor, die ein mit dem
ehemaligen Kurier befreundeter FBI-Mitarbeiter AP übergab. Darin
sagte Harry Ellen aus, der FBI-Agent Kenneth Williams habe ihn erstmals
im Sommer 1998 um die Übergabe von Geld gebeten. Williams habe
"den Transfer amerikanischer Gelder an einige der terroristischen
Gruppen für gewalttätige Zwecke" gewünscht, sagte Ellen
laut Gerichtsprotokoll. Anfang 1999 habe Williams die Zusammenarbeit
wegen eines Streits beendet.
Bei einem Schusswechsel an der Grenze zwischen Israel und Libanon ist
am Montag ein israelischer Soldat getötet worden. Kämpfer der
libanesischen Hisbollah-Miliz hätten den Soldaten am Nachmittag
bei einem Gefecht getötet, teilte das israelische Militär
mit. Libanesische Sicherheitsbeamte wollten nicht ausschließen,
dass die Schüsse zunächst von israelischen Soldaten
provoziert worden seien. Die Hisbollah selbst wies in einer
Stellungnahme jegliche "Verantwortung" für den Zwischenfall
zurück.
Bei dem Zwischenfall nahe dem israelischen Grenzdorf Metulla
hätten Hisbollah-Kämpfer eine israelische Patrouille aus dem
Hinterhalt angegriffen, sagte ein Militärsprecher. Mehrere
libanesische Sicherheitsbeamte schilderten, dass aus einem Fahrzeug auf
der libanesischen Seite Schüsse auf eine israelische Streife
hinter dem Stacheldraht abgefeuert worden seien. Daraufhin hätten
die Israelis das Feuer erwidert. Andere Sicherheitsmitarbeiter gaben
dagegen an, die israelische Patrouille habe zuerst geschossen und damit
eine Antwort provoziert.
Die israelischen Streitkräfte haben Libanon und Syrien im Falle
weiterer Zwischenfälle mit Konsequenzen gedroht. "Diese Aktionen
sind sehr gefährlich für Libanon und Syrien", sagte der
Kommandeur der Streitkräfte in Nord-Israel, Benny Gantz, am
Montagabend. Ein hochrangiger Offizier sagte der Nachrichtenagentur AP,
Israel erwäge Vergeltungsschläge gegen Syrien, Libanon und
die Hisbollah.
Ein Tankwagen der Vereinten Nationen wurde nach Angaben eines
UN-Offiziers von drei Schüssen getroffen; eine Untersuchung des
Vorfalls wurde demnach eingeleitet. Die libanesische Polizei
berichtete, israelische Soldaten hätten etwa zehn Minuten lang mit
Maschinengewehren auf die Grenze geschossen. Dadurch sei der Verkehr
zwischen den Ortschaften Aadajsse und Kfarkila zum Erliegen gekommen.
Libanesische Anwohner berichteten, ein israelischer Krankenwagen habe
einen offenbar verletzten Soldaten aufgenommen.
An einem Kontrollpunkt im Gazastreifen schossen israelische Soldaten am
Montag auf eine Gruppe von Fußgängern. Sie hätten die
Aufforderung, stehen zu bleiben, ignoriert, erklärte die Armee.
Nach Angaben von Augenzeugen und Krankenhausmitarbeitern wurde ein
42-jähriger Mann schwer verletzt, ein 14-jähriger Junge
erlitt eine Schusswunde am Bein.
(Quellen: rtr, ap)
Afghanistan:
20 Taliban-Kämpfer im Süden Afghanistans getötet +++
UNO-Delegation soll Sicherheitslage in Afghanistan erkunden +++
Bundeswehr-Einsatz in Kundus kommt unter NATO-Mandat
Di.07.10.03 - Bei Gefechten im Süden Afghanistans haben die von den USA
geführten Koalitionstruppen 20 mutmaßliche
Taliban-Kämpfer getötet. Der afghanische Befehlshaber in der
Stadt Kandahar, Chan Mohammed, sagte am Montag, unter den Toten befinde
sich auch ein Kommandeur der Taliban, Mullah Abdul Rassak Hafis. Er sei
vor zehn Tagen im Bezirk Dai Tschupan, rund 100 Kilometer nördlich
von Kandahar, ums Leben gekommen. Der Gouverneur der Provinz Urusgan,
Jan Mohammed Chan, sagte, 19 weitere Taliban-Extremisten seien bei den
Kämpfen getötet worden. Er erklärte allerdings, die
Gefechte hätten sich in Urusgan zugetragen, das an Dai Tschupan
angrenzt. Ein Sprecher der US-Streitkräfte auf dem Stützpunkt
Bagram erklärte, er könne den Tod von Hafis nicht
bestätigen.
Eine Delegation des UNO-Sicherheitsrates soll Ende Oktober nach
Afghanistan reisen, um sich über die Sicherheitslage in dem Land
kundig zu machen. Delegationsleiter solle der deutsche UNO-Botschafter
Gunter Pleuger sein, teilten die Vereinten Nationen (UNO) am Montag in
New York mit.
Die Diplomaten sollen zwischen dem 31. Oktober und dem 8. November in
dem Land nach Möglichkeiten suchen, um die von der Nato
angeführte Internationale Afghanistan-Schutztruppe Isaf zu
unterstützen. Derzeit schützt die Isaf die Hauptstadt Kabul
und deren Umgebung. Sie soll der afghanischen Regierung helfen, ein
Machtvakuum nach dem Sturz des Taliban-Regimes zu verhindern.
Große Teile Afghanistans werden nicht von der Regierung in Kabul,
sondern von regionalen Kriegsfürsten regiert.
Die Nato hat sich grundsätzlich für eine Ausweitung ihres
Afghanistan-Einsatzes über Kabul hinaus ausgesprochen. Das
Bündnis beschloss nach Angaben von Diplomaten am Montag in
Brüssel, den von Deutschland geplanten Einsatz von bis zu 450
Soldaten in Kundus im Norden des Landes zu unterstützen. Kundus
solle ein Pilotprojekt für eventuelle andere Einsätze
außerhalb Kabuls sein. Die Nato-Militärs sollen nun bis zum
20. Oktober Detailplanungen vorlegen. Nach dem Grundsatzbeschluss der
Allianz werden Deutschland im UNO-Sicherheitsrat auf eine Ausdehnung
des Mandats der Internationalen Schutztruppe Isaf dringen. Dies ist
Voraussetzung für eine Ausdehnung des Nato-Einsatzes.
