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+++ Fr.10.10.03, 12:45         zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Irak am zweihundertundfünften Tag nach Kriegsbeginn

US-Kampagne zur Rechtfertigung des Krieges in Irak - Bush: Irakkrieg schützte USA vor einem Wahnsinnigen +++ Offenbar Spannungen zwischen Weißen Haus und Pentagon +++ Verteidigungsminister Rumsfeld beklagt sich über Machverlust an Sicherheitsberaterin  Rice ++ US-Kongress bewilligt 87 Milliarden Dollar für Irak und Afghanistan +++ Washington will an Termin für Irak-Geberkonferenz festhalten +++ Putin will neue Irak-Resolution vor Madrider Geberkonferenz +++ Irak droht weiter ins Chaos zu stürzen +++ Neue Anschläge in Bagdad mit mindestens zwölf Toten +++ Attentat auf Spanischen Diplomaten im Irak +++ Zwei US-Soldaten bei Überfall in Sadr City in Bagdad getötet

Fr.10.10.03 - US-Präsident George W. Bush hat in seiner Kampagne zur Rechtfertigung des Irakkrieges am Donnerstag erklärt, er habe die USA vor einem Wahnsinnigen schützen wollen.

"Ich habe gehandelt, weil ich die Sicherheit des amerikanischen Volkes nicht in den Händen eines Wahnsinnigen liegen lassen wollte", sagte Bush vor Angehörigen der Nationalgarde und Reservisten in New Hampshire. "Wer würde schon annehmen, dass die Welt besser wäre, wenn (Iraks Ex-Präsident) Saddam Hussein noch an der Macht wäre?" sagte Bush und forderte mit dieser rhetorischen Frage seine Kritiker heraus.

Bushs Rede beinhaltete wenig neue Argumente. Er wird seine Position aber voraussichtlich ebenso wie andere hochrangige Vertreter seiner Regierung in den kommenden Tagen noch mehrfach wiederholen. Die Kampagne ist eine Reaktion auf die wachsende Kritik an der Regierung, sie habe die Bedrohung durch den Irak übertrieben, um den Krieg zu rechtfertigen. Genährt wird diese Kritik durch fast tägliche Todesopfer unter den Soldaten im Irak und die lange Einsatzdauer der Reservisten. Zudem wurden bislang keine Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden. Deren angebliche Existenz war eines der Hauptargumente für den Krieg.

Bushs Popularität ist in den vergangenen Wochen deutlich gesunken. Grund dafür ist neben Irak der schlechte Zustand der Wirtschaft mit einer für US-Verhältnisse hohen Arbeitslosigkeit.

Die Kampagne zielt offenkundig darauf ab, 13 Monate vor der nächsten Wahl wieder Unterstützung für den Präsidenten zu gewinnen. Bushs Rede konzentrierte sich auf Irak und Wirtschaft, jene zwei Aspekte, die seine Wiederwahl gefährden könnten. In New Hampshire werden im kommen Jahr die ersten großen Vorwahlen stattfinden.

Unterdessen deutet sich zwischen US-Präsident George Bush und Verteidigungsminister Donals Rumsfeld ein ernstes Zerwürfnis an. Das Weiße Haus bemüht sich zwar diesen Eindruck zu zerstreuen, doch die amerikanische Presse berichtete von heftigen Spannungen. Rumsfeld hatte sich beklagt, erst aus den Medien von einem Kompetenzverlust erfahren zu haben. Künftig liegt die Federführung für den Nachkriegs-Irak bei Sicherheitsberaterin Condolezza Rice.

Rumsfeld werden vor allem mangelnde Fähigkeiten angelastet, reibungslos mit anderen Ministerien wie dem State Department oder dem Schatzamt zusammenzuarbeiten, die beim Wiederaufbau in Irak immer wichtiger werden.

Der US-Kongress hat derweil die von Präsident George W. Bush beantragten zusätzlichen Gelder für den Wiederaufbau Iraks und Afghanistans bewilligt. Der zuständige Ausschuss im Repräsentantenhaus sprach sich am Donnerstag (Ortszeit) mit 47 zu 14 Stimmen dafür aus, insgesamt weitere 86,9 Milliarden Dollar (rund 74 Milliarden Euro) für den Wiederaufbau in den beiden Ländern auszugeben. Diese Ausgaben seien "eine Investition in die Zukunft unserer Kinder, eine Zukunft ohne terroristische Bedrohung und ohne die tägliche Angst eines verheerenden Anschlags gegen unsere Zivilbevölkerung", sagte der Vorsitzende des Bewilligungsausschusses, der republikanische Abgeordnete Bill Young. Bevor die Gelder tatsächlich fließen können, muss das Repräsentantenhaus nächste Woche noch darüber abstimmen.

Ungeachtet der Bedenken Berlins und Moskaus wollen die USA am Termin für die Irak-Geberkonferenz Ende Oktober festhalten. Niemand habe bislang eine Verschiebung beantragt, sagte Außenamtssprecher Richard Boucher. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Russlands Präsident Wladimir Putin hatten Bedenken über den Termin geäußert.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich für die Verabschiedung einer neuen Irak-Resolution der UNO noch vor der Geberkonferenz in zwei Wochen in Madrid ausgesprochen. Eine solche Entschließung wäre "eine gute Basis" für die Konferenz, sagte Putin am Donnerstag nach seinem Treffen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Jekaterinburg.

In Bagdad sind bei einem Selbstmordanschlag auf eine Polizeiwache und einem Überfall auf US-Soldaten sowie einem Attentat auf einen spanischen Diplomaten am Donnerstag mindestens zwölf Menschen getötet worden.

Im Stadtteil Sadr-Stadt sei ein Auto durch die Tore einer Polizeiwache gerast und vor dem Gebäude explodiert, sagte ein irakischer Polizeisprecher. Dabei seien mindestens drei Polizisten und sechs Zivilisten getötet worden. Am Donnerstagabend wurden in Sadr City zwei US-Soldaten in einen Hinterhalt gelockt, wie die Streitkräfte der US-geführten Koalition am Freitag erklärten. Das spanische Außenministerium teilte zudem mit, ein Diplomat des Pressekorps sei am Morgen vor seinem Haus erschossen worden. Nordöstlich der irakischen Hauptstadt starb ein US-Soldat bei einem Angriff auf einen Militär-Konvoi.

Der Polizeisprecher sagte, zum Zeitpunkt des Anschlags hätten sich hunderte Menschen in der Wache befunden, um ihren Lohn abzuholen. Die Posten am Tor hätten versucht, das Auto mit Schüssen zu stoppen.  In dem verarmten Stadtteil Sadr-Stadt - früher Saddam-Stadt - leben überwiegend schiitische Moslems.

