Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertundzwanzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Geberländer sagen Irak nur ein Drittel der von den USA
gewünschten Geldsumme zu +++ US-Senatsausschuss wirft CIA in
Sachen Irak Übertreibung vor. Ex-CIA-Agenten beschuldigen
US-Regierung der Einflussnahme +++ Demonstrationen der Friedensbewegung
in Washington und San Francisco +++ Geldstrafen für deutsche
Ordensleute wegen Protest gegen Irak-Krieg - Frankfurter Priester droht
Gefängnis
Sa.25.10.03 - Die internationale Gemeinschaft hat bei ihrer Geberkonferenz im
spanischen Madrid mehr Geld für den Wiederaufbau des Iraks
aufgebracht als zuletzt erwartet, aber deutlich weniger als für
die kommenden vier Jahren veranschlagt.
Nach einem zunächst zögerlichen Eintreffen der finanziellen
Zusagen war zuletzt nicht mehr erwartet worden, dass auf der
Geberkonferenz die für den Wiederaufbau in den kommenden vier
Jahren kalkulierten 56 Milliarden Dollar zusammen kommen. 20 Milliarden
Dollar werden die USA beisteuern, der Rest sollte von anderen
Geberländern und Finanzinsitutionen kommen.
"Wenn wir den amerikanischen Beitrag, der hoffentlich im Gesamten ein
Zuschuss ist, nehmen, dann haben wir mindestens 33 Milliarden Dollar,
von denen 25 Millionen Dollar als Zuschuss kommen", sagte der für
die Mittelbeschaffung für den Irak zuständige ehemalige
polnische Finanzminister Marek Belka. Einige Beiträge werden in
Kreditform geleistet. Der irakische Planungsminister Mahdi Hafes hatte
zuvor von einer Gesamtsumme von 40 Milliarden Dollar gesprochen.
Die Beiträge der einzelnen Länder und Organisationen sind
eine Mischung aus humanitärer Hilfe, Zuwendungen, Exportkrediten,
Darlehen und Projektfinanzierungen über unterschiedliche
Zeiträume. Neben den Schwierigkeiten des Wiederaufbaus belasten
den Irak allerdings auch Auslandsschulden über 120 Milliarden
Dollar, für deren Bedienung noch keine Lösung gefunden ist.
Der Außenkommissar der Europäischen Union (EU), Chris
Patten, verwies darauf, dass bisherigen Erfahrungen zufolge häufig
ein großer Unterschied zwischen Zusagen und tatsächlich
geleisteten Hilfen bestehe. "Wir müssen das Geld so schnell wie
möglich aus den Banken heraus und in den Irak hineinbekommen",
sagte er. Die EU und ihre Mitgliedsstaaten werden Angaben der
italienischen Ratspräsidentschaft zufolge zusammen 700 Millionen
Euro im kommenden Jahr zur Verfügung stellen.
Für die Gegner des Irak-Krieges mahnte der deutsche
Außenminister Joschka Fischer erneut eine internationale
Kontrolle und Transparenz bei der Verwendung der Mittel an. Zugleich
wehrte Fischer die Kritik von US-Außenminister Colin Powell daran
ab, dass Deutschland und Frankreich ihren Beitrag nicht aufzustocken
bereit sind. "200 Millionen Euro, die wir beitragen, sind keine kleine
Münze und schon gar nicht in der gegenwärtigen finanziellen
Situation", sagte er dem ZDF.
"Das irakische Volk wird sich noch lange an die Hilfe erinnern, die wir
ihm in diesem kritischen Moment der Herausforderung und Hoffnung geben
werden", sagte Powell in Madrid. Die auf der Konferenz gezeigte
Unterstützung werde den Wiederaufbau beschleunigen und schneller
den Tag herbeiführen, an dem die Iraker die Verantwortung für
ihr Land wieder selbst in die Hand nehmen könnten. Der Chef des
provisorischen Regierenden Rats im Irak, Ijad Allawi, sagte, mit dem
Wiederaufbau werde ein Leuchtfeuer der Demokratie entzündet.
Der Geheimdienstausschuss des US-Senats wirft dem
US-Auslandsgeheimdienst CIA vor, Informationen über irakische
Waffen und angebliche Terrorismus-Verbindungen Saddam Husseins
übertrieben zu haben. Der Ausschuss zeige sich in dem Entwurf
eines Berichts an den Senat erstaunt, dass die CIA viele Daten auf
unzureichender Basis gewonnen habe, berichtete die "Washington Post"
unter Berufung auf Parlamentarier. Zahlreiche grundlegende
Geheimdienst-Dokumente seien lediglich aus unbestätigten oder
umstrittenen Quellen zusammengestellt worden.
Der in der Entstehung befindliche Bericht des Senats konzentriert sich
bei der Untersuchung der Vorgänge vor dem Irak-Krieg mehr auf die
Rolle der Nachrichtendienste als die des Weißen Hauses, wie die
Zeitung weiter meldet. Der Report ist allerdings weniger umfangreich
als eine ähnliche Untersuchung des Repräsentantenhauses.
Unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse hatte die US-Regierung vor
dem Irak-Krieg behauptet, Bagdad verfüge über
Massenvernichtungswaffen und würde Kontakte zum Terror-Netzwerk El
Kaida unterhalten. Auch mehr als ein halbes Jahr nach dem Sturz des
irakischen Präsidenten Saddam Hussein sind bislang noch keine
Belege dafür aufgetaucht.
Drei frühere Agenten des US-Geheimdienstes CIA haben derweil der
Regierung in Washington vorgeworfen, zur Rechtfertigung des
Irak-Krieges Einfluss auf die Behörde genommen zu haben. Von
Seiten der Regierung sei Druck auf Experten ausgeübt worden, damit
diese Informationen lieferten, die in die gewünschte Richtung
gingen, erklärte Vincent Cannistrado, früherer Chef des
Büros für Operationen und Analysen im Anti-Terror-Zentrum der
CIA, am Freitag bei einer informellen Anhörung im
Geheimdienstaussschuss des Senats. Ein solches Vorgehen der Regierung
widerspreche der Ethik der Geheimdienste.
In Washington sind in der Nacht zum Samstag die ersten Teilnehmer einer
Friedensdemonstration eingetroffen, die nach dem Willen der
Veranstalter die größte Kundgebung seit dem Irak-Krieg
werden soll. Im Mittelpunkt steht die Forderung nach einem Abzug der
US-Truppen aus Irak. Die Veranstalter erwarten mehrere zehntausend
Teilnehmer. Auch in San Francisco wurde zu einer Demonstration der
Friedensbewegung aufgerufen. "Die US-Regierung hat kein Recht auf eine
Rekolonialisierung Iraks", sagte Peta Lindsay von der Organisation
International ANSWER [http://www.internationalanswer.org/].
Drei Mitglieder der katholischen Initiative "Ordensleute für den
Frieden" [http://people.freenet.de/IOF]
müssen wegen einer Protestaktion gegen den Irak-Krieg Geldstrafen
zahlen. Das Amtsgericht Frankfurt am Main verurteilte sie am Freitag
wegen Sachbeschädigung zu Strafen in Höhe von 150, 300 und
600 Euro. Die Friedensaktivisten hatten am Karfreitag einen Zaun am
US-Militärflughafen in Frankfurt zerschnitten, um auf dem Rollfeld
ein Holzkreuz zu errichten. Sie wurden aber von der Polizei daran
gehindert, auf die Airbase zu gelangen. Der Ordenpriester Gregor
Böckermann kündigte an, die Geldstrafe nicht zahlen zu wollen
und stattdessen lieber 30 Tage ins Gefängnis zu gehen.
