Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertundneunzehnten Tag nach Kriegsbeginn
NGO fordert Informationen über Verbleib von Wiederaufbaumitteln.
Offenbar vier Milliarden Dollar aus Öleinnahmen in Irak
verschwunden +++ Immense Schulden des Irak belasten die Madrider
Geberkonferenz +++ Europäisches Parlament stimmt gegen
Erhöhung der Irak-Hilfe +++ US-Soldat bei Bombenexplosion in Irak
getötet +++ Annan verlangt von den USA mehr Sicherheit im Irak +++
Siemens liefert Mobilfunktechnik im Nordirak +++ Labour Party
schließt Kritiker des Irak-Kriegs aus
Fr.24.10.03 - Einnahmen aus irakischen Ölverkäufen in Höhe von vier
Milliarden Dollar sind offenbar in dunklen Finanzkanälen
verschwunden. Wie die Nichtregierungsorganisation Christian Aid [http://www.christian-aid.org.uk/]
am Donnerstag am Rande der Irak-Geberkonferenz in Madrid mitteilte,
verschwand das Geld auf von den USA kontrollierten "undurchsichtigen
Bankkonten" der Zivilverwaltung. Die Organisation mit Sitz in London
warnte, das "schwarze Finanzloch" nähre den ernsthaften Verdacht,
dass zum Wohle von US-Unternehmen unverhältnismäßig
hohe Summen an Bargeld abgezweigt würden, obwohl mit dem Geld
eigentlich die massive Arbeitslosigkeit und andere Probleme in Irak
eingedämmt werden sollten.
(Mehr Informatiion unter: http://www.christian-aid.org.uk/news/media/pressrel/031023p.htm)
Die immensen Schulden des Irak von mehr als 100 Milliarden Dollar
behinderten Fortschritte bei der Irak-Geberkonferenz in Madrid,
obgleich das Thema ursprünglich gar nicht auf der Tagesordnung des
Treffens stehen sollte.
Die Teilnehmerstaaten der Konferenz hatten zunächst geplant, die
Frage der Verbindlichkeiten des vom Regime Saddam Husseins
ausgeplünderten und vom Krieg zerstörten Landes bis zum
nächsten oder übernächsten Jahr zurückzustellen.
Vordringlich wollten sie die Frage des Wiederaufbaus behandeln und
dafür Zusagen über bis zu 36 Milliarden Dollar einholen.
Dagegen regte sich schon am ersten Tag der Geberkonferenz Widerstand.
"Man kann das nicht erörtern, ohne über die Schulden zu
sprechen", sagte ein hochrangiger Vertreter einer europäischen
Finanzbehörde, dessen Land den Irak-Krieg abgelehnt hatte.
Ohne eine Umschuldung werde es keine Investitionen im Irak geben,
sagten Delegierte und Analysten. Damit sähe die Zukunft des Irak
düster aus, denn er würde ein weiteres von Hilfe
abhängiges Land. Die geschätzte Verschuldung des Golfstaates
mit den weltweit zweitgrößten nachgewiesenen Ölreserven
ist neun mal so groß wie seine Volkswirtschaft. Damit ist es das
pro Kopf der Bevölkerung höchst verschuldete Land der Welt.
Die Verbindlichkeiten des Irak werden auf 108 Milliarden bis 123
Milliarden Dollar veranschlagt. Der Betrag erhöht sich auf 166
Milliarden Dollar, wenn die Reparationsforderungen Kuwaits wegen der
irakischen Invasion 1990 dazu addiert werden.
Kompliziert wird die Situation dadurch, dass die Gläubiger des
Irak nicht alle dem Pariser Club der Gläubigerländer
angehören. Eine Umschuldung durch diese Institution wäre
deshalb nur zum Teil möglich. So schuldet das Land allein 45
Milliarden bis 55 Milliarden Dollar den arabischen Staaten am Golf.
Diese haben sich bei der Konferenz bislang zurückgehalten und
keine neuen Gelder zugesagt, geraten dafür aber verstärkt
unter Druck und sollen bis zum heutgien Freitag Zahlen nennen. Bislang
stellen die USA mit 20 Milliarden Dollar den größten Anteil
der zugesagten Hilfe für den Irak. Darüber hinaus gibt es
lediglich Zusagen in Höhe von zwei bis drei Milliarden Dollar.
An der zweitägigen Konferenz in der spanischen Hauptstadt nehmen
Delegationen aus fast 70 Ländern teil. Das Treffen gilt als der
erste ernsthafte Test dafür, ob die Amerikaner im Irak auf die
Unterstützung der internationalen Gemeinschaft zählen
können.
Die EU soll sich bis Ende kommenden Jahres mit 200 Millionen Euro im
Irak engagieren. Das Europaparlament in Straßburg stellte sich
damit hinter einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission zur
Beteiligung am Wiederaufbau im Irak. Mit dem Votum wurde ein
Vorstoß der konservativen Europäischen Volkspartei
abgelehnt. Diese hatte 500 Millionen Euro Wiederaufbauhilfe von der EU
gefordert. Die Abstimmung fand zeitgleich mit dem Beginn der
Geberkonferenz in Madrid statt.
Derweil nehmen die Anschläge gegen die Besatzungstruppen in Irak
kein Ende: Bei einer Bombenexplosion im Norden von Bagdad ist am
Donnerstag ein US-Soldat getötet worden. Zwei weitere wurden nach
Angaben eines Armeesprechers verletzt. Erst am Wochenende waren zwei
US-Soldaten bei einem Angriff mit Panzerabwehrraketen in der Nähe
der irakischen Stadt Tikrit getötet worden. Tikrit, 180 Kilometer
nördlich von Bagdad, ist die Heimatstadt des entmachteten
irakischen Präsidenten Saddam Hussein und gilt als Hochburg seiner
Anhänger.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat unterdessen die USA und deren
Verbündete aufgefordert, für mehr Sicherheit im Irak zu
sorgen. Der Wiederaufbau des Landes hänge nicht allein vom Geld
ab, sagte Annan bei der Eröffnung der internationalen
Geberkonferenz in Madrid.
Der Münchener Technologiekonzern Siemens wird angeblich als
Zulieferer beim Aufbau eines Mobilfunknetzes im Nordirak beteiligt sein.
Der kuwaitische Mobilfunkanbieter Mobile Telecommunications (MTC)
teilte am Donnerstag mit, er habe Siemens als Lieferant für einen
Teil des im Norden des Landes geplanten Funknetzes ausgewählt. In
der engeren Wahl waren laut MTC auch Nokia (Helsinki: Nachrichten) und
Ericsson. Ein Siemens-Sprecher wollte den Auftrag allerdings nicht
bestätigen.
Nach früheren Angaben des kuwaitischen Unternehmens ist Siemens
auch bei der Errichtung eines Netzwerkes im Süd-Irak in der
engeren Wahl der möglichen Lieferanten. Auch dies wird von Siemens
nicht bestätigt.
Der britische Unterhausabgeordnete George Galloway, der öffentlich
gegen den Irak-Krieg Stellung bezogen hat, ist am Donnerstag aus der
regierenden Labour Party ausgeschlossen worden. Die
Parteimitgliedschaft des Abgeordneten ruhte bereits seit Mai. Seinen
Sitz im Unterhaus kann Galloway noch bis zur nächsten Wahl
behalten.