Ein Sprecher des spanischen Außenministeriums sagte in Madrid, der Diplomat Jose Antonio Bernal sei am Vormittag vor seinem Haus getötet worden. Der 34-Jährige hinterlasse Frau und Tochter. Augenzeugen sagten, drei Männer seien vor dem Haus des Diplomaten aus einem Auto gestiegen. Einer von ihnen schien ein Geistlicher zu sein. Dieser habe an das Tor geklopft, und der Spanier habe barfuß und in Unterhosen geöffnet. Als der Spanier den Mann gesehen habe, sei er aus dem Haus geflohen. Der Attentäter habe den Diplomaten verfolgt und dabei ständig aus Pistolen geschossen, sagte ein anderer Augenzeuge. "Eine Kugel traf ihn in den Kopf und er brach auf der Straße zusammen." Spanien gehörte zu den stärksten europäischen Befürwortern des Irak-Kriegs und hat 1300 Soldaten dort im Einsatz.

Wie eine Sprecherin des US-Militärs mitteilte, wurde in der Nacht zuvor ein US-Konvoi nahe der Stadt Bakuba 65 Kilometer nordöstlich von Bagdad angegriffen. Ein Soldat der 4. Infanteriedivision sei später in einem Krankenhaus an seinen Verletzungen gestorben. Bakuba liegt im so genannten sunnitischen Dreieck, in dem der Widerstand gegen die von den USA geführten Besatzungstruppen seit dem Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein besonders stark ist. US-Konvois werden dort fast täglich attackiert.

Seit dem von den USA am 1. Mai ausgerufenen Ende der Hauptkampfhandlungen sind 94 US-Soldaten bei Anschlägen und Angriffen getötet worden. Das Hauptquartier der Vereinten Nationen (UNO) ist zwei Mal das Ziel von Bombenanschlägen gewesen, aber auch die jordanische Botschaft ist angegriffen worden. Die USA machen für die Angriffe eingesickerte islamische Extremisten sowie Anhänger Saddams verantwortlich.

(Quellen: rtr, afp, dpa, sz)


 

 

«Die USA haben Tatsachen geschaffen: Ihr Einmarsch im Irak erfolgte ohne UN-Mandat und ohne die Zustimmung der meisten arabischen Länder in der Region. Es bleibt offen, ob sie damit am Ende Erfolg haben werden - die jüngsten Anschläge dürften nur der Auftakt großer Probleme sein. Aber selbst das proklamierte Maximalprogramm Washingtons, die umfassende Demokratisierung der gesamten Nahostregion, steckt voller Widersprüche. Amerika täte gut daran, die politischen und sozialen Bewegungen in der Region zu berücksichtigen, und die arabischen Länder täten gut daran, Modernisierung und Demokratisierung in die eigenen Hände zu nehmen...»

(Le Monde diplomatique Nr. 7178 vom 10.10.2003)

Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/10/10/a0225.nf/text

 


 


 

USA wollen Abwehrraketen gegen Iran in Europa

Fr.10.10.03 - Die USA erwägen nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" eine Stationierung von Abwehrraketen zum Schutz vor Iran in Europa. Washington prüfe in diesem Zusammenhang den Abschluss bilateraler Abkommen mit einzelnen europäischen Staaten, berichtet das Blatt in seiner Freitagausgabe unter Berufung auf das amerikanische Außenministerium. Willige Länder könnten im Gegenzug zu einer Stationierung Wirtschaftshilfe bekommen.

Einem hohen Diplomaten zufolge, so heißt es in dem Bericht weiter, würde Amerika zwar am liebsten gemeinsam mit Europa eine Raketenabwehr für beide Kontinente aufbauen. Die Aussichten, im Rahmen der NATO zu einer baldigen Einigung zu kommen, würden aber als gering eingeschätzt.

Der Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Boucher, sagte vor Journalisten in Washington, ihm lägen keine Informationen dazu vor. Offensichtlich sei eine Raketenabwehr wichtig für die USA, fügte Boucher hinzu. Über den Stand einer Kooperation mit anderen Staaten könne er aber nichts sagen.

(Quelle: dpa)
 


 

Waffen unter Kontrolle

Menschenrechtsorganisationen starten Kampagne gegen Waffenhandel +++ Die tatsächlichen Massenvernichtungswaffen sind die Kleinwaffen

Fr.10.10.03 - Mit einer Kampagne in mehr als 50 Ländern wollen Menschenrechtsorganisationen den internationalen Waffenhandel bekämpfen. Laut einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht von Amnesty International (AI), Oxfam und dem Internationalen Aktionsbündnis gegen Kleinwaffen (IANSA) wird jede Minute ein Mensch mit Waffengewalt umgebracht, noch häufiger misshandelt oder schwer verletzt. Weltweit seien 630 Millionen Kleinwaffen im Umlauf, in Irak gebe es mehr Handfeuerwaffen als Einwohner.

Ein internationales rechtsverbindliches Abkommen soll nach dem Willen der drei Organisationen Waffenhandel und Waffenmissbrauch einschränken. Nach der am Donnerstag begonnenen Sammlung von einer Million Unterschriften für "Waffen unter Kontrolle" sollen die Vereinten Nationen und ihre Mitgliedstaaten den Pakt 2006 verabschieden.

Auf dem Trafalgar Square in London erinnerten die Organisationen mit 300 symbolischen Grabsteinen daran, dass jede Minute ein Mensch durch eine Waffe ums Leben komme, jährlich seien das mehr als eine halbe Million Todesopfer. Der internationale Waffenhandel sei kaum kontrolliert, Exportbestimmungen wiesen zahlreiche Schlupflöcher auf. "Das ist ein globales Problem mit entsetzlichen Folgen, und die Armen leiden am meisten darunter", sagte Barbara Stocking, die Vorsitzende von Oxfam. Insbesondere die USA und Großbritannien lieferten immer mehr Waffen an neue Alliierte wie Pakistan, Indonesien und die Philippinen - ohne Rücksicht auf Menschenrechte oder auf Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung.

In immer größeren Teilen der Welt gehörten Waffen zum Alltag, kritisierten die Organisationen. In Somalia würden Kindern mittlerweile Namen wie "Uzi" oder "AK" gegeben. Die tatsächlichen Massenvernichtungswaffen - die Kleinwaffen - seien bei der Jagd auf nukleare, biologische und chemische Waffen im Zuge des Irak-Krieges weitgehend vergessen worden, kritisiert Rebecca Peters, Direktorin des IANSA.

"Mit dem 'Krieg gegen den Terror' hätte man ein neues Interesse an Waffenkontrollen erwarten können. Doch das Gegenteil traf ein", sagte AI-Generalsekretärin Irene Khan. Der als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September begonnene "Krieg gegen den Terror" habe zu einer weiteren Verbreitung von Waffen geführt, statt den Handel einzudämmen.

Der von Menschenrechts-, Entwicklungshilfe- und Waffenkontrollorganisationen gemeinsam mit Völkerrechtlern erarbeitete Entwurf für einen Internationalen Pakt zur Kontrolle des Waffenhandels wird von 19 Nobelpreisträgern unterstützt und will eine Reihe von verbindlichen Minimalstandards für die Waffenkontrolle schaffen.

(Quelle: ap)

Mehr unter:
http://www.controlarms.org/
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/15822/1.html


 

 

Mit ihrer Kampagne zielen die Menschenrechtsaktivisten auf die UN-Nachfolgekonferenz zum illegalen Handel mit Kleinwaffen im Jahre 2006

Wenn wir an Kampf und Terror denken, beschleicht uns schnell die Angst vor atomaren, biologischen oder chemischen Kampfstoffen. Doch wirklich in Massen töten die ganz gewöhnlichen Waffen: Jede Minute wird auf der Erde ein Mensch erschossen. Eine halbe Million Tote jedes Jahr...