Böckermann hatte schon im Irak-Krieg 1991 an Protestaktionen,
unter anderem in Bagdad, mitgewirkt. 1991 und 1999 saß der heute
63-Jährige schon zwei Mal nach ähnlichen Aktionen für
mehrere Tage in Haft. Wegen der Aktion auf dem Frankfurter
US-Stützpunkt am Karfreitag waren neben ihm noch ein
Franziskanerpater und eine Sozialarbeiterin angeklagt. Vor Gericht
machten sie geltend, dass es ihre Pflicht sei, Grenzen dort zu
durchbrechen, wo "himmelschreiendes Unrecht" geschehe. Der Irak-Krieg
sei völkerrechts- und verfassungswidrig gewesen.
Der Vorsitzende Richter Wolfgang Weber nannte die Motive der
Angeklagten "ehrenwert", betonte aber, dass sie sich dennoch strafbar
gemacht hätten. Die beiden Priester und die Mutter dreier Kinder
seien aber keine "Berufsdemonstranten", die Randale machten, sondern
hätten sich ernsthaft mit der Problematik des Krieges auseinander
gesetzt. Neben Böckermann, der zu Tagessätzen zu je zehn Euro
verurteilt wurde, muss die Sozialarbeiterin Sätze von je 20 Euro,
der Franziskaner zu je 5 Euro zahlen. Sie kündigten ihre
Bereitschaft an, die Strafe zu akzeptieren.
Ein Verfahren gegen die Angeklagten wegen Hausfriedensbruchs wurde
eingestellt, weil die Eigentümerin des Flughafens, die Fraport AG,
keinen Strafantrag gestellt hatte.
(Quellen: afp, rtr, ap)
Nach einer neuen Umfrage in sieben irakischen Städten haben die
Koalitionstruppen offenbar seit dem Sieg über das Husseinregime
weitgehend ihr Ansehen verloren. Nur noch 14,8 Prozent der Iraker sieht
sie noch als Befreier. Vertrauen haben die Iraker eher zu ihren
Nachbarn als zu den Koalitionssoldaten oder der neuen Polizei.
Besonders bei den Schiiten wünscht man sich einen islamischen
Staat.
Mehr bei telepolis (24.10.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/15935/1.html
|
Rumsfeld will Kampf gegen Terrorismus beschleunigen
Sa.25.10.03 - US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld will den Kampf gegen den
Terrorismus verstärken und beschleunigen. In einem Interview mit
der konservativen US-Tageszeitung "Washington Times" vom Freitag
beklagte er sich, dass die Schwerfälligkeit des
US-Regierungsapparats diesen Kampf verzögere. Es sei die
"natürliche Tendenz" großer Institutionen, "weiter das zu
tun, was sie tun", sagte er. Auch habe mangelnde Kooperation zwischen
den verschiedenen Regierungsstellen die Entwicklung einer langfristigen
Strategie gegen den Terrorismus behindert.
(Quelle: afp)
UNO warnt vor Wiedererstarken der Taliban in Afghanistan
Sa.25.10.03 - Die Vereinten Nationen haben sich besorgt über das Wiedererstarken
der radikalislamischen Taliban in Afghanistan und der damit
einhergehenden Schwächung der Zentralregierung in Kabul
geäußert. Die vor rund zwei Jahren von den USA
gestürzten Taliban kontrollierten inzwischen wieder bestimmte
Grenzgebiete Afghanistans, erklärte UN-Vize-Generalsekretär
Jean-Marie Guehenno am Freitag (Ortszeit) in einem Bericht an den
Sicherheitsrat. Aufgrund der andauernden Unsicherheit herrschten
chaotische Zustände im Lande, die den Wiederaufbau des Landes
erheblich erschwerten. Viele der grundlegenden, strukturellen Ursachen
für die Unsicherheit seien nach wie vor ungelöst, kritisierte
Guehenno. Zugleich seien "Besorgnis erregende Zeichen" für eine
Schwächung der afghanischen Zentralregierung zu beobachten.
In mehreren Regionen an der Grenze zu Pakistan hätten
Angehörige des vor zwei Jahren gestürzten Taliban-Regimes de
facto wieder die Macht übernommen. Die Rebellen hätten in den
vergangenen Wochen ihre Angriffe auf afghanische Regierungstruppen,
Mitglieder von Hilfsorganisationen und US-Truppen verstärkt. Es
gebe aber auch andere Kräfte, die an einer weiteren
Destabilisierung der Lage interessiert seien, sagte Guehenno und wies
dabei auf den Drogenhandel hin.
Wegen der kritischen Sicherheitslage im Süden Afghanistans haben
die Vereinten Nationen einen Teil ihrer humanitären Einsätze
in der Region bis auf weiteres ausgesetzt. Betroffen sind die Regionen
Nimros, Helmund, Urusgan und Sabul, wie der stellvertretende
UN-Generalsekretär Jean-Marie Guehenno am Freitag in New York
mitteilte.
In Berlin stimmte am Freitag der Bundestag der Entsendung deutscher
Soldaten nach Nordafghanistan zu. Verteidigungsminister Peter Struck
begründete den Einsatz in Kundus mit der Notwendigkeit, die
Autorität der afghanischen Zentralregierung auszuweiten und die
für Juni 2004 geplanten Wahlen abzusichern. Ein Vorauskommando der
Bundeswehr wurde am heutigen Samstag in Kundus erwartet.
Bei einem Überfall im Norden Afghanistans wurden derweil zehn
Zivilisten getötet, darunter fünf Frauen und zwei Kinder.
Wie das afghanische Fernsehen berichtete, saßen die Opfer in
einem Lieferwagen, der am Vortag auf einer Straße in Samangan
beschossen wurde. Die neun Angreifer hätten zunächst drei
Panzerabwehr-Raketen auf den Wagen abgefeuert und ihn dann mit leichten
Waffen beschossen.
(Quellen: ap, afp, rtr)
Nahost-Konflikt
Israelischer Abgeordneter entgeht Anschlag +++ Umfrage: Israelis
mehrheitlich für gezielte Tötung radikaler Palästinenser
Sa.25.10.03 - Ein arabischer Abgeordneter des israelischen Parlaments ist am Freitag
in der Hafenstadt Haifa einem Anschlag entgangen. Wie die Polizei
mitteilte, explodierte ein rund ein Kilogramm schwerer Sprengsatz unter
dem Auto von Issam Machul, als dessen Frau versuchte, den Wagen zu
starten. Im israelischen Rundfunk hieß es, sie habe ein
ungewöhnliches Geräusch gehört und sei ausgestiegen,
bevor die Bombe detonierte. Verletzt wurde niemand.
Machul sagte, er habe keine persönlichen Feinde und wisse nicht,
wer den Anschlag verübt haben könnte. Der Abgeordnete
gehört der Hadasch-Partei an. Er war zum Zeitpunkt der Explosion
nicht in dem Wagen.
Die von Israel verfolgte international umstrittene Strategie der
gezielten Tötung radikaler Palästinenser wird einer Umfrage
zufolge von der großen Mehrheit der Israelis unterstützt.
