Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertundfünften Tag nach Kriegsbeginn
US-Kampagne zur Rechtfertigung des Krieges in Irak - Bush: Irakkrieg
schützte USA vor einem Wahnsinnigen +++ Offenbar Spannungen
zwischen Weißen Haus und Pentagon +++
Verteidigungsminister Rumsfeld beklagt sich über Machverlust an
Sicherheitsberaterin Rice ++ US-Kongress bewilligt 87 Milliarden
Dollar für Irak und Afghanistan +++ Washington will an Termin
für Irak-Geberkonferenz festhalten +++ Putin will neue
Irak-Resolution vor Madrider Geberkonferenz +++ Irak droht weiter ins
Chaos zu stürzen +++ Neue Anschläge in Bagdad mit mindestens
zwölf Toten +++ Attentat auf Spanischen Diplomaten im Irak +++
Zwei US-Soldaten bei Überfall in Sadr City in Bagdad getötet
Fr.10.10.03 - US-Präsident George W. Bush hat in seiner Kampagne zur
Rechtfertigung des Irakkrieges am Donnerstag erklärt, er habe die
USA vor einem Wahnsinnigen schützen wollen.
"Ich habe gehandelt, weil ich die Sicherheit des amerikanischen Volkes
nicht in den Händen eines Wahnsinnigen liegen lassen wollte", sagte
Bush vor Angehörigen der Nationalgarde und Reservisten in New
Hampshire. "Wer würde schon annehmen, dass die Welt besser
wäre, wenn (Iraks Ex-Präsident) Saddam Hussein noch an der
Macht wäre?" sagte Bush und forderte mit dieser rhetorischen Frage
seine Kritiker heraus.
Bushs Rede beinhaltete wenig neue Argumente. Er wird seine Position
aber voraussichtlich ebenso wie andere hochrangige Vertreter seiner
Regierung in den kommenden Tagen noch mehrfach wiederholen. Die Kampagne
ist eine Reaktion auf die wachsende Kritik an der Regierung, sie habe
die Bedrohung durch den Irak übertrieben, um den Krieg zu
rechtfertigen. Genährt wird diese Kritik durch fast tägliche
Todesopfer unter den Soldaten im Irak und die lange Einsatzdauer der
Reservisten. Zudem wurden bislang keine Massenvernichtungswaffen im Irak
gefunden. Deren angebliche Existenz war eines der Hauptargumente
für den Krieg.
Bushs Popularität ist in den vergangenen Wochen deutlich gesunken.
Grund dafür ist neben Irak der schlechte Zustand der Wirtschaft mit
einer für US-Verhältnisse hohen Arbeitslosigkeit.
Die Kampagne zielt offenkundig darauf ab, 13 Monate vor der
nächsten Wahl wieder Unterstützung für den
Präsidenten zu gewinnen. Bushs Rede konzentrierte sich auf Irak und
Wirtschaft, jene zwei Aspekte, die seine Wiederwahl gefährden
könnten. In New Hampshire werden im kommen Jahr die ersten
großen Vorwahlen stattfinden.
Unterdessen deutet sich zwischen US-Präsident George Bush und
Verteidigungsminister Donals Rumsfeld ein ernstes Zerwürfnis an.
Das Weiße Haus bemüht sich zwar diesen Eindruck zu
zerstreuen, doch die amerikanische Presse berichtete von heftigen
Spannungen. Rumsfeld hatte sich beklagt, erst aus den Medien von einem
Kompetenzverlust erfahren zu haben. Künftig liegt die
Federführung für den Nachkriegs-Irak bei Sicherheitsberaterin
Condolezza Rice.
Rumsfeld werden vor allem mangelnde Fähigkeiten angelastet,
reibungslos mit anderen Ministerien wie dem State Department oder dem
Schatzamt zusammenzuarbeiten, die beim Wiederaufbau in Irak immer
wichtiger werden.
Der US-Kongress hat derweil die von Präsident George W. Bush
beantragten zusätzlichen Gelder für den Wiederaufbau Iraks und
Afghanistans bewilligt. Der zuständige Ausschuss im
Repräsentantenhaus sprach sich am Donnerstag (Ortszeit) mit 47 zu
14 Stimmen dafür aus, insgesamt weitere 86,9 Milliarden Dollar
(rund 74 Milliarden Euro) für den Wiederaufbau in den beiden
Ländern auszugeben. Diese Ausgaben seien "eine Investition in die
Zukunft unserer Kinder, eine Zukunft ohne terroristische Bedrohung und
ohne die tägliche Angst eines verheerenden Anschlags gegen unsere
Zivilbevölkerung", sagte der Vorsitzende des
Bewilligungsausschusses, der republikanische Abgeordnete Bill Young.
Bevor die Gelder tatsächlich fließen können, muss das
Repräsentantenhaus nächste Woche noch darüber abstimmen.
Ungeachtet der Bedenken Berlins und Moskaus wollen die USA am Termin
für die Irak-Geberkonferenz Ende Oktober festhalten. Niemand habe
bislang eine Verschiebung beantragt, sagte Außenamtssprecher
Richard Boucher. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Russlands
Präsident Wladimir Putin hatten Bedenken über den Termin
geäußert.
Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich für die
Verabschiedung einer neuen Irak-Resolution der UNO noch vor der
Geberkonferenz in zwei Wochen in Madrid ausgesprochen. Eine solche
Entschließung wäre "eine gute Basis" für die Konferenz,
sagte Putin am Donnerstag nach seinem Treffen mit Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD) in Jekaterinburg.
In Bagdad sind bei einem Selbstmordanschlag auf eine Polizeiwache und
einem Überfall auf US-Soldaten sowie einem Attentat auf einen
spanischen Diplomaten am Donnerstag mindestens zwölf Menschen
getötet worden.
Im Stadtteil Sadr-Stadt sei ein Auto durch die Tore einer Polizeiwache
gerast und vor dem Gebäude explodiert, sagte ein irakischer
Polizeisprecher. Dabei seien mindestens drei Polizisten und sechs
Zivilisten getötet worden. Am Donnerstagabend wurden in Sadr City
zwei US-Soldaten in einen Hinterhalt gelockt, wie die Streitkräfte
der US-geführten Koalition am Freitag erklärten. Das spanische
Außenministerium teilte zudem mit, ein Diplomat des Pressekorps
sei am Morgen vor seinem Haus erschossen worden. Nordöstlich der
irakischen Hauptstadt starb ein US-Soldat bei einem Angriff auf einen
Militär-Konvoi.
Der Polizeisprecher sagte, zum Zeitpunkt des Anschlags hätten sich
hunderte Menschen in der Wache befunden, um ihren Lohn abzuholen. Die
Posten am Tor hätten versucht, das Auto mit Schüssen zu
stoppen. In dem verarmten Stadtteil Sadr-Stadt - früher
Saddam-Stadt - leben überwiegend schiitische Moslems.
Ein Sprecher des spanischen Außenministeriums sagte in Madrid,
der Diplomat Jose Antonio Bernal sei am Vormittag vor seinem Haus
getötet worden. Der 34-Jährige hinterlasse Frau und Tochter.