(taz, 10.10.03)

Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/10/10/a0100.nf/text

 


 


 

US-Armee züchtet gefährlichen Grippevirus nach

Fr.10.10.03 - Die US-Armee hat nach Informationen von Biowaffen-Kritikern das Virus der verheerenden "Spanischen Grippe" von 1918 im Labor nachgezüchtet. Damals starben 27 Millionen Menschen.

Teile des Erregers seien jetzt im US Armed Forces Institute of Pathology in Washington mit gentechnischen Methoden erfolgreich rekonstruiert worden, berichtete das "Sunshine Project" zur Ächtung von Biowaffen gestern in Hamburg. Damit seien erstmals die tödlichen Eigenschaften der "Spanischen Grippe" in Teilen wiederbelebt worden. Das besonders aggressive Virus galt zuvor als ausgestorben. Als Ziel hätten die Forscher Medikamententests angegeben.

"Es ist völlig widersinnig, einen gefährlichen Erreger künstlich herzustellen, nur um dann eine Behandlung dagegen zu entwickeln", kritisierte der Hamburger Ja van Aken vom "Sunshine Project".

(Quelle: dpa)

Mehr zum Thema unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/lis/15819/1.html
http://www.sunshine-project.de/infos/aktuelles/2003/03_10_09_Spanische_Grippe.html
 


 

Nahost-Konflikt

Palästinenserregierung in der Krise +++ Streit um das von Arafat eingesetzte Notstandskabinett +++ Drei Tote bei israelischem Einmarsch in Flüchtlingslager Rafah +++ Arabische Staaten wollen UN-Votum gegen israelischen Grenzzaun +++ Experten: Deutscher Rüstungsexport an Israel verletzt Richtlinien

Fr.10.10.03 - Nach der Rücktrittserklärung von Regierungschef Ahmed Kureia hat sich die Palästinenserführung um Schadensbegrenzung bemüht. Palästinenserpräsident Jassir Arafat habe Kureia trotz der Meinungsverschiedenheiten das Vertrauen ausgesprochen, sagte Arafats Berater Nabil Abu Rudeina. Es handele sich um "normale interne Probleme". Washington hatte nach Angaben des US-Außenministeriums zunächst keine Informationen über ein Rücktrittsgesuch Kureias.

Hintergrund der Krise war ein heftiger Streit um das von Arafat eingesetzte Notstandskabinett. Arafat vertraue auch weiterhin Kureias Kabinett, sagte Rudeina. Kureia hatte nur zwei Tage nach seiner Vereidigung den Rücktritt eingereicht, wie aus Arafats Umfeld in Ramallah verlautete.

Der Streit zwischen dem Regierungschef und seinem Kabinett auf der einen Seite und dem Palästinenserpräsidenten auf der anderen Seite hatte sich an der Ausrufung des Notstands am Sonntagabend entzündet. Arafat hatte in dem Zusammenhang für zunächst nur einen Monat eine achtköpfige Notstandsregierung mit Kureia an der Spitze ernannt. Nach Angaben des Abgeordneten Mohammed El Hurani verweigerte das Parlament dem Notstandskabinett am Donnerstag das Vertrauen, da dessen Einsetzung in der palästinensischen Gesetzgebung nicht vorgesehen sei. Eine Notstandsregierung kann per Dekret und ohne die Zustimmung des Parlaments handeln. Damit hätten die Sicherheitskräfte einfacher gegen die radikalen Palästinenserorganisationen Islamischer Dschihad und Hamas vorgehen können.

Vor der Parlamentssitzung hatte es eine heftige Auseinandersetzung in der Führung von Arafats Fatah-Organisation gegeben, an der auch Arafat und Kureia teilnahmen, wie aus der Umgebung des Palästinenserpräsidenten verlautete. Demnach sprach sich Arafat unter anderem gegen General Nasr Jussef als Innenminister aus, nachdem sich dieser geweigert hatte, vor Arafat den Amtseid abzulegen. Auch das habe Kureia erzürnt, hieß es weiter.

Der US-Regierung lägen keine Informationen dafür vor, dass es sich um ein "formelles" Rücktrittsgesuch handele, sagte US-Außenamtssprecher Richard Boucher. Washington verfolge die Entwicklung aufmerksam und stehe mit den Parteien in Kontakt.

Ein palästinensischer Selbstmordattentäter sprengte sich unterdessen an einem israelischen Kontrollposten in der Nähe der Stadt Tulkarem im Norden des Westjordanlandes in die Luft und verletzte zwei israelische Soldaten und einen Palästinenser, wie das israelische Militär mitteilte. Ein anonymer Anrufer bei der Nachrichtenagentur AFP übernahm im Namen der Fatah-nahen El-Aksa-Brigaden die Verantwortung.

Beim Einmarsch der israelischen Armee in das palästinensische Flüchtlingslager Rafah sind in der Nacht zum Freitag drei Palästinenser getötet worden. 20 weitere Palästinenser wurden bei der Militäraktion im südlichen Gazastreifen verletzt, wie Krankenhausmitarbeiter und palästinensische Sicherheitskräfte mitteilten. Unter den Toten war demnach auch ein etwa zwölf Jahre altes Kind, das einen Kopfschuss erlitten hatte. Zwei Männer wurden getötet und 14 Menschen verletzt, als ein Kampfhubschrauber eine Rakete auf das Lager abfeuerte, wie es weiter hieß. Bei einem anschließenden Schusswechsel seien sechs weitere Palästinenser verwundet worden.

Die 22 Staaten der arabischen Liga wollen bei den Vereinten Nationen erreichen, dass der UN-Sicherheitsrat den Bau des umstrittenen israelischen Grenzzauns als illegal verurteilt. Der syrische UN-Botschafter Fayssal Mekdad brachte am Donnerstag in New York den Entwurf einer Resolution ein, in der der Abriss des Zauns entlang der Grenze zum Westjordanland gefordert wird. Über die Vorlage wollte der Sicherheitsrat am (heutigen) Freitag diskutieren.

In dem Entwurf heisst es, dass der Bau der Mauer durch "die Besatzungsmacht Israel" im Westjordanland gegen geltendes Völkerrecht verstosse und daher abgerissen und beseitigt werden müsse. Weiter wird darin betont, dass der Sicherheitsrat sich gegen "Siedlungsaktivitäten in den besetzten Gebieten" und illegale Landnahme wende.

Der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman sagte, "wie immer" versuchten die Palästinenser, die Debatte weg vom Terror zu lenken, den sie gegen sein Land ausübten. "Der Sicherheitsrat darf sich nicht zum Werkzeug der palästinensischen Propaganda machen lassen."

Der Zaun soll laut Israel Selbstmordattentäter fern halten. Bislang wurde der Wall, der teils aus Mauer und teils aus Zäunen oder Stacheldraht besteht, auf etwa 150 Kilometern Länge errichtet. Ursprünglichen Plänen zufolge soll er einmal auf die vierfache Länge ausgebaut werden.

