Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertundsiebten Tag nach Kriegsbeginn
Moslemische Staaten fordern Abzug von Truppen aus dem Irak +++ Nach
US-Militärangaben täglich über ein Dutzend
Anschläge auf US-Soldaten +++ El Kaida ruft im Internet zu Mord an
irakischen Politikern auf +++ El Sadr ruft zur Bildung einer
Parallel-Regierung im Irak auf
So.12.10.03 - Mit der Forderung nach einem schnellen Abzug der Besatzungstruppen aus
dem Irak hat am Samstag in Malaysia ein Treffen der Staaten der
Islamischen Weltkonferenz OIC begonnen. Damit solle den Vereinten
Nationen (UNO) die Möglichkeit gegeben werden, den Wiederaufbau
des Landes zu leiten.
Der Generalsekretär der 57-Mitglieder-Organisation, Abdelouahed
Belkeziz, sagte in seiner Eröffnungsansprache: "Besonders wichtig
ist der Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak, um der UNO
die Gelegenheit zu geben, die irakischen Angelegenheiten in die Hand zu
nehmen." Von allen Konflikten, in die Moslems verwickelt seien, seien
die Besetzung des Irak und der Nahostkonflikt die drängendsten.
Lediglich die Vertreter der Türkei, die eine Truppenentsendung in
den Irak beschlossen hat, vertraten die Ansicht, dass ein UNO-Mandat
zwar wünschenswert wäre, dass es aber jetzt wichtiger sei, zu
handeln.
Der OIC-Gipfel begann in der neuen Verwaltungshauptstadt Malaysias,
Putrajaya, mit Treffen ranghoher Regierungsvertreter. Die
Außenminister werden am Montag zusammenkommen; die Staats- und
Regierungschefs tagen dann am 16. und 17. Oktober.
Bis zu 35 Staatschefs der OIC-Mitglieder werden erwartet.
Außerdem soll UNO-Generalsekretär Kofi Annan nach Putrajaya
kommen. Als Gäste werden außerdem der russische
Präsident Wladimir Putin erwartet und die philippinische
Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo. In ihren Staaten gibt es
große moslemische Minderheiten.
Die von den USA geführten Streitkräfte sehen sich nach
US-Militärangaben täglich über einem Dutzend
Anschlägen ausgesetzt.
Ein Militärsprecher sagte am Samstag, gewöhnlich liege die
Zahl der Angriffe zwischen zwölf und 20. In den 24 Stunden bis zum
Samstagnachmittag habe man 28 Übergriffe registriert. Dabei seien
elf Soldaten verletzt worden. Seit Einstellung der Hauptkampfhandlungen
am 1. Mai sind bei Anschlägen mindestens 94 Soldaten getötet
worden.
Bei einer mit Panzer-Unterstützung in der Stadt Tikrit
vorgenommenen Razzia wurden nach Armeeangaben vier Männer
festgenommen. Zwei von ihnen würden verdächtigt, der
Geheimpolizei des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein
angehört zu haben, erklärte Oberstleutnant Steve Russel, der
den Einsatz befehligt hatte. Bei der Erstürmung von drei
Häusern seien zudem Waffen und Munition sichergestellt worden.
Ein mutmaßlicher Sprecher des Terrornetzwerks El Kaida, Abu Abdel
Rahman el Nadschdi, hat im Internet die irakische
Übergangsregierung angeprangert und zum Mord an dessen Mitgliedern
aufgerufen. "Erwartet nicht, dass der Regierungsrat, dieser Agent (der
USA) und dieser Abtrünnige, die Probleme der Nation löst",
sagte der "militärische Sprecher von El Kaida in Afghanistan" in
einer Tonbandaufnahme, die bereits am 1. Oktober von der Website
"http://www.marsad.org.uk" verbreitet wurde und am Samstag von der
Website "http://alsaha.fares.net" übernommen wurde. Der Sprecher
rief "alle unsere Mudschahedin-Brüder in Irak" auf, jeden
sunnitischen Mullah und jeden schiitischen Ayatollah zu töten,
"der sich mit den Amerikanern verbündet".
Der radikale Schiit Muktada el Sadr hat zur Bildung einer
Parallel-Regierung im Irak aufgerufen. Das von ihm gebildete "Kabinett"
werde einen neuen, vom Terror freien Staat führen, sagte El Sadr.
Derzeit regieren im Irak die amerikanisch-britische
Besatzungsverwaltung und der von ihr eingesetzte provisorische
Regierungsrat.
(Quelle: rtr, ap, dpa)
Mögliche Stationierung türkischer Truppen in Irak -
Irakische Bevölkerung misstraut der Türkei
So.12.10.03 - Besonders tief sitzen die Zweifel an den Absichten des Nachbarlandes
jedoch im Norden des Landes, wo die Kurden nach dem Golfkrieg 1991 ein
faktisches Autonomiegebiet errichteten und jetzt die mögliche
Stationierung türkischer Truppen fürchten. Das Angebot der
Türkei an die USA, zur Stabilisierung Iraks Soldaten zur
Verfügung zu stellen, lehnen sie vehement ab.
«Wenn sie kommen, werde ich der erste sein, der sie
bekämpft», sagt der 31-jährige Walid Rasul Chader zu
seiner Familie, als er von dem Beschluss des türkischen Parlaments
hörte. Sein Bruder ist der gleichen Ansicht. «Die
Türken wollen uns kontrollieren», erklärt Chalid Rasul
Chader. «Sie kommen, um uns zu zerstören.» «Wir
lehnen die türkischen Truppen ab und wollen sie hier nicht
haben», erklärte der Café-Besitzer Ismail Hussein.
«Wir kennen ihre Ziele. Wir haben viel Öl und sie haben die
nördlichen Gebiete im Auge.»
Die amerikanischen Besatzungsbehörden wissen von diesen
Vorbehalten und erwägen daher, die türkischen Soldaten im
Süden Iraks zu stationieren. Der Parlamentsbeschluss vom Dienstag
bedeutet nicht, dass die Truppen sofort entsandt werden. Sie
können irgendwann im kommenden Jahr eintreffen.
Im ganzen Land, aber besonders im Norden, erinnern sich die Menschen
daran, dass das Osmanische Reich das Gebiet des heutigen Iraks bis zum
Ersten Weltkrieg regierte. Die Kurden im Norden verfolgten über
die Grenze hinweg den Kampf von Angehörigen ihrer Volksgruppe
für die Unabhängigkeit von der Türkei. Einige
fürchten, die Türkei könne die Interessen der Minderheit
der Turkmenen in Irak unterstützen.
