Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihunderteinundzwanzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Tote und Verletzte bei Übergriffen im Irak +++
US-Vize-Verteidigungsminister Wolfowitz nach Raketenangriff in Bagdad
offenbar wohlauf +++ NATO-Generalsekretär Robertson gegen
militärisches Engagement der Allianz in Irak +++ Zehntausende
demonstrieren in Washington gegen US-Besatzung im Irak +++ Proteste in
Südkorea gegen Truppenentsendung nach Irak
So.26.10.03 - Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Wolfowitz hat einen
Angriff auf sein Hotel in der irakischen Hauptstadt unversehrt
überstanden. Wie ein Sprecher des US-Zentralkommandos sagte, waren
am frühen Morgen sechs bis acht Raketen in dem Luxushotel
"Raschid" eingeschlagen. Einige Menschen wurden dabei verletzt.
Wolfowitz ist einer der Hauptbefürworter des Irak-Kriegs in der
US-Regierung und hält sich derzeit zu einem mehrtägigen
Besuch im Irak auf. Am Raschid-Hotel, das auch von US-Militärs und
Zivilangestellten benutzt wird, herrschen äußerst strikte
Sicherheitsvorkehrungen. Bereits Ende September war das Gebäude
Ziel eines Granatenangriffs.
Bei neuen Angriffen auf US-Truppen im Irak sind am Samstag drei
Zivilisten getötet und acht US-Soldaten verletzt worden. Im Westen
von Bagdad überrollte ein US- Schützenpanzer ein Taxi,
nachdem er von Unbekannten beschossen worden war. Nahe Tikrit wurde ein
US-Kampfhubschrauber mit Panzerfäusten angegriffen und
stürzte ab.
Der amerikanische Schützenpanzer hatte wegen des Angriffs abrupt
die Fahrtrichtung geändert und dabei das Taxi überrollt. Drei
Insassen des Taxis starben auf der Stelle, zwei weitere, darunter ein
Kind, wurden verletzt, wie Augenzeugen und Krankenhausärzte dem
arabischen Fernsehsender El Dschasira berichteten. Fast zur selben Zeit
wurde ein US-Trupp im Osten der Hauptstadt von Untergrund-
Kämpfern angegriffen. Drei US-Soldaten seien dabei verletzt
worden, bestätigte eine amerikanische Militärsprecherin in
Bagdad.
Bei dem Absturz und Beschuss des Hubschraubers nahe Tikrit, der
Heimatstadt von Ex-Diktator Saddam Hussein, seien fünf Soldaten
verwundet worden, sagte eine Sprecherin des US-Militärkommandos in
Bagdad. Die Absturzursache werde noch untersucht. US-Militärs in
Tikrit sprachen hingegen von einem Abschuss des Black-Hawk-
Hubschraubers. Demnach handelte sich um den zweiten Helikopter, den die
US-Streitkräfte seit dem 1. Mai durch Feindeinwirkung verloren. Am
12. Juni war ein Apache-Kampfhubschrauber im Westirak abgeschossen
worden.
Seit dem von US-Präsident George W. Bush am 1. Mai ausgerufenen
Ende der Hauptkampfhandlungen im Irak sind mehr als 100 US-Soldaten bei
fast täglichen Anschlägen getötet worden.
Der stellvertretende US- Verteidigungsminister Paul Wolfowitz sagte
während seines Besuchs im Irak, Ziel der feindlichen Kräfte
sei es, "den wesentlichen Fortschritt zu zerstören, der hier
erzielt wird, und den Irak in das Gefängnis der Tyrannei
zurückzuführen, aus dem er endgültig befreit wurde".
Wolfowitz, der sich seit Freitag im Irak aufhält, sagte, er sei
gekommen, um den US-Truppen, ihren Verbündeten sowie den mit ihnen
kooperierenden Irakern zu danken. "Sie tragen den Kampf an den Feind
heran", wurde Wolfowitz vom Verteidigungsministerium in Washington
zitiert.
NATO-Generalsekretär George Robertson sprach sich unterdessen
gegen ein militärisches Engagement der Allianz im Irak aus. Der
Zeitung "Bild am Sonntag" sagte er: "Meine persönliche Meinung
ist: Wir sollten erst Afghanistan in den Griff bekommen, bevor wir uns
neuen Aufgaben zuwenden. Sonst besteht die Gefahr, dass die Allianz
sich zu viel zumutet."
Zehntausende Menschen haben in Washington gegen die andauernde
US-Besatzung im Irak demonstriert. Es war die größte
Protestaktion gegen den Kurs der US-Regierung seit Präsident
George W. Bush Anfang Mai das Ende der Hauptkampfhandlungen im Irak
erklärt hatte. Über die Teilnehmerzahl gab es stark
unterschiedliche Angaben: Die Veranstalter der Demonstration sprachen
von bis zu 100 000 Menschen, während Schätzungen von Polizei
und Medien zwischen 20 000 und 30 000 schwankten.
Redner bezichtigten Bush wegen seiner Rechtfertigung des Krieges mit
der Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen der "Lüge".
"Die Welt sagt Nein zum Krieg", hieß es auf mehrsprachig
verfassten Transparenten.
Die Demonstration in Washington wurde von den Vereinen UFPJ ("Gemeinsam
für Frieden und Gerechtigkeit") und ANSWER [http://www.internationalanswer.org/] ("Jetzt handeln, um den
Krieg zu stoppen") organisiert. Auch im kalifornischen San Francisco
ist eine Demonstration geplant.
Die Opposition gegen den Irak-Einsatz hat in den vergangenen Wochen in
den USA zugenommen. Nach einer neuen Umfrage sind 39 Prozent der
Bürger für die sofortige Rückkehr der Truppen.
In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul haben am Samstag tausende
Menschen gegen die Entscheidung der Regierung protestiert, Truppen nach
Irak zu entsenden. Etwa 2.000 Demonstranten zogen durch die Stadt und
riefen "Wir sind gegen den Krieg". Sie erklärten, Südkorea
dürfe keine Truppen in Irak stationieren, weil er Krieg
ungerechtfertigt gewesen sei.
Die Teilnehmer des Protestmarsches warnten außerdem vor einer
Zunahme der Spannungen mit Nordkorea, sollte der Süden Soldaten
nach Irak schicken. Die Regierung hatte in der vergangenen Woche
erklärt, sie wolle den US-Truppen beim Wiederaufbau des Landes
helfen. Es ist bisher noch nicht klar, wie viele Soldaten Südkorea
entsenden will und ob diese kämpfenden Einheiten angehören
sollen. Die Zustimmung des südkoreanischen Parlaments steht noch
aus. Das Land hat bereits mehrere hundert Soldaten in Irak stationiert,
die meisten von ihnen Mediziner und Ingenieure.
(Quellen: rtr, dpa, ap, afp, br)
Protest gegen Atomwaffen
500 Festnahmen bei Friedensdemonstration vor NATO-Hauptquartier +++
Abgeordnete des belgischen Parlaments unter den Festgenommenen
So.26.10.03 - Bei einer Demonstration gegen Atomwaffen vor dem militärischen
NATO-Hauptquartier bei Mons in Belgien sind am Samstag rund 500
Menschen vorübergehend festgenommen worden. Mehrere
Friedensaktivisten drangen nach Polizei-Angaben auf das Gelände
vor. Sie wollten auf dem Areal nach atomaren Waffen suchen. Unter den
Festgenommenen waren auch Abgeordnete des belgischen Parlaments aus
verschiedenen Parteien.
Die Polizei setzte unter anderem Wasserwerfer ein, um weitere
Demonstranten davon abzuhalten, das Gelände über den
Haupteingang zu betreten. Insgesamt sei die Demonstration friedlich
verlaufen, teilte die Polizei mit; es habe keine gewaltsamen Ausschreitungen gegeben..
Mit rund tausend Teilnehmern seien weniger Menschen als erwartet zu der
Demonstration gekommen. Gegen Abend waren die meisten Festgenommenen
wieder auf freiem Fuß.
Die Demonstranten warfen der NATO vor, Vorbereitungen für den
Einsatz von Nuklearwaffen zu treffen.
(Quellen: dpa, afp)
Islamischer Ramadan beginnt
So.26.10.03 - Der islamische Fastenmonat beginnt am (heutigen) Sonntag. Die
führende sunnitische Instanz in Ägypten bestätigte am
Samstagabend, dass die Sichel des Neumondes sichtbar ist. Dies ist die
Voraussetzung für den Beginn der rund vierwöchigen
Fastenperiode.
