Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertundachzehnten Tag nach Kriegsbeginn
US-Verteidigungsminister Rumsfeld geht von langem Militäreinsatz
in Irak aus: Stabilisierung im Irak erweise sich als sehr schwierig +++
Zahl der Angriffe auf US-Truppen deutlich gestiegen +++ Neuer Angriff
auf Schiiten-Organisation in Irak +++ Vorwürfe gegen UN:
Menschenleben im Irak leichtfertig riskiert +++ Geberkonferenz
berät über Wiederaufbau im Irak - Annan dämpft Erwartung
+++ Berlin unterstützt Irak mit 193 Millionen Euro +++
Kritiker warnen vor Ausverkauf Iraks an private Investoren
Do.23.10.03 - US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat in einem internen
Memorandum eingeräumt, dass sich die Stabilisierung der Lage in
Irak als sehr schwierig erweise. Es werde eine "lange, harte
Schinderei" werden, die Situation in Irak wie auch in Afghanistan in
Griff zu bekommen, betonte Rumsfeld in dem Schriftstück an seine
ranghöchsten Mitarbeiter, aus dem die Zeitung "USA Today" am
Mittwoch zitierte. Ein Sprecher des Pentagon bestätigte die
Existenz des Papieres, nannte aber keine Einzelheiten.
Die Zahl der Angriffe auf die US-Truppen in Irak ist in den vergangenen
drei Wochen deutlich gestiegen. Das räumte der amerikanische
Oberbefehlshaber in Irak, Generalleutnant Ricardo Sanchez, am Mittwoch
ein. Statt durchschnittlich 20 bis 25 gebe es inzwischen bis zu 35
Anschläge und Überfälle auf die Besatzungstruppen, sagte
Sanchez. Zwar seien Fortschritte bei der Wiederherstellung der
Sicherheitslage erzielt worden, die Bemühungen müssten jedoch
beschleunigt werden, sagte Sanchez.
Am Mittwoch wurden mindestens sechs US-Soldaten bei
Bombenanschlägen verletzt. Einer der beiden Sprengsätze
explodierte an einer Straße westlich von Falludschah, nach
Angaben von Augenzeugen wurden vier Soldaten verletzt. Bei der
Detonation in einem Tunnel im Zentrum Bagdads wurden zwei US-Soldaten
verwundet. Anwohner berichteten, in dem Tunnel seien bereits mehrfach
Anschläge auf US-Konvois verübt worden.
In der Stadt Nadschaf kam es erneut zu einem Angriff auf Mitglieder des
Obersten Rats für die Islamische Revolution in Irak (SCIRI). Ende
August war der Führer der Organisation, Mohammed Bakir el Hakim,
bei einem Bombenanschlag getötet worden. Dieses Mal griffen sechs
Bewaffnete das SCIRI-Hauptquartier in Nadschaf an, wie ein Sprecher
mitteilte. Vier Angreifer, den Angaben zufolge Anhänger des
gestürzten Präsidenten Saddam Hussein, seien festgenommen
worden. Der schiitische SCIRI war bis zum Sturz des von Sunniten
dominierten Baath-Regimes eine der wichtigen Oppositionsgruppen.
In Bakuba nordöstlich von Bagdad nahmen US-Soldaten bei einer
Razzia einen Generalmajor der irakischen Armee fest. Nahe Tikrit wurden
nach Angaben der Streitkräfte zehn Männer festgenommen,
darunter sechs gesuchte Verdächtige. Sie werden der Beteiligung an
Anschlägen auf die Besatzungstruppen beschuldigt. Außerdem
seien zahlreiche Waffen gefunden worden.
In Chaldijah bei Falludschah forderten Hunderte Demonstranten die
Freilassung von zwei Frauen. Die Frau und die Mutter eines von den USA
gesuchten früheren Offiziers der irakischen Armee wurden nach
Angaben von Anwohnern Anfang der Woche bei einer Hausdurchsuchung
festgenommen.
Die UN haben im Irak nach Überzeugung von Experten das Leben
hunderter Mitarbeiter mit unverantwortlicher Leichtfertigkeit aufs
Spiel gesetzt. Zwei Monate nach dem Bombenanschlag auf das
UN-Hauptquartier in Bagdad mit 22 Toten und 150 Verletzten beklagten
die Experten am Mittwoch in einem Bericht die Missachtung elementarster
Sicherheitsregeln.
Trotz deutlicher Warnungen vor einem Anschlag seien notwendige
Vorkehrungen zum Schutz des UN-Gebäudes in Bagdad nicht getroffen
worden, rügte die von UN-Generalsekretär Kofi Annan berufene
Kommission unter Leitung des früheren finnischen Präsidenten
Martti Ahtisaari. Mehr als eine Woche vor dem Anschlag am 19. August
hätten dem UN-Sicherheitsteam in Bagdad Informationen über
ein bevorstehendes Bombenattentat im Umfeld des UN-Gebäudes
vorgelegen.
Der von den USA angebotene Schutz des UN-Komplexes wurde nach
Erkenntnissen der Ermittler ausgeschlagen. Sperranlagen, die von
US-Truppen auf der Straße vor dem Büro des
UN-Sonderbeauftragten Sergio Vieira de Mello errichtet worden waren,
ließen die UN wieder abbauen. Auf dieser Straße fuhren dann
am 19. August Attentäter mit einem Lastwagen bis vor das Fenster
des UN-Beauftragten und zündeten die Bombe, die Vieira de Mello
und 21 weitere UN-Mitarbeiter tötete.
Ahtisaari rät den UN dringend, ihr gesamtes Sicherheitssystem von
unabhängigen Fachleuten überholen zu lassen. Nicht nur im
Irak, sondern auch in zahlreichen weiteren Krisengebieten seien
Mitarbeiter der Weltorganisation gefährdet.
Vor der Internationalen Geberkonferenz für Irak, die am heutigen
Donnerstag in Madrid beginnt, haben Kritiker vor einem Ausverkauf Iraks
an private Investoren gewarnt. Der von der US-Zivilverwaltung in Bagdad
vorgelegte Investitionskodex erlaubt eine vollständige
Übernahme irakischer Unternehmen durch Ausländer. Einzige
Ausnahme ist der Ölsektor. "Das wird Irak zu einer Bananenrepublik
machen", warnte am Mittwoch die Organisation Occupation Watch. Die
Gruppe wurde in San Francisco gegründet, um das Vorgehen der
Besatzungsmächte in Irak zu beobachten, und hat ein eigenes
Büro in Bagdad.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die Erwartungen an das
zweitägige Treffen in Madrid gedämpft. "Ich erwarte nicht,
dass die Regierungen morgen alles auf den Tisch legen werden, was sie
künftig für Irak tun wollen", sagte Annan am Mittwochabend
nach einem Gespräch mit dem gastgebenden spanischen
Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar. Er rechne jedoch mit genug
Zusagen, um mit dem Wiederaufbau Iraks nachhaltig beginnen zu
können. Aznar wies darauf hin, dass der Wiederaufbau Iraks Jahre
dauern werde.
Annan wird die Konferenz am heutigenDonnerstag eröffnen. Die USA
versuchen von den über 70 Teilnehmerstaaten 36 Milliarden Dollar
(31 Milliarden Euro) für den Wiederaufbau Iraks
zusammenzubekommen. Derzeit liegen Hilfszusagen von nur wenigen
Milliarden Dollar vor.
Frankreich kündigte an, keine über die von der EU zugesagte
Summe hinausgehenden Finanzhilfen an Irak zu leisten. Wie der
französische Außenminister Dominique de Villepin mitteilte,
werde sich Frankreich weder finanziell noch durch weitere
Zusammenarbeit engagieren.
