Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertundsechsten Tag nach Kriegsbeginn
USA arbeiten an neuem Resolutionsentwurf für Irak +++
US-Vizepräsident Cheney wirft Kritikern des Irak-Kriegs
Untätigkeit vor +++ Wiederaufbau des Irak kostet 55 Milliarden
Dollar +++ Neue Proteste gegen US-Truppen in Bagdad +++ Vier Tote bei
Gefechten zwischen US-Militär und Miliz im Irak +++ Zwei
Mitarbeiter von Ölunternehmen bei Anschlag in Nordirak
getötet +++ Feuer an Ölleitung in Irak ausgebrochen...
Sa.11.10.03 - Die USA arbeiten nach den Worten von Außenminister Colin Powell
an einer weiteren Version ihres Entwurfs zu einer neuen
Irak-Resolution. Die Regierung habe "einige Ideen", wie sie der Kritik
am bisherigen Entwurf Rechnung tragen könne, ohne ihre
"Prinzipien" und ihre Position aufzugeben, sagte Powell am Freitag in
Washington. Bis Anfang kommender Woche werde er mit den Diplomaten den
überarbeiteten Entwurf erörtern und ein neues Stimmungsbild
einholen, sagte Powell weiter. Möglicherweise werde der Entwurf
dann am Montag vollständig zurückgezogen.
US-Vizepräsident Dick Cheney hat derweil den Kritikern des
US-Alleingangs im Irak vorgeworfen, im Gegensatz zu den USA "nichts zu
tun", um den Albtraum eines weltweiten Terrorismus zu verhindern.
Die USA würden es "keiner einzigen ausländischen Regierung"
erlauben, sie von einer Verteidigung gegen den Terrorismus abzuhalten,
sagte Cheney am Freitag in einer Rede vor einer politischen US-Stiftung
und griff damit das Selbstverständnis des UNO-Sicherheitsrates an,
in dem vier weitere Veto-Mächte entscheidenden Einfluss auf die
internationale Konfliktbewältigung haben. Eine Politik des
internationalen Konsenses - wie sie das Veto-Prinzip zwangsläufig
erfordert - laufe "häufig und bequemerweise exakt auf eine Politik
des Nichtstuns hinaus". Die Forderung nach einer solchen
Übereinstimmung sei "ein Rezept für Uneinigkeit und
Quertreiberei".
Die USA und Großbritannien haben für ihren Feldzug gegen den
Irak und den Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein nicht
die ausdrückliche Unterstützung des UNO-Sicherheitsrates
erhalten und drohen derzeit mit einer weiteren Resolution zu scheitern,
mit der sie sich eine größere Beteiligung weiterer Staaten
am Wiederaufbau des Iraks sichern wollten. Zu den Kritikern des
US-Vorgehens gehört im Sicherheitsrat auch Deutschland als
nicht-ständiges Mitglied, sowie Frankreich, Russland und China,
die wie die USA und Großbritannien als ständige Mitglieder
ein Veto-Recht haben.
"Diejenigen, die eine Unterstützung für die Befreiung Iraks
verweigert haben, würden das Böse von Saddam Husseins Regime
nicht leugnen. Allerdings müssen sie eingestehen, dass dieses
Regime noch heute im Irak herrschen würde, wenn es nach ihrem
eigenen Rat gegangen wäre", sagte Cheney. Die Rede war ein
offensiver Schlag gegen die Kritiker der US-Politik und das Argument
auch einheimischer Opponenten der republikanischen Regierung, die USA
versagten beim Wiederaufbau des Iraks und US-Präsident George W.
Bush habe die Bedrohung durch Saddam übertrieben, um
Unterstützung für den Krieg zu gewinnen.
Cheney verglich die Diskussionen über den Irak mit den frühen
Phasen des Kalten Krieges mit dem sowjetischen Kommunismus und sagte,
der Krieg im Irak sei Teil eines umfangreicheren Kampfes, den
"ultimativen Albtraum" eines großflächigen, weltweiten
Terrorismus zu verhindern. "Anstatt Tausende von Leben zu verlieren,
könnten wir zehntausende oder sogar hunderttausende Leben an einem
einzigen Horrortag verlieren", sagte Cheney. Auch sei unwahr, dass der
US-geführte Krieg anti-amerikanische Feindschaften schüre und
damit militanten Gruppen Vorschub leiste. Diese Feindschaft habe lange
vor dem Irak-Krieg bestanden. "Ohne eine kraftvolle Antwort von Amerika
und anderen Nationen, sind die Terroristen nur Jahr für Jahr
frecher geworden", sagte er.
Die Beseitigung der Kriegsschäden im Irak kosten nach
Einschätzung von Weltbank und US-Besatzungsbehörde in
den nächsten vier Jahren mindestens 55 Milliarden Dollar. Allein
im nächsten Jahr seien Finanzhilfen von mehr als 17 Milliarden
Dollar nötig. Rund eine Milliarde Dollar ist bereits durch
Verträge des "Öl für Lebensmittel"-Programms der UN
gedeckt. Der Bericht von Weltbank und US-Besatzungsbehörde soll
als Grundlage für die Geberkonferenz Mitte des Monats in Madrid
dienen.
Die Sicherheitslage im Irak bleibt weiter angespannt. Am
Donnerstagabend waren bei einer Schießerei zwischen
Angehörigen der schiitischen Sadr-Miliz und US-Soldaten zwei
Milizionäre und zwei Amerikaner getötet worden.
Nach dem Tod der zwei schiitischen Milizionäre haben sich die
Proteste gegen die US-geführten Besatzungstruppen in Irak abermals
verschärft. In Bagdad brachten nach dem Freitagsgebet mehr als
10.000 Demonstranten ihre Wut zum Ausdruck. Ein einflussreicher Imam
warnte die US-Soldaten in seiner Predigt davor, in den überwiegend
von verarmten Schiiten bewohnten Stadtteil Sadr City einzudringen. Bei
einem Bombenanschlag in Nordirak wurden am Abend zwei Beschäftigte
eines Ölunternehmens getötet.
Vor mehreren tausend Gläubigen sagte der schiitische Geistliche
Abdel Hadschi el Darradschi, den US-Truppen sei der Eintritt nach Sadr
City verboten, weil die Bevölkerung dort keine "Unreinen" haben
wolle. Bei den anschließenden Trauerfeierlichkeiten für die
am Vorabend getöteten Milizionäre riefen Tausende: "Ja zu
Märtyrern, nein zu den Amerikanern. Die USA sind der Feind Gottes."