Während des Ramadans ist gläubigen Moslems zwischen
Sonnenaufgang und -untergang das Essen, Trinken und Rauchen verboten,
sexuelle Enthaltsamkeit ist vorgeschrieben. Der Ramadan ist der neunte
Monat des islamischen Mondjahres. Er dauert 29 bis 30 Tage. Wann er
beginnt, hängt von der Sichtbarkeit des zunehmenden Mondes ab und
kann in verschiedenen Teilen der Welt variieren.
(Quelle: ap)
Planer des 11. September legen Geständnisse ab
So.26.10.03 - Die beiden Planer der Anschläge des 11. September 2001 haben
gegenüber US-Vernehmern weitgehende Geständnisse abgelegt.
Wie das in Hamburg erscheinende Nachrichtenmagazin "Spiegel" in seiner
jüngsten Ausgabe berichtet, lässt sich nach Überzeugung
amerikanischer und deutscher Sicherheitsexperten die Vorgeschichte der
Anschläge mit Hilfe der Aussagen von Chalid Scheich Mohammed und
seiner rechten Hand, dem früheren Hamburger Studenten Ramzi
Binalshibh, detailliert rekonstruieren.
Bereits seit 1996 ist demnach überlegt worden, mit Flugzeugen US-
Ziele anzugreifen. Den ursprünglichen Plan Mohammeds, mit
Sprengstoff beladene Kleinflugzeuge zu verwenden, habe Terroristenchef
Osama bin Laden mit dem Satz verworfen: "Warum gebrauchst Du eine Axt,
wenn Du einen Bulldozer einsetzen kannst?" Das war nach
Überzeugung von Sicherheitsexperten das Startzeichen für das
Vorhaben, Passagierflugzeuge zu entführen.
Die drei aus Hamburg angereisten Piloten hat laut "Spiegel" Bin Laden
um die Jahreswende 1999/2000 in Afghanistan selbst ausgesucht, nachdem
sie ihm die Treue geschworen hatten. Ihnen sei eröffnet worden,
sie seien für eine "sehr geheime Mission" ausgewählt worden
und sollten sich um eine Pilotenlizenz bemühen. Im Februar 2001
habe der Koordinator der Anschläge, Binalshibh, von Bin Laden die
Ziele erfahren. Neben den bekannten Zielen sollte danach auch das
Capitol, der Sitz des US-Parlaments, getroffen werden. Für die
interne Kommunikation hätten sich der Todespilot Mohammed Atta und
Binalshibh auf das Codewort "Porsche 911" geeinigt.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Israel sprengt drei Hochhäuser der Palästinenser-Regierung im
Gaza-Streifen +++ Israelische Soldaten stürmen Krankenhäuser
in Nablus +++ Palästinenser verurteilen neue Pläne für
israelische Sperranlage +++ Israelische Friedensbewegung demonstriert
gegen Scharon
So.26.10.03 - Israels Armee hat in der Nacht zum Sonntag drei hohe Gebäude der
Palästinenser-Regierung im Gaza-Streifen gesprengt.
Augenzeugen zufolge waren zuvor etwa 2000 Palästinenser aus ihren
Häusern in der Nähe der 13 Stockwerke hohen, noch im Bau
befindlichen Gebäude evakuiert worden. Von diesen aus konnte die
jüdische Siedlung Netsarim überblickt werden. Aus
israelischen Sicherheitskreisen verlautete, radikale Moslems
hätten von den Gebäuden aus den Anschlag auf die Siedlung
geplant, bei dem am Freitag drei israelische Soldaten getötet
wurden.
Wohnungen in einem 400-Meter-Radius um die Gebäude wurden
evakuiert. Palästinensische Sanitäter brachten ältere
Menschen in Sicherheit. Anwohner erhielten Handzettel, auf denen sie
aufgefordert wurden, ihre Fenster zu öffnen und elektrische
Geräte auszuschalten. Wer in seinem Haus bleibe, riskiere sein
Leben, hieß es auf den Zetteln. Wer mit einer Waffe gesehen
werde, riskiere es ebenfalls. Die Siedler in Netsarim suchten
während der Sprengung Schutz in Bunkern.
"Wir haben ihnen eine Chance gegeben", hieß es vor der Sprengung
in den israelischen Kreisen. "Wir erwarten, dass Gebäude der
Palästinenser-Regierung nicht für terroristische Handlungen
verwendet werden, aber nach dem Angriff am Freitag konnten wir das
nicht durchgehen lassen."
Seit dem Beginn des Palästinenser-Aufstandes im September 2000
sind tausende Menschen getötet worden. Israel hat auf
palästinensische Selbstmordanschläge mit Militäraktionen
reagiert und oft die Häuser der Attentäter zerstört. Die
Sprengung in der Nacht zum Sonntag war die bislang größte
ihrer Art.
Israelische Truppen haben in der Nacht zum Samstag Krankenhäuser
in Nablus im Westjordanland gestürmt und zwei Militante verhaftet,
darunter einen Schwerverletzten. Nach Berichten von Augenzeugen
durchsuchten die vermummten und mit Sturmgewehren bewaffneten Soldaten
zwei Kliniken, drangen in Krankenzimmer ein und schlossen Ärzte
und Pflegepersonal für mehr als eine Stunde ein.
Im Anglikanischen Krankenhaus hoben die Soldaten ein schwer verletztes
Hamas-Mitglied aus seinem Bett auf der Intensivstation. Er habe
erklärt, in welch kritischem Zustand der Patient sei, protestierte
ein Arzt gegen die Militäraktion. Die Soldaten hätten den
25-Jährigen dennoch mitgenommen. Der Mann sei in ein israelisches
Krankenhaus gebracht worden, verlautete aus Militärkreisen. Israel
wirft dem Hamas-Aktivisten vor, an der Planung von
Selbstmordanschlägen beteiligt gewesen zu sein. Er war am Mittwoch
bei der unbeabsichtigten Detonation von Sprengstoff in seinem Wagen
schwer verletzt worden.
Im Refidijeh-Krankenhaus stellten die israelischen Truppen ein
bewaffnetes Mitglied der Al-Aksa-Brigaden. Der 27-Jährige hatte
sich nach Militärangaben im Keller der Klinik versteckt.
Der palästinensische Kabinettsminister Sajeb Erakat warf Israel
vor, mit den Razzien gegen das Völkerrecht zu verstoßen.
Bereits in den vergangenen Wochen hatten israelische Soldaten zwei Mal
palästinensische Krankenhäuser gestürmt.
Unterdessen veröffentlichte Israel zum ersten Mal eine
detaillierte Karte mit dem geplanten Verlauf des umstrittenen
Sicherheitszauns. Sollten die Pläne verwirklicht, würden
mehrere zehntausend Palästinenser im Jordantal vom übrigen
Westjordanland getrennt. Umgekehrt verblieben etwa 80 Prozent der
jüdischen Siedler auf der israelischen Seite des Zauns.
Die am Freitag veröffentlichte Karte sieht für einige
Regionen einen doppelten Zaun vor, der den internationalen Flughafen
Israels und eine geplante Ringstraße rund um Jerusalem vor
möglichen Raketenangriffen schützen soll. Die Barrieren
würden mehrere Ortschaften im Westjordanland von der übrigen
Region abschneiden, darunter die Orte Kibja, Beit Sira und Bir Nabala.
Davon betroffen wären nach Angaben israelischer Regierungsbeamter
etwa 70.000 Palästinenser. Eine Sprecherin des israelischen
Verteidigungsministeriums wies diese Angaben jedoch als
überhöht zurück.
Die Palästinenser kritisieren die Pläne Israels als faktische
Grenzziehung. Dror Etkes von der israelischen Friedensorganisation
Peace Now sagte, der Zaun würde den Traum des israelischen
Regierungschefs Ariel Scharon von einer Kantonisierung verwirklichen.
Damit würde die palästinensische Bevölkerung in kleinere
Gruppen aufgeteilt.
Rund 4.000 Aktivisten der israelischen Friedensbewegung haben am
Samstagabend vor der Residenz von Ministerpräsident Ariel Scharon
in Jerusalem gegen dessen Politik gegenüber den
Palästinensern demonstriert. Auf einem Transparent wurde Scharon
als der Terminator Israels bezeichnet.
(Quellen: rtr, ap)
Alternativer palästinensisch-israelischer
Friedensplan zu Nahost
Schweizer Außenministerin übergibt 'Genfer Initiative'an
Kofi-Annan
So.26.10.03 - Die Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey hat am Freitagabend
in Ney York den mit Schweiz zu Stande gekommenen alternativen
Friedensplan für den Nahen Osten UN-Generalsekretär Kofi
Annan übergeben, wie sie vor den Medien sagte. Kofi Annan hatte
den Wunsch geäussert, das "Genfer Initiative" genannte Dokument
einzusehen.