Auch von Deutschland sind keine weiteren Beiträge zum Wiederaufbau
Iraks zu erwarten, wie Entwicklungshilfeministerin Heidemarie
Wieczorek-Zeul am Mittwoch in Berlin unterstrich. Laut Wieczorek-Zeul
wird Deutschland bilateral sowie über die EU und die Weltbank
insgesamt rund 193 Millionen Euro zum Wiederaufbau Iraks beisteuern.
Die deutsche Delegation wird von Wieczorek-Zeuls Staatssekretär
Erich Stather geleitet. Die Ministerin wies darauf hin, dass auch
andere Staaten in Madrid nicht auf Ministerebene vertreten sein werden.
(Quellen: ap, afp, dpa)
Deutschland soll sich an den Folgekosten des Irakkrieges beteiligen.
Dabei belasten schon einige Kriege den Bundeshaushalt.
Ein Vergleich:
Golfkrieg 1990/1991: Die Regierung Kohl unterstützte die Krieg
führenden Parteien USA, Großbritannien und Frankreich laut
Angaben des Auswärtigen Amtes mit 8,3 Milliarden Euro.
Balkankriege: Auf dem Balkan engagierte sich die Bundesregierung
zwischen 1991 und 2002 mit rund 4,1 Milliarden Euro. Drei Viertel davon
entfielen seit 1998 mit gut 2,7 Milliarden Euro auf die Ausgaben
für Bundeswehreinsätze in Bosnien, Kosovo und in Mazedonien.
Auf weitere 1,2 Milliarden Euro werden die Kosten für den
Balkan-Stabilitätspakt vom Jahr 2000 bis heute veranschlagt.
Afghanistan: Bis Ende 2002 beteiligte sich der Bund mit knapp 440
Millionen Euro am Wiederaufbau des zerstörten Landes. Der
Löwenanteil entfiel dabei mit etwa 300 Millionen Euro auf die
Kosten für den Isaf-Einsatz.
Irakkrieg 2003: Insgesamt will sich Deutschland mit 193 Millionen Euro
in der humanitären Hilfe im Irak und im Wiederaufbau des Landes
engagieren. Rund 68 Millionen davon fließen in die EU-Hilfe ein.
Außerdem hat Entwicklungsministerin Heidi Wieczorek-Zeul gestern
angekündigt, sich mit 44 Millionen an den geplanten
Weltbank-Krediten zu beteiligen.
tageszeitung vom 23.10.03
http://www.taz.de/pt/2003/10/23/a0141.nf/text
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Lautstarke Proteste bei Bush-Besuch in Australien
Kriegsgegner demonstrieren in und außerhalb des Parlaments in
Canberra +++ Bush dankt australischer Regierung Beteiligung am
Irak-Krieg
Do.23.10.03 - Demonstrationen von Kriegsgegnern haben am Donnerstag in- wie
außerhalb des australischen Parlaments eine Rede von
US-Präsident George W. Bush begleitet. Zwei Senatoren der
Grünen Partei wurden nach Zwischenrufen des Saales verwiesen,
weigerten sich aber, der Anordnung Folge zu leisten. Vor dem Parlament
in Canberra demonstrierten mehrere tausend Anhänger der
Friedensbewegung mit Trommeln und Sprechchören gegen die Rede
Bushs.
Der US-Präsident hielt in seiner Ansprache inne, als er von
Senator Bob Brown mit Zwischenrufen unterbrochen wurde. Bei einer
weiteren Störung durch Kerry Nettle lächelte er und sagte:
"Ich liebe die Meinungsfreiheit." 41 Abgeordnete der Arbeiterpartei
unterzeichneten einen Brief an Bush, in dem sie ihre Ablehnung des
Irak-Kriegs deutlich machten. Ein Teil der Labour-Abgeordneten blieb
demonstrativ sitzen, als sich die Parlamentsmehrheit zum Beifall
für Bush erhob.
Bush dankte der australischen Regierung vor beiden Kammern des
Parlaments für ihre Beteiligung am Krieg gegen Irak. "Amerika,
Australien und andere Nationen handelten in Irak, um eine ernste und
zunehmende Gefahr zu beseitigen, anstatt sich aufs Wünschen und
Warten zu verlegen. während die Tragödie näher kam."
Ministerpräsident John Howard sei "eine
Führungspersönlichkeit von außergewöhnlichem Mut".
In einem Gespräch mit Howard vor der Rede im Parlament
äußerte Bush die Hoffnung, dass ein Freihandelsabkommen mit
Australien bis Dezember fertig gestellt werde.
Die vor dem Parlament versammelten Demonstranten zogen nach der Rede
Bushs vor die US-Botschaft. Dort kam es zu vereinzelten Rangeleien mit
Polizisten. Plakate der Demonstranten trugen Parolen wie "Go back to
Texas" oder "Osama bin Bush".
Der US-Präsident traf aus Indonesien in Australien ein. Seine
Reise führte ihn in insgesamt sechs Staaten. In Thailand nahm Bush
am Gipfeltreffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft
(APEC) teil.
(Quelle: ap)
US-Verteidigungsminister zieht skeptische Zwischenbilanz
im Krieg gegen den Terror
Rumsfeld: Wir haben noch nicht richtig kühne Schritte unternommen
Do.23.10.03 - Der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat in einer
internen Aktennotiz eine skeptische Zwischenbilanz im Krieg gegen den
internationalen Terrorismus gezogen. Den USA stehe noch ein langer,
harter Kampf gegen das Netzwerk El Kaida bevor, heißt es in dem
Memo an Rumsfelds Stellvertreter Paul Wolfowitz und führende
Generäle. Das Pentagon veröffentlichte das interne Schreiben,
nachdem die Tageszeitung "USA Today" am Mittwoch darüber berichtet
hatte.
Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 seien Schritte in
die richtige Richtung unternommen worden, schrieb Rumsfeld und
fügte hinzu: "Aber ist das genug?" Es sei sein Eindruck, "dass wir
noch nicht richtig kühne Schritte unternommen haben". Bei der
Verfolgung der 55 führenden Mitglieder des gestürzten Regimes
in Irak gebe es bedeutende Erfolge. Die Fahndung nach den
führenden Taliban-Funktionären in Afghanistan komme aber nur
langsam voran.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israel hält auch nach UN-Resolution an Sperrzaun fest +++
Kontroverse: Israels Armee bestreitet Tötung von Zivilisten +++
Israelischer Außenminister Shalom verteidigt bei
Deutschlandbesuch Nahost-Politik seines Landes
Do.23.10.03 - Allen Protesten der Vereinten Nationen zum Trotz will Israel an seinen
Sperranlagen im Westjordanland festhalten. "Der Zaun wird weiter
gebaut", bekräftigte der stellvertretende Ministerpräsident
Ehud Olmert am Mittwoch im israelischen Rundfunk. Bei Feuergefechten im
Westjordanland wurden drei Palästinenser getötet. Der Besuch
eines israelischen Ministers auf dem Jerusalemer Tempelberg löste
heftige Proteste der Muslime aus.
144 Länder stimmten am Dienstabend in der UN-Vollversammlung
für den Resolutionsentwurf zur Verurteilung der Sperranlagen. Vier
waren dagegen, darunter Israel und die USA, zwölf enthielten sich.
Die arabischen Staaten verzichteten auf einen zweiten Entwurf, in dem
der Internationale Gerichtshof in Den Haag um eine Einschätzung zu
dem Sperrzaun gebeten werden sollte. Außerdem stimmten sie zu,
eine Verurteilung palästinensischer Selbstmordanschläge in
den Text aufzunehmen. UN-Generalsekretär Kofi Annan wurde
aufgerufen, die Einhaltung der formal nicht bindenden
Entschließung regelmäßig zu überprüfen. Die
USA hatten vergangene Woche eine ähnliche Resolution im
Weltsicherheitsrat mit ihrem Veto blockiert.