Augenzeugen sagten, drei Männer seien vor dem Haus des Diplomaten
aus einem Auto gestiegen. Einer von ihnen schien ein Geistlicher zu
sein. Dieser habe an das Tor geklopft, und der Spanier habe barfuß
und in Unterhosen geöffnet. Als der Spanier den Mann gesehen habe,
sei er aus dem Haus geflohen. Der Attentäter habe den Diplomaten
verfolgt und dabei ständig aus Pistolen geschossen, sagte ein
anderer Augenzeuge. "Eine Kugel traf ihn in den Kopf und er brach auf
der Straße zusammen." Spanien gehörte zu den stärksten
europäischen Befürwortern des Irak-Kriegs und hat 1300
Soldaten dort im Einsatz.
Wie eine Sprecherin des US-Militärs mitteilte, wurde in der Nacht
zuvor ein US-Konvoi nahe der Stadt Bakuba 65 Kilometer nordöstlich
von Bagdad angegriffen. Ein Soldat der 4. Infanteriedivision sei
später in einem Krankenhaus an seinen Verletzungen gestorben.
Bakuba liegt im so genannten sunnitischen Dreieck, in dem der Widerstand
gegen die von den USA geführten Besatzungstruppen seit dem Sturz
des irakischen Präsidenten Saddam Hussein besonders stark ist.
US-Konvois werden dort fast täglich attackiert.
Seit dem von den USA am 1. Mai ausgerufenen Ende der
Hauptkampfhandlungen sind 94 US-Soldaten bei Anschlägen und
Angriffen getötet worden. Das Hauptquartier der Vereinten Nationen
(UNO) ist zwei Mal das Ziel von Bombenanschlägen gewesen, aber auch
die jordanische Botschaft ist angegriffen worden. Die USA machen
für die Angriffe eingesickerte islamische Extremisten sowie
Anhänger Saddams verantwortlich.
(Quellen: rtr, afp, dpa, sz)
«Die USA haben Tatsachen geschaffen: Ihr Einmarsch im Irak
erfolgte ohne UN-Mandat und ohne die Zustimmung der meisten arabischen
Länder in der Region. Es bleibt offen, ob sie damit am Ende Erfolg
haben werden - die jüngsten Anschläge dürften nur der
Auftakt großer Probleme sein. Aber selbst das proklamierte
Maximalprogramm Washingtons, die umfassende Demokratisierung der
gesamten Nahostregion, steckt voller Widersprüche. Amerika
täte gut daran, die politischen und sozialen Bewegungen in der
Region zu berücksichtigen, und die arabischen Länder
täten gut daran, Modernisierung und Demokratisierung in die
eigenen Hände zu nehmen...»
(Le Monde diplomatique Nr. 7178
vom 10.10.2003)
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/10/10/a0225.nf/text
|
USA wollen Abwehrraketen gegen Iran in Europa
Fr.10.10.03 - Die USA erwägen nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung"
eine Stationierung von Abwehrraketen zum Schutz vor Iran in Europa.
Washington prüfe in diesem Zusammenhang den Abschluss bilateraler
Abkommen mit einzelnen europäischen Staaten, berichtet das Blatt
in seiner Freitagausgabe unter Berufung auf das amerikanische
Außenministerium. Willige Länder könnten im Gegenzug zu
einer Stationierung Wirtschaftshilfe bekommen.
Einem hohen Diplomaten zufolge, so heißt es in dem Bericht
weiter, würde Amerika zwar am liebsten gemeinsam mit Europa eine
Raketenabwehr für beide Kontinente aufbauen. Die Aussichten, im
Rahmen der NATO zu einer baldigen Einigung zu kommen, würden aber
als gering eingeschätzt.
Der Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Boucher, sagte vor
Journalisten in Washington, ihm lägen keine Informationen dazu
vor. Offensichtlich sei eine Raketenabwehr wichtig für die USA,
fügte Boucher hinzu. Über den Stand einer Kooperation mit
anderen Staaten könne er aber nichts sagen.
(Quelle: dpa)
Waffen unter Kontrolle
Menschenrechtsorganisationen starten Kampagne gegen Waffenhandel +++
Die tatsächlichen Massenvernichtungswaffen sind die Kleinwaffen
Fr.10.10.03 - Mit einer Kampagne in mehr als 50 Ländern wollen
Menschenrechtsorganisationen den internationalen Waffenhandel
bekämpfen. Laut einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht
von Amnesty International (AI), Oxfam und dem Internationalen
Aktionsbündnis gegen Kleinwaffen (IANSA) wird jede Minute ein
Mensch mit Waffengewalt umgebracht, noch häufiger misshandelt oder
schwer verletzt. Weltweit seien 630 Millionen Kleinwaffen im Umlauf, in
Irak gebe es mehr Handfeuerwaffen als Einwohner.
Ein internationales rechtsverbindliches Abkommen soll nach dem Willen
der drei Organisationen Waffenhandel und Waffenmissbrauch
einschränken. Nach der am Donnerstag begonnenen Sammlung von einer
Million Unterschriften für "Waffen unter Kontrolle" sollen die
Vereinten Nationen und ihre Mitgliedstaaten den Pakt 2006 verabschieden.
Auf dem Trafalgar Square in London erinnerten die Organisationen mit
300 symbolischen Grabsteinen daran, dass jede Minute ein Mensch durch
eine Waffe ums Leben komme, jährlich seien das mehr als eine halbe
Million Todesopfer. Der internationale Waffenhandel sei kaum
kontrolliert, Exportbestimmungen wiesen zahlreiche Schlupflöcher
auf. "Das ist ein globales Problem mit entsetzlichen Folgen, und die
Armen leiden am meisten darunter", sagte Barbara Stocking, die
Vorsitzende von Oxfam. Insbesondere die USA und Großbritannien
lieferten immer mehr Waffen an neue Alliierte wie Pakistan, Indonesien
und die Philippinen - ohne Rücksicht auf Menschenrechte oder auf
Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung.
In immer größeren Teilen der Welt gehörten Waffen zum
Alltag, kritisierten die Organisationen. In Somalia würden Kindern
mittlerweile Namen wie "Uzi" oder "AK" gegeben. Die tatsächlichen
Massenvernichtungswaffen - die Kleinwaffen - seien bei der Jagd auf
nukleare, biologische und chemische Waffen im Zuge des Irak-Krieges
weitgehend vergessen worden, kritisiert Rebecca Peters, Direktorin des
IANSA.
"Mit dem 'Krieg gegen den Terror' hätte man ein neues Interesse an
Waffenkontrollen erwarten können. Doch das Gegenteil traf ein",
sagte AI-Generalsekretärin Irene Khan. Der als Reaktion auf die
Terroranschläge vom 11. September begonnene "Krieg gegen den
Terror" habe zu einer weiteren Verbreitung von Waffen geführt,
statt den Handel einzudämmen.
Der von Menschenrechts-, Entwicklungshilfe- und
Waffenkontrollorganisationen gemeinsam mit Völkerrechtlern
erarbeitete Entwurf für einen Internationalen Pakt zur Kontrolle
des Waffenhandels wird von 19 Nobelpreisträgern unterstützt
und will eine Reihe von verbindlichen Minimalstandards für die
Waffenkontrolle schaffen.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.controlarms.org/
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/15822/1.html
Mit ihrer Kampagne zielen die Menschenrechtsaktivisten auf die
UN-Nachfolgekonferenz zum illegalen Handel mit Kleinwaffen im Jahre 2006
Wenn wir an Kampf und Terror denken, beschleicht uns schnell die Angst
vor atomaren, biologischen oder chemischen Kampfstoffen. Doch wirklich
in Massen töten die ganz gewöhnlichen Waffen: Jede Minute
wird auf der Erde ein Mensch erschossen. Eine halbe Million Tote jedes
Jahr...