(Quellen: rtr, ap)
Gewalt gegen Frauen in Afghanistan beklagt
Di.07.10.03 - Rund zwei Jahre nach dem Sturz der Taliban in Afghanistan hat sich die
Lage der Frauen in dem Land kaum verbessert. Trotz der Versprechen der
Weltgemeinschaft seien Diskriminierung, Gewalt und Unsicherheit noch
immer "weit verbreitet", kritisierte die Menschenrechtsorganisation
Amnesty International (ai). Amnesty wies insbesondere auf
häusliche Gewalt, erzwungene Eheschließungen und
Entführungen hin.
Minderjährige Mädchen, die erst acht Jahre alt seien,
würden an "viel ältere Männer" verheiratet. Afghanische
Frauen hätten oft keinen Zugang zur Justiz und würden vor
Gericht diskriminiert. Die Justiz sei entweder "nicht willens oder
unfähig".
Im August hatte ai darauf hingewiesen, dass landesweit hunderte Frauen
und Mädchen wegen Verstößen gegen religiöse
Vorschriften und Verhaltensregeln in Gefängnissen
säßen. Es komme in Afghanistan oft vor, dass Familien ihre
Mitglieder an die Justiz auslieferten, weil sie sich nicht
gemäß den Vorstellungen ihrer Angehörigen verhalten
hätten. Die Organisation forderte die Weltgemeinschaft auf, beim
Aufbau von Polizei und Rechtssystem in Afghanistan verstärkt auf
die Rechte der Frauen zu achten.
(Quelle: afp)
"Ich und meine Kollegen im Außenministerium unterstützen
Präsident Bushs Engagement voll, den Frauen Afghanistans
zukünftig eine Stimme in ihrem Land zu garantieren."
"Präsident Bush und die gesamte Verwaltung können sich kein
stabiles Afghanistan vorstellen, in dem Frauen nicht in alle Teile des
humanitären Wiederaufbaus eingebunden werden."
"Die Erholung Afghanistans muss die Wiederherstellung der Rechte der
Frauen in Afghanistan nach sich ziehen. Ohne sie selbst ist das
unmöglich. Die Rechte der Frauen sind keine Sache, über die
man verhandeln kann."
"Die USA setzen sich dafür ein, den Frauen Afghanistans zu
garantieren, dass sie nicht nur ihren Platz an der Sonne wiedergewinnen
werden, sondern dass sie auch einen Platz in der neuen Regierung
bekommen."
"Die neue Regierung Afghanistans muss das Recht der Frauen
respektieren, zu bestimmen, welche Rolle in der Gesellschaft sie
wahrnehmen wollen."
O-Ton Colin Powell , Außenminister der USA. Mehr unter:
http://www.state.gov/secretary/rm/2001/6229.htm
Afghanistan: "Weiter ein Platz in der Finsternis"
Zwangsheirat, häusliche Gewalt, Vergewaltigungen, kaum Rechts- und
Polizeischutz: Die "tageszeitung" berichtet in ihrer heutigen Ausgabe
(07.10.03) über die Lage der Frauen Afghanistans zwei Jahre nach
den Taliban:
http://www.taz.de/pt/2003/10/07/a0155.nf/text
Amnesty-Bericht "Afghanistan: No one listens to us and no one treats us as
human beings. Justice denied to women" :
http://www.web.amnesty.org/library/index/engasa110232003
Ein weiterer Bericht zum Thema Frauen in Afghanistan bei "telepolis" (05.10.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/buch/15762/1.html
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UNO: Mindestens 23 Tote bei Massaker in Kongo
Di.07.10.03 - Bei einem Überfall auf ein Dorf in der Demokratischen Republik
Kongo sind am Montag mehr als zwanzig Menschen getötet worden. Bei
den meisten Opfern des Massakers in Kachele rund hundert Kilometer
östlich von Bunia in der Unruheprovinz Ituri habe es sich um
Kinder, schwangere Frauen und alte Menschen gehandelt, sagte eine
Sprecherin der UN-Mission im Kongo. Sie seien erschossen oder mit
Macheten getötet worden. UN-Mitarbeiter hätten 23 Leichen
gezählt.
Augenzeugen hätten jedoch berichtet, dass weitere 32 Tote bereits
begraben worden seien. Über die ethnische Zugehörigkeit
machte die Sprecherin keine Angaben. Auch zu den Angreifern sagte sie
nichts Genaueres.
Das Massaker von Kachele war der erste Überfall auf Zivilisten,
seit die UNO am 1. September von der EU wieder die Kontrolle über
Ituri übernommen hatte. Kachele liegt rund fünf Kilometer
südlich von Bule, wohin sich in den vergangenen Wochen nach
UN-Angaben mehrere tausend Zivilisten aus dem etwa 20 Kilometer
entfernten Fataki geflüchtet hatten. In Fataki hatten im Juli und
August Kämpfer von der Volksgruppe der Lendu mehrmals Anwohner vom
Stamm der Hema überfallen. In der Provinz Ituri wurden seit 1999
rund 50.000 Menschen in den gewaltsamen ethnischen Auseinandersetzungen
getötet; etwa eine halbe Million Menschen sind auf der Flucht.
(Quelle: afp)
ASEAN-Staaten beschließen Gründung einer
Wirtschaftsgemeinschaft
Di.07.10.03 - Die Staatschefs von zehn südostasiatischen Ländern haben am
Dienstagmorgen die Gründung einer Wirtschaftsgemeinschaft nach
europäischem Vorbild vereinbart. Bei einem Gipfeltreffen auf der
indonesischen Ferieninsel Bali unterzeichneten die Mitglieder des
Verbandes Südostasiatischer Staaten (ASEAN) ein Abkommen, dass die
Schaffung eines gemeinsamen Marktes ohne Handelsschranken bis 2020
vorsieht. In den zehn Staaten leben 500 Millionen Menschen, das
jährliche Handelsvolumen liegt derzeit bei 720 Milliarden
US-Dollar (620 Milliarden Euro).
