Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertundvierzehnten Tag nach Kriegsbeginn
Irakische Ölpipeline erneut außer Betrieb +++ Bei Gefechten
und Anschlägen kamen in Irak bisher 211 US-Soldaten ums Leben +++
US-Streitkräfte möglicherweise noch bis 2006 in Irak
stationiert +++ Britischer Beauftragter im Irak sieht Fortschritte bei
Sicherheit, räumt aber ein, dass die Koalitionsstreitkräfte
bisher noch nicht das Vertrauen der irakischen Bevölkerung
gewonnen hätten +++ Neues Bin-Laden-Tonband droht
Unterstützern der USA. Stimme: USA sind im Irak in einen Sumpf
geraten +++ Türkei will Soldaten nicht gegen Widerstand Iraks
entsenden +++ US-Soldaten Misshandlung irakischer Kriegsgefangener
verdächtig
So.19.10.03 - Nach nur wenigen Stunden sind die irakischen Öllieferungen in die
Türkei am Samstag erneut unterbrochen worden. Am Morgen war die
Pipeline im Norden des Landes erstmals seit zwei Monaten wieder in
Betrieb genommen worden, wie türkische Behörden mitteilten.
Anfang August wurden die Lieferungen wegen Sabotageakten und
technischer Probleme bereits nach wenigen Tagen eingestellt. Die
Einnahmen aus dem Ölexport gelten als wichtiger Schritt zum
Wiederaufbau der irakischen Wirtschaft nach dem Irak-Krieg.
Bislang konnte nur eine Pipeline im Süden Iraks genutzt werden,
dadurch reduzierte sich der Ölexport Iraks auf eine Menge von rund
einer Million Barrel pro Tag, vor dem Irak-Krieg war es mehr als
doppelt so viel. Durch den Stillstand der nördlichen Pipeline
entgehen Irak laut Zivilverwalter Paul Bremer täglich sieben
Millionen Dollar.
Bei einer Razzia in Chaldijah westlich von Bagdad nahmen US-Soldaten
und irakische Polizisten am Samstag elf Personen fest. Sie sollen
Verbindungen zu Aufständischen haben, wie Augenzeugen mitteilten.
Beide Kammern des US-Kongresses stimmten derweil für das von der
Regierung vorgelegte Milliardenpaket für Militäreinsätze
in Irak und Afghanistan. Eine endgültige Fassung des
US-Finanzplans in Höhe von 87 Milliarden Dollar soll ein
Vermittlungsausschuss in der kommenden Woche vorlegen, da die Senatoren
Abstriche für Mittel zum zivilen Wiederaufbau Iraks vornahmen. So
soll die Hälfte der von Präsident George W. Bush dafür
beantragten Mittel von 20,3 Milliarden Dollar nur als Kredit
gewährt werden. Die Vorlage unterstützten 303 Abgeordnete des
Repräsentantenhauses, 125 waren dagegen. Im Senat wurde das
Milliardenpaket mit der Mehrheit von 87 gegen 12 Stimmen angenommen.
Bei Gefechten und Anschlägen kamen in Irak bisher 211 US-Soldaten
ums Leben. Allein seit dem von Bush verkündeten Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai wurden 101 Soldaten getötet.
Dennoch sollen die US-Streitkräfte möglicherweise noch bis
2006 in Irak stationiert bleiben, wie Generalleutnant Thomas Metz am
Freitag in Tikrit mitteilte.
Der britische Bevollmächtigte für den Irak, Jeremy
Greenstock, sieht Fortschritte bei der Stabilisierung des Landes. Dem
"Spiegel" sagte er: Neben den Erfolgen beim Wiederaufbau von Wirtschaft
und Infrastruktur sei auch das "Sicherheitsgefühl" stärker
geworden. Man dürfe nicht nur auf Anschläge in Bagdad und in
einem Dreieck nordwestlich der Hauptstadt schauen. Dort ereigneten sich
80 Prozent der Zwischenfälle. In der britisch verwalteten Region
Basra im Süd-Irak sei die Lage dagegen wesentlich stabiler, so
Greenstock.
Greenstock räumte aber auch ein, das die
Koalitionsstreitkräfte bisher noch nicht das Vertrauen der
irakischen Bevölkerung gewonnen hätten.
Der arabische Fernsehsender El Dschasira hat am Samstag zwei neue
Tonbänder mit der Stimme von Osama bin Laden verbreitet. Darin
wird allen Ländern mit Anschlägen gedroht wird, die den
Irak-Krieg der USA unterstützt haben. Zugleich wurden die Iraker
zum Widerstand gegen die amerikanischen Truppen aufgerufen.
Die neue Drohung richtet sich namentlich gegen Großbritannien,
Spanien, Australien, die Niederlande, Japan und Italien. Zugleich rief
der Sprecher die Iraker auf, nicht mit den amerikanischen Truppen
zusammenzuarbeiten. Die jungen Männer in den islamischen
Ländern sollten "in den Heiligen Krieg zu ziehen und die Muskeln
zu zeigen", forderte die Stimme.
Auf einem der Bänder werden die USA als "eine Nation
hauptsächlich von ungehobelten Cowboys" bezeichnet, die "von denen
beherrscht werden, die das meiste Geld und den größten
Einfluss haben, insbesondere von den Juden, die Euch unter dem Trugbild
der Demokratie zur Unterstützung Israels bewegen". Weiter
heißt es: "Die Ungläubigen sollen wissen, dass wir das Recht
haben, zu jeder passenden Zeit und an jedem passenden Ort gegen all'
die zurückzuschlagen, die sich an diesem grausamen Krieg
beteiligen - Großbritannien, Spanien, Australien, Polen, Japan,
Italien und moslemische Staaten, und besonders Kuwait und andere
Golfstaaten."
Die USA seien im Irak in einen Sumpf geraten, sagt die Stimme weiter.
"Und (US-Präsident George W.) Bush, der glaubte, dass der Irak und
dessen Öl leichte Beute sein würden, steckt Dank Gott in
einer peinlichen Krise." Weiter heißt es: "An Bush gerichtet sage
ich: Ihre Hilferufe und Flehen um Söldner von irgendwo her, selbst
kleinen Staaten, haben Ihre Arroganz zerstört, habe Sie
gedemütigt und Ihre Schwäche entlarvt, nachdem Sie behauptet
haben, die ganze Welt zu verteidigen."
Der Sprecher des US-Präsidialamts, Scott McClellan, nannte die
Aufnahmen eine Erinnerung daran, dass der weltweite Krieg gegen den
Terror noch andauere. "Terroristen sind die Feinde der zivilisierten
Welt", sagte er. US-Spezialisten würden die Bänder
analysieren.
