Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertundvierten Tag nach Kriegsbeginn
Neue Irak-Resolution der USA ist laut US-Vertreter praktisch 'tot' +++
US-Verteidigungsminister ist nicht über neu gegründete
Arbeitsgruppe für Irak im Weißen Haus unterrichtet gewesen
+++ Tausende demonstrieren in Bagdad gegen Festnahme von Geistlichen
+++ US-Regierung will mit Medienkampagne Irak-Kritik begegnen +++ USA
wollen im Frühjahr Privatisierungsplan für Irak vorlegen +++
Deutsche Regierung hält Irak-Geberkonferenz für
verfrüht. Fehlen einer Bedarfsanalyse für den Irak
bemängelt +++ Erstmals wieder Telefonverbindungen zwischen Nord-
und Südirak
Do.09.10.03 - Der umstrittene Irak-Resolutionsentwurf der USA hat offenbar kaum noch
Aussichten auf Erfolg bei den Vereinten Nationen. Am UN-Sitz in New
York herrsche allgemein die Ansicht vor, dass die "Resolution tot ist",
auch wenn die Beratungen über den Text offiziell fortgesetzt
würden, sagte ein US-Vertreter, der nicht genannt werden wollte,
am Mittwoch. Laut dem Sprecher des US-Außenministeriums, Richard
Boucher, wird nach der "besten Verfahrensweise" gesucht. Washington sei
zu Anpassungen, aber nicht zu einer tiefgreifenden Revision des in der
vergangenen Woche dem UN-Sicherheitsrat vorgelegten Entwurfs bereit.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ist nach eigenen Angaben nicht
über die Umstrukturierung der Irak-Politik im Weißen Haus
unterrichtet gewesen. Eine interne Mitteilung von
US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice, in der eine neu
gegründete Arbeitsgruppe für Irak angekündigt worden
war, sei ihm nicht zu Gesicht gekommen, sagte Rumsfeld bei einem
Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Colorado Springs vor
europäischen Journalisten am Mittwoch (Ortszeit): "Das war
wahrscheinlich auf einer niedrigeren Ebene." Er habe aber nicht das
Gefühl, dass seine Autorität unter diesem Zug der
US-Regierung leide, und sei über "diesen ganzen Wirbel" wegen
eines einseitigen Memorandums überrascht.
Die US-Regierung will derweil der wachsenden inländischen Kritik
an dem Irak-Feldzug mit einer Medienkampagne begegnen.
US-Präsident George W. Bush werde am Donnerstag Reden in den
Bundesstaaten New Hampshire und Kentucky halten und in diesem Monat
seine wöchentlichen Rundfunkansprachen dem Thema widmen,
verlautete am Dienstag aus Regierungskreisen in Washington.Am Freitag
sei eine Rede von Vize-Präsident Dick Cheney in Washington
geplant. Und in den kommenden sechs Wochen sollten mehrere
Regierungsmitglieder in den Irak reisen, hieß es.
Die fast täglichen Berichte über Opfer unter den US-Soldaten
im Irak und die hohen Kosten des Wiederaufbaus stellen 13 Monate vor
der US-Wahl eine politische Bedrohung für Bush dar. Dessen
Umfrageergebnisse sind wieder auf Werte wie vor den Anschlägen vom
11. September 2001 gesunken, und eine Mehrheit der US-Bürger ist
inzwischen der Ansicht, dass der Irak-Krieg die menschlichen und
materiellen Kosten nicht wert sei. Im Kongress gibt es Bestrebungen,
Teile der 87 Milliarden Dollar an zusätzlichen Mitteln für
den Irak entweder nur als Kredit zu vergeben oder den Betrag zu
kürzen.
In der irakischen Hauptstadt Bagdad haben am Mittwoch tausende Menschen
gegen die Festnahme zweier schiitischer Geistlicher demonstriert. Rund
um die Ali-el-Baja-Moschee im Westen Bagdads wachten zahlreiche
US-Soldaten über die Kundgebung, wie ein Reporter der
Nachrichtenagentur AFP berichtete. An der Demonstration beteiligten sich
zahlreiche Mitglieder der Miliz des radikalen Schiitenführers
Moktada el Sadr.
Die US-Regierung will im Frühjahr 2004 einen Plan zur
Privatisierung von staatseigenen Unternehmen in Irak vorlegen. Auf
dieser Grundlage soll dann der von den USA eingesetzte irakische
Regierungsrat zunächst eine Kommission einsetzen und
anschließend endgültig entscheiden, wie der zuständige
Beauftragte der US-Zivilverwaltung, Thomas Foley, am Mittwoch in
Washington sagte.
Foley sagte, nach seiner Ansicht sollte dabei nicht einfach das
höchste Gebot akzeptiert werden, sondern es müssten auch die
Geschäftserfahrung und Bonität der Investoren sowie die
Konsequenzen für die heute Beschäftigten beachtet werden. Den
Wert vieler Unternehmen könne er nicht einmal schätzen, weil
verlässliche Bilanzzahlen fehlten.
Foley beaufsichtigt in Irak zurzeit 150 Unternehmen, in denen rund
250.000 Menschen arbeiten. Dazu gehören Minen, Pharma-Betriebe und
Autowerke. Die Ölindustrie sowie der Bank- und Versicherungssektor
fallen nicht in seine Zuständigkeit.
Die deutsche Regierung hält die für Ende Oktober geplante
internationale Irak-Geberkonferenz für verfrüht und die
Erwartungen der USA für zu hoch. Deutschland wäre es "nicht
unrecht", wenn die in Madrid geplante Konferenz später stattfinde
würde. Das hieß es am Rande der deutsch-russischen
Regierungskonsultationen in Jekaterinburg aus Regierungskreisen. Die
deutsche Seite bemängelt unter anderem, dass es immer noch keine
Bedarfsanalyse für den Irak gäbe.
Im Nord-Irak können die Menschen erstmals seit zwölf Jahren
wieder mit dem Rest des Landes telefonieren. Das gab der
zuständige Telekommunikationsminister bekannt. Ziel sei es, die
psychologischen Barrieren abzubauen, die zwischen den Landesteilen nach
der langen Trennung existierten. Die Provinzen Erbil, Dohuk und
Sulaimanija hatten sich in den 90er Jahren zu einer Autonomieregion
entwickelt - unabhängig vom Regime Saddam Hussein.
(Quelle: dpa, afp, rtr)
NATO-Planspiel «Dynamic Response '07»
Nato-Verteidigungsminister testen globale Einsatzbereitschaft
Do.09.10.03 - Kurzfristige Nato-Kampfeinsätze auf der ganzen Welt haben am
Mittwoch die Debatte der Nato-Verteidigungsminister während ihres
Treffens in den USA bestimmt.
In einem vierstündigen Planspiel testeten die Minister und
Armeechefs der 19 Mitgliedstaaten die Beilegung politischer und
militärischer Differenzen über Kampfeinsätze
außerhalb der historischen Nato-Grenzen. Das Szenario spielte
Teilnehmerkreisen zufolge im Jahr 2007 und hatte mit Terrorismus und
Massenvernichtungswaffen in einem fiktiven Land in der
Mittelmeer-Region oder dem Nahen Osten zu tun. Details der Übung
"Dynamic Response '07" wurden zunächst geheim gehalten. Das
Planspiel bildete den Auftakt der zweitägigen Tagung auf dem
Schriever-Luftwaffenstützpunkt in Colorado Springs im
US-Bundesstaat Colorado.
"Das ist eine außerordentliche Gelegenheit, über die Zukunft
der Allianz nachzudenken", sagte NATO-Generalsekretär Georg
Robertson zu Beginn der Tagung. "Es geht darum, ob wir unsere
Fähigkeiten auf neue Weise organisieren müssen." Die
Übung fand im Joint National Integration Center statt, einer
hochmodernen Einrichtung für die Raketenabwehr und Weltraum
gestützte Verteidigung der USA. An dem Treffen nehmen auch
Vertreter der sieben osteuropäischen Länder teil, die im
nächsten Jahr der Allianz beitreten.
Die Minister werden sich außerdem mit dem Einsatz der Allianz in
Afghanistan beschäftigen, wo die internationale Schutztruppe Isaf
derzeit unter Nato-Kommando die Hauptstadt Kabul und deren Umgebung
sichert. Die Truppe soll künftig auch andere Teile des Landes
befrieden.