(Quelle:ap)
China, Japan und Südkorea wollen Nordkorea-Krise gemeinsam
lösen
Di.07.10.03 - China, Japan und Südkorea wollen gemeinsam an einer friedlichen
Lösung des Konflikts um das nordkoreanische Atomprogramm arbeiten.
Das beschlossen der südkoreanische Präsident Roh Moo Hyun,
der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi und sein
chinesischer Kollege Wen Jiabao am Rande der ASEAN-Konferenz in
Indonesien. Nach Angaben eines südkoreanischen Regierungsbeamten
wollen die drei Spitzenpolitiker ein weiteres
Sechsparteiengespräch mit Nordkorea, den USA und Russland
organisieren. Erste Verhandlungen in dieser Runde hatten im August
stattgefunden.
(Quelle: ap)
USA kritisieren Präsidentenwahl in Tschetschenien
Di.07.10.03 - Die USA haben die Präsidentenwahl in der russischen
Kaukasusrepublik Tschetschenien als "vertane Chance" kritisiert. Der
Sprecher des Außenministeriums, Richard Boucher, sagte am Montag
in Washington, die USA bezweifelten, dass die Wahl vom Sonntag den
internationalen Standards genügt habe. "Wir sind enttäuscht
über diese vertane Chance." Die Wahl und die Vorbereitung darauf
seien nicht geeignet gewesen, ein positives demokratisches Ergebnis zu
zeitigen.
Der von Moskau unterstützte Achmad Kadyrow wurde am Montag wie
erwartet offiziell zum Sieger der Präsidentenwahl in
Tschetschenien erklärt. Nach Auszählung von 77 Prozent der
Stimmen komme der Amtsinhaber auf 81,1 Prozent, erklärte der
Vorsitzende der regionalen Wahlkommission, Abdul-Kerim Arsachanow, in
Grosny. Der russische Präsident Wladimir Putin nannte die Wahl,
die Menschenrechtsgruppen angesichts des anhaltenden Krieges als Farce
bezeichneten, ein Zeichen der Hoffnung.
(Quelle: ap)
«Moskaus Mann in Grosny hatte seine Konkurrenten schon vorher
ausgeschaltet»
Die Hintergründe der Präsidentenwahl in Tschetschenien
beleuchtet die "junge Welt" in ihrer heutigen Ausgabe (07.10.03)
http://www.jungewelt.de/2003/10-07/005.php
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Europäische Verfassung:
EU warnt vor Ausweitung von Verfassungsdiskussion
Di.07.10.03 - Die EU-Kommission hat vor einer Vermengung der Verhandlungen über
die EU-Verfassung mit Haushaltsdiskussionen gewarnt. Zwischen der so
genannten Regierungskonferenz zur geplanten Verfassung der
Europäischen Union in Rom und einer "weiteren EU-Akte" dürfe
keine Verbindung hergestellt werden, sagte Kommissionssprecher Reijo
Kemppinen in Brüssel. Dies betreffe auch "die finanziellen
Aussichten" der EU. Polens Ministerpräsident Leszek Miller
beharrte auf seiner Ablehnung des vorgeschlagenen Systems der doppelten
Mehrheit.
"Wir wollen, dass die Regierungskonferenz ein Erfolg wird, aber das
heißt nicht, dass wir auf unsere Forderungen verzichten", sagte
Miller nach einem Treffen mit Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude
Juncker.
Nach dem neuen System wären für das Erreichen der
qualifizierten Mehrheit im Ministerrat die Mehrheit der Regierungen und
zugleich die Mehrheit der von ihnen vertretenen Bevölkerung
notwendig. Dagegen hatte das in Nizza entschiedene System sowohl Polen
als auch Spanien gegenüber größeren Ländern wie
Deutschland stark überrepräsentiert.
Die spanische Außenministerin Ana Palacio warf den EU-Partnern in
der Tageszeitung "Die Welt" vor, "auf Grundlage von Drohungen" und
"durch Hintertüren" Politik zu machen. Zwar müsse der Vertrag
von Nizza reformiert werden, die europäische Verfassung in ihrem
jetzigen Entwurf verstoße aber gegen den Vertrag. "Unsere
Regierung wird wohl das Recht haben, Nein zu sagen, wenn Vereinbartes
gebrochen wird", sagte Palacio. Spanien sei sich der finanziellen
Hilfen durch die EU bewusst, habe aber auch selbst "unglaubliche
Fortschritte" gemacht.
Auf der Internetseite des britischen Senders BBC wurde die Ministerin
mit den Worten zitiert, das vorgeschlagene System der doppelten
Mehrheit sei "größtenteils das Ergebnis von
Machtkonzentration in den Händen einiger weniger - den
größten Mitgliedsstaaten".
(Quelle: afp)
Vorwurf ungenügender Antisemitismusbekämpfung an
EU-Ministerrat
Di.07.10.03 - Ungenügenden Kampf gegen den Antisemitismus in Europa wirft der
PDS-Europaabgeordnete André Brie dem EU-Ministerrat vor. Trotz
zunehmender antisemitischer Tendenzen sei das Gremium nicht zu
aktiverer Bekämpfung dieser Entwicklung bereit, kritisierte Brie
am Montag in Brüssel unter Hinweis auf eine von ihm gestellte
parlamentarische Anfrage. Die Reaktion des Rates darauf bezeichnete er
als "Skandal".
Der Rat habe sich in seiner Antwort zwar besorgt über "eine
mögliche Zunahme antisemitischer Ausschreitungen" gezeigt, eine
Mitverantwortung für Aufklärung jüdischer Geschichte und
Eindämmung antisemitischer Vorfälle jedoch abgelehnt, sagte
Brie. Der PDS-Politiker hatte das Gremium im Frühjahr angesichts
der wachsenden Zahl und Schwere der Übergriffe zum Handeln
aufgefordert.