(taz, 10.10.03)
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/10/10/a0100.nf/text
|
US-Armee züchtet gefährlichen Grippevirus nach
Fr.10.10.03 - Die US-Armee hat nach Informationen von Biowaffen-Kritikern das Virus
der verheerenden "Spanischen Grippe" von 1918 im Labor
nachgezüchtet. Damals starben 27 Millionen Menschen.
Teile des Erregers seien jetzt im US Armed Forces Institute of
Pathology in Washington mit gentechnischen Methoden erfolgreich
rekonstruiert worden, berichtete das "Sunshine Project" zur
Ächtung von Biowaffen gestern in Hamburg. Damit seien erstmals die
tödlichen Eigenschaften der "Spanischen Grippe" in Teilen
wiederbelebt worden. Das besonders aggressive Virus galt zuvor als
ausgestorben. Als Ziel hätten die Forscher Medikamententests
angegeben.
"Es ist völlig widersinnig, einen gefährlichen Erreger
künstlich herzustellen, nur um dann eine Behandlung dagegen zu
entwickeln", kritisierte der Hamburger Ja van Aken vom "Sunshine
Project".
(Quelle: dpa)
Mehr zum Thema unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/lis/15819/1.html
http://www.sunshine-project.de/infos/aktuelles/2003/03_10_09_Spanische_Grippe.html
Nahost-Konflikt
Palästinenserregierung in der Krise +++ Streit um das von Arafat
eingesetzte Notstandskabinett +++ Drei Tote bei israelischem Einmarsch
in Flüchtlingslager Rafah +++ Arabische Staaten wollen UN-Votum
gegen israelischen Grenzzaun +++ Experten: Deutscher
Rüstungsexport an Israel verletzt Richtlinien
Fr.10.10.03 - Nach der Rücktrittserklärung von Regierungschef Ahmed Kureia
hat sich die Palästinenserführung um Schadensbegrenzung
bemüht. Palästinenserpräsident Jassir Arafat habe Kureia
trotz der Meinungsverschiedenheiten das Vertrauen ausgesprochen, sagte
Arafats Berater Nabil Abu Rudeina. Es handele sich um "normale interne
Probleme". Washington hatte nach Angaben des US-Außenministeriums
zunächst keine Informationen über ein Rücktrittsgesuch
Kureias.
Hintergrund der Krise war ein heftiger Streit um das von Arafat
eingesetzte Notstandskabinett. Arafat vertraue auch weiterhin Kureias
Kabinett, sagte Rudeina. Kureia hatte nur zwei Tage nach seiner
Vereidigung den Rücktritt eingereicht, wie aus Arafats Umfeld in
Ramallah verlautete.
Der Streit zwischen dem Regierungschef und seinem Kabinett auf der
einen Seite und dem Palästinenserpräsidenten auf der anderen
Seite hatte sich an der Ausrufung des Notstands am Sonntagabend
entzündet. Arafat hatte in dem Zusammenhang für zunächst
nur einen Monat eine achtköpfige Notstandsregierung mit Kureia an
der Spitze ernannt. Nach Angaben des Abgeordneten Mohammed El Hurani
verweigerte das Parlament dem Notstandskabinett am Donnerstag das
Vertrauen, da dessen Einsetzung in der palästinensischen
Gesetzgebung nicht vorgesehen sei. Eine Notstandsregierung kann per
Dekret und ohne die Zustimmung des Parlaments handeln. Damit
hätten die Sicherheitskräfte einfacher gegen die radikalen
Palästinenserorganisationen Islamischer Dschihad und Hamas
vorgehen können.
Vor der Parlamentssitzung hatte es eine heftige Auseinandersetzung in
der Führung von Arafats Fatah-Organisation gegeben, an der auch
Arafat und Kureia teilnahmen, wie aus der Umgebung des
Palästinenserpräsidenten verlautete. Demnach sprach sich
Arafat unter anderem gegen General Nasr Jussef als Innenminister aus,
nachdem sich dieser geweigert hatte, vor Arafat den Amtseid abzulegen.
Auch das habe Kureia erzürnt, hieß es weiter.
Der US-Regierung lägen keine Informationen dafür vor, dass es
sich um ein "formelles" Rücktrittsgesuch handele, sagte
US-Außenamtssprecher Richard Boucher. Washington verfolge die
Entwicklung aufmerksam und stehe mit den Parteien in Kontakt.
Ein palästinensischer Selbstmordattentäter sprengte sich
unterdessen an einem israelischen Kontrollposten in der Nähe der
Stadt Tulkarem im Norden des Westjordanlandes in die Luft und verletzte
zwei israelische Soldaten und einen Palästinenser, wie das
israelische Militär mitteilte. Ein anonymer Anrufer bei der
Nachrichtenagentur AFP übernahm im Namen der Fatah-nahen
El-Aksa-Brigaden die Verantwortung.
Beim Einmarsch der israelischen Armee in das palästinensische
Flüchtlingslager Rafah sind in der Nacht zum Freitag drei
Palästinenser getötet worden. 20 weitere Palästinenser
wurden bei der Militäraktion im südlichen Gazastreifen
verletzt, wie Krankenhausmitarbeiter und palästinensische
Sicherheitskräfte mitteilten. Unter den Toten war demnach auch ein
etwa zwölf Jahre altes Kind, das einen Kopfschuss erlitten hatte.
Zwei Männer wurden getötet und 14 Menschen verletzt, als ein
Kampfhubschrauber eine Rakete auf das Lager abfeuerte, wie es weiter
hieß. Bei einem anschließenden Schusswechsel seien sechs
weitere Palästinenser verwundet worden.
Die 22 Staaten der arabischen Liga wollen bei den Vereinten Nationen
erreichen, dass der UN-Sicherheitsrat den Bau des umstrittenen
israelischen Grenzzauns als illegal verurteilt. Der syrische
UN-Botschafter Fayssal Mekdad brachte am Donnerstag in New York den
Entwurf einer Resolution ein, in der der Abriss des Zauns entlang der
Grenze zum Westjordanland gefordert wird. Über die Vorlage wollte
der Sicherheitsrat am (heutigen) Freitag diskutieren.
In dem Entwurf heisst es, dass der Bau der Mauer durch "die
Besatzungsmacht Israel" im Westjordanland gegen geltendes
Völkerrecht verstosse und daher abgerissen und beseitigt werden
müsse. Weiter wird darin betont, dass der Sicherheitsrat sich
gegen "Siedlungsaktivitäten in den besetzten Gebieten" und
illegale Landnahme wende.
Der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman sagte, "wie immer"
versuchten die Palästinenser, die Debatte weg vom Terror zu
lenken, den sie gegen sein Land ausübten. "Der Sicherheitsrat darf
sich nicht zum Werkzeug der palästinensischen Propaganda machen
lassen."
Der Zaun soll laut Israel Selbstmordattentäter fern halten.
Bislang wurde der Wall, der teils aus Mauer und teils aus Zäunen
oder Stacheldraht besteht, auf etwa 150 Kilometern Länge
errichtet. Ursprünglichen Plänen zufolge soll er einmal auf
die vierfache Länge ausgebaut werden.
Mit den deutschen Rüstungslieferungen an Israel
verstößt die Bundesregierung nach Ansicht von Experten gegen
die von ihr selbst aufgestellten rechtlichen und politischen Standards.