Eine der beiden größten kurdischen Gruppen in Irak, die
Demokratische Partei Kurdistans, berief ein Treffen aller kurdischen
Organisationen ein. Gemeinsam wolle man eine einheitliche Haltung zur
Stationierung türkischer Truppen finden, sagte Parteisprecher
Fadhil Merani. Er verwies darauf, dass vor dem amerikanisch-britischen
Einmarsch im März zehntausende Kurden gegen eine Beteiligung der
türkischen Streitkräfte an der Invasion protestiert
hätten. «Das könnte wieder passieren», sagte
Merani.
Die Patriotische Union Kurdistans (PUK) zeigte sich ebenfalls besorgt.
Türkische Soldaten würden die bereits instabile Lage in Irak
weiter komplizieren, sagte PUK-Mitglied Adnan Mufti. Die
Unterstützung durch die Türkei dürfe
ausschließlich politischer und wirtschaftlicher Natur sein. Die
PUK habe ihre Bedenken den US-Behörden mitgeteilt, erklärte
Mufti weiter. Diese hätten versichert, die Türken sollten
außerhalb der von Kurden kontrollierten Gebiete stationiert
werden.
Unter dem Schutz der amerikanisch-britischen Luftpatrouillen
lösten sich die Kurden in Nordirak nach dem Golfkrieg 1991 von der
Regierung in Bagdad. Sie wählten ein eigenes Parlament, es gibt
bis heute kein Ausgehverbot und keine größeren Probleme mit
Kriminalität. Seit dem Sturz von Saddam Hussein gilt der Norden
als die stabilste Region des Landes.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv: Irak-Krieg - Türkei- Kurden - Öl
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303010.htm#030301_j
Der am Donnerstag früh in Bagdad ermordete Spanier war kein
Diplomat, wie zunächst angegeben wurde, sondern ein Mitarbeiter
des "Nationalen Geheimdienstes" (CNI)
Er soll seit fünf Jahren für den Geheimdienst gearbeitet
haben, seit zwei Jahren im Irak. Dort sei er angeblich für die
verschlüsselte Übertragung der Nachrichten einer
Geheimdienstzelle verantwortlich gewesen...
Mehr bei telepolis (11.10.03):
URL: http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/15830/1.html
|
Afghanistan
Über 40 mutmaßliche Taliban-Kämpfer aus Gefängnis
ausgebrochen
So.12.10.03 - Im Süden Afghanistans sind mehr als 40 Kämpfer der Taliban,
darunter auch mehrere Kommandeure der Islamisten, aus einem
Hochsicherheitsgefängnis ausgebrochen. Sie hätten einen
Tunnel gegraben, um aus dem Gefängnis in Kandahar zu entkommen,
berichteten Vertreter der Provinzregierung am Samstag.
Der Ausbruch vom Freitagabend wurde erst am Samstag bemerkt. Unter den
Geflohenen ist auch der Bruder des früheren Verteidigungsministers
der Taliban, Mullah Ubaidullah, wie der Gouverneur von Kandahar, Jusaf
Paschtun, sagte. Es sei eine Großfahndung nach den Geflohenen
eingeleitet worden. Wie andere Regierungsvertreter sagten, werden auch
fünf Wachleute vermisst, die offenbar mit den Geflohenen
verschwunden sind. Ihre Rolle werde noch untersucht.
Die Taliban hatten im vergangenen Monat einen neun Meter langen Tunnel
gegraben. Wie es hieß, flohen 41 von 50 inhaftierten Taliban. Die
Geflohenen waren in den vergangenen Monaten nach Gefechten zwischen
afghanischen Truppen und Aufständischen gefangen genommen worden.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Arafat und Kureia legen Streit teilweise bei:
Palästinensische Not-Regierung Kurei bleibt +++ Keine Einigung auf
Innenminister +++ Israelische Armee beginnt Teilrückzug aus Rafah
+++ Israelische Soldaten töten mutmaßlichen Terroristen
So.12.10.03 - Palästinenser-Präsident Jassir Arafat und
Ministerpräsident Ahmed Kurei haben nach palästinensischen
Angaben ihren Streit über die Besetzung des Innenministers bei
ihrem Treffen am Samstag in Ramallah keine Einigung erzielen
können. Dem Innenministerium unterstehen die
Sicherheitskräfte.
Nach dem Treffen sagte ein Mitarbeiter von Arafat, Kurei werde mit
seiner Not-Regierung den verbleibenden Monat weiter arbeiten.
Das Amt des Innenministers kommt durch die Befehlsgewalt über die
Sicherheitskräfte eine Schlüsselfunktion zu. Die USA und
Israel erwarten, dass die palästinensischen Sicherheitskräfte
gegen die radikalen Palästinenserorganisationen vorgehen, um
Anschläge auf Israel zu verhindern. Dies gilt als eine
Voraussetzung für die Umsetzung des "Road Map" genannten
Nahost-Friedensplans.
Nach einer knapp zweitägigen Offensive hat die israelische Armee
am Samstagabend ihren Teilrückzug aus Rafah im südlichen
Gazastreifen begonnen. Wie Mitglieder der palästinensischen
Sicherheitsdienste und ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP vor
Ort berichteten, verließen rund 40 israelische Panzer das
Flüchtlingslager von Rafah, blieben aber im von Israel
kontrollierten Grenzgebiet zu Ägypten. Nach Angaben eines
israelischen Militärsprechers wird ein Teil der Truppen weiter in
Rafah verbleiben.
Israelische Soldaten haben derweil nach eigenen Angaben in der Nacht im
Gazastreifen einen mutmaßlichen palästinensischen
Terroristen erschossen. Wie die Tageszeitung "Haaretz" in ihrer
Onlineausgabe berichtete, wollte der Mann einen Sprengsatz in eine
jüdische Siedlung bringen.
(Quelle: rtr, afp, dpa)
Atomare Drohung
Pressebericht: Israel kann Atomwaffen von U-Booten aus abschießen
So.12.10.03 - Israel ist einem US-Pressebericht zufolge in der Lage, Atomwaffen von
U-Booten abzuschießen. Die israelische Regierung habe in den USA
hergestellte Marschflugkörper so verändert, dass diese auf
U-Booten mit Nuklearsprengköpfen bestückt werden
könnten, berichtete die US-Zeitung "Los Angeles Times"
(Samstagsausgabe) unter Berufung auf US- und israelische Beamte. Die
US-Beamten hätten die Information enthüllt, um in einer Zeit
erhöhter Spannungen in Nahost und des Verdachts eines iranischen
Atomprogramms "Israels Feinde" zu warnen. Der Zeitung zufolge werden
durch die Enthüllungen jedoch die Bemühungen erschwert,
Teheran davon zu überzeugen, auf eigene Atomwaffen zu verzichten.