Der Sender El Dschasira mit Sitz in Katar hat in der Vergangenheit
wiederholt Aufzeichnungen gesendet, die nach seinen Angaben von Bin
Laden waren. Dessen Aufenthaltsort ist seit dem Afghanistankrieg
unbekannt. Pakistans Präsident Pervez Musharraf hatte der
Nachrichtenagentur Reuters am Freitag gesagt, Bin Laden halte sich
vermutlich irgendwo in der abgelegenen und gebirgigen Grenzregion
zwischen seinem Land und Afghanistan auf. Die El Kaida wird unter
anderem für die Anschläge vom 11. September 2001
verantwortlich gemacht.
Die Türkei will von der geplanten Truppenentsendung nach Irak
absehen, wenn die Soldaten im Nachbarland "unerwünscht" sind. Die
Truppenentsendung sei kein "Muss", zitierte die türkische
Nachrichtenagentur Anadolu am Samstag den türkischen
Regierungschef Recep Tayyip Erdogan. "Wenn wir nicht erwünscht
sind, werden wir es nicht tun", sagte Erdogan am Rande eines Treffen
der Mittelmeer-Staaten auf Mallorca. Medienberichten zufolge
zögern inzwischen auch die USA, die Pläne zum Einsatz
türkischer Soldaten beim Wiederaufbau Iraks tatsächlich
umzusetzen. Der irakische Regierungsrat und insbesondere die
nordirakischen Kurden lehnen die Truppen aus dem Nachbarland
entschieden ab.
Die US-Marine ermittelt wegen des Todes eines irakischen Gefangenen
gegen acht ihrer Soldaten. Zwei Marine-Infanteristen könnten wegen
fahrlässiger Tötung angeklagt werden, sechs weitere
müssten sich wegen Körperverletzung, Falschaussage und
Verletzung ihrer Dienstpflichten verantworten, teilte ein
Militärsprecher am Freitag mit. Über die Eröffnung eines
Verfahrens werde ein Militärgericht entscheiden. Der Iraker starb
den Angaben zufolge im Juni.
(Quelle: afp, rtr, ap, dpa,)
Blick ins Archiv
«Amnesty International rügt Verhalten des US-Militärs im Irak»
«Die USA werden aufgerufen, ihre Gefangenen im US-Auffanglager am Bagdader Flughafen und im Gefängnis Abu
Ghreib westlich der irakischen Hauptstadt besser zu behandeln. Die Bedingungen unter denen die Häftlinge lebten,
wären grausam, unmenschlich und demütigend; sie grenzten an eine Art von Behandlung oder Bestrafung, die
gegen das internationale Recht verstoße...»
Mehr bei "telepolis" unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/15110/1.html
Mögliche Stationierung türkischer Truppen in Irak -
Irakische Bevölkerung misstraut der Türkei
So.12.10.03 - Besonders tief sitzen die Zweifel an den Absichten des Nachbarlandes
jedoch im Norden des Landes, wo die Kurden nach dem Golfkrieg 1991 ein
faktisches Autonomiegebiet errichteten und jetzt die mögliche
Stationierung türkischer Truppen fürchten. Das Angebot der
Türkei an die USA, zur Stabilisierung Iraks Soldaten zur
Verfügung zu stellen, lehnen sie vehement ab...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310120.htm#031012_a
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Nordkorea bekräftigt Forderung nach Nichtangriffspakt +++ Bush
lehnt Unterzeichnung eines solchen Paktes ab
So.19.10.03 - Nordkorea hat neue Verhandlungen über sein Atomprogramm von
Zugeständnissen der USA abhängig gemacht. Nur wenn die USA
einem Nichtsangriffspakt zustimmten, sei Nordkorea an Gesprächen
interessiert, meldete der staatliche Radiosender Pjöngjang am
Samstag.
Am Freitag scheiterte der Versuch Südkoreas, mit Nordkorea einen
neuen Termin für multilaterale Gespräche auszumachen. Daran
sollten auch die USA, Japan, China und Russland teilnehmen. Am
Donnerstag hatte das nordkoreanische Außenministerium
erklärt, Pjöngjang werde seine nukleare Abschreckungsmacht zu
gegebener Zeit konkret unter Beweis stellen. Dies wurde als Hinweis auf
einen möglichen Atombombentest gewertet.
Die USA haben nach den Worten von Präsident George W. Bush nicht
die Absicht, in Nordkorea einzumarschieren. Zugleich schloss Bush am
Sonntag in Bangkok aber die Unterzeichnung eines Nichtangriffspakts aus,
den Pjöngjang zur Bedingung für einen Verzicht auf sein
Atomprogramm macht. Bush erklärte, er werde in den kommenden Tagen
Gespräche mit verschiedenen asiatischen Regierungschefs über
Möglichkeiten zur Entschärfung der Krise führen.
Vielleicht gebe es andere Wege, Nordkorea davon zu überzeugen,
dass die USA das Land nicht angreifen würden. Ziel der USA sei
eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel. Bush traf am Samstag von
den Philippinen kommend in Thailand ein. Dort will Bush am Montag am
Gipfeltreffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC)
teilnehmen. Erst am Samstag hatte Nordkorea neue Verhandlungen über
sein Atomprogramm von Zugeständnissen der USA abhängig
gemacht.
(Quellen: ap, dpa)
APEC-Staaten wollen Sicherheit schaffen und Wirtschaft ankurbeln
Schärfere Kontrolle des Raketenhandels und gemeinsame
Maßnahmen gegen Sars vereinbart +++ Forderung nach Wiederaufnahme
der WTO-Verhandlungen
So.19.10.03 - Die Staaten der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC)
haben sich auf eine schärfere Kontrolle des Raketenhandels und
gemeinsame Maßnahmen gegen die Lungenkrankheit Sars geeinigt.
Vertreter der 21 APEC-Mitglieder forderten in Bangkok außerdem
eine Wiederaufnahme der WTO-Verhandlungen, die im September im
mexikanischen Cancún gescheitert waren. Mit ihrem Treffen am
Samstag schlossen die Außen- und Handelsminister die
Vorbereitungen für ein Gipfeltreffen der APEC-Staatschefs ab, das
am Montag beginnt.
Obwohl die APEC eine Wirtschaftsgemeinschaft ist, wurden bei dem
Treffen vorrangig Sicherheitsfragen erörtert.
US-Außenminister Colin Powell unterstrich den Zusammenhang
zwischen Wohlstand und Sicherheit: "Wirtschaftsführer werden nur
dort investieren, wo ihr Eigentum und ihre Angestellten sicher sind",
sagte er. "Die Menschen werden nur dorthin reisen und ihr Geld
mitbringen, wo sie sich sicher fühlen."