Die derzeitige Praxis stehe in "deutlichem Widerspruch" zu den im
Januar 2000 von der Bundesregierung verabschiedeten politischen
Richtlinien zum Rüstungsexport, sagte Christopher Steinmetz von
der Berliner Informationsstelle für Transatlantische Sicherheit
(BITS) am Donnerstag in Berlin.
(Quellen: afp, ap)
«Ich liebe meinen Bruder»
Plädoyer für die Verweigerung des israelischen
Militärdienstes
Mehr unter:
http://www.zmag.de/article/article.php?id=849
Wie Israel immer ärmer wird
Fr.10.10.03 - Am 15. September hat die israelische Regierung einen Haushalt
verabschiedet, der auf der einen Seite hohe Ausgaben für
Verteidigung, Siedlungsbau und den Bau der Grenzmauer vorsieht, auf der
anderen Seite die bereits knappen Sozialausgaben noch weiter
herunterfahren wird. Israel steckt derzeit in der schwersten
Wirtschaftskrise seit 1953. Wenn das Land immer mehr Ressourcen in den
ebenso kostspieligen wie aussichtslosen Konflikt mit den
Palästinensern investiert, wird für die Belange seiner
Bürger eben immer weniger übrig bleiben...
Mehr in der heutigen Ausgabe von "Le Monde diplomatique" (Nr. 7178 vom 10.10.2003):
http://www.taz.de/pt/2003/10/10/a0230.nf/text
|
Russland erlaubt Deutschland Truppen-Transit +++ Bundeswehr darf
Truppen und Ausrüstung über russischen Boden zu
Stützpunkten nach Afghanistan befördern
Fr.10.10.03 - Russland hat mit Deutschland als erstem NATO-Staat ein Abkommen
für den Truppen-Transit geschlossen. Die Vereinbarung über
den Transit des deutschen ISAF-Kontingents durch Russland nach
Afghanistan wurde beim Treffen von Präsident Wladimir Putin und
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Jekaterinburg
unterzeichnet. Schröder betonte das "große Maß an
Übereinstimmung" mit Putin in Fragen der Außenpolitik.
Ferner wurden Visa-Erleicherungen sowie wirtschaftliche Vereinbarungen
beschlossen.
Das Abkommen für den Truppen-Transit ist das erste, das Russland
mit einem NATO-Staat abgeschlossen hat. Die Vereinbarung erlaubt der
Bundeswehr, Truppen und Ausrüstung über russischen Boden zu
Stützpunkten nach Afghanistan zu befördern. Berlin will unter
einem erweiterten UN-Mandat ein Wiederaufbauteam in der Provinz Kundus
stationieren.
(Quelle: afp)
Struck will schnellere Entscheidung für NATO-Einsätze der
Bundeswehr
Fr.10.10.03 - Verteidigungsminister Peter Struck will politische
Entscheidungsabläufe in Deutschland beschleunigen, um
Bundeswehrsoldaten schneller an Krisenherde senden zu können.
Diese Schlussfolgerung zog Struck aus einer Simulationsübung beim
NATO-Verteidigungsministerrat in Colorado Springs am Mittwoch. Dort
wurde die Reaktionsfähigkeit der geplanten NATO-Eingreiftruppe
durchgespielt. Auch US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld forderte
NATO-Staaten auf, "ihre Entscheidungsstrukturen auf den neuesten Stand
zu bringen".
Die Bundesregierung will noch in diesem Jahr ein Entsendegesetz auf den
Wege bringen. Struck betonte, dass der Bundestag auf sein
Mitentscheidungsrecht bei Auslandseinsätzen deutscher Soldaten
nicht verzichten solle. Ein Entsendebeschluss dauere von der
Kabinettsentscheidung bis zur zweiten und dritten Lesung im Bundestag
jedoch oft mehr als fünf Tage. Die NATO will mit ihrer schnellen
Eingreiftruppe, die bis Oktober 2006 voll einsatzfähig sein soll,
innerhalb von fünf Tagen Soldaten an Krisenherde entsenden
können.
In der als Seminar bezeichneten Simulationsübung mit dem Namen
"Dynamische Antwort 2007" wurde erörtert, wie schnell die
NATO-Mitgliedstaaten auf eine terroristische Bedrohung mit
Massenvernichtungswaffen reagieren können. Struck sagte: "Ich habe
aus dem Seminar die Erfahrung gezogen, dass ich mit den
Verteidigungspolitikern aller Fraktionen über den Inhalt des
Entsendegesetzes reden muss." Es müsse geklärt werden, ob ein
Bundestagsausschuss aus Verteidigungs-, Außen- und
Haushaltspolitikern anstelle des gesamten Bundestages die politische
Entscheidung zur Entsendung treffen könne.
In dem fiktiven Szenario entmachteten laut Struck Terroristen einen mit
der NATO befreundeten Staat und griffen die Allianz an, als diese ihre
Staatsbürger mit Hilfe ihrer schnellen Eingreiftruppe evakuierte.
Gleichzeitig bedrohten im Mittelmeer von Terroristen gekaperte Schiffe
mit Massenvernichtungswaffen an Bord Italien. Die Minister
diskutierten, wie sie vorgehen würden.
NATO-Generalsekretär George Robertson zufolge zeigte die
Übung, dass kleine Krisen mit unerwarteten Konsequenzen enden
könnten. Außerdem sei deutlich geworden, dass den
NATO-Staaten Truppen zur kurzfristigen Stationierung an Krisenherden
fehlten. "Wir brauchen richtige, einsatzfähige Soldaten, keine
Armeen auf dem Papier", betonte er.
Die Verteidigungsminister berieten anschließend über die
Transformation der Allianz von einem Verteidigungsbündnis zu einer
weltweit agierenden militärischen Allianz und über die
Bündelung von Fähigkeiten angesichts knapper Haushalte. Auf
der Tagesordnung am Donnerstag standen die Situation in
Bosnien-Herzegowina und in Afghanistan. In beiden Fällen wollen
die europäischen Partnerstaaten die USA für ihr Engagement in
Irak entlasten. In der nordafghanischen Stadt Kundus übernimmt die
Bundeswehr die Absicherung eines Wiederaufbauteams mit 250 bis 400
Soldaten. Inzwischen wollen sich auch eine Reihe weiterer
europäischer Staaten an der Mission beteiligen. In Bosnien will
die EU das Kommando über die SFOR-Truppen übernehmen.
(Quelle: ap)
4 206 800 Arbeitslose in Deutschland
Gerster dämpft Hoffnung auf raschen Aufschwung
Fr.10.10.03 - Die Arbeitslosenzahlen in Deutschland werden nach Einschätzung der
Bundesanstalt für Arbeit (BA) erst 2005 wieder deutlich sinken.
Der überraschend starke Rückgang im September von 107 400 auf
4 206 800 Menschen sei noch keine Trendwende, sagte Behördenchef
Florian Gerster am Donnerstag in Nürnberg. Ein Jahr zuvor waren
bei den Arbeitsämtern jedoch 265 000 weniger Erwerbslose
registriert.
Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum August um 0,3 Punkte auf
10,1 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie bei 9,5 Prozent gelegen. Die
Wachstumsschwäche belaste weiterhin den Arbeitsmarkt, sagte
Gerster. Erste Anzeichen für eine Erholung erwartet er in der
zweiten Jahreshälfte 2004.