"Damit missachtet der Ministerrat nicht nur verschiedene
EU-Richtlinien, er verletzt auch die kurz vor der endgültigen
Verabschiedung stehende Grundrechtecharta, die das
Diskriminierungsverbot in Verfassungsrang erhebt", erklärte Brie.
Noch verheerender sei das politische Signal, das mit der Tatenlosigkeit
gegenüber antisemitischen Umtrieben gesetzt werde. Brie forderte
deshalb, die Kompetenzen der Europäischen Stelle zur Beobachtung
von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auszuweiten.
(Quelle: ap)
Reformstreit in Deutschland:
CDU-Spitze übernimmt Herzog-Konzept ohne Änderungen +++
Friedrich Merz: Anfang vom Ende der Sozialdemokratisierung der CDU +++
Geißler: Herzog-Pläne machen aus CDU neoliberale
Wirtschaftspartei +++ Auch Stoiber und DGB kritisieren
Herzog-Vorschläge
Di.07.10.03 - Trotz Widerstandes ihres Arbeitnehmerflügels hat die CDU-Spitze
das Konzept der Herzog-Kommission zur Reform der Sozialsysteme
unverändert übernommen. CDU-Chefin nannte den Herzog-Plan
eine gute Grundlage für die Reform der Sozialsysteme. Auf seiner
Basis soll nach Diskussionen in Regionalkonferenzen der Leitantrag
für den Parteitag Anfang Dezember entstehen. Der langjährige
Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) kündigte Widerstand
auf der ersten Regionalkonferenz an.
Nach dem CDU-Beschluss sollen Beiträge zur Krankenkasse
künftig nicht mehr prozentual vom Lohn erhoben, sondern auf eine
einheitliche Prämie von 264 Euro pro Person monatlich umgestellt
werden. Die Pflegeversicherung soll zu einer kapitalgedeckten
Privatkasse werden. Steuerersparnisse sollen für Bezieher
niedriger Einkommen die erhöhten Prämien ausgleichen.
In der CDU-Spitze wurde das Konzept bei zwei Gegenstimmen und einer
Enthaltung angenommen. Die Vertreter der CDU-Sozialausschüsse
hatten ein eigenes Konzept vorgelegt. Dabei soll im wesentlichen an der
lohnbezogenen Finanzierung von Kranken- und Pflegeversicherung
festgehalten werden. Darüber wurde nach Angaben von CDU-
Generalsekretär Laurenz Meyer noch nicht diskutiert.
Merkel verteidigte die geplanten Änderungen als sozial ausgewogen.
Kritikern hielt sie entgegen, programmatische Arbeit in der Partei
"beginnt mit dem Betrachten der Realität". Sie sprach von "einem
mutigen Schritt". Die Kosten der Kranken- und Pflegekassen würden
den Einzelnen zugeordnet. Die Lohnnebenkosten könnten
längerfristig von jetzt mehr als 40 auf 30 Prozent gesenkt werden.
Dadurch könnten auch niedriger bezahlte Arbeiten in Deutschland
wieder eher angeboten werden.
Nach der Übernahme der Herzog-Vorschläge durch den
CDU-Vorstand hält die Kritik an den Reformplänen in der Union
unvermindert an. Der frühere Generalsekretär und
Fraktionsvize Heiner Geißler sagte den "Stuttgarter Nachrichten"
(Dienstag), die Pläne "machen aus der CDU eine neoliberale
Wirtschaftspartei".
Zuvor hatte bereits der CDU-Vize und langjährige Arbeitsminister
Norbert Blüm (CDU) Widerstand gegen die Herzog-Pläne auf der
ersten Regionalkonferenz an diesem Dienstag in Düsseldorf
angekündigt. Im TV-Sender Phoenix sagte Blüm: "Die
Vorschläge sind ein fundamentaler Angriff auf die Grundlagen
unseres Sozialstaates, die über Jahrzehnte unumstritten waren."
Kritik an den Herzog-Vorschlägen kam auch aus der Schwesterpartei
CSU, der SPD, den Gewerkschaften und von den Grünen. Der
CDU-Wirtschaftsrat unterstützt dagegen das Konzept. "Damit wird
eine ordnungspolitische Schneise in die Sozialpolitik der CDU
geschlagen", sagte Verbandspräsident Kurt Lauk der Chemnitzer
"Freien Presse" (Dienstag). Er warnte davor, das Papier zu
verwässern.
Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber hat
die vom Vorstand der Schwesterpartei CDU übernommenen
Vorschläge der Herzog-Kommission kritisiert. Vor allem das
geplante Kopfpauschalen-Modell sei kaum sozial gerecht zu gestalten,
sagte Stoiber am Montag dem Nachrichtensender N24. "Wenn also der Chef
genauso eine Kopfpauschale bezahlt wie der Hausmeister, dann ist das
schwierig. Und das alles über Steuern auszugleichen, da sehe ich
im Moment große Probleme."
Der CSU-Sozialexperte Horst Seehofer hatte das Konzept der
Herzog-Kommission mit dem Argument kritisiert, es fehle darin die
soziale Balance. "Selten hat mich etwas so schockiert wie diese
Vorschläge", sagte er.
Seehofer warnte die CDU davor, das Prinzip der Solidarität
aufzugeben und damit die Mehrheitsfähigkeit der Union zu
riskieren: "Dieses Prinzip gehört, wie die Rechtsstaatlichkeit,
zur Grundausstattung unseres Landes", sagte er der "Süddeutschen
Zeitung". Er wehrte sich vehement gegen die Einführung der
Kopfpauschale. Dieses System setze an die Stelle der bisherigen
institutionell garantierten Solidarität "das Prinzip Hoffnung und
den Finanzminister" - der nach dem Herzog-Modell den Bürgern,
welche die Kopfprämie nicht aufbringen können, einen Zuschuss
aus Steuermitteln zahlen muss. Seehofer warnte vor einer "gigantischen
Bürokratie", die dieses Modell provoziere. Er mahnte, es
dürfe nicht passieren, "dass wir zum Bittstellerstaat
zurückkehren, in dem die Leute ein Almosen im Rathaus erbetteln
müssen".
