Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertundelften Tag nach Kriegsbeginn
Abstimmung über Irak-Resolution vertagt +++ Allgemein wird
Mehrheit für neuen Resolutionsentwurf der USA im Sicherheitsrat
erwartet +++ USA will Besetzung Iraks beenden, sobald das Land eine
neue Regierung hat +++ US-Sicherheitsberaterin Rice: Pentagon ist
weiter für Wiederaufbau Iraks zuständig +++ Internationales
Institut für Strategische Studien: USA waren schlecht auf
Nachkriegsprobleme in Irak vorbereitet. US-Präsenz in Irak habe zu
mehr Zulauf 'islamischer Terroristen' geführt
Do.16.10.03 - Die Abstimmung im Weltsicherheitsrat über die neue Irak-Resolution
ist auf Antrag Russlands auf (den heutigen) Donnerstag vertagt worden.
Wie UN-Diplomaten am Mittwoch in New York mitteilten, setzte der
amerikanische UN-Botschafter und derzeitige Präsident des
Sicherheitsrats, John Negroponte, nach Beratungen der Mitglieder des
Gremiums hinter verschlossenen Türen die Abstimmung für 16.00
Uhr MESZ an. Ursprünglich sollte am Mittwochabend schon abgestimmt
werden.
Der russische UN-Botschafter Sergej Lawrow hatte um die Verschiebung
gebeten, um den Regierungen Russlands, Deutschlands und Frankreichs
Gelegenheit zu geben, den Resolutionsentwurf der USA zu erörtern
und zu entscheiden, ob sie dem zustimmen oder nicht. Wie in New York
verlautete, will der russische Präsident Wladimir Putin dies um
12.00 Uhr MESZ in einer Telefonkonferenz mit Bundeskanzler Gerhard
Schröder und dem französischen Staatspräsidenten Jacques
Chirac entscheiden. Die USA hatten am Dienstag die Hauptforderung der
drei Staaten abgelehnt, einen Zeitplan für die Übergabe der
Macht an die Iraker in die Resolution aufzunehmen.
Unterdessen sicherten sich die USA am Mittwochabend die Zustimmung
Chinas und Pakistans zu der überarbeiteten Irak-Resolution.
US-Außenminister Colin Powell zeigte sich sicher, dass der
Entschließungsantrag angenommen werde. Powell sagte am Mittwoch
in Washington, in den letzten 24 Stunden seien große Fortschritte
gemacht worden. Die USA hätten ihren Freunden zugehört, und
die Regierung sei bei Beibehaltung bestimmter Positionen zu
Kompromissen bereit.
Die USA erklärten sich nach Angaben von UN-Diplomaten bereit, den
Vereinten Nationen eine größere Rolle beim politischen
Übergang Iraks zu einer Demokratie zuzugestehen. Außerdem
stellten die USA klar, dass sie die Besetzung Iraks beenden
würden, sobald das Land eine neue Regierung habe.
Es wird allgemein erwartet, dass der neue Resolutionsentwurf der USA im
Sicherheitsrat eine Mehrheit findet. Mit einem Veto wird nicht
gerechnet. Der mexikanische UN-Vertreter Adolfo Aguilar Zinser meinte,
die USA hätten sich offenbar damit abgefunden, dass es zu ihrem
Resolutionsentwurf fünf oder sechs Enthaltungen geben könnte.
Für eine Annahme sind mindestens neun Ja-Stimmen der 15
Ratsmitglieder notwendig. Als mögliche Kandidaten für eine
Stimmenthaltung gelten Deutschland, Frankreich, Russland, China, Mexiko
und Syrien.
US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice hat derweil Berichte über
einen regierungsinternen Kompetenzstreit beim Wiederaufbau Iraks
zurückgewiesen. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld werde den
Aufbau Iraks weiterhin leiten, "so wie er dies bereits getan hat und
sehr gut getan hat", sagte Rice am Dienstag im Weißen Haus. Der
oberste Zivilverwalter in dem besetzten Land, Paul Bremer, und dessen
Mitarbeiter unterstünden weiterhin dem Pentagon, betonte die
Beraterin von US-Präsident George W. Bush. Es gebe keine
Pläne, daran etwas zu ändern.
Die USA und ihre internationalen Partner waren nach Ansicht des
Internationalen Instituts für Strategische Studien nicht
ausreichend auf vorhersehbare Probleme im Nachkriegs-Irak vorbereitet.
Die Präsenz der USA in Irak habe zwar potenzielle
Unterstützerstaaten von Terroristen abgeschreckt, jedoch bislang
zu einem "verstärkten Impuls" und zu mehr Zulauf für
"islamische Terroristen" geführt, sagte IISS-Direktor John Chipman
am Mittwoch in London bei der Vorstellung des Rüstungsberichts
"Military Balance 2003-2004". "Transnationale Terroristen" seien
inzwischen in mehr als hundert Ländern präsent.
(Quellen: afp, ap)
Beim Tauziehen um eine Irakresolution im Weltsicherheitsrat knicken
Frankreich, Russland und Deutschland ein
Zum dritten Mal seit Ende des Irakkrieges Anfang Mai sind die einstigen
erklärten Kriegsgegner Frankreich, Russland, China und Deutschland
im UNO-Sicherheitsrat umgefallen und haben sich dem Willen der USA
gebeugt. Im Laufe des Dienstags gaben Paris, Moskau, Peking und Berlin
ihre beiden zuvor wochenlang für unverzichtbar erklärten
Mindesanforderungen an die von der Bush-Administration angestrebte neue
Irakresolution auf. Damit ließen sie UNO-Generalsekretär
Kofi Annan mit seiner Kritik an den Vorschlägen Washingtons im
Regen stehen... (taz vom 16.10.03)
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/10/16/a0112.nf/text
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Aktuelle Meldung - Do.16.10.03 - 19:00 +++ USA setzen sich monatelangen Streit
bei Irak-Resolution durch +++ Die 15 Mitglieder des Sicherheitsrats - darunter auch die Kriegsgegner
Deutschland, Frankreich und Russland - stimmten heute einstimmig für die US-Vorlage +++
Nahost-Konflikt
Bombenanschlag auf US-Konvoi im Gazastreifen: Mindestens drei Tote,
darunter Mitarbeiter des Nahostgesandten Wolf und des CIA +++
Palästinenser-Regierung verurteilt das Attentat scharf +++ Bush:
Terror größtes Hindernis für Palästinenserstaat
+++ Israel setzt Militäraktion im Gazastreifen fort
Do.16.10.03 - Bei einem Bombenattentat auf einen US- amerikanischen Fahrzeugkonvoi im
Norden des Gazastreifens sind am Mittwochmorgen vier Menschen
getötet worden. Bei drei der Getöteten handelt es sich
Berichten zufolge um Mitarbeiter des Nahostgesandten Wolf und des US-
Geheimdienstes CIA, die für Washington mit der Umsetzung des
Internationalen Nahost-Friedensplans beauftragt waren.
Der US- Nahostbeauftragte John Wolf befand sich nach Angaben der
US-Botschaft in Tel Aviv nicht in dem Konvoi, der wenige Minuten zuvor
über den Kontrollpunkt Eres im Norden des Gazastreifens gekommen
war.