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sprach von einem
erfreulichen Signal. "Die rückläufigen Arbeitsmarktzahlen
zeigen, dass die ersten beiden Hartz-Gesetze und weitere
Maßnahmen bereits Wirkung entfalten", sagte Clement. Allerdings
sei die Konjunktur nach wie vor zu schwach, um zusätzliche
Arbeitsplätze zu schaffen.
Dagegen sah CDU-Chefin Angela Merkel in der aktuellen Entspannung am
Arbeitsmarkt "kein Anzeichen für einen konjunkturellen
Aufschwung". Nach Ansicht von CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer
sind die Daten im wesentlichen das Ergebnis einer
Statistik-Bereinigung. "Eine Trendwende ist nicht in Sicht", sagte
Meyer. Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHT) sah
keine substanzielle Erholung. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warf
der Bundesanstalt vor, Langzeitarbeitslose im Stich zu lassen.
Nach Ansicht Gersters bedarf es für eine "echte Belebung" auf dem
Arbeitsmarkt mindestens eines Wirtschaftswachstums von 1,5 bis 1,8
Prozent. Selbst dann dauere es meist Monate, bis sich die
Konjunktur-Impulse auf dem Arbeitsmarkt niederschlügen. Auch das
BA-nahe Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht
in seiner Jahresprognose für 2004 von einem Rückgang der
Arbeitslosigkeit um allenfalls 20 000 auf 4,38 Millionen im
Jahresschnitt aus.
Gerster führte den überdurchschnittlich starken Rückgang
der Erwerbslosigkeit in diesem September hauptsächlich auf die
"Neuausrichtung der Arbeitsmarktpolitik" zurück: Die gestiegene
Zahl von Vermittlern erlaube eine genauere Prüfung der
Arbeitswilligkeit von Arbeitslosen. Stellenlosen, die nicht wirklich
dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stünden, drohten
beispielsweise Sperrzeiten. Nach Angaben der Bundesanstalt fielen im
September 76 900 Männer und Frauen aus der Statistik, obwohl sie
keine Stelle gefunden hatten.
Zunehmend nutzten Arbeitslose die so genannten Ich-AGs als Weg in die
Selbstständigkeit. Den Angaben zufolge wurden seit dem Start der
Regelung im Frühjahr 61 800 Ich-AGs gegründet. In so
genannten Personal-Service-Agenturen (PSA), die Leiharbeiter an Firmen
vermitteln, waren Ende September 21 300 Menschen beschäftigt. Die
Zahl der Langzeitarbeitslosen hat dennoch weiter zugenommen. Sie stieg
im Vergleich zum Vorjahr um 17,3 Prozent auf rund 1,53 Millionen.
Dagegen gab es ein Viertel weniger freie Stellen als im September 2002.
Auch den saisonbereinigten Rückgang der Arbeitslosenzahlen um 14
000 auf 4,392 Millionen im September führen Fachleute
größtenteils auf die härtere Gangart der
Arbeitsämter gegenüber arbeitsunwilligen Erwerbslosen
zurück. Unverändert groß bleibt das
Ost-West-Gefälle.
Unbereinigt waren Ende September im Westen 2 653 000 Männer und
Frauen ohne Beschäftigung. Das waren 69 800 weniger als im August
und 213 400 mehr als vor zwölf Monaten. Im Osten gab es 1 553 900
Arbeitslose. Das waren 37 600 weniger als in diesem August, aber 51 600
mehr als im September 2002.
Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich nach Einschätzung
Gersters vier Wochen nach Beginn des Ausbildungsjahres leicht
entspannt. Dennoch waren bis Ende September mehr als 35 000 Jugendliche
bei der Lehrstellesuche leer ausgegangen. Vor einem Jahr waren es nur
5400 gewesen. BA-Angaben zufolge standen im vergangenen Jahr 546 700
Ausbildungsstellen 719 600 bei den Arbeitsämtern registrierte
Jugendliche gegenüber. 47 Prozent von ihnen hätten einen
betrieblichen Ausbildungsplatz erhalten. Knapp ein Fünftel besucht
eine berufsvorbereitende Schule.
(Quelle: dpa)
«Erwerbslosigkeit wird kleingeredet»
«Bereinigte Arbeitsmarktstatistik dient als Vorwand für
Wachstumsgedöns...»
schreibt die "junge Welt" in ihrer heutigen Ausgabe (10.10.03).
Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/10-10/001.php
«Ich-AGs entlasten Gersters Statistik - Bundesanstalt für
Arbeit meldet Erfolge der Hartz-Reform, rechnet aber mit der
höchsten Arbeitslosigkeit seit 1990...»
Mehr in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (10.10.03):
http://www.taz.de/pt/2003/10/10/a0044.nf/text
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35 000 bei Lehrstellensuche leer ausgegangen +++ Trotz
Lehrstellenmangels keine Ausbildungsplatzabgabe +++ Clement verspricht
jedem Jugendlichen eine Lehrstelle +++ Wirtschaft will jedem
Jugendlichen Ausbildung anbieten
Fr.10.10.03 - Auch vier Wochen nach Beginn des Ausbildungsjahres suchen noch immer 35
000 Jugendliche eine Lehrstelle. Dies sind knapp 12 000 mehr als vor
einem Jahr. Die Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt habe sich damit im
Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert, sagte der
Vorstandsvorsitzende der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster.
Trotz Lehrstellenmangels wird vorerst keine Ausbildungsplatzabgabe
eingeführt. Bei einem Gipfeltreffen verständigten sich
Bundesregierung und Wirtschaft am Donnerstag in Berlin darauf, jedem
der 35.000 bislang noch nicht vermittelten Jugendlichen einen Platz
anzubieten und dafür weitere Stellen zu mobilisieren. DGB-Chef
Michael Sommer äußerte sich unzufrieden mit der Regierung
und erklärte: "Ich erwarte, dass jetzt gehandelt wird."
Bildungsministerin Edelgard Bulmahn erklärte, die Wirtschaft werde
jeden Jugendlichen, der noch keine Lehrstelle haben, anschreiben und
einen Platz offerieren. Am Jahresende müsse jeder, der es wolle,
einen Ausbildungsplatz haben. "Dieses Ziel muss erreicht werden."
Unmittelbar vor dem Arbeitstreffen zum Thema Ausbildungsmarkt hat
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement jedem Jugendlichen eine Lehrstelle
versprochen. Jeder noch unvermittelte Bewerber werde bis Jahresende ein
Ausbildungsangebot erhalten, sagte er.
Clement sagte, die Vermittlung laufe "nicht ganz so gut wie erhofft".
Parallel zur Nachvermittlung müssten noch Ausbildungsplätze
mobilisiert werden. Bulmahn betonte, zunächst setzte die Regierung
auf freiwillige Maßnahmen. Bundeskanzler Gerhard Schröder
habe aber bereits gesetzliche Maßnahmen für den Fall
angedroht, dass nicht genügend Plätze gefunden würden.
Der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks,
Hanns-Eberhard Schleyer, versprach eine "umfassende Nachvermittlung".
Er räumte allerdings ein, dass bisher nur 20 bis 40 Prozent der
angeschriebenen Jugendlichen das Gesprächsangebot angenommen
hätten. Schleyer sagte, er sei trotzdem zuversichtlich, das
"Problem bis Jahresende weitestgehend zu lösen".