Mit den deutschen Rüstungslieferungen an Israel verstößt die Bundesregierung nach Ansicht von Experten gegen die von ihr selbst aufgestellten rechtlichen und politischen Standards. Die derzeitige Praxis stehe in "deutlichem Widerspruch" zu den im Januar 2000 von der Bundesregierung verabschiedeten politischen Richtlinien zum Rüstungsexport, sagte Christopher Steinmetz von der Berliner Informationsstelle für Transatlantische Sicherheit (BITS) am Donnerstag in Berlin.

(Quellen: afp, ap)


 

 

«Ich liebe meinen Bruder»

Plädoyer für die Verweigerung des israelischen Militärdienstes

Mehr unter:
http://www.zmag.de/article/article.php?id=849


 

Wie Israel immer ärmer wird

Fr.10.10.03 - Am 15. September hat die israelische Regierung einen Haushalt verabschiedet, der auf der einen Seite hohe Ausgaben für Verteidigung, Siedlungsbau und den Bau der Grenzmauer vorsieht, auf der anderen Seite die bereits knappen Sozialausgaben noch weiter herunterfahren wird. Israel steckt derzeit in der schwersten Wirtschaftskrise seit 1953. Wenn das Land immer mehr Ressourcen in den ebenso kostspieligen wie aussichtslosen Konflikt mit den Palästinensern investiert, wird für die Belange seiner Bürger eben immer weniger übrig bleiben...

Mehr in der heutigen Ausgabe von "Le Monde diplomatique" (Nr. 7178 vom 10.10.2003):
http://www.taz.de/pt/2003/10/10/a0230.nf/text

 


 


 

Russland erlaubt Deutschland Truppen-Transit +++ Bundeswehr darf Truppen und Ausrüstung über russischen Boden zu Stützpunkten nach Afghanistan befördern

Fr.10.10.03 - Russland hat mit Deutschland als erstem NATO-Staat ein Abkommen für den Truppen-Transit geschlossen. Die Vereinbarung über den Transit des deutschen ISAF-Kontingents durch Russland nach Afghanistan wurde beim Treffen von Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Jekaterinburg unterzeichnet. Schröder betonte das "große Maß an Übereinstimmung" mit Putin in Fragen der Außenpolitik. Ferner wurden Visa-Erleicherungen sowie wirtschaftliche Vereinbarungen beschlossen.

Das Abkommen für den Truppen-Transit ist das erste, das Russland mit einem NATO-Staat abgeschlossen hat. Die Vereinbarung erlaubt der Bundeswehr, Truppen und Ausrüstung über russischen Boden zu Stützpunkten nach Afghanistan zu befördern. Berlin will unter einem erweiterten UN-Mandat ein Wiederaufbauteam in der Provinz Kundus stationieren.

(Quelle: afp)
 


 

Struck will schnellere Entscheidung für NATO-Einsätze der Bundeswehr

Fr.10.10.03 - Verteidigungsminister Peter Struck will politische Entscheidungsabläufe in Deutschland beschleunigen, um Bundeswehrsoldaten schneller an Krisenherde senden zu können. Diese Schlussfolgerung zog Struck aus einer Simulationsübung beim NATO-Verteidigungsministerrat in Colorado Springs am Mittwoch. Dort wurde die Reaktionsfähigkeit der geplanten NATO-Eingreiftruppe durchgespielt. Auch US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld forderte NATO-Staaten auf, "ihre Entscheidungsstrukturen auf den neuesten Stand zu bringen".

Die Bundesregierung will noch in diesem Jahr ein Entsendegesetz auf den Wege bringen. Struck betonte, dass der Bundestag auf sein Mitentscheidungsrecht bei Auslandseinsätzen deutscher Soldaten nicht verzichten solle. Ein Entsendebeschluss dauere von der Kabinettsentscheidung bis zur zweiten und dritten Lesung im Bundestag jedoch oft mehr als fünf Tage. Die NATO will mit ihrer schnellen Eingreiftruppe, die bis Oktober 2006 voll einsatzfähig sein soll, innerhalb von fünf Tagen Soldaten an Krisenherde entsenden können.

In der als Seminar bezeichneten Simulationsübung mit dem Namen "Dynamische Antwort 2007" wurde erörtert, wie schnell die NATO-Mitgliedstaaten auf eine terroristische Bedrohung mit Massenvernichtungswaffen reagieren können. Struck sagte: "Ich habe aus dem Seminar die Erfahrung gezogen, dass ich mit den Verteidigungspolitikern aller Fraktionen über den Inhalt des Entsendegesetzes reden muss." Es müsse geklärt werden, ob ein Bundestagsausschuss aus Verteidigungs-, Außen- und Haushaltspolitikern anstelle des gesamten Bundestages die politische Entscheidung zur Entsendung treffen könne.

In dem fiktiven Szenario entmachteten laut Struck Terroristen einen mit der NATO befreundeten Staat und griffen die Allianz an, als diese ihre Staatsbürger mit Hilfe ihrer schnellen Eingreiftruppe evakuierte. Gleichzeitig bedrohten im Mittelmeer von Terroristen gekaperte Schiffe mit Massenvernichtungswaffen an Bord Italien. Die Minister diskutierten, wie sie vorgehen würden.

NATO-Generalsekretär George Robertson zufolge zeigte die Übung, dass kleine Krisen mit unerwarteten Konsequenzen enden könnten. Außerdem sei deutlich geworden, dass den NATO-Staaten Truppen zur kurzfristigen Stationierung an Krisenherden fehlten. "Wir brauchen richtige, einsatzfähige Soldaten, keine Armeen auf dem Papier", betonte er.

Die Verteidigungsminister berieten anschließend über die Transformation der Allianz von einem Verteidigungsbündnis zu einer weltweit agierenden militärischen Allianz und über die Bündelung von Fähigkeiten angesichts knapper Haushalte. Auf der Tagesordnung am Donnerstag standen die Situation in Bosnien-Herzegowina und in Afghanistan. In beiden Fällen wollen die europäischen Partnerstaaten die USA für ihr Engagement in Irak entlasten. In der nordafghanischen Stadt Kundus übernimmt die Bundeswehr die Absicherung eines Wiederaufbauteams mit 250 bis 400 Soldaten. Inzwischen wollen sich auch eine Reihe weiterer europäischer Staaten an der Mission beteiligen. In Bosnien will die EU das Kommando über die SFOR-Truppen übernehmen.

(Quelle: ap)
 


 

4 206 800 Arbeitslose in Deutschland

Gerster dämpft Hoffnung auf raschen Aufschwung

Fr.10.10.03 - Die Arbeitslosenzahlen in Deutschland werden nach Einschätzung der Bundesanstalt für Arbeit (BA) erst 2005 wieder deutlich sinken. Der überraschend starke Rückgang im September von 107 400 auf 4 206 800 Menschen sei noch keine Trendwende, sagte Behördenchef Florian Gerster am Donnerstag in Nürnberg. Ein Jahr zuvor waren bei den Arbeitsämtern jedoch 265 000 weniger Erwerbslose registriert.

Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum August um 0,3 Punkte auf 10,1 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie bei 9,5 Prozent gelegen. Die Wachstumsschwäche belaste weiterhin den Arbeitsmarkt, sagte Gerster. Erste Anzeichen für eine Erholung erwartet er in der zweiten Jahreshälfte 2004.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sprach von einem erfreulichen Signal. "Die rückläufigen Arbeitsmarktzahlen zeigen, dass die ersten beiden Hartz-Gesetze und weitere Maßnahmen bereits Wirkung entfalten", sagte Clement. Allerdings sei die Konjunktur nach wie vor zu schwach, um zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen.

Dagegen sah CDU-Chefin Angela Merkel in der aktuellen Entspannung am Arbeitsmarkt "kein Anzeichen für einen konjunkturellen Aufschwung". Nach Ansicht von CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sind die Daten im wesentlichen das Ergebnis einer Statistik-Bereinigung. "Eine Trendwende ist nicht in Sicht", sagte Meyer. Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHT) sah keine substanzielle Erholung. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warf der Bundesanstalt vor, Langzeitarbeitslose im Stich zu lassen.

Nach Ansicht Gersters bedarf es für eine "echte Belebung" auf dem Arbeitsmarkt mindestens eines Wirtschaftswachstums von 1,5 bis 1,8 Prozent. Selbst dann dauere es meist Monate, bis sich die Konjunktur-Impulse auf dem Arbeitsmarkt niederschlügen. Auch das BA-nahe Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht in seiner Jahresprognose für 2004 von einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um allenfalls 20 000 auf 4,38 Millionen im Jahresschnitt aus.

Gerster führte den überdurchschnittlich starken Rückgang der Erwerbslosigkeit in diesem September hauptsächlich auf die "Neuausrichtung der Arbeitsmarktpolitik" zurück: Die gestiegene Zahl von Vermittlern erlaube eine genauere Prüfung der Arbeitswilligkeit von Arbeitslosen. Stellenlosen, die nicht wirklich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stünden, drohten beispielsweise Sperrzeiten. Nach Angaben der Bundesanstalt fielen im September 76 900 Männer und Frauen aus der Statistik, obwohl sie keine Stelle gefunden hatten.

Zunehmend nutzten Arbeitslose die so genannten Ich-AGs als Weg in die Selbstständigkeit. Den Angaben zufolge wurden seit dem Start der Regelung im Frühjahr 61 800 Ich-AGs gegründet. In so genannten Personal-Service-Agenturen (PSA), die Leiharbeiter an Firmen vermitteln, waren Ende September 21 300 Menschen beschäftigt. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat dennoch weiter zugenommen. Sie stieg im Vergleich zum Vorjahr um 17,3 Prozent auf rund 1,53 Millionen. Dagegen gab es ein Viertel weniger freie Stellen als im September 2002.

Auch den saisonbereinigten Rückgang der Arbeitslosenzahlen um 14 000 auf 4,392 Millionen im September führen Fachleute größtenteils auf die härtere Gangart der Arbeitsämter gegenüber arbeitsunwilligen Erwerbslosen zurück. Unverändert groß bleibt das Ost-West-Gefälle.

Unbereinigt waren Ende September im Westen 2 653 000 Männer und Frauen ohne Beschäftigung. Das waren 69 800 weniger als im August und 213 400 mehr als vor zwölf Monaten. Im Osten gab es 1 553 900 Arbeitslose. Das waren 37 600 weniger als in diesem August, aber 51 600 mehr als im September 2002.

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich nach Einschätzung Gersters vier Wochen nach Beginn des Ausbildungsjahres leicht entspannt. Dennoch waren bis Ende September mehr als 35 000 Jugendliche bei der Lehrstellesuche leer ausgegangen. Vor einem Jahr waren es nur 5400 gewesen. BA-Angaben zufolge standen im vergangenen Jahr 546 700 Ausbildungsstellen 719 600 bei den Arbeitsämtern registrierte Jugendliche gegenüber. 47 Prozent von ihnen hätten einen betrieblichen Ausbildungsplatz erhalten. Knapp ein Fünftel besucht eine berufsvorbereitende Schule.

(Quelle: dpa)


 

 

«Erwerbslosigkeit wird kleingeredet»

«Bereinigte Arbeitsmarktstatistik dient als Vorwand für Wachstumsgedöns...»

schreibt die "junge Welt" in ihrer heutigen Ausgabe (10.10.03).

Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/10-10/001.php


 

«Ich-AGs entlasten Gersters Statistik - Bundesanstalt für Arbeit meldet Erfolge der Hartz-Reform, rechnet aber mit der höchsten Arbeitslosigkeit seit 1990...»

Mehr in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (10.10.03):
http://www.taz.de/pt/2003/10/10/a0044.nf/text

 


 


 

35 000 bei Lehrstellensuche leer ausgegangen +++ Trotz Lehrstellenmangels keine Ausbildungsplatzabgabe +++ Clement verspricht jedem Jugendlichen eine Lehrstelle +++ Wirtschaft will jedem Jugendlichen Ausbildung anbieten

Fr.10.10.03 - Auch vier Wochen nach Beginn des Ausbildungsjahres suchen noch immer 35 000 Jugendliche eine Lehrstelle. Dies sind knapp 12 000 mehr als vor einem Jahr. Die Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt habe sich damit im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster.

Trotz Lehrstellenmangels wird vorerst keine Ausbildungsplatzabgabe eingeführt. Bei einem Gipfeltreffen verständigten sich Bundesregierung und Wirtschaft am Donnerstag in Berlin darauf, jedem der 35.000 bislang noch nicht vermittelten Jugendlichen einen Platz anzubieten und dafür weitere Stellen zu mobilisieren. DGB-Chef Michael Sommer äußerte sich unzufrieden mit der Regierung und erklärte: "Ich erwarte, dass jetzt gehandelt wird."

Bildungsministerin Edelgard Bulmahn erklärte, die Wirtschaft werde jeden Jugendlichen, der noch keine Lehrstelle haben, anschreiben und einen Platz offerieren. Am Jahresende müsse jeder, der es wolle, einen Ausbildungsplatz haben. "Dieses Ziel muss erreicht werden."

Unmittelbar vor dem Arbeitstreffen zum Thema Ausbildungsmarkt hat Wirtschaftsminister Wolfgang Clement jedem Jugendlichen eine Lehrstelle versprochen. Jeder noch unvermittelte Bewerber werde bis Jahresende ein Ausbildungsangebot erhalten, sagte er.

Clement sagte, die Vermittlung laufe "nicht ganz so gut wie erhofft". Parallel zur Nachvermittlung müssten noch Ausbildungsplätze mobilisiert werden. Bulmahn betonte, zunächst setzte die Regierung auf freiwillige Maßnahmen. Bundeskanzler Gerhard Schröder habe aber bereits gesetzliche Maßnahmen für den Fall angedroht, dass nicht genügend Plätze gefunden würden.

Der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hanns-Eberhard Schleyer, versprach eine "umfassende Nachvermittlung". Er räumte allerdings ein, dass bisher nur 20 bis 40 Prozent der angeschriebenen Jugendlichen das Gesprächsangebot angenommen hätten. Schleyer sagte, er sei trotzdem zuversichtlich, das "Problem bis Jahresende weitestgehend zu lösen".