Der Anschlag ereignete sich am Mittwoch gegen 09.10 Uhr nahe dem
palästinensischen Ort Beit Chanun im Norden des Gazastreifens. Am
Vortag hatten die USA eine Resolution zur Verurteilung Israels für
die Errichtung von Sperranlagen im Westjordanland durch ein Veto
verhindert.
Durch die gewaltige Explosion wurde eines der Fahrzeuge völlig
zerstört. Wolf, der von US-Außenminister Colin Powell mit
der Überwachung der Umsetzung des internationalen
Nahost-Friedensplans beauftragt ist, befinde sich "derzeit nicht in
Israel", sagte US-Botschaftssprecher Paul Patin der Nachrichtenagentur
dpa.
Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia
verurteilte den Anschlag in Ramallah "aufs Schärfste". Die
Autonomiebehörde werde alles daran setzen, die Schuldigen an dem
Attentat zu finden. Ein Vertreter der militanten
Palästinensergruppe Hamas bestritt jede Beteiligung seiner Gruppe
an dem Anschlag. Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb
Erekat sagte, die Tat richte sich "gegen die Interessen der
Palästinenser".
Die Bombe explodierte an einer Straßenkreuzung zwischen den Orten
Beit Chanun und Beit Lahia unmittelbar neben dem gepanzerten Fahrzeug
der US-Amerikaner. Der gepanzerte Wagen trug das diplomatische
Kennzeichen der USA in Israel. Durch die Wucht der Explosion wurde das
Auto zerfetzt. Zwei weitere Fahrzeuge wurden in die Luft geschleudert
und schwer beschädigt.
Unmittelbar nach dem Anschlag rückten israelische Panzer an den
Tatort und feuerten mit Maschinengewehren umher, wie Augenzeugen
berichteten. Die israelischen Soldaten unterstützten die
US-Ermittler bei ersten Untersuchungen am Anschlagsort. Dabei wurden
sie von Jugendlichen mit Steinen beworfen. Palästinensische
Polizisten schossen daraufhin in die Luft, um die Steinewerfer zu
vertreiben.
US-Präsident George W. Bush hat derweil das Attentat scharf
verurteilt. Die Anschläge seien das größte Hindernis
auf dem Weg zu einem eigenständigen Palästinenserstaat, sagte
Bush.
Bush warf der Palästinenserführung Untätigkeit "im Kampf
gegen den Terrorismus" vor. Ihre Unfähigkeit zu Reformen und zur
Zerschlagung radikaler Palästinenserbewegungen seien schuld daran,
wenn sich der Traum der Palästinenser von einem eigenen Staat
nicht erfüllen könne.
Auch US-Außenminister Colin Powell schloss einen
Palästinenserstaat ohne ein Ende des "Terrorismus" aus. Dies habe
er auch Kureia deutlich gemacht. Powell sagte weiter, er erwarte die
"volle Kooperation" der palästinensischen Seite bei der
Untersuchung der "abscheulichen Tat".
Washington hat am Mittwoch alle US-Bürger aufgerufen, den
Gazastreifen zu verlassen. Wie das Außenministerium in Washington
mitteilte, wurde Israel gebeten, bei der Evakuierung der US-Bürger
zu helfen.
Die israelischen Streitkräfte haben unterdessen ihre
Operation im Flüchtlingslager Rafah im Gazastreifen nahe der
ägyptischen Grenze fortgesetzt. Nach Angaben von Augenzeugen
rollten in der Nacht zum Donnerstag Dutzende Militärfahrzeuge
durch das Lager.
(Quellen: rtr, afp, ap)
US-Repräsentantenhaus stimmt Sanktionen gegen Syrien zu
Do.16.10.03 - Das US-Repräsentantenhaus hat nahezu einstimmig Sanktionen gegen
Syrien beschlossen. Die Abgeordneten folgten am Mittwoch mit 398 gegen
vier Stimmen einer entsprechenden Empfehlung des außenpolitischen
Ausschusses der Kammer. Damit soll der wirtschaftliche und
diplomatische Druck auf Syrien erhöht werden. Die USA werfen dem
Land vor, Massenvernichtungswaffen zu entwickeln und Terroristen zu
beherbergen.
Die Diplomatie sei gescheitert, sagte die Republikanische Abgeordnete
Ileana Ros-Lehtinen. "Es ist daher an der Zeit, unsere Worte mit
konkreten, spürbaren Strafmaßnahmen zu unterstreichen."
Syrien wird aufgefordert, keine Terroristen mehr zu unterstützen,
seine 20.000 in Libanon stationierten Soldaten abzuziehen, auf
Massenvernichtungswaffen und Langstreckenraketen zu verzichten, und die
illegale Lieferung von Waffen nach Irak einzustellen.
Sollte die Regierung in Damaskus dem nicht Folge leisten, muss
US-Präsident George W. Bush eine oder mehrere Sanktionen aus einem
Katalog von sechs möglichen Strafmaßnahmen in Kraft setzen.
Dazu gehören unter anderem ein Exportstopp und die Einstellung
aller Geschäftsbeziehungen zu Syrien.
(Quelle: ap)
Demonstrationen gegen die weit verbreitete Armut im Land halten an
+++ Seit Beginn der Proteste Mitte September
mindestens 63 Tote
Do.16.10.03 - Tausende Regierungsgegner sind am Mittwoch in den großen
Städten Bolivien wieder auf die Straße gegangen, um den
Rücktritt von Präsident Gonzales Sanchez de Lozada zu
fordern. Im Regierungssitz La Paz, in dem das öffentliche Leben
schon seit Tagen praktisch lahm gelegt ist, bezogen Soldaten Stellung.
Demonstranten errichteten Straßensperren. Die Aktionen schienen
sich noch auszuweiten.
Die Demonstrationen begannen als Protest gegen die Pläne von
Sanchez de Lozada, Erdgas in die USA und nach Mexiko zu exportieren.
Der geplante Handel wurde ausgesetzt, inzwischen wurden die Proteste
jedoch gegen die weit verbreitete Armut vor allem in der indianischen
Bevölkerungsmehrheit ausgeweitet. Die Indios werden besonders hart
von einem von den USA geförderten Programm getroffen, das den
Koka-Anbau in dem Andenstaat beenden soll. Gewerkschaften und
bürgerliche Protestbewegungen schlossen sich den indianischen
Bauern inzwischen an.
La Paz glich auch am Mittwoch einer Geisterstadt, Schulen,
Geschäfte und Banken blieben geschossen. Weitere Demonstrationen
wurden aus Cochabamba und der Hauptstadt Sucre gemeldet. Vor einem
Rücktritt Sanchez de Lozadas würden die Demonstranten nicht
einlenken, hieß es. Der 73-Jährige war im August vergangenen
Jahres für eine zweite Amtszeit gewählt worden.
Rund 1.000 Bergarbeiter waren am Mittwoch auf dem Weg nach La Paz, wo
sie sich den demonstrierenden Indios, Gewerkschaftern und
Straßenhändlern anschließen wollten. Rundfunk- und
Fernsehberichten zufolge kam es dabei in der Stadt Patacamaya, 100
Kilometer westlich von La Paz, zu Auseinandersetzungen zwischen
Soldaten und den Arbeitern. Die Armee setzte Tränengas ein, die
Arbeiter warfen mit Dynamitstangen.