(Quelle: afp)
Israel hat aus Deutschland stammende U-Boote mit Atombomben ausgestattet
Israel rüstet sich ... weiter nuklear auf. Nach Informationen von
Mitgliedern der amerikanischen und israelischen Regierungen, die anonym
bleiben wollten, hat Israel, wie die LA Times berichtet, amerikanische
Cruise Missiles umgerüstet, so dass sie auch
Nuklearsprengköpfe befördern und von U-Booten aus
abgeschossen werden können. Die speziell für Israel gebauten
drei U-Boote der Dolphin-Klasse stammen übrigens aus Deutschland.
Bekannt war, dass die U-Boote deswegen von Israel angeschafft wurden,
um in Zukunft Atombomben aus den Torpedorohren abschießen zu
können. 85 Prozent der Kosten des Anfang der 90er Jahre geplanten
Rüstungsgeschäfts hat die Bundesregierung übernommen.
Sie können jeweils einen ganzen Monat lang kreuzen. Um sofort
zurück schlagen zu können, wenn Israel angegriffen wird,
befindet sich eines der U-Boote ständig im Meer...
Angeblich bereitet Israel die Zerstörung des iranischen
Atomprogramms vor, das von der US-Regierung gedeckte Atomwaffenprogramm
Israels verschärft die brisante Lage in der Region weiter..
(Quelle: telepolis vom 11.10.03)
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/ost/15829/1.html
|
Nobelpreisträgerin Ebadi fordert radikale Reformen in Iran
Trennung von Staat und Religion befürwortet +++ Strafen wie
Steinigung und Amputationen sollen abgeschafft werden +++
Fundamentalisten in Iran verurteilen Nobelpreis für Ebadi
So.12.10.03 - Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi hat weit
reichende Reformen in ihrem Heimatland gefordert.
"Wenn es (das Reformbestreben) sich nicht entwickelt, kann die
Islamische Republik nicht weiter bestehen", sagte sie in einem
Gespräch mit der französischen Zeitung "Le Monde"
(Samstagsausgabe). "Wir wollen, dass Reformen ernst und radikal
durchgeführt werden", fügte sie hinzu. Sie sei nicht gegen den
Islam. Es gebe aber auch mehrere Ajatollahs (Religionsführer), die
eine Trennung von Staat und Religion befürworteten.
Ebadi verlangte die Abschaffung des islamischen Strafrechts, das
Steinigung und Amputation von Gliedmaßen vorsieht. Das islamische
Recht müsse durch ein modernes Strafrecht ersetzt werden, wie es in
allen Demokratien existiert, sagte Ebadi,
US-Präsident George W. Bush beglückwünschte Ebadi
für den Erhalt des Friedensnobelpreises. Bush erklärte am
Samstag in Washington, damit werde ihr Eintreten für Menschenrechte
und Demokratie anerkannt. "Ich unterstütze sehr stark die
Sehnsucht des iranischen Volkes nach Freiheit und den Wunsch nach
Demokratie", erklärte Bush.
Ebadi ist die erste Moslemin und die erste Vertreterin ihres Landes,
die mit der weltweit wichtigsten politischen Ehrung ausgezeichnet wurde.
Die 56-jährige wertete den Preis als Unterstützung ihres
Kampfes für Menschenrechte und Demokratie im Iran und forderte die
Freilassung aller politischen Gefangenen in ihrem Heimatland.
Fundamentalisten in Iran haben unterdessen die Verleihung des
Friedensnobelpreises an Schirin Ebadi als Einmischung in die inneren
Angelegenheiten des Landes verurteilt. Reformer lobten dagegen am
Samstag die Entscheidung des Nobelkomitees, den Preis in diesem Jahr
erstmals an eine Muslimin zu vergeben.
Der Nobelpreis für Ebadi mache das Land stolz und gebe den
Reformen neuen Antrieb, sagte der reformorientierte Geistliche Naser
Kawami. "Als gewählter Abgeordneter danke ich dem Nobelkomitee
für seine richtige Wahl. Ebadi verdient die Auszeichnung für
ihren tapferen Einsatz für die Menschenrechte", sagte er.
Dagegen erklärte der ehemalige Abgeordnete Hamid Resa Taraki, der
Nobelpreis unterstütze säkulare Bewegungen und stehe im
Widerspruch zu den Idealen der Islamischen Revolution von 1979. Das
Norwegische Nobelkomitee sei von seinem ursprünglichen Ziel
abgewichen, den Frieden zu fördern. Es sei jetzt ein politisches
Werkzeug in der Hand von Ausländern, die sich in die Belange Irans
einmischen wollten, erklärte Taraki weiter.
Die staatlichen Medien hatten am Freitag nur zögerlich und mit
mehrstündiger Verspätung über die Verleihung des
Nobelpreises berichtet. Die reformorientierten Zeitungen berichteten am
Samstag auf der Titelseite über Ebadi, die regierungsnahen
Blätter ignorierten sie weitgehend. Die fundamentalistische
"Sijasat-e-Rus" nahm einen Bericht über die Entdeckung eines
Friedhofs aus der Eisenzeit in Spanien auf die Titelseite. Die
"Jomhuri-e-Eslami" berichtet auf Seite zwei kurz über das Ereignis
unter der Überschrift: "Westen gibt Ebadi Friedensnobelpreis".
In ihrem Engagement insbesondere für Frauen und Kinder habe sich
Ebadi auch von Drohungen nicht erpressen lassen, erklärte das
Nobelkomitee am Freitag in seiner Würdigung. Ebadi betonte auf
einer Pressekonferenz, nach ihrer Ansicht gebe es keinen Unterschied
zwischen dem Islam und den Menschenrechten. Daher sollten auch Vertreter
der Religion den Preis begrüßen, erklärte sie. "Der
Preis bedeutet, dass man ein Muslim sein und gleichzeitig
Menschenrechte haben kann."
Die 56-Jährige war die erste Richterin des Landes. Gemeinsam mit
einem Anwalt wurde sie im Juli 2000 festgenommen. Beide sollten in die
Aufnahmen eines Videobandes verwickelt sein, das angeblich Verbindungen
zwischen Regierungsvertretern und fundamentalistischen Unruhestiftern
aufdeckte. Sie wurden nach drei Wochen aus der Haft entlassen und zu
Bewährungsstrafen verurteilt. Gleichzeitig wurde ihnen für
fünf Jahre untersagt, in ihrem Beruf zu arbeiten. Ebadis Ehemann
sagte jedoch der Nachrichtenagentur AP, das Verbot sei von einem
Berufungsgericht aufgehoben und nie durchgesetzt worden.
