Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertundzwölften Tag nach Kriegsbeginn
USA setzen sich mit neuer Irak-Resolution durch: UN-Sicherheitsrat
nimmt US-Resolutionsentwurf für Irak einstimmig an.
Multinationaler Truppe unter US-Kommando das Mandat erteilt.
Verabschiedete Resolution enthält noch keinen konkreten Zeitpunkt
für Rückgabe der Macht an Iraker. Weltgemeinschaft wird
zu finanziellen Unterstützung Iraks aufgerufen +++
US-Präsident Bush dankt UNO +++ Kriegsgegner Deutschland,
Frankreich und Russland lehnen militärische oder zusätzliche
Finanzhilfen für Irak ab +++ Schlappe für Bushs Irak-Politik
im Kongress +++ Umfrage zeigt große Unzufriedenheit der
US-Soldaten im Irak
Fr.17.10.03 - Nach wochenlangem Tauziehen haben sich die USA mit ihrer neuen
Irak-Resolution durchgesetzt. Die 15 Mitglieder des Welt-Sicherheitsrat
nahmen den US-Resolutionsentwurf für Irak einstimmig am Donnerstag
an. Damit wird einer multinationalen Truppe unter US-Kommando das
Mandat der UN erteilt und die internationale Gemeinschaft zugleich zur
finanziellen Unterstützung beim Wiederaufbau des zerstörten
Landes aufgerufen.
Die von den einstmals erklärten Kriegsgegnern Frankreich,
Russland, Deutschland und China wochenlang vertretenen
Mindestforderungen an eine neue Resolution fielen mit dem Votum des
Sicherheitsrates unter den Tisch: Weder ist ein verbindlicher Zeitplan
für die Übergabe dem Macht an die Iraker sowie für die
Ausarbeitung einer Verfassung und die Durchführung von Wahlen
vorgesehen, noch soll die UNO eine relevante Rolle im Nachkriegs-Irak
spielen. Allerdings kritisierten Frankreich, Deutschland und Russland,
dass die Resolution in zwei Punkten ihre Erwartungen nicht
erfülle. Deshalb sei man nicht bereit, militärische oder
zusätzliche finanzielle Hilfe zu leisten.
Die verabschiedete Irak-Resolution enthält noch keinen konkreten
Zeitpunkt für eine Rückgabe der Macht an die Iraker. Andere
Änderungen wurden dagegen eingebaut. Durch die Resolution wird der
Weg frei für eine multinationale Truppe unter dem Kommando der
USA.
Der Resolution zufolge soll der von den USA eingesetzte irakische
Regierungsrat nun bis zum 15. Dezember einen Zeitplan dafür
vorlegen, wann die Macht in dem Golfstaat wieder voll in irakische
Hände übergeht. Deutschland, Frankreich und Russland - drei
der schärfsten Kritiker des Irak-Kriegs - hatten ursprünglich
einen möglichst konkreten Zeitpunkt für die Rückgabe der
Macht und eine größere Rolle für die Vereinten Nationen
(UNO) festschreiben wollen.
Nachdem der Entwurf seit August fünf Mal umgeschrieben
wurde, zeigten sich die USA in den vergangenen Tagen nicht mehr zu
größeren Zugeständnissen bereit. US-Präsident
George W. Bush steht wegen der beinahe täglichen Angriffe auf
US-Soldaten und der hohen Kosten des Kriegs innenpolitisch unter Druck,
die Unterstützung anderer Staaten für den Wiederaufbau des
Iraks zu gewinnen.
Deutschlands UNO-Botschafter Gunter Pleuger sagte dem Sicherheitsrat:
"Wir vermissen das klare Signal, dass die Übergabe der
Souveränität an die Iraker beschleunigt werden wird." Zudem
hätte die Rolle UNO weiter gestärkt werden können.
"Dieser Entwurf geht mit Sicherheit nicht so weit, wie wir es es uns
gewünscht hätten", sagte auch Frankreichs Botschafter
Jean-Marc de la Sabliere. Der russische UNO-Botschafter Sergej Lawrow
sagte, nach den letzten Änderungen seien etwa 99 Prozent der
Wünsche Russlands erfüllt worden.
US-Außenminister Colin Powell sagte, die Resolution werde
vermutlich nicht zu mehr Truppen führen. Er äußerte
jedoch die Hoffnung, dass sich nun weitere Staaten an dem Wiederaufbau
beteiligen würden.
Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte vor der Abstimmung in einer
Telefonkonferenz mit Russlands Präsident Wladimir Putin und
Frankreichs Präsident Jacques Chirac das gemeinsame Ja abgestimmt.
Die Resolution sei aber "keine angemessene Reaktion auf die Lage im
Irak", sagte Schröder. Die drei Länder sähen sich
deshalb nicht in der Lage, militärisch oder finanziell weitere
Unterstützung zu leisten. Aus Berlin hieß es ergänzend,
letzte Zugeständnisse hätten die USA noch in der Nacht vor
der zuvor verschobenen Abstimmung gemacht. Allerdings seien einige
davon durch Formulierungen wie "wenn die Umstände es erlauben"
oder "wie es angemessen ist" abgeschwächt worden.
Zu bemängeln sei an der Resolution, dass sie keinen klaren
Zeitplan vorgebe, dass sie die "Irakisierung" nicht beschleunige und
dass die Vorgaben auf dem Weg dahin nicht klar genug seien, hieß
es aus Berlin. "Wir erwarten, dass das nicht die letzte Resolution in
diesem Zusammenhang ist." Eine Leitlinie in der Abstimmung zwischen
Deutschland, Russland und Frankreich sei es gewesen, die
transatlantischen Beziehungen nicht zu belasten.
EU-Diplomaten in Brüssel werteten die Haltung Deutschlands,
Frankreichs und Russlands als Versuch, ihre Zustimmung mit Kritik an
den USA zu verbinden. "Wir hätten sagen können, dass die
Amerikaner in der alten Logik gefangen seien und dass die Resolution
die Probleme im Irak nicht löst. Aber weil wir uns verantwortlich
verhalten wollten und die Sache nach vorne bringen, haben wir uns
entschieden, mit 'Ja' zu stimmen", sagte ein Diplomat. "Wir haben
erreicht, was zu erreichen war."
US-Präsident George W. Bush hat derweil den Vereinten Nationen
für die Verabschiedung der von den USA eingebrachten
Irak-Resolution gedankt. Das einstimmige Votum des UN-Sicherheitsrates
werde dazu beitragen, dass Irak ein "friedliches und freies" Land
werde, sagte Bush am Donnerstag im kalifornischen San Bernardino.