Präsident Sanchez de Lozada weist die Rücktrittsforderungen
zurück, ist inzwischen aber praktisch in seiner schwer bewachten
Residenz eingeschlossen. Seit Beginn der Proteste Mitte September kamen
nach offiziellen Angaben mindestens 16 Menschen ums Leben,
Medienberichten zufolge liegt die Zahl der Todesopfer bei 63.
(Quelle: ap)
550 afrikanische Flüchtlinge in Spanien festgenommen
Do.16.10.03 - Die spanische Polizei hat am Mittwoch 550 afrikanische Flüchtlinge
an der illegalen Einreise gehindert. Die Einwanderungsbehörde
erklärte, die Menschen seien in zwölf Schlauchbooten vor der
Küste von Tarifa und Granada sowie vor der Kanareninsel
Fuerteventura entdeckt worden.
Der Chef der Einwanderungsbehörde, Ignacio Gonzalez,
erklärte, bei den Festgenommenen handele es sich mehrheitlich um
Marokkaner. Er forderte die marokkanischen Behörden auf, ihren
Küstenschutz zu verbessern. Neun Schlauchboote wurden in der
Straße von Gibraltar aufgebracht, drei vor Fuerteventura.
Es war bisher die größte Zahl von Flüchtlingen, die die
spanische Polizei in diesem Jahr an einem Tag festnahm. Jedes Jahr
versuchen tausende Afrikaner, über die Straße von Gibraltar
nach Europa zu gelangen. Andere segeln von Marokko aus nach Westen zu
den Kanarischen Inseln. Viele überleben die gefährliche Reise
nicht.
(Quelle: ap)
Eingreiftruppe der Nato einsatzbereit
Do.16.10.03 - Ein knappes Jahr nach der Entscheidung der Nato-Staaten zum Aufbau
einer Eingreiftruppe hat die "Nato Response Force" (NRF) gestern
offiziell den Dienst angetreten. Im niederländischen Brunssum
übergab Nato-Oberbefehlshaber James Jones die NRF-Flagge an den
Kommandeur des Nato-Abschnitts Nordeuropa, den britschen General Jack
Deverell. Der ist zuständig für den weiteren Aufbau, der in
drei Jahren vollendet sein soll.
Die neue Truppe vereint zum ersten Mal Luft-, Land- und
Seestreitkräfte unter einem Kommando. Derzeit stehen 9.000
Soldaten aus 14 Nato-Staaten bereit. Unter ihnen sind 1.100 Deutsche.
Die volle Einsatzstärke soll 2006 mit 20.000 Soldaten erreicht
werden. Zu den Aufgaben gehört das gesamte Spektrum von
Evakuierungen bis hin zu friedenserzwingenden Einsätzen. Die
Truppe kann innerhalb von fünf Tagen mobilisiert werden.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv
Nato-Verteidigungsminister testen globale Einsatzbereitschaft
Do.09.10.03 - Kurzfristige Nato-Kampfeinsätze auf der ganzen Welt haben am
Mittwoch die Debatte der Nato-Verteidigungsminister während ihres
Treffens in den USA bestimmt.
In einem vierstündigen Planspiel testeten die Minister und
Armeechefs der 19 Mitgliedstaaten die Beilegung politischer und
militärischer Differenzen über Kampfeinsätze
außerhalb der historischen Nato-Grenzen. Das Szenario spielte
Teilnehmerkreisen zufolge im Jahr 2007 und hatte mit Terrorismus und
Massenvernichtungswaffen in einem fiktiven Land in der
Mittelmeer-Region oder dem Nahen Osten zu tun. Details der Übung
"Dynamic Response '07" wurden zunächst geheim gehalten...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310090.htm#03100901
Weitere Berichte zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310120.htm#031012_u
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Berlin lehnt Schadenersatz für NATO-Luftangriff in Jugoslawien ab
Do.16.10.03 - Vier Jahre nach einem NATO-Luftangriff in Serbien mit zehn Toten steht
die Bundesrepublik erstmals in ihrer Geschichte wegen einer
Kriegsbeteiligung vor Gericht. In dem am Mittwoch vor dem Landgericht
Bonn begonnenen Prozess fordern 35 Betroffene oder Angehörige der
Toten aus Serbien-Montenegro rund eine Million Euro Schadenersatz,
ursprünglich waren es noch 3,5 Millionen. Vertreter der
Bundesrepublik wiesen die Forderungen zurück.
Am 30. Mai 1999 hatte die NATO in Varvarin zwei Angriffswellen auf eine
Brücke geflogen. Dabei waren zehn Menschen getötet und
mindestens 17 Menschen schwer verletzt worden. Die meisten Opfer gab
es, weil nach dem ersten Beschuss viele Bewohner den Verletzten zu
Hilfe eilten.
Der Prozess gilt als wegweisend, weil umstritten ist, ob Bürger
von Kriegsgegnern Schadensersatz fordern können. "Wir betreten
juristisches Neuland", betonte der Vorsitzende Richter Heinz
Sonnenberger. Bisher habe es nur einen Ausgleich zwischen Staaten
gegeben, nicht aber für einzelne Personen. Doch das jüngste
Urteil des Bundesgerichtshofs zu einem Massaker der Deutschen in
Griechenland während des Zweiten Weltkrieges lasse offen, ob das
auch heute noch so sei.
Nach Ansicht der Kläger war der NATO-Angriff
völkerrechtswidrig. Die Brücke sei militärisch nicht
relevant gewesen. Auch sei in dem 4000-Einwohner-Ort kein Militär
stationiert gewesen. Zudem habe es keine Warnung für die
Zivilbevölkerung gegeben. Deutschland werde verklagt, weil es sich
an NATO-Aktionen während des Kosovo-Krieges beteiligt habe und
damit auch für den Varvarin-Angriff mit verantwortlich sei.
Der Bund wies die Forderungen der Kläger zurück. Individuelle
Ansprüche könnten nicht berücksichtigt werden. Nach den
allgemeinen Grundsätzen des Völkerrechts könnten
Schadensansprüche nur zwischen Staaten eingeklagt werden. Zudem
sei der Einsatz der NATO gerechtfertigt gewesen, weil eine
humanitäre Katastrophe im Kosovo verhindert werden musste. Dass es
dabei auch zivile Opfer gegeben habe, sei sehr bedauerlich. Das Urteil
soll am 10. Dezember fallen.
(Quelle: dpa)
«Der Tod kam Sonntag am Fluss»
...Zoran Milenkovicc ist ein großer, bedächtiger Mann. Der
Bürgermeister spricht mit leiser Stimme für seine Kleinstadt
Varvarin, 180 Kilometer südlich von Belgrad im heutigen
Serbien-Montenegro. Der 30. Mai 1999, sagte er gestern im Saal 19 des
Bonner Landgerichts vor der 1. Großen Zivilkammer, "war ein
wunderschöner Tag", ein Sonntag. Die 4.000 Einwohner feierten das
serbisch-orthodoxe Fest der Heiligen Dreifaltigkeit. Es war der
Todestag seiner 15-jährigen Tochter Sanja.