Das vom israelischen Oppositionspolitikern und Intellektuellen und
palästinensischen Politikern ausgehandelte Abkommen sieht unter
anderem vor, dass die Palästinenser die Kontrolle über 98
Prozent der von Israel besetzten Gebiete im Westjordanland und im
Gazastreifen erhalten sollen. Dazu soll auch der Tempelberg in
Jerusalem gehören. Israel soll nach dem inoffiziellen Friedensplan
andererseits nicht allen nach der Staatsgründung vertriebenen
Palästinensern ein Rückkehrrecht einräumen.
Israel hatte sich verärgert gezeigt über die von der Schweiz
unterstützten inoffiziellen Friedensverhandlungen. Der israelische
Botschafter bezeichnete die schweizerische Vermittlertätigkeit als
unzulässig und kritisierte, dass Israel nicht informiert worden
sei. Es ist geplant, das Dokument im November in Genf zu unterzeichnen.
(Quelle: ap)
Uri Avnery: Mit wem, über was
Die Beilin-Abed-Rabbo-Vereinbarung
ist der neueste Hit auf dem Markt des Nahen Ostens
Mehr bei ZNet (19.10.03) unter:
http://zmag.de/article/article.php?id=881
Blick ins Archiv
Regierungsunabhängige palästinensisch-israelische Friedensinitiative
Israelischer Botschafter kritisiert Schweizer Vermittlertätigkeit
Mo.20.10.03 - Der neue israelische Botschafter in Bern hat die schweizerische
Vermittlertätigkeit im Nahostkonflikt als unzulässig
bezeichnet. Man habe über die wichtigsten Interessen des Staates
Israel gesprochen, ohne dessen Regierung überhaupt zu informieren,
sagte Aviv Shir-On in einem Interview der "SonntagsZeitung"...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310200.htm#03102002
Inoffizielle Friedensinitiative zur Lösung des Nahostkonflikts -
Israelisch-palästinensische Gruppe legt 'Genfer Abkommen' vor
Die Schweiz wurde zum jüngsten Ziel israelischer Angriffe –
natürlich nicht mit Bomben und Raketen, sondern mit diplomatischen
Noten. Grund dafür ist die schweizerische Unterstützung
für eine inoffizielle israelisch-palästinensische Initiative
zur friedlichen Lösung des Nahostkonflikts. Die Tatsache,
daß die Schweiz für die Beratungen in Genf den Tagungsort
sowie auch Geld zur Verfügung stellt, habe die israelische
Regierung "sehr verärgert", sagte der Sprecher des israelischen
Außenministeriums Jonathan Peled am Mittwoch. Unerwähnt
blieb, daß auch Großbritannien, Japan, Norwegen und
Schweden zur Finanzierung dieser Friedensinitiative beitragen.
Die in Genf vorgestellte »neue Straßenkarte« zum
Frieden im Nahen Osten besteht aus einem 50 Seiten langen Dokument, das
inzwischen unter dem Namen "Genfer Abkommen" bekannt ist. ...
Mehr unter:
hhtp://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310170.htm#031017_b
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Zunehmende Unterdrückung in Simbabw
Unabhängige Redakteure festgenommen +++ Bürgerrechtler
protestieren gegen Festnahme von 300 Demonstranten +++ Dutzende
Gewerkschafter in Haft +++ 5,5 Millionen Personen auf
Nahrungsmittelhilfe angewiesen +++ Kleinbauern und Anhänger der
Oppositionspartei von Nahrungsmittelverteilungen ausgeschlossen
So.26.10.03 - Einen Tag nach der Aufhebung des Verbotes der einzigen
unabhängigen Tageszeitung Simbabwes sind mindestens 18 Mitarbeiter
des Blattes festgenommen worden. Mehrere Menschen wurden von den
Büroräumen der Zeitung "Daily News" auf ein Polizeirevier
gebracht, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP aus der
Hauptstadt Harare berichtete. Erst am Freitag hatte ein Gericht in
Harare das vergangenen Monat verhängte Erscheinungsverbot
aufgehoben.
Nach Angaben der Anwältin Beatrice Mtetwa wurden "18 oder 19"
Mitarbeiter der Sonntagsausgabe der "Daily News" festgenommen, unter
ihnen Mitherausgeber und Reporter. Der Anwältin zufolge gab die
Polizei an, nicht über das neue Urteil informiert zu sein. Im
Staatsradio hieß es, das Blatt sei unter "Missachtung des
Gerichts" erschienen. Ein Reporter schrieb in der neuen Ausgabe: "Wir
hoffen, dass wir unsere Arbeit diesmal ohne Unterbrechung machen
können."
Zahlreiche Menschen in Harare versuchten eine der wenigen neuen
Ausgaben der regierungskritischen Zeitung zu ergattern. Das Oberste
Gericht des südafrikanischen Landes hatte der "Daily News" im
September das Erscheinen untersagt, da das Blatt keine Lizenz habe.
Nach den durch die Regierung von Präsident Robert Mugabe
verschärften Mediengesetzen ist eine Anmeldung bei einer
staatlichen Medien- und Informationskommission erforderlich, diese
wollte jedoch keine Genehmigung erteilen. Außer der "Daily News"
existieren in Simbabwe lediglich zwei Tageszeitungen, die in
staatlicher Hand sind. Seit seiner Gründung vor vier Jahren hatte
das unabhängige Blatt immer wieder Probleme mit der Staatsmacht,
mehrere Mitarbeiter wurden festgenommen.
Bürgerrechtler in Simbabwe haben am Donnerstag gegen die Festnahme
von 300 Demonstranten in der Hauptstadt Harare protestiert. Die
Aktivisten hätten am Mittwoch mit einem Sit-in vor dem
Parlamentsgebäude gegen die zunehmende Unterdrückung im Land
protestiert, teilte die Menschenrechtsorganisation "Crisis in Zimbabwe
Coalition" mit. Bisher sei den Inhaftierten jeglicher Kontakt zu
Anwälten verwehrt. Die Menschenrechtsvereinigung "Human Rights
Watch" kritisierte unterdessen Ungerechtigkeiten bei der
Nahrungsmittelverteilung in Simbabwe.
Die Organisation forderte die sofortige Freilassung der 300
Demonstranten. Sie hätten lediglich von ihren in der Verfassung
garantierten Bürgerrechten Gebrauch gemacht. Das
Sicherheitsgesetz, das die Versammlungsfreiheit stark beschneide,
müsse sofort aufgehoben werden, so die "Zimbabwe in Crisis
Coalition".
Vor rund einer Woche waren mehrere Dutzend Gewerkschafter in Haft
genommen worden, die in Harare und Bulawayo gegen die stark steigenden
Preise für Grundnahrungsmittel und Treibstoffe demonstriert hatten.
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf der
simbabwischen Regierung in einem am Donnerstag veröffentlichten
Bericht vor, Anhänger der Oppositionspartei Movement for
Democratic Change (MDC) von Nahrungsmittelverteilungen
auszuschließen. Behörden und Mitglieder der Regierungspartei
manipulierten die Listen von Bedürftigen, um die Zuteilung von
Hilfsgütern an unliebsame Personen zu verhindern.
Auch Kleinbauern würden von den Verteilungen ausgeschlossen, denen
in den vergangenen Jahren von weißen Bauern beschlagnahmtes Land
zugeteilt wurde, so die Menschenrechtler. Die Regierung von
Präsident Robert Mugabe wolle damit verhindern, dass bekannt wird,
dass auch die neuen Kleinbauern nicht in der Lage seien, genügend
Nahrungsmittel zu produzieren, um ihre Familien zu ernähren. Ein
entsprechendes Eingeständnis würde bedeuten, dass die
Landreform gescheitert ist.
Nach Schätzungen des Welternährungsprogramms werden bis zum
Ende des Jahres in Simbabwe etwa 5,5 Millionen Personen auf
Nahrungsmittelhilfe angewiesen sein. Als Hauptgrund für den
massiven Mangel an Nahrungsmitteln gilt die verfehlte Landreform von
Mugabe.
(Quelle: afp, epd)
Simbabwe auf der Verliererseite
...Die Inflation hat die Marke von 430 Prozent überschritten, das
Bruttoinlandprodukt soll 2003 um mindestens 12 Prozent zurückgehen.
Weite Teile der Bevölkerung können inzwischen nur noch Dank
der Verteilung von Nahrungsmitteln durch das
Welternährungsprogramm überleben...
Eingeleitet worden war der wirtschaftliche Niedergang vor drei Jahren,
als Mugabe um seine Wiederwahl fürchtete und deshalb die Enteignung
praktisch aller weißen Farmer verfügte. "Inzwischen befinden
sich nur noch 584 der ursprünglich 4137 kommerziellen Farmen im
Besitz von Weißen und sind produktionsfähig", sagt der
Präsident der Commercial Farmers Union (CFU), Doug Taylor-Freeme.