DGB-Chef Sommer äußerte sich skeptisch zum Angebot der
Wirtschaft, jeden zu vermitteln, und sagte: "Wenn das so wäre,
wäre es gut." Aber nur 47 Prozent der Bewerber hätten einen
Platz im dualen System aus betrieblicher und schulischer Ausbildung
gefunden. Dies anderen seien in Ersatzmaßnahmen und
Warteschleifen abgedrängt worden. Deshalb müsse die Politik
jetzt handeln, sonst gebe es nächstes Jahr "das gleiche
Gewürge". Die Gewerkschaften kämpften weiter für eine
Ausbildungsplatzabgabe.
Per saldo fehlen zu Beginn des Ausbildungsjahres noch 20.200
Lehrstellen. Rund 35.000 Jugendliche suchten einen Ausbildungsplatz,
erklärte die Bundesanstalt für Arbeit (BA) in Nürnberg.
Dem stünden nur rund 14.800 freie Plätze gegenüber.
BA-Chef Florian Gerster nannte die Lage am Lehrstellenmarkt "deutlich
entspannter, als es noch vor wenigen Monaten der Fall war". Allerdings
hätten nur 47 Prozent der rund 720.000 Bewerber direkt einen
Ausbildungsplatz erhalten. Gerster wandte sich gegen eine
Ausbildungsabgabe: "Das scheint mir kein wirksames Instrument zu sein."
Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt sagte, unter anderem in der
Metall-, Elektro- und Textilindustrie würden noch
händeringend geeignete Lehrlinge gesucht. "Es dürfen nicht
wieder wie im letzten Jahr tausende von Ausbildungsplätzen
unbesetzt bleiben."
(Quelle: dpa)
Die Lehrstellenlücke ist nur noch 20.200 Stellen klein, jubelt die
Politik. Aber das ist nur ein sehr kleiner Teil der Wahrheit.
Unzählige Jugendliche sind ausgewichen - sie jobben, bilden sich
weiter oder stecken in Maßnahmen des Arbeitsamtes...
Mehr in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (10.10.03):
http://www.taz.de/pt/2003/10/10/a0037.nf/text
|
Islamische Fahd-Akademie erhält Auflagen +++ Grüne warnen
Kultusministerkonferenz vor Verbot im Kopftuchstreit +++ Berliner CDU
fordert Kopftuchverbot für Schülerinnen im Unterricht
Fr.10.10.03 - Die unter dem Vorwurf des Islamismus stehende König-Fahd-Akademie
in Bonn hat von der Kölner Bezirksregierung zahlreiche Auflagen
erhalten. So sei die Schule der Akademie aufgefordert worden,
unverzüglich personelle Konsequenzen gegen einen Lehrer zu ziehen,
der in einer Predigt zum heiligen Krieg aufgerufen habe, teilte die
Bezirksregierung als zuständige Aufsichtsbehörde gestern mit.
Außerdem werde derzeit die Zuverlässigkeit der Schulleitung
und der übrigen Lehrer überprüft. Auch müssten
sämtliche Lehrbücher für eine Überprüfung zur
Verfügung gestellt werden. Bisherige Erklärungen der Schule
seien widersprüchlich und unzureichend gewesen.
Es würden alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um
islamistische Bestrebungen an Schulen zu unterbinden, teilte die
Behörde weiter mit. Auch eine Schließung der Schule an der
Fahd-Akademie sei "nicht vom Tisch". Die Fahd-Akademie, die aus einer
Schule und einer angeschlossenen Moschee besteht, hat laut
Bezirksregierung rund 470 Schüler, von denen knapp 200 die
deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Sie war nach einer
Reportage des ARD-Magazins "Panorama" in die Kritik geraten. In dieser
wurde berichtet, dass die von Saudi-Arabien finanzierte Einrichtung als
Anziehungspunkt von Islamisten diene.
Nach Erkenntnissen deutscher Sicherheitsbehörden unterhält
das Terrornetzwerk al-Qaida womöglich Verbindungen zu radikalen
Islamisten in der Region Bonn.
In der Debatte über ein Kopftuchverbot für moslemische
Lehrerinnen haben derweil die Grünen die Kultusministerkonferenz
(KMK) vor Verbotsregelungen gewarnt. Die Integrationsbeauftragte der
Bundesregierung, Marieluise Beck (Grüne), schrieb der KMK nach
einem Bericht der "Frankfurter Rundschau", dass ein Verbot "zu
Stigmatisierung und Ausgrenzung von kopftuchtragenden
Schülerinnen" und damit zur Gründung weiterer privater
islamischer Schulen führen werde.
Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker
Beck, forderte von der KMK ein "Zeichen der Toleranz". Wer das Kopftuch
in der Schule verbieten wolle, müsse auch eine christliche
Ordenstracht oder die jüdische Kopfbedeckung Kippa verbieten,
erklärte Beck.
Nach Ansicht der Integrationsbeauftragten Beck birgt ein
grundsätzlicher Ausschluss kopftuchtragender Frauen aus dem
öffentlichen Dienst "die Gefahr, gesellschaftliche Integration
eher zu verhindern als sie zu fördern". Zudem werde das Problem
der Ungleichbehandlung von Frauen und Männern im öffentlichen
Dienst aufgeworfen, warnte die Integrationsbeauftragte in dem Schreiben
an die KMK, das der "Frankfurter Rundschau" nach eigenen Angaben
vorliegt.
Auslöser der Debatte ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts
(BVG) von Ende September, wonach moslemischen Lehrerinnen das Tragen
von Kopftüchern im Schulunterricht ohne gesetzliche Grundlage
nicht verboten werden darf. Das Gericht folgte mit seiner Entscheidung
der Klage der Lehrerin Fereshta Ludin, die in Baden-Württemberg
wegen ihres Beharrens auf einem Kopftuch nicht unterrichten durfte.
Zugleich erklärte es ein Kopftuchverbot aber als prinzipiell
zulässig. Bayern, Hessen und Baden-Württemberg kündigten
inzwischen an, die gesetzlichen Grundlagen für ein Kopftuchverbot
schaffen zu wollen.
Volker Beck verwies am Donnerstag darauf, dass nach dem BVG-Urteil
für alle Religionsgemeinschaften die selben Spielregeln gelten
müssen. Eine umfassende Verbannung aller religiöser Symbole
und Kleidungsstücke aus dem Schulunterricht sei jedoch "in einer
weltoffenen und toleranten Gesellschaft das falsche Signal",
erklärt Beck in Berlin. Auch Hamburgs Bildungssenator Rudolf Lange
(FDP) betonte im Berlin-Brandenburger Sender Radio Mulitkulti, dass bei
einem Kopftuchverbot entsprechende Regelungen auch für andere
Religionen gelten müssten. Er zeigte sich skeptisch, dass sich die
Kultusminister in Darmstadt auf eine gemeinsame Linie einigen werden.
NRW-Schulministerin Ute Schäfer (SPD) warnte vor einem
"Schnellschuss". Schäfer sagte im WDR, das Urteil des
Bundesverfassungsgerichts mache deutlich, "wie vielschichtig diese
Problematik ist". Allein das Tragen eines Kopftuchs bedeute noch nicht,
dass die Trägerin ihre Neutralitätspflicht verletze.
Schäfer betonte, sie sei sehr gespannt auf die Länder, die
nun einen Gesetzentwurf vorlegen wollen: "Denn das muss ja auch
gerichtsfest sein."