Um 13 Uhr bombardierte ein Kampfjet der Nato die Brücke über
den Fluss Morava, zwei Raketen schlugen ein. Sanja und zwei ihrer
Freundinnen stürzten zwischen den Trümmern in den Fluss,
mehrere Menschen, auch Sanja, starben. Beim nächsten Angriff kamen
andere zu Tode, die zu helfen und zu retten versuchten. Zoran und Vesna
Milenkovic klagen gegen die Bundesrepublik Deutschland. Sie wollen vom
Nato-Partner Deutschland eine Entschädigung für das Leid der
Opfer, für die 17 Schwerverletzten und die 10 Toten. Sie klagen
zusammen mit 33 weiteren betroffenen Einwohnern und berufen sich dabei
vor allem auf das Zusatzprotokoll I über den Schutz der Opfer von
internationalen bewaffneten Konflikte des Genfer Abkommens, das 1977
ratifiziert wurde. Es verpflichtet die Kriegsparteien dazu, den Schutz
der Zivilbevölkerung zu gewährleisten. Dies sei in Varvarin,
so die Vertreter der Kläger, die Hamburger Rechtsanwältin
Gül Pinar, und ihr Berliner Kollege, Ulrich Dost, nicht geschehen.
Varvarin, im Kosovokrieg weitab von jeder Kampfhandlung und
militärisch völlig unbedeutend, sei ohne Grund und ohne
Vorwarnung angegriffen worden, so die Rechtsanwälte. Deutschland
habe den Luftangriff zwar nicht selbst geflogen, ihn wohl aber mit zu
verantworten, weil es als einer der 19 Nato-Beteiligten das Recht zu
einem Veto gegen den Einsatz gehabt und nicht genutzt habe...
(Aus: Heide Platen - "Der Tod kam Sonntag am Fluss", "tageszeitung" vom
16.10.03)
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/10/16/a0085.nf/text
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Kabinett beschließt Ausweitung des Afghanistan-Einsatzes
Do.16.10.03 - Die Bundesregierung hat die Ausweitung des
Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr über Kabul hinaus
beschlossen. Das Kabinett billigte am Mittwoch die Entsendung von
maximal 450 Soldaten in die nordafghanische Stadt Kundus. Sie sollen
dort zivile Wiederaufbau-Helfer schützen und die staatlichen
Autoritäten stärken. Verteidigungsminister Peter Struck gab
unterdessen seinen Vorschlag auf, Eil-Entscheidungen über
Auslandseinsätze der Bundeswehr einem besonderen Ausschuss des
Bundestages zu übertragen.
Der UN-Sicherheitsrat hatte mit einer Ausweitung des ISAF-Mandats auf
ganz Afghanistan am Dienstag die Voraussetzung für die Entsendung
deutscher Soldaten in den Norden des Landes geschaffen. Der Bundestag
wird in der nächsten Woche darüber entscheiden. Unmittelbar
danach soll ein erstes Vorauskommando mit 70 Soldaten nach Kundus
aufbrechen.
Die Mission gilt als Pilotprojekt. Im Lichte der Erfahrungen werde die
NATO über die Errichtung weiterer ISAF-Inseln im Land entscheiden,
sagte Regierungssprecher Hans-Hermann Langguth. Darüber hinaus
seien begrenzte mobile Einsätze in anderen Regionen zur
Absicherung der im Sommer 2004 vorgesehenen Wahlen möglich.
Die CDU/CSU wollte sich noch nicht auf eine Zustimmung festlegen. Die
Union sei zwar "grundsätzlich offen" für den Einsatz, sagte
Außenexperte Friedbert Pflüger der Nachrichtenagentur AP.
Allerdings müsse die Regierung noch offene Fragen klären. Vor
allem werde befürchtet, dass die Soldaten in den Drogenkrieg in
der Region hineingezogen werden könnten. Die FDP wird laut
Fraktionschef Wolfgang Gerhardt nicht zustimmen, weil die
Bundesregierung ihr Angebot nicht mit der EU abgestimmt habe. Wenn
nicht weitere Wiederaufbauteams an weiteren Standorten in Afghanistan
hinzukämen, bleibe das Vorhaben eine
«Pseudolösung».
Über Auslandseinsätze der Bundeswehr wird auch künftig
das Bundestagsplenum entscheiden. In der SPD-Fraktion sei man der
Meinung, dass ein Eilausschuss nicht das richtige Instrument sei,
erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Minister
Struck sagte in der ARD, ihm seien Entscheidungen «für alle
denkbaren Einsätze» binnen fünf bis sieben Tagen im
normalen Verfahren zugesagt worden. «Das reicht dann auch.»
Struck hatte einen Eilausschuss unter dem Eindruck eines
NATO-Planspiels während der jüngsten Tagung der
Verteidigungsminister des Bündnisses in den USA vorgeschlagen.
(Quelle: ap)
«Wenn man den einen terroristischen Staat durch einen anderen ersetzt -
Von den USA unterstützte Warlords haben das Erbe der Taliban
angetreten»
... Seit von den Amerikanern unterstützte Warlords das Erbe der
Taliban angetreten haben, wissen alle Bürger Afghanistans, was das
bedeutet: zwei Jahre nach dem Beginn der Bombenangriffe die, die
Taliban zu stürzen sollten, ersetzen die USA die frühere
terroristische Regierung durch eine andere, nach ihrem eigenen Muster.
Weniger als ein Jahr vor den geplanten Wahlen in Afghanistan bezichtigt
der UN- Reporter Miloon Kothari von den USA unterstützte Warlords
des Landraubes und der Zerstörung von Häusern...
Mehr bei ZMag/ZNet (06.10.2003) unter:
http://zmag.de/article/article.php?id=859
http://www.zmag.org/content/
showarticle.cfm?SectionID=49&am;ItemID=4309
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Dem Exportweltmeister Deutschland fehlt die Binnennachfrage
Do.16.10.03 - Deutschland kann sich auch offiziell den Titel "Exportweltmeister"
wieder auf die Fahne schreiben. Nach internationalen Statistiken haben
Produkte "Made in Germany" im Welthandel wieder das Angebot des
Wirtschaftsriesen USA übertrumpft. Doch der Rollentausch auf den
ersten beiden Positionen der Welltrangliste - vor Japan - ist weniger
veränderten Warenströmen als Wechselkursverschiebungen
zuzuschreiben.
Innerhalb der vergangenen zwölf Monate hat der Dollar zum Euro
rund 17 Prozent an Wert verloren. Dies schlägt sich entsprechend
in den Außenhandelsstatistiken auf Dollar-Basis nieder.
Berücksichtigt man das viel kleinere Bruttoinlandsprodukt ist die
Exportnation Deutschland - selbst ohne Wechselkurseffekt - auch in den
vergangenen beiden Jahren schon «heimlicher Rekordhalter»
gewesen.
Trotz der Schwäche des Welthandels kann die Bundesrepublik mit
einem bescheidenen Anstieg der Ausfuhren von ein bis zwei Prozent auch
2003 einen neuen Exportrekord verbuchen. Doch die seit drei Jahren
anhaltende Stagnation ist kaum über noch höhere Ausfuhren zu
überwinden. In der Autoindustrie werden schon 70 Prozent der hier
zu Lande produzierten Modelle im Ausland verkauft.