Die israelische Jediot Ahronot berichtete am Freitag, zwei Drittel der
Befragten befürworteten diese Vorgehensweise. Fast ebenso viele
sind demnach der Ansicht, dass die israelische Armee alles tue, um
Opfer unter Zivilisten zu vermeiden. 29 Prozent der Befragten
äußerten den Wunsch, Israel solle mit den gezielten
Tötungen aufhören.
(Quellen: ap, afp/taz)
Japan deutet offensive Einwanderungspolitik an
Sa.25.10.03 - Angesichts drastisch sinkender Bevökerungszahlen und negativer
Auswirkungen auf die Wirtschaft hat die japanische Regierung erstmals
die Möglichkeit einer offensiven Einwanderungspolitik angedeutet.
Die japanische Bevölkerung altere schneller als in jedem anderen
Land, hieß es in einem Wirtschafts- und Finanzbericht. Falls
keine drastischen Maßnahmen wie die Öffnung des Landes
für Gastarbeiter ergriffen würden, könne die
Bevölkerungsstruktur "zu einem negativen Wirtschaftswachstum
führen".
Die Regierung rief außerdem dazu auf, Frauen unmittelbar nach der
Geburt oder nach Erziehung der Kinder die Fortsetzung der Karriere oder
den Wiedereinstieg in den Beruf zu erleichtern. Dem Bericht zufolge
wird die Kindererziehung vor allem wegen der Schulgebühren zudem
immer teurer.
Die Bevölkerungszahl lag im März nach Regierungsangaben bei
126,7 Millionen Menschen. Im Jahr 2006 wird sie dem Bericht zufolge mit
127,7 Millionen die Höchstmarke erreichen, bis 2025 jedoch auf
121,1 Millionen sinken und im Jahr 2050 voraussichtlich nur noch 100,6
Millionen betragen. Der Ausländeranteil in Japan stieg in den
vergangenen zehn Jahren zwar um 50 Prozent, lag Ende 2001 jedoch mit
1,78 Millionen Menschen nur bei 1,4 Prozent der Gesamtbevölkerung.
Zum Vergleich nennt der japanische Bericht Zahlen aus Deutschland: Dort
machten im Jahr 2000 7,3 Millionen Ausländer 8,9 Prozent der
Bevölkerung aus.
(Quelle: afp)
Debatte um europäische Militärpolitik
Deutscher Verteidigungsminister gegen eigenes EU-Hauptquartier für
Militäreinsätze
Sa.25.10.03 - Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) hat in der Debatte um
die Militärpolitik der EU Sympathien für die britische
Position erkennen lassen.
Bei einer SPD-Veranstaltung sagte Struck am Freitag in Berlin, er sei
gegen ein eigenes militärisches Hauptquartier der
Europäischen Union (EU) und für die Anbindung der
EU-Planungseinheit ans europäische Nato-Zentrum Shape. "Es darf
kein eigenes europäisches Hauptquartier geben." Zur
Planungseinheit sagte er: "Ich bin dafür, dass man es
zunächst einmal bei Shape ansiedelt." Er könne aber auch mit
einer Angliederung an den existierenden EU-Militärstab leben. Der
Streit zwischen Frankreich auf der einen und Großbritannien und
den USA auf der anderen Seite müsse einvernehmlich gelöst
werden. Er wolle sich in der Debatte nicht auf eine Seite schlagen,
sagte der Minister.
Der Aufbau eigener EU-Militärfähigkeiten sorgt seit Jahren
für Streit mit den USA und in der Nato. Die EU will Einsätze
zur Krisenbewältigung übernehmen, wenn die Nato diese nicht
führen will. Strittig ist, ob die EU dafür eigene Strukturen
außerhalb der Nato aufbauen soll, was Frankreich mit dem Ziel
größerer Unabhängigkeit von USA und Nato anstrebt. Im
April hatten Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg die
Errichtung eines EU-Hauptquartiers beschlossen und damit heftige Kritik
der USA und Großbritanniens ausgelöst. Die USA fürchten
eine Abkoppelung der EU von der Nato und drängen
Großbritannien, eine zu große EU-Eigenständigkeit zu
verhindern.
In der Diskussion wird zwischen der Planung und der konkreten
Führung von Einsätzen unterschieden. Zur Frage der Planung
machte Struck deutlich, dass er den britischen Vorschlag einer
Anbindung der Einheit an die Nato befürwortet. Dabei solle die
Position des Vize-Kommandeurs der Allianz in Europa gestärkt
werden, den traditionell ein europäischer Nato-Staat stellt. Die
Frage der Führung durch ein Hauptquartier ließ er abgesehen
vom Nein zum EU-Hauptquartier offen. Großbritannien schlägt
vor, Einsätze von Hauptquartieren der beteiligten Staaten zu
führen, wie der Kongo-Einsatz vom französischen Hauptquartier
in Paris.
Struck sagte, Deutschland und seine Partner wollten den USA das
Misstrauen gegen die EU-Pläne nehmen, das durch den Gipfel der
vier Gegner des Irak-Kriegs entstanden sei. Diese hätten nie
geplant, ein europäisches Gegeninstrument zur Nato zu errichten:
"Das war nie beabsichtigt", sagte Struck.
Nach seiner Darstellung stimmen Deutschland, Frankreich und
Großbritannien überein, kein EU-Hauptquartier zu schaffen.
"Da sind sich Gerhard Schröder, Jacques Chirac und Tony Blair
einig", sagte er mit Blick auf einen Dreiergipfel der Regierungschefs
im September in Berlin. Danach war der Eindruck entstanden, Blair habe
die Vorbehalte gegen eigenständige EU-Planungs- und
Führungskapazitäten aufgegeben. Dies hatte
Großbritannien später dementiert, offenbar auch unter
US-Druck.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv
Europäischer Gipfel in Brüssel
Großbritannien blockiert weiterhin den Aufbau einer EU-weiten
militärischen Führung +++ EU hält an Planung eigener
Militär-Fähigkeiten fest +++ Milliardenschweres
Investitionsprogramm auf den Weg. gebracht +++ Bundeskanzler
Schröder wurde am zweiten Gipfeltag vom französischen
Präsidenten Jacques Chirac vertreten
Sa.18.10.03 - Die EU-Staaten wollen den Aufbau eigener militärischer Strukturen
vorantreiben, ohne dabei die NATO zu schwächen. Dies wurde auf dem
EU-Gipfel in Brüssel deutlich, der am Freitag zu Ende ging. Der
französische Staatspräsident Jacques Chirac sagte: "Wir sind
entschlossen weiterzumachen." Der britische Premierminister Tony Blair
schränkte ein: "Wir brauchen natürlich eine starke
europäische Verteidigung. Aber nichts darf die
Verteidigungsgarantien der NATO in Gefahr bringen."
Die Pläne Deutschlands, Frankreichs, Belgiens und Luxemburgs, ein
eigenes EU-Hauptquartier zur Planung und Führung
militärischer Einsätze aufzubauen, haben in den USA Argwohn
hervorgerufen. Mitte der Woche hatte dies der US-Botschafter bei der
NATO, Nicholas Burnes, im Kreis seiner Brüsseler Kollegen erneut
deutlich gemacht und betont, die EU-Pläne stellten eine Gefahr
für Allianz dar...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310180.htm#03101810
Nato um Ausgleich im Streit über EU-Verteidigung bemüht
Di.21.10.03 - Im Streit über die Verteidigungspläne einiger EU-Staaten hat
sich die Nato am Montag bemüht, die Wogen zu glätten.