Auf der Tagesordnung der Kultusminister steht unter anderem auch die
Verabschiedung des ersten nationalen Bildungsberichts, der vom
Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung
(DIPF) erstellt wurde. Laut Presseberichten warnt der Bildungsbericht
davor, dass die Kürzungen der öffentlichen Haushalte die
begonnenen Bildunsgreformen bedrohen.
In der Debatte über ein Kopftuchverbot für moslemische
Lehrerinnen hat der rechtspolitische Sprecher der CDU im Berliner
Abgeordnetenhaus, Michael Braun, ein entsprechendes Verbot auch
für Schülerinnen im Unterricht gefordert. "Ich sehe nicht
ein, warum andere darunter leiden sollen, daß einige der Meinung
sind, sie müssten ihre Glaubensfreiheit auf diese Art und Weise
ausleben", sagte Braun am Donnerstag im Rundfunk Berlin-Brandenburg
(RBB). Auch Berlins Bildungssenator Klaus Böger (SPD) sprach sich
für ein Kopftuchverbot im Schulunterricht aus: "Ich habe
große Sorge, dass unsere Schulen zu einem Kampffeld
weltanschaulicher und politischer Auseinandersetzungen werden, wenn wir
das Tragen eines Kopftuches erlauben", sagte er der Zeitung "Die Welt"
(Freitagausgabe).
Die Schule habe in dieser Frage "Neutralitätspflicht", betonte
Böger. "Das Kopftuch aber ist politisches und religiöses
Symbol zugleich." Deshalb sei er "unbedingt dafür", es für
Lehrerinnen zu verbieten. Dies widerspreche "keinesfalls dem Gebot der
Toleranz an unseren Schulen".
(Quellen: dpa, afp)
Blick ins Archiv
BVG-Urteil: Länder dürfen grundsätzlich Kopftuch im
Unterricht verbieten
Do.25.09.03 - Die Bundesländer dürfen muslimischen Lehrerinnen das
Kopftuchtragen im Unterricht verbieten. Dazu müssen sie nach einem
Urteil des Bundesverfassungsgerichts jedoch eine «hinreichend
bestimmte» gesetzliche Grundlage schaffen. Diese fehle derzeit in
Baden-Württemberg.
Das Land habe deshalb mit seiner Ablehnung, die muslimische Lehrerin
Fereshta Ludin in den Schuldienst zu übernehmen, deren
Religionsfreiheit verletzt, entschieden die Richter am Mittwoch in
Karlsruhe. Drei der acht Richter stimmten allerdings gegen die
Entscheidung. Das Urteil löste überwiegend positive
Reaktionen aus. (Aktenzeichen: 2 BvR 1436/02 vom 24. September 2003)
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309250.htm#03092515
«Bei einer kleinen Gruppe der Muslime in Deutschland wächst
der Fundamentalismus»
Mo.06.10.03 - «Lale Akgün ist liberale Muslimin, was ihr derzeit
Ärger bereitet. Die Bundestagsabgeordnete der SPD hatte nach dem
Kopftuch-Urteil in ein paar Fernsehsendungen gesessen und gesagt, was
sie oft sagt: dass ein Kopftuch keine religiöse Pflicht sei,
sondern ein „Verhaltensmuster". Seither wird sie mit Hass-Mails
überschüttet, abgeschickt von empörten Muslimen, die sie
als „gottlose Hure" beschimpfen und ihr das Recht absprechen, Muslimin
zu sein.
Für Lale Akgün ein weiteres Indiz für die
Re-Ideologisierung der islamischen Bevölkerung in Deutschland.
„Seit den 80er Jahren werden die islamistischen Kräfte in
Deutschland immer sichtbarer. Sie haben scheinbar den Dialog gesucht
und sich demokratisch gebärdet. Gleichzeitig haben sie eine
Parallelwelt aufgebaut, von der die Deutschen lange nichts mitbekommen
haben."
Das Koptuch als Symbol eines selbstbewussten, friedlichen Islams oder
aber als Zeichen für eine Fundamentalisierung der muslimischen
Einwanderer – beide Interpretationen haben ihre Basis...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310060.htm#031006_e
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Halb Deutschland ist online +++ Immer mehr Jugendliche surfen im
Internet +++ Studie sieht Gefahr der 'digitalen Spaltung'
Fr.10.10.03 - Mehr als die Hälfte der deutschen Haushalte soll bis Jahresende
über einen Internet-Anschluss verfügen. E-Mail, eigene
Homepage, Shopping, Online-Banking und Diskussionsforen zählen zu
den alltäglich genutzten Anwendungen. Jeder dritte deutsche
Haushalt wird bis 2008 zudem über einen Breitbandanschluss
verfügen, geht aus der Studie "Deutschland Online" der Axel
Springer AG und der T-Online International AG hervor.
Vor allem die Vorteile des Online-Einkaufs - Preis- und Zeitvorteil,
Bequemlichkeit - werden von den deutschen Usern geschätzt. Auch
für die Suche nach einem Arbeitsplatz hat das Internet erhebliche
Bedeutung gewonnen. Zunehmende Bedeutung wird der Studie zufolge die
Telearbeit gewinnen. Fast 60 Prozent der befragten Bürger sind
bereit, ihre berufliche Tätigkeit am heimischen PC auszuüben.
Der elektronische Verkehr mit den Behörden ist in Deutschland
unterentwickelt. Nur 24 Prozent der Deutschen nehmen das so genannte
E-Government in Anspruch. Europaweit gibt es nur in
Großbritannien und Italien eine noch geringere Akzeptanz.
Als Gefahr befürchten die Studienautoren eine "digitale Spaltung"
der Gesellschaft: Bestimmte Bevölkerungsgruppen wie Arbeitslose
und Pensionisten könnten von der Internet-Nutzung ausgeschlossen
bleiben und dadurch Nachteile etwa bei Jobsuche, Verkehr mit
Behörden und Konsum erleiden.
Auch immer mehr deutsche Kinder und Jugendliche sind im Internet
unterwegs. Die Zahl der jungen Surfer stieg innerhalb eines Jahres um
18 Prozent auf rund drei Millionen, wie der Marktforscher
Nielsen/NetRatings am Donnerstag in Nürnberg berichtete.
In Europa führend seien aber die britischen Kids, von denen
bereits 3,2 Millionen online seien. Deutschlands Jugendliche liegen auf
Platz zwei vor den Franzosen. Insgesamt habe sich die Zahl der Kinder
und Jugendlichen im Internet binnen eines Jahres in Europa um 15
Prozent auf 11,8 Millionen erhöht.
Auf Platz eins der besuchten Webseiten rangiert den Angaben zufolge in
Deutschland das Online-Angebot der Jugendzeitschrift "Bravo", gefolgt
vom Kinderkanal Kika. Aber auch Spiele-Seiten wie etwa cheats.de
zählten zu den beliebtesten Webangeboten für junge Nutzer.
(Quellen: futurezone, dpa )
Medienkritiker Neil Postman gestorben
Fr.10.10.03 - Der amerikanische Medienwissenschaftler und Kulturkritiker Neil Postman
ist tot. Der New Yorker Wissenschaftler starb bereits am Sonntag im
Alter von 72 Jahren an Lungenkrebs. Postman wurde mit Büchern wie
"Wir amüsieren uns zu Tode" und "Das Verschwinden der Kindheit"
bekannt. Er hatte sich angesichts der Kommerzialisierung im
Kulturbetrieb und der zunehmenden Ausrichtung des Fernsehens auf
bloße Unterhaltung vehement gegen eine "kulturelle
Verwüstung" eingesetzt.