Bush hat am Donnerstag im Kongress mit seiner Irak-Politik eine
Niederlage erlitten. Der von Bushs eigenen Republikanern beherrschte
Senat stimmte gegen den Willen des Präsidenten dafür, die
Hälfte der für den Wiederaufbau Iraks beantragten Gelder im
Umfang von 20,3 Milliarden Dollar nur als Kredit zu gewähren. Die
Entscheidung für den parteiübergreifenden Vorschlag fiel mit
51 gegen 47 Stimmen.
Bush selbst, Vizepräsident Richard Cheney und andere führende
Regierungsmitglieder hatten in den letzten Tagen bei den Senatoren
für die Position der Regierung geworben. Nach Darstellung der
Regierung würden Kredite die Schuldenlast Iraks verschärfen,
den Wiederaufbau verzögern und den Gegnern der USA einen
Propagandasieg bescheren.
Einer der Befürworter des Kredit-Vorschlags, der republikanische
Senator Lindsey Graham, sagte dagegen mit Blick auf die Wähler in
seinem Wahlkreis: "Es ist für mich sehr schwer, den Leuten zu
Hause zu erklären, dass wir einem Land 20 Milliarden Dollar geben
sollen, das auf Öl im Wert von einer Billion Dollar sitzt."
Im Repräsentantenhaus konnte sich Bush dagegen mit seiner Linie
durchsetzen. Zwei Stunden vor der Entscheidung im Senat lehnte die
Abgeordnetenkammer mit 226 gegen 200 Stimmen den Kredit-Vorschlag ab.
Beide Parlamentskammern müssen nun im Vermittlungsausschuss einen
gemeinsamen Vorschlag erarbeiten.
Die Moral der amerikanischen Truppen im Irak ist nach einer neuen
Umfrage schlecht. 49 Prozent der befragten Soldaten beschrieben die
Moral ihrer Einheit als schlecht und nur 16 Prozent als gut. Ein
Drittel der Befragten erklärte, der Einsatz im Irak mache keinen
Sinn. Wie die "Washington Post" berichtet, beruhte die Umfrage auf
einem Fragebogen, der im Auftrag der amerikanischen Armee-Zeitschrift
"Stars and Stripes" verteilt wurde.
(Quellen: rtr, afp, dpa, ap, taz)
Afghanistan-Krieg und Irak-Besatzung haben al-Qaida gestärkt
Fr.17.10.03 - ..Der Krieg gegen den Terrorismus und der Irak-Krieg haben die
Rüstungsausgaben in die Höhe getrieben. Nach dem
militärischen "Sieg" in Afghanistan hat sich allerdings die
Terrororganisation al-Qaida von einer zentralen geografischen Bindung
gelöst und sich weltweit verankert. Die militärische
Bekämpfung ist damit an ihr Ende gekommen. Die Besetzung des Irak
mit dem noch immer herrschenden Chaos hat allerdings neben dem
israelisch-palästinensischem Konflikt zu einem neuen Fokus des
Terrorismus geführt und die muslimischen Extremisten
gestärkt. Nach dem Bericht "The Military Balance" des Londoner
International Institute for Strategic Studies ( IISS [http://www.iiss.org/]) ist
al-Qaida inzwischen in bis zu 100 Ländern mit mehr als 18.000
potenziellen Terroristen verankert...
Quelle: telepolis, 16.10.03
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/15874/1.html
|
Nahost-Konflikt
Arafat will weiter mit USA zusammenarbeiten +++ Scharon: Ausweisung von
Arafat 'nicht gut für Israel' +++ Palästinenser:
UN-Vollversammlung soll israelische Sperranlagen verurteilen +++ Der
israelische Regierungschef schließt neuen Luftangriff gegen
Syrien nicht aus
Fr.17.10.03 - Nach dem Anschlag auf US-Diplomaten in Gaza hat
Palästinenserpräsident Jassir Arafat in einem BBC-Interview
betont, er wolle weiter mit den USA zusammenarbeiten. Angesprochen auf
die Weigerung der USA, ihn als Verhandlungspartner zu akzeptieren,
sagte Arafat am Donnerstag, das sei Sache der USA. "Ich will und werde
weiter mit ihnen arbeiten." In dem Gespräch ging der
BBC-Journalist auch auf die Anschuldigung des US-Präsidenten
George W. Bush ein, der Arafat vorwirft, nichts gegen radikale
Palästinenser zu unternehmen. Der Palästinenserpräsident
wich einer Stellungnahme aus: "Das ist seine Ansicht", sagte er. Bisher
weise noch nichts darauf hin, dass die Palästinenser für den
Anschlag verantwortlich seien. Arafat hatte den Anschlag scharf
verurteilt.
Israels Regierungschef Ariel Scharon hat sich gegen eine Ausweisung von
Palästinenserpräsident Jassir Arafat ausgesprochen. Ein
solcher Schritt "wäre nicht gut für Israel", sagte der
Ministerpräsident in einem Gespräch mit der Tageszeitung
"Jerusalem Post" (Freitagausgabe). Im Übrigen sei es eher
unwahrscheinlich, Arafat "unversehrt" ausweisen zu können, weil er
von seinen Sicherheitskräften geschützt werde, und "weil er
zudem von einer Menschenkette von Israelis umgeben wäre". Die
israelischen Geheimdienste seien daher der Ansicht, dass die mehrfach
angedrohte Ausweisung des Palästinenserpräsidenten "keine
gute Idee" sei, betonte Scharon in dem Gespräch, das der Zeitung
zufolge am vergangenen Sonntag geführt wurde. Die israelische
Regierung hatte noch Mitte September nach zwei blutigen
Selbstmordanschlägen dafür plädiert, sich Arafats "zu
entledigen".
Die Palästinenser wollen unterdessen in der Vollversammlung der
Vereinten Nationen eine Verurteilung Israels wegen des Baus der
umstrittenen Grenzbefestigungen im Westjordanland durchsetzen. Das
teilte der palästinensische UN-Beobachter Nasser el Kidwa am
Donnerstag in New York mit. Im Weltsicherheitsrat verhinderten die USA
am Dienstag mit ihrem Veto eine entsprechende Resolution.
Wie El Kidwa weiter sagte, soll sich nach dem Willen der
Palästinenser auch der Internationale Gerichtshof in Den Haag mit
den Sperranlagen befassen. Auch dies müsste die UN-Vollversammlung
beschließen. Eine Sprecherin der Vollversammlung teilte mit,
Syrien habe bereits formal eine Sitzung des Gremiums beantragt, in der
die zwei von den Palästinensern gewünschten Resolutionen
beraten werden sollen. Die Vollversammlung werde wahrscheinlich am
kommenden Montag zusammenkommen.