Am Donnerstag steht ein Treffen mit dem russischen
Verteidigungsminister Sergej Iwanow auf dem Programm.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv
Russland warnt NATO wegen ihrer militärischen Offensivdoktrin
Fr.03.10.03 - Russland hat der NATO mit einer radikalen Änderung seiner
militärischen Strategie gedroht. Sollte das
Verteidigungsbündnis in seiner jetzigen Form bestehen bleiben, sei
Russland zu einer Änderung seiner Pläne über die
Umstrukturierung der Streitkräfte gezwungen, heißt es in
einem am Donnerstag veröffentlichten Dokument des
Verteidigungsministeriums. Davon sei auch das russische Nuklearprogramm
betroffen. Verteidigungsminister Sergej Iwanow schloss außerdem
einen Präventivschlag Russlands nicht aus...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310030.htm#03100304
Nato peilt weltweite Einsätze an - Stratiegieentwurf sieht
vorbeugende Schläge gegen Terror vor
BRÜSSEL, 6. Juni 2002Beim Kampf gegen den Terrorismus schwenkt die Nato auf die Linie der
USA ein, die auf militärische Präventivschläge gegen
jene Staaten dringt, die der Unterstützung von Terroristen
verdächtigt werden. Das Bündnis schließt damit welt
weite Einsätze nicht mehr aus. Auf ihrem Gipfel im November in
Prag will die Nato sich durch Rüstungsbeschlüsse für
diese Aufgaben fit machen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310030.htm#031003_v
NATO stößt bis Rußland vor - Prager Gipfel billigte
größte Erweiterung der Allianz. Eingreiftruppe geschaffen
Prag - 22.11.2002 - Mit der »Beitrittseinladung« an
sieben osteuropäische Staaten hat die NATO am Donnerstag in Prag
die größte Erweiterung ihrer 53jährigen Geschichte
beschlossen. Das Bündnis wird damit bis Mitte 2004 auf 26
Mitglieder anwachsen und sein Territorium bis an die Grenze zu
Rußland ausdehnen. Dieser Beschluß soll nach den Worten von
NATO-Generalsekretär George Robertson »die endgültige
Überwindung der Teilung Europas« markieren...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310030.htm#031003_w
Verteidigungsminister Struck: Landesverteidigung nicht mehr oberste
Aufgabe der Bundeswehr. Deutschland wird am Hindukusch verteidigt
Fr.06.12.02 - Verteidigungsminister Peter Struck will das nicht
hören, aber er hat der Bundeswehr eine Reform der
Reform verordnet. Noch gravierender als seine Streichliste ist jedoch
seine zweite, überraschende Botschaft. Er gibt den deutschen
Soldaten einen neuen Auftrag. So verkündet der
Sozialdemokrat am Donnerstag in Berlin in Abkehr von seinem
Vorgänger Rudolf Scharping (SPD) den Abschied von der
Landesverteidigung als oberste Aufgabe der Armee...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310030.htm#031003_x
Bundeswehr plant Präventivschläge
"Studie fordert Fähigkeit zum Präventivschlag"
überschrieb die Süddeutschen Zeitung am 9. November 1992
ihren Bericht über ein Papier des "Zentrums für Analysen und
Studien der Bundeswehr" in Waldbröl.
Diese Studie (SFT 21) ist eine Zukunftsanalyse der
sicherheitspolitischen Bedürfnisse der Bundesrepublik und der
daraus abzuleitenden Strategien und Strukturen der Streitkräfte.
Dabei kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass aufgrund einer
veränderten Bedrohungslage die Bundeswehr zu "offensiven
Operationen" zu befähigen sei. Angesichts der Gefährdung
durch Massenvernichtungswaffen solle über die Möglichkeit
präventiver militärischer Optionen politisch entschieden
werden, empfahlen die Autoren.
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/a0211100.htm#top
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Afghanistan:
60 Tote bei Kämpfen zwischen verfeindeten Milizen
Do.09.10.03 - Bei Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Milizen sind am Mittwoch
in Afghanistan mindestens 60 Menschen ums Leben gekommen. Dutzende
weitere wurden verwundet, wie ein Sprecher der Dschamiat-i-Islami, der
wichtigsten Gruppierung der Nordallianz, weiter mitteilte. Die
Kämpfe nahe von Masar-e-Scharif im Norden des Landes hätten
bis spät in die Nacht angedauert. Hunderte Milizionäre
hätten in Vororten der Stadt weitere Angriffe auf den
Stützpunkt seiner Organisation vorbereitet, sagte General Abdul
Sabur.
Zahlreiche Soldaten hätten sich nahe der Stadt versammelt, teilte
Sabur weiter mit. Ein Sprecher der rivalisierenden Dschunbisch
erklärte, in Maimana habe es ebenfalls Angriffe gegeben. Wie viele
Menschen dort ums Leben kamen, war nicht bekannt. Der Hintergrund der
Auseinandersetzung, bei der Panzer und schwere Artillerie eingesetzt
wurde, war unklar. Beide Gruppen waren am Sturz der Taliban vor zwei
Jahren beteiligt und waren in der Vergangenheit wiederholt in blutige
Auseinandersetzungen verwickelt.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
US-Außenausschuss stimmt für Sanktionen gegen Syrien +++ Das
von Israel bombardierte mutmassliche Ausbildungslager stand leer +++
Syrischer Diplomat warnt Israel vor neuen Angriffen +++ Roed-Larsen
warnt vor Ausweitung von Nahost-Konflikt +++ UN-Nahostbeauftragter
Roed-Larsen warnt vor Ausweitung von Nahost-Konflikt +++ Israel
verstärkt Truppen in Autonomiegebieten
Do.09.10.03 - Der Außenausschuss des US-Abgeordnetenhauses hat sich mit
großer Mehrheit für Sanktionen gegen Syrien ausgesprochen.
Das Gremium warf Damaskus am Mittwoch zudem vor, den Terrorismus zu
unterstützen und am Bau von Massenvernichtungswaffen zu arbeiten.
33 Ausschussmitglieder stimmten für Sanktionen bei nur zwei
Gegenstimmen. Einer der Hauptbefürworter, der Demokrat Eliot
Engel, nannte den Beschluss eine "Botschaft an Damaskus und die Welt",
dass die USA Länder, die "Terrorismus unterstützen", zur
Rechenschaft zögen.
Das von der israelischen Luftwaffe bombardierte mutmassliche
Ausbildungslager für Terroristen der Palästinensergruppe
Islamischer Dschihad in Syrien hat zum Zeitpunkt des Angriffs
weitgehend leer gestanden. Der Grossteil der dort stationierten
Kräfte sei in der Nacht zum Sonntag zu Manövern
ausgerückt gewesen, sagte der israelische Verteidigungsminister
Schaul Mofas nach Angaben eines Sprechers am Mittwoch während
einer Kabinettssitzung. Lediglich einige Verwaltungskräfte seien
zurück geblieben.
Behörden und Anwohner in Syrien berichteten hingegen, das Lager
rund 22 Kilometer nordwestlich von Damaskus stehe bereits seit Jahren
leer. Israel hatte das Lager als Vergeltung für den
Selbstmordanschlag in Haifa mit 20 Toten bombardiert. Nach syrischen
Angaben wurde dabei ein Mensch verletzt.
Syriens Botschafter in Spanien hat unterdessen Israel gewarnt, sein
Land würde sich bei weiteren Luftangriffen mit militärischen
Mitteln verteidigen.
Botschafter Mohsen Bilal sagte der Nachrichtenagentur Reuters am
Mittwoch: "Wenn Israel Syrien ein, zwei und drei Mal angreift, werden
natürlich das Volk Syriens und die Regierung Syriens und die Armee
reagieren, um uns selbst zu verteidigen." In syrischen
Regierungskreisen wurde das später als "persönliche
Interpretation unserer offiziellen Haltung" relativiert. Aus
israelischen Sicherheitskreisen verlautete, der syrische Botschafter
wolle mit seinen Worten nur die arabische Welt beeindrucken.
Botschafter Bilal sagte in Madrid auf die Frage, ob eine Antwort
Syriens militärischer Natur sein würde: "Auf jeden Fall."
Davon könne auch Israels überlegenes Militär Syrien
nicht abhalten. "Wenn Israel uns weiter angreift, was sollen wir tun?
'Willkommen' rufen? Natürlich werden wir uns mit allen Mitteln
verteidigen müssen."
In israelischen Sicherheitskreisen wurde bezweifelt, dass Syrien es auf
einen Krieg ankommen lassen würde. "Solche Aussagen sind
hauptsächlich an die arabische Welt gerichtet, um den Eindruck zu
erwecken, dass Syrien im Kampf gegen Israel standfest ist", verlautete
aus den Kreisen. "Israel will keine Eskalation mit Syrien und hat im
Gegenteil Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um so etwas zu
verhindern."
Die Aussage des syrischen Botschafters blieb an den Aktien-, Renten-
und Erdölmärkten zunächst ohne Auswirkung. "Im Moment
ignoriert der Markt das noch als diplomatische Drohgebärden und
konzentriert sich auf die Wirtschaftsentwicklung", sagte Giuseppe
Amato, Marktanalyst beim Broker Lang & Schwarz.
Nach dem israelischen Luftangriff auf angebliche palästinensische
Trainingslager in Syrien hat der UN-Nahostbeauftragte Terje Roed-Larsen
vor einer Ausweitung des Nahost-Konflikts gewarnt. Alle Seiten
müssten "größte Zurückhaltung" üben, sagte
Roed-Larsen am Mittwoch nach einem Gespräch mit dem libanesischen
Präsidenten Emil Lahud und Regierungschef Rafik Hariri in Beirut.
UN-Generalsekretär Kofi Annan sei sehr besorgt, dass die ohnehin
"angespannte und schwierige" Lage eskaliere und der Konflikt sich
ausweite. Den israelischen Angriff nannte Roed-Larsen, der derzeit
durch die Region reist, "gefährlich".
Nach Hinweisen auf geplante Terroranschläge von
Palästinensern hat der israelische Verteidigungsminister Schaul
Mofas am Mittwoch eine Truppenverstärkung im Gazastreifen und
Westjordanland angeordnet.
Neben der Truppenverstärkung in den besetzten Gebieten
kündigte Israel bereits am Dienstagabend an, die Abriegelung von
Gazastreifen und Westjordanland werde verlängert. Damit wird
Palästinensern weiterhin die Einreise nach Israel untersagt,
Ortschaften im Westjordanland und dem Gazastreifen bleiben abgesperrt.