Der Abgeordnete hatte während des Irak-Kriegs am 28. März in
einem Interview eines arabischen Fernsehsenders die britischen Soldaten
aufgerufen, den Einsatz in Irak zu verweigern. Galloway sagte zu dem
Parteiausschluss, er und andere Kriegsgegner würden sich nicht zum
Schweigen bringen lassen, weder innerhalb noch außerhalb der
Partei.
Im Juni hatte Galloway eine Verleumdungsklage gegen die Zeitung "Daily
Telegraph" eingereicht, weil sie behauptet hatte, er habe vom
irakischen Präsidenten Saddam Hussein Geld erhalten. Der linke
Abgeordnete, der jahrelang für eine Aufhebung der Sanktionen gegen
Irak stritt, wies die in dem Blatt erhobenen Vorwürfe zurück.
Die US-Zeitung "Christian Science Monitor" räumte unlängst
ein, Dokumente, auf deren Basis sie ähnliche Vorwürfe erhoben
hatte, seien gefälscht gewesen.
(Quellen: afp, rtr, dpa, ap)
Die Vereinigten Staaten haben soeben zwei Kriege gegen Feinde
geführt, die als schwer besiegbar galten, und beide eindeutig,
rasch und mit minimalen Verlusten gewonnen. Beide Male beeindruckte die
militärische Leistung. Doch zeigten die USA sich in beiden
Fällen weit weniger erfolgreich dabei, den Frieden zu gewinnen als
den Krieg
Warum? Der Errichtung stabiler politischer Gebilde in Kabul und Bagdad
standen immer beträchtliche Hindernisse im Wege. Aber der
Charakter der amerikanischen Militäreinsätze hat in beiden
Ländern die Zahl jener Hinder- nisse vervielfacht, statt sie zu
verringern, und die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöht, dass die
angestrebten politischen Ziele verfehlt werden. Der Grund hierfür
liegt teilweise in der Vision vom Kriege, die Präsident Bush und
seine Administration mit ins Amt gebracht haben. Diese konzentriert
sich darauf, die bewaffneten Kräfte des Feindes und seine
Fähigkeit, diese zu befehligen und zu kontrollieren, zu
zerstören. Ihr Schwerpunkt liegt nicht darauf, wie politische
Ziele erreicht werden können. Die Verfechter eines "new American
way of war", an ihrer Spitze Verteidigungsminister Rumsfeld und
Präsident Bush, haben versucht, Krieg in eine simple
Zielübung umzuwandeln. Sie betrachten den Feind als einen Satz
Ziele und glauben, wenn alle oder fast alle dieser Ziele getroffen
sind, wird er unweigerlich kapitulieren und Amerika seine Vorstellungen
durchsetzen können....
Aus - Frederick W. Kagan - "Krieg und Nachkrieg", "tageszeitung" vom
24.10.03:
http://www.taz.de/pt/2003/10/24/a0133.nf/text
Kagan ist Militärhistoriker in West Point.
US-Verteidigungsminister Rumsfeld versucht sich in präventiver
Schuldzuweisung für die 'gemischten Ergebnisse' im globalen Krieg
gegen den Terrorismus und denkt an die Einrichtung einer neuen
Superbehörde.
Mehr bei telepolis (23.10.03) unter:
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/15928/1.html
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Nahost-Konflikt
Drei israelische Soldaten bei Anschlag im Gazastreifen getötet +++
Palästinenser töten zwei mutmaßliche Kollaborateure +++
Israels Armee 'bereit zur Abschiebung Arafats' +++ Israel will
umstrittene Siedlungen im Westjordanland weiter ausbauen +++ Erneut
Beratungen über 'Genfer Friedensinitiative' zu Nahost
Fr.24.10.03 - Militante Palästinenser haben am Freitagmorgen bei einem
Überfall auf die israelische Siedlung Nezarim im Gazastreifen drei
israelische Soldaten getötet und zwei andere verletzt. Nach
israelischen und palästinensischen Angaben wurde auch einer der
beiden Angreifer getötet. Der andere habe flüchten
können.
Die Angreifer hätten den äußeren Sperrzaun
überwinden können und dann das Feuer eröffnet. Andere
Quellen sprachen davon, dass Ziel des Angriffs ein Militärposten
in der Nähe der Siedlung gewesen sei.
Nur Stunden zuvor waren bei einem Feuerüberfall auf eine andere
Siedlung im Gazastreifen ein Palästinenser getötet und drei
Israelis verletzt worden. Zwei Palästinenser waren als
Kollaborateure in Tulkarem im Westjordanland von Mitgliedern der
El-Aksa- Märtyrerbrigaden erschossen worden.
Zwei der Kollaboration mit Israel verdächtigte Palästinenser
sind im Norden des Westjordanlands tot aufgefunden worden. Die Leichen
der beiden Männer seien in einer Straße zum
Flüchtlingslager Tulkarem mit Schussverletzungen entdeckt worden,
teilten palästinensische Sicherheitskräfte mit. Die
Männer seien in der vergangenen Woche von Mitgliedern der
El-Aksa-Brigaden entführt worden, dem bewaffneten Arm der
Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Jassir Arafat.
In Nablus im Westjordanland erlag am Donnerstagmorgen ein Mitglied der
radikalen Hamas-Bewegung den Verletzungen, die es am Mittwochabend bei
der Explosion eines Autos erlitten hatte, wie Ärzte mitteilten.
Zwei weitere Hamas-Mitglieder waren bei der Detonation verletzt worden.
Augenzeugen zufolge transportierten die Männer Waffen und
Sprengsätze in dem Auto, als es explodierte. Möglicherweise
sei eine Bombe versehentlich zu früh gezündet worden.
Die israelische Armee hat derweil alle Vorbereitungen getroffen, um
Palästinenserpräsident Jassir Arafat abzuschieben. Das
berichtet die Tageszeitung "Jerusalem Post" unter Berufung auf hohe
Armeekreise. Rechtsgerichtete Regierungsvertreter hatten in den
vergangenen Monaten immer wieder die Abschiebung oder Tötung
Arafats gefordert. Israel sieht ihn als Drahtzieher
palästinensischen Terrors an. Ministerpräsident Scharon hatte
jedoch in der vergangenen Woche erklärt, eine Ausweisung des
PLO-Chefs sei ausgeschlossen.
Israel will unterdessen seine umstrittene Siedlungen im Westjordanland
weiter ausbauen. Das Wohnungsbauministerium schrieb am Donnerstag den
Bau von mehr als 300 neue Wohnungen in zwei Siedlungen bei Nablus und
Jerusalem aus. Der internationale Friedensplan, die so genannte
"Roadmap", verlangt von der Regierung in Jerusalem einen Baustopp von
Siedlungen im Westjordanland und im Gazastreifen. Dort soll einmal ein
Palästinenserstaat entstehen.
Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erekat
verurteilte nach israelischen Medienberichten die Ausschreibung und
rief die USA auf, sich bei der Regierung von Ministerpräsident
Ariel Scharon für einen Stopp dieses Vorhabens einzusetzen. Die
Siedlungspolitik sei zusammen mit den Sperranlagen das
größte Hindernis für einen Frieden, erklärte
Erekat.
Das US-Außenministerium forderte Israel auf, von dem Plan Abstand
zu nehmen. Israel habe sich verpflichtet, die Siedlungsaktivitäten
zu stoppen. Es sei wichtig, das Israel sich daran halte, sagte der
stellvertretende Sprecher des US-Außenministerium Adam Ereli nach
Angaben des Nachrichtensenders CNN.