Der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman kritisierte, die
UN-Vollversammlung werde als politische Waffe missbraucht. Olmert
beklagte, man werde sich nicht an die Anweisungen einer Mehrheit
halten, die Israel schon immer feindlich gesinnt gewesen sei. Der
palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat erklärte
dagegen, der Weg zum Frieden führe nicht über Siedlungen und
Sperrmauern, sondern über einen Friedensprozess.
Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor,
sagte der Deutschen Welle, die Regierung in Jerusalem werde die
UN-Resolution ignorieren, da sie sich der Unterstützung der USA
sicher sein könne. Er verwies darauf, dass der Grenzzaun
ursprünglich auch von linken und gemäßigten
Kräften propagiert worden sei. Allerdings hätten diese Kreise
zuvor eine Evakuierung der jüdischen Siedler aus den besetzten
Gebieten verlangt. Dies habe Ministerpräsident Ariel Scharon
jedoch versäumt. Der Likud-Chef betrachte den Grenzzaun eben nicht
als friedliche Trennlinie zwischen zwei Territorien, sagte Primor.
Bei Razzien in Hebron und Kalkilja wurden nach Armeeangaben zwei
militante Palästinenser erschossen und 18 weitere festgenommen.
Nach einem Feuergefecht töteten Soldaten in der jüdischen
Siedlung Tel Romeida einen Palästinenser. In Gaza feuerten Truppen
auf zwei Palästinenser, die nahe dem dortigen Sperrwall offenbar
Sprengsätze legen wollten.
Muslimische Geistliche in Jerusalem reagierten mit scharfer Kritik auf
einen heimlichen Besuch des israelischen Ministers für
öffentliche Sicherheit, Tsahi Hanegbi, auf dem Tempelberg. Dieser
ist das dritthöchste Heiligtum des Islams, wird aber auch von
Juden beansprucht. "Das ist kein Besuch, das ist ein Angriff", sagte
Adnan Husseini, der Vorsitzende des Islamischen Rates. Die so genannte
zweite Intifada begann nach einem Besuch Ariel Scharons am 28.
September 2000 auf dem Tempelberg.
Der zweistündige Besuch war Israel zufolge mit den Muslimen
abgesprochen. Hanegbi habe sich vor Beginn des islamischen Fastenmonats
Ramadan in der kommenden Woche einen Überblick über die
Sicherheitsvorkehrungen verschaffen wollen.
Die israelische Armee hat am Mittwoch palästinensische Angaben
bestritten, wonach bei einem ihrer Luftangriffe am Montagabend in Gaza
sieben Zivilisten, darunter ein Arzt und ein zwölfjähriger
Junge getötet wurden.
Armeesprecher zeigten Journalisten eine von einem unbemannten Flugzeug
(Drohne) aufgenommenes Infrarot-Video, das den Beschuss eines
palästinensischen Autos durch einen israelischen Kampfhubschrauber
im Flüchtlingslager Nusseirat zeigt. Daraus gehe klar hervor, dass
zum Zeitpunkt des Einschlags der zwei israelischen Raketen keine
Palästinenser in der Nähe des Fahrzeugs standen.
Palästinensische Augenzeugen hatten berichtet, eine israelische
Rakete sei in das Auto von zwei mutmaßlichen Extremisten
eingeschlagen, als zahlreiche Palästinenser versuchten, die
Insassen zu bergen. Sieben Opfer des israelischen Angriffs waren am
Dienstagnachmittag unter Anteilnahme Tausender zu Grabe getragen worden.
Der israelische Außenminister Silvan Shalom hat zu Beginn seines
Deutschlandbesuchs die Nahost-Politik seines Landes verteidigt. "Es ist
auch unser Recht, unser Land und unsere Bürger zu verteidigen, ein
Recht, das uns niemand nehmen kann", sagte Shalom am Mittwoch
während eines Aufenthaltes in der KZ-Gedenkstätte
Sachsenhausen im brandenburgischen Oranienburg. Der Antisemitismus
breite sich in Europa, aber auch in der arabischen und moslemischen
Welt immer massiver aus.
Am Nachmittag traf Shalom in Berlin Bundeskanzler Gerhard Schröder
zu einem kurzen Meinungsaustausch. Die Ergebnisse des Gesprächs
wurden zunächst nicht bekannt gegeben.
Shalom will sich insgesamt drei Tage in Deutschland aufhalten. Im
Berliner Regierungsviertel wurden die Sicherheitsmaßnahmen am
Mittwoch massiv verschärft. Vor seinen politischen Gesprächen
in der Hauptstadt besuchte Shalom die KZ-Gedenkstätte
Sachsenhausen.
"Der Staat Israel ist die einzige Gewähr für die Sicherheit
der Juden, wo immer sie sich befinden", erklärte er in einer Rede.
Auch die arabischen Antisemiten leugneten die Shoa und hetzten
täglich gegen das jüdische Volk sowie das Existenzrecht des
Staates Israel. "Es ist unsere gemeinsame Pflicht, alle antisemitischen
und rassistischen Erscheinungen jeglicher Art, in ihrem alten oder
neuen Gewand, schon bei ihrem ersten Auftreten auszumerzen", forderte
der Außenminister.
Shalom besuchte eine Ausstellung über jüdische Häftlinge
in der früheren Baracke 38. Dort traf er sich mit dem
Überlebenden Adam König, der 1939 aus Frankfurt am Main
zunächst nach Oranienburg und 1942 weiter ins KZ Birkenau
deportiert worden war. König hatte gemeinsam mit anderen
Häftlingen einen Aufstand gegen die SS organisiert.
Am Ende seines Besuches, bei dem er vom israelischen Botschafter in
Deutschland, Shimon Stein, vom brandenburgischen Innenminister
Jörg Schönbohm und von Mitgliedern der Jüdischen
Gemeinde Berlin begleitet wurde, legte Shalom am früheren Platz
des KZ-Krematoriums einen Kranz nieder.
Das Lager Sachsenhausen in Oranienburg nördlich von Berlin war
1936 als Muster-KZ errichtet worden. Bis 1945 waren mehr als 200.000
Menschen dort interniert, darunter mehr als 10.000 Juden. Die ersten
Häftlinge waren politische Gegner der Nationalsozialisten sowie
aus rassistischen Gründen Verfolgte, ab 1939 kamen Bürger aus
den von Deutschland besetzten Staaten hinzu.
Zehntausende Internierte starben nach Misshandlungen und Zwangsarbeit,
wegen Hungers und Krankheiten. Bei der Befreiung des KZ am 22. April
1945 fand die Rote Armee nur etwa 3.000 Kranke, Ärzte und Pfleger
vor, nachdem in den Wochen zuvor nochmals Tausende von Häftlingen
während eines Todesmarsches zur Räumung des Lagers durch die
SS ums Leben gekommen waren.
(Quellen: ap, dpa)
Venezuela wirft CIA Spionage vor
Do.23.10.03 - Die Regierung in Venezuela hat ihre Spionagevorwürfe gegen die USA
bekräftigt. Abgeordnete der Regierungspartei von Präsident
Hugo Chavez führten am Mittwoch ein Video auf, das nach ihrer
Darstellung CIA-Agenten bei der Ausbildung von regierungsfeindlichen
Offizieren und Polizisten zeigt. Die Aufnahmen seien im Juni in
Venezuela gedreht worden, sagte der Abgeordnete Nicolas Maduro.
Die US-Botschaft in Caracas erklärte dazu, das Video zeige keine
CIA-Mitarbeiter, sondern Angehörige einer privaten
Sicherheitsfirma. Die US-Regierung habe mit der in dem Video gezeigten
Veranstaltung nichts zu tun. Den Spionagevorwürfen fehle jede
Grundlage. "Die Politik der Vereinigten Staaten besteht darin, die
Demokratie zu unterstützen", hieß es in einer Erklärung
der US-Botschaft.