Der CDU-Bundestagsabgeordnete, Uwe
Schummer, sagte der "Mitteldeutschen Zeitung": "Wenn das von der Partei
so übernommen wird, sind wir keine christlichen Demokraten mehr,
sondern eine aufgeblasene FDP."
Der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz meinte
dagegen, es sei wichtig, dass mit der Sicherung der Sozialsysteme Ernst
gemacht werde. "Heute ist der Anfang vom Ende der
Sozialdemokratisierung der CDU", sagte er.
Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer bemerkte:
"Die Botschaft der CDU an die Menschen in Deutschland ist ab heute:
Soziale Sicherheit soll zur Privatsache werden". Sie nannte die
Vorschläge eine "Gleichmacherei ohne soziale Balance".
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sprach von
einer tragfähigen Grundlage. Der saarländische
Ministerpräsident Peter Müller (CDU) rechnet mit einer
Einigung der Union über das Herzog-Konzept. Die Grünen warfen
der Herzog-Kommission "soziale Kälte" und "Sozialabbau" vor. Zu
begrüßen sei allerdings, dass damit den Bürgern der
Vergleich mit den rot-grünen Plänen erleichtert werde, sagte
Parteichefin Angelika Beer.
(Quelle: dpa)
«...Wer, wie Angela Merkel, mit allen sozialpolitischen Traditionen der
Union bricht, hat möglicherweise viel Mut, aber nicht so viel
Verstand..»
Was Herzog/Merkel vorhaben, muss man am Fall exemplifizieren
Also ein Beispiel. Wenn ein Rentner heute tausend Euro Rente hat,
bemisst sich daran die Krankenversicherung mit 14 Prozent – die
Hälfte bezahlt bekanntlich der Arbeitgeber, in diesem Fall der
Rentenversicherungsträger, die andere Hälfte er; macht
derzeit siebzig Euro. Nach dem Herzog/Merkelschen
Kopfprämien-Modell wird er künftig ein Vielfaches bezahlen
müssen, von 264 Euro war die Rede; für seine Frau dann noch
einmal so viel. Für die Pflegeversicherung fallen weitere
Kopfprämien an. Weil sodann nichts mehr von der Rente übrig
bliebe, muss der Staat einspringen und aus Steuermitteln Zuschüsse
zahlen. Um diese Zuschüsse zu erhalten, muss der Rentner zur
Behörde gehen, seine Vermögensverhältnisse darlegen,
also das Sparbuch präsentieren. Die Zuschüsse aus
Steuermittlen werden sich allein in der Krankenversicherung auf gut 27
Milliarden belaufen. Ähnlich soll es bei der Pflegeversicherung
und bei der Mindestrente funktionieren. Wenn aber nun gleichzeitig die
Steuern gesenkt werden sollen, fragt man sich, wo das Geld herkommen
soll . . . Das Herzog/Merkelsche-Projekt der Privatisierung des
Sozialstaates ist nicht ein Projekt „weniger Staat". Es bedeutet: mehr
Staat. Es bringt auch nicht weniger, sondern mehr Bürokratie. Und
es führt nicht zu weniger, sondern zu mehr Subventionen. Der
Gewinner bei der ganzen Geschichte ist die private
Versicherungswirtschaft; sie ist auch die stärkste Lobby in
Deutschland. (...)
Aus: Heribert Prantl -"Das Prinzip Hundehütte", Kommentar in der Süddeutschen Zeitung vom 07.10.03
Das Modell einer Kopfpauschale:
http://www.taz.de/pt/2003/07/28/a0141.nf/text>
Erst Rürup, jetzt Herzog - Ein Vergleich der Reformvorschläge
Di.07.10.03 - Einen Monat nach Vorlage des Abschlussberichts der von Rot-Grün
eingesetzten Kommission um den Ökonomen Bert Rürup hat die
von der CDU beauftrage Kommission um Alt-Bundespräsident Roman
Herzog Vorschläge zur Reform der Sozialsysteme präsentiert.
In der Problemdarstellung, den unterstellten Szenarien und den Zielen
nehmen sich die beiden Konkurrenz-Kommissionen nicht viel. Einigkeit
besteht auch darin, dass sich der jeweils vorgeschlagene Systemwechsel
bis zum Jahr 2030 und darüber hinaus hinziehe. Die aufgezeigten
Alternativen unterscheiden sich aber:
- KRANKENVERSICHERUNG: Während die Rürup-Kommission sich bei
der Finanzierung auf kein Modell - Bürgerversicherung oder
Kopfpauschalen - festlegte, rät die Herzog-Kommission von einer
Bürgerversicherung ab, bei der auch Beamte und Selbstständige
einzahlen müssten. Auch geht Herzog über die beschlossene
Gesundheitsreform hinaus und fordert, dass Bürger nicht nur
Zahnersatz selbst absichern, sondern auch die Kosten für
Anzeige
Zahnbehandlung. Rürup selbst und die Herzog- Kommission sind sich
aber nahe beim Prämienmodell, bei dem Bürger den Beitrag aus
eigener Tasche zahlen und der Arbeitgeberanteil dem Lohn zugeschlagen
wird. Ein Sozialausgleich soll über Steuern erfolgen. Die
Herzog-Runde schlägt zudem den Aufbau eines Kapitalstocks vor.
- PFLEGEVERSICHERUNG: Anders als die Herzog-Kommission lehnt die
Rürup-Runde einen Systemwechsel ab. Herzog & Co. schlagen ein
kapitalgedecktes Prämienmodell vor. Für einen
Übergangszeitraum bis 2030 soll ein Kapitalstock aufgebaut und
dazu der Pflegebeitrag erhöht werden. Beide Gremien sprechen sich
aber dafür aus, aus Gründen der
«Generationengerechtigkeit» Rentner stärker zur Kasse
zu bitten. Allerdings lässt Herzog den Rentnerbeitrag offen.