(Quellen: ap, rtr)
Regierungspräsident will König-Fahd-Akademie in Bonn
schließen
Angeblich Verbindungen zur Terrororganisation El Kaida
So.12.10.03 - Wegen seiner Anziehungskraft für ranghohe Islamisten will das
zuständige Regierungspräsidium die Bonner
König-Fahd-Akademie schließen. "Das entwickelt eine
Sogwirkung in der ganzen Republik", zitiert das Nachrichtenmagazin "Der
Spiegel" den Kölner Regierungspräsidenten Jürgen Roters.
"Mein Ziel ist es, die Schule zu schließen. Aber wir müssen
es rechtsstaatlich sicher machen", sagte Roters. Bei der Akademie war
am Samstag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.
Rückendeckung bekommt Roters dem Bericht zufolge vom
nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Peer
Steinbrück: Wer freiheitliche Prinzipien bekämpfe, dürfe
keine Schüler ausbilden. "Wir werden Intoleranz nicht tolerieren",
zitiert der "Spiegel" den SPD-Politiker. Die möglichen
Verbindungen der Terrororganisation El Kaida zu dem Islamzentrum waren
auch Thema bei den Gesprächen von Bundeskanzler Gerhard
Schröder mit der saudi-arabischen Regierung in der vergangenen
Woche.
Mehrere den Sicherheitsbehörden bekannte Islamisten wollten in der
König-Fahd-Akademie ihre Kinder nach saudischen Lehrplänen
ausbilden lassen und die Predigten in der Schulmoschee besuchen,
schreibt der "Spiegel".
Unter diesen Personen befinde sich Mamoud A., einstiger Leiter des
Islamisten-Treffs in Duisburg, den auch Christian Ganczarski,
mutmaßlicher Weggefährte des Djerba-Attentäters,
besucht habe. Weiter nennt der "Spiegel" den Ägypter Sayed M.,
mutmaßliches Mitglied der Gruppe Al Tawhid, die Verbindungen zur
Terrororganisation El Kaida hat. Außerdem seien die Fahnder im
Umfeld der Akademie auf Spuren des 1998 verhafteten
El-Kaida-Finanzmannes Mamduh Salim gestoßen.
Das nordrhein-westfälische Innenministerium hatte bereits vor gut
einer Woche bestätigt, dass der Raum Bonn wegen des Zuzugs
verdächtiger Islamisten unter besonderer Beobachtung von Polizei,
Verfassungsschutz, Stadt und Bezirksregierung stehe. Die
Bezirksregierung in Köln überprüft nach eigenen Angaben
seit Juli die Schule. Sie sei für Kinder bestimmt, deren Eltern
nur kurze Zeit in Deutschland blieben, erläuterte ein Sprecher.
Die König-Fahd-Akademie mit einer Schule und einer Moschee wurde
1994 auf Weisung des saudischen Königs Fahd gegründet.
Für Grundstück und Bau spendete der Monarch nach damaligen
Berichten 14 Millionen Euro aus seiner Privatschatulle. Zur Einweihung
des Neubaus im Jahr 1995 waren unter anderem der damalige
Bundesaußenminister Klaus Kinkel und der seinerzeitige
nordrhein-westfälische Ministerpräsident Johannes Rau
gekommen.
(Quelle: ap)
EKD gegen Kopftuchträgerinnen als Lehrerin
So.12.10.03 - Die Evangelische Kirche bleibt im Kopftuchstreit unversöhnlich.
Wenn muslimische Lehrerinnen an öffentlichen Schulen
Kopftücher tragen wollen, begründen sie Zweifel an ihrer
Eignung. Für Musliminnen sei das Tragen des Kopftuches Teil der
religiösen Überzeugung. Staatsbeamte müssten aber
für die Gleichstellung von Mann und Frau eintreten. Das
Bundesverfassungsgericht hat den Ländern freigestellt,
muslimischen Lehrerinnen das Tragen von Kopftüchern zu verbieten,
wenn sie dafür eine gesetzliche Grundlage schaffen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
«Tückische Tücher - Christen werfen Nebelkerzen»
Interessant, wer in letzter Zeit so alles die Frauenrechte
hochhält: der bayerische Innenminister; die CSU; die evangelische
Kirche. Sie alle wissen, dass das muslimische Kopftuch ein Symbol der
Frauenunterdrückung ist. Brandgefährlich und quasi schon als
Kleidungsstück verfassungsfeindlich, weil es die Ungleichheit von
Frauen und Männern betont. Raus damit aus den Schulen, so
tönen sie. Es ist ein Ablenkungsmanöver...(taz)
Mehr in der heutigen Ausgabe der "Tageszeitung" (11.10.03):
http://www.taz.de/pt/2003/10/11/a0053.nf/text
Kopftuchstreit in Deutschland
Länder weiter uneins über Kopftuchverbot an deutschen Schulen
Sa.11.10.03 - Die Bundesländer sind in der Frage eines Kopftuchverbotes weiter
uneins: Jedes Bundesland müsse "nach landeseigener Tradition und
daraus resultierenden Bestimmungen" entscheiden, hieß es in einer
von der Kultusministerkonferenz (KMK) am Freitag in Darmstadt
veröffentlichten Erklärung. Demnach streben nun sieben
Bundesländer ein gesetzliches Verbot an, acht Länder sehen
derzeit keinen Handlungsbedarf und Bremen prüft noch.
Hintergrund der Kopftuchdiskussion ist das Urteil des
Bundesverfassungsgerichts (BVG) von Ende September, wonach moslemischen
Lehrerinnen das Tragen von Kopftüchern im staatlichen
Schulunterricht nur bei klarer gesetzlicher Grundlage verboten werden
darf. ...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310110.htm#03101109
BVG-Urteil: Länder dürfen grundsätzlich Kopftuch im
Unterricht verbieten
Do.25.09.03 - Die Bundesländer dürfen muslimischen Lehrerinnen das
Kopftuchtragen im Unterricht verbieten. Dazu müssen sie nach einem
Urteil des Bundesverfassungsgerichts jedoch eine «hinreichend
bestimmte» gesetzliche Grundlage schaffen. Diese fehle derzeit in
Baden-Württemberg.
Das Land habe deshalb mit seiner Ablehnung, die muslimische Lehrerin
Fereshta Ludin in den Schuldienst zu übernehmen, deren
Religionsfreiheit verletzt, entschieden die Richter am Mittwoch in
Karlsruhe. Drei der acht Richter stimmten allerdings gegen die
Entscheidung. Das Urteil löste überwiegend positive
Reaktionen aus. (Aktenzeichen: 2 BvR 1436/02 vom 24. September 2003)
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309250.htm#03092515
«Keine Kippa ohne Kopftuch»
Acht Bundesländer wollen ihre Lehrerinnen per Gesetz zur
Barhäuptigkeit zwingen. Das Problem: Zwecks Gleichbehandlung
müssten sie auch andere Kopfbedeckungen verbieten. Priester oder
Rabbi bekämen in den Schulen ebenfalls Hausverbot...