Die Beziehungen zwischen Venezuela und den USA sind seit dem
Amtsantritt von Chavez im Februar 1999 gespannt. Dazu tragen die
demonstrativ engen Beziehungen der linksgerichteten Regierung Chavez zu
Kuba ebenso bei wie das Vorgehen der Regierung in Caracas gegen die
Oppositionsbewegung im eigenen Land.
(Quelle: ap)
Ruanda hat die meisten Frauen im Parlament
Do.23.10.03 - Das neu gewählte Parlament in Ruanda hat die höchste
Frauenquote der Welt. 39 der 80 Abgeordneten sind weiblich, was einem
Prozentsatz von 48,8 entspricht. Damit hat das zentralafrikanische Land
Schweden auf den zweiten Platz verwiesen: Dort beträgt die
Frauenquote 45,3 Prozent. Dies geht aus einer am Mittwoch in Genf
veröffentlichten Studie der Interparlamentarischen Union (IPU
[http://www.ipu.org/wmn-e/classif.htm])
hervor.
Den dritten Platz belegt demnach Dänemark mit einer Frauenquote
von 38,0 Prozent. Es folgen Finnland (37,5 Prozent), die Niederlande
(36,7 Prozent), Norwegen (36,4 Prozent), Kuba (36,0 Prozent), Belgien
(35,3 Prozent), Costa Rica (35,1 Prozent) und Österreich (33,9
Prozent).
Deutschland liegt mit 32,2 Prozent auf Platz 11, Großbritannien
mit 17,9 Prozent erst auf Platz 50. Das amerikanische
Repräsentantenhaus teilt sich den 60. Platz mit Andorra (14,3
Prozent). Frankreich belegt mit 12,2 Prozent erst den 66. Platz.
Der weltweite Durchschnitt für weibliche Parlamentarier
beträgt laut IPU nunmehr 15,2 Prozent, einer der höchsten
Werte aller Zeiten. Das gute Abschneiden von Frauen bei der Wahl in
Ruanda wird darauf zurückgeführt, dass von Anfang an 24 der
80 Sitze für sie reserviert waren. 15 weitere konnten sie im
Wettbewerb mit männlichen Kandidaten zusätzlich gewinnen.
(Quelle: ap)
Indien schlägt Pakistan Schritte zur Normalisierung vor
Do.23.10.03 - Zur Aussöhnung mit Pakistan und zur Lösung des
Kaschmir-Konflikts hat Indien völlig überraschend gleich zwei
Initiativen gestartet. Außenminister Yashwant Sinha legte am
Mittwoch ein Zwölf-Punkte-Programm für die Normalisierung der
Beziehungen zu Islamabad vor. Zuvor hatte das Kabinett
Vizeregierungschef Lal Krishna Advani zu Gesprächen mit
kaschmirischen Rebellen autorisiert. Die Separatisten
begrüßten die Ankündigung, aus Pakistan gab es
zunächst keine offizielle Reaktion.
Die Normalisierungsvorschläge, die Sinha bei einer Pressekonferenz
in Neu-Delhi unterbreitete, beinhalten etwa eine Wiederherstellung der
Verkehrsverbindungen zwischen den jeweiligen Hauptstädten des
geteilten Kaschmirs - Srinagar auf indischer und Muzaffarabad auf
pakistanischer Seite. Bus- und Eisenbahnlinien sollen ebenso
ausgeweitet werden wie der Flugverkehr, ferner soll Bürgern
über 65 Jahren auch der Grenzübergang zu Fuß genehmigt
werden. Dies würde die Familienzusammenführung in der
geteilten Region entschieden erleichtern.
Auch zwischen Neu-Delhi und Lahore soll es nach indischer Vorstellung
mehr Busverbindungen geben. Desweiteren schlug Sinha gemeinsame
Sportveranstaltungen beider Länder vor. Auch sollen die
diplomatischen Kontakte intensiviert werden. Der Außenminister
betonte allerdings, dass Indien weiterhin gezielt gegen militante
Gruppen im kaschmirischen Grenzgebiet vorgehen werde. Pakistan wurde
abermals aufgerufen, das Eindringen islamischer Extremisten ins
überwiegend von Hindus bewohnte Indien zu verhindern.
Das Angebot eines Dialogs mit den Separatisten in Kaschmir wurde als
besonders bedeutender Schritt zu einer Beilegung des Konflikts
gewertet. Ein ranghoher Geheimdienstbeamter in Kaschmir sagte der
Nachrichtenagentur AP, die indische Regierung habe ihre Haltung
geändert, da alle bisherigen Versuche zur Lösung des Problems
gescheitert seien.
Gesprächspartner von Vizeregierungschef Advani soll nach dem
Willen Indiens der Vorsitzende der kaschmirischen Allparteienkonferenz
Hurriyat, Moulvi Abbas Ansari, sein. Dies ist ein Zusammenschluss
religiöser und politischer Parteien in der Region. Die indische
Nachrichtenagentur PTI zitierte Ansari mit den Worten, die Entscheidung
der Regierung komme zwar spät, sei aber ein gutes Zeichen.
Die Regierung lehnte direkte Gespräche mit Hurriyat bislang ab.
Hurriyat wiederum hat sich stets geweigert, mit niederrangigen
Unterhändlern zu reden. Die Separatisten boykottieren seit Jahren
Wahlen und weigern sich, die Souveränität Indiens über
dessen Teil Kaschmirs anzuerkennen. Nach internen Differenzen hat sich
die Allparteienkonferenz in den vergangenen Wochen aber gespalten, so
dass ihr Einfluss geschwunden ist.
Im indischen Teil Kaschmirs kämpfen mehr als ein Dutzend
muslimische Gruppen für die Unabhängigkeit oder den Anschluss
an Pakistan. Bislang kamen in den Auseinandersetzungen mehr als 63.000
Menschen ums Leben. Die heutigen Atommächte Indien und Pakistan
haben seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien vor einem
halben Jahrhundert zwei Kriege um die Himalaya-Region geführt.
(Quelle: ap)
Friedensbemühungen in Nordirland in der Schwebe
Gespräche zwischen Sinn Fein und Ulster Unionists +++ Streit um
die IRA-Entwaffnung
Do.23.10.03 - Nach dem fehlgeschlagenen Versuch zur Wiederbelebung des
Friedensprozesses in Nordirland haben die beiden Hauptvertreter von
Katholiken und Protestanten den Gesprächsfaden wieder aufgenommen.
Wie erst am Mittwoch bekannt wurde, kam es am Vorabend zu einem kurzen
Gespräch zwischen Gerry Adams von der pro-irischen Partei Sinn
Fein und David Trimble von der pro-britischen Ulster Unionist Party.
Beobachtern zufolge dürfte es den beiden indes schwer fallen, die
Differenzen über die geforderte Abrüstung der
Untergrundgruppe IRA beizulegen. Trimble reiste unterdessen zu
Gesprächen mit britischen Regierungsvertretern nach London.
Premierministers Tony Blair und sein irischer Kollege Bertie Ahern
waren am Vortag in der Erwartung nach Belfast gekommen, einen weiteren
Schritt im Friedensprozess besiegeln zu können, der jedoch am
Streit um die IRA-Entwaffnung scheiterte.
In Erwartung einer Einigung hatte Großbritannien bereits einen
Termin für die im Mai verschobenen
Anzeige Wahlen zur nordirischen Regionalregierung bekannt gegeben. Ihr
Optimismus gründete sich auf die Mitteilung der IRA, sie habe eine
weitere größere Menge Waffen "außer Dienst gestellt".
Der für die Überwachung dieser Aktion verantwortliche
kanadische Ex-General John de Chastelain bestätigte am Dienstag,
dass die IRA automatische Waffen, Sprengstoff und andere Waffen
aufgegeben habe, und zwar mehr als bei den zwei vorangegangen
Abrüstungsaktionen der IRA. Details nannte er aber nicht.