643 weitere Farmen seien nur teilweise besetzt und können von
ihren rechtmäßigen Besitzern noch bewirtschaftet werden –
zumindest in Teilen.
Die Vertreibung der weißen Farmer führte nach Angaben des
CFU-Präsidenten zum fast völligen Zusammenbruch der
kommerziellen landwirtschaftlichen Produktion, damit auch der
Deviseneinnahmen Landes. Die kommerzielle Tabakproduktion ging zwischen
2000 und 2003 von 230 000 auf 60 000 Tonnen zurück, die
kommerzielle Maisproduktion von 810 000 auf 185 000 Tonnen. Die
Auswirkungen sind enorm: Massenhaft gingen Arbeitsplätze auch in
Zulieferbetrieben verloren, in einem Sektor, der bis zum Jahr 2000
für Simbabwe der wichtigste war.
Aber nicht nur die Landwirtschaft ist von der Krise betroffen. Auch die
für das Land äußerst wichtigen Sektoren Bergbau und
Tourismus liegen danieder. Wegen der extrem hohen Inflationsrate stiegen
auch die Preise für den Unterhalt der Minen. Der Umsatz im Bergbau
ging in Dollar gerechnet zwischen 2000 und 2003 um 35 bis 40 Prozent
zurück, schätzt der simbabwische Ökonom Eric Bloch. Die
Zahl der ausländischen Touristen sank von zwei Millionen im Jahr
2000 auf gerade noch 250 000.
Von der Misere betroffen sind mit Ausnahme des inneren Machtzirkels um
Mugabe alle Simbabwer. Ein normales Einkommen von etwa 100 000 Zimbabwe-
Dollar, was zum Schwarzmarktkurs etwa 20 Dollar entspricht, reicht
angesichts der stark gestiegenen Lebenshaltungskosten kaum mehr zum
Ernähren einer Durchschnittsfamilie – denn die besteht in Simbabwe
aus sechs Personen. Ein Sack Maismehl von 10 Kilo kostet in Harare
8000, ein Kilo Brot 1100 simbabwische Dollar. Wer keine
Familienangehörigen im Ausland hat, die Devisen nach Hause
schicken, kann deshalb inzwischen fast nur noch dank der Verteilung von
Nahrungsmitteln durch Hilfswerke überleben...
Das Welternährungsprogramm (WFP) unterstützt zurzeit etwa
eine Millionen Personen mit Nahrungsmitteln. Die Vereinten Nationen
glauben aber, dass die Zahl der Bedürftigen bis Ende des Jahres auf
etwa 5,5 Millionen Menschen hochschnellen wird. Mit einer Verbesserung
der Lage wird auch nach der nächsten Ernte kaum gerechnet. Solange
es an Saatgut und Düngemittel mangelt, so erwarten die Experten,
werden die Erträge weiter enttäuschen. Selbst wenn das Wetter
mitspielt – Simbabwe steht auf der Verliererseite.
Aus: Jean-Pierre Kapp - "Nach den Unruhen in Simbabwe",
Süddeutsche Zeitung vom 21.10.03
Ein weiterer Bericht über die Situation in Simbabwe unter:
http://www.taz.de/pt/2003/10/22/a0085.nf/text
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Noch immer kämpfen Tausende Kindersoldaten in Kongo
So.26.10.03 - Trotz der Entwaffnung von einigen Kindersoldaten dienen in der
Demokratischen Republik Kongo noch immer viele tausend
Minderjährige bei bewaffneten Gruppen. Allein in der weiterhin
umkämpften Ituri-Region im Nordosten des Landes gehörten
Schätzungen zufolge 10.000 Minderjährige irregulären
Truppen an, sagte die kongolesische Menschenrechtsministerin
Marie-Madeleine Kalala am Donnerstag vor Journalisten in Berlin.
Zudem sei es "äußerst schwierig", die Jungen und
Mädchen nach ihrem Kriegsdienst wieder in ihre Gemeinden zu
integrieren. Die im Juni 2003 gebildete Übergangsregierung
bemühe sich, den Einsatz von Kindersoldaten zu beenden, so Kalala.
Bei der Entwaffnung von Milizen seien in der Vergangenheit allerdings
viele Kinder einfach zu ihren Familien zurückgeschickt worden.
Viele von ihnen würden aber in ihren Gemeinden gar nicht wieder
aufgenommen.
Der stellvertretende Direktor der Afrika-Abteilung in der Londoner
Zentrale von amnesty international, Jeremy Smith, kritisierte, dass die
Programme zur Entlassung von Kindersoldaten bisher nicht konsequent
durchgesetzt würden. "Oft wurden Worte nicht mit Taten
unterstützt", sagte er.
Amnesty schätzt, dass es in der Republik Kongo derzeit noch 30.000
Kindersoldaten gibt. Zwar seien nach Jahren des Bürgerkrieges
erste Fortschritte zu erkennen, es bedürfe jedoch vieler Schritte,
um das Land auf den Weg eines Rechtsstaates zu bringen, sagte die
Generalsekretärin der deutschen amnesty-Sektion, Barbara
Lochbihler, laut einem vorab veröffentlichten Redemanuskript.
Kriegsparteien, die Minderjährige als Kämpfer missbrauchten,
könnten vor dem Internationalen Strafgerichtshof angeklagt werden,
betonte sie.
Zum Schutz von Minderjährigen vor einem Kriegseinsatz seien aber
auch internationale Anstrengungen notwendig, so Lochbihler weiter.
Notwendig sei etwa eine völkerrechtlich verbindliche Konvention
von Waffenkontrolle. Zudem müssten sich alle Staaten darauf
festlegen, dass nicht nur die zwangsweise, sondern auch die freiwillige
Rekrutierung nicht unter 18 Jahren erfolgen darf. Auch Deutschland
müsse das entsprechende Zusatzprotokoll zur Kinderrechtskonvention
endlich unterzeichnen, forderte sie.
(Quelle: epd)
Blick ins Archiv
Weltweit mehr als 300.000 Kinder als Soldaten missbraucht
Do.14.08.03 - Rund um den Globus sind nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF
derzeit etwa 300.000 Kindersoldaten im Einsatz. Minderjährige
würden von Milizenchefs vor allem deshalb angeheuert, weil sie
billig zu haben und leicht manipulierbar seien, teilte UNICEF in Berlin
mit. Besonders hoch sei der Anteil kämpfender Kinder in
Schwarzafrika. Dort gebe es Milizen, die bis zu 60 Prozent aus
Minderjährigen bestünden. "Wir dürfen nicht vergessen,
dass diese Kinder Opfer sind, die erst von skrupellosen Kriegsherren zu
Tätern gemacht wurden", sagte der Vorsitzende von UNICEF
Deutschland [http://www.unicef.de],
Reinhard Schlagintweit.
Eine Erklärung für die hohe Zahl von Kindersoldaten sei der
seit den 90er Jahren veränderte Charakter der Kriegführung,
sagte der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Dietrich
Garlichs. Kämpfe würden mittlerweile überwiegend nicht
mehr auf dem Schlachtfeld, sondern in Städten und Dörfen
ausgetragen. Zudem würden die neuen Kriege nicht mehr mit
militärischem Großgerät bestritten, sondern mit
Kleinwaffen. Dies erlaube sogar ganz jungen Kindern, bewaffnet in den
Kampf zu ziehen...
Mehr unter:
http://home/t-online.de/home/boa-archiv1/k0308140.htm#03081406
Kongo - Der Ausrottungskrieg der Kindersoldaten:
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,250175,00.html
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Einstieg für preiswerte Aids-Medikamente in armen Ländern
So.26.10.03 - Für Aidskranke in Afrika und der Karibik gibt es neue Hoffnung auf
bezahlbaren Zugang zu medizinischer Therapie. Die Stiftung des
früheren US-Präsidenten Bill Clinton erzielte nach eigenen
Angaben eine Vereinbarung mit vier Herstellern von Generika in Indien
und Südafrika über geringere Preise bei der Lieferung von
Kombinationspräparaten nach Ruanda, Mosambik, Tansania und
Südafrika sowie mehrerer Staaten der Karibik.
In diesen Ländern sollen sollen die Kosten der Therapie auf 38
US-Cent am Tag gedrückt werden. Ansonsten kostet eine
Aids-Behandlung mit Markenpräparaten mindestens 1,54 Dollar pro
Tag.
"Diese Vereinbarung wird die Lieferung von lebensrettenden Medikamenten
an Menschen ermögliche, die sie verzweifelt brauchen", sagte
Clinton bei der Vorstellung des Programms am Donnerstag in New York.