Auf Grund der Zusammensetzung der Vollversammlung, in der alle 191
UN-Mitglieder vertreten sind, wird mit einer Annahme der Resolutionen
gerechnet. Die Palästinenser treffen dort mit ihren Anliegen
gewöhnlich auf breite Unterstützung. Die
Entschließungen der Vollversammlung sind jedoch rechtlich nicht
bindend und haben eher Symbolcharakter.
Derweil hat der israelische Regierungschef Ariel Scharon einen weiteren
Luftangriff gegen Syrien nicht ausgeschlossen. Ob der Angriff auf ein
Ausbildungslager einer radikalislamischen
Palästinenserorganisation auf syrischem Boden Anfang Oktober ein
"einmaliges Ereignis" bleibe, hänge von "Syriens Verstrickung in
den Terrorismus" ab, sagte Scharon in einem Interview mit der
Tageszeitung "Die Welt" (Freitagsausgabe). Israel und die USA
hätten die Regierung in Damaskus aufgefordert, die Hauptquartiere
der "gefährlichsten Terrororganisationen" aufzulösen. Der
israelische Raketenbeschuss auf ein bei Damaskus gelegenes angebliches
Ausbildungslager der Organisation Islamischer Dschihad war weltweit
kritisiert worden.
(Quellen: afp, ap)
Inoffizielle Friedensinitiative zur Lösung des Nahostkonflikts -
Israelisch-palästinensische Gruppe legt 'Genfer Abkommen' vor
Die Schweiz wurde zum jüngsten Ziel israelischer Angriffe –
natürlich nicht mit Bomben und Raketen, sondern mit diplomatischen
Noten. Grund dafür ist die schweizerische Unterstützung
für eine inoffizielle israelisch-palästinensische Initiative
zur friedlichen Lösung des Nahostkonflikts. Die Tatsache,
daß die Schweiz für die Beratungen in Genf den Tagungsort
sowie auch Geld zur Verfügung stellt, habe die israelische
Regierung "sehr verärgert", sagte der Sprecher des israelischen
Außenministeriums Jonathan Peled am Mittwoch. Unerwähnt
blieb, daß auch Großbritannien, Japan, Norwegen und
Schweden zur Finanzierung dieser Friedensinitiative beitragen.
Die in Genf vorgestellte »neue Straßenkarte« zum
Frieden im Nahen Osten besteht aus einem 50 Seiten langen Dokument, das
inzwischen unter dem Namen "Genfer Abkommen" bekannt ist. Der erste
Entwurf dazu war vergangene Woche von ehemaligen israelischen und
palästinensischen Regierungsbeamten und erfahrenen
Unterhändlern aus früheren Verhandlungsrunden in der
jordanischen Hauptstadt Amman ausgearbeitet worden. Diese hatten
versucht, bisher ausgesparte Tabupunkte zu diskutieren. Unter den
Teilnehmern befand sich der ehemalige israelische Justizminister Jossi
Beilin sowie zahlreiche Mitglieder der oppositionellen Arbeitspartei.
Die palästinensische Delegation wurde von dem ehemaligen Minister
für Regierungsgeschäfte, Jassir Abed Rabbo, sowie seinen
Kollegen Hicham Abdel Rasek und Nabil Kassis angeführt.
Mitglieder der Scharon-Regierung bezeichneten die israelischen
Teilnehmer als politische "Randfiguren"« und als "Marionetten"
von Palästinenserpräsident Yassir Arafat. Israels
Regierungschef Scharon beschuldigte die Initiatoren, ihm in den
Rücken zu fallen...
Quelle: "junge Welt" vom 17.10.03
Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/10-17/008.php
Eine Chance für die israelische Opposition
Eigentlich sollte der Plan bis zur Veröffentlichung geheim
gehalten werden, heißt es. Aber einer hat geplaudert. Gerade
rechtzeitig zur jüdischen Feiertagswoche Sukkot, in der in Israel
das öffentliche Leben ruht und Nachrichtenarmut herrscht. "Und das
hat funktioniert", kommentiert ein Eingeweihter auf israelischer Seite,
"man redet darüber. Sogar Beilins Hoffnung, dass sein Erzfeind
(Ministerpräsident Ariel) Scharon auf ihn einschlägt, hat
sich bestätigt."
Der neue israelisch-palästinensische Friedensplan, der von der
israelischen und amerikanischen Regierung abgelehnt wird, könnte
Impulse setzen, meint "telepolis":
http://www.telepolis.de/deutsch/special/ost/15873/1.html
David Grossmann über die Dienstverweigerung israelischer
Bomberpiloten
Der bedeutendste israelische Schriftsteller David Grossman gibt in der
ZEIT (Nr. 43, 16.10.03) den 27 Piloten der israelischen Luftwaffe
Recht, die sich geweigert haben, Bomben auf palästinensische
Ballungszentren abzuwerfen.
Grossmann: "Ein Staat darf nicht wie eine Terrororganisation handeln.
Ein Argument dafür, und nicht das geringste, sind die
zerstörerischen Auswirkungen für die eigene Gesellschaft,
ihre moralische Korruption." Ein anderer Grund für ihn ist, "dass
ein Staat keine Liquidierungen, Exekutionen und Morde ohne
Gerichtsbeschluss vornehmen darf, weil er damit teilweise seine
Legitimation gegenüber den Terrororganisationen verliert."
"Wenn der Kommandant der Luftwaffe zum Beispiel sagt, 'Jemand, der
losfährt, um in Israel Kinder zu ermorden, muss damit rechnen,
dass auch in seiner Umgebung Kinder ums Leben kommen können', so
ist dies selbst dann ein zweischneidiges Argument, wenn Israel diese
Kinder nicht in böser Absicht trifft," schreibt der Schritsteller.
(Quelle: ots)
Blick ins Archiv
Piloten-Protest in Israel: Wie aus Kriegshelden über Nacht
Volksfeinde wurden
Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/09-29/005.php
Israelische Kampfpiloten verweigern Einsatz
Do.25.09.03 - Eine Gruppe israelischer Kampfpiloten hat sich am Mittwoch erstmals
einem Einsatz über den palästinensischen Autonomiegebieten
widersetzt. Die 27 Piloten der Reserve erklärten in einer
gemeinsamen Stellungnahme, sie wollten keine "illegalen und
unmoralischen Angriffe" ausführen. "Wir weigern uns, weiter
unschuldige Zivilisten anzugreifen." Ihre Kritik richtete sich gegen
die so genannten gezielten Tötungen von Anführern des
palästinensischen Aufstands...