Im Maschinenbau - dem unbestrittenen Champion der Weltliga - liegt die
Exportquote ebenfalls schon über 60 Prozent. Für den
volkswirtschaftlichen Schub ist allerdings der Saldo aus Export und
Import von Waren und Dienstleistungen (Außenbeitrag)
entscheidend. Da die Einfuhren aber schon 2002 stärker stiegen als
die Ausfuhren, ist von dieser Seite für den ersehnten Aufschwung
nur wenig zu erwarten.
Die entscheidende Schwachstelle der deutschen Konjunktur ist nach wie
vor die schwache Binnennachfrage. Doch auch hier deutet sich eine
Aufhellung an. Nach einer am Dienstag von der Dresdner/Allianz-Gruppe
vorgelegten Prognose wird die Bundesrepublik 2004 mit einem realen
Wachstum von 2,0 (2003: 0,2) Prozent wieder in das europäische
Mittelfeld rücken und das Schlusslicht an die Niederlande
abgegeben.
Dabei sieht Chefvolkswirt Michael Heise die Hauptstütze im
privaten Konsum. 2003 hätten steigende Arbeitslosigkeit,
höhere Abgaben für die Renten und Krankenversicherung die
Lohneinkommen um rund fünf Milliarden Euro belastet. Entsprechend
seien die Nettolöhne und -gehälter um knapp ein Prozent
gesunken. 2004 sei dagegen durch das Vorziehen der Steuerreform sowie
sinkende Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung mit einer
Entlastung der Lohneinkommen um 17 Milliarden Euro zu rechnen.
Insgesamt rechnen die Dresdner/Allianz-Volkswirte 2004 mit einer
Steigerung der verfügbaren Einkommen um drei Prozent. Selbst bei
einem weiteren Anstieg der Sparquote sei von einer realen Zunahme des
privaten Verbrauchs von 2,0 (2003: 0,9) Prozent auszugehen.
Voraussetzung für eine binnenwirtschaftliche Belebung ist für
Heise allerdings das Vorziehen der Steuerreform und die Verabschiedung
der Agenda 2010. "Ohne Reform droht die Stagnation", mahnte er.
Auch der Bedarf an Ersatzinvestitionen - auf Grund der geringen
Investitionstätigkeit in den zurückliegenden Quartalen - wird
relativ hoch eingeschätzt. Unterstützt von niedrigen Zinsen
und der Aufhellung am Aktienmarkt könnte 2004 sogar ein
Investitionsschub von mehr als sechs (2003: 1,0) Prozent ausgelöst
werden. Das günstige Konjunkturbild setzt allerdings voraus, dass
es nicht zu einer dramatischen Abwertung der US-Währung kommt.
Euro-Kurse um 1,40 Dollar würde zwar die "Weltmeister-Statistik"
zusätzlich schönen, die Exportperspektiven allerdings
nachhaltig eintrüben.
(Quelle: dpa)
Mehr zum Thema unter:
http://www.ftd.de/cgi-bin/gx.cgi/AppLogic+FTContentServer?
pagename=PrintArticlePage&artid=1066030065483
http://www.jungewelt.de/2003/10-15/011.php
Tarifautonomie
Drohender Konflikt zwischen Regierung und Gewerkschaften: Kanzler will Veränderungen bei der Tarifautonomie
+++ IG-Metall-Chef ruft zu Protesten
auf +++ Schröder verteidigt Arbeitsmarktreformen auf
IG-Metall-Kongress
Do.16.10.03 - Zwischen der Bundesregierung und den Gewerkschaften bahnt sich ein
Konflikt um die künftige Ausgestaltung der Tarifautonomie an.
Bundeskanzler Gerhard Schröder bekannte sich am Mittwoch auf dem
IG-Metall-Gewerkschaftstag in Hannover zwar grundsätzlich zur
Tarifautonomie, forderte zugleich aber Änderungen. IG-Metall-Chef
Jürgen Peters rief zu Protesten auf. Laut DGB-Chef Michael Sommer
wird die Verteidigung der Tarifautonomie "das große Thema in
diesem Herbst" sein.
Schröder sagte vor den rund 600 Delegierten, das freie Aushandeln
von Tarifbedingungen habe sich gelohnt, das zeige der Blick in die
Geschichte. Dennoch sprach er sich dafür aus, dass Gewerkschaften
und Arbeitgeber in alleiniger Verantwortung das Verhältnis
"zwischen zentraler Verhandlungsmacht und betrieblichen
Möglichkeiten" neu bestimmen sollten.
Die IG Metall warnte die Bundesregierung in einer am Mittwoch
veröffentlichten Erklärung davor, "die Tarifautonomie nicht
zum Element parteipolitischer Taktik verkommen zu lassen". In der
IG-Metall-Erklärung heißt es: "Wer die Tarifautonomie
angreift, rüttelt an einer Säule der sozialen Demokratie".
Laut einem Vorstandsantrag fürchtet die Gewerkschaft, dass die
Bundesregierung wegen der Mehrheit der Union im Bundesrat zur
Durchsetzung ihrer Vorhaben bereit sei, "die Tarifautonomie zu opfern".
IG-Metall-Chef Peters lobte erste Proteste in
baden-württembergischen Betrieben als nachahmenswert und forderte
zu weiteren, auch größeren Aktionen auf. Künftig
würden diese gebündelt. "Wir lassen an unseren
Tarifverträgen nicht rütteln", sagte Peters. Auch Sommer
warnte eindringlich vor Angriffen auf das grundgesetzlich garantierte,
ausschließliche Recht der Gewerkschaften, mit den Arbeitgebern
Tarifverhandlungen zu führen.
Unter Pfiffen und erbosten Zwischenrufen verteidigte Schröder die
Arbeitsmarktreformen, die am Freitag im Bundestag zur Abstimmung
stehen. Zusammen mit der Gesundheits- und der anstehenden Rentenreform
seien sie angesichts sinkender Wachstumsraten, einer sich
verändernden Altersstruktur und stetig steigender
Sozialversicherungsbeträge nötig. "Das ist nicht
unsolidarisch, das ist notwendig und deshalb werden wir es machen",
sagte der SPD-Vorsitzende. DGB-Chef Michael Sommer hatte die
Reformpläne, auch die der Union, sowie den Umgang mit Kritikern
zuvor scharf kritisiert.
Auch der Streit um die von den Gewerkschaften geforderte
Ausbildungsabgabe hielt an. Schröder drohte zwar erneut
Maßnahmen an. "Wir müssen dafür Sorgen, dass Betriebe
ihrer Ausbildungspflicht nachkommen", sagte der Kanzler. Die
Forderungen dürften sich aber nicht erschöpfen in der
Forderung nach dieser oder jener Abgabe, sagte der Kanzler.
Sommer und Peters hatten die Bundesregierung auf dem Gewerkschaftstag
zum Kampf gegen den Lehrstellenmangel aufgerufen. IG-Metall-Chef Peters
nannte es "unerträglich", dass auch in diesem Jahr die Zahl der
Ausbildungsplätze nicht reiche. Bloße Appelle an die
Unternehmen reichten nicht aus. DGB-Chef Sommer forderte Schröder
auf, Wort zu halten, und eine Ausbildungsumlage auf den Weg zu bringen.