Postman lehrte fast vier Jahrzehnte lang an der New York University.
Bis 2002 hatte er einen Lehrstuhl für Kultur- und
Kommunikationswissenschaften. Er verfasste rund 20 Bücher und mehr
als 200 Artikel. Zu den bekanntesten Büchern zählt "Wir
amüsieren uns zu Tode" von 1985, in dem Postman davor warnte, dass
das Fernsehen die Wahrnehmungsfähigkeit für die Realität
beeinträchtige. In dem neun Jahre später erschienenen "Das
Verschwinden der Kindheit" beklagte der Wissenschaftler die
Homogenisierung der Welten von Kindern und Erwachsenen durch
undifferenzierten Informationsfluss im Fernsehen - und damit den
Verlust der Kinderwelt.
(Quelle: ap)
Mit provozierenden Aussagen... wurde Postman zur Leitfigur vieler
Kritiker des kommerziellen Mediensystems. ..
Unermüdlich warnte er seit über 20 Jahren vor einer
"Trivialisierung", "Boulevardisierung" und "Infantilisierung" der
Gesellschaft durch eine reine Unkultur des bewegten Bildes. Das
ununterbrochene Entertainment der kommerziellen Sender liefere eine
Bildflut ohne Sinn und Verstand und zerstöre damit die Chance ein
Publikum auf rationale Weise mit Informationen und Inhalten zu
erreichen. Die Zuschauer säßen wie Affen in einer
verschachtelten Guck-Guck-Welt, aus deren Pseudo-Realität es kein
Entrinnen mehr gäbe. Emotionen und Vorurteile würden durch
Großaufnahmen von brabbelnden No-Names und VIPs gezüchtet,
denen auch da, wo sie etwas Substantielles zu sagen hätten,
niemand mehr zuhören würde. Nur noch die Form der Show an
sich zähle.
Das "Infotainment" gefährde die Urteilsbildung der Bürger und
bedrohe die Meinungsbildung in Demokratien. ...
Aus Peter V. Brinkemper's Nachruf in der heutigen Ausgabe von telepolis (10.10.03)
http://www.telepolis.de/deutsch/special/med/15817/1.html
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Schlafen macht schlau
Fr.10.10.03 - Lernen im Schlaf ist tatsächlich möglich: Gelerntes Wissen,
dass über den Tag in Vergessenheit geraten ist, wird während
der Nacht "gerettet" und steht am nächsten Tag wieder zur
Verfügung. Das berichten US-Forscher im britischen Fachblatt
«Nature» (Bd. 425, S. 614). Die Speicherung von Gelerntem
ist ein mehrstufiger Prozess, in dem Schlaf eine wichtige Rolle
zukommt, ergänzt eine zweite Arbeitsgruppe ("Nature", S. 616).
Mit einem Sprachcomputer überprüften die Wissenschaftler um
Kimberly Fenn von der Universität Chicago (US-Bundesstaat
Illinois) die Fähigkeit von Testpersonen, ähnlich klingende
Wörter zu erkennen. Die undeutliche Aussprache des Sprachcomputers
erschwerte diese Aufgabe, die Probanden mussten zunächst lernen,
den Computer zu verstehen. Je länger die Testpersonen trainierten,
umso mehr Wörter erkannten sie richtig.
Allerdings, so fanden die Wissenschaftler, schien das Gelernte schnell
wieder in Vergessenheit zu geraten: Nach einer morgendlichen
Trainingsphase verbesserte sich zunächst die Worterkennung. Am
Abend, nach einer 12-stündigen Pause, erkannten die Probanden
wieder weniger Wörter. Dies passierte nicht, wenn die Testpersonen
innerhalb der 12 Stunden geschlafen hatten. Die Verschlechterung
ließ sich auch durch Schlaf wieder rückgängig machen.
Die Probanden waren dann wieder genauso gut im Erkennen der Wörter
wie direkt nach der Trainingsphase.
Matthew Walker und seine Kollegen von der Harvard Medical School in
Boston untersuchten, wie Wissen im Gehirn gespeichert wird und wie sich
Schlaf auf diese Speicherung auswirkt. Dazu ließen sie Probanden
einfache Fingerübungen durchführen. Sie fanden heraus, dass
während des Schlafs zuvor Gelerntes im Langzeitgedächtnis
gespeichert und verfestigt wird. Wird das Wissen später erneut
abgefragt, ist es allerdings wieder "labil", kann also erneut in
Vergessenheit geraten. Um dauerhaft erhalten zu bleiben, müsse das
Wissen nochmals im Langzeitgedächtnis gespeichert werden,
schreiben die Forscher.
Bislang wussten Forscher, dass genügend Schlaf unter anderem
wichtig ist für das Erlernen von Daten oder Radfahren.
(Quelle: dpa)
Universum gleicht angeblich großem Fußball
Fr.10.10.03 - Das Weltall hat nach Berechnungen eines französisch-amerikanischen
Astronomenteams die Form eines überdimensionalen Fußballs.
Diese Struktur passe am besten zu den jüngsten
Satelliten-Beobachtungen des Urknall-Echos, schreiben Jeffrey Weeks und
Kollegen im britischen Fachjournal "Nature" (Bd. 425, S. 593) vom
Donnerstag.
Sollte sich dieses Modell bestätigen, sei damit auch die
mindestens zwei Jahrtausende alte Frage beantwortet, ob das Weltall
begrenzt oder unendlich groß sei. Der Kosmos wäre demnach
endlich und hätte einen Durchmesser von rund 70 Milliarden
Lichtjahren, wie das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist"
(Nr. 2416, S. 6) vom kommenden Samstag berichtet.
Weeks und Kollegen stützen ihren Vorschlag auf Daten des
NASA-Satelliten WMAP, der seit Sommer 2001 das Echo des Urknalls
beobachtet. In dieser allgegenwärtigen Kosmischen
Hintergrundstrahlung fahndet der Satellit nach winzigen
Temperaturschwankungen. Dabei stellte sich heraus, dass sehr
großräumige derartige Schwankungen viel schwächer sind,
als bei einem unendlich großen Universum zu erwarten wären.
Möglicherweise sei im Kosmos einfach nicht genug Platz für
die sehr großräumigen Schwankungen, meinen die Forscher.
Da der überdimensionale Fußball allerdings auf bizarre Weise
an seinen Außenflächen mit sich selbst verknüpft
wäre, würde das Weltall dennoch grenzenlos erscheinen:
Lichtstrahlen und Raumschiffe, die durch eine Grenzfläche
hindurchfliegen, würden sofort durch die gegenüberliegende
Fläche wieder in das Gebilde hineinkommen.
Allerdings sollten in einem solchen mit sich selbst verknüpften
Fußball-Universum bestimmte Muster in der Hintergrundstrahlung zu
sehen sein, die bei der Suche durch andere Gruppen bislang nicht
gefunden wurden, wie der "New Scientist" schreibt. Diese Suche dauere
noch an. Sollte sie jedoch erfolglos bleiben, würde dies doch ein
unendliches oder zumindest sehr großes Weltall nahe legen. Der
beobachtete Mangel großräumiger Temperaturschwankungen in
der Hintergrundstrahlung könnte auch Zufall sein.
(Quelle: dpa)
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