Mehr unter:
http//:www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309250.htm#03092504
Israelische Luftwaffe entlässt kritische Kampfpiloten
Fr.26.09.03 - Die israelische Luftwaffe entlässt mehrere Kampfpiloten, weil sie
Angriffe auf zivile Ziele in den Palästinensergebieten
verweigerten...
Mehr unter:
http//:www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309260.htm#03092604
|
Aufruf zur Einheit der Muslime auf OIC-Gipfel
In seiner Eröffnungsrede zum Gipfeltreffen der Islamischen
Konferenz schürt der malaysische Premierminister
anti-jüdische Stimmungen. Mahathir: Juden regieren die Welt
+++ Scharfe internationale Kritik +++
Malaysia entschuldigt sich für Äußerungen Mahatirs
Fr.17.10.03 - Mit einem Appell an die Muslime in aller Welt zur Einigkeit hat der
malaysische Ministerpräsident Mahathir Mohamad am Donnerstag das
Gipfeltreffen der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) in
Putrajaya eröffnet. Als eines der Hauptthemen stand die Zukunft
Iraks auf der Tagesordnung. UN-Generalsekretär Kofi Annan rief die
Delegierten dazu auf, Selbstmordanschläge prinzipiell abzulehnen.
Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte, der Islam
dürfe nicht als Quelle des Terrorismus gesehen werden.
Schon bei der Außenministertagung vor dem Gipfel hatte das Thema
Irak für Kontroversen gesorgt. Malaysia als Gastgeber weigerte
sich, einen Vertreter des von den USA eingesetzten irakischen
Regierungsrats nach Putrajaya einzuladen. Die Arabische Liga hat dieses
Gremium jedoch als derzeit rechtmäßige Vertretung Iraks
anerkannt, und einige seiner Mitglieder waren beim OIC-Gipfel auch
anwesend. Sie wandten sich gegen einen Antrag, wonach den Vereinten
Nationen in der Übergangsverwaltung Iraks die zentrale Rolle
zufallen sollte.
Annan ließ seinen Sondergesandten Lakhdar Brahimi eine Botschaft
verlesen, in der er dazu aufrief, Irak so schnell wie möglich in
einen demokratischen Staat zu verwandeln, in dem Frieden herrsche. Der
UN-Generalsekretär wollte ursprünglich selbst nach Putrajaya
kommen, war aber wegen der anstehenden Abstimmung über eine neue
Irak-Resolution im Weltsicherheitsrat verhindert. Er verurteilte in
seiner Erklärung die Selbstmordanschläge im Nahen Osten,
geißelte aber auch die israelische Besatzungspolitik als
völlig unangemessen.
Gastgeber Mahathir erklärte, 1,3 Milliarden Muslime in aller Welt
seien unschlagbar, solange sie untereinander einig seien. Sie
würden sich auch von "ein paar Millionen Juden" nicht unterkriegen
lassen, sagte er mit Blick auf den Nahost-Konflikt. Heute regierten die
Juden die Welt durch andere, die für sie kämpfen und sterben
würden. Seine Rede wurde von den Anwesenden mit starkem Beifall
bedacht.
Der alle drei Jahre stattfindende OIC-Gipfel ist der erste seit den
Terroranschlägen in New York und Washington am 11. September 2001.
Putin erklärte als Gastredner, Terrorismus könne nicht
automatisch mit irgendeiner Religion identifiziert werden. Er betonte,
dass Muslime einen wichtigen Bestandteil des russischen Volkes
ausmachten. Zugleich versprach er, sich um eine friedliche Lösung
in Tschetschenien bemühen zu wollen. Es war das erste Mal, dass
ein russischer Staatschef zur OIC eingeladen wurde, was Beobachter als
diplomatischen Triumph Putins werteten.
Die anti-jüdischen Äußerungen des malaysischen
Ministerpräsidenten Mahathir Mohammad sind von der EU, den USA,
Deutschland und Israel scharf verurteilt worden. Die
Außenminister der EU-Länder bezeichneten sie in einer am
Donnerstag in Brüssel vereinbarten Erklärung als "stark
beleidigend".
Die USA nannten die Worte "beleidigend" und "hetzerisch". "Es ist nicht
das erste Mal, dass wir solche Kommentare von diesem Offiziellen
gehört haben", sagte US-Außenamtssprecher Adam Ereli am
Donnerstag in Washington. "Die Bemerkungen waren beleidigend, und sie
waren hetzerisch, und wir betrachten sie mit der Verachtung..., die sie
verdienen."
Auch in Israel stieß Mohammad auf scharfe Kritik. Ein
Regierungsbeamter, der ungenannt bleiben wollte, sagte, diese Art von
Äußerungen schadeten allen Muslimen. Sie seien "reiner
Antisemitismus". Es sei schade, das moderate arabische Regierungen, die
diplomatische Beziehungen zu Israel besäßen, nicht dagegen
protestiert hätten. Kritisiert wurde auch der syrische Staatschef
Baschar el Assad, der Israel einen "Terrorstaat" genannt hatte.
Das Auswärtige Amt bestellte den Geschäftsträger von
Malaysia ein, um "auf das Schärfste" gegen die anti-jüdischen
Äußerungen zu protestieren. Sie seien als "völlig
inakzeptabel" zurückgewiesen worden, teilte das Auswärtige
Amt in Berlin mit. Die Wiederholung solcher Vorurteile und deren
Verquickung mit dem tragischsten Kapitel europäischer und
deutscher Geschichte, dem Holocaust, seien unverantwortlich.
Nach der internationalen Kritik an antisemtischen Äußerungen
von Ministerpräsident Mahatir Mohamad hat sich die malaysische
Regierung am Freitag entschuldigt und von einem Missverständnis
gesprochen. Es sei nicht die Absicht Mahatirs gewesen, die Juden zu
beleidigen, sagte Außenminister Syed Hamid Albar der
Nachrichtenagentur AP.
Der malaysische Außenminister sagte: "Es tut mir Leid, dass sie
das Ganze falsch verstanden haben." Es sei nicht die Absicht des
Ministerpräsidenten gewesen, eine Kontroverse auszulösen.
Syed Hamid zufolge wollte Mahatir nur die derzeitige Gemütslage
der Muslime zum Ausdruck bringen. Man habe aber nichts gegen die Juden,
sagte er.
(Quellen: ap, dpa)
Ein weiterer Bericht zum Thema bei telepolis unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/ost/15879/1.html
Kinderarbeit
74 Kinder aus Steinbrüchen in Nigeria befreit
Fr.17.10.03 - Ihre Kleider hängen in Fetzen, sie sind abgemagert, ihre
Hände voller Schwielen: 74 Kinder werden derzeit in Benin
medizinisch versorgt, nachdem sie aus einem Granit-Steinbruch im
benachbarten Nigeria befreit wurden. Sie erzählen, mindestens 13
ihrer Kameraden seien in den vergangenen drei Monaten ums Leben
gekommen. In dem Steinbruch mussten die Kinder Steine zertrümmern
und wegschleppen und nachts unter freiem Himmel schlafen, wie
UN-Vertreter mitteilten.