Die Gewerkschaften würden sich mit der derzeitigen Situation nicht
abfinden, sagte er unter dem Beifall der Delegierten.
IG-Metall Gewerkschaftstag:
(Quelle: ap)
http://www.igmetall.de/gewerkschaftstag/2003/
Union fordert Änderungen an Arbeitsmarktreformen
Do.16.10.03 - Die Union fordert deutliche Änderungen an den
Arbeitsmarktplänen der Regierung als Voraussetzung für eine
Einigung im Vermittlungsausschuss.
Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sagte der
Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch in Wiesbaden, mit den
Zugeständnissen an die SPD-Linke habe sich die Regierung von der
Union entfernt. "Das ist ein Schritt in die falsche Richtung.
Überall dort, wo das Gesetz Klarheit schaffen sollte, ist nun die
alte Unklarheit wieder hergestellt."
Die von der SPD-Linken durchgesetzten Veränderungen an der
Hartz-Reform würden den Vermittlungsausschuss zwischen Bundestag
und Bundesrat nicht überstehen. Der Arbeitsmarktexperte der
Unions-Bundestagsfraktion, Karl-Josef Laumann (CDU), äußerte
sich skeptisch zu den Einigungschancen mit der Regierung.
Koch sagte, wichtig seien eine stärkere Verantwortung der Kommunen
im Umgang mit den Arbeitslosen und ein neues Gesetz für den
Niedriglohnsektor. Die Union lehnt die Pläne der Regierung ab,
dass die Bundesanstalt für Arbeit für die künftigen
Empfänger des Arbeitslosengeldes II zuständig sein soll.
CDU-Chefin Angela Merkel und der Thüringens Ministerpräsident
Dieter Althaus (CDU) erklärten, sie strebten im
Vermittlungsausschuss einen Kompromiss an. Dieser müsse aber die
Vorstellungen der Union berücksichtigen.
Nach langwieriger Debatte hatte die SPD-Bundestagsfraktion am Dienstag
geschlossen den Plänen für eine Arbeitsmarkt-Reform
zugestimmt, die kurz zuvor auf Druck der Partei-Linken noch einmal
geändert worden waren. Damit gilt eine rot-grüne Mehrheit
für das Vorhaben am Freitag im Bundestag als gesichert.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat seine politische Zukunft
von der Zustimmung der Koalition zu den Plänen abhängig
gemacht. Gewerkschaften und Sozialverbände kritisierten die Reform
scharf.
Die Union kündigte an, sie werde die Änderungen im Bundesrat
wieder kippen. "Die Veränderungen, die ... von der SPD beschlossen
worden sind, machen die Unterschiede zwischen der klassischen
Sozialhilfe und der Arbeitslosenhilfe wieder größer", sagte
Koch. Laumann kritisierte vor allem die nachträglich gelockerten
Zumutbarkeitsregeln bei der Aufnahme neuer Arbeit. Damit falle man noch
hinter das geltende Recht zurück, sagte er. Die SPD habe in der
Sitzung des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Arbeit
deutlich gemacht, dass sie keinen Niedriglohnbereich wolle. "Wir sind
von einer Einigung, vor allem in diesem Punkt, weiter entfernt als je
zuvor", sagte Laumann mit Blick auf die anstehenden Verhandlungen im
Vermittlungsausschuss.
Auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff
(CDU) beharrte auf der Unions-Position zur Arbeitsmarkt-Reform. "Da
muss sich die Bundesregierung auf uns zu bewegen", sagte Wulff. "Es
reicht nicht, den Druck auf Arbeitslose zu verstärken, sondern es
müssen auch die Chancen erhöht werden, tatsächlich
Arbeit zu finden, damit in Deutschland wieder Wachstum entsteht."
Thüringens Regierungschef Dieter Althaus (CDU) sagte im ZDF: "Wenn
wir uns bemühen, kommen wir im Vermittlungsausschuss zu
Lösungen. Das heißt für beide Seiten, aufeinander
zugehen".
SPD-Fraktionschef Franz Müntefering appellierte an die Union,
jetzt nicht klein kariert zu taktieren. Es gebe natürlich in der
Politik faule Kompromisse, sagte Müntefering im ZDF. "Es gibt aber
auch faule Kompromissunfähigkeit. Wir wissen, dass man sich
bewegen muss".
(Quelle: rtr)
Rund 10.000 Menschen demonstrieren gegen Sozialkürzungen in Hessen
Do.16.10.03 - Rund 10.000 Menschen haben am Mittwoch gegen die geplanten
Kürzungen der hessischen Landesregierung im Sozialbereich
demonstriert. "Wir werden nicht tatenlos zusehen, wenn die sozialen
Hilfesysteme für ein menschenwürdiges Leben in Hessen
demontiert werden", sagte der Landesvorsitzende des Diakonischen Werks,
Wolfgang Gern, auf einer Kundgebung in Wiesbaden. Hessens
Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) lehnte Abstriche an
den Kürzungen in Höhe von 30,1 Millionen Euro ab.
"Hessen konnte bisher stolz sein auf sein soziales Hilfesystem", sagte
Gern: "Obdachlosen wurden menschenwürdige Wohnungen zur
Verfügung gestellt." In der Betreuung psychisch kranker Menschen
sowie Drogenabhängiger, in der Beratung von Familien und
Ausländern sei Hessen Vorbild für andere Bundesländer:
"Wir wollen, dass das so bleibt."
Die Demonstranten waren mit Zügen und Bussen aus ganz Hessen
angereist. Der Veranstalter, ein Bündnis aus DGB, Caritas,
Diakonie sowie zahlreichen sozialen Verbänden und Initiativen,
hatte rund 3.000 Teilnehmer erwartet. Die Demonstranten trugen
Transparente, auf denen unter anderem zu lesen war "Koch-Kurs: Nein
Danke", "Wir zeigen Roland Koch die rote Karte" und "Erst verkohlt,
jetzt gekocht - nicht mit uns!"
Die Sozialverbände kritisieren, dass durch die Streichung von
Zuschüssen vor allem die Schwächsten der Gesellschaft
getroffen würden. So stünden landesweit acht
Frauenhäuser vor dem Aus. Beratungsstellen für
überschuldete Familien, Werkstätten für benachteiligte
Jugendliche und Projekte für die berufliche Förderung von
Frauen stünden vor dem Aus.
Die umstrittenen Kürzungspläne waren bereits am
Mittwochvormittag im Landtag debattiert worden. "Das sind sehr
schmerzliche Einschnitte", sagte Sozialministerin Silke
Lautenschläger (CDU) am Mittwoch im Wiesbadener Landtag. Die
Streichung von 30,1 Millionen Euro bei den freiwilligen sozialen
Leistungen sei jedoch nicht zu vermeiden.
Die Landesregierung dürfe angesichts der schwierigen Haushaltslage
"keine ungedeckten Schecks auf die Zukunft" ausstellen, sagte
Lautenschläger. Auf Feldern wie der Drogen- und Erziehungsberatung
könne verstärkte Kooperation zwischen Einrichtungen dahin
führen, dass ein flächendeckendes Netz erhalten bleibe.
Bestimmte Schwerpunkte wie die Altenpflegeschulen, die Förderung
von Arbeitslosen, die Kinderbetreuung oder die
Behindertenförderung seien bei den Kürzungen ohnehin
ausgenommen.