Die an der "Genfer Friedensinitiative" beteiligten israelischen und
palästinensischen Politiker haben in der Schweiz erneut über
den alternativen Plan zur Beendigung des Nahost-Konflikts beraten. Der
frühere israelische Justizminister Jossi Beilin und der ehemalige
palästinensische Informationsminister Jassir Abed Rabbo
hätten sich am Mittwochabend am Genfer See getroffen, teilte ein
Sprecher des Schweizer Außenministeriums am Donnerstag mit. Bei
dem informellen Gespräch, an dem auch Diplomaten der EU, Japans
und Norwegen beteiligt gewesen seien, sei es um die kommenden Phasen
der viel beachteten Initiative gegangen.
(Quellen: ap, dpa, afp)
Blick ins Archiv
Regierungsunabhängige palästinensisch-israelische Friedensinitiative
Israelischer Botschafter kritisiert Schweizer Vermittlertätigkeit
Mo.20.10.03 - Der neue israelische Botschafter in Bern hat die schweizerische
Vermittlertätigkeit im Nahostkonflikt als unzulässig
bezeichnet. Man habe über die wichtigsten Interessen des Staates
Israel gesprochen, ohne dessen Regierung überhaupt zu informieren,
sagte Aviv Shir-On in einem Interview der "SonntagsZeitung"...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310200.htm#03102002
Inoffizielle Friedensinitiative zur Lösung des Nahostkonflikts -
Israelisch-palästinensische Gruppe legt 'Genfer Abkommen' vor
Die Schweiz wurde zum jüngsten Ziel israelischer Angriffe –
natürlich nicht mit Bomben und Raketen, sondern mit diplomatischen
Noten. Grund dafür ist die schweizerische Unterstützung
für eine inoffizielle israelisch-palästinensische Initiative
zur friedlichen Lösung des Nahostkonflikts. Die Tatsache,
daß die Schweiz für die Beratungen in Genf den Tagungsort
sowie auch Geld zur Verfügung stellt, habe die israelische
Regierung "sehr verärgert", sagte der Sprecher des israelischen
Außenministeriums Jonathan Peled am Mittwoch. Unerwähnt
blieb, daß auch Großbritannien, Japan, Norwegen und
Schweden zur Finanzierung dieser Friedensinitiative beitragen.
Die in Genf vorgestellte »neue Straßenkarte« zum
Frieden im Nahen Osten besteht aus einem 50 Seiten langen Dokument, das
inzwischen unter dem Namen "Genfer Abkommen" bekannt ist. ...
Mehr unter:
hhtp://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310170.htm#031017_b
|
Iran überreicht Atom-Dokumente vor Fristablauf
Fr.24.10.03 - Gut eine Woche vor Ablauf der von der UNO-Atombehörde gesetzten
Frist hat der Iran am Donnerstag Dokumente zu seinem umstrittenen
Atomprogramm vorgelegt. Mit ihnen will das Land Bedenken
entkräften, es betreibe ein Atomwaffenprogramm.
Der Botschafter Irans, Ali Akbar Salehi, sagte nach der Übergabe
des Berichts an die internationale Atomenergiebehörde (IAEA),
dieser lege alle Atomaktivitäten des Landes offen. Er räumte
zugleich ein, dass sein Land in der Vergangenheit "diskret" mit
Informationen über sein Atomprogramm umgegangen sei. Eine
IAEA-Sprecherin sagte, es werde mehrere Tage dauern, bis die Dokumente
durchgearbeitet seien. Die Behörde hat die Offenlegung des
iranischen Atomprogramms gefordert und gedroht, den Streit andernfalls
vor den UNO-Sicherheitsrat zu bringen. Dieser könnte Sanktionen
gegen das Land verhängen.
"Es ist mir versichert worden, dass der heute vorgelegte Bericht eine
umfassende und exakte Erklärung ist", sagte IAEA-Chef Mohamed
ElBaradei. "Ich hoffe, dass wir zu dem Ergebnis kommen werden, dass wir
alle vergangenen Atomaktivitäten gesehen haben und dass alle
Materialien und Aktivitäten im Iran den Sicherheitsvorkehrungen
(der IAEA) gerecht werden", fügte er hinzu.
Die IAEA will insbesondere Einzelheiten darüber erfahren, woher im
Iran gefundene Teile einer Urananreicherungs- Zentrifuge stammen. Der
Iran hat erklärt, sie auf dem Schwarzmarkt gekauft zu haben. Sie
seien der Grund dafür, dass Spuren waffentauglichen Urans im Land
gefunden wurden.
Unter Vermittlung der Außenminister Deutschlands, Frankreichs und
Großbritanniens hatte der Iran am Dienstag erklärt, die
Anreicherung von Uran zumindest vorerst zu stoppen. Außerdem
stimmte das Land zu, das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag zu
unterzeichnen, das unangemeldete Kontrollen der IAEA zulässt.
(Quelle: rtr)
Kaschmirische Separatistengruppen wollen
mit Indien verhandeln
Fr.24.10.03 - Separatistengruppen in Kaschmir haben ein Angebot Indiens angenommen,
über die Zukunft der Unruheprovinz zu verhandeln. Die
Huriyat-Konferenz, ein Zusammenschluss der um Eigenständigkeit
Kaschmirs ringenden religiösen und politischen Gruppen,
erklärte am Donnerstag, binnen zehn Tagen ein Programm für
Verhandlungen mit Indien und Pakistan vorzulegen. Indien ist bislang
gegen gleichzeitige Verhandlungen mit Pakistan. In der Vergangenheit
umging Huriyat das Problem, indem separate Treffen mit beiden
Regierungen vorgeschlagen wurden.
Das Angebot der indischen Regierung vom Mittwoch war ein völlig
überraschender Politikwechsel in der Kaschmirpolitik Islamabads.
Aussenminister Yashwant Sinha legte ein Zwölf-Punkte-Programm zur
Normalisierung der Beziehungen zu Pakistan vor. Ausserdem
ermächtigte das Kabinett Vizeregierungschef Lal Krishna Advani zu
den Verhandlungen mit den Rebellen. Während die Separatisten die
Einladung am Donnerstag annahmen, äusserte sich Pakistan
zunächst zurückhaltend.
In der Vergangenheit zeigte sich Hurriyat nicht zu Gesprächen mit
indischen Unterhändlern bereit. Nach internen Differenzen hat sich
die Allparteienkonferenz in den vergangenen Wochen gespalten, so dass
ihr Einfluss geschwunden ist. Uneinigkeit herrscht unter den
Separatisten, ob Kaschmir an das überwiegend islamische Pakistan
angeschlossen werden sollte, oder ob es sowohl von Pakistan als auch
von Indien unabhängig bleiben soll.
Die Normalisierungsvorschläge Indiens beinhalten eine
Wiederherstellung der Verkehrsverbindungen zwischen den jeweiligen
Hauptstädten des geteilten Kaschmirs - Srinagar auf indischer und
Muzaffarabad auf pakistanischer Seite. Bus- und Eisenbahnlinien sollen
ebenso ausgeweitet werden wie der Flugverkehr.