Auf Wunsch der USA kam der Nato-Rat zu einer informellen Sondersitzung
zusammen. Vor dem EU-Gipfel vergangene Woche in Brüssel hatten die
USA die EU-Pläne in der Nato scharf als Bedrohung für die
Zukunft des Verteidigungsbündnisses kritisiert. Diplomaten zufolge
verlief das Treffen am Montag ruhiger, brachte aber keine neuen
Ergebnisse. Die Beratungen hätten sich zweieinhalb Stunden im
Kreis gedreht. Ein Nato-Sprecher sagte, die Atmosphäre sei sehr
gut gewesen.
Die USA kritisieren Pläne mehrerer EU-Staaten, die EU in die Lage
zu versetzen, Militäreinsätze zu führen. Die Regierung
in Washington befürchtet eine Konkurrenz zur Nato als zentraler
Verteidigungsallianz und warnt vor Doppelstrukturen. Nach einem
deutsch-britisch-französischen Gipfeltreffen in Berlin war der
Eindruck entstanden, Deutschland und Frankreich hätten britische
Vorbehalte ausgeräumt. Inzwischen hat Großbritannien aber
weiteren Klärungsbedarf angemeldet...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310210.htm#03102108
|
IRA entschuldigt sich bei Familien ihrer Opfer
Sa.25.10.03 - Die nordirische Untergrundorganisation IRA hat sich bei den
Angehörigen ihrer Opfer entschuldigt. "Wir wollen uns für den
Kummer, den wir bereitet haben, entschuldigen", heißt es in einer
Erklärung der katholischen Irisch-Republikanischen Armee (IRA).
Anlass für die Erklärung ist die nächste Woche
bevorstehende Beerdigung von Jean McConville. Die IRA hatte die
katholische Mutter von zehn Kindern 1972 wegen vermeintlicher
Kollaboration mit der britischen Armee ermordet.
Erst vergangenen Monat war die Leiche zufällig an einem Strand
gefunden worden. Die älteste Tochter McConvilles, Helen McKendry,
wies die Entschuldigung zurück. Davon bekomme sie ihre Mutter auch
nicht mehr zurück, sagte sie.
Nach dem Karfreitagsabkommen 1998 hatte die IRA der Polizei Hinweise
über den Verbleib einiger Opfer gegeben. Jedoch konnten nur wenige
Leichen bisher gefunden werden. In dem seit mehr als 30 Jahren
andauernden Konflikt wurden offiziellen Angaben zufolge etwa 3600
Menschen getötet.
(Quelle: afp)
Millionen Italiener protestieren gegen Rentenreform
Sa.25.10.03 - Millionen Italiener haben am Freitag mit einem landesweiten
Generalstreik gegen die geplante Rentenreform der Regierung protestiert
und das öffentliche Leben massiv beeinträchtigt.
Zugverbindungen sowie 150 Alitalia-Flüge wurden gestrichen. Bei
der Lufthansa waren nach Angaben eines Sprechers 26 Flüge
betroffen. Schulen blieben geschlossen und Krankenhäuser konnten
lediglich eine Notversorgung garantieren. An der Mailänder Scala
wurde die Abendvorstellung abgesagt.
Landesweit machten nach Gewerkschaftsangaben 1,5 Millionen
Demonstranten ihrem Unmut über die geplante Verlängerung der
Rentenbeitragszeiten Luft. "Es ist die Notwendigkeit, die uns auf die
Straße getrieben hat", sagte der 83-jährige Marcello
Cedroni, der rotbekleidet auf der römischen Piazza Navona gegen
die Pläne des Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi
protestierte. "Ich bin Rentner, und es ist für mich jetzt schon
schwer, über die Runden zu kommen. Unter dem neuen System wird es
noch schlechter."
Giuglielmo Epifani, Chef der größten Gewerkschaft CGIL,
kritisierte die Berichterstattung des staatlichen Fernsehens RAI, das
darauf verzichtet hatte, direkt von den Demonstrationen zu berichten.
"Warum will die RAI unsere Argumente nicht darstellen? Weil die
Regierung Angst vor uns hat", so Epifani während der Kundgebung in
Bologna. Hintergrund der Auseinandersetzungen um die Berichterstattung
ist eine Fernsehansprache von Berlusconi zur Rentenreform. Dieser hatte
Ende September alle Fernsehkanäle in Italien gleichschalten
lassen, um rund zehn Minuten Werbung für seine Rentenpläne zu
machen. Die Gewerkschaften müssen sich dagegen weiter auf ihre
Mobilisierungskraft verlassen. "Unsere gleichgeschalteten Kanäle
sind die Straßen", stand deshalb auf dem Transparent an der
Spitze der Demonstration in Florenz.
Unterstützt wurden die Streikenden auch von den sozialen
Bewegungen. Francesco Caruso, Sprecher des italienischen
"no-global"-Netzwerkes, sagte, die Globalisierungskritiker würden
sich überall an den Demonstrationen der Gewerkschaften beteiligen,
"um auch die Arbeitslosen und prekär Beschäftigten mit
einzubeziehen und eine gemeinsame Front gegen die Regierung zu bilden".
Übereinstimmend kündigten die Vorsitzenden aller drei
Gewerkschaftsverbände weitere Kampfmaßnahmen an; sie planen
u.a. eine zentrale Massendemonstration. "Wir werden so weitermachen,
wenn die Regierung ihre Pläne nicht zurücknimmt. Die Einheit
und die Kraft dieses Tages wird sich fortsetzen", sagte Giuglielmo
Epifani in Bologna. Pezzotta betonte: "Die Regierung soll nicht denken,
daß wir jetzt aufhören. Wir werden weitere Initiativen
starten, in der nächsten Woche wird es einige Überraschung
geben."
Berlusconis erste Regierung war 1994 an Massenprotesten gegen die
damaligen Renten-Reformpläne gescheitert. Experten halten es
jedoch für unwahrscheinlich, dass sich dies wiederholen
könnte. Berlusconis Koalitionspartner Lega Nord, der ihn damals im
Stich gelassen hatte, steht nun fest an seiner Seite.
"Wenn die Regierung ihren Kurs nicht ändert und die Stärke
unserer Argumente nicht erkennt, dann kann sie mit der Fortsetzung der
Proteste rechnen", erklärte Guglielmo Epifani, Chef der
italienischen Gewerkschaft CGIL, der die Protestmärsche in der
norditalienischen Stadt Bologna organisierte.
Die drei führenden italienischen Gewerkschaften hatten ihre elf
Millionen Mitglieder aufgerufen, bei mehr als hundert Demonstrationen
im ganzen Land ihren Protest gegen die Rentenpläne zum Ausdruck zu
bringen. Für Berlusconi ist dies bereits der dritte Massenprotest
seit seiner Rückkehr an die Regierung im Jahr 2001. Auch in
Frankreich hatte es im Sommer wegen der dortigen
Rentenreform-Pläne massive Proteste gegeben.