US-Zivilverwalter Paul Bremer sagte in Bagdad, die US-geführte
Koalition habe in den sechs Monaten seit dem Sturz der irakischen
Regierung trotz etlicher Hindernisse "enorme Fortschritte" gemacht und
"die Erwartungen übertroffen". Da neun von zehn Angriffen auf
einer Fläche von fünf Prozent des Landes verübt
würden, könne nicht von einer "strategischen Bedrohung"
gesprochen werden.
Vertreter des irakischen Regierungsrates drängten die
US-geführten Truppen derweil dazu, die geplante Entsendung
türkischer Truppen nach Irak zu untersagen. Das Treffen des
gemeinsamen Sicherheitskomitees der Besatzungstruppen und des
Regierungsrates sei "produktiv" gewesen, hieß es in einer vom
Regierungsrat in Bagdad veröffentlichten Erklärung.
Bei einem Bombenanschlag in Nordirak sind zwei Beschäftigte eines
Ölunternehmens getötet worden. Vier Mitarbeiter der Northern
Oil Co. wurden schwer verletzt, als die Explosion einen Bus der
Gesellschaft zwischen Baidschi und Riad etwa 40 Kilometer westlich von
Kirkuk zerriss, wie der Generaldirektor der Gesellschaft der
Nachrichtenagentur AFP sagte. Zwei weitere Explosionen setzten den
Angaben zufolge zwei Ölleitungen in der Region in Brand. Die
parallel laufende Pipelines verbinden die nordirakische Stadt Kirkuk
mit den El-Debs-Ölfeldern.
Der Grund für den Brand sei noch unklar, hieß es. In der
Vergangenheit wurden zahlreiche Sabotageakte auf Ölleitungen
verübt. Bei drei Razzien in der nordirakischen Stadt Tikrit wurden
am Samstagmorgen vier Verdächtige festgenommen. Zwei von ihnen
sollen einer Sondereinheit des gestürzten irakischen Diktators
Saddam Hussein angehört haben, wie das Militär mitteilte. Die
Namen der Verdächtigen wurden nicht genannt.
(Quelle: rtr, afp, dpa, ap)
Öl, Krieg und ein wachsendes Panikgefühl in den USA
Öl ist ein glitschiger Stoff, aber nicht so glitschig wie die
Zahlen, die uns jetzt von den amerikanischen Besatzern im Irak
feilgeboten werden. In der Gegend um Kirkuk im Norden halten die
Behörden die Zahl der begangenen Sabotageakte geheim, weil sie
nicht verhindern können, dass die Pipelines, die in die
Türkei führen, in die Luft gejagt werden. Und weiter
südlich in Bagdad, wo die Männer, die die Produktionszahlen
für irakisches Öl präsentieren, anfangen den Bewohnern
von Platos Höhle zu ähneln und Schlussfolgerungen aus den
Schatten an den Wänden ziehen, werden die Statistiken frisiert.
Paul Bremer, der Prokonsul in Kampfstiefeln, verschönt die Zahlen
bis zu einem Punkt, an dem sogar die Ölexperten mit dem Kopf
schütteln.
Nehmen wir Kirkuk. Nur wenn die Fernsehkameras eine explodierte
Pipeline einfangen und Flammen in die Luft steigen, berichtet die
Besatzungsmacht von Sabotage. Das geschah zum Beispiel am 18. August.
Aber dieselbe türkische Ölleitung ist bereits vorher und auch
später wieder explodiert. Sie wurde einmal am 17. September und
vier Mal am darauf folgenden Tag in die Luft gejagt. US-Patrouillen und
Hubschrauber sind an die Pipelines vorgerückt, aber in den
großen Schluchten und Stammesgebieten, durch die diese
führen, sind große Bereiche nicht zu verteidigen...
.. Im Nachkriegsirak ist die Anarchie jetzt soweit verbreitet, dass es
für internationale Investoren kaum möglich ist, dort zu
arbeiten. Es gibt für sie keine Versicherung, deshalb haben Mr
Bremers Besatzungsbeamten heimlich beschlossen, dass über die
Hälfte der 20 Milliarden Dollar, die für den Irak bestimmt
waren, in die Sicherheit seiner Produktionsinfrastruktur investiert
werden.
Aus: Robert Fisk - "Öl, Krieg und ein wachsendes Panikgefühl
in den USA", Znet 07.10.2003:
http://www.zmag.de/article/article.php?id=850
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US-Präsident Bush will Kubas Staatschef Castro schwächen
Dissidenten soll Flucht aus Kuba erleichtert werden>
Sa.11.10.03 - US-Präsident George W. Bush hat angekündigt, Dissidenten die
Flucht aus Kuba erleichtern und die Macht von Staatschef Fidel Castro
schwächen zu wollen.
"Klar, das Castro-Regime wird sich nicht von allein ändern", sagte
Bush am Freitag bei einer Versammlung in Washington. "Aber Kuba muss
sich ändern." Der US-Präsident kündigte zudem an, Reisen
nach Kuba weiter beschränken zu wollen. Bush äußerte
sich vor Beginn des Wahlkampfes für die Präsidentenwahl im
kommenden Jahr. Ein Sprecher des kubanischen Außenministeriums in
Havanna wollte sich zu den Bush-Ankündigungen nicht
äußern.
Bush richtete sich vor allem an die Wähler im US-Bundesstaat
Florida, denen wie bei der vergangenen Stimmabgabe eine
Schlüsselrolle zufallen dürfte. In Florida leben viele aus
Kuba stammende Castro-feindliche Amerikaner, die Bush bei der
umstrittenen Wahl 2000 ihre Stimme gegeben hatten. Sie fordern
härtere Maßnahmen gegen die Regierung Castros.
Im Mai 2002 hatte Bush erklärt, er sei bereit, die US-Sanktionen
gegen das kommunistische Land zu lockern. Voraussetzung seien aber
Schritte der kubanischen Regierung hin zur Demokratie wie freie und
fair Wahlen und zur Marktöffnung. Seit vier Jahrzehnten besteht
das Embargo der USA gegen Kuba. In Washington sagte Bush nun: "Der
Diktator (Castro) hat geantwortet mit Trotz und Missachtung und einer
weiteren Runde brutaler Unterdrückung."
Einige US-Geschäftsleute, demokratische Abgeordnete und
wirtschaftsliberale Republikaner befürworten eine Lockerung der
Sanktionen, wie Reisebeschränkungen. Diese seien wirkungslos und
nähmen US-Unternehmen Gewinnmöglichkeiten.
Bush sagte mit Blick auf die Zehntausende von US-Amerikanern, die jedes
Jahr auf Kuba Urlaub machen, ihr Geld wandere nur in die Taschen der
Regierung. Das Gesetz, das Urlaubsreisen nach Kuba verbiete, müsse
durchgesetzt werden, sagte Bush.