DGB-Chef Sommer äußerte sich skeptisch zum Angebot der Wirtschaft, jeden zu vermitteln, und sagte: "Wenn das so wäre, wäre es gut." Aber nur 47 Prozent der Bewerber hätten einen Platz im dualen System aus betrieblicher und schulischer Ausbildung gefunden. Dies anderen seien in Ersatzmaßnahmen und Warteschleifen abgedrängt worden. Deshalb müsse die Politik jetzt handeln, sonst gebe es nächstes Jahr "das gleiche Gewürge". Die Gewerkschaften kämpften weiter für eine Ausbildungsplatzabgabe.

Per saldo fehlen zu Beginn des Ausbildungsjahres noch 20.200 Lehrstellen. Rund 35.000 Jugendliche suchten einen Ausbildungsplatz, erklärte die Bundesanstalt für Arbeit (BA) in Nürnberg. Dem stünden nur rund 14.800 freie Plätze gegenüber.

BA-Chef Florian Gerster nannte die Lage am Lehrstellenmarkt "deutlich entspannter, als es noch vor wenigen Monaten der Fall war". Allerdings hätten nur 47 Prozent der rund 720.000 Bewerber direkt einen Ausbildungsplatz erhalten. Gerster wandte sich gegen eine Ausbildungsabgabe: "Das scheint mir kein wirksames Instrument zu sein."

Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt sagte, unter anderem in der Metall-, Elektro- und Textilindustrie würden noch händeringend geeignete Lehrlinge gesucht. "Es dürfen nicht wieder wie im letzten Jahr tausende von Ausbildungsplätzen unbesetzt bleiben."

(Quelle: dpa)


 

 

Die Lehrstellenlücke ist nur noch 20.200 Stellen klein, jubelt die Politik. Aber das ist nur ein sehr kleiner Teil der Wahrheit. Unzählige Jugendliche sind ausgewichen - sie jobben, bilden sich weiter oder stecken in Maßnahmen des Arbeitsamtes...

Mehr in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (10.10.03):
http://www.taz.de/pt/2003/10/10/a0037.nf/text

 


 


 

Islamische Fahd-Akademie erhält Auflagen +++ Grüne warnen Kultusministerkonferenz vor Verbot im Kopftuchstreit +++ Berliner CDU fordert Kopftuchverbot für Schülerinnen im Unterricht

Fr.10.10.03 - Die unter dem Vorwurf des Islamismus stehende König-Fahd-Akademie in Bonn hat von der Kölner Bezirksregierung zahlreiche Auflagen erhalten. So sei die Schule der Akademie aufgefordert worden, unverzüglich personelle Konsequenzen gegen einen Lehrer zu ziehen, der in einer Predigt zum heiligen Krieg aufgerufen habe, teilte die Bezirksregierung als zuständige Aufsichtsbehörde gestern mit. Außerdem werde derzeit die Zuverlässigkeit der Schulleitung und der übrigen Lehrer überprüft. Auch müssten sämtliche Lehrbücher für eine Überprüfung zur Verfügung gestellt werden. Bisherige Erklärungen der Schule seien widersprüchlich und unzureichend gewesen.

Es würden alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um islamistische Bestrebungen an Schulen zu unterbinden, teilte die Behörde weiter mit. Auch eine Schließung der Schule an der Fahd-Akademie sei "nicht vom Tisch". Die Fahd-Akademie, die aus einer Schule und einer angeschlossenen Moschee besteht, hat laut Bezirksregierung rund 470 Schüler, von denen knapp 200 die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Sie war nach einer Reportage des ARD-Magazins "Panorama" in die Kritik geraten. In dieser wurde berichtet, dass die von Saudi-Arabien finanzierte Einrichtung als Anziehungspunkt von Islamisten diene.

Nach Erkenntnissen deutscher Sicherheitsbehörden unterhält das Terrornetzwerk al-Qaida womöglich Verbindungen zu radikalen Islamisten in der Region Bonn.

In der Debatte über ein Kopftuchverbot für moslemische Lehrerinnen haben derweil die Grünen die Kultusministerkonferenz (KMK) vor Verbotsregelungen gewarnt. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Marieluise Beck (Grüne), schrieb der KMK nach einem Bericht der "Frankfurter Rundschau", dass ein Verbot "zu Stigmatisierung und Ausgrenzung von kopftuchtragenden Schülerinnen" und damit zur Gründung weiterer privater islamischer Schulen führen werde.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, forderte von der KMK ein "Zeichen der Toleranz". Wer das Kopftuch in der Schule verbieten wolle, müsse auch eine christliche Ordenstracht oder die jüdische Kopfbedeckung Kippa verbieten, erklärte Beck.

Nach Ansicht der Integrationsbeauftragten Beck birgt ein grundsätzlicher Ausschluss kopftuchtragender Frauen aus dem öffentlichen Dienst "die Gefahr, gesellschaftliche Integration eher zu verhindern als sie zu fördern". Zudem werde das Problem der Ungleichbehandlung von Frauen und Männern im öffentlichen Dienst aufgeworfen, warnte die Integrationsbeauftragte in dem Schreiben an die KMK, das der "Frankfurter Rundschau" nach eigenen Angaben vorliegt.

Auslöser der Debatte ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVG) von Ende September, wonach moslemischen Lehrerinnen das Tragen von Kopftüchern im Schulunterricht ohne gesetzliche Grundlage nicht verboten werden darf. Das Gericht folgte mit seiner Entscheidung der Klage der Lehrerin Fereshta Ludin, die in Baden-Württemberg wegen ihres Beharrens auf einem Kopftuch nicht unterrichten durfte. Zugleich erklärte es ein Kopftuchverbot aber als prinzipiell zulässig. Bayern, Hessen und Baden-Württemberg kündigten inzwischen an, die gesetzlichen Grundlagen für ein Kopftuchverbot schaffen zu wollen.

Volker Beck verwies am Donnerstag darauf, dass nach dem BVG-Urteil für alle Religionsgemeinschaften die selben Spielregeln gelten müssen. Eine umfassende Verbannung aller religiöser Symbole und Kleidungsstücke aus dem Schulunterricht sei jedoch "in einer weltoffenen und toleranten Gesellschaft das falsche Signal", erklärt Beck in Berlin. Auch Hamburgs Bildungssenator Rudolf Lange (FDP) betonte im Berlin-Brandenburger Sender Radio Mulitkulti, dass bei einem Kopftuchverbot entsprechende Regelungen auch für andere Religionen gelten müssten. Er zeigte sich skeptisch, dass sich die Kultusminister in Darmstadt auf eine gemeinsame Linie einigen werden.

NRW-Schulministerin Ute Schäfer (SPD) warnte vor einem "Schnellschuss". Schäfer sagte im WDR, das Urteil des Bundesverfassungsgerichts mache deutlich, "wie vielschichtig diese Problematik ist". Allein das Tragen eines Kopftuchs bedeute noch nicht, dass die Trägerin ihre Neutralitätspflicht verletze. Schäfer betonte, sie sei sehr gespannt auf die Länder, die nun einen Gesetzentwurf vorlegen wollen: "Denn das muss ja auch gerichtsfest sein."