Rund zwei Millionen Menschen könnten bis 2008 davon profitieren.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) begrüßte die
Initiative.
(Quelle: ap)
Die Gesetze zum geistigen Eigentum schützen lediglich das
Kontroll- und Preismonopol und garantieren, dass Konzerne - oder, in
der Zwischenzeit, Megakonzerne- das Recht haben Monopolpreise
festzusetzen; dass Pharmazeutischen Produkten ein Preisniveau
garantiert wird, auf dem sie für einen Großteil der Welt
unerschwinglich bleiben. Unerschwinglich selbst für Menschen hier
bei uns. Medikamente in den USA sind viel teurer als die gleichen
Medikamente im benachbarten Kanada, teurer sogar als in Europa. In der
dritten Welt bedeutet dies schlicht den Tod für Millionen Menschen.
Andere Länder können diese Arzneien herstellen. Früher
gab es im Patentrecht Prozedurpatente [process patents]. Ich weiss
gerade nicht, inwieweit diese rechtens waren, aber Prozedurpatente, das
hieß dass, wenn irgendein Pharmaziebetrieb eine Prozedur zur
Herstellung einer Arznei entwickelt hatte, dann konnte jemand Schlaueres
daherkommen und eine bessere Prozedur entwickeln. Nur die Prozedur an
sich war patentgeschützt. Wenn also, z.B. der pharmazeutische
Sektor in Brasilien einen besseren und billigeren Weg fand, gut, dann
konnten er den gehen. Patente wären in so einem Fall unverletzt
geblieben. Die Regeln der Welthandelsorganisation bestehen hingegen auf
Produktpatente, was die Entwicklung besserer Methoden unmöglich
macht. Man beachte, dass Wachstum und Entwicklung damit verhindert
werden. Und das ist so gewollt. Die Absicht ist es, Innovation,
Wachstum und Entwicklung zu behindern und extrem hohe Profite zu
sichern.
Natürlich behaupten die Pharmakonzerne und andere, sie wären
auf diese Regelung angewiesen, um die Kosten für Forschung und
Entwicklung reinzuholen. Aber sehen wir doch mal genauer hin. Ein sehr
beachtlicher Teil der Forschung und Entwicklung wird ohnehin von der
Gesellschaft bezahlt. Im engeren Sinne liegt dieser Anteil bei 40-50%.
Aber diese Schätzung greift zu kurz, sie rechnet die biologische
und wissenschaftliche Grundlagenforschung nicht mit ein - die wird
komplett vom Staat bezahlt. Wenn man also realistisch rechnet, wird ein
sehr hoher Prozentsatz ohnehin schon mit öffentlichen Geldern
finanziert. Nehmen wir mal an, wir fahren das auf 100% hoch. Dann
gäbe es gar keine Motivation für Monopolpreise mehr, dem
Wohlfahrtsstaat käme dies gewaltig zu gute. Ökonomisch
vertretbare Gründe, die dagegen sprächen, gibt es nicht. Nun,
ein ökonomisches Motiv gibt es doch, den Profit. Aber hier ist er
bemüht, Wachstum und Entwicklung zu behindern...
Aus: Noam Chomsky - "Unnachhaltige Nichtentwicklung", Znet 30.05.2000:
Orginalartikel: "Unsustainable Non Development":
http://zmag.org/ZSustainers/ZDaily/
2000-05/30chomsky.htm
Chomsky-Archiv:
http://www.chomskyarchiv.de
Blick ins Archiv
Stichwort: Aids
Aids steht für das «Acquired Immune Deficiency
Syndrome» (erworbene Immunschwäche). Dieser Name bezeichnet
das Vollbild einer unheilbaren Krankheit, deren Ursache der
Zusammenbruch des Immunsystems ist. Aids-Erreger ist das Humane
Immunschwäche-Virus (HIV).
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0307160.htm#030716_c
20 Millionen Tote, 40 Millionen Infizierte
Mehr als 20 Millionen Menschen sind seit dem Beginn der globalen
Aidsepidemie an der tödlichen Immunschwäche gestorben. Das
schätzt das Aidsbekämpfungsprogramm UNAIDS der Vereinten
Nationen. Ende 2002 trugen demnach 42 Millionen Menschen das Virus in
sich, darunter 3,2 Millionen Kinder unter 15 Jahren. 5 Millionen
Menschen haben sich 2002 infiziert. 3,1 Millionen starben in dieser
Zeit daran.
Aids wütet besonders in den armen Länder Afrikas südlich
der Sahara. Ende 2002 bezifferte UNAIDS die Zahl der dort mit HIV
lebenden Menschen auf 29,4 Millionen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0307160.htm#030716_d
Zwanzig Jahre nach der Entdeckung des Aidsvirus ist Hilfe nicht in Sicht
Zu Beginn der dritten Dekade der globalen Epidemie wütet die
Immunschwäche ungebremst: 42 Millionen Menschen haben das Virus im
Blut. Mehr als 20 Millionen sind bereits daran gestorben. Obwohl die
Arbeitsgruppen von Luc Montagnier (Frankreich) und Robert Gallo (USA)
bereits am 20. Mai 1983 im Fachblatt «Science» erstmals
über die Isolierung der Aidsviren berichteten, ist ein Impfstoff
nicht absehbar.
Die Immunschwäche sucht besonders die Armen heim, weniger als vier
Prozent von ihnen bekommen die nötigen Medikamente...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0307160.htm#030716_e
Aids-Konferenz fordert Herstellung von Generika in armen Ländern +++
Forscher und Mediziner unternehmen in Paris Bestandsaufnahme nach 20-jährigem Kampf gegen Aids
Mo.14.07.03 - Mit einem Appell an die Entwicklungsländer, gegen den Widerstand
internationaler Pharmakonzerne billige Aids-Medikamente selbst zu
produzieren, hat am Sonntag ein Aids-Kongress in Paris begonnen. Arme
Staaten, vor allem in Afrika, hätten das Recht, Medikamente gegen
Aids, Tuberkulose und Malaria herzustellen, sagte der Pariser
Oberbürgermeister Bertrand Delanoë zum Auftakt der
größten Konferenz zum Thema Aids in diesem Jahr.
Ähnlich äußerte sich der ehemalige Präsident
Brasiliens, Fernando Henrique Cardoso. Sein Land sei im Kampf gegen die
Immunschwächekrankheit vor allem deshalb erfolgreich, weil es sich
entschieden habe, acht so genannte Generika zu produzieren. Die
imitierten Medikamente seien allerdings nicht patentgeschützt
gewesen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0307140.htm#03071405
USA entziehen Aids-Programm die finanzielle Hilfe
Do.28.08.03 - Das amerikanische Außenministerium hat einem Aids-Programm
für afrikanische und asiatische Flüchtlinge die finanzielle
Unterstützung entzogen. Ministeriumssprecher Philip Reeker
erklärte am Mittwoch in Washington, eine Gruppe der betroffenen
Dachorganisation unterstütze in China Zwangsabtreibungen und
-sterilisationen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0308280.htm#03082830
WTO ermöglicht armen Ländern Zugang zu billigeren Medikamenten
So.31.08.03 - Die Welthandelsorganisation (WTO) hat sich am Samstag darauf
verständigt, der Dritten Welt Zugang zu billigen Medikamenten zu
verschaffen, damit etwa Krankheiten wie Aids oder Malaria besser
bekämpft werden können.
Nach dem WTO-Beschluss dürfen Entwicklungsländer von einer
flexibleren Handhabung der internationalen Patentrechte profitieren und
Nachahmermedikamente (Generika) gegen tödliche Krankheiten wie
Aids, Malaria und Tuberkulose importieren, wenn sie diese selbst nicht
herstellen können. Bislang gilt zwar ein aufgeweichter
Patentschutz derartiger Medikamente für die ärmsten
Länder, er ist aber an die Produktion vor Ort gekoppelt und
verbietet den Import von Nachahmermedikamenten. Die meisten
Entwicklungsländer können jedoch nicht auf eine eigene
Pharma-Industrie zurückgreifen und sind somit von den billigeren
Arzneimitteln abgeschnitten...
Die Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen [http://www.aerzte-ohne-grenzen.de/] und Oxfam [http://www.oxfam.org/] kritisierten
jedoch, der Kompromiss sei mit zu vielen Bedingungen belegt. Dies sei
keine Lösung, mit der man arbeiten könne, hieß es in
einer gemeinsamen Erklärung.