(Quelle: rtr)
IKRK kritisiert USA wegen Haftbedingungen auf Guantanamo
Gefangene sind auf unbestimmte Zeit ohne Anklageerhebung festhalten +++
Kein Zugang zu Anwälten und kein Einspruchsmöglichkeite gegen
Inhaftierung +++ Viele Gefangene sind in schlechter psychischer
Verfassung +++ US-Regierungssprecher: Häflinge werden human
behandelt
Sa.11.10.03 - Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat die
Haftbedingungen der auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Guantanamo auf
Kuba festgehaltenen Terrorverdächtigen kritisiert. Viele
Inhaftierte seien wegen der Unsicherheit über ihr Schicksal in
schlechter psychischer Verfassung, sagte IKRK-Sprecher Florian Westphal
am Freitag zum Abschluss eines zweimonatigen Besuchs einer Delegation
des Roten Kreuzes in Guantanamo. Die US-Regierung wies die Kritik
zurück.
Am Donnerstag hatte die IKRK-Delegation gemeinsam mit ehemaligen
US-Bundesrichtern, Diplomaten und pensionierten Soldaten beim Obersten
Gerichtshof der USA um eine Überprüfung der
Berufungsanträge einiger Häftlinge gebeten. Die US-Regierung
setze sich über Gesetze hinweg, indem sie die Gefangenen auf
unbestimmte Zeit ohne Anklageerhebung festhalte, hieß es.
Die Häftlinge haben keinen Zugang zu Anwälten und können
keinen Einspruch gegen ihre Inhaftierung erheben. Einige sind dem IKRK
zufolge seit mehr als eineinhalb Jahren in dem Lager auf Kuba
inhaftiert. Das Rote Kreuz hat als einzige unabhängige Organisation
Zugang zu den Häftlingen. Bereits Anfang 2002 habe die
Organisation bei der US-Regierung um ein rechtsstaatliches Verfahren
für die Festgehaltenen ersucht, betonte Westphal.
US-Regierungssprecher Scott McClellan wies die Vorwürfe des IKRK
zurück. "Ich erinnere daran, dass es sich bei den Gefangenen im
Lager Guantanamo um feindliche Kombattanten handelt." Die Häftlinge
würden human behandelt, sagte er weiter.
In Guantanamo sind Häftlinge aus mehr als 40 Ländern
inhaftiert, ihnen werden Verbindungen zum ehemaligen Taliban-Regime in
Afghanistan und dem Terrornetzwerk El Kaida vorgeworfen.
(Quelle: ap)
USA denken an Sicherheitszusagen für Nordkorea
Powell: Formellen Nicht-Angriffspakt werde es aber nicht geben
Sa.11.10.03 - Die USA haben nach Angaben von US-Außenminister Colin Powell neue
Ideen entwickelt, um nordkoreanischen Forderungen nach
Sicherheitszusagen entgegenzukommen. Nordkorea fordert im Streit um die
Aufgabe seines Atomprogramm im Gegenzug von den USA den Abschluss eines
Nicht-Angriffspakts.
Powell sagte am Freitag zu Agenturjournalisten in Washington, er
könne sich ein öffentliches Dokument mit Sicherheitsgarantien
vorstellen, das auch von einigen Nachbarstaaten Nordkoreas
unterzeichnet werde. Einen formellen Nicht-Angriffspakt werde es aber
nicht geben.
Die Überlegungen befänden sich noch im Anfangsstadium, sagte
Powell. Sie gingen aber weiter als die während der
Sechser-Gespräche entwickelten Vorstellungen. In Peking hatten
Nordkorea, die USA, Russland, Japan, Südkorea und China über
die Beilegung des Atomstreits gesprochen. Sein Ministerium habe
Beispiele anderer Dokumente mit Sicherheitszusagen aus den vergangenen
80 Jahren gesichtet, sagte Powell. "Da gibt es einige interessante
Abkommen." Ein neues Sechser-Treffen sei nicht vereinbart worden, sagte
Powell weiter.
Chinas UNO-Botschafter Wang Guangya sagte am Freitag in New York zu
Berichten, Nordkorea sei an weiteren Gesprächen der Sechser-Gruppe
im Dezember interessiert: "Das ist, wofür wir gearbeitet haben."
Die Wiederaufnahme der Gespräche würde sicherlich hilfreich
sein. Dezember wäre ein guter Termin, sagte er zu Journalisten.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
USA signalisieren Veto gegen Resolution zu Israels Sperrzaun +++ Annan
verurteilt Einmarsch israelischer Truppen in den südlichen
Gazastreifen +++ Mindestens sieben Palästinenser bei israelischer
Razzia im Gazastreifen getötet +++ Vermittlung zwischen Aarafat
und Korei geht weiter
Sa.11.10.03 - Die USA haben am Freitag ein Veto gegen eine UNO-Resolution nicht
ausgeschlossen, die sich auf Antrag der Palästinenser gegen den
Bau eines Sperrzaunes entlang der israelischen Grenze im Westjordanland
richten soll.
"Wir glauben, dass einseitige Resolutionen dieser Art keinem sinnvollen
Zweck dienen, auch wenn wir selbst Vorbehalte gegen israelische
Vorhaben in Bezug auf den Bau der Mauer haben", sagte der
US-Botschafter bei den Vereinten Nationen (UNO), John Negroponte, nach
ersten Beratungen des Sicherheitsrates über dieses Thema. Eine
Resolution sollte zugleich die militanten Gruppen beim Namen nennen,
die für Selbstmordanschläge in Israel die Verantwortung
übernommen haben, sagte er weiter.
Negroponte bekräftigte die Forderung der USA, beide Seiten sollten
Handlungen vermeiden, die zu einer Ausweitung des Konfliktes
führen. Die USA hätten bereits deutlich gemacht, dass der Bau
dieses Zaunes nicht im Einklang mit der Vision eines
palästinensischen Staates stehe, der friedlich neben seinem
Nachbarn Israel existiere, fügte er hinzu.
Diplomaten zufolge gibt es unter den 15 Mitgliedern des
Sicherheitsrates breite Unterstützung für eine Resolution,
die sich gegen den Sperrzaun richtet. Sie hielten aber Änderungen
an dem palästinensischen Entwurf für wahrscheinlich.
In dem Resolutionsentwurf wird der Bau des Zauns auf besetztem Gebiet
als Verletzung des Völkerrechts verurteilt. Diplomaten zufolge ist
für die kommende Woche eine öffentliche Beratung zu dem Thema
geplant. Israel will sich mit der Sperranlage - teils ein Zaun mit
elektronischen Sensoren, teils eine Mauer aus Beton - vor
palästinensischen Anschlägen schützen. Die
Palästinenser befürchten, der Zaun könnte die Grenzen
eines künftigen Palästinenserstaates vorwegnehmen.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat den Einmarsch israelischer
Truppen in den südlichen Gazastreifen scharf verurteilt.