Rürup dagegen schlägt ab 2010 einen Ausgleichbeitrag der
Rentner von zwei Prozent des beitragspflichtigen Einkommens vor.
Unterschiede gibt es bei der Familienentlastung. Aber auch Herzog
verweist - wie zuvor Rürup - dass die vom Bundesverfassungsgericht
geforderte stärkere Anerkennung von Kindererziehung über
Steuermittel gelöst werden muss.
- RENTENVERSICHERUNG: Das umlagefinanzierte System wollen beide
Kommissionen im Grundsatz erhalten. Angenähert haben sie sich
inzwischen auch beim höheren Renteneintrittsalter von 67 Jahren.
Rürup will dies in der Zeit zwischen 2011 und 2035 tun, Herzog
zwischen 2011 und 2023. Eine abschlagsfreie Rente soll es bei Herzog
erst nach 45 Beitragsjahren oder dem 67. Lebensjahr geben. Wer die 45
Jahre vor 67 erreicht, kann sich ab 63 mit voller Rente zur Ruhe
setzen. Bei Rürup können Versicherte mit 45 oder mehr
Beitragsjahren zwar früher in Rente gehen, sie müssen dann
aber Abschläge in Kauf nehmen. Mit den Herzog-Vorschlägen
würde die Standardeckrechte bis 2030 von heute 48 auf 37,3 Prozent
der Brutto-Durchschnittseinkommen sinken, bei Rürup auf rund 40
Prozent. Einen Demographie- oder Nachhaltigkeitsfaktor zur
Dämpfung der Rentenerhöhung schlagen beide Gremien vor,
ebenso Vereinfachungen der Riester-Rente.
(Quelle: dpa)
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SPD-Spitze macht Zugeständnisse bei Arbeitsmarktreform
Di.07.10.03 - Die SPD will den parteiinternen Kritikern der geplanten
Arbeitsmarktreform weitere Zugeständnisse machen. So werde
überlegt, ältere Arbeitslose besser zu stellen als bisher
vorgesehen, berichtete die Berliner Zeitung am Dienstag unter Berufung
auf den arbeitsmarktpolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion,
Klaus Brandner. Wer über 55 Jahre sei, solle nicht gezwungen
werden, die Altervorsorge anzutasten. Auch eine Unterhaltsverpflichtung
zwischen Eltern und Kindern bei Arbeitslosigkeit werde es nicht geben.
Der Gesetzentwurf werde entsprechend nachgebessert.
In einem Brief an seine Fraktionskollegen betonte Brandner dem Blatt
zufolge aber auch: "Selbstverständlich müssen Arbeitslose
auch Teilzeitstellen annehmen und dazu beitragen, die
Bedürftigkeitsleistung zu vermindern." Zudem stehe bereits im
Gesetzentwurf, dass sittenwidrige Arbeiten oder solche mit
unzulässig niedrigen Löhnen nicht zumutbar seien. "Die
Rechtsprechung ist deutlich, wir werden dennoch prüfen, ob eine
Klarstellung sinnvoll ist", fügte er laut "Berliner Zeitung" in
dem Brief hinzu.
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel rechnet nach eigenen Worten
mit einem weiteren Einlenken der Parteiführung in Einzelpunkten
der geplanten Arbeitsmarktreform. Niemand lehne die Zusammenlegung von
Arbeitslosen- und Sozialhilfe ab, sagte Barthel der Chemnitzer "Freien
Presse". Doch die Tücke stecke im Kleingedruckten. So könne
es nicht dabei bleiben, dass Lebensversicherungen bei der Berechnung
des Arbeitslosengeldes berücksichtigt werden. Wer das als
unumstößlich ansehe, verkenne die tatsächliche
Situation der Erwerbslosen. "Ich gehe davon aus, dass die Parteispitze
sich bewegen wird", sagte Barthel.
Auch die hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti wirbt nach ihrer
monatelangen Kritik an der Agenda 2010 nun für Zustimmung zu den
Reformplänen der Bundesregierung. Sie habe als Kritikerin der
Agenda alle Einwände rechtzeitig eingebracht, sagte Ypsilanti der
"Wetzlarer Neuen Zeitung". Nun sei es an der Zeit, den klaren
Parteitagsbeschluss dazu zu akzeptieren. Zugleich zeigte die
SPD-Politikerin aber Verständnis für die Abweichler in der
Bundestagsfraktion: "Den vehementen öffentlichen Druck, den man
jetzt auf diese Abgeordneten ausübt, kann ich nicht
nachvollziehen. Das ist überzogen."
Widerstand gegen die Arbeitsmarktreform droht jedoch auch im Bundesrat.
Selbst SPD-Länder lehnen laut "Berliner Zeitung" Pläne der
Regierung ab, die Entlastung der Kommunen über einen höheren
Anteil an der Umsatzsteuer zu finanzieren. "Eine Entlastung der
Kommunen, die die Länder bezahlen, kommt nicht in Frage", sagte
der schleswig-holsteinische Finanzminister Ralf Stegner (SPD) dem
Blatt. Die Länder würden eine eine Änderung bei der
Verteilung der Umsatzsteuer nicht mitmachen. Wer wie der Bund eine
Entlastung verspreche, müsse auch zahlen.
(Quelle: ap)
Betriebsräte lehnen Eingriffe in Tarifautonomie ab
Di.07.10.03 - Die Mehrheit der Betriebsräte im Organisationsbereich der IG
Metall lehnt die von Union und FDP geplanten Eingriffe in die
Tarifautonomie ab. Das ergab eine am Montag in Frankfurt
veröffentlichte Umfrage der Gewerkschaft, an der sich knapp 3.000
Betriebsratsgremien der Metall- und Elektroindustrie sowie der Textil-
und Holzwirtschaft beteiligt hatten. IG-Metall-Chef Jürgen Peters
sprach von einem deutlichen Signal an die Parteien.
Rund 97 Prozent der Betriebsräte halten der Umfrage zufolge eine
Abweichung von Tarifverträgen in Form von Betriebsvereinbarungen
oder Einzelverträgen für nicht sinnvoll. Rund 95 Prozent der
Befragten widersprachen außerdem der Ansicht, dass sie bei der
Umsetzung betrieblicher Lösungen von Tarifverträgen behindert
würden.