"Wir haben die Steine zerschlagen, und die Männer haben sie in
Lastwagen weggefahren", berichtet ein Junge von höchstens zehn
Jahren. Die Behörden schirmen die Kleinen weitgehend von den
Medien ab. Die nigerianische Polizei hatte die Kinder am Mittwochabend
an ihr Heimatland übergeben. Polizeichef Tafa Balogoun sagte, sie
hätten mehr als ein Jahr lang in den Granit-Steinbrüchen
arbeiten müssen.
In einem Stadion von Cotonou kümmerten sich am Donnerstag
medizinische Helfer um die Kinder. "Sie müssen gewaschen und neu
eingekleidet werden und sich ausruhen, bevor Sozialarbeiter sie
befragen können", erklärt die Familienministerin von Benin,
Latoundji Lauriano. Die Kinder waren nach einem im August geschlossenen
Abkommen zwischen beiden Ländern zurückgebracht worden. Die
erste Rettungsaktion dieser Art fand am 27. September statt, als 116
Kinder nach Hause zurückkehren durften. Drei von ihnen starben
später.
Ministerin Lauriano sagt, Vertreter aus Benin seien am Donnerstag
erneut nach Nigeria gefahren, um dort sechs Wochen lang nach weiteren
Kindern zu suchen und sie zurückzuholen. Der Handel mit Kindern
ist in Westafrika immer noch an der Tagesordnung. Die Eltern
übergeben ihre Kinder den Unternehmen, damit sie sich selbst ihren
Lebensunterhalt verdienen. Viele enden dann schon im Alter von vier
Jahren in den Granit-Steinbrüchen in Nigeria, wo nach
Polizeiangaben allein 15.000 Kinder aus Benin schuften müssen.
Nigeria versicherte, 6.000 könnten in den kommenden Monaten nach
Hause zurückgebracht werden.
(Quelle: ap)
Asien
1.500.000 Smog-Tote pro Jahr
Fr.17.10.03 - Die Luftverschmutzung in asiatischen Großstädten führt
nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu über 1,5
Millionen Todesfällen pro Jahr. Eine halbe Million
Sterbefälle könnten auf Partikel und Schwefeldioxid in der
Luft zurückgeführt werden, teilte das WHO-Büro im
philippinischen Manila am Mittwoch mit. Insgesamt würden mehr 1,5
Millionen Menschen an Krankheiten sterben, die durch Smog verursacht
wurden.
Asien zählt laut WHO mehr als die Hälfte der Stadtbewohner
weltweit. Während die Zahl der Stadtbewohner rapide ansteige,
blieben die wirtschaftliche Entwicklung sowie der Ausbau von
Infrastruktur und Dienstleistungen dahinter zurück, erklärte
die WHO. Die Folge seien nicht nur Krankheiten, sondern auch die
Zunahme von Verbrechen, Gewalt, Armut, Umweltzerstörung.
Hauptleidtragende seien die Armen, die sich keinen angemessenen
Wohnraum mit guten sanitären Einrichtungen leisten könnten.
(Quelle: taz/afp)
Blutige Unruhen nach Präsidentenwahl in Aserbaidschan
Fr.17.10.03 - Bei der Präsidentenwahl in Aserbaidschan hat sich Ilham Alijew,
der Sohn des bisherigen Staatschefs, mit überwältigender
Mehrheit durchgesetzt. Die Opposition sprach von Betrug. In der
Hauptstadt Baku kam es am Donnerstag zu schweren Unruhen mit Dutzenden
Verletzten. Nach offiziellen Angaben wurden mindestens zwei Menschen
getötet.
Tausende Anhänger der Opposition zogen am Nachmittag randalierend
durch Baku. Sie schlugen Fensterscheiben von Geschäften und Autos
ein. Regierungstruppen und Polizisten stellten sich ihnen in den Weg
und griffen Demonstranten und Journalisten mit Gummiknüppeln an.
Die Demonstranten versuchten, mit Steinen und Metallstangen
zurückzuschlagen. Mehr als 50 Polizisten wurden nach Angaben der
Behörden verletzt. Über weitere Opfer lagen zunächst
keine Zahlen vor. Bereits nach der Wahl am Mittwoch war es zu
Zusammenstößen zwischen Demonstranten und
Sicherheitskräften gekommen.
Der 41-jährige Sohn des bisherigen Präsidenten Geidar Alijew
kam nach der Auszählung fast aller Stimmen auf knapp 80 Prozent,
wie die Wahlkommission am Donnerstag mitteilte. Sein nächster
Rivale, Isa Gambar von der Partei Musawat (Gleichheit), erhielt
zwölf Prozent der Stimmen. Gambar hatte schon vor Schließung
der Wahllokale gesagt, die Regierung arbeite an der Fälschung des
Ergebnisses. Er erklärte sich zum rechtmäßigen
Wahlsieger.
Auch internationale Beobachter kritisierten massive
Unregelmäßigkeiten bei der Wahl. Die Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) berichtete von
Fälschungen bei Abstimmung und Auszählung sowie
Einschüchterungsversuchen und Einmischungen nicht autorisierter
Personen bei der Auswertung der Wahlzettel.
Aus Protest gegen den Verlauf der Abstimmung steckte sich ein
Wahlbeobachter der Partei Musawat vor einem Stimmlokal in der Region
Agdam in Brand. Wie es hieß, war seine Beschwerde, dass
Wähler mehrfach Stimmen abgegeben hätten, zurückgewiesen
worden. Der Mann wurde schwer verletzt.
Ilham Alijew von der Partei Jeni Aserbaidschan galt von Anfang als
Favorit für die Nachfolge seines 80-jährigen Vaters, der zwei
Wochen vor der Wahl aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben hatte.
Er hatte das ölreiche Land am Kaspischen Meer seit 1969 regiert.
Sohn Ilham ist seit August Ministerpräsident. Nach eigenem
Bekunden will er die Politik seines Vaters fortsetzten.
Wie die Wahlkommission mitteilte, lag die Beteiligung bei mehr als 71
Prozent. 4,4 Millionen Menschen waren stimmberechtigt. Insgesamt traten
am Mittwoch acht Präsidentschaftskandidaten an.