Israelische Soldaten hätten erneut "in einem dicht besiedelten
Gebiet unangemessen Gewalt angewendet", so Annan in einer
Erklärung. Auch zwei Kinder seien getötet worden. Das sei
"unvereinbar mit dem internationalen Menschenrecht". Beim Einmarsch der
Truppen waren am Freitag in einem palästinensischen
Flüchtlingslager an der Grenze zu Ägypten mindestens sieben
Palästinenser getötet worden.
Die Soldaten suchten in dem Lager nach Armeeangaben Tunnel, durch die
militante Palästinenser-Gruppen Raketen schmuggelten, mit denen
auch zivile Flugzeuge abgeschossen werden könnten. Dem
internationalen Friedensplan zufolge muss die Palästinenser-
Regierung entschlossen gegen die Gruppen in ihrem Volk vorgehen, die
Attentate und Angriffe auf Israelis verüben. Im Konflikt um die
Befehlsgewalt über die palästinensischen
Sicherheitskräfte zwischen dem neuen Ministerpräsidenten
Ahmed Korei und Präsident Jassir Arafat bemühten sich
hochrangige Palästinenser-Vertreter weiter um eine Vermittlung.
Nach tagelangen Spekulationen über Arafats Gesundheitszustand
zeigte sich der Präsident bei den Freitagsgebeten in Ramallah
blass, aber in stabiler Verfassung.
Mehr als 60 Menschen seien bei den Schusswechseln in der Nacht verletzt
worden, darunter acht Kinder und mindestens zehn bewaffnete
Männer, sagten die palästinensischen Ärzte. Soldaten und
Panzer seien unterstützt von Kampfhubschraubern in das Lager Rafah
eingerückt, teilte die israelische Armee mit. Ein Offizier sagte
im Rundfunk, die israelische Einheit sei in Rafah auf erbitterten
Widerstand getroffen. Auf palästinensischer Seite seien Panzer
brechende Waffen eingesetzt worden. Nabil Abu Rdainah, ein Vertrauter
Arafats, bezeichnete den israelischen Einsatz in Rafah als
"Kriegsverbrechen und humanitäre Katastrophe".
Seit Beginn des Palästinenser-Aufstandes vor drei Jahren wurden
nach den Angaben mehr als 70 Tunnel entdeckt, durch die einem weiteren
Offizier zufolge inzwischen auch Panzer- und Flugabwehr-Raketen in die
Palästinenser-Gebiete gebracht werden. Damit könnten nicht
nur Hubschrauber und Kampfflugzeuge der Armee, sondern auch
Passagierflugzeuge bedroht werden, die von Tel Aviv aus starteten.
"Rafah ist ein strategischer Ort für den Nachschub für
palästinensischen Terrorismus im Gaza-Streifen und anderswo",
sagte der Offizier.
"Israel ist erneut gezwungen, die Arbeit zu erledigen, die eigentlich
die Palästinenser-Regierung erledigen müsste", sagte Dore
Gold, ein Berater von Ministerpräsident Ariel Scharon.
Der von den Vereinten Nationen (UNO), der USA, der Europäischen
Union (EU) und Russland vorgelegte Friedensplan sieht vor, dass die
palästinensischen Sicherheitskräfte gegen die
gewalttätigen Gruppen vorgehen. Wegen des Streits über deren
Kontrolle hatte der palästinensiche Ministerpräsident Korei
am Donnerstag und damit bereits zwei Tage nach seiner Vereidigung mit
Rücktritt gedroht. Erst Anfang September war Koreis Vorgänger
Mahmud Abbas im Streit mit Arafat um die Kontrolle der
Sicherheitskräfte zurückgetreten.
"Die Vermittlungsbemühungen werden fortgesetzt, um die Differenzen
zwischen Arafat und Abu Ala beizulegen", sagte ein
Palästinenser-Vertreter und nannte Korei bei seinem Kampfnamen.
Der Ministerpräsident selbst äußerte sich am Freitag
nicht öffentlich über seine politische Zukunft. Arafats
Auftritt in Ramallah widerlegte Spekulationen über dessen
angebliche lebensgefährliche Erkrankung.
(Quellen: rtr, dpa)
UNO plant Friedenstruppe für den Sudan
Sa.11.10.03 - Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UNO) hat am Freitag
UNO-Generalsekretär Kofi Annan beauftragt, Pläne für den
Einsatz einer Friedenstruppe im Sudan vorzubereiten.
Die Friedenstruppe soll zum Einsatz kommen, wenn die
Bürgerkriegsparteien ein umfassendes Abkommen zur Beendigung der
seit 20 Jahre andauernden Kampfhandlungen abgeschlossen haben. Die im
Sicherheitsrat von Großbritannien eingebrachte
Entschließung war in öffentlicher Sitzung verabschiedet
worden. Regierung und die Rebellenorganisation sudanesische
Volksbefreiungsbewegung hatten in dieser Woche in Kenia ihre
Friedensgespräche fortgesetzt.
(Quelle: rtr)
Weltweit 25 Millionen Menschen auf der Flucht im eigenen Land
Sa.11.10.03 - Rund drei Millionen Menschen in Europa und Vorderasien sind auf der
Flucht im eigenen Land, heißt es in einem gestern vorgestellten
Bericht, den das Genfer Global IDP-Projekt im Auftrag der Organisation
für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) erstellte. In
13 Ländern müssten so genannte Binnenflüchtlinge unter
armseligen Bedingungen fern ihrer Heimatorte leben.
Vor Kämpfen und Gewalt in ihren Heimatorten flohen der Studie
zufolge zwischen 1994 und 1999 rund eine Million Kurden in der
Türkei. In Aserbaidschan könnten mehr als eine halbe Million
Menschen nicht in ihre Heimat in der von Armenien besetzten Region
Berg-Karabach zurückkehren. Auch in Bosnien-Herzegowina, auf
Zypern, in Georgien, Russland und Serbien-Montenegro seien zahlreiche
Menschen auf der Flucht. Weltweit gebe es rund 25 Millionen
Binnenflüchtlinge.
(Quelle: ap)
Marokkos König kündigt Reform für mehr Frauenrechte an
Sa.11.10.03 - Marokkos König Mohammed VI. will den Frauen in dem weitgehend
moslemischen Land mehr Rechte einräumen. Unter anderem soll das
Heiratsalter von 15 auf 18 Jahre steigen und den Frauen die Scheidung
erleichtert werden, wie der 40-jährige Monarch am Freitag
ankündigte. Auch die nach dem Koran erlaubte Ehe mit mehreren
Frauen soll durch "drakonische Kriterien" weiter erschwert werden.