Trimble kritisierte dies als Geheimniskrämerei und bezeichnete den
Abrüstungsschritt als unzureichend: "Was wir in dieser Situation
gebraucht hätten, wäre ein klarer, transparenter Bericht
über Abrüstungsschritte, die in ihrem Umfang (...) gezeigt
hätten, dass es einen neuen Rahmen (für den Friedensprozess)
gibt." Unglücklicherweise sei dies nicht geschehen. Wegen der
Enttäuschung darüber werde er zunächst keine weiteren
Schritte auf dem Weg zu einer Neuauflage einer gemeinsamen
Provinzregierung mit den Kontrahenten unternehmen.
Ein sichtlich enttäuschter Blair sagte danach, er werde
"versuchen, versuchen und nochmals versuchen", den Friedensprozess
wiederzubeleben. Beobachter halten dies aber für schwierig. "Ein
Tag, der einen Durchbruch bringen sollte, endete in einem chaotischen
Zusammenbruch", schrieb der Kommentator des "Independent". Es werde
einige Zeit brauchen, um die Dinge wieder ins Lot zu bringen.
Der jahrzehntelange Bürgerkrieg zwischen den beiden Gruppen war
1998 auf der Basis eines am Karfreitag abgeschlossenen Abkommens
vorerst beendet worden. Die Umsetzung des Abkommens kommt jedoch seit
Monaten nicht voran.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Rentenreform aus verschiedenen Richtungen unter Beschuss
Grüne, SPD-Linke und Union gegen Null-Rente für
Bildungsjahre +++ Ulla Schmidt bietet Akademikern Kompromiss bei
Rente an
Do.23.10.03 - Für die Rentenreform der Bundesregierung kommt der Gegenwind
inzwischen aus verschiedenen Richtungen: Grüne und SPD-Linke
machten am Mittwoch deutlich, dass sie die geplante Streichung der
Ausbildungszeiten zur Rentenberechnung nicht mitmachen wollen. Die
Union blieb unterdessen bei ihrem Widerstand gegen die
Notmaßnahmen zur Sanierung der Rentenkasse im nächsten Jahr.
Die SPD warnte die Opposition davor, sämtliche Reformpläne
bis zum 10. Dezember im Vermittlungsausschuss zu blockieren.
Verärgert zeigten sich Grüne und SPD-Linke über die
Ankündigung von Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD), dass
Ausbildungszeiten ab 2008 bei der Rentenberechnung überhaupt keine
Rolle mehr spielen sollten. Dies sei bei der Rentenklausur am Sonntag
nicht vereinbart worden. "Das ist ein falsches Signal," sagte der
Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, in
Berlin. Er verwies darauf, dass gleichzeitig auf eine bessere
Ausbildung hingewirkt werden solle. Derzeit sei ein Studium schon nur
drei Jahre anrechenbar und somit nicht voll abgedeckt. Auch die
SPD-Linke Andrea Nahles kündigte in der "Kölnischen
Rundschau" an: "Das werden wir nicht mittragen."
Das Sozialministerium verteidigte die Regelung. Ein Sprecher von
Schmidt sagte, es gehe um ein "Privileg" aus früheren Zeiten. Die
Einsparungen dadurch seien anfangs noch bescheiden, erreichten aber im
Jahr 2030 eine Höhe von bis zu zwei Milliarden Euro, was 0,2
Betragssatzpunkten entspricht. Schmidt selbst zeigte sich aber
gesprächsbereit: Über längere Übergangsfristen
könne man reden, sagte sie der "Frankfurter Rundschau". Bislang
ist eine Übergangsfrist von 2005 bis 2008 vorgesehen. Die
Abschmelzung der Renten würde damit alle Akademiker unter 60
Jahren treffen. Denkbar sei, Personen über 55 Jahren auszunehmen,
so Schmidt. Grundsätzlich halte sie die Aberkennung der drei Jahre
aber für "sozial gerecht"
Die Union machte erneut ihre Ablehnung deutlich.
Parlamentsgeschäftsführer Volker Kauder (CDU) lehnte im
ARD-Morgenmagazin auch die Streichung der Ausbildungszeiten ab.
CDU-Bildungsexpertin Katherina Reiche sprach von einem "Schlag ins
Gesicht der Jungen Generation". Ihr Fraktionskollege Uwe Schummer
warnte die Betroffenen in der "Leipziger Volkszeitung" aber vor "zu
viel Jammerei". Allerdings kritisierte auch er die
Rentenbeschlüsse der Koalition insgesamt wegen
"Willkürlichkeit und sozialen Unausgewogenheit". CDU-Vize
Jürgen Rüttgers nannte die Notmaßnahmen für 2004
im WDR "unsozial".
(Quellen: afp, dpa)
Union ruft zu Massenklagen gegen Rentenkürzungen auf
Do.23.10.03 - Die Union hat einer Zeitung zufolge zu Massenklagen gegen die
Pläne der Bundesregierung aufgerufen, die Ausbildungsjahre bei der
Rentenversicherung nicht mehr zu berücksichtigen.
Wie die "Bild" (Donnerstagausgabe) vorab berichtete, rief
Unions-Fraktionsvize Maria Böhmer (CDU) alle betroffenen Frauen
auf, gegen die Rentenkürzung vor dem Bundesverfassungsgericht zu
klagen. Als "Ein unerhörter Betrug an Generationen von
Akademikern", beschrieb Böhmer die Pläne dem Blatt zufolge.
"Vor allem Frauen landen wegen der Kindererziehung so vor den
Türen der Sozialämter.
Die Streichung der Anrechnungszeiten von schulischer Ausbildung soll in
einem Gesetz zu langfristigen Maßnahmen der Renten-Reform
enthalten sein, das für kommendes Jahr angekündigt ist.
(Quelle: rtr)
Arbeitgebern gehen Rentenreformpläne der Regierung
nicht weit genug
Wirtschaft will Witwenrenten einschränken +++
Verlängerung der Lebensarbeitszeit sei unumgänglich
Do.23.10.03 - Der Wirtschaft geht die geplante Rentenstrukturreform der
Bundesregierung nicht weit genug. "Wenn man die Perspektive über
das Jahr 2010 hinaus sieht, muss die Regierung bei ihren
Reformplänen noch nachbessern", sagte der Rentenexperte der
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Volker Hansen,
der "Berliner Zeitung" (Donnerstagausgabe). "So sollte die Witwenrente
in Zukunft insbesondere auf solche Frauen begrenzt werden, die wirklich
auf diese Unterstützung angewiesen sind. Das bedeutet, dass eigene
Einkünfte der Hinterbliebenen stärker angerechnet werden
sollten", zitierte das Blatt Hansen.
Mit über 36 Milliarden Euro jährlich machen Witwen- und
Witwerrenten den Großteil der familienpolitischen Leistungen der
Rentenversicherung aus. Da Frauen früher oft keiner Erwerbsarbeit
nachgegangen sind, haben sie vielfach keine oder nur geringe eigene
Rentenansprüche erworben. Die so genannte Große Witwenrente
beträgt 60 Prozent, die Kleine Witwenrente 25 Prozent der
Rentenbezüge des verstorbenen Partners. Wer 2002 oder später
geheiratet hat, erhält bei der Großen Witwenrente noch 55
Prozent. Die kleine Witwenrente bleibt bei 25 Prozent, wird jedoch
höchstens zwei Jahre gezahlt.
Hansen machte laut "Berliner Zeitung" ferner deutlich, dass die
Arbeitgeber weiterhin an der Heraufsetzung des gesetzlichen
Renteneintrittsalters festhalten. "Eine Verlängerung der
Lebensarbeitszeit ist unabwendbar", betonte er.