(Quelle: ap)
Pakistan sieht die neue indische Friedensinitiative skeptisch
...Pakistans zurückhaltende Reaktion mag erstaunen, insbesondere
nachdem Islamabad seit Monaten zur Aufnahme von Gesprächen
gedrängt hat. Sie ist aber verständlich. Der indische
Premierminister hatte bei seiner Friedensinitiative im vorigen
Frühling mit seiner dargebotenen "Hand der Freundschaft" noch
einen politischen Dialog eingeschlossen. Dieser fehlt heute nahezu.
"Indien müsse seine Beziehungen mit Pakistan normalisieren", sagte
Indiens Außenminister Yashwant Sinha am Mittwoch auf einer
Pressekonferenz. Ein Dialog sei aber erst möglich, wenn Indien
Beweise dafür habe, dass der grenzüberschreitende Terror
beendet werde. Indiens Premierminister Atal Behari Vajpayee werde im
Januar zum Gipfel des Südasien-Forums SAARC nach Islamabad reisen,
beabsichtige aber nicht mit Pakistans Präsident Pervez Musharraf
ein Vier-Augen-Gespräch zu führen.
Beobachter sprechen von einer Strategie Indiens, den Brandherd Kaschmir
mit bürgernahen Initiativen zu entschärfen, um den Status quo
- Indiens Eingliederung "seines" Teils von Kaschmir - zu zementieren.
Pakistan dagegen will diesen Status ändern und sieht im
politischen und militärischen Druck das einzige Mittel, Indien an
den Verhandlungstisch und zu territorialen Konzessionen zu zwingen.
Delhis jüngste Initiative, insbesondere die Öffnung des
Grenzpostens in Uri, wird in Kaschmir zweifellos sehr populär
sein. Sie könnte den Prozess der "emotionalen Reintegration" der
Bewohner des Kaschmirtals in die indische Union stärken.
"tageszeitung" vom 24.10.03:
http://www.taz.de/pt/2003/10/24/a0091.nf/text
Blick ins Archiv
Indien schlägt Pakistan Schritte zur Normalisierung vor
Do.23.10.03 - Zur Aussöhnung mit Pakistan und zur Lösung des
Kaschmir-Konflikts hat Indien völlig überraschend gleich zwei
Initiativen gestartet. Außenminister Yashwant Sinha legte am
Mittwoch ein Zwölf-Punkte-Programm für die Normalisierung der
Beziehungen zu Islamabad vor. Zuvor hatte das Kabinett
Vizeregierungschef Lal Krishna Advani zu Gesprächen mit
kaschmirischen Rebellen autorisiert. Die Separatisten
begrüßten die Ankündigung, aus Pakistan gab es
zunächst keine offizielle Reaktion...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310230.htm#03102304
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Warnung vor sozialer Zeitbombe in Peru
Fr.24.10.03 - Der ehemalige Leiter der Wahrheitskommission in Peru hat vor einer
sozialen Zeitbombe und einer ähnlich krisenhaften Entwicklung wie
im südlichen Nachbarland gewarnt. Deswegen müsse der Mehrheit
der armen Bevölkerung eine größere Rolle in der
Gesellschaft eingeräumt werden, sagte am Donnerstag Salomon Lerner
vor Journalisten in Lima.
"Ausschließung ist eine Zeitbombe", sagte Lerner. Wenn die
Bevölkerungsmehrheit weiter das Gefühl habe, keine wirkliche
Mitbestimmung ausüben zu können, dann könne diese Bombe
jederzeit explodieren. In dem vor zwei Monaten der Regierung
überreichten Bericht der Wahrheitskommission werden die
Marginalisierung der Armen, rassistische Tendenzen und ein Mangel an
Verständnis für die im Hochland lebende indianische
Bevölkerung als Nährkräfte von Guerillabewegungen
genannt. Die aus zwölf Mitgliedern bestehende Kommission kam zu
dem Ergebnis, dass im Guerillakrieg von 1980 bis 2000 nahezu 70.000
Menschen verschwanden oder getötet wurden. Für den
größten Teil dieser Opfer wurden Mitglieder der maoistischen
Guerillabewegung Leuchtender Pfad verantwortlich gemacht.
(Quelle: ap)
Europa:
In der EU schätzungsweise 1,5 Millionen Rauschgiftabhängige
Fr.24.10.03 - Bis zu 1,5 Millionen Europäer sind Schätzungen zufolge schwer
rauschgiftabhängig. Etwa 60 Prozent spritzen regelmäßig
Heroin, teilte die Europäische Beobachtungsstelle Drogen und
Drogensucht am Mittwoch in Straßburg mit. In acht
europäischen Ländern sei ein Anstieg des problematischen
Drogenkonsums zu verzeichnen, darunter Deutschland, Spanien und
Italien. Besorgt äußert sich die EU-Agentur über die
starke Ausbreitung von HIV-Infektionen in einigen Beitrittsländern.
In der EU starben den Angaben zufolge im Jahr 2000 im Zusammenhang mit
Rauschgiftkonsum mehr als 8.700 Menschen, die Tendenz sei steigend. Die
meisten Drogenopfer waren zwischen 20 und 30 Jahren alt. Bei mehr als
80 Prozent der Todesfälle wurde ein Mischkonsum von Drogen,
Alkohol und Beruhigungsmittel nachgewiesen.
Der Leiter der EU-Behörde, Georges Estievenart, räumte ein,
der regelmäßige und dauerhafte Drogenkonsum einer
"erschreckend großen Zahl" Jugendlicher in vielen
Mitgliedsländern habe nicht genügend beeinflusst werden
können. Vor allem in einigen Großstädten zeichne sich
ein Aufwärtstrend speziell beim Kokainkonsum ab.
Der Cannabiskonsum ist der Übersicht zufolge stabil geblieben. Bis
zu 44 Prozent der jungen Erwachsenen haben einmal Cannabis probiert.
Insbesondere unter jungen Männern sei der Cannabiskonsum sehr
hoch. Weltweit sei Europa der größte Markt für
Haschisch. Drei Viertel aller Sicherstellungen erfolgten in den
EU-Ländern, in denen auch der Anbau von Cannabispflanzen zunehme,
stellt die Beobachtungsstelle fest.
Synthetische Drogen wie Amphetamine und Ecstasy rangierten unter den
illegalen Drogen an zweiter Stelle nach Cannabis, ergibt sich aus dem
Jahresbericht. Bei einem Drittel der auffälligen Drogenkonsumenten
in Finnland und Schweden seien Amphetamine im Spiel, in Deutschland
beträgt der Anteil neun Prozent. Die Abhängigkeit von Kokain
nehme zu, speziell in Großbritannien, aber auch in Dänemark,
Deutschland, Spanien und den Niederlanden.
Weiter warnte die EU-Organisation vor den Gefahren für Jugendliche
durch zunehmenden Alkoholkonsum. So genanntes Kampf- und Rauschtrinken
sei vor allem unter Jugendlichen in nordeuropäischen Ländern
beliebt. Einige osteuropäische Länder könnten mit einer
sich rasch ausbreitenden HIV-Epidemie konfrontiert werden,
erklärte die Beobachtungsstelle. Vor allem in Estland und Lettland
breite sich die HIV-Infektion bei Heroinabhängigen dramatisch aus.
(Quelle: epd)
Europaparlament will Medienkonzentration überprüfen
Vorbehalte gegen das Medienimperium des italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi
waren der Auslöser
Fr.24.10.03 - Das Europäische Parlament will die Medienkonzentration in den
Mitgliedsländern der EU einer kritischen Prüfung unterziehen.