Nach den Plänen der iitalienischen Regierung sollen die
Arbeitnehmer von 2008 an später in Rente gehen und mehr
Beitragsjahre für die Rentenversicherungen nachweisen. Derzeit
brauchen sie 35 Beitragsjahre und können dann schon mit 57 Jahren
in Rente gehen. Ab 2008 müssten die Italiener 40 Jahre eingezahlt
haben und Männer mindestens 65 Jahre alt sein (Frauen 60), um ihre
volle Rente zu bekommen. Die Reformpläne sollen noch vor
Jahresende im Parlament eingebracht werden. Wie eine Umfrage der
linksgerichteten Tageszeitung "La Repubblica" am Freitag ergab, sind
sechs von zehn Italienern gegen die Anhebung des Renteneintrittsalters.
Wie Deutschland und Frankreich steht auch Italien vor der
Herausforderung, dass die Kosten für das Rentensystem, derzeit 15
Prozent des Bruttoinlandsprodukts, wegen der niedrigen Geburtenrate und
einer höheren Lebenserwartung immer weiter steigen. Die
Gewerkschaften in Italien argumentieren, dass die 1995 verabschiedeten
Rentengesetze zur Lösung dieses Problems ausreichend seien und die
Regierung mit der Rentenreform von ihrer "fehlgeleiteten
Wirtschaftspolitik" ablenken wolle.
(Quellen: rtr, jw)
Bundestag stimmt erweiterter Afghanistan-Mission zu
Sa.25.10.03 - Wenige Stunden nach dem Bundestagsbeschluss zur Ausweitung des
Afghanistan-Einsatzes sind die ersten Bundeswehr-Soldaten nach Kundus
im Norden des Landes gestartet. Der Bundestag hatte der umstrittenen
Mission zum Schutz ziviler Helfer in der nordafghanischen Provinz am
Morgen in Berlin mit großer Mehrheit zugestimmt. Die
Bundesregierung räumte allerdings ein, dass die Mission auch
Risiken berge.
Deutschland habe jedoch eine besondere Verantwortung für "dieses
arme, geschundene Land", sagte Verteidigungsminister Peter Struck
(SPD). Seinen Angaben zufolge soll das Vorauskommando von 23 Soldaten
vor Ort Technisches klären. Im Frühjahr soll dann das
Hauptkontingent von insgesamt 230 Soldaten vollständig sein. Dem
Bundestagsbeschluss zufolge ist die Entsendung von bis zu 450 Soldaten
möglich. 531 Abgeordnete stimmten in namentlicher Abstimmung
für die Entsendung in die Provinz Kundus, es gab 57 Nein-Stimmen
und fünf Enthaltungen. Die FDP lehnte den Einsatz fast geschlossen
ab. Aus der Union kamen zehn Gegenstimmen und drei Enthaltungen. Auch
die beiden PDS-Abgeordneten stimmten dagegen. Bei den Grünen
enthielten sich die Parteilinken Hans-Christian Ströbele und
Winfried Hermann. Die SPD stimmte geschlossen zu.
Struck hatte zuvor noch einmal für den erweiterten
Einsatzbeschluss geworben, der auch eine Absicherung der Wahlen in ganz
Afghanistan im nächsten Jahr und eine Verlängerung des
Einsatzes in dem Land um ein Jahr umfasst. Es gehe darum, die
Durchsetzungsfähigkeit der Zentralregierung in Kabul zu
erhöhen und den Verfassungsprozess und die Wahlen zu
unterstützen, sagte Struck.
Für die große Mehrheit der Union signalisierte Fraktionsvize
Wolfgang Schäuble (CDU) Zustimmung. Deutschland stehe vor der
Wahl, "sich aus Afghanistan zurückzuziehen oder Stabilität
über Kabul hinaus zu transportieren". Für die FDP sagte
Außenpolitiker Werner Hoyer, zwar seien die Liberalen nicht
grundsätzlich gegen einen Einsatz außerhalb Kabuls, dieser
müsse aber "verantwortbar" sein. Er befürchte, dass die
Soldaten die Arbeit von zivilen Helfern eher erschweren.
Die Bundesregierung erwägt indes eine deutliche Erweiterung des
Mandats. Ziel sei es, mit zusätzlichen Kräften die
Juni-Wahlen in Afghanistan möglichst breit abzusichern, so die
«Leipziger Volkszeitung». Ein Sprecher des
Verteidigungsministeriums verwies auf den Beschluss des Bundestages:
Danach wurde eine Mandatsobergrenze von 2250 Soldaten festgelegt.
(Quellen: afp, dpa)
Laut Verfassungsschutz Terroranschläge vom 11.September nicht in Hamburg geplant
Sa.25.10.03 - Die Terroranschläge vom 11. September 2001 sind nach
Überzeugung des Bundesamtes für Verfassungsschutz nicht in
Hamburg, sondern in Afghanistan geplant worden. "Diese Erkenntnis
beruht auf Informationen, die uns verfügbar sind", sagte der
Verfassungsschutz-Präsident Heinz Fromm am Freitag als Zeuge im
Terrorprozess vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht.
Die Verteidiger des Angeklagten Abdelghani Mzoudi, der sich wegen
Beihilfe zum Mord in über 3.000 Fällen und Mitgliedschaft in
einer terroristischen Vereinigung verantworten muss, beantragten
daraufhin die Aufhebung des Haftbefehls für ihren Mandanten.
Fromm erklärte, die Mitglieder der Hamburger Terrorzelle -
Mohammed Atta, Marwan Al Shehhi, Ramzi Binalshibh und Ziad Jarrah -
seien bei ihrer Reise nach Afghanistan im Dezember 1999 von
Führungsmitgliedern der El Kaida für die Anschläge
rekrutiert worden, da sie Englisch sprachen und sich in der westlichen
Welt auskannten. Federführend sei dabei Khalid Scheich Mohammed
gewesen, der inzwischen in den USA inhaftiert ist.
Ziel der Hamburger Terroristen sei eine militärische Ausbildung
gewesen. Sie hätten sich bereits vorher entschieden, am Dschihad
teilzunehmen, ursprünglich jedoch beabsichtigt, in Tschetschenien
zu kämpfen, sagte Fromm.
Als Quelle für diese Erkenntnisse nannte er unter anderem ein
Interview des Fernsehsenders El Dschasira mit Binalshibh und Scheich
Mohammed sowie das Buch eines Journalisten zu El Kaida. Man sei der
Überzeugung, dass es sich bei den Aussagen «nicht um
Desinformationen handelt», betonte Fromm.
Als weiteren Beleg für die Anschlagsplanung in Afghanistan verwies
er darauf, dass sich die Gruppe um Atta vor ihrer Reise im Dezember
1999 nicht für eine Flugausbildung oder eine Reise in die USA
interessiert habe.
Im Gegensatz dazu steht die Aussage einer Zeugin, die im
Frühsommer 1999 Al Shehhi in einer Hamburger Bibliothek begegnete.
Sie hatte im August ausgesagt, Al Shehhi habe damals auf Amerika
geschimpft und von tausenden Toten gesprochen. "Ich meine, dass das
Wort World Trade Center gefallen ist, kann es aber nicht
hundertprozentig sagen", hatte die Frau gesagt, die nach
Einschätzung der Verteidigung die Hauptzeugin der Anklage ist.
Mzoudis Verteidigen verlangten nach Fromms Aussage die Haftentlassung
Mzoudis, da die Aussage des Verfassungsschutz-Präsidenten der
Anklageschrift widerspreche. Dem widersprach Bundesanwalt Walter
Hemberger. Er sehe in der Anklageschrift keinen Widerspruch zur Aussage
des Zeugen. Über den Antrag der Verteidigung wird voraussichtlich
in der nächsten Woche entschieden.