Auf Wunsch Powells beschlossen die Minister, die Verbreitung tragbarer
Raketen schärfer zu kontrollieren. Für den Flugverkehr gebe
es keine größere Bedrohung als diese Waffen, die von der
Schulter aus abgefeuert werden können, sagte Powell. In einer
Abschlusserklärung der Minister heißt es, jedes Land werde
die Kontrolle von Herstellung, Vorräten und Weitergabe" der
Raketen verschärfen. Auf ein Verbot der Waffen wollten sich die
meisten Minister jedoch nicht einlassen, offenbar aus
Rücksichtnahme auf die Rüstungsindustrie.
Die Regierungsvertreter beschlossen eine verstärkte Zusammenarbeit
zur Vermeidung einer neuen Sars-Welle, wie das thailändische
Außenministerium mitteilte. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
befürchtet, dass die Krankheit mit Beginn des Winters
zurückkehren könnte. Die rasche Ausbreitung des Schweren
Akuten Atemwegssyndroms im Frühjahr hatte in vielen asiatischen
Ländern einen Ausnahmezustand hervorgerufen und auch der
Wirtschaft schwer geschadet, vor allem der Tourismusbranche.
Ausdrücklich bedauerten die Minister das Scheitern der
WTO-Verhandlungen in Cancún, die von einer Gruppe von
Entwicklungsländern abgebrochen wurden. Damit sei eine Gelegenheit
verpasst worden, "echte Fortschritte bei der Liberalisierung des
Handels zu machen und die Wirtschaft in den Entwicklungsländern
anzukurbeln", heißt es in der Abschlusserklärung.
Zur APEC gehören neben den USA, Russland und China Australien,
Brunei, Chile, Hongkong, Indonesien, Japan, Kanada, Malaysia, Mexiko,
Neuseeland, Papua-Neuguinea, Peru, die Philippinen, Singapur,
Südkorea, Taiwan, Thailand und Vietnam.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Vier Tote bei neuen israelisch-palästinensischen Gefechten im
Gazastreifen +++ Hamas-Anführer im Gaza-Streifen getötet +++
Seit Beginn des Palästinenser-Aufstandes gegen die
Besatzungstruppen vor drei Jahren kamen mehr als 2180 Palästinenser und 830
Israelis ums Leben
So.19.10.03 - Feuergefechte zwischen Israelis und Palästinensern in den
Autonomiegebieten: Dabei starben vier Menschen. Der heftigste
Zwischenfall ereignete sich im Flüchtlingslager Rafah im
Süden des Gazastreifens. Israelische Soldaten haben haben dort am
Samstag nach Angaben von Sanitätern zwei Mitglieder der radikalen
Hamas-Bewegung getötet. Außerdem sei eine unbeteiligte Frau
durch Geschoss-Splitter getötet worden. Im Westjordanland schossen
Soldaten nach Berichten von Augenzeugen auf Steine werfende Jugendliche
und töteten einen 16-Jährigen.
Der 39-jährige Anführer des örtlichen militärischen
Flügels der Hamas Tarek Abu el Hussain wurde nach Berichten von
Augenzeugen bei einer Auseinandersetzung im Flüchtlingslager
Brasil im Süden des Gaza-Streifens von Soldaten erschossen.
Militante Palästinenser hätten die Soldaten angegriffen.
Neben Hussain sei ein weiteres Hamas-Mitglied umgekommen. Eine Frau sei
von Granatsplittern tödlich getroffen worden, als sie ihr Haus
verlassen habe. Sanitäter berichteten zudem von zehn Verletzten.
Aus Armeekreisen verlautete, die Soldaten hätten auf mehrere
bewaffnete Männer im Gebiet von Rafah geschossen, die versucht
hätten,
Anzeige
einen Sprengsatz zu legen. Die Hamas kündigte umgehend Vergeltung
an.
Israelische Soldaten befinden sich bereits seit Tagen in
Flüchtlingslagern im Süden des Gaza-Streifens. Nach
Armeeangaben suchen sie nach geheimen Tunneln, durch die die
Palästinenser Waffen aus Ägypten einschmuggeln. Seit dem 10.
Oktober töteten sie bei diesem Einsatz nach palästinensischen
Angaben 15 Palästinenser, darunter zwei Kinder. Nach Angaben der
Vereinten Nationen (UNO) zerstörten die Soldaten zudem mehr als
110 Häuser. Auch am Samstag sprengten die Soldaten nach Berichten
von Augenzeugen ein Haus.
In Tulkarm im Westjordanland kam es am Samstag zu gewaltsamen
Zusammenstößen zwischen Palästinensern und Soldaten.
Die Soldaten hätten das Feuer eröffnet und den
16-jährigen Jungen getötet. In Armeekreisen hieß es,
die Soldaten seien mit Brandsätzen beworfen und beschossen worden.
Daraufhin hätten sie das Feuer erwidert. Dabei sei ein Bewaffneter
getroffen worden.
Seit Beginn des Aufstandes der Palästinenser gegen die
Besatzungstruppen und für einen eigenen Staat vor gut drei Jahren
sind mehr als 2180 Palästinenser und 830 Israelis getötet
worden. Die meisten der Israelis starben bei Selbstmordanschlägen
palästinensischer Extremisten in Israel, von denen viele von der
Hamas verübt wurden.
(Quellen: rtr, dpa)
Mahathir hält Kritik an antisemitischen Äußerungen
für 'ungerecht
So.19.10.03 - Der malaysische Regierungschef Mahathir Mohamed hat die internationale
Kritik an seinen antisemitischen Äußerungen als "grob
ungerecht" zurückgewiesen. "Das ist eine Demonstration von
Parteilichkeit gegen die Moslems, dass man die Juden nicht kritisieren
darf, ohne des Antisemitismus beschuldigt zu werden", sagte Mahathir am
Freitag nach Abschluss des Gipfels der Organisation der Islamischen
Konferenz (OIC) im malaysischen Putrajaya. Die Europäer und Juden
hielten sich anscheinend für ein "privilegiertes Volk", "aber wir
denken nicht so", fügte er hinzu.
(Quelle: afp)
Carlos Mesa ist neuer Präsident Boliviens
Neuer Regierungschef in Bolivien geht auf Gewerkschaften zu
So.19.10.03 - Nach dem Rücktritt von Präsident Gonzalo Sánchez de
Lozada ist sein bisheriger Stellvertreter Carlos Mesa zum neuen
Staatschef Boliviens ernannt worden. Das Parlament in La Paz nahm das
nach wochenlangen Protesten eingereichte Rücktrittsgesuch von
Sánchez de Lozada an und erklärte den 50-jährigen Mesa
zu seinem Nachfolger. Dieser kündigte an, eine
"Übergangsregierung" bis zur Einberufung von Neuwahlen führen
zu wollen. Zudem solle ein Volksentscheid über die umstrittene
Erdgasausfuhr abgehalten werden.