Die Maßnahmen waren vor Beginn des jüdischen Neujahrsfestes
vor zwei Wochen eingeleitet worden. Sie werden normalerweise nach dem
Ende der Feiertage aufgehoben.
Die Streitkräfte erklärten, die Abriegelung solle dabei
helfen, Attentate palästinensischer Extremisten zu verhindern. Aus
Militärkreisen verlautete außerdem, angesichts weiterer
Terrordrohungen sollten Reservisten eingezogen werden. Nach dem
Selbstmordanschlag in Haifa, der am Samstag 20 Menschen das Leben
kostete, waren die Sicherheitsvorkehrungen in Israel verstärkt
worden.
(Quellen: afp, ap, rtr)
Fernsehzuschauer wünschen sich andere Nachrichteninhalte
Do.09.10.03 - Laut einer Umfrage der Hamburger Zeitschrift «tv Hören und
Sehen» wollen 38 Prozent weniger Berichte über die Gewalt im
Nahen Osten. 34 Prozent der Befragten sind der Informationen von
Parteitagen überdrüssig.
Ein Drittel der Befragten wünscht sich laut Umfrage weniger
Meldungen über Verbrechen und für 31 Prozent laufen in den
Nachrichten zu häufig Berichte aus den USA. Auch die Neuigkeiten
von der Börse haben in Zeiten lahmender Konjunktur einen schweren
Stand: Fast jeder Fünfte möchte zukünftig weniger
darüber erfahren.
Selbst vor dem Sport macht der Nachrichtenverdruss nicht halt. Gut
jeder Vierte will weniger Boxen sehen. 20 Prozent meinen, im Fernsehen
laufe zu viel Formel 1. Sportarten wie Reiten, Eishockey und Schwimmen
sind ebenfalls betroffen (15, 14 und 13 Prozent). Einzige Ausnahme
bildet König Fußball: 28 Prozent haben davon noch nicht
genug.
Gefragt ist außerdem das Thema Arbeitsmarkt: Ein Drittel der
Befragten wünscht sich hier ausführlichere Berichte. Des
weiteren wollen die Zuschauer laut Umfrage mehr aus dem Bereich
Forschung und Technik sehen: Hier sind Meldungen aus den Bereichen
medizinische Errungenschaften (28 Prozent), neueste Forschungen (26
Prozent) und Erfindungen (21 Prozent) gefragt. Noch fast jeden
Fünften interessieren neue Gesetzesentwürfe.
Auffällig sind die Unterschiede in den Interessensschwerpunkten
nach Geschlecht: Während 18 Prozent der befragten Männer mehr
über aktuelle Wirtschaftsprognosen wissen wollen, sind es bei den
Frauen gut fünf Prozentpunkte weniger. Noch deutlicher sind die
Unterschiede bei den so genannten weichen Themen: Prominenten-Klatsch
läuft zu häufig im Fernsehen, sagen 19 Prozent der
männlichen Befragten. Nur vier Prozent wollen mehr darüber
erfahren. Bei den Frauen wollen dagegen 13 Prozent weniger Klatsch im
Fernsehen sehen, 15 Prozent wollen mehr davon. Bei den Themen
Terrorismus und Fußball will die Mehrheit der befragten
Männer eine ausführlichere Berichterstattung (24 und 38
Prozent), während das Gros der Frauen dies ablehnt (25 und 20
Prozent).
(Quelle: ap)
|
20 Menschen wurden beim jüngsten Selbstmordanschlag einer
Palästinenserin in einem Restaurant bei Haifa zerfetzt. Dutzende
wurden verletzt, werden für immer verstümmelt bleiben. Den
darauf folgenden israelischen Vergeltungsschlag in Syrien kritisierte
Kanzler Schröder scharf.
Eine Antwort an einen Freund:
Lieber Gerhard, gestern hast Du bei einem Auftritt vor der Presse in
Kairo gesagt, es sei "die Souveränität eines anderen Landes
verletzt" worden, eine solche "Aktion" sei "nicht akzeptabel".
Ich war mir sicher, Du würdest den Terror-Anschlag meinen, denn
die Souveränität eines Landes äußert sich vor
allem darin, dass die Regierung die Sicherheit der Bürger
garantiert. Ist die Sicherheit dahin, durch internen oder externen
Terror, kann von einer Souveränität keine Rede mehr sein.
Dann herrschen afghanische oder somalische Zustände. Erst nachdem
ich den Bericht von der Pressekonferenz in Kairo zum zweiten und
dritten Mal gesehen hatte, wurde mir klar: Du hast nicht den Anschlag
gemeint, sondern die israelische Reaktion darauf, nämlich das
Bombardement mutmaßlicher Dschihad-Lager auf syrischem
Territorium....
Mehr bei Spiegel-Online unter:
URL: http://www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,268521,00.html
Die palästinensische Alles-oder-Nichts-Politik
Der palästinensische Autor Tawfiq Abu Baker kritisiert die Politik
seines Landes, Kompromisse mit Israel auszuschließen. Der
Schriftsteller empfiehlt, die Palästinenser sollten sich ein
zionistisches Politikmodell aneignen, statt sich weiter Tagträumen
hinzugeben und mit unrealistischen Machtphantasien zu betrügen.
Hamburg - Anlässlich des 106. Jahrestages des ersten zionistischen
Kongresses in Basel schrieb der palästinensische Autor Tawfiq Abu
Baker, ehemals Direktor des Zentrums für Strategische Studien in
Dschenin und Abgeordneter im palästinensischen Exil-Parlament, die
palästinensische "Alles-oder-Nichts-Politik" habe die
Palästinenser erst in ihre jetzige Situation gebracht.
In dem Artikel, erschienen am 3. September 2003 in der Tageszeitung
"al-Ayyam", die der Palästinensischen Autonomiebehörde nahe
steht, argumentiert Abu Baker, dass die palästinensische Politik
in scharfem Kontrast zur pragmatischen zionistischen Politik steht, die
zur Gründung des Staates Israels führte. Nach Abu Baker
sollen die Palästinenser eine Zwei-Staaten-Lösung anstreben,
anstatt ihre Zeit mit unrealistischen Ideen zu vergeuden...
Mehr bei Spiegel-Online unter:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,266216,00.html
«Intifada am Scheideweg»
«Am 28. September dieses Jahres hat die Intifada ihr drittes Jahr
beendet
Ob sie ihre Ziele ausgeschöpft hat, zeigt sich am Charakter des
Planes, der als Verhandlungsrahmen für eine politische Lösung
mit dem Feind vorgelegt worden ist – der Roadmap. Ihre
ursprüngliche Fassung ist israelischen Bedingungen entsprechend
verändert worden. Ein politischer Plan, dessen Prämissen die
Kriminalisierung des palästinensischen Volkes, die Verurteilung
seines legitimen Widerstands und dessen Brandmarkung als Terrorismus
sowie die unverschämte Einmischung in innerpalästinensische
Angelegenheiten sind, kann nichts anderes sein als ein amerikanischer
politischer Schirm für den Versuch, die Krise in Palästina zu
meistern und Israel die Gelegenheit zu geben, unserem Volk und der
palästinensischen Regierung seine Bedingungen zu diktieren. In
einem Tauschhandel Intifada gegen Roadmap hätte unser Volk nichts
zu gewinnen, er wäre vielmehr die Wiederholung des gescheiterten
Oslo-Handels in einer neuen und schlechteren Auflage...»
Ahmad Saadat in der heutigen Ausgabe der "junge Welt" (09.10.03).
Mehr unter::
http://www.jungewelt.de/2003/10-09/007.php
Der derzeit inhaftierte Ahmad Saadat ist Generalsekretär der PFLP
(Volksfront zur Befreiung Palästinas)
|
Bioethik
UNESCO sieht keine Chance für weltweit bindende
Bioethik-Konvention +++ Wissenschaftler- Initiative gegen das Klonen
von Menschen
Do.09.10.03 - Nach schwierigen Debatten unter den Mitgliedsstaaten hat die
UN-Kulturorganisation UNESCO die Verabschiedung einer bindenden
Bioethik-Konvention zum Verbot des Klonens von Menschen vorerst
aufgegeben. "Die Mehrzahl der Mitgliedsstaaten hat die Ansicht
vertreten, es sei zu früh, um eine ernsthafte Diskussion über
eine Konvention einzuleiten", sagte UNESCO-Generaldirektor
Koïchiro Matsuura der Pariser Tageszeitung "La Croix"
(Mittwochsausgabe). Daher werde nun eine unverbindliche
"Erklärung" angepeilt, in der nur die "großen Prinzipien"
der Bioethik festgehalten werden sollten.
Eine Gruppe von Wissenschaftlern und Juristen will die Vereinten
Nationen dazu bewegen, reproduktives Klonen von Menschen zu
medizinischen Zwecken als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" zu
brandmarken. In ihrem am Mittwoch an die UN-Vollversammlung gerichteten
Schreiben bezeichneten die Initiatoren die Versuche von Unternehmen wie
Clonaid als "Bedrohung". Die Chefin der US-Firma, Brigitte Boisselier,
hatte um die Jahreswende wochenlang mit Meldungen über die
angebliche Geburt von zwei Klon-Babys weltweit für Aufsehen
gesorgt. Einen Beweis dafür blieb sie jedoch bis heute schuldig.