Unterdessen ist ein Ende des ursprünglich bis Januar 2004
terminierten Terrorprozesses in Sicht. Der Vorsitzende Richter Klaus
Rühle kündigte am Freitag an, dass die Beweisaufnahme bereits
am 7. November geschlossen werden könne. Der Prozess wird am
(kommenden) Mittwoch mit der Vernehmung des mutmaßlichen
Al-Tawhid-Mitglieds Shadi Moh'd Mustafa Abdalla fortgesetzt, der
zurzeit in Düsseldorf vor Gericht steht.
(Quelle: ap)
Europäische Vergleichsstudie: Deutschland hat die
wenigsten Frauen in Führungsposition
Sa.25.10.03 - In Deutschland gibt es nach einer europäischen Vergleichsstudie
die wenigsten Frauen in Führungspositionen. In der obersten Ebene
sind fünf Prozent, im mittleren Management 14 Prozent und im
unteren nur 19 Prozent der Führungskräfte weiblich. Das ist
das Ergebnis einer Untersuchung, die die Personalberatung Dr. Heimeier
& Partner zusammen mit einem Beratungsverbund in sieben
europäischen Ländern durchgeführt hat.
In der unteren Ebene liegt der Schnitt der 932 befragten Firmen
über alle Länder hinweg bei 28 Prozent. Die meisten
Managerinnen arbeiten in den Bereichen Finanzen, Personal sowie
Marketing und Vertrieb.
Als Gründe für den niedrigen Frauenanteil in den oberen
Etagen nennen zwei Drittel der befragten Firmen den Mangel an
Kandidatinnen. Etwas mehr als ein Viertel der Firmen sieht auch in der
Unternehmenskultur eine Ursache dafür. Dabei ist der Wunsch nach
mehr weiblichen Führungskräften überall groß: Mehr
als 90 Prozent der männlichen Befragten können sich
vorstellen, unter einer Vorgesetzten zu arbeiten. Frauen gelten demnach
als besonders kommunikationsstark, zielorientiert, ausdauernd und
teamfähig.
Rund 40 Prozent der männlichen Manager (in Deutschland allerdings
knapp 60 Prozent) machen es von den besseren Verdienstchancen
abhängig, ob sie zu Gunsten der Partnerin auf eigene
Karriere-Ambitionen verzichten würden. Ein Drittel von ihnen
wäre ohne Einschränkungen dazu bereit, in Schweden sogar 60
Prozent.
(Quelle: taz/dpa)
Arbeitnehmer ohne Ausbildung sollen
weniger Rente bekommen
Sa.25.10.03 - Wer keine Ausbildung hat, soll in Zukunft weniger Rente bekommen. Im
Zuge der geplanten Änderungen bei der Anerkennung von
Ausbildungszeiten will die Bundesregierung auch eine generelle
Höherbewertung der ersten drei Berufsjahre abschaffen, wie ein
Sprecher des Bundessozialministeriums am Freitag bestätigte.
Bisher erhalten Arbeitnehmer, die ohne Ausbildung ins Berufsleben
einsteigen und anfangs weniger verdienen, die gleichen Zuschläge
wie Lehrlinge: Die ersten drei Berufsjahre werden bei der
Rentenberechnung mit 75 Prozent des Durchschnittsverdienstes des
gesamten Berufslebens berücksichtigt. In Zukunft soll nur noch das
tatsächliche Einkommen in den ersten Berufsjahren gelten.
(Quelle: afp)
Die Rentenpläne der rot-grünen Koalition
Wegen des Milliardenlochs in der Rentenkasse plant die rot-grüne
Koalition ein kurzfristiges Notprogramm für kommendes Jahr sowie
mittel- und langfristige Maßnahmen. Das Notprogramm ist in zwei
Gesetzen geregelt, die der Bundestag am Freitag erstmals behandelte.
Die längerfristigen Maßnahmen skizziert ein
Entschließungsantrag, der in weitere Gesetze gekleidet werden
soll. Associated Press dokumentiert die wichtigsten Punkte:
Kurzfristige Maßnahmen
- Die Schwankungsreserve der Rentenversicherer wird von 0,5 auf 0,2 Monatsausgaben gesenkt.
- Die Rentenanpassung zum 1. Juli 2004 fällt aus.
- Rentner zahlen ab 1. April den vollen Beitrag zur Pflegeversicherung
von 1,7 Prozent der Bezüge statt bisher die Hälfte.
- Eine mögliche Beitragssenkung bei der Krankenversicherung durch
die anstehende Gesundheitsreform soll «so schnell wie
möglich» an Rentner weiter gegeben werden, um die Mehrkosten
bei der Pflege zum Teil auszugleichen.
- Die bereits beschlossene Kürzung des Bundeszuschusses an die
Rentenkassen um zwei Milliarden Euro wird rückgängig gemacht.
- Die Auszahlung der Bezüge für Neurentner wird vom Anfang
auf das Ende des Monats verschoben. Diesem Punkt muss der
Unions-dominierte Bundesrat zustimmen.
Mittel- und langfristige Maßnahmen
- In einem «Alterseinkünftegesetz» soll ab 2005
schrittweise die nachgelagerte Besteuerung eingeführt werden nach
dem Prinzip: Einzahlungen zur Vorsorge bleiben steuerfrei, Auszahlungen
im Alter werden mit Abgaben belegt.
- In dem Gesetz werden die Regeln zur Riester-Rente - die
Förderung der Privatvorsorge - vereinfacht. Statt elf Kriterien
müssen Vorsorgeprodukte nur noch vier erfüllen.
- Bei der betrieblichen Altersvorsorge sollen Hemmnisse abgebaut
werden: Arbeitnehmer sollen ihren Kapitalstock beim Jobwechsel
mitnehmen dürfen.
- Eine Organisationsreform soll die Rentenverwaltung sparsamer machen.
- Mit einem «Nachhaltigkeitsgesetz» wird ab 2005 in die
Rentenanpassungsformel ein «Nachhaltigkeitsfaktor»
eingeführt, der das Rentenniveau langfristig senkt. Als
Berechnungsgrundlage für Rentenerhöhungen dient nicht mehr
die gesamte Bruttolohnsumme, sondern nur der Teil, auf den
Beiträge gezahlt werden.
- Das faktische Renteneintrittsalter soll bis 2008 auf 63 angehoben
werden. Das heißt, die Möglichkeit, vor diesem Alter mit
Abschlägen in den Ruhestand zu gehen, wird abgeschafft. Eine
Erhöhung des gesetzlichen Rentenalters von derzeit 65 auf 67 Jahre
ab etwa 2035 wird nicht ausgeschlossen
- Ab 2009 sollen schulische Ausbildungszeiten nach dem 17. Lebensjahr
nicht mehr mit drei Beitragsjahren gutgeschrieben werden. Schul- und
Studienzeiten werden aber weiter als Versicherungsjahre gut
geschrieben, um die Mindestgrenze von 35 Berufsjahren bis zum
Renteneintritt leichter zu erreichen.
- Die Schwankungsreserve der Rentenversicherer wird mittelfristig zu
einer «Nachhaltigkeitsrücklage» aufgebaut werden: Bis
nicht 1,5 Monatsausgaben - 23 Milliarden Euro - bei den Rentenkasse in
Reserve liegen, kann der Beitragssatz nicht gesenkt werden.