(Quelle: ap)
Ver.di-Chef wirft Regierung beschäftigungsfeindlichen Kurs
vor
Auf Ver.di-Bundeskongress in Berlin massiven Widerstand der
Gewerkschaften angekündigt +++ Grünen-Chef Bütikofer
verteidigt unter lautem Protest der Delegierten Arbeits- und
Sozialreformen der Koalition
Do.23.10.03 - Der am Dienstag in seinem Amt bestätigte Ver.di-Chef Frank Bsirske
hat der Bundesregierung einen beschäftigungsfeindlichen Kurs
vorgeworfen und den massiven Widerstand der Gewerkschaften
angekündigt. Der wiedergewählte Gewerkschaftschef verlangte
am Mittwoch auf dem ver.di-Bundeskongress in Berlin von der
rot-grünen Koalition mehr Steuergerechtigkeit. Es könne nicht
gerecht sein, die Arbeitslosenhilfe zu streichen und im gleichen
Atemzug den Spitzensteuersatz zu senken, betonte er.
Grünen-Chef Reinhard Bütikofer verteidigte unter dem
lautstarken Protest der Delegierten die Arbeits- und Sozialreformen der
Bundesregierung. Er musste seine Rede mehrfach unterbrechen, als
Delegierte Spruchbänder mit Slogans wie "Ein Krieg ist kein
Pazifismus" und "Agenda 2010 macht rechtlos und arm» hochhielten.
Basis für einen Dialog könne nur die Realität sein,
sagte Bütikofer. Wer die Realität betrachte, könne sich
nicht zum Verteidiger des Status quo machen. Die Delegierten hielten
als Antwort symbolisch die rote Karte hoch. Bütikofer
plädierte wie auch die Gewerkschaften für eine Reform der
Erbschaftsteuer und für einen verstärkten Kampf gegen
Steuerhinterziehung.
Bsirske verlangte in seiner Grundsatzrede ein öffentliches
Investitionsförderprogramm, vom dem sich ver.di 500.000 neue
Arbeitsplätze verspricht. Er warf der rot-grünen Koalition
einen Kurs vor, der die Staatsfinanzen weiter zerrütte.
Deutschland habe die zweitniedrigste Steuerquote aller
Industrienationen. Die Abgaben des "kleinen Mannes", also die Mehrwert-
und Verbrauchsteuern, seien beständig erhöht worden.
Deutschland sei Exportweltmeister. Die Unternehmen stünden auf dem
internationalen Markt hervorragend da.
Bsirske plädierte ebenfalls für den Erhalt der gesetzlichen
Rentenversicherung als stabile Säule der Alterssicherung. "Wir
lehnen eine Rente nach Kassenlage ab", sagte er. Der ver.di-Chef
verwies darauf, dass vor allem Beschäftigte mit niedrigen
Einkommen überhaupt keine Möglichkeit für private
Vorsorge hätten. Die Rente müsse berechenbar für die
heutige Rentnergeneration und für die jungen Leute sein. Auch
über moderate Beitragsanhebungen mit einem Bündel anderer
Maßnahmen müsse geredet werden. Bsirske forderte das
Auffüllen der Schwankungsreserve und lehnte den geplanten
Nachhaltigkeitsfaktor als «reinen Kürzungsfaktor» ab.
Am Dienstag war Bsirske mit knapp 93 Prozent der Delegiertenstimmen im
Amt bestätigt worden. Der 51-Jährige führt die mit knapp
2,7 Millionen Mitgliedern europaweit größte
Einzelgewerkschaft weitere vier Jahre. Seiner eigenen Organisation
verordnete Bsirske ein rigides Sparprogramm. Die vor zweieinhalb Jahren
gegründete Dienstleistungsgewerkschaft belastet ein Haushaltsloch
von rund 59 Millionen Euro. Außerdem sollen rund 1.000 Stellen
abgebaut werden. Den Mitarbeitern wurde ein Gehaltsverzicht von zehn
Prozent bei Freizeitausgleich vorgeschlagen.
Neben Bsirske hatten die Delegierten auf dem ersten ordentlichen
Bundeskongress von ver.di auch die übrigen 15 Mitglieder des
Bundesvorstands gewählt. Das für Personalpolitik
zuständige Vorstandsmitglied Beate Eggert verpasste mit 48,9
Prozent die notwendige einfache Mehrheit. Jetzt muss ein neuer Kandidat
gefunden werden.
(Quelle: ap)
Studie: Ausländische Jugendliche finden schwer Ausbildungsplatz
Do.23.10.03 - Ausländische Jugendliche haben bei der Suche nach einer
Ausbildungsstelle dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge
immer schlechtere Karten.
Die größten Handicaps der jungen Ausländer seien
ungenügende Sprachkenntnisse und schlechte oder fehlende
Schulabschlüsse, schrieb das Institut in einer am Mittwoch
veröffentlichten Studie. Allerdings sei vielen auch die Bedeutung
einer Berufsausbildung als Eintrittskarte in das Arbeitsleben nicht
genügend klar. So verringerte sich der Anteil der Auszubildenden
ohne deutsche Staatsbürgerschaft in Westdeutschland von fast zehn
Prozent Mitte der 90er Jahre auf nur noch 6,5 Prozent im vergangenen
Jahr.
Ein Teil des Rückgangs sei dabei jedoch auf die vermutlich wegen
Einbürgerung sinkenden Zahl der ausländischen
Schüler zurückzuführen, hieß es beim IW. Insgesamt
absolvierten dem IW zufolge 2002 rund 85.000 ausländische
Jugendliche eine Berufsausbildung.
Besonders in Zeiten der wirtschaftlichen Flaute kommen dem IW zufolge
die Mankos der ausländischen Jugendlichen im Vergleich zu ihren
deutschen Altersgenossen zum Tragen. So beende nicht einmal jeder
zweite ausländische Jugendliche die Schule mit einem mittleren
oder höheren Abschluss - von den deutschen könnten mehr als
zwei Drittel einen solchen Abschluss vorweisen. Jeder sechste
ausländische Hauptschüler verlasse die Schule sogar ganz ohne
Abschluss. Bei den deutschen Schülern sei dies nur bei jedem
Zehnten der Fall. In der PISA-Studie sei fast die Hälfte der
Jugendlichen aus Zuwandererfamilien im Lesen nicht über die
niedrigste Kompetenzstufe hinaus gekommen und könne dem Unterricht
damit kaum folgen, schreiben die IW-Experten.
Erschwerend komme hinzu, dass jugendliche Ausländer über die
Ausbildungsmöglichkeiten relativ schlecht informiert seien und
sich stärker auf wenige Ausbildungsberufe konzentrierten. So
hätten 2001 rund 43 Prozent aller ausländischen Azubis einen
der zehn beliebtesten Ausbildungsberufe gelernt. "Bei den Deutschen
tummelt sich lediglich ein Drittel in den Top Ten", schreibt das IW.
Die Forscher empfehlen, mit gezielter
Sprachförderung und mehr Information auch der Eltern durch Schulen
oder Kammern die Chancen der jungen Ausländer zu verbessern. Zudem
sollten die von Ausländern geführten Betriebe stärker
motiviert werden, Lehrlinge auszubilden.
(Quelle: rtr)
BayernLB gibt fünf Millionen Euro für Aero Lloyd-Weiterbetrieb
Die insolvente Fluggesellschaft will am Wochenende wieder fliegen
Do.23.10.03 - Der zahlungsunfähige Ferienflieger Aero Lloyd kann nach einer
Finanzspritze in Höhe von fünf Millionen Euro durch die
Bayerische Landesbank wieder einen allerdings stark
eingeschränkten Flugbetrieb aufnehmen. Spätestens am
Wochenende sollten wieder Maschinen des Unternehmens starten, sagte ein
Aero-Lloyd-Sprecher am Mittwoch in Frankfurt am Main. Entsprechende
Anträge an das Luftfahrtbundesamt seien unterwegs, mit
Reiseveranstaltern würden Gespräche über die Routen
geführt. Die weitere Zukunft solle sich ebenfalls bald
klären. Es würden mit privaten und öffentlichen
Investoren Gespräche geführt, sagte der Sprecher.