Die jetzt gefundene Lösung wurde von den USA, wo einige der
weltweit größten Pharma-Konzerne ihren Sitz haben, Brasilien
und Indien, in denen viele Firmen arbeiten, die Nachahmer-Medikamente
herstellen, und Kenia und Südafrika ausgearbeitet...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0308310.htm#03083105
Bei der WTO-Konferenz gerät der Kompromiss über den Import
von Generika-Arzneimitteln erneut in die Kritik
Mehr in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (13.09.03) :
http://www.taz.de/pt/2003/09/13/a0150.nf/text
UN beklagen schleppenden Kampf gegen Aids +++ Täglich 2.000 Kinder
infizieren sich mit HIV
Di.23.09.03 - Die internationale Gemeinschaft hält sich im Kampf gegen Aids nach
den Worten von UN-Generalsekretär Kofi Annan nicht an die vor zwei
Jahren gemachten Zusagen. Die Bekämpfung der Immunschwäche
drohe deutlich hinter den gesteckten Zielen zurückzubleiben,
warnte Annan bei einer Sondersitzung der UN-Vollversammlung zum Thema
Aids.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO kündigte unterdessen eine neue
Kampagne an, um bis Ende 2005 drei Mal mehr Aidskranke mit Medikamenten
zu versorgen als mit derzeitigen Programmen möglich.
"Es ist kristallklar, dass wir bis 2005 keines der gesetzten Ziele
erreichen, wenn wir weiterhin nur so schleppend Fortschritte machen",
sagte Annan....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309230.htm#03092311
Resistente Aids-Viren auf dem Vormarsch
Fr.18.07.03 - Gegen Arzneimittel resistente Aids-Viren sind auf dem Vormarsch. Nach
einer neuen Studie infiziert sich rund jeder zehnte neue Aidspatient in
Europa mit einem resistenten Virus. Etwa 9,6 Prozent der untersuchten
Patienten seien mit einem Virus infiziert, das mindestens gegen eines
der zurzeit verfügbaren Aids-Medikamente resistent sei, sagte der
niederländische Arzt David van de Vijwer auf der Konferenz der
Internationalen Aids-Gesellschaft IAS in Paris. Im Rahmen der Studie
wurden zwischen 1996 und 2002 insgesamt 1.633 neu infizierte Patienten
aus 17 Ländern Europas untersucht. Bei einer ähnlichen
früheren Studie in Kanada waren bei 8 bis 9 Prozent der Patienten
resistente Viren entdeckt worden."
(Quelle: dpa)
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Nordkorea erwägt Annahme des Angebots von Sicherheitsgarantien
So.26.10.03 - Nordkorea hat am Samstag überraschend erklärt, das
amerikanische Angebot einer schriftlichen Sicherheitsgarantie in
Erwärung zu ziehen. Ein Sprecher des nordkoreanischen
Außenministeriums erklärte laut einem Bericht der amtlichen
Nachrichtenagentur KCNA, es sei aber noch zu früh, um über
eine Fortsetzung von Gesprächen über das Atomprogramm des
Landes zu verhandeln. Noch am Mittwoch hatte Pjöngjang das Angebot
der USA als lächerlich zurückgewiesen.
Beide Seiten sollten "ihre Waffen niederlegen und ein normales
Verhältnis der beiden Staaten zur friedlichen Koexistenz
aufbauen», wurde der Sprecher zitiert. Er sagte weiter, das
Angebot von US-Präsident George Bush könne nur angenommen
werden, wenn die USA die Existenz Nordkoreas anerkennen und
"gleichzeitige Schritte" unternehmen würden - Nordkorea fordert
von den USA seit langem wirtschaftliche und humanitäre Hilfen.
Bush hatte Anfang dieser Woche in Bangkok vorgeschlagen, die USA und
vier weitere Nachbarländer Nordkoreas könnten schriftlich
garantieren, das Land nicht anzugreifen, wenn es im Gegenzug sein
Atomprogramm einstelle. Einen formellen Nichtangriffspakt lehnt Bush
jedoch ab.
Südkorea begrüßte die Überlegung als Schritt zu
weiteren Verhandlungen, wie die Nachrichtenagentur Yonhap unter
Berufung auf einen Regierungssprecher berichtete. Die letzten
Sechsnationengespräche mit Vertretern aus den USA, China,
Russland, Japan, Südkorea und Nordkorea waren im August in Peking
ohne Ergebnis zu Ende gegangen.
Nordkorea hat nach Angaben der japanischen Regierung unterdessen
möglicherweise die dritte Kurzstreckenrakete innerhalb einer Woche
getestet. Eine Sprecherin des japanischen Außenministeriums
sprach von einem unbestätigten Bericht, wonach die
Boden-Schiff-Rakete von der Ostküste ins Japanische Meer
abgeschossen worden sei. Bereits am Montag und Dienstag hatte Japan
Vermutungen über je einen Raketentest geäußert.
Nordkorea soll Raketen mit einer Reichweite bis in die Vereinigten
Staaten entwickeln.
Einem Bericht des japanischen Fernsehsenders NHK zufolge plant
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld Mitte November eine Reise nach
Japan. Im Mittelpunkt der Gespräche mit ranghohen
Regierungsvertretern soll demnach der Streit um das nordkoreanische
Atomprogramm stehen. Der dreitägige Aufenthalt wäre der erste
offizielle Besuch Rumsfelds seit seiner Ernennung als
Verteidigungsminister im Januar 2001.
(Quelle: ap)
Ex-Präsident wegen Blutbad in Bolivien angezeigt
So.26.10.03 - Der bolivianische Oppositionsführer Evo Morales hat Anzeige gegen
Ex-Präsident Gonzalo Sánchez de Lozada erstattet. Der am
vergangenenWochenende zurückgetretene Staatschef und zwei seiner
Minister müssten wegen des Todes von mindestens 75 Demonstranten
in den vergangenen Wochen zur Rechenschaft gezogen werden, forderte
Morales nach einem Bericht der Tageszeitung "La Razón"
(Donnerstagsausgabe). Er sprach von "Verbrechen gegen die
Menschlichkeit".
Morales übergab Generalstaatsanwalt Oscar Crespo Dokumente
über das Blutvergießen. Notfalls werde man auch vor
internationale Instanzen ziehen, kündigte der sozialistische
Politiker an. Unabhängig davon hatte Crsepo bereits die
Staatsanwälte von neun Distrikten angewiesen, Ermittlungen
über den "schwarzen Oktober" einzuleiten, wie das harte Vorgehen
gegen die Demonstranten in Bolivien genannt wird.
Sánchez de Lozada war am 17.Oktober zurückgetreten
und in die USA gereist. Polizei und Militär waren brutal gegen
eine Protestbewegung vorgegangen, die sich am geplanten Erdgas-Export
nach Mexiko und in die USA entzündet hatte. Auch sein Nachfolger
im höchsten Staatsamt, der bisherige Vizepräsident Carlos
Mesa, macht die Vorgänger-Regierung für die
Zusammenstöße verantwortlich.
(Quelle: epd)
Blick ins Archiv
Bolivianischer Präsident stürzt über Aufstand der Armen
Ursachen des Konflikts im ärmsten Land Südamerikas reichen
tief +++ Mehrheit der Bevölkerung ist indianischer Abstimmung und
arm sowie wirtschaftlich ausgegrenzt - Ergebnis einer strikt
neoliberalen Politik
Sa.18.10.03 - Mehr als drei Wochen lang revoltierten die Armen in Bolivien gegen die
herrschende Elite. Der Zorn der indianischen Bergarbeiter und Bauern
richtete sich gegen eine Politik der Marktwirtschaft, die es nicht
geschafft hat, die Kluft zwischen Reichen und Armen zu verringern. Am
Freitag gab Präsident Gonzalo Sanchez de Lozada dem Druck der
Straße nach und erklärte seinen Rücktritt...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310180.htm#03101808
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30.000 Studenten protestieren gegen türkische Regierung
So.26.10.03 - Mehr als 30.000 Studenten und Professoren haben am Samstag in Ankara
gegen die Politik der gemäßigt-islamischen Regierung
protestiert. Die Demonstranten legten einen Kranz vor dem Mausoleum des
türkischen Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk nieder.