(Quelle: ap)
Für die SPD-Grünen-Regierung sind offenbar alle Tabus gefallen
schreibt Sahra Wagenknecht in der heutigen Ausgabe der "junge Welt"
(25.10.03)
http://www.jungewelt.de/2003/10-25/013.php
|
Neuer Unionsstreit über Finanzierung der Sozialreformen
Sa.25.10.03 - In der Union zeichnet sich neuer Streit über die Finanzierung des
geplanten Umbaus der sozialen Sicherungssysteme ab.
Bei Unions-Sozialexperten stießen die Pläne des
stellvertretenden Unions-Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz (CDU) auf
Kritik, zur Entlastung von Geringverdienern lediglich die Erhöhung
des steuerfreien Grundfreibetrages vorzuschlagen. Es sei ein
Nullsummenspiel, wenn die Menschen Erleichterungen bei den Steuern
bekämen, mit denen sie dann die gestiegenen Kosten für die
Sozialsysteme bezahlen müssten, sagte Unions-Fraktionsvize Horst
Seehofer (CSU) am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Menschen
wollen echte Steuersenkungen." Auch der CDU-Sozialexperte Andreas Storm
sagte, die Vorschläge von Merz reichten für den
Sozialausgleich nicht aus.
Merz hatte am Donnerstag in einem Reuters-Interview die Überlegung
von Storm und CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer abgelehnt, einen
Zuschlag auf die Einkommensteuer einzuführen und mit dem Geld
Kleinverdiener bei den vorgesehenen Gesundheits-Kopfpauschalen zu
entlasten.
Die Finanzierung des sozialen Ausgleichs ist eine zentrale Frage im
unionsinternen Streit über die Herzog-Vorschläge der CDU zur
Zukunft der Sozialsysteme. Die Partei-Kommission unter Leitung des
früheren Bundespräsidenten Roman Herzog plädiert
dafür, die Krankenversicherungs-Beiträge künftig
völlig von den Löhnen abzukoppeln. Sie sollen unabhängig
vom Einkommen 264 Euro betragen. Im Gegenzug sollen Geringverdiener mit
Subventionen in zweistelliger Milliardenhöhe unterstützt
werden. Derzeit ist aber noch offen, wie das finanziert werden soll.
Am Freitag wollte sich eine Gruppe unter Leitung von
Generalsekretär Meyer treffen, um die Frage zu erörtern. Ihr
gehört auch der Vorsitzende der CDU-Sozialausschüsse,
Hermann-Josef Arentz, an. Dieser gehört zu den schärfsten
Kritikern des Herzog-Konzepts. Die CDU-Spitze hofft, mit einer Regelung
für den Steuer-Sozialtransfer den Streit in der CDU bis zum
Parteitag Anfang Dezember zu befrieden. Storm sagte, er sei
zuversichtlich, dass es eine Einigung zwischen den Finanz- und
Sozialpolitikern der CDU geben werde. CDU-Chefin Angela Merkel zeigt
sich schon seit längerem überzeugt davon, dass der soziale
Ausgleich über das Steuersystem zu leisten ist.
Seehofer sagte, um Geringverdiener bei dem von der CDU geplanten Umbau
der Kranken- und Pflegeversicherung zu entlasten, müssten
mindestens 36 Milliarden Euro an Steuermitteln aufgebracht werden. "Ich
sehe nicht, woher das Geld kommen soll", betonte er. Um die Wirtschaft
zu entlasten, sei es ausreichend, den Arbeitgeberanteil bei der
Krankenversicherung einzufrieren. Dazu müssten nicht die
lohnabhängigen Beiträge abgeschafft werden, bekräftigte
er.
Merz hatte es abgelehnt, in seinen Konzept für eine große
Steuerreform, das er am 3. November vorlegen will, Vorschläge
für die Finanzierung des Sozialtransfers zu machen. Er wies darauf
hin, dass er sich schon dafür stark gemacht habe, das steuerfreie
Existenzminimum zu erhöhen, um Geringverdiener zu entlasten. "In
diesem Existenzminimum sind auch die notwendigen Ausgaben etwa für
die Krankenversicherung enthalten", hatte er erklärt. Er wies auch
den in der CDU diskutierten Plan für einen Zuschlag auf die
Einkommensteuer zurück. "Welcher Transferbedarf aus dem
allgemeinen Steueraufkommen zusätzlich für die
Krankenversicherung notwendig ist, hat mit der Einkommensteuer nichts
zu tun."
(Quelle: rtr)
Eichel hält Mehrwertsteuererhöhung für
möglich
Sa.25.10.03 - Bundesfinanzminister Hans Eichel hält eine
Mehrwertsteuererhöhung für möglich, falls die Union im
Bundesrat den geplanten Subventionsabbau und die rot-grünen
Reformen blockiert. "Ich habe immer gesagt: Ich will die Mehrwertsteuer
nicht!", unterstrich der SPD-Politiker am Freitag. Zugleich wies er den
unionsregierten Ländern die entscheidende Rolle in der Frage zu.
Grüne, FDP und der Einzelhandel warnten eindringlich vor einem
Draufsatteln bei der Mehrwertsteuer, weil dies der Konjunktur schaden
würde.
Eichel erklärte im ZDF, die Bundesregierung wolle die Steuer nicht
erhöhen, sondern setze auf Subventionsabbau als Maßnahme zum
Stopfen der Haushaltslöcher. Er unterstrich jedoch mit Blick auf
die Länder: "Ich kann nichts deswegen garantieren, weil wir
alleine keine Mehrheit haben. Wir haben sie nur im Bundestag. Es kommt
jetzt sehr auf den CDU-geführten Bundesrat an." Eichels Sprecher
Jörg Müller ergänzte, der Minister "denkt nicht an eine
Mehrwertsteuererhöhung und plant auch keine"» Die Debatte
darüber finde ohne Eichel statt.
Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer
(CDU), bekräftigte seine auch in der Union umstrittene Position,
die Mehrwertsteuer anzuheben, wenn im Gegenzug die Lohnnebenkosten
deutlich gesenkt werden. Ein solcher Schritt müsse zudem in ein
Gesamt-Reformpaket passen. Keinesfalls dürften die Einnahmen in
den Etats versickern, sagte Böhmer der «Berliner
Zeitung».
Die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Krista Sager,
warnte vor einer Belastung der Verbraucher. Eine stärkere
Mehrwertsteuer wäre Gift für die Konjunktur und das
"völlig falsche Signal und in dieser Lage absolut
kontraproduktiv", erklärte sie. Durch unnötige Debatten
dürfe die Schaffung neuer Arbeitsplätze nicht gefährdet
werden.
Ein Draufsatteln bei der Mehrwertsteuer "würde die
Zurückhaltung der Käufer noch verstärken", sagte der
Hauptgeschäftsführer des Verbandes der innerstädtischen
Einzelhändler (BAG), Johann Hellwege. "Die Branche muss ohnehin
mit einem leichten Umsatzminus in diesem Jahr rechnen."
FDP-Finanzexperte Carl-Ludwig Thiele forderte, "jedes Gerede über
Steuererhöhungen" zu beenden. Er verwies dabei auch auf den
Vorstoß des CSU-Umweltpolitikers Josef Göppel, der laut
"Bild"-Zeitung das Ende der Steuerbefreiung von Flugbenzin forderte.