(Quelle: afp)
Weltbevölkerungsbericht
Jeder vierte Jugendliche hat nicht mehr als einen Dollar am Tag zum
Überleben +++ Millionen Teenager mit HIV
Do.09.10.03 - Alle 14 Sekunden infiziert sich ein Jugendlicher mit dem Aids-Virus, 14
Millionen Teenager jährlich bekommen ungewollt ein Kind. Das geht
aus dem Weltbevölkerungsbericht 2003 hervor, der in Berlin
vorgestellt wurde. Sexualaufklärung und Verhütung seien
entscheidend im Kampf gegen die Armut, heißt es in dem Bericht
des UN-Bevölkerungsfonds UNFPA, der sich in diesem Jahr
schwerpunktmäßig mit den Rechten von jungen Menschen und
ihrer Rolle bei der Entwicklung und Armutsbekämpfung befasst.
Fast die Hälfte der Weltbevölkerung ist nach UNFPA-Angaben
jünger als 25 Jahre, 87 Prozent leben in Entwicklungsländern.
Allein 1,2 Milliarden seien Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren, von
denen 238 Millionen von extremer Armut betroffen seien.
Millionen Teenager weltweit könnten sich nicht vor Aids und
ungewollten Schwangerschaften schützen, weil ihnen
Sexualaufklärung und Verhütungsmittel fehlten, heißt es
in dem UN-Bericht weiter. Junge Mädchen seien besonders
gefährdet: Komplikationen in der Schwangerschaft oder während
einer Geburt sowie unsachgemäß ausgeführte Abtreibungen
gehörten zu den Haupt-Todesursachen junger Mädchen in
Entwicklungsländern. Zudem sei für Mädchen und Frauen
das Risiko einer HIV-Infektion wesentlich größer. Weltweit
seien fast die Hälfte aller HIV-Neuinfizierten Jugendliche unter
25 Jahren.
Im Bereich der Bildung weist der UNFPA-Bericht auf Fortschritte hin:
Die Ungleichheit der Geschlechter bei der Grundbildung werde bis 2015
vorausssichtlich in rund 90 Ländern behoben sein. Derzeit
könnten 57 Millionen junge Männer und 96 Millionen junge
Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren nicht lesen und schreiben.
Die UNFPA weist darauf hin, dass Investitionen in die Gesundheit und
Bildung von jungen Menschen zu den kostengünstigsten
Entwicklungsmaßnahmen gehörten. Um die internationalen
Entwicklungsziele zu erreichen, müsse die Weltgemeinschaft ihre
Anstrengungen erheblich verstärken. Auf der
UN-Bevölkerungskonferenz 1994 in Kairo hätten die
Regierungschefs der Länder sich auf ein Aktionsprogramm geeinigt,
das der Gesundheit und Bildung von Jugendlichen besonderen Vorrang
einräumt.
Die reichen Länder blieben jedoch weit hinter ihren Zusagen
zurück, kritisiert der Bericht: Mit 2,5 Milliarden Dollar (2,12
Milliarden Euro) habe die internationale Entwicklungshilfe 2001 weniger
als die Hälfte der zugesagten Mittel zu dem Aktionsprogramm
beigetragen.
(Quelle: afp)
The State of World Population report of UNFPA:
http://www.unfpa.org/swp/
Der US-Kongress hat dem Pentagon für den Irak-Krieg und
Einsätze im "Krieg gegen den Terror" zusätzliche Mittel von
62,6 Milliarden Dollar bewilligt - das reguläre Budget des
Ministeriums hat einen Umfang von 364 Milliarden Dollar im laufenden
Haushaltsjahr.
Aufgeschlüsselt nach Kostenbereichen gibt das Pentagon eine Summe
von zehn bis zwölf Milliarden Dollar für die
"militärischen Operationen" gegen Irak an. Die
Personalausgaben werden mit etwa sechs Milliarden bezifffert, und die
Munitionskosten mit mehr als drei Milliarden Dollar.
Der Golfkrieg von 1991 hat die USA rund 60 Milliarden
Dollar gekostet.
(Quellen: dpa, ap, 17.04.03)
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0304170.htm#03041701
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Deutsch-russische Konsultationen
Schröder und Putin betonen Übereinstimmung
Do.09.10.03 - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und der russische
Präsident Wladimir Putin haben bei ihrem Vier-Augen-Gespräch
in Jekaterinburg über die Lage in Irak, Afghanistan und im Nahen
Osten gesprochen. Wie aus deutschen Regierungskreisen verlautete, gab
es eine "fortdauernde, breite Übereinstimmung" in diesen Fragen.
Schröder war am Abend in der Stadt im Ural eingetroffen, in der
die sechsten deutsch-russischen Konsultationen stattfinden.
Am Donnerstag sollen unter anderem mehrere Wirtschaftsabkommen
unterzeichnet werden sowie weitere Vereinbarungen, unter anderem zum
Transit des deutschen ISAF-Kontingents und über
Visa-Erleichterungen.
In der Irak-Frage seien sich Deutschland und Russland einig, dass die
Vereinten Nationen eine stärkere Rolle spielen müssten,
hieß es aus Regierungskreisen. Zudem müsse es eine
möglichst schnelle Übertragung der Souveränität auf
das irakische Volk geben. Den Angaben zufolge hofft Berlin auf eine
Verschiebung der für den 24. Oktober geplanten Irak-Geberkonferenz
in Madrid. Die US-Regierung habe große Erwartungen, die schwierig
zu erfüllen seien. Daher käme Berlin eine Verschiebung nicht
"unrecht", hieß es.
Deutschland hofft zudem, dass noch in dieser Woche im UN-Sicherheitsrat
eine Ausweitung des Mandats der Internationalen
Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) beschlossen wird, hieß es in den
Regierungskreisen. Bislang ist das Mandat auf die Hauptstadt Kabul und
Umgebung beschränkt. Berlin will unter UN-Mandat ein
Wiederaufbauteam in die afghanische Provinz Kundus schicken. Gerade
daher sei auch die Vereinbarung über den Transit des deutschen
ISAF-Kontingents wichtig, da Kundus nahe der usbekischen Grenze liege,
hieß es. Es wäre das erste Mal, dass Russland ein
Transit-Abkommen für Truppen mit einem NATO-Land abschließt.
Unklar war noch, ob am Donnerstag wie geplant eine
Absichtserklärung über den Bau einer Gaspipeline durch die
Ostsee unterzeichnet werden kann. Es gebe noch Probleme, ob dies durch
Regierungsvertreter oder Vertreter der beteiligten Unternehmen Gasprom,
Ruhrgas und Wintershall geschehen solle, hieß es in den
Regierungskreisen. Deutschland bezieht 30 Prozent seines Gasbedarfs aus
Russland - bislang über eine Inlands-Pipeline, die durch die
Ukraine führt.
(Quelle: afp)
Menschenrechtler kritisieren Putin
Do.09.10.03 - Menschenrechtsorganisationen haben zum Auftakt der Frankfurter
Buchmesse den russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Wahrung
der Meinungs- und Pressefreiheit in seinem Land aufgefordert. Russland
ist der thematische Schwerpunkt der diesjährigen Buchmesse.
"Ein Journalist kann nicht mehr frei sein", erklärt Jürgen
Döschner von der Organisation Reporter ohne Grenzen (RoG), die
sich für verfolgte Journalisten einsetzt. Er forderte eine Wendung
in der Politik: "Russland braucht eine Kultur der Menschenrechte".
Putin versuche seit seinem Machtantritt, die Medien unter Kontrolle zu
bringen, was ihm bei den Fernsehsendern schon gelungen sei.
Putins neuester Versuch sei die Einführung eines neuen
Mediengesetzes, das eine Wahlanalyse und biografische
Veröffentlichungen zu Politikern während des Wahlkampfs
verbieten solle. "Das öffnet der Willkür die Tür", sagte
Döschner. "Das Gesetz dient dazu unliebsame Medien, wie die
Zeitung ebenfalls einzubinden." Ein zweites Problem sah Döschner
in den Journalistenmorden und -verfolgung. "Man greift zum Mittel der
physischen Verfolgung, und Journalisten neigen zur Selbstzensur",
erklärte Döschner.
"Das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Presse ist um das
Zehnfache gesunken", sagte Alexei Simonov von der Stiftung zum Schutz
der Glasnost. Er kritisierte, dass es keine Gesetze gebe, die den
Schutz der Meinungs- oder Pressefreiheit garantierten.
Auch könne sich die Presse ihrer Zukunft nicht sicher sein: "Es
gibt auch hier kein Gesetz beispielsweise über die Lizenzvergabe
an Fernsehsender", erklärte er. "So ist die Presse von der
Willkür des betreffenden Beamten abhängig." Simonov forderte
ein zivilisiertes Verhältnis zwischen Presse und Regierung.
Insbesondere vor der im Dezember anstehenden Parlamentswahl und der
Anfang 2004 angesetzten Präsidentschaftswahlen befürchteten
amnesty international (ai) und RoG weitere Einschränkungen in der
politischen Berichterstattung. "Die Kluft, die es zwischen Recht und
Realität gibt, muss überwunden werden", erklärten ai und
RoG gemeinsam. "Nur wenn Journalisten und alle anderen
Bevölkerungsgruppen Schutz und Sicherheit im eigenen Land
erfahren, kann in Russland eine Kultur der Menschenrechte entstehen."