(Quelle: ap)
Amnesty beklagt Einschüchterung unabhängiger Medien
Fr.17.10.03 - Amnesty International beklagt Einschüchterungen und
Beschränkungen unabhängiger Medien in zahlreichen
Ländern. In einem am Donnerstag in London veröffentlichten
Bericht kritisiert die Menschenrechtsorganisation auch, dass die USA
Journalisten vor dem Besuch des Gefangenenlagers Guantanamo auf eine
Einschränkung ihrer Fragen verpflichteten. Diese Regelung sei zwar
nach Protesten fallen gelassen worden, sie sei aber bezeichnend
für «die Atmosphäre, in der wir heute leben».
Seit den Anschlägen vom 11. September in New York und Washington
hätten einige Regierungen den internationalen Feldzug gegen den
Terror dazu genutzt, gegen unabhängige Medien vorzugehen,
heißt es in dem Bericht. Den irakischen Regierungsrat kritisiert
Amnesty wegen der Beschränkungen, die den arabischen
Fernsehsendern El Dschasira und El Arabija im vergangenen Monat
auferlegt wurden.
Die Meinungsfreiheit sieht Amnesty auch in Russland bedroht. Der
Bericht beruft sich auf den Vorsitzenden des russischen
Journalistenverbands, Oleg Panfilow, und führt als Beispiele die
Schließung des einzigen landesweiten unabhängigen
Fernsehsenders TWS an sowie Versuche, die Berichterstattung über
Tschetschenien einzuschränken.
Berichte über Verstöße gegen die Pressefreiheit meldet
Amnesty unter anderem auch aus Algerien, Kolumbien, Kuba, Indonesien,
Iran, Ruanda und Simbabwe. In Guatemala würden Journalisten
offenbar gezielt eingeschüchtert, damit sie nicht über
sensible Themen wie etwa Korruption berichteten, heißt es weiter.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
ttp://www.web.amnesty.org/mavp/av.nsf/pages/
pressfreedom1
USA und Europäer streiten über Militärpläne der EU
Furcht vor Abkoppelung Europas in der Nato
Fr.17.10.03 - Die USA und europäische Staaten haben sich Nato-Kreise zufolge
einen heftigen Streit über Pläne der EU für eigene
militärische Strukturen geliefert.
In den Kreisen hieß es am Donnerstag in Brüssel, beim
Treffen des Nato-Rats am Mittwoch habe der Nato-Botschafter der USA,
Nicholas Burns, die vor allem von Deutschland und Frankreich verfolgte
Initiative für militärische Strukturen der Europäischen
Union (EU) als "ernsteste Bedrohung für die Zukunft der Nato"
angegriffen.
EU-Diplomaten berichteten von einer heftigen Auseinandersetzung bei dem
Treffen. Hintergrund sei der starke Druck der USA auf
Großbritannien, entsprechende Pläne in der EU zu blockieren.
Die britische Regierung stellte die Berichte über den Druck der
USA als übertrieben dar. Die geplante stärkere Zusammenarbeit
von EU-Staaten in der Verteidigungspolitik war auch Thema des
EU-Gipfels in Brüssel.
Ein Nato-Diplomat sagte über das Treffen am Mittwoch: "Es wurde
ein bisschen rau wegen der Sprache, die verwendet wurde. Die
Atmosphäre war nicht besonders gut." Den Kreisen zufolge betonte
Frankreich in dem Treffen, die EU werde ihre Pläne für mehr
Zusammenarbeit in der Verteidigungspolitik in den Beratungen über
die geplante EU-Verfassung vorantreiben und die USA erst danach
informieren.
Die Pläne der EU, Voraussetzungen für eigene
Militäreinsätze zu schaffen, sorgen seit Jahren für
Streit mit den USA, die eine Abkoppelung Europas in der Nato
fürchten. Die EU sieht darin eine Stärkung des
europäischen Pfeilers der Nato. Deutschland, Frankreich, Belgien
und Luxemburg hatten die Einrichtung eines EU-Hauptquartiers
beschlossen. Nach einem Gipfel Deutschlands, Frankreichs und
Großbritanniens war vor kurzem der Eindruck entstanden,
Großbritannien habe seinen Widerstand dagegen gelockert oder
aufgegeben. Nach Angaben von Diplomaten wuchs in den USA nach dem
Gipfel die Besorgnis über die Haltung des britischen
Premierministers Tony Blair. "Die Amerikaner sind besorgt, dass (der
britische Premierminister Tony) Blair ein bisschen schlapp wird", sagte
ein Diplomat.
Diplomaten zufolge hat aber Großbritannien trotz gegenteiliger
Berichte nicht das Prinzip akzeptiert, dass die EU ein Hauptquartier
für militärische Planungen errichten sollte. Stattdessen
solle die für EU-Einsätze, die die Nato unterstützt, das
Hauptquartier der Allianz genutzt werden; für eigenständige
EU-Einsätze nationale Hauptquartiere von EU-Mitgliedern. Derzeit
führt die EU mit Nato-Unterstützung einen Einsatz in
Mazedonien.
Ein EU-Diplomat sagte zu den Verhandlungen zwischen Deutschland,
Frankreich und Großbritannien über diese Frage: "Sie sind in
einer Sackgasse."
(Quelle: rtr)
Europäische Verfassungsdebatte
EU-Gipfel ohne Annäherung in der Frage der Machtverteilung in der
künftigen Europäischen Union +++ Suche nach gemeinsamer
Wachstumsstrategie der EU
Fr.17.10.03 - Die EU-Staats- und Regierungschefs haben in ihrer ersten Debatte
über zentrale Fragen der Machtverteilung in der künftigen
Europäischen Union (EU) keine Kompromisslinien gefunden.
Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte am Donnerstag beim EU-Gipfel
in Brüssel, bei der ersten Beratung der Regierungschefs über
den Verfassungsentwurf hätten alle ihre Position erläutert,
aber nicht verändert. "(Die Debatte) heute Morgen hat das Ganze
überhaupt nicht nach vorne gebracht", sagte auch der schwedische
Ministerpräsident Göran Persson. Der polnische Regierungschef
Leszek Miller lehnte Zugeständnisse bei der Stimmverteilung
zwischen den Staaten, einem zentralen Streitpunkt, erneut ab. An den
Beratungen nahmen außer den 15 Mitgliedern auch die zehn
Beitrittsstaaten teil.
Der italienische Außenminister Franco Frattini kündigte an,
die italienische Ratspräsidentschaft werde in der zweiten
Novemberhälfte einen Verfassungsentwurf vorlegen. Ende des Monats
ist eine Konklave der Außenminister in Rom geplant. Falls
erforderlich will Italien Ende November noch einen kurzen Sondergipfel
einberufen.