Nach einem am Donnerstag in Straßburg gefassten Beschluss soll
der Parlamentsausschuss für Bürgerrechte einen entsprechenden
Bericht anfertigen. Gegen den Antrag stimmte das Fraktionsbündnis
Europäische Volkspartei, dem auch die Forza Italia von Silvio
Berlusconi angehört. Vorbehalte gegen das Medienimperium des
italienischen Ministerpräsidenten waren der Auslöser für
die Vorlage.
Viele EU-Parlamentarier äußerten sich kritisch über das
neue Mediengesetz, dass zurzeit im italienischen Senat erörtert
wird. Dieses würde Berlusconi erlauben, seine drei wichtigsten
Fernsehsender zu behalten, obwohl die Gerichte den Verkauf von einer
Station angeordnet hatten. Auch sollen in Italien von 2009 an
Besitzanteile an Rundfunk- und Fernsehanstalten sowie an Zeitungen
gleichzeitig zulässig sein. Der italienische
Oppositionsführer Francesco Rutelli, der dem Europaparlament
angehört, nannte diesen Entwurf unvereinbar mit EU-Richtlinien.
Ein Zeitrahmen für den angeforderten Bericht wurde zunächst
nicht veröffentlicht. Beobachter gingen jedoch davon aus, dass die
Überprüfungen vor der nächsten Europawahl im Juni
abgeschlossen sein sollten.
(Quelle: ap)
Italienenische Gewerkschaften rufen zu Generalstreik auf
Protest gegen Rentenpläne der Regierung Berlusconi +++
Arbeitnehmer sollen in Italien später in Rente gehen und mehr
Beitragsjahre für die Rentenversicherungen nachweisen
Fr.24.10.03 - Aus Protest gegen die geplante Rentenreform wollen die drei
führenden Gewerkschaften Italiens heute (Freitag) weite Teile des
Landes mit einem Generalstreik lahm legen.
Elf Millionen Gewerkschaftsmitglieder sind aufgerufen, ihre Arbeit
für einen halben Tag niederzulegen. Betroffen sein werden
Industriebetriebe und Flughäfen ebenso wie Schulen oder die
berühmte Mailänder Oper La Scala. Die nationale
Fluggesellschaft Alitalia kündigte an, mehr als 150
Flüge zu streichen, wovon voraussichtlich fast 25.000 Passagiere
betroffen sein werden. Es wird erwartet, dass Unternehmen wie der
Fiat-Konzern ihre Produktion herunterfahren.
Nach den Plänen der Regierung des konservativen
Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi sollen die Arbeitnehmer von
2008 an später in Rente gehen und mehr Beitragsjahre für die
Rentenversicherungen nachweisen.
Berlusconis erste Regierung war 1994 an Massenprotesten gegen die
damaligen Reformpläne gescheitert. Experten halten es jedoch
für unwahrscheinlich, dass sich dies derzeit wiederholen
könnte. Dennoch kommen die Proteste für die Regierung zur
Unzeit. Die Wirtschaft befindet sich in einer Rezession und das Land
leidet unter einer hohen Inflation und Arbeitslosenquote.
(Quelle: rtr)
Pariser Senat segnet Asylrechtsreform ab
Fr.24.10.03 - Der französische Senat hat die Reform des Asylrechts gebilligt,
mit der die Prüfung von Anträgen erheblich beschleunigt
werden soll. Die Senatoren stimmten mit 206 zu 111 Stimmen für den
Text, der die Bearbeitung der Anträge durch die Behörde zum
Schutz von Flüchtlingen und Staatenlosen vorsieht. Ziel ist es,
die Prüfungszeit von derzeit durchschnittlich rund zwei Jahren auf
nur noch zwei Monate zu senken.
Außenminister Dominique de Villepin hatte für die Reform
geworben, die auch die Angleichung an EU-Recht sicherstellen soll.
Asylmissbrauch habe für den französischen Staat allein im
Gesundheitsbereich Mehrkosten von rund 700 Milliarden Euro zur Folge,
argumentierte er. Die Linksopposition kündigte Widerstand notfalls
bis zum Verfassungsrat an.
(Quelle: ap)
Österreichs Parlament verabschiedet
Europas härtestes
Asylgesetz
Fr.24.10.03 - Das österreichische Parlament hat das nach Expertenansicht
härteste Asylgesetz Europas verabschiedet. Unter dem vehementen
Protest der Opposition und zahlreicher Menschenrechtler votierte die
konservativ-rechtspopulistische Regierungsmehrheit am Donnerstag in
Wien für die Verschärfung der Gesetzgebung.
Demnach sollen Asylbewerber, deren Antrag in erster Instanz abgelehnt
wurde, bei einem zweiten Verfahren keine neuen Argumente für ihre
Bewerbung anführen dürfen. Zudem sollen Flüchtlinge
künftig noch während eines Berufungsverfahrens abgeschoben
werden können. Das Gesetz soll am 1. Mai 2004 in Kraft treten. Das
UN-Hochkommissariat für Menschenrechte (UNHCR) übte heftige
Kritik an der Gesetzesänderung.
Die Opposition und Hilfsorganisationen meldeten dagegen
Verfassungsbedenken an. Die Sozialdemokraten (SPÖ) kündigten
eine Beschwerde vor dem höchsten Gericht des Landes an.
Innenminister Ernst Strasser von der Volkspartei (ÖVP) verteidigte
in einer Rede vor dem Parlament die Gesetzesnovelle. Das Asylverfahren
werde damit schneller und effizienter, sagte der Minister. Auch der
Koalitionspartner von der Freiheitlichen Partei (FPÖ) stellte sich
klar hinter das Gesetz. "Wir Österreicher können nicht die
gesamte Armutsproblematik der ganzen Welt mit unseren Asylgesetzten
lösen", sagte FPÖ-Sicherheitssprecherin Helene Partik-Pable
laut der Wiener Nachrichtenagentur APA.
(Quellen: ap, afp)
Ausländerbeauftragte fordern schnelle Einigung
bei Zuwanderungsgesetz
Fr.24.10.03 - Die Ausländer- und Integrationsbeauftragten der Länder haben
an den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat appelliert,
sich bis Weihnachten auf ein Zuwanderungsgesetz zu einigen. Nach ihrer
Herbsttagung verlangte die baden-württembergische Justizministerin
Corinna Werwigk-Hertneck (FDP) am Donnerstag in Stuttgart einen
Kompromiss, der nicht nur die Integration in Deutschland lebender
Ausländer, sondern auch die Zuwanderung bundesweit regelt.
Mehrheitlich einigten sich die Ausländerbeauftragten darauf, vor
allem auf eine Regelung für jene rund 260.000 Flüchtlinge zu
dringen, die lediglich geduldet seien. Fast die Hälfte davon ist
schon länger als fünf Jahre in Deutschland. "Geduldeten
Flüchtlingen wird verwehrt, sich in unserer Gesellschaft zu
integrieren", sagte die Brandenburger Ausländerbeauftragte Almuth
Keller. Im angestrebten Zuwanderungsgesetz müsse ihnen eine
großzügige Bleibeperspektive eröffnet werden.
Am Wochenende nimmt der Vermittlungsausschuss seine Beratungen auf.