So hätten Deutschland und die anderen EU-Staaten auf dem
EU-Russlandgipfel im November erneut die Gelegenheit, ein klares Wort
zur Menschenrechtslage in Russland zu sprechen.
(Quelle: ap)
Reformstreit in Deutschland:
CDU und CSU in offener Auseinandersetzung über Sozialreform +++
Stoiber gegen zentrale Punkte der Herzog-Vorschläge +++ Merkel
weist Stoibers Kritik an Herzog-Reformen zurück
Do.09.10.03 - In der Debatte über die Reform der Sozialsysteme ist es zu einem
offenen Konflikt zwischen CSU und CDU gekommen.
Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber lehnte am Mittwoch in München
zentrale Pläne der CDU wie etwa die Einführung einer
Kopfpauschale zur Finanzierung der gesetzliche Krankenversicherung als
unsozial ab. "Wir sollten bei dem Grundsatz bleiben, dass hohe
Einkommen mehr tragen können als niedrigere", sagte Stoiber. Der
bayerische Ministerpräsident erteilte auch der geplanten
Heraufsetzung des gesetzlichen Rentenalters auf 67 Jahre eine Absage.
Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU)
meldete in einem Reuters-Gespräch Bedenken an Teilen des
Herzog-Konzepts an, lehnte es aber nicht grundsätzlich ab.
CDU-Chefin Angela Merkel verteidigte dagegen die Pläne.
CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer brachte einen Solidarbeitrag auf
die Einkommensteuer ins Gespräch, um den geplanten Sozialtransfer
bezahlen zu können.
Stoiber zeigte sich zwar überzeugt, dass CDU und CSU zu einem
Kompromiss kommen werden, forderte zwei Wochen nach dem
überlegenen Wahlsieg der CSU in Bayern aber soziales
Augenmaß von der Schwesterpartei: "Der Sozialstaat ist - anders
als in anderen Ländern Europas - das einigende Band in
Deutschland." Zugleich lehnte Stoiber die von seinem Stellvertreter
Horst Seehofer geforderte Bürgerversicherung ab.
Merkel sagte in Frankfurt, die Herzog-Vorschläge gewährten
sowohl soziale Sicherheit als auch Bezahlbarkeit von Arbeit: "Die
Gesundheitsprämie ist demographiefest und tut nichts anderes, als
die realen Kosten beim Namen zu nennen." Wie Stoiber zeigte sich auch
Merkel überzeugt, dass es eine Einigung in der Union geben wird.
Ein Kompromiss müsse aber der Realität stand halten, sagte
sie mit Blick die dramatischen Finanzierungsprobleme der
Sozialversicherungen.
Die CDU hatte am Montag das Konzept der Herzog-Kommission gebilligt,
das eine Entkoppelung der Beiträge zur Kranken- und
Pflegeversicherung von der Höhe der Löhne vorsieht. Der
soziale Ausgleich soll künftig über Steuerzuschüsse in
zweistelliger Milliardenhöhe geleistet werden.
Stoiber sagte, es sollte bei dem Grundsatz bleiben, dass jeder
Beiträge nach seinem Einkommen gestaffelt zahle. Die Kopfpauschale
habe "außerordentliche Pferdefüße". Es sei unklar, wo
die dafür notwendigen 27 Milliarden Euro Steuerzuschüsse
herkommen sollten. "Staatlicher Ausgleich bedeutet auch neue
Bürokratie", fügte er hinzu. Einen ähnlichen Einwand
brachte auch Stoibers Kollege Böhmer vor. Der Steuerausgleich sei
aufwendiger als das bisherige System. "Da gibt es ernsthafte
Gründe, die dagegen sprechen", sagte er mit Blick auf die
Kopfpauschale.
Der CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer brachte einen Solidarbeitrag
auf die Einkommensteuer ins Gespräch, um den Sozialausgleich zu
bezahlen. "Ein Solidarzuschlag auf die Einkommensteuer ist eine der in
Frage kommenden Möglichkeiten, die wir im Zusammenhang mit dem
Steuerreformkonzept sicher besprechen müssen", sagte Meyer
Reuters. Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus sagte
der "Mitteldeutschen Zeitung" (Donnerstagausgabe), der Sozialtransfer
über Steuern müsse gesetzlich fixiert werden.
In der Rentenpolitik verlangte Stoiber im Gegensatz zur CDU, Eltern
einen Bonus von 50 Euro pro Monat und Kind bei den Beiträgen in
die Rentenversicherung zu gewähren. Insgesamt dürfe der
Beitrag maximal 20 Prozent des Bruttolohns betragen. Derzeit liegt er
bei 19,5 Prozent. Die CSU will am 17. November ein eigenes Konzept
vorlegen, das vor allem Vorschläge zur Rentenreform enthalten soll.
Stoiber lehnte in diesem Zusammenhang auch eine Erhöhung des
gesetzlichen Renteneintrittsalters klar ab. Zunächst müsse
mit dem Abbau von Anreizen zur Frühverrentung dafür gesorgt
werden, dass das reale Rentenalter näher an die Marke von 65
Jahren gebracht werde. Auch die von der Herzog-Kommission
vorgeschlagene Kürzung von Witwenrenten wies er zurück, weil
sich viele Frauen dann gegen Kinder entscheiden würden. Wo ein
Kompromiss mit der CDU liegen könnte, wollte Stoiber nicht sagen.
"Am Ende werden wir uns schon einigen. Das war bisher immer so", sagte
er.
(Quelle: rtr)
Steuerreform-Fronten nach Expertenanhörung verhärtet +++ CSU
und CSU konkurrieren nun auch in der Steuerpolitik +++ Regierung will
Steuervorteile für Spitzenverdiener einschränke
Do.09.10.03 - Das von Rot-Grün angestrebte Vorziehen der Steuerreform wird immer
ungewisser. Nach einer Expertenanhörung im Haushaltsausschuss des
Bundestages wandten sich Union und FDP gegen ein Vorziehen der
Steuerreformstufe 2005 auf 2004 - wenn dies vorwiegend über neue
Schulden finanziert wird. Die Union macht ihre Zustimmung zunehmend von
der Finanzlage nach der Steuerschätzung am 6. November
abhängig. Diese dürfte eher düster ausfallen. Sprecher
von SPD und Grünen halten dagegen an ihrem Plan fest.
CDU und CSU konkurrieren nun auch in der Steuerpolitik. Ungeachtet der
Pläne des stellvertretenden Unionsfraktionschefs Friedrich Merz
kündigte der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber am
Mittwoch in München überraschend an, die CSU werde noch
dieses Jahr ein eigenes Konzept für eine tief greifende
Steuerreform vorlegen. Er ließ durchblicken, dass er nicht mit
allen Vorstellungen von Merz einverstanden ist.
Merz gab erstmals Einzelheiten seiner Ideen bekannt, die er am 3.
November der Öffentlichkeit vorstellen will. Er möchte die
Einkommensteuer wesentlich stärker senken als mit der
rot-grünen Steuerreform bereits beschlossen. Der Spitzensatz solle
"deutlich unter 40 Prozent" liegen und der Eingangssatz "sehr niedrig"
sein, sagte der CDU-Politiker laut "Stern". Nach Angaben aus
Unionskreisen wird die CSU möglicherweise ihr Programm, das
Stoibers Finanzminister Kurt Faltlhauser federführend erstellt,
vor dem 3. November vorstellen.
Eltern sollen nach dem Willen von Merz durch einheitliche
Freibeträge für Kinder steuerlich besser gestellt werden.
Zugleich sollen nur noch sehr einkommensschwache Familien Kindergeld
bekommen. Es sollen diejenigen Eltern bekommen, «die mit ihrem
Einkommen das Existenzminimum für ihre Kinder nicht abdecken
können», sagte Merz laut «Stern».
Zur Gegenfinanzierung seiner Pläne will Merz fast alle
Steuervergünstigungen und -schlupflöcher abschaffen. Um
"extrem niedrige Steuersätze" zu ermöglichen, möchte der
Christdemokrat die Pendlerpauschale, den Sparerfreibetrag und die
Steuerfreiheit für Nacht-, Feiertags- und Sonntagszuschläge
streichen. Auch der Pauschalbetrag für Arbeitnehmer zur
steuerlichen Absetzbarkeit von Werbungskosten solle entfallen. Merz
plant laut "Stern" zudem die volle Besteuerung der Renten sowie der
Gewinne aus Aktienverkäufen und vom Eigentümer nicht selbst
genutzten Immobilien.
Zudem wolle Merz das Bankgeheimnis abschaffen, schrieb der "Stern".
"Ich will eine radikale Vereinfachung des Steuerrechts", wurde er
zitiert.
Stoiber hielt sich mit einer Beurteilung der Merz-Vorschläge
zurück. Der CSU-Chef sagte lediglich, es sei richtig, im Zuge
einer großen Steuerreform viele Vergünstigungen
abzuschaffen. Stoiber sprach sich für die Beibehaltung des
heutigen linear-progressiven Tarifsystems bei der Einkommensteuer aus,
weil dieses sozial gerechter sei als wenige feste Sätze.
Dem Vernehmen nach schweben Merz drei feste Sätze von etwa 15, 25
und 35 Prozent vor. Dazu wollte der CDU-Politiker im "Stern" keine
konkreten Angaben machen. Den von dem Finanzwissenschaftler Paul
Kirchhof vorgeschlagenen Spitzensatz von 25 Prozent lehnte er
allerdings ab.