Ziel ist seinen Worten zufolge, der wachsenden Konfrontation zwischen
Frauenrechtlerinnen und islamischen Gruppierungen zu begegnen, "die die
Gesellschaft zu spalten droht". Weiter sagte der König, seine
Initiative solle "die Ungerechtigkeit, die auf vielen Frauen lastet,
beseitigen und die Rechte von Kindern schützen".
Der König hat in dem nordafrikanischen Land die Regierungsgewalt,
die Zustimmung des Parlaments gilt als sicher. Die
Reformankündigung fiel mit einem Staatsbesuch des
französischen Präsidenten Jaques Chirac zusammen, der noch
bis zum (heutigen) Samstag in Marokko bleibt.
(Quelle: ap)
Friedensnobelpreis für iranische Menschenrechtlerin
Preisträgerin Schirin Ebadi erkennt keinen Widerspruch zwischen
Menschenrechten und Islam +++ Iranische Regierung gratuliert
Nobelpreisträgerin +++ Ebadi fordert Freilassung politischer
Häftlinge
Sa.11.10.03 - Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die iranische
Menschenrechtlerin Schirin Ebadi. Die 56-jährige Juristin forderte
nach der Entscheidung des Nobelkomitees am Freitag die sofortige
Freilassung von politischen Gefangenen, die wegen
Meinungsäußerungen inhaftiert sind.
In ihrem Engagement insbesondere für Frauen und Kinder habe sich
die 56-jährige Juristin und Autorin auch von Drohungen nicht
erpressen lassen, erklärte das Nobelkomitee in seiner
Würdigung. Schirin Ebadi sei in einer Zeit der Gewalt stets
für Gewaltfreiheit eingetreten. Das Nobelkomitee würdige
«eine Frau, die Teil der muslimischen Welt ist und auf die diese
Welt stolz sein kann - zusammen mit allen, die für die
Menschenrechte eintreten, wo immer sie auch leben.»
Die Nachricht von der Nobelpreisvergabe traf Ebadi wie ein Blitz aus
heiterem Himmel, als sie sich nach einer Konferenz in Paris gerade auf
die Heimreise vorbereitete. "Als Oslo angerufen hat, war es ein
Schock", sagte die Mutter von zwei erwachsenen Töchtern. "Und dann
war ich sehr glücklich und froh." Der Friedensnobelpreis
gehöre nicht nur ihr, sondern "allen Menschen, die für
Menschenrechte in Iran arbeiten". Vor Journalisten fügte sie
hinzu, sie könne keinen Widerspruch zwischen Islam und
Menschenrechten erkennen. "Daher sollten auch die Religiösen
diesen Preis begrüßen." Mit Blick auf den wachsenden
internationalen Druck auf Iran aufgrund des weiter vorangetriebenen
Atomprogramms sagte Ebadi: "Als Menschenrechtsaktivistin bin ich gegen
Kriege und Konflikte."
Nach ihrem Jura-Studium in Teheran war Ebadi von 1975 bis 1979 die
erste Richterin Irans, wie ihr Mann bestätigte; sie war damals am
Stadtgericht Teheran tätig. Nach der islamischen Revolution von
1979 musste das Gericht verlassen. Seitdem wirkte sie als
Anwältin, Dozentin an der Universität Teheran sowie als
Autorin gesellschaftskritischer Bücher. Im Sommer 2000 war sie in
Zusammenhang mit einem kritischen Dokumentarfilm drei Wochen inhaftiert.
Die fünf Mitglieder des Nobelkomitees, die vom norwegischen
Parlament berufen wurden, blieben mit der Wahl Ebadis ihrem Ruf treu,
auch den Mut zu überraschenden Entscheidungen zu haben. In den
Medien waren zuletzt Papst Johannes Paul II. und der frühere
tschechische Präsident Vaclav Havel als aussichtsreichste
Kandidaten genannt worden. In Polen äußerte sich Lech Walesa
als Friedensnobelpreisträger des Jahres 1983 tief enttäuscht
darüber, dass der Preis nicht an den Papst ging. Hingegen
begrüßte Havel die Entscheidung und gratulierte Ebadi.
Auch die Bundesregierung begrüßte die Wahl des
Nobelkomitees. Bundeskanzler Gerhard Schröder und
Außenminister Joschka Fischer schickten Ebadi
Glückwunschtelegramme. Gratulationen kamen unter anderem auch von
der EU, dem Weltkinderhilfswerk UNICEF und Amnesty International.
Der Friedensnobelpreis ist mit zehn Millionen schwedischen Kronen (1,1
Millionen Euro) dotiert. Verliehen wird der Preis am 10. Dezember in
Oslo, dem Todestag des 1986 gestorbenen Stifters Alfred Nobel. Im
vergangenen Jahr ging der Friedenspreis an den früheren
US-Präsidenten Jimmy Carter, der die Verleihung mit Kritik an den
Kriegsplänen der Regierung Bush verband. Auch von Carter kamen am
Freitag Glückwünsche an die neue
Friedensnobelpreisträgerin.
Mit mehrstündiger Verzögerung hat die Regierung in Teheran am
Freitagabend der iranischen Friedensnobelpreisträgerin gratuliert.
Die staatlichen iranischen Medien hatten bereits zuvor die Vergabe des
Nobelpreises an Ebadi erst drei Stunden nach der Bekanntgabe in Oslo
gemeldet.
In einer Verlautbarung von Regierungssprecher Abdollah Ramesansadeh
hieß es: "Wir hoffen, dass den Ansichten von Frau Ebadi innerhalb
und außerhalb Irans nun mehr Beachtung geschenkt wird als
vorher." Und er erklärte weiter: "Im Namen der Regierung der
Islamischen Republik Iran gratuliere ich Frau Ebadi und allen
iranischen muslimischen Frauen." Die Regierung freue sich, dass eine
iranische Muslimin benannt worden sei, die die Möglichkeiten des
Landes zur Verteidigung der Menschenrechte - insbesondere die der
Kinder und Frauen - in einer Art nutze, die von friedliebenden Gremien
in der Welt anerkannt werde. Ramesansadeh sagte, die Regierung werde am
Dienstag bei der Rückkehr Ebadis nach Teheran einen ranghohen
Vertreter zur Begrüßung schicken.