Die Landesvorsitzende der hessischen Grünen, Evelin
Schönhut-Keil, warf der Landesregierung einen "sozialpolitischen
Amoklauf" vor: "Der soziale Friede wird aufs Spiel gesetzt." Die
hessische SPD-Chefin Andrea Ypsilanti warf der Regierung von
Ministerpräsident Roland Koch vor, in den letzten vier Jahren das
Geld mit vollen Händen zum Fenster hinaus geworfen zu haben. Jetzt
werde es "auf dem Rücken der Allerschwächsten" eingespart.
Das Sparpaket der Regierung von Ministerpräsident Koch, das
insgesamt mehr als eine Milliarde Euro umfasst, werde landesweit 15.000
Arbeitsplätze vernichten.
(Quelle: ap)
«Deutschland sucht die ärmste Sau»
"Mit den neuen Sozialgesetzen schrumpft die Sicherung auch der
Mittelschicht-Milieus", schreibt die "tageszeitung" in ihrer heutigen
Ausgabe (16.10.03). Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/10/16/a0159.nf/text
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Bis zu zehn Versicherungsunternehmen droht offenbar Insolvenz +++
SPD-Fraktion verabschiedet Hilfspaket
Do.16.10.03 - Die Krise der deutschen Lebensversicherer ist gravierender als bislang
bekannt: Bis zu zehn Unternehmen stehen nach Angaben aus
Regierungskreisen vor der Insolvenz, falls die Steuergesetze für
Versicherungen nicht geändert werden. Die SPD-Fraktion
verabschiedete deshalb am Mittwochabend auf einer Sondersitzung ein
Hilfspaket, von dem sich die Versicherungsunternehmen fünf
Milliarden Euro Entlastung versprechen. Am Tag zuvor hatten die
Abgeordneten eine Entscheidung nach einer turbulenten Debatte vertagt.
Mehrere Abgeordnete kritisierten in der SPD-Fraktionssitzung am
Dienstag, dass die Versicherungen um fünf Milliarden Euro
entlastet würden, während Sozialministerin Ulla Schmidt in
der Rentenkasse zwei Millionen Euor einsparen müsse.
Finanzminister Eichel will den Lebens- und Krankenversicherern
rückwirkend zum 1.Januar wieder erlauben, Verluste aus dem Verkauf
von Aktienbeteiligungen von der Steuer abzusetzen. Im Gegenzug
würde auch die Steuerfreiheit für Kusgewinne wieder fallen.
Die Änderungen im Unternehmensrecht sollen nun am Freitag vom
Bundestag verabschiedet werden.
(Quelle: sz)
Hintergrund:
Das Problem von Versicherungsfirmen wie der Allianz oder der
Münchner Rück ist Folgendes: Durch Eichels Reform der
Unternehmensteuern aus dem Jahr 2000 unterliegen Aktiengeschäfte,
Aktiendividenden und Abschreibungen auf Aktienwerte bei
Kapitalgesellschaften nicht mehr der Steuer.
Während die Münchner Rück in guten Zeiten Gewinne aus
Aktiengeschäften nicht mehr zu versteuern braucht, kann sie
gegenwärtig ihre Verluste nicht von der Steuerschuld abziehen. Die
Verluste aus dem Börsencrash stehen in den Handelsbilanzen der
Unternehmen, aber der Staat ignoriert diese roten Zahlen bei der
Berechnung der Steuer.
Der Versicherungsverband argumentiert deshalb, die gegenwärtige
Regelung, die die Firmen 2000 selber haben wollten, schmälere das
Eigenkapital in gefährlicher Weise. Nachdem die Mannheimer
Lebensversicherung bereits pleite ist, befürchtet das
Finanzministerium weitere Zusammenbrüche mit schwerwiegenden
Folgen für die gesamte Volkswirtschaft. (tageszeitung vom 16.10.03)
http://www.taz.de/pt/2003/10/16/a0133.nf/text
Blick ins Archiv
Bundesregierung will Versicherer entlasten +++ Neuregelung würde
Ergebnisse der Versicherer in diesem Jahr schlagartig verbessern +++
Experten: Steuerentlastung für 2003 von fünf bis zehn
Milliarden
Mo.13.10.03 - Die Bundesregierung plant einem Zeitungsbericht zufolge auf Druck der
Versicherungswirtschaft eine Änderung des Steuerrechts, um eine
milliardenschwere Sonderbelastung der Lebens- und Krankenversicherer zu
beseitigen.
Rückwirkend zum 1. Januar 2003 wolle die Bundesregierung für
Unternehmen das Halbeinkünfteverfahren aufheben, berichtete die
"Financial Times Deutschland" (FTD) am Montag. Die Neuregelung
würde die Ergebnisse der Versicherer in diesem Jahr schlagartig
verbessern. Experten erwarteten für 2003 eine Steuerentlastung der
Versicherer von fünf bis zehn Milliarden Euro...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310130.htm#03101308
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Kabinett verabschiedet Telekom-Gesetzesnovelle
Do.16.10.03 - Das Bundeskabinett hat den Weg frei gemacht für eine Neufassung
des Telekommunikationsgesetzes. Die mit der weithin marktbeherrschenden
Deutschen Telekom konkurrierenden Wettbewerber erneuerten ihre Kritik
an der Novelle, die der Harmonisierung europäischen Rechts dient.
Das Kabinett stimmte am Mittwoch dem Gesetzentwurf des
Wirtschaftsministeriums zu, mit dem das deutsche Recht den
europäischen Richtlinien angepasst werden soll. Ziel der
EU-Richtlinien und damit des neuen Gesetzes ist es, für mehr
Wettbewerb in der Branche zu sorgen. Wegen mehrmonatiger
Verzögerungen im Gesetzgebungsverfahren hatte die EU-Kommission
gegen Deutschland und weitere EU-Staaten ein Verfahren eingeleitet. Die
parlamentarischen Beratungen der Novelle werden frühestens im
kommenden Jahr beginnen.
Sowohl bei der Telekom und als auch bei ihren Konkurrenten
stößt die Novelle des 1998 zur Öffnung des deutschen
Telekom-Marktes in Kraft getretenen Gesetzes auf Kritik. Die neuen
Anbieter sehen die Balance am Markt zu Gunsten des Marktführers
verschoben. Die Telekom befürchtet Einschränkungen ihrer
unternehmerischen Freiheit.
Mit der Gesetzesnovelle soll der bislang noch weithin regulierte
Telekommunikationsmarkt langfristig in das europäische
Wettbewerbsrecht überführt werden. "Zugleich sollen durch das
Gesetz alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, unnötige
Regulierung zu vermeiden", heißt es im Gesetzentwurf.
Verwaltungsverfahren sollen effizienter und Gerichtsverfahren gegen
Entscheidungen der als Marktaufsicht agierenden
Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post
verkürzt werden.
(Quelle: rtr)
Das Bundeskabinett hat gestern den Regierungsentwurf
für ein neues Telekommunikationsgesetz (TKG) verabschiedet..