(Quelle:afp)
Eichel muss offenbar noch mehr Schulden machen
Do.23.10.03 - Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) muss offenbar noch mehr Schulden
machen als bislang bekannt. Mit dem Nachtragshaushalt 2003, dessen
Eckwerte Eichel am heutigen Donnerstag vorstellt, werde die
Neuverschuldung des Bundes mit 43,4 Milliarden Euro den höchsten
Stand in der Geschichte der Bundesrepublik erreichen, erfuhr die
Zeitung "Handelsblatt" aus Koalitionskreisen.
Wegen der geringeren Steuereinnahmen und der höheren
Arbeitsmarktkosten seien Eichels Bemühungen gescheitert, zumindest
unter der Marke von 43 Milliarden Euro zu bleiben. Ursprünglich
wollte der Minister in diesem Jahr nur 18,9 Milliarden Euro neue
Schulden machen.
(Quelle: afp)
Angebliche Planspiele um Mehrwertsteuererhöhung
Do.23.10.03 - In der Bundesregierung gibt es nach einem Bericht der "Berliner
Zeitung" (Donnerstagausgabe) Planspiele für eine Anhebung der
Mehrwertsteuer. Wie das Blatt unter Berufung auf informierte Kreise
meldete, sind "nur sehr wenige Leute" in die vertraulichen
Überlegungen einbezogen, darunter Kabinettsmitglieder und die
SPD-Fraktionsspitze. Derzeit sei die Meinungsbildung nicht
abgeschlossen, noch gebe es erhebliche Bedenken. Von den Grünen
komme sogar strikte Ablehnung.
Hintergrund der Gedankenspiele ist laut "Berliner Zeitung" die Suche
nach einer Lösung für die Haushaltsprobleme der Regierung.
Insbesondere solle 2004 eine drittmalige Verletzung des
Euro-Stabilitätskriteriums vermieden werden. Erwogen werde, die
Mehrwertsteuer "nicht mehr in diesem Jahr, aber mittelfristig"
anzuheben. Gegenwärtig verbiete sich jedoch strikt die
Veröffentlichung solcher Pläne, weil dies die Konjunktur
gefährden und weil die Spardisziplin der Koalitionsfraktionen
aufgeweicht werden könnte. Das Finanzministerium habe
entsprechende Überlegungen dementiert, heißt es in dem Blatt.
(Quelle: ap)
Lkw-Maut wird teure Angelegenheit für den Steuerzahler
Offengelegter Maut-Vertrag zwischen Bundesregierung und
Betreiberkonsortium 'Toll Collect': 190 Seiten juristische Spitzfindigkeiten +++
Verzögerung der Lkw-Gebühr geht fast ausschließlich zu
Lasten des Bundeshaushalts +++ Opposition erwartet Maut-Start erst Juli 2004
Do.23.10.03 - Die Lkw-Maut wird für den Steuerzahler eine überaus teure
Angelegenheit. Das steht seit gestern fest. Nach langem Hin und Her
präsentierte Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) den Mautvertrag
zwischen Toll Collect und der Regierung im Verkehrsausschuss des
Bundestages.
Zwar muss das Maut-Konsortium ab dem 1. Dezember pro Tag, an dem die
Lkw-Gebühr nicht erhoben werden kann, 250.000 Euro Vertragsstrafe
zahlen. Doch entspricht das pro Monat gerade einmal 7,5 Millionen Euro -
gegenüber 160 Millionen Euro, die dem Bund durch die
Verzögerung verloren gehen. Da hilft es wenig, dass der
Regressanspruch ab 1. März auf 500.000 Euro pro Tag ansteigt. "Das
bringt uns in eine sehr kritische Haushaltslage", schimpfte
SPD-Verkehrsexperte Peter Danckert gegenüber der taz. Für das
Verkehrsministerium sei der Vertrag ein Desaster. Schadenersatz kann
von Toll Collect voraussichtlich nicht gefordert werden,
erläuterte der Jurist weiter.
Falls sich beide Seiten in einer hochkarätig besetzten
Arbeitsgruppe nicht einigen können, werden die Gerichte zu
entscheiden haben. Richter müssen dann die Vereinbarungen in dem
190 Seiten starken Maut-Vertrag bewerten.
Insgesamt rund 17.000 Seiten umfassen die Vereinbarungen der
Bundesregierung mit dem Betreiberkonsortium Toll Collect, hinter dem
die Telekom, DaimlerChrysler und der französische
Autobahnspezialist Cofiroute stehen. Da es darin auch um Patente und
technische Details geht, konnten die Verkehrsexperten nur den
Kernvertrag mit nach Hause nehmen. Doch darin sind die Punkte geregelt,
die wegen der bisherigen Geheimhaltung die meisten Fragen aufgeworfen
haben: Haftung, Vertragsstrafen und Kündigungsfristen.
Toll Collect hat inzwischen alle vereinbarten Termine gerissen: Bis 21.
Mai sollte das satellitengestützte System stehen, bis 15. Juni
dessen Funktion überprüft sein und bis Mitte August der
Probebetrieb laufen.
Ein neuer Starttermin ist bisher nicht genannt worden. Verkehrsexperten
von der Union und der FDP gehen mittlerweile davon aus, dass das System
nicht vor dem 1. Juli 2004 einsatzfähig ist. Den Vertrag mit Toll
Collect zu kündigen, forderte jedoch kein Parlamentarier. SPD-Mann
Danckert sagte: Die Verantwortung für das Desaster müsse noch
geklärt werden.
(Quellen: ap, taz)
Mehr in der heutigen Augabe der "tageszeitung" (23.10.03)
http://www.taz.de/pt/2003/10/23/a0051.nf/text
«Die Maut ist Überwachung total»
Hartmut Pohl, Professor für Informationssicherheit, fordert
sofortigen Stopp des Maut-Systems. Anders als die Regierung sieht er
den Datenschutz in Gefahr. Wege der Bürger könnten verfolgt
und gespeichert werden - Missbrauch nicht ausgeschlossen...
Mehr in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (23.10.03):
http://www.taz.de/pt/2003/10/23/a0115.nf/text
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Mobilfunkanbieter müssen Daten von Handynutzern
nicht speichern
Do.23.10.03 - Mobilfunkanbieter müssen keine Kundendatei für die
Käufer so genannter Prepaid-Handys führen. Das entschied am
Mittwochabend das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Damit war eine
Musterklage des Düsseldorfer Unternehmens Vodafone D2 erfolgreich.
Die Käufer von Prepaid-Karten können damit eine Guthabenkarte
nutzen, ohne dass ihre persönlichen Daten bei den Anbietern
gespeichert sind und an Behörden weitergegeben werden können.
Etwa die Hälfte aller Handybesitzer nutzt diese Guthabenkarten.
(Az.: BVerwG 6 23.02)
Nach Auffassung des zuständigen 6. Senats sind sie nach den bisher
geltenden Vorschriften anders zu behandeln als die Verbraucher, die
sich mit einem Vertrag an einen Mobilfunkanbieter binden. Eine
Verpflichtung der Betreiber, auch für sie eine Kundendatei zu
führen, verstößt nach Auffassung des Senats gegen das
in der Verfassung garantierte Recht des Kunden auf informationelle
Selbstbestimmung.
(Quelle: dpa)
Kamera-Handys droht erstmals Verbot
Do.23.10.03 - Die Stadt Seven Hills im US-Bundesstaat Ohio könnte in den
kommenden Wochen eine beispielhafte Entscheidung treffen und
Kamera-Handys an bestimmten öffentlichen Orten verbieten.