(Quelle: ap)
"Muslimin und Demokratin"
Die taz berichtet in ihrer heutigen Ausgabe ausführlich über die
die iranische Menschenrechtlerin und Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi:
http://www.taz.de/pt/2003/10/11/a0129.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/10/11/a0131.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/10/11/a0133.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/10/11/a0128.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/10/11/a0127.nf/text
Kopftuchstreit in Deutschland
Länder weiter uneins über Kopftuchverbot an deutschen Schulen
Sa.11.10.03 - Die Bundesländer sind in der Frage eines Kopftuchverbotes weiter
uneins: Jedes Bundesland müsse "nach landeseigener Tradition und
daraus resultierenden Bestimmungen" entscheiden, hieß es in einer
von der Kultusministerkonferenz (KMK) am Freitag in Darmstadt
veröffentlichten Erklärung. Demnach streben nun sieben
Bundesländer ein gesetzliches Verbot an, acht Länder sehen
derzeit keinen Handlungsbedarf und Bremen prüft noch.
Hintergrund der Kopftuchdiskussion ist das Urteil des
Bundesverfassungsgerichts (BVG) von Ende September, wonach moslemischen
Lehrerinnen das Tragen von Kopftüchern im staatlichen
Schulunterricht nur bei klarer gesetzlicher Grundlage verboten werden
darf. Das Gericht folgte damit der Klage der Lehrerin Fereshta Ludin,
die in Baden-Württemberg wegen ihres Beharrens auf einem Kopftuch
nicht unterrichten durfte.
Laut KMK planen nun Baden-Württemberg, Bayern, Berlin,
Brandenburg, Hessen, Niedersachsen und das Saarland ein entsprechendes
Gesetz. Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen,
Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und
Thüringen sehen dafür keinen Grund. Die
baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan (CDU)
sagte vor Journalisten, das BVG habe in seinem Kopftuchurteil eine
differenzierte Behandlung mit Blick auf die christlich-jüdische
Tradition erlaubt. Zugleich räumte sie ein: "Eins ist klar, jedes
Gesetz, das wir machen, wird wieder vor dem Bundesverfassungsgericht
landen."
(Quelle: afp)
«Tückische Tücher - Christen werfen Nebelkerzen»
Interessant, wer in letzter Zeit so alles die Frauenrechte
hochhält: der bayerische Innenminister; die CSU; die evangelische
Kirche. Sie alle wissen, dass das muslimische Kopftuch ein Symbol der
Frauenunterdrückung ist. Brandgefährlich und quasi schon als
Kleidungsstück verfassungsfeindlich, weil es die Ungleichheit von
Frauen und Männern betont. Raus damit aus den Schulen, so
tönen sie. Es ist ein Ablenkungsmanöver...(taz)
Mehr in der heutigen Ausgabe der "Tageszeitung" (11.10.03):
http://www.taz.de/pt/2003/10/11/a0053.nf/text
«Keine Kippa ohne Kopftuch»
Acht Bundesländer wollen ihre Lehrerinnen per Gesetz zur
Barhäuptigkeit zwingen. Das Problem: Zwecks Gleichbehandlung
müssten sie auch andere Kopfbedeckungen verbieten. Priester oder
Rabbi bekämen in den Schulen ebenfalls Hausverbot...
Mehr in der heutigen Ausgabe der "Tageszeitung" (11.10.03):
http://www.taz.de/pt/2003/10/11/a0087.nf/text
Blick ins Archiv
BVG-Urteil: Länder dürfen grundsätzlich Kopftuch im
Unterricht verbieten
Do.25.09.03 - Die Bundesländer dürfen muslimischen Lehrerinnen das
Kopftuchtragen im Unterricht verbieten. Dazu müssen sie nach einem
Urteil des Bundesverfassungsgerichts jedoch eine «hinreichend
bestimmte» gesetzliche Grundlage schaffen. Diese fehle derzeit in
Baden-Württemberg.
Das Land habe deshalb mit seiner Ablehnung, die muslimische Lehrerin
Fereshta Ludin in den Schuldienst zu übernehmen, deren
Religionsfreiheit verletzt, entschieden die Richter am Mittwoch in
Karlsruhe. Drei der acht Richter stimmten allerdings gegen die
Entscheidung. Das Urteil löste überwiegend positive
Reaktionen aus. (Aktenzeichen: 2 BvR 1436/02 vom 24. September 2003)
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309250.htm#03092515
«Bei einer kleinen Gruppe der Muslime in Deutschland wächst
der Fundamentalismus»
Mo.06.10.03 - «Lale Akgün ist liberale Muslimin, was ihr derzeit
Ärger bereitet. Die Bundestagsabgeordnete der SPD hatte nach dem
Kopftuch-Urteil in ein paar Fernsehsendungen gesessen und gesagt, was
sie oft sagt: dass ein Kopftuch keine religiöse Pflicht sei,
sondern ein „Verhaltensmuster". Seither wird sie mit Hass-Mails
überschüttet, abgeschickt von empörten Muslimen, die sie
als „gottlose Hure" beschimpfen und ihr das Recht absprechen, Muslimin
zu sein.
Für Lale Akgün ein weiteres Indiz für die
Re-Ideologisierung der islamischen Bevölkerung in Deutschland.
„Seit den 80er Jahren werden die islamistischen Kräfte in
Deutschland immer sichtbarer. Sie haben scheinbar den Dialog gesucht
und sich demokratisch gebärdet. Gleichzeitig haben sie eine
Parallelwelt aufgebaut, von der die Deutschen lange nichts mitbekommen
haben."
Das Koptuch als Symbol eines selbstbewussten, friedlichen Islams oder
aber als Zeichen für eine Fundamentalisierung der muslimischen
Einwanderer – beide Interpretationen haben ihre Basis...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310060.htm#031006_e
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Kultusministerkonferenz stellt deutschen Schulen miserables Zeugnis aus
Zu große Schulklassen +++ Überalterte Schulbücher +++
Schüler beginnen zu spät mit zielgerichtetem Lernen
.Verbringen zu viel Zeit in Bildungseinrichtungen in denen sie kaum
gefördert werden +++Zu niedrige Zahl von Hochschulabsolventen
Sa.11.10.03 - Die Kultusminister haben mit ihrem ersten Bildungsbericht ihren Schulen
ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. In dem Bildungsbericht, der am
Freitag in Darmstadt von den Kultusministern beraten wurde, heißt
es unter anderem, die Schulklassen seien größer als im
internationalen Vergleich, die Schulbücher überaltert und
Förderung von wenig wie auch hoch begabten Schülern eher
selten. Insgesamt habe die Zufriedenheit der Bevölkerung mit den
Schulen in den vergangenen Jahren stark abgenommen.