Nach Worten von Merz soll es sehr wenige Vergünstigungen geben:
private Aufwendungen für die Altersvorsorge sollen ebenso
abgesetzt werden können wie Spenden an gemeinnützige
Organisationen. "Künftig soll jedes Familienmitglied den gleichen
Freibetrag bekommen." Dieser solle um die 8.000 Euro betragen. Damit
würden Eltern von drei Kindern und einem Jahreseinkommen von
40.000 Euro keine Steuern mehr zahlen.
Die Regierung will derweil die Debatte über die Steuerpraxis von
Bundesliga-Vereinen dazu nutzen, Steuervorteile für
Spitzenverdiener ab dem kommenden Jahr zu kappen. Die Steuerfreiheit
für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit wird für Bezieher
sehr hoher Einkommen begrenzt. Das verlautete am Mittwoch aus Berliner
Regierungskreisen. Demnach sollen künftig nur noch maximal 12,50
Euro pro Stunde Nachtarbeit steuerfrei ausgezahlt werden. Bei
Sonntagsarbeit beträgt die Obergrenze 25 Euro, für Feiertage
gelten 62,50 Euro.
Finanzminister Hans Eichel plane eine entsprechende Änderung des
Einkommensteuerrechts, bestätigten die Kreise einen Bericht der
"Süddeutschen Zeitung". Er wolle verhindern, dass die
Bundesliga-Klubs ein Steuerprivileg nutzen, das eigentlich für
Schichtarbeiter wie Krankenschwestern und Polizisten eingeführt
worden sei. Die Masse der Arbeitnehmer werde geschont, sie sei von der
Neuerung nicht berührt. Die Gesetzesänderung solle bereits
nächste Woche im Finanzausschuss des Bundestages beraten werden.
Betroffen sind nicht nur Fußball-Profis, sondern zum Beispiel
auch Chefärzte, Manager und Piloten. Nach Angaben der
"Süddeutschen Zeitung" heißt es in dem Gesetzestext: "Die
Änderung zielt auf eine allgemeine Begrenzung der Steuerfreiheit
für sehr hohe Einkünfte ab." Für die "überwiegende
Zahl der Arbeitnehmer" gelte der Steuervorteil weiter ohne
Einschränkung. Die Neuerung ziele auf all jene ab, die einen
Grundlohn von mehr als 8.000 Euro bezögen, was bei einer
40-Stunde-Woche einem Stundenlohn von 50 Euro entspreche.
Eichel hatte die Änderung angekündigt, nachdem bekannt wurde,
dass mehrere Fußball-Bundesligavereine beschlossen hatten, ihren
Spielern einen Teil des Gehalts als steuerfreie Zuschläge
auszuzahlen. Unterstützt wurde Eichels Vorhaben auch in der Union.
Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hatte
betont, der Steuervorteil sei nicht für
Fußball-Millionäre, sondern "für hart arbeitende"
Bürger eingeführt worden.
Die Praxis der Klubs ist nicht rechtswidrig. Sie nutzen lediglich das
geltende Recht aus, um Spitzengehälter zahlen zu können und
dabei ihr Budget zu schonen. Den Staat kosteten die steuerfreien
Zuschläge für alle Arbeitnehmer 2002 knapp zwei Milliarden
Euro.
(Quellen: dpa, ap)
Ringen um Korrekturen am Hartz-Paket +++ Experten kritisieren im
Bundestag Hartz-Gesetze
Do.09.10.03 - Bei der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe ringt die
rot-grüne Koalition um Korrekturen, um dem Gesetzespaket eine
eigene Mehrheit zu sichern. Verhandelt werde über die Zumutbarkeit
von Mini-Jobs und den Schutz von Altersvorsorge, erklärte
Grünen-Arbeitsmarktexpertin Thea Dückert am Mittwoch.
Für den ebenfalls anstehenden Konflikt mit der Union im Bundesrat
zeichnet sich unterdessen eine Kompromisslinie ab.
Das vorerst letzte Paket zur Arbeitsmarktreform mit der Umgestaltung
der Bundesanstalt für Arbeit und der Zusammenlegung von
Arbeitslosen- und Sozialhilfe zum "Arbeitslosengeld II" (Hartz III und
Hartz IV) steht am 17. Oktober zur Schlussabstimmung im Bundestag an.
Sie gilt als Bewährungsprobe für Rot-Grün. Nicht nur in
der SPD, auch bei den Grünen wird aber noch Nachbesserungsbedarf
gesehen, wie Dückert der "Saarbrücker Zeitung" sagte.
"Die Zumutbarkeit von Mini-Jobs muss so geändert werden, dass die
Entlohnung nicht unter dem ortsüblichen Lohnniveau liegen darf",
sagte Dückert der Zeitung. Auch beim Schutz von
Altersrücklagen "muss sich noch etwas tun", erklärte sie.
Arbeitslose dürften nicht gezwungen werden, ihr Kapital für
den Lebensabend aufzubrauchen.
FDP-Chef Guido Westerwelle appellierte an Kanzler Gerhard
Schröder, das Paket nicht aufzuweichen. Für diesen Fall bot
er Schröder erneut FDP-Unterstützung bei der Abstimmung an.
Die Reform sieht vor, dass Erwerbsfähige nach meist zwölf
Monaten Arbeitslosengeld einheitlich das so genannte Arbeitslosengeld
II auf heutigem Sozialhilfeniveau bekommen. Das beträfe zurzeit
rund 1,5 Millionen Arbeitslosenhilfe-Empfänger und rund 900.000
arbeitsfähige Sozialhilfeempfänger. Neue Jobcenter sollen
sich intensiv um die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen bemühen.
Die Zumutbarkeitsregeln werden so verschärft, dass fast jeder Job
angenommen werden muss.
Bei einer Expertenanhörung zu dem Gesetzespaket meldeten am
Mittwoch auch Verbände Korrekturbedarf an. Die Bundesvereinigung
der deutschen Arbeitgeberverbände verlangte eine "umfassende
Überarbeitung" der Gesetze, die kaum etwas zur Bekämpfung der
Arbeitslosigkeit beitragen würden.
Die meisten Experten stellten sich aber hinter das Modell der
Koalition, die Zuständigkeit für die Vermittlung von
Langzeitarbeitslosen und das Arbeitslosengeld II der Bundesanstalt
für Arbeit zu übertragen. Die Union bevorzugt dafür die
Kommunen und will wegen dieser Streitfrage die Reform im Bundestag
ablehnen und eine Einigung im Vermittlungsausschuss suchen.
Doch unter den kommunalen Spitzenverbänden wäre nur der
Deutsche Landkreistag bereit, die "neue Herkulesaufgabe" zu
übernehmen, wie eine Vertreterin sagte. Der Deutsche
Städtetag und der Deutsche Städte- und Gemeindebund lehnten
die Federführung für die Jobcenter ab, boten allerdings an,
die Umsetzung zum "Gemeinschaftswerk" mit der Bundesanstalt zu machen.
BA-Chef Florian Gerster sagte, "beide Extremvarianten gehen nicht in
Reinkultur". Eine enge Zusammenarbeit von Arbeitsämtern und
Sozialbehörden sei in jedem Fall nötig. Die Arbeit
könnte auf lokaler Ebene über die so genannten
Verwaltungsausschüsse der Bundesanstalt mit kommunalen Stellen
verzahnt werden. Unions-Arbeitsmarktexperte Karl-Josef Laumann forderte
Gerster mit Blick auf den Vermittlungsausschuss auf, einen konkreten
Vorschlag dafür vorzulegen.
(Quelle: ap)
«Bei der Zerschlagung der Sozialsysteme sind sich Regierung und
Opposition im wesentlichen einig»
meint die "junge Welt" in ihrer heutigen Ausgabe (09.10.03):
http://www.jungewelt.de/2003/10-09/010.php
Mehrheit der Deutschen hat Sympathie für SPD-Reformkritiker
Do.09.10.03 - Die Reformkritiker innerhalb der SPD können sich auf großen
Rückhalt bei der Bevölkerung stützen. Laut einer am
Mittwoch veröffentlichten Umfrage für «Stern» und
RTL halten 58 Prozent die Kritik der SPD-Linken am Reformprogramm der
Regierung für berechtigt, nur 28 Prozent sehen sie als
ungerechtfertigt. Gleichzeitig stellten die Deutschen der
Bundesregierung ein teilweise vernichtendes Zeugnis aus. Bundeskanzler
Gerhard Schröder erhielt in puncto Glaubwürdigkeit mit 3,9
die schlechteste Note aller Kabinettsmitglieder.
Der Umfrage zufolge würden 46 Prozent der Bundesbürger einen
Rücktritt Schröders begrüßen, 48 Prozent
würden dies bedauern. Der Unmut über die derzeitige
politische Situation schlägt sich in der Bereitschaft zur Wahl zu
gehen nieder: Diese liegt derzeit nur bei 71 Prozent - vor einem Jahr
hatten noch 79,1 Prozent der Berechtigten gewählt. Fast jeder
dritte Bürger würde nicht wählen gehen. Am höchsten
liegt die Verweigerungsquote bei den SPD-Stammwählern: Nur 76
Prozent von ihnen würden zurzeit wählen gehen. Bei den
Grünen-Wählern wären es 93 Prozent, bei den
Unions-Anhängern 89 Prozent, bei den FDP-Wählern 81 Prozent
und bei den PDS-Wählern 91 Prozent.