Mehr in der heutigen Ausgabe der "Tageszeitung" (11.10.03):
http://www.taz.de/pt/2003/10/11/a0087.nf/text
«Bei einer kleinen Gruppe der Muslime in Deutschland wächst
der Fundamentalismus»
Mo.06.10.03 - «Lale Akgün ist liberale Muslimin, was ihr derzeit
Ärger bereitet. Die Bundestagsabgeordnete der SPD hatte nach dem
Kopftuch-Urteil in ein paar Fernsehsendungen gesessen und gesagt, was
sie oft sagt: dass ein Kopftuch keine religiöse Pflicht sei,
sondern ein „Verhaltensmuster". Seither wird sie mit Hass-Mails
überschüttet, abgeschickt von empörten Muslimen, die sie
als „gottlose Hure" beschimpfen und ihr das Recht absprechen, Muslimin
zu sein.
Für Lale Akgün ein weiteres Indiz für die
Re-Ideologisierung der islamischen Bevölkerung in Deutschland.
„Seit den 80er Jahren werden die islamistischen Kräfte in
Deutschland immer sichtbarer. Sie haben scheinbar den Dialog gesucht
und sich demokratisch gebärdet. Gleichzeitig haben sie eine
Parallelwelt aufgebaut, von der die Deutschen lange nichts mitbekommen
haben."
Das Koptuch als Symbol eines selbstbewussten, friedlichen Islams oder
aber als Zeichen für eine Fundamentalisierung der muslimischen
Einwanderer – beide Interpretationen haben ihre Basis...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310060.htm#031006_e
|
SPD-interner Reformstreit
Kritikern der rot-grünen Arbeitsmarkt- und Sozialreformpläne
reichen die Aussagen der SPD-Fraktionspitze noch nicht
So.12.10.03 - Im SPD-internen Konflikt um die Arbeitsmarkt- und Sozialreformen haben
die Kritiker Bereitschaft zum Kompromiss signalisiert. Wenige Tage vor
der Abstimmung über wichtige Gesetze an diesem Freitag im Bundestag
reichen ihnen die bisherigen Aussagen der Fraktionsführung jedoch
noch nicht.
So macht der SPD-Bundestagsabgeordnete Ottmar Schreiner seine
Zustimmung zu den Arbeitsmarktreformen von tatsächlichen
Änderungen abhängig. "Es ist abzuwarten, was in der
Fraktionssitzung am Montag an Vorschlägen kommt", sagte der
Sozialpolitiker am Samstag in Erfurt. Es sei möglich, den
Reform-Gesetzentwurf so zu korrigieren, dass er mehrheitsfähig
werde. "Ich kenne bisher allerdings kein einziges Papier."
SPD-Fraktionschef Franz Müntefering warnte die rot-grüne
Koalition nochmals vor den Folgen mangelnder Geschlossenheit.
Die SPD-Reformkritiker sind vor allem gegen die geplante Anrechnung von
Erträgen aus Lebensversicherungen beim Arbeitslosengeld und
strengere Zumutbarkeitsregelungen für Arbeitslose. Der
SPD-Abgeordnete Klaus Barthel hält es für nicht mehr
vorstellbar, wie geplant bereits an diesem Montag ein
abschließendes Urteil über die Arbeitsmarktreformen zu
fällen. Der Reformstreit "spitzt sich jetzt zeitlich zu", sagte er
der "Braunschweiger Zeitung" (Samstag).
Wie das Blatt berichtete, hat sich eine Expertengruppe von SPD und
Grünen am Freitag auf eine Linie zu Nachbesserungen bei der
Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe verständigt. Unter
anderem sollen ältere Langzeitarbeitslose einen hören
Vermögensbeitrag beim Bezug des künftigen Arbeitslosengeldes
II behalten dürfen. Die Annahme von Minijobs soll nur dann zumutbar
sein, wenn sich die Bezahlung am örtlichen Tarifniveau orientiert.
Wirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement (SPD) sagte dem
Nachrichtenmagazin "Focus", über die Frage der Zumutbarkeit sei er
"gern bereit zu diskutieren, aber mit möglichst klarem Blick".
Natürlich werde kein Professor zum Würstchenverkäufer
gemacht, wie das die Reformkritikerin Sigrid Skarpelis-Sperk (SPD)
angedeutet habe. Das seien abwegige, praxisferne Vergleiche.
Skarpelis-Sperk sprach in der "Berliner Zeitung" (Samstag) von einem
intensiven Diskussionsprozess über die Reformpläne. Sie hoffe
auf ein positives Ergebnis. Der Abgeordnete Horst Schmidbauer setzte
ebenfalls auf eine Einigung vor der Abstimmung: "Priorität hat,
dass wir eine gemeinsame Basis finden." Die SPD-Führung habe
offenkundig gelernt, dass es keinen Sinn habe, auf Konfrontationskurs zu
den linken Kritikern zu gehen.
Müntefering sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag),
wenn die beiden Regierungsfraktionen bei der Abstimmung über die
Arbeitsmarktgesetze keine eigene Mehrheit zu Stande brächten, gebe
es auch schlichtweg keine Mehrheit für das Gesetz. Das wäre
dann "eine höchst schwierige Situation". Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD) hatte sein politisches Schicksal an die Durchsetzung
der Reformgesetze geknüpft.
Der Vorsitzende des Bundestags-Wirtschaftsausschusses, Rainer Wend
(SPD), gab dem linken Flügel seiner Partei die Schuld an den
derzeit schlechten Umfrageergebnissen. "Unser Erscheinungsbild ist zu
diffus. Wenn Ottmar Schreiner erklärt, dass unsere Reformen sozial
total ungerecht seien, ist es den Wählern kaum zu vermitteln, dass
unsere Vorhaben bitternotwendig sind und sie davon profitieren werden",
sagte Wend der "Welt am Sonntag".
(Quelle: rtr)
Ton im Unionsstreit über Sozialreformen wird schärfer
So.12.10.03 - Im unionsinternen Streit um die Sozialreformen verschärft sich der
Ton der Auseinandersetzung.
Der Vorsitzende der CDU-Sozialausschüsse, Hermann-Josef Arentz,
und der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber griffen den Vize-Chef der
Fraktion, Friedrich Merz, scharf an. Merzens Aussage, das Reformkonzept
der Herzog-Kommission sei der Anfang vom Ende der
Sozialdemokratisierung der CDU, nannte Arentz "unendlich dumm". Der
"Welt am Sonntag" (WamS) sagte er: "Ich kann mir auch nicht vorstellen,
dass Merz wirklich meint, er sei jahrelang Vorsitzender einer
sozialdemokratisierten Fraktion gewesen." Auch Stoiber sagte dazu:
"Unsinn. Es gab nie eine Sozialdemokratisierung in der Union." Merz
hatte zum Konzept der Kommission unter Altbundespräsident Roman
Herzog gesagt: "Heute ist der Anfang vom Ende der
Sozialdemokratisierung der CDU."