Sollte es zu keiner Einigung zwischen der rot-grünen
Bundesregierung und den unionsregierten Ländern kommen, erwarten
die Ausländerbeauftragten, dass im nächsten Jahr nur ein
Integrationsförderungsgesetz verabschiedet wird. "Politischer
Wille muss deshalb sein, ein Zuwanderungsgesetz zu Stande zu bringen",
sagte Werwigk-Hertneck.
(Quelle: ap)
Im Zuwanderungsstreit kein Kompromiss in Sicht
Fr.24.10.03 - Auch einen Tag vor einem Treffen einer Arbeitsgruppe von Bund und
Ländern zur Regelung der umstrittenen Zuwanderung zeichnet sich
kein Kompromiss ab.
Einer der Verhandlungsführer der Union, Saarlands
Ministerpräsident Peter Müller (CDU), sagte der Zeitung "Die
Welt" vom Freitag, eine Einigung bei den humanitären Regelungen
werde äußerst schwierig. "Hier einen Kompromiss zu
erreichen, wird problematisch werden. Wenn Rot-Grün sich nicht
bewegt, wird es nicht zu einer Einigung kommen." Auch der
Verhandlungsführer der SPD, Dieter Wiefelspütz, sagte dem
Blatt, er sehe bei der humanitären Zuwanderung die
größten Probleme. Er rechne mit mehreren schwierigen
Gesprächen, die sich bis Weihnachten hinziehen könnten. Der
Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker
Beck, sagte: "Wir werden am Samstag sehen, ob die Union überhaupt
eine verhandlungswillige Position hat."
Der Bundesrat hatte im Juni mit den Stimmen der unionsgeführten
Länder das umstrittene Zuwanderungsgesetz erneut abgelehnt.
Müller forderte jetzt wieder, die Regelungen zur Zuwanderung
dürften über die Genfer Konvention nicht hinausgehen.
Nötig sei eine strikte Begrenzung der humanitären Zuwanderung.
Die Bundesregierung will unter anderem mit der Zuwanderung vor allem
qualifizierter Arbeitskräfte den Bedürfnissen des deutschen
Arbeitsmarktes entsprechen. Die Union fürchtet dagegen vor dem
Hintergrund der Massenarbeitslosigkeit, dass weitere
Leistungsempfänger nach Deutschland kommen könnten.
(Quelle: rtr)
Koalitionsfraktionen billigen Einschnitte bei Rente
Bei der SPD gab es erneut Gegenstimmen +++ Rot-Grün bessert in
Streit um Akademiker-Renten nach +++ Ko-Vorsitzender der BfA für
Kürzung der Witwen- und Waisenrente
Fr.24.10.03 - Die Fraktionen von SPD und Grünen haben am Donnerstagabend in
Sondersitzungen den geplanten Einschnitten bei den Renten zugestimmt.
Bei der SPD gab es erneut eine Reihe von Gegenstimmen, wie
Fraktionschef Franz Müntefering in Berlin einräumte. Nach
Fraktionsangaben stimmten fünf bis sechs SPD-Abgeordnete gegen das
Vorhaben, die Renten im kommenden Jahr nicht zu erhöhen und
Beiträge der Rentner zur Pflegeversicherung anzuheben. Bei den
Grünen gab es keine Gegenstimmen. Gebilligt wurde auch das
umstrittene Vorhaben, Studienzeiten nicht mehr bei der Rente
anzurechnen.
Bei der SPD äußerten in der etwa vierstündigen Sitzung
mehrere Abgeordnete Bedenken gegen die Zusatzlasten für die
Rentner, über die heute im Bundestag erstmals beraten werden soll.
Dabei sei auch erneut die Möglichkeit angesprochen worden,
stattdessen den Beitrag zur Rentenversicherung zu erhöhen, sagte
Müntefering. Dies wäre jedoch "für das zarte
Konjunkturpflänzchen außerordentlich kontraproduktiv"
gewesen.
Auch der auf der Rentenklausur der Koalition am vergangenen Wochenende
gefasste Beschluss, die Rentner mit dem vollen Beitrag zur
Pflegeversicherung zu belasten, sei als vernünftig gebilligt
worden. Müntefering äußerte sich zuversichtlich, dass
es bei der entscheidenden Abstimmung im Bundestag eine
eigenständige Mehrheit der Koalition geben werde.
Einstimmig angenommen wurde nach SPD-Fraktionsangaben ein zweiter
Gesetzentwurf, wonach die Rente für künftige Rentner erst am
Monatsende ausbezahlt werden soll. Nur für diesen letzten Punkt
benötigt die Koalition die Zustimmung der Union im Bundesrat. Mit
den Reformen wollen SPD und Grünen das für 2004 drohende
Acht-Milliarden-Defizit der Rentenkassen ausgleichen.
Bei den Ausbildungszeiten verständigten sich die
Koalitionsfraktionen auf einen Entschließungsantrag, der auch
weitere mittel- und langfristige Maßnahmen zur Reform der
Rentenversicherung enthält. Die Berücksichtigung von drei
Ausbildungsjahren bei der Berechnung der Rentenhöhe soll demnach
entfallen. Lediglich die Übergangszeit wurde gegenüber den
ursprünglichen Plänen von Sozialministerin Ulla Schmidt um
ein Jahr auf vier Jahre verlängert. Auch sollen Ausbildungszeiten
weiter für die Berechnung der Dauer der Beitragszahlung anerkannt
werden.
Keine Einschnitte soll es für Auszubildende in Betrieben geben,
deren Lehrjahre für die Rente höher bewertet werden.
Ähnliches soll auch für Schüler berufsbildender Schulen
gelten, etwa angehende Krankenschwestern. Details sind aber noch offen,
wie Grünen-Sozialexpertin Thea Dückert erläuterte.
Der alternierende Vorsitzende der Bundesversicherungsanstalt für
Angestellte (BfA), Hartmann Kleiner, fordert derweil eine Kürzung
der Witwen- und Waisenrenten. Durch die Beschränkung auf wirklich
Bedürftige ließen sich fast 18 Milliarden Euro jährlich
einsparen, sagte Kleiner der "Berliner Zeitung" (Freitagausgabe). "Wer
nach dem Tod seines Partners oder Elternteils über genügend
eigene Einkünfte verfügt, sollte keine oder nur noch eine
geringe Hinterbliebenenrente erhalten", sagte Kleiner. Dadurch
ließe sich der Rentenbeitragssatz um zwei Beitragspunkte absenken.
Kleiner ist hauptberuflich Hauptgeschäftsführer der
Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg
(UVB) und vertritt in der Selbstverwaltung der BfA die Arbeitgeber.
Die gesetzliche Rentenversicherung gibt dem Bericht zufolge
jährlich über 34 Milliarden Euro für
Hinterbliebenenrenten aus. Jede vierte Rente ist demnach eine
Hinterbliebenenrente. Diese dienen vor allem der finanziellen
Altersabsicherung von Frauen, die früher nicht oder nur
eingeschränkt erwerbstätig waren und deshalb keine oder nur
geringe eigene Rentenansprüche erworben haben.
Kleiner stellte zugleich klar, dass für Menschen, die bereits eine
Witwen- oder Waisenrente beziehen, Vertrauensschutz gelte. "Sie sind
nicht von Kürzungen betroffen." Die Regelung würde nur
für diejenigen gelten, die in Zukunft eine Hinterbliebenenrente
beantragen.