Wie bereits in der Vorwoche käme die SPD bei Wahlen momentan nur
noch auf 26 Prozent, die Union dagegen auf 50 Prozent. Die Grünen
sanken um einen Prozentpunkt auf elf Prozent, die FDP liegt stabil bei
sechs Prozent und die PDS verbesserte sich um einen Punkt auf vier
Prozent.
Bei der Bewertung seiner Leistung schnitt Schröder schlecht ab:
Bei Kompetenz und Erfolg erreichte der Bundeskanzler lediglich die
Werte 3,1 und 3,8. Nur dank positiverer Bewertungen bei Fleiß
(2,6) und Ausstrahlung (2,7) kommt der Regierungschef auf eine
Gesamtnote von 3,2.
Die besten Noten erhielt immer noch Außenminister Joschka
Fischer: Er wurde bei Kompetenz mit 2,2, bei Fleiß mit 2,1, bei
Erfolg mit 2,3 sowie bei Glaubwürdigkeit und Ausstrahlung mit 2,5
bewertet, was die mit Abstand beste Gesamtbewertung von 2,3 ergab. Als
Zweitbester schnitt Innenminister Otto Schily mit der Gesamtnote 2,8
ab. Kompetenz und Fleiß wurden bei ihm jeweils mit 2,6 benotet.
Knapp hinter Schily liegt Familienministerin Renate Schmidt, die mit
insgesamt 2,9 benotet wurde.
Die schlechtesten Noten in der Kategorie Erfolg bekamen mit jeweils 3,8
Finanzminister Hans Eichel und Verkehrsminister Manfred Stolpe
verpasst. Die beiden sind auch zusammen mit Umweltminister Jürgen
Trittin die Schlusslichter in der Gesamtnote, die bei allen dreien nur
bei 3,4 liegt. Auch an die übrigen Kabinettsmitgliedern wurden vor
allem bei Erfolg und Glaubwürdigkeit wenig gute Noten vergeben.
Die Minister von zentralen Reformfeldern bekamen
mittelmäßige bis schlechte Gesamtnoten: Wirtschafts- und
Arbeitsminister Wolfgang Clement 3,0 und Gesundheits- und
Sozialministerin Ulla Schmidt 3,2.
Nach dem Maut-Debakel würden 52 Prozent der Befragten einen
Rücktritt Stolpes befürworten, selbst die Mehrheit der
SPD-Anhänger ist für seine Entlassung. Auch Eichel und
Trittin wollen 50 Prozent nicht weiter im Kabinett sehen.
Für die Umfrage befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa
zwischen dem 29. September und 2. Oktober 1.006 Bundesbürger. Die
statistische Fehlertoleranz liegt bei +/-2,5 Prozentpunkten.
(Quelle: ap)
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Stuttgarter Metaller setzen Proteste gegen Reformen fort
Do.09.10.03 - Mehr als 3000 Metaller haben am Mittwoch nach Gewerkschaftsangaben vor
den Werken von Bosch und DaimlerChrysler in Stuttgart gegen die
Reformvorhaben der Regierung und die befürchtete Aushöhlung
der Tarifautonomie protestiert.
In den Mercedes-Werken Mettingen und Untertürkheim legten etwa
1800 DaimlerChrysler-Beschäftigte nach Betriebsratsangaben
für eine Stunde die Arbeit nieder und versammelten sich zu einer
Kundgebung. Der Untertürkheimer Betriebsratschef Helmut Lense
warnte vor einer Änderung des Tarifvertragsgesetzes. Diese sei
"überflüssig wie ein Kropf und muss mit allen Mitteln
verhindert werden", sagte er. Die Politiker sollten die Tarifpolitik
denen überlassen, "die etwas von dem Geschäft verstehen, also
den Tarifvertragsparteien", forderte er.
Bei Bosch demonstrierten 1500 Beschäftigte 45 Minuten lang
für den Erhalt der Tarifautonomie. Am Dienstag hatte die IG Metall
mit einer Kundgebung vor einigen hundert Beschäftigten bei Porsche
eine Serie von Protestveranstaltungen eingeläutet.
(Quelle: rtr)
Betriebsräte machen gegen Aushöhlung der Tarifautonomie mobil
Mit einer bundesweiten Kampagne unter dem Motto "Es läuft nur mit
Tarifvertrag" wollen der DGB und die Einzelgewerkschaften gegen die
drohende Einschränkung der Tarifautonomie mobil machen...
Mehr in der heutigen Ausgabe der "junge Welt" (09.10.03):
http://www.jungewelt.de/2003/10-09/001.php
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Lehrstellenknappheit
Noch immer 35 000 Jugendliche ohne Lehrstelle +++ Spitzen der
Wirtschaftsverbände boykottieren Ausbildungsgespräch
Do.09.10.03 - Vier Wochen nach Beginn des neuen Ausbildungsjahres suchen bei den
Arbeitsämtern noch immer rund 35 000 Jugendliche eine Lehrstelle.
Zugleich waren nach Angaben der "Süddeutsche Zeitung" zum
gesetzlichen Bilanztag 30. September noch etwa 15 000 Stellen
unbesetzt. Die Bundesanstalt für Arbeit will die genauen Zahlen
heute (Donnerstag) bekannt geben.
Der angesichts der Lehrstellenknappheit von der Bundesregierung
für Donnerstag geplante Ausbildungsgipfel wird ohne die Spitzen
von Arbeitgebern, Industrie und Handel stattfinden.
Sprecher der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände
(BDA), des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und des
Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) sagten der
Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch, dass ihre jeweiligen
Präsidenten an dem Treffen nicht teilnehmen werden. Die
Präsidenten würden durch andere Verbandsfunktionäre
vertreten. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD), die zu dem
Ausbildungsgipfel Gewerkschaften und Wirtschaft eingeladen hatte,
hält an dem Termin aber fest, wie ihre Sprecherin auf Anfrage
sagte. Zu der Veranstaltung am Donnerstagabend werde auch
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) erwartet. Der Chef des
Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, habe bereits
zugesagt. Nach einem Zeitungsbericht soll die Zahl der fehlenden
Lehrstellen Ende September 20.000 betragen haben.
Die Verbandssprecher begründeten das Fernbleiben der
Präsidenten mit Terminproblemen auf Grund der kurzfristigen
Einladung. Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt wird den Angaben
zufolge von der BDA-Bildungsexpertin Barbara Dorn vertreten. Für
den DIHK komme Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Bei dem
Ausbildungsgipfel will die Bundesregierung nach Angaben aus
Regierungskreisen von der Wirtschaft Zusagen einfordern, wie die
Lehrstellenlücke bis zum Jahresende geschlossen werden kann.
Die Koalitionsfraktionen von SPD und Grünen hatten kurz vor Ablauf
des Monats mit einem Bundestagsbeschluss noch einmal Druck gemacht.
Wenn Ende September kein ausreichendes Angebot an Ausbildungsstellen
zur Verfügung stehe, müsse die Regierung die Unternehmen und
ihre Verbände "verpflichten, unmittelbar verbindliche und
überprüfbare Zusagen zu geben", die erforderliche Zahl von
Lehrstellen bis Ende 2003 zu schaffen. Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD) hatte der Wirtschaft im Frühjahr mit einer
Ausbildungsplatzabgabe gedroht.
(Quellen: dpa, rtr)
Defizit der Bundesanstalt für Arbeit offenbar weiter gestiegen
Do.09.10.03 - Das Defizit der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit (BA) hat
sich einem Zeitungsbericht zufolge auf 6 Milliarden Euro erhöht.
Grund seien die steigenden Arbeitslosenzahlen, berichtete die
"Financial Times Deutschland" (Donnerstagausgabe). Immerhin hätte
BA-Chef Florian Gerster mit seinen Maßnahmen in den ersten neun
Monaten des Jahres 1,387 Milliarden Euro eingespart. Vor allem bei den
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sei gespart worden, berichtete das
Blatt.
Der BA-Verwaltungsrat Georg Schmid erwartet nach Angaben der Zeitung
ein Ansteigen des Defizits auf 8 Milliarden Euro bis zum Jahresende.
Damit drohten dem Bund eine Lücke von 2 Milliarden Euro, da
bislang ein Bundeszuschuss von 6 Milliarden Euro eingeplant sei, sagte
der CSU-Politiker. Bis zum Halbjahr 2003 hatte die Bundesanstalt ein
Defizit von 5,2 Milliarden Euro erwirtschaftet.
(Quelle: ap)
Korruptions-Ermittler sieht dramatischen Anstieg der Bestechlichkeit
Do.09.10.03 - Die Korruption in Deutschland nimmt nach Ansicht des
Korruptions-Ermittlers Wolfgang Schaupensteiner rasant zu. Der
Frankfurter Oberstaatsanwalt sprach laut einem am Mittwoch vorab
veröffentlichten Interview der Düsseldorfer
"Wirtschaftswoche" von einer dramatischen Lage. Nach seinen Erfahrungen
in Frankfurt am Main nehme sowohl die Bereitschaft der Unternehmen zu
bestechen, als auch die Bereitschaft in den Verwaltungen, sich
korrumpieren zu lassen, weiter kräftig zu.
Erst am Dienstag hatte die Organisation Transparency International (TI)
der Bundesrepublik einen leichten Rückgang der Korruption
bescheinigt. Schaupensteiner bezeichnete die Verbesserung Deutschlands
im TI-Korruptionsindex dagegen als "minimalen Pendelausschlag". Sowohl
bei der Prävention als auch bei der Verfolgung von
Korruptionsfällen sei Deutschland im internationalen Vergleich
leider rückständig, sagte der Experte für
Wirtschaftskriminalität.