Mesa, der sich schon vor einer Woche von der strikt neoliberalen
Politik des Präsidenten distanziert hatte, kündigte
vorgezogene Neuwahlen an und führte erste Gespräche mit
Politikern und Gewerkschaftsführern. "Wir müssen auf eine der
größten Herausforderungen in unserer Geschichte antworten",
sagte der 50-jährige Historiker.
In seiner Antrittsrede vor dem Parlament sprach Mesa denjenigen
Landsleuten seine "tiefste Achtung" aus, die bei den blutigen Protesten
der vergangenen Wochen "ihr Leben für das Vaterland, die
Demokratie und die Zukunft gelassen haben".
Über die Erdgas-Pipeline, an der sich der Aufstand der
Gewerkschaften gegen die Regierung entzündet hatte, solle das Volk
in einem "bindenden Referendum" entscheiden. Die Demonstranten hatten
kritisiert, dass Bolivien nach den Plänen der Regierung von den
Erdgaslieferungen über Chile in die USA kaum profitiere und nur
einen Bruchteil des Gewinns bekomme.
Zugleich kündigte Mesa an, er werde die bis 2007 laufende Amtszeit
seines Vorgängers nicht zu Ende führen. Er werde die
Regierungsgeschäfte nur solange leiten, bis das Erdgas-Referendum
abgehalten und eine Verfassungskonferenz einberufen worden sei. Danach
werde seine Übergangsregierung Neuwahlen anberaumen.
Oppositionsführer Evo Morales sagte, seine "Bewegung zum
Sozialismus" (MAS) stütze den neuen Präsidenten. Wegen
"ideologischer und kultureller Differenzen" wolle die Partei aber nicht
an der Regierung beteiligt werden. In der Innenstadt von La Paz
feierten tausende von Bergarbeitern, Bauern und Ureinwohnern den
Rücktritt des Präsidenten, wie ein AFP-Korrespondent
berichtete.
Die US-Regierung würdigte in einer Erklärung Sánchez
de Lozadas "Engagement für die Demokratie und das Wohl seines
Landes", bedauerte aber die Umstände, die zu seinem Rücktritt
führten. Der peruanische Präsident Alejandro Toledo
wünschte dem neuen bolivianischen Staatschef "besten Erfolg". Der
Historiker, Journalist und Medienunternehmer Mesa gilt als einer der
brillantesten Köpfe Boliviens, aber als politisch weitgehend
unerfahren. Im August 2002 wurde er zum Vize-Präsidenten des
Landes ernannt.
Mesa kündigte an, er werde gegen Sanchez de Lozada und zwei seiner
bisherigen Berater wegen der tödlichen Schüsse auf
Demonstranten ein Strafverfahren anstreben, möglicherweise vor
einem internationalen Gerichtshof. Nach Angaben von
Menschenrechtsgruppen kamen während der dreiwöchigen Proteste
etwa 65 Menschen ums Leben. Bei der Präsidentenwahl im vergangenen
Jahr hatte Mesa knapp gegen Sanchez de Lozada verloren.
Sanchez de Lozada flog nach seinem Rücktritt nach Washington, wie
der bolivianische Generalkonsul in Miami, Moises Jarmusz Levy,
mitteilte. Der stets von den USA unterstützte Präsident hatte
dem am Freitag sein Rücktrittsgesuch vorgelegt, nachdem die
Regierung mit dem Rückzug des Koalitionspartners Neue
Republikanische Kraft eine weitere Schlappe erlitten hatte.
Auf den Straßen von La Paz feierten tausende Menschen den
Rücktritt des Regierungschefs. "Das Volk hat gewonnen", riefen sie
nur wenige Straßen vom Präsidentenpalast entfernt.
Die deutsche Botschaft bereitete am Samstag die Ausreise einer Gruppe
von deutschen Staatsbürgern nach Peru vor. Von verschiedenen Orten
würden Touristen, Austauschschüler oder Kranke zum Flughafen
von La Paz gebracht, erklärte eine Sprecherin des Auswärtigen
Amts in Berlin.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv
Bolivianischer Präsident stürzt über Aufstand der Armen
Ursachen des Konflikts im ärmsten Land Südamerikas reichen
tief +++ Mehrheit der Bevölkerung ist indianischer Abstimmung und
arm sowie wirtschaftlich ausgegrenzt - Ergebnis einer strikt
neoliberalen Politik
Sa.18.10.03 - Mehr als drei Wochen lang revoltierten die Armen in Bolivien gegen die
herrschende Elite. Der Zorn der indianischen Bergarbeiter und Bauern
richtete sich gegen eine Politik der Marktwirtschaft, die es nicht
geschafft hat, die Kluft zwischen Reichen und Armen zu verringern. Am
Freitag gab Präsident Gonzalo Sanchez de Lozada dem Druck der
Straße nach und erklärte seinen Rücktritt...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310180.htm#03101808
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Deutschland:
Regierung wird vermutlich Rentenbeiträge erhöhen
In den Rentenkassen klafft Loch von acht Milliarden Euro +++
Rentenversicherer: Grund ist die hohe Arbeitslosigkeit +++ Experten und
Arbeitgeber: Höhere Rentenbeiträge kosten Jobs
So.19.10.03 - Ungeachtet gegenteiliger Zusagen werden die Spitzen von Bundesregierung
und Koalition am heutigen Sonntag in Berlin möglicherweise eine
Erhöhung der Rentenbeiträge beschließen. Am Nachmittag
will Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) Vertreter der Basis auf
einer Parteikonferenz über die Maßnahmen zur Reform der
Alterssicherung informieren.
Eine Anhebung sei angesichts des Milliardendefizits in der Rentenkasse
unumgänglich, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Samstag aus
Regierungskreisen. Am Freitag hatte der Schätzerkreis der
Rentenversicherung bekannt gegeben, dass in den Rentenkassen ein Loch
von acht Milliarden Euro klafft. Grund sei die hohe Arbeitslosigkeit,
hieß es bei den Rentenversicherern.