Insgesamt geht Kleiner die Rentenreform der Bundesregierung nicht weit
genug. "Die beschlossenen Neuregelungen reichen bei weitem noch nicht
aus", sagte er. Es sei von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
nicht klug gewesen, die Entscheidung über die Anhebung der
Renten-Altersgrenze zu vertagen. "Die Politik wird nicht umhin kommen,
das gesetzliche Renteneintrittsalter auf 67 Jahre hochzusetzen", sagte
Kleiner.
(Quellen: afp, ap)
Bundesbürger machen in Umfrage
Politik für Krise
verantwortlich
Rentenkürzung lässt SPD in Wählergunst abstürzen
+++ Für 62 Prozent der Befragten sind die geplanten Kürzungen
unzumutbar
Fr.24.10.03 - Die Bundesbürger machen für die gegenwärtige
Wirtschafts- und Finanzkrise vor allem die Politik verantwortlich. Nach
einer Infratest-dimap-Umfrage im Auftrag der ARD sehen 28 Prozent die
Verantwortung in erster Linie bei der Bundesregierung aus Union und FDP
unter Helmut Kohl. 23 Prozent nennen die gegenwärtige
rot-grüne Regierung von Gerhard Schröder. 11 Prozent geben
die Schuld der Wirtschaft und den Arbeitgebern, 7 Prozent den
Gewerkschaften.
Die unpopulären Beschlüsse zur Rentenkürzung haben die
SPD in der Wählergunst abstürzen lassen: Nur noch 25 Prozent
würden für die Sozialdemokraten stimmen, wenn am Sonntag
Bundestagswahl wäre.
Laut Infratest-dimap-Umfrage finden 62 Prozent der Befragten die
geplanten Kürzungen unzumutbar - also die Aussetzung der
Rentenanpassung im kommenden Jahr und eine höhere Eigenleistung
der Rentner bei der Pflegeversicherung.
Nur 32 Prozent der 1.000 Befragten meinten, dies sei zumutbar. Eine
Mehrheit - nämlich 40 Prozent - hätte das Defizit in der
Rentenversicherung lieber durch höhere Rentenbeiträge
für die Arbeitnehmer finanziert als durch Einsparungen bei den
Rentnern.
Offenbar hat die Entscheidung das Vertrauen in das Rentensystem
erschüttert: Nur 38 Prozent der Befragten hält die heutige
Rente noch für sicher. 60 Prozent sagen, die Rente ist heute nicht
mehr sicher.
Noch deutlicher wird diese Einschätzung, wenn man lediglich die
Rentner fragt: Nur 18 Prozent glauben noch, dass sie über sichere
Renten verfügen, 79 Prozent glauben das nicht. Diejenigen, die
erst in 30 Jahren in den Ruhestand gehen, haben das Vertrauen auf eine
sichere Rente beinahe vollständig verloren: 91 Prozent zweifeln an
der Sicherheit ihrer künftigen Rente.
(Quellen: dpa, ap)
Trinken, qualmen, tanken und zocken für Vater Staat
Heimliche Steuern fressen das Gehalt auf +++ Experte: Bis zu zehn
Prozent des Bruttolohns gehen für indirekte Steuern drauf
Fr.24.10.03 - Der Eindruck vieler Bundesbürger, immer weniger Geld in der Tasche
zu haben, kommt nicht von ungefähr: Neben höheren
Sozialversicherungsbeiträgen haben in diesem Jahr auch die
"heimlichen Steuern" zusätzliche Löcher in Lohntüte und
Haushaltskasse gerissen. Für die Verbraucher nicht erkennbar,
kassiert Vater Staat bei jeder Tasse Kaffee, bei jedem Gläschen
Sekt, beim Heizen, beim Gassi gehen und Lotto spielen verdeckt mit. Und
das nicht zu knapp. Einige der so genannten Bagatellsteuern wurden zu
Jahresbeginn kräftig erhöht.
Der Schock stellt sich aber erst nach einer Weile beim Blick aufs Konto
ein. Während sich die Belastung durch dicke Steuerbrocken wie Lohn-
und Einkommenssteuer oder Sozialabgaben sofort bemerkbar macht, weil
vom verdienten Euro im Schnitt gerade noch mal 50 Cent netto übrig
bleiben, ist das Loch durch die meisten Verbrauchsteuern nicht direkt
zu spüren. Wer weiß schon, dass er pro Kilogramm
Röstkaffee 2,19 Euro an Steuern berappen muss? Beim löslichen
Kaffee ist der Fiskus gar mit 4,78 Euro pro Kilo dabei. Auf Verpackung
oder Kassenbon wird das allerdings nicht ausgewiesen.
Und dann wird noch die 16-prozentige Umsatzsteuer auf die Kaffeesteuer
draufgepackt. Ein passionierter Kaffeetrinker muss so gut und gerne
Extra-Steuern von schätzungsweise bis zu 40 Euro im Jahr berappen.
Steuer auf die Steuer, wie Hans-Joachim Vanscheidt vom Bund der
Steuerzahler in Wiesbaden das Prinzip des doppelten Abkassierens
kritisiert.
Das passiert so auch bei anderen versteckten Steuerarten wie der
Schaumwein-, der Mineralöl- und der Stromsteuer. Aber keiner merkt
es, kaum einer weiß es. "Bei einem billigen Sekt kann die Steuer
höher ausfallen als der reine Warenwert", merkt Hans-Ulrich Liebern
vom Bund der Steuerzahler in Nordrhein-Westfalen an.
"Bis zu zehn Prozent des Bruttolohns gehen nochmal für indirekte
Steuern drauf", rechnet Steuerexperte Vanscheidt weiter vor. Die
Einnahmen aus den Verbrauchsteuern kletterten in den letzten Jahren
permanent in die Höhe, allein von 2000 bis 2002 um 3,3 Prozent. Und
das trotz allgemein rückläufiger Steuereinnahmen, wie Liebern
betont.
Trinken, qualmen, tanken und zocken für Vater Staat - auf diese
Weise sponserten ihn seine Bürger im vergangenen Jahr mit der
stolzen Gesamtsumme von 214,875 Milliarden Euro, ohne es recht zu
wissen. Wie viel in diesem Jahr zusammenkommt, ist noch ungewiss. Nach
den Erwartungen von Steuerexperten wird es sicher nicht weniger, eher
mehr werden.
(Quelle: ap)
Innenminister räumt Fehler bei Videoüberwachung
in Weimar ein
Fr.24.10.03 - Nach der heftig kritisierten Videoüberwachung des Weimarer
Goetheplatzes hat der thüringische Innenminister Andreas
Trautvetter (CDU) Fehler eingeräumt. Der "sehr sensible Bereich
des Pressehauses" sei bereits im Vorfeld der Installation nicht
ausreichend beachtet worden, erklärte Trautvetter am Donnerstag
vor dem Innenausschuss des Erfurter Landtags. Die Kameras seien
inzwischen abgeschaltet, in der nächsten Woche werde entschieden,
ob sie möglicherweise ganz entfernt würden.
Der Start der Überwachung am Montag hatte Empörung
hervorgerufen, weil auch die Lokalredaktionen der "Thüringer
Allgemeine" und der "Thüringischen Landeszeitung" ins Visier der
schwenkbaren Kameras genommen wurden. Er stehe im Kontakt mit den
Geschäftsführern der beiden Verlage, und ohne deren
Einvernehmen werde das Projekt auch nicht weitergeführt.