Peters erklärte, die Betriebsräte empfänden die
Vorstöße von Union und FDP als "Bedrohung und nicht als ein
Mehr an Souveränität". Tarifverträge böten
"Planungs- und Kalkulationssicherheit sowohl für die
Beschäftigten, als auch für die tarifgebundenen Unternehmen".
Der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, warnte vor
Eingriffen des Gesetzgebers in die Tarifautonomie. Es bedürfe
gleichberechtigter Partner, die ihre Funktion ohne staatliche oder
sonstige Eingriffe ausübten, damit die Tarifverträge weiter
Sicherheit böten. In der "Frankfurter Rundschau" griff Huber vor
allem Unionsfraktionsvize Friedrich Merz scharf an: "Merz will die
Balance zwischen Kapital- und Arbeitnehmerinteressen zu Gunsten der
Kapitalseite auflösen."
(Quelle: ap)
IG Metall ruft zu Warnstreiks in der Stahlindustrie auf
Di.07.10.03 - Im Tarifkonflikt der westdeutschen Eisen- und Stahlindustrie hat die IG
Metall für heute und Mittwoch Beschäftigte mehrerer
Stahlunternehmen in Nordrhein-Westfalen, Bremen und Niedersachsen zu
Warnstreiks aufgerufen.
Am Dienstag seien die Stahlstandorte Dortmund, Duisburg, Mühlheim,
Krefeld, Bremen und Salzgitter davon betroffen, sagte
IG-Metall-Sprecher Wolfgang Nettelstroth am Montag in Düsseldorf.
In Duisburg sei eine zentrale Kundgebung vor den Toren von ThyssenKrupp
Stahl geplant. Am Mittwoch sollten weitere Aktionen in Bochum,
Düsseldorf, Siegen und Georgsmarienhütte folgen. Zu den
bestreikten Unternehmen gehören den Angaben zufolge auch
ThyssenKrupp Nirosta (Bochum, Krefeld), die zu Salzgitter
gehörenden Mannesmannröhren-Werke (Mühlheim) und die
Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM, Duisburg).
Mit den befristeten Arbeitsniederlegungen wolle die Gewerkschaft gegen
das aus ihrer Sicht zu niedrige Angebot der Arbeitgeber in den
laufenden Tarifverhandlungen für die 85.000 Beschäftigten des
Tarifbezirks protestieren. Die Verhandlungen werden erst nach den
Warnstreiks am 16. Oktober fortgesetzt.
Die Arbeitgeber hatten der Gewerkschaft nach deren Angaben in der
dritten Verhandlungsrunde Einkommenserhöhungen um 1,8 Prozent bei
einer Laufzeit von 18 Monaten angeboten, wobei die Erhöhung erst
im Dezember einsetzen sollte. Die IG Metall hatte dies als
"Provokation" bezeichnet und fordert 4,5 Prozent höhere Löhne
und Gehälter rückwirkend ab September. Außerdem strebt
sie eine Laufzeit des Tarifvertrages von zwölf Monaten an.
(Quelle: rtr)
Vier-Tage-Woche ohne Lohnausgleich im Energiesektor
Di.07.10.03 - Zur Vermeidung einer Entlassungswelle bei dem
badenwürttembergischen Energiekonzern EnBW hat Vorstandschef Utz
Claassen die Einführung der Vier-Tage-Woche ohne Lohnausgleich
vorgeschlagen. Dies erklärte er der "Financial Times Deutschland".
In der Versorgungsbranche wäre eine solche Lösung ein Novum.
Claasen war früher Manager bei Seat, einer Tochter des
VW-Konzerns. Dort konnten vor einigen Jahren mit einer
lohnkostenneutralen Verkürzung der Arbeitszeit Massenentlassungen
vermieden werden. Die EnBW muss insgesamt 350 Millionen Euro einsparen.
Das Vorhaben, 3.700 von 13.000 Stellen abbauen zu wollen, dementierte
Claasen. Neben der Arbeitszeitverkürzung sollen Kündigungen
durch den Abbau übertariflicher Leistungen und
Vorruhestandsregelungen so gering wie möglich gehalten werden.
(Quelle: ap/taz)
Höher qualifizierte Beschäftigte müssen
länger arbeiten
Di.07.10.03 - Wer viel kann, muss auch viel arbeiten: Nach einer Studie des
Gelsenkirchener Instituts für Arbeit und Technik müssen
Akademiker und andere höher Qualifizierte in einigen
europäischen Ländern länger arbeiten als die
übrigen Arbeitnehmer.
"Die Unternehmen wollen ihre Investitionen in die Qualifikation der
Beschäftigten durch möglichst lange ,Gehirnlaufzeiten'
schneller amortisieren", sagte der Leiter der Studie, Sebastian Schief.
In Großbritannien müssen Führungskräfte mit 40,5
Wochenstunden durchschnittlich rund fünf Stunden länger
arbeiten als Beschäftigte in einfachen Jobs.
Auch in Deutschland und Schweden leisten höher Qualifizierte 3,6
beziehungsweise 2 Stunden pro Woche mehr. Nur in Italien arbeiten die
höher Qualifizierten 4,5 Wochenstunden weniger als die anderen
Arbeitnehmer. Grundsätzlich verbringen Männer in
Toppositionen mehr Zeit am Arbeitsplatz als Frauen. Die Differenz ist
mit neun Wochenstunden in Italien am höchsten, es folgen
Deutschland (5,4) und Großbritannien (4,6).
(Quelle: dpa/taz)
Sozialverbände drohen mit Klage gegen Renten-Nullrunde
Di.07.10.03 - Mehrere Sozialverbände erwägen eine Verfassungsklage gegen
die Bundesregierung, falls sie die nächste Rentenerhöhung
verschiebt oder ganz aussetzt.