Als sehr wahrscheinlich gilt inzwischen, dass die Regierung ein
Abschmelzen der Schwankungsreserve der Rentenversicherung und eine
Nullrunde für die rund 20 Millionen Rentner in Deutschland
beschließen wird. In den Regierungskreisen hieß es, man
werde voraussichtlich auch eine spätere Auszahlung der
Altersbezüge für Neurentner beschließen. Dass die Renten
gekürzt werden, sei unwahrscheinlich. Allerdings würde es zu
einer faktischen Rentenkürzung kommen, wenn die Rentner einen
höheren Anteil zur Kranken- und Pflegeversicherung leisten
müssen.
Allerdings bekräftigte ein Sprechers des Bundessozialministeriums,
Ministerin Ulla Schmidt (SPD) halte an dem Ziel fest, die
Beitragssätze stabil bei 19,5 Prozent zu halten.
Vor der Rentenklausur von Bundesregierung und Koalition haben Experten
und Arbeitgeber eindringlich vor einer Erhöhung der
Beitragssätze gewarnt. Wirtschaftsexperten argumentieren, eine
Anhebung der Sozialabgaben brächte tausende Jobs in Gefahr.
Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung, sagte dem "Tagesspiegel", eine Erhöhung der
Beiträge wäre für die Stimmung in Deutschland fatal. "Das
würde mehr als 100 000 Arbeitsplätze vernichten." Holger
Schäfer vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft
hält sogar einen Abbau von bis zu 200 000 Jobs für
möglich. "Höhere Beiträge würden die anziehende
Konjunktur wieder abbremsen", sagte er zur Begründung.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt forderte in der "Welt", an der
Vorgabe eines stabilen Beitragssatzes dürfe nicht gerüttelt
werden. Als kurzfristige Maßnahmen schlug er vor, Neurenten erst
am Monatsende zu zahlen, die Schwankungsreserve vorübergehend
abzusenken und die Zuschüsse zur Kranken- und Pflegeversicherung
der Rentner zu reduzieren. Zudem müsse die im Juli 2004 vorgesehene
Rentenanpassung für ein Jahr ausgesetzt werden.
Aus der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) kommen
unterschiedliche Signale: BfA-Direktor Klaus Michaelis sprach sich in
den "Nürnberger Nachrichten" für eine moderate
Beitragserhöhung und eine Verschiebung der Rentenanpassung aus. Der
BfA-Vorstandsvorsitzende Hartmann Kleiner warnte dagegen eindringlich
vor höheren Beiträgen: "Aus Sicht der Wirtschaft ist das
Gift", sagte er dem "Tagesspiegel".
Scharfe Kritik kam vom Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Florian
Gerster, der von einer "Katastrophe für den Arbeitsmarkt" sprach.
"jeder Prozentpunkt mehr bei den Sozialbeiträgen kostet mindestens
100.000 Arbeitsplätze", sagte er.
Unklar ist noch, wie groß die Lücke in der Rnetenkasse
tatsächlich ist. Denn Finanzminister Eichel beharrt weiterhin
darauf, dass Sozialministerin Ulla Schmidt im Rentenetat zwei
Milliarden Euro einspart. Das sieht auch das Haushaltbegleitgesetz vor,
das der Bundestag am Freitag verabschiedet hat. Damit würde die
Finanzlücke auf zehn Milliarden erhöht und der Beitragssastz
müsste auf 20,5 Prozent steigen.
(Quellen: rtr, dpa, sz)
Angeblich keine Anrechnung der Ausbildungszeit bei der Rente mehr
So.19.10.03 - Ausbildungszeiten sollen künftig bei der Rentenberechnung nicht
mehr positiv zu Buche schlagen, wie die Zeitung "Bild am Sonntag" unter
Berufung auf Regierungskreise vorab berichtete. Dem Blatt zufolge will
die rot-grüne Bundesregierung bei ihrer Klausursitzung am
(heutigen) Sonntag in Berlin beschließen, dass Ausbildungszeiten
künftig nicht mehr als rentensteigernd angerechnet werden. Bislang
erhalte jeder Arbeitnehmer pauschal drei Ausbildungsjahre angerechnet,
früher seien es zuerst 13, dann sieben Jahre gewesen. Eine der
Folgen der beabsichtigten Streichung sei, dass es noch schwieriger
werde, 45 Beitragsjahre zu erreichen, die für eine Rentenzahlung
ohne Abschläge notwendig seien.
(Quelle: ap)
Nach Verabschiedung der Arbeitsmarktreformen:
Union auf beharrt ihren Positionen: CDU und CSU verlangen von Regierung Rücknahme der
Zugeständnisse an Reformkritiker
+++ IG-Metall und Verdi: Bleibt die SPD bei ihrem jetzigen Kurs,
müssen die Gewerkschaften andere
Bündnispartner suchen +++ CSU-Minister: Arbeitslose sollen jeden
Job annehmen
So.19.10.03 - Einen Tag nach der Verabschiedung der Arbeitsmarktreformen hat die
Union für das anstehende Vermittlungsverfahren von Bundestag und
Bundesrat das Beharren auf ihren Forderungen bekräftigt.
Die Zugeständnisse der rot-grünen Koalition an die Kritiker
in den eigenen Reihen müssten rückgängig gemacht werden,
verlangten CDU und CSU am Samstag. FDP-Chef Guido Westerwelle schlug
einen Oppositionsgipfel von Union und Freien Demokraten vor, um sich
auf eine gemeinsame Linie für das Vermittlungsverfahren zu
verständigen. Die SPD erneuerte ihre Kompromissbereitschaft, will
sich aber nicht um jeden Preis auf einen Konsens mit der Opposition
einlassen. Die Gewerkschaften warnten vor einer Rücknahme der
Zugeständnisse an die Kritiker in den Reihen von Rot-Grün.
Der Bundestag hatte am Freitag gegen die Stimmen von Union und FDP die
Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zum Juli 2004
beschlossen. Etwa 2,7 Millionen erwerbsfähige Bezieher von
Arbeitslosen- oder Sozialhilfe sollen dann das Arbeitslosengeld II
erhalten, das mit 345 Euro (West) und 331 Euro (Ost) monatlich nur noch
so hoch ist wie die Sozialhilfe. Grundsätzlich soll ihnen
künftig jede Arbeit zumutbar sein. Die rot-grünen Kritiker
hatten durchgesetzt, dass eine Arbeit auch für Langzeitarbeitslose
nur zumutbar ist, wenn dass Entgelt den tariflichen oder den
ortsüblichen Lohn nicht unterschreitet. Dies soll Lohndumping
verhindern. Der von der Union dominierte Bundesrat muss den Reformen
zustimmen.
Die Union machte deutlich, dass sie eine Rücknahme dieser
Zugeständnisse anstrebt. Der bayerische Bundesratsminister Erwin
Huber (CSU) sagte dem Magazin "Focus", schon die ursprüngliche
Reformagenda 2010 von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sei
unzureichend gewesen. "Das ist nun noch weich gespült worden."