Der CDU-Politiker betonte, dass es "zu keiner Zeit einen Eingriff in
die Pressefreiheit gegeben" habe. Bereits vor dem Start des
Pilotprojekts sei eine Maske in die Kameras eingebaut worden, wodurch
die Fenster des Pressehauses abgedeckt worden seien. "Es ist nicht
möglich, hinter der Maske irgendwelche Daten zu verstecken",
beteuerte Trautvetter. Heranzoomen sei auch nur erlaubt, wenn Gefahr im
Verzug sei. Einen Missbrauch auszuschließen, wenn etwas
möglich sei, das gehe allerdings nicht.
Nun müsse gefragt werden, ob es überhaupt noch Sinn mache,
wenn durch die Abdeckung von Fassaden vielleicht nur noch 50 Prozent
des öffentlichen Platzes überwacht werden könnten. Am
Goetheplatz befinden sich neben dem Pressehaus auch Anwaltskanzleien
und das "Haus der Demokratie" mit den Büros verschiedener
Parteien. Die Videoüberwachung des Goethe- und des Theaterplatzes
in Weimar ist Bestandteil des Anti-Terror-Paketes der
thüringischen Landesregierung, das nach den Terroranschlägen
auf das World Trade Center vor zwei Jahren beschlossen wurde. Beide
Plätze hatten sich laut Innenministerium als besonders
kriminalitätsbelastete Orte erwiesen.
(Quelle: ap)
Riskanter Fußabdruck im Internet
Der Datenschützer Gerhard Kongehl rät zur Vorsicht beim
Surfen: Arbeitgeber können im Internet Informationen über
Bewerber sammeln.
Zu dieser Problematik befragte die Süddeutsche Zeitung (SZ) den
Professor für Datenschutz, Datensicherheit und
Technikfolgenabschätzung an der Fachhochschule Ulm:
SZ: Herr Kongehl, Sie raten Internet-Nutzern, verschiedene
E-Mail-Adressen und Tarnnamen zu verwenden, weil vom Arbeitgeber bis
zur Versicherung viele Firmen nach persönlichen Daten suchen.
Kongehl: Es ist für Laien gar nicht vorstellbar, wie viele
Informationen im Internet zu finden sind. Jeder der dort surft,
hinterlässt Spuren – meist ohne es zu ahnen.
»Man darf sich jene Daten besorgen, die Rückschlüsse
auf die berufliche Eignung zulassen«
SZ: Dürfen denn Firmen im Netz persönliche Informationen etwa
über Mitarbeiter oder Bewerber sammeln?
Kongehl: Daten im Internet sind im Sinne des Gesetzes frei
zugängliche Quellen und mit solchen Informationen ist Vieles
erlaubt. So darf man sich jene Daten besorgen, die
Rückschlüsse auf die berufliche Eignung zulassen.
SZ: Gibt es hier denn keine Grenzen?
Kongehl: Das ist fraglich. Das Datenschutzgesetz ist hier leider zu
unscharf. Es hantiert mit Begriffen aus den 70er Jahren, als vor allem
das Telefonbuch als allgemein zugängliche Quelle galt. Da
erschienen Rückschlüsse auf die Privatsphäre
zunächst nicht möglich.
SZ: Wo sind Informationen über den Bürger gespeichert?
Kongehl: Zum Beispiel in Ämtern, Bibliotheken, Verbänden,
Unternehmen oder im Gesundheitswesen. Wir haben einmal nachgezählt
und sind auf 50 bis 100 Institutionen gekommen.
»Einen potenziellen Arbeitgeber könnte interessieren, ob
eine Bewerberin Mutter wird«
SZ: Welche Informationen werden im Internet gesucht?
Kongehl: Solche, die sonst nicht verfügbar sind. Einen
potenziellen Arbeitgeber könnte interessieren, ob eine Bewerberin
Mutter wird. Wenn sie sich in einem Chatroom über
Schwangerschaften informiert, lässt dies entsprechende Vermutungen
aufkommen. Auch Versicherer sind an Gesundheitsdaten ihrer Kunden
interessiert.
SZ: Da besteht die Gefahr, dass falsche Schlüsse gezogen werden .
. .
Kongehl: Ja. Das gilt aber auch für so genannte Kundenprofile, die
aus dem Kaufverhalten etwa über Payback-Karten angefertigt werden.
Dazu werden Datenmodelle gebildet, die eine stark vereinfachte Form der
Wirklichkeit darstellen. Das führt zu einer Einteilung in
„Schubladen", die oft nicht stimmt.
SZ: Der Bürger erfährt nichts davon.
Kongehl: Das ist ein generelles Problem bei der Ansammlung von
Online-Informationen und ihrer Verwertung. Die Betroffenen merken
nichts. Besonders ahnungslos sind Kinder und Jugendliche, die sich aber
immer öfter im Internet tummeln. So entstehen von klein an
Profile, die Menschen dann ein ganzes Leben begleiten.
SZ: Müssten sie nicht darüber aufgeklärt werden?
Kongehl: Zweifellos, darüber muss in der Schule, vor allem im
Informatikunterricht, gesprochen werden. Wir haben uns bereit
erklärt, kostenlos Lehrer zum Thema Datenschutz auszubilden. Aber
die Nachfrage ist gering.
SZ: Kann man sich,wie Sie empfehlen, durch verschiedene E-Mail-Adressen
und Tarnnamen gegen das Ausforschen persönlicher Informationen
schützen?
Kongehl: Das ist eine Art Erste-Hilfe-Maßnahme, die solche
Aktionen zumindest erschwert. Darüber hinaus gibt es zum Beispiel
die Verschlüsselung oder andere Anonymisierungsverfahren. Dringend
notwendig ist aber auch ein verbessertes Datenschutzgesetz.
(Süddeutsche Zetung vom 23.10.03)
Eine tragbare Festplatte soll das gesamte Leben des Menschen aufzeichnen
Roy Want und Gordon Bell finden, dass sie eine gute Idee verfolgen: Sie
wollen alle Daten, denen ein Mensch im Lauf seines Lebens begegnet, auf
eine Festplatte speichern: jede CD, jedes Buch, jede E-Mail, jede
Webseite, jeder Brief, jede Konversation, jeder Gedanke – zumindest
wenn er ausgesprochen wird. Niemand soll mehr in Schuhkartons nach
alten Klassenfotos wühlen, sein Hirn nach der Telefonnummer einer
Bekannten zermartern oder den Namen seiner Lieblingskneipe aus
Studententagen vergessen. Die Festplatte speichert alles.
Want und Bell nähern sich ihrer Vision von verschiedenen Seiten.
Roy Want arbeitet bei Intel im kalifornischen San Jose, und
kümmert sich um die Hardware. Es geht um eine Festplatte von
einigen Terabyte: Ein paar Billionen Buchstaben oder Zahlen soll sie
festhalten, das Hundertfache der Speicher moderner PCs. Gordon Bell
hingegen ist ein Microsoft-Entwickler aus San Francisco, sein Projekt
MyLifeBits (etwa: Stückchen meines Lebens) widmet sich der
nötigen Software samt Suchfunktionen. Was ihr Allesspeicher eines
Tages bei seinem Nutzern anrichtet, darüber denken Want und Bell
kaum nach. Hirnforscher hingegen kritisieren die Idee, warnen vor einem
Informations-Überfluss und der Überforderung des Menschen....
Aus: Stefan Krempl - "Datei sein ist alles", Süddeutsche Zeitung
vom 23.10.03
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