Die Vorschläge der Kommission sind innerhalb der CDU und zwischen
den beiden Unionsparteien umstritten. Ein wichtiger Konfliktpunkt ist
der Vorschlag der Kommission, in der Krankenversicherung künftig
einheitliche Kopfpauschalen einzuführen. Während sich
CDU-Chefin Angela Merkel den Vorschlag der Kommission weitgehend
zueigen machte, übten die CSU und die Sozialausschüsse
grundsätzliche Kritik an dem Konzept.
Stoiber kritisierte, für den Kommissionsvorschlag eines sozialen
Ausgleichs für die Kopfpauschale durch Steuergelder seien die
Mittel nicht vorhanden. Er bezifferte den jährlichen Bedarf
dafür auf 27 Milliarden Euro für die Kranken- und weitere
sieben Milliarden für die Pflegeversicherung. "Das Geld dafür
ist nicht in Sicht, das müsste ja wohl durch Steuererhöhungen
reinkommen. Ein solcher Systemwechsel widerspricht unseren
Vorstellungen", sagte er der "WamS".
Arentz bezifferte den Ausgleichsbedarf auf 40 Milliarden Euro: "Nur
wenn mir einer beweisen könnte, dass die notwendigen 40 Milliarden
Euro in der Steuerkasse zur Verfügung stünden und dass so
wichtige Ziele wie die Steuerentlastung von Bürgern und
Wirtschaft, die Sicherung der Personal- und Pensionslasten und der
Schuldendienst für die Staatsverschuldung nicht gefährdet
würden, wäre ich bereit, mit mir reden zu lassen." Er
empfinde es nicht als ehrenrührig, dieselben Bedenken
gegenüber dem Konzept der Kommission zu haben wie Stoiber.
Trotz des Gegensatzes zur Position Merkels zeigte sich Stoiber
zuversichtlich, dass es eine Einigung geben werde: "Wir (...) werden
uns verständigen." Ähnlich äußerte sich Arentz.
Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU)
sprach sich ebenfalls in der "WamS" für einen Systemwechsel bei
der Krankenversicherung aus. "Stoiber hat Recht, wenn er sagt, die
Reformen dürften nicht zulasten der kleinen Leute gehen. Es geht
aber nicht ohne Systemwechsel." Er sei für eine Abkoppelung der
Sozialversicherungsbeiträge vom Erwerbseinkommen und einen
sozialen Ausgleich über die Steuer.
Nach Informationen des "Spiegel" bezweifeln Mitglieder der
Rürup-Kommission die Zahlenbasis für die
Reformvorschläge der Herzog-Kommission. In einem internen Papier
würden deren Annahmen über die Entwicklung der
Erwerbstätigkeit, der Pflegeversicherung und des Rentenalters als
unplausibel und unvollständig kritisiert, berichtete das Magazin
vorab.
(Quelle: rtr)
Wirtschaftsverbände: CDU/CSU müssen Ja zur Steuerreform sagen
+++ Stoiber für Vorziehen der Steuerreform
So.12.10.03 - Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft haben an CDU und CSU
appelliert, dem Vorhaben der Bundesregierung, die Steuerreform auf den
1. Januar 2004 vorzuziehen, zuzustimmen.
Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags
(DIHK), Ludwig Georg Braun, sagte der "Bild am Sonntag": "Nicht nur die
Regierung, sondern auch die Opposition muss wissen: Das Hickhack in der
Steuerdebatte nervt die Unternehmen. Wir brauchen endlich
Entscheidungen."
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte der Zeitung: "Das
Vorziehen der Steuerreform wird der Wirtschaft einen dringend
benötigten kräftigen Impuls geben." Für den einmaligen
Finanzierungsbedarf im nächsten Jahr seien stärkere
Einsparungen und weitere Privatisierungen ein machbarer Weg,
erklärte Hundt.
Für den Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE)
erklärte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr, die Union dürfe
sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Handwerkspräsident
Dieter Philipp forderte, Regierung und Opposition müssten rasch
den Weg für das Vorziehen der Steuerreform um ein Jahr freimachen.
"Den Betrieben kann so kurzfristig Luft verschafft werden", sagte
Philipp der Sonntagszeitung.
Bayern Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hatte sich am
Wochenende erneut für ein Vorziehen der Steuerreform
ausgesprochen, wobei allerdings für die Finanzierung der Anteil an
Neuverschuldung höchstens 25 Prozent ausmachen dürfe. Hessen
Ministerpräsident Roland Koch (CDU) bekräftigte dagegen, eine
Steuerreform auf Pump halte er nicht für vertretbar.
SPD-Generalsekretär Olaf Scholz sagte der "Bild am Sonntag", er
halte das Vorziehen der Reform für vertretbar, auch wenn sie
weitgehend über Kredite finanziert werde. Die Steuersenkung werde
die "anspringende Konjunktur befeuern".
(Quelle: rtr)
Steuereinnahmen im September überraschend gestiegen
So.12.10.03 - Die Steuereinnahmen von Bund und Ländern in Deutschland sind im
September im Vergleich zum Vorjahr überraschend stark gestiegen.
Das Plus von einer Milliarde Euro reicht aber nicht aus, die
Mindereinkünfte der Vormonate auszugleichen, so dass
Finanzminister Hans Eichel bei der Steuerschätzung im November
erneut mit einer Hiobsbotschaft rechnen muss. Das Finanzministerium
bestätigte am Samstag einen Bericht der "Süddeutschen
Zeitung", wonach vor allem bei der Körperschaftsteuer enorme
Zuwächse zu verzeichnen waren.
Den Angaben zufolge fielen die Steuereinnahmen im September insgesamt
um 2,8 Prozent höher aus als im Vorjahresmonat. Die
Steuereinkünfte der ersten drei Quartale lagen mit 0,3 Prozent im
Plus. Weil die Steuerschätzer aber im Mai für das Gesamtjahr
einen Zuwachs von 2,3 Milliarden Euro prognostiziert hatten,
könnten nach Informationen der «Süddeutschen
Zeitung» in der Staatskasse bis zu neun Milliarden Euro fehlen.
Im Finanzministerium war mit Blick auf die September-Zahlen von einer
erfreulichen Entwicklung die Rede. Der September gehört zu den
wichtigsten "Steuermonaten", der Rückschlüsse auf das gesamte
Jahr zulässt.