Bei Anhängern des Konventsentwurfs sorgte der bisher langsame
Fortgang der Beratungen für Frustration. Der luxemburgische
Ministerpräsident Jean-Claude Juncker sagte, der Gipfel habe
nichts Neues gebracht. Er sei etwas beunruhigt. "Ein Treffen folgt dem
anderen, die Positionen scheinen sich immer weiter zu verhärten."
Bundesaußenminister Joschka Fischer sah dagegen mehr Bewegung als
bei der Eröffnung der Verfassungskonferenz Anfang Oktober. Er sehe
mehr Bemühen, eine Einigung zu finden.
Wie Polen lehnt auch Spanien die Vorschläge des
EU-Verfassungskonvents für die Gewichtung der Stimmen ab, weil es
einen Verlust an Einfluss fürchtet. Dessen Ministerpräsident
Jose Maria Aznar signalisierte jedoch Flexibilität: "Nizza ist
keine Bibel, aber der Konvent ist es auch nicht."
Im Vertrag von Nizza war eine Stimmgewichtung vereinbart, die
für Spanien und Polen günstiger war als die nun im Entwurf
vorgeschlagene. Strittig ist auch, dass nicht mehr jedes Land einen
Vertreter in der EU-Kommission, der zentralen EU-Behörde, stellen
soll. Österreich bekräftigte seine Kritik an diesem
Vorschlag. Deutschland und Frankreich wollen den Entwurf dagegen
möglichst unverändert lassen.
Die neue Verfassung soll die EU nach der im Mai 2004 anstehenden
Erweiterung von 15 auf 25 Mitglieder handlungsfähig halten. Die
Beratungen sollen bis Jahresende abgeschlossen werden. Persson sagte
allerdings: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies bis Dezember
fertig sein wird."
Schröder zeigte sich zuversichtlich, dass die EU letztlich zu
einem Kompromiss finden werde. Aber er warnte erneut davor, das
Gesamtpaket aufzuschnüren, weil es dadurch nicht besser werde:
"Wir sehen dafür keine Chance, deswegen hat sich an unserer
Position, das Paket nicht aufzuschnüren, nichts geändert."
Bundesaußenminister Joschka Fischer warb für eine gemeinsame
Wachstumsinitiative der EU, die ebenfalls noch ohne konkrete
Beschlüsse beraten werden sollte. Neben nationalen Anstrengungen
müsse es auch ein gemeinsames Programm der EU geben, sagte er.
Deutschland und Frankreich wollen Investitionen in Forschung und
Bildung Vorrang vor Ausgaben für Straßen und Bahnstrecken
einräumen, die von Italien gefordert werden.
(Quelle: rtr)
Aktuelle Meldung : Fr.17.10.03 - 14:20 Uhr +++
Deutschland: Bundestag beschließt Arbeitsmarktreformen +++
Berlin (AP) Gegen die Stimmen der Opposition hat die rot-grüne
Koalition die Arbeitsmarktreformen durch den Bundestag gebracht. Die
Gesetzentwürfe zu Hartz III und IV passierten am Freitag den
Bundestag. Lediglich ein Abgeordneter enthielt sich. Der
Grünen-Parlamentarier Werner Schulz hatte seine Stimmenthaltung
angekündigt. CDU/CSU, FDP und PDS stimmten dagegen.
Ferienflieger Aero Lloyd stellt Insolvenzantrag
Tausende Urlauber gestrandet +++ Arbeitnehmer machen Bank für
Pleite verantwortlich +++ Bericht: 250 Millionen Euro Ausfallrisiko
für Bayerische Landesbank
Fr.17.10.03 - Die Krise in der Reisebranche hat überraschend den Ferienflieger
Aero Lloyd in die Pleite getrieben. Rund 8.500 Urlauber saßen am
Donnerstag weltweit auf Flughäfen fest; Reiseveranstalter
kümmerten sich aber um Ersatzflüge und richteten Hotlines
ein. Das Unternehmen hatte um 06.00 Uhr den Flugbetrieb komplett
eingestellt, weil der Mehrheitsgesellschafter Bayerische Landesbank ein
Sanierungskonzept abgelehnt hat.
Branchenkenner machten die schwache Konjunktur und harten Wettbewerb in
der Luftfahrt verantwortlich. Über den Insolvenzantrag der Aero
Lloyd Flugreisen GmbH & Co. Luftverkehrs KG sollte laut Amtsgericht
Bad Homburg am Donnerstag wohl nicht mehr entschieden werden.
Vertreter der Belegschaft von Aero Lloyd haben vor allem die Bayerische
Landesbank für die Pleite der Airline verantwortlich gemacht.
Man fühle sich im Stich gelassen, sagte eine Personalvertreterin
am Rande einer Betriebsversammlung in Oberursel. Die Belegschaft habe
im laufenden Tarifvertrag auf zehn Prozent ihres Gehalts verzichtet und
dafür eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2004 ausgehandelt.
Das Aus sei völlig überraschend gekommen.
Aero Lloyd selbst teilte mit, trotz eines umfangreichen Sanierungs- und
Restrukturierungskonzepts der seit 1. Juni 2003 tätigen neuen
Geschäftsführung habe die Bayerische Landesbank als
Mehrheitsgesellschafter und größter Kreditgeber jetzt
entschieden, die notwendigen Kapitalmaßnahmen zur Sanierung der
Bilanzsituation nicht vorzunehmen. Damit werde zwingend der
Insolvenzfall ausgelöst.
Die Bayerische Landesbank erklärte, angesichts hoher
Überkapazitäten im Flugmarkt sei "ein Erfolg versprechendes
Fortführungskonzept nicht realisierbar". Nachfragesteigerungen im
Markt seien nicht absehbar.
Das Ausfallrisiko der Bayerischen Landesbank bei einer Insolvenz
beträgt 250 Millionen Euro, wie die Münchner "Abendzeitung"
(Freitagausgabe) unter Berufung auf Unternehmenskreise der Landesbank
berichtet. Die Entscheidung, der Fluglinie den Geldhahn zuzudrehen, sei
nicht im Vorstand, sondern im Verwaltungsrat der halbstaatlichen Bank
gefallen, heißt es weiter. Dort sitzen dem Bericht zufolge unter
anderem die bayerischen Kabinettsmitglieder Kurt Faltlhauser und
Günther Beckstein.
Aero Lloyd sei von den Folgen des 11. September, der Lungenkrankheit
Sars, Terroranschlägen und des Irak-Kriegs stark betroffen
gewesen, erklärte die Bank. Zudem sei wegen der Konjunkturflaute
die Nachfrage drastisch gesunken. Dies habe die Situation von Aero
Lloyd zusätzlich verschärft. Die Landesbank hält 66
Prozent der Aero-Lloyd-Anteile.