Neben dem Bausektor und der Müllbranche sei insbesondere das
Gesundheitswesen betroffen. Schaupensteiner forderte eine Speicherung
aller Vorgänge bei Auftragsvergaben sowie die Einbeziehung von
Bundesrechnungshof und der Landesrechnungshöfe in die
Korruptionsbekämpfung. Hier schlummere "ein riesiges Potenzial",
sagte er der Zeitschrift
(Quelle: ap)
Elektronische Medien
Ernüchterung beim Elektronischen Publizieren
Do.09.10.03 - Internet und digitale Speichermedien wurden vor einigen Jahren noch als
Auslöser einer Revolution des Leseverhaltens und das Verlagswesen
gesehen - mit horrenden Wachstumschancen.
Inzwischen ist die Begeisterung über das elektronische Publizieren
allerdings der Ernüchterung gewichen: "Die uneingeschränkte
Euphorie der Anfangszeit gehört der Vergangenheit an", sagte
Arnoud de Kemp, Sprecher des Arbeitskreises Elektronisches Publizieren
im Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Mittwoch auf der
Frankfurter Buchmesse.
Das spiegelt sich auch in der Organisation der weltgrößten
Buchmesse wider, die am Mittwoch ihre Pforten öffnete. Im
Gegensatz zu den Vorjahren gibt es diesmal keine eigene
Ausstellungshalle für elektronische Medien.
Elektronische Produkte wie digitale Bücher oder
Online-Publikationen machen bei rund 60 Prozent der deutschen Verlage
immer noch einen geringen Umsatzanteil von bis zu fünf Prozent
aus, wie eine Befragung unter den 665 Mitgliedern des Arbeitskreises
ergab.
Die künftigen Umsatzerwartungen der Verlage in diesem Bereich
seien seit der letzten Umfrage im vergangenen Jahr zudem deutlich
zurückgegangen, erläuterte Tilmann Michaletz vom Ernst Klett
Verlag. "Die Geschwindigkeit des Wachstums wird eher mittel sein."
Bestimme Sektoren des Electronic Publishing haben sich im Verlagsalltag
aber fest etabliert: "Der Internet-Buchhandel als funktionierendes
Geschäftsmodell ist nicht mehr wegzudenken", sagte Michaletz. Und
auch Pay-per-view im Internet habe sich etabliert und werde weiter
wachsen.
Andere Bereiche entwickelten sich enttäuschend. So hätten die
E-Books bei 75 Prozent der befragen Verlage die Erwartungen
überhaupt nicht erfüllt. Lediglich eine Gruppe Verlage sei
mit Entwicklung von E-Books voll zufrieden - Herausgeber von
Nachschlagewerken.
(Quelle: futurezone)
Der Traum von der e-Demokratie lebt weiter, obgleich er in den Bereich
der virtuellen Realität gehört
Eine wachsende Zahl von Menschen sieht die modernen
Kommunikationstechnologien wie das Internet und Email als eine
Möglichkeit an, die Kluft zwischen den Bürgern und der
Regierung zu überbrücken. Die e-Demokratie wird noch immer
als eine Möglichkeit betrachtet, den demokratischen
Regierungssystemen neues Leben einzuhauchen. Das Interesse an einer
"digitalen Demokratie" verdankt sich teilweise dem Umstand, dass die
Partizipation in traditionellen demokratischen Foren im Westen einen
neuen Tiefpunkt erreicht hat. Die Erklärungen für diesen
offensichtlichen Trend zur Apathie sind so vielfältig wie die
Vorschläge, was man dagegen machen soll....
Mehr bei telepolis (09.10.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/te/15808/1.html
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Wissenschaft
Chemie-Nobelpreis für Erklärung von Ionentransport in
Körperzellen
Do.09.10.03 - Der Chemie-Nobelpreis geht in diesem Jahr an zwei US-Amerikaner
für die Erforschung von Wasser- und Salzkanälen der
Körperzellen. Peter Agre und Roderick MacKinnon haben die winzigen
Schleusen untersucht, die Wasser in die Zellen leiten oder
Nervensignale weitersenden. Das teilte die Königlich-Schwedische
Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm mit. Dies habe
große Bedeutung für das Verständnis von Niere, Herz,
Muskeln und Nervensystem und deren Erkrankungen.
Bei der Weiterleitung von Nervensignalen werden in Sekundenbruchteilen
Kanäle an der Oberfläche von Nervenzellen geöffnet und
geschlossen, die geladene Teilchen (Ionen) passieren lassen. Die Niere
nutzt die Kanäle, um Wasser aus einem Vorläufer des Urins
zurückzugewinnen.
Peter Agre (54) hat unter anderem am Augsburg College in Minneapolis
(US-Staat Minnesota) studiert und arbeitet derzeit an der Johns Hopkins
University School of Medicine in Baltimore. Er entdeckte die
Kanäle, durch die Zellen mit Wasser versorgt werden. Dies habe die
Tür geöffnet für etliche Studien an Bakterien, Pflanzen
und Säugetieren, schreibt das Nobel-Komitee. Heute könnten
Forscher einem Wassermolekül auf seinem Weg durch die Zellmembran
im Detail folgen und verstehen, warum Wasser aber keine anderen kleinen
Moleküle durch einen Kanal fließen.
Roderick MacKinnon (47) habe die ganze Forscherwelt in Erstaunen
versetzt, als er im Jahr 1998 die räumliche Struktur eines
Kaliumkanals bestimmt habe, heißt es in der Begründung.
«Dank dieser Arbeit können wir nun die Ionen durch
Kanäle strömen sehen.» Der Forscher arbeitet an der
Rockefeller University in New York.
Die höchste Auszeichnung für Chemiker ist in diesem Jahr mit
umgerechnet 1,1 Millionen Euro (10 Millionen Schwedische Kronen)
dotiert.
(Quelle: dpa)
Wirtschafts-Nobelpreis für Granger und Engle für Vorhersage
von Wirtschaftsdaten
Do.09.10.03 - Der Wirtschafts-Nobelpreis geht in diesem Jahr an den britischen
Wissenschaftler Clive W. J. Granger und den US-Ökonomen Robert F.
Engle. Die beiden werden für ihre Forschungen zu Zeitreihen
ausgezeichnet, mit denen volkswirtschaftliche Rechenfehler vermieden
werden können. Der 60-jährige Engle lehrt an der
Universität von New York, der 69-jährige Granger war vor
seiner Emeritierung Professor an der Universität von Kalifornien
in San Diego. Sie erhalten den Preis von umgerechnet gut einer Million
Euro, der am 10. Dezember verliehen wird, zu gleichen Teilen.
Engle und Granger legten ihre entscheidenden Forschungen in den 80er
Jahren vor. Engle konzentrierte sich dabei auf zufällige
Schwangungen etwa an Finanzmärkten ("Volatilität"), durch die
das Risiko bei Aktien- und anderen Wertpapieranlagen steigt.
Lange arbeiteten Wirtschaftswissenschaftler bei ihren statistischen
Berechnungen mit Methoden, die eine konstante
Anzeige
Volatilität voraussetzten. Engle entwickelte jedoch Modelle, mit
denen diese falsche Annahme aus Statistiken herausgerechnet werden
konnte. Seine verfeinerten statistischen Methoden sind heute für
Finanzanalysten gängiges Handwerkszeug und helfen dabei,
kurzfristige Schwankungen zu übersehen, um langfristige Trends
richtig einzuschätzen.
Auch die Forschungen Grangers zielten darauf ab, die Präzision
volkswirtschaftlicher Berechnungen zu erhöhen. Dabei ging es ihm
vor allem darum, zufällige Störungen etwa bei der Berechnung
des Bruttoinlandsprodukts formelhaft herauszurechnen, damit falsche
Schlussfolgerungen verhindert werden. Mit dem
wirtschaftswissenschaftlichen Instrumentarium Grangers wird es
erleichtert, Werte wie das im Grunde beständig anwachsende
Vermögen und den unbeständigen Konsum oder die kurzfristigen
und die langfristigen Zinsen in ein korrektes Verhältnis zu setzen.
Den Wirtschafts-Nobelpreis gibt es erst seit 1969. Seither wurden 53
Ökonomen ausgezeichnet, die Mehrzahl von ihnen Amerikaner. Bislang
war nur ein Deutscher darunter.Die Nobelpreise werden traditionsgemäß am 10.
Dezember überreicht, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel
(1833 - 1896).
(Quelle: afp)
Stichwort: Nobelpreis
Mit der Stiftung der Nobelpreise [http://www.nobel.se/] wollte der schwedische Forscher und
Großindustrielle Alfred Nobel (1833-1896) einen Konflikt
lösen, der sein Leben bestimmte: Der Dynamit-Erfinder konnte nicht
verwinden, dass seine Entdeckung für den Krieg genutzt wurde. Als
«Wiedergutmachung» vermachte er sein Vermögen einer
Stiftung, aus deren Zinsen Preise für jene finanziert werden
sollten, die «im verflossenen Jahr der Menschheit den
größten Nutzen geleistet haben». Nobel selbst hatte
mehr als 350 Patente angemeldet.
Die Preise werden seit 1901 verliehen. Die Dotierung stieg von 150 800
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310030.htm#031003_f
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