Der Protest richtete sich gegen Pläne der Regierung, die
Kompetenzen des Rats für Höhere Bildung zu begrenzen, der die
säkulare Ausrichtung der Universität kontrolliert. Der Rat
erklärte, wenn seine Macht beschnitten werde, könnten
radikale Islamisten an den Universitäten Fuß fassen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Debatte über Sozialreformen
Union stellt Bedingungen für Zustimmung zur 'Agenda 2010' +++
Bundeskanzler Schröder (SPD) kritisiert Opposition
ungewöhnlich scharf: Sie wolle 'viktorianische Armenfürsorge'
+++ DGB-Chef Sommer baut im Widerstand gegen Reform-Agenda
des Kanzlers auf CSU +++ CDU-Basis murrt weiter über
Herzog-Vorschläge +++ Deutsche haben erhebliche Zweifel an
Reformplänen
So.26.10.03 - In der Debatte über die Reform-"Agenda 2010" der Bundesregierung
hat die Union Bedingungen für ihre Zustimmung zu einzelnen
Gesetzen gestellt. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
kritisierte die Opposition zugleich in ungewöhnlich scharfer Form:
CDU/CSU und FDP würden Reformen aus Rücksicht auf die eigene
Klientel blockieren und wollten den Sozialstaat durch eine
"viktorianische Armenfürsorge" ablösen, schrieb Schröder
in der November-Ausgabe der SPD-Zeitung "Vorwärts".
Schröder appellierte am Samstag bei einem Unternehmertag in
Bielefeld an die Unionsmehrheit im Bundesrat, die Reformen nicht zu
blockieren. Auch die Bevölkerung müsse sich über die
Konsequenzen der drängenden Probleme bewusst werden: "Wir haben
bis weit in die Mittelschicht ein Denken, dass man aus dem sozialen
Sicherungssystem das rauskriegt, was man eingezahlt hat."
Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel kündigte an, die Union werde in
den Sitzungen des Vermittlungsausschusses von Bundestag und Bundesrat
hart um Kompromisse ringen. "Das ist aber kein Basar", sagte sie in der
ZDF-Sendung "halb 12 - Eser und Gäste", die am Sonntag
ausgestrahlt wurde. Für die Union müssten die Vorteile die
Nachteile überwiegen. Merkel verlangte Änderungen bei den
Reformplänen zum Arbeitsmarkt und zur Zusammenlegung von
Arbeitslosen- und Sozialhilfe.
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) sagte
der "Bild am Sonntag", er wolle die Reformen unterstützen. Er
stellte aber Bedingungen für seine Zustimmung zur geplanten
Absenkung des Arbeitslosengelds auf Sozialhilfeniveau: "Das ist mit uns
nur dann zu machen, wenn wir zusätzliche Beschäftigung
anbieten und diese auch finanzieren können." Auch der
Ministerpräsident des Saarlandes, Peter Müller (CDU),
knüpfte einen Verhandlungserfolg an Bedingungen: So müssten
der Kündigungsschutz aufgeweicht und betriebliche "Bündnisse
für Arbeit" ermöglicht werden, sagte er der "Welt am
Sonntag". Auch den Rentenplänen der Regierung könne man nicht
zustimmen.
DGB-Chef Michael Sommer baut im Widerstand gegen die Reform-Agenda des
Kanzlers auf die CSU. "In der Debatte um die Zukunft der sozialen
Sicherungssysteme gibt es beträchtliche Schnittmengen zwischen
Edmund Stoiber und mir", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung". Das Treffen der DGB-Spitze mit dem CSU-Präsidium
an diesem Montag sei ein "wichtiges Signal, dass wir parteipolitisch
nicht gebunden sind".
Die Vorschläge der Herzog-Kommission für einen Systemwechsel
bei der Finanzierung der Krankenkassen sorgen an der CDU-Basis
weiterhin für Unmut. Parteichefin Angela Merkel, die das Konzept
einer einkommensunabhängigen Kopfpauschale befürwortet,
zeigte sich im Grundsatz unbeirrt, ließ aber
Kompromissbereitschaft erkennen. Den Vorwurf, die CDU sei dabei, ihre
sozialen Grundwerte aufzugeben, wies sie zurück. Bedenken gegen
die Herzog-Pläne wurden auch bei der letzten von sechs
Regionalkonferenzen am Freitagabend in Sindelfingen laut.
Die CDU-Basis ist nach Ansicht des wirtschaftspolitischen Sprechers der
Unions-Bundestagsfraktion, Karl-Josef Laumann, vom Herzog-Modell nicht
überzeugt. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa
sagte er: "Auf den Regionalkonferenzen hat es deshalb so wenig
Widerspruch gegeben, weil Frau Merkel eine große Sympathie an
unser Parteibasis hat. Darüber freue ich mich. Aber das
heißt noch lange nicht, dass die Parteibasis sagt: Wir finden das
Prämienmodell zum Jubeln." Der soziale Ausgleich soll über
Steuern finanziert werden, ohne dass dazu bisher ein ausformuliertes
Konzept vorliegt.
Merkel verwies auf das Steuerkonzept, das Unionsfraktionsvize Friedrich
Merz (CDU) am 3. November vorstellen werde. Rund 17 Milliarden Euro des
auf rund 27 Milliarden Euro veranschlagten Solidarausgleichs im
Herzog-Modell einer Gesundheitsprämie sollen danach «aus der
Versteuerung des in Zukunft ausgezahlten Arbeitgeberbeitrages»
kommen. Die restlichen zehn Milliarden Euro müssten sich aus dem
neuen Steuersystem ergeben, sagte im ZDF.
Auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) will
einige Punkte des Herzog-Konzepts zur Reform der Sozialversicherung auf
den Prüfstand stellen. Dazu gehöre die Idee, Ehefrauen nicht
mehr kostenlos in den gesetzlichen Krankenkassen mitzuversichern, sagte
Wulff dem "Spiegel". Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Christoph
Böhr sagte der in Würzburg erscheinenden "Tagespost", die
"Solidarität mit den Schwachen ist mitnichten abgeschrieben".
Bei der Sindelfinger Konferenz monierten die Kritiker, die so genannten
Kopfprämien in der Krankenversicherung seien Menschen mit geringem
Einkommen und Rentnern nicht vermittelbar. Der Landeschef der
Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian
Bäumler, sagte, die einzigen, die von der Prämie
profitierten, seien Alleinstehende. Merkel zeigte sich
kompromissbereit: Das Konzept der Herzog-Kommission müsse noch
korrigiert werden hinsichtlich der Belastung für Frauen mit
niedrigem Einkommen, die Kinder erziehen.
Die Deutschen haben derweil erhebliche Zweifel, ob die Regierung mit
ihren Reformplänen auf dem richtigen Kurs ist. Auf die Frage "Ist
die Bundesregierung jetzt auf dem richtigen Weg?" antworteten 69
Prozent bei einer Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL mit "nein". Jeder
vierte Bundesbürger (25 Prozent) hält den Kurs dagegen
für richtig.
Nach Informationen der "Berliner Zeitung" verzögern sich
Entscheidungen über eine langfristige Rentenreform. Diese soll
erst Ende März 2004 im Bundestag verabschiedet werden, weil sich
in der SPD Widerstand gegen den engen Zeitplan geregt hatte. Auch der
Vorschlag, Studienzeiten bei der Berechnung der Rente abzuerkennen, war
in der Fraktion in die Kritik geraten.
Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) hofft indes auf einen großen
Rentenkonsens mit der Union noch in diesem Jahr. "Ich hoffe auf einen
Winter der konstruktiven Lösungen", sagte sie dem "Tagesspiegel".
(Quelle: dpa)
PDS-Parteitag beschließt Präambel zu neuem Programm
So.26.10.03 - Nach heftigen Debatten und Appellen zur Geschlossenheit hat die PDS
eine erste Etappe auf dem Weg zu einem neuen Parteiprogramm geschafft.
Mit deutlicher Mehrheit stimmten die Delegierten des Bundesparteitages
in Chemnitz der Präambel zu. Darin bekennt sich die PDS
ausdrücklich zu Sozialismus und Demokratie und zu einer
Auseinandersetzung mit den Verbrechen, die im Namen von Sozialismus und
Kommunismus begangen wurden. Über die besonders umstrittenen
Passagen des neuen Programms wird am heutigen Sonntag abgestimmt.
Der PDS-Vorsitzende Lothar Bisky hat auf dem Bundesparteitag in
Chemnitz um Zustimmung der Delegierten für das neue
Grundsatzprogramm der Partei geworben. "Wir verfallen nicht sofort dem
neoliberalen Zeitgeist, wenn wir unternehmerisches Handeln und
Gewinninteresse im Programm ansprechen", verteidigte Bisky am Samstag
einen der innerparteilich umstrittensten Punkte des Programms. Noch vor
Beginn des Programmparteitages hatte der PDS-Politiker Gregor Gysi
seine Partei zu einem Bündnis mit kleinen und mittleren
Unternehmen aufgefordert.