Arbeitslose müssten jede angebotene Stelle annehmen und
hätten im Falle der Weigerung mit harten Sanktionen zu rechnen.
Wenn sie eine angebotene Stelle oder gemeinnützige Tätigkeit
verweigerten, "muss ihnen ihre Unterstützung massiv gekürzt
werden, die Sozialhilfe bis auf Null", sagte Huber. Auch müssten
Eltern in Zukunft für ihre arbeitslosen Kinder und diese für
ihre arbeitslosen Eltern einstehen. Ähnlich äußerte
sich auch Hessens CDU-Ministerpräsident Roland Koch in der Frage
der gegenseitigen Unterstützung von arbeitslosen Angehörigen.
FDP-Chef Westerwelle sagte der "Welt am Sonntag", jetzt komme es darauf
an, dass die Opposition im Vermittlungsausschuss einen geschlossenen
Kurs vertrete. "Ich rege einen Reformgipfel der Oppositionsparteien zur
Vorbereitung des Vermittlungsverfahrens an." CSU-Chef Edmund Stoiber
und der stellvertretende CDU-Vorsitzende Christoph Böhr
signalisierten Unterstützung für den Vorstoß.
SPD-Fraktionschef Franz Müntefering sagte der "Rheinischen Post"
aus Düsseldorf, Rot-Grün werde nach einem Konsens mit der
Union suchen, "aber nicht bedingungslos". Es gebe auch faule
Kompromisse. SPD-Generalsekretär Olaf Scholz äußerte
sich in der "Berliner Zeitung" zuversichtlich, dass es auch in der
strittigen Frage der Zumutbarkeit der Arbeitsaufnahme eine Einigung mit
CDU und CSU geben werde. "Auch die Union wird ihren Anhängern
nicht erklären können, dass man eine Arbeit annehmen muss,
von der man sich nicht ernähren kann."
Der Chef der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Hubertus Schmoldt,
warnte vor einer Rücknahme der Zugeständnisse an die
Kritiker. Schmoldt sagte der "Welt am Sonntag", die Beschlüsse vom
Freitag seien richtig gewesen, auch wenn einige Punkte für die
Gewerkschaften schmerzlich gewesen seien. DGB-Chef Michael Sommer sagte
in der Sonntagszeitung, die Union sollte "nicht der Versuchung
erliegen, sich auf Kosten der Arbeitslosen zu profilieren". Der
IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters und Verdi-Chef Frank Bsirske
erklärten, wenn die SPD an ihrem jetzigen Kurs festhielte,
müssten die Gewerkschaften nach anderen Bündnispartnern
Ausschau halten. Die Positionen der Union zum Arbeitsmarkt seien aber
für die Gewerkschaften "völlig inakzeptabel", sagte Bsirske
der "Berliner Zeitung".
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv
Die großen Verlierer der Reform des Arbeitslosengelds sind
Familien mit Kindern
Am deutlichsten werden die Arbeitslosenhilfe-Empfänger die
Gesetzesreform zu spüren bekommen: Bislang bekamen diejenigen,
deren Arbeitslosengeld auslief, mehr als die Hälfte ihres
vorherigen Netto-Einkommens. Im Durchschnitt waren das in München
613 Euro. Davon mussten allerdings auch Miete und Heizung bezahlt
werden...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310180.htm#031018_i
«Soll ich jetzt Straße fegen?»
Wie gebannt verfolgt die Magdeburgerin Rosemarie V. Abend für
Abend im Fernsehen Nachrichtensendungen und Diskussionen. Hartz-Gesetze
III und IV, Arbeitslosengeld I und II, Krankenversicherung und
Rentenbeiträge gehören zu den aktuellen Schlagworten,
für die sich auch die 50-Jährige interessiert. Und wenn das
Fernsehgerät längst ausgeschaltet ist, grübelt die Frau
weiter...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310180.htm#031018_h
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CDU-Spitze fordert von CSU Einlenken im Reformstreit
So.19.10.03 - Im unionsinternen Streit um ein Sozialreformkonzept haben führende
CDU-Politiker die CSU zum Einlenken aufgefordert. Parteichefin Angela
Merkel erklärte am Samstag in Cottbus, die Unionsparteien
müssten ihre Einigkeit schnell wieder herstellen.
CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer erwartet Bewegung von der
bayerischen Schwesterpartei. Der Vorsitzende der Jungen Union (JU),
Philipp Mißfelder, forderte, die Grundlinien des Herzog-Konzeptes
eins zu eins umzusetzen.
Merkel appellierte auf dem JU-Deutschlandtag in Cottbus an die Union,
schnell eine gemeinsame Position zu finden. Die CDU müsse auf dem
Parteitag Anfang Dezember die Weichen für die Zukunft stellen und
ein Programm für den Umbau der Sozialsysteme beschließen.
Danach sei wegen der zahlreichen anstehenden Wahlen bis zur
Bundestagswahl 2006 keine Gelegenheit mehr.
CDU-Generalsekretär Meyer kritisierte, die CSU stehe erst am
Anfang ihrer Beratungen. Da "ist sicher noch Bewegung drin", sagte
Meyer nach einem Bericht der "Super Illu" am Samstag. Er ließ
zudem erkennen, dass die CDU nicht auf eine Umsetzung des Konzepts der
Herzog-Kommission eins zu eins besteht. Nur die "große Linie"
müsse stimmen. Dagegen forderte der JU-Vorsitzende
Mißfelder, das Herzog-Konzept dürfe nicht verwaschen werden.
Die Kommission unter Altpräsident Roman Herzog hatte unter anderem
vorgeschlagen, langfristig die Krankenversicherung auf
Einheitsprämien unabhängig vom Einkommen umzustellen und das
Rentenalter auf 67 Jahre zu erhöhen. Beides lehnt die CSU-Spitze
ab. Allerdings forderten einige junge CSU-Abgeordnete gemeinsam mit
gleichaltrigen CDU-Abgeordneten CSU-Chef Edmund Stoiber zum Umdenken
auf, wie "Focus" berichtete. Sie wollten in der Unionsfraktion am
Dienstag ein "Manifest Deutschland generationengerecht!" vorlegen.
Merkel forderte die CDU auf, die Oppositionszeit zur Vorbereitung auf
die Regierungsübernahme zu nutzen. Zuvor hatte der hessische
Ministerpräsident Roland Koch seine Partei zu einer härteren
Gangart gegenüber Rot-Grün aufgerufen. "Wenn wir Deutschland
helfen wollen, muss diese Regierung so schnell wie möglich weg",
sagte er in Cottbus. "Wir müssen uns als Union sehr deutlich
absetzen von dem, was die Bundesregierung tut." Deshalb sei eine
schnörkellose, glasklare Opposition nötig.