Die Steuern, die allein den Ländern zustehen, kletterten um 5,5
Prozent. Bei der Körperschaftsteuer, die von den großen
Unternehmen entrichtet wird und die nach In-Kraft-Treten der
Steuerreform Anfang 2001 extrem eingebrochen war, gab es einen rasanten
Anstieg. Den Angaben zufolge flossen im September drei Milliarden Euro.
Das Plus gegenüber dem Vorjahresmonat lag bei 16,3 Prozent. Vor
allem Banken und Versicherungen hätten den Finanzämtern
überraschend hohe Beträge überwiesen, schrieb die
"Süddeutsche Zeitung".
(Quelle: ap)
Westerwelle unter großem Druck
Unmut über den Oppositionskurs des Parteichefs
So.12.10.03 - In der FDP wächst der Unmut über den Oppositionskurs von
Parteichef Guido Westerwelle. Prominente Liberale warfen ihm am Samstag
vor, der Partei mangele es unter seiner Führung an Profil und
Angriffslust. FDP-Vize Walter Döring sagte in Stuttgart, seine
Partei sei in einem "desolaten Zustand".
Er schlug einen Reformkongress aller Bundes- und Landesabgeordneten
vor, bei dem "Tacheles" geredet werden müsse. Zudem kritisierte er
den Umgang der Führung mit dem verpassten Einzug ins bayerische
Parlament: "Man kann die Bayern-Wahl mit neun Millionen
Wahlberechtigten nicht als Regionalwahl abtun", sagte er dem
Nachrichtenmagazin "Focus". "Einen Zuwachs im Null-Komma-Bereich als
Erfolg zu feiern, ist lächerlich."
Der FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff sagte der "Frankfurter
Allgemeinen Sonntagszeitung": "Es liegt viel im Argen bei der FDP." Von
Westerwelle verlangte er mehr "Mut, Härte und
Rücksichtslosigkeit" im Umgang mit anderen Parteien, auch mit der
Union.
Auch Präsidiumsmitglied Andreas Pinkwart mahnte ein deutlich
schärferes Profil seiner Partei an. "Eine Verengung auf die Wahl
des nächsten Bundespräsidenten wäre fatal", sagte er der
Zeitung "Die Welt" (Samstag). Westerwelle misst der Frage eine hohe
Priorität zu. Zugleich warf Pinkwart der Führung vor, sie sei
in manchen wirtschaftspolitischen Frage wie der Beamtenbesoldung und
der Handwerksordnung einen Zick-Zack-Kurs gefahren.
Aus den FDP-Landesverbänden wurde erneut Kritik an der
Bundesspitze laut. "Die FDP muss endlich aufwachen", sagte der
saarländische Landeschef Christoph Hartmann dem "Focus". "Die
Basis ist enttäuscht", fügte Hartmann hinzu. Westerwelle
müsse wieder so werden, "wie er als Generalsekretär war".
Der niedersächsische Fraktionsvorsitzende Philipp Rösler
beklagte: "Die Themen wie Rente, Gesundheit, Arbeitsmarkt und
Tarifrecht fallen uns in den Schoß, aber die FDP findet nicht
statt." Mehr Angriffslust wünscht sich auch Vorstandsmitglied
Silvana Koch-Mehrin. "Wir haben eine große Gruppe in der
Führung, die in Regierungsdisziplin denkt und nicht als knallharte
Opposition."
Westerwelle selbst warf den Kritikern "durchscheinenden Willen zur
Selbstinszenierung" vor. "Diejenigen, die die FDP wahrnehmbarer sehen
möchten, sind gut beraten, programmatische Vorschläge zu
machen statt über Personen herzufallen", sagte er den "Kieler
Nachrichten"
(Quelle: dpa)
Struck will Klarheit über Entsendegesetz bis Ostern 2004 +++
Bundeswehrverband stärkt Struck im Entsende-Streit den Rücken
So.12.10.03 - Im Streit über ein Entsendegesetz zur Regelung der
Auslandseinsätze der Bundeswehr erwartet Verteidigungsminister
Peter Struck eine Verständigung im Bundestag bis Ostern 2004. Das
sagte Struck der "Leipziger Volkszeitung". Zuvor war sein Vorschlag
für eine Art Sonderausschuss auf breite Ablehnung in der Koalition
gestoßen. Struck nannte es "wünschenswert, wenn der
Bundestag bis zur Osterpause 2004 ein Entsendegesetz beschließen
würde."
Rückendeckung hat Struck vom Bundeswehrverband erhalten. Die
parlamentarischen Entscheidungen dauerten gegenwärtig zu lang,
sagte der Verbandsvorsitzende Bernhard Gertz der Chemnitzer "Freien
Presse" vom Samstag. Gertz schlug vor, ein spezielles Gremium aus
Mitgliedern des Verteidigungsausschusses ins Leben zu rufen, das
über die Einsätze befinden solle. Der neuerliche
Parteienstreit zeige, wie überfällig eine Entsende- oder
Parlamentsbeteiligungsgesetz sei. Es dürfe nicht auf die lange
Bank geschoben werden. Dazu gehöre der Einsatz von
Kommando-Spezial-Kräften.
(Quellen: dpa, afp)
Blick ins Archiv
Struck will schnellere Entscheidung für NATO-Einsätze der
Bundeswehr
Fr.10.10.03 - Verteidigungsminister Peter Struck will politische
Entscheidungsabläufe in Deutschland beschleunigen, um
Bundeswehrsoldaten schneller an Krisenherde senden zu können.
Diese Schlussfolgerung zog Struck aus einer Simulationsübung beim
NATO-Verteidigungsministerrat in Colorado Springs am Mittwoch. Dort
wurde die Reaktionsfähigkeit der geplanten NATO-Eingreiftruppe
durchgespielt. Auch US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld forderte
NATO-Staaten auf, "ihre Entscheidungsstrukturen auf den neuesten Stand
zu bringen".
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310100.htm#03101006
NATO-Planspiel «Dynamic Response '07»
Nato-Verteidigungsminister testen globale Einsatzbereitschaft
Do.09.10.03 - Kurzfristige Nato-Kampfeinsätze auf der ganzen Welt haben am
Mittwoch die Debatte der Nato-Verteidigungsminister während ihres
Treffens in den USA bestimmt.