"Wir prüfen, ob eine spätere Rentenanpassung
verfassungsrechtlich überhaupt zulässig ist", sagte der
Präsident des Sozialverbands Deutschland SoVD, Peter Vetter, der
"Berliner Zeitung" (Dienstag). "Gegebenenfalls werden wir klagen."
VDK-Präsident Walter Hirrlinger sagte der "Braunschweiger Zeitung"
(Dienstag), wenn die Koalition eine Nullrunde für die Rentner
beschließe und zugleich wie geplant den Bundeszuschuss zur
Rentenversicherung senke, werde sein Verband vor dem
Bundesverfassungsgericht "wahrscheinlich klagen". Zu Gunsten des
Bundeshaushaltes sei eine Rentenkürzung nicht
rechtmäßig.
Dagegen erwartet Grünen-Fraktionschefin Krista Sager nach eigenen
Worten Verständnis für eine Nullrunde 2004. Da die aktive
Generation belastet sei durch steigende Beiträge, sinkende
Arbeitsmarkt-Chancen und weniger Lohnsteigerungen, seien auch die
Rentner bereit, einen Beitrag zu leisten, sagte sie der "Thüringer
Allgemeinen" (Dienstag). Es sei "noch nie einer Rentnergeneration ...
so gut gegangen".
(Quelle: dpa)
Sabotage an Telefonkabeln in Köln
Di.07.10.03 - Bei Ermittlungen zu durchtrennten Telefonkabeln am Wochenende in
Köln hat die Polizei erste Indizien sichergestellt. Nahe des
Tatorts seien ein gestohlenes Auto und eine Astschere gefunden worden,
teilte die Polizei am Montag mit. Unbekannte hatten in der Nacht zum
Sonntag einen Kabelschacht in Köln-Lindweiler geöffnet und
die Telefonverbindungen für einige nördliche Stadtteile
gekappt. Rund 15.000 Haushalte waren von dem Ausfall bis zum
frühen Sonntagabend betroffen.
Die Hintergründe der Tat sind nach Polizeiangaben noch völlig
ungeklärt. Für mögliche politische Motive gebe es aber
keine Hinweise. Seit Anfang 2002 sei dies der neunte Fall einer solchen
Sabotage. Die Ermittler prüften nun eventuelle Zusammenhänge,
hieß es. Die Täter hatten mit noch unbekannten
Hilfsgeräten eine schwere Betonplatte von dem Kabelschacht
entfernt und vier etwa daumendicke Glasfaserkabel durchgeschnitten.
Da die Telefonstörung auch den Notruf betraf, hatte die Polizei am
Sonntag Einsatzkräfte im Norden Kölns zusammengezogen. In
wenigen Fällen seien dort Einbrüche oder Einbruchsversuche
festgestellt worden. Ein Zusammenhang mit den gekappten Telefonkabeln
sei aber zunächst nicht festgestellt worden. (dpa)
(Quelle: dpa / heise)
Medizin-Nobelpreis für neue Bilder vom Inneren des Menschen
Di.07.10.03 - Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr zu gleichen Teilen
an den US-Amerikaner Paul C. Lauterbur und den Briten Sir Peter
Mansfield. Sie erhalten die höchste Auszeichnung der Medizin
für die Anwendung der Kernspintomographie beim Menschen, wie das
Karolinska-Institut am Montag in Stockholm bekannt gab. Die Technik
machte vollkommen neue Bilder aus dem Inneren des Körpers
möglich.
Lauterbur (74) ist Direktor des Biomedical Magnetic Resonance
Laboratory an der Universität von Illinois in Urbana-Champaign. Er
passte das bis dahin nur von Chemikern genutzte Verfahren in den 70er
Jahren für den Menschen an. Sein Kollege Sir Peter Mansfield (69),
Professor für Physik an der Universität von Nottingham,
verbesserte die Analyse der Kernspin-Daten und beschleunigte das
Verfahren.
Mit Hilfe der Kernspintomographie lassen sich ohne die Verwendung von
Röntgenstrahlen schonend Veränderungen und Erkrankungen von
Organen darstellen. Dieses Verfahren habe einen entscheidenden
Durchbruch sowohl für Behandlung von Kranken als auch die
medizinische Forschung bedeutet, erläuterte das
Karolinska-Institut. Solche Abbildungen sind inzwischen Routine: Jedes
Jahr gibt es weltweit mehr als 60 Millionen Kernspin-Untersuchungen.
Die Methode macht sich die unterschiedliche Verteilung von
Wasserstoffatomen in den Organen zu Nutze. In einem starken Magnetfeld,
das den in einer Röhre liegenden Patienten umgibt, richten sich
die normalerweise ungeordnet schwingenden Atome neu aus. Dabei nehmen
sie Energie auf. Diese senden sie nach dem Abschalten des Magnetfeldes
wieder aus. Diese Signale werden gemessen und in Bilder umgerechnet.
Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist in diesem Jahr mit
umgerechnet 1,1 Millionen Euro (10 Millionen Schwedische Kronen)
dotiert. Die Nobelpreise werden traditionsgemäß am 10.
Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833 - 1896),
überreicht.
Im vergangenem Jahr hatten die Briten Sydney Brenner und John Sulston
sowie der US-Forscher Robert Horvitz den Medizin-Nobelpreis erhalten.
Sie hatten den programmierten Zelltod (Apoptose) erforscht.
(Quelle: dpa)
Stichwort: Nobelpreis
Mit der Stiftung der Nobelpreise [http://www.nobel.se/] wollte der schwedische Forscher und
Großindustrielle Alfred Nobel (1833-1896) einen Konflikt
lösen, der sein Leben bestimmte: Der Dynamit-Erfinder konnte nicht
verwinden, dass seine Entdeckung für den Krieg genutzt wurde. Als
«Wiedergutmachung» vermachte er sein Vermögen einer
Stiftung, aus deren Zinsen Preise für jene finanziert werden
sollten, die «im verflossenen Jahr der Menschheit den
größten Nutzen geleistet haben». Nobel selbst hatte
mehr als 350 Patente angemeldet.
Die Preise werden seit 1901 verliehen. Die Dotierung stieg von 150 800
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310030.htm#031003_f
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