Unterstützung für die Vorschläge des Herzog-Gremiums kam
auch vom früheren sächsischen Ministerpräsident Kurt
Biedenkopf. "Die Vorschläge der Herzog-Kommission sind richtig",
sagte der Rentenexperte. Die Sozialsysteme müssten jetzt schnell
umgebaut werden, weil sich die Umstellungslast auf immer weniger Jahre
zusammenballen würden. "Wenn weitere fünf bis acht Jahre
darüber geredet wird, können die Lasten nicht mehr getragen
werden", erklärte Biedenkopf.
Der Deutschlandtag der Jungen Union beschäftigt sich am Wochenende
vor allem mit dem Umbau der Sozialsysteme und der
Generationengerechtigkeit. Am Sonntag erwarten die Delegierten der
Unions-Nachwuchsorganisation den bayerischen Regierungschef Edmund
Stoiber.
(Quelle: ap)
Neues Steuerschlupfloch für Konzerne
So.19.10.03 - Die Bundesregierung hat nach einem "Spiegel"- Bericht in ihrem Gesetz
zum Abbau von Steuervergünstigungen ein neues Steuerschlupfloch
für Konzerne eingebaut. Das gestern vom Bundestag beschlossene
Gesetz sehe vor, dass Kapitalgesellschaften sämtliche
Aufwendungen, die beim Kauf von Beteiligungen anfallen, etwa Zinsen
oder Notarkosten, komplett von der Steuer abziehen dürfen. Im
Gegenzug sollen sie einen Teil der Dividenden oder
Veräußerungsgewinne versteuern müssen - allerdings nur
fünf Prozent.
(Quelle: dpa)
Verfassungsgericht bestätigt Verbot des 'Kalifatstaates'
So.19.10.03 - Der radikal-islamische "Kalifatstaat" bleibt verboten. Die
Auflösung der fundamentalistischen Vereinigung, an deren Spitze
der als "Kalif von Köln" bekannt gewordene Metin Kaplan stand,
verstößt nicht gegen die Religionsfreiheit im Grundgesetz,
entschied das Bundesverfassungsgericht in einem Beschluss vom Freitag.
Karlsruhe billigte das Vereinsverbot, das Bundesinnenminister Otto
Schily im Dezember 2001 verhängt hatte.
Auf den juristischen Streit um die Abschiebung Kaplans hat die
Entscheidung keinen Einfluss. Schily (SPD) mahnte im Interesse
Deutschlands eine schnelle Entscheidung über Kaplan an, da die
verfassungsfeindliche Haltung des Verbandes nun von den Karlsruher
Richtern bestätigt worden sei. Bayerns Innenminister Günther
Beckstein (CSU) sagte, nach der Abschaffung der Todesstrafe in der
Türkei sei nicht einzusehen, warum Kaplan nicht
zurückgebracht werden könne. Die Türkei müsse die
Einhaltung des Folterverbots zusagen.
Der Streit um Kaplans Abschiebung, der nach Verbüßung seiner
Haft im Mai entlassen worden war, liegt beim Oberverwaltungsgericht
Münster. Das Kölner Verwaltungsgericht hatte zwar den
Asylstatus des Islamisten aufgehoben, aber seine Abschiebung untersagt,
weil ihm in der Türkei ein nicht rechtsstaatliches Verfahren drohe.
Der "Kalifatstaat" hat nach den Worten des Gerichts beabsichtigt,
notfalls mit Gewalt eine staatliche Herrschaftsordnung durchzusetzen,
die mit den Grundsätzen von Demokratie und Rechtsstaat unvereinbar
sei. Die Richter verwiesen auf das Urteil des Oberlandesgerichts
Düsseldorf, das im November 2000 gegen Kaplan vier Jahre Haft
wegen eines Mordaufrufs verhängt hatte.
Dies mache hinreichend deutlich, dass es dem Verband und seinem
Anführer nicht um abstrakte Kritik am deutschen Verfassungssystem
gegangen sei. Sie hätten in aggressiv-kämpferischer Weise
versucht, die Ordnung des Grundgesetzes zu untergraben (Aktenzeichen: 1
BvR 536/03 - Beschluss vom 2. Oktober 2003). Die 2. Kammer des Ersten
Senats bekräftigte jedoch, dass die religiöse
Vereinigungsfreiheit besonderes Gewicht habe. Eine kritische Haltung
gegenüber dem Staat und seiner Rechtsordnung könne ein Verbot
nicht rechtfertigen.
Nach Einschätzung des nordrhein-westfälischen Innenministers
Fritz Behrens (SPD) hat der demokratische Rechtsstaat mit dem Verbot
des Kaplan-Verbandes islamischen Extremisten eine klare Grenze
aufgezeigt - was auch im Interesse der großen Mehrheit
friedlicher Muslime in Deutschland sei. Das vom
Bundesverwaltungsgericht bestätigte Verbot des Verbandes war
möglich geworden, nachdem das so genannte Religionsprivileg aus
dem Vereinsgesetz gestrichen worden war.
(Quelle: dpa)
Schärfere Instrumente zur Verfolgung von Terroristen
Straftatenkatalog um die Delikte Computersabotage, Zerstörung von
Bauwerken, Störung von Telekommunikationsanlagen, schwere
Gefährdung durch Freisetzen von Giften und Verstöße
gegen das Kriegswaffen- und Waffengesetz erweitert
So.19.10.03 - er Bundestag hat ma Freitag mit den Stimmen der rot-grünen
Koalition schärfere Instrumente zur Verfolgung von Terroristen
beschlossen. Der entsprechende Gesetzentwurf zur Änderung des
Terrorismus-Paragrafen 129a passierte am Freitag gegen die Stimmen von
Union und FDP das Parlament. Danach wird der Katalog der Straftaten
erweitert, einzelne Höchststrafen angehoben und der Begriff der
terroristischen Vereinigung um neue Kriterien ergänzt. Das
deutsche Recht wird damit auch an EU-Recht angepasst.
Justizministerin Brigitte Zypries sagte, das Gesetz ermögliche,
den Terrorismus in Zukunft in allen europäischen Mitgliedstaaten
auf einer vergleichbaren rechtlichen Grundlage zu verfolgen. Zentrale
Punkte seien die gemeinsame Definition für terroristische
Straftaten und die Vereinbarung gemeinsamer Zielsetzungen auf
europäischer Ebene. "Deutschland nimmt mittlerweile in Europa
einen Spitzenplatz bei der Terrorismusbekämpfung ein", betonte die
SPD-Politikerin.