(Quellen: dpa, ap)
Konzern-Personalchefs fordern Ende der IG-Metall-Proteste in den Betrieben
Fr.17.10.03 - Die Personalchefs der Stuttgarter Großkonzerne DaimlerChrysler,
Bosch und Porsche haben die IG Metall zu einem Stopp der
betrieblichen Proteste gegen die Reformpolitik der Bundesregierung
aufgefordert.
"Wir können keinesfalls akzeptieren, dass politische Diskussionen
und Kundgebungen in die Betriebe getragen werden. Das ist gegen unsere
Rechtsordnung, die mit gutem Grund die politische Neutralität in
unseren Betrieben schützt", heißt es in einem am Donnerstag
verbreiteten Offenen Brief an IG-Metall-Chef Jürgen Peters.
DaimlerChrysler- Personalvorstand Günther Fleig, sein
Porsche-Kollege Harro Harmel und Bosch- Geschäftsführer
Tilman Todenhöfer fordern Peters darin auf, "in Ihrer Organisation
darauf hinzuwirken, dass solche Aktionen in Zukunft unterlassen werden".
In den vergangenen Tagen hatten sich jeweils mehrere tausend
Mitarbeiter in den Werken der drei Unternehmen zu einstündigen
Kundgebungen versammelt, um gegen die Aushöhlung des Tarifrechts
und die Sozialreformen der Bundesregierung zu protestieren. Die
Bänder standen in der Zeit still. Deartige Aktionen
gefährdeten den Betriebsfrieden und die vertrauensvolle
Zusammenarbeit im Betrieb, hieß es in dem Brief an Peters weiter.
Peters hatte auf dem Gewerkschaftstag in Hannover zuvor eine breite
Protestbewegung gegen die Sozialreformen angekündigt.
(Quelle: rtr)
Ver.di ruft Abgeordnete zu Widerstand gegen Rentenpläne auf
Fr.17.10.03 - Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di fordert die Abgeordneten der
rot-grünen Regierungskoalition zum Widerstand gegen die geplanten
Einschnitte bei der Rente auf. "Ich kann die Abgeordneten von
Rot-Grün nur ermuntern, sich der Rente mit 67, drastischen
Rentenkürzungen in 30 Jahren und einer Minusrunde für heutige
Rentner zu widersetzen", sagte ver.di-Chef Frank Bsirske der
Tageszeitung "Die Welt" (Freitagausgabe). Ein Beitragssatz "von 24
Prozent ist doch kein Drama", sagte Bsirske der Zeitung zufolge.
Ein solcher Beitragssatz sei vielmehr akzeptabel, wenn man die
Alternativen wie Renten auf Sozialhilfeniveau und steigende Altersarmut
bedenke, zitiert die Zeitung den Gewerkschaftschef. SPD und Grüne
setzten mit den geplanten Reformen am Arbeitsmarkt und bei der Rente
"ihre Mehrheitsfähigkeit aufs Spiel". Sie hätten ihre
Kernwählerschaft enttäuscht, "indem sie die Lasten einseitig
den kleinen Leuten aufbürden". Das Versprechen, Wachstum und
Gerechtigkeit zusammenzuführen, nähmen viele Wähler
Rot-Grün gegenwärtig nicht mehr ab, sagte Bsirske.
(Quelle: ap)
Rentenreserve offenbar unter vorgeschriebenem Wert
Fr.17.10.03 - Die Reserven der Rentenversicherer sind laut einem Bericht der
"Stuttgarter Zeitung" um mehr als eine Milliarde Euro gesunken. Im
vergangenen Monat habe die so genannte Schwankungsreserve bei 5,9
Milliarden Euro gelegen, im August dagegen noch bei 7,0 Milliarden
Euro, berichtet die Zeitung in ihrer Freitagausgabe. Damit entfernten
sich die Rentenversicherer immer weiter von der gesetzlichen Vorgabe,
bis zum Jahresende mindestens eine halbe Monatsausgabe vorzuhalten. Im
September habe sich die Schwankungsreserve auf 38 Prozent einer
Monatsausgabe belaufen, im August auf 44 Prozent. SPD-Abgeordnete
hielten wegen der angespannten Finanzlage eine Anhebung der
Rentenbeiträge für unvermeidlich, schreibt die Zeitung. Es
sei nicht möglich, den gesamten Sparbetrag den Rentner
aufzubürden, zitiert sie den SPD-Sozialpolitiker Peter
Dreßen.
(Quelle: ap)
Schwarze Wolke
Astronomen entdecken 'dunkle Galaxie' ohne Sterne
Fr.17.10.03 - US-Astronomen haben erstmals eine "dunkle Galaxie" völlig ohne
Sterne entdeckt. Die zwei Millionen Lichtjahre entfernte schwarze Wolke
besteht vermutlich allein aus Wasserstoffgas und Teilchen unbekannter
Natur, wie das britische Wissenschaftsmagazin «New
Scientist» (Nr. 2417, S. 18) berichtet. Die Entdeckung könne
die Suche nach der geheimnisvollen Dunklen Materie entscheidend
voranbringen. Nach gängigen Modellen macht die Dunkle Materie mehr
als 90 Prozent der Masse im Universum aus.
Leo Blitz und Kollegen von der Universität von Kalifornien in
Berkeley hatten eine gigantische Wasserstoffwolke namens HVC 127-41-
330 mit dem Riesen-Radioteleskop in Arecibo (Puerto Rico) untersucht.
Die Wolke rotiert so schnell, dass sie von der Fliehkraft auseinander
gerissen werden müsste, wenn sie nicht von einer starken,
unsichtbaren Schwerkraftquelle zusammengehalten würde. Mindestens
80 Prozent der gesamten Wolkenmasse müssen demnach in Form dieser
Dunklen Materie vorliegen.
Ähnliche Beobachtungen gibt es auch von anderen Galaxien und
Galaxienhaufen. In der "lokalen Gruppe", zu der auch unsere
Milchstraße gehört, müsste es Simulationsrechnungen
zufolge rund 500 Zwerggalaxien geben. Bekannt sind jedoch nur 35. Die
restlichen könnten zu einem großen Teil dunkle Wolken wie
HVC 127-41-330 sein und sich so der Entdeckung bisher entzogen haben.
Die "dunklen Galaxien" hätten möglicherweise deshalb keine
Sterne, weil sie das Wasserstoffgas einfach nicht dicht genug
zusammenpressen könnten, schreibt der "New Scientist".
(Quelle: dpa)
mehr Kurznachrichten...