In einem vierstündigen Planspiel testeten die Minister und
Armeechefs der 19 Mitgliedstaaten die Beilegung politischer und
militärischer Differenzen über Kampfeinsätze
außerhalb der historischen Nato-Grenzen. Das Szenario spielte
Teilnehmerkreisen zufolge im Jahr 2007 und hatte mit Terrorismus und
Massenvernichtungswaffen in einem fiktiven Land in der
Mittelmeer-Region oder dem Nahen Osten zu tun. Details der Übung
"Dynamic Response '07" wurden zunächst geheim gehalten...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310090.htm#03100901
Russland warnt NATO wegen ihrer militärischen Offensivdoktrin
Fr.03.10.03 - Russland hat der NATO mit einer radikalen Änderung seiner
militärischen Strategie gedroht. Sollte das
Verteidigungsbündnis in seiner jetzigen Form bestehen bleiben, sei
Russland zu einer Änderung seiner Pläne über die
Umstrukturierung der Streitkräfte gezwungen, heißt es in
einem am Donnerstag veröffentlichten Dokument des
Verteidigungsministeriums. Davon sei auch das russische Nuklearprogramm
betroffen. Verteidigungsminister Sergej Iwanow schloss außerdem
einen Präventivschlag Russlands nicht aus...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310030.htm#03100304
Nato peilt weltweite Einsätze an - Stratiegieentwurf sieht
vorbeugende Schläge gegen Terror vor
BRÜSSEL, 6. Juni 2002Beim Kampf gegen den Terrorismus schwenkt die Nato auf die Linie der
USA ein, die auf militärische Präventivschläge gegen
jene Staaten dringt, die der Unterstützung von Terroristen
verdächtigt werden. Das Bündnis schließt damit welt
weite Einsätze nicht mehr aus. Auf ihrem Gipfel im November in
Prag will die Nato sich durch Rüstungsbeschlüsse für
diese Aufgaben fit machen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310030.htm#031003_v
NATO stößt bis Rußland vor - Prager Gipfel billigte
größte Erweiterung der Allianz. Eingreiftruppe geschaffen
Prag - 22.11.2002 - Mit der »Beitrittseinladung« an
sieben osteuropäische Staaten hat die NATO am Donnerstag in Prag
die größte Erweiterung ihrer 53jährigen Geschichte
beschlossen. Das Bündnis wird damit bis Mitte 2004 auf 26
Mitglieder anwachsen und sein Territorium bis an die Grenze zu
Rußland ausdehnen. Dieser Beschluß soll nach den Worten von
NATO-Generalsekretär George Robertson »die endgültige
Überwindung der Teilung Europas« markieren...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310030.htm#031003_w
Verteidigungsminister Struck: Landesverteidigung nicht mehr oberste
Aufgabe der Bundeswehr. Deutschland wird am Hindukusch verteidigt
Fr.06.12.02 - Verteidigungsminister Peter Struck will das nicht
hören, aber er hat der Bundeswehr eine Reform der
Reform verordnet. Noch gravierender als seine Streichliste ist jedoch
seine zweite, überraschende Botschaft. Er gibt den deutschen
Soldaten einen neuen Auftrag. So verkündet der
Sozialdemokrat am Donnerstag in Berlin in Abkehr von seinem
Vorgänger Rudolf Scharping (SPD) den Abschied von der
Landesverteidigung als oberste Aufgabe der Armee...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310030.htm#031003_x
Bundeswehr plant Präventivschläge
"Studie fordert Fähigkeit zum Präventivschlag"
überschrieb die Süddeutschen Zeitung am 9. November 1992
ihren Bericht über ein Papier des "Zentrums für Analysen und
Studien der Bundeswehr" in Waldbröl.
Diese Studie (SFT 21) ist eine Zukunftsanalyse der
sicherheitspolitischen Bedürfnisse der Bundesrepublik und der
daraus abzuleitenden Strategien und Strukturen der Streitkräfte.
Dabei kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass aufgrund einer
veränderten Bedrohungslage die Bundeswehr zu "offensiven
Operationen" zu befähigen sei. Angesichts der Gefährdung
durch Massenvernichtungswaffen solle über die Möglichkeit
präventiver militärischer Optionen politisch entschieden
werden, empfahlen die Autoren.
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/a0211100.htm#top
|
Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
Preisträgerin Susan Sontag distanziert sich von Martin Walsers
Holocaust-Äußerungen
So.12.10.03 - Die Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels, Susan Sontag,
hat sich von Äußerungen ihres Vorgängers Martin Walser
über den Holocaust distanziert.
Der Schriftsteller hatte 1998 bei der Verleihung der Auszeichnung in
seiner Dankesrede die ständige Thematisierung der Judenvernichtung
als "Moralkeule" bezeichnet und vor einer Instrumentalisierung von
Auschwitz gewarnt. Dies hatte weit über Deutschland hinaus für
monatelange Diskussionen gesorgt.
Wenn Walser glaube, Deutschland müsse einen Schlussstrich unter
seine Vergangenheit ziehen, sei sie "komplett anderer Meinung", sagte
die streitbare 70-jährige Autorin aus New York, die am heutigen
Sonntag den Friedenspreis entgegennimmt und eine "provokante" Rede
angekündigt hat. "Was Deutschland so großartig macht, ist
eben, dass es kein normales Land ist", urteilte Sontag. Sie gilt als
hervorragende Kennerin der deutschen Literatur und als die
"europäischste Intellektuelle" in den USA. Als prominente
Vertreterin der Amerikanischen Linken war sie eine scharfe Kritikerin
des Irak-Kriegs.
Deutschland habe beim Umgang mit seiner Vergangenheit "inzigartige
Anstrengungen" unternommen. Dies werde gerade von "weltlichen Juden"
sehr geschätzt, sagte Sontag, die selbst Jüdin ist. Das
dürfe jedoch nicht bedeuten, das der Holocaust künftig kein
Thema mehr sei, sagte die Autorin, die sich vor allem mit kultur- und
zeitkritischen Essays internationale Anerkennung erworben hat.
Scharfe Kritik übte Sontag an der US-Regierung, die von
"Radikalen" der "äußersten Rechten" übernommen worden
sei. In den USA gebe es praktisch mit der Republikanischen Partei nur
noch ein Einpartei- System, da die Demokraten ein "Ableger" der
Republikaner seien. US-Präsident George W. Bush - "dieser
schreckliche Mann aus Texas" - habe mit dem seit Jahrzehnten geltenden
Grundsatz des Multilateralismus in der US-Außenpolitik gebrochen.
"Diese Regierung hat den 11. September als Gelegenheit benutzt, um die
Regeln zu verändern", kritisierte Sontag. Für einen
politischen Klimawechsel in den USA sehe sie derzeit keine Chance, da es
keine politische Opposition gebe.
Die Wahl des Schauspielers Arnold Schwarzenegger zum Gouverneur in
Kalifornien sei nicht nur ein "schlechter Scherz", sondern "ein Schritt
mehr zum Ende der Politik", urteilte Sontag. Schwarzenegger sei wie der
italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi ein Mann, der
wegen seines Reichtums und Erfolgs gewählt werde. Zugleich seien
beide so dumm, dass sich die Menschen über sie lustig machen
könnten.
(Quelle: dpa)
mehr Kurznachrichten...