Die Opposition übte dagegen heftige Kritik und bezeichnete den
Entwurf als ungenügend. Der CSU-Angeordnete Thomas Silberhorn
sagte, das Gesetz mit seinen "vielen dehnbaren Begriffen" sei kein
Signal zur Terrorismus-Bekämpfung sondern zu seiner Verharmlosung.
Er appellierte an die Regierung, sie solle aufhören, die
Strafverfolgung von Terroristen zu erschweren und solle stattdessen die
EU-Vorgaben befolgen.
Im Kern bleibt der Paragraf 129a des Strafgesetzbuches erhalten.
Gründer und Mitglieder einer terroristischen Vereinigung
können weiterhin mit einem Höchstmaß von zehn Jahren
Freiheitsstrafe bestraft werden, erklärte Zypries. Für die
Rädelsführer und Hintermänner einer solchen Vereinigung
drohten sogar 15 Jahre Haft.
Erweitert wird der Straftatenkatalog laut Zypries um die Delikte
Computersabotage, Zerstörung von Bauwerken, Störung von
Telekommunikationsanlagen, schwere Gefährdung durch Freisetzen von
Giften und Verstöße gegen das Kriegswaffen- und
Waffengesetz. Selbstverständlich werde in diesen Katalog auch die
schwere Körperverletzung aufgenommen. Strafbar sind diese Delikte
dann, wenn die Täter in «terroristischer Absicht»
handeln, das heißt, die Bevölkerung einschüchtern,
Behörden nötigen oder den Staat destabilisieren wollen. Die
Höchststrafe für Unterstützer terroristischer
Vereinigungen wird auf zehn Jahre heraufgesetzt.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Studie: Kampf gegen Terrorismus verletzt Menschenrechte +++
Systematische Beobachtung gefordert
Mi.30.07.03 - Das Deutsche Institut für Menschenrechte
[http:www.institut-fuer-menschenrechte.de]
hat eine systematische
und unabhängige Beobachtung des Menschenrechtsschutzes im Kampf
gegen den internationalen Terrorismus gefordert. In einer am Dienstag
in Berlin veröffentlichten Studie des Instituts heißt es,
bei der Terrorismusbekämpfung nach dem 11. September 2001 bestehe
eine Tendenz, sich auf militärische und polizeiliche
Maßnahmen zu beschränken...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0307300.htm#03073003
|
Telekom beklagt massive Entwertung des Fernmeldegeheimnisses
So.19.10.03 - Die Deutsche Telekom fühlt sich bei der
Telekommunikationsüberwachung von den
Strafverfolgungsbehörden übermäßig in Anspruch
genommen. Der Konzern beklagt vor allem, dass der Hunger der Ermittler
nach den heiß begehrten Verbindungsdaten stark zugenommen und
verfassungswidrige Auswüchse erreicht habe. Die
Verhältnismäßigkeit und die
Grundrechtsverträglichkeit der geforderten Eingriffe sei nicht
mehr gewahrt. "Allein die Anordnung massenhafter Zielwahlsuchläufe
bei Straftaten von allenfalls mittlerer Schwere hat ganz große
Ausmaße angenommen", ärgert sich Bernd Köbele, Leiter
der Abteilung "Staatliche Sicherheitssonderauflagen" des Konzerns. Um
etwa nur die häufig verlangten Kontakte zu ausländischen
Handy-Nutzern herausgeben zu können, "müssen wir unsere 50
Millionen Kunden alle drei Monate komplett durchrastern", so
Köbele. Dazu kämen täglich Tausende Abfragen von
Verbindungsdaten allgemeinerer Natur....
Mehr bei heise-online unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/anw-17.10.03-002/
Staatsanwalt droht Netzaktivist mit Berufsverbot
So.19.10.03 - Der Netzaktivist Alvar Freude hat sich wieder einmal durch eine Aktion
Ärger eingehandelt. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart droht ihm
sogar mit Berufsverbot. Sie reibt sich unter anderem an dem
Vorlesedienst "Freedom Fone" auf der Website Odem.org. Freude bietet
an, in Nordrhein-Westfalen gesperrte Internetseiten am Telefon
vorzulesen.
Der satirisch gemeinte "Dienst" wurde von der Staatsanwaltschaft
Stuttgart nun aufs Korn genommen. Dabei wird nicht nur die
Weiterleitung von Odem.org auf andere Websites mittels Redirect
technisch als Umgehung bestehender Websitesperren interpretiert und ihm
gar Unterstütung von Nazis und Volksverhetzung vorgeworfen. Man
droht Alvar über seinen Anwalt auch damit, neben Haft die
"Tatmittel einzuziehen und ein Berufsverbot auszusprechen". Zu
erwähnen ist hierbei, dass Alvar Freude freiberuflich tätig
ist.
Dabei werden Freude mittlerweile auch Verlinkungen zu Webseiten zur
Last gelegt, die weder mit den bisherigen Sperrverfügungen noch
seinen Projekten irgendwie zu tun haben, sich aber im Laufe der
Arbeiten an den Sperrverfügungen in den Akten angesammelt haben.
Freudes Verteidiger vermuten, dass die Düsseldorfer
Bezirksregierung den Beschuldigten mundtot machen will.
(Quelle: heise-online, [http://www.heise.de])
Mehr bei telepolis unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/te/15886/1.html
Graffiti-Künstler sprüht sich in die Tate Gallery
So.19.10.03 - Ein britischer Graffiti-Künstler hat das Wachpersonal der
berühmten Londoner Tate Gallery zum Narren gehalten und ein Bild
an die Wand eines Ausstellungsraumes gesprüht. Dem lediglich als
Banksy bekannten Sprayer gelang der Akt von "Kunst-Piraterie" bereits
am Mittwoch, wie die Galerie mitteilte. Der anonyme Künstler
gestaltete unter anderem bereits das Cover der jüngsten CD der
britischen Popgruppe Blur. Bekannt und berüchtigt wurde er durch
Aktionen wie das Besprühen von Mauern direkt neben einer
Polizeistation.
Auf seinem bislang letzten Kunstwerk in der Tate Gallery war eine
klassische Landschaftszene zu sehen mit einem Polizeiabsperrband davor.
Der Text neben dem Bild lautete: "Unsere Nation ist von der Obsession
der Bekämpfung von Verbrechen und Pädophilie verwüstet
worden." Nach einigen Stunden wurde das "Kunstwerk" wieder aus der Tate
Gallery entfernt.
(Quelle: afp)
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