Stadtratsmitglied David Bentkowski fordert, die Handys unter anderem
aus Toiletten und Umkleidekabinen öffentlicher Schulen zu
verbannen und den Gebrauch unter Strafe zu stellen. "Diese Dinger sind
wie die Spionagekameras in den James Bond-Filmen. Jemand tut so, als
würde er telefonieren - und plötzlich ist ein Nacktfoto von
Dir im Internet", sagt Bentkowski. Über seinen Antrag wird der
Stadtrat von Seven Hills in den kommenden Tagen abstimmen.
Nach Ansicht von Rechtsexperten könnte ein solches Verbot
allerdings mit dem in der amerikanischen Verfassung verbürgten
Recht der Ausdrucksfreiheit kollidieren: Demnach darf jede Privatperson
fotografieren, wen sie will. Illegal kann lediglich das Ausstellen im
Internet sein. Aber auch das nur, wenn der Fotografierte nachweisen
kann, dass er erhebliche persönliche Schäden durch die
Darstellung zu erleiden hatte.
Die Besitzer von Foto-Handys müssen in den USA immer häufiger
mit misstrauischen Blicken rechnen. Viele Unternehmen haben die
Geräte aus Angst vor Industrie-Spionage bereits von ihren
Firmengeländen verbannt.
Mehr zum Thema bei futurezone (22.10.03) unter:
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=195334&tmp=72140
Suchmaschinen im Internet werden zunehmend manipuliert
Do.23.10.03 - Internet-Suchmaschinen werden laut einer Studie der
Bertelsmann-Stiftung immer öfter durch kommerzielle Anbieter
manipuliert. Unternehmen versuchen zunehmend durch Tricks, in den
Suchmaschinen eine Top-Platzierung der eigenen Seiten bei den
Suchergebnissen zu erzielen, wie die Stiftung am Mittwoch
anlässlich der Münchener Medientage mitteilte. Ein
freiwilliger Verhaltenskodex für Betreiber von Suchmaschinen soll
die Kriterien der Suche und die Rangfolge der Ergebnisse künftig
transparenter machen.
"Suchmaschinen entscheiden heute - ähnlich wie Journalisten - mit
darüber, welche Themen überhaupt wahrgenommen werden", sagte
Marcel Machill, Journalistik-Professor an der Universität Leipzig,
der die Bertelsmann-Stiftung berät. Während sich Journalisten
jedoch an den Pressekodex halten müssten, gebe es für die
Betreiber von Suchmaschinen keine verbindlichen Qualitätsstandards.
Viele Suchmaschinen verkaufen Einträge in ihren Trefferlisten.
Bezahlte Treffer seien aber oft nur schwer als Werbung erkennbar.
Minderjährige könnten außerdem auch mit harmlosen
Suchbegriffen auf pornografische oder extremistische Seiten gelenkt
werden.
Der freiwillige Verhaltenskodex wird bereits von AOL Deutschland,
Microsoft MSN Deutschland und der Allesklar.com AG unterstützt.
Die Bertelsmann-Stiftung hofft, dass sich alle Suchmaschinen-Anbieter
in Deutschland auf die Richtlinien verpflichten. Neben der Offenlegung
der Kriterien zur Platzierung der Suchergebnisse soll Werbung eindeutig
gekennzeichnet werden. Kinder und Jugendliche soll nicht in Kontakt mit
jugendgefährdenden Inhalten kommen.
(Quelle: ap)
Ein weitere Bericht zum Thema bei heise-online unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/anw-22.10.03-007/
Wissenschaftsorganisationen bekennen sich zum Internet-Publizieren
Do.23.10.03 - Zum Abschluss einer dreitägigen Konferenz über die
Zugangsmöglichkeiten zu wissenschaftlichem Wissen und zum
kulturellen Erbe verabschiedeten am Mittwoch die Repräsentanten
der großen deutschen Forschungsorganisationen einen Appell an
alle Wissenschafts- und Kultureinrichtungen, das Internet konsequenter
zur wissenschaftlichen Kommunikation und zur Veröffentlichung von
Forschungsergebnissen zu nutzen..
Mehr bei heise-online (22.10.03) unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/jk-22.10.03-005/
IT-Experten: Virenscanner bieten keinen Schutz mehr
Do.23.10.03 - Im August hat nicht nur die Rekordhitze ganz Deutschland ins Schwitzen
gebracht, sondern auch eine Reihe von neuartigen Computerviren, die
unzählige Firmennetzwerke und Privat-PCs lahm legten. Glaubt man
den auf der Branchenmesse "Systems" versammelten
IT-Sicherheitsexperten, ist dies womöglich nur eine Vorahnung
dessen, was die nächsten Jahre bringen könnten. Denn die
rasante Verbreitung neuer Anwendungen wie Musik-Tauschbörsen und
Instant-Messaging öffnet noch raffinierteren Schädlingen
Tür und Tor und lässt klassische Antivirenprogramme alt
aussehen.
"Würmer stellen eine neue Qualität der Bedrohung dar, weil
sie sich rasend schnell verbreiten", sagt etwa Pino von Kienlin,
Manager beim Antiviren-Spezialisten Sophos. Denn im Gegensatz zu Viren,
die sich zunächst in einem Wirtsprogramm wie etwa einem
E-Mail-Anhang einnisteten, um beim Start mit dem zerstörerischen
Werk zu beginnen, vermehrten sich Würmer selbstständig
über die Netzwerke. Zum massiven Schaden von Privatanwendern und
Unternehmen. "Allein der Internet-Wurm 'Blaster' hat nach acht Tagen
Aktivität weltweit schätzungsweise zwei Millionen US-Dollar
Schaden angerichtet", verdeutlicht Viren-Jäger Bernd Bilek vom
Antiviren-Marktführer Symantec .
Glaubt man IT-Experten, schaffen die Anwender paradoxerweise erst
selbst durch die zunehmende Vernetzung ihrer Computer die Grundlage
dafür, dass PC-Würmer zu einer wachsenden Bedrohung werden.
"Mit neuen Diensten der Musik- und Filmtauschbörsen wie Kazaa und
eDonkey, Instant Messaging-Anwendungen nach dem Vorbild von Microsofts
'MSN Messenger' oder AOLs 'AIM', aber auch Telefonie-Programmen werden
neue Netzwerk-Protokolle und damit neue Einfallstore für
Würmer geschaffen", sagt Witteven. Vor allem die Tauschbörse
Kazaa sei zur "Viren- und Wurmschleuder" mutiert, in der sich die
zerstörerischen Programme als Musik- und Videodateien tarnten.
Gegen die neue Cyber-Bedrohung sind Experten zufolge klassische
Antivirenprogramme machtlos. Zum Schutz vor ungebetenen Gästen auf
der Festplatte reiche es nicht mehr aus, nur die Antiviren-Software zu
aktualisieren. "Deshalb benötigt wirklich jeder Computernutzer
zusätzlich zum Antivirenscanner eine Personal Firewall, mit der
sich die einzelnen Netzwerk-Kanäle schließen lassen", sagt
Travis Witteven, Chef des finnischen Antiviren-Herstellers F-Secure.
"Besser noch wäre eine komplette Überwachung der
Netzwerkaktivitäten, ein so genanntes Intrusion Detection System."
Denn selbst wer seinen Viren-Scanner ständig auf dem neuesten
Stand hält, ist häufig zu spät dran, wenn neue
Würmer und Schädlinge ihre Angriffe starten. Verfügt man
hingegen über eine Personal Firewall und ein Intrusion Detection
System, schottet der Computer einen Großteil der Kanäle zur
Außenwelt bereits im Vorfeld ab. Versuchen fragwürdige
Eindringlinge die noch vorhandenen Verbindungen zu nutzen, schlägt
das System sofort Alaram.
Doch selbst wer auf neueste Entwicklungen setzt, kann sich angesichts
von täglich im Schnitt fünf neuen, als gefährlich
eingestuften Viren oder Würmern keineswegs sicher sein. Absoluter
Schutz sei unmöglich zu realisieren, warnt Witteven.
(Quelle: rtr)
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