Er soll ein Richtlinienpaket der EU-Kommission umsetzen. Dabei mussten
auch die Regelungen für die Überwachung von
Telekommunikationsanlagen überarbeitet werden. Im Vergleich zu dem
im April 2003 präsentierten Entwurf gibt es einige bemerkenswerte
Veränderungen:
Der Kreis derjenigen, die Überwachungseinrichtungen vorhalten
müssen, bleibt nun doch unverändert. Damit sind auch
Anbieter, die nicht-öffentliche Telekommunikationsdienste wie
Firmennetze anbieten, betroffen. Allein die Anbieter öffentlicher
Telekommunikationsdienste nehmen jedoch am automatisierten
Auskunftsverfahren teil, bei dem die Abhörer selbst auf die Daten
zugreifen können. Zu diesem Verfahren wird es eine ergänzende
Verordnung und Technische Richtlinie samt Schnittstellenbeschreibung
geben.
Alle Betreiber müssen Rufnummer, Name, Anschrift, Geburtsdatum,
Anschlusslage und Vertragsbeginn sowie gegebenenfalls auch das
Vertragsende speichern. Dies gilt auch dann, wenn sie die
Dienstleistung über Vertriebspartner vermarkten. Nur Betreiber
nicht-öffentlicher TK-Dienste dürfen diese Daten so
speichern, wie sie möchten. Alle Betreiber müssen auch die
Aufstellung von Überwachungsgeräten für die strategische
Fernmeldeüberwachung dulden und auch BND-Bediensteten sowie der
Kontrollkommission des Bundestags jederzeit Zugang erlauben.
Offenbar dauerte es in der Vergangenheit oft mehrere Wochen, bis die
Betreiber diese Bestandsdaten auf Anfrage herausgaben. Die
Bundesregierung hat deshalb eine Art Qualitätsoffensive ins Gesetz
verankert: So werden Bußgelder verhängt, wenn die Betreiber
Auskünfte über Bestandsdaten nicht "unverzüglich"
erteilen. Außerdem müssen die Betreiber spätestens nach
einem Monat nach Inbetriebnahme der Überwachungsschnittstelle die
technischen Unterlagen bei der Regulierungsbehörde einreichen. Sie
vereinbart dann einen Termin für den praktischen Nachweis, dass
die Anlage auch tatsächlich funktioniert.
Bislang konnten Gerichte, Strafverfolgungsbehörden sowie Polizei,
Zoll, Verfassungsschutz, Militärischer Abschirmdienst (MAD) und
Bundesnachrichtendienst (BND) den auf Kosten der Betreiber
installierten Abfrageservice nutzen. Neu ist, dass nun auch
Notrufabfragestellen die automatische Abfrage nutzen dürfen. Ziel
ist es, die wohl weit verbreitete missbräuchliche Verwendung des
Notrufs durch eine Rückverfolgung des Anrufers einzudämmen.
Auch das Bundesamt für Finanzen darf wohl im Kampf gegen
Steuersünder die Daten abfragen. Aber auch so genannte
"Schwarzarbeit-Fahnder" der Ordnungsämter, Arbeitsämter und
Zoll dürfen sich künftig sich an die Schnittstelle klemmen.
Entsprechende Anfragen werden sicherlich steigen: Im nächsten Jahr
soll allein die Zahl der Schwarzarbeit-Fahnder des Zolls von 2.000 auf
5.000 wachsen.
Die Datenabfrage soll wesentlich erleichtert werden, indem Abfrager
"Jokerzeichen" verwenden können sollen. "Ähnlichenfunktionen"
sollen auch dann Ergebnisse generieren, wenn eine erste Abfrage keine
Treffer bringt. Allerdings sollen nicht alle berechtigten Stellen die
"ganze Palette der Abfragemöglichkeiten" benutzen dürfen,
sagte Jürgen Ullrich vom Bundesministerium für Wirtschaft und
Technik auf dem Datenschutzsymposium des Bundesdatenschutzbeauftragten
vergangene Woche in Bonn. Eine eigene Verordnungsermächtigung wird
regeln, wie das technische Übermittlungsverfahren entsprechend
aussehen soll. Diese liegt aber noch nicht einmal im Entwurf vor und
wird noch, so Ullrich, sicherlich für einige Diskussionen sorgen.
Die Überwachungsstatistik wird nun doch für eine gewisse Zeit
beibehalten werden. Ursprünglich sah der Entwurf ihre Abschaffung
vor - mit dem Verweis auf eine "Arbeitserleichterung" für die
Betreiber. Langfristig sollen die Landesjustizverewaltungen
aussagekräftigere Statistiken liefern, als sie es für die
Länder und die TK-Unternehmen für die Bundesebene es heute
tun. Die Statistiken sind die Grundlage für jede kritische
Evaluierung der Überwachungspraxis in Deutschland.
Quelle: heise-online (16.10.03):
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/te/15869/1.html
Die Zahl der Telefonüberwachungen hat sich im Zeitraum von 1996
bis 2001 um 80 % erhöht
Auf der Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der
Länder Ende September 2003 in Leipzig hatten die
Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder eine
Entschließung verfasst, in der sie ihrerseits dringend
"Konsequenzen aus einer Untersuchung des Max-Planck-Instituts über
Rechtswirklichkeit und Effizienz der Überwachung der
Telekommunikation" fordern.
Das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales
Strafrecht in Freiburg hatte dieses Jahr sein im Auftrag des
Bundesministeriums der Justiz erstelltes Gutachten vorgelegt und darin
festgestellt, dass
- die Zahl der Ermittlungsverfahren, in denen TKÜ-Anordnungen
erfolgten, sich im Zeitraum von 1996 bis 2001 um 80 % erhöht
(1996: 2149; 2001; 3868) hat,
-die Gesamtzahl der TKÜ-Anordnungen pro Jahr im Zeitraum von 1990
bis 2000 von 2.494 um das Sechsfache auf 15.741 gestiegen ist,
- sich die Zahl der jährlich davon Betroffenen im Zeitraum von
1994 bis 2001 von 3.730 auf 9.122 fast verdreifacht hat,
- in 21 % der Anordnungen zwischen 1.000 und 5.000 Gespräche, in 8
% der Anordnungen mehr als 5.000 Gespräche abgehört worden
sind,
- der Anteil der staatsanwaltschaftlichen Eilanordnungen im Zeitraum
von 1992 bis 1999 von ca. 2 % auf ca. 14 % angestiegen ist,
- die Beschlüsse in ca. 3/4 aller Fälle das gesetzliche
Maximum von 3 Monaten umfassen, 3/4 aller Maßnahmen
tatsächlich aber nur bis zu 2 Monaten andauern,
- lediglich 24 % der Beschlüsse substanziell begründet werden,
-es nur in 17 % der Fälle Ermittlungserfolge gegeben hat, die sich
direkt auf den die Telefonüberwachung begründenden Verdacht
bezogen,
-73 % der betroffenen Anschlussinhaberlinnen und -inhaber nicht
über die Maßnahme unterrichtet wurden.
(Quelle: heise-online)
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/te/15854/1.html
Webcams überwachen Schulunterricht
In der Biloxi Public School in Mississippi wird seit rund zwei Monaten
der Unterricht komplett von Webcams überwacht. Schuldirektor Cecil
Powell ist bisher von dem System "begeistert"...
Mehr bei futurezone(15.10.03) unter:
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=193669&tmp=32522
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