Die mit dem Bildungsbericht beauftragten Forscher kritisieren,
Schüler würden zu spät mit zielgerichtetem Lernen
beginnen. Sie verbrächten zu viel Zeit in Bildungseinrichtungen,
in denen sie kaum gefordert würden: "Dies sind wenig
förderliche Voraussetzungen für die Erreichung
anspruchsvoller Bildungsziele." Angesichts einer weltweit einmaligen
Vielzahl von Stundentafeln und Rahmenplänen falle es schwer,
überhaupt noch ein deutsches Schulsystem zu erkennen.
Die Autoren des Bildungsberichts fordern die Einführung nationaler
Bildungsstandards. Die im internationalen Vergleich niedrige Zahl der
Hochschulabsolventen müsse gesteigert, die Zahl der Jugendlichen,
die mit nur wenig Bildung das Schulsystem verließen, gesenkt
werden: "Das Land muss sich auf qualitativ anspruchsvolle Ziele seines
Bildungssystems verständigen." Angesichts knapper Kassen
müsse das für Bildung vorhandene Geld zielgerichteter
eingesetzt werden.
Die Kultusminister der Länder dringen angesichts der kritischen
Berichte über schulische Leistungen auf Priorität für
die Bildungsausgaben trotz aller Sparmaßnahmen. Das sagte die
Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK) und hessische
Ressortchefin Karin Wolff am Freitag im ARD-Morgenmagazin.
Wolff wies darauf hin, dass der in Darmstadt beratene erste
"Bildungsbericht für Deutschland" keine neuen Erkenntnisse
enthält, sondern die aus der Pisa-Studie, einer Untersuchung der
OECD und weiterer Erhebungen zusammenfasst. Erste Folgerungen daraus
seien ja bereits gezogen worden. Die CDU-Politikerin verwies auf die
gestiegene Förderung für Kinder aus Migrationsfamilien,
Sprachförderung im Kindergarten und Vorschulbereich sowie die
Lehrerfortbildung. Es wäre aber eine Illusion zu glauben, dass es
mit bloßem «Hebelumlegen» eine schnelle Lösung
gäbe. Entsprechende Programme bräuchten in der Regel zehn bis
15 Jahre um zu wirken.
Letztlich gehe es auch um die Folgen von vielen Jahren verfehlter
Bildungspolitik. Entscheidend sei daher, dass die Bildung
Priorität in den Ländern behalte. Immerhin habe es in den
letzten Jahren enorme Steigerungen in den Bildungshaushalten der
Länder gegeben. Dieser Stand müsse gehalten werden, und die
Bildungsausgaben müssten bei den Sparprogrammen ganz hinten
stehen, forderte die hessische Kultusministerin.
(Quelle: ap)
«Politik der leeren Köpfe»
Der Bildungsbericht belegt die Unfähigkeit der Kultusminister.
(taz, 11.10.03)
Die 16 Kultusminister haben nun ein Problem. Während sie seit dem
Weltschulvergleich Pisa beharrlich die berühmten Affen spielen,
die nichts hören, sehen und sagen wollen, mussten sie gestern
einen formellen Beschluss über den Bericht herbeiführen.
Schließlich sind sie es, die ihn in Auftrag gegeben haben. Wie
aber beschließt man einen Offenbarungseid? Genau, mit gewundenen
Formulierungen. "Bildungsprozesse sind nicht einfach mit Hebelumlegen
innerhalb weniger Monate getan", sagte (die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz) Wolff. Sie vertröstete die
Bildungsbürger, die nach Besserung gieren, auf die nächsten
10 bis 15 Jahre. Erst dann seien Veränderungen spürbar. (taz, 11.10.03)
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/10/11/a0157.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/10/11/a0083.nf/text
«Ausgebildet zum Arbeitslosen»
Zu wenig Lehrstellen, schlechte Schulabschlüsse: 600000 junge Menschen auf dem Abstellgleis.
Die Lehrstellennot zeigt, wie der Markt versagt...
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/10/11/a0159.nf/text
http://www.jungewelt.de/2003/10-11/016.php
Blick ins Archiv
EU-Bildungskommissarin kritisiert deutsche Vielfalt
So.28.09.03 - Die EU-Bildungskommissarin Vivian Reding sieht in den Unterschieden
zwischen den Bundesländern das Hauptproblem des deutschen
Bildungssystems...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309280.htm#03092815
OECD-Studie: Schlechte Bildung in Deutschland schwächt
Wirtschaftswachstum
Mi.17.09.03 - Die im internationalem Vergleich geringe Zahl von Abiturienten und
Hochschulabsolventen in Deutschland ist nach einer OECD-Studie
mitverantwortlich für die aktuelle Wirtschaftsschwäche der
Bundesrepublik.
Während andere Industrieländer in den vergangenen zwei
Jahrzehnten den Bildungsstand ihrer Erwerbsbevölkerung erheblich
gesteigert hätten, stagniere dieser in Deutschland seit Anfang der
80er Jahre, heißt es in der am Dienstag in Berlin vorgestellten
Analyse der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD)...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309170.htm#030917_c
PISA-Studie
Für die "PISA"-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit u
nd Entwicklung (OECD) wurden rund 180.000 Schüüer aus 32 Staaten im Alter von
15 Jahren getestet, darunter etwa 5000 Deutsche. Im Vergleich landeten sie in allen
drei Leistungskategorien - Lesen, Rechnen und Naturwissenschaft - jeweils auf einem
der hintersten Plätze (20. bis 25.). Spitzenreiter sind dagegen Finnland, Korea, Kanada
und Japan. Besonders erschreckend für die Schulforscher: Gut jeder fünfte deutsche
Schüler (22,6 Prozent) erreicht bei der Lesekompetenz nur die niedrigste Leistungsstufe.
Die Fähigkeit, einen Text zu lesen und den Sinn zu verstehen, gilt aber als eine der
wichtigsten Voraussetzungen, um sich im Leben und Beruf zurecht zu finden und sich
auch mathematische und naturwissenschaftliche Kenntnisse anzueignen.
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-muenchen/n0205080.htm#schule_4
Leistungsdruck macht laut WHO-Studie Jugendlichen stärker zu schaffen
Mo.22.09.03 - Der Gesundheitszustand der Jugendlichen in Deutschland hat sich einer
Studie zufolge weiter verschlechtert. Laut den am Mittwoch an der
Universität Bielefeld veröffentlichten Ergebnissen des ersten
deutschen "Jugendgesundheitssurveys" leiden immer mehr junge Menschen
unter psychosomatischen und emotionalen Störungen. Besonders
betroffen seien Mädchen. Als Hauptgrund machten die Autoren
zunehmenden Leistungsdruck nach den Ergebnissen der internationalen PISA-Studie
aus...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309220.htm#03092230
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Thierse sieht keine Gefahr für Gewissensfreiheit der
Abgeordneten
Sa.11.10.03 - In der Auseinandersetzung um die Sozialreformen sieht
Bundestagspräsident Thierse keine Gefahr für die
Gewissensfreiheit der Abgeordneten. In einem Interview sagte Thierse,
von den Abgeordneten der Koalitionsfraktionen werde nun `mal erwartet,
dass sie die Regierung stützen und nicht stürzen. Wer
entschiedene Positionen vertrete, müsse mit Widerstand rechnen.