Auf der Tagesordnung der Kultusminister steht unter anderem auch die Verabschiedung des ersten nationalen Bildungsberichts, der vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) erstellt wurde. Laut Presseberichten warnt der Bildungsbericht davor, dass die Kürzungen der öffentlichen Haushalte die begonnenen Bildunsgreformen bedrohen.

In der Debatte über ein Kopftuchverbot für moslemische Lehrerinnen hat der rechtspolitische Sprecher der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus, Michael Braun, ein entsprechendes Verbot auch für Schülerinnen im Unterricht gefordert. "Ich sehe nicht ein, warum andere darunter leiden sollen, daß einige der Meinung sind, sie müssten ihre Glaubensfreiheit auf diese Art und Weise ausleben", sagte Braun am Donnerstag im Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Auch Berlins Bildungssenator Klaus Böger (SPD) sprach sich für ein Kopftuchverbot im Schulunterricht aus: "Ich habe große Sorge, dass unsere Schulen zu einem Kampffeld weltanschaulicher und politischer Auseinandersetzungen werden, wenn wir das Tragen eines Kopftuches erlauben", sagte er der Zeitung "Die Welt" (Freitagausgabe).

Die Schule habe in dieser Frage "Neutralitätspflicht", betonte Böger. "Das Kopftuch aber ist politisches und religiöses Symbol zugleich." Deshalb sei er "unbedingt dafür", es für Lehrerinnen zu verbieten. Dies widerspreche "keinesfalls dem Gebot der Toleranz an unseren Schulen".

(Quellen: dpa, afp)


 

 

Blick ins Archiv


BVG-Urteil: Länder dürfen grundsätzlich Kopftuch im Unterricht verbieten

Do.25.09.03 - Die Bundesländer dürfen muslimischen Lehrerinnen das Kopftuchtragen im Unterricht verbieten. Dazu müssen sie nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts jedoch eine «hinreichend bestimmte» gesetzliche Grundlage schaffen. Diese fehle derzeit in Baden-Württemberg.

Das Land habe deshalb mit seiner Ablehnung, die muslimische Lehrerin Fereshta Ludin in den Schuldienst zu übernehmen, deren Religionsfreiheit verletzt, entschieden die Richter am Mittwoch in Karlsruhe. Drei der acht Richter stimmten allerdings gegen die Entscheidung. Das Urteil löste überwiegend positive Reaktionen aus. (Aktenzeichen: 2 BvR 1436/02 vom 24. September 2003)

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309250.htm#03092515


 

«Bei einer kleinen Gruppe der Muslime in Deutschland wächst der Fundamentalismus»

Mo.06.10.03 - «Lale Akgün ist liberale Muslimin, was ihr derzeit Ärger bereitet. Die Bundestagsabgeordnete der SPD hatte nach dem Kopftuch-Urteil in ein paar Fernsehsendungen gesessen und gesagt, was sie oft sagt: dass ein Kopftuch keine religiöse Pflicht sei, sondern ein „Verhaltensmuster". Seither wird sie mit Hass-Mails überschüttet, abgeschickt von empörten Muslimen, die sie als „gottlose Hure" beschimpfen und ihr das Recht absprechen, Muslimin zu sein.

Für Lale Akgün ein weiteres Indiz für die Re-Ideologisierung der islamischen Bevölkerung in Deutschland. „Seit den 80er Jahren werden die islamistischen Kräfte in Deutschland immer sichtbarer. Sie haben scheinbar den Dialog gesucht und sich demokratisch gebärdet. Gleichzeitig haben sie eine Parallelwelt aufgebaut, von der die Deutschen lange nichts mitbekommen haben."

Das Koptuch als Symbol eines selbstbewussten, friedlichen Islams oder aber als Zeichen für eine Fundamentalisierung der muslimischen Einwanderer – beide Interpretationen haben ihre Basis...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310060.htm#031006_e

 


 


 

Halb Deutschland ist online +++ Immer mehr Jugendliche surfen im Internet +++ Studie sieht Gefahr der 'digitalen Spaltung'

Fr.10.10.03 - Mehr als die Hälfte der deutschen Haushalte soll bis Jahresende über einen Internet-Anschluss verfügen. E-Mail, eigene Homepage, Shopping, Online-Banking und Diskussionsforen zählen zu den alltäglich genutzten Anwendungen. Jeder dritte deutsche Haushalt wird bis 2008 zudem über einen Breitbandanschluss verfügen, geht aus der Studie "Deutschland Online" der Axel Springer AG und der T-Online International AG hervor.

Vor allem die Vorteile des Online-Einkaufs - Preis- und Zeitvorteil, Bequemlichkeit - werden von den deutschen Usern geschätzt. Auch für die Suche nach einem Arbeitsplatz hat das Internet erhebliche Bedeutung gewonnen. Zunehmende Bedeutung wird der Studie zufolge die Telearbeit gewinnen. Fast 60 Prozent der befragten Bürger sind bereit, ihre berufliche Tätigkeit am heimischen PC auszuüben.
              
Der elektronische Verkehr mit den Behörden ist in Deutschland unterentwickelt. Nur 24 Prozent der Deutschen nehmen das so genannte E-Government in Anspruch. Europaweit gibt es nur in Großbritannien und Italien eine noch geringere Akzeptanz.

Als Gefahr befürchten die Studienautoren eine "digitale Spaltung" der Gesellschaft: Bestimmte Bevölkerungsgruppen wie Arbeitslose und Pensionisten könnten von der Internet-Nutzung ausgeschlossen bleiben und dadurch Nachteile etwa bei Jobsuche, Verkehr mit Behörden und Konsum erleiden.

Auch immer mehr deutsche Kinder und Jugendliche sind im Internet unterwegs. Die Zahl der jungen Surfer stieg innerhalb eines Jahres um 18 Prozent auf rund drei Millionen, wie der Marktforscher Nielsen/NetRatings am Donnerstag in Nürnberg berichtete.

In Europa führend seien aber die britischen Kids, von denen bereits 3,2 Millionen online seien. Deutschlands Jugendliche liegen auf Platz zwei vor den Franzosen. Insgesamt habe sich die Zahl der Kinder und Jugendlichen im Internet binnen eines Jahres in Europa um 15 Prozent auf 11,8 Millionen erhöht.

Auf Platz eins der besuchten Webseiten rangiert den Angaben zufolge in Deutschland das Online-Angebot der Jugendzeitschrift "Bravo", gefolgt vom Kinderkanal Kika. Aber auch Spiele-Seiten wie etwa cheats.de zählten zu den beliebtesten Webangeboten für junge Nutzer.

(Quellen: futurezone, dpa )
 


 

Medienkritiker Neil Postman gestorben

Fr.10.10.03 - Der amerikanische Medienwissenschaftler und Kulturkritiker Neil Postman ist tot. Der New Yorker Wissenschaftler starb bereits am Sonntag im Alter von 72 Jahren an Lungenkrebs. Postman wurde mit Büchern wie "Wir amüsieren uns zu Tode" und "Das Verschwinden der Kindheit" bekannt. Er hatte sich angesichts der Kommerzialisierung im Kulturbetrieb und der zunehmenden Ausrichtung des Fernsehens auf bloße Unterhaltung vehement gegen eine "kulturelle Verwüstung" eingesetzt.