Kerosin solle genauso hoch besteuert werden wie Benzin für Autos,
zitierte das Blatt den Vorsitzenden des CSU-Umweltarbeitskreises im
Bundestag. Billigfliegen sei "Raubbau an der Natur".
CDU/CSU-Haushaltssprecher Dietrich Austermann warf Eichel vor, mit dem
Nachtragshaushalt 2003 die Verfassung vorsätzlich zu brechen. Die
unionsregierten Länder würden den Etat mit einer
Rekord-Neuverschuldung von 43,4 Milliarden Euro im Bundesrat ablehnen,
sagte Austermann im Deutschlandradio Berlin.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund unterstützte den Minister. Ein
erneutes Reißen der Euro-Vorgaben im kommenden Jahr sei besser
als überzogenes Sparen zu Lasten der Konjunktur, sagte
DGB-Finanzexperte Heinz Putzhammer.
Der Bund der Steuerzahler forderte ein radikales Sparpaket der
Bundesregierung. Präsident Karl Heinz Däke sagte der
Oldenburger "Nord-West-Zeitung", Eichel solle von allen Ministerien
pauschale Kürzungen über 6,4 Prozent verlangen. Bei
Einsparungen dürfe es keine Tabus mehr geben.
(Quelle: rtr)
Kein Anspruch auf Schadenersatz aus Mautvertrag laut ARD
Sa.25.10.03 - Der Bund kann auf Grund des Lkw-Mautvertrages von dem Betreiber Toll
Collect keinen Schadenersatz geltend machen. Das haben juristische
Prüfungen im Auftrag der ARD ergeben. Demnach hat die Regierung
bei einer Verzögerung des Starttermins vom 4. bis 6. Monat
Anspruch auf eine Vertragsstrafe von 250 000 Euro pro Tag. Danach
verdoppele sie sich. Dafür gebe es aber keinen Schadenersatz.
Finanzminister Hans Eichel hat dagegen seit September als monatliche
Mauteinnahmen 156 Millionen Euro in den Haushalt eingestellt.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv
Lkw-Maut wird teure Angelegenheit für den Steuerzahler
Offengelegter Maut-Vertrag zwischen Bundesregierung und
Betreiberkonsortium 'Toll Collect': 190 Seiten juristische Spitzfindigkeiten +++
Verzögerung der Lkw-Gebühr geht fast ausschließlich zu
Lasten des Bundeshaushalts +++ Opposition erwartet Maut-Start erst Juli 2004
Do.23.10.03 - Die Lkw-Maut wird für den Steuerzahler eine überaus teure
Angelegenheit. Das steht seit gestern fest. Nach langem Hin und Her
präsentierte Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) den Mautvertrag
zwischen Toll Collect und der Regierung im Verkehrsausschuss des
Bundestages.
Zwar muss das Maut-Konsortium ab dem 1. Dezember pro Tag, an dem die
Lkw-Gebühr nicht erhoben werden kann, 250.000 Euro Vertragsstrafe
zahlen. Doch entspricht das pro Monat gerade einmal 7,5 Millionen Euro -
gegenüber 160 Millionen Euro, die dem Bund durch die
Verzögerung verloren gehen. Da hilft es wenig, dass der
Regressanspruch ab 1. März auf 500.000 Euro pro Tag ansteigt. "Das
bringt uns in eine sehr kritische Haushaltslage", schimpfte
SPD-Verkehrsexperte Peter Danckert gegenüber der taz. Für das
Verkehrsministerium sei der Vertrag ein Desaster. Schadenersatz kann
von Toll Collect voraussichtlich nicht gefordert werden,
erläuterte der Jurist weiter...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310230.htm#03102316
|
Bundesanstalt droht angeblich ein IT-Desaster
Sa.25.10.03 - Der Bundesanstalt für Arbeit droht nach einem Bericht der
Zeitschrift "Computerwoche" eine "IT-Pleite von der Tragweite des
Maut-Fiaskos". Für die Auszahlung von Sozialhilfe und
Arbeitslosengeld II im nächsten Jahr müsse die Behörde
jetzt ein neues Computernetz aufbauen und mit den Sozialämtern
verknüpfen. Weil der Inhalt der Reformgesetze aber erst im
Dezember ausgehandelt wird, müssten Bundesanstalt und Industrie
"ein IT-Mammutprojekt ins Blaue planen", berichtete das Blatt am
Freitag.
Die Bundesanstalt wollte sich zu den Kosten und Risiken nicht
äußern. Die Verhandlungen mit den Anbietern begännen
nächste Woche. Die Frage, ob es wegen Computer-Problemen auch zu
Problemen bei der Auszahlung von Hilfsleistungen kommen könne,
"stellt sich für uns heute nicht", sagte eine Sprecherin in
Nürnberg.
Die "Computerwoche" berichtete, die Behörde versuche jetzt, das
finanzielle und zeitliche Risiko auf die Industrie abzuwälzen. Zu
den Bewerbern zählten T-Systems, Siemens, IBM, EDS, CSC Ploenzke,
Accenture und Cap Gemini Ernst & Young. BA-Justiziar Wolfgang
Nörenberg sagte der Zeitschrift, die Entscheidung über die
Bieter solle schon Mitte November fallen. Der ehrgeizige Zeitplan sehe
ein technisches Feinkonzept bis Dezember und Test sowie Abnahme bis Mai
vor. Ab Juli sollten die Arbeitsämter die Sozialhilfe mit dem
Arbeitslosengeld II auszahlen.
(Quelle: ap)
Bürgerrechtler vergeben Big-Brother-Preis an die GEZ
Sa.25.10.03 - Die Hauptpreise des Big-Brother-Awards Deutschland [http://www.bigbrotherawards.de/]
gingen in diesem Jahr an die Gebühreneinzugszentrale GEZ und die
Metro AG. In Bielefeld zeichneten Bürgerrechtler am Freitag auch
Politiker und Behörden für ihren laxen Datenumgang aus.
Der so genannte Lifetime-Award ging an die Gebühreneinzugszentrale
( GEZ) für deren "unermüdlichen Einsatz bei der
bedingungslosen Ermittlung von Schwarzseherinnen und
Schwarzhörern". Laudator Thilo Weichert kritisierte, dass die GEZ
sich seit Jahren "regelmäßig und systematisch Daten von
Meldebehörden, von öffentlichen Stellen wie
Kfz-Zulassungsstellen, von Adresshändlern und äußerst
fragwürdigen weiteren Quellen" beschaffe.
Vergeblich forderten die Datenschutzbeauftragten bereits vor drei
Jahren im Interesse der Kosten- wie der Datenvermeidung ein einfacheres
pauschales Finanzierungsmodell. Der Vorsitzende des
Bundesfachausschusses Medien der CDU schätzt, dass eine pauschale
Abgabe auf die Hälfte der bisherigen Gebühr reduziert werden
könne, weil die gewaltigen Datenverarbeitungs- und
Verwaltungskosten bei der GEZ entfallen würden. Die
Ministerpräsidenten der Länder haben im Herbst 2001
beschlossen, die Rundfunkgebühr künftig haushaltsbezogen zu
erheben. Geändert hat sich gleichwohl bis heute nichts.
(Quelle: telepolis)
Mehr bei telepolis (24.10.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/te/15939/1.html
mehr Kurznachrichten...