Bisky betonte, die PDS verzichte keinesfalls auf ihre
grundsätzliche Kritik am Kapitalismus. "Unternehmerische
Kreativität begründet nicht gleich und unmittelbar dasselbe,
wie eine profitdominierte Kapitallogik großer Konzerne",
unterstrich der PDS-Chef. Diese werde die PDS weiter "unbedingt
zurückdrängen" wollen. Auch die Vorsitzende der
Programmkommission, Gabi Zimmer, bezeichnete den Entwurf als gutes
sozialistisches Programm. Die PDS werde sich nicht im Kapitalismus
einrichten. "Unsere Reformvorschläge zielen auf seine schrittweise
Überwindung", sagte Zimmer.
Gysi sagte, um die wirtschaftlichen Probleme in Deutschland zu
überwinden, sollte sich die PDS auch zur Zusammenarbeit mit dem
Mittelstand bekennen. Nicht die Großunternehmen seien es, die
Arbeitsplätze schafften, sondern die kleineren und mittleren
Betriebe. Zugleich warnte er die Partei davor, sich in ideologischen
Auseinandersetzungen zwischen den Flügeln der Partei zu zerreiben.
«Präsentiert endlich politische Alternativen», mahnte
Gysi.
In der Debatte um die Präambel des neuen Parteiprogramms erinnerte
die frühere PDS-Bundestagsabgeordnete Christa Luft die Delegierten
daran, dass die Prinzipien unternehmerischen Handelns und der
Gewinnorientierung nicht nur auf Privatunternehmen anzuwenden seien.
Auch öffentliche und genossenschaftliche Betriebe müssten
sich daran orientieren. Wenigen tausend Großunternehmen
stünden in Deutschland zudem etwa drei Millionen kleine und
mittlere Unternehmen gegenüber, die oft genug ums Überleben
kämpfen müssten. «Das ist eine Realität, die wir
anerkennen müssen», sagte Luft.
Die Delegierten verabschiedeten auf ihrem Parteitag eine Resolution, in
der die PDS weiteren Widerstand gegen die Agenda 2010 der
Bundesregierung ankündigte, die lediglich auf Sozialabbau abziele.
Sie forderten die Schaffung von Arbeitsplätzen durch den Abbau von
Überstunden, die Verkürzung von Arbeitszeit sowie eine
Ausbildungsabgabe. Die Sozialsysteme sollen nach den Vorstellungen der
PDS durch eine Ausweitung der Beitragspflicht reformiert werden, wobei
auch Einkommen aus Wertpapierbesitz und Vermögen einbezogen werden
sollen. Zudem wurde eine Wertschöpfungsabgabe für Unternehmen
verlangt.
Über den vorliegenden Programmentwurf des Parteivorstandes sollen
an diesem Wochenende rund 400 Delegierte aus Ost- und Westdeutschland
entscheiden. Zum Leitantrag des Führungsgremiums liegen rund 500
Änderungsanträge vor. Die Schlussabstimmung ist für den
(heutigen) Sonntag vorgesehen. Für eine Annahme des Entwurfs ist
die Zustimmung von mindestens 286 Delegierten notwendig. Neben Bisky
und Gysi haben nach Angaben des PDS-Chefs bereits zehn
Landesvorstände zur Zustimmung zum Programmentwurf aufgerufen.
(Quellen: dpa, ap)
Kluge mit Büchner-Preis ausgezeichnet
So.26.10.03 - Der Schriftsteller und Filmregisseur Alexander Kluge
[http://www.kluge-alexander.de/] ist mit dem
Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und
Dichtung [A HREF="http://www.deutscheakademie.de/" TARGET="_blank">http://www.deutscheakademie.de/] ausgezeichnet worden. Akademie-Präsident Klaus Reichert
rühmte Kluge bei der Preisverleihung am Samstag in Darmstadt als
"Chronisten des 20. Jahrhunderts, der das Universum der Geschichte und
der Gefühle mit Scharfsinn und unbestechlicher Fantasie seziert
und gleichzeitig erweitert hat". Der Büchner-Preis ist mit 40.000
Euro dotiert und gilt als der renommierteste deutsche Literaturpreis.
Der 1932 geborene Kluge ist vor allem als Filmemacher einer breiten
Öffentlichkeit bekannt geworden. Der Schüler von Fritz Lang
gilt als einer der führenden Vertreter des deutschen Autorenfilms.
Seit Anfang der 60er Jahre hat Kluge zudem zahlreiche Prosawerke
veröffentlicht. Mit seiner Firma DCTP produziert er zur Zeit vor
allem Kulturmagazine für die Fernsehsender RTL und SAT.1.
Kultur ist seine Mission, und zur Verbreitung des Schönen und
Guten aus Theater, Oper und Literatur ist Alexander Kluge jedes Medium
recht. Und er nutzt sie meisterhaft. Das beweist nicht zuletzt die
lange Liste seiner Auszeichnungen: Für seine Kinofilme ist er
mehrmals mit dem Filmband in Gold und den Löwen von San Marco
geehrt worden, als TV-Produzent hat er Grimme-Preise erhalten, und auch
seine Bücher sind vielfach gepriesen worden.
Seine Vergangenheit als Mitbegründer des "Neuen Deutschen Films"
Anfang der 60er Jahre und sein Engagement als Produzent von
Kultursendungen im Privatfernsehen verstellen oft den Blick auf den
Schriftsteller Kluge. Den Durchbruch auf diesem Gebiet erzielte er vor
drei Jahren, als er sein erzählerisches Gesamtwerk in der
zweibändigen "Chronik der Gefühle" vorlegte. Die Kritiker
bezeichneten es als "Jahrhundertbuch" und lobten die Mischung aus
Erzählen, Erfinden und Reflektieren. Sein soeben erschienener Band
"Die Lücke, die der Teufel läß"» ist
gleichermaßen enthusiastisch aufgenommen worden.
Doch Kluge hat sich nicht nur als Erzähler einen Namen gemacht,
sondern auch als Verfasser theoretischer Abhandlungen. "Dafür
suche ich mir immer einen Co-Autoren", beschreibt er seine
Vorgehensweise. So bildet er mit dem Soziologen Oscar Negt nach mehr
als 30 Jahren Zusammenarbeit inzwischen ein eingespieltes Team: Von
ihrem ersten Buch "Öffentlichkeit und Erfahrung" (1973) bis zu
"Geschichte und Eigensinn" aus dem Jahr 2001.
Das Buch ist für Kluge, der 1932 als Sohn eines Arztes in
Halberstadt geboren wurde, das reichste Medium. Über seine
Bücher fühlt er sich mit "vertrauenswürdigen Autoren aus
mehr als 2000 Jahren" verbunden. "Das ist die größte
Vernetzung, die ich kenne." Aus diesem Fundus schöpft er seinen
Glauben an die Kultur.
Im Vergleich zum Schreiben ist das Filmen eine junge Kunst, "die ich
aber genauso liebe", sagt Kluge. Dieses Medium zog ihn als jungen Mann
in seinen Bann. Als promovierter Jurist - er studierte unter anderem
zusammen mit Jürgen Habermas bei Theodor Adorno in Frankfurt am
Main - absolvierte er ein Volontariat beim berühmten Regisseur
Fritz Lang. Danach drehte er rund 20 Filme, von denen vor allem
"Abschied von gestern" (1966) und "Die Artisten in der Zirkuskuppel:
ratlos" (1968) international erfolgreich waren.
Beim Filmen setzte Kluge - anders als viele seiner Kollegen - immer auf
die Zusammenarbeit mit dem Fernsehen, das fast alle seine Werke
mitfinanziert. Als 1984 das Privatfernsehen eingeführt wurde,
erkämpfte er sich für seine Produktionsfirma DCTP in
München Sendezeiten bei RTL, SAT 1 und Vox. "Heute ist das
Fernsehen das Leitmedium. Bei Katastrophen wie am 11. September sehen
die Menschen erst ins Fernsehen und dann aus dem Fenster",
begründet Kluge sein Engagement. "Deshalb will ich das Beste, was
in der Kultur passiert, ins Fernsehen bringen."
Anfangs von den Programmchefs als "Quotenkiller" und "elektronischer
Wegelagerer" beschimpft, gehören Kluges Kultursendungen heute zum
festen Bestandteil der Sender. Sein Name steht aber auch für
"Spiegel TV" und "Stern TV". Der Erfolg kam für den Erfinder des
"Herausgeber-Fernsehens" nicht unerwartet. "Sie dürfen die
Zuschauer nicht unterschätzen. Kultur gehört auch zu ihren
Lebenserfahrungen." An Ruhestand denkt Kluge noch lange nicht. Im
Gegenteil: Jeder Preis ist für ihn Bestätigung, dass er auf
dem richtigen Weg ist.
Neben Kluge zeichnete die Akademie den Schriftsteller Klaus Theweleit
mit dem Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und
Essay aus. Den Siegmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa
erhielt der Altphilologe und Kulturhistoriker Walter Burkert.
(Quellen: dpa, ap)
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