Postman lehrte fast vier Jahrzehnte lang an der New York University. Bis 2002 hatte er einen Lehrstuhl für Kultur- und Kommunikationswissenschaften. Er verfasste rund 20 Bücher und mehr als 200 Artikel. Zu den bekanntesten Büchern zählt "Wir amüsieren uns zu Tode" von 1985, in dem Postman davor warnte, dass das Fernsehen die Wahrnehmungsfähigkeit für die Realität beeinträchtige. In dem neun Jahre später erschienenen "Das Verschwinden der Kindheit" beklagte der Wissenschaftler die Homogenisierung der Welten von Kindern und Erwachsenen durch undifferenzierten Informationsfluss im Fernsehen - und damit den Verlust der Kinderwelt.

(Quelle: ap)


 

 

Mit provozierenden Aussagen... wurde Postman zur Leitfigur vieler Kritiker des kommerziellen Mediensystems. ..

Unermüdlich warnte er seit über 20 Jahren vor einer "Trivialisierung", "Boulevardisierung" und "Infantilisierung" der Gesellschaft durch eine reine Unkultur des bewegten Bildes. Das ununterbrochene Entertainment der kommerziellen Sender liefere eine Bildflut ohne Sinn und Verstand und zerstöre damit die Chance ein Publikum auf rationale Weise mit Informationen und Inhalten zu erreichen. Die Zuschauer säßen wie Affen in einer verschachtelten Guck-Guck-Welt, aus deren Pseudo-Realität es kein Entrinnen mehr gäbe. Emotionen und Vorurteile würden durch Großaufnahmen von brabbelnden No-Names und VIPs gezüchtet, denen auch da, wo sie etwas Substantielles zu sagen hätten, niemand mehr zuhören würde. Nur noch die Form der Show an sich zähle.

Das "Infotainment" gefährde die Urteilsbildung der Bürger und bedrohe die Meinungsbildung in Demokratien. ...

Aus Peter V. Brinkemper's Nachruf in der heutigen Ausgabe von telepolis (10.10.03)
http://www.telepolis.de/deutsch/special/med/15817/1.html

 


 


 

Schlafen macht schlau

Fr.10.10.03 - Lernen im Schlaf ist tatsächlich möglich: Gelerntes Wissen, dass über den Tag in Vergessenheit geraten ist, wird während der Nacht "gerettet" und steht am nächsten Tag wieder zur Verfügung. Das berichten US-Forscher im britischen Fachblatt «Nature» (Bd. 425, S. 614). Die Speicherung von Gelerntem ist ein mehrstufiger Prozess, in dem Schlaf eine wichtige Rolle zukommt, ergänzt eine zweite Arbeitsgruppe ("Nature", S. 616).

Mit einem Sprachcomputer überprüften die Wissenschaftler um Kimberly Fenn von der Universität Chicago (US-Bundesstaat Illinois) die Fähigkeit von Testpersonen, ähnlich klingende Wörter zu erkennen. Die undeutliche Aussprache des Sprachcomputers erschwerte diese Aufgabe, die Probanden mussten zunächst lernen, den Computer zu verstehen. Je länger die Testpersonen trainierten, umso mehr Wörter erkannten sie richtig.

Allerdings, so fanden die Wissenschaftler, schien das Gelernte schnell wieder in Vergessenheit zu geraten: Nach einer morgendlichen Trainingsphase verbesserte sich zunächst die Worterkennung. Am Abend, nach einer 12-stündigen Pause, erkannten die Probanden wieder weniger Wörter. Dies passierte nicht, wenn die Testpersonen innerhalb der 12 Stunden geschlafen hatten. Die Verschlechterung ließ sich auch durch Schlaf wieder rückgängig machen. Die Probanden waren dann wieder genauso gut im Erkennen der Wörter wie direkt nach der Trainingsphase.

Matthew Walker und seine Kollegen von der Harvard Medical School in Boston untersuchten, wie Wissen im Gehirn gespeichert wird und wie sich Schlaf auf diese Speicherung auswirkt. Dazu ließen sie Probanden einfache Fingerübungen durchführen. Sie fanden heraus, dass während des Schlafs zuvor Gelerntes im Langzeitgedächtnis gespeichert und verfestigt wird. Wird das Wissen später erneut abgefragt, ist es allerdings wieder "labil", kann also erneut in Vergessenheit geraten. Um dauerhaft erhalten zu bleiben, müsse das Wissen nochmals im Langzeitgedächtnis gespeichert werden, schreiben die Forscher.

Bislang wussten Forscher, dass genügend Schlaf unter anderem wichtig ist für das Erlernen von Daten oder Radfahren.

(Quelle: dpa)
 


 

Universum gleicht angeblich großem Fußball

Fr.10.10.03 - Das Weltall hat nach Berechnungen eines französisch-amerikanischen Astronomenteams die Form eines überdimensionalen Fußballs. Diese Struktur passe am besten zu den jüngsten Satelliten-Beobachtungen des Urknall-Echos, schreiben Jeffrey Weeks und Kollegen im britischen Fachjournal "Nature" (Bd. 425, S. 593) vom Donnerstag.

Sollte sich dieses Modell bestätigen, sei damit auch die mindestens zwei Jahrtausende alte Frage beantwortet, ob das Weltall begrenzt oder unendlich groß sei. Der Kosmos wäre demnach endlich und hätte einen Durchmesser von rund 70 Milliarden Lichtjahren, wie das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist" (Nr. 2416, S. 6) vom kommenden Samstag berichtet.

Weeks und Kollegen stützen ihren Vorschlag auf Daten des NASA-Satelliten WMAP, der seit Sommer 2001 das Echo des Urknalls beobachtet. In dieser allgegenwärtigen Kosmischen Hintergrundstrahlung fahndet der Satellit nach winzigen Temperaturschwankungen. Dabei stellte sich heraus, dass sehr großräumige derartige Schwankungen viel schwächer sind, als bei einem unendlich großen Universum zu erwarten wären. Möglicherweise sei im Kosmos einfach nicht genug Platz für die sehr großräumigen Schwankungen, meinen die Forscher.

Da der überdimensionale Fußball allerdings auf bizarre Weise an seinen Außenflächen mit sich selbst verknüpft wäre, würde das Weltall dennoch grenzenlos erscheinen: Lichtstrahlen und Raumschiffe, die durch eine Grenzfläche hindurchfliegen, würden sofort durch die gegenüberliegende Fläche wieder in das Gebilde hineinkommen.

Allerdings sollten in einem solchen mit sich selbst verknüpften Fußball-Universum bestimmte Muster in der Hintergrundstrahlung zu sehen sein, die bei der Suche durch andere Gruppen bislang nicht gefunden wurden, wie der "New Scientist" schreibt. Diese Suche dauere noch an. Sollte sie jedoch erfolglos bleiben, würde dies doch ein unendliches oder zumindest sehr großes Weltall nahe legen. Der beobachtete Mangel großräumiger Temperaturschwankungen in der Hintergrundstrahlung könnte auch Zufall sein.

(Quelle: dpa)
 
 
 
 

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