Unterdessen hat SPD-Fraktionschef Müntefering die Abgeordneten der
Koalition noch einmal zur Geschlossenheit aufgerufen. Im Hinblick auf
die Abstimmung im Bundestag über die Arbeitsmarktreformen sagte
Müntefering, zu glauben, man könne auf eine eigene
Regierungsmehrheit verzichten, sei eine hochgefährliche
Einstellung.
(Quelle: br-Radionachrichten)
Weiter Streit um Einführung einer 'Kopfpauschale' +++ Ex-
Ministerpräsident Bernhard Vogel sieht erhebliche Risisken
+++ Krankenkassen warnen vor verheerenden ökonomischen Folgen
Sa.11.10.03 - Die Kopfpauschale (Kopfprämie) bleibt umstritten. Thüringens Ex-
Ministerpräsident Bernhard Vogel etwa sieht erhebliche Risiken.
Die Herzog-Kommission hatte einen steuerfinanzierten Ausgleich geplant.
Dennoch stellte sich das CDU-Vorstandsmitglied grundsätzlich
hinter die Pläne der Kommission. Anders als DAK-Vorstandsmitglied
Herbert Rebscher: Er sagte verheerende ökonomische Folgen voraus.
Vor allem Familien mit mittleren Einkommen würden gestraft. Der
gut verdienende Single wäre der Profiteur, so Rebscher in einem
Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.
Der Vorstandschef der Barmer Ersatzkasse, Eckart Fiedler, sagte, das
Herzog-Modell löse die Probleme der Krankenkassen nicht.
Stattdessen würden die Arbeitgeber aus der Verantwortung für
die Kosten des Gesundheitssystems entlassen.
(Quelle: dpa)
Städte- und Gemeindebund kritisiert Vorschlag zur Gewerbesteuer
Sa.11.10.03 - Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und
Gemeindebundes (DStGB), Gerd Landsberg, hat den rot-grünen
Kompromissvorschlag zur umstrittenen Gewerbesteuer als nicht
ausreichend zurückgewiesen. Damit lasse sich das Finanzproblem der
Städte und Gemeinden nicht lösen, sagte Landsberg der
Chemnitzer «Freien Presse» (Samstagausgabe). Er verlangte
zur Senkung der Gewerbesteuerumlage zugleich eine höhere
Beteiligung der Kommunen an der Umsatzsteuer, wie es im Sofortprogramm
der Union enthalten sei.
Landsberg machte darauf aufmerksam, dass es den Kommunen nicht nur um
eine Erhöhung der Einnahmen gehe, sondern auch um die Senkung der
dramatisch gestiegenen Sozialausgaben. "Hier ist der Kanzler im Wort,
der angekündigt hat, die Kommunen würden bei der
Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe um Milliarden Euro
entlastet", sagte er. Regierung und Opposition forderte er auf, endlich
aufeinander zuzugehen. Die Kommunen hätten keine Zeit, den
ungewissen Ausgang eines langjährigen Vermittlungsverfahrens
abzuwarten.
Zuvor hatte bereits der Deutsche Städtetag einen
parteiübergreifenden Konsens bei der Gewerbesteuer gefordert, sich
jedoch zurückhaltend positiv über den Vorschlag der Regierung
geäußert. "Nach dem Koalitionskompromiss darf es jetzt nicht
zu einer Blockade im Bundesrat kommen", forderte
Städtetagspräsidentin Petra Roth (CDU). Roth meinte, der
Kompromiss sei "sicher nicht der Weisheit letzter Schluss", bringe aber
eine Verbesserung der Struktur der Gewerbesteuer. Der Städtetag
rechnet bei seinen Mitgliedern für 2003 mit einem Rekorddefizit
von neun Milliarden Euro in den Verwaltungshaushalten.
(Quelle: ap)
Gewerkschaftler kündigen hohe Lohnforderungen an
Sa.11.10.03 - Gewerkschaftsvertreter haben vor dem Hintergrund zunehmender
Weihnachtsgeldkürzungen und geplanter Einschnitte im Sozialwesen
harte Tarifverhandlungen angekündigt. «Weihnachtsgeld ist
kein Almosen. Wer tarifliche Sonderleistungen streicht, muss mit
höheren Lohnforderungen in der nächsten Tarifrunde
rechnen», erklärte der Tarifexperte des Deutschen
Gewerkschaftsbundes (DGB), Reinhard Dombre, der
«Bild»-Zeitung (Samstagausgabe).
Wenn zusätzlich Sozialreformen ins Nettoeinkommen schneiden,
erhöhe dies den Erwartungsdruck der Mitglieder, sagte Dombre.
Ähnlich äußerte sich der Landeschef der
Dienstleistungsgewerkschaft ver.di in Nordrhein-Westfalen, Hartmut
Limbeck: "Die Beschäftigten werden von Regierung und Arbeitgebern
einseitig zur Kasse gebete - ob bei Rente, Gesundheit oder
Weihnachtsgeld. Immer mehr an der Basis wollen dafür einen
kräftigen Ausgleich."
Dagegen äußerte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt die
Hoffnung, dass die bevorstehende Tarifrunde 2004 dazu beitrage,
Deutschland aus der Wachstums- und Beschäftigungskrise
herauszuführen. "Wir brauchen die Rückkehr zu einer
produktivitäts- und beschäftigungsorientierten Tarifpolitik",
sagte er der "Berliner Zeitung" (Samstagausgabe). "Wir werden in
Deutschland länger arbeiten müssen und brauchen deshalb
Optionen für Betriebe, die Arbeitszeit selbst regeln zu
können", forderte er weiter. An die IG Metall appellierte er, die
dringend notwendigen Signale für mehr Flexibilität zu setzen,
statt eine harte Lohnrunde anzukündigen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Nettoeinkommen der Bundesbürger gesunken
Fr.08.08.03 - Den privaten Haushalten in Deutschland hat im vergangenen Jahr netto
weniger Geld zur Verfügung gestanden als 11 Jahre zuvor: Das
Statistische Bundesamt in Wiesbaden [http://www.destatis.de] berichtete am Donnerstag,
das durchschnittliche Nettoeinkommen der Haushalte lag 2002 bei 32.100
Euro...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0308080.htm#03080804
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